Armenhaus des US-Sports

Der für gewöhnlich exzellent aus Insiderkreisen informierte Adam Schefter von ESPN.com berichtet, dass die National Football League auf der verzweifelten Suche nach Umsatzsteigerung gedenkt, seine Offseason etwas auszuweiten. Der Plan liest sich lt. Schefter so: Die Combine in den März verlegen, den Start der Free Agency in die ersten Apriltage, den NFL-Draft zurück nach Anfang Mai. Die NFL-Combine soll gleichzeitig als offizieller Startschuss für eine Serie von regionalen Combines dienen. Der Startschuss für die neue Saison soll nach dem lt. Schefter „sehr konkreten“ Plan ein einheitlich terminierter Start der Trainingslager im Sommer sein: Alle am selben Tag.

Die NFL möchte mit dem Move die Offseason etwas strecken und somit länger Interesse erwecken. In jedem Monat ein Highlight: Jänner mit Playoffs, Februar mit Superbowl, März mit Combine, April mit Free Agency, Mai mit Draft, Juni… okay, bis auf die inoffiziellen DUI-Nachrichten aus Spielerkreisen nicht so viel bis der nächste Lockout kommt, aber dann: Juli mit Trainingslager-Eröffnung, August mit dem „Highlight“ Preseason, und danach ist sowieso wieder die Zeit der gelben Blätter und langen Nächte.

Die NFL entdeckt langsam, wie es geht.

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NFL-Franchises im Kurzporträt, #5: Indianapolis Colts

Nein, die NFL-Teamserie ist nicht vom Tisch. Nach Falken, Raben, Delfinen und Raubmöven heute die Fohlentruppe aus Indianapolis. Die Geschichte der Colts ist eine lange, mit Wurzeln fast 100 Jahre zurück. Die offizielle Geschichte der heute bekannten Colts begann 1953 – in Baltimore.

Die Baltimore Colts

Nach einer früheren Franchise wurde die 1953 für die NFL gegründete neue Footballmannschaft in Baltimore „Colts“ benannt. Die Colts waren schnell damit, Geschichten und Mythen zu schreiben und vieles geht auf die „Kappe“ von QB Johnny Unitas. Wenn heute nach dem besten Quarterback ever gefragt wird, fällt neben den allgegenwärtigen Namen Joe Montana, Peyton Manning oder Tom Brady gerne auch der Name „Johnny Unitas“ – sozusagen von denjenigen, die ihre Allgemeinbildung in Sachen NFL unter Beweis stellen wollen. Unitas live spielen sehen hat indes kaum einer.

Unitas war mehrfacher MVP und führte die Colts 1958 zu ihrem ersten Titel in einem Spiel, das der NFL einen sagenhaften Popularitätsschub brachte: Das „Greatest Game Ever Played“, ein 23-17 in der Verlängerung über die New York Giants. Unter Unitas gelang ein Jahr später der erneute Titelgewinn und wieder gegen die Giants.

Die Colts waren 1968 ein drittes Mal NFL-Champ. Daran erinnert sich heute kein Mensch mehr. Denn die Colts verloren kurz darauf die Super Bowl III. NFL und AFL waren noch nicht vereint und „NFL-Champ“ war nicht gleich „Super Bowl Sieger“. Super Bowl III gilt heute als eines der wichtigsten Spiele der Footballgeschichte. Die hoch favorisierten Colts scheiterten daran, die Ehre der NFL zu verteidigen und verloren sensationell gegen die New York Jets. Es war der letzte Anstoß, NFL und AFL zu vereinen.

Seit 1970 sind NFL und AFL vereint und in NFC und AFC (als historischen Tribut) aufgeteilt. Die Colts wurden trotz ihrer NFL-Geschichte in den AFL-„Nachfolger“ AFC eingeteilt um die zahlenmäßige Balance zwischen den Conferences zu halten.

Gleich in der ersten Saison der „neuen“ NFL holten sich die Colts die Krone zurück. Super Bowl V gilt als eines der schlechtesten Endspiele aller Zeiten. So schlecht, dass beim 16-13 über die Dallas Cowboys ein Spieler der Verlierer zum MVP gewählt wurde. Ein Unikum.

1973 wurde der Halbgott Unitas nach San Diego abgegeben, was die glorreichen Tage der Baltimore Colts beendete. Viel Geschichte, die in Baltimore geschrieben wurde. Viel Liebe, die der Mannschaft entgegen gekommen war. Aber nicht genug Liebe.

Mayflower Transit

Die Colts-Besitzerschaft wollte auf Teufel komm raus ein neues Stadion – und bekam es nicht. So geschah, dass in einer Nacht- und Nebelaktion am Morgen des 28. März 1984 eine Footballmannschaft aus Baltimore auszog. Und „ausziehen“ ist durchaus wörtlich zu nehmen. In den Trucks des Transportunternehmens „Mayflower Transit“ bewegte Owner Robert Irsay die komplette Footballmannschaft kurzerhand gen Indianapolis. Die berühmten Colts – ab in eine Motorsportstadt!

Während Baltimore danach über ein Jahrzehnt auf eine neue NFL-Franchise warten musste, wurden die Colts in Indianapolis sportlich nicht glücklich. Trotz eines Superstar-RB Eric Dickerson (Hall of Famer, gekommen von den Rams) gelang eine einzige Playoffteilnahme in 11 Jahren.

Einen Namen machten sich die Colts vor allem mit ihrer katastrophalen Draft-Politik. Mehrere #1-Picks erwiesen sich als Flops. 1992 durften die Colts gleich die ersten beiden Spieler im Draft auswählen. Beide waren Voll-Flops.

Die Colts von heute

Der 22. Dezember 1997 darf ruhig als Wendepunkt der Franchise angesehen werden. Es war der Tag, als die Colts Bill Polian zum General Manager machten. Polian war der Stratege hinter den Erfolgen der Bills und Panthers und verfolgte eine klare Philosophie: Auf den Skill Positions Superstars einkaufen und den Rest der Mannschaft einem klaren Coach-Konzept überlassen.

Erster Move: Mit dem #1-Pick 1998 QB Peyton Manning einkaufen. Manning ging blitzschnell mit dem jungen WR Marvin Harrison eine Symbiose ein und mit dem 1999 geholten RB Edgerrin James hatten die Colts das gewünschte Offensiv-Triumvirat.

Allein… Die jungen Colts spielten zwar begeisternd, aber in den Playoffs war meist schnell Schluss. 2002 wurde Defensivspezialist Tony Dungy Head Coach und die Colts jahrein-, jahraus Superbowl-Kandidat. Nach mehreren verheerenden Playoffschlappen schafften die Colts es 2006/07 endlich – und zwar mit untypischem, hässlichem Footballspiel.

Playoffs 2006/07

Für mich sind es die bisher krassesten Playoffs und die mit dem meisten Potenzial für Geschichtsstunden. Im Viertelfinale wurde ausgerechnet in BALTIMORE gewonnen, gegen die Ravens, und zwar mit Ravens-Football: Schmutzig, laufintensiv und defensivstark. Im Halbfinale schafften es die chronisch lethargischen Colts gegen Erzfeind New England zu einem Sensations-Comeback und gewannen ein fantastisches Spiel 38-34. Für mich eines der absolut spannendsten Sportereignisse überhaupt.

Superbowl XLI war hässlich und langweilig. Am Ende triumphierten die Colts gegen die Bears in der ersten Superbowl bei Regen. Und Dungy wurde zum ersten schwarzen Head Coach mit Superbowl-Ring. Und Manning war seinen Ruf als ewiger Looser los.

Seitdem…

…sind die Colts immer wieder knapp gescheitert. Mittlerweile ist der keimfreie Jim Caldwell Head Coach. 2009/10 hätten die Colts um ein Haar eine perfect season hingeknallt. Am Ende setzte es eine Niederlage in der Super Bowl XLIV.

Das Stadion

LucasOil Indianapolis Colts Stadium

Indy mag Retro-Look – ©Wikipedia

Nach langen Jahrem im RCA Dome sind die Colts vor ein paar Saisonen in das brandneue Lucas Oil Stadium (63.000 Plätze) umgezogen. Technisch zweifellos ein herausragendes Werk und auch optisch ein Hingucker. Aber eben auch eines dieser seelenlosen Schicki-Micki-Stadien mit verschließbarem Dach und außen im eleganten Retro-Stil auftretend. Clou sind die Fenster/Tore hinter den Endzonen, die sich öffnen lassen. Im Lucas Oil Stadium findet auch die alljährliche NFL Combine statt.

Rivalitäten

Größte Rivalität der Colts ist der Motorsport. Seit Peyton Mannings Ankunft ist Indianapolis aber schrittweise zur Football-Stadt geworden, was in der Stadt der Indy 500 als bemerkenswert gelten darf.

Historische, sportliche Rivalen sind die Giants (remember: 1958, 1959!) und der langjährige Divisionsrivale Miami. Heute haben sich neben den Ravens, die vor allem dank der Komponente „Baltimore“ zum Rivalen (aber hauptsächlich aus Sicht des Publikums in Baltimore) geworden sind, vor allem die New England Patriots als größter Konkurrent herauskristallisiert.

Obwohl ich eigentlich kein Faible für solche Dinge besitze: Patriots vs. Colts hat sich zu einem jährlichen Höhepunkt der Regular Season (und manchmal Playoffs) entwickelt. Die beiden besten Quarterbacks der Liga, zu Zeiten Dungys zwei der größten Coaches und zwei Mannschaften im permanenten Duell um die Titelkrone. Hier nachzulesen eine Chronik der besten Duelle in den letzten Jahren.

Gesichter der Franchise

Johnny Unitas – QB und Hall of Famer. Führte die Colts über ein Jahrzehnt an und gewann sogar einmal die Super Bowl, trotz allerdings grottiger Leistung.

Peyton Manning – QB. Man muss nicht allzu viel sagen. Gehört zu den besten QBs, die in der NFL herumlaufen. Seit Jahren – und bestimmt noch einige Jahre lang.

Edgerrin James – RB und lange Jahr integraler Bestandteil einer reibungslosen Angriffsmaschine. Den Titel holten die Colts allerdings genau ein Jahr nach James’ Abgang. Wie sehr man seine Dienste schätzte? Sie haben ihm trotzdem einen Ring anfertigen lassen – für die jahrelange konstante Leistung.

Tony Dungy – Head Coach, Sympath und der erste schwarze Cheftrainer mit Ring am Finger. Galt auch mit den Colts lange als zu träge, um zum Titel durchzumarschieren. Mittlerweile zurückgetreten und nur noch so was wie die moralische Instanz im Hintergrund des NFL-Geschehens.

korsakoffs Highlight

Regular Season 2009 gegen die Patriots – es war das beste Spiel der Saison 2009/10, als erst die Patriots die Colts nach Strich und Faden dominierten und dann die Colts ein wahnsinniges Comeback hinlegten. Am Ende bewies Patriots-Coach Bill Belichick, dass er Eier in der Hose hat und spielte bei Sechspunkteführung mit knapp über 2min auf der Uhr ein 4th down in der eigenen Hälfte aus – und scheiterte. Indianapolis konterte und siegte Sekunden vor Schluss 35-34 in einem fantastischen Footballspiel.

Eckdaten

Gegründet: 1953 als Baltimore Colts
Besitzer: Jim Irsay (Hauptberuf: Erbe)
Division: AFC South
Erfolge: NFL-Champ 1958, 1959, 1968, Superbowl-Champ 1970, 2006, Superbowl-Verlierer 1968, 2009, 23x Playoffs (19-19 Siege) – Stand 2013

Houston Texans in der Sezierstunde

Die nächste krass enttäuschende Mannschaft. Was hatte ich erwartet?     

Die Offense wird auch unter OffCoord Rick Dennison ein ähnliches Gesicht haben. Und das besteht in erster Linie aus Passspiel, in zweiter Linie aus Passspiel und in dritter Linie aus Passspiel. QB Schaub zu WR Johnson war zwei Jahre lang ein Gassenschlager, den kaum einer mitbekommen hat.

Am Ende war’s balancierter als erwartet. Grund dafür: RB Arian Foster, völlig unbekannter junger Spieler, der mit 1616yds und 16 Touchdowns Laufkönig des Jahres war. In Houston! Auch die Luftwaffe funktionierte: 4370yds, 24 Touchdowns für QB Matt Schaub. Auch angesprochener WR Andre Johnson glänzte nicht nur mit seiner Schlägerei, sondern auch mit 1216yds und 8 Touchdowns.

Problemzone war eine andere: Die Defense, besser: Die Verteidigung gegen das Pass-Spiel. Es war teilweise absurd, wie einfach diese Secondary auszuhebeln war – anzuschauen auf den vielen Tapes, die ESPN America zu den Texans-Spielen 2010/11 brachte. CB Dunta Robinson (war nach Atlanta gegangen) scheint doch wertvoller zu sein als gedacht.

„Wertvoll“ vor allem im Bezug auf den Aspekt der Erfahrung. Houstons Cornerbacks 2010/11: Kareem Jackson (Rookie), Sherrick McManics (Rookie), Glover Quin (2. Jahr), Brice McCain (2. Jahr) – bis dann in der zweiten Saisonhälfte noch CB Jason Allen aus Miami kam – auch eher ein Flop.

Texanische Rochaden

Kareem Jackson Houston Texans

Kareem Jackson - Foto: Wikipedia

N’bisschen Erfahrung dürfte in der Secondary nicht schaden. Vor allem Jackson gilt als völlig verunsichert, dank einiger problematischer Vorstellungen und vielleicht überzogener Erwartungen. Ob in der Secondary ein weiterer hoher Draftpick helfen würde? Ich bezweifle das mal – eher sollte man von irgendwo her einen brauchbaren Cornerback kriegen, der ein paar Jahre NFL gesehen hat.

Bei den Safetys sind die Probleme anders gelagert: QB-Killer Bernard Pollards Vertrag läuft aus, FS Troy Nolan gilt als Fehlbesetzung und möchte Strong Safety spielen – ein Zeichen, dass der katastrophale Deckungsspieler Pollard geht? Als neuen Free Safety will man einen der zig jungen Cornerbacks installieren – ob sowas gut geht?

Der neue Defensive Coordinator Wade Phillips wird auch die Front Seven verbessern müssen, und zwar personell. Aus Houston sickern immer wieder Gerüchte in meinen Mail-Ordner, dass Phillips gedenkt, einige Positionen umzustellen, u.a. Brian Cushing wieder als OLB (sehr gute Idee!) oder DE Mario Williams als Teilzeit-OLB (eher weniger gute Idee in meinen Augen).

Auf alle Fälle alles Versuche, die Defense mit dem vorhandenen Material hinzukriegen – und gute Spieler haben die Texans via Draft über die Jahre geholt. Cushing war 2009/10 sogar Rookie des Jahres, musste nach Koks-Geschichte und aus Verletzungsgründen aber zeitweise als ILB spielen. Dort wird ILB DeMeco Ryans nach überstandener Verletzung wieder zurückkehren – eine immens wichtige Verstärkung.

Sollte Cushing außen eingesetzt werden, fehlt immer noch ein zweiter starker OLB – ich gehe mal davon aus, dass Houston an #11 im Draft einen der vielen hybriden DE/OLBs einberufen wird.

Mindestens ebenso wichtig dürfte der Nose Tackle sein. Ich halte es für nicht ausgeschlossen, dass Houston via Free Agency einen NT holt – vielleicht hat Tommie Harris Lust auf Texas? Denn DT Amobi Okoye kam als extrem junger Spieler in die NFL – zu einer Zeit, als Houston noch 4-3 spielte, und selbst da war Okoye nie der erwartete Dominator. Houstons Problem – seit Jahren werden teure Defensive Liner gedraftet, aber bis auf Mario Williams hat keiner eingeschlagen.

In der Offense…

… ist man eigentlich nicht schlecht besetzt. Der Offensive Line könnte einen jungen Tackle brauchen, muss aber nicht sofort sein. Die Running Backs dürften auch hinter Foster ordentlich besetzt sein, und ein Steve Slaton gehört IMHO zu den sichereren Ballträgern.

Bei den Wide Receivers könnte in Runde 2 oder 3 ein Spieler dran sein – neben Andre Johnson gibt es eine Reihe von durchschnittlichen Receivers, aber keinen dominanten. Spannend könnte es an der Stelle werden, wenn A.J. Green oder Julio Jones wider Erwarten an #11 verfügbar wäre: Johnson und Jones als Wide-Receiver-Tandem – da kannst du auf der Stelle deinen Quarterback wegtauschen und einen Fan von der Tribüne in den Huddle holen, und er wird dir 30 Touchdowns pro Saison werfen.

Oder man nimmt Matt Leinart (ist aber RFA, könnte getradet werden, vielleicht nach Seattle?).

Kurzum:

Die Houston Texans haben ihre wunden Stellen, aber in einer Division im Umbau sind die Playoffs trotzdem nicht weit weg. Vielleicht sollten die Texans ihr Geld in die Entwicklung des Impfstoffs „Siegermentalität“ stecken – denn genau das ist es, was ihnen am meisten abgeht.

2011/12 sind IMHO die Playoffs absolute Pflicht – um endlich ernst genommen zu werden und nach fast einem Jahrzehnt NFL endlich mal an Profil zu gewinnen!

Es gibt noch weitere „Sezierstunden“. Und zwar hier.

Carolina Panthers in der Sezierstunde

Panthers

Die Sideline der Carolina Panthers - ©Flickr

Der Beweis meiner ultimativen Inkompetenz: Ich hatte die Carolina Panthers im Sommer als Divisionssieger in der NFC South getippt – und es so begründet: Ein viel versprechender QB Matt Moore, ein starkes Laufspiel und eine solide Defense gepaart mit nicht restlos überzeugender divisionsinterner Konkurrenz UND ein Coach in seinem letzten Vertragsjahr: John Fox. Weil bekannt war, dass Jerry Richardson keinen Coach hoch bezahlt, brauchte Fox eine gute Saison, um richtig abzukassieren. So weit meine Gedankengänge.

Mittlerweile weiß ich dank Tuesday Morning Quarterback, dass es da noch einen nicht unrenommierten Experten „da drüben“ gibt, der ähnlich dachte.

Kein Luck

Carolinas Laufspiel schmierte vom ersten Tag an ab, RB DeAngelo Williams und RB Jonathan Stewart hatten mit Verletzungen zu kämpfen und kamen nicht in Schwung. Dazu gesellte sich ein überraschend aktionistischer Head Coach John Fox, der schon nach wenigen Spielen Matt Moore absägte und dafür Rookie-QB Jimmy Clausen ins kalte Wasser warf.

Nun ist Clausen bei aller Arroganz und allem Brechreiz ja kein grottenschlechter Quarterback. Aber ein unerfahrener ich-weiß-eh-schon-alles-QB in einer kollabierenden und auf Laufspiel basierenden Offense – so was schreit nach Scheitern.

Clausen Bilanz liest sich fürchterlich: 52,5% Completion Rate, 102yds/Spiel, 3 TD, 9 INTs, 58,4 QB Rating, 1-9 als Starter, null Spiele mit mehr als 200yds.

Ich habe Carolina gegen New Orleans und Pittsburgh gesehen – zwei hohe Schlappen. Und zweimal erschreckende Offense Lines, vor allem über innen. Über Clausen hatte sich meist schon ein Blitz-Bündel hergemacht, bevor er überhaupt die Receivers ausgucken konnte. So verbrennst du jedes Quarterback-Talent.

Resultat: 2-14. Hätte nicht Arizona das Gnadengesuch angenommen und in Woche 15 das Spiel abgeschenkt, für John Fox hätte sich der Kreis geschlossen: Ein 1-15 Team übernommen, ein 1-15 Team abgegeben.

Carolina hatte wenigstens den Draftpick #1 – und dann blieb QB Andrew Luck überraschend am College. Für Carolina die gefühlte 15te Saison-Niederlage, mit drei Tagen Verspätung.

Der Draftpick #1

Zu diesem Thema den abgespaltenen Exkurs zu „Was mache ich mit Draftpick #1?“ von gestern. Hier entlang.

Executive summary: Ich verwehre mich gegen die immer mehr aufkommende öffentliche Meinung, es müsse ein Quarterback sein. Aus den vielen aufgelisteten Gründen. An Carolinas Stelle baue ich mir erst mal eine Defense zusammen. Ob Carolina auf den Rat hören wird?

Die Optionen an Draftpick #1, und zwar in dieser Reihenfolge:

1) Einen Tauschpartner suchen, um zusätzliche Picks zu bekommen, und später womöglich einen Offensive Tackle holen
2) Defensive Tackle Marcel Dareus draften (oder Nick Fairley)
3) Wide Receiver A.J. Green nehmen

Was es sonst noch braucht

Auf alle Fälle 1-2 Wide Receivers. Optionen für Clausen. Wenn nicht für Clausen, dann wenigstens für den Quarterback, der dann 2012 kommt. (Luck?) – (TE Shockey ist schon mal da.)

Alles, was Clausen mehr als 0,3 Sekunden Zeit zum Werfen gibt. (C Kalil bekam Franchise Tag)

Vertragsverlängerung für RB Williams. (Franchise Tag ist nicht möglich)

Verstärkung für die Secondary und die Defensive Line (v.a. im „Inneren“).

Kicker John Kasay (ist schon jenseits der 40) wird wohl noch weitermachen. Auf längere Sicht wird es aber Ersatz für den einzigen verbliebenen Original-Panther brauchen.

Ausblick

Carolina hat keinen Pick in der zweiten Runde: Der wurde vor einem Jahr nach New England getradet, um WR Armanti Edwards an #89 holen zu können. Edwards Bilanz 2010: 3x im active roster, 1 Lauf für 7 Yards. Wenn die Seuche drin ist…

Ich würde trotzdem zu gerne mit Head Coach Ron Rivera tauschen. Trotz der fehlenden Draftpicks, trotz des verflixten Free-Agent-Situation, trotz des knausrigen Owners Jerry Richardson: Eine Franchise, die am Boden liegt, lässt sich erstmal frei von allen Begleiterscheinungen aufbauen. Kein Spieler, auf den du Acht geben musst.

Ich hoffe bloß, dass Rivera davon absieht, einen QB an der #1 zu holen. Lieber erstmal die Rahmenbedingungen schaffen, um einem eventuell hoch bezahlten Quarterback überhaupt eine Halbwertszeit von länger als zwei Jahren zu ermöglichen.

Denver Broncos in der Sezierstunde

Denver Broncos 2010 – dank Josh McDaniels potenziell eine butterweiche Vorlage für einen Rundumschlag. Trotzdem der Versuch einer dezidierten Analyse.

Die Vorgeschichte

Es war Anfang Jänner 2009, als die Broncos zum x-ten Mal in Serie durch einen Leistungseinbruch gegen Saisonende (v.a.: Defense) die Playoffs verpassten. Reaktion: Der langjährige Coach und Superbowl-Champ Mike Shanahan musste gehen. Und Owner Pat Bowlen schleuste im Zuge des Jugendwahns zu dieser Zeit das OFFENSIV-Genie Josh McDaniels aus New England ein.

Eingeschoben das Geständnis: Ich fand den Move nicht übel. Vor allem nicht, nachdem ich diesen Artikel gelesen hatte.

According to coach Thom McDaniels, a reporter asked Josh what it felt like to be the guy who cost his team the game.

„He answered that he suspected God must’ve chosen him to be the guy that cost his team the game because he was strong enough to handle it,“ Thom says. „I was blown away that a high school senior could handle it that way.“

McDaniels legte von Beginn an ein merkwürdiges Kommunikationsverhalten an den Tag, verscherzte sich’s Franchise-QB Jay Cutler und WR Brandon Marshall. Im ersten Jahr ging es gerade noch gut, dank einer zu Beginn anständig spielenden Defense. Endergebnis: 8-8, weil wie in den Jahren zuvor die Defense gegen Saisonende kollabiert war – und der mittlerweile berüchtigte McDaniels am entscheidenden Spieltag auf WR Marshall verzichtete.

In der Offseason verscherbelte McDaniels nicht nur DefCoord Mike Nolan, sondern zudem einen 1st round pick für QB Tim Tebow – ein gewagtes Experiment, zumal im QB Kyle Orton recht formidabel gespielt hatte. RB Peyton Hillis wurde nach Cleveland verschoben (gegen QB Brady Quinn – ja, noch ein QB) und mutierte dort plötzlich zum neuen Stern am Himmel. Ach ja: CB Alphonso Smith, für den McDaniels ein Jahr zuvor einen 1st round pick verschenkt hatte, wurde quasi für lau nach Detroit abgeschoben.

2010/11

Die Broncos waren heuer ein Team mit zwei Gesichtern. Eine Offense, die extrem passlastig spielte – und entsprechend unkonstant. DVOA-Ratings: #15 overall, #9 Pass, #30 Lauf, #29 in der Konstanz. Konstanz im DVOA-Rating wird gemessen, um wie viel % die Werte Woche für Woche abwichen.

Extrem unbeständige Offense, dafür aber die konstanteste aller Mannschaften (geringste Varianz aller 32 NFL-Teams) in der Defense. Die konstant Schlechteste. Die Defensivbilanzen lesen sich so atemberaubend furchtbar, das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen:

Die absoluten Zahlen: #25 Passverteidigung, #31 Laufverteidigung
Die gewichteten Zahlen: #30 overall, #31 Pass, #29 Lauf
Pass-Defense: #32 Sacks (23 an der Zahl), #31 INTs (ganze 10), #32 in zugelassenen Big Plays (62 Pässe über 20yds!!), #31 in zugelassenem Pass Rating (gegnerische QBs polierten ihr Rating mit 93.0 auf)

Spiele mit 59-43-39-36-35-33-31 Gegenpunkten (fast 50% aller Spiele >30 Punkte zugelassen!). Gegen Oakland nach 22 Spielminuten mit 0-38 zurückgelegen. Ganze zweimal weniger als 20 Punkte kassiert.

Seit die NFL 2002 aufgestockt wurde, hatten 32 Teams 8 Jahre lang die Chance, möglichst viele Punkte zuzulassen. Macht 256 Möglichkeiten. Nur zwei Teams haben in diesem Zeitraum mehr Punkte in einer einzigen Saison kassiert als Denver in dieser (nämlich genau 471, also fast 30 pro Spiel): Detroit 2008 und Detroit 2009. ’Nuff said.

Kollateralschäden

Die Broncos haben eine 4-12 Bilanz hingelegt, Josh McDaniels ist mittlerweile in St Louis bei dem, was er vermutlich vorerst besser kann (Offensive Coordinator), John Fox in Denver, um eine in Schutt und Asche liegende 3-4 Defense wieder rückzukonvertieren in eine 4-3 und die NFL um eine Erfahrung reicher: Ich denke nicht, dass der Kiffin/Mangini/Linehan/McDaniels-Trend, junge Coaches nach zwei Jahren Coordinator-Erfahrung zum Chef zu befördern, anhalten wird (Positiv-Beispiel Tomlin mal ausgenommen).

Dazu kommt ein schwerer Imageschaden der dem Coach am Ende das Genick brach – Spygate II – auch hier war McDaniels nicht klüger als Mentor Belichick. Wie viel mehr Unheil man in nicht ganz 23 Monaten an einer NFL-Franchise anrichten kann?

Als wäre das alles nicht schlimm genug, ist auch noch ein Toter zu beklagen (Selbstmord WR McKinley).

Wohin geht die Reise?

Fox halte ich trotz 2-14 in Carolina für einen Top-Coach, der die Defense wieder auf Trab bringen wird. Ich habe zu Beginn meiner Football-Zeit erlebt, wie Fox Carolina aufgebaut hat: Die Defense beginnt mit einer dominanten Front Four, dazu ein Top-MLB und solide Secondary.

Die Schlüsselstellen sind aktuell offen wie die Wunden, die McDaniels hinterlassen hat. Defensive Tackle zum Beispiel. Wird Denver Fairley an der #2 draften? Oder Dareus? Material für eine 4-3 Defense ist kaum vorhanden. Dazu muss DE Dumervil schnell wieder fit werden – aber ich frage mich, ob Fox mit dem eindimensionalen (Pass Rusher) Dumervil so seine Freude hat?

Die Linebackers haben durch Dumervils Re-Konvertierung (vom 3-4 OLB zum 4-3 End) andere Probleme: D.J. Williams [Madden-NFL-Hero!] wird dringend als OLB gebraucht, muss vermutlich aber als ILB spielen. Von daher: Fox ist auf der Suche nach seinem neuen Morgan.

Was ist mit der Secondary? Jüngst wurde der 33jährige CB Champ Bailey für teures Geld gehalten. CB Perrish Fox war ebenso Starter, steht aber kurz vor jahrelanger Einknastung (wegen Vergewaltigung). SS Brian Dawkins, jahrelang einer meiner Favoriten bei den Eagles, wird 38 und damit nicht mehr allzu lange spielen. Denver draftet an #2 – neben DT ist auch CB möglich, weil mit Patrick Peterson von der LSU einer der meist-gehypten Verteidigungsspieler bereit stünde. Peterson ist auch ein guter Returner.

In der Offense sind die Probleme anders gelagert: Was machen mit den Quarterbacks? Der kultige Kyle Orton ist zwar kein Franchise-QB, wäre aber trotzdem brauchbar – wenn da nicht QB Tim Tebow wäre, dem man offenbar das Vertrauen schenken will. Aber Tebow ist kein guter QB für die NFL und wird mit höchster Wahrscheinlichkeit als einer der besten College-Spieler ever nicht lange Land sehen in der NFL. Problem bei Tebow: Zusätzlich zur langen Aufbauzeit (sein Wurfstil ist immer noch katastrophal), muss die Offense recht stark auf seine Fähigkeiten abgestimmt werden.

Tebow ist Linkshänder. Das bedeutet, der rechte Tackle kriegt zusätzliche Bedeutung. RT Ryan Harris wird die Broncos aber verlassen. Eine weitere Baustelle also. Und: Fox ist aus Panthers-Zeiten gewohnt, viel laufen zu lassen. Gute Running Backs hat Denver aber keine.

Fazit

Denver ist ein Scherbenhaufen. Etwas, mit dem John Fox umgehen kann. Außerdem ist durch die Installierung John Elways (als „Vice President“ der Footballabteilung…) ein Gesicht am Werk, das massivste Aufmerksamkeit auf sich lenken wird. Dieser Katalysator wird Fox einige Zeit für ruhigeres Arbeiten geben. Außerdem dürften die Erwartungen eher eine Meile unter dem Meer liegen als drüber, und alles über „4-12“ als Erfolg gewertet werden.

Vielleicht hat die Ära McDaniels dann doch noch was Gutes: Eine dahin siechende Franchise komplett zertrümmert und somit den Weg für einen „richtigen“ Neuaufbau geebnet…

Auch andere Mannschaften sind in der Sezierstunde auseinandergenommen worden – hier zu finden. Oder mit den Tag Sezierstunde arbeiten.

NFL Combine – Wenn Hundertstel über Millionen entscheiden

Die NFL Combine ist, wie wir mittlerweile wissen, ein Präsentierteller: 300 der besten College-Spieler, die in verschiedenen Prüfungen um die Verbesserung ihres Draft-Statuses kämpfen. Heute: Die Tests zur Athletik.

Tom Brady, QB PatriotsLinks im Bild:

QB Tom Brady, ein zierlicher Average Joe und No-Name von der University of Michigan. Das war 2000. Bradys Geschichte ist bekannt. Und bezeichnend. Denn niemand traute ihm überhaupt eine mittelmäßige NFL-Karriere zu.

Diesem Teil der Combine fehlt nur das Knastkärtchen, das die Spieler hinhalten müssen: Sie werden der Öffentlichkeit in Schwimmhosen präsentiert, grimmig dreinblickend, um Größe und Gewicht bestimmen zu können. Nicht jeder ist so zierlich wie Brady. Weil auch Defensive Tackles halbnackt auf die Waage müssen, machte sich vor einem Jahr Terrance Cody zum Gespött der Nation. Wegen solcher Bilder.

Die Messungen sind wichtiger als angenommen, selbst wenn man die Messwerte von der Uni bereits kennt. Kommt ein Spieler zum Beispiel mit Übergewicht daher, wird ihm unter Garantie „lack of work ethic“, also fehlende Grundeinstellung zum Spiel vorgeworfen.

40 Yards Dash

Die Königsdisziplin – und IMHO die meist überschätzte Sichtungskomponente überhaupt – quer durch alle Sportarten: Der Sprint über die 40 Yards. Rennt der Spieler nun 4,46 oder 4,49?

Dabei wissen NFL-Scouts ungefähr, was sie von einem Athleten erwarten können. Und zu 90% bringt der Sprint über die 40yds (also 36,6m) bei der Combine dann auch keine Überraschungen. ABER: Sollte mal ein Spieler einen Ausreißer nach unten oder oben haben (und ich rede von einer Zeitdiskrepanz von maximal +/- 15 Hundertstel), darf als sicher angenommen werden, dass der Spieler in einer anderen Runde als ursprünglich angenommen gedraftet werden wird.

Beispiel: Running Back X, der als Top-15 Spieler gilt und von dem 4,40 Sekunden erwartet werden, schafft nur eine 4,54. Das Theater ist jedes Jahr aufs Neue köstlich, X wird „lack of elite speed“ nachgesagt und X wird womöglich 10-20 Plätze im Draft nach hinten fallen. So sind die Mechanismen im NFL Draft.

Zusätzlich zur Endzeit werden zwei weitere Zeiten abgenommen – nach 10yds und nach 20yds. Beide Zeitnehmungen sollen Aufschluss über die Antrittsschnelligkeit eines Spielers geben. Was an der Zeitnehmung wichtig ist: Der Athlet kann starten, wann er will. Er muss nicht auf den Startschuss warten, also ist bsp. in 4,62s keine Reaktionszeit impliziert.

Der 40yds Dash ist besonders für vier Positionen wichtig: RB, WR, CB und Kick-Coverage. Davon sind die 40 Yards auch ursprünglich abgeleitet: Ein Punt ist im Schnitt 40yds in der Luft, was 4,5 Sekunden im Schnitt dauert. Mittlerweile ist die Zeit zum Großteil nur mehr da, damit sich Medien das Maul fusselig reden können und der eine oder andere Athlet mit künstlich antrainierter 40 Time die eine oder andere Bonus-Million einsacken kann.

Es soll in diesem Jahr einen Linebacker (!) von den Nevada Wolfpack – Dontay Moch – geben, der am College angeblich 4,19s gelaufen ist. Ein Linebacker!! Sollte der Mann in der Combine auch nur irgendwo in diesen Zeitregionen unterwegs sein, hat er ein paar Hunderttausender in weniger als viereinhalb Sekunden verdient: Denn den bisherigen Rekord hält mit 4,24s RB Chris Johnson. Der galt übrigens als zu klein für die NFL – und die 40yds-Zeit hat ihn überhaupt in Runde #1 katapultiert. Also doch noch positives Beispiel für die Wertigkeit der 40 Time.

Cone Drill/Shuttle Run

Zwei Tests, um die Explosivität und Agilität eines Spielers zu testen – etwas, mit dem Barry Sanders seine hellste Freude gehabt haben dürfte. Es handelt sich um nichts anderes als um Tests, bei denen Spielers um Hütchen („Cones“) herum oder zwischen zwei Punkten hin und her laufen (Shuttle Run).

Broad Jump

Der Weitsprung aus dem Stand. Hat im Prinzip nichts mit Football zu tun, ist aber für die Scouts eine Möglichkeit, die Power in den Oberschenkeln zu messen. Denn am Ende muss der Athlet stehen bleiben. Die allerbesten NFL-Spieler kommen heute gefährlich nahe an den Weltrekord (3,71m) heran (Combine-Rekord: 3,37m).

Vertical Jump

Der Hochsprung aus dem Stand – und eine interessante Disziplin. Wenn man bedenkt, dass Basketballprofis, für die es essenziell wäre, Stichwort Dunking, im Schnitt 70-75cm schaffen, und der Combine-Rekord bei sensationellen 1,16m (46inches) liegt, könnte man den einen oder anderen Footballprofi in die NBA transferieren. Football-technisch vor allem für Wide Receivers und Cornerbacks interessant.

Bench press reps

Die Bankdrücker. Nope, es geht nicht um Nachsitzen.

Hier werden 225-Pfund-Gewichte gestemmt – was 102kg entspricht. Offense und Defense Liner sind im Zentrum des Interesses, aber auch Tight Ends und Linebackers. Nur ganz wenige schaffen 35 und mehr Reps (Wiederholungen), und der Rekord liegt bei sensationellen 51reps! 51x 102kg gestemmt – das hat Justin Ernest vor 12 Jahren gepackt. Und wird so schnell nicht übertrumpft werden.

Position-Drills

Dazu gibt es allerhand Übungen für die einzelnen Positionen, z.B. für Quarterbacks, die zeigen müssen, dass sie präzise allerhand verschiedene Routen werfen können (z.B. Slants, Outs, tiefe Bälle). Zusätzlich wird auch ganz gerne mal die Arm strenght gemessen, also wie weit ein Quarterback den Ball das Spielfeld runterfeuern kann.

Es war zwar nicht in der Combine, aber vor ein paar Jahren fiel der Quarterback der Louisiana State University auf die Knie und pfefferte so den Ball 60 Yards durch die Luft. 60 Yards. Kniend. Scouts spielten verrückt. Medienvertreter mussten schon ganz tief in der Kiste mit den Superlativen kramen, um sich gegenseitig noch übertrumpfen zu können. Ein Superstar war geboren. Sein Name: Jamarcus Russell…

Liveblog NFL #13: Tampa Bay Buccaneers – Atlanta Falcons

[01h19] Endstand Tampa Bay 24, Atlanta 28. Für Tampa ist der Spielausgang schwer zu verdauen. 7-5 könnte im Wildcard-Rennen zu wenig sein. Zumal dieses Spiel hätte gewonnen werden müssen.

Der Kickoff-Return-TD war am Ende entscheidend. Atlanta ist mit einem dicken, blauen Auge davongekommen, muss aber immer noch daheim gegen die Saints gewinnen für Divisionssieg und NFC #1.

[01h25] Das Referee-Wohlwollen hat gedreht. Jetzt eine Serie von zweifelhaften Entscheidungen zu Ungunsten der Buccs. Am Ende wurst, weil CB Grimes mit einer großen INT das Spiel entscheidet. Kein Fehler von Freeman. Sondern stark von Grimes.

Der Ball berührte wahrscheinlich den Boden. Dieses Mal lässt der Ref die Entscheidung aufrecht. Und Mike Perreira liegt erstmals falsch!

[01h25] Verlegener Blick nach Indianapolis: Die Colts haben tatsächlich ihr Heimspiel gegen die Cowboys verloren. QB Manning mit VIER Interceptions (eine davon in Overtime) kurz vor dem entscheidenden Field Goal. Manning hat damit in drei Spielen ZEHN Interceptions geworfen. Z-e-h-n. Manning.

[01h19] Tampa Bay 24, Atlanta 28. Dieser Drive hatte Drive. Unterstützt von einer personal foul Strafe ging das jetzt klein-klein und immer ein paar Yards in Richtung Endzone. 4:31 Minuten vor Schluss QB Ryan mit dem Pass links hinaus zu WR Jenkins.

In diesem Drive machten mal zur Abwechslung nicht die Falcons die Strafen. Sondern die Buccs.

[01h12] Mike Smith wird mit den Zebras definitiv keinen mehr heben gehen. Ball touched the ground wird hier einigermaßen zweifelhaft ausgelegt. Gut für Smith, dass WR White einen Play später einen weiteren spektakulären Catch macht – der sogar zählt!

[00h58] Tampa Bay 24, Atlanta 21. Wir erleben ein Revival. Im „Hinspiel“ gab’s fast die idente Situation, damals mit vertauschten Trikots. Diesmal trägt #14 Eric Weems die Schweinehaut über 102yds sofort zum Touchdown zurück.

[00h56] Tampa Bay 24, Atlanta 14. Es wird für Atlanta nicht einfacher. RB Blount wird nach langem Lauf grade noch gestoppt. Zwei Plays später kramt Morris den Halfback-Pass aus der Trickkiste. RB Graham auf TE John Gilmore.

[00h53] Zweite INT durch QB Ryan. Abgefangen von Safety Corey Lynch in seinem ersten NFL-Start. Pech für Atlanta: Fast identische Situation wie vorhin. Diesmal wird die INT nicht zurückgenommen.

[00h42] Aktuell streckt sich das Spiel ziemlich. Keine Offense kann entscheidendere Akzente setzen. Raheem Morris’ Wahl, das Field Goal zu nehmen, gewinnt an Substanz.

[00h22] Verdammtes Glück für Tampa. QB Freeman wirft einen Ball direkt in Richtung CB Grimes. Grimes macht einen artistischen Catch zur INT, aber die 0,04 Sekunden, die der Ball den Boden berührte, reichen zur Zurücknahme der Entscheidung aus.

[00h07] Tampa Bay 17, Atlanta 14. Zwei Beobachtungen: RB Blounts Willensleitung. Und gute Entscheidung, nicht zu challengen. Bei solchen Situationen haben die Refs heuer den Tick, aufgrund fehlender Beweislage den Call aufrecht zu lassen.

[23h56] Manning-Watch. Es spielt also doch Peyton. Nach zwei INTs zu Beginn jetzt zwei TDs, und die Colts nur mehr 14-17 zurück.

[23h41] Tampa Bay 14, Atlanta 14. QB Ryan leitet mit einer völlig überflüssigen Interception den Drive ein – direkt in die Arme von FS Sean Jones. Die wenigen Yards legt Tampa rechtzeitig vor Halbzeit zurück. TD durch WR #19 Mike Williams. Und die anschließende Schlägerei war auch seit Stunden absehbar. Einer wird heute noch ausgeschlossen.

[23h27] Tampa Bay 7, Atlanta 14. Leicht geht es nicht für Atlanta. Aber dank einer Idiotie von DT McCoy bleibt der Drive am Leben – und wird zum Touchdown auf FB Mughelli abgeschlossen. McCoy erhält den Drive mit einem Schubser gegen einen Falcon am Leben, einen Play nach einer Rangelei der Kollegen White und Moore.

[23h02] Peyton Manning scheint sich einen nervösen Abzugsfinger angelacht zu haben: Zuletzt sieben INTs in zwei Spielen, und auch heute schon wieder zwei in EINEM Viertel gegen Dallas. Indianapolis unterwegs zu einer Blamage in Dallas.

[22h54] Tampa Bay 7, Atlanta 7. Die Buccs erinnern uns daran, wie viele Playmakers da eigentlich am Werk sind. Ein langer Drive und jeder Offensivspieler durfte mal ran. Lauf, Pass, Trickplay, Scramble. Am Ende schließt Ex-Duck Legarrette Blount ab. Ein gutes Wochenende für Oregons Footballprogramm.

[22h40] Tampa Bay 0, Atlanta 7. Äh… Schrieb ich von „verbesserter Lauf-Defense“ bei Tampa? RB Turner pflügt sich konstant zu 8-10yds pro Lauf. Die Defense reagiert zudem sehr aggressiv auf Play-Action und TE Gonzalez mit zwei perfekten Catches. Fertig sind die Zutaten für einen sauberen Touchdown-Drive, abgeschlossen durch Turner.

[22h30] Drei Erkenntnisse aus Tampa: Die Falcons spielen nach dem Ausfall von RB Snelling nur mit einem einzigen Running Back (Michael Turner) gegen die verbesserte Buccs-Laufdefense.

Tampa spielt erfrischenden Football. Im Stadion sind die Ränge trotzdem recht „gelichtet“.

Und Raheem Morris liegt viel, sehr viel am ersten Drive: Zwei Timeout genommen und am Ende die Falcons erstmal gestoppt.

[22h19] Roundup einiger 19h-Spiele:

New Orleans 34, Cincinnati 30. Die Saints entscheiden sich eine halbe Minute vor Schluss, statt Ausgleich auf Sieg zu spielen. Das 4th down „glückt“ dank Offside-Strafe (!) gegen die Bengals. Wie auch anders, Cincy? Und der knappe Sieg ist eingefahren. Die Saints damit bei 9-3.

Minnesota 38, Buffalo 14. Brett Favre reichte sein einziger Pass-Versuch, um seinen NFL-Interception-Rekord in die Höhe zu schrauben. Nach einem harten Hit musste Favre runter. Insgesamt sehr fehlerträchtiges Spiel: Je vier Turnovers.

Chicago 24, Detroit 20. Bei eigener Führung spielten die Lions ein 4th down in der gegnerischen Hälfte aus. Das glückte nicht und die Bears konterten prompt mit dem Sieg-Touchdown. Cutler trotz starker Defense Line der Lions mit einer sehr soliden und vor allem fehlerarmen Partie. Die Bears damit bei 9-3.

Green Bay 34, San Francisco 16. Big Plays via Luftweg machten San Francisco nieder. Ich bin gespannt, wen die 49ers im Jänner als neuen Head Coach einstellen werden, und ob sie ihre Philosophie wieder mehr auf QB und Passspiel ausrichten. Packers damit bei 8-4.

N.Y. Giants 31, Washington 7. Die Skins-Saison ist im Arsch. Von den Giants in Grund und Boden gelaufen. RB Bradshaw durfte die Arbeit machen, RB Jacobs die Yards. Touchdowns machten beide jeweils zwei. Ansonsten sehr langweiliges Spiel. Giants mit 8-4 gleichauf mit Philadelphia.

[22h00] Clint Stitser: Der Mann hat bis Ende November für eine Immobilienmakler-Firma in Reno, Nevada gearbeitet und bei Facebook fleißig Angebote reingestellt.

Anfang der Woche haben die Bengals den Mann eingekauft. Erst versemmelte er einen P.A.T. Jetzt macht er das Field Goal zum 30-27. Aus 47yds!

[21h55] Cincinnati hat mittlerweile ausgeglichen und ist nach einer Serie an Sacks gegen QB Drew Brees drauf und dran, selbst in Führung zu gehen. Fünfeinhalb Minuten noch zu spielen.

[21h41] N’Abend. Heutiges Thema: Die NFC South. New Orleans ist aktuell auf der Siegesstraße gegen Cincinnati. Für zwei Mannschaften ist das wichtig: Tampa Bay und Atlanta. Die beiden spielen um 22h15 gegeneinander.

Tampa spielt seit zwei Wochen extrem gute Defense: Laufspiel ist schwierig geworden (81.5 yds/Spiel) und die Buccs sacken viel (10 Sacks in zwei Spielen, nach 8 in den ersten 10 Wochen). Atlanta hatte bisher beides: Gute Offense Line, noch besseres Laufspiel.

Ich bin gespannt.