Arizona Cardinals in der Sezierstunde

Es bedarf keiner großartigen Einleitung: Die Arizona Cardinals stehen vor einer Übergangssaison und sind dennoch – oder gerade deswegen – eine durchaus spannende Geschichte. Weiterlesen

San Diego Chargers in der Sezierstunde

Es muss nicht mehr wiederholt werden, dass die San Diego Chargers sowohl aus ästhetischer als auch als ergebnisorientierter Sicht eine der positiven Erscheinungen des Jahres waren. 9-7 Bilanz mit haarscharfer Playoffqualifikation plus als Sahnehäubchen sogar noch ein überrascher Auswärtssieg in der ersten Runde, ehe beim turmhohen Favoriten Denver die Viertelfinalpartie zu übel verschlafen wurde, dass ich das Head Coach Mike McCoy noch immer zum Vorwurf mache.

Überblick 2013

Record         9-7    DP
Enge Spiele    4-6
Pythagorean    9.3    12
Power Ranking  0.575   9
Pass-Offense   7.5     2
Pass-Defense   7.0    29
Turnovers      -4

Management

Salary Cap 2014.

Ansonsten war McCoys Einstandsjahr wirklich stark. Für die katastrophale Defense konnte er nichts, da gab die Kombination aus Spielermaterial und Verletzungspech einfach nicht mehr her; San Diego verbesserte sich aber im Laufe der Saison in der Abwehr zumindest zwischenzeitlich auf akzeptables Niveau. In McCoys Hauptdisziplin, der Offense, waren die Chargers sensationell gut. So ist McCoy als eine der guten Geschichten des abgelaufenen Jahres in der NFL zu werten. Trotzdem gibt es viele Baustellen in San Diego, beginnend mit einer dürftigen Salary-Cap Situation und endend in einem Kader, der sich im Umbruch befindet.

Die Defense war ausgangs der Saison besagt personell schlecht besetzt; die Offense war zwar 2013/14 mit einem Mal wieder eine der besten der Liga, aber sie ist alt und bräuchte Injektion mit nachwachsendem Talent.

San Diego braucht aber in erster Linie Blutauffrischung in der Defense, händeringend und ohne Umschweife. Es gibt nur sehr wenig gutes Spielermaterial aus den eigenen Reihen. Ein paar Eckpunkte scheint man aber ausfindig gemacht zu haben:

  • DL Corey Liuget, vor wenigen Jahren in der ersten Runde gedraftet und noch nicht der ganz große Burner, aber ein Mann, der schon großes Passrush-Potenzial angedeutet haben soll.
  • DL Kendell Reyes, erst vor kurzem ein heiß gehandeltes Prospect im Draft.
  • LB Donald Butler, ein 25jähriger Mann, der zuletzt stark kritisiert wurde, dem die Chargers aber eine mehrjährige Vertragsverlängerung gaben.
  • OLB Melvin Ingram, der Passrusher, der zuletzt mit Achillessehnenriss lange ausfiel, aber Ende 2013 wieder ins Geschehen einsteigen konnte.
  • LB Manti Te’o, bekannt geworden durch den Schwindel um seine inexistente Freundin, ein Mann, den man als durchaus brauchbar in seiner Arbeit als Lauf-Verteidiger ansieht, der aber für mehr zu träge sein soll.
  • FS Eric Weddle, der Ankermann der Secondary und mit mittlerweile 29 Lenzen der bei weitem älteste aus diesem Sextett.

Datt wär’s. Sechs Spieler mit Stamm-Potenzial, und alle in gutem Alter. Das liest sich als Kern nicht ganz übel, aber dahinter ist halt rapide abfallende Qualität bzw. altersbedingte Fragezeichen (siehe Dwight Freeney).

Klar ist, dass in einem einzigen NFL-Draft nicht Qualität und Tiefe in einem besorgt werden können. Unter diesem Gesichtspunkt und in Anbetracht der schlechten Cap-Situation gefallen die Free-Agent Investitionen der Chargers außerordentlich gut.

Leute wie LB Kavell Conner (kommt aus Indianapolis) oder CB Brandon McGee (kommt aus Cincinnati) sind keine Einkäufe mit mittelfristigem Potenzial, aber sie stellen dort sofortiges Upgrade für die 2014er-Chargers dar. Mit solchen Spielern wird eine der schlechtesten Defenses der Liga nicht per sofort nach oben gelangen, aber sie gewinnt etwas Tiefe, damit nach dem zweiten ausgefallenen Cornerback nicht mehr ausschließlich ungedraftete Rookies ran müssen. Mehr geht mit limitiertem Budget erstmal nicht.

Dagegen entledigte man sich einer Reihe an eben solchen 40-53er Spieler im Kader, die sowieso keine Zukunft gehabt hätten. Es wird trotzdem ein defensivlastiger Draft werden, und für mein Empfinden sind die Lücken in absteigender Wichtigkeit so zu priorisieren:

  1. Cornerback
  2. Nose Tackle
  3. Safety

Wenn San Diego 2-3 Spieler von Stamm-Format zieht, kann es schnell wieder nach oben gehen. GM Tom Telesco ist gefordert.

Das Dumme an all den zu stopfenden Löchern in der Abwehr: Man kann sich nicht dahin orientieren, eine rapide alternde Offense langsam aufzupeppen. In der Offense muss nicht alles auf einmal klappen, aber wäre die Defense nur einen Tick besser aufgestellt, wären die Chargers eigentlich prädestiniert, mit Picks in der zweiten, vierten und fünften Runde (oder so) Talente mit mittelfristigem Fokus zu draften. Keine Leute, von denen du sofort Star-Status erwartest, aber Leute, die du langsam einlernen kannst.

Eines der Fragezeichen dreht sich dabei um QB Philip Rivers, den 33jährigen Freak, der eigentlich schon abgeschrieben war. Rivers hatte 2013/14 eine nichts anderes als fantastische Saison mit Effizienz-Stats jenseits von Gut und Böse, aber die Saison liest sich wie ein Ausreißer in einem Trend, der seit Ende der 2010er-Saison bei Rivers eigentlich relativ kontinuierlich nach unten zeigte – erwartbar nach unten zeigte.

Rivers führte einen sehr variantenreichen Angriff, der relativ lauflastig gehalten war, mit einem schönen Mix aus Kurzpass-Offense und tiefem Spiel zu 7.5 NY/A. Dabei überraschte aber nicht nur er, sondern der komplette Kern an Blockern und Ballfängern um ihn herum.

Herausragend war der Rookie-WR Keenan Allen, nach anfänglichen Wehwehchen sofort zum Superstar gereift und mit einer Härte und einem Spielverständnis eines 30jährigen ausgestattet. Allen ist als eine Art flink gebauter Tight End in der Spielfeldmitte ein extrem schwierig zu kontrollierender Mann, und er war genau die Antwort auf die bange Frage im Sommer „zu wem soll Rivers denn nun den Ball werfen?“.

Der Rest des WR-Corps ist eher banal gehalten: Ein Malcolm Floyd, ein Eddie Royal, ein Seyi Ajirotutu sind alles keine großen Individualisten, sondern müssen vertrauen, dass sie „durch das System“ frei werden und zu ihren Catches kommen. Plus TE Antonio Gates, dessen Revitalisierung 2013 eine gute Geschichte war, aber Gates ist nimmer der überragende Einzelkönner vergangener Tage – und er wird nicht jünger. Gates hatte letztes Jahr dann zwar 80 Catches, aber er wurde nur noch in mickrigen 9% der Fälle tief angespielt. Sprich: Einer der revolutionärsten Spieler der letzten zehn Jahre NFL ist zu einer Sicherheitsoption verkommen. Gates‘ Gegenentwurf ist der junge TE Lardarius Green mit 37% tiefen Anspielen. Green ist der neue Gates.

Auf Running Back wurde dem straighten, aber verletzungsanfälligen Eigenbauprodukt Ryan Mathews mit Donald Brown aus Indianapolis ein recht explosiver Spieler als Ergänzung zur Seite gestellt. Brown galt in Indianapolis lange als Bust, hatte 2013 aber hervorragende Effizienz-Werte. Ein Zufallsprodukt?

Die Offensive Line war vor der Saison ein sehr wunder Punkt gewesen, aber sie hielt sich dann doch besser als befürchtet. Der riesige LT King Dunlap, bisher stets als Sicherheitsrisiko galore angesehen, machte die Saison seines Lebens und die Chargers dürften angesichts der Personallage in der Defense nix an dieser Position ändern; man wird hoffen, dass Dunlap kein Aschenputtel war. Der betonfüßige RT Fluker galt dann auch als positive Überraschung mit einem Einstandsjahr, das man ihm nicht zugetraut hatte.

San Diegos Offensive Line ist gewiss keine, die man zu den besten ligaweit zählen kann, aber es reicht ja quasi schon, wenn sie nicht auf Katastrophenniveau spielt. Auf Guard könnte es vielleicht noch ein Upgrade tragen. Aber zum x-ten Mal: Zuerst Defense.

So viel zu 2014. Mittelfristig wird diese Mannschaft noch eine Weile lang im Umbruch stecken.

Wer sollte Coach des Jahres 2013/14 werden?

Der Award „Coach des Jahres“ verhält sich in der NFL anders als alle anderen Awards. Denn während der NFL MVP oder Rookie-des-Jahres Preis tatsächlich an den Spieler vergeben werden, der nach common sense die beste Saison hatte (wie auch immer das definiert sein mag), so wird der Coach-Preis für gewöhnlich an den Coach gegeben, der an ihn gehegten Erwartungen vom Sommer am meisten übertrifft.

Die Wildcard gleich zu Beginn geht an John Fox von den Denver Broncos. Fox ist manchmal etwas nervtötend, weil er so konservativ ist, aber man kann ihm eines nicht absprechen: Dass seine Mannschaften nicht souverän spielen. Sie tackeln sicher. Sie begehen zwar Strafen, aber nicht viele Phantom-Tackles. Trotzdem spricht es Bände, dass der Coach, der seine Mannschaft dieses Jahr in die Superbowl geführt hat (Fox schaffte das schon vor zehn Jahren mit den Panthers), eigentlich kaum Presse. Denver wird als Peyton Mannings Team wahrgenommen. Aber allein mit Manning fährst du nicht in die Superbowl. Was Fox allerdings in dieser Liste knapp raus schießt: Er verpasste vier Spiele im November mit Herzproblemen. Klingt makaber, aber es gibt heuer genügend gute Coaching-Leistungen, dass ich das mal als Entschuldigung her ziehe. Ebenso knapp draußen: Sean Payton und Jim Harbaugh. Würde ich eine Top-10 Liste machen, zwei dieser drei hätten sie komplettiert.

#8 Andy Reid (Kansas City Chiefs)

Die Chiefs drehten ihre Bilanz innerhalb eines Jahres von 2-14 und Top-Draftpick auf 11-5 und Playoff-Qualifikation. Sie sind damit das zweite Team in Folge, dem das gelang (2012 schaffte es Indianapolis), und damals gewann der Colts-Headcoach den offiziellen Award. Andy Reid ist einer der Topfavoriten in diesem Jahr. Aber Hand aufs Herz: Reids Job war relativ einfach. Er fand zu seiner Einstellung vor einem Jahr einen Kader mit etlichen Pro Bowlern und vielen ehemals hohen Draftpicks vor, dem nur zwei Dinge abgegangen waren: Quarterback und Coaching. Zufällig sind das die wichtigsten Dinge im Football. Zufällig waren die Chiefs in diesen Bereichen nicht bloß schlecht, sondern unterirdisch.

Reid kam, und musste „nur“ zwei Dinge verändern. Er holte sich QB Alex Smith aus Kansas City. Es war wie erwartet das einflussreichste QB-Upgrade des Jahres. Und natürlich Reid selbst. Die Chiefs waren nicht besonders effizient nach Downs (Power-Ranking: untere Tabellenhälfte), aber weil sie mit der risikolosen Spielweise kaum Turnovers begingen, landeten sie doch bei 6.1 Punkten über Durchschnitt im SRS (#7 der Liga) und bei einem hervorragenden Pythagorean von 11.2 Siegen (#5 der Liga).

#7 Mike McCoy (San Diego Chargers)

Die Auswahl von Mike McCoy ist weniger ergebnisgetrieben als sie nach dem kurzen, aber doch überraschenden Playoff-Lauf aussieht. Ich hatte McCoy schon Ende November ganz weit oben auf meiner Short-List, und ich glaube, dass er einen echt guten Job als Rookie-Coach bei den Chargers gemacht hat.

Das Auffälligste an seinem Wirken war die Revitalisierung einer Chargers-Offense, die zuletzt nichtmal mehr Norv Turner formen konnte. Es war nicht bloß eine „gute“ Chargers-Offense 2013/14. Es war eine fantastische. Eine Offense Line bestehend aus Rookies und längst abgeschriebenen Altstars war gut genug um landesweit Aufmerksamkeit zu erregen. Ein QB Rivers blühte auf. Leute wie RB Mathews, der schon als Bust abgeschrieben war, gehörten plötzlich zu den ligaweit besten auf ihren Positionen. Rookie-WR Keenan Allen kam aus der dritten Runde und war per Knopfdruck einer der besten Wide Receivers in der NFL.

Ich glaube, man kann McCoy nicht daran aufhängen, dass die Defense so lange so absurd war; sie war schließlich unterirdisch besetzt. Es gibt personell keine NFL-Defense, die weniger an Spielermaterial hatte. Der einzige Verteidiger von NFL-Format, OLB Ingram, war fast die ganze Saison auf der Verletztenliste. Trotzdem wurde um dieses Problem herum gewerkelt, und in den letzten Wochen hatte San Diego dann sogar eine zumindest brauchbare Defense, und prompt ging es in die Playoffs.

Ein insgesamt sehr guter Job von McCoy, dessen Mannschaft momentan in den Top-10 des Power-Rankings rangiert. Die nach SRS 2.7 Punkte besser als der Liga-Durchschnitt ist. Der mit einem guten GamePlan auswärts ein Superbowl-Kaliber schlagen konnte (Cincinnati). Der am Ende aber ein Playoffspiel in Denver abschenkte, weil man zu lange zu starr an seinem längst gescheiterten Plan fest hielt.

#6 Bruce Arians (Arizona Cardinals)

Der amtierende Coach des Jahres. Arians gewann 2012 in Indianapolis als Interimscoach, ging aber im Anschluss daran zu den Arizona Cardinals um sich ca. 60jährig doch noch erstmals als Head Coach zu versuchen. Ich geben zu, ich war skeptisch. Aber Arians schaffte das, wofür er geholt wurde: Die Offense um QB Palmer beging zwar viele Turnovers, aber sie war immerhin wettbewerbsfähig genug um den schlafenden Riesen Arizona zu wecken.

Remember: Die Cards-Defense war schon in den letzten Jahren großartig gewesen; Arians‘ Coaching-Stab konnte den Level auch nach Abgang von DefCoord Horton sogar noch eine Stufe höher schrauben. Der Schlüssel aber war die Offense: QB Palmer warf zwar 22 INTs, aber er erlebte zumindest annähernd sowas wie einen dritten Frühling, als dass er Pässe für mehr als 6.5 NY/A an den Mann brachte – ein Wert, der Welten besser ist als alles was die Cards die letzten Jahre hatten.

Arizona war eines der besten und gefürchtetsten Teams der Liga in den letzten Wochen; niemand hätte gerne gegen die Cards in den Playoffs gespielt (sie verpassten diese trotz 11-5 Bilanz in der bockstarken NFC-West). Platz 7 im Power-Ranking, Platz neun im Pythagorean, Platz sechs im SRS: Das war ein komplettes Team.

Er formte WR Michael Floyd zur NFL-Tauglichkeit. Er machte die Offense zumindest glaubwürdig. Allein die viel zu geringe Einsatzzeit für den sensationellen Rookie-RB Ellington sowie ein katastrophales Game-Management (Field Goal bei -18?) gegen Seattle ziehen das Gesamtbild Arians‘ runter.

#5 Marv Lewis (Cincinnati Bengals)

Marv Lewis ist die graue Maus unter den NFL-Coaches: Ein stilles, schwarzes Männlein im leisesten Markt der Liga in Cincinnati, wo sich die eigene Bevölkerung nicht um die Mannschaft schert, weil sie den Owner hasst. Dieser Owner ist Mike Brown, und Mike Brown war vor drei Jahren nach dem Ende eines 4-12 Kollapses und zerbrochener Träume schlau genug um Marv Lewis nicht bloß nicht zu entlassen, sondern ihm sogar eine Vertragsverlängerung mit Kompetenzen-Zuwachs zu verschaffen. Als Resultat gibt es seither bis auf vielleicht Belichick in New England keinen Head Coach in der Liga, der ein breitere Themenfeld abdeckt als Marv.

Marv hatte 2013 sein bisher bestes Produkt auf dem Feld: Die Bengals gewannen mit 11-5 Siegen die AFC North und beendeten die Regular Season an #4 im Power-Ranking. Sie beendeten das Jahr mit nur 305 Gegenpunkten, fünftbester Wert der Liga. Und das, obwohl die beiden wichtigsten Spieler der Abwehr, DT Geno Atkins und CB Leon Hall, sich beide schon in den ersten zwei, drei Wochen verletzt in den Winter verabschiedeten. Einiges an der Defense-Arbeit mag an DefCoord Mike Zimmer liegen, und Zimmer konnte das kürzlich in seinen verdienten ersten Cheftrainerposten (in Minnesota) ummünzen.

Marv Lewis hat sich als quasi-GM einen famosen Kader zusammengestellt – und das ohne echte Free-Agency Aktivität. Er hatte das Team in hohen Höhen trotz eines mittelmäßigen QB um den herum gebastelt werden musste. Schade, dass die Saison letztlich so seelenlos gegen San Diego zu Ende ging.

#4 Chip Kelly (Philadelphia Eagles)

Die größten Befürchtungen erwiesen sich als nicht angebracht, zumindest nicht im ersten Jahr: Chip Kellys Offense hatte einen guten Einstand in der NFL. Er schaffte es, viele Konzepte seiner äußerst ansehnlichen Oregon-Ducks Offense in der NFL erfolgreich zu implementieren, und er schaffte es, obwohl er seinen Quarterback wechseln musste.

Nick Foles hatte ein extrem gutes Jahr als QB-Notnagel und als QB-Typ, der eigentlich alles andere als zum „klassischen“ Chip-QB taugte. Foles hat Limitierungen, die ihn möglicherweise eine Karriere als legitimer Franchise-QB kosten werden, aber Chip baute um ihn herum eine doch sehr ansehnliche Offense. Die Offense wurde nach seinen Vorstellungen zusammengestellt: Draften von massiven Offense Tackles, Draften von groß gewachsenen Tight Ends usw. Das ist Chip-Football par excellence, und es funktionierte.

Die Defense war bestenfalls unteres Mittelmaß, aber Chip musste auch erstmal mit einem Spielermaterial arbeiten, das für eine andere Art von Abwehr (die 4-3 Defense) gebaut war. Via Free-Agency wurden einige bessere Backups wie Sopoaga oder Cary Williams verpflichtet, aber mehr war in einer einzigen Offseason noch nicht drin.

Kellys Eagles sind im Efficiency-Ranking (Power-Ranking) die #5 der Liga. Das SRS ist okay, aber nicht überragend (1.9 Punkte über NFL-Schnitt). Die 10-6 Bilanz in der Regular Season ist es – zumindest gemessen an den Erwartungen, die den Eagles ca. ein 7-9 oder 8-8 prognostiziert hatten. Mische Kellys vergleichsweise aggressives Coaching in 3rd-Downs und 4th-Downs mit rein, wird die Coaching-Leistung noch besser. Verbesserungswürdig ist sein Handling mit der roten Flagge sowie war das eine oder andere Auszeiten-Ziehen suboptimal, aber es reicht locker für einen verdienten vierten Platz – aber nicht zu einer Medaille.

#3 Pete Carroll (Seattle Seahawks)

Pete Carroll hat in Seattle eine Mannschaft nach seinem Antlitz geformt. Das ist bemerkenswert, weil es so wenigen Coaches gelingt. Das geht nicht ohne ein Quäntchen Glück (wie z.B. die Glücksgriffe wie Chancellor oder Sherman, oder aber auch QB Wilson), aber du musst trotzdem eine funktionierende Einheit basteln.

Carrolls Seahawks von 2013 strahlen nicht mehr diesen Begeisterungsfaktor aus, der sie letztes Jahr berühmt machte, aber dafür sind sie insgesamt noch solider, tiefer besetzt und gehen zumindest nicht als Außenseiter in die Super Bowl.

Seattle beendete die Regular Season mit 13-3 Bilanz. Normalerweise ist eine 13-3 Bilanz ohne etwas Glück nicht leicht erreichbar, aber der Pythagorean behauptet, Seattle habe die Performance einer Mannschaft erbracht, die im Schnitt 12.9 Spiele gewinnt. Das ist nur ein Jota unter der schwarzen Zahl. Seattle ist die #1 im Power-Ranking. Seattle ist die #1 im Simple Ranking System mit 13.0 Punkten über NFL-Schnitt.

Die Seahawks waren das dominanteste Team des Jahres, und sie sind nach dem Abbild des ehemaligen Defensive-Backs Coaches Pete Carroll gebaut. Die große Stärke ist die Legion of Boom, die Secondary, in der Carrolls Schützlinge Earl Thomas und Richard Sherman Angst und Schrecken verbreiten.

Carroll hätte zwingend schon im letzten Jahr den Coach-des-Jahres Preis gewinnen müssen. Dieses Jahr gibt es aber zwei Kandidaten, die ich knapp vor Carroll sehe.

#2 Bill Belichick (New England Patriots)

Letzte Woche wurde ich im Podcast bei den Sofa-Quarterbacks um eine Einschätzung zu Bill Belichick gefragt, und ich kann das, was ich dort verzapfte, nur noch einmal wiederholen: Man hat sich an die Größe Bill Belichicks gewöhnt, so sehr, dass eine erneute 12-4 Saison des alten Mannes keine Sensation mehr ist. Es gibt keinen besseren Coach da draußen. Vielleicht gab es noch nie einen so guten Coach da draußen. Vielleicht ist Belichick der beste NFL-Headcoach aller Zeiten. Aber man registriert es gar nicht mehr. Belichick ist ein Opfer seines eigenen Erfolgs geworden.

Drei Superbowl-Siege sind das eine. Viel bemerkenswerter ist die Tatsache, dass es Belichick in einer Ära, in der alles auf Gleichheit getrimmt wird, jedes verdammte einzelne Jahr ein Produkt aufs Feld schickt, das um den Titel mitspielt. Ohne Unterbrechung. Belichick verpasste seit seinem ersten Titel 2001/02 nur zweimal die Playoffs – beide Male mit Winning-Record. Einmal davon mit 11-5 Bilanz und Durchwursteln mit einem Quarterback, von dem nie zuvor jemals jemand was gehört hatte (Matt Cassel war sogar am College nur Backup gewesen).

Belichick erfindet sich jedes Jahr von neuem. Aber 2013 mag sein bisher markantestes gewesen sein. Eine Offense, die nach einer Lawine an schlechten Nachrichten in der Offseason und anfänglichen Schwierigkeiten durchaus wieder phasenweise exzellente Spiele hatte. Eine Defense, die bis zum Zuschlagen des Verletzungsteufels mit einem Male wieder Top-Team würdig war. Ein konstant wandelnder GamePlan, der um diese Probleme herum dokterte.

Am Ende war New England ein Top-10 Team nach Effizienz, was angesichts der Kaderqualität bemerkenswert ist. New England war 5.9 Punkte besser als der Durchschnitt nach SRS (#8der Liga). #8 nach Pythagorean. 12-4 Siege, und es hätten je nach Ausgang einiger Zufalls-Plays in den letzten Sekunden auch 10 oder sogar 14 sein können. Das müsste eigentlich reichen für den COTY, aber…

#1 Ron Rivera (Carolina Panthers)

Ich löse mein Versprechen ein und küre den Coach, der wie kein anderer für die neue Welle an aggressiven (besser: rational richtigen) 4th-Down Calls stand: Riverboat Ron. Ron Rivera ist mehr als die paar 4th-Downs. Ron Rivera war der Hauptgrund, weswegen die Carolina Panthers in der vorangegangenen Saison 2012 so „schlecht“ abschnitten: Wegen seines üblen „in-Game Managements“. Dass Rivera aus einem Schrotthaufen von Mannschaft, die er 2011 übernommen hatte, innerhalb von kürzester Zeit eine titelfähige Mannschaft gebastelt hat, habe ich nie abgestritten; Carolina hatte schon 2012 eine Superbowl-fähige Mannschaft, aber einen Top-Draftpick würdigen Coach.

Rivera war der Hauptgrund, besser: der alleinige Grund, weswegen ich Carolina im Sommer knapp außerhalb der Playoffs gesehen hatte. Bei allem Respekt für seine sicherlich exzellente Trainings- und Vorbereitungsarbeit, aber er hatte sie so oft mit inaktzeptablen in-Game Entscheidungen negiert, dass diese kein Zufall sein konnten. Weil Menschen Gewohnheitstiere sind und sich – wenn überhaupt – nur seeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeehr langsam ändern, hatte ich Rivera bereits als hoffnungslosen Fall abgeschrieben.

Woche 2 gegen Buffalo, und Rivera machte nahtlos weiter mit seinem „Punt in 4th-und-kurz“. Resultat: Zwei Saison-Pleite im zweiten Spiel.

Aber dann muss sich etwas bei Rivera getan haben, denn quasi über Nacht mutierte Rivera vom konservativsten Head Coach der NFL zu einem, der 4th-Down auf 4th-Down auf 4th-Down ausspielen ließ und damit mehr als eine Partie zu Gunsten seiner Mannschaft drehte. Carolina war am Ende 12-4, in etwa die Bilanz, die die Panthers schon 2012 hätten einfahren müssen. Man war ein Top-8 Team nach Effizienz-Stats. Man war die #4 der Liga im SRS mit 9.1 Punkten über Liga-Schnitt. Man stellt mit 11.7 Siegen das drittbeste Team nach Pythagorean.

Und mehr: Die Panthers funktionieren mittlerweile wie eine Mannschaft nach Riveras Vorstellungen: Massive Front-Seven, okayes Defensive Backfield. Rivera und sein Staff machten in der Offseason genau die richtigen Moves um den letztjährigen Underachiever zu upgraden. Das größte Upgrade aber war Rivera selbst – und das verdient ihm den Sideline Reporter Coach oft he Year 2013/14 Award.

San Diego Chargers in der Sezierstunde

Stat Line 2012

Record         7-9    --
Enge Spiele    2-5 
Pythagorean    8.0   (16)
Power Ranking   .421 (27)
Pass-Offense   5.7   (23)
Pass-Defense   6.1   (14)
Turnover        +2

Management

Salary Cap.
Free Agents.

Die San Diego Chargers sind die zweitgrößte Talentvergeudung nach dem FC Arsenal. Was der FC Arsenal aber besser macht: Er hält sich dabei zumindest jung und frisch. Der Kern der Chargers dagegen alterte nun ein halbes Jahrzehnt, und er halfterte ab: Drei Jahre in Folge ohne Playoffs, und während man 2010/11 noch absurdeste Negativrekorde in Sachen Special Teams aufstellen musste um nicht das dominierende Team in der Liga zu sein, schied man in 2012/13 zum ersten Mal nicht „zu früh“ aus: Die Chargers stellten erstmals seit Äonen keine richtig wettbewerbsfähige Mannschaft mehr.

Als Konsequenz musste Head Coach Norv Turner gehen. Weg ist auch GM A.J. Smith, der Mann, der verantwortlich war, dass dieser Kader vor fünf Jahren so potent besetzt war, der gleichzeitig aber auch eine Serie an merkwürdigen Abgängen in den Jahren seither zugelassen hat.

Die neuen Männer am Ruder sind GM Tom Telesco, ein für mich unbeschriebenes Blatt, und HC Mike McCoy. McCoy ist eine interessante Personalie, weil man bei ihm nicht so richtig weiß, wofür er steht: Jahrelang ein Stift in den Trainerstäben von Carolina und Denver, kann recht gut mit Running Backs, verzweifelt nicht ohne einen „richtigen“ Franchise-QB. McCoy durchlief in den letzten beiden Jahern als OffCoord in Denver Himmel und Hölle, oder besser: Hölle und Himmel? Erst Tebow, dann Peyton Manning – krasser kannst du keine Gegensätze bekommen, aber McCoy schneiderte bei beiden ein brauchbares System.

Bei Tebow limitierte er auf Teufel komm raus das Element des Wurfes, aber auch bei Manning ließ sich McCoy nicht dazu hinreißen, eine Passorgie aufzuziehen, sondern streute bedächtig immer wieder Laufspielzüge ein. Jetzt also San Diego. Viel zu seinen Intentionen gab McCoy nicht öffentlich preis, weswegen man in viele Aktionen was reininterpretieren muss, will man die Chargers der Zukunft erörtern.

Die Offense

McCoys große Aufgabe wird sein, Grundlagenforschung zu betreiben, was in QB Philip Rivers gefahren ist: Seit ich denken kann einer der dominantesten Quarterbacks in einer schönen downfield-Offense, aber seit eineinhalb Jahren in der Krise. Vor allem die abgelaufene Saison zeigte die Verunsicherung Rivers‘, der verdammt viele horrende Bälle warf und meilenweit von jenem Hall of Fame-würdigen Kaliber der Vorjahre spielte. Ist es nur eine einmalige Formkrise? Oder sind die Ursachen andere?

Zum Beispiel die Offensive Line, der man zuletzt zwei furchtbare Jahre nachsagte. Fast alle Leistungsträger früherer Jahre sind weg, diesmal G Vasquez (ausgerechnet zum Divisionsrivalen Denver) und LT Jared Gaither, wobei bei letzterem der Terminus „Leistungsträger“ mit Vorsicht zu genießen ist. Es gab genügend Mannschaftskameraden, die sich auch öffentlich klar und deutlich zur Trainingsfaulheit des hochbezahlten Gaither äußerten und nahe dran waren, dem Mann vor laufender Kamera die Fresse zu polieren.

Was bleibt: Die Line ist in sämtlichen Metriken im unteren Viertel zu verorten und dürfte innerhalb der nächsten beiden Jahre eine Blutauffrischung brauchen. Vor allem beide Tackle-Positionen dürften erhöhte Priorität bekommen.

Der Rest ist okay. RB Ryan Mathews, soweit ist man sich einig, wird seinen Status als hoher Draftpick nicht mehr rechtfertigen können, ist aber wenn fit immerhin ein gefährlicher straighter „Geradeaus-Läufer“. Backup Ronnie Brown ist auch für 4-5 Carries pro Spiel als Entlastung gebräuchlich und der frisch aus New England eingekaufte RB Danny Woodhead könnte sowas wie den neuen Sproles geben: Flink, intelligent, fangstark – jenes Element, das seit Sproles‘ Abgang in San Diego komplett fehlt.

Die Crew an Ballfängern passt: TE Gates wird nicht jünger oder fitter, aber angesichts seiner Klasse und vieler anderer Baustellen dürfte McCoy es bei Gates belassen. Und mit TE Ladarius Green gibt es einen aus dem College bekannten Mann als Backup. Die Receivers lesen sich mittelprächtig mit Leuten wie Floyd, Meachem, Brown, Royal, Goodman, Alexander (letzterer mit Sternchen) – es ist kein richtiger Star-WR dabei, aber ein McCoy und ein Rivers sollten damit zu fahren kommen.

Fazit: Die Offense Line wird in absehbarer Zeit von Wichtigkeit sein, wie vielleicht bald auch Wide Receiver und Tight End. Sofern Rivers sich aber stabilisieren kann, werden die Chargers auf Jahre zumindest adäquates Angriffsspiel sehen. Vielleicht wird ein Entwicklungs-Prospect auf QB gedraftet.

Die Defense

Die Defense hatte 2012/13 echte Probleme, was vor allem auf einen pathetischen Passrush und schwache Cornerbacks an beiden Seitenlinien zurückgeführt wird – die Zahlen bestätigen diese Eindrücke. Trotzdem überlebte DefCoord John Pagano (Chucks Bruder) den HC-Wechsel und wird weiter an seiner 3-4 Defense basteln.

Da wartet ein uns allbekanntes Problem: Wer gibt den Nose Tackle nach den Abgängen von Franklin und dem bärtigen Beißer Garay? Generell geht der Defensive Line hinter den beiden jungen Talenten DE Liuget und DE Reyes jegliche Tiefe ab – die tief besetzte Draftklasse dürfte hier Abhilfe schaffen.

Bei den Linebackers sagte man OLB Melvin Ingram ein solides Rookiejahr nach und viele erwarten für heuer den Durchbruch. Ingram ist der Passrush-Typ, OLB Jarrett Johnson eher der fleißige Allrounder. Was sicher fehlt, ist ein zweiter druckvoller Linebacker, um die Secondary zu entlasten.

Dort wurden gleich beide Starting-Cornerbacks rasiert (Jammer, Cason). Die Hoffnung scheint zu sein, dass CB Gilchrist und CB Wright gemeinsam mit CB Cox den Laden soweit zusammenhalten können, dass San Diego nicht erneut komplett pulverisiert wird. Draftet San Diego in der ersten Runde einen Cornerback, wäre ich aber auch alles andere als überrascht. FS Eric Weddle sagt man eine Weltklasse-Saison nach, aber über Weddles Nebenmann wird noch gegrübelt.

Ausblick

Die größten Baustellen sind Stand heute:

  • Offensive Tackle
  • Outside Linebacker
  • Cornerback
  • Tiefe in der Defense Line

Kriegen die Chargers über den Draft wenigstens ordentliche Spieler, um diese Lücken zumindest im Ansatz zu stopfen, traue ich der Mannschaft durchaus ein ernstes Wörtchen in der nicht furchterregenden AFC West zu. Prio eins dürfte Protection für Rivers sein, denn ein Rivers, dem du a bissl Zeit gibst, ist wohl auch künftig ein guter Rivers. Danach kannste immer noch versuchen, den Passrush aufzumotzen und drei Defense Liner draften.

NFL Wild Card Weekend 2011/12 – Beobachtungen (Tebow, Steelers, Lions, Bengals, Falcons)

Ohne große Einleitung im Folgenden einige kurze Beobachtungen zu den Spielen vom Wochenende: Pittsburghs Gameplan; undisziplinierte Lions und Bengals; Atlantas Front Seven und New Yorks Lauspiel.

Dick LeBeaus Game Plan war ziemlich simpel: acht oder neun Mann an der Line of Scrimmage, um Denvers Laufspiel zu stoppen; enge Mannverteidigung gegen die WRs, weil Tebow die “accuracy” fehlt, um Würfe gegen diese Deckung zu machen. Die Überlegung dahinter: Laufspiel abwürgen und Denver dazu zwingen, ihr Heil in längen Bällen zu suchen.

Tja, das Ergebnis war letztlich nicht überragend, aber trotzdem war es der richtige Game Plan. Es gab dann am Sonntag Nachmittag nur zwei Probleme. Das kleinere war, daß Pittsburghs Verteidiger einige wenige Fehler gemacht haben. Der größere war, daß Tebow viel besser gespielt und gepaßt hat, als es alle erwartet hatten.

Der entscheidende Fehler war natürlich, daß Backup-Safety Ryan Mundy beim TD in der Verlängerung den Play-Action-Fake glaubt und daraufhin “underneath” seine Verantwortung in der Deckung verpennt. Dazu ist CB Ike Taylor zu langsam und kann den Tackle nicht machen. Aber bis auf einige überaggressive Schritte in die falsche Richtung von Safety Troy Polamalu war das eine gute Leistung der Verteidiung.

Denvers Laufspiel wurde gut in Schach gehalten und machte nur 131 Yards bei 34 Carries (3,9 yds/carry). Aber drei ganz starke Pässe haben zu zwei Touchdowns geführt. Man kann da auch weder LeBeau noch den CBs einen großen Vorwurf machen: perfect pass beats perfect coverage heißt eine der ältesten Footballweisheiten. Ansonsten gabs noch ein FG nach Roethlisberger-INT; ein FG nach Big-Play zu TE Fells, bei dem Polamalu schlecht aussieht; ein FG nach 32-Yard-DPI, die auch nicht jeder Referee so pfeift.

Tebow hat einfach die entscheidenden Plays gemacht. Besser gemacht als die Defense und das spricht nicht gegen Pittsburghs D, sondern für Tebow und den mutigen Game Plan von Denvers OC Mike McCoy. Man sollte nicht versuchen, mit Ausreden wie Verletzungen, zu alte Verteidiger oder blöder Game Plan Tebows Leistung zu schmälern. (Tebow hat übrigens ohne WR Eric Decker gespielt, der in der Regular Season mehr Catches als jeder andere Bronco gemacht hat und auch ohne Chris Kuper, den besten O-Liner Denvers. Wer hat im Januar keine Verletzten?)

Schlechte Defense gabs dagegen bei den Bengals und den Lions zu beobachten. Nicht in Sachen Strategie und Schemes, sondern in Disziplin und Fundamentals. Vergeigte Tackles und schlechte Winkel zum Ballträger en masse. Dazu fürcherliche blown coverages und sichere Interceptions, die einfach fallen gelassen werden. Beide, Bengals und Lions, hätten mit einer disziplinierten Leistung bis zum Schlußpfiff mithalten können. So muß man sich fragen, wie erfahrene und ausgewiesen Verteidigungsexperten wie Marvin Lewis und Mike Zimmer (HC/DC Cincinnati) beziehungsweise Jim Schwartz und Gunther Cunningham (HC/DC Detroit) ihre Spieler trainieren. Oder ob einige Spieler einfach zu schlecht sind. (Vor allem die Safeties waren unterirdisch. Und ich als Patriots-Fan dachte, ich hab schon den Bodensatz dieses Jahr gesehen.)

Fragen muß man sich auch, was mit Atlantas Front Seven los war. Die viel kritisierte Offensive Line und die Running Backs der Giants sahen gegen diese aus wie die sprichwörtlichen “Man among Boys”. Vor allem die hochgelobten DT Corey Peters, DE John Abraham und die LBs Sean Weatherspoon und Curtis Lofton konnten die (hohen) Erwartungen nicht erfüllen, ließen sich ständig rumschubsen oder waren “out of postition”. Wenn New Yorks Laufspiel dieses Niveau auch nächste Woche gegen Green Bay zeigen kann, sollten sie viel Spaß haben. Die Front Seven der Packers ist noch mal ´ne ganze Klasse schlechter als Atlantas. Brian Van Gorder, DC der Falcons, ist gestern übrigens zum Defensive Coordinator der Auburn Tigers ernannt worden. Vielleicht hat er zu viel Zeit in den Bewerbungsprozeß gesteckt, statt seine Defense auf die Playoffs vorzubereiten.

Besser vorbereiten sollen hätte auch OC Mike Mularkey sein Playcalling bei 3rd/4th&short-Situationen. Ein wenig kreativer als “Matt Ryan fällt nach vorne und hofft, daß es reicht” hätte es schon sein müssen. Auch Mularkey bewirbt sich seit einigen Tagen bei anderen Teams und hat die Zeit zwischen Woche 17 und Wild Card Weekend mit Vorstellungsgesprächen anderswo verbracht.