Monday Night Football, #5/2011 Preview: Detroit Lions – Chicago Bears

Zu den Eigenheiten der NFL-Saison 2011/12 gehört bislang auch, dass im hohen Norden der Vereinigten Staaten das einst zahme Schnurren eines Bettvorlegers zu wildem Gebrüll mutiert ist. Es wird bereits von der Reinkarnation der Cardiac Cats gesprochen. Was in der Woche nach dem sensationellen Comebacksieg in Dallas die Detroit Lions umgibt, ist BUZZZZZ mit mindestens fünf „z“.

Nach zweieindrittel Vierteln im Cowboys Stadium wähnte ich die Lions dreieinhalb Meter tief unter der Erde, regungslos und bereits deutlich streng riechend. Die Sargnägel waren schon eingeschlagen und der Privatjet zum Detroiter Zentralfriedhof bereits gechartert. Aber die Lions zuckten noch. Völlig faszinierend, wie aus der anämischen Mannschaft der ersten Halbzeit plötzlich ein Team wurde, das die harten Nippel rausstellte, sich selbst von hirnamputierten Strafen wie Suh nicht einschüchtern ließ und wie weiland Lazarus zurückkam, nicht zuletzt dank der diesmal mehr als zwei obligatorischen Bolzen Tony Romos. Das war mental eine Riesenleistung. Respekt und Kompliment. Dadurch sollte das Ego hinsichtlich der Chicago Bears nochmal ordentlich aufgepeppt worden sein, falls dies nach dem ersten 3-0 Start seit sich „Jimmy’s World“ Heroinpfeifen in seine Spindelarme jagte, überhaupt noch möglich war.

Nun wartet mit Monday Night Football eine noch größere Bühne, eine Bühne, die dem Großteil der jungen Mannschaft noch nicht geläufig ist – und Achtung: die Geschichte ist voll von Mannschaften, denen das Lampenfieber in solchen Momenten einen Streich spielte.

Wenn Detroit die Eier bewegt

Bisschen zittrige Finger schien zumindest QB Matt Stafford bereits am letzten Sonntag bei seinem Homecoming nach Dallas zu haben, feuerte einige sehr deplatzierte Bälle links und rechts und über seine Receiver drüber. Als eine zweite Entschuldigung kann die schwache Protection für Stafford herhalten, die meistens wenig Zeit zum Überlegen und Werfen gab. Das lag großteils an der übermannten Offensive Line.

Jetzt kommt um DE Julius Peppers mit Chicagos Front Four eine Schönspiel-Truppe daher, die je nach Windrichtung ein Feuerwerk abbrennt oder blass wie holländischer Käse bleibt, zuletzt gegen Carolina in der Geschmacksrichtung „farblos“. Was man diesmal vorgeworfen bekommt, weiß man nicht: Detroit spielt in einem Dome. Dort weht kein Wind.

Die Offense dürfte nicht allzu schwer lesbar sein: Laufspiel wird es von Lions-Seite nicht viel geben, die Pass-Stafetten sind bekannt, mal kurz auf TE Brandon Pettigrew, mal über die Mitte auf WR Titus Young oder WR Nate Burleson, bei 3rd down und in der RedZone und immer wenn ein entscheidender Spielzug ansteht auf WR Calvin Johnson. Die Probleme sind eher natürlicher Art: Detroits Ballfänger sind physischer Wunder, ungemein schwer zu verteidigen. Ein Johnson beispielsweise pflückt selbst diese stundenlang in der Luft hängenden Bälle (vulgo: „jump balls“) mit zwei Kletten am Hals herunter, da hätte jeder Apfelbauer seine hellste Freude daran.

Chicago wird dem Lovie Smiths „Cover-2“-Deckung entgegenschmeißen, ein gegen Play-Action anfälliges Schema, das auf die Deckungskünste seiner Linebackers (Urlacher: Check, Briggs: Check) und quicke, sehr disziplinierte Safetys baut. Brandon Meriweather – „disziplinierter Safety“? My ass.

Wenn Chicago die Eier bewegt

Mike Martz hat sich in den letzten eineinhalb Jahren als launische Diva beim Playcalling erwiesen: Die Saisons stets mit Passorgien begonnen, dann die Notwendigkeit von Entlastung erkannt – und am vergangenen Sonntach gegen Carolina 17 Pässe angesagt. Ganze siebzehn Passspielzüge? Man könnte insistieren, dass Carolinas Abwehr förmlich zum Drüberlaufen einlädt, aber diesen Schachzug hatte ich Martz nicht mehr zugetraut.

Wenn man sich vor Augen hält, dass Martz mit der fürchterlichen Offensive Line mit einem nicht zu unterschätzenden Problem leben muss, riecht die Strategie für das Spiel heute Nacht auch ganz dufte nach einem bevorzugten Einsetzen von RB Matt Forté, zumal Detroits Defensive Line trotz der schwachen Vorstellung in Dallas als eine der dominanteren im Verlangen nach QB-Hits gilt – und putzigerweise dabei immer wieder auf Handoffs zu Running Backs vergisst. Wird Martz an dieser Einladung gepflegt vorbeicoachen? Ich glaube nicht, nicht nach dem Panthers-Spiel. Draw play und counter running, ick hör euch trappsen.

Und wenn wir bei Forté sind: Gegen aggressive Defensive Lines bietet sich nichts mehr an als quicke Swing-Pässe lateral raus zum Running Back. Nicht zufällig eine der großen Stärken Fortés. Martz wäre fahrlässig, diese Option zu meiden.

QB Jay Cutler dürfte für die ganz tiefen Bälle nicht genügend Zeit bekommen, weswegen ich trotz „Big Arm“ Cutler eher an ein Stakkato an schnellen Würfen kombiniert mit recht viel Laufspiel über Forté/Barber glaube, was bei erfolgreicher Implementierung früher oder später per se die Gelegenheit bieten wird, ein oder zwei ganze tiefe Bälle in das Herz der Secondary zu pfeffern.

Ausblick

Ein Spiel mit dem look’n’feel einer Coming Out Party der Detroit Lions, die auf ein lautes, aufgeregtes Ford Field bauen werden und hoffen müssen, nicht allzu stark vom Hype übermannt zu werden. Es sieht eigentlich vieles gut aus, inklusive der Hoffnung, dass Mike Martz’ Ego im Spiel gegen seine alte Mannschaft in ein paar hirnlosen Playcalls resultieren könnte.

Andererseits sind die Chicago Bears immer noch eine gefährliche Mannschaft, die bei entsprechend enthemmter Defensivleistung, vor allem der Front Four, jederzeit imstande sein sollte, Detroits Offensivspiel abzuwürgen und mit dem Ball in den eigenen Händen mit langen Drives die Halle zum Abkühlen bringen könnten.

Ich halte Chicago für prädestiniert, Detroit Schwächen in Angriff und Verteidigung offenzulegen, solange nur die Line um DE Peppers endlich in Schwung kommt und RB Forté intelligent eingesetzt wird. Leichter Vorteil Chicago in diesem Spiel.

Chicago Bears in der Sezierstunde

Jay Cutler - ©pjstar

Wenn dir Fortuna hold ist, kannst du in der NFL schon mal ins Conference Finale kommen. So die Bears 2010/11. Kaum Verletzungssorgen, ein mehrfach beim Gegner zuschlagender Fehlerteufel und ein günstiger Spielplan reichten dafür. Am Ende darf die Saison als Erfolg abgehakt werden, wenn auch der bittere Beigeschmack der vermeidbaren Heimniederlage gegen Erzfeind Chicago Green Bay hängen bleibt. Wie sehr die Niederlage vor allem auf die Psyche von QB Jay Cutler nachwirken wird, bleibt abzuwarten.

Die Arbeit mit dem Ball

In einer Mike-Martz-Offense muss die Offensive Line idealerweise stark im Pass-Blocking sein. Chicagos Line war phasenweise okay, aber es gab auch Spiele, in denen Cutler schlicht schutzlos war (Giants!). Bewegt sich Chicago in dieser Hinsicht nicht, haben wir hier die Sollbruchstelle.

Was Cutler neben n’büsschen Schutz noch gebrauchen könnte: Einen gescheiten Wide Receiver. Chicago wirft zwar viel auf die Running Backs und verteilt den Ball auf mehrere Wide Receivers. Trotzdem sehe ich die Bears schon auf der Suche nach einem Top-Mann. Wird es Sidney Rice vom Rivalen Minnesota sein?

Gefühlt hat Chicago zudem eine Reihe von Punkten verschenkt, weil die Bears bei 3rd and kurz im Lauf der Saison immer seltener Laufspiel einsetzten – sie haben einfach keinen Presshammer. Bessere O-Line würde helfen, aber Forte/Taylor sind halt auch nicht die Monster-Backs dafür…

Die Arbeit gegen den Ball

Ganz klar Chicagos Stärke. Das ist eine quicke Defense, ganz nach Lovie Smiths Ideen, die er einst in Tampa als Dungy-Jünger entwickelt hat. DE Julius Peppers war für mich der dominanteste Verteidigungsspieler in der NFL – eine ungemeine Bereicherung für diese Defense. In der Defensive Line gibt es allerdings nach dem Abgang von DT Tommie Harris Handlungsbedarf. Ansonsten sehe ich keine großartigen Schwächen in der Defense.

Das spezielle Trio

Return-Genie Devin Hester hat 2010/11 nach längerer Abstinenz wieder zugeschlagen und wird auch für die Zukunft eine Gefahr bleiben. Kicker Robbie Gould macht IMHO im windigen Chicago einen ordentlichen Job. Bedenklicher ist der Punter Brad Maynard. Chicago kassiert viele Returns bei Punts und spätestens seit Maynard im Schlussviertel des NFC-Finals wieder damit begonnen hat, Bälle über den Schlapfen rutschen zu lassen, halte ich Maynard für verbrennt.

Ausblick

Viele glückliche Umstände und Sekundengenie-Momente haben Chicago ins NFC-Finale gebracht und Lovie Smith vorerst den Arsch gerettet. Ich bin trotzdem nicht rundum überzeugt. Neben der schwachen Pass Protection hat sich Chicago im NFC-Finale ein weiteres Problem angelacht: QB Jay Cutler ist in seiner Autorität als Leader angekratzt.

Cutler ist kein begeisternder Typ und gewinnt die Leute nur über Leistung für sich. Sein verletzungsbedingter Rückzug wird ihm in der öffentlichen Meinung als Kneifen ausgelegt. Die interne Lage ist schwer abschätzbar, aber generell werden in der NFL eher die bewundert, die am liebsten mit gebrochenen Haxen ihre Karriere riskieren.

Weitere Sezierstunden gibt es hier oder unter dem Tag „Sezierstunde“.

NFL Divisional Playoffs 2010/11: This ass[beeeeep]. F*ck him!

Der Playoff-Auftakt am Wochenende war sehr verheißungsvoll. Zwei sehr schöne Spiele und eine sehr große Überraschung. Dieses Wochenende geht es weiter mit den Divisional Playoffs – und es sind zumindest in der AFC Intradivisional Playoffs mit zwei divisionsinternen Spielen. Hat es das schon mal gegeben?

Chicago Bears – Seattle Seahawks

So., 19h live bei ESPN America und Sport 1+
Aufzeichnung am Mo., 12h bei ESPN America

Für die Chicago Bears ist der NFC North Titelgewinn eine kleine Überraschung. Die Bears waren seit Jahren im Begriff des schleichenden Niedergangs und Head Coach Lovie Smith galt als kurz vor dem Abschuss. Seit zwei Jahren hat man aber wieder begonnen, seine Puzzleteile zusammenzustellen. 2009 wurde QB Jay Cutler aus Denver losgeeist, 2010 nahm man in Chicago die Spendierhosen mit und ging auf Einkaufstour: DE Julius Peppers, RB Chester Taylor, TE Brandon Manumaleuna wurden eingekauft – und der wichtigste Mann: OffCoord Mike Martz.

Ich hatte ehrlich nicht gedacht, dass Martz’ Offense in Chicago funktionieren würde. Ein ungenau werfender Gunslinger wie Cutler hinter einer löchrigen Offensive Line – für die langen Routen eines Mike Martz und den damit verbundenen zeitlichen Aufwand in der Spielzugentwicklung sah das eher trüb aus. Aber die Bears haben das mit der Zeit immer besser in den Griff gekriegt, und zugegeben auch einiges Glück gehabt: Immer wieder auf Gegner mit Backup-QBs getroffen, die grad einen Tiefschlag nach dem anderen hinnehmen mussten.

Dieses Glück haben die Bears offenbar gepachtet: Jetzt kommen die Seattle Seahawks ins Soldier Field. Die Seahawks, die trotz des Sensationssieges gegen New Orleans immer noch eine 8-9 Bilanz aufweisen und damit eine negative Bilanz haben!

Ich möchte die Seahawks nicht weiter madig machen: Diese Performance am letzten Samstag war inspirierend, die Stimmung elektrisierend und das begann beim aufgeheizten Publikum, weiter über den emotionalisierten Head Coach Pete Carroll bis hinunter auf das Spielfeld, wo testosterongeschwängerte Verteidiger die Saints-Offense verprügelten, dass den Saints Hören und Sehen verging. Der Sensationslauf von RB Marshawn Lynch nur als Höhepunkt eines fassungslosen Spiels.

Trotzdem: Seattle ist auswärts zwei Nummern kleiner als es eh schon ist. Die Bears sind daheim schwer zu schlagen und dass die Seahawks erneut eine solche Energieleistung bringen können, glaube ich nicht.

Klarer Sieg für Chicago.

New England Patriots – New York Jets

So. 22h30 live bei ESPN America, Sport 1+ und Puls 4
Aufzeichnungen am Di., 12h und am Fr., 17h bei ESPN America

Gillette Stadium in Foxboro

Gillette Stadium - ©Flickr

Ein Spiel, das man unendlich aufladen kann mit dem ganzen Thrill zwischen den Pats und den Jets. Die beiden Franchises sind beide AFL-Gründungsmitglieder und verbindet in den letzten Jahre heiße Geschichte.

Executive summary:

Die Rivalität zwischen den Jets und den Patriots ist seit einigen Jahren eine der schärferen der NFL. Es ist eine Rivalität, die historisch begründet ist (beide Gründungsmitglieder der AFL und seither Divisionsrivalen), kulturell (die Rivalität zwischen dem spektakulären, weltoffenen Big Apple und dem langweiligen, elitären Boston ist legendär), aber auch sportlich und in den letzten Jahren vor allem durch eine Reihe von direkten Wechseln von Charakterköpfen zwischen den beiden Teams.

Als da wäre Bill Parcells, der 1993 vom mehrfachen Superbowl-Champ New York Giants (*pling*) nach Boston kam. Parcells brachte die Patriots im Jänner 1997 in die Superbowl, um anschließend trotz gültigem Vertrag bei den Pats zu den Jets abzuhauen. Die Pats fochten den Wechsel an, bekamen aber nur einen Draftpick, und keinen Parcells zurück. 1998 mussten die Pats auch ihren Franchise-RB Curtis Martin zu den Jets abwandern lassen.

Parcells blieb drei durchwachsene Jahre Head Coach bei den Jets, ehe kam, was immer geschieht, wenn Bill Parcells irgendwo den Head Coach gibt: Er trat vor Vertragsende zurück, machte sich zum General Manager und Bill Belichick zum Nachfolger.

Nun erlebte die NFL ein Déjà-vu, aber in die andere Richtung: Belichick trat auf der Pressekonferenz, auf der er als neuer Jets-Head Coach vorgestellt werden sollte, zurück und wechselte ein paar Tage später nach New England. Kompensation, nach wenig freundlichen Worten: Draftpick in der 1. Runde.

23. September 2001 im Foxboro Stadium: Patriots QB Drew Bledsoe wird von Jets LB Mo Lewis schwer verletzt, fällt wochenlang aus. Bledsoes Ersatzmann kommt rein: QB Tom Brady, mit dessen Einwechslung die Pats vom Mitläufer- zum Siegerteam mutieren und drei der nächsten vier Superbowls gewinnen, während sich die Jets bei ihren wenigen Playoffauftritten meist selbst ins Knie schossen.

2006 wurde dann Belichicks Assistent Eric Mangini neuer Jets-Coach und schaffte sich einen Feind fürs Leben, als er dem allmächtigen Pats-Coach dessen Assistenten vom Trainingsplatz wegschnappen wollte – was teils gelang. Belichick verweigerte Mangini nach einer Niederlage den Handschlag, und ein Jahr später ließ Mangini zum Saisonauftakt Belichicks Spionageaffäre auffliegen.

Die Pats antworteten auf ihre Weise, mit einer fulminanten 16-0 Saison, verloren aber die Superbowl – gegen den Jets-Stadtrivalen Giants…

Rex maledicendi

Mangini ist weg. Der neue Mann am Ruder in New York: Rex Ryan. Ryan hat seit seinem Amtsantritt und noch mehr seit dem glücklichen Playoff-Run vor einem Jahr eine dicke Lippe nach der anderen riskiert und mit seinem großen Mundwerk die Jets in eine Liebe-sie-oder-hasse-sie-Ecke getrieben. Große Einkaufstour, TV-Show imm Trainingslager, Beleidigung von gegnerischen Spielern und Coaches und ein angekündigter Sturm auf den AFC-East-Thron haben den netten Jungs von nebenan, den Jets, ein spaltendes Image verliehen.

Sportliches Ergebnis: Bilanz 11-5, und kein Divisionssieg. Schuld daran war der Knackpunkt in der Jets-Saison: Eine verheerende 45-3 Schlappe bei den Patriots Anfang Dezember, trotz 11 Tagen Vorbereitungszeit. Eingegangen wie ein Wollpullover, der mit 30 Grad zu viel gewaschen wird. Oder noch schlimmer.

Nun haben die Jets auch in dieser Woche viel über den Gegner geredet. Entweder dem QB Brady das Schildchen mit der Aufschrift „überschätzt“ anhängen oder dem QB Brady mangelnde Klasse nachsagen wollen. Auf Nachfrage konnten die Herren DE Ellis und Co. dann kein Beispiel nennen. Höhepunkt der Saga ist CB Antonio Cromarties nicht druckreifes Interview. Debakel, ick hör dir trapsen… Wenn jemand aus solchen Provokationen Motivation wie Zucker aus dem Honig herauszuziehen vermag, dann sind es die Patriots und Tom Brady.

Die Kampfgnome

Die Jets haben am vergangenen Wochenende ein starkes Spiel gegen die WR der Colts gemacht. CB Darelle Revis schaltete mit Reggie Wayne die große Waffe der Colts aus und um Mannings Armada war es geschehen. Nun kommt allerdings New England daher, mit seinen WR-Winzlingen Wes Welker (1,75m, 86 Catches, 848yds, 7 TDs) und Deion Branch (1,75m, 74 Catches, 705yds, 5 TDs) sowie Allzweckwaffe Danny Woodhead (1,70m, insgesamt 826yds, 6 TDs) – Spieler, die andernorts nicht gewollt waren, im Patriots-System aber essentiell sind. Problem für die Jets, für Cromartie und Revis: Du weißt nicht, wen von den Jungs du covern musst. Klare #1 gibt es seit dem Rausschmiss von Randy Moss keine mehr. Dafür werden die Bälle auf dieses Trio, auf die Rookie-TE Aaron Hernandez (45 Catches, 563yds, 6 TDs) und Ron Gronkowski (42 Catches, 542yds, 10 TDs) und Rookie-Returner Brandon Tate verteilt.

Stichwort Danny Woodhead. Ein kleiner, flinker, untersetzter Mann, beweglich und schwer zu tackeln. Aus einem Division-II College (!) gekommen und vor der Saison von seinem NFL-Team vor die Tür gesetzt. Die New England Patriots klaubten Woodhead von der Straße auf, schmissen ihn nach der Moss-Saga ins kalte Wasser. Resultat: Woodhead entwickelte sich zum Welker-Double und Publikumsliebling. Nun trifft Woodhead auf das Team, das ihn vor ein paar Monaten rausgeschmissen hatte: Die Jets. ESPN über Woodheads Geschichte – vom kleinen Dorf am verlängerten Rücken der Welt in die NFL.

Anfang Dezember kam die Jets-Offense einfach nicht in Gang. Und das, obwohl New Englands Passverteidigung durchaus Yards zulässt. Viele sogar, die drittmeisten der NFL. Dafür machen sie auch viele INTs. Die Jets kamen aber auch auf dem Laufweg nicht voran und ein Drive nach dem anderen wurde abgewürgt. Die guten Ansätze zu Spielbeginn, als man zwischen den Plays nicht viel Zeit ließ, haben die Jets unverständlich schnell aufgegeben und ab Beginn zweites Viertel nichts mehr zustande gebracht.

Die Ruhe weg
Tom Brady

Tom Brady - ©Flickr

Die Patriots dagegen scheißen sich um nix, gehen raus und werfen einen Pass nach dem anderen. QB Tom Brady genießt hinter der sensationellen Offense Line alle Zeit der Welt, wirft mit den Bällen nur so um sich. Keine langen Bälle zwei Kilometer vertikal das Spielfeld runter, sondern über die kurzen Distanzen, links, rechts, über die Mitte. Und es ist nie berechenbar. Dazu zwischendurch immer mal wieder ein, zwei Laufspielzüge eingestreut, um die Balance zu halten. Die Laufarbeit übernehmen mit Woodhead und RB Benjarvus Green-Ellis zwei Leute, die nicht mal gedraftet worden sind und die in keiner anderen NFL-Mannschaften starten würden. In New England sieht das dann so aus: Das Duo mit 326 Läufen für 1555yds (4,8yds im Schnitt) und 7 Touchdowns.

Brady selbst mit einer traumwandlerischen Saison: 3900yds, 36 Touchdowns, 4 (VIER!) Interceptions. Keine spektakulären Spiele, aber spektakuläre Zahlen. So fehlerlos hat noch kein Quarterback in der NFL-Geschichte gespielt. Es ist das Rezept der großen Patriots-Mannschaften von 2003/2004: Sich nicht um den Gegner scheren, eigene Fehler vermeiden und parasitär jeden kleinen Schnitzer der anderen Mannschaft ausnutzen. Die Drives sind nicht spektakulär, aber sie werden häufig mit Touchdowns und Field Goals abgeschlossen.

Nun ist die Jets-Defense an sich auch keine schlechte. #6 gegen den Lauf, #3 gegen den Pass, #3 insgesamt. Aber gegen die Pats im Dezember war sie so derart neben der Spur, da fror dir die Spucke ein – und das nicht nur, weil es bitterkalt war.

Die Patriots sind die Favoriten. Ich traue den Jets zwar zu, in dem Spiel lange drin zu bleiben. Aber Trash Talk ist etwas, mit dem du Belichick nicht beikommen kannst. Ich traue Bill Belichick zu, dass er ein paar nette Überraschungen vorbereiten wird und früh im Spiel 4th downs ausspielen lässt, mit neuen Kreationen verwertet und schnell Punkte zwischen sich und Jets legt, um QB Mark Sanchez dazu zu zwingen zu werfen. Und dann ist es um die Jets geschehen.

NFL Wochenendhäppchen, Week #14: Der Lehrmeister und sein Chef und umgekehrt

Zwei Spiele ragen an diesem Wochenende aus dem NFL-Spielplan heraus: Das AFC-Westduell San Diego – Kansas City und das Topspiel Chicago – New England.

Chicago Bears – New England Patriots

So. 22h live bei ESPN America

Mike Martz hatte im Winter 2001 einen dicken Hals. Und zwar auf seine Defense. Die Rams hatten dank des komplizierten Martz-Systems voller langen Passrouten und heftiger Einbindung von RB Marshall Faulk ins Passspiel eine der besten Offense aller Zeiten aufgestellt: 540 Punkte in der Regular Season. Im Wild Card Playoffspiel war allerdings schon Schluss. Grund: Die miserable Defense. Martz schaute sich also um und griff beim Linebackers-Coach in Tampa zu.

Dieser Linebackers-Coach wurde neuer Defensive Coordinator in St. Louis, und die Rams spielten 2001 die beste Saison ihrer Vereinsgeschichte. Erst in der Superbowl wurden sie sensationell von den New England Patriots gestoppt. Trotzdem: Die schlechteste Verteidigung der Liga war plötzlich in den Top-5 zu finden. Zwei weitere Jahre später war der Defensive Coordinator der Rams Head Coach in Chicago geworden. Und die Glanzzeit der Rams war vorüber.

Dieser Mann, der vom LB-Coach in Tampa zum DefCoord in St Louis zum Head Coach ini Chicago mutierte, ist Lovie Smith. Smith bastelte in Chicago innerhalb von drei Jahren einen Superbowl-Teilnehmer, der fast ohne Offense ins NFL-Finale kam und nur knapp an Indianapolis scheiterte (Indy übrigens mit Smiths Ex-Chef Tony Dungy).

Seit der Finalniederlage im verregneten Miami erlebten die Bears allerdings Stagnation. 7-9 wechselte sich mit 9-7 und 7-9 ab. Im Winter 2010 stand Smith vor dem Abschuss. Nicht einmal der Einkauf von QB-Hoffnung Jay Cutler hatte sich bezahlt gemacht.

Smith erinnerte sich an einen ehemaligen Kumpanen. Mike Martz. Smith installierte sich Martz, seinen ehemaligen Chef, als OffCoord in Chicago. Ziel: Cutler zu einem effizienteren QB zu machen und Chicago somit zu einem Double-Trick-Pony zu machen.

Und Martz machte die Bears-Offense zu einer gefährlichen. In zweierlei Hinsicht: Erstmal ist da QB Cutler, der an einem guten Tag schnell genug die Bälle das Feld hinunter wirft und 4 TDs produziert. Dann ist da aber auch die Offensive Line, hinter der Cutler zwischendurch mal wieder zehnmal pro Spiel niedergeschlagen wird. Gefahr also für die gegnerische Defense und den eigenen QB.

Und jetzt kommt New England

Großes Spiel im Soldier Field. Und eines, das vor allem für Chicago crucial ist, wie die Amerikaner zu sagen pflegen: Chicago rangiert in der NFC North mit 9-3 an der Tabellenspitze, ein Spiel vor den Packers. Da die Bears aber noch nach Green Bay fahren müssen, dürfte ein Sieg Pflicht sein, zumal das Wild-Card-Rennen in der NFC verdammt eng zugeht.

New England kommt mit so breiter Brust daher, dass man Angst haben muss, ob die Jungs überhaupt noch durch den Stadioneingang passen. Die Offense ist derzeit um den alles überragenden QB Tom Brady nicht aufzuhalten und die Defense ist verbessert, macht Turnovers zu kritischen Zeitpunkten.

Zwei Matchups werden höchst interessant: Die gewaltige Bears-Defensive Line gegen die in dieser Saison schlicht sensationell gute Offensive Line der Patriots. Die Bears haben mit dem Einkauf von DE Julius Peppers so was wie den Hauptpreis gezogen. Ich habe Peppers gegen Green Bay, Minnesota und Philadelphia gesehen. Der Mann ist auffälliger als zu Panthers-Zeiten. Auf LT Matt Light kommt einige Anstrengung zu.

Zweites Matchup: Das Patriots-Laufspiel gegen die Bears-Laufdefense. New Englands Running Backs heißen BenJarvus Green-Ellis und Danny Woodhead. Ein großer, kräftiger Mann und ein kleiner, flinker. Keine Stars, aber Spieler, die in den 10-15 Mal pro Spiel, in denen sie eingesetzt werden, zuletzt extrem effizient waren und große Raumgewinne holten. Für die Bears-Defense ist die Patriots-Offense die größte Herausforderung in dieser Saison.

Ich tippe auf die Patriots. Sie erinnern mich erschreckend an die großen Zeiten vor ein paar Jahren.

San Diego Chargers – Kansas City Chiefs

Mo. 17h30 bei ESPN America (Tape)

Es ist so etwas wie das Spiel der letzten Chance in der AFC West. Keine Mannschaft wird über die Wild Card weiterkommen, so stark wie sich Baltimore heuer präsentiert. Daher reicht nur der Gruppensieg: Kansas City steht bei 8-4, San Diego bei 6-6. Das „Hinspiel“ holten sich die Chiefs.

Von daher ist eine Niederlage der Chargers gleichbedeutend mit dem endgültigen Aus (direkter Vergleich).

San Diego fiel zuletzt gegen die Raiders wieder in alte Verhaltensmuster zurück: Fehler, Turnovers, Flaggen. Das sollte man gegen Kansas City vermeiden. Die Chiefs kommen mit eingepflanztem Patriots-Gen daher: OffCoord Charlie Weis und DefCoord Romeo Crennel haben das Ihrige getan.

Eine große Saison spielt auch QB Matt Cassel – jo, ein ehemaliger Patriot. Cassel wird womöglich ausfallen (Blinddarmoperation), aber sollte der Mann spielen, darf man das bewundern, was man allgemein care-taker nennt: Fehlervermeidung. Die Chiefs sind eine Lauf-Mannschaft, mit dem bärenstarken Duo aus RB Jameel Charles und RB-Oldie Thomas Jones. Cassel braucht die Entlastung durch das Laufspiel. Wenn er dann mal passt, dann sehen seine Stats so aus: 212 von 354 für 2503yds, 23 TD, 4 INTs. Das nenne ich Effizienz.

Für San Diego ist es das Spiel der letzten Chance. Ich bewundere, was QB Philip Rivers da drunten so zusammenzaubert. Aber ein Rivers ist nicht genug. Trotzdem: Die Chargers sollten dieses Spiel gewinnen und sich ihre Chance auf die Playoffs erhalten können.

Was sonst noch so übern Schirm flimmert

Sonntag, 19h ESPN America live: Minnesota – N.Y. Giants*. Für Minnesota ist die Saison für die Grütze. Die Giants brauchen jeden Sieg, 1) für den Divisionssieg und 2) für die Wild Cards. Das Rennen ist sauknapp. Eine Woche vor dem Duell mit den Eagles muss ein Sieg her. New York kommt mit starkem Laufspiel (#6) gegen eine starke Laufdefense (#4). Andererseits besitzen die Giants eine ausgeglichen starke Defense. Minnesota sollte mehr auf sein Laufspiel um RB Peterson setzen.

So./Mo. 02h20 ESPN America live: Dallas – Philadelphia. Die Cowboys sind seit dem Trainerwechsel nicht mehr die gleiche Mannschaft: Weniger fehleranfällig und effizienter. Die Eagles hängen sehr stark von QB Michael Vick ab. Für Philadelphia gilt Ähnliches wie für die Giants: Verlieren vorerst verboten.

Montag 15h30 ESPN America Tape: Pittsburgh – Cincinnati*. Pittsburgh steht mit eineinhalb Beinen in den Playoffs. In Spiel #1 tat man sich aber schwer gegen die Bengals. Diese werden noch vier Spiele in der aktuellen Zusammensetzung auftreten, bevor es einen Umbruch gibt. Bei Pittsburgh sollte man auf OLB Harrison achten, der auf dem Feld mit Brutalität und daneben mit Geplärre von sich reden macht.

Mo./Di. 02h30 ESPN America live: Houston – Baltimore. Die Ravens sind mit 8-4 für m.E. unter Wert verkauft. Zuletzt verlor man ein völlig ausgeglichenes Spiel gegen die Steelers. Die Ravens halten all ihre Begegnungen stets knapp, kassieren nicht viele Punkte. Houston versucht zuletzt wieder vermehrt, den Luftweg als Erfolgmittel heranzuziehen. Trotzdem ist die Saison mit 5-7 eine einzige Enttäuschung.

*Womöglich werden die beiden Spiele im Sendeplan noch vertauscht. In den Trailern wird als Livespiel PIT-CIN angekündigt. Im Sendeplan steht MIN-NYG. ESPN Americas Plan z.Zt.:

Sonntag
19h00 LIVE: Minnesota – NY Giants
22h00 LIVE: Chicago – New England
02h20 LIVE: Dallas – Philadelphia

Montag
15h30 Tape: Pittsburgh – Cincinnati
17h30 Tape: San Diego – Kansas City
02h30 LIVE: Houston – Baltimore

Die Übersicht zum Playoffrennen habe ich hier zusammengefasst.