Trainerkarussell 2018: Baby Belichicks

Der Trainermarkt 2018 in der NFL ist so bizarr wie selten. Bei den Offensive Coordinators erleben wir eine schier unheimliche Serie an uninspirierten Oldie-Einstellungen, während auf Headcoach der Markt von „Baby Belichicks“ überflutet wird – Coaches, die mehr oder weniger direkt aus dem Stammbaum der New England Patriots kommen. Ein weiterer Zwischenstand. Weiterlesen

Cleveland Browns in der Sezierstunde

Die Cleveland Browns haben mehr oder weniger offiziell die Raiders als Komödiantenstadel Nummer 1 in der NFL abgelöst – Pate steht dafür der verrückte Start in die Offseason 2014, als man nacheinander Head Coach Rob Chudzinski nach nur einem Jahr feuerte, sich wochenlang auf der Suche nach einem Nachfolger nur Watschen holte, eine gefühlte C-Lösung präsentierte und schließlich die Bomben zündete in Form von Hausreinemachen mit Entlassung von CEO und General Manager. Zurück bleibt ein Club, bei dem man sich fragen muss, ob der Owner Jimmy Haslam – rein zufällig noch immer in FBI-Ermittlungen steckend – ihn überhaupt noch unter Kontrolle hat.

Es ist also viel passiert, und über die Hintergründe kann man weiter nur spekulieren. Als Positives bleibt festzuhalten: GM Michael Lombardi ist entsorgt. Lombardi ist zwar der Magier, der für RB Trent Richardson noch einen 1st-Rounder via Trade herausholen konnte, aber

a) war sein Vertragspartner Jim Irsay, und
b) irgendwas Positives bewirkt jeder.

Lombardi darf nun in New England wieder Praktikant Belichicks spielen und wird dort keinen weiteren Schaden anrichten. Als sein Nachfolger wurde das Eigenbauprodukt Ray Farmer installiert, ein Mann, von dem man sagt, er sei in der Trainersuche auf Weisung Lombardis überhaupt nicht involviert gewesen. Na denn. CEO Joe Banners Posten wurde erstmal nicht nachbesetzt.

Zum Schreien ist dabei tatsächlich: Die Browns haben einiges Potenzial im Kader, und der neue Headcoach, so unglücklich die Suche nach ihm verlief, ist durchaus ein spannender: Mike Pettine, ehemaliger Defensive Coordinator der Jets und Bills, einer, der schon bewies, dass ihm längerfristige Planung kein Fremdwort ist.

Und er ist mutig, holte sich den ligaweit verpönten OffCoord Kyle Shanahan in den Trainerstab, der nach dem Fiasko in Washington erstmal einigen verspielten Kredit wieder aufnehmen muss. Shanahans Ankunft wird vermutlich für die Browns auch die Umschulung auf eine zonen-basierte Offense bedeuten, die schon sein Vater in Denver kultivierte, und die er selbst schon in Houston kultivierte, und die beide gemeinsam in Washington… kultivierten kann man es vielleicht nicht nennen, aber damit kurzzeitig großen Erfolg hatten.

Pettine nahm einen Posten an, den sonst keiner wollte, denn wer will schon wie Vorgänger Chudzinski nach nur einem einzigen Jahr abgesägt werden? Noch dazu, wenn man Chudzinskis Rahmenbedingungen berücksichtigt – oder die Tatsache, dass die Cleveland Browns 2013/14 durchaus recht fetzige „Upside“ andeuteten: Mit .507 Sieg-Wahrscheinlichkeit gegen den Ligaschnitt war man #18 der NFL nach meinem Power-Ranking, und so ziemlich der klassische Mittelfeldläufer. Die Pythagoreische Erwartung, und überhaupt alle punktbasierten Rankings sehen Cleveland etwas schlechter als die reinen Effizienz-Stats Down für Down, aber no way, dass Cleveland im kommenden Herbst noch einmal bloß vier Siege holt.

Überblick 2013

Record         4-12
Enge Spiele    2-5
Pythagorean    5.4    26
Power Ranking  0.507  18
Pass-Offense   5.5    27
Pass-Defense   5.5     4
Turnovers       -8

Management

Salary Cap 2014.

Das heißt nicht, dass der Einstand der neuen Führungsriege besonders optimistisch stimmte: Cleveland hatte so ziemlich genau drei oder vier echte NFL-Spitzenspieler. Einen davon – S T.J. Ward – ließ man trotz vieler Millionen Cap-Space ziehen. Einen anderen – C Alex Mack – hielt man unnötig lange hin, vergrämte ihn mit einer „Transition-Tag“ Klausel, die zu seinem Abgang hätte führen können.

Es wurden aber auch gute Moves gemacht. QB Brandon Weeden, gescheiterter 2012er-Erstrundendraftpick, wurde nach Dallas ziehen gelassen und somit ein Neuaufbau auf der zentralen Footballposition schlechthin ermöglicht. Weedens Backup Brian Hoyer ist Stand heute die Nummer 1 im Kader, ein blasser Mann, der bisher in New England und Arizona nur als Karteikartenhalter in Erscheinung getreten war, aber letztes Jahr in seinen wenigen Einsätzen zwischen Weedens Demontage und Campbells Verletzung sehr, sehr brauchbar ausgesehen haben soll.

Da folgt die klassische Frage: Sollen wir ihm das abnehmen? Sind drei Wochen Brian Hoyer aussagekräftig genug um 28 Jahre Brian Hoyer vergessen zu machen? Sollen wir ihm eine Chance geben um drauf zu kommen, dass er Matt-Moore-like nach drei weiteren Spielen ausgeguckt ist oder kann er es wirklich packen?

Fakt ist: Cleveland hat mal wieder ernsthafte Fragezeichen auf Quarterback. Lösung a) ist Hoyer zu glauben und eventuell in einem Jahr sicher zu sein, keine Lösung oder die Lösung zu haben. Lösung b) ist, sofort einen neuen Quarterback zu draften. Von Manziel bis Carr geisterten denn auch schon alle möglichen Namen von bekannten Talenten aus dem Draft durch die Gazetten.

Wer auch immer neuer Quarterback wird: Er kann mit Material arbeiten. Bei den Wide Receivers hatte Josh Gordon seinen Durchbruch mit 1646yds aus nur 86 Catches. Von Gordon sind noch nicht alle überzeugt, dass er der neue beste Receiver der Liga ist, aber er sah auf alle Fälle phasenweise brillant aus. Gegen echt gute Manndeckung hat er noch Probleme, aber das haben viele andere auch.

Der groß gewachsene TE Jordan Cameron hat auch Potenzial zuhauf angedeutet, und die große Schwachstelle des Receiving-Corps hinter diesen Jungs wurde in der Offseason mit den Verpflichtungen von Andrew Hawkins aus Cincinnati und Nate Burleson aus Detroit angegangen – zwei wenig spektakuläre Neuzugänge, beide mit Verletzungssorgen, aber sie sind billig und sie bringen neben etwas Routine wohl auch die erhoffte kurzfristige Lösung für 2014 – eigentlich ideal, um noch einen jungen Wideout zu draften und den dieses Jahr einzulernen.

Bei den Runningbacks ist man schon qua Verkauf von Richardson besser aufgestellt als letzten Sommer, sagen die Spötter. Ganz so wird es nicht sein: Richardson war schon ein sehr spezielles Talent – aber einen 1st-Round Draftpick zu haben ist besser. Aus Houston wurde für relativ satte RB-Kohle (3.5 Mio/Jahr) Ben Tate eingekauft, der dort immer wieder kurz vor dem Durchbruch stand, ihn aber nie ganz schaffte. Tate gilt als kräftiger und explosiver Back, soll aber nicht rundum komplett sein, sprich Probleme haben, kurze Pässe aus dem Backfield heraus aufzunehmen. Tates Backups sind allesamt völlig unbeschriebene Blätter, bei denen man wohl auf den Shanahan’schen Effekt hofft.

Wo es nicht ganz übel hapern sollte: Offensive Line. Das Talent ist durchaus da. LT Thomas und C Mack gelten als möglicherweise beste Spieler ligaweit auf ihren Positionen, und beide sollten keine Probleme haben, die Umstellung auf die eher laterale Zonenoffense Shanahans haben. RT Schwartz gilt auch als aufstrebender Spieler, aber auf beiden Guard-Positionen könnte es noch Nachschub in Form von Draftpicks geben – hier ist Cleveland eher suboptimal besetzt.

Die Defense wurde zuletzt zwar ordentlich kritisiert, aber nach NY/A hatte sie eine Top-Passdefense: 5.5 NY/A, viertbester Wert der Liga. Das Personal ist gut für eine 3-4 Defense, die Pettine so liebt, aufgestellt, und mit DefCoord O’Neil holte sich Pettine auch einen alten Weggefährten in den Stab, der seine Denke teilt. Pettine ist bekannt dafür, dass er nicht häufig blitzt, sondern versucht, mit komplizierten „Zone-Wechseln“ zwischen den Outside Linebackers und Defensive Backs Druck auf das Offensive Backfield hinzukriegen. In New York bei den Jets sowie in Buffalo hatte er damit großen Erfolg.

Ganz vorne drin stehen mit den Tackle/Ends Rubin und Bryant sowie dem monströsen Nose Tackle Phil Taylor drei sehr potente, noch relativ junge Line-Spieler, die schon in den letzten Jahren gute Gegenwehr auch gegen bessere Offensive Lines leisteten. Sie sollten als Combo imstande sein, den Linebackers den Rücken frei zu halten, auch wenn sie in Sachen Tiefe Probleme bekommen könnten, wenn nicht noch der eine oder andere Rotationsspieler hinzugefügt wird.

Auf Linebacker ergänzte man den Oldie Karlos Dansby, der zuletzt einen eigenartigen Karriereverlauf hatte: In Arizona kurz nach dem Superbowl-Run 2008 entbehrlich geworden, ging Dansby nach Miami, wo er kurzzeitig mächtig aufgeigte, aber dann als zu alt abgeschrieben gefeuert wurde. Kehrte letztes Frühjahr für einen Minimalvertrag nach Arizona zurück und revitalisierte seine Karriere mit einer All-Pro würdigen Saison. Dansby ist 32 und folgte in dieser Offseason dem Ruf des Geldes, solange er noch konnte. Er unterschrieb für einen zweistelligen Millionenbetrag an Handgeld in Cleveland und ist als neuer Middle-Linebacker angedacht.

Dansby ersetzt den geschassten D’qwell Jackson, aber wer sein Nebenmann werden soll, ist nicht ganz klar: Es gibt kaum bekannte Alternativen. Ein Tank Carder, ehemals Abwehr-Hero bei TCU am College, gilt nicht als robust genug um als mehr als Ergänzungsspieler durchzugehen. Die meisten der weiteren Optionen sind eher Typus „Edge Rusher“ für die OLB-Positionen.

Zum Beispiel Paul Kruger, vor einem Jahr mit dem Nimbus des Superbowl-Champs für obszönes Geld aus Baltimore gelockt, und hernach klarerweise eine Ernüchterung. Oder Jabaal Sheard, der nach zwei sehr guten Einlernjahren schon eher als Wirbelwind an Passrush durchgeht; Sheard war nun zwei Jahre lang die beste Passrush-Waffe der Browns.

Das könnte sich ab heuer ändern, denn der 2013er-Draftpick, Barkevious Mingo, gilt als exzellentes Talent kurz vor seinem Durchbruch: Mingo hatte als Rookie seine Schwächephasen, sogar mehr Schwächephasen als gute Phasen, aber die Lichtblicke die er zeigte, sollen sehr hell gewesen sein. PFF.com charakterisiert den boom or bust-Spieler Mingo zudem schon als eine Art recht kompletter Edge-Spieler.

Wo es berechtigte Fragen gibt: Secondary. Dort wurde der Strong-Safety Ward durch den Hitter Whitner (oder Hitner) ersetzt. Es gibt wenige heftigere Downgrades als Whitner für Ward, wenn man solide Abwehrarbeit schätzt; Whitner steht für eine Handvoll Interceptions und zwei Handvoll blaue Flecken pro Jahr, wandelt aber stets am Rande eines aufgegebenen Big-Plays, weil er nicht flink genug ist um seine Rolle zur vollsten Zufriedenheit aller auszufüllen. Wenn Pettine denkt, er hat hier seinen neuen Super-Safety, könnte er sich getäuscht haben.

Auf Cornerback gibt es mit Joe Haden einen sehr guten Manndecker mit immensem Potenzial, aber Haden sah letztes Jahr manches Mal auch gegen mittelprächtige Receiver sehr, sehr durchschnittlich aus. Hadens bisherige Zeit in Cleveland verspricht allerdings Regression zur Mitte, sprich zur Mitte nach oben. Die restlichen Optionen im Backfield sind eher die Ergänzungsspieler, die du durchrotieren lässt – möglich, dass man bei vorhandenem CB-Talent im Draft nachbessert.

Ich sehe bei den Browns extrem viel schlummerndes Potenzial. Dieser Kader ist viel besser aufgestellt als es die vielen 4-12 und 5-11 Saisons der letzten Jahre befürchten lassen. Er ist halt bisher gescheitert, weil kein einziger der Quarterbacks sich als Glücksgriff erwies. Ob sich daran 2014 was ändern wird? Ob man überhaupt versuchen wird, den QB zu finden? Nix ist fix, aber Punkt ist auch, dass z.B. Seattle auch jahrelang wie eine unaufgeräumte Baustelle aussah, ehe mit Russell Wilson eher zufällig als geplant der QB-Superstar kam und plötzlich alles einen Sinn ergab.

Deswegen folgende Needs:

  1. Quarterback
  2. Defensive Backfield
  3. Inside Linebacker
  4. Offensive Guard
  5. Wide Receiver

Cleveland hat alle Optionen offen. Man hält zwei Picks in der ersten Runde (#4 und #26), man hält den Pick #35, dann zweimal dritte Runde und zweimal vierte Runde. Das ist mächtig Holz zum Abfackeln eines Feuerwerks – eine doch beachtliche Hinterlassenschaft eines ex-GMs wie Lombardi. Es ist noch etwas hin zum Draft, aber so wie es sich momentan zu entwickeln scheint, könnte es sogar sein, dass die Browns mit dem ersten Pick nichtmal einen Quarterback ziehen müssen, sondern eher eine Granate wie WR Watkins oder LB Mack in Angriff nehmen können. Quarterback für die späte erste oder frühe zweite Runde… oder, Cleveland? Oder hast du, Cleveland, noch die Gespenster von Brady Quinn (#22 Pick 2007) und Weeden (#22 Pick 2012) im Hinterkopf?

NFL-Sonntagsvorschauer 2013, Week 7

Weil korsakoff sich rumtreibt, kommt die Vorschau auf die Spiele des siebenten Spieltages heute von mir. Das Sunday Night Game hat erwartungsgemäß alle Schlagzeilen dominiert, aber auch vorher wird schon gespielt. Im Fernseher kann man die folgenden Spiele sehen:

  • 19h00  Philadelphia – Dallas
  • 19h00  Detroit – Cincinnati (*)
  • 22h25  Kansas City – Houston
  • 22h25  Green Bay – Cleveland (*)
  • 02h25  Indianapolis – Denver

alles auf Sport1US. PULS 4 überträgt ab 22h30 das Spiel Green Bay Packers vs. Cleveland Browns. Im Internet sieht man alle Spiele mit dem Game Pass. Den kann man auch ausprobieren: das Free-Game im Gamepass ist Atlanta Falcons – Tampa Bay Buccaneers.

Die 19.00-Uhr-Spiele

Mit dem GamePass könnte man zum Beispiel San Diego Chargers (3-3) in Jacksonville (0-6) gucken. Muß man aber nicht. Man könnte stattdessen Buffalo (2-4) in Miami (3-2) versuchen. Ich bin ein großer Fan der Bills-D. Diese vereint unter der Aufsicht von Mike Pettine viel individuelles Talent (Williams & Williams, Dareus, Byrd, Gilmore) mit einem komplexen System, das Pettine als rechte Hand Rex Ryans bei den Jets mitentwickelt hat. Ein guter Gegner, um zu sehen, ob Miamis Quarterback Ryan Tannehill wirklich „for real“ ist. In den letzten Wochen sah er meistens so aus. Auf der anderen Seite ist E.J. Manuel noch ausgeknockt mit kaputtem Knie und so wird Thad Lewis zu seinem zweiten Start kommen. Lewis hat bei Duke unter QB-Guru David Cutcliffe gelernt, auf den auch Peyton Manning schwört. Nur hatte es wahrscheinlich auch Gründe, daß Lewis nicht gedraftet wurde und es wird eine bärenstarke Leistung der Defense brauchen, um Miami zu schlagen.

Auch gucken könnte man das andere Divisionsduell der AFC East. Die New England Patriots (5-1) fahren in die Meadowlands zu den New York Jets (3-3). Ja, 3-3 stimmt wirklich. Niemand hat vor der Saison irgendwas auf Gang Green gegeben, aber wie immer mit Rex Ryan kann man auf eine furchteinfößende Verteidigung bauen. Die wird es schwerer haben als im Hinspiel in Woche 2, denn Robert Gronkowski wird das erste Mal in dieser Spielzeit zum Einsatz kommen. Außerdem ist Antonio Cromartie angeschlagen.

Die einzige Niederlage holten sich die Pats bei den Cincinnati Bengals (4-2) ab, die um 19.00 bei den Detroit Lions (4-2) antreten. Die Bengals hatten bereits einige komische Schwächephasen in ihren bisherigen Spielen, haben aber eben auch gegen New England und die Packers gewonnen. Vieles hängt an QB Andy Dalton, der sich scheinbar nicht weiterentwickelt hat. Schön anzusehen ist bei Cincy neben A.J., Green und der Defensive Line vor allem Rookie RB Gio Bernard. Das schönste direkte Duell dürfte wohl Calvin Johnson vs Leon Hall werden; das entscheidende wahrscheinlich RB Reggie Bush und TE Joseph Fauria gegen LBs Vontaz Burfict und Ray Maualuga. Wenn diese beiden Schildkrötoen im Decken des prototypischen space players und des riesigen Tight Ends nicht über sich hinauswachsen, wird der ehemalige Heisman Trophy Gewinner jeden dritten Versuch in neuen ersten verwandeln und UDFA Fauria wieder einige TDs fangen.

Weil ja irgendwer die NFC East gewinnen muß, spielen die Dallas Cowboys (3-3) und die Philadelphia Eagles (3-3) direkt gegeneinander. So ist sichergestellt, daß wenigstens eine Mannschaft der Division eine positive Bilanz hat. Während die vorigen drei Partien alle mit guten bis starken Verteidigungsreihen glänzen, sollte dieser Klassiker ein zu einem wilden shootout werden. Dez Bryant für 200 Yards, Tony Romo wieder für 500, Jason Witten mit 3 TDs?  Warum nicht! Da bei den Cowboys außer Jason Hatcher die gesamte D-Line verletzt ist, sollten auch die Eagles genügend Platz für ihr gefürchtetes Laufspiel bekommen. QB Nick Foles wird wieder starten, nachdem er in den letzten anderthalb Spielen ganz anständig aussah und Michael Vick weiterhin an Muskelproblemen laboriert.

Da auch die anderen Mannschaften so schlechte Bilanzen haben, sind die Washington Redskins (1-4) noch lange nicht raus aus dem Rennen. Heute bekommen sie Besuch von den Chicago Bears (4-2). Die beiden großen Bären Brandon Marshall und Alshon Jeffery sind viel zu viel für Washingtons gurkige secondary. Da braucht es schon eine erstklassige Leistung von Robert Griffin. Chicago hat auch keine besonders gute D, es könnte auch hier in Punktefestival geben – wenn Griffin es mal schafft, ohne Turnovers auszukommen.

Die NFC South dürften die New Orleans Saints (5-1, bye week) spätestens mit den Verletzungen von Julio Jones und Roddy White eingetütet haben. Die Atlanta Falcons (1-4) empfangen die Tampa Bay Buccaneers (0-5) zum Krisengipfel. Neben White und Jones fehlen auch RB Steven Jackson und LT Sam Baker. Tampas einzigartiger Coach Greg Schiano läßt wieder Rookie Mike Glennon starten gegen eine Verteidigung der Falcons, die fast so viele Verletzte hat wie die Offense. Tampa hat drei der Spiele nur mit drei oder weniger Punkten Unterschied verloren; sie haben Darelle Revis, der gar nicht weiß, wen er jetzt verteidigen soll (Tony Gonzalez?); und Doug Martin sollte jede Menge rushing yards gutmachen können – Vorteil Bucs.

Auch die Carolina Panthers (2-3) werden den Saints nicht mehr gefährlich werden. Dafür ist die Offense zu schlecht. Cam Newton bekommt keine Konstanz in sein Spiel, er hat keine guten WRs und sogar Steve Smith hat in den letzten Wochen geschwächelt. Dafür reißt die Verteidigung alles raus. Die Schwachstelle ist ganz klar das Defensive Backfield, aber Sam Bradford wirft ja zum Glück keine Pässe über mehr als 10 Yards. Die St Louis Rams (3-3) leben ebenfalls von ihrer Defense, die auch gegen Carolina gut aussehen sollte. Enges Spiel, aber falls Ron Rivera weiterhin vom 4th-Down-Monster besessen ist, gewinnen natürlich die Panthers.

Die 22.05/22.25-Uhr-Spiele

Zwei der späten Spiele sind so seltsame Interconference Games: San Francisco (4-2) in Tennessee (3-3) und Cleveland (3-3) in Green Bay (3-2). Die Packers haben so viele Verletzte, daß sie im schlimmsten Falle nicht mal die 46 Spieler zusammenbekommen, die sie maximal einsetzen dürften. Unter anderem fehlen die WRs James Jones und Randall Cobb, die LBs Clay Matthews, Nick Perry und Brad Jones. Upset alert, auch mit Brandon Weeden als starter.

Trap game alert gibts es im Arrowhead Stadium, wo Eintracht Langeweile (6-0) die Houston Texans (2-4) empfängt. Die Offense um Alex Smith hat letzte Woche gegen Oakland nur 17 Punkte gemacht. Überlagert wird die offensive Langeweile von der Defense, die bis jetzt schon absurde 31 Sacks und 18 Turnovers für sich verbuchen konnte. Wenn Houstons Angriff um Case Keenum, der seinen ersten Start machen wird, ohne Ballverluste auskommt, wird das ein Spiel mit wenigen Punkten und knapp bis zum Schluß. Die Texans haben schließlich immer noch J.J. Watt und überhaupt eine Defense, die in dieser Saison noch nie mehr als 300 Yards zugelassen hat.

Zu guter letzt noch ein Klassiker: Baltimore Ravens (3-3) im Heinz Field zu Pittsburgh (1-4). Beide Mannschaften haben sich immer noch nicht gefunden und zeigen sich sehr launisch von Woche zu Woche. Zumindest bei Pittsburgh ist ein Aufwärtstrend erkennbar, während man Baltimore nie sicher sein kann, was man am Sonntag bekommt. Nichtsdestotrotz: noch sind beide Teams nicht so schlecht, als daß man die beste rivalry der letzten Jahre verschmähen sollte.

Das Sunday Night Game

Denver Broncos (6-0) zu Gast bei den Indianapolis Colts (4-2). Dazu ist im Grunde schon alles geschrieben worden (außer das, was heute später noch von seminole kommt). Die storylines: Peyton kommt zurück nach Hause; kann Denvers Offense weiterhin auf Rekordniveau spielen?; Von Miller kehrt zurück; Andrew Luck und der Druck im Duell der Generationen; wie überbewertet ist Indys-D?; kann Trent Richardson für 100 Yards laufen?; und vor allem und wieder PeytonPeytonPeytonPeytonPeytonPeytonPeytonPeytonPeytonPeytonPeytonPeytonPeytonPeytonPeytonPeytonPeytonPeyton. Manchmal kann zu viel media coverage einem so ein Spiel auch vergraueln. Aber es sollte natürlich ein großartiges Spiel werden und gilt völlig zu Recht als eines der Highlights dieser regular season. Viel Spaß!

NFL Notizblock, Week 5: TNF Buffalo Bills @ Cleveland Browns

Buffalo gegen Cleveland, primetime. Puh. Aber, wie auch korsakoff gestern schon geschrieben hat: es braucht gar nicht viel, um sich dieses match-up schönzureden. Die Buffalo Bills (2-2) haben mit Mike Pettine den Adotpivsohn Rex Ryans als Defensive Coordinator. In Verbindung mit einer Linie bestehend aus Kyle Williams, Marcell Dareus, Mario Williams und einem Top-Rookie in LB Kiko Alonso ist einige Unterhaltung garantiert (und wenn später noch Safety Jairus Byrd und Cornerback Stephon Gilmore zurückkehren, ist das Potential unbegrenzt). Auf der anderen Seite des Balles haben sie mit C.J. Spiller und Fred Jackson eines der explosivsten backfields weltweit. Der QB ist ein 1st-rd pick und der HC hat eine unterhaltsame up-tempo offense installiert. So fuhren sie in den Dawg Pound die Factory of Sadness zu den ebenso unterhaltsamen Cleveland Browns (2-2). Weiterlesen

Glaskugel 2012: New York Jets

 

Beinahe jedes Jahr gibt es während der Offseason einen riesigen Medienhype um die Footballteams in New York. Dieses Jahr ist es ganz besonders schlimm. Und das hat mit einem Mann zu tun. Nein, es ist nicht Tom Coughlin, der seine Blue Men Group zum zweiten Super Bowl in fünf Jahren geführt hat und einen Bill Belichick mittlerweile locker zum Frühstück verspeist.

Nein, dieses Jahr ist es auch nicht Eli Manning, der nach unglaublichen Leistungen im Dezember und mehr noch in den Playoffs zusammen mit Drew Brees und Aaron Roders das Top-Trio der NFL-Quarterbacks bildet und besser spielt als Tom Brady.

Dieses Jahr geht es um die Jets und um den Mann, der Gang Green wieder zur größten Nummer der Stadt machen soll. Menschlich spaltet er die Massen; auch footballtechnisch hält die Hälfte ihn jetzt schon für eine Legende während ihn die andere Hälfte für fürchterlich überbewertet hält; er ist aufregend, er kann spektakulär sein, er kann immer wieder etwas Neues aus dem Ärmel schütteln und darum hat er auch schon gezeigt, daß er in den Playoffs gewinnen kann. Zu allem Überfluß ist er in diesem Sommer auch körperlich in der besten Form seines Lebens. ESPN macht sogar Sondersendungen über die Jets und das muß mit ihm zu tun haben. Wir reden von – natürlich: Rex Ryan.

Rex Ryan geht mittlerweile in sein viertes Jahr als Head Coach der New York Jets. In seinen ersten beiden Jahren hat er sie jeweils ins AFC Championship Game geführt. Letztes Jahr reichte es nur für einen 8-8-Rekord, weil die Offense – wie eigentlich immer in den letzten drei Jahren – alles vertrottelt hat.

Legende ist schon jetzt das Spiel gegen Baltimore in Woche 4, als die Defense nur einen Touchdown zugelassen hat und am Ende trotzdem eine 34 für die Ravens auf dem Scoreboard stand. Eine Woche später verlor NY knapp gegen die Patriots und schon stand man mit mit drei Niederlagen aus fünf Spielen mit dem Rücken zur Wand. Anschließend hat die Defense erstklassig gespielt wie immer und Anfang Dezember, mit 8-5-Rekord, war man dann doch mittendrin im Playoffrennen.

Dann ist aber der gesamte offensive Teil der Mannschaft völlig in sich zusammengebrochen. Das sagt der Star-WR, daß der Offensive Coordinator stinkt; irgendwer sagt, daß die O-Line stinkt; alle sagen, daß der QB stinkt; die OLine sagt, der QB stinkt nur, weil die WRs nichts fangen und die RBs nicht laufen können und die Fans sagen, daß alle stinken undsoweiterundsofort… und natürlich – schließlich sind wir in New York – steht das auch alles in der Zeitung.

Zehn Turnovers in den letzten drei Spielen später lacht die ganze Welt über die Jets. Playoffs verpaßt, Chaos im Locker Room, noch mehr gegenseitige Anschuldigungen aller Orten, Trottelheimer entlassen und zu allem Überfluß gewinnt auch noch ausgerechnet der Stadtrivale die Lombardi Trophy.

Aber last year is last year sagt man zu Recht. Die Defense ist immer noch erstklassig und für die Offense hat man sich einen neuen Mann geholt, der alles auf den Kopf stellen soll. Zu ihm später mehr, erstmal arbeiten wir pflichtschuldigst Ryans Prunkstück ab.

Defense Jets

Rex Ryan und seine Defense haben wir hier schon oft abgefeiert, darum halten wir uns kurz. Sione Pouha ist einer der besten Nose Tackles der Liga, Kendrick Ellis ist ein guter Backup. Mike DeVito ist einer der besten DEs der Liga und der junge Mu Wilkerson ist nur einen Schritt dahinter. ILBs David Harris und Bart Scott sind zwei sehr spielintelligente Kämpfer, genau die richtigen Typen für das System von Ryan und Mike Pettine. Außen spielen Calvin Pace und Bryan Thomas, die man auch gefahrlos anbieten kann.

Durch die vielen wilden Fronts und die immer wieder überraschend paßgenauen Gameplanes sehen alle zusammen als Einheit noch mal ein Stück besser aus. Mit Rookie Quinton Coples, der aussieht wie Julius Peppers, haben Ryan/Pettine nun noch ein neues Spielzeug bekommen. Der ehemalige 1st-rd bust Aaron Maybin hat sich zu einem starken Quarterbackjäger in passing situations gemausert und auch die Backups sehen nicht verloren aus, wenn sie mal spielen müssen.

Schedule

Wk1 v BUF
Wk2 @ PIT
Wk3 @ MIA
Wk4 v SF
Wk5 v HOU (MNF)
Wk6 v IND
Wk7 @ NE
Wk8 v MIA
Wk9 BYE
Wk10 @ SEA
Wk11 @ StL
Wk12 v NE (SNF)
Wk13 v ARI
Wk14 @ JAX
Wk15 @ TEN (MNF)
Wk16 v SD (SNF)
Wk17 @ BUF

Cornerback Darrelle Revis zählt für zwei. Revis Island erlaubt es Ryan/Pettine, vorne und auf einer Seite ganz wilde Sachen zu machen und die andere Seite einfach in seine Hände zu geben. Da brennt nichts an. Gegenüber spielt Antonio Cromartie, der nun zwar kein Superstar ist, aber doch besser als meist über ihn geredet wird. Im Slot hat sich jetzt endgültig Kyle Wilson eingenistet, der 1st-rd pick aus dem Jahre 2010. Wilson ist nicht so steil durch die Decke gegangen, wie man es sich im Big Apple erhofft hat, aber sich in den vielen Nickel-, Dime- & Dollar-Sets ganz wohlfühlt.

Richtig umgebaut haben die Jets nur auf der Safety-Position, was auch dringend nötig war. Kapitän und Publikumsliebling Jimmy Leonhard wurde nach der zweiten verletzungsbedingt beendeten Saison in Folge nicht gehalten und versucht sich nun in Denver. Und da auch Eric Smith nicht mehr in der Startformation auflaufen sollte, wurden die beiden Free Agents LaRon Landry und Yeremiah Bell verpflichtet. Bell ist mit seinen 34 Jahren nicht mehr Jüngste, aber mit seiner Erfahrung und seinem Spielverständnis soll er die Leonhard-Rolle übernehmen. Landry wurde aufgrund seines Hulk-ähnlichen Körpers und seiner Trainingsbesessenheit anno 2007 von den Redskins in Runde eine als sechster Spieler gedraftet. Sollte er fit bleiben ist so ein Monster genau das, was Ryan noch gefehlt hat als Strong Safety an der Line of Scrimmage.

Offense Jets

Der Mann, der alles auf den Kopf stellen soll, hat schon mal eine Gurkentruppe in die Playoffs geführt und dabei die Patriots hinter sich gelassen. Warum sollte ihm das nicht wieder gelingen. Er ist ein Oldschool-Footballer. Lieber laufen als werfen. Erstklassiges Quarterback-Play hat er gar nicht nötig. Dieses ganze fancy, wilde New-School-Zeug ist nichts für ihn, Wildcat und Running-QB steht ihm auf der Stirn tätowiert. Wir reden von, sie ahnen es: Tony Sparano.

Sparano hat früher selber in der Offensive Line gespielt, ist dann O-Line Coach geworden und hat mehrere Jahre unter Bill Parcells gearbeitet. Das Harter-Hund-Image kommt also nicht von ungefähr und ist auch mehr als nur Image. (Die Sonnenbrille trägt er übrigens nicht, weil er sich so furchtbar cool vorkommt, sondern infolge eines Unfalles mit einer Friteuse, während er als Jugendlicher in einem Fast Food Restaurant gearbeitet hat.)

Nun kommt also dieser neue OC, der den Jets wieder ein energiegeladenes Ground-and-Pound-Game eintrichtern soll und findet einen Trümmerhaufen vor. Diese Jets wollten unter Ryan immer ein starkes Laufspiel haben und 2011 hatten sie stattdessen 106 Yards pro Spiel und 3,8 Yards pro Carry.

Das hatte mit dem, ähem, “mittelmäßigen” Offensive Coordinator Brian Schottenheimer zu tun, mit den mittelmäßigen RBs Shonn Green, LaDanian Tomlinson und Joe McKnight zu tun und auch mit der O-Line, die eher Richtung finesse denn Dampfwalze tendiert.

Suchen wir Lichtblicke finden wir Center Nick Mangold und RG Brandon Moore. Beide haben die Power und die Füße, um in aller Regelmäßigkeit Teile der gegnerischen Front Seven aus dem Weg zu räumen für die eigenen RBs. Als Left Tackle läuft D´Brickashaw Ferguson auf. Ferguson bekommt auch stets gute Kritiken und im Paßspiel ist er auch mehr als solide, aber im Laufspiel fehlt ihm oftmals Kraft und Masse um große Löcher zu reißen. Dann gehts schon mal eine Klasse abwärts: LG Matt Slauson ist bestenfalls mittelmaß. An einigen Tage sogar nicht mal das.

Und dann ist da schließlich noch der Mann, über den alle reden, wenn es um die Jets geht. Wer könnte dieser Mann sein, wenn nicht Wayne Hunter? Wayne Hunter war letztes Jahr der schlechteste Starter der ganzen NFL – egal, auf welcher Position. korsakoff wär ein besserer Right Tackle. Weil Hunter das auch in dieser Preseason sofort wieder eindrucksvoll unter Beweis gestellt hat, hatten alle Beteiligten ein Einsehen. Jetzt hat Austin Howard den Stammplatz und Hunter genießt seine $3 Millionen auf der Bank. Howard wurde nicht gedraftet, wurde dafür in seiner jungen Karriere aber schon von den Ravens und den Eagles gecuttet. Viel Glück.

Mit Sparanos harter Hand könnte das aber zumindest eine gute Unit um Ferguson, Mangold und Moore werden. Wenn Greene und McKnight ein bißchen besser werden und vielleicht auch Rookie Terrance Ganaway ab und zu Mal einen raushauen kann, ist das schon OK, wenn mit dieser Defense oft auch mal 14 oder 17 Punkte zum Sieg reichen.

Dem Laufspiel helfen sollten auch die Wildcat Plays, die Sparano auf seinem Play Calling Sheet hat. Dafür haben die Jets jetzt auch QB Brad Smith zurückgeholt, der das mit der Wild Cat ganz gut kann und als ausgebildeter QB auch mal für einen guten Paß zu haben ist.

Das richtige Paßspiel dagegen kann man getrost vergessen. Mark Sanchez wird einfach nicht besser. Und gute WRs hat er auch nicht. Problemkind Santonio Holmes kann ein richtig Guter sein, er kann aber auch der unmotivierte Stinkstiefel sein. Slotman Jeremy Kerley ist bestenfalls Mittelmaß. Free Agent Chaz Schilens und Rookie Stephen Hill haben bis jetzt noch gar nicht gut ausgesehen. Vielleicht könnte Hill mit seinem 1,92m-Körper immerhin eine gute Red-Zone-Waffe werden und mit seinem massigen Körper auch im Laufspiel helfen. Zur Not hilft auch immer noch TE Dustin Keller aus.

Und manchmal, ganz manchmal nur, aber manchmal eben schon, bekommt auch Mark Sanchez mal zwei gute Drives in Folge auf die Reihe.

Ausblick Jets

Das sieht alles nicht rosig aus im Angriff, aber mit dieser Defense ist das auch gar nicht so schlimm. Diese sollte Top-3 Kaliber sein und es der Offense einigermaßen einfach machen, einige Spiele zu gewinnen. Die AFC East ist ziemlich hart und auch die Wild Cards dürften in der AFC hart umkämpft sein, aber Gang Green sollte bis zum Schluß im Rennen um die Playoffplätze bleiben und dort können Ryan/Pettine mit dieser Defense jeden Angriff von Peyton Manning bis Tom Brady einbremsen, das haben sie schon bewiesen. Trotzdem kann ich mir nicht vorstellen, daß man mit dieser Offense ernsthaft um den Super Bowl mitspielt. Eine witzige Saison wird´s mit den J-E-T-S allemal.

New York Jets in der Frischzellenkur 2012

  • #16 (1) DE Quinton Coples North Carolina
  • #43 (2) WR Stephen Hill Georgia Tech
  • #77 (3) LB Demario Davis Arkansas State
  • #187 (6) S Josh Bush Wake Forest
  • #202 (6) RB Terrance Ganaway Baylor
  • #203 (6) G/T Robert T. Griffin Baylor
  • #242 (7) S Antonio Allen South Carolina
  • #244 (7) WR Jordan White Western Michigan

Gestern hatten wir mit den Buffalo Bills ein sehr schönes Beispiel dafür, wie man mit einer konsistenten und langfristigen Draftstrategie langsam aber sicher ein hochwertiges und tiefbesetztes Team zusammenstellt. Heute haben wir mit dem Divisionsrivalen New York Jets ein sehr schönes Beispiel dafür, wie man mit einer kurzfristigen und aufgeregten Strategie das Fundament einer Mannschaft aushöhlt, erst unmerklich, dann immer schneller. Die Jets haben keinen tiefen Kader und dieses Jahr trotzdem nur drei Picks in den ersten fünf Runden gehabt. Letztes Jahr hatten sie keinen 2nd-rd pick; 2009 waren es gar nur zwei Picks in den ersten fünf Runden.

Immerhin erkennt man mit dieser Draft deutlich die Richtung, in welche die Jets weiter marschieren wollen: beinharte Defense, lauflastige ground-and-pound Offense.

Der 1st-rd pick, UNCs DT/DE Quinton Coples wird von einigen pundits als das größte Talent auf der defensiven Seite des Balles gesehen. Nach einer überragenden Junior-Season soll er aber letztes Jahr vor allem damit zugebracht haben, sich nicht zu verletzen. Charakter- und Motivationsprobleme stehen daher in allen seinen Zeugnissen. Damit paßt er wie Arsch auf Eimer in Gang Greens Locker Room. Mit Rex Ryan und Mike Pettine hat er auf der anderen Seite die Trainer, die wohl mehr aus schwierigen, aber komplizierten Typen herausholen als alle anderen. Coples wird 34 DE und Edge Rusher in sub-packages spielen.

In der zweiten Runde traden die Jets nach oben, um Georgia Techs WR Stephen Hill zu draften. Hill hat in seiner gesamten Karriere 49 Pässe gefangen, viel mehr konnte der 1,95m-Mann nicht zeigen in der Triple-Option-Offense der Yellow Jackets. Vor der Draft ist er dann aber auf allen Boards nach oben geschossen, als er bei der Combine eine 4.3 gelaufen ist. Er könnte auch davon profitiert haben, daß sich mit Calvin Johnson und Demariyus Thomas in den letzten Jahren schon zwei andere große Ballfänger von GT in der NFL durchgesetzt haben. Durch seine Erfahrung in einem extrem lauffreudigen System und seiner Speed-/Size-Combination scheint er ein idealer Fit zu sein. Neben seinen erprobten Blockingkünsten im Laufspiel soll er die gefährliche Redzone-Waffe sein, die Plaxico Burres nur manchmal war.

LB Demario Davis soll auch ein Spieler genau nach Ryans Geschmack sein. Aggressiv, sicherer Tackler und mit hoher Spielintelligenz ausgestatt. Neben Coples und Davis für die Front-Seven gab es in den letzten beiden Runden noch zwei Picks für das Defensive Backfield. Die Herren Josh Bush und Antonio Allen werden auch früh Spielzeit sehen, denn niemand spielt mit mehr DBs als Rex Ryan: ein Drittel aller Snaps mit mindestens sechs Defensive Backs (!).

Für die andere Seite des Balles hat man neben Hill nur noch drei Spieler gedraftet, bei denen die Jets nur hoffen können, daß sie voll einschlagen. Nötig hätten sie´s. Der „andere Robert Griffin von Baylor“ hat im College Right Tackle und Guard gespielt und könnte vielleicht schon im Trainings Camp Wayne Hunter ausstechen. Viel schlechter kann er ja gar nicht sein. RB Terrance Ganaway, ebenfalls Baylor, ist ein dicker Power Back, der neben Shonn Greene und Joe McKnight ein paar Carries bekommen wird. WR Jordan White hat letztes Jahr in 14 Spielen 140 Pässe für fast 2000 Yards gefangen  gefangen. Als late round pick mit kräftigem Körperbau von einer kleinen Uni könnte er ein Pierre Garcon werden. Oder man hört nie wieder von ihm, wie von den meisten unglaublich produktiven WRs von kleinen Unis.

Übersicht

Es sind mal wieder zu wenig mittlere Draft Picks. Die Picks der Runden zwei bis fünf sind in der Regel der Kern jeder Mannschaft. Diese Draftklasse an sich ist völlig in Ordnung, aber zusammen mit den letzten drei Drafts betrachtet wird zu deutlich, daß der stabile Mittelbau immer kleiner wird. Das geht nur in den seltensten Fällen gut. Wahrscheinlicher ist, daß im Laufe der Saison nach einigen Verletzungen haufenweise Practice-Squad-Spieler und Street Free Agents Rollen übernehmen müssen, für die sie nicht gedacht sind.

Die zweite Reihe: Jim Leonhard

[In der Serie „Die zweite Reihe“ wollen wir Spieler, Assistant Coaches und auch Spielzüge vorstellen, die für den Erfolg einer Mannschaft essentiell sind, aber nicht im Rampenlicht stehen. Sondern in der zweiten Reihe. Den Anfang macht heute Jim Leonhard, Safety der New York Jets. 29 Jahre alt; 1,72m; 85kg. College: Wisconsin. Draft: 2005, nicht gedraftet; NFL-Erfahrung: 7 Saisons.]

Leonhard with the Ravens.
Der kleine Jimmy Leonhard – Image via Wikipedia

Man mag ja von Rex Ryan halten, was man will. Aber von Defenses in der NFL versteht er mehr als die meisten anderen. Umso aufmerksamer hätte man aufhorchen müssen, als Ryan und sein Defensive Coordinator Mike Pettine immer und immer wieder wiederholt haben, was für ein schwerwiegender Verlust die Verletzung von Jimmy Leonhard für die Jets-D bedeutet. Und Verletzungen haben leider die beiden vergangenen Spielzeiten für den mit einem extrem hohen “Football-IQ” ausgestatteten Safety jeweils im Dezember beendet.

Leonhard spielt auch nicht zufällig bei den New York Jets. Als Ryan seinen Posten als DC in Baltimore nach der Saison 2008 für die Stelle des Head Coaches der Jets aufgegeben hat, wollte er zwei Spieler unbedingt mitnehmen: Linebacker Bart Scott und eben Safety Jimmy Leonhard. Das spricht Bände für die Wertschätzung, die der große Lautsprecher für beide hat.

In der öffentlichen Wahrnehmung geht der kleine Safety oftmals unter, weil einerseits Ryan und andererseits Stars wie Darrelle Revis und “Typen” à la Antonio Cromartie die ganze Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Dabei ist Leonhard der Quarterback der Jets-D, eine Rolle die in den meisten anderen Teams ein Linebacker übernimmt. Er macht alle Calls, er darf auch “audiblen” (den Spielzug/Coverage ändern) und ist verantwortlich für die Kommunikation untereinander und dass jeder weiß, was er zu tun hat und wo seine Verantwortlichkeiten liegen.

Aber mangelnde Wertschätzung ist für Leonhard nichts neues, sie begleitet ihn seit Beginn seiner Karriere. Nach seinem Abgang von der High School hat er von keinem Division-I-Colleges ein Stipendium angeboten bekommen. Er schrieb sich in Wisconsin ein und schaffte dort sogleich als walk-on den Sprung ins Team. Schon in seiner zweiten Saison war er Stammspieler als Safety und einer der erfolgreichsten Punt Returner in der Geschichte der Big Ten. Seine Qualitäten als Safety wurden duch drei Nominierungen ins All-Big-Ten-Team unterstrichen.

Vor allem wegen seiner football-untypischen physischen Voraussetzungen – 1,72m, 85kg – wurde er auch nach seiner College-Karriere 2005 übergangen und nicht gedraftet. Die Buffalo Bills erbarmten sich schließlich und gaben ihm einen Roster Spot. Im Trainings Camp 2006 war seine Karriere fast schon wieder vorbei. Aber eine Woche nach seiner Entlassung verletzte sich Troy Vincent und die Bills erinnerten sich seiner und er bekam eine neue Chance und machte in den folgenden zwei Saison 28 Spiele, von denen er sieben startete.

Den großen Durchbruch schaffte Leonhard mit seinem Wechsel zu den Baltimore Ravens vor der Saison 2008. Hier war er von Anfang an Stammspieler und bildete zusammen mit Ed Reed eines der besten Safety-Duos der letzten Jahre. Seine Leistung steigerte er dann sogar noch in den Playoffs, als er mit Sacks, erzwungenen Fumbles und Interceptions großen Anteil daran hatte, daß die Ravens in ihren drei Playoff-Spielen gegen Miami, Tennessee und Pittsburgh nur 41 Punkte zuließen. Damit hatte Ryan genug gesehen und überredete ihn, den er erst ein Jahr lang kannte und trainierte, den Weg nach New York gemeinsam anzutreten und ein entscheidendes Puzzleteil seiner neuen Mannschaft zu werden.

Das wurde er dann auch und spielte heuer besser denn je. Bis er am 11. Dezember einen Paß von Kansas Citys Quarterback Tyler Palko abfing und sich beim Return die Patellarsehne verletzte. Da die Verletzung eine Operation erzwang, landete er erneut auf IR. Damit fehlte Gang Green das Hirn der Defense. Neben seiner Spielintelligenz zeichnen Leonhard seine Qualität als Tackler, seine Quickness und Beweglichkeit sowie seine sicheren Instinkte aus – da wo der Ball ist, ist auch Leonhard nicht weit.

Leonhard ist derzeit Free Agent. Seine Verbindung mit Rex Ryan im Hinterkopf, ist es kaum vorstellbar, daß die Jets ihn ziehen lassen werden. Falls doch, wird er sich unter vielen Interessenten seinen nächsten Arbeitgeber aussuchen können.