Samstagsvorschauer 2015, Week 9 | Über Sinn und Unsinn im Leben

Disclaimer voraus: Winterzeit-Umstellung in der Nacht von heute auf morgen auch in den USA, womit ab morgen wieder die gewohnten Zeiten in Europa herrschen: 19h, 22h und 2h30 für die NFL-Spiele. Am heutigen College-Samstag beträgt der Zeitunterschied zu Amerika aber noch 5 Stunden. Ergo wird um 17h, 20h30, 0h bzw. 01h usw. angepfiffen. Weiterlesen

Big Ten Conference | College Football 2015/16 Preview

Die Big Ten Conference wähnt sich nach dem Landesmeistertitel der Ohio State Buckeyes sowie der Verpflichtung von Jim Harbaugh als neuem Head Coach in Michigan im Aufwind, doch bei genauem Hinsehen ist die älteste und stolzeste Conference im College-Football noch immer einige Schritte entfernt von den großen Ligen im US-Süden (SEC) und Westen (Pac-12).

2015 wird die Big Ten aber immerhin ein Elite-Team (eben Ohio State), ein sehr starkes Team (Michigan State) und eine Handvoll respektabler Mannschaften (Minnesota, Penn State, Michigan, Wisconsin, Nebraska) stellen. Das Problem sind eher die Hinterbänkler: Zu viel Mittelmaß. Weiterlesen

Bowl-Season 2013/14 Preview: Military, Texas und Kraft Fight Hunger Bowl

Großkampftag der Bowl-Season heute mit drei Bowls quer über die Staaten. Der ESPN-Player hat sie alle in seinem Angebot:

MEZ    BOWL                TEAM 1            TEAM 2
20h30  Military            Marshall          Maryland
00h    Texas               Syracuse          Minnesota
03h30  Kraft Fight Hunger  Washington        Brigham Young

Zu den Geschichten hinter den Spielen. Weiterlesen

College Football 2011/12 Preview: Big Ten Conference

Wir sind auf die Zielgerade eingebogen, heute im neunten Teil dran: Die Big Ten Conference um die Großen Seen, die älteste und nach eigenem Verständnis „klassischste“ Conference, die schon seit über 100 Jahren in Betrieb ist und nach der Addition der zwölften Mannschaft – Nebraska – ihren Altersschnitt noch einmal um zirka 150 Jahre erhöht haben dürfte. Das Ego der Conference spiegelt sich in den beiden Namen der neu geschaffenen Divisions wider: Gestatten, Leaders Division und Legends Division. Zwei nicht unkontrovers diskutierte Namen für zwei willkürlich verteilte Divisionen, da man sich gegen eine geographische Verteilung entschieden hat, um ein Endspiel Michigan – Ohio State nicht a priori zu verhindern und trotzdem gleichzeitig halbwegs gleichstarke Divisionen zu erhalten.

In der Big Ten sind die alteingesessenen Traditionalisten am Werk und die Uni-Präsidenten noch Ü70 – und hier sind die größten Gegner eines Playoff-Systems zuhause. Man positioniert sich als Terrain für Liebhaber der alten Zeit – um das eigens neu kreierte Endspiel in einer Halle (Indianapolis) auszutragen.

Leaders Division

Favorisiert in der Leaders Division werden die Wisconsin Badgers sein, die zu Neujahr die Rose Bowl knapp, aber verdient gegen TCU verloren. Wisconsin, das bedeutet in allererster Linie: Physis. Keine Übertragung, während der nicht mindestens fünfmal die korpulente Offensive Line erwähnt wird, kein Spiel, in dem nicht primär auf eine Handvoll starker Running Backs vertraut wird – dabei zeigte sich RB Montee Ball als agiler und wendiger, als er mir aus der vergangenen Saison in Erinnerung ist. Der meistdiskutierte Spieler ist der (neue) Quarterback: Russell Wilson, ein solider, beweglicher und wurfstarker Neuankömmling von NC State, wo Wilson ohne ersichtliche Gründe weggemobbt wurde. Dank Wilson sollte die Offense auch in dieser Saison unterdurchschnittlich spektakulär, aber überdurchschnittlich effizient sein.

Die Defense bleibt bis auf den Abgang von DE J.J. Watt (Houston Texans) relativ intakt, muss aber mit einem neuen Coordinator zurecht kommen. Es ist eine Defense, die gerne Druck auf den Quarterback ausübt und sich auch nicht scheut, Defensive Backs auf Blitzes zu schicken – allerdings hat sich bei mir der Eindruck verfestigt, dass Wisconsins Secondary dabei unverhältnismäßig oft entblößt wird. Könnte in dieser Saison allerdings nicht allzu schwer ins Gewicht fallen, da man fast ausschließlich gegen lauforientierte Mannschaften spielt.

Dank aufgeflogener Korruption und NCAA-Ermittlung eine wüste, sehr wüste Zeit hat die Ohio State University hinter sich, und das führte letzten Endes sogar zum Rausschmiss von Pollunder-Chefcoach Jim Tressel und QB Terrelle Pryor, zu selbst auferlegten Sanktionen, um einer harten Bestrafung durch die beliebig dehnbaren NCAA-Regularien zu entgehen. Die Aufregung und der Hass auf Pryor/Tressel waren groß, nun steht die Mannschaft vor einem kleineren Umbruch, mit dem Interims-Coach Luke Fickell, der einen Herbst Zeit hat das Unmögliche (mindestens Rose Bowl) zu schaffen, bevor er von einem ganz großen Namen abgelöst werden soll.

Die Zeit nach Medienstar Pryor wird nun von der Suche nach dem neuen Quarterback geprägt sein. Währenddessen werden die Stars der Offense LT Mike Adams und RB Dan Herron sein – beides Spieler, die im ersten Monat im Zuge der Pryor-Affäre noch gesperrt sind. Noch problematischer ist die Defense, wo nur vier Starter zurückkehren.

Klingt alles erstmal etwas happig, aber Ohio State gehört zu den wenigen Programmen, die prinzipiell nur bei den absoluten Top-Recruits mit irgendwelchen Zuwendungen abseits der Stipendien nachhelfen müssen – der Kader ist sehr breit und sehr tief, da sämtliche größeren Talente aus Ohios Schulen zu den Buckeyes wollen.

Nie mit Korruption in Verbindung gebracht werden die Penn State Nittany Lions, das Programm mit dem Coach schlechthin, Joe Paterno. Der Mann ist ziemlich fassungslos – seit er 1966 Head Coach wurde, hat es in der FBS 880 Trainerwechsel gegeben. Paterno steht immer noch an Penn States Seitenlinie, dieses Mal im 62. Jahr hintereinander, im 46. Jahr als Chef. Paterno ist 84, aber ein Erfolgsrun von 2006-2009 hat die aufkommende Angst der Vergreisung erstmal etwas eingedämpft und Paterno kommuniziert sogar gar zeitgemäß via Skype und Facebook mit seinen Spielern. Trotzdem erzähle man mir nicht, dass man mit 84 noch die Arbeit eines Vierzigjährigen machen kann. Und trotzdem: Joe Paterno ist einfach gut. Gut für Penn State, gut für den College Football. Die große Eminenz, die schlicht abgehen würde.

[Anm. 28. Juli 2012 – Der Sandusky-Skandal rückt die Aussagen über Paterno nachträglich in ein anderes Licht – korsakoff]

Die Nittany Lions gelten nach dem erwartet zähen Herbst 2010/11 wieder als BigTen-Titelkandidat. Es gibt zwar größere Fragezeichen auf der Quarterback-Position, aber die Offense wird allgemein als richtig schön durchgemischt erwartet. In der Defense liegt das Hauptaugenmerk auf dem Pass Rush (von 37 Sacks 2009 auf 17 im letzten Herbst), der allerdings allein qua Rückkehr der Verletzten als deutlich verbessert angenommen wird.

Bleibt der Schedule: Zum Einrollen ein paar mittelmäßige BigTen-Gegner und der Kracher gegen Alabama, ehe es im November nacheinander gegen Nebraska, @Ohio State und @Wisconsin geht.

Dem Rest-Trio werden allenfalls Chancen zum Spoilern für Zwischendurch eingeräumt. Für die Illinois Fighting Illini ein Traumszenario, denn immer wenn Illinois unter dem Head Coach Ron Zook unterschätzt wird, war Illinois zuletzt gefährlich. So 2010/11, als man mit Freshman-QB und nach einer ganz schwachen Vorsaison plötzlich mit der Grundlage eines Top-Laufspiels zur Bowl Season durchstartete. Nun ist RB Leshoure ein paar Meilen weiter nördlich (Detroit Lions) auf der Verletztenliste, aber QB Nathan Scheelhaase ein Jahr erfahrener. Scheelhaase brauchte im letzten Herbst ein paar Spiele Anlaufzeit (4 TD, 7 INT), ehe er in den letzten Wochen sensationell aufgeigte (13 TD, 1 INT) – allein, genau dann kollabierte die Defense. In der Bowl Season fiel Scheelhaase als unpräziser Werfer auf, aber immerhin als einer, der auch bei zusammenbrechender Pocket cool bleibt und lieber ein blaues Auge denn einen sicheren incomplete pass mitnimmt.

Unterschiedlich ist die Stimmung bei den beiden Unis aus dem Bundesstaat Indiana. Die private Purdue University muss nach einer fürchterlichen Schlussphase im vergangenen Herbst (0-6) einen halb abgesägten Coach Danny Hoke mitschleppen, und in der Offense auf den #1-QB Robin Marve nach dessen zweitem Kreuzbandriss verzichten. Weil auch der Einser-RB Ralph Bolden, ein Riesentalent, alle Bänder im Knie kaputt hat, steht und fällt die Offense mit dem von allen anerkannten „Typen“ QB Rob Henry, der flinke Füße besitzt, aber ganz fürchterliche Pässe wirft – dazu gesellen sich eine Handvoll unerfahrener Wide Receivers und eine Defense, die auf den besten Mann DE Ryan Kerrigan verzichten muss. Das Positive zum Schluss: Die Boilermakers („Kesselflicker“) dürften dank einfachem Schedule gut in die Saison kommen – und am Saisonende wartet dann das Lokalderby gegen die größte staatliche Uni…

…die Indiana University aus Bloomington, wo 2010/11 dank einbrechender Defense eine einzige Enttäuschung war – nun ist ein neuer Head Coach da, ein OFFENSIVgenie, Kevin Wilson, der Stratege hinter der spektakulären Offense der Oklahoma Sooners von 2008/09, die sämtliche Rekorde brach. Als DefCoord hat man sich den populären Mike Ekeler aus Nebraska angelacht. Die Grundstimmung in Bloomington soll nach Erzählungen aus erster Hand auch so schlecht nicht sein und man ist auf alle Fälle stolz, zwei so prominente Gesichter wie Wilson/Ekeler angelockt zu haben…

…und dann kam im Juli die Meldung schlechthin: Der an #1 gerankte Quarterback aus den High Schools quer durch die Lande, QB Gunner Kiel, scheint sich für Indiana/Bloomington entschieden zu haben. Man erzähle mir nicht, hinter dieser Entscheidung stünde NICHT Kevin Wilson.

Der harte Teil kommt allerdings noch: Beide Top-WRs müssen ersetzt werden, dazu gibt es keinen überzeugenden Quarterback (Kiel kommt schließlich erst NACH der Saison) und eine Defense, die zuletzt 6,6yds/Play über eine komplette Saison hinweg zuließ.

Legends Division

In der Spitze um einiges breiter aufgestellt wird die Parallel-Division „Legends“ sein, wo der Neuankömmling Nebraska Cornhuskers schon in Jahr eins als Topfavorit gehandelt wird. Nebraska, das Team, das wie die Faust aufs Auge auf die Big 12 Conference gepasst hatte, und das rechtzeitig vor dem nahenden Implosion dieser Conference abgesprungen ist und dafür Jahrtausende alte Traditionen aufgab, namentlich Spiele gegen Colorado, Iowa State oder Kansas.

Die Mannschaft ist eine offensiv wenig spektakuläre. Nachdem der wurforientierte Bill Callahan (der Bill Callahan!) mit Schimpf und Schande verjagt worden war, übernahm mit LSUs Defensive Coordinator Bo Pelini zur Saison 2008/09 wieder ein traditionellerer Coach des Cheftrainersessel. Pelini ist ein Mann, der sofort ins Auge sticht, einer, der fünfmal pro Spiel die Schiris zusammenscheißt und schon mal an der Seitenlinie ausrastet. Das passt im Prinzip nicht zu seiner Offense, die mitunter trotz einiger Sprinter etwas untertemperiert spielt.

Hier wird gelaufen, was das Zeug hält, und der Quarterback passt genau in dieses Schema: QB Tyler Martinez ist ein extrem flinker Mann, kein guter Werfer, aber vor allem einer, der zuletzt mit wachsendem Druck so seine Problemchen hatte. Man gibt Martinez noch einmal eine Chance, aber womöglich scheut man sich in Nebraska nicht, bei stagnierenden Leistungen den Mann zu ersetzen. Was aber eh wurscht ist.

Denn der „Star“ in Nebraska ist die Defense, die trotz vieler Abgänger in den letzten Jahren (Suh, Amukamara, anyone?) jahrein, jahraus ganz weit oben gerankt ist. Wir haben eine dominante Defensive Line und eine Pass-Abwehr, die nur etwas mehr als 150yds/Spiel zulässt und doppelt so viele Interceptions macht wie Touchdowns zulässt. Der herausstechende Mann ist DT Jared Crick, ein Name, den man sich für die NFL vormerken kann.

Auf alle Fälle vormerken: Heimspiele der Cornhuskers. Das Heimstadion ist seit über 50 Jahren dauerausverkauft – und fasst immerhin 85000 Leute (diverse Quellen sprechen davon, dass bei wichtigen Heimspiele zusätzliche 70000 vor dem Stadion Party machen).

Ein Zuschauermagnet wie Nebraska sind auch die Michigan Wolverines, Stichwort The Big House, 111.000 Zuschauer und fast immer sechsstellig besetzt. Die Stimmung in Ann Arbor ist euphorisch wie lange nicht, was hauptsächlich am Trainerwechsel liegt. Der v-e-r-h-a-s-s-t-e Rich Rodriguez, ein Windhund und Offensivgeist, wurde gegen Brady Hoke ausgetauscht. Hokes Haupt-Empfehlung?

„I’m a Michigan man.“

Das wäre LSUs Les Miles auch gewesen, aber Michigans #1-Kandidat wollte nicht.

Der neue Trainerstab wird just in dem Moment installiert, wo die Offense zu klicken begann und der schwarze Flitzer QB Denard Robinson regelmäßig Anzeichen von Brillanz zeigte. Aber Rodriguez‘ Probleme waren hausgemacht: Sich mit überhöhtem Trainingspensum Besuche der NCAA-Moralapostel angelacht und eine spektakuläre Option-Offense unter völliger Missachtung der Defense spielen lassen. Und wer weiß, wie viele Tonnen Tradition Michigans Programm mit sich schleppt, weiß, wie unflexibel man an solcher Stelle auf wenig physische Defenses reagiert – das soll unter Hoke schnellstmöglich abgestellt werden.

Im Stimmungshoch ist man auch bei den Michigan State Spartans in East Lansing, wo man zuletzt trotz grauer statistischer Mittelmäßigkeit eine 11-2 Bilanz hinknallte, allerdings in der Capital One Bowl von Alabama sagenhaft niedergemacht wurde (u.a. minus 49yds rushing, wobei Sacks als Laufspiel gewertet werden). Story der vergangenen Saison war die Wiedergenesung von Head Coach Mark Dantonio, der nach einem Herzinfarkt mitten in der Saison gegen Saisonende zurückkehrte, aber man darf ohne schiefe Blicke daran zweifeln, ob die Spartans noch einmal eine solche Saison hinlegen können.

QB Kirk Cousins ist ein blässlicher Mann ohne Allüren und passt damit wie die Faust aufs Auge auf diese Mannschaft. Die Offense baut auf ein triple headed monster im Laufspiel: Edwin Baker, Le’Veon Bell und Larry Caper, unbekannte Namen, aber an guten Tagen schwer aufzuhalten. Allerdings sorge ich mich um die Defense, die zwar über eine ordentliche Line verfügt, aber mit LB Greg Jones Herz, Seele und Kopf verloren hat und gegen Alabama bloßgestellt wurde.

Ein dark horse ist die akademisch berühmte Northwestern University, dort wo der durch die Lande heiß begehrte Pat Fitzgerald coacht und sich von diversen hochkarätigen Angeboten nicht den Kopf verdrehen lässt. Fitzgerald ist auch nach fünf Jahren Head-Coaching ein blutjunger Mann und eine Legende in Evanston – in den 90ern waren die Northwestern Wildcats zweimal BigTen-Champ mit dem absoluten Leadertypen Fitzgerald als Linebacker.

Einen Star hat die Mannschaft auch 2011/12: QB Dan Persa, der in diversen Heisman-Trophy-Vorauswahlen auftaucht. Persa war in der vergangenen Saison stark, verletzte sich und Northwesterns Saison ging den Bach runter. Persa soll nun wieder fit sein und man darf sich wieder auf Dutzende rattenscharfe Pässe und Scrambles freuen. Persas Scrambling war auch der Grund, weshalb Northwesterns Lauf-Angriff wenigstens halbwegs Zahlen (3.6yds/Carry) vorweisen kann. Anders gesagt: Ohne den Quarterback geht hier nichts. In der Defense wird man sich darauf konzentrieren müssen, den Lauf besser zu stoppen – vergangene Saison machte Illinoir fassungslose 519yds Laufspiel (!!!) in EINEM Spiel gegen die Wildcats.

Die Iowa Hawkeyes waren zuletzt lange Zeit in den Polls ganz vorne dabei, verloren aber seit Mitte November sämtliche Spiele, ihren Star-QB Rick Stanzi und die besten Abwehrspieler DE Clayborn/S Sash an die NFL, Star-RB Adam Robinson ans Polizeirevier und zwischendurch die halbe Mannschaft mit mysteriösem Muskelschwund an die Intensivstation.

Nun ist man nicht gerankt – ein gutes Omen? Unter Head Coach Kirk Ferentz haben die Hawkeyes die Angewohnheit, immer dann in die Rankings zu klettern, wenn sie im Sommer davon ausgeschlossen sind – und analog immer rauszufallen, wenn sie im Sommer als Top-25 Team gelten.

QB James Valkenburg ist der neue Stanzi und mit RB Marcus Coker hat man einen massiven Mann im Kader: In der Insight Bowl pflügte sich Coker in 33 Versuchen (!) über 219yds durch die nicht zu unterschätzende Defense von Mizzou. In der Defense kehrt der geliebte Coordinator Norm Parker nach akutem Diabetes-Problem zurück, muss aber auf seiner Mission nach mehr Speed (also: Geschwindigkeit) in der Defense auf sämtliche in die NFL abgewanderten Top-Leute verzichten. Dank einfachem Schedule bis Mitte November darf man Iowa mit ihrem fantastischen Publikum aber durchaus acht, neun Siege zutrauen.

Keine Chance in diesem Jahr räumt man den Minnesota Golden Gophers ein, wo 2011/12 in den Ordner „Grundlagenarbeit“ gelegt werden kann. Der neue Coach Jerry Kill ist ein Langweiler von einem Typ, ein Mann ohne größere Referenzen, der aber überall Erfolge vorweisen konnte. Anders gesagt: Kein Starcoach, sondern ein Football-Coach. Dazu passt auch die Philosophie des Mannes:

Run the ball, don’t turn it over in the passing game, get to the quarterback and stop the run.

Ein diametraler Gegensatz zum Vorgänger Tim Brewster. Erste Aktion Kills: WR MarQueis Gray wird zum Quarterback umgeschult und soll hinter einer wackeligen Offensive Line auch auf eigene Faust Plays machen. In der Defense wird unter dem Kill-Buddy Tracy Clarey härtestes Hitten erwartet. Allein, heuer darf man nicht mit vielen Siegen rechnen. Die Conference rüstet anderweitig gerade massiv auf und Minnesotas Schedule ist für dieses Mal kaum machbar.

Teil 10 heute Nachmittag, und es wird also doch die offensivgewaltige Conference sein, nach der hier schon mehrmals gekräht wurde – ich habe mich dazu entschieden, doch alles bis morgen Nachmittag abgearbeitet zu haben. Gehört sich einfach so. Also schnell wieder die Fingerchen lockern…

College Football 2011/12, TV-Guideline für Woche 1

Dieses Wochenende startet die Saison im College Football 2011/12. Ich habe noch nicht alle Mannschaften in der Vorschauserie durch, aber das kommt noch. Versprochen. Ist auch schon zu 95% geschrieben. Stattdessen heute eine Guideline zum TV-Programm an diesem Kickoff-Wochenende. ESPN America und Eurosport 2 bringen einen ganzen Schwall an Spielen entweder live oder als Aufzeichnung. Den ESPN Player lasse ich aus bekannten Gründen außen vor, was nicht heißt, dass es verboten wäre, in den Kommentaren auf das eine oder andere Spiel aus vom ESPN College Pass hinzuweisen.

Freitag, 2. September 2011

Wisconsin – UNLV (13h, ESPN America)

Mit #11 Wisconsin tritt hier einer der großen Favoriten der Big Ten Conference an. Die Badgers waren zuletzt als Vertreter der Big Ten in der Rose Bowl dabei und haben ein sehr sehenswertes Spiel knapp 19-21 gegen TCU verloren. In der Offseason kamen Quarterback und der beste Defensivspieler abhanden, aber mit dem frisch von NC State geholten QB Russell Wilson hat man einen soliden, wurfstarken Mann mit Erfahrung geholt. Unabhängig davon, wer das Spiel kommentiert, kann man sich bereits Gedanken um ein Drinking Game machen, wie oft erwähnt wird, dass Wisconsins Offensive Line sehr korpulent gebaut ist.

Die Defense zeichnet ein großer Zug gen Quarterback aus und auch vor Blitzes wird nicht zurückgescheut, wobei für mein Ermessen die Secondary zu oft entblößt wird. Dass die University of Nevada/Las Vegas Rebels das allzu oft werden austesten können, darf man nicht erwarten. Das ist eine Mannschaft, die zu den zehn schwächsten in der FBS gehören dürfte.

Samstag, 3. September 2011

Baylor – TCU (12h30, ESPN America)
Ohio State – Akron (18h LIVE, ESPN America)
USC – Minnesota (21h30 LIVE/Tape 6.9. 12h30, ESPN America)
Lousiana State – Oregon (02h LIVE/Tape 4.9. 15h30, ESPN America)
Hawaii – Colorado (05h30 LIVE/Tape 5.9. 12h, ESPN America)

#14 TCU spielt ein innerstaatliches Derby gegen die Baptistenuniversität von Baylor, die in den letzten Jahren einen leisen, beständigen Aufschwung erlebt hat und bei denen ein Auge auf den QB Robert Griffin III zu werfen ist, ein wurfgewaltiger und dennoch sehr mobiler Quarterback, Junior und trotzdem schon in seinem vierten Jahr an dieser Uni. TCU muss nach den vielen Abgängen die Brötchen heuer wohl eine Nummer kleiner backen. Vor allem der neue QB Casey Pachall steht im Blickfeld.

Samstag ab 15h dann LIVE die ESPN-Sendung College GameDay, diesmal aus dem Cowboys Stadium von Arlington, die die Livespiel-Orgie einleitet. Um 18h aus Columbus #18 Ohio State Buckeyes gegen Akron Zips, ein Ohio-Derby, aber ein ungleiches Duell. Ungewohnt wird sein: Bei Ohio State steht erstmals seit zirka zwei Jahrhunderten nicht der heimliche Erfinder der Strickjacke Jim Tressel an der Seitenlinie, sondern der Interimscoach Luke Fickell. Ohio State muss ohne eine Reihe seiner besten Spieler auskommen, die im ersten Monat wegen Kavaliersdelikten gesperrt sind, aber dass gegen die als anerkannt unterirdisch geltenden Zips nicht trotzdem ein turmhoher Sieg herausschauen wird, ist hausgemachte Sache.

21h30 das Duell #25 USC TrojansMinnesota Golden Gophers. USC muss eine weitere Saison ohne Bowls spielen, wurde trotzdem von AP an #25 gerankt. Es gilt vor allem ein Auge auf QB Matt Barkley zu werfen. Barkley kommt im Sunnyboy-Ranking gleich nach Matt Leinart und Mark Sanchez, ist aber ein ungleich besserer Werfer, und ein offensichtlich sehr gutherziger Charakter, der schon in Südafrika eigenhändig am Häuserbauen für die Armen mitwirkte. Dr. Saturday hat Barkley einen Blogeintrag spendiert. Minnesota befindet sich mal wieder im Neuaufbau, hat sich mit Jerry Kill nicht ganz ohne Nebengeräusche einen neuen Headcoach mit grundsolider Spielanlage („Laufe, vermeide Interceptions, stoppe den Lauf, erziele Sacks“) angelacht, ein diametraler Gegensatz zum Extrainer Brewster. Erste Aktion Kills: Mit MarQueis Gray wurde ein Wide Receiver zum Quarterback umgeschult.

Um 02h finden parallel die beiden, nein: DIE BEIDEN, Spiele des Wochenendes statt, und falls sich jemals jemand über die Spielansetzung in der Bundesliga beklagt hat, ich halte dagegen. Wenn Boise State vs. Georgia und die #4 Louisiana State Tigers vs. #3 Oregon Ducks zeitgleich angesetzt werden, dann gehören die verantwortlichen TV-Stationen eigentlich gesteinigt. Umso verwunderlicher, dass es die beiden verwandten ESPN und ABC betrifft. ESPN America bringt Boise State nur als Aufzeichnung, dafür LSU – Oregon aus dem Cowboys Stadium in Arlington live.

Und es ist ein Spiel, für das man beide, aber vor allem LSU, nur Respekt zollen kann. In Zeiten, in denen die Ungeschlagenheit fast mehr wert ist als ein schwieriger Schedule, ist es vor allem für die SEC-Mannschaft Louisiana State erstaunlich, dass sie die Eier besitzen, den Kracher gegen Oregon zusätzlich zum Conference-Schedule mitnehmen, und im Prinzip damit einzig ihre BCS-Titelchancen minimieren.

LSU besitzt allgemein anerkannt eine titelfähige Mannschaft, deren sportlich größtes Problem der Quarterback sein sollte. Der wenig überzeugende QB Jordan Jefferson steckt nach einer wenig glimpfliche verlaufenen Barschlägerei in ärgeren Problemen mit der Justiz, deswegen wird zumindest in diesem Spiel QB Jarrett Lee starten, ein Mann, bei dem der College-Football-Fan unweigerlich an „Interception“ denkt. Dazu kommt, dass der OffCoord jüngst wegen einer Parkinson-Erkrankung endgültig zurückgetreten ist. LSU definiert sich aber eh über seine Defense. Und obwohl mit DT Drake Nevis, MLB Kelvin Sheppard und CB Patrick Peterson drei hohe Draftpicks in die NFL gegangen sind.

Die Oregon Ducks dagegen spielen eine atemberaubend schnelle, Maßstäbe setzende Offense mit Dutzenden Laufspielvariationen und einem atemberaubenden Speed seiner Spieler im offensiven Backfield: RB LaMichael James ist so klein, so wendig, so flink, RB Kenyon Barner der eher kräftige, immer noch flinke Back, und QB Darron Thomas ist zwar kein ausgereifter Werfer, aber ebenso geschmeidig wie meine jungen Kätzchen. Den Special Teams und der Secondary fehlt allerdings ein Superstar: CB/PR Cliff Harris, der nach Alkofahrt für den Opener intern gesperrt wurde. Diese Eier muss man auch haben.

Zwei Dinge, die bei Oregon mit 100%iger Wahrscheinlichkeit mehrfach thematisiert werden: Gegen physische Gegner hat die Mannschaft gerne Probleme, ihren Rhythmus zu finden. Und SEC-Teams wie LSU sind physischer als alle anderen. Und dann ist da noch die Sachen mit den neuen Signalen für die No-Huddle-Offense: Aus Angst vor Handzeichen-Erkennung wurden in der Offseason hauswandgroße Tafeln mit riesigen Bildern (Tiere, Landkarten usw.) gebastelt, die vom Backup-QB hoch gehalten werden. Wie dadurch die Durchschaubarkeit der Signale erschwert worden sein soll, ist mir schleierhaft.

Auf alle Fälle gilt: Für Oregon wäre eine Niederlage verheerender als für LSU. Eine Pac-12 Mannschaft braucht mit einer Niederlage schon alles Glück dieser Welt, um im BCS-Titelrennen zu bleiben. Eine SEC-Mannschaft dagegen würde auf diese Weise nicht zum ersten Mal ins Endspiel einziehen.

In den frühen Morgenstunden, ab 5h30, dann noch live aus Aloha die Hawaii Warriors gegen die Colorado Buffaloes. Hawaii spielt eine Run and Shoot-Offense und ist mit der stets futuristisch gekleideten Dreadlocke QB Bryant Moniz eine einzige, rohe Passgewalt. Colorado kommt mit neuem Headcoach daher: Jon Embree, dessen Haupt-Empfehlung sein Alumni-Status in Colorado ist. Die Buffaloes haben Conference gewechselt, spielen nun in der Pac-12 und haben dieses eine Spiel Zeit, um sich für das erste Conference-Spiel (s. Kommentar von Jens) nächste Woche gegen Cal einzuspielen. In der Defense darf man durchaus Probleme erwarten: eine recht kleine Unit, dazu ziemlich grün. Ob das gut geht?

Sonntag, 4. September 2011

Auburn – Utah State (8h00, ESPN America)
Penn State – Indiana State(8h00, Eurosport 2)
Notre Dame – South Florida (9h00, Eurosport 2)
Michigan – Western Michigan (10h30, ESPN America)
Georgia – Boise State (13h00, ESPN America)
West Virginia – Marshall (22h00 LIVE/Tape 5.9. 14h30, ESPN America)

Langer, sehr langer Collegefootball-Sonntag. In der Früh darf man zwischen ESPNA und Eurosport 2 hin- und herswitchen. BCS-Titelverteidiger #23 Auburn bringt ganze sieben Starter zurück und muss auf fast alle Leistungsträger aus dem Vorjahr verzichten. Der ganz große Hoffnungsträger ist RB Michael Dyer, der MVP des Endspiels, aber bei den Quarterbacks schaut es eher unruhig aus: Barrett Trotter wurde zum Starter ernannt und für den Backup Clint Moseley war das der Weltuntergang. Moseleys Stimmung soll irgendwo drei Meter unter der Erde zu verorten sein. Im Hintergrund wartet schon der gehypte Freshman Kiehl Frazier, aber an Trotter wird vorerst keiner vorbeikommen, denn das Malzahn’sche Offensivsystem ist extrem quarterbackfreundlich.

Bei Penn State – Indiana debütiert Hoosiers-Head Coach Kevin Wilson, ein Offensivgenie, das aus Oklahoma geholt wurde. Eine Freundin war bis vor kurzem in Bloomington – dort ist der Hauptcampus der Indiana University – und die Erwartungshaltung soll ihr zu glauben ziemlich gestiegen sein, sogar im Recruiting wurden schon erste größere Erfolge eingefahren.
[Update: In den Kommentaren wird völlig zurecht darauf hingewiesen, dass der Gegner von Penn State nicht Indiana, sondern Indiana State ist, ein Unterschied von fünf Buchstaben und zwei sportlichen Klassen. Damit kein Wilson-Debüt on TV, dafür die Einladung, was sinnvolles zur Einstimmung auf Indiana State beizutragen.]
Der Headcoach von Penn State ist ein bisschen erfahrener, aber diese Geschichte kennen Leser dieses Blogs zur Genüge… Leider ist das Spiel am frühen Nachmittag angesetzt. Beaver Stadium in der Nacht wird hoffentlich noch das eine oder andere Mal zu sehen sein.

Um 9h bei Eurosport 2 die „Holtz Bowl“: #16 Notre Dame gegen South Florida. Bei USF coacht Skip Holtz, ein Offensivgeist, der in Tampa den Angriff beleben soll. Skip ist der Sohn des Lou, und Lou Holtz ist eine verehrte, geliebte Trainerlegende beim Gegner. Lou Holtz liebt Notre Dame und er wird bei diesem Matchup mit Sicherheit die eine oder andere Träne verdrücken. Trotz der beiden Coaches Skip/Brian Kelly erwarte ich eher ein defensivlastiges Spiel: Beide Abwehrreihen haben im vergangenen Herbst mehr als überzeugt (USF noch mehr als ND) und beide Angriffsformationen sind noch auf Identitätssuche, auch bei den Quarterbacks: Notre Dame hat sich nun für die vermeintlich schwächere Lösung, Dayne Crist, entschieden, bei USF startet B.J. Daniels, ein inakkurater Scrambler. Wie so was mit dem „West Coast Guy“ Holtz zusammenpassen soll – let’s see.

Notre Dame muss noch ein Neben-Störfeuer überstehen: Die Mannschaft startet ihren Pregame-Trubel (Marsch durch die Massen) nun nicht mehr vor der städtischen Basilika, sondern vor dem Footballkomplex, um mehr Zeit für die Spielvorbereitung zu haben. Das Geheule der Traditionalisten durfte man erwarten, schließlich beendet die Universität hier eine Tradition, die schon begründet wurde, als bei uns noch der Ötzi durch die Berge stapfte.

Bei MichiganWestern Michigan darf man die leeren Plätze im riesigen Michigan Stadium zählen, wie immer bei Season Opener, wo zwar offiziell alle 113.000 im Haus sind, tatsächlich aber meist „nur“ 90-95000. Gespannt, wie die Offense unter dem neuen Head Coach, „Michigan Man“ Brady Hoke, ausschauen wird und wie die Auswirkungen auf das Spiel von Schuhlitze QB Denard Robinson sein werden. Die Defense soll auf alle Fälle bereits merklich physischer zu Werke gehen.

Spiel der Spiele für mich ist aber das Duell zwischen #5 Boise State und #19 Georgia, und dabei spielt die persönliche Broncos-Affinität weniger eine Rolle als die Storyline, dass hier der Newcomer als klarer Favorit gegen das Establishment antritt – in dessen Bundesstaat. Vor sechs Jahren gab es das Duell schon einmal. Damals wurden die großspurigen Boise State Broncos von Georgia nach Strich und Faden 48-13 verprügelt. Diesmal ist die Situation etwas anders.

Boise State kommt erneut als BCS-Titelanwärter daher, mit dem Heisman-Mitfavoriten QB #11 Kellen Moore und einer Offense, deren Geheimnis auf diesem Blog am Dienstag dieser Woche gelöst worden ist. Georgia hat seinen eigenen vielversprechenden QB Aaron Murray, aber einen Trainer auf dem Schleudersitz (Mark Richt) und eine insgesamt wohl zu wenig explosive Offense gepaart mit einer zu unkonstanten Defense.

Andererseits würde ein Upset-Sieg der Bulldogs die Saison der Broncos schon im Ansatz zerbröseln. Denn anders als beim Parallelspiel LSU/Oregon kann sich Boise State mit einer Niederlage alle Hoffnungen abschminken, und das für Jahre, denn nach dieser Saison wird es einen massiven Personalwechsel geben.

Am Abend, 22h live das innerstaatliche Derby von West Virginia: West Virginia Mountaineers vs. Marshall Thundering Herd. Hier treffen zwei Welten aufeinander, auch stimmungsmäßig. Während bei WVU nach dem unrund abgelaufenen Trainerwechsel alles mit E-u-p-h-o-r-i-e auf das Debüt von Offensivgenie Dana Holgorsen wartet, gibt es bei den „Grünen“ von Marshall aktuell nur wenig Aussicht auf schnelle Besserung. Ans Herz legen würde ich das Spiel auch wegen der zu erwartenden, großartigen Stimmung im Heimstadion von West Virginia, ein sehr pathetischer Ort für meinen Geschmack.

Montag, 5. September

Maryland – Miami/FL (02h LIVE/Tape 6.9. 19h30, ESPN America)

Abgerundet wird das Kickoff-Wochenende im College Football mit den Maryland Terrapins und den Miami Hurricanes – das bedeutet auch: Ein ACC-Duell und ein Duell zweier Teams mit neuen Head Coaches. Maryland hat seinen langjährigen Frontmann Ralph Friedgen rausgeekelt und dafür den ambitionierten Randy Edsall von UConn geholt, Miami hat den allzu schwachen Clock Manager Randy Shannon geschmissen und ihn mit Al Golden ersetzt.

Golden ist nun in einer beschissenen Lage, muss eine Mannschaft coachen, in der der halbe Kader wochenlange Sperren riskiert (Nevin Shapiro und seine Geister), und dazu mit einer unguten QB-Situation umgehen. Jacory Harris ist der Starter, und er wäre an dutzenden Unis nicht mehr als der Notnagel.

Wer nicht schon für Monday Night Football in der NFL nächtliches Aufstehen trainieren möchte, kann die Begegnung übrigens am Dienstag, 6.9. um 19h30 als Aufzeichnung anschauen.