Aaron Rodgers vs. Matt Ryan

Vor einigen Tagen hat Adrian Franke/SPOX mit seinem QB-Ranking von „Matt Ryan > Aaron Rodgers“ für Aufregung gesorgt. Ehrlicherweise dachte ich gar nicht mehr, dass es jemanden gibt, der ernsthaft Rodgers über Ryan ranken würde. Ein Blick auf die beiden Star-QBs. Weiterlesen

Date am Donnerstag 2015, Week 6: New Orleans Saints – Atlanta Falcons Preview

Heute Nacht das erste Spiel der NFL-Woche 6: New Orleans Saints (1-4) vs Atlanta Falcons (5-0) aus dem Superdome, live ab 2h30 bei SPOX.com, SPORT1 US und im NFL Gamepass. Vor der Saison hätte man vermutet, dass es hier bereits um die Wurst in der NFC South geht, aber nach den ersten Wochen geht es für die Saints hier schon um das nackte Überleben. Weiterlesen

NFL Vorschau 2014 – Atlanta Falcons

2008 haben die Atlanta Falcons nach vielen Jahren Mittelmäßigkeit einen radikalen Schnitt gemacht. Owner Arthur Blank holte sich einen neuen GM (Thomas Dimitroff), einen neuen Head Coach (Mike Smith) und einen neuen Quarterback (Matt Ryan). Selten läuft in der NFL ein Neuanfang vom Start weg so rund wie in Atlanta: in den ersten fünf Jahren gewannen sie 56 Spiele in der regular season und erreichten vier Mal die Playoffs.

 

Man wähnte sich nur einen difference maker vom großen splash entfernt – und dieser sollte WR Julio Jones werden. Das nahm sich auch ganz gut aus, schließlich endete die Saison 2012 nur einen 4th down vom Super Bowl entfernt. Unter der Oberfläche wurde das Eis aber immer dünner. Nicht nur hatte Atlanta in den Drafts 2011 und 2012 nur insgesamt vier picks in den jeweils ersten vier Runden; sondern diese picks und die späteren wurden auch noch reihenweise in den Sand gesetzt.

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Atlanta Falcons in der Sezierstunde

Die Atlanta Falcons gelten als eine der langweiligeren Franchises in der Ära nach Michael Vick, aber so ganz erschließt sich mir nicht, warum. Die Mannschaft ist seit der Inthronisierung des sportlichen Führungsduos bestehend aus Head Coach Mike Smith und GM Thomas Dimitroff eine permanente Wundertüte, die, obwohl jeder weiß was sie spielen möchte, die immergleichen Erwartungen entweder massiv übertrifft (2008, 2010, 2012) oder massiv enttäuscht (2011, 2013). So richtig „in line“ sind die Falcons nicht – warum, ist fast nicht nachvollziehbar.

Dimitroff ist eine coole Socke, fast nicht in das klassische Schema des NFL-Bürokraten zu pressen. Das neue, alpenländische deutschsprachige Football-Blog Two Point Conversation von Simon Traxl und dem Falcons-nahen Marko Markovic (in Blogsphären auch als Wiesengrund unterwegs) schreibt in einem der ersten Blogeinträge, einer Buchrezension, unter anderem auch über den (O-Ton) „liberalen laid-back Nerd“ Dimitroff. Ein lesenswertes Stück. Dimitroff kommt, wie wir wissen, aus dem Stamm Belichicks, aber er wirkt wie ein Gegenentwurf zu Belichick. Mit dem harten Hund Scott Pioli (einst auch in New England, später als GM in Kansas City gescheitert) holte sich Dimitroff nun einen alten Weggefährten in das Front-Office.

Dimitroffs Falcons versprühten trotzdem nie die ganz große Magie. Es mag dran liegen, dass der Franchise-QB Matt Ryan kein Lautsprecher ist, dem die Sideline-Reporterinnen am Hals hängen. Oder dass man den leisen Head Coach Mike Smith nicht auf der Straße erkennen würde. Oder dass man die Bilder vom verbrauchten RB Michael Turner (*schmacht*) noch nicht ganz verdrängt hat. Oder dass die heimatliche Halle nur dann ausverkauft ist, wenn die SEC dort College-Football spielt. Anyhow: So fasziniert man von den Falcons und ihren kultigen Führungspersönlichkeiten sein sollte, so langweilig findet man diese Jungs.

Überblick 2013

Record         4-12   --
Enge Spiele    4-7
Pythagorean    5.8    24
Power Ranking  0.340  28
Pass-Offense   6.0    17
Pass-Defense   7.1    32
Turnovers      -7

Management

Salary Cap 2014.

Der Absturz der letzten Saison auf 4-12 tat nicht viel dafür, dieses Vorteil in deinem Kopf zu beseitigen. 2013/14 lief alles schief, was schieflaufen konnte: Knappe Niederlagen zum Saisonauftakt, ein schneller Ausfall des Schlüssel-WRs Julio Jones (2012 mit 22% Anspielen, 2013 mit 41 Catches für 580yds in nur viereinhalb Spielen / 33% tiefe Anspiele), eine unter Verletzungen kollabierende Offensive Line und Defense, ein WR Roddy White auf dem Zahnfleisch. Das Gute an solchen Seuchenjahren: Es gibt dir die Möglichkeit, ein bissl umzubauen, und mit ein paar höheren Draftpicks wieder nachzubessern.

Jones und White sollten zur kommenden Saison wieder fit sein. In WR Douglas hat man einen ganz brauchbaren dritten Mann für die Catches. Dafür muss man versuchen, die TE-Legende Tony Gonzalez zu ersetzen.

Ryan würdest du für Max Müller aus der Blumenthalstraße 17 halten, wenn du nicht wüsstest, dass er einer der erfolglosesten erfolgreichsten Quarterbacks der letzten Jahre in der NFL ist. Ryan leidet noch immer unter seinem Image als Playoff-Loser. Er ist im Gegensatz zu einem Rodgers, Manning oder Brees nicht in der Lage, eine Offense komplett im Alleingang zu tragen, aber unter passenden Rahmenbedingungen ist Ryan trotzdem ein verlässlicher Mann, der dir über 7 NY/A und 30 Touchdowns ohne Laufspiel fabrizieren wird.

Gerade wegen dieser Rahmenbedingungen sollte Atlanta vielleicht ein Auge auf die TE-Position halten, und im Draft versuchen nachzubessern. Erinnert sei noch einmal an das NFC-Finale 2012/13, als Jones/White/Gonzalez so um die ersten 21 Catches im Spiel unter sich aufteilten, weil sich keine weitere Alternative anbot. Einen Gonzalez ersetzt du niemals 1:1, aber es dürfte nicht mit einem TE Levine Toilolo in die Saison gehen.

Wo bereits eine gute Ergänzung gemacht wurde: Offensive Line. Diese ist seit Jahre ein Bremsklotz in Atlanta, aber mit dem RG Jon Asamoah aus Kansas City wurde ein hervorragender Mann geholt, um die halbrechte Position nicht in die Hände eines ungedrafteten Rookies zu legen. Der Rest der Line halt zuletzt aber als purste Katastrophe in Reinform.

Atlanta wird vermutlich nicht viel anderes übrig bleiben als in der ersten Runde einen Offensive Tackle zu draften: Ein neuer Tackle dürfte sogar zwei Probleme lösen: Die linke Flanke (Ryans „Blind Side“), und man könnte der bisherigen LT Baker nach rechts schieben, wo ihn Experten als besser geeignet sehen.

Und dann sehen es alle als wichtig an, noch einen „interior Lineman“ zu holen, also einen weiteren Guard oder Center. Gerade auf Center galt zuletzt der junge Peter Konz als komplett pulverisiert und hoffnungsloser Fall. Es gibt Experten, die behaupten, Atlanta müsse bloß irgendeinen Center holen, ihn zwei Wochen lang in ein Steakhouse schicken und mit dem Bröckerl hätte man genügend Physis um Konz vergessen zu machen.

Also: Left-Tackle, Center/Guard als unbedingte Needs für die Offense, plus wenn es sich ausgeht, noch einen Tight End. Das sind gar einige dringende Fälle auf einmal.


Zumal auch die Defense keine g’mahnte Wiesn ist. Nicht einmal DefCoord Mike Nolan war zuletzt noch in der Lage, aus diesem Haufen eine gescheite Unit zusammenzufinden. Atlantas Defense war nie eine der effizientesten, aber sie kaschierte ihr abwartendes und oft viele NY/A kassierendes Spiel häufig mit Turnovers und Interceptions. Letztes Jahr ging aber alles den Bach runter.

In der Offseason waren die Bemühungen erkennbar, die Front-Seven zu massieren: Mit Tyson Jackson (einstiger 1st-Round Pick Piolis in Kansas / hatte 2013 seine erste wirklich gute Saison) und Paul Soliai aus Miami wurden zwei Männer für die Innenseite der Defensive Line geholt, um eine schwache Lauf-Defense aufzubolstern und den Flanken und Linebackers etwas mehr Raum zum Atmen zu verschaffen. Die beiden Eigenbauprodukte Babineaux, Jerry und Peters wurden gehalten, sodass man diese Position zumindest im weiteren Offseason-Verlauf vernachlässigen kann.

Auf Defensive End ist man mit einem verbrauchten Umenyiora und Bierman nicht unbedingt weltbewegend besetzt – in einer Defense, die zuletzt die wenigsten „Adjusted-Sacks“ der Liga hatte, kannst du da immer ein Upgrade brauchen. Sagen wir es so: Sollte Jadeveon Clowney wider Erwarten zu den Falcons runterfallen, ist keine Frage, wer als erstes gedraftet wird. Dann kannst du dir auch deinen Offense Tackle eine Runde aufsparen. Aber Clowney wird höchstwahrscheinlich nicht fallen. Möglicherweise wird Atlanta versuchen, in den späteren Runden des Drafts passende Spielertypen auf Defensive End zu holen – es war eh überraschend, das man sich keine Ends vom Transfermarkt holte.

Oder bastelt Dimitroff schon am nächsten Mega-Trade, diesmal für Clowney?

Linebacker ist nur auf der Strong-Side mit Weatherspoon adäquat besetzt, aber bei so vielen Problemen kannst du dich im Draft nicht auf LB stürzen. Es bleibt die Option, auf den Frühsommer zu warten, wenn möglicherweise nach einer Entlassungswelle einige billige Routiniers auf dem Markt kommen.

In der Secondary ist man mit dem starken Rookie-CB Trufant sowie dem phasenweise ähnlich guten Rookie-CB Alford eh ganz gut aufgestellt. Die größte Schwachstelle, S Decoud, wurde per Entlassung Decouds gelöst – ein Fall von Addition durch Subtraktion, sagen die Auguren. Keine Ahnung, wie man diese Free-Safety Position zu verbessern versucht.

Das liest sich alles ein wenig wie zu viele Baustellen für eine halbe verbleibende Offseason. Aber man sage mir nicht, man hätte es nicht schon eine zeitlang sehen können: Atlanta hat diese Schwachstellen zu lange mit einem fantastischen Pass-Spiel, knappen Siegen und hoher Interception-Quote kaschieren können. Solche Erfolgsstrategien können natürlich gut gehen – man war erst vor 15 Monaten einen 4yds-Pass davon entfernt, in die Superbowl einzuziehen – aber wenn nur Kleinigkeiten wie 1-2 Verletzungen daneben gehen, bricht so ein Haus schnell mal zusammen.

Atlanta wird 2014/15 deutlich mehr als vier Siege holen. Bei allen Verletzungen, bei aller Schlechtigkeit: Man war 4-7 in engen Spielen, also phasenweise durchaus konkurrenzfähig, eine 1.9% INT-Quote in der Defense ist auch gering genug, dass man Regression erwarten kann.

Eine Offense Line, die einem Quarterback ein paar Zehntel mehr Schutz gibt, zwei der besten Wide Receiver in der Liga auf ihrer Comeback-Tour und eine etwas verbesserte Defense – das dürfte schon reichen, um Atlanta zumindest per sofort wieder nahe an eine 8-8 Bilanz zu bringen. Zumal eine eigene Offense, die imstande ist, das Tempo vorzugeben, der eigenen Defense auch meistens hilft, weil sie den Gegner eindimensionaler macht. Kannst du dich darauf konzentrieren, den Pass zu stoppen, hast du immer einen Vorteil.

Atlanta hat folgende Needs:

  1. Offensive Tackle (LT, kurzfristig)
  2. Guard/Center (kurzfristig)
  3. Tight End (kurzfristig)
  4. Free-Safety (kurzfristig)
  5. Defensive End (kurz-/mittelfristig)
  6. Tiefe bei Wide Receivern (mittelfristig)
  7. Running Back (mittelfristig)

Vielleicht sollte Dimitroff nicht einmal zu kurzfristig „Need“ draften, sondern versuchen, den Laden eine Spur mittelfristiger aufzustellen. Lieber den exzellenten Mann für 2015 als den guten für 2014, oder so. In einer einzigen Offseason räumst du den Laden nicht auf, aber der Kern ist schon jetzt gut genug um wieder spätestens 2015 in den Playoffs mitzuspielen, wenn man nicht ausschließlich Griffe in den Gully macht.


Auch für heute gilt das Mantra: Haben die Falcons die letzten drei Tage besondere Moves gemacht, hab ich nix davon mitgekriegt. Also bitte keine Klagen ob mangelnder Tagesaktualität.

NFL-Sonntagsvorschauer 2013, Week 8

Achter NFL-Spieltag, was nichts anderes heißt als: Wir näheren uns rasant der Saisonhalbzeit. Was heute in keinem Einleitungssatz fehlen darf: Die Warnung. Die Amerikaner stellen die Winterzeit eine Woche später um als wir Europäer, weswegen es heute Abend schon um 18h mitteleuropäischer Zeit losgeht, mit dem zweiten Slate ab 21h05 / 21h25 und dem Sunday Night Game ab 1h30.

SPORT1 US bringt heute folgendes NFL-Programm:

18h    New England Patriots - Miami Dolphins
18h    Jacksonville Jaguars - San Francisco 49ers (*)
21h25  Denver Broncos - Washington Redskins
21h25  Arizona Cardinals - Atlanta Falcons (*)
01h25  Minnesota Vikings - Green Bay Packers

PULS 4 überträgt in Österreich Denver Broncos gegen Washington Redskins, das x-te Mal also die Broncos, aber es ist im Vergleich zu den sich bietenden Alternativen verständlich. PULS4 steigt allerdings erst um 22h30 ein. Das Free-Game im Gamepass: Kansas CityCleveland.


Ab 18h MEZ aus dem Wembley-Stadion: Jacksonville Jaguars (0-7) gegen San Francisco 49ers (5-2). Ich schrieb schon am Freitag ausführlich über den Status der Jaguars in diesem Jahr, und weswegen ich trotzdem Chancen sehe, dass die Jags in den nächsten Jahren mit London warm werden – und umgekehrt Europa mit den Jags warm wird. Für heute ist es freilich eher trostlos, aber die Hütte ist dennoch voll.

Ein Faktor könnte das Wetter werden: Für heute ist ein Unwettereinbruch inklusive heftigster Stürme von 120 km/h und mehr gemeldet (sagt zumindest die BBC). San Francisco geht mit oder ohne Sturm als haushoher Favorit ins Spiel, und kriegt gegen einen besseren Sparringspartner die Chance, wieder so etwas wie Rhythmus in die seit Wochen verwaiste Offense zu bekommen. QB Colin Kaepernick, vor knapp einem Jahr die Liga überrollend, ist zwar nicht mehr so unsicher wie noch in den ersten Wochen dieser Saison, aber richtig rund läuft der Niners-Angriff noch nicht.

Als Nachtrag zu verlinktem Eintrag über NFL-International sei gesagt, dass mittlerweile die drei Spiele von 2014 bekannt gegeben worden sind:

  • Jacksonville Jaguars – Dallas Cowboys
  • Oakland Raiders – Miami Dolphins
  • Atlanta Falcons – Detroit Lions

Die genauen Termine stehen noch nicht fest.


Zurück in die Gegenwart: Auch in den Staaten wird gespielt, ab 18h MEZ. Die 18h-Partien sind:

  • Detroit Lions – Dallas Cowboys
  • Kansas City Chiefs – Cleveland Browns
  • New England Patriots – Miami Dolphins
  • New Orleans Saints – Buffalo Bills
  • Philadelphia Eagles – New York Giants
  • Jacksonville Jaguars – San Francisco 49ers

Detroit Lions (4-3) – Dallas Cowboys (4-3) gab es zuletzt vor zwei Jahren in Form eines spektalulären Comeback-Siegs der Lions inklusive eines unvergessenen Touchdown-Catches von WR #81 Calvin Johnson in Triple-Deckung. Johnson wird auch heute wieder spielen, und als Aufwärmrunde klaubte er letzte Woche einen ähnlichen Ball gegen Cincinnati aus der Luft.

Die Fangkünste von „Megatron“ dürfte heute CB #39 Brandon Carr zu verhindern versuchen, der einzige Cowboys-DB von Format. Überhaupt ist das beidseitig heute ein Duell zweier ähnlich gepolter Mannschaften, denn auch Dallas stellt einen hünenhaften WR-Schlaks, der jedem Gegenspieler Probleme bereiten kann, in #88 Dez Bryant, und auch Detroit hat in CB #23 Chris Houston nur einen wirklich guten Cornerback. Okay, die Lions können in Delmas und Quin bessere Safetys für sich reklamieren, dafür hat Dallas in Tony Romo den besseren der beiden „Neuner“ auf Quarterback.

Der Rest der Kontrahenten dürfte sich grob auf Augenhöhe begegnen, mit einem leichten Vorteil für Dallas auf Tight End, aber einer sehr viel gesünderen Front-Seven auf Seiten der Lions. Je länger das Spiel geht, desto schmerzhafter dürfte es heute für Dallas-DefCoord Monte Kiffin werden, wenn sich ein DE Hatcher im Alleingang durchplustern muss. Da ist der Gegner schon besser dran, wenn er zwischen einem Suh, einem Fairley und sechs bis sieben gleichwertigen Line-Spielern durchrotieren kann.

Ich bin gespannt auf diese Partie, denn sie hat Ingrendienzien, ein Shootout zu werden. Gleichwohl sehe ich auf beiden Seiten durchaus gute wie schlechte Matchups, bei denen ich mir vorstellen kann, dass sie der einen oder anderen Mannschaft das Genick brechen und zu einem Blowout führen könnte. Detroit würde ich leicht favorisieren, aber im Prinzip kannste hier bei einer Prognose auch gleich die Münze werfen. Das macht aus einem sehr wichtigen Spiel zwischen zwei Teams am Rande von Playoffs oder Nicht-Playoffs ein wunderbares Matchup.

New England (5-2) gegen Miami (3-3) wäre vor drei Wochen das Duell zweier ungeschlagener AFC East Teams gewesen, aber mittlerweile fühlt es sich leicht „kriselig“ an. Die Patriots wissen wohl selbst nicht genau, wo sie stehen, in der Lage, mit den Bengals mitzuspielen und die Saints zu schlagen, aber dann wieder schlampig genug um sich mit den Jets auf Augenhöhe zu begegnen und mit dummen Strafen Spiele zu vergeigen.

Frage 1: Wie weit können DE Cam Wake und seine Kollegen Tom Bradys Pocket unter Druck setzen, um Brady erneut zu so vielen grausigen Würfen zu zwingen wie letzte Woche die Jets? Frage 2: Welchen Druck können die Patriots auf die üble Offense Line der Dolphins ausüben, um QB Tannehill kaltzustellen? Dieser Tannehill sah in den letzten Wochen (insbesondere Q1 letzte Woche gegen Buffalo) unterirdisch aus, weil er keine Zeit zum Werfen bekam. In den Momenten, in denen er von den Kollegen einigermaßen Zeit bekommt, glaubt man dann wieder an diesen Tannehill: Ein Mann, der alles Potenzial der Welt besitzt und in drei Jahren Allstar ist.

Namhafte Partie zweier völlig unberechenbarer Teams in Philadelphia: Eagles (3-3) gegen Giants (1-6). Ganz ehrlich: Ich habe nicht den leisesten Schimmer, was ich erwarten soll. Die Eagles waren letzte Woche ganz schrecklich drauf, was nicht nur, aber auch an der Vorstellung von QB #9 Nick Foles lag: Foles sah offene Receiver, die nicht da waren, und wurde mit zunehmendem Spielverlauf immer unsicherer, begann, grobe technische Fehler in seine Würfe einzubauen. So wild es klingt bei 3 INTs in nur einem halben Spielviertel, aber bei QB #2 Matt Barkley (eingewechselt im Schlussviertel, weil Foles mit Gehirnerschütterung runter musste) hatte ich eher das Gefühl, dass er ein halbwegs ordentliches Debüt gab: Barkley machte Anfängerfehler, die viele junge QBs machen (Wurf zum Receiver erst, als er frei ist), aber immerhin schien sich Barkley nicht komplett vom Passrush narrisch machen zu lassen. Heute soll es wurscht sein, da eh wieder Michael Vick zurückkehrt.

Bei den Giants sah ich haargenau im ersten Saisonsieg das erste wirklich furchtbare Spiel (ok, das Panthers-Spiel war ähnlich). Eli Manning durchlebt momentan ein tiefes Tal. Die Offense war noch schlechter drauf als in den letzten Wochen, aber sie vermied immerhin halbwegs die Turnover. Irgendwie scheint aber alles, was auf Runningback eingesetzt wird, den Ball wegfumbeln zu wollen.

Sicherer bin ich mir bei Saints (6-1) gegen Bills (3-4): Setze nicht gegen New Orleans in deren Heimstadion. Brees und Co. gefielen mir zuletzt in New England nicht allzu gut, und wir müssen erst schauen, wie diese Offense ohne den wichtigsten Ballfänger, TE #80 Jimmy Graham, aussieht, aber bei aller Bewunderung für die couragierten Bills: Ich sehe nicht, woher das Upset kommen soll.

Im Arrowhead Stadium versuchen die Cleveland Browns (3-4), die letzten Ungeschlagenen des Jahres zu stürzen, die Chiefs (7-0). Und ganz ausschließen möchte ich eine Überraschung hier nicht. Nicht, dass ich den Chiefs völlig misstrauen würde, aber diese Browns entwickeln sich mit ihrer furztrockenen Defense zu echten Parasiten, die die gegnerische Offense zu sich herunter ziehen, nur um an der Seitenlinie mit ansehen zu müssen, wie die eigene Offense alles verkackt. Umgekehrt ist auch die Chiefs-Defense ein Monstrum: Laufspiel geht gegen eine Defense Line mit einem 180kg-Bewegungstalent #92 Dontari Poe nun mal gar nicht, und gegen den Passrush von OLBs wie #91 Hali oder #50 Houston sah noch keine Offense Line überzeugend aus. Wer die rechte Seite der Browns-Line dieses Jahr schon hat spielen sehen, der kann nicht anders als drei Sacks als Minimum zu erwarten.

Also: Chiefs-Browns hat die Zutaten, eine unansehnliche Abwehrschlacht zu werden. Wenn die schlechteste Passoffense der Liga (Browns, 4.9 NY/A) auf die beste Pass-Defense (Chiefs, 4.8 NY/A) trifft, sollte man kein 37-34 erwarten. Aber weil beide Defenses großartig sind, und beide Offenses ziemlich limitiert im Passspiel, könnte das durchaus ein punktarmes Spiel werden, und punktarme Spiele bedeuten häufig „enge Spiele“. Enge Spiele bedeuten mehr Fokus auf Turnovers und Special Teams… vielleicht kann ja einer der beiden Returnspezialisten, #22 McCluster von den Chiefs oder #80 Benjamin von den Browns, das entscheidende Akzent setzen?

Nach Neune

Die Ansetzungen ab 21h05 lauten:

  • Cincinnati Bengals – New York Jets
  • Oakland Raiders – Pittsburgh Steelers

Und ab 21h25:

  • Denver Broncos – Washington Redskins
  • Arizona Cardinals – Atlanta Falcons

Für 21h05 ist der Kickoff von Cincinnati Bengals (5-2) gegen New York Jets (4-3) angesetzt. Erstere spielen im Rahmen des Erwarteten, können aber nicht vor den Eindrücken davon laufen, dass ihre Pass-Offense zu banal ist: QB #14 Andy Dalton ist mit 7.0 NY/A über die Saison einer der bislang effizientesten Quarterbacks, aber rein optisch lässt Dalton unzählige Plays liegen; allein gegen Detroit unterwarf Dalton drei potenziell einfache lange Touchdowns (und der lange 82yder für A.J. Green war auch suboptimal geworfen). Es deutet vieles darauf hin, dass Daltons Wurf-Repertoire nicht ausreicht, um mit der Spitzenklasse mitzuhalten.

Ein Klassiker: Oakland (2-4) gegen Pittsburgh (2-4), ein Duell, das Succus aus der Historie in Form von unzähligen Schlachten in den 70ern ziehen kann. Heute sieht die Sache etwas anders aus: Beide sind 2-4, und während die Raiders damit etwas besser unterwegs sind als man befürchtet hatte, geht es den Steelers umgekehrt. Das Gute für Pittsburgh: Die Mannschaft scheint langsam in Schwung zu kommen; QB Roethlisberger zuletzt gegen Baltimore mit einer für meine Begriff erstklassigen Leistung, bekam ein Jota mehr Zeit von seiner Offense Line und hielt nicht mehr ständig den Ball für 13sek. Was auch lobenswert an Pittsburgh ist: Das Laufspiel um den erstaunlich agilen RB #26 Bell kommt in die Gänge; Bell hatte ich als komplett anderen Spielertyp aus dem College in Erinnerung.

Ein Lob muss man bei den Steelers auch mal OffCoord Todd Haley machen, dessen Spielzugdesign und -ansagen mir in den letzten beiden Spielen gegen Jets und eben Ravens hervorragend gefielen: Haley verließ sich nimmer auf die nicht mehr vorhandene individuelle Spitzenklasse im Kader, sondern kreierte einfache Routen und schnelle Reads für Roethlisberger und seine Jungs um WR Brown und WR Sanders; dass TE Miller noch nicht in Form ist (aber wenigstens wieder da!), wurde von Haley auch gebührend berücksichtigt.

Jezz‘ aba bidde aufgepasst, denn die Raiders-Defense ist auch ohne große Namen eine unangenehme. Ich habe keine Ahnung, was diese Defense kurz und knackig beschreiben könnte. Außer eben „unangenehm“. Da scheinen ein paar Altstars und ein paar Youngsters sich gefunden zu haben und soweit zu harmonieren, dass es gegen die mitteklassigen NFL-Teams für Upsets reichen kann.

Die anderen beiden Spiele starten um 21h25. Arizona (3-4) vs Atlanta (2-4)? Die Cards müssen sich nach dem pathetischen Auftritt gegen Seattle erstmal verspielten Kredit bei mir zurückholen, und wenn das sieben ausgespielte 4th-Downs an der 10yds-Line bedeutet. Ich traue den Jungs dabei durchaus einen Heimsieg zu, denn Atlanta hat a) keine überzeugende Defense und b) eine Offense, in der außer QB Matt Ryan nimmer viel beim gewohnten Alten ist. Jener Ryan stopfte letzte Woche mit einer einwandfreien Leistung gegen die Buccs-Defense vielen Kritikern das Maul (Stichwort: „Ryan ist Produkt seiner Skill-Player“). Allerdings muss man zum heutigen Zeitpunkt auch sagen: Eine motivierste Cards-Defense ist schwerer zu bespielen als eine unmotivierte Buccs-Defense. Insofern: Eher würden ich hier zu den Cardinals tendieren.

Sunday Night Game

Ab 2h30 1h30

Zu Green Bay Packers (4-2) gegen Minnesota Vikings (1-5) fällt mir nicht viel ein, da es wie ein Mismatch aussieht: Die Packers-Offense marschiert zwar wohl ohne das Ballfänger-Trio Cobb/Finley/Jones auf, aber solange QB Aaron Rodgers eine dezimierte Vikings-Secondary vorgesetzt bekommt, nehme ich jedesmal Rodgers. Fraglich ist, ob Minnesota überhaupt die Punkte auf das Tableau kriegt, um die Partie länger als eine Halbzeit spannend zu gestalten: QB Freeman ist nach dem schwachen Debüt erstmal mit Gehirnerschütterung draußen, was The Return of the Ponder bedeutet, oder besser: Weiterhin anämische Vikings-Offense. Dass Green Bay ein Laufspiel ausschalten kann, hat man gegen San Francisco schon bewiesen, nur dass dort auch noch sowas wie Pass-Offense existierte; in Minnesota tut das nicht. Schade, denn es wären halbwegs gute Skill-Players da: WR Jennings, ein einstiger Rodgers-Buddy, der Rodgers in der Offseason arg kritisierte, WR Patterson und TE Rudolph sind allesamt Spieler, die mit akzeptablem Quarterback durchaus was reißen könnten.

Atlanta Falcons in der Sezierstunde

Stat Line 2012

Record        13-3    CF
Enge Spiele    7-2 
Pythagorean   11.2    (5)
Power Ranking   .557  (9)
Pass-Offense   7.0    (4)
Pass-Defense   6.7   (21)
Turnover       +13

Management

Salary Cap.
Free Agents.

Es gibt wenige Franchises, die sich besser für die Sezierstunden eignen als die Atlanta Falcons, die seit Jahren Moves im Grenzgebiet zwischen „logisch“ und „heikel“ machen. Hauptverantwortlich ist dafür der eine Mann: GM Thomas Dimitroff, ein Zögling aus der Belichick-Schule und einer der wenigen ehemaligen Belichick-Assistenten, die in anderen NFL-Städten eine richtig positive Duftmarke hinterlassen konnten.

Dimitroff baute gemeinsam mit dem so unscheinbaren Head Coach „thiry million Americans are named like me“ Mike Smith eine am Boden liegende Franchise auf, und ging dabei nach Reißbrett vor: 2008 wurde die Offense-Philosophie mit dem Kauf von RB Michael Turner und der Einberufung von QB Matt Ryan gebildet, 2009 und 2010 vor allem die Defense verstärkt, 2011 die Offensivstrategie um ein deep threat erweitert.

Wir sind mittlerweile im Jahre 2013, die Atlanta Falcons schafften eben den ersten Playoffsieg in einem beeindruckenden Krimi gegen Seattle und scheiterten nur denkbar knapp an ihrer zweiten Superbowl-Qualifikation ever. Dimitroff stand vor der Entscheidung, die Franchise auf Jahre auf solide Basis zu stellen oder auf 1-2 Jahre „all-in“ zu gehen. Dimitroff entschied sich klugerweise für ersteres.

Das lässt sich anhand der drei prominenten Entlassungen der letzten Wochen ablesen: DE John Abraham, RB Michael Turner und CB Dunta Robinson wurden entlassen. Die beiden Abwehrspieler hinterlassen echte Lücken, aber der gewonnene „Cap Space“ lässt die Falcons nun mit Fokus „3 bis 5 Jahre“ arbeiten (man hat nun 30 Mio. Platz für diese Offseason und große Freiräume um über 2014 hinaus zu basteln). Im Gegenzug verkleinerte man allerdings die Chancen, kurzfristig erneut auf die Lombardi Trophy zu gehen.

Die Offense

QB Matt Ryan dürfte nach dem Abstauben der Äffchen auffm Buckel auch in den amerikanischen Massenmedien in der Kategorie der angesehenen Star-Quarterbacks angekommen sein. Ryan legte eine MVP-reife Saison hin und bewies über viele Wochen, dass er eine größtenteils eindimensionale Angriffsmaschine im Alleingang tragen kann.

Die wichtigsten Anspielstationen der Falcons sind ohne Zweifel WR Julio Jones und WR Roddy White. Es gibt Experten, die Jones bereits in die absolute Eliteklasse mit reinrechnen und in White eher das ergänzende Element für einen kreativen OffCoord wie Dirk Koetter in Atlanta sehen. Beide sind auf Jahre an Atlanta gebunden, beide kosten – noch – keine verantwortungslose Summe.

Das dritte Kernelement ist der ewige TE Tony Gonzalez. Gonzalez ist mittlerweile im Spätherbst seiner Karriere angekommen und in wenigen Jahren sicherer Hall of Famer. Gonzalez wird ein weiteres „letztes“ Jahr NFL spielen.

Unterstützung könnte vom neuen RB-Arbeitstier Steven Jackson (für moderate Kohle aus St Louis gekommen) kommen. Rastamann Jackson ist einer meiner Lieblingsspieler, weil er über viele dunkle Jahre in St Louis versauerte ohne sich jemals öffentlich zu beklagen. Hoffentlich sieht Jackson mit den Falcons demnächst seine ersten Playoffs seit seinem Rookiejahr. Der physische, ja brachiale, Jackson sollte Stand heute ein Upgrade gegenüber dem zuletzt verbrauchten Michael Turner sein und formt gemeinsam mit dem wieselflinken Jaquizz Rodgers (Jackson und Rodgers kommen übrigens beide von derselben Uni: Oregon State) ein konzeptionell tolles RB-Duo.

Die Offense Line ist seit Jahren nicht mehr als solide, aber man verlängerte z.B. trotzdem mit dem eher ungeliebten LT Sam Baker. Mit dem Rücktritt von G McClure öffnete sich zudem eine weitere Minibaustelle. Atlanta wird den einen oder anderen Pick für die „trenches“ spendieren müssen.

Eine Position, die ebenso in Upgrade vertragen könnte: Slot-WR bzw. #3/#4-WR. Kein Spiel machte Atlantas Abhängigkeit von seinen Big-3 (White/Jones/Gonzalez) deutlicher als das knapp verlorene NFC-Finale gegen San Francisco. Entlastung wäre hoch willkommen.

Die Defense

Atlantas Abwehr wird vom bei mir hoch im Kurs stehenden DefCoord Mike Nolan gecoacht und zeichnet sich in Ermangelung von fantastischen Passrushern mit einer bend but don’t break-Mentalität aus: Yards aufgegeben ja, aber möglichst oft in den Pass springen und abfangen. Es ist keine „schlechte“ Defense, bloß eben auch keine furchterregende. Weil Atlanta in der Offense bis auf Slot-WR und OG ziemlich stark besetzt ist, und man zusätzlich zu den eigenen sieben Draftpicks noch vier „Compensatory“-Picks von der NFL spendiert bekam, dürften sich Nolan, Smith und GM Dimitroff im Draft auf die Defense konzentrieren.

Es ist die Chance zu einem neuerlichen Umbau, und man sollte bei Nolan nix ausschließen: Der Mann weiß, was er macht. Er weiß, wenn er probiert und testet – letztes Jahr war es mit einem Personal, das nicht „seines“ war (Nolan war erst im Jänner 2012 gekommen), ein wildes Mix aus 4-3, 3-4 und 3-3-5 Defense. Es gibt noch wenige Hinweise darauf, was Nolan nächstes Jahr zu machen gedenkt.

Viele erfahrene Recken wurden aus Alters- und Kostengründen gehen gelassen (CB Robinson, DE Abraham, wohl auch CB Grimes). Einige vielversprechende junge Leute ebenso (DT Walker, LB Sidburry). Mit den vielen Picks lässt sich ein Umbau angehen.

Ein vielleicht wichtiger Move wurde diese Woche in der Free Agency gemacht: DE Osi Umenyiora von New York eingekauft. Umenyiora ist ein von mir abgöttisch geliebter Mann, der einst eine Superbowl gegen eine übermächtige Patriots-Mannschaft quasi im Alleingang dominierte und über Jahre einer meiner Lieblings-Abwehrspieler war. Jetzt ist Umenyiora jenseits der 30 und wohl nicht mehr die Naturgewalt früherer Tage, aber wenn er als eine Art „jüngeren John Abraham“ geben kann, wäre das für Atlanta nur ein Gewinn.

Die Defensive Line braucht aber mit Sicherheit noch zumindest einen weiteren starken Passrusher auf Defensive End. Auf Tackle ist man mit Babineaux und Corey Peters noch halbwegs gut, aber längst nicht überragend besetzt. Dominanz strahlst du z.B. in einer 3-4 Defense nur mit mächtigem Nose Tackle aus – ich sehe in Atlanta keinen solchen, wenn nicht noch der schon als Flop abgestempelte DT Peria Jerry noch einen unvorhergesehenen Durchbruch schafft.

Vielleicht lässt sich auch mit diversen vielseitigen Schachfiguren wie LB Akeem Dent oder DL/LB Kroy Biermann arbeiten, aber vieles deutet drauf hin, dass die Chefs in diesen Jungs mehr role player sehen als echte Fixsterne. Was ist z.B. mit DE Jonathan Massaquoi? Der Mann spielte bei Troy alles in Grund und Boden; war halt leider nur die Sunbelt Conference.

Einiger dieser Leute könnten von Nolan aber auch auf Linebacker verschoben werden. Dort ist, egal welches Abwehrsystem gespielt wird, nur eines fix: Sean Weatherspoon hat seinen Platz in der Spielfeldmitte gewiss. Weatherspoon ist ein Leadertyp, ein Ankermann. Er strahlt nicht die Passrush-Wucht anderer Jungs auf, aber alles, was koordinative Aufgaben oder Tackling und Deckung angeht, hat Weatherspoon auf sehr gutem Niveau drauf. Der Kader wird dahinter (und hinter besprochenen Dent/Biermann) schnell dünn; LB Nichols gilt nicht als richtiges NFL-Kaliber.

Das Defensive Backfield sieht mit dem Glücksgriff CB Asante Samuel (ist aber auch schon jenseits der 30) und mit dem Safety-Duo DeCoud/William Moore drei mehr als verlässliche Kollegen, aber sofern nicht doch noch Grimes unter einen billigen Vertrag genommen werden kann, ist die Tiefe dahinter quasi nicht gegeben. Atlanta hat angesichts des zuletzt mauen Passrushs keine unterirdische Secondary und Samuel ist immer für eine Interception gut, aber mit dieser geringen Absicherung gegen z.B. Verletzungsausfälle oder Formkrisen kannst du nicht in den Herbst gehen. Es wird bestimmt noch nachgebessert.

Ausblick

Auch nach der nächsten 13-3 Saison und nach zwei fantastischen, engen Playoffspielen gegen die vielleicht beiden besten Mannschaften der abgelaufenen NFL-Saison tut man sich schwer, die Falcons für voll zu nehmen. Ein klein wenig zu blass ist der ganze Laden. Ich kann mich des Eindrucks trotz meines immensen Respekts auch nicht ganz verwehren, kann mich aber vorstellen, dass sich das abrupt ändert, sollte Atlanta eine Abrissbirne in der Front-7 finden – oder generell in der Lage sein, mit der Front-7 einen Schützengraben in den Würgegriff zu nehmen.

Dieses „softe“ Element bei den Falcons kann aber auch am Franchise-QB Ryan liegen, der, so konstant stark (und ohne Laufspiel-Entlastung stark!) er seit Jahren spielt, nicht den Wow-Faktor eines Aaron Rodgers versprüht. Mit dem Einkauf von RB Jackson ist zumindest auffm Papier anständiges Laufspiel besorgt.

Aber wie schon geschrieben: Atlanta muss seine Baustellen in der Abwehr – in der Reihenfolge DE, DT, CB – via Draft lösen, und wir haben einen weiterhin brandheißen NFC-Mitfavoriten, der auch gefühlsmäßig als solcher wahrgenommen wird.

Notizblock NFL Championship Games 2013/13

49ers @ Falcons

Nach seiner 180yd performance letzte Woche gegen Green Bay war das oberste Ziel der Falcons, QB Colin Kaepernick nicht laufen zu lassen. Das hat auch sehr gut geklappt, nur war das scheinbar das einzige Ziel von DC Mike Nolan.

Kaepernick eingebremst haben die Falcons mit einem ganz einfachen Mittel: Weiterlesen

Preview NFC Championship Game – 49ers@Falcons

Meine Preview kommt wie letzte Woche schon in der Form von drei interessanten match-ups. Eine ausführlichere Vorschau kommt dann am Sonntag von korsakoff.

49ers Laufspiel vs Falcons Front-7

Die 49ers sind eines der aufregendsten Teams der Liga. Dafür gibt es viele Gründe. Einer davon ist das ungemein kreative Laufspiel. Niemand in der NFL hat so viele verschiedene Formationen und Spielzüge wie die 49ers auf dem play calling sheet.  Sie haben Plays nicht nur mit einem oder zwei Leuten im Backfield, sondern spielen gerne auch mal mit Backs. Ebenso haben sie Formationen mit einem Tight End ebenso im Repertoire wie mit zwei oder auch drei TEs. Auch die Spielzüge an sich kommen teilweise aus der Mottenkiste des modernen Footballs. „You’ll see some running plays I don’t think I’ve seen since Tecmo Super Bowl.“ hat Rams LB James Laurinaitis dieses Jahr gesagt. Man sieht jede Menge Trap-Plays und noch seltenere blocking schemes.

San Franciscos Offensive Line ist aber auch von der individuellen Klasse her in der oberen Spitze. 150kg Schrank Mike Iupati (Left Guard) schiebt seine Gegenspieler meistens direkt bis auf den Parkplatz und wenn Left Tackle Joe Staley erstmal ins Laufen kommt, räumt er auch mal zwei oder drei überforderte Linebackers aus dem Weg. Die gesamt OLine ist hervorragend eingespielt, wobei ihr auch zugute kam, daß es in den letzten zwei Jahren kaum verletzungsbedingte Ausfälle gab.

Auf der anderen Seite sieht die Laufverteidigung der Falcons aus wie ein Adventskalender nach Weihnachten. Mit fast fünf yards pro carry bilden sie den Bodensatz der NFL. Zu allem Überfluß ist auch noch DE John Abraham schwer angeschlagen. Die 49ers werden einige offene Türchen zum Einrennen finden.

Und über Colin Kaepernick und die read option haben wir dabei noch gar nicht geredet.Viel Spaß damit, Atlanta! Wie man dem taktisch am besten begegnet, hat der Kollege Flo Zielbauer hier schon anschaulich beschrieben.

Tony Gonzalez vs Bowman/Willis

Die 49ers sind wohl das einzige Team, daß zwei Linebackers hat, die in so gut wie allen passing situations spielen können. Sie können das, weil sowohl LBs Patrick Willis als auch NaVorro Bowman hervorragend in coverage sind. Die beiden können auch die besten TEs oder RBs decken.

Atlantas lebende Tight-End-Legende Tony Gonzalez ist für Matt Ryan überlebenswichtig. Wenn gar nichts mehr geht und der Ball schnellstmöglich aus seinen Händen muß, kann er im Notfall immer einfach in die Nähe von Gonzalez werfen. Normalerweise. Gegen Bowman und Willis sollte das nicht so einfach möglich sein.

Gerade wenn Ryan unter Druck ist, braucht er seinen TE. Gonzalez muß wieder eine absolute Glanzleistung bringen, wenn Atlanta in schwierigen Situationen drives am Leben halten will.

Matt Ryan vs pressure

Wo wir gerade über Ryan und pressure reden. San Francisco ist eines der Teams, daß am besten Druck auf den gegnerischen Quarterback ausüben kann – wenn DE Justin Smith topfit ist. In den letzten Wochen hat er einige Spiele verletzt gefehlt und war auch letzte Woche noch angeschlagen (Muskelverletzung im Oberarm). Darunter hat der gesamte Pass Rush gelitten. Rush End/OLB Aldon Smith ist ohne seinen fitten Namensvetter Justin nur die Hälfte wert, hatte man den Eindruck.

Die Offensive Line der Falcons mit den beiden Tackles Sam Baker und Tyson Clabon ist nicht überragend, aber wenn die Smiths und OLB Ahmad Brooks es nicht schaffen, Ryan immer wieder unter Druck zu setzen, werden ihnen die Bälle auf WRs Roddy White und Julio Jones nur so um die Ohren fliegen. San Frans Cornerbacks sind eine Klasse unterhalb von Seattles Richard Sherman und Brandon Browner und selbst gegen diese sahen Jones und White letzte Woche ganz gut aus.

San Francisco muß unbedingt schaffen, big plays zu verhindern. Denn bei Spielen wie diesem NFC Championship Game, bei dem beiden Mannschaften insgesamt recht ausgeglichen sind, entscheiden am Ende immer drei Dinge: Turnovers, Special Teams und big plays.

Divisional Playoffs 2013 am Sonntag: Atlanta Falcons – Seattle Seahawks Preview

Mit dem Raubvogelduell Atlanta Falcons (13-3) vs. Seattle Seahawks (12-5) geht es heute ab 19h weiter mit den Divisional Playoffs. Es ist das Spiel, in dem der allgemeine Tenor nicht den Top-Seed Atlanta favorisiert zu sehen scheint, sondern den #5-Seed und Emporkömmling des Jahres, Seattle. Wie gut Seattle ist und wie hoch ich diese Truppe dieses Jahr einschätze, habe ich schon vor Wochen dargelegt. Konzentrieren wir und also auf die Mannschaft, die heute etwas zum Verlieren hat. Weiterlesen

Preview Divisional Playoffs – Seahawks@Falcons

2012/13 NFC Divisional Playoffs Preview

(5) Seattle Seahawks (12-5) @ (1) Atlanta Falcons (13-3)

[Sonntag 19.00 Uhr auf ESPN America, Sport1+ und Puls4; kommentiert (über FOX) von Thom Brennaman und Brian Billick (offensichtlich hat FOX Kenny, Moose & Goose als nr.2 crew abgesägt)]

Falcons Offense / Seahawks Defense

Das interessanteste match-up am Sonntag ist das Aufeinandertreffen von Atlantas WRs Roddy White und Julio Jones auf der einen und Seattles Cornerbacks Richard Sherman und Brandon Browner auf der anderen Seite. Sherman und Browner sind das einzige CB-Duo der NFL, das es körperlich mit zwei prototypischen nr.1 wideouts aufnehmen kann. Beide sind größer als 1,90m und spielen extrem physisch. Wie oft Jones, 1,91m, und White, 100kg auf 1,83m, sich gegen Seattles CBs werden durchsetzen können Weiterlesen

NFL Notizblock Woche 16 – Falcons@Lions

Wie immer zur Weihnachtszeit fand das letzte Monday Night Game der Saison 2012 an einem Sonnabend statt. Die Atlanta Falcons (12-2) wollten den Nr. 1 seed der NFC ein für allemal eintüten. Für die Hausherren der Detroit Lions (4-10) ging es nur noch darum, ob ihr Superstar Megatron den Rekord für Receiving Yards in einer Saison dem ewigen Jerry Rice entwinden kann. Was davon geklappt hat, nach dem Klick.

Um es kurz zu machen: es ist beides aufgegangen. Die Falcons gewannen und haben den no.1 seed sicher. Währenddessen brach Detroits Calvin Johnson schon eine Woche vor Toreschluß den Rekord aus der Saison 1995 und geht nun in Woche 17 auf die Jagd nach der ersten 2000-Yard-Saison eines WR.

Nicht nur wegen Megatrons 225 Yards hatte man gestern den Eindruck, daß diese Detroit Lions das beste 4-und-11-Team aller Zeiten sind. Wie so oft in dieser Saison konnte Detroit relativ problemlos mit einer der besten Mannschaften der Liga mithalten. Und das obwohl die Offense ohne die WRs Nr.2, 3 und 4 sowie ohne TE Brandon Pettigrew antreten mußten während auch die Secondary aufgrund von Verletzungen kräftig durchgeschüttelt wurde.

Die Schwachstellen der Lions waren mal wieder in der Redzone und bei den Ballverlusten zu finden. Fast 200 Yards betrug der Vorsprung in Sachen Raumgewinn; aber durch zwei Fumbles, eine Interception und nur Field Goals in der Redzone hatte Detroit in der einzigen wirklich wichtigen Statistik das Nachsehen: Falcons 31 Punkte, Lions 18.

Atlantas QB Matt Ryan auf der anderen Seite hat nochmal versucht, sich ins Gespräch um die MVP-Trophäe zu bringen. In ersten Halbzeit spielte der nahezu fehlerfrei und vervollständigte 15 von 16 Paßversuchen für 184 Yards und drei TDs. Die WRs Roody White und Julio Jones unterstützen Ryan dabei nach Kräften und sollten spätestens nach dieser Vorstellung allen potentiellen Playoff-Gegnern schlaflose Nächste bereiten.

Es gibt überhaupt kaum Mannschaften, die diesen Falcons überlegen sind. Die Mannschaft von HC Mike Smith wird trotz 13 Siegen nicht so recht ernst genommen von den pundits – zu Unrecht meiner Meinung nach. Die Defense ist grundsolide, hat einen sehr guten, erfahrenen und kreativen DC in Mike Nolan und playmakers on all levels.

Auf der offensiven Seite gibt es nur eine Schwachstelle, die auch gegen Detroit wieder zu Tage trat: das mäßige Laufspiel. Wenn man aber einen der besten QBs der Liga hat, zwei der besten WRs und Tony Gonzalezzzzzz, muß man vor niemandem Angst haben. Dazu jetzt noch der Heimvorteil in den Playoffs und der ganz große Durchbruch für Smith und Ryan liegt in Reichweite – sie müssen jetzt nur noch zugreifen.

NFL Woche 11 – Notizblock Cardinals @ Falcons

Die Arizona Cardinals (4-5) haben am Sonntag nachmittag versucht, ihre Saison zu retten. Nach fünf Niederlagen in Folge besuchten sie die Atlanta Falcons (8-1) im Georgia Dome, die einen Sonntag zuvor ihr erstes Saisonspiel verloren haben. Spiele der Cardinals sind immer spannend. Die Defense ist aufregend gut, die Offense aufregend schlecht und die Spiele am Ende immer knapp. Wie es vorgestern lief, nach dem Klick.

Arizonas Defense hat ohne ihren besten Mann, DE/DT Calais Campbell gespielt und war trotzdem spektakulär gut. Am Ende hatte Atlantas Angriff 14 (!) Drives und produzierte gerade mal einen Touchdown und drei Field Goals. Dagegen standen sechs (!) Ballverluste, 5 Interceptions von Matt Ryan und ein Fumble von RB Jason Snelling. Den Unterschied im Score (23-19 Atlanta) hat ein Touchdown von DT Jonathan Babineaux nach einem Fumble Return gemacht.

Stats & more

Gamebook

Den Fumble hat QB Ryan Lindley nach einem Sack von John Abraham verloren. Ja, 6th-rd Rookie Ryan Lindley von San Diego State hat Quarterback gespielt. Head Coach Ken Whisenhunt hatte nämlich schon im ersten Viertel von John Skelton die Nase gestrichen voll (Kevin Kolb ist noch/wieder verletzt). Nach Ryans dritter Interception im 1st Quarter (!) waren die Cardinals das einzige Mal seit dem TD im Opening Drive (den RB LaRod Stephens-Howling ganz alleine bestritten hat) in der Nähe der Endzone, dort war Larry Fitzgerald mutterseelenallein und Skelton hat es geschafft, drei Meilen an ihm vorbei zu werfen.

Offensive Tackles haben wieder zwei Rookies gespielt; Bobby Massie rechts und Nate Potter jetzt das zweite Spiel in Folge links. Potter, 7th-rd pick, hat D´Anthony Battiste verdrängt. Der ehemalige Boise State Bronco hat einen unglaublich großen Körper, ist aber leider beweglich wie ein Kühlschrank. Aber hey: er ist tatsächlich besser als Battiste. Oder besser: er ist ein kleines bißchen weniger furchtbar.

Im Spiel, das Arizonas letzte Chance auf die Playoffs retten sollte, haben also auf der QB-Position und den beiden Tackle-Positionen drei Rookies aus der 6ten, der 4ten und der 7ten Runde gespielt. Wieso wurde der GM noch nicht gefeuert?!?

Natürlich war das Paßspiel spektakulär katastrophal. Auf dem Spielberichtsbogen standen nach vier Vierteln 41 Netto-Yards. 41! Der einzige Lichtblick in Arizonas „Offense“ war RB Stephens-Howling. Schon in der ersten Hälfte hatte er mehr als 100 Rushing Yards auf dem Tacho. Als Atlantas D in der zweiten Halbzeit nur noch ihn und sonst niemanden verteidigt hat, war alles aus. Die schockierendste Statistik ist vielleicht diese: fünf Drives begann Arizona in Atlantas Hälfte und das Ergebnis waren null First Downs und zwei Field Goals. Oder diese: sieben First Downs im gesamten Spiel. Diese Saison können die Cards abhaken.

Das ist besonders bitter, weil die Verteidigung so beeindruckend stark ist. Mit Campbell und ILB Daryl Washington haben sie zwei der besten 10 Verteidiger der Liga in ihren Reihen. Mit Patrick Peterson einen der besseren, an manchen Tagen sogar einen der besten Cornerbacks. Mit Sam Acho und O´Brien Schofield haben sie auch zwei junge sehr passable Pass Rusher auf den Außen (Schofield ist zur Zeit verletzt). Atlantas Offensive hatte aber auch gegen die Linie ohne Campbell riesige Schwierigkeiten. Darnell Dockett hat den Chef gegeben; daneben stach besonders sophmore David Carter heraus. Aber auch Dan Williams, Nick Eason und Opa Vonnie Holliday haben mit aller Macht versucht, Arizonas Chancen auf die Playoffs zu wahren. Am Boden hielten sie die Falcons bei 58 Yards aus 24 Läufen.

Atlantas Defense hatte nicht viel zu tun. Arizona war so schlecht, daß man gar nicht weiß, ob 178 Yards und 2 von 16 verwandelten 3rd Downs jetzt eine besonders gute Leistung war. Weil aber die Defense die Punkte gemacht hat, die am Ende für den Unterschied sorgten, sagen wir einfach mal: ja!

Atlantas Offense hat sich so durchgewurschtelt. Wie gesagt: mit 16 Punkten aus 14 Drives gewinnt man normalerweise kein Spiele. Mit sechs Ballverlusten schon mal gar nicht. So aber hat sich QB Ryan eines der schlechtesten Spiele seiner Karriere für genau den richtigen Gegner aufgehoben. Ein, zwei Interceptions waren auch ein wenig unglücklich, weil komisch abgefälscht. Aber die anderen waren einfach ungenau oder Folgen schlechter Entscheidungen. Jetzt kann sich Atlanta in Ruhe auf die Playoffs vorbereiten und bitte endlich mal an short yardage situations arbeiten.

Glaskugel 2012: Atlanta Falcons

Die Atlanta Falcons sind eine gute Mannschaft. Sie sind wirklich gut. Aber dieses „gut“ ist nach vier Jahren unter HC Mike Smith und QB Matt Ryan mittlerweile nur noch zum Teil positiv gemeint. In diesen vier Jahren haben sie in der Regular Season immer eine positive Bilanz gehabt. Sie haben 43 Spiele gewonnen. Aber alle drei Playoffspiele verloren. Die Falcons als gut zu bezeichnen ist mittlerweile so, wie die die hübschen Frauen im Club einen netten Typen als „nett“ bezeichnen. Ja, mit dem kann man mal tanzen, mit dem kann man auch eine rauchen gehen und von dem läßt man sich auch gerne mal einen Drink ausgeben. Aber weiter gehts dann mit den Typen, die mehr sind als „nett“.

Das wußten die Leute um GM Thomas Dimitroff auch im letzten Jahr schon und haben ihr letztes Hemd gegeben, um WR Julio Jones draften zu können. Jones sollte die Falcons von „gut“ zu Super-Bowl-Aspirant machen. Grundsätzlich war die Idee auch richtig. Die Falcons haben auch 2011 wieder gut gespielt, 10 Spiele gewonnen und sind in die Playoffs gekommen. Aber dann kamen die wirklich coolen Typen aus dem Big Apple und haben ihnen die Party versaut und Smith und Ryan und all die anderen netten Typen mußten mal wieder alleine nach Hause gehen.

In dieser Offseason wurde zwar mit CB Asante Samuel wieder ein echter Kracher geholt. Nur muß man mittlerweile wirklich aufpassen, daß Samuel nicht nur schöne neue Manschettenknöpfe darstellt, während der Hemdkragen im Laufe der Zeit schon speckig geworden ist.

Offense

Die Konstruktion Offense hat zwei Eckpfeiler und drei Streben. Eckpfeiler 1 ist QB Matt Ryan. Ryan geht nun in sein fünftes Jahr, aber er scheint in seiner Entwicklung an der Stufe borderline Top-10 QB stehen geblieben zu sein. Auch wenn er zum Beispiel von ProFootballFocus immer wieder abgefeiert wird, kommt er doch nicht an das Brees/Rodgers/Manning-Niveau heran. Ryan ist im Grunde das perfekte Aushängeschild für diese Falcons: richtig gut, voll nett und manchmal sogar mit ganz starker Performance. Aber doch nie gut genug, um auch mal in die VIP-Area gelassen zu werden.

Zwei Streben sind die WRs Roddy White und Julio Jones. White hat nunmehr fünf Jahre in Folge mindesten 1100 Yards erfangen. Und doch wird er nie genannt, wenn es um die Top-5 WR geht. Besonders in der letzten Saison hatte er dafür einfach zu viele Drops. Jones könnte vielleicht wirklich der Typ sein, der Atlanta eine ganze Stufe nach oben hebt. In seinem Rookiejahr hatte er immer wieder mit kleineren Wehwechen zu kämpfen und war auch nur ein guter WR.

Die dritte Strebe ist TE Tony Gonzalez. Senor Gonzalez, der schon Jimmy Graham war, bevor es Jimmy Graham gab und der wie Jermichael Finley ist, nur mit besseren Händen, dieser Senor Gonzalez ist auch einer dieser „neuen“ Tight Ends. Wenn da nicht das Alter wäre. Der Senor ist mittlerweile schon Elder Statesman. Auf einen 36-Jährigen zu bauen für eine Position, die vor allem von der Athletik lebt – nun ja: mutig. Zumal es keinen back-up gibt. Wer mit den Namen Tommy Gallarda, Adam Nissley, Michael Palmer und Aron White etwas anfangen kann, sollte seine Haustür mal von der anderen Seite sehen und kennenlernen, was normale Menschen „Leben“ nennen.

Schedule

Wk1 @ KC
Wk2 v DEN (MNF)
Wk3 @ SD
Wk4 v CAR
Wk5 @ WAS
Wk6 v OAK
Wk7 BYE
Wk8 @ PHI
Wk9 v DAL (SNF)
Wk10 @ NO
Wk11 v ARI
Wk12 @ TB
Wk13 v NO (TNF)
Wk14 @ CAR
Wk15 v NYG
Wk16 @ DET (MNF)
Wk17 v TB

Hinter WRs und TEs wirds dann grau und grauer. Eckpfeiler Nummer 2 ist nämlich ein 30 Jahre alter Running Back. Michael Turner kratzte zwar auch 2011 wieder irgendwie 1300 Rushing Yards zusammen. Aber der Trend zeigt steil nach unten. In den letzten neun Spielen 2011 schaffte er nur einmal mehr als 100 Yards – gegen die Bucs in Woche 17, die sich zu diesem Zeitpunkt schon lange aufgeben hatten. Das Playoffspiel gegen die Giants mit 41 Yards aus 15 Läufen dürfte schon eher das sein, was in Zukunft blüht. Turners back-up ist Jason Snelling. Mehr als 4 Yards pro Carry schafft Snelling nur auf der Playstation. Als Geheimwaffe könnte Jacquizz Rodgers ganz steil aus der Kurve kommen. Der ehemalige Star der Oregon State Beavers sollte das allerdings auch letztes Jahr schon, blieb dann allerdings undercover. Klug eingesetzt hat er aber durchaus das Talent, ein explosiver space player wie Darren Sproles zu werden.

Und dann auch noch die Offensive Line: ebenfalls Kategorie absteigender Ast. RT Tyson Clabo ist der einzige, dem man bedenkenlos ein gutes Zeugnis ausstellen kann. Center Todd McClure ist 35 und über den Berg. Left Guard Justin Blalock spielt halt so mit, kann aber keine Akzente setzen. Auf Right Guard  spielt manchmal Garrett Reynolds, manchmal Joe Hawley. Je nachdem, wer gerade mit dem weniger schlechten Bein aufgestanden ist. Und auf LT siehts ganz düster aus. Für die blind side sucht der neue OC Dirk Koetter noch einen Einäugigen. Sam Baker, 1st-rd pick 2007, sollte mal der Joe Thomas der Falcons werden. Er ist mehr ein Levi Brown geworden. Will Svittek hat letztes Jahr Baker verdrängt. Über Svittek kann man sagen, daß er Tscheche ist. Und 2,00m groß. Man klicke auf den Draft 2011-link in der Sidebar, dann erfährt man noch etwas über zwei neue Rookie OLiner, aber game changer werden die in ihrem ersten Jahr auch nicht.

Koetter kann ich für die kommende Saison überhaupt nicht einschätzen. HC Mike Smith kennt ihn aus Jacksonville, wo beide Coordinators waren. Koetter hat aber von 2007 bis 2011 als OC der Jags nichts anderes gemacht, als Maurice Jones-Drew den Ball zu geben. Das wird er jetzt kaum so machen. Vorher hat er sich im Collegebereich rumgetrieben und war unter anderem Trainer von Boise State und Arizona State. Bei ASU soll er gar ein aggressives vertikales Spiel aufgezogen haben. Was das für die Falcons 2012 heißt? Wir werden sehen, sagte der Zen-Meister…

Das alles ist hauptsächlich so despektierlich geschrieben, um zu verdeutlichen, daß die Falcons eben nicht nur einen Julio Jones von der Lombardi Trophy entfernt sind. Die Offense ist gut. Ein Ryan, ein White und ein Jones sind alle Spieler, die auch mal Spiel alleine gewinnen können. Keine Frage. Aber am Ende ist gut eben vor allem nicht sehr gut.

Defense

Die defensive Seite des Balles sieht dagegen schon rosiger aus. Nicht nur wegen Samuel. Das poster child für die Defense ist CB Brent Grimes. Grimes hat keinen großen Namen, aber dafür große Leistungen vorzuweisen. Mit einem Grimes muß man in der NFC South vor einem Drew Brees oder Josh Freeman keine Angst haben. Asante Samuel daneben hat einen großen Namen und große Leistungen. Wie man Samuel für einen 7th-rd pick bekommen konnte, ist das größte Rätsel der Offseason. Aber das soll ja Atlantas Schaden nicht sein. Der andere CB mit großem Namen, Dunta Robinson ist zwar überbezahlt, aber als dritten CB würden ihn die meisten Teams mit Kusshand nehmen.

Mit John Abraham, Ray Edwards und Kroy Biermann hat Atlanta auch drei gute Pass Rusher im Kader. Abraham war mal ganz stark, ist aber qua Alter nur noch gut. Biermann hat immer mal wieder großartige Ansätze gezeigt, ist aber über die Ansätze nicht hinausgekommen. Und Edwards war in seinem contract year bei den Vikings 2010 ganz stark, scheint sich dann aber auf seinem neuen Vertrag ausgeruht zu haben. Wenn alle drei mal konstant so spielen würden, wie sie könnten, müßten sie sich vor keinem Pass-Rushing-Trio der NFC verstecken.

Da kommt der neue Defensive Coordinator Mike Nolan wie gerufen. Nolan ist einer dieser Typen, die ständig bei anderen Teams sind – und ständig diese Teams besser machen, als sie vorher waren. Als DC bei den Ravens, Broncos und Dolphins in den letzten Jahren hat er immer hervorragende Arbeit geleistet. Seine Zeit als HC der 49ers 2005-8 war nicht so erfolgreich, aber es gibt Trainer, die wurden geboren, um Coordinator zu sein.

Wir haben also drei starke CBs, drei gute Pass Rusher und einen ganz starken DC. Bleibt die Mitte des Feldes. Die ist immerhin gut. Der junge LB Sean Weatherspoon hat sich zu einem der besten three-down linebacker der NFC gemausert. Daneben ist es zwar etwas dünn, bei immer mehr Nickel und Dime ist das aber gar nicht soo wild.

Mit Thomas DeCoud und William Moore sind auch immer zwei gute, junge Safeties auf dem Feld. Nicht cream of the crop, aber solide genug, um zwischen Grimes, Samuel und Robinson gut auszusehen.

Das Talent ist also da, es geht nur darum, alles herauszuholen. Zwischen mäßig und stark ist hier für 2012 alles drin, bei dem DC sollte das Pendel aber eher gen stark zeigen.

Ausblick

Die Atlanta Falcons 2012 sind eine Mannschaft, für die alles andere als die Playoffs eine Enttäuschung wären. Die Offense hat auf einigen Position Potential für ganz Großes – QB & WR; auf einigen Positionen aber auch Potential für folgende Fragen Ende September: „die haben echt niemanden, der TE spielen kann, jetzt wo Gonzalez verletzt ist“ oder „Wann ist denn Atlantas Offensive Line sooo schlecht geworden?“. Muß nicht passieren, aber man hat schon andere Kaliber scheinbar überraschend einbrechen sehen.

Bei den Namen Ryan, White und Jones ist es kontrainutitiv, aber: die Defense sollte diese Mannschaft tragen. Man darf nicht vergessen, daß die Dolphins, Nolans letzter Arbeitgeber, eine der besten Verteidigungsreihen der vergangenen Saison auf die Beine gestellt haben – mit vergleichbarem Talent. So sollte es laufen: die D hält Atlanta in den Spielen und Matty Ice wird tatsächlich seinem Nickname gerecht und gewinnt die Spiele. Dann reicht es auch in der harten NFC South und den vielen Wild-Card-Kandidaten der NFC für die Playoffs. Nur viel sollte Atlanta dort nicht zugetraut werden, dafür gibt es einfach zu viele Mannschaften, die noch mehr individuelles Talent in ihren Reihen wissen. Atlanta ist gut, aber lange nicht gut genug. Also ein paar Drinks genießen, ein bißchen schäkern und dann artig in die Heia und daran arbeiten, auf der Party 2013 besser auszusehen.

Atlanta Falcons in der Sezierstunde

Die Atlanta Falcons 2010 holten 13-3 Siege in der Regular Season, jene von 2011 holten 10-6 Siege. Beide Saisons endeten ähnlich: Mit einem Debakel in den Playoffs. Trotzdem gibt es aus Georgia einen Fortschritt zu vermelden. Schauen wir uns eine größere und damit aussagenkräftigere Datenmenge an: Die Spielzüge.

Offense                2010       2011
Yards per Play          5.0        5.6
Netto-Yards pro Pass    5.9        6.8
Yards pro Lauf          3.8        4.0
INT-Rate                1.6%       2.2%
Defense                2010       2011
Yards per Play          5.6        5.5
Netto-Yards pro Pass    6.1        6.4
Yards pro Lauf          4.6        4.2
INT-Rate                3.9%       3.4%

Die jeweils ersten drei Stats korrellieren historisch gesehen mit den jeweiligen Vorsaisonen. Die Turnover-Statistik jedoch hat historisch gesehen vor allem auf Seiten der Defense eine Korrelation von fast null, tendiert also dazu, sich „zufällig“ zu verhalten. Wir sehen: Bis auf die Pass-Defense haben sich die Falcons in allen Kategorien gegenüber 2010/11 verbessert. Zwei schnell aussm Ärmel geschüttelte Hauptgründe für die trotzdem schwächere Saisonbilanz:

  • Turnovers: Die erstaunliche INT-Rate von 1.6 pro 100 Pässen (Ligadurchschnitt ist 3.0%) konnte natürlich nicht aufrecht erhalten werden. Resultat: Statt 9 INTs waren es heuer 13. In der Defense war man heuer deutlich näher am Ligaschnitt dran. Resultat: Nur noch 19 anstelle von 22 INTs. Macht in Summe eine Differenz von sieben Turnovers – ein massiver Wert in einer Kategorie, die historisch stark zu schwanken tendiert.
  • Knappe Spiele: 2010 holte Atlanta teilweise bizarrste Siege (z.B. INT-Return der 49ers, die knapp abgewürgten Comebacks von Ravens und Buccs, das verschossene FG der Saints) und war 7-2 in Spielen mit einem Score Differenz. 2011 hatte man das Glück seltener auf seiner Seite, gewann nur mehr 5 von 8 knappen Spielen und sah sich beispielweise beim 4th down in der Overtime gegen New Orleans schwer im Pech.

Alles klar?

Das bedeutet freilich nicht, dass sich die Falcons nach dem erneuten Scheitern damit entschuldigen dürfen: Die eigenartig sterile Mannschaft löst nirgendwo Entzücken aus und braucht Impulse.

Eine Baustelle seit Jahren ist die Offensive Line, die keine Dominanz durchgedrückt bekommt. Die Tackles gelten als bestenfalls mittelmäßig, aber mit welchen Mitteln sollen sie ersetzt werden? Dahinter eröffnet sich ein weiterer Brennpunkt in RB Michael Turner, dessen unexplosive Spielweise immer weniger zur eingeschlagenen Richtung der Falcons-Offense passt. Ein quicker Back sollte dieser Mannschaft besser zu Gesicht stehen, um wenigstens verschiedenen Rhythmen einschalten zu können.

Abseits davon sind mit dem exzellenten jungen QB Matt Ryan und dem Ballfängertrio White/Jones/Gonzalez (sofern Gonzalez seinen Level halten kann) einige Bausteine da, wobei der Receiving-Corp nicht wie ein fertiges Paket aussieht. Deswegen schaut der immer noch schwer zu begreifende Jones-Deal im Draft 2011 immer noch eher schlecht aus, auch wenn sich Jones immer besser in den Angriff integriert zu haben scheint.

Um noch etwas Positives über den Angriff zu verzapfen: Der OffCoord Mike Mularkey verabschiedete sich nach Jacksonville. Mularkey hatte bei mir nach seiner Zeit in Pittsburgh einen exzellenten Ruf genossen; die immer steifer gewordenen Vorstellungen der Falcons in den letzten Monaten haben bei mir die Erkenntnis reifen lassen, dass Frischwind für die Falcon-Offense die übelste Sache der Welt nicht sein kann, selbst wenn der Neue – Dirk Koetter – eine Unbekannte darstellt.

Solide Grundlage, aber keinen Wow-Effekt gibt es aus der Defense zu vermelden. Mit DE John Abraham und dem situativ eingesetzten Kroy Biermann riskiert man, die beiden besten Pass Rusher zu verlieren. Abraham ist mit bald Mitte 30 nicht mehr der jüngste und war in der jüngeren Vergangenheit häufig entweder verletzt oder nicht mehr durchhaltevermögend genug. Dem DE Ray Edwards sagte man ein eher ernüchterndes erstes Jahr bei den Falcons nach und auch der ehemals hoch gedraftete DT Peria Jerry verliert so langsam seine Unterstützer.

Hinter der Defensive Line, die man insgesamt als nicht physisch genug betrachten könnte, sind mit den jungen Sean Witherspoon und Stephen Nicholas zwei aufstrebende Talente da. Sollte allerdings MLB Lofton abwandern, reißt sich eine Lücke auf, die nur noch vom drohenden Abgang des besten Cornerbacks Brent Grimes in den Schatten gestellt würde. Und selbst wenn Grimes bleibt, gibt es nur wenig aufregende Safetys und den zu unverlässigen CB Dunta Robinson.

Auch hier ein neuer Coordinator – und diesmal kein Unbekannter: Der stets elegant gekleidete Mike Nolan, ein verbrannter Name als Cheftrainer, aber mit sehr, sehr vorzeigbarer Vergangenheit als DefCoord. Nolan passt wie Arsch auf Eimer auf Atlantas Defensive: Wenig Spektakel, aber grundsolide exekutierte Basics, und alle Defenses Nolans tendierten zu rascher Vebesserung.

Trotzdem: Das Unangenehme an den Atlanta Falcons ist alles in allem der fehlende eine Anhaltspunkt, wo man denn nun auf die Schnelle ansetzen sollte, noch dazu ohne die vielen für Jones eingetauschten Draftpicks. Alle Mannschaftsteile sind gut besetzt, aber überall mangelt es an dem Mann, an dem man sich aufrichten kann.

Die Offensive Line, die den Anstürmen nur bedingt standhalten kann. Das träge Laufspiel. Das unvollständige Passspiel. Der solide Pass Rush. Die unspektakuläre Pass-Defense. Einerseits ist Atlanta so schlecht nicht aufgestellt, andererseits fehlen die Mittel (Draftpicks), um im Sprinttempo den Level von „gut“ auf „großartig“ zu heben. Und so muss man fürchten, dass im Herzen des bible belt das Fenster des Erfolgs ungenutzt verstreichen wird, weil man nicht alle notwendigen Bausteine zugleich an Ort und Stelle hat.

Wild Card Weekend 2011/12 am Sonntag

Dieser Blogeintrag ist spoilerfrei – es gibt keine Hinweise auf den Ausgang der ersten beiden Nachtspiele, der Blogeintrag ist auch bereits gestern entstanden. Bitte keine Spoiler in diesem Eintrag!

New York Giants – Atlanta Falcons

So, 19h LIVE bei ESPN America und SPORT1+
Aufzeichnung: 9.1. um 12h bei ESPN America

Wir wissen seit Herrmanns exzellenter taktischer Analyse am Freitag, wie die beiden Mannschaften funktionieren. Die „lauten“ New York Giants sind explosiver, aber eindimensionaler in der Offense, die „leisen“ Atlanta Falcons spielen einen runden Ball, reißen dich aber nicht 5x/Partie mit spektakulären Catches aus dem Sessel. Die Zahlen bestätigen diese Eindrücke: Atlanta ist eine rundum komplette, überdurchschnittliche Mannschaft. Aber möglicherweise keine großartige, sondern „nur“ eine überaus zuverlässige Mannschaft:

DVOA-Offense:  #8 Pass, #25 Lauf, #1 Konstanz
DVOA-Defense: #10 Pass,  #3 Lauf, #2 Konstanz
Offense-Yards: 5.8yds/Play (#13), 15.0yds/Punkt (#10)
Defense-Yards: 5.7yds/Play (#17), 15.3yds/Punkt (#18)

Interessanterweise deuten etliche Statistiken darauf hin, dass die Atlanta Falcons eine deutlich effizientere Mannschaft als 2010/11 sind, als sie 13 Saisonsiege und den #1-Seed in der NFC holten. Die größten Sprünge wurden in der Pass-Offense und der Lauf-Defense gemacht. Pass-Offense ist ein gutes Stichwort: Die Falcons kauften sich im NFL-Draft teuer WR Julio Jones von der University of Alabama ein, um neben den starken „Mittelstrecklern“ WR Roddy White/TE Tony Gonzalez einen Mann für die tiefen Bälle zu bekommen und die Verteidigung auseinanderziehen zu können.

Und um QB Matt Ryan zu entlasten. Ryan ist mittlerweile in seinem vierten NFL-Jahr und riskiert, bei einer dritten Playoffniederlage im dritten Versuch schön langsam, stigmatisiert zu werden. Ein Mann, den man schnell auf den Spitznamen „Matty Ice“ getauft und der als gesichtsloser Frontmann die Falcons durch die aufgewühlte Zeit nach Vick geführt hatte, aber immer noch ohne den in den Staaten so wichtigen ersten Sieg in der Post Season. Ryan ist ein netter Zeitgenosse, für den Schwiegermütter schwärmen, aber er vermittelte noch nicht den Eindruck, eine Mannschaft an einem schlechten Tag am Riemen reißen und in der Crunch Time ein furioses Comeback starten zu können.

Ryan wird auf einen potenziell stürmischen Pass Rush treffen, mit dem aufstrebenden DE Pierre-Paul, mit DE Justin Tuck und mit dem nicht ganz fitten Edeljoker Osi Umenyiora. In anderen Worten: Die Pocket droht im Falle einer motivierten Vorstellung der Hausherren stürmisch berannt zu werden. An dieser Stelle widersprechen die Stats Herrmann in seiner Vorschau: Atlantas Offensive Line gehört zu den besten, was Schutz des Quarterbacks anbelangt (#7), während die Löcher für das Laufspiel nicht so wirklich gut aufgerissen werden (#27). Ein interessantes Duell Stärke/Stärke (Pass) und Schwäche/Schwäche (Lauf) auf beiden Seiten der Schützengräben.

Auf Giants-QB Eli Manning steht unter Druck, hat noch kein Heimspiel in den Playoffs gewonnen und wird vom ungeduldigen und recht masochistischen Giants-Publikum gerne schnell ausgepfiffen, wenn es mal nicht läuft. Manning wird gemeinhin eine starke Saison nachgesagt, wobei die letzten Wochen viel Hopp-oder-Topp dabei war: Entweder Big Plays oder Incompletions und Interceptiongefahr – ein Offensivstrategie, die aufgrund des abgeschmierten Laufspiels fast notwendig wurde, die gegen die nicht immer stabil wirkende Falcons-Secondary gut gehen kann, aber die eben auch mitverantwortlich an den wechselhaften Vorstellungen der letzten Wochen war.

Ich komme zu einem anderen Schluss als Herrmann. Für mich sind die Atlanta Falcons favorisiert, auch auswärts, da es eine dominante Vorstellung der Front Four New Yorks braucht, um die Mismatches im Defensive Backfield und gegen Gonzalez auszugleichen. Der dritte Ryan in Serie ist einer zuviel für die New York Giants.

Denver Broncos – Pittsburgh Steelers

So, 22h30 LIVE bei ESPN America, SPORT1+ und PULS4
Aufzeichnung: 9.1. um 14h30 bei ESPN America

Wenn ich nach Spannung in einem Footballspiel suche, lasse ich mir meistens als erstes sieben statistische Kategorien ausspucken: Pythagoreische Performance und die sechs Kategorien zur Messung der Effektivität von Offense und Defense der beiden Kontrahenten. Excel spuckt ziemlich missliche Zahlen für die Denver Broncos (8-8) aus:

Pythagoreische Siegerwartung:           5.8 (#24)
yds/Spielzug Offense:                   5.2 (#23)
yds/Drive Offense:                     25.8 (#26)
yds/Spielzug Defense:                   5.6 (#15)
yds/Drive Defense:                     29.0 (#14)
Netto-Yards pro Spielzug               -0.4 (#25)
Netto-Yards pro Drive                  -3.3 (#27)

Vergleichen wir mal dazu die Pittsburgh Steelers (12-4):

Pythagoreische Siegerwartung:          11.1 (#6)
yds/Spielzug Offense:                   6.1 (#8)
yds/Drive Offense:                     35.6 (#6)
yds/Spielzug Defense:                   4.7 (#1)
yds/Drive Defense:                     25.7 (#5)
Netto-Yards pro Spielzug               +1.4 (#1)
Netto-Yards pro Drive                  +9.9 (#1)

Klarer Fall? Möglicherweise. Aber es gibt Zugriffspunkte – und zuerst sei wieder auf Herrmanns Taktik-Vorschau verwiesen, in der einer der wichtigsten Anker für den Spannungsliebhaber aufgegriffen wird: Ausfälle. Hier treffen zwei geplagte Mannschaften aufeinander.

Die Pittsburgh Steelers rücken mit fußlahmem, weil angeschlagenem QB Ben Roethlisberger an, müssen auf RB Mendenhall wegen Kreuzbandriss und Safety Ryan Clark wegen Sichelzellenanämie (eine Art Höhenkrankheit) verzichten, da fällt es nichtmal mehr ins Gewicht, dass ein Offensive Lineman nach dem anderen auf die IR wandert und teilweise nur noch die dritte Garnitur aufläuft – der beste Mann, C Maurkice Pouncey, kann auch nicht spielen. Bei den Denver Broncos tun sich erste Risse in der Offensive Line auf, während in der Defense neben dem sicher ausfallenden S Brian Dawkins auch der beste Pass Rusher in Rookie Von Miller mit kaputtem Daumen nur auf Sparflamme wird auftreten können.

Nun erwartet niemand von einem der schlechtesten Pass-Angriffe der Liga, ergo QB Tim Tebow, Wunderdinge gegen die gefinkelte Defense von Dick LeBeau, weswegen Denver sich gegen diese Betonmischer einen Wolf laufen wird und auf wenige eigene Turnovers, lange Punts und Feldpositionskämpfe hoffen wird. Sexy ist so was nicht, aber auch nicht aussichtslos: Pittsburgh kreiert aus eigener Kraft heuer nur wenige Turnovers (nur 15 in 16 Spielen), während Tebow phasenweise wochenlang ohne Ballverluste über die Runden kam.

Der dritte Schlüssel ist für mich die Geduld. Denver wird Tebow erst im Verzweiflungsmodus verstärkt werfen lassen, seinem GamePlan treu bleiben, punten und hoffen, das eine oder andere Field Goal oder vielleicht einen Touchdown unterwegs mitzunehmen. Kritischer sind die Steelers: Wie lange bleibt der immobile Roethlisberger ruhig, sollte Denvers Passrush richtig zünden und die Pocket auseinandernehmen? Roethlisberger ist kein Gunslinger, der drei Interceptions produziert, aber gelegentliche Ballverluste bei tiefen Würfen in die Deckung für Brown Wallace /sind durchaus kein Ding der Unmöglichkeit.

Die Steelers bleiben trotzdem meine Favoriten. Ich halte es für extrem unwahrscheinlich, dass Denver noch genügend Patronen im Köcher hat. Es wird vermutlich nicht die punktereichste Begegnung, aber ob Denver wirklich zwei, drei Angriffsserien mit Touchdowns oder Field Goals wird abschließen können? Meine Jetons sind mir zu schade um drauf zu wetten.