NFL-Power Ranking 2013, Week 8: Der Teufelskerl

Peter King beschrieb in seiner allwöchentlichen Kolumne Monday Morning Quarterback die letztenden Sekunden des Krachers zwischen den Detroit Lions (5-3) und den Dallas Cowboys (4-4), das Detroit bekanntlich denkbar knapp 31-30 gewann. King beschreibt, was in Quarterback Matthew Stafford vorging, nachdem Calvin Johnson in der letzten halben Spielminute an der „halb-Yards Line“ gestoppt wurde:

“So I’m on the line, and everyone in the stadium thinks I’m spiking it, and that was the plan,’’ Stafford said. “The other 10 guys [on offense] thought I was too. I thought I was—but then I saw a couple of their guys, almost standing up, and I just had this thought: Maybe I could make it by sneaking, or just putting the ball over the line. Maybe that was our best chance.’’

But no timeouts left. Clock running. If Stafford failed, there was a chance he wouldn’t get another play off. “Oh, no question,’’ he said. “That was it. That would have been the last play of the game; we weren’t getting another one off. That runs through your mind. You think, ‘Boy, I’ll get a minus on the play sheet when we go over this.’ ‘’

NFL-Films wird in den nächsten Tagen einen fantastischen Videoschnitt der letzten Minute ausstrahlen, der wunderbar dokumentiert, wie Stafford („Clock it! Clock it! Clock it!“) erst den Ball spikte, und dann, beim zweiten Mal zwei Pässe später, über seine verblüffte Offense Line drüber zum entscheidenden Touchdown in die EndZone hüpfte.

Warum es einen Video-Review brauchte, ist mir schleierhaft, nachdem ja spätestens im Nachfassen klar war: Stafford ist in der EndZone, aber wurscht. Diese Eier zu besitzen, ohne Timeouts mit 12 Sekunden auf der Uhr anstelle des Spikes das Überraschungsmoment zum QB-Sneak zu nutzen, war ganz groß, und ist nach dem vor wenigen Wochen beschriebenen 2009er-Spiel gegen die Cleveland Browns der zweite wirklich große Moment Staffords in der NFL.

Matthew Stafford gehört zu den umstrittensten NFL-Quarterbacks der Gegenwart, weil er wie kaum ein zweiter das Spannungsfeld zwischen Elite-Potenzial und tatsächlicher Elite beschreibt. „Genie und Wahnsinn“ würde etwas zu weit gehen, aber es bleibt festzuhalten, dass er…

  • … in lichten Momenten Würfe auspackt, die kein anderer Quarterback außer Aaron Rodgers drauf hat (wie die Granate für Durham im drittletzten Spielzug).
  • … zwar von der Präsenz eines Calvin Johnson profitiert, aber eben auch diese Präsenz nutzt mit Würfen, die sich kaum ein anderer Quarterback wagen würde (wie die beiden Pässe in Doppel- und Dreifachdeckung diese und letzte Woche).
  • … trotzdem in jedem Spiel frustrierende Phasen hat, in denen man ihn zum Teufel jagen möchte.

Ich habe mich damit abgefunden, dass Matt Stafford eben… „Matt Stafford“ ist. Kein systemunabhängiger Spieler. Keiner, der ohne einen Megatron die Welt erobert. Ein Chamäleon. Das reicht zwar nicht aus, um aus den Detroit Lions ein dauerhaftes Spitzenteam zu machen, aber es gibt die Chance auf einen Superbowl-Run, und, vor allem, garantiert, dass diese Mannschaft nie langweilig wird.

Es war ein ebenso verdienter wie glücklicher Triumph über Dallas. Als Stafford wild hüpfend und gestikulierend den finalen Spielzug einleitete, liefen vor meinem geistigen Auge die Bilder ab, wie letztes Jahr Aaron Murray von der University of Georgia im SEC-Finale gegen Alabama in den letzten Sekunden das Spielfeld hinunter stürmte und uns ein ebenso unvergessliches Finish besorgte. Stafford vermied wie damals Murray den Spike. Nur einer von beiden wurde für den Mut belohnt. Aber solche Szenen sind der Hauptgrund, warum ich diesen Sport so liebe.


Zu den harten Fakten.

NFL-Power Ranking 2013, Woche 8

NFL-Power Ranking 2013, Woche 8

WP entspricht der Siegchance der jeweiligen Franchise gegen eine standardisierte, durchschnittliche NFL-Franchise, (LW) ist das Ranking von letzter Woche, E16 ist WP hochgerechnet auf 16 Spiele (WP*16 = E16), SOS ist der bisherige Strenght of Schedule, den dieses Modell für die jeweilige Franchise errechnet, Rs die Platzierung des Schedules, W-L die tatsächliche Sieg-Niederlagen-Bilanz jeder Franchise zum Ende der Woche 8.

Statistik-Tabelle

Die wichtigsten Statistiken nach Woche 8

Die wichtigsten Statistiken nach Woche 8

Kommentarsektion

Ich hatte nicht die Zeit, mir alle oder fast alle Condensed-Tapes durchzuschauen, aber was ich bisher vom achten Spieltag u.a. mitgenommen habe, waren die vielen, auffällig vielen, ausgespielten 4th-Downs, die mehreren Spitzenteams halfen, wie Carolina, San Francisco, Denver (mehrfach), Detroit (das allerdings auch einmal zurückschiss) oder New Orleans, und auch Jacksonville und Miami hatten die Traute, um 4th-und-kurz auszuspielen. Zufall oder Trend?

Was vielleicht mal ganz interessant ist: Ein Divisionsvergleich. So stehen die acht Divisionen nach durchschnittlichem Power-Ranking Wert knapp vor der Saisonhalbzeit 2013/14:

  1. NFC West 0.550
  2. AFC West 0.545
  3. NFC North 0.529
  4. AFC North 0.518
  5. NFC East 0.512
  6. NFC South 0.485
  7. AFC South 0.454
  8. AFC East 0.406

Die AFC East ist dabei die einzige Division, die nicht ein einziges Team in die obere Plateau-Hälfte bringt; das beste Team New England ist an #21 klassiert. Die NFC West bleibt die Königin, weil Seahawks und 49ers in den Top-3 gerankt sind. Die AFC West ist etwas überraschend als momenten stärkste AFC-Division anzusehen. Insgesamt ergibt der Conference-Vergleich folgendes Bild:

  • NFC 0.519
  • AFC 0.481

Wie erwartet also ist die NFC die aktuell höher einzustufende Conference.

Auf Team-Ebene klafft das Leistungsspektrum schön langsam auseinander: Seattle, Cincinnati und Denver sind mittlerweile auf einem Niveau, das nur wenige Teams bisher bis zum Saisonende halten konnten (zuletzt beendete Pittsburgh 2011 die Saison mit zumindest .750). Das kompletteste Team stellt dabei momentan zweifellos Seattle, aber bis runter auf #9 würde ich keine Mannschaft unterschätzen: Sie alle spielen eine Standardabweichung über durchschnittlichem Niveau. Generell bleibt festzustellen, dass bis vielleicht auf Philadelphia dieses Jahr kein Freak-Team in den Spitzenrängen mitmischt.

Nach einem wackeligen Saisonstart beißen sich die Cincinnati Bengals schön langsam oben fest: Nach dem Auswärtssieg letzte Woche in Detroit walzten die Bengals am Sonntag die NY Jets 49-9 nieder, und es hätte noch höher sein können. Zu den Bengals morgen mehr, aber vorerst nur soviel: Wenn die Pass-Offense in etwa die Pace der letzten beiden Wochen halten kann, wird die Mannschaft dem Mitfavoritenstatus mit Blick Superbowl gerecht.

Seattle bleibt trotz des mickrigen Sieges gegen St Louis vorne; die Hawks hatten hinsichtlich Effizienz-Stats das „Glück“, dass sie zusätzlich zum 80yds-Pass für Tate kaum geworfen haben, somit wurde ihr Durchschnitt nicht allzu weit runtergezogen. Die Lauf-Defense der Hawks erlebte allerdings einen Einbruch, ist nun nur mehr die #17 mit 58.7% Success-Rate. Das erinnerte gegen die Rams an schlechte Vorjahreszeiten: Die Seahawks hatten letzte Saison die zweitschlechteste Lauf-Defense der NFL.

Bei Denver frage ich mich nach dem Redskins-Spiel immer mehr: Was passiert mit diesem Team, wenn mal die Offense einen Tag Stich auslässt? Washingtons Defensive Backfield spottet jeder Beschreibung, und trotzdem reichte exzellentes Punting der Skins, um Manning und Co. zweieinhalb Viertel lang auf 7 Punkten zu halten. Die Broncos bleiben natürlich ein AFC-Topfavorit, aber wenn sich die Defense nicht noch merklich verbessert, wird Denver bis zum (bitteren?) Ende mit einem Sternchen versehen sein.

Die Chiefs – einzige verbliebene ungeschlagene Mannschaft, und daher in den meisten Power-Rankings an #1 gesetzt. Nach Pythagorean mit 13.3 Siegen weiterhin der Spitzenreiter. Hier: Ein Mittelklasse-Team. Man sehe es mal so: Kansas City hat bei aller guter Story bisher einen leichten Spielplan, und nicht nur das: Man sah häufig Backup-QBs und third stringer gegen sich, zuletzt Campbell aus Cleveland, zuvor schon Keenum und Hasselbeck Fitzpatrick, sowie den auf oder unter „Replacement-Level“ spielenden Gabbert aus Jacksonville. Die Chiefs zehrten meistens von ihren schnellen Führungen; diese sind ein Zeichen einer guten Mannschaft, keine Frage, und die Chiefs sind eine gute Mannschaft, aber es kommen in der zweiten Saisonhälfte noch je zweimal Peyton Manning und Rivers und je einmal Luck und RG3, und dann wird sich zeigen, wo der Hammer hängt. Playoffs sind mit einem 8-0 Start praktisch gebucht, aber ich erwarte weiterhin weder First-Round Bye noch Divisionssieg für die Jungs von Andy Reid.

Pittsburgh (2-5) rangiert in diesem Power-Ranking wie auch die New York Giants (2-6) im grundsoliden Mittelfeld. Beide sehen im Augentest nicht unterirdisch aus, aber es sind deutliche Schwächen (z.B. Laufspiel bei beiden, PIT #29, NYG #31) auszumachen. Auch die beiden QBs, Roethlisberger und Manning, haben mehr schlechte Momente, als gewohnt. Dafür haben beide Top-5 Lauf-Defenses und ihre Pass-Defenses sind an #10 (NYG) und #11 (PIT) klassiert mit jeweils rund 5.8 NY/A.

Die New York Jets sind ein Team, dessen 4-4 Bilanz recht respektabel aussieht, und die Play-by-Play Stats reichen, um im Power-Ranking im unteren NFL-Mittelfeld klassiert zu sein, aber sehen wir es mal anders: Nach Punktverhältnis ist Gang Green das fünftschlechteste Team der Liga (Pythagoreische Erwartung von 4.4 Siegen). Zwei der vier bisherigen Saisonsiege kamen schon seeeeehr glücklich zustande (krasse Strafen gegen die Buccs und Pats), und ein weiterer war ein Last-Second Sieg gegen komplett dezimierte Falcons. NYJ ist 4-1 in engen Spielen. Die Defense ist zwar in der Defense Line erstklassig, aber im Defensive Backfield schaut’s schütter aus; ich weiß nicht, zum wievielten Male z.B. Rookie-CB Milliner am Sonntag gebencht wurde. Ein Problem, das nach Regression schreit, ist die INT-Quote in der Defense: No Way, dass diese bei 1.0% bleibt. In der Offense sieht Geno Smith auch eine Woche okay, die nächste Woche wieder wackelig aus. Kurzum: Yup, das Team ist eine Spur besser als erwartet, aber für die Playoffs fast ein Ausschlusskandidat.

Schließlich der Bodensatz: Tampa, St Louis und die nach einer erneuten Klatsche ins Bodenlose sinkenden Jacksonville Jaguars. Die Jags nähern sich mit solchen Leistungen Allzeit-Tiefen von Teams wie den 49ers von 2005 oder den Lions und Rams von 2009.

Die Rams dagegen zeigten gegen die Seattle Seahawks ein ernsthaftes Lebenszeichen, ja man kann sogar konstatieren, dass sie als an diesem Tag bessere Mannschaft gegen das beste Team der Liga unglücklich verloren. Eine 14-9 Pleite, geschuldet mehreren Kleinigkeiten:

  • Ein kompletter Kollaps der Passdeckung (war es allein CB Jenkins, dem man die Schuld zuweisen muss?) im 80yds-TD Pass für Tate zum zwischenzeitlichen 14-3.
  • RedZone Ineffizienz.
  • Mutlosen Playcalls im Schlussviertel, als man willentlich mit Läufen einen 50+yds-Kick von „Legatron“ Greg Zuerlein vorbereitete – und der Star-Kicker prompt verfehlte. Ein gern gemachter Coaching-Fehler: Vertraut jenseits der 25-30yds Line zu sehr auf den Kick. Das sind keine Selbstgänger. Die Dinger gehen nur in ca. 55% der Fälle rein. Der Kick fehlte am Ende, als man einen TD brauchte.
  • Etwas Pech in den letzten Sekunden nahe der GoalLine. Ich habe aber keine Meinung zum Thema „hätten die Rams noch weiter laufen sollen, nachdem das schon den ganzen Tag gut gegangen war?“ Stattdessen warf QB Clements eine Incompletion mit auslaufender Uhr in die EndZone rein.

Auf alle Fälle ein kräftiges Lebenszeichen der Rams. Eine Erklärung muss man noch abgeben, warum die Rams diese Woche trotz besserer Effizienz-Stats durch die Bank im Vergleich zu letzte Woche etwas abgesackt sind (von .283 auf .265): Der Regressionsfaktor, den ich in den ersten Wochen stets einbaue, um die durch geringe Datenmengen entstehenden Schwankungen etwas auszugleichen. Nach acht Wochen sind die Daten – das zeigten zumindest die letzten Jahre – so stabil, dass ab sofort nur noch 2013er Daten vorhanden sind. Damit sollten die Rams in Zukunft noch von dieser fantastischen Leistung gegen Seattle zehren können.

Award-Watch

  • MVP-Watch: Peyton Manning, Drew Brees, Romo, Andrew Luck, Dontari Poe, Calvin Johnson
  • Offense-MVP Watch: P. Manning, Jimmy Graham, Calvin Johnson
  • Defensive-MVP Watch: Poe, J.J. Watt, Ndamukong Suh, Richard Sherman, Justin Houston
  • Rookie of the Year-Watch: Star Lotulelei, Kiko Alonso, DeAndre Hopkins, Sheldon Richardson, Andre Ellington
  • Coach of the Year Watch: Chuck Pagano, Andy Reid, Sean Payton

Neu aufgenommen habe ich Calvin Johnson, auch wenn seine Chancen auf den Liga-MVP Award minimal sein dürften. Aus dem Offense-Watchlist musste ich nach der dritten schwachen Performance en suite RB LeSean McCoy streichen. Bei den Rookies ist Andre Ellington aus Arizona drin, nachdem er erstmals angemessen viele „touches“ bekam. Kurz vor der Aufnahme in die jeweiligen Kategorien: Aaron Rodgers für die MVP-Liste, und Ron Rivera ist nur mehr ein ausgespieltes 4th-Down von der Coach-Liste entfernt (ich habe Riveras Saisonstart noch nicht vergessen).

Sieg-Wahrscheinlichkeiten für Woche 9

Letzte Woche ein 10-3 für das Power-Ranking, das damit in der überarbeiteten Version auf 38-19 oder genau zwei Drittel Vorhersagegenauigkeit hüpft. Die kalkulierten Wahrscheinlichkeiten für Woche 9:

HOME                 %   AWAY                  %
Miami               23   Cincinnati           77
Buffalo             40   Kansas City          60
Dallas              79   Minnesota            21
St Louis            35   Tennessee            65
NY Jets             29   New Orleans          71
Washington          41   San Diego            59 
Carolina            77   Atlanta              23
Oakland             33   Philadelphia         67
Seattle             92   Tampa Bay             8
Cleveland           73   Baltimore            27
New England         52   Pittsburgh           48
Houston             44   Indianapolis         56
Green Bay           76   Chicago              24

Da sind einige überraschend hohe Picks drunter. Cleveland als 73%-Favorit über Baltimore klingt ziemlich heftig, aber dann stellt man sich wieder vor: Diese Browns gewinnen 7 von 10 Heimspielen gegen diese Ravens? Yup, klingt pausibel. St Louis ist 35% Außenseiter gegen Tennessee. Die Rams werden das Spiel mit einer Leistung wie gegen Seattle gewinnen. Aber das Modell berücksichtigt eben nicht nur das Seattle-Spiel, sondern die ganze Rams-Saison, und die war kacke bisher.

Gespannt bin ich auch auf das Eagles@Raiders Spiel (Philly noch immer 67% Favorit), und darauf, ob die Texans mit Case Keenum tatsächlich das Spiel gegen die Colts relativ eng gestalten können. Klarster Favorit ist diesmal Seattle mit 92% Siegchance gegen den Totalschaden Tampa Bay.

Knappster Favorit: New England, das nur dank Heimvorteil minimal gegen Pittsburgh favorisiert ist.

Detroit Lions in der Sezierstunde

Stat Line 2012

Record         4-12   --
Enge Spiele    3-9  
Pythagorean    6.4   (23)
Power Ranking   .516 (17)
Pass-Offense   6.4   (14)
Pass-Defense   6.2   (18)
Turnover       -16

Management

Salary Cap.
Free Agents.

Die Saison 2012/13 wird als Saison der enttäuschten Hoffnungen in die Lions-Historie eingehen: Nach zwei Jahren Euphorie und Weg nach oben folgte der brutale Absturz auf bekanntes Terrain: Vierter Platz in der NFC North mit einer 4-12 Bilanz. Das schwache Gesamtbild der Detroit Lions wurde abgerundet durch nach außen getragene interne Schwierigkeiten und aufkommende Zweifel an der Qualität des Head Coaches Jim Schwartz.

Leser dieses Blogs dürften mittlerweile mitbekommen haben, dass der Lions-Laden trotzdem noch kein Fall fürn Notarzt ist. Zu gut waren die Vorstellungen gegen einen überwiegend schwierigen Schedule, zu viele Niederlagen selbst gegen sehr gute Teams waren einfach knapp (3-9 in One-Score-Games). Und gleich mehrfach war nicht bloß ein etwas besserer Gegner schuldig, sondern Detroit mit Eigenfehlern: Schlechte Coaching-Entscheidungen, Fehlkicks, Turnovers zum dümmsten Zeitpunkt.

Die Mannschaft bewegte sich zwischen frustrierend und aufregend. Spiele wie gegen Phialdelphia, Seattle, Green Bay oder Houston waren sinnbildlich für diese Saison: Hautenge Partien mit Punch und Gegenpunch, Comebackversuch und am Ende 1-2 Plays, die die Entscheidung herbeiführten.

Freilich bedeutet all das nicht, dass die Lions per sofort als Spitzenteam anzusehen sind. Sie waren mittelmäßig. Man lernte in dieser Saison aber nicht viel Neues über das Team, was nicht eh schon klar ist.

Lions-Style

Im Angriff wird geworfen bis zum Schwanengesang, egal welcher Gegner, egal welcher Spielstand. QB Matt Stafford pulverisierte in der abgelaufenen Saison den Rekord für die meisten Wurfversuche ever, und mit einem Wide Receiver der Qualität Calvin Johnsons ist das nur bedingt eine schlechte Idee: Johnson hatte trotz weniger Touchdowns eine fassungslos gute Saison und wenig deutet darauf hin, dass der Mann mit der #81 und dem dunklen Visor auf dem Zenit seines Könnens einen Leistungseinbruch erleben wird.

Die Probleme sind vielmehr um Johnson herum zu suchen. Beginnen wir bei Stafford, dessen Wurfarm zu den drei besten der Liga gehören dürfte, der aber immer mehr den Stempel des schlampigen Genies aufgedrückt bekommt. Hauptkritikpunkte: Zu unpräzise, zu Johnson-fokussiert, zu schweren Beton an den Füßen. Die Immobilität Staffords wird immer dann zum Problem, wenn der Gegner Johnson früh im Spielzug aus dem Spiel nehmen kann und Stafford gegen guten Passrush zum Erkaufen von Zeit gezwungen ist. Was folgen, sind häufig ungenaue oder die berüchtigten „Sidearm“-Würfe (Pitcher-Style).

Da die Offensive Line trotz einiger mittlerweile alternder Männer zumindest im Pass-Blocking als weiterhin gut eingeschätzt wird, dürfte es in diesem Kontext zum Imperativ werden, alternative Anspielstationen neben Johnson zu finden. Der notorische Troublemaker Titus Young wurde bereits entsorgt, und so sind nur mehr der filigrane, aber mittlerweile Mittdreißiger Nate Burleson, der extrem verletzungsgeplagte Jungstar Ryan Broyles und TE Pettigrew als Receiver mit NFL-Kaliber im Kader.

Was der Lions-Offense ebenso nicht gut bekommt: Das mögliche Karriereende von RB Jahvid Best. Best ist ein enorm explosiver Back mit exzellenten Fangqualitäten, setzt nun aber schon eineinhalb Saisons wegen anhaltender Gehirnerschütterungssymptome aus. Ohne Best und ohne eine wirklich für Laufblocking gebaute Offensive Line kommt Detroits Bodenangriff über ein paar 3yds-Läufe nicht in die Gänge. RB #25 LeShoure gilt als zu ungeduldig, RB #30 Smith und RB Joique Bell als körperlich zu schwach. Es macht wenig Sinn für die Lions, ein Arbeitstier einzukaufen, dafür sollten flinke Leute mit guten Händen gesucht werden, kleine, neue Jadvid Bests.

Die Defense

Detroits Defense weist prinzipiell weitaus bessere Stats auf als ihr Ruf vermuten ließe, leidet bei mir aber unter der Reputation, im vierten Viertel häufig den entscheidenden Stop nicht machen zu können. Warum auch? Die Unit von DefCoord Gunther Cunningham ist nicht dafür gebaut, primär den Lauf zu stoppen – und dieses Jahr war häufig Laufspielverteidigung gegen Spielende angesagt.

Die wuchtige Defensive Line dürfte schon wieder im Fokus der Offseason stehen. Die Position des Defensive Tackles ist mit dem aufstrebenden Tandem #90 Ndamukong Suh/#98 Nick Fairley sowie dem Routinier Corey Williams auf Jahre hinaus exzellent aufgestellt, aber an den Flanken steht man nach der Entlassung von Vandenbosch und dem möglichen Abgang des teuren DE Cliff Avril vor einem Problem: Geht man wirklich nur mit DE Young und dem Grünschnabel Ronnell Lewis in den Herbst? Oder wird an der fünften Draftposition erneut ein Defensive-Liner einberufen? Ist es gar der Deutsche Björn Werner?

Die Linebacker sind im simplifizierten Cover-2 Schema von Cunningham zwar speziell im Fokus, aber solide genug besetzt. Fragezeichen gibt es im Defensive Backfield, wo mit Chris Houston der beste Cornerback vertragslos ist und die Ankerpunkte ansonsten rar gesät sind. FS Delmas gilt als jung und grundsolide, plagt sich aber mit Verletzungen herum und könnte den auslaufenden Vertrag nicht verlängert sehen. Die Secondary dürfte entgegen der Philosophie des Jim Schwartz in diesem Frühjahr erhöhtes Augenmerk bekommen, vielleicht – sollte es wider Erwarten gelingen, Platz unter der Salary Cap zu schaffen – sogar via Free Agency mit dem CB Grimes oder dem Lions-kompatiblen Charakterkopf CB Talib.

Ausblick

Ich sehe zwei ganz große Stellschrauben: Wide Receiver und Defensive End (und mit Abstrichen eine dritte, Defensive Backfield). Stafford mag kein epischer Quarterback für die Hall of Fame sein, der ein Team im Alleingang durch die Saison schleppt. Mit einigermaßen gut aufgestellter Armada würde ich allerdings wenige Quarterbacks einem Matt Stafford vorziehen. Die Defense lebt von einer tief besetzten Defensive Line. Jene der Lions war in der jüngeren Vergangenheit stets gut und breit besetzt, hatte aber für meinen Geschmack kein gutes Jahr 2012/13. Ein Kaliber auf Defensive End dürfte vor allem der halbwegs soliden Secondary extrem helfen. Weil wir beim Thema sind, dürfte es wenigstens ein nicht zu teurer, solider Manndecker dort sein.

Weil die Lions große Batzen der Salary Cap für die Eckpunkte Stafford, Johnson oder Suh besetzt halten müssen, dürfte der NFL-Draft der beste Weg sein, um sich die notwendigen Talente anzulachen. Ein exzellenter Passrusher sollte in diesem Draft früh verfügbar sein und möglicherweise auf Jahre unter Marktpreis spielen. Sehr gute Wide Receivers sind gerne auch mal in den späteren Draft-Runden oder relativ billig auf dem Transfermarkt bekömmlich.

Schließlich und endlich gibt es den kostenlosen Rettungsanker „Regression zur Mitte“: Es ist kaum anzunehmen, dass Detroit auch nächstes Jahr so viele Turnovers in Schlüsselmomenten produzieren und eine dermaßen unterirdische Bilanz in engen Spielen einfahren wird. Superbowl-Favorit wäre wohl zu hoch gegriffen, aber allein die genannten Faktoren plus ein einfacherer Schedule dürften reichen, um die Lions nächstes Jahr wieder in Playoffnähe zu erwarten.

Auf der anderen Seite ist Schwartz angezählt. Eine weitere Wackelsaison und wir sehen nächsten Winter einen neuen Lions-Cheftrainer.

Wild Card Weekend 2011/12 am Samstag

Playoff-Zeit in der NFL! Alle Jahre wieder eines der Highlights des Sportjahres, und heuer im Vergleich zu anderen Jahren sogar mit einer sich ordentlich anhörenden Aufwärmrunde im Wildcard-Wochenende. Heute Nacht finden die ersten beiden Spiele statt, und eines ist ein echter Leckerbissen von einem Matchup.

Houston Texans – Cincinnati Bengals

Sa, 22h30 LIVE bei ESPN America
Aufzeichnung: So, 8.1. um 9h30 bei ESPN America

Ganz großes Underdog-Duell mit einigen interessanten Facetten im wunderschönen Reliant Stadium: Die Playoffdebütanten Houston Texans und die schnell wieder aus der Versenkung emporgestiegenen Cincinnati Bengals spielen heute Abend einen unerwarteten Playoff-Viertelfinalisten unter sich aus.

Die Houston Texans sind seit Jahren ein schlafender Gigant, eigentlich seit Gary Kubiak dort vor fünf Jahren als HeadCoach installiert wurde. Kubiak gilt als exzellenter Talentevaluator und Offensivgeist, jedoch auch als abgrundtief unzuverlässiger Michel in der Crunch Time, weswegen Houston immer wieder vielversprechende Spiele und Spielzeiten verschenkte. Nicht so heuer. Trotz großem Lazarett (QBs Schaub und Leinart, OLB Williams auf der IR, RB Foster und WR Johnson lange ausgefallen) und mit einer nach Systemumstellung unter dem neuen DefCoord Wade Phillips schlagartig verbesserten Defense sprang der Seed #3 heraus.

Die Cincinnati Bengals erleben in den neun Jahren unter HeadCoach Marv Lewis ein Auf und Ab, waren letzten Winter mal wieder ganz unten angekommen. Lewis durfte damals völlig überraschend bleiben, rückte mit der Mistgabel an, draftete sich zwei Monate später mit QB Andy Dalton und WR A.J. Green einen neuen Offensivkern und schnappte sich die letzte AFC-Wildcard, die weder Titans, noch Raiders, noch Jets haben wollten.

Beiden Teams wird blankes Mittelmaß nachgesagt. Den Bengals wird fein säuberlich unter der Nase zerrieben, dass alle ihre sieben Spiele gegen Playoffgegner verloren gingen und nur der Sieg über die Titans (9-7) als so was Ähnliches wie ein „Qualitätssieg“ einzustufen ist. Damit haben die Bengals nur einen Sieg über eine Mannschaft mit positiver Saisonbilanz und ergo auch nur einen solchen Sieg mehr als die New England Patriots. Man sollte jedoch nicht vergessen, dass die Bengals nur einen „Blowout“ kassierten (7-35 vs Pittsburgh) und alle anderen Spiele mit maximal einem Score Differenz verloren gingen (5-6 in engen Spielen). Dem gegenüber steht ein suspekter Spielplan der Texans: Zwei respektable Siege über Pittsburgh (Wk 4) und Atlanta (Wk 13), aber nach weiteren Big Points sucht man vergeblich und zuletzt sagte man den Texans nach, nur noch lustlos die letzten heilen Knochen über die Regular Season gerettet haben zu wollen.

Dabei hatte Houston mal einen phänomenalen Angriff, bis ein Quarterback nach dem anderen auf die IR wanderte, weswegen die Offense immer mehr zur Show der beiden Running Backs Arian Foster/Ben Tate mutierte, die hinter einer der besten Offensive Lines in der NFL ganz in der Tradition von Kubiaks laufstarken Maschinen zu Broncos-Zeiten stehen. Foster/Tate gegen Cincinnatis hochgelobte Front Seven – ein Matchup aus der obersten Schublade.

Freilich wird es nicht ganz ohne Werfen gehen. QB T.J. Yates ist ein Grünschnabel, dem man eine gehörige Portion Selbstvertrauen, aber auch ein allzu lockeres Abzugshändchen nachsagt. Es deutet alles darauf hin, dass Yates auch heute Abend trotz Schulterproblemen zumindest zu Beginn den Vorzug gegenüber dem neu geholten Jungstar©Walter Reiterer Jake Delhomme erhalten wird. Delhomme hätte reichlich Playofferfahrung aus seinen Tagen in Carolina, gehört aber wie Yates nicht zu den sichersten Kandidaten unter Passrush-Bedrohung. Nicht zu vergessen: Der Mann, um den die Texans-Offenses der letzten fünf Jahre gebaut waren, ist wieder mit von der Partie: WR Andre Johnson, der 1,91m-Mann, der nicht 100%ig fit sein wird, aber zumindest als Ablenkungsmanöver fungieren kann.

Auf der anderen Seite ist auch Cincinnatis Angriff limitiert: Das Laufspiel um RB Cedric Benson ist nicht explosiv (nur 3.9yds/Carry), und so achtbar Dalton seinen Job erledigt: Mehr als 20-23 Punkte serviert Cincinnati nur selten:

27-22-8-23-30-27-34-24-17-24-31-23-7-19-20-23-16

Auf der anderen Seite sind die negativen Ausreißer nur knackigen Gegnern wie San Francisco (8) oder Pittsburgh (7) verschuldet. Dalton ist wie Yates ein Rookie-Quarterback und dürfte trotz des immer noch eher simpel gestrickten GamePlans bereits die zweite Stufe der QB-Hierarchie erklommen haben. Mit Rookie-WR Green (65 Catches, 1047yds, 7 TD) hat Dalton ein spektakuläres deep threat zur Seite, dessen Privatduell mit dem ex-Bengals CB Jonathan Joseph von mitentscheidender Bedeutung sein wird. Wird Green seinem Status als „Bedrohung“ gerecht, werden unweigerlich Räume für Cincinnatis restliche Flotte um TE Gresham frei.

Mit einer Defense, die analog zur Offense außerordentliche Konstanz an den Tag legt, dürfte es dann nichtmal ein Punktefeuerwerk benötigen.

17-24-13-20-20-17-12-17-24-31-20-35-20-13-16-24

Das sind die kassierten Punktzahlen der Bengals pro Partie. Die Defensive Front Seven der Bengals gilt als exzellent, erzwingt nicht viele Turnovers, aber legt sich wie Mehltau über die Offenses und macht die Schotten dicht genug, um eine Offense mit mäßiger Oktanzahl bei rund 17 Punkten zu halten.

Eine Prognose für dieses Spiel abgeben zu müssen fühlt sich wie ein Besuch beim Doktor an: Mal sehen, wie es dem Patienten geht. Houstons letzter Sieg datiert vom 14. Dezember 2011 – als ausgerechnet in Cincinnati die Playoff-Qualifikation eingetütet wurde – in einem Spiel, in dem man unisono den Texans aberwitzig viel „Glück“ nachsagte. Cincinnati würgte sich seinerseits nur auf den Felgen in die Playoffs. Beide wurden damit belohnt, nun auf einen Gegner auf Augenhöhe zu treffen – remember? Gutklassige Gegner sind gegen beide in Gefahr, hochklassige werden in Ruhe gelassen.

Knapper Heimsieg der Texans, die sich vom Kubiak-Trauma lösen und mit wehenden Fahnen in Baltimore untergehen werden.

New Orleans Saints – Detroit Lions

Sa/So, 02h LIVE bei ESPN America und SPORT1+
Aufzeichnung: So, 8.1. um 12h bei ESPN America und um 12h25 bei SPORT1+

Ich machte nie einen Hehl daraus, Fan der Detroit Lions zu sein – heute Abend wird diese Mannschaft zum ersten Mal seit ich Football verfolge ein Playoffspiel bestreiten. Der Gegner ist mit den New Orleans Saints ein Traumlos: Wenig „Downside“, viel „Upside“ in einer Partie, in der die Lions im Prinzip nur gewinnen können. Und ein Sieg würde im Gegensatz zu einem Erfolg über sagen wir die New York Giants auch sofort Aufsehen stiften.

Ich habe bei Spox bereits eine ausführliche, weniger analytisch veranlagte Vorschau gegeben, auf die ich hier verweisen möchte. In diesem Eintrag stellte ich die Behauptung auf, die Lions seien an einem guten Tag ein Äquivalent von „Saints für Arme“. Die Ähnlichkeiten zwischen beiden Mannschaften sind in der Tat frappierend.

Beide Offenses setzen in Ermangelung eines vertrauenswürdigen Laufspiels auf passgewaltige Quarterbacks hinter einer ordentlichen, aber nicht dominanten Offensive Line und müssen daher mit möglichst vielen Anspielstationen in der Formation versuchen, die Defense auseinanderzuziehen. Das sieht dann auf der Tafel so aus: Saints-QB Drew Brees stellte mit 5476yds einen neuen Passrekord auf, während Lions-QB Matthew Stafford eine Woche später nachzog und als vierter Quarterback der NFL-Geschichte die 5000er-Marke knackte: 5038 Pass-Yards für Stafford. Beide Quarterbacks mit mehr als 40 geworfenen Touchdowns (Brees 46, Stafford 41), beide mit in etwa gleich vielen Interceptions (Brees 14, Stafford 16). Beide mit frappierend gleich vielen Passversuchen (Brees 657, Stafford 663), allerdings ist Brees mit seiner unglaublichen Completions-Rate von 71.2% eine Ecke über den nicht immer konzentrierten Stafford (63.5%) zu stellen.

Auch die Ballfänger schenken sich nicht viel. Die Yard-Zahlen der besten Receivers, Running Backs und Tight Ends:

Saints: 1310-1143-710-627-620-503-425
Lions:  1681- 777-757-607-347-287-230

Beide Offenses vertrauen mächtig auf einen Tight End (NO Graham 1310yds, DET Pettigrew 777yds), allerdings ist Detroit Angriff eine Spur mehr „top-heavy“ besetzt, hängt völlig überraschend recht stark am Tropf von WR Calvin Johnson, der nach Flaute zur Saisonmitte in den letzten Wochen wieder zu absoluter Hochform auflief.

Beide setzen auf Laufspiel nur als Ablenkungsmanöver. New Orleans bringt 4.9yds/Carry zustande, während Detroit nur 4.3yds/Carry macht. Beide Offenses sind fast gleich effektiv: New Orleans bewegt das Ei 6.8yds/Spielzug, Detroit 6.2yds/Spielzug. Die Lions sind minimal effizienter, brauchen nur 13.4yds Offense, um einen Punkt zu erspielen, während die Saints 13.7yds zurücklegen müssen (#5 und #6 der Effizienzliste). Man sieht: Die Teams sind eng beisammen, prinzipiell ähnlich gebaut, aber in jeder statistischen Kategorie sind die Saints noch einen Tick besser, reifer als die Detroit Lions.

Enger liegen die Defenses beieinander, wobei die Lions dem Gegner deutlich mehr Turnovers (#4) abjagen, während die Saints aufgrund sehr guter Feldposition (#5) zwar mehr Yards (#25/Drive) kassieren, aber den Gegner tendenziell bei eher wenigen Punkten halten. Wobei die Saints-Defense bei mir aus Prinzip im Verdacht steht, zu abhängig von den aggressiven Blitzformationen von DefCoord Gregg Williams zu sein – und Williams ist dafür bekannt, in den Playoffs noch einen Tick rücksichtsloser zu Werk zu gehen. Das kann gut gehen, aber wenn der Pass Rush mal nicht zündet…

Trotzdem sind die formstarken Saints für mich klar favorisiert, zumal zu Hause. Die völlig unerfahrenen, noch immer sehr jungen Lions dürften mit Hormonschwankungen im lautesten NFL-Dome zu kämpfen haben und riskieren, als Langsamstarter gegen Brees’ Passfeuerwerk schnell hoch in Rückstand zu geraten. Lions-Comebacks sind schön und gut, aber bis dato zeichnete sich ein weiterer Trend ab: Detroit besiegt Gegner bis hinauf in die obere NFL-Mittelklasse, aber gegen die wirklichen Top-Teams wurde heuer samt und sonders verloren, wenn auch knapp:

-3  vs San Francisco
-7  vs Atlanta
-24  @ Chicago (mit Cutler/Forté)
-12 vs Green Bay
-14  @ New Orleans
-4   @ Green Bay

Statistiken eines gigantischen Sleepers für die kommenden Jahre, und auch die SNF-Niederlage bei den Saints vor einigen Wochen war unter unglücklichen Umständen zustande gekommen knapper als gedacht, als die Lions nach schnellem hohem Rückstand irgendwann sogar die Chance zum Ausgleichen hatten. Die Mannschaft ist von HeadCoach Jim Schwartz so gebaut, dass sie bereits jetzt gegen einen grundsoliden Gegner in den Playoffs Rabatz machen könnte. Aber sie ist vermutlich noch nicht weit genug und noch 1-2 Bausteine davon entfernt, einen Giganten wie Sean Paytons Saints in dessen Superdome auszuschalten.

14pts-Sieg für die Saints.

Business as usual

(Achtung, Spoiler!)

Neben Denver und Arizona gibt es in dieser Saison noch eine dritte Mannschaft, die still, heimlich und leise Krimi für Krimi für sich entscheidet und eine Serie an großen Comebacks lanciert. Die Rede ist von den Detroit Lions. Viertes Viertel in Oakland, die Offense nach ordentlichem Beginn schon seit einer Handvoll Drives völlig aus dem Rhythmus und QB Matthew Stafford mit „misfire“ auf „misfire“ auf „misfire“. Die Raiders gehen nach einem 2yds-Fumblereturn durch OLB Aaron Curry 26-14 in Führung, ehe Raiders-Coach Hue Jackson bizarrerweise auf die logische 2pts-Conversion verzichtet (Coach-Fehler der Woche?) und den P.A.T. kicken lässt.

Die Lions marschieren strafenunterstützt (exzessives Feier, PI) in knapp zwei Minuten das Feld runter, weil die Raiders TE Pettigrew und WR Calvin Johnson nur halbherzig abdecken. 5:36, 4th and 2 nahe der GoalLine. Stafford mit einem Scramble, lässt einen sehr passiven Linebacker aussteigen und taucht mit Kopf voraus zum 1st down. Der fußlahme QB Stafford lässt einen Linebacker aussteigen! Ein Play später der TD auf einer simplen „Out“-Route für WR #16 Titus Young. Nur noch 27-21.

Oakland füttert mit immerhin zwei 1st downs die Uhr, riskiert 2:32 vor Schluss die tiefe Bombe auf WR Chad Schilenz. Der Ball fällt zu Boden. Oakland mit dem Punt an die DET 2yds-Line! Es folgt die CalvinJohnson-Freakshow. Fassungslos, wie der prototypisch gebaute Wide Receiver Johnson in der Raiders-Secondary immer wieder allein auf weiter Flur ist. Johnson macht auch die hochwertigen Catches. Ein 21yds-Catch an der linken Seitenlinie zum Beispiel. Danach folgen: 48yds Catch in der Mitte unter Begleitschutz von CB, S und LB. 17yds-Pass Interference gegen Johnson. Und 0:43 vor Schluss der TD nach einer 6yds-Bombe („Bombe“ ist ruhig wörtlich zu nehmen) über die Spielfeldmitte, wobei die Wiederholungen jeweils chaotische Zustände im Defensive Backfield der Raiders vermuten lassen.

Es sind die Momente, in denen die Raiders zudem zu kapieren beginnen, welche Chance da mit der nicht versuchten 2pts-Conversion verpasst wurde. Oakland nimmt den Ball mit zwei Timeouts auf und bewegt den Ball. 0:21 vor Schluss reißt DE Cliff Avril Palmer fast den Wurfarm aus. Es ist die Aktion des Spiels, dass Palmer dabei – im Gegensatz zu Stafford bei besagtem Fumble-TD – den Ball festhalten kann.

Oaklands Wunderkicker Janikowski mit dem 65yds-Rekordversuch bei auslaufender Uhr. DT Ndamukong Suh blockt, Game over, Lions mit 9-5 nur noch einen Steinwurf von den Playoffs entfernt.


Keine Zweifel: Nach Jahren des Niedergangs und der immer noch tieferen Tiefpunkte eine geradezu bewundernswerte Mentalität, selbst im aussichtslosen Moment nicht aufzustecken und den Sarg mit besten Dankesgrüßen zurückzuschicken. Es war das vierte Comeback der Lions in diesem Jahr nach mindestens 13pts-Rückstand, ein Jahr nach den so zahlreichen engen Niederlagen und trotz der toastbrotartigen Eindimensionalität in der laufspielresistenten Offense mit ihren fuffzich Shotgun-Pässen für Stafford pro Spiel.

Trotzdem kommen wir nicht umhin, das Thema „Glück“ zu thematisieren. Die Football Outsiders definieren prinzipiell drei Kategorien unter „Glück“:

  1. Spiele in Spielen mit einem Score Differenz
  2. Fumbles
  3. Pythagoreische Erwartung

Die Lions 2010/11 waren „unglücklich“. Sie nahmen zwar 50% der kullernden Bälle (auch „Fumbles“ genannt) auf, verloren aber sieben von elf Spielen mit einem Score Differenz (die vier Siege waren jene Siegesserie zum Ende der Saison, die das angebliche „Momentum“ für 2011/12 brachten) und lagen mit ihrer 6-10 Bilanz sagenhafte 1,8 Spiele unter der pythagoreischen Erwartung (diese war 7,8 Siege).

Die Lions 2011/12 haben mit 58,5% etwas mehr „Fumble-Glück“, aber die wichtigeren Stats sind: Fünf von sieben Spiele mit einem Score Differenz gewonnen (nur gegen San Francisco und Atlanta) verloren und aktuell 0,46 Spiele über ihrer pythagoreischen Erwartung. Man mische die vielen unwahrscheinlichen und zumindest in zwei Fällen vom Gegner mitunterstützten Comebacks rein und enthalte sich einer Prognose für die letzten beiden Spiele gegen die aufkommenden San Diego Chargers und die Green Bay Packers.

Die Playoffs sind zum Greifen, aber sie sind noch nicht eingetütet.

NFL 2011/12, Week 5: Detroit Lions – Chicago Bears (MNF)

[05h43] Endstand Detroit Lions 24, Chicago Bears 13.

Ein Sieg der über vier Viertel dominierenden Defensive Line der Detroit Lions, die von drei bis fünf Mann in unglaublich vielen verschiedenen Versionen daherkam und den Bears keine Zeit zum Werfen gab. QB „Big Ben“ Jay Cutler machte unter diesem Umständen ein sehr ordentliches Spiel, konnte zwar nie tief werfen, vermied aber wenigstens so gut es ging Sacks und INTs, hielt die Bears über weite Strecken im Spiel.

Die beiden OTs #73 Webb und #68 Omilaye dürften heute mit Albträumen ins Bett gehen. Ich bin da mal auf die Noten bei Pro Football Focus gespannt.

Detroits Offense kam heute nie wirklich in Tritt (nur 47 Spielzüge und 20min Ballbesitz), musste sich auf Big Plays verlassen, die da waren: 73yds TD Johnson, 88yds Lauf-TD Best, der auch noch einen zweiten langen Lauf hatte. Datt war’s. Detroit machte 3 TD, aber nur einen wirklich „runden“ Drive. Insofern: Heute reichte es, weil die Bears ein Abwehrproblem haben, sich dreimal böse verbrennen ließen.

Auch zu reden sein wird über das Gelb-Festival: Die beiden Mannschaften brachten es gemeinsam auf 26 Strafen für 198yds. Alles in allem kein schönes Spiel, aber ein enorm wichtiger Sieg für die Lions, die weiterhin ungeschlagen bleiben und mit diesem Spiel die NFC North zur Zweiklassengesellschaft machen.

[05h40] Detroit 24, Chicago 13/FG Hansen, 1:56 to go. RB Jahvid Best mit einem weiteren Big Play, der bis auf ein anderes Blockschema für den Tight End aussah wie ein spiegelverkehrter Re-Run des TD-Laufs. In der RedZone zerstört man Bests Schnitt mit ein paar Negativ-Läufen, aber das Spiel dürfte nun gegessen sein.

[05h26] Detroit 21, Chicago 13/4:07 to go. Eben wurde eine Statistik eingeblendet. Cutler 34 Drop-Backs: 12x hurried, 9x niedergeschlagen, 3x gesackt. 10x ohne großen Druck werfen können – das waren die sehr quicken Pässe im zweiten Viertel. Hätte Detroit heute eine rundere Offense gespielt, sie hätten diese Partie dominiert.

[05h16] Das Kontrastprogramm folgt auf dem Fuß: Chicagos Defensive Line kriegt überhaupt keinen Druck mehr zustande. Allein: Die zehnte Strafe gegen Detroit killt den Drive. 9:11 to go.

[05h10] Detroit Defensive Line stellt sich gerne in der „Wide 9“ auf – soviel ist bekannt. In den letzten Passrush-Situationen war das eine „Wide 9“ mit großem „W“: Die DEs #94 Jackson und der erstaunlich explosive #79 Willie Young konnten mit 5m Anlauf die völlig überforderten Offensive Tackles einfach überlaufen. Gegenwehr: Nonexistent.

[05h00] Ende drittes Viertel. Das Spiel bleibt eng, weil Chicagos Defense zwar zwischenzeitlich Anflüge von Selbstaufgabe zeigte, nun aber dank einer weiteren dummen Facemask-Strafe gegen Detroits OG Peterman von der Schippe gesprungen ist.

[04h46] Detroit 21, Chicago 10/TD Best. Ob dieses konsequente Nur-Werfen Einschläferungstaktik war? Diesmal eröffnet Detroit seinen Drive per Laufspiel, RB Jahvid Best kann ungeblockt über die Mitte durchlaufen, 88yds downfield zum Touchdown. Chicago ist immer noch auf der Suche nach seinen Safetys. Individuelle Fehler killen Chicagos Defense heute.

[04h44] Trotz großartiger Defensive Line Detroits: Nur ein Drop RB Fortés verhindert, dass Cutler diese Offense weiter das Feld hinunter roethlisbergern kann.

[04h33] Detroit 14, Chicago 10/TD Pettigrew. Detroit kommt weiterhin nur via Luftweg zum Erfolg. In diesem Drive werden Elemente von Play-Action eingebaut, das – wie in der Preview angekündigt – gegen Chicagos „Cover-2“ funktionieren kann, selbst ohne wirkliche Laufspiel-Bedrohung. Ein solcher Play-Action Pass führt auch zum TD, wo #54 Urlacher zusätzlich mittels Pulling Guard verarscht wird.

Ein Wort kann man über die Refs verlieren: Die Phantom-Strafe gegen MLB Urlacher war IMHO bereits die zweite unglückliche Entscheidung gegen die Bears, nachdem es schonmal in der ersten Halbzeit ein sehr, sehr fragwürdiges „False Start“ gegen LT #73 Webb gegeben hatte.

[04h16] QB Anthony Calvillo (CFL/Montreal Alouettes) hat übrigens eine Woche früher als von mir erwartet den CFL-Passrekord aufgestellt, warf gestern zum kanadischen Erntedankfest genügend Yards gegen Toronto, um nun mit 72.429yds Rekordhalter im professionellen Football (der auch NFL inkludiert) zu sein.

[04h10] Halbzeitstand Detroit Lions 7, Chicago Bears 10.

Die Bears führen verdient, weil Detroits Offense bis auf den langen Touchdown überhaupt kein Bein auf das Spielfeld bekommt. Abseits von WR Calvin Johnson ist die Offense aktuell non-existent.

Chicagos Offense ist ein Faszinosum: 7 False Starts. Sieben. False-Starts-Count: 3x TE Davis,, 3x LT Webb, 1x RT Omilaye. Cutler kauft sich trotzdem die Zeit, oder bringt ultraquicke Pässe an den Mann. Dazu kommt ein intelligentes Play-Design, das man Mike Martz nicht unbedingt zutrauen würde: Man läuft gerne klug um die oft dicht beeinander stehende Defensive Line herum.

[04h07] INT gegen QB Stafford, der kurz vor der Halbzeit die Geduld verliert und den Ball auf den zugedeckten WR #13 Burleson forciert. DB D.J. Moore springt dazwischen und Sekunden später das, was hierzulande einst „Rudelbildung“ getauft wurde.

[04h00] Detroit 7, Chicago 10/TD #87 Davis. Cutler trotzt Pass Rush und False Starts, bringt z.T. sehenswerte Bälle unter massivem Druck an den Mann (2x Hester), 1:11 vor Schluss der TD für TE Kellen Davis, der anfangs noch durch haufenweise Fehlstarts aufgefallen war.

[03h45] Das hatte ich in der Vorschau vergessen: Nicht nur CHI OffCoord Mike Martz hat eine Historie in Detroit, sondern auch DefCoord Rod Marinelli. Marinelli war Head Coach in den Jahren 2006-08, gefeuert nach der sieglosen Saison 2008.

[03h40] Detroit 7, Chicago 3. QB Jay Cutler macht angesichts der Umstände ständig kollabierender Pocket einen brillanten Job, erkauft sich entweder via zwei Schritten Zeit oder wirft blitzschnell auf Running Back oder Tight End. Am Ende wenigstens ein Field Goal – immerhin wird nun Football gespielt: Seit einer Viertelstunde keine gelbe Flagge mehr. Noch 8:16 in der ersten Halbzeit.

[03h30] Detroit 7, Chicago 0/TD Johnson. Erster Ball tief? Check. Erster Touchdown Calvin Johnson? Check. Stafford wartet bei 3rd down (ohne DE Peppers) bis zum letzten Augenblick vor dem Hit, feuert den Ball tief in die Secondary, wo WR Calvin Johnson das direkte Duell mit Chicagos S #46 Chris Harris und #31 Meriweather gewinnt und 73yds durchläuft.

[02h28] Ende des ersten Viertels. Nun ist der sehr „gelbe“ Drive der Chicago Bears vorüber. Dreimal 1st down durch Strafen für die Bears, die an der Line of scrimmage von den Lions ziemlich überrannt werden, aber von zu unndiszipliniertem Spiel der Lions profitieren (Facemasks nach Ende des Spielzug, Late Hits).

Detroit bringt phasenweise sogar fünf „Down Linemen“, um den Druck noch weiter zu verstärken und setzt heute erstmals auch Rookie-DT #98 Nick Fairley in homöopatischen Dosen ein.

Chicago dagegen fiel sehr negativ durch schlechtes Timeout-Management auf: Alle drei Timeouts bereits verbrannt, inklusive einer von Anfang an chancenlosen Challenge.

[03h18] 3rd down Bears: DE Avril hüpft in die neutrale Zone. Viel schlimmer: Auf der anderen Seite schlägt DE #93 VandenBosch QB Jay Cutler vor den Augen der Refs nieder. Die fällige „Personal-Foul“-Strafe bleibt aber aus.

[03h12] Meine Fresse, was für ein Strafen-Festival: 18 Spielzüge, 9 Strafen (und eine Pass Interference nur durch eine Strafe negiert). Und das komplette Repertoire: Die Bears mit dutzenden False Starts, die Lions mit wahlweise Facemasks, Late Hits oder Offsides.

Kombinierte Offenses: 48yds.
Kombinierte Strafen: 65yds.

[02h57] Butterflies überall. LG #67 Rob Sims verursacht ebenso einen Fehlstart, wodurch QB Stafford beim 3rd down zu wenig Zeit für den langen Ball bekommt.

Chicagos Defensive Line ist sehr „weit“ aufgestellt, mit den beiden DEs #90 Peppers und #71 Idonije rund 2m außerhalb der Offensive Tackles aufgestellt. Resultat: Stafford kriegt nicht allzu viel Zeit zum Werfen.

[02h52] Detroits Defense kommt mit zirka dreißig Kilo Testosteron aus der Kabine: Chicago macht nicht ein 1st down, dafür drei (!!) False Starts, zweimal durch LT #73 J’Marcus Webb – und jedes Mal sind 0,03sek nach dem Zucken 4-6 Lions bereits im Backfield.

[02h46] Gewohntes Spiel im Eröffnungsdrive: QB Matt Stafford operiert zu 95% aus der Shotgun-Formation, verpasst allerdings zweimal einen weit offenen Receiver: #13 Nate Burleson und, schlimmer, bei 3rd do #16 Titus Young, der meterweit allein auf weiter Flur war. Chicagos Defense deutete auch bereits mehrere verschiedene Gesichter an: Mal aggressiv, mal konservativ.

[02h35] Guten Morgen zum MNF-Spiel zwischen den Detroit Lions und den Chicago Bears (Vorschau hier). Barry Sanders wird in wenigen Sekunden den Münzwurf ausführen… Detroit kriegt als erstes den Ball

Monday Night Football, #5/2011 Preview: Detroit Lions – Chicago Bears

Zu den Eigenheiten der NFL-Saison 2011/12 gehört bislang auch, dass im hohen Norden der Vereinigten Staaten das einst zahme Schnurren eines Bettvorlegers zu wildem Gebrüll mutiert ist. Es wird bereits von der Reinkarnation der Cardiac Cats gesprochen. Was in der Woche nach dem sensationellen Comebacksieg in Dallas die Detroit Lions umgibt, ist BUZZZZZ mit mindestens fünf „z“.

Nach zweieindrittel Vierteln im Cowboys Stadium wähnte ich die Lions dreieinhalb Meter tief unter der Erde, regungslos und bereits deutlich streng riechend. Die Sargnägel waren schon eingeschlagen und der Privatjet zum Detroiter Zentralfriedhof bereits gechartert. Aber die Lions zuckten noch. Völlig faszinierend, wie aus der anämischen Mannschaft der ersten Halbzeit plötzlich ein Team wurde, das die harten Nippel rausstellte, sich selbst von hirnamputierten Strafen wie Suh nicht einschüchtern ließ und wie weiland Lazarus zurückkam, nicht zuletzt dank der diesmal mehr als zwei obligatorischen Bolzen Tony Romos. Das war mental eine Riesenleistung. Respekt und Kompliment. Dadurch sollte das Ego hinsichtlich der Chicago Bears nochmal ordentlich aufgepeppt worden sein, falls dies nach dem ersten 3-0 Start seit sich „Jimmy’s World“ Heroinpfeifen in seine Spindelarme jagte, überhaupt noch möglich war.

Nun wartet mit Monday Night Football eine noch größere Bühne, eine Bühne, die dem Großteil der jungen Mannschaft noch nicht geläufig ist – und Achtung: die Geschichte ist voll von Mannschaften, denen das Lampenfieber in solchen Momenten einen Streich spielte.

Wenn Detroit die Eier bewegt

Bisschen zittrige Finger schien zumindest QB Matt Stafford bereits am letzten Sonntag bei seinem Homecoming nach Dallas zu haben, feuerte einige sehr deplatzierte Bälle links und rechts und über seine Receiver drüber. Als eine zweite Entschuldigung kann die schwache Protection für Stafford herhalten, die meistens wenig Zeit zum Überlegen und Werfen gab. Das lag großteils an der übermannten Offensive Line.

Jetzt kommt um DE Julius Peppers mit Chicagos Front Four eine Schönspiel-Truppe daher, die je nach Windrichtung ein Feuerwerk abbrennt oder blass wie holländischer Käse bleibt, zuletzt gegen Carolina in der Geschmacksrichtung „farblos“. Was man diesmal vorgeworfen bekommt, weiß man nicht: Detroit spielt in einem Dome. Dort weht kein Wind.

Die Offense dürfte nicht allzu schwer lesbar sein: Laufspiel wird es von Lions-Seite nicht viel geben, die Pass-Stafetten sind bekannt, mal kurz auf TE Brandon Pettigrew, mal über die Mitte auf WR Titus Young oder WR Nate Burleson, bei 3rd down und in der RedZone und immer wenn ein entscheidender Spielzug ansteht auf WR Calvin Johnson. Die Probleme sind eher natürlicher Art: Detroits Ballfänger sind physischer Wunder, ungemein schwer zu verteidigen. Ein Johnson beispielsweise pflückt selbst diese stundenlang in der Luft hängenden Bälle (vulgo: „jump balls“) mit zwei Kletten am Hals herunter, da hätte jeder Apfelbauer seine hellste Freude daran.

Chicago wird dem Lovie Smiths „Cover-2“-Deckung entgegenschmeißen, ein gegen Play-Action anfälliges Schema, das auf die Deckungskünste seiner Linebackers (Urlacher: Check, Briggs: Check) und quicke, sehr disziplinierte Safetys baut. Brandon Meriweather – „disziplinierter Safety“? My ass.

Wenn Chicago die Eier bewegt

Mike Martz hat sich in den letzten eineinhalb Jahren als launische Diva beim Playcalling erwiesen: Die Saisons stets mit Passorgien begonnen, dann die Notwendigkeit von Entlastung erkannt – und am vergangenen Sonntach gegen Carolina 17 Pässe angesagt. Ganze siebzehn Passspielzüge? Man könnte insistieren, dass Carolinas Abwehr förmlich zum Drüberlaufen einlädt, aber diesen Schachzug hatte ich Martz nicht mehr zugetraut.

Wenn man sich vor Augen hält, dass Martz mit der fürchterlichen Offensive Line mit einem nicht zu unterschätzenden Problem leben muss, riecht die Strategie für das Spiel heute Nacht auch ganz dufte nach einem bevorzugten Einsetzen von RB Matt Forté, zumal Detroits Defensive Line trotz der schwachen Vorstellung in Dallas als eine der dominanteren im Verlangen nach QB-Hits gilt – und putzigerweise dabei immer wieder auf Handoffs zu Running Backs vergisst. Wird Martz an dieser Einladung gepflegt vorbeicoachen? Ich glaube nicht, nicht nach dem Panthers-Spiel. Draw play und counter running, ick hör euch trappsen.

Und wenn wir bei Forté sind: Gegen aggressive Defensive Lines bietet sich nichts mehr an als quicke Swing-Pässe lateral raus zum Running Back. Nicht zufällig eine der großen Stärken Fortés. Martz wäre fahrlässig, diese Option zu meiden.

QB Jay Cutler dürfte für die ganz tiefen Bälle nicht genügend Zeit bekommen, weswegen ich trotz „Big Arm“ Cutler eher an ein Stakkato an schnellen Würfen kombiniert mit recht viel Laufspiel über Forté/Barber glaube, was bei erfolgreicher Implementierung früher oder später per se die Gelegenheit bieten wird, ein oder zwei ganze tiefe Bälle in das Herz der Secondary zu pfeffern.

Ausblick

Ein Spiel mit dem look’n’feel einer Coming Out Party der Detroit Lions, die auf ein lautes, aufgeregtes Ford Field bauen werden und hoffen müssen, nicht allzu stark vom Hype übermannt zu werden. Es sieht eigentlich vieles gut aus, inklusive der Hoffnung, dass Mike Martz’ Ego im Spiel gegen seine alte Mannschaft in ein paar hirnlosen Playcalls resultieren könnte.

Andererseits sind die Chicago Bears immer noch eine gefährliche Mannschaft, die bei entsprechend enthemmter Defensivleistung, vor allem der Front Four, jederzeit imstande sein sollte, Detroits Offensivspiel abzuwürgen und mit dem Ball in den eigenen Händen mit langen Drives die Halle zum Abkühlen bringen könnten.

Ich halte Chicago für prädestiniert, Detroit Schwächen in Angriff und Verteidigung offenzulegen, solange nur die Line um DE Peppers endlich in Schwung kommt und RB Forté intelligent eingesetzt wird. Leichter Vorteil Chicago in diesem Spiel.

Mit den Detroit Lions die Sonne anlachen

Matthew Stafford Detroit Lions NFL 2011/12

Wenn die Hoffnungen auf einer Schulter ruhen... Matthew Stafford - ©Flickr/Hawk Eyes

Für die morgendliche Lektüre am heutigen Samstag halten die Detroit Lions her, das Team, das nun jahrelang wie kein zweites für die Niederungen der NFL stand. Statt König der Tiere eher der Bettvorleger. Seit dem Tiefpunkt der sieglosen Saison 2008/09 ist allerdings ein radikaler Schnitt gemacht worden, die Besitzer-Familie Ford hat sich dazu durchgerungen, dem neuen GM Martin Mayhew, einem aus dem eigenen Haus, das Vertrauen zu schenken – und Mayhew entzückt mit seiner Arbeitsweise immer besser.

Erste Amtshandlung war die Einstellung von Head Coach Jim Schwartz aus Tennessee. Schwartz gefällt mir als Pragmatiker außerordentlich, ein Mann, der gnadenlos seinen Glauben an die Macht von Zahlen und Statistiken lebt und danach handelt – und sich mit Scott Linehan und Gunther Cunningham zwei erfahrene Coordinators an seine Seite geholt hat.

Und Schwartz hat die größte Herkules-Aufgabe bereits gemeistert: In Detroit herrscht nicht mehr Depression, sondern Aufbruchstimmung. In diesem Sommer ist die Stimmung nach zahlreichen geglückten personellen Transaktionen plötzlich so enthusiastisch wie ich es bisher noch nicht gesehen habe. Enthusiasmus basierend auf einer Unzahl an jungen, hohen und eigenen Draftpicks in den letzten Jahren – und einigen klugen Einkäufen.

Die Offense hängt an Staffords Schulter

Vor zwei Jahren wurde unter Linehans Aufsicht damit begonnen, eine nicht nur in Spuren vertikale Offense aufzuziehen – und dafür wurden neben dem vorhandenen Personal nach und nach die passenden Spieler geholt.

Recht unangetastet blieb die Offensive Line, die nicht zu den besten der NFL gehört, aber ihre Sache gerade gut genug macht, um nicht als größtes Sorgenkind durchzugehen. LT Jeff Backus oder C Dominic Raiola sind Spieler, denen man nichts anderes als vollste Bewunderung entgegenbringen kann. Beide spielen seit Äonen in dieser Stadt und haben alle Niederungen durchgemacht und trotzdem immer nach Möglichkeit ihre Leistung geliefert. Das ist schwerer als man glaubt und diese wenigen Zeilen an Anerkennung von Herzen verdienend.

Knackpunkt in der Offense ist der Quarterback. „Vertikale Offense“ bedeutet: Der QB muss über einen starken Arm verfügen. Den hat der junge Matt Stafford, Top-Pick von 2009, der brillante Ansätze gezeigt hat und in der Lage ist, eine Offense blitzschnell mit kilometerlangen Pässen das Feld hinunterzutreiben. Allein: Stafford verbrachte bisher mehr Zeit im Krankenstand und es bestehen ernsthafte Zweifel, ob die Schulter im Wurfarm überhaupt halten wird.

Backup Shaun Hill zeigte bemerkenswerte Courage und hielt die Lions als Third Stringer oft genug im Spiel, aber mit Hill spielt die Offense um einiges blasser.

Die Anspielstationen sind breit gestreut: Der „Megatron“ genannte WR Calvin Johnson ist der athletische Idealtyp eines Wide Receivers und ein deep threat vor dem Herrn. Zu Superstar Johnson gesellen sich Nate Burleson und der quicke slot receiver Titus Young, ein Rookie. Für die Mitteldistanzen hat sich zuletzt TE Brandon Pettigrew nach anfänglichen Anpassungsschwierigkeiten angeboten. Insgesamt eine ordentliche Pass-Armada, der vielleicht etwas die nötige Tiefe (im Sinne von Kadertiefe) abgeht.

Im April sorgte das Front Office mit der Einberufung von RB Mikel LeShoure für Augenbrauenrunzeln. Der zweite Gedanke war dann aber: Geil! LeShoure ist ein brachialer Back, der gerne mit dem Kopf durch die Wand (sprich: über die Mitte des Spielfelds) rennt, während der im Vorjahr hoch gedraftete RB Jahvid Best, ein ungeduldiger Running Back, mehr der burner ist. Solche grundverschiedenen Angriffsoptionen bieten oft nicht nur ästhetischen Genuss beim Zuschauen, sondern aufgrund ihrer Variabilität auch viel Erfolgspotenzial.

Weil wir hier aber über die Detroit Lions sprechen, müssen wir an dieser Stelle das Sternchen einfügen: LeShoure fällt für die komplette Saison mit Verletzung aus, ein ernsthafter Schuss vor den Bug – zu gut hätte LeShoure in diese Offense gepasst. Nun ist mit Mike Bell und dem Dreispielewunder von Cleveland, Jerome Harrison, halbwegs annehmbarer, händeringend gesuchter Ersatz gefunden.

Die Wucht steckt in den Schützengräben

Größter Problempunkt war in Detroit aber jahrelang nicht die Offense, sondern die Abwehr, was auch Matt Millens krankem Verlangen nach Wide Receivers geschuldet war. Unter dem Defensiv-Genie Schwartz setzte naturgemäß ein Umdenken ein.

Hauptaugenmerk gilt der Defensive Line, in die die größten Ressourcen gesteckt werden. 2010 wurde Nebraskas Freak DT Ndamukong Suh geholt, dessen schiere Präsenz nicht nur Blockern Schrecken einjagt, sondern im vormals oft mucksmäuschenstillen Ford Field die amerikanische Version des Ruuuuuuuuuuuudi Völler-UUUUUUs heraufbeschwört hat.

Suh gilt als vorbildlicher Charakter und Mentor-Typ für den jüngsten Top-Pick DT Nick Fairley, ein potenziell dominanter Pass Rusher, aber auch für seine Auszeiten mitten im Spiel und seine oftmals unfaire Spielweise bekannt, und in der Vorbereitung mit diversen Wehwehchen gehandicapt (remember the Lions). Suh und Fairley werden flankiert von starken Defensive Ends wie Kyle Vandenbosch und Cliff Avril, und für die von Schwartz gepredigte Rotation können abwechselnd der aufstrebende DE Lawrence Jackson und der solide DT Corey Williams in die Schützengräben geworfen werden.

Auch wenn ich das Flop-Potenzial eines Nick Fairley für erhöht halte: Eine dominante Defensive Line ist meistens der wichtigste Baustein für eine auf Jahre hinaus starke Defense. Die Sollbruchstellen bei den Lions sind weiter „hinten“ zu finden.

Bei den Linebackers zum Beispiel, wo aber mit dem starken Lauf-Verteidiger Justin Durant und vor allem mit Schwartz-Liebling MLB Stephen Tulloch vor wenigen Wochen zwei möglicherweise lebenswichtige Bestandteile eingekauft wurden. Interessant an Tullochs Verpflichtung: Die Lions konnten es sich leisten, Tulloch einen Vertrag ihres Geschmacks aufzuoktroyieren – undenkbar noch im vergangenen Sommer.

Die Probleme in der Secondary sind großteils auf mangelnde Erfahrung zu schieben. Die meisten Defensive Backs sind noch recht grün hinter den Ohren und der erfahrenste Mann, CB Nate Vasher, hat seine besten Zeiten hinter sich. Dass man die Top-WR dieser Welt den Cornerbacks Alphonso Smith, Eric Wright oder Chris Houston anvertrauen möchte, erstaunt. Der Top-Defensive Back ist FS Louis Delmas, ein aufstrebender Mann im dritten Jahr.

Die wenig speziellen Special Teams

P Nick Harris und K Jason Hanson sind seit Ewigkeiten im Kader und waren stets verlässliche Sportskameraden. Mit dem jungen K Dave Rayner steht womöglich ein Generationswechsel an. Return-Mann ist Stefan Logan, 2010 mit einem TD und ansonsten ansehnlichen Zahlen (12,1yds/Puntreturn, 26,3yds/Kickreturn).

Ausblick

Wie jedes Jahr ist es schwierig, eine Prognose bezüglich der Detroit Lions abzugeben. Es sind Ingredienzien für den Durchbruch da, Kader und Trainerstab sind mit etwas Optimismus – kein Scherz – superbowlfähig. Trotzdem handelt es sich immer noch um die Detroit Lions und der wichtigste Bestandteil, der Quarterback, hat nicht zu verachtende Verletzungssorgen und verfügt immer noch über recht wenig Erfahrung.

Dazu kommt dieser, gemessen an 2010/11, viertschwerste Schedule der NFL:

Wk #1 @Buccs
Wk #2 vs Chiefs
Wk #3 @Vikings
Wk #4 @Cowboys
Wk #5 vs Bears (MNF)
Wk #6 vs 49ers
Wk #7 vs Falcons
Wk #8 @Broncos
Wk #9 BYE
Wk #10 @Bears
Wk #11 vs Panthers
Wk #12 vs Packers (Thanksgiving)
Wk #13 @Saints
Wk #14 vs Vikings
Wk #15 @Raiders
Wk #16 vs Chargers
Wk #17 @Packers

Dieser Sommer ist etwas anders. Dieser Sommer gibt erstmals in meiner Vita als glühender und vor allem mit Liebe leidender Anhänger der Detroit Lions Grund, auf bald kommende Erfolge zu hoffen. Weil es sich aber immer noch um die Lions handelt, bin ich noch hin- und hergerissen zwischen gerechtfertigtem Optimismus und der prinzipiellen Skepsis gegenüber dieser Franchise.

Das Zeiteisen verrät: 447 Minuten verbleiben. WordCount nach 19 Teams: 18298.

(Dem einen oder anderen werden Teile des Eintrags bekannt vorkommen. Vor ein paar Wochen ist die Vorschau etwas abgespeckt bei Spox erschienen, mit der Unsinns-Behauptung, Detroit spiele „Run and Shoot“ – ich weiß nicht, wie ich in der Eile „Downfield attack“ oder „vertikales Spiel“ mit June Jones‘ Lieblingsspielzeug verwechseln konnte. An dieser Stelle: Sorry, hochnotpeinlich und ich vergräme mich in Schamesröte, dass mir dieser eklatante Fehler erst beim Überarbeiten des Artikels für Sideline Reporter aufgefallen ist.)

Detroit Lions in der Sezierstunde

Matthew Stafford NFL-Lions Quarterback

©Flickr

Einleitend das Geständnis: Ich bin Detroit-Lions-Fan. Es ist kein einfaches Dasein als Lions-Anhänger. Zum einen, weil sie ganz einfach zu selten bei uns gezeigt werden (nur zu Thanksgiving). Das ist der Preis für die jahrelange Erfolglosigkeit. Zum anderen, weil man seit Jahren denkt, Mensch, jetzt bauen sie die richtigen Puzzleteile ein, jetzt geht’s aufwärts! Und dann verletzt sich zum ungünstigsten Zeitpunkt ein Quarterback oder fallen drei Defensive Backs aus und die Saison ist wieder den Bach runter.

2010/11 hat uns ein 6-10 beschert. Es passiert nur in Detroit, dass „6-10“ mit gutem Gewissen in das Regal mit dem Aufkleber „Erfolg“ eingelegt werden kann.

2010/11 waren die Lions ein deutlich wettbewerbsfähiger Haufen als in den letzten 2-3 Jahren. Die Schwachstellen sind teilweise eklatant, aber sie haben meist voll durchgespielt und mit ihrem Sieg über Tampa in Woche 15 sogar dem Superbowl-Champ Green Bay überhaupt erst die Playoff-Teilnahme ermöglicht!

Die zehn Saisonniederlagen lesen sich so: -5 gegen Chicago, -3 gegen Philadelphia, -14 gegen Minnesota, -2 gegen Green Bay, -8 gegen die Giants, -3 (OT) gegen die Jets, -2 gegen Buffalo, -14 gegen Dallas, -21 gegen New England (als die jeden Gegner in Grund und Boden gespielt haben) und -4 gegen Chicago. Vier Siege im Dezember, unter anderem gegen Green Bay und Tampa Bay, die beide voll im Saft um die Playoffs waren. Und man bedenke: Über weite Strecken wurde mit Backup-QB und sogar Third Stringer und Backup-RB gespielt. Trotzdem hat z.B. ein Calvin Johnson wieder über 1000yds und 12TDs gefangen.

Wo hakt’s?

Das unbeschreibbare Wort „Siegermentalität“ ist zwar nicht so meins. Aber so oft wie die Lions diese Saison an einem Sieg dran waren und trotzdem noch vergeigt haben… Wenn ich an Leute wie C Raiola denke, die seit ungefähr drei Jahrzehnten nur losing seasons erleben mussten, ist das auch kein Wunder. Die wissen gar nicht, wie man das macht, selbst wenn einem mal ein starkes Spiel ausrutscht.

Größtes Problem in der Offense: Zahlreiche Verletzungen. QB Matthew Stafford ist ein mutiges Kind, ein harter Knochen, aber er ist zu oft verletzt, als dass seine guten Ansätze in Siegesserien umgemünzt werden könnten: 13 Spiele hat Stafford in zwei Jahren bestritten. Heuer hat er nur 3x gespielt: 6 TDs, 1 INT, Rating 91,3. Das sind erstaunliche Zahlen, die Stafford da fabriziert, angesichts der Unerfahrenheit und der wenigen Spielzeit. Nun ist die rechte Schulter (Wurfarm) mal wieder operiert worden.

Ich war vor zwei Jahren ein Gegner, Stafford an der #1 zu draften. Nicht dass Stafford ein Flop wäre. Aber wenn du keine Offensive Line hast, dann stellst du nicht einen teuren und rohen Franchise-QB ins Tollhaus „Pocket“. Mit zahlreichen Verletzungen zahlen die Lions jetzt den Preis. Daher würde ich dringend empfehlen, in Runde 1 oder 2 einen Offensive Tackle einzuberufen. Oder zwei. Das bietet keine Garantien, erhöht aber die Chance, Stafford mal über längere Zeit gesund zu halten. Dass Stafford sich wohl fühlt, zeigen die Zahlen.

Die Defense hat ebenso eine gewaltige Problemzone, nachdem die Defensive Line mit dem sensationellen Rookie Ndamukong Suh und Kyle Vanderbosch zwei Spieler wenigstens für den Pass Rush eingekauft hat. Das Laufspiel darf aber ruhig noch härter abgewürgt werden, auch von DT Suh.

Richtig der Wurm drin ist in der Secondary. Es hat weh getan, so wie Detroit an Thanksgiving auseinandergenommen worden ist. Jeder Pass eine Completion, am besten für 25yds und jeder Drive mit Touchdown abgeschlossen.

Ich schrieb damals:

Als die Patriots mit Smith die Schwachstelle ausgemacht hatten und die Offense Line Brady den Tick mehr Zeit geben konnte, war das gegessen. Drei Touchdowns in Serie und es gab nie etwas, was die Lions zum Entgegensetzen hatten.

Man kann es an CB Alphonso Smith festmachen. Oder an seinen Nebenleuten. Punkt ist: Das Material genügt nicht höheren Ansprüchen. Oder ist noch zu grün hinter den Ohren. Dumm, dass der Draftpool für Defensive Backs nicht als allertiefster gilt.

Early Draftstrategie: Defensive Back mit dem 1st round pick, Offense Line mit den zwei-drei folgenden Picks. Bitte keine TEs und RBs draften. Detroit hat genügend gute Skill Players. Die Löcher sind anderswo.

Auf dass sie mal wieder brüllen

Es geht eindeutig aufwärts. Gegen die Patriots sind sogar eine ganze Weile lang die Zuschauer im Ford Field richtig mitgegangen. Das hatten wir lange nicht. Die vertragslosen Spieler wäre allesamt keine übermäßig schmerzhaften Verluste. Wenn die Prioritäten

a) Schutz für Stafford/Offensive Line
b) Pass-Deckung/Defensive Backs
c) Laufspiel-Verteidigung/Defensive Tackle & Linebacker

in der Reihenfolge angegangen werden, bin ich zuversichtlich. Genügend gute bis exzellente Draftpicks wurden in den letzten Jahren gehortet. 1-2 erfahrene Free Agents für die Defense (DBs, LBs) würden auch nicht schaden. Da ich Vertrauen in Jim Schwartz habe, werden die Playoff-Träume in absehbarer Zeit ja vielleicht wirklich mal erfüllt.

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