New York Jets in der Sezierstunde

Man nahm die New York Jets von 2013/14 als relativ Mitläuferteam wahr, was vielleicht am Lautstärkeregler bei Head Coach Rex Ryan lag, der die Saison ohne die ganz krassen verbalen Ausrutscher überstand. Oder es lag am Schattendasein des einstigen Franchise-QBs Mark Sanchez. Oder an der unspektakulären Offense. Oder an Tebow. Sache ist aber auch: Rein statistisch waren die Jets eine ungewöhnliche Mannschaft: Leistungsmäßig spielten sie in Nähe des Bodensatzes mit, fuhren aber mit acht Siegen eine komplett durchschnittliche Bilanz ein. Sie waren dabei ein gewaltig unglückliches Team nach Turnoverwerten (v.a. Fumbles), aber ein extrem glückliches nach engen Siegen.

Kurz: Ich hätte einen Rauswurf von Headcoach Ryan nach der Saison nachvollziehen können. Rex ist ein Meister der Defense, und seine Defenses gehörten immer alle zu den besten in der Liga, aber das alles unter kompletter Vernachlässigung der Offense, die seit Jahren kein Bein in den Boden bekommt. Dabei ist sogar wurscht, welche OffCoords eingestellt wurden, und welche Spieler gekauft wurden.

Überblick 2013

Record         8-8
Enge Spiele    5-1
Pythagorean    5.4    27
Power Ranking  0.385  24
Pass-Offense   5.6    26
Pass-Defense   6.3    17
Turnovers      -14

Management

Salary Cap 2014.

Defense wins Championship sagen die Traditionalisten, weil mit Seattle endlich mal wieder eine große Defense die Superbowl holten. Dass die Seahawks auch über eine erstklassige Offense verfügten, wird dabei gerne unterschlagen. Die Jets hingegen haben zero Offense. Und ohne Offense kommst du in der heutigen NFL nicht mehr durch, egal wie gut deine Defense aufgestellt ist.

Rex durfte bleiben, und mit ihm der OffCoord Marty Mornhinweg. Mornhinweg ist nur der letzte in einer Reihe an Coordinators, die unter Ryan nicht glücklich wurden. Man kann ihm aber zugute halten, dass er in seiner ersten Saison auch um ein Spielermaterial herumdoktern musste, aus dem viele andere auch nicht allzu viel mehr geformt hätten.

Die Quarterback-Situation ist nach dem Einkauf von Michael Vick offen. Vick war in Philadelphia überflüssig geworden, wollte aber noch ein letztes Mal in seiner Karriere eine Chance erhalten, den Stammplatz zu erarbeiten. Die Jets haben mit Geno Smith aber schon einen jungen QB im Kader, der letztes Jahr als Rookie erste Erfahrungen sammeln konnte. Smith konnte seine Kritiker dabei nicht verstummen lassen, ließ sich zu oft ins Bockhorn jagen und warf zu viele Interceptions (21 Stück).

Aber Geno ist kein hoffnungsloser Fall, hatte auch gute Momente, und man kann ihn auch mit einem denkbar schlechten WR-Corp entschuldigen. Umsonst wird man Vick allerdings nicht geholt haben: Hätten die Jets in den Vertragsverhandlungen mit Vick keine ernsthafte Chance als Starter in Aussicht gestellt, Vick hätte woanders unterschrieben. Und mehr: Vick ist in New York nun mit seinem alten Offensive Coordinator aus gemeinsamen, kurzzeitig extrem erfolgreichen Zeiten wiedervereint: Mornhinweg.

So oder so: New York wird ab Herbst wohl einen mobilen Starting-QB sehen. Weil aber sowohl Geno als auch Vick die Tendenz haben, den Ball gerne mal etwas zu lang zu halten bzw. sich in unnötiges Scrambling hinter der Line of Scrimmage reinreiten lassen, ist eine starke Offensive Line unerlässlich. Die Jets sind hier hinter dem Kern LT Ferguson/C Mangold schlecht aufgestellt: Die RT-Position ist seit Jahren ein Pulverfass, das auch regelmäßig hochgeht, und auf Guard haben die Bemühungen der letzten Jahre noch nicht gefruchtet.

Richtig schlecht sieht es bei den Jets auf den Skill-Positionen an der Anspiellinie aus: WR Holmes musste aus Vertrags- und Motivationsgründen entlassen werden, aber andere Leute aus dem Kader konnten sich nie aufdrängen. Slot-WR Jeremy Kerley war letztes Jahr mit 43 (!) Catches der Mann mit den meisten Receptions. Als Abhilfe konnte Eric Decker aus Denver geholt werden, aber Decker ist bei allem 1000yds und 10 TDs aus der Broncos-Offense auch kein klassischer #1-Receiver, dem man die Schlüsselposition zukommen lassen will.

Decker wird aber sicher helfen. Hinter ihm und Kerley lässt die Qualität aber rapide nach. WR Stephen Hill wurde vor zwei Jahren mit dem Credo, noch ein sehr unfertiger Spieler zu sein, gedraftet, und er bestätigte bisher alle Vorurteile: Hat zwischendurch mal einen schönen tiefen Catch, aber läuft ansonsten häufig falsche Routen und ist kein Mann mit sicheren Fanghänden. Das ist oft ein Problem bei diesen Wide Receivern, die am College nur Triple-Option sahen, 90x/Spiel sowieso wussten, dass sie keinen Ball sehen würden und daher keine Bemühungen unternahmen, aber dann zweimal geradeaus laufen durften um die einfachen tiefen Pässe zum 80yds-TD zu fangen.

Tight End gibt es auch keinen von Format – aktuell dürfte der von Patriots entlassene Zach Sudfeld die erste Wahl sein. Bei den Running Backs gilt die Combo aus dem Parasiten RB Ivory und dem kräftigeren RB Powell als zufriedenstellend genug um angesichts der anderen Lücken große Verstärkungen zu holen.

Händeringend upgrade-würdig: Rechter Tackle, Guard, Tight End, Starting-WR – da braucht es so ziemlich an jeder Ecke und an jedem Ende im Locker-Room der Gang Green. „Locker Room“? Es wird auch zu beachten sein, welchen Einfluss Vick üben kann. Die Umkleidekabine der Jets war in den letzten Jahren schließlich eine der instabilsten, aus der immer wieder Interna an die Öffentlichkeit durchsickerten. Wie viel Einfluss kann ein gereifter Mann wie Vick üben? Ein Vick, der sich möglicherweise in Konkurrenzkampf mit dem Franchise-QB in spe wiederfindet?

Damit dorthin, wo das Gras grüner wächst: Jede Defense von Rex Ryan wird nahe am spielerischen Maximum wandeln. Der Mann ist die Expertise schlechthin, holt seit Jahren aus nicht komplettem Abwehrpersonal Gewaltiges heraus.

Absolute Stärke ist die Defensive Line: Der Ankermann NT Damon Harrison hat seinen Durchbruch geschafft, aber die wahren Stars sind seine beiden Flankenmänner: DT Muhammad Wilkerson gilt seit Jahren als verlässliche Fachkraft, und auch der letztjährige Rookie-DT Sheldon Richardson war eine Offenbarung: Richardson dominierte von seiner stillen 3-4 DE Position ausreichend um überraschend (aber glaubt man PFF.com nicht unverdientermaßen) zum Rookie des Jahres gewählt zu werden.

Richardson ist auch deswegen eine bizarre Geschichte, weil er vor einem Jahr als eindimensionales one trick pony gegolten hatte: Kam als Passrusher in die Liga, der zu faul war um die 30 Snaps Lauf-Defense auch noch durchzuziehen. Ein Jahr später gilt Richardson als einer der besten Lauf-Verteidiger der Liga, der von seinen gepriesenen Passrush-Skills noch nix gezeigt hat.

Die Starting-Formation der Defense Line passt. Als Tiefe könnte man den 2012er-Erstrundenpick Quinton Coples reinrotieren, aber Coples soll verstärkt als Outside Linebacker („Edge Rusher“) im Passrush eingesetzt werden – eine Position, die Coples bisher nur unzufriedenstellend ausfüllen konnte. Coples‘ Job ist nicht ohne: Seit Jahren versuchen die Jets, diese Position adäquat zu besetzen – bisher nicht mit durchschlagendem Erfolg.

Die Inside-Linebacker sind marginal besetzt: Den alten David Harris kannst du noch mit PlayCalling-Aufgaben betrauen, aber Harris ist langsam geworden. Blutauffrischung wird früher oder später kommen müssen.

In der Secondary sind die Needs am größten: Der Star-CB Cromartie musste wegen zu teurem Vertrag gefeuert werden, und hinter Cromartie standen zwar mehrere ehemalige Erstrundenpicks im Kader, aber keiner von denen erweckt Vertrauen.

CB Kyle Wilson kam einst von Boise State nach New York, machte aber bisher keine gute Figur und wird – wenn überhaupt – nur noch widerwillig im Slot eingesetzt. Der letztes Jahr in den Top-Ten gedraftete CB Dee Milliner hatte einen Scheiß-Einstand als Rookie: Er hatte zwar 3 INT, aber galt Woche ein, Woche aus als der Mann, der vom Gegner attackiert wurde, egal welchen Gegenspieler er sah.

Als Ergänzung wurde CB Patterson aus Miami geholt, aber wenn er nicht eine völlig verblüffende Entwicklung nimmt, wird Patterson nicht mehr werden als ein Aushilfsspieler für die Downs zwischendurch. Aus San Diego verstärkt Johnny Patrick den Kern – alles keine Granaten.

Schließlich und endlich ist eine Safety-Combo aus Antonio Allen und Dawan Landry nie etwas, worauf du bauen willst. Der legendäre Ed Reed scheint mittlerweile so verbraucht zu sein, dass er nicht einmal mehr einen neuen Vertrag bekam.

Die Defense liest sich nach den Namen nicht wirklich wie eine potenzielle Top-Unit, aber Ryan hat noch jedesmal ein Produkt auf das Feld geschickt, das die Erwartungen übertreffen konnte. Die wichtigste Position in der Defensive Line passt in Qualität und Tiefe, und somit kannst du die Jets schonmal nicht so einfach überlaufen. Sollte im Draft ein erstklassiges Passrush-Prospect verfügbar sein, kann es gut sein, dass die Jets zugreifen werden – sie haben es mittlerweile oft versucht, aber den echten Goldgriff noch jedesmal verpasst.

Die Needs sind nicht eindeutig zu priorisieren, aber nach man in Sachen Quarterbacks erst einmal auf die Geduldsschiene setzen muss, bleiben die ganz krassen Löcher im Draft:

  • Top-Widereceiver
  • Tight End
  • Tight Tackle
  • Offensive Guard
  • Edge Rusher/Outside Linebacker
  • Cornerback

Es sind eigentlich verdammt viele Lücken in einem Kader, der innerhalb kürzester Zeit heruntergewirtschaftet wurde, weil die Jets zu lange Altstars holten um in einem kurzen Fenster zum Erfolg einmal die Superbowl zu gewinnen – sie waren ja auch keine sieben Meilen entfernt. Die Schmerzen müssen sie nun überwinden.

Eigentlich wäre ein Wechsel von Ryan auf einen neuen Trainerstab logisch gewesen, denn es ist ein Kader, der sich mitten im Umbau findet. Die ersten Schritte wurden jetzt aber auch mit Rex eingeleitet, und wenn die Jets einige der genannten ganz großen Lücken mit hochwertigen Talenten stopfen können, wenn sich einer der Quarterbacks bewährt (im Optimalfall Geno Smith als Hoffnungsträger für die Zukunft), dann sehe ich schonmal nicht komplett schwarz für die mittelfristige Zukunft.

Auf der anderen Seite natürlich auch Druck für Rex: Schmieren die Jets dieses Jahr ab – und es gibt Zahlen wie den Pythagorean oder den Close-Win Index, die zumindest Regression nach unten befürchten lassen, ist auch ein Trainerwechsel im kommenden Winter mal wieder nicht auszuschließen. As said: Gewöhnlich ist anders.

NFL-Recap, Week 1: Washington Redskins – Philadelphia Eagles

Chip Kellys NFL-Debüt endete in einem 33-27 Auswärtssieg beim direkten Divisionsrivalen Washington Redskins, ein Endstand, der sich knapper anfühlte als es das Spiel hergab. Es war aufgrund einer ansprechenden zweiten Halbzeit keine unterirdische Vorstellung der Redskins, aber insgesamt fühlte sich das Spiel über weite Strecken wie ein Blowout an, was auch der zwischenzeitliche Stand von 33-7 (Redskins-TD war nur durch einen zweifelhaften Fumble-Return TD zustande gekommen) erwarten lassen würde. Weiterlesen

Philadelphia Eagles in der Sezierstunde

Stat Line 2012

Record         4-12   --
Enge Spiele    4-5 
Pythagorean    3.9   (30)
Power Ranking   .427 (24)
Pass-Offense   5.7   (23)
Pass-Defense   6.7   (21)
Turnover       -24

Management

Salary Cap.
Free Agents.

Philadelphia ist mit seiner stürmischen Beziehung zu seiner Football-Franchise nie ein langweiliger Ort aus Sicht der National Football League. Der jüngste Kollaps nebst Entlassung des langjährigen Head Coaches Andy Reid bereitete zuletzt den Boden für ein spektakuläres neues Projekt: Der Inthronisierung von Head Coach Chip Kelly. Langjährige Leser dieses Blogs dürften mitbekommen haben, dass der schiere Gedanke an die Offense, die Chip Kelly an der University of Oregon installierte, bei mir Sabbern und aufgeregtes Zittern am ganzen Körper hervorruft.

Ich habe dem Phänomen Kelly vor kurzem bereits einen eigenen Blogeintrag spendiert: Chip Kelly – der Innovator.

Für die Lesefaulen sei es in zwei Absätzen zusammengefasst: Kelly ist noch ohne NFL-Erfahrung, wurde am College aber für eine atemberaubende, stilbildende und ästhetisch einzigartige Spread-Laufoffense berühmt. Wie sich das Ding auf die NFL übertragen lässt, steht noch in den Sternen; was sich sicher in gewisser Form übertragen lässt, sind Kellys legendäre Trainingsmethoden, die alles aus einer 2h-Einheit rauskitzeln, was nur möglich ist. Viele (auch NFL-)Coaches waren schon bei Kelly in Eugene/OR zu Gast, um sich ein Bild davon zu machen.

Und Kelly ist als GameManager bekannt, der schon mal im ersten Viertel eine 2pt-Conversion ausspielen ließ. Nur am College? Geht eh um nix? Nun, immerhin traute er sich das auch im BCS-Championship Game 2010/11. Es ist schwierig zu beurteilen, ob Kelly „aggressiv“ oder „zu riskant“ ist, ob er den Mut auch in der NFL (und insbesondere im Lincoln Financial Field!) aufbringen wird oder ob Schnarchnase OffCoord Pat Shurmur auf Kelly abfärben wird – aber auf alle Fälle ist Kelly Stand heute kein Schisser. Bedenklich ist nur, dass Kelly wohl auf einer Pressekonferenz eher zurückhaltend war, was sein Image als aggressiver Coach anging.

Die Eagles-Offense

Philadelphias Offense war in den letzten Jahren der Ära Reid in allererster Linie explosiv. So explosiv, dass sie inbesondere sich selbst oft in die Luft jagte, häufig durch Turnovers. Kein Kind von Traurigkeit war diesbezüglich der mittlerweile fast 33jährige QB Michael Vick, der keinen Hit scheute und mit seiner Aufopferungsbereitschaft viele Hater bekehrte, aber eben oft auf Kosten von Fumbles und unkontrollierten Interceptions. Vicks Vertrag wurde entgegen den Unkenrufen so umstrukturiert, dass er in Philadelphia bleiben kann – laufstarker QB mit Wurfarm für die 70yds-Pässe: Das ist schonmal Kelly-kompatibel. Oder ist Vick nur der Steigbügelhalter für den jungen, etwas blassen, aber auch wendigen Nick Foles, den Kelly noch aus der Pac-12 kennen dürfte? Kommt gar ein mobiler und Option-kompatibler Rookie á la Geno Smith oder E.J. Manuel?

Mit dem Material drum rum kann man arbeiten: RB LeSean McCoy ist ähnlich spritzig und antrittsschnell wie Lamichael James oder DeAnthony Thomas, und McCoy ist ein exzellenter Ballfänger. Backup Bryce Brown zeigte gute Ansätze als Rookie. WR DeSean Jackson kann mit seinen Drops verärgerte Pfiffe von den Tribünen provozieren, aber es gibt wenige gefährlichere Waffen für die tiefen Bälle.

WR Maclin entwickelte sich seit Jahren auf gutem Niveau. Wo ich Bedenken habe, ist der Slot-WR: Ist Avant wirklich Kellys Idealvorstellung von dieser für ihn so wichtigen Position? Oder kriegt der jüngst aus Tampa Bay losgeeiste WR Arrelius Benn, ehemaliger College-Star, den Platz? Fraglich ist auch, inwiefern die aktuelle WR-Crew der Eagles den hohen Ansprüchen Kellys genügt, was das Lauf-Blocken angeht; Kelly verlangt da sehr viel, mehr als die meisten anderen Coaches.

Der TE Brent Celek ist grundsolide, aber es würde mich nicht wundern, wenn in absehbarer Zeit (also späterstens 2014) nachgebessert wird.

Die Offensive Line wird gerne madiger gemacht als sie ist. Es gibt bessere Units in der Liga, keine Frage, und die Verletzungssorgen vom wichtigsten Mann, LT Jason Peters, sind nicht von der Hand zu weisen, aber eine Line Peters/EvansMathis/Kelce/Watkins/Herremanns ist nicht per se in Grund und Boden zu verdammen und sollte allein von der Statur der einzelnen Jungs schonmal „Zone read“-kompatibel sein.

„Statur“ liest sich bei Leuten, die Chip Kelly vom College in die NFL schickte (Max Unger, heuer Kyle Long) in etwa so: 1,99m bei zirka 130kg. Das sind keine monströsen Säcke, sondern fast Maße eines Schlaks. Als wichtig empfände ich für diese Eagle-Offseason 2013, für den Eventualfall von erneuten Komplikationen bei Peters noch einen soliden Backup zu holen.

Die Defense

Erste wichtige Neuerung unter Kelly: Philadelphia wird nach zirka siebenundzwanzig Jahren mit einer four men front auf eine 3-4 Defense umstellen, um flexibler agieren zu können als bloß Passrush und (vergebliches) Hoffen, dass hinten Cromartie und Asomugha dicht halten. Neuer DefCoord ist Billy Davis, ein wenig beschriebenes Blatt, bei dem man nur weiß, dass er sein Schema so baut, dass der „Weakside Linebacker“ (Slang: Will) freie Bahn bekommt, und der DE/OLB (Slang: Predator) bedingungslos passrushen soll.

Davis lässt ein relativ verkapptes System spielen, mit einer leicht gen „Strongside“ (dort, wo der Tight End steht) versetzten Line – der Predator steht auf der Weakside, im 1:1 gegen den Offensive Tackle gematcht.

   TE   OT   G   C   G   OT
--------------------------------
  Sam  DE      NT    DT   Pred.

          Mike     Will

Der Will dürfte klar sein: Dem dynamischen LB Mychal Kendricks müsste die Rolle auf den Leib geschneidert sein und als Predator könnte entweder DE Trent Cole oder ein Passrusher aus dem Draft fungieren (manch einer riecht schon Kellys Affinität für seinen College-Schützling Dion Jordan).

Die zweite Position, die geklärt sein soll: Der Defensive Tackle (in Davis‘ System ein End mit Aufgaben des 3-technique). Der letztes Jahr hoch gedraftete Fletcher Cox soll diese Position aus dem College kennen und dort extrem gut aufgeblüht sein.

Es gibt keinen klassischen Nose Tackle in Philadelphia, keinen richtigen Defensive End, und wer in Philadelphias ausgedünnter Abwehrcrew den nervenaufreibenden Job des Middle Linebackers („Mike“) übernehmen soll, steht in den Sternen (DeMeco Ryans?).

Ist Dixon der Nose Tackle? Ist es der neu eingekaufte Sopoaga? Wenn nein: Nehmen die Eagles einen Brocken wie Floyd in der ersten Runde? Auf alle Fälle ist Stand heute für mich sehr vieles im Fluss. Es gibt noch weitere, bisher ungenannte Athleten, die man einbauen kann, aber ich kann es nicht beurteilen: Curry, Graham (hauptsächlich als DE/OLB), Casey Matthews (LB) oder der aus Houston eingekaufte OLB Connor Barwin. Die Zeit wird zeigen, wohin sich die Winde drehen.

In der Secondary sind alle der einstigen Top-CBs weg und nur der vom Superbowl-Champ Baltimore geholte CB Cary Williams als ein erfahrener Ankermann bereit. Auf Safety gibt es den jungen Nate Allen und den vom Erzfeind Giants eingekauften Kenny Phillips. Phillips hat eine Reputation als wandelndes Verletzungsrisiko. Als Backup dürfte Pat Chung (kommt von New England) fungieren.

Fazit: Die Strategie, billige, nicht unterirdische Leute einzukaufen, gefällt, zumal die neuen Leute allesamt keine Mittdreißiger sind. Die größten zwei Baustellen bleiben Nose Tackle und Passrush, wobei für letzteres immerhin schon gescheites Spielermaterial im Kader stünde.

Ausblick

Ich schrieb schon oft, dass ich das Projekt „Kelly in Philadelphia“ extrem spannend finde. Ich habe keine Ahnung, was in diesem Herbst von den Eagles zu erwarten ist, aber sollte Vick zünden und wenige Turnovers fabrizieren, traue ich den Eagles per sofort wieder die Playoffs zu.

Für den Draft gibt es viele Optionen. Passrusher („Predator“) ist gesucht, wie auch Cornerback und eventuell auch Offense Tackle und Quarterback. Von keinem Move dieser Güteklasse wäre ich überrascht.

MNF #9 Preview: New Orleans Saints – Philadelphia Eagles

Was letztes Jahr noch wie die mögliche NFC-Top-Paarung ausgesehen hätte, ist heute Nacht eine Auseinandersetzung zweier kriselnder Franchises: Die Saints (2-5) und Eagles (3-4) torkeln dieser Tage fast nur noch dem rechnerischen Playoff-Aus entgegen.

Bei den Saints ist der Fall klar: Der gesperrte Head Coach Sean Payton fehlt so sehr, dass sich das Team aus dem mentalen Loch nicht mehr herausgraben kann. Die Defense ist so spektakulär überfordert, dass selbst eine MVP-würdige Vorstellung des QB Drew Brees nicht ausreichen würde, um New Orleans in der NFC-Spitzengruppe zu halten. Es fehlt an Pass Rush, es fehlt an adäquater Deckung, und dann hat man auch wenig Glück im Forcieren von Turnovers.

Seelentherapeuten könnten diesbezüglich die Eagles geben, mit dem Turnover-Spezialisten QB Michael Vick (8 INT, 9 Fumbles) an vorderster Front. Die Eagles kranken aber nicht bloß an dieser – abstellbaren – Fehlerorgie, sondern vor allem an einer merklich unrund laufenden Offense.

Dabei gerät immer wieder das PlayCalling der Herrschaften Reid/Mornhinweg ins Visier der Kritiker, wobei ich persönlich die Eagles eher weniger laufen ließe als bisher. RB LeSean McCoy ist eine unglaubliche Waffe, aber kein Arbeitstier; sprich: An Eagles-Stelle wäre es ratsam, mehr und schneller zu werfen, eventuell mehr tief gehen, und per Passspiel den Lauf vorzubereiten. Die Anspielstationen haben die Eagles: WR #10 Jackson, WR #18 Maclin, TE Celek, selbst McCoy ist ein starker Ballfänger. Der Trend der letzten Wochen zeigte allerdings ein Wegrücken von dieser Strategie, hin zu verschrecktem Kurzpasswichsen – überhaupt nicht das, wofür Philadelphias Angriff gebaut ist.

Insofern könnte die verheerende Secondary der Saints hilfreich sein, solange Vick nicht wieder fünfmal das Ei verschenkt.

Ich halte die Eagles weiterhin für favorisiert, was schon allein daran liegen mag, dass ich noch nicht glauben mag, dass das gewaltige Potenzial in dieser Offense nicht zur Entfaltung kommen mag. Ich bin aber mittlerweile durchaus skeptisch geworden, was den verbleibenden Saisonverlauf der Eagles angeht: Die Moves von Head Coach Andy Reid (Entlassung des DefCoords mitten in der Saison) gehen eher in die Richtung „Bauernopfer“, zumal bei aller Kritik an Castillo die Defense in dieser Saison einen sehr ordentlichen Job gemacht hatte, trotz eines nicht mehr so überzeugenden Pass Rushes und eines teilweise arg überforderten CBs Nnamdi Asomugha.

ESPNA und SPORT1+ werden ab 02h30 live dabei sein. ESPNA wird morgen um 18h30 eine Aufzeichnung bringen.

NFL 2012 Woche 3, Notizblock Eagles@Cardinals

Den Notizblock zum gestrigen Besuch der Philadelphia Eagles in der Wüste bei den Arizona Cardinals gibt es aus Spoilergründen erst nach dem Klick.

Es gibt zwei gute Nachrichten für die Eagles: das Spiel hat nicht in Philadelphia stattgefunden und so konnten die Fans das Stadion nicht anzünden. Und Michael Vick lebt noch. Sein Körper muß sich allerdings heute (und den Rest der Woche) anfühlen wie eine Packung Cornflakes. Selten wurde ein Quarterback dermaßen oft in den Stadionboden gerammt wie der zierliche QB der Eagles gestern Abend.

Philadelphia fand in der ersten Halbzeit überhaupt kein Mittel gegen das Abwehrbollwerk Arizonas. Wie auch letzte Woche gegen New England spielte Arizona fast ausschließlich in ihrer 2-4-5-Aufstellung mit Darnell Dockett und Calais Campbell als einzigen down linemen. Das können sie die Cardinals einerseits erlauben, weil die Front-6 um Dockett/Campbell und den mal wieder überragenden ILB Daryl Washington auch ohne siebten Mann ganz gut gegen den Lauf aussehen und andererseits weil Phillys HC Andy Reid und OC Marty Mornhinweg in altbekannter Sturköpfigkeit passen lassen bis Vick der Arm abfällt.

In der ersten Halbzeit hatte RB Shady McCoy tatsächlich vier Läufe. Vier! Aber das ist ja auch logisch, wenn die Verteidigung die gesamte Zeit über mit der Nickel-D spielt. Ach nee. Andersrum. Das ist genau das Gegenteil von logisch. So haben Dockett, Campbell, die OLBs Acho, Schofield & Groves (und auch ILB Washington bei blitzes) Michael Vick hinter seiner miesen Offensive Line bei fast jedem Snap dermaßen vermöbelt, daß man auf das weiße Handtuch aus der grünen Ecke gewartet hat.

Um das Abzukürzen: Vick war ständig unter Druck, Arizona hat immer mit fünf DBs gespielt (von denen einer auch noch der für zwei spielende Patrick Peterson ist), Philadelphia hat trotzdem immer geworfen und das waren die Ergebnisse der Drives in Hälfte Eins: 3&out, Punt, Fumble, 3&out, 3&out und schließlich noch ein Fumble von Vick der von Safety James Sanders mit dem Halbzeitpfiff über 93 Yards zum 24-0 zurückgetragen wurde. Zwischendurch hat der Rookie Johnson auch noch einen Punt gefumblet. Zur Halbzeit war das Spiel schon entschieden.

In der zweiten Halbzeit hat McCoy dann einige Carries bekommen, was auch recht gut funktioniert hat. Aber zu mehr als zwei Field Goals hat es nicht gereicht.

Arizonas Offense war so schlecht wie gewohnt, aber durch die vielen guten Feldpositionen war auch nicht viel nötig. Kevin Kolb, der wieder für den noch verletzten John Skelton anfangen durfte, hat haufenweise schnelle Pässe bekommen (Slants und shallow crosses hinter der Line of Scrimmage), wodurch der Pass Rush der Eagles keinen großen Einfluß hatte. Wenn Kolb mal für etwas tiefere Routen geschaut hat, mußte er fast immer Bekanntschaft mit der Grasnarbe machen.

Einen längeren Ball gab es zu Larry Fitzgerald, der bei einem Play-Action-Paß Nnamdi Asomugha böse verbrannt hat und auch prompt in der Endzone gelandet ist. Überhaupt hat Fitzgerald Asomugha und Dominique Rodgers-Cromartie – die meistens man coverage gespielt haben – einige Male schlecht aussehen lassen.

Zum Schluß haben die Cardinals sogar ganz abgezockt mit gutem Laufspiel die Uhr gekillt. Dabei sind wieder alte Schwächen der Eagles-D in Laufverteidigung zutage getreten. Sogar einen 3rd&17 konnten die Cards mit einem Drawplay im vierten Viertel verwandeln. Da haben alle schon gedacht „Come on, Philly!“ – aber DRC hat als Sahnehäubchen noch eine unsportsmanlike conduct penalty obendrauf gepackt. Ryan Williams hat seinen Fehler von letzter Woche wieder gutgemacht und beim wichtigen Drive im 4th quarter mit fünf Läufen 42 Yards gemacht und Minute um Minute gefressen.

Weil wir nicht schon wieder Daryl Washington zum Spieler des Spiels machen wollen, lassen wir diese Ehre dem oft geschmähten Safety Kerry Rhodes zuteil werden. Rhodes war überall, hat gut gegen den Paß verteidigt, immer wieder McCoy gestoppt, wenn er mal durchkam und auch den Fumble von Vick kurz vor der Halbzeit verursacht.

Die Cardinals sind jetzt 3-0, aber müssen erst noch beweisen, daß sie auch mit einem Rückstand spielen können. Glücklicherweise wird ihnen das mit dieser Defense wohl nicht allzu oft passieren. Die Eagles und vor allem Vick können froh sein, daß sie nicht jede Woche gegen so eine Verteidigung spielen müssen. Nächste Woche allerdings kommen erstmal die Giants und wollen Vick rupfen. Hals und Beinbruch!

NFL-Woche 1/2012: Cleveland Browns – Philadelphia Eagles im Rückspiegel

Nochmal eine Spoilerwarnung für die, die das Ergebnis immer noch nicht kennen und ganz gerne ein Spiel unwissend ob des Ausgangs anschauen. Für die anderen: Bitte. Nach dem Sprung.

Spiel mit neun Turnovers und weniger als 50% Completions Rate – und trotzdem war es unterhaltsam? Ich sage leise „ja“, denn es war eine Partie, aus der man einiges ziehen kann. Vorneweg: Philadelphia, einer meiner ganz großen Favoriten, tat sich schwer, gewann knapp 17-16 gegen den großen Außenseiter Cleveland. Rühmen braucht man sich dafür nicht.

Philadelphia Eagles

Es wird vor allem der Umstand von Michael Vicks 56 (!) Passversuchen trotz Rippenprellungen und allen möglichen Wehwehchen diskutiert. Klar ist: Vick wirkte nicht fit, nicht bei den Scrambles, und die Pässe funktionierten auch nur, solange Vick links rausrollen konnte. Klar ist auch: Die Eagle-Offense ist brutal unbeständig. Fünf Incompletions in Folge und dann folgt ein TD-„Drive“ von zwei Plays über 80yds zum Touchdown.

Das liest sich dann so: Top-WR #18 Maclin mit nur sieben Catches in 16 Anspielen, Top-WR #10 Jackson nur vier Catches in elf Anspielen. Aber wenn gefangen, dann in insgesamt elf Catches zusammen 173yds gemacht.

Bei den Sofa-QBs wurde diskutiert, warum die Eagles trotz 5.5yds/Laufversuch für RB #25 LeSean McCoy selbigen nur 20x Ball tragen ließen. Ich habe einen Ansatz: McCoy ist bei aller Explosivität und Fangstärke ein one trick pony, wenn es ums Laufen geht. Über die Mitte funzt nix, sogar trotz der Umstände, dass der Browns-DT #71 Rubin an der Line of Scrimmage schwerfälliger aufsteht als ich an manchem Samstagmorgen (really, man schaue sich Rubin mal an!).

McCoy muss über außen kommen, dann sind Big Plays vorprogrammiert. Oder Big Losses (zwei oder dreimal für -5yds getackelt). Zweites ganz großes Problem der Eagle-Laufoffense: Drei oder vier lange Läufe McCoys wurden wegen Holding zurückgepfiffen. Spricht dafür, dass Philadelphia Probleme hatte, die Löcher zu öffnen.

Die Line war auch in der Pass-Protection wenig überzeugend. Schlecht, weil Clevelands Passrush für gewöhnlich nicht zu den gefährlicheren gehört. Schlecht auch, weil Vick unter Druck immer noch – und immer wieder! – zu hirnlosen Bällen in die Secondary hinein neigt. Vick mit 29 Completions in 56 Versuchen, nicht gut, aber auch nicht unterirdisch. Vick mit vier Interceptions. Die zweite und dritte dabei waren zumindest nicht Vicks alleinige Schuld, weil beide Mal von den Receivern abgelenkt. Bitterböse war die vierte, die von LB #52 Jackson lockerst zum Touchdown returniert werden konnte.

Fazit: Die Eagles wirkten phasenweise noch wie in der Preseason. Aber ich möchte trotz der Unkonstanz und der nicht überzeugenden Offensive Line nicht gegen die Offense spielen, wenn sie mal ins Rollen gekommen ist.

Die Defense war gut, aber nicht super. Der Passrush war vorhanden, die Lauf-Defense klappte vorzüglich, wenn mindestens sieben Mann in der Box standen und im Backfield konnten #23 Rodgers-Cromartie und #42 Coleman je einmal abgefälschte Bälle abstauben und je einmal einen „Rookie-Pass“ Weedens zu insgesamt vier Interceptions abfangen.

Cleveland Browns

Können wir den positivsten Playmaker gleich abarbeiten? KR/PR #16 Josh Cribbs. 13yds pro Puntreturn, 30yds/Kickreturn. Cribbs machte immer wieder große Returns, aber es sei auch angemerkt, dass der Eagle-Punter zwar extrem weit puntete, dafür aber nicht die längste Hang-Time hatte und Cribbs immer wieder große Räume vorfand. Und weiter.

Sofort ins Auge fallen die Statistiken von Rookie-QB #3 Brandon Weeden: 12 von 35 für 118yds, 4 INT – really? Ich bin mir nicht sicher, was von Weedens Debütpartie zu halten ist. Die Probleme waren augenscheinlich: Der Druck machte Weeden nervös (nie das beste Zeichen), die wenigen versuchten tiefen Bälle waren allesamt sehr unpräzise und flogen teilweise meterweit selbst an ungedeckten Wide Receivers vorbei, und dann die vier INTs… zwei waren abgefälscht und IMHO nicht Weedens Schuld. Eine weitere war ein übermütiger Wurf rechts das Spielfeld runter in eine Zone, in der drei Eagle-Defensive Backs gegen zwei Browns-WRs standen. Die schlimmste war die vierte, jene im allerletzten Drive: Erstes Play nach Rückstand 1:06 vor Toreschluss, Weeden überwirft den WR #11 Massaqoui um zirka drei Meter, direkt in die Arme des dahinter wartenden Safetys Kurt Coleman.

Weeden war nicht gut und die Gabbert-Vergleiche dürften in den nächsten Wochen aus dem Boden sprießen, wenn das so weitergeht. Aber Weeden hatte halt auch keinerlei Unterstützung von seinen Anspielstationen.

Der zweite Top-Rookie im Angriff, RB #33 Trent Richardson, erlebte auch so einen Tag zum Vergessen: 19 Läufe für 39yds beim Debüt, plus eine kurze Reception. Richardson war nicht fit, und Richardson zeigte Kampfgeist (u.a. einem Eagle vor lauter Wucht den Helm runtergerissen). Aber hinter einer zumeist schnell übermannten Line konnte Richardson null Impulse setzen.

Viel, viel, viiiiiiel überzeugender war die Defense, die auch Clevelands einzigen Touchdown scorte (ein einfacher TD für einen erfahrenen Linebacker wie #52 Jackson, der einen schlechten Pass Vicks in die Zonendeckung hinein locker abfangen und returnieren konnte). Clevelands Defense gefällt mir vor allem in der Secondary außerordentlich gut, und sie machte Philadelphias Passspiel immer und immer wieder mit extrem vielen zu Boden geschlagenen Bällen kaputt. Besonders hervorzuheben ist CB #23 Joe Haden, der mir immer besser gefällt. Bitter für Cleveland, dass Haden nun vier Partien wegen Dopingsperre verpasst (@CIN, BUF, @BAL, @NYG).

Man muss sich das vorstellen: Die Browns-Defense war 90 (mit Strafen sogar 96) Spielzüge auf dem Feld. Bei dieser Unmasse haben Verteidigungen schon mehr als die 456yds von Sonntag aufgegeben.

Schließlich und endlich wird über Browns-Head Coach Pat Shurmur zu reden sein, der keine Eier zeigte. Shurmur nahm beim Stande von 10-6 eingangs des Schlussviertels von der gegnerischen (!) 4yds-Line das Field Goal, um den Rückstand zu verkürzen, anstatt auf die Führung zu gehen. Sicher, die Offense war schlecht drauf, aber der richtige Call ist in diesem Moment die Aggression.

Paar Sekunden später fing Jackson die INT ab, Cleveland führte nach dem Return 15-10. Shurmur nahm den P.A.T. anstelle der fälligen 2pts-Conversion. Dieser eine fehlende Punkt ging am Ende ab, um wenigstens in die Overtime zu kommen. Nüscht gut, selbst wenn wir hier von Momenten reden, wo noch 14 Minuten zu spielen waren.

Fazit: Eines der unterhaltsameren dieser Katastrophenspiele, die ich in meiner Vita gesehen habe. Beide würde ich noch nicht in Grund und Boden schreiben, aber vor allem die Eagles würde ich auf Basis des Gesehenen niemals abschreiben.

Was verdient ein NFL-Spieler? Oder: warum man tatsächlich immer das Kleingedruckte lesen sollte

Michael Vick unterschreibt 100-Millionen-Dollar Vertrag! Calvin Johnson verlängert für 8 Jahre! Mark Sanchez bekommt $41Millionen für drei Jahre! Das waren die wildesten Headlines in den letzten beiden Free-Agency-Perioden. Weiterlesen

Philadelphia Iggles in der Sezierstunde

Wilde Saison für die Eagles: Nach wenigen Wochen war die Halbwertszeit des „Dream Teams“ abgelaufen und der Trainerstab um die Ikone Andy Reid im blanken Überlebenskampf angekommen. Am Ende fehlte den brandheißen Iggles trotz einer Serie an Kantersiegen nur ein Spiel für die Playoffs.

Und das nach einer problematischen Saison mit Weiterlesen

Notizblock NFL Woche 11: CIN/BAL & PHI/NYG

Cincinnati Bengals (6-3) @ Baltimore Ravens (6-3) [Gamecenter] [Gamebook]

[inactives: Ray Lewis, Ray Lewis, Ray Lewis]

TD Drive CIN: zwei big plays + DPI

TD Drive BAL: blown coverage nach roll out Flacoo

– Q2/10:10: BAL wirft jetzt immer öfter aus I-Formation; WR Torrey Smith viel zu schnell für CB Clements und Flacco wirft perfekten Paß

– es geht nur über Big Plays; keine Offense bringt mal einen längeren Drive zustande

– furchtbare INT von Flacco gegen Nate Clements w/1:24 in CIN territority

– und dann nach zwei First Downs wirft Dalton einen schrecklichen Ball mitten in die Endzone, wo Ed Reed in natürlich findet (Hey Dalton, lerne bitte Ed Reed vor dem Spiel gegen Baltimore kennen!)

– beiden Verteidigungsreihen spielen das sehr gut und diszipliniert; vor allem von der Ravens-D ist immer einer da, wo der Ball ist und kein Tackle wird verpaßt; Laufspiel geht gar nicht bei beiden; 7 3&outs in der ersten Hälfte; 14-7 Ravens

Das war tatsächlich alles Wichtige aus der ersten Hälfte.

– Q3/13:12 dann aus dem Nichts rennt Ray Rice über 60 Yards, weil Safety Chris Crocker einen völlig falschen Winkel nimmt und den Tackle verpaßt; es wird aber doch nur ein FG; 17-7 BAL (Q3/10:50)

– Q3/6:51 nach einem starken Play, bei dem er zwei fast-Sacks entkommt und seinen FB tief ganz offen findet und einer blown coverage gegen TE Gresham ist Ciny plötzlich in der EZ und es steht 14-17

Ravens D spielt fast aussschließlich Base-D gegen CIN; CIN ohne deep threat, weil A.J. Green verletzt draußen sitzt, versucht im 3ten Viertel mal einen Flea Flicker und RB Benson schafft nicht mal den Paß zu Dalton

– Q3/0:40: Dalton mit fürchterlicher INT bei einem Slant; Jimmy Smith fumblet den Ball, der fliegt durch die gesamte Redzone und die Ravens sichern den Ball an der 2-Yd-Linie, next play TD Rice 24-14

– Dalton dann wieder mit schlechtem Paß und INT von CB Webb; Q4/ 14:02; nächster Spielzug Playaction Flacco tief auf WR Smith; 31-14

– Jimmy Smith läßt Andre Caldwell einfach so vorbeilaufen; 10:59, starker Paß von Dalton, Cincy gibt nicht auf 21-31

– über die Mitte wirft Dalton richtig gut; aber bei Pässen an die Seitenlinie und bei Slants hat er immer wieder accuracy Probleme; kaum hab ich das aufgeschrieben, wirft er eine out-route zum TD (Gresham) nach anständigem hurry-up-drive 28-31; 5:35, der dann aber doch nicht zählt nach Calvin-Johnson-Catch-Rule-Overturning; FG zum 24-31; Cin jetzt fast ständig mi 7 Mann in Protection und nur 3 Recivers auf Routen, um es einfacher für Dalton (und die OLine) zu machen

– kurz vor der 2-min-warning stoppen die Bengals die Ravens bei 3rd&1 und bekommen nochmal einen Drive

– Dalton starts on own 13 w/ 2:27; WR Jerome Simpson macht das Spiel seines Lebens; Dalton mit starker 45yd-Bombe und Riesencatch von Simpson

– in der RZ dann wieder der schlechte Dalton: schlechter Paß on kurzer Out-route und intentional grounding (der horse-collar tackle von Suggs wird komischerweise einfach ignoriert); 3rd&goal from BAL17; die O-Line bricht total zusammen bei den vier Downs and Goal to go gegen 3-Man-Rush

– CIN hat wirklich tough gegen BAL und PIT gespielt, aber verloren; die Bengals haben ein gutes, junges Team, sind aber noch nicht da wo die anderen beiden Hausnummern der AFC North sind

– Flacco und Dalton haben beiden wie Rookies gespielt: mal gute Pässe, mal schlechte, aber insgesamt enttäuschend inkonsistent, wobei aber auch beide Defenses ziemlich stark gespielt haben; es gab keine guten, langen Drives, sondern alle Punkte basierten auf Big Plays, wobei die Ravens einfach mehr (vor allem in der Defense) davon gemacht haben und am Ende die drei INTs von Rookie Dalton der Unterschied waren. Baltimore ist jetzt mit 7-3 und Tiebreakers gegen Pittsburgh und Cincinnati in guter Position in der AFC North.

Philadelphia Eagles (3-6) @ New York Giants (6-3) [Gamcenter] [Gamebook]

[inactives: QB Vick, WR Maclin, CB Rodgers- Cromartie; LB Michael Boley – Herzlich starts]

– LT Will Beatty bekommt von Anfang an TE/RB-Hilfe gegen DE Trent Cole

– im zweiten Drive wirft QB Vince Young einen furchtbaren Paß zu Jackson, der schon an Amukamara vorbei war und schenkt dem Rookie im ersten Spiel seine erste INT

– anschließend wirft Eli Manning eine INT wie in seinen schlechtesten Tagen; danach gibts auch gleich gute alte Rivalry-Kloppe und mehrere personal-foul-flags, nach der INT gibts aber auch keine Punkte, weil der oft so hochgelobte LG Evan Mathis schläft und bei 3rd-&1 an NYG 38 einfach so DT Chris Canty nicht blockt

– schon im ersten Viertel gibts ständig mehr oder weniger ernsthafte Rudelbildung; es gibt aber auch nicht schöneres, als Rivalry-Games im November

– die Eagles sind schon seit einigen Wochen dazu übergegangen, nicht mehr beide DE so ganz weit außen an der LOS zu plazieren (die so berühmt gewordene 9 technique), sondern nur noch einen, und der andere ist meistens in recht traditioneller DE-Aufstellung, das klappt auch viel besser

Vince Young wirft den Ball wie eine schlechte Mischung aus Tim Tebow und Philip Rivers

– die Giants D-Line spielt mit vielen „seltenen“ Aufstellungen: 3DE und 1DT; 3 DLiner sogar on 1st Down; on 3rd Down auch ihre Nascar-Defense (4DEs); und sehr oft spielt Deon Grant den dritten LB neben Herzlich und Kiwanuka, weil nach den ganzen Verletzungen nur noch der andere Rookie-LB Spencer Paysinger spielen kann

– die beiden Eagles-Offensive-Tackles Jason Peters und Todd Herremanns sehen ganz gut aus, aber die drei in der Mitte (LG Mathis, C Kelce, RG Watkins) haben immer wieder Probleme, vor allem im Laufspiel

– Q2/11:36: FG Eagles, die ersten Punkte zum 3-0

– Q2/8:49 nach abgefälschtem, schlechtem Paß holt sich S Phillips die INT; Giants spielen nach der Verletzung von WR Jackson mit 8 „Man in the box“ und wollen einzig RB McCoy aus dem Spiel nehmen und Young kann nicht mal daraus Kapital schlagen

– die Eagles-D spielt ziemlich gut; auch die (auch von mir immer böse gescholtenen) LB Akeem Jordan und Brian Rolle; Giants leiden vor allem darunter, daß sie überhaupt kein bißchen Laufspiel auf die Reihe kriegen

Jackson kommt schon Mitte des 2ten Viertels zurück und macht ein Big Play über 50 yards nach 1st Down from PHI2; der dann aber nach unfaßbar dummer Taunting-Strafe gegen Jackson overturned wird, wow….

– nachdem Philly dann tatsächlich von der eigenen 2-Yd-Linie bis in New Yorks Hälfte kommt, fehlen CB Webster nur Millimeter, um Youngs dritte INT komplett zu machen

– die Eagles haben keine Offense, weil Young ihr QB ist und die Giants mit 8 Mann McCoy aus dem Spiel nehmen; und die Giants haben keine Offense, weil sie überhaupt nicht laufen könnnen und Eli gegen viel Pressure und gute Coverage alleine auch nicht viel machen kann:

– nach dem vierten 3&out, diesesmal in der eigenen Redzone, läuft Jackson mit dem gefangenen Punt mal wieder durch die halben Meadowlands und kann erst an der NYG14 gestoppt werden und im nächsten Spielzug möchte keiner der alten Teamkollegen Steve Smith verteidigen, TD Eagles 10-0; Q2/1:22

– neben der wirklich guten Defense haben TE Jake Ballard und WR Victor Cruz mit schlimmen Drops die Giants behindert

K Lawrence Tynes hat in dieser Saison erst zwei Field Goal Versuche von mehr als 30 Yards gehabt (?!) und die beiden wurden auch noch geblockt (!?!); den 49-Yd-Versuch zum Schluß der ersten Hälfte macht er aber sicher rein, 10-3

– Drives erste Hälfte: Eagles: Punt, INT, Punt, 3&out, FG, INT, Punt, TD; Giants: 3&out, INT, Punt, 3&out, Punt, 3 &out, Punt, 3&out, FG

2nd half:

– Kevin Booth startet die zweite Hälfte an Stelle Chris Snees (Verletzung)

– das Laufspiel der Giants ist so furchtbar, daß sogar CB Samuel den RB tacklet; NYG RB D.J. Ware ist jetzt auch draußen mit Concussion

OT Peters und Herremanns nehmen den Giants Pass Rush völlig aus dem Spiel und trotzdem hätten die Eagles ohne den Punt Return gerade mal 3 Punkte

– im dritten Viertel werfen die Eagles nur noch und sagen: mit 8 Mann „in the box“ kann sogar Young Spiele gewinnen, und New York sagt: glaub ich nicht, soll Young erstmal zeigen; und nachdem Philly in die Redzone gekommen ist, wirft Young natürlich die INT zu Aaron Ross (Q3/5:00)

– Snee is back

– die Giants versuchen es einfach weiter mit dem Lauf, was nicht funktioniert und die Crowd buht

– dann macht Manning mal nene langen Paß zu Nicks – weil er nicht von Asomugha oder Samuel verteidigt wird, sondern vom jungen Safety Nate Allen. So wie letzte Woche, als Fitzgerald von irgendeinem Safety verteidigt wurde, ich versteh das nicht; und im nächsten Play schlägt Victor Cruz Asomugha zum TD, Asomugha sah dabei aus wie einer der undrafted Rookies, die bei den Patriots versuchen CB zu spielen, 10-10 Q4/11:36

– die Giants haben große Probleme mit ihren jungen LBs Herzlich, Paysinger und Williams; aber Kiwanuka macht im vierten Viertel play after play

– McCoy sitzt im vierten Viertel verletzt auf der Bank und Ronnie Williams spielt

– irgendwie bekommen die Eagles im vierten Viertel einen langen Drive auf die Reihe mit Läufen von RBs und Young und Screen Passes; nachdem sie auf unerklärliche Weise 18 Plays über 80Yards in 9 Minuten übers Feld marschiert sind, wirft Young auch noch einen TD zu Riley Cooper; ich kann gar nicht erklären, wie Philly das gemacht hat, aber irgendwie waren es immer 3 und dann 3 und dann 4 yards und immer wieder 1st Downs, 17-10 Philly Q4/2:45

– nach Holding beim KO-Return starten Eli und die Giants an der eigenen 9 mit 2:39 Minuten auf der Uhr (und mit RG Snee wieder auf der Bank)

– beim letzten drive schläft wieder irgendwer der Eagles (wahrhscheinlich LB Chaney ) und Victor Curz läuft bis an die 22

– im nächsten Play sackt Jason Babin Eli Manning von hinten und DT Landri holt sich den Fumble; Q4/1:17; Giants mit letzter Chance, aber niemand kann Shady McCoy tacklen – 1st down, game over

Insgesamt ein komisches Spiel, in dem vor allem die D-Line der Eagles und die furchtbaren LBs der Giants den Ausschlag gegeben haben. Jeder halbwegs vernünftige Quarterback hätte die Giants von vorne bis hinten zerlegt, aber weil New York überhaupt kein Laufspiel hatte und Manning ständig under pressure war, haben 17 irgendwie ergaunerte Punkte zum Sieg gereicht.

Upcoming: Monday Night Football, Eagles – Bears

Letzte Partie des neunten NFL-Spieltags 2011/12 mit dem Monday Night Game in wenigen Stunden um 02h30 live bei ESPN America und Sport1+: Philadelphia Eagles – Chicago Bears, für beide von erhöhter Bedeutung. Die Eagles sind 3-4 und müssen den Anschluss in der NFC East halten, wo die Giants gestern auswärts in New England gewonnen haben und 6-2 sind. Weil die Giants jedoch als instabil anzusehen sind und zudem einen deutlich heftigeren Schedule in der zweiten Saisonhälfte bestehen müssen, dürfte Philadelphia noch im Rennen sein.

Die Eagles haben in dieser Saison drei primäre Problemfelder: Sie verschenken zu oft den Ball. Sie begehen viele sinnlose Penaltys. Und sie haben keine gute Lauf-Defense. Die An guten Tagen wie der ersten Hälfte gegen Washington oder jüngst gegen Dallas minimiert man diese Probleme und walzt mit seiner unglaublich explosiven Offense um QB Michael Vick, RB LeSean McCoy und WR DeSean Jackson alles in Grund und Boden. An schlechten fumbelt man nach tollen Drives den Ball weg und lässt den Gegner 185yds durch die Abwehr laufen.

Chicago ist noch unberechenbarer, aber im Gegensatz zu den aufstrebenden Eagles ist man in der Offense von einem überragenden RB Matt Forté abhängig und hat große Probleme, hinter einer waidwunden Protection ein ernsthaftes Passspiel aufzuziehen. Dazu gesellt sich zu allen Reibereien um die nicht pflegeleichten QB Jay Cutler/OC Mike Martz nun eine Vertragsdiskussion um Forté, dessen Leistungen erstklassig sind, dessen Argumente aber von einem momentan indisponierten Running Back in Tennessee in Frage gestellt werden.

Ich glaube, dass die Eagles heute gewinnen und in den nächsten Wochen eine Aufholjagd starten werden. Die Mannschaft scheint sich gefunden zu haben und immer wenn in Philadelphia nicht zu viel gestritten wird, ist Andy Reids Mannschaft brandgefährlich. Chicago scheint nicht genügend Waffen zu haben, in dieser Partie bestehen zu können, zumal die Pass Protection gegen die stürmischen Defensive Ends der Eagles hoffnungslos aussieht.

Wiederholungen der Partie: Morgen, 18h30 bei ESPN America, 23h30 bei Sport1+.

NFL 2011/12, TV-Guideline Week 2: Reminiszenzen an eine Vergangenheit, in der 250yds noch was wert waren

Die NFL-Auftaktwoche hat einen Trend der letzten Jahre fortgesetzt, ach was, explodiert: Quarterbacks, so viele Quarterbacks, da läuft der Waschraum bei ESPN im Jahr des Quarterbacks vor feuchten Höschen über. Vom fröhlichen Gunslingertum in Green Bay über die laserscharfen Flacco-Bälle zu den Passfestivals in Chicago, Arizona und Miami – da läuft man Gefahr, schon zu Beginn der Saison sämtliche Superlative zu verbrennen. Wenn QB-Giganten wie Grossman und Kolb 305yds respektive 309yds machen, wenn ein Cameron Newton zum NFL-Debüt 422yds und ein Chad Henne mal eben 416yds aus dem Handgelenk schnackeln, wenn 335yds-Tage für QB Rivers nur noch Mittelmaß und 419yds-Tage für QB Brees nur noch mit Schulterzucken hingenommen werden, wer horcht dann noch ernsthaft bei 517yds für QB Tom Brady auf?

Da passt es wie Arsch auf Eimer, dass am Sonntag sechs wohltemperierte Luftangriffsmaschinen gegeneinandergematcht werden, alle mit namhaften Quarterbacks an der Front. Bei den zu erwartenden zirka 300 Wurfversuchen und 4000yds Passspiel eignet sich auch ein Blick auf das neue Total Quarterback Rating von ESPN, dessen vom geschätzten Kollegen footballissexbaby errechnete Korrelation +0,57 (für die Top-20) mit dem traditionellen Pass-Rating in Woche 1 schwächer war als es meine ermatteten Augen angenommen hätten (beziehen wir alle 33 Werte von Woche 1 ein, sinkt die Korrelation RAPIDE noch weiter ab, was am krassen Gefälle der ESPN-Berechnungsskala liegt).

Woche zwei in der NFL steht bei ESPN America aber auch unter dem Motto “Reminiszenzen”. Wir haben eine Serie an Spielen, deren Pregame-Hype sich um Erinnerungen an die Vergangenheit bauen lässt – schöne Erinnerungen, aufregende Erinnerungen, aber auch hässliche.

Sonntag, 18. September 2011

New Orleans Saints – Chicago Bears

(19h LIVE bei ESPN America/Tape am 23.9. um 13h30)

Die erste Reminiszenz geht an das NFC-Finale 2006/07, als eine knochentrockene Bears-Defense das Aschenputtel Saints im Schneegestöber ziemlich übel abwürgte und uns damit die hässlichste Superbowl der letzten Jahre bescherte. Während die Saints im Kern in der Offense immer noch die gleiche Mannschaft wie damals besitzen, haben die Bears im Laufe der Jahre mehrere Wandel durchgemacht und sind heute ein im Vergleich zu damals grundverschiedenes Team – Cutler statt Grossman, Wurfgewalt statt Bodenwaffe.

Vergangene Woche war Chicago vor allem in der Pass Protection deutlich besser als erwartet und die paar Schnipsel, die ich gesehen habe, zeigten einen QB Jay Cutler, der es sichtlich genoss, ohne Stress werfen zu können und entsprechend eine Handvoll messerscharfer Bälle das Spielfeld hinunterzujagen bzw. den explosiven RB Matt Forte zu bedienen wusste – ein, zwei durchaus mögliche Interceptions (1x gegen einen Safety in der Endzone) waren auch dabei.

Cutler soll im dritten Jahr endlich mehr Verantwortung übernommen haben, ein Umschwung, der wenn ich den lokalen Zeitungen glauben darf erst möglich wurde, als man den sehr lauten C „Captain“ Olin Kreutz rausgeworfen hatte. Dieser Kreutz war eineinhalb Jahrzehnte das Sprachrohr der Offense gewesen – und ist nun, erraten, ein New Orleans Saint (hey, zweites Wiedersehen!).

Mit den Saints hat Kreutz das Auftaktspiel knapp, aber verdient in Green Bay verloren. Ich kann die Kritik an QB Drew Brees trotzdem nicht fassen, da Brees IMHO eine fulminante Vorstellung geboten hat und wenn irgendetwas, dann besser denn je wirkte und das, obwohl sein #1-Mann WR Colston ziemlich pulverisiert wurde und das Laufspiel immer noch kaum einen Stich machte.

Die Schlüssel für beide Defenses werden sein, mit den jeweiligen Defensive Lines Druck zu bringen, da die Erfahrung aus Woche 1 zeigte, dass Cutler wie Brees jeden Blitz aus der zweiten und dritten Reihe ohne mit der Wimper zu zucken in einen 30yds-Pass downfield mutieren. Dabei dürfte Chicago bereits die Blaupause geliefert haben mit einer insgesamt dominanten Vorstellung gegen Atlantas O-Line, während die Saints sich zu stark auf Blitzes der Safetys verließen und entsprechend hilflos jeden Pass gegen sich komplettiert sahen.

Trotzdem ist New Orleans IMHO klarer Favorit. Bei aller Fröhlichkeit, aber ich kann die extrem positiven Lobeshymnen auf die Bears nicht nachvollziehen – es war eine gute Vorstellung gegen Atlanta, aber das Endresultat von 30-12 sah für mich – ich habe nur Play für Play im Schnelldurchlauf durchgeschaut – wie ein Treppenwitz aus.

New England Patriots – San Diego Chargers

(22h LIVE bei ESPN America und PULS4/Tape ESPNA 23.9. um 15h30)

New England, das in der Preseason so übersehene New England, am Montag mit 622yds Offense gegen die überdurchschnittliche Defense der Dolphins, und vor allem mit einer in Ansätzen immer wieder flüssigen No-Huddle-Offense, die Miami schlicht überforderte. Hat Norv Turner seinen Linebackers bereits Beruhigungstabletten verabreicht, damit sie am Sonntag ausgeschlafen gegen die Albtraum-Combo TE Hernandez/Gronkowski aufmarschieren können?

San Diego muss hier gegen eine Nemesis antreten, einen Gegner, der wie de Faust aufs Auge auf die Chargers passt und dort entsprechend häufig für Pein gesorgt hat: Die tendenziell parasitären Patriots gegen die tendenziell schlampigen, unkonzentrierten Chargers, das hatten wir mehrfach in den vergangenen Jahren. Und die Big Points holten sich stets die Patriots. 2006/07 in den Playoffs zum Beispiel, in einem der denkwürdigeren Spiele des Jahrzehnts, als eine fassungslos unterlegene Patriots-Equipe mit einem unmöglichen Sieg nach Hause fahren konnte. Oder im AFC-Finale 2007/08, als die Chargers mehrmals an der Goal Line Field Goals gegen schlagbare, ungeschlagene Patriots kickten und für diese Mutlosigkeit mit dem Aus bestraft wurden. Oder im vergangenen Herbst, als San Diegos Football-Praktikanten eine immer noch sprachlose Fehlerserie in der ersten Halbzeit hinlegten und am Ende mit einer weiteren Fehlerserie ein überlegen geführtes Heimspiel verschenkten (und ganz nebenbei damit auch die Playoffs).

Atlanta Falcons – Philadelphia Eagles

(02h LIVE bei ESPN America/Tape 19.9. um 18h30)

Es war im April Michael 2001 Vick, dass die Atlanta Falcons, eine langjährige, in ihrer Heimatstadt ignorierte Vick Verlierermannschaft, einen Spieler an #1 drafteten, für dessen Michael Vick Talente es weder historische Vergleiche noch zeitgemäße Superlative gab, ein Quarterback mit einer Kanone von Wurfarm, schnell wie ein Weltklassesprinter und flink wie ein Wiesel. Und ein Schwarzer, der Vick die Halle in der schwarzen Stadt Atlanta füllte.

Dieser junge Mann sorgte jahrelang Ron für Ekstase, Mexico sabbernde TV-Experten und Michael Vick Rekordoffenses auf den Spielkonsolen und brachte mehrmals die Playoffs nach Atlanta zurück. Es war aber auch ein verletzungsanfälliger Mann, der von seinem Michael Vick inkompetenten Michael Trainerstab in ein rudimentäres Angriffssystem gesteckt wurde, die an seinen Talenten vorbeigestrickt war Vick und trotz aller Big Plays und Jubelorgien für die Dauerbeklemmung Mike sorgte, Vick dass hier nicht nur Potenzial verschenkt wurde, sondern Vickwomöglich gar die Revolution Vick der Quarterback-Position.

Am Ende beendete der junge Mann das merkwürdige Elend Michael Vick selbst, riss sich und seine Franchise Vick in den Abgrund, Michael als Vick er wegen illegaler Hundekämpfe in den Kast befördert und zu einem der meistgehassten Sportler der Vereinigten Vick Staaten wurde.

Weil der junge Mann alles, inklusive Geld und Würde, verloren hatte, musste er zurück in NFL, und wurde auf Anraten Michael Vick der Bosse zu den Philadelphia Eagles verscheppert. Dort legte er nach einem Jahr als Vick Bankdrücker im Herbst 2010 ein rakentenartiges Comeback, spielte befreit von ignoranten Vick Trainern die Saison seines Lebens, tourte als Gutmensch für Seminare durch die Lande Michael Vick und schnappte sich den Titel „aufregenster Spieler der Liga“ zurück. Am Sonntag kehrt Vick der nicht Vick mehr so junge junge Mann zum zweiten Mal in die Vick Halle zurück, die seit seinem Abgang nicht mehr voll wurde, zurück, zum Vick ersten Mal als Starting Michael Quarterback gegen Vick seine alte Mannschaft, Vick die Atlanta Falcons.

Irgendeine Idee, von wem hier die Rede sein könnte?

Montag, 19. September 2011

Am Montagnachmittag wieder zwei Tapes, in der Nacht das Monday Night Game Giants – Rams. Diese Woche habe ich die angenehme Erfahrung gemacht, dass sich die Aufzeichnung der Nachmittags-Tapes sehr handlich zu einem ca. 50minütigen Durchlauf aller Spielzüge komprimieren lassen – dadurch durfte ich u.a. beobachten, wie unterirdisch die Secondary der Cardinals ist oder wie aggressiv die Defensive Line der Bears zu Werke ging.

New York Jets – Jacksonville Jaguars

(14h30 bei ESPN America)

Kein spezieller Subplot für diese Partie, dafür das Erstaunen, eine völlig uncharakteristische Jets-Mannschaft am vergangenen Wochenende gesehen zu haben: Keine 20 Läufe, dafür über 40 Pässe hinter einer wackeligen Offensive Line und trotz eines ganz schwachen QB Mark Sanchez, dessen Standing auf diesem Blog mit solchen Vorstellungen eher noch weiter sinken wird. Glück für die Jets nach dem Glückssieg: Mit den Jaguars kommt ein fast sicherer Sieg in die Meadowlands, eine Mannschaft, die selbst gegen die verunsicherten Titans eine Ladung Glück brauchte und bei der ich nicht sehen kann, wie sie mit QB Luke McCown gegen die Pracht-Defense der Jets ankommen will.

San Francisco 49ers – Dallas Cowboys

(16h30 bei ESPN America)

49ers gegen die Cowboys war in den 90ern das, was Indianapolis gegen New England in den 2000ern war: Die hochkarätigste sportliche Auseinandersetzung zweier Mannschaften, zeitweise mit vier Superbowlsiegen in Serie. Diese glanzvollen Zeiten sind vorüber, heuer sind beide mit neuen Head Coaches und Coordinators am Start und auf der Suche nach dem Glanz der Vergangenheit. San Francisco glaubt, mit dem ehemaligen Quarterback Jim Harbaugh zurück zu alten Kurzpass-Wurzeln finden zu können, was sich in Woche 1 noch nicht so wirklich abgezeichnet hätte.

Dallas verlor auf unnötige Weise in New York gegen die Jets, eine Niederlage, die vor allem QB Tony Romo angekreidet wird, dessen doch hanebüchene Turnovers im Schlussviertel den Untergang eingeleitet hatten. Romo und „Clutch“ ist in den US-Foren eines der Themen der Woche. Etwas intensiver sollte man IMHO aber über die Special Teams diskutieren: Nicht nur, dass daraus der Umschwung am Sonntag resultierte, nein, nun kommt mit Teddy Ginn auch noch ein Mann daher, der für die 49ers am Sonntagnachmittag zwei Return-Touchdowns in EINER MINUTE hinlegte.

New York Giants – St Louis Rams

(02h LIVE bei ESPN America)

Es ist das Wiedersehen der New York Giants mit ihrem ehemaligen Defensive Coordinator Steve Spagnuolo, nun Cheftrainer in St Louis und nicht unerfolgreich, hat er immerhin den Stimmungsumschwung gebracht, von hoffnungsloser Verliererkultur hin zu Optimismus für die Zukunft, nun sogar mit einem Monday-Nightspiel, jahrelang undenkbar in St Louis. In Woche 1 verlor man gegen die Eagles, nun kommt mit den Giants der nächste Gegner aus der NFC East.

Hauptproblem einer nicht unterirdischen Rams-Mannschaft in Woche 1: Die schwache Offensive Line, die gegen die Defensive Front Four der Eagles kein Land sah. Wäre alles nicht so schlimm, wenn da nicht die noch bessere Defensive Line der Giants kommen würde… Man wird auf alle Fälle sehen, inwiefern die Rams auf die beiden OTs Saffold/Smith als verlässliche Optionen für die nächsten Monate herhalten können.

Auf Giants-Seite leckt man nach der desaströsen Vorstellung gegen Washington noch die Wunden, sollte vor allem darauf bedacht sein, QB Eli Manning mehr Zeit zu geben. Wobei, auf der anderen Seite lauert eine Defensive Line, die unter Spagnuolo auch rasch verbessert auftritt.

Die Philadelphia Iggles in der Sommerhitze

In diesem Sommer ist für mich ein kleiner Teil NFL-Romantik gestorben. Die Philadelphia Eagles, meine netten Freunde von nebenan, mit denen ich gerne mal ein Bierchen getrunken habe und die immer in meinem Schatten gestanden waren, sind auf einmal im Mittelpunkt des Interesses und ziehen bewundernde wie verachtende Blicke auf sich.

Es ist kein Jahr her, da sah man ein Übergangsjahr für die Eagles kommen. Elf Monate, eine Vick-Renaissance und zwei Handvoll Stareinkäufe später, ist die Franchise von Jeff Lurie plötzlich im Zentrum des Interesses. Nichts anderes als der Superbowl-Sieg wird erwartet.

Um mal einen Blick auf den Kader zu werfen…

Die Offense

Es gibt aktuell keine Offense, die mehr Speichel produziert als jene der Eagles. Das liegt vor allem an der sagenhaften Explosivität, die in dieser Angriffsmaschine steckt. Das beginnt beim QB Michael Vick, dem Spieler mit dem meisten Thrill-Potenzial in der NFL. Es ist ganz schlicht und einfach bewundernswert, in welchem athletischen Zustand Vick mit seinen 31 und nach zweieinhalb Jahren Knast im vergangenen Herbst durch die Abwehrreihen gescrambelt ist.

Viel beeindruckender noch war die Präsenz des Michael Vick in der Pocket. Jo, gibt immer noch ca. eineinhalb Dutzend Quarterbacks, die souveräner wirken, aber Vick/Philadelphia verglichen mit Vick/Atlanta, das ist wie Collinsworth verglichen mit Dilfer. Nun hat Vick so seine Probleme mit Blitz-Taktiken jeglicher Natur, aber Vicks Trümpfe, die fassungslose Wendigkeit und der rattenscharfe tiefe Ball, sind für Defenses trotz allem nicht zu unterschätzen.

Und der tiefe Ball ist ein probates Mittel, wenn du so antrittsstarke Wide Receivers wie DeSean Jackson und Jeremy Maclin besitzt. Der allerdings extrem für Drops anfällige Jackson und der krankheitsgeschwächte Maclin hatten beide so ihre Offseason-Problemchen, sollten aber in der Regular Season voll einsatzfähig sein.

OffCoord Marty Mornhinweg ist zwar ein fürchterlicher Unsympath, aber ein sehr guter Coach, und wenn Mornhinweg neben solchen Sprintern auch noch verschiedenste Waffen wie TE Brent Celek oder WR Johnny Lee Higgins einbauen kann, sowie auf einen so fangstarken Running Back wie LeSean McCoy und einen so grundsoliden wie Neuzugang Ronnie Brown zurückgreifen kann, kommt es schon mal vor, dass die Auguren sich nicht mehr einig sind, ob die Eagles nun „Spread“ oder „West Coast“ spielen. So einzigartig ist dieser Angriff derzeit in der Liga.

Einzigartig, aber auch brutal abhängig vom Vick, bei dem die Eagles einfach mal darauf geschissen haben, dass der Mann mit seinem Spiel pro Saison drei mittelschwere Verletzungen riskiert, und dessen soliden Backup Kevin Kolb sie nach Arizona abgeschoben haben. Dafür ist nun der etwas labile QB Vince Young Vicks Ersatzmann für 4-6 Spiele in diesem Herbst. Eine Aussicht, die… interessant ist. Young in diesem Angriff? 6-8 Big Plays/Spiel weniger – was bleibt dann noch übrig?

Gespannt sein darf man auf die Offensive Line, der man zuletzt nachsagte, mit den komplexen Block-Schemen überfordert zu sein. Komplexe Schemen, eingepflanzt von dem Coach, der nun die Defense trainiert: Juan Castillo.

Die Defense

Philadelphias Defense stand für mich dank der Legende Jimmy Johnson stets für massive Blitz-Gewalt. Nun weiß kein Mensch, was unter dem unerfahrenen Castillo zu erwarten ist. Vermutlich weniger Druck aus der zweiten und dritten Reihe – wozu sonst hätte man den jungen Johnson-Jünger Sean McDermott feuern sollen?

Castillo kann auf ein höchst interessantes Personal bauen: Vorne hochkarätig besetzt, mitten drin inexistent, hinten „top-heavy“ – spricht tendenziell stark für eine 4-3 bzw. vielleicht eine Defense, die häufig mit fünf Defensive Backs aufs Spielfeld kommt.

Die Defensive Line ist um den kompletten, ausgelernten Superstar-DE Trent Cole gebaut, dem nun mit DE Jason Babin aus Tennessee ein veritabler Gegenpart zur Seite gestellt wurde. Für die Mitte steht nach Bunkleys Abgang ein neues Trio zum Reinrotieren bereit: Cullen Jenkins, der ehemalige 3-4 End aus Green Bay, Senkrechtstarter Antonio Dixon und der einst hoch gedraftete Mike Patterson, bei dem kein Mensch weiß, wie er sich machen wird. Patterson ist im Trainingslager zusammengeklappt und man darf sich ernsthaft fragen, ob es sinnvoll ist, weiterhin Pattersons Gesundheit aufs Spiel zu setzen. Ein Star fehlt noch: Line-Coach Jim Washburn, der der Welt in Tennessee mehr starke Defensive Line geschenkt hat als Matthäus Ehen.

Die Linebackers sind recht unterirdisch besetzt, sodass mit Rookie Casey Matthews aus Oregon ein Mann den Middle Linebacker geben soll, dessen Haupt-Referenz lautet „Bruder von Clay“.

Das Maul fusselig redet man sich, wenn das Thema „Phillys Secondary“ aufkommt. CB Asante Samuel, CB Nnamdi Asomugha, CB Dominique Rodgers-Cromartie – dreimal Deckungsspieler mit großem Namen. Asomugha gilt als einer der besten Shutdown Cornerbacks der Liga, und Samuel als Genie, wenn es darum geht, das eine, entscheidende Big Play zum Sieg zu machen. Nicht ausgeschlossen, dass die in der Preseason getestete Varianten mit Samuel als Safety tatsächlich eine Option wird. Samuel als Freelancer? Nehme ich, solange mir der Mann nicht auf Running Backs abgestellt wird.

Dagegen spricht, dass „Free Safety“ genau die richtige Position für den jungen, aufstrebenden, aber von einer schweren Verletzung zurückkommenden Nate Allen ist. In dem Falle würde vielleicht sogar der local guy, Rookie Jaquan Jarrett (kommt von der heimatlichen Temple University) der Starter als Strong Safety werden.

Viele, viele Optionen in dieser Defense – aber, und das zu bestreiten grenzt an Ignoranz, auch mehrere potenzielle Sollbruchstellen.

Special Teams

Huch? DeSean Jackson ist einer der Big Three bei den Returnmännern (nach Hester und neben Cribbs), aber die Schlüsselstelle ist eine andere: Wie kommt der Rookie-Kicker Alex Henery zurecht, nachdem David Akers, einer der besten Kicker der jüngeren und älteren Vergangenheit, aufgrund zweier Playoff-Fehlkicks rausgeschmissen wurde?

Ausblick

Die Einkaufstour war so massiv, dass die Eagles unweigerlich den Druck des Superbowl-Favoriten aufgehalst bekommen. Und ein Head Coach Andy Reid unter Druck, zumal mit Philadelphias traditionell ultra-launischem Publikum im Rücken – ich habe da nicht des Weltgeists größtes Vertrauen drein.

Philadelphias Schedule ist dann auch entsprechend ein sehr Primetime-lastiger:

Wk #1 @Rams
Wk #2 @Falcons (SNF)
Wk #3 vs Giants
Wk #4 vs 49ers
Wk #5 @Bills
Wk #6 @Redskins
Wk #7 BYE
Wk #8 vs Cowboys (SNF)
Wk #9 vs Bears (MNF)
Wk #10 vs Cardinals
Wk #11 @Giants (SNF)
Wk #12 vs Patriots
Wk #13 @Seahawks (Donnerstagsspiel)
Wk #14 @Dolphins
Wk #15 vs Jets
Wk #16 @Cowboys
Wk #17 vs Redskins

Eine Prognose fällt extrem schwer. Wurscht, wie viele Stars da in dieser Mannschaft spielen, wurscht, ob die Defense überragt oder unter neuem Coordinator und ohne Linebackers kränkeln wird: Die Saison steht und fällt mit Michael Vick. Bleibt er die Waffe? Bleibt er überhaupt gesund? Bleibt er gesund und eine Waffe?

Ich sehe bedenklich viele Komponenten, die gegen die Philadelphia Eagles als Superbowl-Champ sprechen. Um noch ein bissl weiter zu gehen: Ich habe sogar in der NFC East eine andere Mannschaft auf der Rechnung. Eine vermutlich blitzfreudige…

Das Zeiteisen verrät: 481 Minuten verbleiben. WordCount nach 18 Teams: 17136.

Lieblingskind der NFL: Die Jets

Paar Gedanken beim Drüberschauen über den heute Nacht veröffentlichten NFL-Spielplan der Saison 2011/12.

(Disclaimer: Ich nehme mir die Frechheit und zähle Thanksgiving-Spiele als „prime-time“.)

Opener – Gesucht war ein attraktiver Gegner für Titelverteidiger Green Bay. Ist gefunden. As expected: New Orleans Saints. Datum: Do/Fr 8./9.9. um 02h30.

9/11 – Der Sonntag ist wie der Zufall es will der 11. September – und somit auch der 10. Gedenktag der mythenumrankten Anschläge. Die Spielansetzungen lassen ein Muster erahnen: Die New Yorker Teams mit folgenden Ansetzungen: Giants spielen zu Mittag (Ortszeit) bei den Redskins (Tribut to Washington/Pentagon), die Jets im Sunday Night Game daheim gegen die Dallas Cowboys. Und – man höre und staune: PittsburghBaltimore ebenso an diesem Tag. Pittsburgh ist die nächstgelegene Stadt des abgestürzten „vierten“ Flugzeugs von jenem Dienstag im September 2001. Man werfe noch fuffzig Tausend Militärs und den Star Spangled Banner in den Mixer und bekommt Badewannen voller Tränen in die Stube serviert.

J-E-T-S – Überhaupt die Jets. Neben dem SNG in Woche 1 spielt die Gang Green noch weitere vier Mal in der Primetime: Woche 4 @Baltimore (SNG), Woche 6 gegen Miami (MNF), Woche 10 gegen New England (SNG), Woche 11 @Denver (Donnerstagnachtspiel). Eine solche geballte Ladung an Spielen zur besten Sendezeit hat auf den ersten Blick bis auf Titelverteidiger Green Bay kein anderes Team.

New Yorker Derby – Bei allem 9/11 und Primetime: Jets und Giants spielen heuer auch direkt gegeneinander. Und zwar an Heiligabend, zur besten europäischen Abendzeit (19h MEZ), wenn bei uns Friedefreudeeierkuchen alles vorm Christbaum Weihnachtslieder singen wird.

NFL International – Wie bereits gestern angekündigt, wird das diesjährige London/Wembley-Spiel Tampa Bay Buccaneers vs. Chicago Bears lauten und am 23. Oktober als Buccs-Heimspiel ausgetragen. Aber nur, wenn der Tarifvertrag bis 1. August steht.

Toronto Bills – Eine Woche später, am 30.10.2011 spielen die Bills ihr alljährliches Auswärts-Heimspiel im Skydome von Toronto gegen die Washington Redskins.

Buster – Alle Jahre wieder kriegen schnelle Aufsteiger von ESPN oder NFLN Primetime-Spiele in den Arsch geblasen. So heuer Tampa Bay (zweimal zuhause), St. Louis (2x auswärts) und sogar die Detroit Lions, die neben dem alljährlichen Thanksgiving-Spiel sogar ein weiteres Monday Night Spiel bekommen haben und somit bei uns sehen sein dürften. Die Lions!

Detroit Lions – „meine“ Mannschaft. Die ersten vier Wochen haben drei Auswärtsspiele im Programm, aber alle machbar (ZB, MIN, DAL). Weil die Chancen, dass QB Matt Stafford bis dahin noch fit ist, gut sein sollten, könnten die Lions mit gutem Start öfters im späteren Saisonverlauf zu bestaunen sein, als nur bei den beiden Primetime-Übertragungen (Woche 5 MNF gegen CHI und zu Thanksgiving). Das Thanksgiving-Spiel serviert uns übrigens Lions vs. Packers. Geile Ansetzung.

New England Patriots – der Topfavorit. Und was ein attraktiver Spielplan, wie schon im abgelaufenen Herbst. In Woche zwei gegen San Diego, dann im Oktober/November viermal an fünf Wochenenden um 22h15 gegen richtige Kaliber: NY Jets, Dallas, @Pittsburgh, NY Giants. Der November wird heiß, mit SNG @Jets, MNF gegen Kansas City, 22h15-Spiel @Philadelphia und als Nikolausgeschenk der Kracher der Saison, Sonntagnachtspiel gegen die Indianapolis Colts. Vielleicht gibt es nicht wieder 12 Liveübertragungen wie 2010/11, aber mit Bestimmtheit mehr als eine Handvoll – und spätestens Anfang/Mitte November sollten wir die Patriots richtig gut einschätzen können.

Sonst so – Die 49ers sind trotz neuem Coach unerwartet unattraktiv für die NFL. Nur zwei Primetime-Spiele (wobei ab Mitte November noch abgetauscht werden kann)? Dafür haben die Packers einen sehr ansehnlichen Spielkalender mit fünf Mal Primetime (Opener, 2x SNG, Thanksgiving, MNF). Und zum Abschluss: In Woche 2 steht die Rückkehr von QB Michael Vick nach Atlanta an – Falcons vs. Eagles im Sonntagnachtspiel, diesmal im Gegensatz zu vor zwei Jahren fast sicher ein „richtiges“ Duell mit Vick als Starting QB.

Philadelphia Iggles in der Sezierstunde

Michael Vick QB Philadelphia Eagles

Michael Vick - ©Wikipedia

Kevin Kolb QB Eagles

Kevin Kolb - ©Wikipedia

Trotz der Playoff-Niederlage gegen die Green Bay Packers dürfte die Saison für die Philadelphia Eagles keine schlechte gewesen sein: 10-6 und Divisionssieg im Jahr nach dem Ende der Ära McNabb. Hauptgrund dafür: Andy Reids neu zu Tage getretene Fähigkeit, Bockigkeit hinten anzustellen, QB Kevin Kolb trotz klarer Ansage abzusägen und QB Michael Vick in die Startformation zu stellen.

Vick legte ein derart formidables Jahr hin, dass sämtlichen Hatern erstmal die Spucke im Hals stecken bleibt. Phasenweise entzauberte Philadelphias Offense die gegnerischen Abwehrreihen nach Strich und Faden. Gegen Ende der Saison schienen sich die DefCoords aber immer besser auf das Phänomen Vick eingestellt zu haben und am Ende musste ein Freak-Viertel gegen die Giants zur Playoff-Qualifikation ausm Köcher geholt werden.

Die Fragezeichen in der Offense

Vick scheint erstmal unumstritten zu sein. „Erstmal“ ist dabei nicht zu unterschätzen, angesichts des wetterwindischen Publikums in der Stadt der oftmals gar nicht so brüderlichen Liebe. QB Kevin Kolb gilt als heiße Ware, für die bei Trade massiver Gegenwert in Aussicht steht. Angesichts der Verletzungsanfälligkeit Vicks wird Philly aber darüber nachdenken müssen, einen hochklassigen Backup im Kader zu behalten.

Vick ist Linkshänder. Das bedeutet eine Aufwertung der Position des Right Tackles. Dort spielt Winston Justice, einst USC-Tackle. Ich glaube nicht, dass Justice nächstes Jahr noch starten wird. Zu oft wurde Justice überrollt. Weil die Eagles nun aber mit Vick als Starter in die Saison gehen, kann man sich nun von vorneherein auf die Wichtigkeit des RT einstellen. Generell gilt: Die Protection für Vick fand ich vor allem gegen Blitzes eher besorgniserrregend.

Justus, Peter und Bob in der Defense

Erstes ?: Der Abgang von DefCoord Sean McDermott. Ich verstehe die Entlassung nicht ganz. Die Defense wirkte gegen Saisonende deutlich verbessert. McDermott ist ein junger Coordinator, warum nicht Zeit geben? McDermotts Nachfolger: Juan Castillo, der Offensive Line Coach (sic!). Castillos letzter Job in einer Defense: 1989 als LB-Coach an der Highschool von Kingsville.

Generell gilt: Nach dem Tod des blitzfreudigen DefCoord Jim Johnson ist die Defense ein bisschen weniger aggressiv zu Werke gegangen. Das mag daran liegen, dass die Defensive Line für sich einen guten Job erledigt und dahinter das Personal eher wenig hergibt.

Zweites ??: Linebacker Ernie Sims zum Beispiel hatte ich aus Lions-Zeiten deutlich dominanter in Erinnerung. Sims ist wie sein Gegenpart OLB Stewart Free Agent und ich würde zumindest im Fall Sims nicht auf Vertragsverlängerung wetten. Sollte auch nur einer gehen, braucht es dringend Nachbesserung.

Drittes ???: Ganz furchtbar waren teilweise die Defensive Backs. Dmitri Patterson zum Beispiel. Wie oft wurde Patterson verbrannt? CB Asante Samuel gilt dank solcher Statistikwerte als kritikfreies Objekt, obwohl: Nach mehreren Spielen Beobachtung steht Samuel gefühlt auch daher so gut da, weil die Konsorten in der Secondary teilweis arg neben den Schuhen standen. Samuel zieht sich gefühlt vor allem mit seinen vielen INTs aus der Scheiße. Safety Mikells Zeit in Philadelphia sollte abgelaufen sein. Mikell wird langsam alt und Reid lässt alternde Spieler ohne mit der Wimper zu zucken von dannen ziehen (Dawkins, Vincent anyone?).

Wohin fliegen die Eagles?

Seit gefühlt 20 Dekaden hält Andy Reid seine Eagles fast ausnahmslos im NFL-Spitzenfeld – eine beeindruckende Leistung.

Die Eagles 2011/12 sind im Kern eine aufstrebende Mannschaft, die aber vor allem Offensive Line und Secondary auf Druck verstärken muss. Dazu kommt die schwere Entscheidung bezüglich Kevin Kolb. Kolb hat sich schon als Starter gesehen und ich glaube nicht, dass er Lust hat, weiterhin auf der Bank zu versauern.

Andererseits ist Vick bei seinem Spielstil schnell mal verletzt… Es ist für Kolb und die Eagles eine richtungsweisende Entscheidung (die aber erst nach CBA-Unterzeichnung gefällt werden kann).

Weitere Sezierstunden gibt es hier oder hier.

Die Quarterbacks an der #1

Untertitel: Carolina Panthers in der Sezierstunde – Die Einleitung

Ich habe mich als unfähig erwiesen, die Sezierstunde zu den Panthers kurz und knackig zu halten. Also ein gepflegter Dreiteiler für die Mannschaft, die den Top-Draftpick innehat. Heute: Eine kleine Geschichtsstunde, die als Einleitung empfunden werden darf.

Quarterback gilt als die „wichtigste“ Position im Footballsport. Vor allem im Profi-Footballsport. Quarterbacks sind die wichtigsten Entscheidungsträger, die verlängerten Arme der Coaches und die höchstbezahlten Spieler. Die letzten Jahre haben in der NFL – auch durch Regeländerungen bedingt – gezeigt, dass es fast unmöglich wird, ohne Top-Quarterback einen Angriff auf den Titel zu starten.

Von daher suchen Teams im Draft häufig an der #1-Position einen Quarterback aus. Es gab schon früher manchmal QBs an der #1 (Elway, Testaverde, Aikman, George, Bledsoe), aber der richtige Hype setzte 1998 ein – mit Peyton Manning. Seit 1998 wurden 13 Drafts abgehalten – 10x wurde ein QB an der #1 ausgewählt. Ein Überblick, gepaart mit dem Zustand der Offensive Line im Draftjahr.

Überblick

Peyton Manning Colts

Peyton Manning - ©Flickr

1998 Peyton Manning/Colts: Via learning by doing wurde Manning schnell ins kalte Wasser geworfen – und er lernte schnell. Hatte lange Zeit den Ruf, nur Top-Statistiken zu produzieren und enge Spiele zu verlieren. Dann aber Superbowl-Champ 2006/07. Gilt als einer der besten Quarterbacks aller Zeiten.
Offensive Line: LT Tarik Glenn/1st round, 1997. Der Rest galt als solide.

1999 Tim Couch/Browns: War der allererste NFL-Draftpick der „neuen“ Browns. Also in einem System ohne brauchbare Offensive Line. Jedes Jahr wechselnde Coordinators und Offense-Systeme. Ich habe Couch in seiner Spätzeit in Cleveland gesehen. „Völlig verunsichert“ ist keine Übertreibung.
Offensive Line: Sträflich vernachlässigt.

2001 Michael Vick/Falcons: Sportlich kein Superstar, weil der Trainerstab eiskalt an seinen Vorzügen vorbeicoachte. Aber ein kleiner Revoluzzer auf der QB-Position und Werbe-Superstar. Bis zu seiner Einknastung einer der meist gehypten Spieler.
Offensive Line:  Mittelmäßig.

2002 David Carr/Texans: War der allererste NFL-Draftpick der Texans. Jahrelang hinter einer nicht existenten Offensive Line abgeschossen (u.a. 76 Sacks als Rookie). Wer will ihm verdenken, dass er bei solcher Personalpolitik floppte?
Offensive Line: Über Jahre schlicht ignoriert.

2003 Carson Palmer/Bengals: Ideal von Coach Marvin Lewis aufgebaut – ein Jahr auf der Bank gesessen, ein Jahr gelernt und im dritten Jahr zum Superstar aufgestiegen – nur, um im ersten Playoffspiel eine katastrophale Verletzung zu erleiden. Seitdem immer wieder verletzt und nicht mehr so gut. Dank Verletzungen entschuldigt.
Offensive Line: LT Levi Jones/1st round, 2002.

2004 Eli Manning/Giants*: Nur der drittbeste QB, aber dank eines einmaligen Playoff-Runs 2007/08 Superbowl-Champ. Ansonsten höchstens Durchschnitt. *Eigentlich haben die Chargers Manning gedraftet, aber einzig mit dem Ziel, Manning zu traden. Daher Manning/Giants.
Offensive Line: Geht so. RT David Diehl/4th round, 2003 Diehl war schon als Rookie überraschend Starter geworden. Der Rest war akzeptabel.

2005 Alex Smith/49ers: Unter neuem Regime an #1 gepickt. Im ersten Jahr verheerend und danach unter ständige wechselnden Offensivsystemen leidend. Ähnlich gelagerter Fall wie Couch – sagenhafe schlechte Personalpolitik hat zumindest eine solide Karriere verhindert.
Offensive Line: Schweizer käselnd.

JaMarcus Russell

JaMarcus Russell - ©Wikipedia

2007 Jamarcus Russell/Raiders: Erwies sich als beratungs- und lernresistent und gilt als einer der größten Flops ever. Aber ein Zuschauermagnet: Die Raiders-Fans liebten es, Russell auszubuhen. Und sie machten es aus vollem Herzen.
Offensive Line: Eher schwach. Der teure Tackle Robert Gallery galt bereits als Flop, die restliche Line als durchwachsen.

2009 Matt Stafford/Lions: Gedraftet in einer Mannschaft ohne Offensive Line. Resultat: Bisher 19 von 32 Spiele verletzungsbedingt ausgefallen. Hat eine kaputte Schulter und könnte nach jeder weiteren OP endgültig erledigt sein.
Offensive Line: Sehr schwach, weil über Jahre konsequent übergangen.

2010 Sam Bradford/Rams: Bradford war 2010 Rookie des Jahres, als erst vierter QB aller Zeiten. Noch zu früh, um Bradford zu bewerten.
Offensive Line: RT Jason Smith/1st round, 2009 entwickelte sich zwar nicht so wie gewohnt, daher holten die Rams 2010 in Runde 2 Rodger Saffold, der sofort zum Left Tackle wurde.

Tendenz bezüglich Offensive Line erkennbar?

Morgen: Was ich wohl von der Idee eines QB-Picks für die Carolina Panthers halte?