Die heißen Sessel

Ein paar Gedanken zu den Wackelkandidaten auf den Trainersesseln der NFL-Teams.

Mike Shanahan

Nach Gary Kubiaks Entlassung ganz klar der nächste gefährdete Head Coach, die Saison nicht zu überstehen. Shanahan ist dead man walking und wird spätestens zum Ende der Saison gehen. Zurecht? Ich bin da gespalten. Das Pro-Argument wäre „…aber die Entwicklung!“. 2012 war ein Jahr, in dem die Offense über weite Strecken Klick machte und unter RG3 richtig gut drauf war.

Die Gegenargumente sind aber breiter gestreut: 2012 war der einzige Ausreißer. Shanahan wird seine Zeit bei den Redskins mit 23-39 plus noch drei ausstehenden Spielen beenden. Selbst letztes Jahr war lange Zeit ein Murks, weil die Skins die Defense nicht in den Griff bekamen; dann kam der Siegeslauf, mit einer reibungslosen Offense und einer für ein paar Wochen halbwegs funktionierenden Defense. Mehr war Shanahan nicht.

Vier Jahre. Zwei Jahre Ausrede ob des fehlenden Franchise-QB. Dann war’s die Defense, die auch diesmal keinen Stich machte. Nicht alles ist Shanahans „Schuld“, nachdem Washington erst keine Salary-Cap für Investitionen hatte (siehe Haynesworth) und dann keine Draftpicks für Jungstars (RG3-Trade). Und trotzdem sind vier Jahre vier Jahre, eine angemessene Zeit für NFL-Verhältnisse. 2013 war eine Katastrophe, und nachdem sich Shanahan mit Owner Snyder nicht mehr zu verstehen und seinen eigenen Rauswurf zu provizieren scheint, ist die Reißleine der einzige Ausweg. Weiterlesen

NFL Notizblock Woche 14 – Pats-D, Shanaclan, Cameron, Jets, Cards-O

Im Monday Night Game war für Houstons Laufspiel vor allem DT Vince Wilfork unüberwindlich. Der dicke Klotz, der schon lange kaum noch Nose Tackle spielt, sondern neben dem mehr als soliden DT Kyle Love die Mitte dicht macht, schien immer genau zu wissen, wo er seine 150kg plazieren muß. Bei diesem Spiel hat sich wieder einmal gezeigt, daß Bill Belichicks Front-7, wie schon seit Jahren, immer noch eine der diszipliniertesten der NFL ist. Es mögen nicht die besten oder athletischsten Spieler, aber ein Jeder macht seinen Job. Gegen zone blocking schemes und auch gegen diese wilden Laufspielzüge á la Washington Redskins haben solche disziplinierte Einheiten viel weniger Probleme als so ungeduldige Typen wie die DEs der Giants zum Beispiel. Nächste Woche kann New England das gleich wieder beweisen, wenn sie das das kreativste Laufspiel der Liga, das der San Francisco 49ers, aufhalten sollen.

Letzte Woche hab ich hier den Shanaclan abgefeiert, weil er so mutige und für den gewöhnlichen NFL-Coach untypische Entscheidungen trifft. Unkonventionelle Entscheidungen erhöhen die Varianz: die Wahrscheinlichkeit des Erfolgs ist höher; aber auch die Wahrscheinlichkeit eines Katastrophenplays. Der QB-Draw mit Kirk Cousins für die erfolgreiche 2Pt-Conversion war wieder so ein Fall. Ein „gewöhnlicher“ Paß- oder Laufspielzug hätte mit dem Rookie, der kaum gespielt hat, weniger Aussicht auf Erfolg gehabt. Niemand hat damit gerechnet, daß ein typischer „RG-III-Spielzug“ folgt. Andererseits hätten alle auf die Shanahans eingeprügelt, wie man den so blöde sein kann, einen „RG-III-Spielzug“ für einen Kirk Cousins zu callen. Nice. Ich mag die Shanahans immer mehr.

You can fool some people sometime, but you can´t fool all the people all the time. Nun hat auch Baltimore HCs John Harbaugh das mäßige Spiel von Offensive Coordinator Cam Cameron durchschaut und ihn gefeuert. Angeblich freut das QB Joe Flacco. Noch mehr freuen sollte das aber RB Ray Rice, der unter Cameron weniger Läufe bekommen hat als ein Ben-Jarvus Green-Ellis oder ein Shonn Greene. Neuer OC wird nun Quarterbacks Coach Jim Caldwell.

Caldwell hat 2010, als HC der Indianapolis Colts, mit einer 14-0-Bilanz seine erste Mannschaft in Woche 16 gegen die 7-7-Jets geschont. Mit einem Sieg damals (und eine Woche später gegen die Bengals) sind die eigentlich schon sicher ausgeschieden geglaubten Jets unter Rex Ryan dann noch in die Playoffs gerutscht und dort bis ins AFC Championship Game vorgestoßen. Dieses Jahr scheint Gang Green (6-7) noch weiter von den Playoffs entfernt zu sein. Aber nach drei Siegen in den letzten fünf Spielen sind sie nur einen Sieg hinter den Bengals und den Steelers. New York muß seine letzten drei Spiele gewinnen, aber das sind nur matchups mit den Titans, Chargers und Bills, während Steelers und Bengals ein schwierigeres Restprogramm haben. Wie wärs mit einem Wildcard-Game zwischen Peyton Mannings Denver Broncos und Tim Tebows New York Jets?

Tebows Vorgesetzter, Mark Sanchez, kann es bei aller Graupenhaftigkeit sogar schaffen, nicht der schlechteste QB zu werden, der es in die Playoffs schafft. Diese Ehre würde Minnesotas Christian Ponder gebühren. Auch am vergangenen Wochenende hat der letztjährige 1st-rd pick wieder eine unterirdische Leistung abgeliefert: 11/17 für 91 Yards mit einer katastrophal schlechten Interception. Das war das dritte Mal in den letzten sieben Spielen, in denen er unter 100 Passing Yards blieb. Gegen Arizona in Woche 7 schaffte er mit 8/17, 58 Yards, 1TD und 2Int sogar einen negativen (!) Adjusted Yards/Attempt-Wert.

Das alles ist aber noch gar nichts im Vergleich zur sogenannten Offense der Cardinals. Bei 0-58 gegen Seattle haben sie den Hawks ein ums andere Mal die Punkte auf dem Silbertablett serviert oder gleich fast selber gemacht: INT-Return for TD, Fumble Return for TD; drei Sacks; vier verlorene Fumbles und vier Interceptions. Arizonas Angriff ist auf dem absoluten Tiefpunkt angelangt. Sie brauchen im Grunde eine völlig neue Mannschaft: OLine furchtbar, RBs immer angeschlagen und die Quarterbacks wären für die meisten Collegeteams zu schlecht.

Notizblock Woche 7 – Redskins@Giants

Robert Griffin The Third, der Mann, den sie in New York „Bob Griffin“ nennen, hatte am Sonntag das erste Divisionsspiel seiner Karriere. Seine Washington Redskins besuchten Eli Manning und seine New York Giants in den Meadowlands. Am Ende gab es einen überraschenden Mann des Spiels. Gewonnen hat der aber trotzdem nicht. Alles weitere nach dem Klick.

Wir hacken wir ja gerne und oft auf Washingtons Defensive Coordinator Jim Haslett rum. Haslett hat es sich zur Aufgabe gemacht, selbst in den unmöglichsten Situationen auf Teufel komm raus zu blitzen und seine bestenfalls zweitklassigen Defensive Backs Mannverteidigung spielen zu lassen. Blitzen mit man coverage dahinter ist schon keine gute Idee gegen Quarterbacks wie Eli Manning. Und völlig plump ständig dasselbe (blitz & man) zu machen ist eine noch viel weniger gute Idee.

Gegen die Giants hat Haslett nun aber ein Kaninchen aus seinem Hut gezaubert. Für alle Beteiligten völlig überraschend gab es kaum Blitzes und sehr viel Zonenverteidung. Daher standen dann zweimal Verteidiger in Regionen, in denen Eli Manning sie niemals erwartet hätte und konnte ganz simpel die Bälle abfangen. Auch sonst schien Eli öfter mal irritiert zu sein und hat einen Moment zu lange gezögert. Hier also ganz klar Mann des Spiels: Jim Haslett.

Am Ende konnte er die Niederlage trotzdem nicht verhindern –  weil seine DBs einfach zu schlecht sind. Eine Minute vor Schluß, die G-Men liegen drei Punkte hinten, rechnet Safety Madieu Williams tatsächlich nicht damit, daß Victor „Salsa“ Cruz einfach mal tief geht und hat schon drei Schritte Rückstand als er sich dann endlich mal umgedreht hat und mitläuft (also: versucht, mitzulaufen). Eli muß sich kurz das Lachen verkneifen, wirft dann – endlich mal – einen perfekten Paß und NY gewinnt.

Die andere starke und stark überraschende Leistung hat Head Coach Mike Shanahan abgeliefert. Gleich drei vierte Versuche hat Shanahan im vierten Viertel ausspielen lassen. Der statistisch äußerst versierte Kollege von footballissexbaby hat jede dieser Entscheidungen in einem eigenen Eintrag auseinandergenommen. Shanahan, der sonst nicht dafür bekannt ist, in Sachen playcalling so aggressiv zu sein wie eine in die Ecke gedrängte Löwenmutter, hat mit aller Macht versucht, dieses Spiel zu gewinnen. Während die meisten anderen Coaches in der Regel nur hasenfüßig versuchen, ein Spiel nicht zu verlieren. Und wenn sie dann doch verlieren, wenigstens alles dafür getan haben, die Schuld für die Niederlage auf ihren Spielern abladen zu können.

Das war stark von Shanahan – aber am Ende nicht genug. Ziemlich gut war auch Bob Griffin wieder. Allerdings hat er sich in der zweiten Halbzeit zu viele (Rookie-)Fehler geleistet. Die Interception zu Stevie Brown war katastrophal und der Fumble nach Sack von Jason-Pierre Paul sollte so auch nicht passieren. Daß dann Alfred Morris und Santana Moss auch noch zwei Fumbles in der zweiten Halbzeit beigesteuert haben, hat den Redskins beinahe jede Chance geraubt. Aber am Ende sah man gut aus gegen den Super Bowl Champion und das macht Freude auf mehr.

Bei den Giants stach vor allem in der ersten Halbzeit die schlechte Laufverteidigung raus. Beim live-gucken schien es vor allem zwei Schwächen zu geben. 1) „setting the edge„: die RBs konnten nicht „innen“ gehalten werden, was in der 4-3-D die Aufgabe der DEs ist; 2) wenn es doch mal einen Lauf zwischen den Offensive Tackles gab, waren die Linebacker immer zu aggressiv in eine Richtung, was ständig cut back lanes eröffnet hat, die RB Morris zuverlässig genutzt hat. (Mir ist gegen die ganzen kleinen Wuseler Washingtons übrigens das erste Mal so richtig aufgefallen, wie groß eigentlich die LBs der Giants sind. Matthias Kiwanuka ist 6’5; Chase Blackburn und Michael Boley jeweils 6’4; wenn 6’2 Keith Rivers mal daneben spielt, denkt man er wär ein Safety.)

In der zweiten Hälfte war auch der pass rush New Yorks viel besser. Allerdings zeigten sich dabei auch wieder Schwächen Griffins in Sachen pocket awareness. Manchmal läuft er schnurstracks in Sacks hinein, weil er den Überblick verliert und zu schnell versucht er, sich Zeit mit seinen Beinen zu erkaufen. Bei seiner herausragenden Athletik kann er dabei aber trotzdem immer wieder einige Yards aus scheinbar aussichtslosen Situationen herausholen.

Bei der Giants Offense fiel noch auf, daß die beiden Tight Ends Martellus Bennett und Bear Pascoe eine immer größere Rolle zu spielen scheinen. Also im Grunde, wie das in den letzten Jahren mit Typen von Kevin Boss bis Jake Ballard auch war. Coaching Staff und Eli fassen immer mehr Vertrauen zu den Typen und in Dallas wird man sich wundern, warum Bennett bei ihnen nicht so gut aussah.

Die Washington Redskins vor der Rückkehr zur Relevanz?

Über Jahre wurden die Washington Redskins dank ihrer ignoranten Personalpolitik verspottet. Owner Dan Snyder, ein finanzstarker Investor, war getrieben von der Vorstellung, sich mit teuren Einkäufen einen Superbowlsieger zusammenkaufen zu können. Wiederzufalleswollte gelang das selbst mit großen Namen am Trainerpult (Turner, Schottenheimer, Gibbs) nie, sodass Snyder vor zwei Jahren zur Einsicht gelang, die sportliche Leitung abzugeben. Das neue Duo an der Front: GM Bruce Allen und Headcoach Mike Shanahan, die in zwei Offseasons den Kader gänzlich umkrempelten und nun ein namenloses, junges Team beisammen haben.

Die Offense                          

So genau weiß niemand, wie viel Mike dem Sohnemann Kyle Shanahan an Zuständigkeiten für den Angriff übertragen hat. Fakt ist: Vater wie Sohn haben prinzipiell ähnliche Vorstellungen. Shanahans Offenses sind um starke Offensive Lines mit Zonenblocks gebaut, worin in den ersten beiden Jahren auch etliche Ressourcen gesteckt wurden. So hat man den hoch bezahlten Rookie-LT Trent Williams und den ehemals hoch gedrafteten RT Jammal Brown als starke Eckpfeiler geholt und die Line sah im ersten Anschein auch bereits recht vertrauenswürdig aus.

„Vertrauenswürdig“ ist kein Stichwort, bei dem im selben Atemzug der Name von Rex Grossman fällt. Grossman wurde überraschend die Rolle des Quarterbacks überlassen, was NFL-Fans erstmal die blanke Gänsehaut über den Rücken fahren lässt angesichts der legendären Inkonsistenz und der Turnoveranfälligkeit des ehemaligen Bears-QBs. Nun hat Grossman zur Saisoneröffnung tatsächlich recht ordentlich gespielt und scheint das volle Vertrauen von Team und Coach zu genießen – trotz einiger recht unpräziser Würfe, die nur dank der Akrobaten bei den Ballfängern komplettiert wurden.

Diese Ballfänger sind sehr zahlreich im Kader vertreten, 8 WR und 3 TE an der Zahl, aber es fehlt am richtigen Go-To-Guy. WR Santana Moss wird nicht jünger (aber auch nicht schwächer), ist aber wie WR Anthony Armstrong kein Mann, der 10 Catches/Spiel macht. Nicht mehr als ein Notnagel ist seit Jahren WR Jabar Gaffney, der aus Denver gekommen ist, aber nicht als Mann gilt, Mismatches zu kreieren. Dito WR Brandon Banks, ein fantastischer Returner, aber ein schlampiger Receiver. Und was die explosiven Rookies Leonard Hankerson und Niles Paul können, ist noch in der Schwebe. Dass TE/H-Back Chris Cooley ein großartiger Mann ist, darüber sind sich alle einig. Cooley spielt allerdings eine Position, die in der NFL nicht wirklich dafür gedacht ist, die zentrale Rolle einer Offense zu stellen.

Im Laufspiel gibt es nach dem Abgang vom langjährigen Superstar Clinton Portis ein neues, recht unbeschriebenes Trio. Da wäre zum einen RB Tim Hightower, ein Lokalmatador, dessen Verpflichtung aus Arizona angesichts seiner starken Qualitäten als Ballfänger vor allem für 3rd downs essenziell sein wird, aber Hightower ist mit seiner uneigennützigen Art vielleicht ein wichtigerer Bestandteil im Laufspiel als angenommen. RB Roy Helu ist schließlich noch ein Rookie und RB Ryan Torain ist nicht wirklich als explosiver #1-Back in der Hinterkammer eingespeichert.

Die Defense

Den ersten Eindrücken aus dem Season Opener zur Folge ist die Defense gedacht, mit recht viel Zug zum Quarterback zum Erfolg zu kommen – etwas, das so gar nicht zum lethargisch daherkommenden DefCoord Jim Haslett passen will. Nach dem Abgang des fantastischen, aber launischen DT Albert Haynesworth fehlt der furchterregende Ankermann, jedoch schien die Rotation in der Defensive Line trotz allem recht durchdacht zu sein. Der neu eingekaufte DL Barry Cofield kann alle drei Positionen spielen, während Chris Neild, ein Rookie aus der siebten Runde, phasenweise andeutete, den für eine 3-4 Defense so essenziellen Nose Tackle geben zu können. Neild intreprätiert die Rolle allem Anschein nach „offensiv“, sprich weniger anchorman, mehr Passrush-orientiert. Man werfe den teuren DE Stephen Bowen und den grundsoliden DE Adam Carriker dazu: Die Line hat Potenzial.

Bisschen Sabbern auch für die beiden jungen Outside Linebackers: Es ist bekannt, dass der Blogbetreiber ein Fan des druckvollen Spiels von OLB Brian Orakpo ist, und auch der Rookie #91 Ryan Kerrigan, ein umgeschulter Defensive End, zeigte Potenzial, nicht nur dank einer artistischen Interception, sondern auch mit gutem Positionsspiel und in Ansätzen auch Zug zum QB. Die Innenseite wird von London Fletcher zusammengehalten, einen Mann mit mehreren Jahrzehnten Erfahrung.

Die Secondary besteht aus Puzzleteilen mit großen Namen: Die Safetys LaRon Landry und O.J. Atogwe sowie die Cornerbacks DeAngelo Hall sowie Josh Wilson, allesamt Spieler, die berüchtigt sind, risikoreich zu spielen und für Big Plays ihre Schwiegermütter verschenken würden, aber auch Spieler, die man ohne Murren zu ernten gegen kräftige Running Backs im Laufspiel abstellen kann. Im Verlauf der Saison wird sich auch noch der erstmal gesperrte CB Philip Buchanon gesellen, ein extrem von Instinkten getriebener Athlet, der nicht in der Lage ist, sich analytisch auf einen Gegner vorzubereiten und entsprechend häufig selbst von mäßigen Receivers verbrannt wird. Ein interessanter Ersatzmann soll Kelvin Barnes sein, ein Mann im dritten Jahr.

Ausblick

Wichtig für Washington: Die Stimmung scheint recht gut zu sein. So genau weiß zwar außerhalb des Trainerstabs niemand, wie die künftige Spielphilosophie der Mannschaft in der Offense aussieht und ob Grossmans heiß/kalt-Spiel nicht doch früher oder später zum Problem wird (man kann fast davon ausgehen), aber es scheint immerhin, dass die Mannschaft recht bedingungslos hinter dem Trainerstab steht – für D.C.-Verhältnisse ein Novum und bestimmt kein schlechtes Vorzeichen.

Wk #1 vs Giants (W 28-14)
Wk #2 vs Cardinals
Wk #3 @Cowboys (MNF)
Wk #4 @Rams
Wk #5 BYE
Wk #6 vs Eagles
Wk #7 @Panthers
Wk #8 @Bills (Toronto)
Wk #9 vs 49ers
Wk #10 @Dolphins
Wk #11 vs Cowboys
Wk #12 @Seahawks
Wk #13 vs Jets
Wk #14 vs Patriots
Wk #15 @Giants
Wk #16 vs Vikings
Wk #17 @Eagles

Im Prinzip ist ein Schedule mit der NFC West dankbar, um sich im eventuellen Wildcard-Rennen Vorteile zu verschaffen. Dass die Redskins in dieses Rennen aber überhaupt einschreiten können, dafür muss die Defense dringend an das Giants-Spiel anknüpfen und darauf aufbauen.

Das Zeiteisen verrät: 242 Minuten verbleiben. WordCount nach 25 Teams: 24476.

NFL-Franchises im Kurzporträt, #7: Washington Redskins

Rückständig, stolz, gesichtslos, profitabel: Die Redskins waren und sind ein Team der Widersprüche und die Widersprüchlichkeit hat noch kein Ende genommen. Aber lesen Sie selbst.

Bis 1945: Erfolge und Debakel

1932 als Boston Braves gegründet, zogen die Braves (ab Jahr zwei bitteschön: Redskins) 1937 in die Hauptstadt um und waren fortan die Washington Redskins, die sich in den ersten Jahren unter QB/P/Verteidiger Sammy Baugh einen Namen als alljährlicher Titelkandidat machten: Zwei Titelgewinne, aber auch die verheerendste Finalniederlage ever: 0-73 gegen die Chicago Bears 1940. Bis heute „unerreicht“.

Die Rassisten – oder?

Die Redskins waren danach unter dem eigenwilligen Owner George Preston Marshall eine außerordentlich stolze, ambitionierte Mannschaft, die um jeden Preis Erfolge haben wollte. Marshall lachte sich eine Reihe höchst bekannter Coaches an (u.a. Lambeau und Lombardi) – alle floppten. Kann jemand eine Parallele zu Dan Snyder erkennen?

Marshall war aber noch schlimmer: Zwar ließ er die Umbenennung des neuen Stadions in D.C. nach dem Demokraten Robert F. Kennedy zu, aber Marshall war Rassist durch und durch und weigerte sich fast bis zum Ende seine Regentschaft Ende der 60er, einen schwarzen Spieler einzukaufen.

Es folgten 70er mit einer Superbowl-Teilnahme, aber ansonsten eher Graues. Bis der Mehrheitseigentümer Jack Kent Cooke endlich beschloss, auch operativ tätig zu werden. Cooke installierte recht schnell den OffCoord der Chargers: Joe Gibbs.

Die Dekade des Erfolgs

Gibbs, der Mann mit der hellen Stimme, machte sich schnell einen Namen damit, gesichtslose Mannschaften ohne Franchise-Quarterbacks zu Topmannschaften zu coachen. Aufbauend auf dominanten Offensive Lines („The Hogs“) waren die Redskins eine Macht, der schwer beizukommen war, selbst in einer Division mit dem großartigsten aller Pass Rusher, OLB Lawrence Taylor (Giants).

Gibbs holte sich (neben einer Endspielniederlage 1983) drei Superbowls (1982, 1987, 1991) mit drei verschiedenen Quarterbacks: Joe Theisman, Doug Williams und dem Kanadier Mark Rypien.

Bizarr: Williams war der erste schwarze QB, der die Super Bowl holte – für die Franchise, die einst als letzte schwarze Spieler akzeptiert hatte. Rypien war der erste ausländische QB mit Ring am Finger – in der Hauptstadt der ultrapatriotischen US-Nation. Stars der Mannschaft über die Jahre waren aber nicht die QBs, sondern WR Art Monk und CB Darrell Green.

Nach dem Abschied Gibbs‘ in Richtung NASCAR ging es abwärts und die Redskins waren abseits des Spielfelds in den Schlagzeilen. Man buhte den jungen QB Heath Shuler gnadenlos zurück nach Carolina.

Skandal! Beleidigung! Richter!

Noch wüster: Die amerikanische Unsitte, aus alles und jedem eine Klage konstruieren zu müssen, um aus nichts Profit schlagen zu können, sorgte für lange Prozesse der amerikanischen Ureinwohner („Indianer“) gegen Name, Logo und Farben der Redskins („Rothäute“). Nichts gegen Minderheitenschutz (ich bin selbst Teil einer Minderheit), aber sowas ist, nun ja, etwas sehr peinlich.

Auch, weil a) die „Indianer“ fast 60 Jahre warteten mit der Klage und fast 25 Jahre nach der offiziellen Patentierung, was schalen Beigeschmack hinterlässt und b) die Mehrheit der Minderheit gar nicht hinter dem Aufsehen stand: 91% der Indianer finden „Redskins“ abkeptabel. Richtiger Entscheid: Abweisung der Klage. Zu lange mit der Profitgier gewartet.

Die unsägliche Ära Dan Snyder

Seit Dan Snyder Ende der 90er Owner der Redskins ist, hat sich der Unternehmenswert der Redskins verixfacht. Allein: Sportlich ist davon wenig zu merken. Man kriecht seit gefühlten Ewigkeiten im unteren NFL-Drittel, nicht zuletzt auch, weil Snyder viel zu ungeduldig ist und sich häufig in die personellen Entscheidungen einmischte. Snyder kaufte gerne teure und lernresistente Stars ein, die ihre Verträge mit nach Hause nahmen und den eigenen Rookies den Platz wegnahmen.

Selbst der reaktivierte Joe Gibbs konnte die Redskins nicht entscheidend nach vorne entwickeln und mittlerweile ist man beim alten Broncos-Superbowlsieger Mike Shanahan angelangt, dessen erste Monate auch nicht das allergrößte Versprechen waren.

Was mich hoffnungsfroh stimmen würde: Snyder kümmert sich nun weniger um das Tagesgeschäft.

Das Stadion

Redskins Stadium

FedEx Field (90.000 Plätze) ist das größte Stadion der NFL. Und eines der seelenlosesten. Gelegen ist es draußen in Landover/Maryland, nicht mal in D.C. Zum Stadion hin führt eine U-Bahn und wer mit dem Auto anreist, riskiert, drei Stunden im Stau stecken zu bleiben. Vor dem Stadion angelangt, sollte man sich vorsehen, um nicht wahlweise niedergeschossen oder -geknüppelt zu werden: FedEx Field liegt in einer sehr unguten Umgebung.

Putzig: Die Farbkombination zwischen den rot-gelben Rängen und dem hellgrün-lila von Sponsor FedEx. Alles in allem ein eher verunglücktes Stadion an einem unglücklichen Ort, würde ich sagen.

Rivalitäten

Die Rivalität zwischen Redskins und Dallas Cowboys ist so alt und so intensiv, auch in sportlich nicht allzu wichtigen Spielen, dass im Zuge der Neusortierung der Divisionen 2002 hinsichtlich der Geographie eine Ausnahme gemacht wurde: Dallas, das auf der Landkarte mehr West denn Ost ist, blieb in der AFC East, um weiterhin 2x/Jahr gegen die Redskins spielen zu können. Ursprung der Rivalität: Skins-Owner Harrison wollte einst um jeden Preis die Gründung der Cowboys verhindern, da er mit seinen stolzen Rothäuptern allein den „Süden der NFL“ repräsentieren wollte. Kleinkarierte Denke mit dem Resultat: Gründung Cowboys, hitzige Feindschaft.

Ansonsten sind es natürlich die anderen beiden NFC-East-Gegner Philadelphia und NY Giants, gegen die man in Washington immer ganz besonders gerne spielt. Lokalrivale wäre Baltimore, aber gegen die Ravens spielt man nur einmal alle vier Jahre.

Gesichter der Franchise

  • Joe Gibbs – Head Coach und dreifacher Superbowl-Champion. Machte aus gesichtslosen Mannschaften ohne große Stars schier unschlagbare Mannschaften und gilt deswegen als einer der besten Coaches überhaupt.
  • Sammy Baugh – Punter, Quarterback, Abwehrspieler in Personalunion und bis heute der einzige Spieler, der in einer Saison die meisten Yards im Passspiel und Punten hatte, sowie auch noch die meisten Interceptions.
  • Darrell Green – CB, von 1983 bis 2000 17 Jahre lang auf hohem Niveau unterwegs und zweimal Superbowl-Champ.

korsakoffs Highlight

Ist es möglich, dass diese Rubrik leer bleibt? Bis auf ein 7-52 gegen New England vor ein paar Jahren haben die Redskins noch nicht Denkwürdiges produziert. Und mit „7-52“ möchte man ja nicht wirklich in Erinnerung bleiben.

Eckdaten

Gegründet: 1932 als Boston Braves
Besitzer: Dan Snyder (Finanzhai)
Division: NFC East
Erfolge: Superbowl-Champ 1982, 1987, 1991, Superbowl-Niederlage 1972, 1983, dazu NFL-Champ 1937, 1942, 23x Playoffs (23-18) – Stand 2013

Washington Redskins in der Frischzellenkur

ÜBERBLICK

#16 DE Ryan Kerrigan (Purdue)
#41 DT Jarvis Jenkins (Clemson)
#79 WR Leonard Hankerson (Miami)
#105 RB Roy Helu (Nebraska)
#146 S Dejon Gomis (Nebraska)
#155 WR Niles Paul (Nebraska)
#177 RB Evan Royster (Penn State)
#178 WR Aldrick Robinson (SMU)
#213 CB Brandyn Thompson (Boise State)
#217 OT Maurice Hurt (Florida)
#224 DE Markus White (Florida State)
#253 DT Chris Neild (West Virginia)

Exakt ein Dutzend Picks für Washington, ein Viertel davon von den Nebraska Cornhuskers, und wenn auch nur das halbe Dutzend einschlägt, ist es ein sehr guter Draft. Washington hat potenziell viele Lücken im Kader. Die größte ist nach der sinnfreien Enteierung von QB Donovan McNabb nicht angegangen worden (QB, für Ignoranten), dafür haufenweise Einkaufen von Skill Players in der Offense.

Dreimal Wide Receivers (Hankerson, Paul, Robinson in den mittleren Runden) und zweimal Running Backs (Helu, Royster, ebenso mittlere Runden). Robinson und Helu sind mir vom College in positiver Erinnerung: Explosive Spieler, die von Shanahan reinrotiert werden.

Die verheerende Defense wurde am Anfang und Ende mit Line-Spielern und mitten drin mit Defensive Backs angegangen. Die Idee hinter DE Ryan Kerrigan dürfte eine Umschulung auf 3-4 OLB sein, da neben OLB Orapko ein zweites Element für Druck gegen den Quarterback gesucht wird. DT Jarvis Jenkins ist mehr der Edeljoker für die Defensive Line.

Interessant ist die letzte Einberufung, #253 in Runde 7: DT Chris Neild, der als wie geschaffen für die Position des Nose Tackles gilt. Washington hat eine 3-4 Defense, aber keinen Nose Tackle, weil Kemoeatu zu schlecht und Haynesworth zu bockig ist. Nicht ausgeschlossen, dass Neild sofort ausgetestet wird. Der Pick #224, DE/OLB White von der FSU, könnte für die von Shanahan gepredigte Rotation geschmissen werden.

Summa summarum

12 Picks, schön aufgeteilt: Eine Hälfte Offense, die andere Defense. Sehr gute Idee, die Defense in der Front 7 aufzuladen und haufenweise neue Optionen einzukaufen, da mit Haynesworth der gedachte Ankermann gefloppt zu sein scheint. In der Offense haufenweise Skill Players, die ein Jahr eingelernt werden dürften, bis 2012 der Franchise-QB geholt wird – oder?

Washington Redskins in der Sezierstunde

Voran meine grandiose Saison-Prognose:

Ich traue Washington 2010 durchaus die Playoffs zu, selbst in der schwierigen NFC East. Wenn Snyder die Klappe hält und seine Coaches machen lässt, wenn die Defense so weiter spielt und die Offense unter Shanahan/McNabb den Erwartungen gerecht wird, sind die Redskins für mich sogar Favorit in dieser Division.

Ich werde mich an der Stelle nicht auf das Wörtchen „wenn“ hinausreden. Die Prognose steht neben meinen Schuhen – so geht es, wenn man aus blanker Not, nachher als Genie dazustehen – den Risikotipp rausposaunt.

Wobei: Im Prinzip war alles gegeben. Neuer Headcoach mit Sachverstand, ein eigenhändig mundtot gemachter Owner und ein hochkarätiger, neuer Quarterback. Sogar die NFC East erwies sich als erwarteter Rohrkrepierer.

Trotzdem war Washington am Ende mit 6-10 Tabellenletzter. Frage: Wie waren die Probleme gelagert?

Antwort: Vielschichtig.

Mike Shanahan

Mike Shanahan - ©Flickr

Mike Shanahan machte von Beginn an einen auf Disziplin-Nazi und vergraulte damit den faulen und überbezahlten DT Albert Haynesworth. Im Lauf der Saison verärgerte Shanahan dann auch noch QB Donovan McNabb, indem er ihn mehrfach öffentlich demontierte.

Sportlich war Washingtons Offense hilfloser als erwartet, weil das Laufspiel schnell kollabierte und McNabb nicht dauerhaft in der Lage war, das Problem zu übertünchen. Das 16-13 (OT) gegen die Packers Anfang Oktober ist mir dabei im Gedächtnis geblieben: Trotz Sieg eine extrem maue Vorstellung, weil das Laufspiel in all seinen Facetten abgewürgt war.

Weil es immer noch schlechter geht, bitteschön – die Defensiv-Statistiken: DVOA #25 overall, #18 Lauf, #27 Pass. In absoluten Zahlen: #31 overall, #26 Lauf, #31 Pass. Schande der Saison war natürlich die desaströse Heimschlappe gegen Vicks Eagles Mitte November (mit 59 kassierten Punkten noch gut bedient).

Was tun?

Zuerst: Eine Umstellung auf eine 3-4 Defense ist bekanntlich nicht einfach, und nachdem Haynesworth sich unfähig zeigte, den Nose Tackle zu spielen, war das System erstmal fürn Arsch. Für Shanahan muss die oberallererste Priorität lauten: Passende Spieler für die Systemumstellung einkaufen. Shanahan scheint auch über diesen Weg seine Defense in den Griff bekommen zu wollen, denn der Trainerstab blieb unangetastet.

Wichtigste Positionen dabei IMHO: Nose Tackle, Pass Rusher (Hey, alle wollen Pass Rusher!), Cornerbacks (aufgrund vieler auslaufender Verträge ist die Position arg dünn besetzt).

Gute Nose Tackles sind schwer zu finden, aber ich glaube kaum, dass der eigensinnige Shanahan nochmal mit Haynesworth probieren wird. Pass Rusher sollte dagegen weniger ein Problem darstellen – der Jahrgang gilt im Draft als reich bestückt. In der Secondary ist mit O.J. Atogwe schon ein guter Safety eingekauft worden, die Cornerbacks (Buchanon, Rogers) sollten nach Bedarf gehalten werden.

Problematischer ist die Offense: QB McNabb ist in Landover vermutlich verbrannt. Ob Shanahan wirklich mit REX GROSSMAN die Saison bestreiten wird? Und: Wo sind die Abnehmer für des Quarterbacks Pässe?

Es könnte auch einen Running Back brauchen – Clinton Portis ist raus. Shanahan war in der Vergangenheit dafür bekannt, No Names zu Top-Running Backs zu machen. Ryan Torain war über Phasen auch so einer. Aber eben nur über Phasen.

Draftpick #10

Die Redskins sind zur Zeit sowas wie das dark horse an der #10 im Draft – gesegnet damit, alle Optionen offen zu haben: Einer der fünftausenvierhundertsechsundsechzig Quarterbacks wird auf alle Fälle frei sein, vermutlich auch einer der beiden Top-WRs (Julio Jones, A.J. Green), die beide den Skins gut zu Gesicht stünden. Ein Trade nach unten sollte ebenso eine Option sein wie ein Trade hinauf.

Der Gedanke, einen QB zu draften, sollte nicht ganz abgewiesen werden. Locker, Gabbert und vor allem Newton – drei mobile Quarterbacks, die den Ball ein paar Dutzend Yards das Spielfeld hinunter jagen können. Wie war datt nochmal mit den Elways, Plummers und Cutlers dieser Welt?

Sollte Washington sein Auge auf einen speziellen der drei werfen, könnte ein Trade in eine bessere Draftposition von Nöten sein. Sollte kein CBA bis zum Draft unterzeichnet werden, kann man allerdings keinen McNabb als Handelsware einsetzen…

Ausblick

Ich bin einigermaßen schockiert über die gezeigten Leistungen der Redskins. Ich hatte die Mannschaft deutlich „runder“ erwartet – aber die Defensivumstellung war wohl ärger als erwartet und wenn dein Laufspiel so abschmiert, ist „6-10“ vorprogrammiert.

Da die Löcher eher breit gestreut sind und aktuell schwer vorhersehbar ist, in welche Richtung die größten Bemühungen angestrengt werden, ist eine Prognose schwierig. Schwer vorstellbar, dass Grossman der QB #1 sein wird oder dass McNabb noch einen Funzen Bock auf Shanahan hat, von daher ist QB in Runde 1 vielleicht wirklich am wahrscheinlichsten.

Cam Newton-Show in Landover?

Weitere „Sezierstunde“-Ausgaben gibt es hier.