Bücher-Hitliste 2018: Meine Football-Favoriten

Heute: Die Footballausgabe der Bücherliste. Weiterlesen

Season of Saturdays – Die Anleitung, den College Football zu lieben

Nur wenn es um College Football geht, glaubt der Amerikaner, dass der Tod einer Großmutter und Freundin einen 22-jährigen zu Höchstleistungen treibt und dass der Wille trotz unübersehbarer Schwächen Berge versetzen kann. Die NFL ist die Profisportliga, in der der hochwertigste Football geboten wird, aber College Football ist die wahre Religion – eine Welt voller bizarrer Sitten, unüberwindbarem Glauben und Rucksäcken vollgepackt mit Tradition.

College Football ist ein verwirrender Sport mit geheimnisumwobener Geschichte unter dem Deckmantel von höherer Bildung, der Spannungsbogen zwischen Teenies und Erwachsenen – gespielt als halbprofessionellem Football an Institutionen mit hehren Grundsätzen und fragwürdiger moralischer Integrität. So kann man das großartige Buch „Season of Saturdays – A History of College Football in 14 Games” zusammenfassen. Weiterlesen

Penn State Nittany Lions | Bestandsaufnahme 2014/15

Zweieinhalb Jahre sind ein viel zu kurzer Zeitraum, um beim Schreiben über die Pennsylvania State University sofort auf den sportlichen Teil zu kommen. Das Innenleben der Community bleibt als Außenstehender weiterhin nicht greifbar, und ich habe manchmal das Gefühl, die Community weiß selbst nicht, wie sie mit Sandusky und Paterno und überhaupt mit sich selbst umgehen soll. Dieses Gefühl bestärkte sich bei einem längeren Gespräch mit einem jungen PhD aus State College, den ich heuer im Frühjahr auf einem Besuch an der TU Delft kennen lernte. Die beste Quelle bleibt weiterhin ein Mann, der auf diesem Blog nicht zum ersten Mal verlinkt wird, und dessen Weltanschauung man ganz gut teilen kann – Michael Weinreb:

The Paterno mythos is a complex and perhaps entirely illusory concept at this point; even so, it still feels relevant at Penn State. It still hearkens back to the „Grand Experiment,“ to the melding of athletics and academics under the guise of a football program, which feels less and less like a feasible equation in the modern world. Paterno, of course, wanted to win as terribly as James Franklin does — he could be ruthless and exacting when he wished, and anyone who believes otherwise is hopelessly naïve — but Paterno managed to couch that competitiveness in an anachronistic professorial outlook that made his tenure at Penn State, for a very long time, feel like something different.

That is not the case with James Franklin, because James Franklin feels very much like a modern football coach. He is a walking TED talk. His is the language of a pitchman rather than a professor. He readily admits to being a perfectionist, and he says things like this about coaches, according to Blue-White Illustrated’s Nate Bauer: „They’re control freaks, they’re maniacs, and I’m one of them.“

And that’s the issue: I have no idea if, given the contours of this system, it is possible to be all these things and still maintain one’s ethical framework. I have no idea if a college football coach can be both a control freak and a model citizen, and I don’t think anyone else knows, either. This is, after all, the subtext of the debate Penn State people been waging amongst themselves for the past three years: Was the Paterno mythos inherently flawed? (Hell, you might say that this is the central question inherent to the existence of college football itself.) And this is the same question that lingers now, as the James Franklin era takes hold.

Aus: Michael Weinreb | In the Spotlight – Can James Franklin keep Penn State out of Trouble?

Der komplizierte Umgang mit dem legendären Joe Paterno lässt sich an kleinen Gesten wie der Spende diverser Booster für eine neue Paterno-Statue ablesen: Sie darf nicht auf dem Campus aufgestellt werden. Sie muss zwei Kilometer außerhalb vor einer Bar platziert werden. Paterno ist zweieinhalb Jahre nach seinem Tod ein Zombie geworden, von denen einen verehrt als Ehrenmann und Opfer, von den anderen verabscheut als schizophrener Verräter an einem von ihm selbst geschaffenen (Schein?)-Weltbild. Weiterlesen

Als der College Football durch die Hölle ging

Vorwort: Ich habe letztes Jahr ganz sachte anhand von US-Autoren wie Michael Weinreb (Sports on Earth) eine kleine Miniserie über die Geschichte des College-Footballs angestoßen, die auf mehr Anklang in der Leserschaft gestoßen ist als gedacht. Schreiben über Schlüsselmomente in der Vergangenheit des Sports, den wir lieben, macht zugegebenermaßen Spaß. Viel ist bloße Auseinandersetzung mit dem Fabrizierten von Michael Weinreb, aber das ist uns ja wurscht. Heute: Die Nacht, in der College Football die Hölle erlebte.


Michael Weinreb, das muss man wissen, kommt aus dem US-Nordosten. Sein Vater war Professor an der Penn State University, und so verbrachte Weinreb einen Großteil seiner Kindheit und Jugend in State College, dem Dörfchen mitten in der Prärie von Pennsylvania, das nur dank der Uni existiert. Weinreb schrieb oft über seine Verbindung zur Uni, und man bekommt in den vielen Artikeln ein gutes Gefühl für die Beziehung eines Amerikaners zu „seiner“ Alma-Mater. Seit dem Sandusky-Skandal arbeitete Weinreb in einigen exzellenten Artikeln, die ich hier oft verlinkte, seine Gefühlswelt auf – seine Einstellung zu Ort, Zeit und Paterno. Dieser Artikel The Night College Football Went Through Hell ist aus dem Jahre 2007, also vor dem Auffliegen von Sandusky, also nicht wundern, wenn Leute wie Paterno oder Sandusky da in einem Licht erscheinen, das heute ein Spur anders ist.

Wir schreiben den 2. Jänner 1987, ein Montag. Tag des inoffiziellen National Championship Games, das es damals noch nicht gab. Den Part hatte an diesem Tag die Fiesta Bowl in Tempe/Arizona über, eine bis dahin als zweitklassig angesehene Veranstaltung im Schatten der großen Giganten wie Rose Bowl, Sugar, Cotton oder Orange Bowl. Die Fiesta Bowl hatte aber gegenüber diesen arrivierten, alles überstrahlenden Neujahrs-Bowls den Vorteil, nicht vertraglich an eine oder mehrere Conferences gebunden zu sein. Während die Rose Bowl verpflichtet war, die Sieger von Big Ten und Pac-10 zu holen, die Sugar Bowl den SEC-Champ nehmen musste und die Cotton Bowl den Meister der SWC, war das Gremium der Fiesta Bowl unabhängig. Weiterlesen

Notre Dame University und ihr Fußvolk

Im letzten Beitrag zu den „Jahrhundertspielen“ im College-Football fragte Kommentator habesha4live, was an Tom Osbornes Entscheidung, aufs Ganze zu gehen, so großartig gewesen sein soll, kostete es doch letztlich den quasi sicheren National Title.

Nun, es hatte 17 Jahre zuvor eine vergleichbare Situation gegeben, im November 1966 zwischen den #1 Notre Dame Fighting Irish und den #2 Michigan State Spartans, und Michael Weinreb – oh Wunder – schrieb auch da schon drüber. Es ist ein politisches Stück, eine Abhandlung über Rassentrennung, den Süden, mediale Rezeption, und den Anti-Osborne.

Die 60er Jahre waren die Zeit, in der die Menschenrechtsbewegungen in den Vereinigten Staaten mächtig Aufwind bekamen. Es war die Zeit des Malcolm X, Martin Luther King und Mississippi Burning. Der zutiefst rassistische Süden gegen den sich öffnenden Norden. Radikale gegen Gemäßigte. Und der College-Football als Spiegelbild der Zeit.

#3 Alabama Crimson Tide

Die #3 Alabama Crimson Tide stellten die dominante Mannschaft des Landes, aber da enden die Ähnlichkeiten mit der heutigen Bama-Truppe: Der Head Coach war Bear Bryant, ein hoffnungsloser Alkoholiker und eine der berühmtesten Gestalten der amerikanischen Football-Mythologie, sowas wie der Sepp Herberger des US-Football. Die Videoaufnahmen von Bryants Mannschaften wirken heute so bizarr, dass man im ersten Moment gar nicht glauben möchte, was man da sieht: Kleine, schmale weiße Jungs, selbst die Offense Liner brachten kaum 100kg auf die Waage, und schwarze Spieler suchte man mitten im Herzen des Bible-Belt vergeblich.

George Wallace war der Gouvernor (bzw. späterer Gatte der Gouverneurin) des Bundesstaates Alabama, und Wallace war bis in die letzte Vene Rassist und einer der letzten Hardcore-Verfechter der Rassentrennung. Wallace galt als einziger Mann im Bundesstaat, dem sich Bear Bryant beugen musste. Bryant durfte keine Schwarzen in sein Team aufnehmen. Er wusste 1966, dass dies wohl seine letzte rein weiße Mannschaft war, mit der er um die Meisterschaft spielen konnte. Er wusste, dass sich die Zeit auch im rückständigen Alabama nicht aufhalten lassen würde. Er wusste, dass die dominierenden nationalen Medien „da droben“ (New York und Umgebung) seine Crimson Tide verachteten und dass das National Title Race auch von der Politik mitentschieden werden würde.

#2 Michigan State Spartans

Aber noch durfte er seine Truppe unter Druck der Politik nicht färben. Die besten Schwarzen aus seinem Staat empfahl Bryant an seinen Kollegen Duffy Daugherty weiter. Der war Head Coach an der Michigan State University, die landesweite #2 in diesem November 1966. Daugherty hatte im demokratisch dominierten Michigan keine Scheu, eine überwiegend schwarze Mannschaft auf das Spielfeld zu schicken, mit Athleten aus dem tiefen Süden, aus dem fernen Kalifornien oder Hawaii. Die Spartans von 1966 waren der erste mehrheitlich schwarze Titel-Anwärter ever. Und viele spotteten, Michigan State sei der „wahre Vertreter des Südens“, im Gegensatz zu den knäbischen Milchbubis von Bryants University of Alabama.

Michigan State spielte die vielleicht beste Saison seiner Geschichte, man war drauf und dran, die perfect season zu komplettieren (man war 9-0-0), aber das war auch noch eine andere Mannschaft. Nicht irgendeine, sondern die #1 Notre Dame Fighting Irish, denen ein Ruf wie ein Donnerhall vorauseilte, und die als das Footballprogramm schlechthin galten: Geliebt von den katholisch dominierten großen New Yorker Medien, und mit ihrer taktischen Lage unweit von Chicago (Notre Dame hat seinen Campus in South Bend in Indiana) auch mit der Nähe zu einem zweiten großen Markt gesegnet.

#1 Notre Dame Fighting Irish

#1 Notre Dame ging wie #2 Michigan State und #3 Alabama ungeschlagen (8-0-0) in dieses sein vorletztes Spiel der Regular Season, um das es in diesem Beitrag eigentlich geht: Das Rivalry-Game gegen Michigan State. Jeder wusste, dass Michigan State gewinnen musste, um an den Fighting Irish vorbeizuziehen, denn jeder wusste, dass die meisten Stimmberechtigten in der Entscheidung um den Titel katholisch waren. Während Alabama sich beklagte, aufgrund seiner Weißheit (nicht „Weisheit“) benachteiligt zu werden, witterte man bei Michigan State eine Verschwörung, weil man zu schwarz sei.

Notre Dame war das Mittelding. Man hatte einen schwarzen Starter, aber im Herzen war man weiß. Die Konfession der Uni war die richtige. Jeder wusste: Notre Dame musste geschlagen werden, wollte man den National-Title gewinnen. Das war schon immer das Problem im College-Football: Die Meisterschaft ist abhängig von einer Abstimmung. Und es ist nicht wie im Turmspringen, wo die Jury vom Beckenrand aus zuglotzt. Nein, es ist College-Football in den Sechzigern, wo du 95% des Geschehens nur über ein Zeitungspapier mitkriegst, und du dir dein Bild nicht von dem machst was war, sondern was du liest was war, denn nur ein einziges Spiel einer jeden Mannschaft durfte landesweit übertragen werden.

Das ist dann auch der Witz an dieser Sache: #1 Notre Dame – #2 Michigan State durfte nicht landesweit gezeigt werden, weil beide ihr Kontingent schon erschöpft hatten. Eine 50.000 Unterschriften starke Fan-Petition erwirkte zumindest eine zeitversetzte Ausstrahlung im ABC-Network, aber live sahen nur wenige Hunderttausend in der Region um die Großen Seen das Treiben in South Bend.

An jenem verdammten Samstag

Nochmal: Alabama würde mit 11-0 durch die Saison gehen, war zweifacher Titelverteidiger, aber die politische Stimmung drückte die Crimson Tide auf #3. #2 Michigan State war 9-0-0 und ging in sein letztes Regular Season Spiel. #1 Notre Dame war 8-0-0 und erwartete nach dem Lokalderby noch den Rivalen USC.

Die Ausgangslage durch die Polls ist also geklärt. Zumindest zwischen Irish und Spartans konnte man eine sportliche Meisterschaftsentscheidung erwarten… dachte man.

Viertes Viertel.

Längst schwer angeknockte Irish mit einem zuckerkranken Ergänzungsspieler als notgedrungenem Starting-QB wurstelten sich durch die letzten Minuten. Spielstand 10-10. Michigan State hatte gerade innerhalb der letzten 120 Sekunden bei 4th-und-4 gepuntet, und Notre Dame hatte die Chance, den Sack zuzumachen.

Aber Head Coach Ara Parseghian, ein ehrenwerter Mann nach allem, was man über ihn liest, ließ die Uhr runtertickern und sagte Run-Plays an im Wissen, dass er mit einem Sieg über USC in einer Woche den National Title wohl sichern würde. Parseghian spielte auf unentschieden. Das Spiel endete 10-10. Ara Parseghian nahm das Schicksal über den Titel nicht wie 17 Jahre später Tom Osborne selbst in die Hand, sondern er legte es in die Hände der Voter.

Eine Woche später bügelte Notre Dame die USC Trojans mit 51-0 nieder. Tage später wurde Notre Dame zum National-Champion der Saison 1966 erklärt.

Das Wesen des Sports

Sieht so eine ehrliche Meisterschaftsfindung aus? Stellt uns das wirklich zufrieden? Ara Parseghian machte den richtigen Call, weil er den Titel holte. Aber ist der Titel wirklich alles? Können wir es einfach so hinnehmen, dass die politische Lage die Meisterschaft entscheidet? Weiße beschuldigen Schwarze beschuldigen Katholiken, dass der Titel über die Menschenrechtskämpfe entschieden wurde. Und das alles, weil der Head Coach der Notre Dame „Tying Irish“ das Schicksal über den Titel in die Hände von Journalisten und Trainern legte, anstelle es wenigstens zu versuchen.

Parseghian nutzte die komplett rückständigen Strukturen im College Football aus, und man möchte fast nichtmal ihm die Schuld dafür geben. Und doch ist es auch fast fünf Jahrzehnte später schade, dass es Ara Parseghian zuließ, den Titel vom Zeitgeist vergeben zu lassen. Die Hauptschuld trug indes freilich das Wesen des College-Footballs, dem Parseghian direkt in die Karten spielte:

Of course, what Ara did was not driven by antiestablishment thought; it was driven by just the opposite. What he did appealed directly to the establishment, which at that point happened to consist of that rarefied group of people who voted in college football polls. Notre Dame finished first in every poll that mattered in 1966. By playing to his base, Ara won the election.

Ausgerechnet der größte Traditionalist, der Option-Freak Tom Osborne aus dem ländlichen Nebraska, spielte 17 Jahre später genau gegen dieses Establishment. Alle Achtung.

Go for the Win

Michael Weinreb schreibt auf Grantland.com über einen der größten Momente in der Geschichte des US-College Sports: Die Orange Bowl von 1984, die zwischen den ungeschlagenen #1 Nebraska Cornhuskers und den #2 Miami Hurricanes (eine Niederlage) in der Miami Orange Bowl ausgetragen wurde. Auf dem Spiel: Der National Title.

Es war eine wilde Zeit im College-Football. Jedes Jahr flogen 1-2 renommierte Programme durch zu üble Bestechungen und Recruiting-Verletzungen auf. Die Conferences waren gerade inmitten eines Vermarkuntgs-Streits mit der NCAA. Korruption in NCAA, Bowl-Veranstaltern und Universitäten war mit der von heute kaum vergleichbar (das heißt was!). Und an der University of Miami („The U“) war gerade ein neureiches Programm drauf und dran, unter dem schrulligen Head Coach Howard Schnellenberger nach oben zu stürmen.

Okay. Orange Bowl 1984, Halbzeit eins: Nebraskas PlayCalling tanzt Rock’n’Roll, und die Huskers scorten mit dem l-e-g-e-n-d-ä-r-e-n Fumblerooski, einem Spielzug, den man bei uns dank The Longest Yard und so als eher kitschig aufnehmen würde – aber, Nope: Das Ding wurde wirklich mal in nem quasi-National Championship Game angesagt! Aber das ist hier nicht mal der Punkt, denn der kommt jetzt.

Das ganze Spiel

Miami/FL – Nebraska 1984

Miami führte vor dem letzten Drive der Huskers 31-24. Nebraska marschierte in den letzten 107 Sekunden downfield, ohne seinen besten Running Back Mike Rozier. Einmal mitten im Drive ließ der beste Wide Receiver der Universitätsgeschichte, Irving Fryar, späterer NFL-Star, einen sicheren Touchdown so absurd beschissen fallen, dass es keine andere rationale logische Erklärung als „Schiebung“ gibt. Die drei Meter hinter Fryar in der EndZone vor Freude über den Drop tanzenden Veranstalter (!) der Orange Bowl geben eines der bizarrsten Bilder, die ich im Sport kenne – und sie sind Symbol für die komplett verschobenen Strukturen jener Zeit.

Tom Osbourne

Tom Osbourne

Nebraska scorte schließlich den Touchdown zum 31-30, und Nebraskas Head Coach Tom Osbourne, ein als langweilig empfundener Traditionalist, machte den geilsten Call, den du als Head Coach in dem Moment machen kannst: Go for two. Man muss wissen, dass es zu jener Zeit keine Verlängerung gab, und das Spiel remis geendet hätte. Ein erfolgreicher P.A.T. hätte die Partie ausgeglichen, und weil Nebraska als #1 ins Spiel gegangen war und von der #2 Miami in deren Stadion nicht bezwungen werden konnte, hätte ein 31-31 den sicheren National Title bedeutet – den ersten für Nebraska seit Äonen, den ersten überhaupt für Osbourne.

Er ging trotzdem auf den Sieg – und scheiterte.

(Man sieht eingangs dieses Videos übrigens auch noch einmal den wahnwitzigen Drop von Fryar und links oben die tanzenden Offiziellen) 

Der Newcomer Miami/FL wurde infolge des Überraschungssiegs erstmals zum National-Champion gewählt, auch dank einer Entscheidung, die die Landschaft im College Football nachhaltig und für immer veränderte. Eine neue Supermacht war geboren, und sie hatte eine alte Supermacht geschlagen.

Obwohl: Osbourne war kein Verlierer. Er bewies Courage. Go for the win. Leider murksen heute viel zu viele Coaches in blanker Angst um ihren Job und drücken sich, und verschieben die Entscheidung auf die Verlängerung. Osbourne wurde erst elf Jahre später belohnt: Ungeschlagen und punktgleich mit Penn State, und die Voter gaben Nebraska die Stimme und den Titel der Saison 1994/95, in erster Linie, weil Osbourne auch dann noch titellos gewesen war.

Die Entscheidung, auf das remis zu verzichten, half auch langfristig, den Meisterfindungsprozess, der im College-Football ja schon immer sagenhaft beknackt gewesen war, war, und ist (und möglicherweise auch sein wird), zu verändern. Wie schreibt Weinreb nochmal?

Osborne’s choice did not alter anything overnight, because college football seems to pride itself on the glacial nature of its decision-making process. But it moved us steadily forward, toward the realization that the current system was inherently flawed and purposefully nebulous — that it almost seemed designed to punish those who pushed for any sort of definitive resolution. It set us on a path toward overtime and toward the BCS and eventually toward a playoff system, and it rewarded Osborne with a lifetime of solid karma from the people of his state.

Für den, der sich für die Football-Folklore aus der guten, alten Zeit interessiert, hier nochmal: Tom Osbourne Goes for Two.

Protokoll des Schreckens

Joe Paterno Statue am Beaver Stadium

Paterno – Bild: Flattr

Der Untersuchungsbericht eines ehemaligen FBI-Agenten im Falle „Jerry Sandusky“ ist raus (Download hier), und er malt ein horrendes Bild von der Pennsylvania State University, deren Footballprogramm, aber auch und vor allem der Universitäts-Führungsriege.

Der Bericht legt offen, dass bereits Ende der 90er die Pädophilie-Vorwürfe gegen Sandusky bekannt waren und Ermittlungsarbeiten dagegen von Paterno höchstpersönlich geblockt wurden. Die „Big Four“ – Paterno, Uni-Präsident Graham Spanier, Finanzchef Gary Schultz und Sportchef („Athletic Director“) Tim Curley, die mächtigsten Männer der Penn State University nach innen und nach außen zu jener Zeit – kaschierten trotz eindeutiger Indizien die Vorfälle und schützten Sandusky. Der Bericht suggeriert auch internen Druck gegen einfaches Hilfspersonal, die Vorfälle in den Duschen der Umkleidekabinen nicht öffentlich werden zu lassen.


Der Fall wirft zu all den Korruptionsvorwürfen, den verarschten Student-Athletes und der Augenauswischerei namens „NCAA“ eine weitere ungute Komponente in das Gebilde „College Football“. Der Sport als Millionenbusiness ist für Universitäten wichtig genug geworden, um sämtliche ethische Grundsätze über Bord zu werfen und selbst das Abgründigste im Menschen – sexuellen Missbrauch von Kindern – um des Scheins (oder Erfolgs) willen zu tolerieren. Der ehemalige Student an der Penn State University, der Autor Michael Weinreb, wütet in einem flammenden Appell gegen das System: The Failed Experiment.


Verwiesen sei an dieser Stelle auch noch einmal an den besten Artikel, den ich im kompletten Jahr 2011 gelesen habe: Growing Up Penn State (auch von Michael Weinreb).

Möglicherweise sind Bild und Ruf einer der in den letzten vier Jahrzehnten zur einer der wichtigsten Bildungsanstalt gewachsenen Universität mit dieser bodenlosen Affäre auf Jahre hinaus verbrannt.

RG3 for NFL

Offiziell: Der Sieger der Heisman Trophy 2011, QB Robert Griffin III von der Baylor University, wird sich wie erwartet für den NFL-Draft 2012 anmelden und somit Profi werden. Für den Draft-Hype natürlich ein wie gemachtes Szenario, lässt sich nun doch nach etlichen Absagen anderer QBs ein Gegenspieler für Stanfords Andrew Luck aufbauen.

Ich erinnere an der Stelle nochmal an den schönen Eintrag bei Grantland: Robert Griffin III: Heisman Winner? von Michael Weinreb.

Beschmutztes Weiß

Nach geschenkten Sportwagen, bezahlten Tattoos, bezahlten Nutten und verwischten Abtreibungen erreicht den College Football nun ein Skandal, der die nächste Eskalationsstufe zündet: Jahrelanger sexueller Missbrauch an Minderjährigen eines Assistenztrainers, über Jahre duldend von Trainerstab und Sportdirektorium hingenommen. An der Universität, die sich rühmte, jahrzehntelang ehrenhaft ohne NCAA-Regelverletzungen ausgekommen zu sein. Deren weiße Trikots so blütenrein wie das Image von Happy Valley daher kamen.

Jetzt steht Joe Paterno vor dem Abschuss (danke an NotreDame).

Paterno ist nicht irgendwer. Paterno ist in Pennsylvania eine Legende, machte in 62 Jahren im Trainerstab, 46 davon als Head Coach, die kleinen Nittany Lions zu einer Großmacht, nachdem er jahrzehntelang auf Anerkennung warten und viermal ungeschlagen bleiben musste, um genügend respektiert zu werden und zwei National Titles zu kassieren. Stark mitverantwortlich dabei: Jerry Sandusky, der Defensive Coordinator an der „Linebacker U.“ Penn State.

Jerry Sandusky hat mindestens 15 Jahre lang kleine Buben sexuell missbraucht. Paterno hat weggeschaut. Das Sportdirektorium geschwiegen. Es schweigt noch immer.

Zwei Lesetipps dazu: