NFL Notizblock, Week 7: TNF Seattle Seahawks @ Arizona Cardinals

Es ist einfach eine Schande. Seit Jahren schon wird das viele individuelle Talent verschwendet, weil sie sich standhaft weigern, vernünftige Offensive Tackles und einen Quarterback zu verpflichten, der auch mal ein Spiel alleine gewinnen kann. Zu Beginn des siebten Spieltages empfingen diese Arizona Cardinals (3-3) zu Hause die Seattle Seahawks (5-1) und waren zwar Außenseiter, aber mit ihrer großartigen Defense und ein wenig Glück in den Special Teams können sie ihren Angriff gegen jeden Gegner bis zum Schluß im Spiel halten.

In der Offense sind es vor allem die WRs Michael Floyd und Larry Fitzgerald, die unter dem QB-Tackle-Mangel leiden. Beide mußten sich mit der „Legion of Boom“ herumschlagen, Fitzgerald zu allem Überfluß auch noch mit Muskelfaserproblemen. Er wurde dann zwar von Bruce Arians überall aufgestellt, außer an der rechten Seitenlinie, wo Richard Sherman wartet, aber trotzdem fing Fitz nur zwei Bälle. Floyd hatte mehr Erfolg mit sechs catches. Allerdings lief im Paßspiel nur etwas mit screen passes und crossing routes auf dem Level der Linebackers; das Arians-typische downfield passing game war abgemeldet.

Stats / Gamebook

Gamebook Seahawks@Cardinals

Das war der heillos überforderten Offensive Line geschuldet. Left Tackle Bradly Sowell wurde im pass blocking auf alle erdenklichen Weisen naß gemacht. Oft sind Cliff Avril oder Michael Bennett einfach mit speed an ihm vorbeigerannt, manchmal wurde er mit power regelrecht in Carson Palmer reingetragen – butt sack könnte man das vielleicht nennen. Gegen die Mitte der Linie machte ein gewisser Tony McDaniel mächtig Alarm und auf der rechten Seite wurde Tackle Eric Winston sogar mal von einem Defensive Back auf den Rücken geworfen bei einem Laufspielzug.

Überhaupt: das Laufspiel. Fehlanzeige. Die Front Seven der `Hawks ist viel zu stark für die Linie Arizonas. Wenn sie dann doch mal versuchten zu laufen, wurde Richard Mendenhall grün und blau geprügelt (13 Läufe, 22 Yards). Rookie Andre Ellington, der in den letzten Wochen ziemlich heiß aussah, bekam nur drei carries. So lief das den ganzen Abend: kein Laufspiel; keine langen Pässe; Palmer under pressure (sieben Sakcs und gefühlt hundert hits.) Und Palmer trifft schlechte Entscheidungen, wenn er Druck im Gesicht hat. Statt den Ball wegzuwerfen, versucht er in allerkleinste Fenster zu werfen. Er war noch recht glücklich, mit nur zwei Interceptions davonzukommen. Eine davon wurde von Brandon Browner bis an Arizonas 1-Yard-Linie zurückgetragen.

So eine Offense kann auch von einer erstklassigen Defense nicht rausgerissen werden. Schon gar nicht, wenn diese Defense einen schlechten Start hat. In den ersten beiden Drives wurde Arizonas Front Seven völlig auf dem falschen Fuß erwischt: 150 Yards und zwei Touchdown. Für den Rest des Spiels waren es nicht mal mehr 200 Yards, was eine mehr als respektable Leistung gegen einen Angriff von Seattles Kaliber ist.

Nach den ersten beiden Serien war es business as usual für die Cards-D: Calais Campbell hat sein Zelte direkt im Backfield der Offense aufgeschlagen; niemand wirft Richtung Patrick Peterson; und Daryl Washington explodiert in alle Richtungen gegen RBs und QBs. Neben diesen jungen Superstars spielen einige zuverlässige Veteranen wie Karlos Dansby, Darnell Dockett und John Abraham. Nimmt man noch die nicht voll entwickelten Top-Talente wie Tyrann Matthieu und Matt Shaughnessy dazu, hat man einen Kader wie aus dem Bilderbuch.

Die Abraham-Campbell-Shaughnessy pass rush combo hat schließlich noch Russell Wilson zwei Fumbles rausgeschlagen und einen Turnover on Downs produziert. Vorwerfen kann man Arizonas D einzig, wie schon gesagt, die ersten beiden schwachen Drives. Wenn Wilson nicht einige spektakuläre Läufe und Würfe bei eigentlich schon zusammengebrochenen Spielzügen gemacht hätte, wär das Ding auch bis zum Schluß ganz eng geblieben. Wilson hat sich zusammen mit Andrew Luck vorläufig recht deutlich von den anderen beiden QBs der „Big Four“, Colin Kaepernick und Robert Griffin, abgesetzt. Auch wenn er nicht immer die ganz starken Zahlen hat, so ist er doch ein hervorragender Quarterback, der seine Mannschaft bei 3rd Downs und in kritischen Situationen immer im Spiel halten kann.

So schade es vor allem um die Defense Arizonas ist: ich sehe nicht, wie man es mit dieser Offense in die Playoffs schaffen sollte. Schon gar nicht, wenn Bruce Arians dermaßen ängstlich ist: beim Stand von 31-13 an Seattles 3-Yard-Linie ein Field Goal schießen?!? Beim Stand von 34-16 im vierten Viertel punten?!? Verstand verloren? Dachschaden?!? So verdienen sie auch keine Playoffs.

Buffalo Bills in der Frischzellenkur 2012

  •  #10 (1) CB Stephon Gilmore (South Carolina)
  •  #41 (2) OL Cordy Glenn (Georgia)
  •  #69 (3) WR T.J Graham (North Carolina State)
  • #105 (4) LB Nigel Bradham (Florida State)
  • #124 (4) CB Ron Brooks (LSU)
  • #144 (5) OT Zebrie Sanders (Florida State)
  • #147 (5) LB Tank Carder (TCU)
  • #178 (6) G Mark Asper (Oregon)
  • #251 (7) K John Potter (Western Michigan)

Man muß es einfach mögen, wie die Buffalo Bills derzeit ihre Kaderplanung angehen. Um den Franchise Player Kyle Williams (DT) baut man nach guter alter Weisheit eine solide Defense von innen nach außen auf. Letztes Jahr hat man mit dem dritten Pick DT Marcell Dareus gedraftet und in dieser Offseason die Defensive Ends Mario Williams und Mark Anderson verpflichtet.

In dieser Draft verstärkt man das Defensive Backfield mit zwei Cornerbacks. Stephon Gilmore soll der zweitbeste CB dieses Jahrgangs sein und mit dem letztjährigen 2nd-rd pick Aaron Williams das Starting-Duo an den den Seitenlinien bilden. Mit LSUs Ron Brooks hat man in der vierten Runde noch jemanden für die sub-packages gedraftet. Star der Secondary ist Safety Jairus Byrd und neben ihm und hinter diesem Pass Rush haben Gilmore, Williams und Brooks die Chance, ein aufregendes Defensive Backfield zu formen.

Für die Mitte zwischen Linie und Secondary hat man mit den beiden 1,90m-Typen Nigel Bradham (FSU, 4th round) und Tank Carder (TCU, 5th round) vor allem Kadertiefe und Special-Teams-Futter besorgt.

In der Offense, die letztes Jahr bis zur Verletzung von RB Fred Jackson überaus aufregend war, hat man drei dicke Jungs für die mäßige O-Line gedraftet, von denen zumindest Georgias Cordy Glenn sofort starten könnte. Der 2nd-rd pick ist mit knapp 160kg einer größten und kräftigsten Guards. FSUs Zebrie Sanders ist eher ein finesse player, was aber in der offenen Spread-Offense der Bills kein allzu großer Nachteil sein muß. Oregons Mark Asper ist ein riesiger 2,02m großer, als Guard und Tackle einsetzbarer Spieler. Und weil Chan Gailey für sein System nie genug WR haben kann, bekommt QB Ryan Fitzpatrick mit dem 3rd-rd pick T.J. Graham auch ein neues Spielzeug. Graham ist ein speedster, der als Leichtathlet bei den National Championships im 100-Meter-Lauf mitgemacht hat.

Überblick

Es ist gar nicht lange her, da hätten die Bills in der ersten Runde einen WR wie Michael Floyd gedraftet. Einfach nur weil er irgendwie aufregend ist. Wie aber auch schon im letzten Jahr ist dies eine sehr solide Draftklasse. Die Bills basteln sich heimlich, still und leise in ein richtig gutes junges Team zusammen. In der Defense hat man die Secondary deutlich verstärkt, nachdem man schon den Pass Rush auf ein neues Level gehoben hat. In der Offense wurde gezielt die Offensive Line verstärkt und mit dem schnellen WR Fitzpatrick ein neues Ziel gegeben. Eine Draft wie aus dem Lehrbuch.