All-32: Dallas Cowboys 2020 Preview

Der größte Underachiever der letzten NFL-Saison: Die Dallas Cowboys. Sehr viel spricht für einen Durchbruch 2020. Aber auch ein bissl was dagegen.

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Kickoff zum NFL-Trainerkarussell 2020

Lass uns einen weiteren Blick auf das NFL-Trainerkarussell 2020 werfen – heute mit Job-Profil sowie Blicken nach Washington, New York, Jacksonville, Carolina und vor allem Cleveland. Weiterlesen

NFL 2019 Preview Woche 3: Broncos @ Packers

Denver Broncos (0-2) @ Green Bay Packers (2-0)

Interconference Games finden nur alle vier Jahre statt. Daher gibt es auch keine Rivalitäten über die AFC-NFC-Grenze hinweg. Wenn man sich solche Interconference-Serien wie Broncos-Packers in der Historie anschaut, sieht man erschreckend deutlich, wie schnell sich die NFL verändert. Weiterlesen

Green By Packers in der Sezierstunde

Die Green Bay Packers waren eine der ganz großen Enttäuschungen der letzten Saison, als sie mit 7-8-1 Bilanz die Playoffs verpassten. Doch die sportliche Bilanz war nur der Endpunkt einer mehrere Jahre andauernden, mittlerweile in allen Facetten exzellent dokumentierten, Streiterei zwischen Head Coach Mike McCarthy und QB Aaron Rodgers. Letztendlich kostete das McCarthy noch vor Saisonende den Kopf. Weiterlesen

Green Bay Packers in der Sezierstunde

Die Green Bay Packers können nur hoffen, dass das Ende ihrer Titelträume 2014 heilende Wirkung hat – dass sie Head Coach Mike McCarthy von seinem Kickerfetisch befreit. Selten, nein: Nie, wurde eine Mannschaft derart im Alleingang von ihrem eigenen Chef aus dem Titelrennen gecoacht wie die Käsköpp im Conference-Finale in Seattle.

Mike McCarthy ist eine tragische Figur. Im Tagesgeschäft muss der Mann sehr gute Arbeit leisten, denn es ist auch als Cheftrainer einer von QB Aaron Rodgers angeführten Mannschaft nicht selbstverständlich, jedes Jahr in Titelnähe mitzuspielen. Und darum geht es in der von Salary-Cap und sozialistischer Umsatzverteilung geprägten NFL: Einen Kader zu bauen, ein Team zu coachen, das mit den besten mithält.

Über den Rest entscheiden bekanntlich Kleinigkeiten, über die Kontrolle zu gewinnen schwierig ist. Schwierig ist jedoch nicht unmöglich. Es gibt Stellschrauben, an denen man drehen kann. Es gibt Faktoren, die man für sich nutzen kann. Aus einem Zentimeter Entfernung den Weg in die Endzone zu suchen ist eine von ihnen.

Mike McCarthy ließ alle Gelegenheiten verstreichen bis es zu spät war. Hernach butterte er seinen Backup-Tightend in den Boden, weil dieser nicht nutzen konnte, worüber es eh keine Kontrolle gibt – kullernde Eier.

Aber McCarthy scheint lernfähig zu sein. Nach der Saison gab er seine Aufgabe als PlayCaller in der Offense ab. McCarthy will sich künftig verstärkt um die strategische Ausrichtung im Team kümmern – und um die Special-Teams. Dort kann McCarthy den ganzen Tag lang Fieldgoals trainieren lassen ohne größeren Schaden anzurichten. Weiterlesen

NFL Vorschau 2014 – Green Bay Packers & Seattle Seahawks

Football!

Die NFL ist zurück und wird wieder viele, viele besser nutzbare Abende in Beschlag nehmen und blabla Opportunitätskosten – NBC´s Sunday Night Football hat ihren Theme Song schon mit Bedacht gewählt.

Zum season opener bei NBC heute nacht reisen die Green Bay Packers zum Titelverteidiger Seattle Seahawks. Die Seahawks machten seit dem Amtsantritt von Pete Caroll den Eindruck einer Studenten-WG. Sie hatten unglaublich viel Spaß, waren best buddies und hatten zum Schluß die beste Zeit ihres Lebens. Wilde parties, beste Freundschaften und am Ende ein toller Abschluß sind Dinge, die ihnen niemand jemals wird nehmen können. Trotzdem müssen sie jetzt erwachsen werden.

Es ist vielleicht etwas langweilig, aber sie brauchen mehr Struktur und Ordnung. Aus ihrer wild zusammengeschustertem WG müssen sie in eine richtige eigene Wohnung umziehen. Ihre Talent, ihren Ehrgeiz, Willen und Zielstrebigkeit müssen sie aus dem Studium in ihren ersten richtigen Job mitnehmen. Die Packers der Ära Mike McCarthy/Aaron Rodgers sind schon dort, im mid-level management sozusagen, aber hängen da auch irgendwie fest. Weiterlesen

Green Bay Packers in der Sezierstunde

Stat Line 2012

Record        11-5    DP
Enge Spiele    4-4
Pythagorean   10.5    (7)
Power Ranking   .593  (5)
Pass-Offense   6.6   (12)
Pass-Defense   5.7    (7)
Turnover        +7

Management

Salary Cap.
Free Agents.

Merkwürdig unscheinbare Saison für die Green Bay Packers 2012/13: Man war trotz Verletzungsplage und Eindimensionalität mal wieder 11-5 und galt bei vielen Experten als leichter Favorit im Playoff-Viertelfinale in San Francisco, aber nach dem sang- und klanglosen Ausscheiden dort weiß niemand so recht, was man mit der abgelaufenen Packers-Saison anstellen soll.

Etwas ironisch mag sein, dass der so erfolgreiche Head Coach Mike McCarthy ausgerechnet in der abgelaufenen Saison erstmals wirklich am Radar war – und nicht immer im positiven Sinne. Stark für den Trainerstab spricht, dass das Team zusammengehalten wurde, selbst nach der fragwürdigen Klatsche in Seattle, als die Saison schon früh am seidenen Faden hing. Aber McCarthy zeigte im Saisonverlauf in regelmäßigen Abständen völlig bizarres PlayCalling, sprang bei einer geschwartzten Challenge von der Schippe, und wirkte generell weniger souverän als in anderen Jahren. Ist das ein Problem? Vielleicht nein, aber es waren genügend überdenkenswerte Entscheidungen McCarthys dabei, dass ich McCarthy ab sofort stärker aufm Radar habe.

GM Ted Thompson bleibt dagegen der Alte: In der Offseason wird wenig Wirbel am Transfermarkt gemacht (höchstens durch Abgänge), und man scheint mal wieder alle Ressourcen in den Draft zu stecken. Und man wird QB Aaron Rodgers den teuersten Vertrag der NFL-Geschichte geben müssen, ein Kontrakt, der ca. 16-20% vom Salary Cap frisst.

Die Offense

Persönlich fand ich Rodgers erneut fantastisch: Hielt eine erodierende Offense zusammen, und auch wenn die Effizienz-Stats (6.6 NY/A) im Vergleich zu anderen Rodgers-Saisonen ein krasser Ausreißer nach unten waren, haste beim Zuschauen stets 100%iges Vertrauen, dass Rodgers das Richtige macht, wenns drauf ankommt. So weit der persönliche Eindruck, aber ich vernahm in einem Podcast von Greg Cosell durchaus auch Kritik an Rodgers: Laut Cosell ließ er brutal viele Plays auf dem Feld, verpasste offene Receiver und war ganz einfach nicht der alte Rodgers. Für ein ausgedehnteres All-22 Studium fehlte mir bislang die Zeit, aber nach den wenigen gesammelten All-22 Eindrücken kann ich Cosells Meinung nicht bestätigen. Aber immerhin: Wenn Cosell sowas sagt, ist es wahrscheinlich, dass was dran ist.

Nun kann man immer sagen „logisch, dass Rodgers viele Plays am Feld lässt. Die Packers spielen ja auch eine gefühlte 90:10 Pass/Lauf-Ratio. Bei so vielen Pässen fallen qua Natur viele zu Boden“. Damit ist auch eines der Charakteristika von Green Bays Angriff schnell beschrieben: Er läuft über die Luft, und zwar ausschließlich. Laufspiel wird häufig noch nicht mal als Ablenkungsmanöver eingestreut.

Viele Pässe, viele benötigte Wide Receivers: Nach dem Rücktritt von Driver und dem Abgang des zu teuren Jennings verbleiben drei primäre WRs: Jordy Nelson, James Jones und die Allzweckwaffe Randall Cobb. Gepaart mit dem unkonstanten, aber wenn motiviert brillanten TE Jermichael Finley ist das ein wunderbares Quartett, aber es ist nicht mehr vollkommen: Der Packers-Angriff braucht als Minimum diese Leute, besser wären noch 1-2 Wideouts mehr. Jennings‘ anerkannt präzises Routenlaufen dürfte vermisst werden. Sofern man den jungen WRs Boykin und Ross nicht über den Weg traut, gehe ich davon aus, dass Thompson irgendein Karnickel in der zweiten oder dritten Draftrunde aus dem Hut zaubert. Was mit dem zweiten Tight End nach dem Abgang des vollkörpertätowierten Monsters Crabtree wird, bleibt auch abzuwarten.

Möglichst viele Receiver sind für Rodgers auch stets ein Schutzmittel und eine Verstärkung der Pass-Protection (weil extremstes Timing = schnellerer Wurf = weniger Zeit für den Passrush). Das muss in Green Bay auch sein, denn die Offense Line gilt als anerkannt wackelig. Gesetzt ist die rechte Seite mit RG Sitton und RT Bulaga, aber auf Center (Saturday tart zurück) und der linken Seite (LG Lang gilt als Wackelkandidat, LT Newsome möchte man lieber heute als morgen ersetzen) besteht Nachbesserungsbedarf. Der vor zwei Jahren gedraftete LT Sherrod war bisher mehr verletzt und es mehren sich die Stimmen, dass Newsome es in der NFL nicht mehr packen könnte.

Schließlich das Laufspiel: Green Bay kommt ganz gern mit Jungs vom Straßeneck aus, weil ein teurer Back eh nur verschwendte Kohle in diesem System ist. Das ist gut und recht, und Leute wie DuJuan Harris oder Alex Green zeigten schon den einen oder anderen faszinierenden Lauf oder wenigstens Kampfgeist in engsten Lücken. Aber wirklich verlässliche Leute sind das nicht. Niemand erwartet allerdings, dass Thompson vor der vierten Runde auf RB-Suche geht – wenn überhaupt.

Defense

Die Packers-Defense war letztes Jahr besser als 2011/12, aber sie ist immer noch stark abhängig von erzwungenen Turnovers, und es gibt noch Luft nach oben. Dazu kommt, dass nach dem Abgang der Lieblings-Schachfigur von DefCoord Dom Capers, Charles Woodson, wohl eine kleine Systemumstellung weg von dieser eigenartigen 2-4-5/3-4 Defense folgen wird.

Beginnen wir in der Defensive Line, die einige Wünsche ob der Kadertiefe offen lässt: B.J. Raji und der alternde Ryan Pickett (wird 34) sagte man zuletzt wieder ein besseres Jahr nach, aber hinter den beiden gibt es Waale: DT/NT Jerel Worthy erlitt eine schwere Verletzung und wird nicht sicher fit. Mike Williams gilt maximal als role player und wenn man bedenkt, dass Green Bay in spätestens einem Jahr entweder Raji oder Pickett (beide haben nach 2013 auslaufende Vertäge, Pickett wie geschrieben ist alt) oder beide ziehen lassen muss, wäre ich über die Einberufung eines massiven Defensive Liners wie John Jenkins oder Jesse Williams nicht überrascht.

Bei den Linebackers gibt es Gegensätze zwischen außen und innen: „Außen“ bei den OLBs gibt es mit Clay Matthews und Nick Perry zwei großartige Passruher (Perry hatte als Rookie aber mit vielen Verletzungen zu kämpfen, die wenigen Eindrücke wurden aber unisono hochgejubelt), aber null Tiefe. „Innen“ gibt es viele Jungs mit Potenzial, aber keinen Superstar. Die beiden bekanntesten Leute sind A.J. Hawk und Desmond Bishop. Ersterer ist vor allem mit der Kohle, die QB Rodgers kassieren wird, spätestens nächstes Jahr ein wandelndes Salary-Cap-Problem. Letzterer hat häufig mit Verletzungen zu kämpfen. Ich erwarte 1-2 Picks für die OLB-Tiefe, aber Inaktivität bei den ILBs.

Die Cornerbacks dürften rundum zufrieden stellen: Williams/Shields wurde ein gutes Jahr nachgesagt, CB Casey Hayward galt lange Zeit als Kandidat für den Defensiv-Rookie des Jahres und definiert sich sowohl als guter Deckungsspieler als auch als Gefahr für Interceptions, und machte auch schon erste Erfahrungen mit richtigen #1-WRs, dahinter Leute wie House oder Bush als vierte und fünfte Optionen (und Versicherung gegen Verletzungen) – datt stellt zufrieden.

Bei den Safetys dürfte nur Burnett gesetzt sein. S Sean Richardson soll im Trainerstab hohes Ansehen genießen. S M.D. Jennings schaffte es in Seattle nicht mal, die entscheidende Interception gegen Golden Tate zu fangen… okay, der war böse. Burnetts Vertrag läuft 2014 aus und dürfte nicht billig werden – einen Rookie-Safety sehe ich schon nach Green Bay gehen.

Ausblick

Gemessen an dem, was McCarthy und Co. spielen wollen, ist der Kader richtig stark besetzt. Die größten Baustellen für den Draft sind IMHO:

  • Defensive/Nose Tackle
  • Ergänzungsspieler auf Wide Receiver
  • Linke Seite Offense Line
  • Safety
  • Center

Es wäre gegen alles bisher von Thompson gezeigte, wenn die Packers plötzlich mit einem hohen Pick einen Runningback holen würden. So oder so wird die Mannschaft mit einem gesunden Rodgers in der Shotgun-Formation selbst in der knackigen NFC ein Superbowl-Anwärter bleiben.

NFC Divisional Playoffs 2011/12 – Vorschau Giants/Packers

NFC Divisional Playoffs 2011/12 – New York Giants (10-7) @ Green Bay Packers (15-1)

[Sonntag 22.30Uhr auf ESPN America, Sport1+ und PULS4; kommentiert (über FOX) von Joe Buck, Troy Aikman, Pam Oliver und Chris Myers]

Der Außenseiter New York Giants tritt an einem Sonntagabend im Januar gegen die Green Bay Packers in deren Lambeau Field an. Eli Manning hat mal wieder eine sehr, sagen wir mal “abwechslungsreiche” Saison hinter sich, mit vielen Höhen und Tiefen. Head Coach Tom Coughlin ist zwischenzeitlich von den New Yorker Medien und Fans abgesägt worden, nachdem es lange so aussah, als würden die G-Men die Playoffs verpassen. Am Ende hat Eli glücklicherweise doch noch seine Form gefunden und wurde dabei kräftigst von seinen beiden Top-RBs Ahmad Bradshaw und der Dampfwalze Brandon Jacobs unterstützt. Und auf der anderen Seite des Balles natürlich von der bärenstarken D-Line um Justin Tuck und Osi Umenyiora.

Die Giants können gegen den ligaweiten Quarterback-Liebling der Packers lange mithalten und Head Coach Mike McCarthy findet nicht so recht ein Mittel, um seinen Angriff mal so richtig ins Laufen zu bringen. Außer Donald Driver sind alle WR abgemeldet und RB Ryan Grant rennt mehr rück- und seitwärts als nach vorne. Das Spiel ist tough und eng und geht schließlich bei einem windchill von -33°C in die Overtime.

Dort wirft Green Bays Quarterback, der während der Saison viel weniger Interceptions als sonst geworfen hat, direkt in die Arme von CB Corey Webster. (Die viel kritisierte Secondary der Giants hat ein großartiges Spiel gemacht; wenn man den 90-Yard-Paß zu Driver abzieht, hat Green Bays Rekord-QB nur 146 Pass-Yards auf dem Tacho gehabt.) Kicker Lawrence Tynes verwandelt den FG-Versuch und Big Blue gewinnt.

Diese Interception im NFC Championship Game 2007 war der letzte Paß, den Brett Favre im Trikot der Green Bay Packers geworfen hat. Wenn man Favre durch Aaron Rodgers ersetzt und in der Giants D-Line Michael Strahen gegen Jason Pierre-Paul tauscht, kann man die ersten drei Absätze fast genauso stehen lassen für das Aufeinandertreffen von Cheeseheads und G-Men. Dieses Matchup ist wie ein Vergleich zwischen einem gut geölten schnittigen Sportwagen und einem großen, dreckigen und geländeerprobtem SUV.

Der schicke Sportwagen

Im Gegensatz zu den Patriots und Saints, die ihre explosiven Offenses auf kreativen Taktiken und auf jeden Gegner speziell zugeschnittenen Game Plan aufbauen, basiert der Erfolg des Packers-Angriff um Aaron Rodgers auf perfekter Execution. HC McCarthy bastelt nicht in stundenlanger Kleinarbeit etwas unglaublich Kreatives zusammen, sondern setzt darauf, daß Rodgers seine Lieblingsplays ein ums andere Mal perfekt ausführt und milimeter genaue Pässe wirft. Rodgers erinnert in dem Sinne an Peyton Manning. Bei Manning wissen auch immer alle, was kommt und trotzdem kann man es kaum verteidigen, weil es perfekt ausgeführt wird.

Bei Rodgers und auch Manning sind das vor allem zwei Pässe. Der eine ist der Paß, zwischen 10 und 20 Yards tief an die Seitenlinie, bei dem der WR in Zone Coverage am CB vorbei ist und der Ball in genau dem ganz kleinen Fenster landet, bevor der Safety zum Helfen rübergekommen ist. Ziemlich simpel, aber wenn der Paß perfekt ist, kann man das einfach nicht verteidigen. Der andere Paß ist der Ball über die Mitte zum TE oder Slot-WR, wenn dieser vertikal zwischen LB und S ist. Auch hier gilt: perfect pass beats perfect coverage. Daneben haben die Packers noch viele Drag- und Crossing-Routes im Angebot, bei denen die Wide Receivers auf verschiedenen Höhe parallel zur Line of Scrimmage laufen und Go- bzw. Post-Routes, bei denen die WR die Seitenlinie entlang laufen und dann entweder im 1-v-1 gegen den CB geradeaus weitermarschieren oder zur Spielfeldmitte hin abbiegen und sich den Safety vorknöpfen.

Im Gegensatz zu den einzig beiden anderen Offenses, die in Sachen Produktivität mit Green Bay mithalten können – New England und New Orleans – spielen die RBs und TEs keine besondere Rolle im Spiel der Packers. Mehr als Dumpoffs bekommen die RBs James Starks und Ryan Grant nicht und TE Jermichael Finley ist entgegen allen Erwartungen lange nicht auf dem Niveau eines Rob Gronkowski oder Jimmy Graham. Sondern eher sowas wie ein Vernon Davis light.

Auch das Laufspiel hat mehr die Funktion, Aaron Rodgers´ Arm zu schonen. Mit 3,9 Yards/Carry taugt es nur zum Feigenblatt und kann nicht helfen oder gar mal was rausreißen, wenn das Paßspiel aus welchen Gründen auch immer mal ins Stottern kommt. Es steht und fällt alles mit Rodgers´ execution der Passing Plays. Mit Greg Jennings und Jordy Nelson hat er aber dankenswerterweise eine erstklassige 1-2-Combo und mit James Jones und Donald Driver auch noch gute dritte und vierte Optionen.

Ebenso hübsch und attraktiv wie die Offense ist die Defense – auch wenn diese nicht mehr ganz so sexy ist, wie in den letzten beiden Jahren. Es ist alles schön anzusehen: DC Dom Capers hat tolle Zone Blitzes im Angebot, mit Clay Matthews hat man einen tollen langhaarigen und auffälligen Pass Rusher und mit Charles Woodson einen Playmaker, der überall beliebt ist wie früher Brett Favre. Aber diese Saison hat gezeigt, daß man an der funkelnden Karosse noch lange nicht erkennt, was unter der Motorhaube steckt.

Die Defense war nach Yards tatsächlich noch schlechter als die New Englands, durch die vielen Turnovers – sagenhafte 31 Interceptions – ist man nach Punkten immerhin noch auf Rang 19. Aber wenn man böswillig ist, kann man auch behaupten, daß gerade Woodson seine Interceptions nur noch gegen Rookies oder schlechte Quarterbacks macht. Oder daß Matthews mittlerweile mehr durch seine Haare auffällt, als durch Sacks.

Besonders schwach ist die Front Seven der Packers. Besonders das Spiel gegen den zweiten Anzug der Bears bleibt hier in schlechter Erinnerung. Der Held der letzten Saison, B.J. Raji, zieht hier besonders große Kritik von professionellen Beobachtern wie ProFootballFocus auf sich. Wie dem auch sei, DC Capers weiß offenbar um die individuellen Schwächen seiner Spieler (und um die Stärke der Offense) und läßt daher wohl ganz bewußt eine Boom-or-Bust-Defense spielen. Will heißen: wir wollen den Turnovers und pfeifen auf die Yards. Wenn wir uns statt dem Turnover ein Big Play fangen – so be it. Rodgers kann schneller einen Touchdown machen, als die andere Offense zum Gatorade gegriffen hat. Bekommen wir aber den Turnover, ist das Spiel ganz schnell vorbei. Riskant, aber – noch – erfolgreich.

Der große, dreckige Jeep

Besonders mit der beeindruckenden Leistung der letzten Woche gegen Atlanta im Hinterkopf werden die Giants wohl versuchen, mit ihrem kräftigen Laufspiel die schwache Front Seven der Packers in Grund und Boden zu rammen. Wenn Brandon Jacobs – 1,92m, 120kg – in seinen alten Bulldozer-Modus schaltet, kann er über jeden Verteidiger der Packers hinwegtrampeln. Auch Ahmad Bradshaw kann mit der großen, dicken O-Line vor sich immer wieder Yards und 1st Downs herausholen. Das Ziel der G-Men sollte sein, ihr Laufspiel zu etablieren (3 Euro ins Phrasenschwein), lange Drives am Leben und Rodgers damit an der Seitenlinie zu halten.

Wenn das nicht klappt (oder als zusätzliche Stärke) kann Eli Manning, der spätestens seit dieser Saison jetzt wirklich den Nickname Elite verdient hat, auf zwei grundsolide WR mit Hakeem Nicks und Mario Manningham vertrauen, hat mit Victor Cruz jemanden, der immer für ein Big Play gut ist und in TE Jake Ballard so etwas wie einen Edeljoker – unbekannt, aber zuverlässig und wuchtig wie sonst nur der große, böse Gronk.

Auch die Defense New Yorks ist wenig spektakulär und kreativ, aber grundsolide sowie kratzbürstig, aggressiv und unnachgiebig. (Komischerweise immer nur in den wichtigen Spielen und in den Playoffs, aber die seltsam unmotivierten Novemberauftritte müssen uns ja jetzt nicht mehr kümmern. Bis zum nächsten November.) Die Defensive Line ist mit das Beste, was man in der NFL bestaunen kann. Jason Pierre-Paul, Justin Tuck und Osi Umenyiora können jedem Offensive Tackle im Paß- wie auch Laufspiel das Leben zur Hölle machen und bleiben durch das viele Rotieren auch frisch bis ins letzte Viertel. Die Defensive Tackles Chris Canty, Rocky Bernard und Allzweck-Backup Dave Tollefson komplettieren das Ganze und als Gruppe stehen sie zeitweise der gegnerischen Offensive Line gegenüber wie ein Hummer einem Käfer.

Hinter diesem Prunkstück sieht das LB-Corps etwas rostig aus, steht aber in Sachen Toughness in nichts nach. Spielerisch sind da einige Schwächen, aber außer Jermichael Finley, der nicht gerade Mr. Zuverlässig ist, haben die Packers nicht die Spielertypen (vor allem RBs), die daraus besonders viel Kapital schlagen sollten.

Sollte die D-Line gegen eine mäßige O-Line der Packers mit vier Mann Druck auf Rodgers ausüben können, hat auch die Secondary eine gute Chance, mit weniger als vier Touchdowns davonzukommen. CB Corey Webster hat sich heimlich, still und leise zu einem der besten Cover Guys der Liga gemausert; Aaron Ross (wieder fitt, nachdem er letzte Woche verletzt auf die Bank mußte) ist ein fähiger Nr.2-Corner. Gegen die Packers wird Big Blue wahrscheinlich sehr viel Nickel- und kaum Base-Defense spielen. Rookie Prince Amukamara, der viel schlechter spielt, als alle erwartet haben, wird einige Möglichkeiten als Nickelback bekommen. Und je nachdem, wie er sich da macht, wird Antrel Rolle entweder viel oder sehr viel als NB spielen. Rolle ist ein komischer Spieler, der sehr kräftig ist und stark an der Line of Scrimmage gegen den Lauf spielt. Weil er aber auch einigermaßen passabel im Paßspiel verteidigen kann ist er sowas wie ein Zwitter aus Nickelback, Linebacker und Safety in New Yorks sogenanntem Big-Nickel-Package. [edit 9:45Uhr: in der ersten Version dieses Artikels habe ich Antrell Rolle mit Deon Grant verwechselt. Grant wird die Safety-Position von Rolle im Big-Nickel-Package übernehmen.]

Dieses Spiel ist fraglos ein würdiger Abschluß der Divisional Round am Sonntag abend. Alles in allem treffen die Packers mit ihren starken, aufregenden Spielern, die alles besonders schön machen, auf Spieler, die alles besonder tough machen und durch Willen und Aggressivität ihre Spiele gewinnen. Im Grunde alles so wie damals 2007, an einem der kältesten Januartage aller Zeiten in der Frozen Tundra.

Mit den Green Bay Packers aufs Wiesenfest

Der Titelverteidiger ist jedes Jahr automatisch ein Titelfavorit in der NFL – allein, eine direkte Wiederholung eines Titelgewinns passiert sehr selten in der Superbowl-Geschichte. Trotzdem proklamiert fast jeder in diesem Sommer: Die Packers sind der NFC-Topfavorit. Die Gründe sind klar: Ein immer noch im Kern junges Team, ein sensationeller Quarterback und ein Kader, der kaum verändert wurde.

Ich kann mich nicht erinnern, dass in den letzten sieben, acht Jahren jemals über einen Trainer, der die Superbowl gewann, so wenig gesprochen wurde, wie über Green Bays dicklichen Head Coach Mike McCarthy. Sogar DefCoord Dom Capers bekam mehr Schlagzeilen als der Head Coach, was die grundsolide Arbeit in Green Bay jedoch nicht schmälern soll: McCarthy und GM Ted Thompson hatten vor drei Jahren die Eier, die Legende Brett Favre abzusägen und auf den Diamanten Aaron Rodgers zu setzen, und nahmen dafür eine Hasswelle quer durch Fan- und Medienlandschaft in Kauf.

Der Superstar und seine Offense

QB Aaron Rodgers spielte eine phänomenale Saison 2010/11, inklusive ziemlich außerirdischer Playoffs mit zwei fulminanten Vorstellungen gegen Atlanta und Pittsburgh. Rodgers ist der Mann, um den die gesamte Offense gebaut ist und ich übertreibe nicht mit der Behauptung, dass Rodgers neben Peyton Manning wohl wie kein Zweiter die Offense seiner Mannschaft ausmacht. Wer sehen will, was Coolness in der Pocket und blindes Verständnis mit den Ballempfängern bedeutet: Bitte Tape von Rodgers und den Packers anschauen.

Dabei ist es sogar noch wurscht, dass die Offensive Line nicht mal allzu gut ist und demnächst altersbedingt einige Änderungen durchlaufen wird. Rodgers bewegt sich so frappierend souverän, dass gelegentlich schwaches Blockspiel gar nicht auffällt. Ach, und: Rodgers kann auch scrambeln. Ich würde sagen, besser als ein Vince Young.

Ein sehr interessanter Mann ist auch Backup-QB Matt Flynn, der stilistisch wie eine 1B-Variante von Rodgers aussieht und der über fantastisches Coaching und Mentoring verfügt haben dürfte. Flynn zeigte bei wenigen Einsätzen für den hin und wieder für Gehirnerschütterungen anfälligen Rodgers großartiges Potenzial.

Die Ballfänger sind sehr breit aufgestellt. Haupt-Anspielstationen sind WR Greg Jennings, dessen Präzision beim Laufen designter Routen ligaweit unerreicht sein dürfte, WR Donald Driver, das Football-Analog zum alten Wein, und vor allem TE Jermichael Finley. Finley war in der Vorsaison überwiegend verletzt auf der Bank, aber der Mann ist der Tight End schlechthin. Ohne gegen die Größe eines Antonio Gates stänkern zu wollen: Wer einen fangstarken Tight End sucht, wählt Finley.

Dazu kommen die quicken Slot-Männer wie die drop-anfällige WRs Jordy Nelson oder James Jones, die beide im Kader bleiben durften trotz einiger Auf und Abs, und der sehr interessante Rookie Randall Cobb, ein toller, vielseitiger Wide Receiver aus Kentucky, dessen ersten Einsätzen ich bereits jetzt entgegenfiebere.

Weniger orgiastisch kann man über das Laufspiel erzählen. RB Ryan Grant durfte trotz einer schweren Verletzung im Kader bleiben und war jahrelang der Einser-Back, gilt aber als Profiteur der Pass-Offense und insgesamt zu mittelmäßig. Grant muss aufpassen, um nicht von den jungen RBs Alex Green und James Starks überholt zu werden. Generell gilt jedoch: Laufspiel wird nur zur Ablenkung eingesetzt – normalerweise wird hier geworfen bis zum bitteren Ende.

Die Defense und ihre Schachfiguren

So großartig Rodgers spielte, die Packers verfügen unter dem Defensive Coordinator Dom Capers über einen ebenso starke Defense, die mit ihrem 3-4 unspektakulär daherkommt, aber gegnerische Angriffsreihen langsam und kaum spürbar lähmt und somit abwürgt. Die Defensive Line dürfte nach dem Abgang von DE Cullen Jenkins einen wichtigen Anker verloren haben, aber mit NT B.J. Raji und DE Ryan Pickett stehen die beiden zuverlässigsten Liner noch im Kader. Man darf sich allerdings ob der fehlenden Tiefe durchaus fragen, ob man nicht zumindest den enttäuschenden ehemaligen hohen Pick DE Justin Harrell hätte behalten können.

Hinter einer derart guten Offense Line muss es für Linebackers ein Vergnügen sein. Zwar ist mit MLB Nick Barnett der Chef gegangen, aber Barnetts Backup Desmond Bishop bewies Nehmerqualitäten und soll der neue Eckpunkt neben dem als mittelmäßig verschrieenen A.J. Hawk sein. Über den spektakulären OLB Clay Matthews ist bereits viel geschrieben worden – Matthews ist ein schwer zu bremsender Pass Rusher, ein unkompletter Spieler, aber trotzdem pro Spiel mit drei Plays, die das Spiel potenziell wenden können.

In der Secondary spielen die Packers Schach wie kaum eine zweite Mannschaft, mit den Einser-Cornerbacks Sam Shields und Tramon Williams, denen Capers voll zu vertrauen scheint – so voll, dass der alternde Charles Woodson immer mehr als eine Art Freelancer eingesetzt wird, ein Freigeist wie ansonsten nur noch Polamalu in Pittsburgh. Woodson ist ein kompletter Spieler, der häufig auf Blitzes geschickt wird, aber auch großartig in der Deckung ist, jedoch nicht mehr als Shutdown Corner á la Revis gilt. Ach ja, und dann gibt es noch den Safety Nick Collins, der bei Madden ein Gesamt-Rating von 95/99 bekam, wofür Madden meines Wissens von bislang keiner Seite kritisiert worden ist.

Ausblick

Der Kader wurde gegenüber 2010 kaum verändert und nur mit wenigen Spielern und Rookies ergänzt. Eine „logische“ Strategie, aber es passiert selten, dass solche Mannschaften nicht einen leichten Abwärtstrend erleben, zumal als Titelverteidiger. Green Bay ist für mich nicht der Titelfavorit #1, dürfte aber trotz der starken NFC North wieder im Playoffrennen mitmischen können – und wenn Rodgers und seine Crew wieder einen solchen Lauf kriegen…

Der Schedule ist nicht ohne Hindernisse (Bin ich übrigens der einzige, der sich wundert, dass Green Bay ganze viermal in der Primetime – plus einmal um 18h30 MEZ zu Thanksgiving – spielen darf?):

Wk #1 vs Saints (Season Opener)
Wk #2 @Panthers
Wk #3 @Bears
Wk #4 vs Broncos
Wk #5 @Falcons (SNF)
Wk #6 vs Rams
Wk #7 @Vikings
Wk #8 BYE
Wk #9 @Chargers
Wk #10 vs Vikings (MNF)
Wk #11 vs Buccaneers
Wk #12 @Lions (Thanksgiving)
Wk #13 @Giants
Wk #14 vs Raiders
Wk #15 @Chiefs
Wk #16 vs Bears (SNF)
Wk #17 vs Lions

Wenn alle Stricke reißen, hat man am Saisonende zweimal ein Heimspiel gegen die eigene Division – ein leichter Vorteil im Playoffkampf.

Das Zeiteisen verrät: 552 Minuten verbleiben. WordCount zur Hälfte der Preview-Serie: 15206. (50% der Teams abgearbeitet, 46% des Zeitbudgets verbraucht)

Super Bowl 2011: Pittsburgh Steelers – Green Bay Packers

Am nächsten Morgen

Ein paar unsortierte Gedanken noch zum Spiel:

WR Jordy Nelson mit einem komischen Spiel. 9 Catches für 140yds schaut großartig aus und ist es auch. Aber Nelson hatte auch drei verblüffende Drops, mindestens zwei davon schmerzhaft, weil sie Drives gekillt oder Touchdowns gekostet haben. Spricht dafür, wie fantastisch der GamePlan der Packers war, dass es trotz dieser Individualfehler so krasse Stats hagelte.

DE Howard Green war mitentscheidend. Null Tackles, null Sacks. Aber Green war dafür verantwortlich, dass Roethlisbergers Pass im ersten Viertel zu kurz geraten ist, abgefangen und zum TD returniert wurde.

OLB Clay Matthews hat das Defensiv-Duell mit Troy Polamalu klar gewonnen. Ich hätte Matthews sogar in den MVP-Mix geworfen. Er war dafür verantwortlich, dass Pittsburghs Momentum drehte. Erst mit einem Energieanfall (abgefälschter Pass) und dann mit dem provozierten Fumble. Green Bay macht den TD und hatte 11 Punkte Vorsprung.

Ich wundere mich immer noch, warum Green Bay kurz vor Schluss nicht auf Touchdown gegangen ist. Sie hätten das Spiel eingetütet gehabt. Oder bei drei Punkten hätte Pittsburgh zum Sieg genau das Gleiche benötigt (Touchdown). Ich hätte ausgespielt. Aber letztlich war es egal.

Ich bleibe dabei: Pittsburgh hat das Spiel entscheidend mit-vergeigt. Drei Turnovers, von denen mindestens zwei nicht notwendig waren. Aber auch: Optische drückende Überlegenheit in den ersten 15-17 Minuten der zweiten Halbzeit. Daraus entsprangen 7 Punkte. Das war zu wenig. Die Big-Ben-ist-so-gut-wie-Brady-Rufe werden erst mal verstummen.

Und ich hätte gerne nochmal den Nelson-Catch im letzten Touchdown-Drive der Packers gesehen. Der, als Nelson rechts draußen am Boden den Ball gefangen hat. PIT hatte noch eine Challenge und ein Timeout. Ich denke, eine Challenge wäre es wert gewesen, da der Ball ziemlich Bodenkontakt zu haben schien. Stattdessen hatte Green Bay ein 1st down (statt Punt), und ein paar Plays später den Touchdown.

Lingerie Bowl VIII: Los Angeles Temptation 26, Philadelphia Passion 25.

Ah ja. Frau Aguilera nach dem Gekreische samt falschem Hymnentext:

I can only hope that everyone could feel my love for this country and that the true spirit of its anthem still came through.

True spirit. Meine Fresse. Die NFL täte seit Jahren gut daran, etwas weniger extravagante HymnensängerInnen aufzubieten. Das war nur die Spitze allen Übels heute Nacht.

Nach dem Spiel

[04h38] Ein paar Positives:

Die Saison ist zu Ende. Ganz ehrlich. Es wurde Zeit. Wenn du freitags und samstags nicht schläfst und dann sonntags bis 3-4h morgens Football schaust… Das schlaucht irgendwann.

Das Spiel. War nicht hochklassig, aber spannend bis zum Schluss. Und hat mir mit dem Ergebnis noch einen positiven Playoff-Record verschafft: 6-5, nach 3-5 vor den Conference Championships.

Die TV-Kanäle. Auch ganz ehrlich. Ich habe teilweise ARD verfolgt und ich fand es wie schon geschildert recht angenehm. Witte/Froberg ließen am Ende etwas nach. Aber dafür gab’s die Italiener. Rattenscharfes HD-Bild und eine Kommentatorenkabine, in der es so hoch herging wie seit dem WM-Halbfinale 2006 nicht mehr. Ugo Francisco Nava wird seine Stimme nun 1-2 Tage schonen müssen.

[04h32] Ein paar Negatives:

Offizielle Zuschauerzahl: 103.219 und damit kein neuer Rekord für Superbowls. Als Blamage darf man ruhig die Aktion werten, dass die NFL Tickets für nicht vorhandene Plätze verkaufte.

Die Hymne, Baby. Nicht nur das haarsträubende Geschrei von Mrs. Aguilera. Nope, Aguilera hat auch noch den falschen Text gesungen.

Die Siegerehrung. Wie jedes Jahr. Mit dem Stil der Amis, den Sieger zu prämieren, werde ich nicht warm.

[04h26] Man Of The Day: Ted Thompson, GM der Packers, derv or drei Jahren Favre rausgeekelt hat und Rodgers installierte. Thompson musste dafür erhebliche Hasstiraden ausstehen, aber Fakt ist: Rodgers hat nach 3 Jahren genauso viele Titel für Green Bay gewonnen wie Favre in seinen 16 Jahren Packers.

[04h19] Aaron Rodgers ist MVP. 426 PS für Rodgers.

Mark Murphy nimmt die Trophäe entgegen. Der CEO. As expected. Gerade hält McCarthy die Siegerrede. Trocken, dass der Staub aufgeht.

Das vierte Viertel

[04h05] Endstand Green Bay 31, Pittsburgh 25. Incomplete. Green Bay ist Superbowl-Champ. Und bitte sofort einen Herzschrittmacher in die La7-Zentrale!

Green Bay gewinnt die Super Bowl XLV, weil sie opportunistischer waren. 3 Turnovers erzwungen und daraus das Maximum gemacht: 3 Touchdowns. 21 Punkte. Pittsburgh war im dritten Viertel gefühlt haushoch überlegen, brachte aber nicht mehr als einen Touchdown zustande. Dann folgte der Fumble, weswegen OLB Matthews (nachdem er schon zuvor einen Drive per Energieanfall getötet hatte) im Prinzip den MVP-Titel verdienen könnte. Aus dem Fumble machte Green Bay den Touchdown.

Angesichts der massiven Verletzungen ist Green Bay der Titel absolut zu vergönnen. Nicht nur über die Saison viele Verletzungen. Auch heute: WR Driver, CB Shields und vor allem CB Woodson haben über weite Strecken massiv gefehlt.

Die Packers haben das Spiel trotzdem gewonnen. Aber Pittsburgh hat es ihnen zu einem großen Teil in die Hände gelegt.

[04h02] 1:55 Minuten für PIT. 1 Timeout. 87 Yards. Für die Overtime braucht es einen Touchdown und einen Shame-Suisham-Moment. Mit TD + P.A.T. gewinnt Pittsburgh. Alles andere bedeutet: Sieg Green Bay. Hoffentlich hält die Stimme des Kommentators.

[03h57] Green Bay 31, Pittsburgh 25. 2:07 vor Schluss ein FG, nachdem die Packers nahe der Goal Line das 4th down nicht ausspielen. Ich hätte ausgespielt. PIT hätte immer einen Touchdown zum Sieg gebracht. Jetzt ist es halt so, dass PIT einen TD machen MUSS. Wilder Drive, u.a. einem fantastischen Catch von WR Jennings nach einer Slant-Route.

[03h45] Green Bay 28, Pittsburgh 25. TD #17 Wallace,… und bei La7 kriegt einer gleich einen Herzinfarkt nach handgestoppten zweieinhalb Minuten Jubelarien.

Green Bay wirkte phasenweise etwas „Bend but don’t break“. Kaum Druck für Roethlisberger und ziemlich viel Platz für die Receivers. Erstaunlich, bei fast 10mins to go. Und dann ein einfacher Pass halblinks raus, und Wallce kann durchlaufen. Bei der 2pt-Conversion zwei Pitches und am Ende vollendet Randle El. Es bleibt spannend.

Und der Mann hat wieder Luft gefunden. Gott sei Dank, wir wollen alle, dass es so weiter geht 🙂

[03h31] Green Bay 28, Pittsburgh 17. TD Greg Jennings, 8yds-Pass. Sekundenlange Arien in der Kommentatorenkabine von La7.

Ereignisreicher Drive. Erst macht #87 Nelson einen haarigen Catch an der Sideline zum 1st down. Tomlin lässt das Schneuztuch stecken, aber auch wenn PIT nur mehr ein Timeout hat: Ich hätte geworfen. Das war haarscharf.

Dann wieder Nelson in Aktion mit einem haarsträubenden Drop (nicht der erste heute).

Zwei Plays später macht WR Nelson doch das 1st down, und mehr: Er bricht durch an die 3yds Line. PIT wird bestraft dafür, dass sie beide CBs in Nelsons Nähe auf Blitzroute schicken. Nelson ist völlig frei und hat gegen FS Clark leichtes Spiel.

Nach Sack gegen Rodgers macht Rodgers unter Druck den Wurf in den Winkel der Endzone. 21 Punkte nach Turnovers für die Packers. Unfassbar, dass Pittsburgh nur 7 Punkte aus eineinhalb Vierteln Überlegenheit schlagen konnte.

[03h25] BIG MOVE! BIG MOVE! Von links rauscht OLB Matthews herein und prügelt den Ball mit Helm und Körperwucht förmlich aus dem Arm von RB Mendenhall. #55 Bishop nimmt den Ball auf. PIT wäre in Reichweite von Punkten gewesen.

Das dritte Viertel

Klar dominiertes Viertel von Seiten der Steelers: „Nur“ 7-0 Punkte, aber vor allem sind sie jetzt mental obenauf. Falls jemand jemals den Wert von CB Woodson infrage gestellt haben sollte: Das ist der Gegenbeweis. Seit Woodsons Aus läuft Pittsburghs Offense ziemlich geschmiert. Green Bay leistet sich aktuell vor allem viel zu viele Strafen. Nicht einfache Strafen. Saudumme Strafen.

[03h17] Na also. Gab heuer eine Serie an bizarren Entscheidungen, aber die ist IMO eindeutig richtig. Packers müssen punten. Und die 15yds-Strafe nach dem Faustschlag von Tramon Williams dürfte noch mehr weh tun.

[03h15] Und dann kommt Mike McCarthy mit dem Fehler: Lässt einen glasklar inkompletten Ball challengen. Ich fress einen Besen, wenn der Ball komplett gegeben wird.

[03h11] Im Spielbericht wird über diese beiden Drives stehen: Then both traded punts. Beide haben ihre Chance, beide kriegen den Ball nicht über die gelbe Linie. WR #17 Wallace wird zweimal in Folge übel niedergeknüppelt. Nach dem Punt mittlerweile vertrautes Bild: Mal wieder ein Packer mit einem Personal Foul (#38 Williams). Unglaublich, was machen die jetzt?

[03h01] Und Matthews macht fast das Big Play. Fälscht einen Ball ab und macht fast die INT. Danach Lauf für -4yds und Sack. Drive abgewürgt und dann schlägt „Shame“ Suisham wieder zu. Field Goal drei Kilometer links danebengeschossen. Irgendwo im vierten Rang ist grad ein Fan glücklich geworden.

[02h58] Pittsburgh marschiert. Big Ben verpasst einen kilometerweit offenen Receiver auf alleiniger Flur in die Endzone, trotzdem wird das neue 1st down gleich danach gemacht. Green Bay braucht ein Big Play. Es wird Zeit für Clay Matthews – einer muss wieder das Feuer entfachen!

[02h49] Alle Pendel schlagen grad in Richtung Steelers aus. Im 5-WR-Set kann WR Nelson einen Ball nicht kontrollieren. Ein Play später kollabiert die Pocket, #92 Harrison begräbt Rodgers unter sich. Pittsburgh kann jetzt sogar die Führung übernehmen!

[02h44] Green Bay 21, Pittsburgh 17. Green Bay hat in den Selbstzerstörungsmodus umgeschaltet. 3-4 Strafen für mehr als 30yds. Pittsburgh hat nur mehr 50yds in die Endzone – und braucht 5 Plays. Es wird gelaufen, gelaufen, gelaufen. RB Mendenhall kriegt erst die Kamera an der Seitenlinie voll dahin, wo’s richtig weh tut. Und macht ein paar Augenblicke später den TD. Ein Loch aufgeblockt, so breit wie die Autobahn zwischen München und Nürnberg.

Rekord-Comeback in der Superbowl: Ende der 80er, Redskins gegen Broncos (10 Punkte).

[02h37] Kollege im Ohr. PULS 4 kriegt starke Kritiken. Reiterer angeblich on fire. Ob die Jungs aber so Gas geben wie die italienischen Kumpels, wage ich arg zu bezweifeln.

[02h36] Green Bay kommt fehleranfällig raus. Erst eine Reihe an Strafen. Dann 3rd and 6: Rattenscharfer Ball auf WR James Jones, der durchlaufen könnte. Und den Ball durch die Finger glitschen lässt… Für die Spannung ist das gut.

[02h33] CB Charles Woodson kommt in Trainingshosen aus der Kabine und muss krätig schlucken um nicht zu weinen. Botschaft: Spiel zu Ende. Für die Packers ist das verheerend.

Halbzeit

[02h27] WR Driver, CB Woodson und CB Shields sind questionable. Hmm…

[02h25] Halbzeitshow (hab nur mit einem Auge zugesehen): Naja. Ich bin Anfang 20er, aber mein Ding ist das trotzdem nicht. Sängerisch aber besser als Christina Aguilera, die aufgrund ihrer Performance noch durch die Medien geprügelt werden wird. Nicht nur fürchterlich gesungen, sondern sogar falsch. Und irgendwo kann eine Sängerin mitfühlen…

[02h20] Ungut für Green Bay: CB Woodson und CB Shields sind vorerst ausgeknockt. Pittsburgh hat die Schwächen gegen Halbzeitende ausgenutzt. Das kann noch interessant werden.

Das zweite Viertel

[02h06] Halbzeit Green Bay Packers 21, Pittsburgh Steelers 10. Brutal wichtiger Anschluss-Touchdown kurz vor der Pause. Im Prinzip lief es lange Zeit so, dass Green Bay die Passempfänger eiskalt abdeckte und das sensationell gut machte. Das Laufspiel wurde meist im Ansatz vernichtet. Druck brauchte es nur bedingt. Im letzten Drive warf Roethlisberger schneller. WR Randle El zeigte als Erster mit seinem Rumpelstilzchen-Tanz, dass noch Leben drin ist. Dann folgte der TD.

Green Bay kriegt in Viertel #3 als Erstes den Ball. Bisher eine beeindruckende Vorstellung der Offense. Nach einem halben Viertel Suche spielten die Packers erst mit einer I-Formation, gegen Ende der Halbzeit plötzlich auf Spread Offense zu wechseln. Die Steelers mit vielen zusätzlichen Pass-Rushern, aber sie kommen nicht schnell genug durch und Rodgers findet seine Leute schnell.

Pittsburgh ist aus noch nicht tot. Aber alle drei Mannschaftsteile müssen eine Schippe Testosteron zulegen.

[01h58] Green Bay 21, Pittsburgh 10. Woodsons Ausfall ist bitter. Green Bay verstärkt zwar den Druck, aber in der Endzone ist WR Hines Ward trotzdem weit offen und Roethlisberger kriegt den Ball noch rechtzeitig an. 7 Plays, 77yds und die Message ist klar: Die Steelers bleiben gefährlich.

[01h55] Routinierstreffen in der Packers-Kabine: Nach WR Driver muss jetzt auch CB Woodson nach einer atemberaubend guten Pass-Abwehr an der Goal Line raus.

[01h52] Harhar. Da haben Leute Tickets gekauft, für die es im Stadion gar keine Sitze gibt. Tickets für gepflegte $800. Jetzt zahlt die NFL den Leuten das DREIFACHE zurück. So kann man auch seine Kröten verdienen.

[01h47] Green Bay 21, Pittsburgh 3. Was zum Mitdenken. Green Bay kommt nach der INT mit einer Spread Offense raus, mit 4 WR und RB. Rodgers hat immer einen Receiver offen. RB Starks mit einem Energieanfall über die rechte Seite. Und dann der TD-Pass: Rodgers hat trotz fehlender Zusatzblocker viel Zeit, wirft einen lockeren Pass auf WR Jennings, der von links reinschneidet. In der Nähe sind drei Steelers (u.a. Farrior, Polamalu), aber keiner ist nahe genug dran. Jennings holt sich zwei blaue Flecken an der Goal Line – und die sechs Punkte. Das Pendel ist bedrohlich gen Green Bay ausgeschwenkt.

[01h42] Die Pittsburgh Steelers müssen extrem variieren, um überhaupt Yards zu machen. Die Packers-Defense zwingt der Offense das Spiel auf, gibt nur wenig Handlungsmöglichkeiten, tackelt sicher, ist aber bei 3rd downs zweimal offen. Das Laufspiel wird großteils im Ansatz abgewürgt. Und dann folgt die INT nach Pass über die Mitte. CB Bush fängt den Ball ab. Es läuft alles gegen die Steelers.

[01h24] Green Bay 14, Pittsburgh 3. Die Steelers schreiben an. Pittsburgh mit einer Serie an verwerteten 3rd downs, u.a. einem starken Scramble von QB Roethlisberger ein paar Sekunden, nachdem er sich das Knie gehalten hatte. Auffällig: PIT hat das Laufen über die Mitte eingestellt, über rechts geht auch nix. Der RT Flozell Adams ist verletzt raus. Pittsburgh siebte (!) Offense-Line-Kombination ist aktuell auf dem Feld.

Nur zur Veranschaulichung: PIT mit 13 Plays für ganze 49yds in diesem Drive. Es geht langsam und jedes Yard kostet Schweiß.

Das erste Viertel

Ein erstes Viertel, in dem beide Offenses sehr unrhythmisch begannen. Als erstes haben die Packers sich reingebissen, als sie immer wieder die I-Formation (u.a. auch die Strong-I) eingeführt haben. Pittsburgh hatte in der Folge Probleme, zu Rodgers durchzukommen. Rodgers warf schneller, bzw. nach Play-Action zu seinen Running Backs. Nach dem TD wollten die Steelers gleich tief gehen, aber Roethlisbergers Wurfbewegung wurde gestört. 14-0 ist happig. Und Roethlisberger, trotz Scramble, geht nicht ganz rund.

[01h07] Green Bay 14, Pittsburgh 0. Erster Spielzug. Roethlisberger mit Playaction, will links das Feld tief runterwerfen. DE #99 Cullen Jenkins DE #95 Howard Green walzt sich durch und just im Moment des Abwurfs kriegt Jenkins Green Zugriff auf Big Bens Wurfarm. Dadurch gerät der Ball 7-8yds zu kurz, fällt dem Safety #36 Nick Collins wie ein Kissen in die Arme. Collins mit einem intelligenten Return über 37yds in die Endzone. Ganz böse.

[01h03] Green Bay 7, Pittsburgh 0. Und ein paar Plays später sind die Packers in der Endzone. Rodgers ist schnell auf den Füßen, bringt erst unter Druck zwei Pässe an die Running Backs. Dann, an der 30yds Line ein ziemlich „gelupfter“ Ball nach wiederholter Playaction die rechte Seite runter, bei 3rd and 1 tief gegangen, auf WR #87 Nelson. Der Cornerback hält, aber keine Flagge. Wurscht. Nelson fängt das Ei. Und in der La7-Kabine geht es rund, als hätten die Italiener grad die Fußball-WM gewonnen. Wirklich sehr, sehr geil, was da abgeht. Von den Bildausfällen, für die die ARD offenbar nichts kann, ist bei La7 (ebenso das Bild vom World Feed) nichts zu merken.

[00h56] Green Bay bringt in der Offense jetzt hauptsächlich Formationen mit 3 WRs/2 RBs oder 2 WRs/1 TE/2 RBs, wobei häufig der zweite Running Back per Motion als Vorblocker herangezogen wird. Damit klappt es etwas besser. Rodgers kann etwas schneller werfen, das Laufspiel über RB Starks ist gleich eine Spur effizienter. Green Bay beißt sich in das Spiel.

[00h44] Die Steelers-Defense ist bisher sehr aggressiv, schickt häufig Leute auf Blitz-Routen und zerbröselt auch innen die Offense Line. Rodgers hat wenig Zeit, muss überhastet werden. Klappte einmal für großen Raumgewinn, ansonsten viele Incompletions. Steelers-Defense scheint, die Snap Counts runterzuzählen. Meist 0,01 Sekunden nach dem Snap kreuzen 4-5 Steelers die Anspiellinie. Das geht sogar so weit, dass Pittsburgh schon Strafen für Offsides kassierte.

[00h38] La7 zaubert eine unfassbare Performance hin. Gnadenlos, wie das komplette Football-Vokabular durchgeprügelt wird (was im Italienischen nochmal so putzig klingt). 1A-HD-Bild und zwei Kommentatoren… Gus Johnson in Hochform ist da nix gegen. Sich überschlagende Stimmen beim Fumble Williams nach dem Punt. Das ist zu geil. Ich denke, wir bleiben eine Runde drauf. Und ernte damit Zustimmung.

[00h33] Green Bay gewinnt den Münzwurf und „deferred“. Übrigens hätte ich bei Chris Hanburgers Statur im Leben nicht dran gedacht, dass der Mann jemals ein Linebacker war.

Pregame

[00h26] Christina Aguilera = epic fail. Das war die furchtbarste Performance bei einer Hymne, die ich gesehen habe. Mein Gott, mein Gott.

[00h22] Während die NFL ihr Patrioten-Programm (America the Beautiful & gleich die Hymne), ein Hinweis: Spox tickert auch live mit, nachdem dogfood/Allesaussersport diesmal nicht live bloggt.

[00h19] Meine Herren im Ersten: Anerkennung. Die paar Sekunden Biathlon, okay, die mussten sein. Ist verziehen. Aber ansonsten ist die Vorstellung durchaus bemerkenswert: Nütten spricht wie aus einem Guss, Spielberichte zu den Conference Finals, eine beeindruckende Kulisse durch die Gläser des Studios zu sehen und so viel Football wie noch nie während der Super Bowl, inklusive Team-Einlauf (hat’s das schonmal gegeben?). Bisher gute Wahl, die ARD zu schauen.

[00h05] [Weißwurst-Pause]

[00h03] Rödlisberger: Häkchen. Haben wir damit auch hinter uns.

[00h00] Schalte zu den $200-Idioten, die das Spiel auf der Leinwand sehen: Check. (Wird auf jeden Fall kommen. Scholt sprach von „das war’s noch nicht)

[23h54] Erstmals Fußball-Vergleichsalarm. Vergleich mit Bayern München?? Bonuspunkte für die ARD: Immer, wenn sie ins Studio hoch über dem Spielfeld schalten, sieht man, wie riesig das Stadion eigentlich ist. Ich glaube, da hat jeder der Hunderttausend reichlich Platz. Man sieht fast nicht mal das Dach. Unglaublich, war mir bisher nicht so sehr bewusst.

[23h50] Ich will den Tag nicht vor Mitternacht loben. Aber Tom Nütten, Baby: Der Mann spricht richtig fließendes Deutsch. Da war einer mächtig fleißig unterm Jahr…

…NEUNER-ALARM! Die ARD wechselt während der Vorberichterstattung zum Biathlon (Presque? – Mixed-Bewerb??). Antwerpes:

Hier konzentriert sich alles auf die Steelers und die Packers. Und wir haben einen richtigen Shooters hier bei uns. Arnd Peiffer.

Aso.

[23h41] Drinking Game Alarm. Tom Nütten, der „Deutsche“, der dendiedas Super Bowl gewonnen hat. Danke, Ralf Scholt!

[23h13] Schön langsam füllt sich hier der Raum und trudeln die Leute ein. Seminole wird in absehbarer Zeit Weißwurst und Brezeln auftischen. Grundregel hierbei in Südtirol (und in Bayern?): Nach dem 12h-Mittag-Läuten darf keine Weißwurst mehr inhaliert werden. Dauert also noch… 47 Minuten.

[22h13] Football auf italienisch. Oh my gosh. La7 überträgt Superbowl XLV! Hier der Trailer. Hier die Übertragungen, die sofort aktualisiert werden.

[21h47] Die Pittsburgh Steelers haben übrigens die Football-Simulation auf Madden NFL 2011 mit 24-20 gegen Green Bay gewonnen. Die Simulation war in der Vergangenheit recht präzise (6 von 7 zuletzt richtig), hat nur den Giants-Sieg nicht vorhergesehen. Mehrere Führungswechsel und ein spektakulärer Sieg-Touchdown von der #17, Mike Wallace.

[21h32] Was man nicht alles übersieht: Pittsburghs Ersatz-Center Doug Legursky (wird für All-Pro Pounncey heute starten!) ist in Deutschland geboren (kriegt ein in Deutschland Geborener automatisch die deutsche Staatsbürgerschaft? Wenn ja, wäre Tom Nütten nicht mehr der einzige „deutschstämmige“ Superbowl-Champ, weil Legursky als Sparringspartner der Steelers vor zwei Jahren schon einen Ring kassiert hat). Sein Vater war bei der Air Force am Frankfurter Flughafen angestellt und soll immer noch von Deutschland schwärmen bzw. seinen Urlaub mehrfach in Deutschland verbracht haben. Danke, @aas-Kommentator freddy7.

[21h12] Bzgl. Hall-of-Fame-Wahl: Deion Sanders ist der erste Spieler der Atlanta Falcons, der in die Hall of Fame gewählt worden ist! Und ich glaube nicht, dass der Mann als Falcons-Spieler aufgenommen wird. Die erfolgreichere Zeit hatte Sanders bei den Cowboys (95-99 mit einem Titel). Ist Atlanta tatsächlich so sehr graue Maus gewesen?

[20h58] Der Defensive End der Packers, Jarius Wynn, ist heute Nacht Vater geworden. Wynn war sogar unter der Nacht im Spital bei seiner Frau. Ich hätte da schon mal einen passenden Namen für den Super-Bowl-Sohn…

[20h50] Ehrlich gesagt sieht „Nieselregen“ für mich etwas anders aus: James Walker vor gut einer dreiviertel Stunde auf dem Weg Richtung Stadion.

[19h26] Die Siegertipps der ESPN.com-Armada (Blogger, Kolumnisten, Experten, Statistiker und alles, was das Footballherz begehrt oder nicht begehrt) sind so ausgeglichen, dass ich baff genug bin, um es zu veröffentlichen: Verhältnis 3:1 (39:13) zugunsten der Steelers Packers. Neununddreißig zu dreizehn. Die Ergebnistipps, die im Football IMHO völliger Schwachsinn sind, nochmehr als im Fußball, sind allerdings fast durch die Bank sehr eng.

AccuScore, ein Kalkulationsprogramm, das in der Regular Season alle Experten deutlich in den Schatten gestellt hat und am ehesten behaupten kann, „Accu“ stünde für „Akkurat“, hat 10.000x die Partie durch den Kanal gejagt. Ergebnis: Green Bay mit 50.5% Siegen, bei durchschnittlichem Vorsprunng von 0.6 Punkten. ‚Nuff said.

[18h54] Der NFL MVP 2010 ist bekannt. Kein Trommelwirbel, weil völlig überraschungsfrei: New Englands QB Tom Brady staubt die AP-Trophäe ab. Einzigartig ist allemal: Brady wurde einstimmig gewählt. 50/50 Stimmen. Das gab’s noch nie. Nicht mal vor drei Jahren, als Brady sämtliche Defenses mit >3 TD/Spiel in Grund und Boden gespielt hat. Rekord heuer: Brady hat 36 TDs geworfen, bei 4 INTs. Ein nie dagewesener Schnitt. Nur, um in den Playoffs gleich im ersten Spiel abzuschmieren und daheim gegen Erzfeind Jets rauszufliegen.

Die Superbowl-Vorschau

[11h13] Playoffwürdig: Das Wetter im Großraum Dallas. Temperaturen um die null Grad, windig und grauselig mit immer wieder leichtem Nieselregen. Für die Super Bowl wird das nicht entscheidend sein: Sie findet bei geschlossenem Dach im Tempel von Arlington statt.

Nicht geschlossen war das Dach kurz vor Weihnachten 2009. Dieses Spiel habe ich in einer schwedischen Bar gesehen und es gehört zu meinen Favoriten. Zwei enthemmte Offenses gegen völlig kollarbierende Defenses, zwei QBs mit orgiastischen Performances (Rodgers fas5 400yds, Roethlisberger 503 (!) Pass Yards) und am Ende ein verzweifelter Mike Tomlin, der kurz vor Schluss bei eigener Führung einen Onside Kick probierte, weil er jegliches Vertrauen in seine Defense an dem Tag verloren hatte. Green Bay scorte, aber PIT hatte genug Zeit zu antworten und drehte das Spiel im letzten Spielzug. Nochmal nachzulesen beim Beutelbaer.

Super Bowl XLV ist das Spiel, in dem der brandheiße QB Aaron Rodgers erwachsen werden kann. Joe Posnanski hat sich auf die Suche begeben, warum Rodgers eingeschlagen hat, während Leute wie Alex Smith, der 2005 vor ihm gedraftet worden ist, es in der NFL nicht gepackt haben.

Zum Spiel selbst: Ausführlichstes Datenmaterial wie immer bei den Football Outsiders. Sollte die Vorberichterstattung mal wieder erlahmen, weil es nicht genug zu reden gibt: Hier gibt es haufenweise Statistiken und Aufstellungsvarianten nachzulesen.

Wer Lust hat: Ausführliche, nein, extrem ausführliche Vorschau auf die einzelnen Duelle gibt es bei Vier Viertel. Executive summary, garniert mit eigenem Senf:

Das Duell in den Schützengräben, den trenches, wird entscheidend sein, wenn Pittsburghs Offense ohne Center Pouncey gegen die 3-4 Defense der Packers antritt. Die drei Packers sind zwar Hünen, aber IMHO nicht so unbeweglich wie angenommen. Laufspiel über die Mitte könnte ein Problem für Pittsburgh werden.

Die Blitz-Varianten der Packers sind zudem kunterbunt gestreut. Von OLB Matthews über CB Woodson hin zu OLB Hawk gibt es reihenweise Möglichkeiten. QB Roethlisberger ist ein Brocken von einem Mann, der schwer zu fällen ist. Wenn aber der Blitz zu schnell durchkommt, wird auch Improvisationsgenie Big Ben durch das Stadion gescheucht werden.

Wenn Pittsburghs Offense aber genügend anzieht und schnell spielt, muss die Defense schnell auf die Aufstellungen reagieren. Was passiert dabei? Der Tight End wird als letztes dran genommen. Hast du einen fangsicheren Mann wie die Steelers mit TE Heath Miller, wird der einige Catches bekommen. TE gegen Middle Linebacker bzw. einen mäßigen Safety wie Pepprah in einer schnellen Offense ist ein Traum von einem Matchup für einen Offensive Coordinator. Und dass Pittsburgh einen gescripteten Drive hinlegen kann, hat das Eröffnungsviertel im AFC-Finale bewiesen.

Auf der anderen Seite haben die Packers wenig Laufspiel – und treffen auf die #1 der NFL. RB James Starks macht wenige Yards, aber er hält ungefähr die Balance in der Offense. Das könnte reichen. Auch die Patriots streuen oftmals das Laufspiel „nur“ deswegen ein, um nicht allzu berechenbar zu werden. Gepaart mit einer weit auseinander gezogenen Offense (Spread Offense) kann das für Green Bay durchaus vorteilhaft werden. Eine 3-4 Verteidigung wie die der Steelers schaut gegen eine Spread Offense oft schlecht aus. Ich erinnere auch an Super Bowl, Ausgabe 43.

Dazu kommt, dass wir es mit zwei opportunistischen Defenses zu tun haben. Die Steelers haben mit SS Troy Polamalu einen unberechenbaren Mann, der immer für eine INT gut ist. In der Secondary der Packers laufen Typen mit Namen wie Sam Shields oder Tramon Williams durch die Lande. Leute, die kein Mensch kennt, die aber intelligent genug sind, um zu wissen, wann sie in einen Pass springen und ihn abfangen können, und wann sie besser nicht aufs Ganze gehen.

Ich komme zu einem anderen Schluss wie Herrmann von Vier Viertel. Ich glaube nicht an ein Highscoring-Game. Wenige Punkte bedeuten: Enges Spiel und Spannung bis tief ins Schlussviertel hinein. Sieg Green Bay.

Super Bowl Countdown

Kickoff: So./Mo. 6.2.2011 um 00h30
T-minus 9: Genus
T-minus 8: Fans
T-minus 7: Superbowl Ranking
T-minus 6: Superbowl im TV (Infos zu den Übertragungen im deutschen & italienischen Sprachraum)
T-minus 5: Superbowl-Werbung
T-minus 4: Pittsburgh Steelers
T-minus 3: Green Bay Packers
T-minus 2: Drinking Game
T-minus 1: Halbzeitunterhaltung

Hall of Fame 2011

Die Hall-of-Fame-Klasse von 2011 ist bekannt. Hinein gewählt worden sind:

CB Deion Sanders, der als Sensation an der Florida State University von Atlanta gedraftet wurde. Große Erfolg hat Sanders aber erst mit den Cowboys und 49ers gefeiert, mit denen er jeweils die Super Bowl Mitte der 90er gewann. Sanders war ein extrovertierter Spinner, der alles machte, um ins Rampenlicht zu kommen. Sozusagen ein Vorläufer für die noch ausgeflippteren Terrell Owens und Konsorten. Heute ist Sanders annehmbarer Mann im NFL Network.

RB Marshall Faulk, erst Colts, dann Rams. Faulk war ein außergewöhnlich vielseitiger Running Back, der in der Mike-Martz-Offense richtig aufblühte und von 1999-2001 der absolut dominante Offensivspieler in der NFL war, 2000 sogar NFL MVP. Heute Experte bei NFL Network.

TE Shannon Sharpe, zweifacher Superbowl-Sieger mit den Denver Broncos und 2000 auf einem „Auswärtstrip“ sogar ein drittes Mal Ringträger mit den Baltimore Ravens. Sharpe war ein dominanter Tight End und nach seinem Karriereende (nach zwei weiteren Jahren bei den Broncos) mehrfach in Verdacht, Frauen belästigt und begrabscht zu haben. Heute im Fernsehen aktiv und mit einer furchtbaren Aussprache nervig.

DE Richard Dent war erst 10 Jahre bei den Bears (Superbowl-MVP 1985/86) und ein besonders konstanter und vielseitiger Spieler. Nach der Bears-Zeit ging er für ein Jahr nach San Francisco, um in dem einen Jahr (gemeinsam mit Sanders, übrigens) noch mal die Superbowl zu holen. Danach ein Wandervogel in seinen letzten Jahren. Dent ist jahrelang an der HoF-Wahl gescheitert. Jetzt hat er es geschafft.

Und dann noch drei Herren aus den früheren Jahren. Les Richter posthum (gestorben im vergangenen Sommer), ein Linebacker, Guard und Kicker (!), neun Jahre Profi und dabei 8x Pro Bowler bei den Los Angeles Rams. LB Chris Hanburger (60er und 70er bei den Redskins), jahrelang All-Pro, aber nie Superbowl-Champ.

Und, was mich sehr freut: Ed Sabol, der Gründer von NFL Films, die uns jahrein-, jahraus mit tollen Filmaufnahmen und dazu passender, dramatischer Musik beglücken. Sabol ist 94 Jahre alt und darf die Wahl noch lebend genießen.

Superbowl-Countdown T-minus 3: Die Green Bay Packers oder vom Homecoming einer Legende

Die Pittsburgh Steelers sind der Superbowl-Rekordchamp (6 Titel). Der Finalgegner hat zwar „ganze“ drei Superbowls (zweimal davon, als die Superbowl noch nicht unter diesem Namen ausgespielt wurde) gewonnen, ist aber der Rekordmeister der National Football League. Heute in der Vorstellung. Matchups gibt es erst im Sonntagabend-Vorprogramm.

Was die Packers ausmacht – geschichtlich

Curly Lambeau, Green Bay Packers

Curly Lambeau

Die Green Bay Packers dürfen sich als das Traditionsteam in der NFL sehen. Gegründet 1919 als Amateurclub und zwei Jahre später als professionelle Franchise der NFL beigetreten, sind die Packers seit damals das einzige Team im amerikanischen Profisport, das als Non-Profitorganisation  seinen Fans gehört. Über 112.000 Menschen sind Stakeholder der Packers.

Packers? Ein merkwürdiger Teamname. Die Herkunft ist so simpel wie einleuchtend: Die Gründerväter um Curly Lambeau brauchten ohne Finanzspritze durch einen Besitzer Schotter. Und den steuerte ein Unternehmen bei: Die Indian Packing Company. Daher rührt auch der Name „Packers“.

Und die Packers waren erfolgreich – sehr sogar. Bis Ende der 40er holten sie sechs Meistertitel unter Lambeaus Ägide. Lambeau? Dürfte jedem Footballinteressierten ein Begriff sein. Curly Lambeau zu Ehren wurde nach seinem Tod das Stadion der Packers in „Lambeau Field“ umbenannt. Es gilt als eines der legendärsten in Amerika.

Ein 70.000 Zuschauer fassendes Stadion in einer 100.000 Einwohner fassenden Stadt. Und nicht nur immer ausverkauft, sondern mit über 80.000 Menschen auf der WARTELISTE für Saisonkarten ein Ort, der im Lauf der Zeit zu einem Mythos hochstilisiert worden ist, ähnlich wie ein Bernabeu-Stadion in Madrid.

Ende der 50er kam mit dem charismatischen Vince Lombardi ein neuer Erfolgscoach, der die Packers in den 60ern unter QB Bart Starr und RB Paul Hornung zur absoluten Großmacht heranzüchtete.

Vince Lombardi Trophy, Super Bowl

Vince Lombardi Trophy - ©Wikipedia

Lombardi? Lombardi? Auch das wird der geneigte Football-Fan schon einmal gehört haben. Oder auch nur der Schönwetterzuschauer. Und das wohl deswegen: In der Super Bowl wird um die Vince Lombardi Trophy gespielt, benannt nach eben diesem Coach. Als Ende der 60er AFL und NFL begannen, den Meister der Meister auszuspielen, gewannen Lombardis Packers die ersten beiden Auflagen dieses Duells. Die ersten beiden Super Bowls, auch wenn sie, wie wir mittlerweile wissen, damals offiziell noch keine „Super Bowls“ waren.

Nach Lombardis Tod verschwanden die Packers gut ein Vierteljahrhundert in der Versenkung. Aber eines ist im kleinen Green Bay immer schon gelungen: Man hatte charismatische Leute am Ruder, Publikumslieblinge, die ganz wesentlich zum Erfolg beitrugen. In den 90ern ging es mit den Packers wieder aufwärts und das lässt sich an einigen berühmten und weniger berühmten Spielern festmachen.

Mike Holmgren zum Beispiel, dem stets grimmig dreinschauenden, dicklichen Head Coach, der quasi als erste Amtshandlung 1992 Brett Favre von den Falcons einkaufte. Favre sollte von Beginn an eine der sensationellsten Serien durchspielen, die es jemals gegeben hat: Über 18 Jahre verpasste der QB kein Spiel. Favre wurde zum Liebling in Green Bay, im hohen Norden, im ganzen Land. Auch Männer wie der „Prediger“ DE Reggie White oder der unglaublich fette DT Gilbert Brown waren massiv daran beteiligt, dass im Jänner 1997 die Vince Lombardi Trophy erstmals nach Green Bay „heimkehrte“. Seither sind die Packers stets Playoff-Anwärter.

Was die Packers ausmacht – spielerisch

Seit 2006 ist Head Coach Mike McCarthy in Green Bay am Ruder. Was McCarthy mit seinem Gegenüber Mike Tomlin teilt: Er geht in der Diskussion um die beiden Mannschaften völlig unter. Obwohl Green Bay seit Jahren nahe am Titel dran ist: McCarthy ist nicht in der Diskussion.

Das waren andere: Brett Favre zum Beispiel. Der trat 2008 zurück und GM Mike Tannebaum installierte blitzschnell den QB Aaron Rodgers als Nachfolger. Rodgers hatte jahrelang als Packers-QB in spe gewartet. Als Favre doch weitermachen wollte, hielt man in Green Bay am jungen Rodgers fest und verjagte das Idol Favre – ein Skandal.

Rodgers spielte von Anfang an super, zumindest statistisch. Im ersten Jahr schaute wenig bei rum, aber 2009/10 geigten die Packers mächtig auf. Rodgers ist schneller als erwartet das Gesicht der Packers geworden, obwohl Rodgers kaum Reibungspunkte bietet, sieht man von seiner (mutmaßlichen) Freundin ab. Nach der Verletzung von RB Ryan Grant im ersten Saisonspiel 2010/11 darf man getrost insistieren: Green Bays Offense ist zu 90% Aaron Rodgers.

In den Playoffs hat sich dank des völlig unbekannten RB James Starks eine Laufspiel-Komponente dazugeschwindelt. Starks hat maximal durchschnittliche Zahlen (3,8yds/Lauf), aber Starks sorgt wenigstens für ein bisschen Entlastung und dafür, dass sich keine Defense allein auf das Passspiel einschießen kann. Das gibt Rodgers hinter einer suboptimalen Offensive Line genug Möglichkeiten, seine Receiver auszugucken. Die Armada ist trotz des Ausfalls von Top-TE Finley groß: WR Greg Jennings (1265yds, 12 TDs), WR James Jones (679yds, 5 TDs), Jordy Nelson (582yds, 2 TDs), Oldie-WR Donald Driver (565yds, 4 TDs), RB Brandon Jackson (342yds, 1 TD) und eine Handvoll Role Players.

Die Defense galt nach dem Ausfall von MLB Barnett als eher namenlos. Angeführt vom DefCoord Dom Capers hat sich die gesamte Unit (2009 #2 der NFL, allerdings mit totalen Kollapses gegen Pittsburgh (sic!) und Arizona) ab Mitte Oktober gewaltig gesteigert. Sie zeichnet sich durch starken Zug zum QB aus. Green Bay spielt 3-4, bringt aber mit DT B.J. Raji und DE Cullen Jenkins (soll am Sonntag fit sein) starken Druck schon mit der Defensive Line zustande.

Auf Blitzes geschickt werden häufig DE/OLB Clay Matthews jr. (oder eigentlich Matthews III) und CB Charles Woodson, die bekanntesten Namen der Defense. Beide sind effizient: Während Woodson ein außergewöhnlich kompletter Spieler (Deckung und Blitzes) ist, macht Matthews auch noch die Sacks (14 in der Reg. Season, 3 in den Playoffs). In der Secondary lauert mit CB Tramon Williams ein Mann, den einst keiner wollte: Intelligenter Bursche, der ein Näschen entwickelt hat und in den Playoffs die Bälle anzieht (3 INTs).

Was die Packers ausmacht – Die Schlüsselspieler

Aaron Rodgers, QB Green Bay Packers

Aaron Rodgers - ©Flickr

Aaron Rodgers. Ich habe es oft genug gesagt: Ich habe mich in den Spieler Aaron Rodgers verknallt. Hoch intelligenter Bursche und es ist ein Genuss, ihm in der Pocket zuzusehen. Rodgers wird nicht nervös, auch wenn mal eine Ladung Defensive Backs in sein Gesichtsfeld geschickt wird, sondern macht seine drei Tippelschritte und bringt trotzdem einen rattenscharfen 35yds-Pass an. Rodgers zeichnet blindes Verständnis mit seinen Receivern aus und ist zudem sehr beweglich, kann auch selbst scrambeln (über 300yds heuer) und ist dementsprechend auch nicht schüchtern, wenn es darum geht, die Pocket zu verlassen. Rodgers ist kein Lautsprecher. Ich könnte kein Interview von Rodgers aus dem Stehgreif aufrufen. Aber ein fantastischer QB. Wäre er Fußballer und Stürmer, man würde sagen: Er hat derzeit einfach einen Lauf. Oder man drückt sich wie dogfood/Allesaussersport aus:

2008 zeigte [Rodgers] aber so viel Potential, dass die Packers seinen Vertrag bis 2014 verlängerte, 2009 verbesserte er sich nochmals und 2010 hat er dann endgültig sein Coming Out und und wird derzeit in den Playoffs als heißer wie Frittenfett gehandelt.

Ich nenne die Rubrik „Schlüsselspieler“, aber anstatt WR Greg Jennings kommt an der Stelle WR Donald Driver dran. Driver ist seit gefühlt zwei Jahrzehnten in der NFL dabei (ist es tatsächlich erst seit 1999??) und hat fast ausnahmslos 1000-1200yds/Jahr gefangen und 6-9 TDs/Saison. Ein Muster an Beständigkeit, ohne die Krönung: Vor drei Jahren machte Driver einen extrem langen TD im NFC-Finale, aber das haben die Packers dann am Ende trotzdem – und verdient – verloren. Driver ist ein Mann, dem ich den Titel (wie Rodgers) von Herzen vergönnen würde. So lange dabei, so viel Beständigkeit und so ruhig geblieben. In Zeiten, in denen ein #85, ein Terrell Owens oder ein Randy Moss Woche für Woche rumzicken, eine Wohltat.

Die eigentlichen Heroen spielen aber in der Defense. Angefangen mit dem lange unbedachten NT B.J. Raji (sprich: Radschi). Raji macht die Mitte des Spielfeldes platt und fungiert in der Offense als Vorblocker/Goal-Line-Fullback für die Running Backs. Im Halbfinale returnierte „Big Man With The Football“ Raji einen Ball zum Touchdown. Der Unterschied beim 21-14 Sieg.

Superstar der Defense ist OLB Clay Matthews jr., den die Wortspielkönige schon HurriClayne getauft haben. Nicht nur wegen der wehenden Haare nicht ganz aus der Luft gegriffen, angesichts solcher Bilder:

Die Familie ist footballverrückt: Der Opa spielte in der NFL, Vater Clay war mehrfacher Pro Bowler, Onkel Bruce ist als einer der besten Offense Liner aller Zeiten und Hall of Famer. Bruder Casey hat vor ein paar Wochen das College-Football-Endspiel verloren. Jetzt soll der fällige Titel für die Familie eingesackt werden. Clay itself ist Spätzünder: Am College (USC) spielte er ohne Stipendium, ging als walk-on zum Footballteam. 2010/11 bekam er die zweitmeisten Stimmen bei der Wahl zum Defensivspieler des Jahres. Der spielt am Sonntag auf der anderen Seite: Troy Polamalu.

Letzter im Bunde der Star-Verteidiger: CB Charles Woodson, einst alles überragender Cornerback in Michigan und Gewinner der Heisman Trophy, was für Verteidiger eine absolute Rarität darstellt. In Oakland jahrelang in einem dahinsiechenden Team, aber seit seinem Wechsel nach Green Bay hat sich Woodson zu einem kompletten Cornerback entwickelt, der alles kann: Enge Deckung, INTs abfangen, Blitzing. Woodson hat vor fast einem Jahrzehnt mit den Raiders eine furchtbare Superbowl-Schlappe einstecken müssen. Diesmal hat er eine Chance, mit 34 Jahren doch noch Superbowl-Champ zu werden.

Noch ein sentimentaler Held: RB John Kuhn, schon ein Ringträger (vor Jahren als Sparringspartner auf dem Trainingsplatz der… erraten: Steelers). Kuhn hat wie vor Jahren Duce Staley (richtig: auch mal ein Steeler) dafür gesorgt, dass eine ureigene deutsche Tradition in den US-Stadien Einzug gehalten hat: Das lange UUUUUUUUUUUUUUUU. Was hierzulande ein Rudi Völler ausgelöst hat, passiert nun auch in den US-Arenen, wenn Kuhn am Ball ist. Nope – kein Ausbuhen der Mannschaft. Es ist der Tribut an John Kuhn, nicht mehr als ein situationsbedingt eingesetzter Spieler. Aber ein Publikumsliebling, und in den Playoffs ein Stimmungsbarometer: In Philadelphia und Atlanta war das lange U deutlich vernehmbar. Also waren haufenweise Packers-Fans im Stadion.

Warum ich die Packers siegen sehen möchte

Zum ersten, weil jeder mal dran ist. Pittsburgh hat eine Reihe Superbowls gewonnen. Green Bay lange keinen mehr und Rodgers, Woodson und Driver sind einfach mal dran.

Genug der Floskeln. Nachdem die US-Experten noch eine Antwort schuldig sind: Wer darf den Siegerpokal für Green Bay in Empfang nehmen, nachdem das Podium zwar gigantisch riesig sein wird, aber kaum die 112.000 Anteilseigner aufnehmen wird können? Ich tippe auf CEO Mark Murphy. Sicher bin ich mir nicht. Wir werden es am Montagmorgen wissen. Vielleicht…