Friday Night Football, #5: San Jose Spartans – Utah State Aggies Preview

Friday Night Football ist der Slot im College Football, an dem sich meistens zwei kleinere Teams aus der Football Bowl Subdivision messen, und dankenswerter Weise ist SPORT1 US ab 03h in der Nacht auf morgen dabei: Diesmal treffen die San Jose State Spartans (1-2) auf die Utah State Aggies (2-2), beide Teams aus der Mountain West Conference (MWC), und das Duell hat durchaus seine Reize.

San Jose State und Utah State beendeten letztes Jahr die Regular Season jeweils mit 10-2 Siegen, und beide waren richtig gute Mannschaften. Beide verloren im Anschluss daran ihre Head Coaches an BCS-Schulen, aber beide sind mittlerweile für Mid-Majors richtig gut aufgestellt, mit grundsolider Personalpolitik ohne große Spinnereien. Daher durften sie von der aufgelösten WAC in die etwas besser besetzte MWC (die im Prinzip aber fast ausschließlich aus ehemaligen WAC-Unis besteht) wechseln.

Utah State kam recht solide in die Saison, verlor gegen zwei Pac-12 Unis jeweis nur knapp (@USC mit drei Punkten, gegen Utah mit vier Punkten). San Jose State hatte bisher hohe Niederlagen gegen Stanford (okay) und Minnesota (weniger okay).

San Jose State bringt in QB David Fales einen Mann, in dem viele Scouts NFL-Potenzial sehen. Seine Pässe sind zwar keine Granaten und die Flugkurven mir als etwas bogenlampig in Erinnerung, aber Fales ist der Typ QB, der diese Furchtlosigkeit vor Bällen in engste Deckungen ausstrahlt. Gegen durchschnittliche College-Defenses kann Fales auch mal 400yds in nur einer Viertelstunde Ballbesitz hinknallen, wie letzte Woche gegen Minnesota geschehen. Fales‘ Go To Guy ist WR Noel Grigsby, möglicherweise auch einer für die NFL; Grigsby ist lt. Play-by-Play letzte Woche ausgefallen, und ich habe nix in Erfahrung gebracht, ob er heute antreten kann.

Die Offense der Spartans ist nicht das Problem; die Defense ist es. Bisher wurde man in den Spielen von Stanford und Minnesota völlig vom Laufspiel überrumpelt (u.a. 8 zugelassene Rush-TDs), aber es gibt Stimmen, die behaupten: San Jose State ist dafür gebaut, schnelle Offenses zu stoppen, nicht physische. In der Secondary gibt es z.B. in CB Bene Benewikere nicht nur einen Mann für das All-Name Team, sondern auch jemanden mit leisen Profi-Hoffnungen. „Schnelle Defense“ würde ganz gut in die MWC passen, wo eher trickreicher, denn Power-Football gespielt wird. Insofern beginnt der Spaß des Lebens für diese Defense wohl erst heute Nacht.

Die Frage ist nur, ob das gegen Utah State und seinen QB Chuckie Keeton einen Unterschied macht: Keeton ist gleichermaßen ein Scramble-QB wie ein guter Werfer, und egal ob du die read-option Plays auspackst oder Keeton ein broken play zum 69yds-TD Scramble münzt: Der Mann hat definitiv was.

Utah State hat eine spektakulär gute Defensive Line, aber eine suspekte Secondary, die gegen exzellente Quarterbacks oft Probleme kriegt. Letztes Jahr lieferten sich diese beiden Mannschaften ein wildes, wildes Matchup, als Utah State 13 (in Worten: dreizehn) Sacks gegen David Fales fabrizierte und trotzdem 467 Pass-Yards kassierte!

Auf der anderen Seite scheint die Rush-Offense der Aggies um Keeton und die zirka sieben Runningbacks auch ein Mismatch für San Jose zu sein: Vergangenes Jahr wurden mehrere hundert Yards am Boden zu insgesamt sieben Lauf-TDs gegen San Jose erzielt.

Läuft also alles auf ein spektakuläres Spiel zweier interessanter Mid-Majors hinaus.

Friday Night Football, Woche 4: Fresno State Bulldogs – Boise State Broncos Preview

SPORT1 US überträgt heute Nacht ab 03h das Freitagsspiel des College-Football. Es kommt diese Woche aus der Mountain West Conference (MWC) und lautet Fresno State Bulldogs Boise State Broncos. Geht es nach den Erwartungen aus der Preseason, ist es das direkte Duell der beiden Conference-Favoriten, und könnte im Dezember im Conference-Finale eine Wiederholung sehen.

Boise State kam übel in die Saison und wurde zum Einstand bei den Washington Huskies, einem Mittelklasseteam aus der Pac-12 Conference, mit 6-38 abgeschossen. So hohe Niederlagen war man von den Broncos unter der Regie von Chris Petersen nicht gewohnt gewesen, und kritisiert wurde vor allem das sterile Offensivsystem. Letzte Woche gegen die Air Force soll es besser gewesen sein. Ich hab das Spiel nicht gesehen, aber die landläufigen Experten sahen wieder mehr Ähnlichkeit mit der gewohnten Boise-Offense, die da lautet: Extrem viele Motions vor dem Snap, Finden günstiger Matchups, Passspiel zum einzigen offenen Wide Receiver. QB #16 Joe Southwick soll gegen die Air Force zwar erneut etwas schlampig mit dem Ball umgegangen sein, aber zumindest phasenweise wieder sowas wie einen Lauf bekommen haben.


Fresno State fährt in QB Derek Carr den Mann auf, dessen Bruder David einst der Top-Draftpick 2002 bei den Houston Texans war. David floppte in der NFL. Versteckt stigmatisiert ist dadurch auch Brüderchen Derek, ein Senior-QB, aber manche Scouts sehen auch in Derek gutes NFL-Potenzial. Jetzt nur außenstehend betrachtet würde ich behaupten: Jein. Guter Werfer, aber was Carr im Dezember gegen SMU leistet, war unter aller Sau.

Aber die Carrs sind eine gute und lesenswerte Geschichte. Derek hatte als Schüler Anfragen von mehreren der größten Universitäten des Landes, aber entschied sich am Ende, „daheim“ zu bleiben, an der Uni, an der schon sein Bruder aufgeigte und zum Top-Draftpick wurde. In dieser Zeit, vor etwa zehn Jahren, sollte eigentlich Fresno das werden, was danach Boise State wurde: Der große Mid-Major, der die Arrivierten das Fürchten lehrte. David scheiterte damals in einem Spiel, in dem es drauf ankam, an den Broncos. Jetzt ist Derek dran, es besser zu machen.

Der Mann ist 22, verheiratet und hat einen kleinen Sohn, dessen Geburt und erste Wochen nicht ganz unkompliziert waren. Aber alle bescheinigen Derek, die Situation erstklassig gehandhabt zu haben. Auf dem Feld äußert sich das in bis dato exzellenten Leistungen 2013: Der Head Coach Tim DeRuyter kommt zwar von der Defense-Seite, lässt im Angriff aber hemmungslos werfen. Carr hatte z.B. im Season-Opener in dieser schnellen Spread-Passoffense 73 (!) Würfe gegen Rutgers, ein Team aus einer BCS-Conference, das um Haaresbreite in der Overtime geschlagen wurde 52-51. Und er sah dabei erstklassig aus (viel besser als die mittelmäßige Defense).

Derek Carr ist on mission, auf dem Weg, wie sein Bruder in die NFL zu gehen. Für das College Fresno State selbst äußert sich der Aufschwung in einer ausverkauften Partie heute Nacht, eine Seltenheit in dieser kleinen Stadt in Kalifornien. Man geht nicht davon aus, dass die Hütte brennen wird, aber immerhin interessieren sich die Menschen (40.000 an der Zahl) mal wieder für die Footballmannschaft.

Fresno hatte letzte Woche kein Spiel, da das Duell mit Colorado wegen Hochwassergefahr abgesagt wurde; Nachholtermin für diese Partie ist der 7. Dezember, der Tag des Conference-Endspiels in der MWC. Wenn Fresno heute gewinnt, stehen die Wetten gut, dass sie am 7. Dezember kein Spiel gegen Colorado absolvieren werden, sondern im MWC-Finale aufmarschieren… Boise State könnte dann wieder der Gegner sein (Broncos spielen in der anderen Division), aber ein Sieg heute könnte auf alle Fälle die Schlagrichtung für diesen Herbst vorgeben. Und möglicherweise über den Heimvorteil im MWC-Finale entscheiden.

(Partie ist auch im Programm des ESPN-Players gelistet.)