Steeler Nation down

Am heutigen Morgen ist wieder ein Gastartikel an der Reihe. Autor ist der uns bereits bekannte Marc Melcher (@the_mm_) vom Bündner Tagblatt, bekennender Steelers-Fan und Steelers-Experte. Marc war am Sonntag in London live beim Spiel dabei, und analysiert heute die beschissene Lage, in die sich Pittsburgh nach vier NFLÖ-Spieltagen 2013 manövriert hat.


Ein paar Yards können im Football die Welt bedeuten. Im Fall der Pittsburgh Steelers bedeuteten sie am vergangenen Sonntag im Wembley den Unterschied zwischen Depression und neuer Hoffnung. Hätte Big Ben bei 2nd&Goal einen Receiver gefunden, wäre er bei 3rd&Goal nicht gesackt worden, es wäre zur Verlängerung gekommen und dort hätte…. Hätte, könnte, wäre. Die Saison der Pittsburgh Steelers ist voll von diesen Begriffen. Schon gegen die Bears in Woche 3 sah es so aus, als würden die Steelers am Schluss noch einen Comeback-Sieg einfahren. Und die Spiele gegen die Titans und die Bengals waren bis tief ins letzte Viertel offen. Weiterlesen

Glaskugel 2012: Pittsburgh Steelers

Eigentlich könnte man für die Pittsburgh Steelers jedes Jahr die gleiche Vorschau schreiben: super Defense, toller Ben, schlechte O-Line – mindestens Playoffs. Die letzte große Veränderung gab es 2006, als der damals 34-jährige Mike Tomlin, vormals DBs Coach der Bucs und DC der Vikings, den Cheftrainerposten vom ewigen Bill Cowher übernahm. Tomlin ist nach Cowher und Chuck Noll erst der dritte Head Coach der Steelers seit 1969. Das wird er auch erstmal bleiben, erst in den letzten Tagen hat Tomlin seinen Vertrag bis 2016 verlängert.

Überhaupt ist die Geschichte der Steelers eine Geschichte der Kontinuität. Seit Jahren und Jahrzehnten ist das personell management wie aus dem Lehrbuch: building through the draft. Gerade die Spieler aus den Runden zwei bis fünf werden in steter Regelmäßigkeit ab ihrem zweiten oder dritten Jahr Stammspieler und Leistungsträger. GM Kevin Colbert schafft es Jahr für Jahr, eine Mannschaft zusammenzustellen, die um den Super Bowl mitspielt.

Defense

In der Defense ist eigentlich alles so wie immer. Die D-Line ist groß, dick und namenlos; die Linebackers sind sehr smart und noch viel aggressiver, manchmal auch andersrum; CB Ike Taylor macht eine Seitenlinie dicht und den Rest übernimmt Safety Troy Polamalu. Orchestriert wird das ganze seit gefühlt 1963 von DC Dick LeBeau.

Einige kleinere personelle Änderungen auf der defensiven Seite gibt es aber doch. Altersbedingt hängen DE Aaron Smith und LB James Farrior ihre Pads für immer in den Spind; leistungsbedingt wurde CB Bryant McFadden vor die Tür gesetzt und geldbedingt hat Nr.2-CB William Gay in Arizona unterschrieben.

Schedule

Wk1 @ DEN (SNF)
Wk2 v NYJ
Wk3 @ OAK
Wk4 BYE
Wk5 v PHI
Wk6 @ TEN (TNF)
Wk7 @ CIN (SNF)
Wk8 v WAS
Wk9 @ NYG
Wk10 v KC (MNF)
Wk11 v BAL (SNF)
Wk12 @ CLE
Wk13 @ BAL
Wk14 v SD
Wk15 @ DAL
Wk16 v CIN
Wk17 v CLE

Für alle vier wurde die Nachfolge aber bereits in-house geregelt – wie das bei den Steelers eben so üblich ist. Um Smiths Nachfolge balgen sich zwei 1st-rd pick: Ziggy Hood (2009) und Cam Heyward (2011). Hood konnte bis jetzt noch nicht sonderlich überzeugen und Heyward hatte nach fehlenden OTAs und richtigem Trainings Camp letztes Jahr auch so seine Schwierigkeiten, sofort durchzustarten. Das sollte aber vor allem im Falle Heyward nicht viel heißen, die meisten jungen Steelers starten nicht sofort voll durch.

So ist man dann in Pittsburgh auch gar nicht so traurig, daß Gay und McFadden nicht mehr dabei sind. Mit Keenan Lewis (3rd-rd 2009), Curtis Brown (3rd-rd 2011) und Cortez Allen (4th-rd 2011) sind drei vielversprechende Jungspunde im Kader, von denen man viel erwartet. Starter neben Taylor soll Lewis werden.

Farrior wird jetzt in Vollzeit von Larry Foote ersetzt, der mit seinem Nebenmann Lawrence Timmons auch die Aufgabe haben wird, den in der dritten Runde gedrafteten Sean Spence einzulernen.

Umgeben sind Foote/Timmons immer noch vom besten OLB-Duo der Welt. Ohne Diskussion. James Harrison und LaMarr Woodley haben hinter sich auch zwei talentierte Nachwuchskräfte, die sich ihre Sporen verdienen wollen. Jason Worilds (2nd-rd pick 2010) und Chris Carter (5th-rd pick 2011) machen sich noch zwei, drei Jahre warm, bis der 34-jährige Harrison dann mal abtritt.

So hat Pittsburgh auf so gut wie allen Positionen talentierte junge Leute, die ganz old-school mäßig erstmal zwei, drei Jahre alles von der Pike auf lernen und dann die Altvorderen ablösen.

Immer wieder taucht das Gerede von “ach-zu-alte-Defense-Pittsburgh” auf, aber wenn man sich das mal genau beguckt, stimmt das gar nicht. In der D-Line kommen Heyward und Hood; dazu noch der diesjährige 4th-rd pick Alameda Ta´amu, der Casey Hampton ablösen wird. Timmons und Woodley wurden erst 2007 gedraftet und für die beiden anderen LB-Spots – die ja erstmal noch hervorragend besetzt sind – sind auch schon Nachfolger im Kader. In der Secondary sind drei sehr junge Cornerbacks, in die viel Vertrauen gesetzt wird. Viel besser geht langfristiges Teambuilding gar nicht.

Offense

In der Offense sind zwei Veränderungen zu beobachten. Zum einen wurde der langjährige Offensive Coordinator Bruce Arians unter mysteriösen Umständen gegangen – sehr zur Verärgerung von QB Ben Roethlisberger. Der muß sich jetzt mit dem im persönlichen Umgang nicht immer sehr einfachen Todd Haley arrangieren. Zum anderen haben sich die Steelers in den letzten zwei, drei Jahren ganz heimlich, still und leise eine junge, talentierte Offensive Line zusammengestellt, die für erhebliche Überraschungen sorgen könnte.

Fangen wir mit der Offensive Line an. Auch hier sieht man deutlich das langfristige Konzept – und vielleicht sogar schon dieses Jahr erste Ergebnisse. Nach Jahren unterirdischer Leistungen von alten, kaputten Männern könnten dieses Jahr vier hungrige Typen in der Linie stehen, die allesamt jünger als 25 Jahre sind und alle 1st- bzw. 2nd-rd picks waren.

In der Mitte snapt Maurkice Pouncey. Der 1st-rd pick 2010 ist zwar nach wie vor overhyped, aber trotzdem ein guter Center. Der letztjährige 2nd-rd pick Marcus Gilbert hat schon als Rookie eine gute Figur als RT gemacht und sollte nur noch besser werden. Der ehemalige RT Willie Colon, der in den letzten beiden Jahren verletzungsbedingt kaum gespielt hat, soll einen Guard geben, während der diesjährige 1st-rd pick David DeCastro die andere Guard-Positionen übernehmen wird. Um den Posten als Left Tackle streiten sich der diesjährige 2nd-rd pick Mike Adams und der altbekannte Max Starks. Als back-ups für die gesamte Linie stehen daneben noch die genauso altbekannten Trai Essex, Doug Legurksy und Ramon Foster bereit.

Insgesamt also eine deutliche Verbesserung gegenüber den letzten Jahren mit noch rosigeren Aussichten für die Zukunft. Die andere Veränderung gibts auf dem Posten des Offensive Coordinators.

Exkurs Todd Haley

Haley, der neue OC, ist ein seltsamer Typ. Er selbst hat nie Football gespielt, sondern Golf – und das auch einigermaßen erfolgreich. Aufgrund einer Rückenverletzung reichte es aber nicht für die PGA Tour. Nun war aber sein Vater, Dick Haley, eine große Nummer in der NFL. 20 Jahre lang war Dick Director of Player Personnel der Pittsburgh Steelers und ab 1991 für 12 Jahre in gleicher Position bei den Jets.

Dort heuerte Todd 1995 im Scouting Department an. 1997 übernahm Bill Parcells die Jets und war vom jungen Haley so begeistert, daß er ihn gleich in seinen Trainerstab übernahm. Haley begann als Quality Control Coach und wurde später Wide Receivers Coach. In beiden Position arbeitete er sehr eng mit Offensive Coordinator Charlie Weis zusammen. (Überhaupt war der Kern der späteren Patriots-Bagage damals unter Parcells zusammen bei den Jets: Bill Belichick, Romeo Crennel, Weis, Eric Mangini, Scott Pioli)

Nach einem dreijährigen Intermezzo als WR-Coach bei den Bears dachte Parcells sofort an seinen jungen Assistenten, als er die Dallas Cowboys übernahm. Dort war Haley von 2004 bis 2006 Passing Game Coordinator und WR Coach, machte aus dem ungedrafteten Tony Romo einen guten Quarterback und mußte die Diven Terrell Owens und Terry Glenn bei Laune halten. Manchmal hat er sie auch einfach öffentlich zusammengestaucht.

So hat er es dann auch 2007 und 2008 als OC der Arizona Cardinals mit Anquan Boldin gemacht. Allerdings so erfolgreich, daß er die Cards-Offense um Kurt Warner, Larry Fitzgerald und Boldin zu einer der aufregendsten der ganzen Liga gemacht hat und sogar ganz kurz vor dem Super-Bowl-Sieg stand.

Arizonas Cheftrainer zu diesem Zeitpunkt war Ken Whisenhunt, der nicht nur Vorgänger von Arians als Pittsburghs OC war, sondern 1991 von Dick Haley als Tight End für die Jets verpflichtet wurde. So ist das in der NFL.

2008 verpflichtete Pioli, nun GM der Kansas City Chiefs, Haley als HC. Schon von Anfang an gab es Spannungen innerhalb der Mannschaft und des Trainerstabes. So wurde OC Chan Gailey noch während des ersten Training Camps entlassen. Sportlich allerdings ging es aufwärts und im zweiten Jahr gar in die Playoffs. 2010 stand schließlich unter keinem guten Stern, als die drei besten Spieler – RB Jamal Charles, TE Tony Moeaki und S Eric Berry – mit schweren Verletzungen das gesamte Jahr über nur zuschauen konnte. Mit einer 5-8-Bilanz und vielen Gerüchten um Egomanie, Hybris und paranoid überall vermuteter Illoyalität mußte Haley gehen.

Passing Game & Running Game

Kurz zusammengefaßt: Haleys Einflüsse als Play Caller umfassen vor allem Parcells, Weis und Whisenhunt. So ist es auch kein Wunder, daß die Chiefs eines der lauflastigsten Teams der Liga waren. Aber ebenso waren die Cards unter Haley eine der paßfreudigsten Offenses. Daß Haley extrem anpassungsfähig ist und seine Offense um die Spieler herum baut, die er hat und nicht andersrum, wird auch immer wieder als seine große Sträke beschrieben.

Mit Mike Wallace, Emmanuel Sanders und Antonio Brown findet Haley nun in Pittsburgh drei starke junge WR und mit Ben Roethlisberger einen QB, der das Ei auch gerne mal über 50 Yards schleudert. Daher sollte es da weitergehen, wo es unter Arians aufgehört hat. Also viele 3-/4-WR-sets, deutliches Übergewicht des Paßspiels und vor allem eine starke vertikale Komponente.

Monsieur Wallace ziert sich zwar derweil noch wenig, unter seinem Restricted Free Agent Tender zu spielen, aber das Problem wird früher oder später auch gelöst werden. Es ist auch auf der WR-Position auf beeindruckende Weise das gute Händchen im Draften zu sehen: Wallace war ein 3rd-rd pick (2009), Sanders ebenso (2010) und Brown ein 6th-rd pick (2010).

Das seit Jahren schon kränkelnde Running Game kränkelt auch weiterhin. Der etatmäßige Top-RB Rashard Mendenhall befindet sich noch für einige Zeit in der Reha, nachdem er sich im Januar das Kreuzband gerissen hat. Seinen Platz wird Isaac “Redzone” Redman übernehmen, der in den letzten Jahren schon erfolgreich als short yardage-back agiert hat. Dazu kommt noch Rookie Chris Rainey, ein verdammt aufregender space player á la Darren Sproles. Rainey könnte ein schönes Spielzeug für Haley werden, der mit Dexter McCluster genau so einen Typen auch schon in Kansas City hatte.

Ausblick

Also eigentlich alles so wie immer in Pittsburgh. Top-D; starkes Paßspiel um Big Ben und seine starken WRs; nur die Offensive Line sollte besser sein, als in den vergangenen Jahren. Es wird vielleicht einige Startschwierigkeiten geben mit der neuen Offense, die Haley installiert. Aber insgesamt müßte es schon mit dem Teufel zugehen, sollten die Steelers nicht um die Krone der AFC mitspielen. Es müßte Wallace bockig bleiben bis zum Sanktnimmerleinstag; es müßte Haley irgendwie eskalieren; es müßten sich Polamalu und Harrison verletzen oder Roethlisberger ausfallen. Wenn nicht, dann same procedure as every year.

NFL-Franchises im Kurzporträt, #8: Pittsburgh Steelers

Wenn es um Corporate Identity geht, haben die Steelers seit den 70ern perfekte Arbeit geleistet. Jeder, wirklich jeder, assoziiert mit „Pittsburgh Steelers“ knallharte, blitzfreudige Defense. Und so nebenbei sind sie damit auch nicht unerfolgreich…

Fast vierzig Jahre unsichtbar

Die Steelers sind die fünftälteste noch bestehende Franchise der NFL – gegründet 1933 von Art Rooney als „Pittsburgh Pirates“, nach dem Baseball-Team (siehe auch: Baseball/Football Giants in New York). Noch 1939 folgte die Umbenennung in „Steelers“, als Ehrerweisung an die Stadt Pittsburgh, die für Stahlindustrie stand. Die Franchise war nicht nur unerfolgreich, sie musste anfangs lange, lange Jahre ums Überleben kämpfen. Zu Zeiten des Zweiten Weltkriegs konnte man nur dank Symbiosen mit den Eagles („Steagles“) und den Cardinals („Card-Pitt“) überleben. Card-Pitt ist deshalb sehr geil, weil sich die beiden ein paar Jahrhunderte später in der Super Bowl gegenüber standen.

Erfolge? Um es kurz zu sagen: Nonexistent. Man könnte sagen, sie haben es den MLB-Pirates von heute vorgemacht. In den ersten 39 Jahren Existnz spielte die Mannschaft genau einmal (!) in den Playoffs und wechselten Heimstadien wie andere ihre Unterwäsche. Ziemlich genau Ende der 60er dann der Turning Point der Franchise: Erst installierten die Rooneys Head Coach Chuck Noll, 1970 folgte der permanente Einzug ins Three Rivers Stadium und der Wechsel in die AFC.

Chuck Noll

Noll sollte 23 Jahre lang Head Coach bleiben – und die Footballwelt sollte sich arg verändern. Nolls Philosophie war: Junge Spieler draften und aufbauen, anstelle von alte Stars einkaufen. Nolls Draft-Bilanz liest sich eindrucksvoll und war die Basis für eine sehr dominante Dekade – 1974 draftete er gleich VIER Spieler auf einen Streich, deren Köpfe heute in der Hall of Fame stehen.

Die Mannschaft selbst war voller Charakterköpfe: QB Terry Bradshaw, RB Franco Harris und WR Lynn Swann kennt jeder Footballinteressierte noch heute, und in der Defense spielten „Perlen“ wie der bösartige DE Joe Greene oder Jack Lambert.

Diese Mannschaft fetzte sich jahrelang mit dem großen Rivalen Oakland um die AFC-Vorherrschaft, die in diesen Jahren gleichbedeutend mit „NFL-Vorherrschaft“ war. Pittsburgh gegen Oakland – ein Klassiker, geworden dank unzähliger, teilweise brutal geführter Schlachten. Oakland siegte meistens in der Regular Season, Pittsburgh in den Playoffs.

Die berühmteste Szene schimpft sich Immaculate Reception – ein Playoffspiel 1972/73, als Franco Harris ein langer Ball direkt von einem Verteidiger in die Arme fiel und er zum Touchdown durchlaufen konnte. Bis heute gilt diese Szene als Initialzündung für den beispiellosen Erfolgslauf: Die Saisons 1974, 1975, 1978 und 1979 weisen den Superbowl-Champ Pittsburgh Steelers auf. Zweimal wurde Dallas in Thrillerspielen geschlagen, einmal Minnesota, einmal die L.A. Rams.

Die Steelers sind heute eine der landesweit beliebtesten Mannschaften. Man darf dies einer eher traurigen Epoche zuschreiben – oder besser gesagt, sowas wie einer glücklichen Fügung: Grad in der Hochzeit der Steelers-Erfolge, so um Ende der 70er, kriselte es gewaltig in der Stahlstadt Pittsburgh, deren Industrie Anfang der 80er komplett crashte und einen Massenexodus verursachte. Die gepeinigten Arbeiter zerstreuten sich quer über die Staaten – und nahmen wenigstens ihren Stolz auf die grad so erfolgreichen Steelers mit in die Welt hinaus. Heute ist die Fanbasis der Steelers, genannt „Steeler Nation“, die womöglich größte und am meisten verbreitete in den USA.

Die 80er waren dann nach den Rücktritten der alten Heldenriege eher wenig erfolgreich, und 1992 trat Noll dann auch folgerichtig, vielleicht etwas zu spät, zurück.

Bill Cowher

Auf die Ära Chuck Noll folgte die Ära Bill Cowher. Als einer der leidenschaftlichsten Head Coaches blieben die Steelers unter dem Sympathen Cowher eine Macht, verloren aber immer wieder die wichtigen Spiele (mehrere AFC-Finals und die Superbowl XXX). Cowhers Problem war weniger die Defense oder der charmismatische RB Jerome „The Bus“ Bettis, sondern vielmehr das Fehlen eines Quarterbacks.

Der kam 2004 in persona Big Ben Roethlisberger. Im ersten Jahr zahlte der Sensationsmann Ben im Finale der AFC noch Lehrgeld, aber in der zweiten Saison wurstelte man sich nach einigen wahrhaftigen Krimis (ich sage nur: @Colts) in die Super Bowl.

Super Bowl XL in Detroit war kein schönes Spiel – Pittsburgh gewann 21-10 im letzten Spiel von Jerome Bettis in dessen Heimatstadt. In Erinnerung bleiben auch die Schiedsrichter, die mitentscheidenden Anteil hatten am Sieg über die Seahawks.

Mike Tomlin

Seit 2007 coacht der junge, schwarze Mike Tomlin mit High Five und Sonnenbrille im Haar die Steelers. Eine coole Socke wie Tomlin setzt auf knallharte Defense und holt schon im zweiten Jahr die Super Bowl. Nach Schlachten gegen Baltimore und Arizona gewann man in einem herausragenden Footballspiel Super Bowl XLIII – und ist seitdem das Team mit den meisten Ringen, nämlich genau sechs.

In der abgelaufenen Saison hätte es ein siebter werden können, aber eine Niederlage in der Super Bowl XLV gegen Green Bay verhinderte das. Die Steelers sind für die Zukunft aber weiterhin sehr gut aufgestellt.

Ketchup

Heinz_Field

Heinz Field (67.000 Plätze) ist seit fast einem Jahrzehnt die Heimat der Steelers. Direkt hinter der Süd-Endzone mutieren der Alleheny und der Monongahela zum Ohio River – daher hieß das alte Stadion gleich nebenan auch Three Rivers Stadium. Heinz Field ist gesponsort von der gleichnamigen Ketchup-Kette (deren Besitzerin mit den Rooneys verheiratet ist) und gilt als besonders gefürchtet bei Kickern.

Rivalen

Aufgrund ihrer langen Erfolgsgeschichte haben die Pittsburgh Steelers zwar landesweit ihre Fans, aber auch landesweit ihre Rivalen. Die regelmäßigsten Auseinandersetzungen sind divisionsintern in der AFC North. Es gibt keine andere Division, in der sich alle vier Mannschaften so wenig grün sind wie die AFC North. Der klassische Rivale ist Cleveland – die Browns sind gemeinsam mit Pittsburgh von der NFL in die AFC gewechselt. Sportlich ist Browns-Steelers aber seit Jahren ein mismatch.

Dann die Cincinnati Bengals. Who dey gegen Terrible Towels – seit Äonen ein heißes Duell. Die aktuell intensivste Feindschaft besteht mit den Baltimore Ravens – zwei Vollblut-Defenses im stetigen Kampf miteinander. Jedes Spiel Ravens-Steelers ist seit einigen Jahren intensiv wie kein anderes. Nach keinem anderen Spiel gibt es so viele blaue Flecken. Black’n’blue-Football auf die eher brutalere Weise.

Sportlich-historische Rivalen sind die Oakland Raiders. Ein Duell, das noch aus den 70ern gründet, als sich die beiden regelmäßig im AFC-Finale trafen. Madden gegen Noll. Davis gegen Rooney. Hinterhältig geführte Klassiker – meist mit Oakland als Sieger in der Regular Season und Pittsburgh als Sieger in den Playoffs. Superbowls haben dann aber beide gewonnen.

Gegen die Philadelphia Eagles gibt es die Battle of Pennsylvania, gegen die New England Patriots seit Jahren ein Fernduell um die Vorherrschaft in der AFC (mit den Colts als drittem Player im Bunde).

Gesichter der Franchise

  • Chuck Noll – Head Coach und Architekt hinter der großen Steelers-Ära in den 70ern. Nolls Erbe ist darüber hinaus, dass er die Denke der Menschen öffnete und Afroamerikaner förderte, so gut es ging (ex. ließ als einer der ersten Coaches schwarze QBs ran). Auch schwarze Coaches wurden von Noll gefördert, so auch der großartige Tony Dungy, dem Noll den Start seiner Karriere ermöglichte.
  • Terry Bradshaw – QB, vierfacher Superbowl-Champ in den 70ern in einer der berühmtesten Mannschaften der NFL-Geschichte. Heute als nervtötender Schreihals bei Fox unterwegs.
  • Bill Cowher – QB, einer der emotionalsten und leidenschaftlichsten Coaches, ein Sympathieträger, dessen fehlendes Glück in den ganz wichtigen Spielen berühmt war. 2005/06 mit dem Titel belohnt, auch wenn es ein zweifelhafter Titel war.
  • Dick LeBeau – Defensive Coordinator, Hall-of-Famer als Defensive Back für die Lions, in Pittsburgh aber hauptsächlich bekannt für die langjährige Arbeit als Defensive Coordinator in den letzten Jahren. LeBeau könnte durchaus auch als Erfinder des Zone Blitzes in die Hall of Fame gewählt werden.
  • Ben Roethlisberger – QB, ein Brocken von einem Mann und mit seiner rustikalen Erscheinung wie die Faust aufs Auge auf Pittsburgh passend. Zweifacher Superbowl-Champ und Improvisationsgenie.

korsakoffs Highlight

Playoffspiel 2005/06 gegen die Colts – Pittsburgh hat in den letzten Jahren einiges an Krimis geliefert, aber dieser war der bizarrste von allen. Als großer Underdog erst die Colts outcoached, um nach irren fünfeinhalb Schlussminuten fast noch zu verlieren. So viele Wendungen habe ich kaum in einem anderen Spiel gesehen. Und dann kam der große Christopher D. Ryan.

H-ö-r-e-n-s-w-e-r-t.

Hier das entsprechende Video zu diesem Sensations-Spiel, die von Ryan/Eschlböck so bildhaft beschriebene Szene ab 2:24:

Eckdaten

Gegründet: 1933 als Pittsburgh Pirates
Besitzer: Rooney-Familie
Division: AFC North
Erfolge: Superbowl-Sieger 1974, 1975, 1978, 1979, 2005, 2008, Superbowl-Verlierer 1995, 2010, 27x Playoffs (33-21) – Stand 2012

Pittsburgh Steelers in der Sezierstunde

Rashard Mendenhall RB Steelers NFL

Rashard Mendenhall - ©Wikipedia

Es war eine merkwürdige Saison für die Pittsburgh Steelers. Zuerst musste man auf QB Ben Roethlisberger verzichten, dann kam die Offense nicht in Gang, dann floppte die Defense – und am Ende stand man trotz einer heiß/kalten Post Season in der Super Bowl. Die wurde dann verloren. Obwohl sie eigentlich locker „gewinnbar“ gewesen wäre.

Problem der Steelers 2010/11: Sie waren nicht beständig. Sie waren Sekundengenies. Eine Mannschaft, die pro Spiel erst drei Momentum Changes überstehen musste, ehe es am Ende zwei Kilo Eier in Head Coach Mike Tomlins Unterhosen brauchte, um das Spiel zu drehen oder einen Vorsprung über die Zeit zu wursteln.

Die Offense von Bruce Arians

Es ist eine Offense, die nicht Spektakel veranstaltet, sondern rational, effizient arbeiten möchte. Basierend auf Laufspiel möchte man QB Big Ben Roethlisberger Gestaltungsmöglichkeiten im Passspiel geben und Roethlisbergers Fähigkeit zur Improvisation nutzen.

Problem: Dadurch, dass die Offensive Line seit Jahren stiefmütterlich behandelt wird, werden gleich die ersten paar Prozent Effizienz abgezogen. Mit C Maurkice Pouncey hat man die Mitte gestärkt, aber alles drum herum ist und bleibt Stückwerk. Pittsburgh kann IMHO Verstärkungen bei Guards und Tackles brauchen. Treppenwitz wäre natürlich eine Draft-Verpflichtung von G Mike Pouncey, Maurkices Bruder.

Der Running Back heißt Rashard Mendenhall. Er ist als Arbeitstier gedacht. Mendenhall ist allerdings sehr eindimensional und kein guter Fänger. Irgendwann wird ein vielseitigerer Back eingekauft werden müssen. Priorität aber vorerst (noch) nicht allzu hoch.

Die Passempfänger sind gut aufgestellt. Roethlisberger verfügt über einen ausbalancierten Mix aus kräftigen Receivers und Tight Ends sowie pfeilschnellen Leuten und guten Blockern. Von Running-Back-Seite ist Mewelde Moore der Mann, der in Pass-Situationen eingesetzt wird (der aber kein zuverlässiger Rusher ist). Ich sehe den enttäuschenden Limas Sweed kurz vor der Entlassung. Sweeds Bilanz in drei Jahren: 7 Catches, 69yds, 1 Fumble. Auch der eisenharte Hines Ward wird nicht jünger und wird immer häufiger von Wehwehchen gezwickt – Weltsensation, bei so einem Spielstil.

Die Defense von Dick LeBeau

Das Prunkstück der Steelers. Es ist eine Defense, die sich durch gnadenlosen Zug zum Quarterback auszeichnet, vielseitig blitzend und mit einigen der spektakulärsten Spieler auf allen Positionen topp aufgestellt. Auf fast allen.

Die Cornerbacks gelten seit Jahren als nicht höchsten Ansprüchen genügend. Entweder via Draft oder Free Agency wird ein Starting-CB gesucht werden. Steelers-Philosophie hieße „via Draft“.

Dazu könnte die eine oder andere Gelegenheit genützt werden, einen Verjüngungsprozess einzuleiten. NT Casey Hampton wird 34, OLB James Harrison ist auch schon 33 und ILB James Farrior sogar auf dem Sprung zum 36. Geburtstag. Das sind drei Schlüsselspieler, die nicht mehr allzu lange auf höchstem Niveau spielen können. Es riecht nach Frischzellenkur am zweiten oder dritten Tag im Draft. Stichwort: Langsames Heranführen an den Kader.

Ausblick

Die Mannschaft braucht dringend bessere Offensive Line. Für mich liegt darin der Schlüssel für mehr Balance und folglich den Erfolg. Mike Tomlin wird sich gewiss in dieser Hinsicht bewegen. Deswegen wird Pittsburgh auch im Rennen um Divisionssieg und Superbowl bleiben, trotz der aufkommenden divisionsinternen Konkurrenz.

Superbowl-Countdown T-minus 4: Die Pittsburgh Steelers

Genug des Vorgeplänkels, kommen wir zur Vorstellung der beiden Superbowl-Mannschaften 2011, angefangen mit den Pittsburgh Steelers, Traditionsmannschaft und Superbowl-Rekordsieger.

Was die Steelers ausmacht – geschichtlich

Wir wissen seit Sonntag, dass die Pittsburgh Steelers eine der beliebtesten und ältesten Mannschaften der NFL sind. Und das vor allem seit den 70er Jahren, als a) die Mannschaft dank 4 Titeln und „Steel Curtain“ höchst erfolgreich und identitätsstiftend war und b) die Arbeiter- und Stahlstadt Pittsburgh eine schwere Krisenzeit durchlebte, woraufhin sich die Einwohner und damit auch die Fans quer über die Lande verstreuten.

Nach den grandiosen 70ern unter Head Coach Chuck Noll, QB Terry Bradshaw und DT Mean Joe Greene erlebte die Franchise in den 80ern zwar einen leichten „Niedergang“ („nur“ vier Playoffteilnahmen), aber Noll war trotzdem unantastbar, so was wie der Guy Roux unter den NFL-Coaches. Grund dafür: Die Familie Rooney, seit der Gründung 1933 in Besitz der Steelers (als Pirates gegründet), hat den Ruf, außergewöhnlich loyal zu seinen Angestellten zu sein und sie nicht nach ein-zwei erfolglosen Jahren zu feuern.

Die Rooneys stellten nach Nolls freiwilligem Abgang 1992 mit Bill Cowher wieder einen jungen, feurigen Coach ein. Cowher war ein Einheimischer, ein Junge aus Pittsburgh und erwarb sich schnell den Ruf, ein Kumpeltyp zu sein, einer der emotionalsten Head Coaches der NFL. Und natürlich einer, der von der Defensivseite her kam. Cowher installierte eine sehr blitzfreudige Defense mit dem auffälligen, weil sehr „mannhaftigem“ Linebacker Kevin Greene, als zentralem Kopf. Und Cowher trieb seine Steelers fast jedes Jahr in die Playoffs. Nur, um immer wieder zu scheitern, 1995 gar erst in der Superbowl.

Trotz des Loser-Images in kritischen Situationen blieben die Rooneys Cowher stets treu, bis zum großen Erfolg im Februar 2006: Sieg in Superbowl XL. Ein glücklicher Sieg. Aber ein typischer: Sehr auf die Defense vertrauend, mit viel Laufspiel und mit einer ganzen Latte an Eigenbauspielern. Pittsburgh ist dafür bekannt, sich seine Stars selber via Draft zu holen und nur begrenzt auf dem Transfermarkt (Free Agency, Trades) aktiv zu sein.

Das ist auch heute noch so: Spieler wie QB Ben Roethlisberger, RB Rashard Mendenhall, WR Hines Ward, SS Troy Polamalu oder NT Casey Hampton sind alle von Pittsburgh gedraftet worden und spielen seit z.T. langen Jahren dort.

Mike Tomlin - ©Flickr

Cowher ist indes nicht mehr da. Dafür haben die Rooneys nach dessen erschöpftem Abgang wieder so einen jungen Coach eingestellt. Noch dazu einen Schwarzen: Mike Tomlin, ein weiterer Kumpeltyp – und, erraten, ein ehemaliger Defensivcoach. Tomlin ist eine coole Socke, ein Typ „High Five an der Seitenlinie“, stets vollstes Vertrauen in seine Defense ausstrahlend.

Vor zwei Jahren marschierten die Steelers in Tomlins zweitem Jahr zum Titel. Im Finale war letztlich die Offense entscheidend, aber auf dem Weg dorthin hatte Pittsburgh Spiele praktisch ohne Angriff bestritten – und gewonnen. Tomlin überlässt die Arbeit mit seiner Defense hauptsächlich dem greisen, aber g-e-n-i-a-l-e-n Dick LeBeau, einem unscheinbaren Männchen, Blitz-Fanatiker und Erfinder des Zone Blitzes.

Was die Steelers ausmacht – spielerisch

Auch die Ausgabe „Steelers 2010/11“ duftet nach delikater Defense in Kombination mit rustikaler Offense. Wie schon die ganzen letzten Jahre. Für mich kriegt Tomlin erstaunlich wenig Anerkennung im Bezug auf die Ergebnisse. Ist es, weil Tomlin eine fast fertige Mannschaft übernommen hat? Ist es, weil die Trainerarbeit stark von den Assistenten LeBeau und Bruce Arians (OffCoord) übernommen wird?

Fakt ist: Tomlin fährt eine gerade Linie. Das Konzept ist klar erkennbar: Trainer und Spieler an einer längeren Leine halten, für gute Stimmung sorgen, harte Defense spielen lassen und junge Spieler draften, je nachdem, für welche Position man Nöte hat.

2010/11 sind die Steelers trotz 12-4 Record und zwei Playoff-Heimsiegen keine überragende Mannschaft. Die Offense ist bestenfalls mittelmäßig, basiert auf Laufspiel um RB Mendenhall (1273yds, 13 TDs in der Regular Season), nur, um seit den Playoffs das Spiel vermehrt in die Hände von QB Roethlisberger zu legen.

Eine Schwäche in den letzten Jahren war die Offensive Line. Durch den kometenhaften Einschlag von Rookie-Center Maurkice Pouncey (kam von den Florida Gators und schon im ersten Jahr All-Pro) schien ein Großteil des Problems behoben. Jetzt verletzte sich aber ausgerechnet Pouncey im AFC-Finale und ist mehr als fraglich für die Super Bowl. Ob da eine neue Baustelle entstanden ist?

Die Defense ist absolut dominant und nicht für den zu überwinden, der über Laufspiel erfolgreich sein will. Die Steelers sind in der Hinsicht #1 der Liga und werden jegliche Versuche auch gegen die mäßige Lauf-Offense der Packers abwürgen. Gegen den Pass wird viel, aber zuletzt immer dosierter geblitzt. Die Linebackers Harrison und Woodley besitzen immensen Zug zum QB, können aber auch hart, härter, am härtesten hitten. In der Coverage besitzen die Steelers seit Jahren bis auf SS Polamalu kein überragendes Personal. Weil aber dank Blitzes viel Druck auf die QBs ausgeübt wird, ist auch die Pass-Verteidigung überdurchschnittlich.

Was die Steelers ausmacht – Die Schlüsselspieler

Ben Roethlisberger - QB Steelers

Big Ben - ©Flickr

Auch wenn die Steelers in den Playoffs gegen Erzfeind Baltimore und gegen die New York Jets zweimal mächtig gewackelt haben: Sie finden einen Weg, das Spiel zu gewinnen. Es ist nicht schön, aber wenn es darauf ankommt, vergisst QB Big Ben Roethlisberger seine nur begrenzt erbaulichen Statistiken. Roethlisberger ist ein Typ „Just win!“. Egal wie. Wenn es knifflig wird, wenn sich der Wind zu drehen scheint, wenn das Pendel in die andere Richtunng auszuschlagen droht, findet Roethlisberger einen Weg aus der Gefahrenzone. Wie gegen Baltimore (59yds-Pass gegen Spielende bei 3rd-and-19), wie gegen die Jets (mitten in der Jets-Aufholjagd per Passspiel die Uhr gekillt). Die Verbindung zu TE Heath Miller & WR Hines Ward ist bei jedem 3rd down zu beachten. Wenn gar nichts geht und die Pocket kollabiert, ist Roethlisberger immer noch in seinem Element: Mit unorthodox aussehenden Scrambles findet der hünenhafte QB halt seine eigenen 3-4yds zum 1st down.

Roethlisberger stand vor einem Jahr schwer unter Beschuss, nach wiederholtem Vergewaltigungsvorwurf und Kritik am unsteten Lebenswandel. Nur eine skandalös schlampige Ermittlungsarbeit der Kripo verhinderte den Weg in den Bau. Von der NFL wurde er vier Wochen gesperrt. Das Bad-Boy-Image passt irgendwie nicht zu Roethlisberger. Spox.com hat den Mann für uns portraitiert.

Troy Polamalu - Pittsburgh Steelers

Troy Polamalu - ©Flickr

Größter Sympathieträger in Pittsburgh ist SS Troy Polamalu, ein polynesischer Brausekopf mit seinen wedelnden Haaren und seinem spektakulären Spiel  sofort für jedermann erkennbar. Die #43 der Steelers gehört zu den beliebtesten und wichtigsten Spielern der Liga. In dieser Saison wurde Polamalu endlich zum Verteidigungsspieler des Jahres gewählt. Polamalu muss sich nur bedingt an das LeBeau’sche Konzept halten. Sein Riecher für den Ball, seine Spielinstinkte sind so ausgeprägt, dass Polamalu für einen NFL-Spieler ungewöhnlich viele Freiheiten bekommt. Polamalu ist so was wie ein Freigeist in der Defense – und ein sehr bescheidener Charakter.

Ruhig daher kommt auch Linebacker James Harrison – neben dem Spielfeld. Kaum betritt der Mann aber den Rasen, wird die #92 der Steelers zum Hulk. Ein groß gewachsener, extrem kräftiger Mann, mit dem Hang zur Bösartigkeit. Harrisons Ruf ist legendär schlecht und sorgte im Lauf der Saison dafür, dass die Zebras mit gelben Flaggen um sich warfen als stünde jeder von Harrison berührte Spieler unmittelbar vor dem Transport ins nächstgelegene Krankenhaus. NFL Network hat Harrison interviewt.

 Ein hörenswertes Interview, das ein leichtes Umdenken bewirkt.

Nächster Hulk auf dem Spielfeld: WR Hines Ward, ein ehemaliger College-QB, aber in Pittsburgh seit Äonen Anspielstation #1. Kein Receiver mit Yards-Zahlen, die in den Himmel wachsen, aber ein unverzichtbarer Mann, vor allem bei 3rd downs. Ward ist kein Sprinter, kein Ästhet, aber einer der besten Blocker auf seiner Position – und dank nicht immer astreinem Spiel ein verhasster Mann beim Gegner.

Einer geht noch. Ich lasse mal den ruhigen, aber unersetzlichen NT Casey Hampton außen vor. Denn mit DE Brett Keisel ist in den letzten Tagen ein anderer Mann ins Licht der Medienwelt getreten. Keisel könnte glatt als uriger Tiroler auf einem verscheiten Hochplateau mit Speckbrett vor der Almhütte daherkommen. So dicht ist der Bart dieses Mannes mittlerweile gewachsen. Zottelbär Keisel war es auch, der vor zwei Jahren in der Superbowl den Fumble Warners in den letzten Sekunden erobert und damit Titel #6 eingetütet hat.

Warum ich die Steelers siegen möchte

Die Pokalübergabe in der NFL gehört zu den merkwürdigeren weltweit. Nicht der Quarterback, nicht der Mannschaftskapitän kriegt den Pokal. Sondern der Owner. Und statt zu feiern, werden erst große Reden geschwungen, die jegliche Emotionalität gerne den Bach runtergehen lassen. Die Pokalübergabe findet seit Jahren auf immer monströseren Podesten statt. Man werfe die Faktoren „Cowboys“ und „Jerry Jones“ ein und stelle sich das Podest 2011 vor. Der zierliche, fast 80 Jahre alte Steelers-Owner Dan Rooney auf den futuristischen Gebilden – bizarres Kontrastprogramm at his best.

Morgen folgen die Green Bay Packers. Eine Matchup-Vorschau gibt es erst am Sonntag Abend.