Notizblock Divisional Playoffs 2019

Ein wildes Sandwich Weekend liegt hinter uns. Oben und unten erwartbar, dazwischen ein unglücklicher Upset und ein vogelwildes Comeback. Der Notizblock wie immer mit Fokus auf die Verlierer. Die Verlierer waren diese Woche: unverschämt (Mike Zimmer); verdattert (Ravens); wehrlos (Texans); und lernresistent (Pete Carroll). Aber hey, Zitat Carroll: „I love close games“. Ja, na dann! Aber vorneweg erst mal die anderen Spiele, die waren nicht so knapp, aus unterschiedlichen Gründen. Weiterlesen

Minnesota Vikings in der Sezierstunde

Die Minnesota Vikings galten als vielleicht die größte Enttäuschung der abgelaufenen Saison: Von 13-3 und Superbowl-Favoritenstatus komplett aus den Playoffs gefallen. Head Coach Mike Zimmer durfte zwar bleiben, ist nun aber angezählt: Seine Wette darauf, dass das Passspiel an der Misere Schuld war und nun mit Rushing-basierter Angriffsstrategie alles besser wird, hat nur mäßige Erfolgschancen. Weiterlesen

NFL-Vorschau 2014: Minnesota Vikings

Die Minnesota Vikings haben das Arizona-Cardinals-Problem: sie sind ganz anständig aufgestellt, aber in ihren jeweiligen Divisions sind sie nur die netten Jungs zwischen vielen bullies. Die Cardinals müssen mir ihrer mäßigen Offense sechsmal gegen Willis/Bowman, Quinn/Long und die Legion of Boom ran. Die Vikings nun müssen sechsmal gegen Stafford/Megatron, Cutler/Jeffery/Marshall und Aaron Rodgers ran.

Die neuen Chefs unter Head Coach Mike Zimmer und Offensive Coordinator Norv Turner finden recht gute Voraussetzungen vor, aber richtige Kracher, die den Norden zum Erzittern bringen, fehlen. Die beste Idee wär es wahrscheinlich gewesen, letztes Jahr Adrian Peterson zu traden für ein paar zusätzliche hohe Draftpicks, da war aber die Angst vor einer Fanrevolte wohl größer. Weiterlesen

Minnesota Vikings in der Sezierstunde

Nächste Sezierstunde mit einer Mannschaft, deren Abschmieren im Herbst 2013 man hatte kommen sehen können: Minnesota Vikings, das Aschenputtel des Jahres 2012, das aus dem Gar Nichts heraus um eine atypisch gebaute Offense herum die Playoffs erreicht hatte, aber im letzten Herbst nach vielen Indikatoren doch wieder in das untere Tableau der NFC fiel. Genauer gesagt: Sie waren das 23t-beste Team der Liga, wie es erstaunlich viele Effizienz-Stats aufzeigen. Es folgte der Trainerwechsel. Es wird noch folgen: Ein Quarterback-Wechsel, zumindest sind sich darin alle einig.

Überblick 2013

Record         5-10-1
Enge Spiele    4-4-1
Pythagorean    5.9    23
Power Ranking  0.392  23
Pass-Offense   5.8    22
Pass-Defense   6.7    23
Turnovers      -12

Management

Salary Cap 2014.

Minnesotas geschasster Head Coach Les Frazier war für mich nie ein großer Innovator, und seine Statements über seine Offensiv-Philosophie kommen zirka 30 Jahre zu spät um als zeitgemäß zu gelten, aber trotzdem war der Mann für mich nie ein klarer Kandidat für eine Entlassung. Grund: Seine Teams spielten sauber. Sie spielten am oberen Rand der Leistungsfähigkeit. Frazier hatte zwei Probleme: Er bekam die Secondary nicht mehr gebacken – und ausgerechnet diese galt als sein Spezialgebiet. Das zweite: Der vor drei Jahren als neuer Franchise-QB gedraftete Chris Ponder schaffte nie den Durchbruch und wäre spätestens nach 2012 reif für eine Auswechslung gewesen… aber dann übertünchte der Playoff-Lauf und für die anämische Playoffvorstellung bekam eh Joe Webb auf die Fresse…

Ponder ist ein sympathischer Knabe, einer mit dem du dich gerne abgeben kannst. Er trinkt auch gerne mal ein Bier in der nächsten Kneipe um mit dir über Gott und die Welt zu sinnieren, schleppt vom Spielfeldrand die heißen Schnitten nach Hause ab, ohne aber als Angeber rüber zu kommen und dir nur mit Kinn voraus zu begeben. Nur leider reichen nett und blässlich für die NFL nicht so recht: Der Verwalter Ponder hatte nie den Wurfarm um sich die schweren Pässe zu trauen, um die Doppeldeckungen á la Stafford zu zerschießen, und er hatte nie die Reaktionsschnelligkeit der anderen Monster-QBs. Er blieb in seinen Jahren als Starter stets auf banale Offense beschränkt.

Und Ponder war ein wandelnder Kandidat, mit Schulterverletzungen zwei, drei Wochen krankgeschrieben zu werden. Weil sein Backup Matt Cassel dann auch stets etwas besser spielte, war die Ära Ponder in den Twin-Cities dann auch recht schnell beendet – wie auch die Ära Frazier.

Der neue Trainerstab ist einer mit klingenden Namen: Head Coach wird der ehemalige DefCoord der Cincinnati Bengals, Mike Zimmer, kein Mann von Traurigkeit in seiner Wortwahl im Training, und einer, der seit vielen, vielen Jahren als Headcoach-Kandidat galt, aber jedesmal durch die finalen Bewerbungsgespräche gerasselt war. Zimmer war für mich schon den Jim Johnson der letzten Jahre gewesen – ein hervorragender Defense Coordinator, dessen Upside „Coordinator“ blieb. Für Head Coach eine Nummer zu klein befunden.

Nun kam Zimmer durch, und er holte sich klingende Assistenten in seinen Stab. Der bekanntere der beiden ist sicher OffCoord Norv Turner, bei dem auch immer alle sagen, er sei ein viel besserer Coordinator als Head Coach, aber Turner hat seine Chance als Chef wenigstens bekommen. Norv gilt als Verfechter einer tieferen Offense, im Optimalfall basierend auf einem harten Laufspiel, aber mit einem Quarterback, der ganz gerne mal die langen Pässe auspackt. Norv spielt keine krassen Spread-Offenses, sondern operiert normalerweise aus einer standardmäßigen 2 WR / 1 TE / 2 RB Offense.

Der Blick auf den Kader gibt her: Bis auf den Quarterback sind alle Ingredienzien da. RB Adrian Peterson wird nicht jünger, aber mit 28 ist er noch ein Stückchen vom Abbauen entfernt, und er gehört mit seinem knochentrockenen und doch so explosiven Laufstil durchaus in die Kategorie Backs, die Turner so liebt. Peterson ist nicht der Allerbeständigste, aber er ist eine konstante Gefahr, die langen Läufe zu brechen. Sein Backup wird nach dem Abgang von Turner noch gesucht, und möglicherweise via Draft gefunden: Die Ausschreibung läuft auf einen fangstarken Back hinaus, der in den dritten Downs auch mal kurz einen Blitz aufnehmen kann um dann auf der Option-Route die notwendigen 4yds zur neuen Angriffsserie mitnimmt.

Auf Wide Receiver verfügt Minnesota über drei coole Optionen, die sich auf dem Papier super ergänzen: WR Cordarrelle Patterson ist dabei die Allzweckwaffe, der Mann, der als Rookie zwar nur 28% tief angespielt wurde, der aber mit seinem Explosivität eine Neigung entwickelte, aus mittellangen Bälle großartige Runs nach dem Catch zu generieren. Patterson ist in Topform eine nicht zu bremsende Wucht. Möglich, dass er den hoch riskanten Move des Front Office im letzten Jahr doch wert war – er muss höchstens noch etwas beständiger werden.

Seine Ergänzung ist der wenig aufregende, aber stets verlässliche Routenläufer Greg Jennings, mit dem der Quarterback stets quasi Pro-Day spielen kann: Du weißt, dass Jennings in 2.2 Sekunden auf Position x downfield y stehen wird, und kannst ihm den Standardpass dahin servieren. Der dritte Mann ist Jerome Simpson, der in lichten Momenten immer wieder wie ein angehender Klassemann aussieht, aber dann doch zu trainingsfaul ist um die letzten Schwächen auszumerzen, und so halt in der Region zwischen 40 und 60 Catches als dritter Mann stecken blieb.

Die Tight Ends sind auf Jahre um den Stammspieler Kyle Rudolph gebaut: Kein Gronkowski, kein Hernandez, aber ein Spieler Marke Witten: Verlässlich, macht dir die Catches, wenn die anderen dir die Einzeldeckung überlassen, und bringt so übers Jahr 60 Catches für 600yds auf das Tablett. Rudolph war allerdings letztes Jahr verletzt – ich denke aber nicht, dass Minnesota hier großartig nachbessern wird.

Die Offensive Line der Vikes war in den letzten Jahren stets eine der verlässlicheren: LT Kalil (Draftklasse 2012) gilt als aufstrebendes Talent, und bis auf die LG-Position dürften alle Stammplätze schon vergeben sein: C Sullivan, RG Fusco, RT Loadholt waren in den letzten Jahren immer gute Stützen. Für besagten Left-Guard wurde Ducasse aus New York geholt – nicht unbedingt ein Move, der nach „Starter“ schreit, aber möglicherweise angesichts weiterer Lücken im Kader schon die Lösung für die Vikings 2014.

Zur Defense, die künftig von George Edwards gecoacht wird, dem ehemaligen DefCoord der Buffalo Bills. Welche Strategie Edwards verfolgen wird, bleibt abzuwarten. Fakt ist, dass die Vikings unter Frazier nur relativ selten mehr als vier Passrusher auf das Spielfeld schickten und somit zu den am wenigsten blitz-freudigsten Teams der Liga gehörten. Vermutlich wird Zimmer das letzte Wort in Sachen Abwehr haben – und Zimmer war auch eher ein Mann, der gerne mit maximal vier Mann die Pocket bestürmte.

Das Herzstück der Defense – die Line – muss den Abgang vom langjährigen Stamm-DT Kevin Williams verkraften. Williams hatte eine große Karriere im lila-Trikot, mutierte nach zwei Einstandsjahren als passrushender 4-3 Under-Tackle mit jeweils 10 und mehr Sacks zu einem der komplettesten Lauf-Tackles, Bestandteil von einigen der besten Run-Defenses aller Zeiten. Seinen Nachfolger drafteten die Vikes schon im letzten Jahr: DT Sharrif Floyd, einen sehr beweglichen Tackle, der als Rookie allerdings noch etwas überfordert gewesen sein soll. Floyd soll sich im Lauf des Jahres aber immer besser in die Mannschaft integriert haben.

Von Floyd erwartet man an die 1000 Snaps für diese Saison. Die Wahrscheinlichkeit, dass sein regelmäßigster Partner der aus New York geholte DT Linval Joseph sein wird, ist hoch; Joseph ist mit 25 Lenzen noch ein sehr junger Spieler, der in seiner Rolle als Rotations-Tackle bei den Giants hervorragende Leistungen gezeigt haben soll – er wird vielleicht kein 1000 Snaps spielen, aber wenn es 600-800 sind, dann passt das schon. Als weitere Ergänzung könnten Fred Evans (bekam einen neuen Vertrag) und Tom Johnson aus New Orleans fungieren.

Die größte Lücke gibt es auf Defensive End: Jared Allen wurde ziehen gelassen, womit der ganz große Knaller als Passrusher von den Ecken abhanden geht. DE Everson Griffen, ein 26jähriger Spieler aus den eigenen Reihen, bekam einen mörderischen Vertrag zugeschachtelt, bei dem nur die Frage offen blieb, wie viel Prozente der Vikes-GM als Provision auf die Vertragssumme in seine eigene Brieftasche stecken darf. Griffen ist kein „schlechter“ Spieler, aber seine bisherige Zeit in der NFL lässt nicht vermuten, dass er sich in einer Reihe mit den besten auf seiner Position befindet.

Der zweite Defensive End ist Brian Robinson, der als Ergänzung zu Allen jahrelang eine recht gute Figur machte, der aber als nicht in der Lage gilt, allein einen Passrush zu entzünden. Die Wahrscheinlichkeit ist relativ hoch, dass Minnesota im Laufe der ersten Runden nach einem Defensive End greifen wird, um hier zumindest Tiefe in den Kader zu bringen.

Linebacker galt stets als leichter Schwachpunkt in Minnesota, und mit Jasper Brinkley aus Arizona wurde bisher nur ein echter Linebacker neu geholt, während z.B. Desmond Bishop nach einem verletzungsgeplagten Jahr erstmal keinen neuen Vertrag bekam. Zimmer galt in Cincinnati als Mann, der durchaus wert auf schnelle, wendige Linebackers legt, weswegen auch hier bei entsprechender Lage im Draft durchaus ein neuer Spieler folgen könnte.

In der Secondary sind zwei Positionen fix: FS Harrison Smith, ein exzellenter Mann, gibt den einen Safety, CB Xavier Rhodes gibt den #1-Corner. Smith kehrt von einer schweren Beinverletzung zurück, dürfte aber wieder fit sein, Rhodes sollte als Rookie zuletzt genug gelernt haben um ab sofort als echte Stütze zu taugen.

Weil CB Munnerlyn für recht ansehnliche Kohle aus Carolina geholt wurde, ist davon auszugehen, dass Munnerlyn als zweiter Stamm-CB angedacht ist. CB Sherels und CB Cox könnten für die Tiefe zuständig sein, aber möglicherweise wird auch hier noch nachgebessert.

Zimmers Bengals-Defenses kamen eigentlich alle ohne großartige Safetys aus, aber sie versuchten schon, sehr gute Qualität und Tiefe bei den Cornerbacks zu erreichen. Daher würde ich schon erwarten, dass man zumindest die Augen offenhält, wenn es um das Draft-Board bei Cornerbacks geht.

Größte Lücke ist also Quarterback. Das ist einerseits gut, weil du im Prinzip nur einen Spieler von der Relevanz entfernt bist. Auf der anderen Seite auch wieder nicht gut, weil genau QB die Position ist, auf der alle immer gesattelt sein wollen. Die 2014er-Klasse bekommt mittlerweile einigermaßen laue Kritiken. Wie die Vikings zu den Prospects stehen, ist mir nicht bekannt, aber es ist bekannt, dass Turner sehr gern mit Quarterbacks arbeitet und auch schon so manchen richtig weit gebracht hat. Es ist auch bekannt, dass Minnesota an #8 draftet. Es ist aber offen, ob es einen Sturm auf die QBs zu Beginn des Draft geben wird, oder ob ähnlich wie 2013 abgewartet wird.

Sollte man überzeugt sein von einem Knaben wie Bridgewater und er an #8 auf dem Tablett liegen, ist ein Zupacken der Vikings zu erwarten.

Auf alle Fälle würde ich nebenher versuchen, Defensive Ends und zumindest einen jungen Linebacker zu bekommen. In den mittleren und späten Runden vielleicht einen Cornerback und einen Runnnigback mit Fangqualitäten – so wäre zumindest mein Schlachtplan in diesem Fall.

Nochmal: Ohne besseres Offensiv-Passspiel werden die Vikings in der NFC North erstmal ein Mitläufer bleiben. Mit dem richtigen Quarterback sind sie aber per sofort wieder in der Verlosung um ein Playoffticket in einer engen und gar nicht so einfachen Division.

Glaskugel 2013: Cincinnati Bengals

Wer schon immer mal einen erfolgreichen NFL-Kader backen wollte, kann dafür getrost zum Rezept der Cincinnati Bengals der letzten Jahre greifen. Man nehme zwei starke Linien, garniere diese mit jeweils ein, zwei herausragenden pass rushers und Offensive Tackles. Das verührere man mit sehr viel Talent und Tiefe auf der Cornerback-Position. Anschließend erhitzt man das alles mit einem jungen Quarterback und serviert das ganze zum Schluß mit einem A.J. Green – fertig.

Was die Bengals in den letzten drei, vier Jahren in Sachen Kaderplanung gemacht haben ist ganz großer Sport: nebenbei mal fast das gesamte Team umgekrempelt, deutlich verjüngt und einen neuen Quarterback verpflichtet. Und die Ergebnisse dieses Teams sind gut, wirklich gut: drei Playoffteilnahmen in den letzten vier Jahren. Aber mittlerweile ist man fast geneigt zu sagen: nur gut.

Defense

Das Prunkstück der Bengals ist ihre Defensive Line, die getragen wird von jeder Menge junger Athletik. In der alten Warren-Sapp-Rolle als 4-3-Under-Tackle terrorisiert Geno Atkins gegnerische Linienspieler und Quarterbacks. Er war in der vergangenen Saison der ligaweit beste Defensive Linemen (wenn man nur menschliche Footballspieler nimmt und J.J. Watt ausspart).

Stats 2012

record: 10-6
WC PO @HOU 13-19
Pythagorean: 9.9 wins
DVOA O: -1,8% (17)
DVOA D: -3,8% (10)
Sezierstunde korsakoff

Die undankbare Position des Nose Tackles bemannt der zottelige Domata Peko unauffälig zuverlässig. Man wartet aber noch darauf, daß der letztjährige 2nd-rd pick Devon Still mehr aus seinem Talent macht. Als Vierter die Rotation in der Mitte vervollständigt Pat Sims, ebenfalls unspektakulär zuverlässig.

Noch mehr Tiefe bieten die Defensive Ends. Auf der einen Seite spielt der lange Michael Johnson, der manchmal eine besenstielverschluckte Körperhaltung wie der große Sprinter und Namensvetter an den Tag legt, fast durch. Johnson hat die Explosivität eines Sprinters, aber er lebt nicht nur von seiner Physis, sondern auch von seinem hohen “Football-IQ”, der nach vier Jahren in Mike Zimmers Schule ausgezeichnet ist.

Den Platz auf der anderen Seite teilen sich Robert Geathers und Carlos Dunlap. Geathers geht nunmehr in seine zehnte Bengals-Saison und hat ganz klar den Auftrag, sich von Dunlap ablösen zu lassen. Da muß jetzt nur noch Dunlap mitspielen. Um ihm den Ernst der Lage zu verdeutlichen, hat dieser vor der Saison auch keinen neuen Vertrag bekommen, sondern das Franchise Tag. Dunlap hat alles Talent der Welt, aber nun muß ihm in Jahr vier auch der Durchbruch gelingen.

[Korrektur: Michael Johnson hat das Franchise Tag bekommen. Dunlap hat seinen noch ein Jahr lang laufenden Vertrag um fünf Weitere verlängert.  $11,7M sind garantiert; in den ersten drei Jahren des Vertrages bekommt er – sofern er nicht gecuttet wird – $21,4M plus jeweils 300k in 21015 und 2016 als workout bonus + potentiell $4,5 weitere Millionen durch escalators. Insgesamt könnte Dunlap mit diesem Vertrag $40M verdienen.]

Als Nummer vier in der DE-Rotation kommt Wallace Gilberry, der letztes Jahr mehr Sacks hatte als Dunlap (6,5 v 6). Um auch noch das letzte gegnerische Team neidisch zu machen, hat DC Zimmer in der zweiten Runde der Draft den baltischen Kolossus Margus Hunt geschenkt bekommen (auch um Dunlap noch ein bißchen mehr Feuer zu machen und zur Not gleich seinen Nachfolger im Haus zu haben). Hunt ist ein interessantes prospect, der mal den Juniorenweltrekord im Diskuswerfen innehatte, noch nicht viel von Football versteht, dafür aber 2,05m groß ist, in seinen ersten 14 Collegespielen acht Kicks geblockt und bestimmt auch schon mal einen Bären mit seinen Händen erlegt hat.

Secondary & Linebackers

Den Durchbruch schon geschafft hat Leon Hall. Hall ist unter den vielen guten Cornerbacks die Nummer Eins. Er muß sich vor keinem Wide Receiver an der Außenlinie fürchten; was ihn aber besonders wertvoll macht, ist, daß er das auch im Slot erstklassig ist. Das gibt Zimmer den Luxus, in Nickel-Situationen von dem überraschend guten Jungen Pacman Jones, dem letztjährigen 1st-rd pick Dre Kirkpatrick und I´ve-seen-it-all-veteran Terrence Newman die zwei mit der besten Tagesform aufzustellen. Definiere: depth.

Schedule

WK1 @ CHI
Wk2 vs PIT (MNF)
Wk3 v GB
Wk4 @ CLE
Wk5 v NE
Wk6 @ BUF
Wk7 @ DET
Wk8 v NYJ
Wk9 @ MIA (TNF)
Wk10 @ BAL
Wk11 v CLE
Wk12 BYE
Wk13 @ SD
Wk14 v IND
Wk15 @ PIT (SNF)
Wk16 v MIN
Wk17 v BAL

Aber auch bei den Bengals ist nicht alles Freibier und Blowjobs. Bei den Safeties dürfte Reggie Nelson seinen Stammplatz sicher haben. Er bekommt von Leuten wie PFF auch stets gute Noten, aber immer wenn ich die Bengals gesehen habe, sah er manchmal aus wie ein Patriots-Safety circa 2010. Um den anderen Platz streiten sich Taylor Mays, der seit 2011 bei mir das Label “heillos verloren in der Tiefe des Raumes” weghat; 3rd-rd pick Shawn Williams und George Iloka, den man noch aus glorreichen Boise-State-Zeiten kennt.

Und eine richtige Resterampe findet schließlich man auf der LB-Position. Problemkind Vontaz Burfict immerhin scheint in seiner Rookiesaison sein Leben umgekrempelt zu haben. Vom hochtalentierten troublemaker bei Arizona State, den vor lauter red flags niemand draften mochte, hat er sich zu Trainers Liebling gemausert. Aber erstklassig ist er nicht. MLB Ray Maualuga ist so beweglich wie ein Kühlschrank. Er ist einer der wenigen NFL-Spieler, mit denen ich manchmal Mitleid habe, wenn man wieder ein mittelmäßiger Tight End an ihm vorbeirauscht. Als dritten im Bunde finden wir hier den ehemaligen Defensive Player of the Year James Harrison. Der 35-Jährige kam aus Pittsburgh und soll jetzt 4-3-OLB spielen. Mmh. Harrison war mal einer meiner absoluten Lieblingsspieler, nur hab ich wenig Vertrauen, daß er nochmal groß aufspielen kann.

Dahinter kommen im depth chart noch ein paar Rookies und einer der größten 1st-rd busts aller Zeiten: Aaron Maybin. Hier sind die Bengals verwundbar.

Offense

Auch auf der offensive Seite überzeut Cincinnati mit einer starken Linie. Left Tackle Andrew Whitworth läßt nur in Schaltjahren mal einen Sack zu und ist wohl nur noch under the radar, weil sein Name so schwierig zu buchstabieren ist. Auf der anderen Seite ist Andre Smith dermaßen überzeugend, daß er sich schon seit seinem Willkommensholdout  ein paar Sperenzchen und Übergewicht im Sommer erlauben darf.

Wenn die Jungs von Pro Football Focus über die Rookiesaison des Right Guards Kevin Zeitler schreiben, müssen sie danach die Unterhose wechseln. Mit Whitworth, Smith und Zeitler fällt mir aus dem Stegreif auch kein anderes Team ein, daß drei blue chipper in der Offensive Line hätte.

Dazu kommen noch die erfahrenen Kyle Cook und Clint Boling, die mit dem 23-jährigen Trevor Robinson nun angeblich auch noch hochtalentierte Konkurrenz haben. Positiv untypisch ist auch, daß mit Dennis Roland, Travelle Wharton und Mike Pollak vergleichsweise alte Recken, die alle schonmal irgendwo starter waren, die Kadertiefe sicherstellen. Again – define: depth.

Mit dieser OLine hat das Paßspiel ein bombensicheres Fundament. Selbst wenn QB Andy Dalton nicht den berüchtigten “nächsten Schritt” macht, ist ein völliges Einbrechen ausgeschlossen (solange kein schwarzer Schwan im Paul Brown Stadium nistet). Der Angriff war letztes Jahr NFL-weit gutes Mittelfeld – und das in einer Division mit Steelers und Ravens.

Skill Positions

Allerdings ist der Paßangriff extrem abhängig von einem Wide Receiver (das ist gemeinhein ein beliebtes Brutgebiet der schwarzen Schwäne). Solange A.J. Green fit ist, wird er wieder seine 100 Bälle fangen und hin und wieder ein Spiel mit überragenden Sololeistungen alleine entscheiden können.

Daneben sind im WR-Corps nur Jungs, die erst seit wenigen Monaten das Wunder des legalen Alkoholkonsums genießen dürfen. Mohamed Sanu hat in seinen acht Spielen explosive Ansätze gezeigt, macht aber nicht den Eindruck, mal Pro Bowler zu werden wenn er groß ist. Der kleine Andrew Hawkins ein Randall-Cobb-Typ, nur ohne das ganz große WOW!. Dann wirds dünn: Marvin Jones, 22 Jahre alt und 18 catches in 11 Spielen, und Brandon Tate, Special-Teams-Ass, aber WR-Krücke, werden wahrscheinlich im Kader bleiben. Man hofft in Ohio noch, daß ein Rookie im Camp groß aufspielt und hat auch wieder Dane Frikkin´ Sanzenbacher im Trainings Camp.

Stabilität sollen die Tight Ends in das Paßspiel bringen. Der große Jermaine Gresham ist zwar in seinen drei Jahren in der Liga nicht der neue Jimmy Graham geworden, aber für 60 catches pro Jahr ist er konstant gut. Als weitere Hilfe für QB Dalton wurde dieses Jahr Tyler Eifert in der ersten Runde gedraftet. Eifert wurde weithin als bester Tight End der letzten NCAA-Saison gesehen. Als dritter Tight End ist Orson Charles dabei. Der letztjährige 4rd-rd pick gilt weiterhin als Geheimtip. Was auch immer das heißen mag.

Um Daltons Rundumwohlfühlpaket komplett zu machen, bekam er in der diesjährigen Draft einen Running Back in der zweiten Runde. Giovani Bernard soll das workhorse werden, wird sich wahrscheinlich aber erst mal die carries mit dem durchschnittlichsten aller Durchschnitts-RBs, Ben Jarvus Green-Ellis, und dem alten 3rd-down back Brian Leonard teilen.

Ausblick

Das erste Mal seit 30 Jahren haben die Bengals in zwei aufeinanderfolgenden Saisons die Playoffs erreicht. Neben dem sehr guten Kader ist dafür auch Stabilität auf der Position des Cheftrainers grundlegend. Marvin Lewis ist seit nunmehr 10 Jahren am Ohio River.

Nach drei Playoffteilnahmen in vier Jahren wäre alles andere als ein erneuter Platz in der Endrunde eine Enttäuschung. Die Aussichten sind rosig in Cincinnati: entweder zeigen die Bengals einmal mehr, daß man auch ohne guten QB eine starke Division wie die AFC North gewinnen kann. Oder Dalton macht den “nächsten Schritt” – dann ist noch viel mehr drin.

Glaskugel 2012: Cincinnati Bengals

 

Die Quote für einen Super-Bowl-Sieg der Cincinnati Bengals liegt derzeit bei 41,00. Wenn man vor der Saison nur zum Spaß mal einen Zehner setzen will, gibt es keine bessere Wette. Nach dem Preseason-Spiel gegen die Falcons bin ich mir sicher, daß diese Bengals ein Playoff-Team sind. Man sieht in Preseason-Spielen ja nicht viel, aber in diesem Spiel und auch schon in den zwei Serien vorher gegen die Jets war deutlich zu erkennen, daß Andy Dalton offensichtlich in einen Eimer voller Selbstvertrauen und Toughness gefallen ist; daß A.J. Green nicht mehr ein junger College-Star, der sich bei den Großen versucht und dabei ganz gut aussieht, sondern (jetzt schon) ein echter Nr.1 WR; und daß die Defense eine der besten ligaweit sein wird: hochtalentierte und ambitionierte junge Wilde, beeindruckende Tiefe auf allen Positionen und ein erstklassiger Defensive Coordinator in Mike Zimmer.

In der letzten Saison haben die Bengals einen Neustart um die Rookies Dalton und Green versucht und dabei sogar die Playoffs erreicht. Das war einerseits ein wenig glücklich, da alle sieben Spiele gegen Playoff-Mannschaften verloren wurden. Andererseits hatten die Bengals selber recht viele Turnovers (nur vier Spiele ohne TO) und in der Defense kaum Bälle erobert. Das Pendel sollte 2012 in die andere Richtung ausschlagen, da 1) der neue RB Ben-Jarvus Green-Ellis niemals fumblet und 2) die Defense stärker sein wird und aller Voraussicht nach auch die regression to the mean zuschlagen wird.

Ebenso vorteilhaft sollte der Schedule sein: nach der Monday-Night-Eröffnung in Baltimore spielt Cincinnati gegen Cleveland, Washington, Jacksonville, Miami und wieder Cleveland. (Wo kann ich auf einen 6-0-Start wetten?) Nach einem Sunday Night Game gegen Pittsburgh und der Bye-Week sind vier der folgenden fünf Spiele gegen die mittelmäßige AFC West. Wer soll die Bengals auf dem Weg in die Playoffs stoppen?

Aber genauer: warum der Optimismus?

Defense Bengals

Cincinnati hat eine sehr tief besetzte Defense mit vielen jungen Spielern. Das geht schon in der Defensive Line los – wie es das gute alte Lehrbuch verlangt. DE Carlos Dunlap, der aussieht wie Jason Pierre-Paul, aber ein bißchen länger in seiner Entwicklung gebraucht hat, war eh schon stark und sollte in seiner vierten Saison endgültig ein breakout year haben, nachdem er schon 2011 kaum einen Vergleich in der AFC zu fürchten brauchte. Noch besser sollte DT Geno Atkins sein. Atkins ist einer der besten Pass Rusher, die man in der Mitte einer Linie finden kann. Neben Atkins stehen mit Domata Peko und Pat Sims zwei zuverlässige und solide Ergänzungen. Weil DC Mike Zimmer niemals genügend Linemen sein eigen nennen kann, hat man dieses Jahr in den Runden zwei und drei mit Devon Still und Brandon Thompson noch weiter nachgerüstet. Als Defensive Ends stehen neben dem 2,00m-Mann Dunlap Michael Johnson (2,02m) und Jamaal Anderson (1,98m). Der älteste aller bis jetzt genannten ist Peko mit jugendlichen 27 Lenzen.

Das LB-Corps wird angeführt vom ehemaligen 1st-rd pick Ray Maualuga. Maualuga ist keine Weltklasse, aber hinter dieser Linie reicht auch ein solider, aber energiegeladener Typ wie er. Daneben stehen Thomas Howard, einer der besseren Verteidiger in Zone Coverages und und Manny Lawson, gut gegen den Lauf und mit seinem 1,95m-Körper auch wild auf Quarterbacks.

Schedule

Wk1 @ BAL (MNF)
Wk2 V CLE
Wk3 @ WAS
Wk4 @ JAX
Wk5 v MIA
Wk6 @ CLE
Wk7 v PIT (SNF)
Wk8 BYE
Wk9 v DEN
Wk10 v NYG
Wk11 @ KC
Wk12 v OAK
Wk13 @ SD
Wk14 v DAL
Wk15 @ PHI (TNF)
Wk16 @ PIT
Wk17 v BAL

Die Cornerbacks werden angeführt von Leon Hall. Der erfahrene und doch erst 27 Jahre alte Hall hat letztes Jahr schon so gut gespielt, daß man Jonathan Joseph fast gar nicht mehr vermißt hat. Auf der anderen Seite steht Nate Clements. Einstmals mit dem größten CB-Vertrag aller Zeiten in San Francisco gesegnet, hat er sich nunmehr in seinem 33. Lebensjahr mit der Rolle als sichere Bank zufrieden gegeben – füllt diese aber auch gut aus.

Weil Mr Adam Jones, genannt Pacman, daneben zwar immer noch unglaublich talentiert ist, aber mit diesem Talent gerne Roulette spielt, hat man einerseits mit Terrence Newman einen alten Liebling von Zimmer verpflichtet und andererseits mit Dre Kirkpatrick den Pfeiler von Alabamas Meisterschafts-Secondary in der ersten Runde gedraftet. Newman sah erstaunlich gut aus in den ersten beiden Spielen. Er könnte einer dieser Spieler sein, die mit einer neuen Herausforderung und einem Coaching Staff, bei dem man sich richtig wohlfühlt, noch mal durchstarten. Newman kam aus Dallas, wo er in den letzten Jahren von Fans und Trainern madig gemacht wurde (durchaus zu Recht), aber Zimmer, sein ehemaliger DC bei den Cowboys, hält ganz große Stücke auf ihn und meint zu wissen, wie man ihn einsetzen muß. Kirkpatrick vertreibt sich derzeit die Tage noch lieber mit Ärzten und Masseusen, aber wenn er wieder fit ist, hat Cincy einen starken und vier gute CBs. Mehr als fast alle anderen Teams.

Dünn sieht es nur bei den Safeties aus. Reggie Nelson ist gesetzt. Bei Nelson denke ich immer an „Oh-sorry-das-war-ja-mein-Mann-der-da-gerade-wegläuft“-Plays, aber Leute wie Andy Benoit oder PFF halten ihn für ganz solide. Daneben spielt dann wahrscheinlich Taylor Mays. Den physischen Voraussetzungen nach der beste Safety der Liga; aber wenn man ihn spielen sieht denkt man manchmal, der hat vorgestern das erste Mal auf einem Footballplatz gestanden. Eine Wildcard hat hier noch Rookie George Iloka, der bei Boise State für großes Aufsehen gesorgt hat, aber im Camp und in den Spielen ist er bis jetzt noch nicht sonderlich in Erscheinung getreten.

Offense Bengals

Nach der enttäuschenden Saison 2010 mit nur vier Siegen, sollte der Umbruch her. QB Carson Palmer und WR Chad Ochocinco spielten keine Rolle mehr in den Planungen und wurden in der Draft 2011 durch die 1st- und 2-nd round picks A.J. Green und Andy Dalton ersetzt. Außerdem wurde Jay „ja, der Bruder von Jon“ Gruden als Offensive Coordinator verpflichtet. Es sollte eigentlich nur ein Übergangsjahr werden, aber dann hat die Defense getragen und die Dalton-Green-Offense hat ganz solide gespielt und nichts kaputt gemacht. Dalton ist klein und schmächtig und ihm fehlt auch der ganz große Arm, aber er macht es weg durch gutes decision making und akkuraten Pässen, wenn er nicht gerade quer zur gegenüberliegenden Seitenlinie werfen muß. Gruden hat ihm auch eine recht simple, aber einigermaßen effektive Offense geschneidert, die ihn nicht überfordert. Nun traut er ihm etwas mehr zu und Dalton stand in den Preseason Games mit einer fast schon arroganten Coolness in der Pocket und hat sich von 300 Pfund Mensch in seinem Gesichtsgitter gar nicht weiter irritieren lassen.  Pocket awareness ist eine der wichtigsten Eigenschaften für einen QB, aber man kann es auch übertreiben – dann steckt man zu viele harte Hits ein und risikiert Ballverluste. Wir haben also einen jungen, talentierten QB mit Schwächen, die sein OC überdecken hilft und der sich in der Offseason merklich weiterentwickelt hat. Wenn er jetzt auch noch einen 1,92m Hünen mit sicheren Händen hätte auf den er sich immer verlassen kann…

…enter A.J. Green. Gepriesen als eines der größten WR-Talente der letzten Jahre, konnte er die hohen Erwartungen mit mehr 1000 Receiving Yards tatsächlich erfüllen – und er hat noch viel Raum nach oben. Problematisch wird es nur hinter Green. Jerome Simpson ist jetzt in Minnesota und im Kader ist nur noch Mittelmaß à la Brandon Tate und Andrew Hawkins.  Angeblich ist man mit 2nd-year man Armon Binns hochzufrieden und hält auch ganz große Stücke auf Rookie Mohamed Sanu.

Komplettiert wird Daltons Spielzeugkiste von TE Jermaine Gresham. Mit seinen 1,95m ist Gresham auch einer dieser „neuen“ Tight Ends und hat mit seinen erst 24 Jahren auch noch massig Entwicklungspotential. Daneben stehen dann noch der erfahrene Donald Lee und der Rookie Orson Charles.

Geschützt wird das Paßspiel auf den äußeren Positionen von LT Andre Whitworth und RT Andre Smith. Smith war mal 6th overall pick, bekam dann aber schnell das Bust-Label auf seinen übergewichtigen Wanst geknallt, während Whitworth wohl der unbekannteste Top-5-Tackle ist. Gemeinsam bilden sich eines der besten Tackle-Paare der Liga.  Den Center gibt der weder positiv noch negativ auffällige Kyle Cook. Die Guard-Positionen sollten aufgewertet werden und zumindest mit Rookie-RG Kevin Zeitler (WISCONSIN!) hat das auch geklappt. Links sollte FA Travelle Wharton spielen, der hat sich aber schon ins Lazarett verabschiedet. Der 23-jährige Clint Boling wird ihn wohl ersetzen.

Man steckt große Hoffnungen in Zeitler und Boling. Die Mitte der Linie war ein wenig das Sorgenkind der Bengals, da nur selten große Lücken für die RBs gerissen wurden. Wobei man auch zugeben muß, daß Cedric Benson schon lange nicht mehr der Fitteste war. Als jüngeres Upgrade kam The Law Firm Ben-Jarvus Green-Ellis von den Patriots. BJGE ist kein großer Brecher und auch nicht der Schnellste, aber er ist solide und ungemein sicher im Umgang mit dem Ball. Nach vier Jahren und mehr als 500 Touches in der NFL steht bei ihm immer noch kein Fumble im Resumee. Ein bißchen explosiver sollten Bernard Scott und Rookie Boom Herron sein.

Ausblick Bengals

Die Bengals sind kein Favorit auf den Super Bowl. Aber die Bengals sind ganz sicher eines der besseren Teams in der AFC. Ich würde sogar behaupten, daß Cincinnati in der AFC-North-Hackordnung an Baltimore vorbeigezogen ist. Die Verteidigung hat Top-5-Potential und durch die Tiefe auf beinahe allen Positionen sollten auch Verletzungen sie nicht allzuweit zurückwerfen.

Die Offense braucht den nächsten Schritt von Dalton nach vorne und ein gutes Laufspiel. Die Ingredenzien sind alle vorhanden und Zeit wirds, daß Cincy mal wieder zwei positive Saisonbilanzen in Folge hat. Das letzte Mal gab es das in den Jahren 1976 und ´77.

NFL Wild Card Weekend 2011/12 – Beobachtungen (Tebow, Steelers, Lions, Bengals, Falcons)

Ohne große Einleitung im Folgenden einige kurze Beobachtungen zu den Spielen vom Wochenende: Pittsburghs Gameplan; undisziplinierte Lions und Bengals; Atlantas Front Seven und New Yorks Lauspiel.

Dick LeBeaus Game Plan war ziemlich simpel: acht oder neun Mann an der Line of Scrimmage, um Denvers Laufspiel zu stoppen; enge Mannverteidigung gegen die WRs, weil Tebow die “accuracy” fehlt, um Würfe gegen diese Deckung zu machen. Die Überlegung dahinter: Laufspiel abwürgen und Denver dazu zwingen, ihr Heil in längen Bällen zu suchen.

Tja, das Ergebnis war letztlich nicht überragend, aber trotzdem war es der richtige Game Plan. Es gab dann am Sonntag Nachmittag nur zwei Probleme. Das kleinere war, daß Pittsburghs Verteidiger einige wenige Fehler gemacht haben. Der größere war, daß Tebow viel besser gespielt und gepaßt hat, als es alle erwartet hatten.

Der entscheidende Fehler war natürlich, daß Backup-Safety Ryan Mundy beim TD in der Verlängerung den Play-Action-Fake glaubt und daraufhin “underneath” seine Verantwortung in der Deckung verpennt. Dazu ist CB Ike Taylor zu langsam und kann den Tackle nicht machen. Aber bis auf einige überaggressive Schritte in die falsche Richtung von Safety Troy Polamalu war das eine gute Leistung der Verteidiung.

Denvers Laufspiel wurde gut in Schach gehalten und machte nur 131 Yards bei 34 Carries (3,9 yds/carry). Aber drei ganz starke Pässe haben zu zwei Touchdowns geführt. Man kann da auch weder LeBeau noch den CBs einen großen Vorwurf machen: perfect pass beats perfect coverage heißt eine der ältesten Footballweisheiten. Ansonsten gabs noch ein FG nach Roethlisberger-INT; ein FG nach Big-Play zu TE Fells, bei dem Polamalu schlecht aussieht; ein FG nach 32-Yard-DPI, die auch nicht jeder Referee so pfeift.

Tebow hat einfach die entscheidenden Plays gemacht. Besser gemacht als die Defense und das spricht nicht gegen Pittsburghs D, sondern für Tebow und den mutigen Game Plan von Denvers OC Mike McCoy. Man sollte nicht versuchen, mit Ausreden wie Verletzungen, zu alte Verteidiger oder blöder Game Plan Tebows Leistung zu schmälern. (Tebow hat übrigens ohne WR Eric Decker gespielt, der in der Regular Season mehr Catches als jeder andere Bronco gemacht hat und auch ohne Chris Kuper, den besten O-Liner Denvers. Wer hat im Januar keine Verletzten?)

Schlechte Defense gabs dagegen bei den Bengals und den Lions zu beobachten. Nicht in Sachen Strategie und Schemes, sondern in Disziplin und Fundamentals. Vergeigte Tackles und schlechte Winkel zum Ballträger en masse. Dazu fürcherliche blown coverages und sichere Interceptions, die einfach fallen gelassen werden. Beide, Bengals und Lions, hätten mit einer disziplinierten Leistung bis zum Schlußpfiff mithalten können. So muß man sich fragen, wie erfahrene und ausgewiesen Verteidigungsexperten wie Marvin Lewis und Mike Zimmer (HC/DC Cincinnati) beziehungsweise Jim Schwartz und Gunther Cunningham (HC/DC Detroit) ihre Spieler trainieren. Oder ob einige Spieler einfach zu schlecht sind. (Vor allem die Safeties waren unterirdisch. Und ich als Patriots-Fan dachte, ich hab schon den Bodensatz dieses Jahr gesehen.)

Fragen muß man sich auch, was mit Atlantas Front Seven los war. Die viel kritisierte Offensive Line und die Running Backs der Giants sahen gegen diese aus wie die sprichwörtlichen “Man among Boys”. Vor allem die hochgelobten DT Corey Peters, DE John Abraham und die LBs Sean Weatherspoon und Curtis Lofton konnten die (hohen) Erwartungen nicht erfüllen, ließen sich ständig rumschubsen oder waren “out of postition”. Wenn New Yorks Laufspiel dieses Niveau auch nächste Woche gegen Green Bay zeigen kann, sollten sie viel Spaß haben. Die Front Seven der Packers ist noch mal ´ne ganze Klasse schlechter als Atlantas. Brian Van Gorder, DC der Falcons, ist gestern übrigens zum Defensive Coordinator der Auburn Tigers ernannt worden. Vielleicht hat er zu viel Zeit in den Bewerbungsprozeß gesteckt, statt seine Defense auf die Playoffs vorzubereiten.

Besser vorbereiten sollen hätte auch OC Mike Mularkey sein Playcalling bei 3rd/4th&short-Situationen. Ein wenig kreativer als “Matt Ryan fällt nach vorne und hofft, daß es reicht” hätte es schon sein müssen. Auch Mularkey bewirbt sich seit einigen Tagen bei anderen Teams und hat die Zeit zwischen Woche 17 und Wild Card Weekend mit Vorstellungsgesprächen anderswo verbracht.