Samstagspreview – Woche 5

Guten Morgen. Weiterlesen

Gerichtlich geklärt: College-Football ist kein Amateursport mehr

Vergangene Woche ist in den Vereinigten Staaten ein Urteil verkündet worden, das den College-Sport kurzfristig wenig, aber langfristig massiv verändern wird: Das Urteil im Fall der kartellrechtlichen Klage O’Bannon vs. NCAA [Wikipedia][USA Today]. Eine Zusammenfassung. Weiterlesen

„Nie dagewesene“ NCAA-Strafe gegen Penn State

Update Mo 23.7.2012/20h14: Der Artikel über die heute Nachmittag ausgesprochenen Strafen ist online.

Die NCAA hat für morgen Montag, 15h MESZ eine Pressekonferenz einberufen, auf der der NCAA-Präsident Mark Emmert die Strafen seitens der NCAA zum grausigen Falle „Sandusky“ gegen das Sportprogramm der Penn State Nittany Lions aussprechen wird (die Verkündigung wird auf NCAA.com live gestreamt).

Das Internet ist aktuell voll von Ankündigungen, dass die Strafe „unprecedented“ (frei übersetzt: beispiellos) sein wird, was schon allein deswegen bemerkenswert ist, weil die NCAA im Normalfall hinter verschlossenen Türen arbeitet und bis zur klammheimlichen Verkündigung nichts nach außen dringen lässt.

Es stellt sich bei kurzer Recherche heraus, dass sich sämtliche Quellen auf die Aussage eines profilierten CBS-Investigativreporters (Armen Keteyian) zurückführen lassen; Keteyan gilt als höchst vertrauenswürdig und stets exzellent informiert und ist nicht dafür bekannt, heiße Luft zu produzieren.

Temporärer Todesstoß

Es wird seit einiger Zeit über das Damoklesschwert „Death Penalty“ (Ausschluss des Sport- oder Footballprogramms vom NCAA-Spielbetrieb) diskutiert, und tatsächlich wollte Emmert in den vergangenen Tagen ein solches nicht ausschließen. Die NCAA-Regeln sind für Fälle wie „Sandusky“ nicht präzise genug definiert und schweben irgendwo im luftleeren Raum, aber es gäbe ein Hintertürchen, das die Death Penalty möglich machen würde: Höchst unethisches Verhalten und mangelnde Kontrolle seitens der Universitätsführung, und zwar in so gravierendem Ausmaß, dass der Ausschluss ohne Vorwarnung passieren könnte.

Dazu würde passen, dass vor dem legendären Beaver Stadium an diesem Wochenende unter Protesten das Paterno-Denkmal erst verhüllt und dann abmontiert wurde.

Unkonventionelle Entscheidungen

Es gilt jedoch als keineswegs geritzt, dass die NCAA die Death Penalty aussprechen wird, und aktuell deutet in State College nichts darauf hin, dass Heimspiele im Herbst bereits abgesagt worden sind. Bliebe auch die Frage, warum die NCAA über solche Fälle entscheidet und nicht die Justiz. Und wirklich sinnvoll erscheint eine Zusperrung von einem Jahr (oder zwei Jahren) dann auch nicht (man beachte auch, dass die Big Ten Conference dann plötzlich ihres Championship-Spiels beraut sein könnte).

Vielmehr könnte die Strafe unkonventionell sein – so unkonventionell, wie dass Emmert einen auf Goodell macht und ohne große NCAA-Ausschüsse einfach mal (überstürzt?) eine Strafe in die Welt posaunt. Eine Strafe, die Signalwirkung haben könnte und Selbstverständnis wie Außendarstellung der NCAA für künftige Fälle massiv verändern könnte.

Nicht ausgeschlossen, dass Penn States Footballprogramm ein oder mehrere Jahre als Nonprofit-Organisation auftreten muss, mit Fonds für die Geschädigten bzw. zur Prävention – Fonds, die von den mit Penn States Football generiertem Umsatz gefüllt werden.

Andere Quellen – wie zum Beispiel Yahoo – sollen erfahren haben, dass die Strafen Ausschlüsse von Bowls und Streichungen von Stipendien von empfindlichem Ausmaße betreffen könnten.

Man kann Stand heute nur spekulieren, was morgen an Strafen ausgesprochen werden wird. Es deutet allerdings viel darauf hin, dass sie die Zukunft von Penn State massiv beeinflussen werden und seitens der NCAA ein Präzendenzfall geschaffen werden wird (ein Präzendenzfall ist bereits, dass die NCAA überhaupt über diesen Fall entscheidet und dann auch noch auf die Art und Weise, wie sie zustande gekommen ist).

Über die persönlichen Strafen gegen Sandusky und diverse hochrangige, noch lebende Vertreter der Universitätsleitung werden die Gerichte entscheiden.

Nach dem BCS Championship Game 2012

Nach der Demontage im National Championship Game sind die LSU Tigers in beiden „großen“ finalen Rankings an #2 zurückgefallen und als Schmähung obendrauf bekamen die Oklahoma State Cowboys sogar mehr 1st place votes (4) als die Tigers (1) – der National Champion ist nach der großartigen Finalvorstellung wie vor zwei Jahren Alabama. In beiden Rankings stehen zudem Oregon an #4 und Arkansas an #5. Nachfolgend die beiden großen Polls von AP und USA Today (Coaches Poll):

Rk    AP POLL                    USA TODAY/COACHES POLL
#1    Alabama           12-1     Alabama           12-1
#2    Louisiana State   13-1     Louisiana State   13-1
#3    Oklahoma State    12-1     Oklahoma State    12-1
#4    Oregon            12-2     Oregon            12-2
#5    Arkansas          11-2     Arkansas          11-2
#6    USC               10-2     Boise State       12-1
#7    Stanford          11-2     Stanford          11-2
#8    Boise State       12-1     South Carolina    11-2
#9    South Carolina    11-2     Michigan          11-2
#10   Wisconsin         11-3     Michigan State    11-3
#11   Michigan State    11-3     Wisconsin         11-3
#12   Michigan          11-2     Baylor            10-3
#13   Baylor            10-3     TCU               11-2
#14   TCU               11-2     Houston           13-1
#15   Kansas State      10-3     Oklahoma          10-3
#16   Oklahoma          10-3     Kansas State      10-3
#17   West Virginia     10-3     Virginia Tech     11-3
#18   Houston           13-1     West Virginia     10-3
#19   Georgia           10-4     Southern Miss     12-2
#20   Southern Miss     12-2     Georgia           10-4
#21   Virginia Tech     11-3     Cincinnati        10-3
#22   Clemson           10-4     Clemson           10-4
#23   Florida State      9-4     Florida State      9-4
#24   Nebraska           9-4     Nebraska           9-4
#25   Cincinnati        10-3     Brigham Young     10-3

Die Titelvergabe 2011/12 fühlt sich einmal mehr nicht zufriedenstellend an. Das Endspiel machte auf erschreckende Art und Weise nun auch im Ergebnis deutlich, wie überlegen Nick Sabans Alabama den LSU Tigers wirklich war, aber es bleibt der fade Beigeschmack, wie es überhaupt zur Einladung der Crimson Tide nach der Niederlage in der Regular Season gekommen war. So bleibt das wahre Erbe dieses Endspiels vermutlich ein anderes: Dass es die Bowl Championship Series in ihrer aktuellen Form womöglich endgültig begraben hat.

Dieser Tage gibt es intensive Treffen mit den Vertretern der einzelnen Conferences im College-Sport, und wie in den letzten Tagen immer wieder durch drang, ist ESPN zu einer treibenden Kraft hinter dem Einriss dieses zweifelhaften Systems geworden. Grund dafür ist das Geld: Der BCS-Vertrag läuft 2014 aus. ESPN befürchtet in den folgenden Verhandlungen einen Einstieg von NBC oder FOX und hat ein Interesse daran, das Produkt „College Football“ und „Post Season“ preislich so aufzujazzen, um die Konkurrenz a priori auszustechen. Mehr dazu bei Outkick The Coverage.

Es kursieren mehrere Modelle für ein Playoff und noch ist nicht abzusehen, worauf die Sache hinausläuft. Zwei Szenarien in Kurzfassung:

  • Plus One: Hieße, die Top-4 der Rangliste werden ein Halbfinale bestreiten, um eine Woche später den National Champion in einem separaten Finale auszuspielen. Als Halbfinals könnten die Fiesta Bowl oder Orange Bowl „herhalten“. Größter Gegner des „Plus One“ ist der alternde Commissioner der Big Ten Conference, Jim Delaney, der die Zeit in die 50er zurückdrehen möchte und um die heilige Kuh „Rose Bowl“ fürchtet und das System ablehnt, da es als Büchse der Pandora ausgeweitet werden könnte, da möglicherweise zu erfolgreich.
  • „Richtiges Playoff“: Mehrere Playoffrunden bis zum Endspiel mit einem parallel weiterlaufenden Bowl-System, das wie beim Plus One abgekoppelt nebenher fristen kann. Größtes Problem einer Playoff-Serie ist die Anzahl der Spiele: Die Regular Season müsste unweigerlich verkürzt werden (15+ Spiele hält man an der Uni richtigerweise für unverantwortlich), was den Universitäten Einnahmeverluste bringen wird, die nur das Fernsehen ausgleichen könnte – wodurch unweigerlich die Schere zwischen Arm und Reich größer würde und mehrere Conferences in Bälde zu kollabieren drohen. Zweites Problem: Der Selektionsprozess. Kriegen alle Conference-Champions eine automatische Qualifikation und was passiert mit den Independents? Und wer selektiert? Weiterhin mit die Coaches, die über ihr eigenes Schicksal abstimmen dürfen, weiterhin unbekannte Computerformeln oder doch ein kleines Komitee?

Es wird noch viel gestritten und diskutiert werden. Eine ganz gute Zusammenfassung des Geschachers gibt es bei NOLA.com.

Möglicherweise ist der jetzt einsetzende Prozess der erste Dominostein, der die Landschaft im US-Universitätssport früher oder später radikal verändern wird: Der Trend geht klipp und klar gen „Super-Conferences“ und während die Reichen reicher werden und die Armen ärmer, wird es irgendwann früher oder später eine Ausdünnung in der Spitze der FBS geben. Und kein Mensch vermag zu sagen, wie lange sich dann noch das Kartell der NCAA halten wird können – jenes Kartell, dessen Existenz darauf gründet, dem aus der Not geschaffenen Student Athlete weiterhin seine Rechte zu kastrieren.


Ausblick für 2012/13

Nachdem der vergangene Herbst im College Football recht einhellig als Desaster auf allen Fronten (sportlich/politisch/Penn State) abgetan wird – ich schließe mich da ausdrücklich aus -, wird 2012/13 eine vermutlich spoilerfreie Zone für die BCS: Die beiden großen BCS-Buster (neben Utah) der vergangenen Jahre, Boise State und TCU, werden keine Gefahr stellen: TCU, weil es mit seiner jungen Defense und QB Pachall in die Big 12 Conference wechselt und selbst Teil des „Systems“ wird, Boise State, weil es einen massiven Umbruch durchstehen muss.

So wird in der Spitze des College Football nächste Saison neben den üblichen Verdächtigen auch wieder eine alte Großmacht zurückerwartet: Die USC Trojans von Großmaul-Chefcoach Lane Kiffin, bei denen QB Matt Barkley im Team bleibt. In der Pac-12 kommen dazu neben Oregon noch spannende Mannschaften aus dem Bundestaate Washington auf: Die Washington Huskies aus Seattle spielen einen gepflegten Ball in der Offense und die Washington State Cougars aus dem Hinterhof von Pullman haben mit Mike Leach den vielleicht interessantesten Coach im College Football angeheuert: Erleben wir dank „Air Raid“ bald wieder 4500yds-Passsaisons?

In der Big Ten Conference erwartet man, dass Urban Meyer Ohio State schnell wieder an die Spitze führen wird, wobei die Buckeyes ein Jahr Bowlsperre absitzen werden müssen. Bleibt der große Rivale Michigan, dem man mit gemischten Gefühlen entgegensieht, Stichwort QB Denard Robinson: Spektakulär bis zum Anschlag, aber auch Garant für wechselhafteste Offensivvorstellungen.

In der durchwachsenen ACC sollen zum fuffzigsten Mal in den letzten zehn Jahren die Florida State Seminoles an alte Glanzzeiten anknüpfen können, während Clemson (starke Offense) und Virginia Tech (gute Defense + QB Logan Thomas) als größte Rivalen erwartet werden und die Miami Hurricanes boosterbedingt einer ungewissen Zukunft entgegensehen.

Die Big 12 Conference dürfte 2012/13 wieder einen ernsthaften Anlauf der Texas Longhorns sehen, wobei Oklahoma dank der Rückkehr von QB Landry Jones ebenso Anwärter bleiben wird wie vielleicht die neuen TCU Horned Frogs. Oklahoma State verliert vermutlich vorerst zu viele Leistungsträger. Spannend werden die Kansas Jayhawks nach der eigenartigen Verpflichtung von Charlie Weis und die West Virginia Mountaineers, wo Chefcoach Dana Holgorsen ein Wiedersehen mit den Passfeuerwerken der Big 12 erleben wird.

Bleibt die SEC, die heuer erstmals seit Ewigkeiten mal wieder das BCS National Championship Game verlor. Mit Mizzou und Texas A&M werden zwei Neulinge begrüßt, deren sportliche und kulturelle Bereicherung noch in den Sternen steht. Für 2012/13 erwartet niemand, dass die LSU Tigers und trotz vielen Verlusten die Alabama Crimson Tide abschmieren werden. Ganz große Sleeper werden South Carolina (Top-Defense + Rückkehr RB Lattimore) und Georgia (Bremsklotz HeadCoach Richt) sein, dazu Arkansas und die beiden Unbekannten Tennessee und Florida. Skeptisch in die Zukunft blicken werden die Auburn Tigers, die Champions von 2010/11, die OffCoord Gus Malzahn verlieren und, wie ich gestern las, auch RB Michael Dyer, den MVP des BCS-Finals 2011: Dyer soll sich so sehr mit Tiger-Coach Gene Chizik zerstritten haben, dass er Malzahn zu Arkansas State folgt!

College Football 2011/12, Roundup Woche 1

(Achtung, sämtliche Spiele der Top-25 und einige weitere Ergebnisse werden gespoilert)

 

 

 

Noch ist nicht ganz fertich, aber nach einem arbeitsreichen Wochenend-Beginn beende ich hiermit das 15-stündige Nonstop-Watching des ersten Spieltags im College Football – jetzt wartet wieder die Arbeit. WVU werde ich mir heute Abend eher schenken.

Die Top 25

Die #1 Oklahoma Sooners (47-14 gegen Tulsa) und #2 Alabama Crimson Tide (48-7 gegen Kent State) jeweils mit lockeren Auftaktsiegen. Bei Oklahoma ist aktuell eh das Geschehen in den Büros und Geschäftsleitungssitzungen interessanten, nachdem man intern beschlossen haben soll, mit der Pac-12 Conference Verhandlungen aufzunehmen.

Der Schlager des Wochenendes #3 Oregon Ducks gegen #4 Louisiana State Tigers war kein berauschendes Spiel. LSU würgte mit Härte die Ducks-Offense ab und provozierte Turnover um Turnover, während Oregon seine famose Lauf-Attacke um QB Thomas, RB James und RB Barner nicht in die Gänge bekam. Ab dem dritten Viertel war die Sache gegessen, als Oregon in zwei Offensivspielzügen in Serie den Ball verlor.

#5 Boise State mit einem dominanten 35-21 Sieg über #19 Georgia. Georgia war überraschend körperlich unterlegen und bekam bis spät ins Schlussviertel hinein keine beständige Protection für QB Aaron Murray hin. Boise brauchte in der Offense eine Weile, um sich zu finden, aber ab Ende erstes Viertel klickte der Schnapper und QB Kellen Moore war nicht mehr zu bremsen. Boise wird in den AP Polls einen Platz nach oben rücken.

(Die beiden Spitzenspiele im Liveblog)

#6 Florida State (34-0 gegen ULM), #7 Stanford (57-3 gegen San Jose State), #9 Oklahoma State (61-34 gegen ULL, #10 Nebraska (40-7 gegen Chattanooga), #11 Wisconsin (51-17 gegen UNLV) und #15 Arkansas (51-7 gegen Missouri State) jeweils mit lockeren Auftaktsiegen gegen klar unterlegene Konkurrenz aus den FBS-Niederungen oder der FCS. #13 Virginia Tech (66-13 gegen Appalachian State) ebenso, wobei hier anzumerken ist, dass die Hokies erstmals seit drei Jahren wieder ihr erstes Saisonspiel gewinnen konnten (und BTW auch mussten).

#8 Texas A&M wird heute gegen SMU spielen, wobei man bisher dachte, dass die Mustangs sich der Big 12 Conference vorstellen würden – allein, die Entwicklungen um Oklahoma und Texas bringen das Unterfangen wieder in Gefahr.

#12 South Carolina hatte lange Zeit große Probleme mit den kleinen East Carolina Pirates, bei denen QB Dominique Davis sich zu vier Wurftouchdowns und einen Lauftouchdown gunslingerte – ECU führte zeitweise 24-14. Erst als Steve Spurrier QB-Knalltüte Stephen Garcia begnadigte und ins Spiel warf, drehte sich die Geschichte und Garcia erlief 2 TD, dazu der gewohnt dominante RB Marcus Lattimore (3 TD). Die Gamecocks hatten in den ersten 20 Minuten der zweiten Halbzeit eine 44-7 Phase, gewannen am Ende 56-37.

Die große Sensation des Wochenendes gab es bereits am Freitag, als die #14 TCU Horned Frogs ein unglaubliches Spiel gegen den innerstaatlichen Rivalen Baylor mit 48-50 (!) verlor. Die Niederlage war am Ende sogar schmeichelhaft, denn hätte Baylor mit dem großartigen QB Griffin III nicht bei 47-23 aufgehört, Offense zu spielen, TCU wäre chancenlos gewesen. Auf alle Fälle war es das Spiel des Wochenendes, nein, vielleicht das Spiel des Jahres. TCU fällt damit ziemlich sicher auf Dauer aus sämtlichen Rankings.

Ebenso ein Upset gab es bei #16 Notre Dame, das zuhause die „Holtz Bowl“ nach längerer Unwetterunterbrechung 20-23 gegen South Florida verlor. Beide Teams überzeugten mit solider Defense (USF machte fünf Turnovers, ND hielt USF bei 2/14 bei 3rd downs), aber wie leblos Notre Dame in der ersten Halbzeit war, war schon frappierend. Dann wechselte Brian Kelly erstaunlich schnell seinen jüngst demontierten QB Tommy Rees aus und die Offense schien auf Trab zu kommen, aber dumme Fehler (INT an der Goal Line, verkicktes Field Goal aus der RedZone) machten mehrere mögliche Punkte zunichte und Notre Dame am Ende mit einer selbstverschuldeten Niederlage – ob uns hier wieder eine unangenehme Saison erwartet? Ich denke, Rees wird für die Zukunft der #1-QB bleiben, trotz der beiden INTs.

#17 Michigan State (28-6 gegen Youngstown), #18 Ohio State (45-0 gegen Akron), #21 Mississippi State (59-14 gegen Memphis) und #22 Florida (41-3 gegen Florida Atlantic) mit lockeren Heimsiegen, wobei ich bei Ohio State nur die Anfangsphase gesehen habe. Der neue QB Bauserman wirkte dabei recht „führungsstark“.

Für #21 Mizzou gab es ein graues 17-6 gegen Miami/Ohio, wobei das Interessanteste am Spiel war, dass sich Mizzous neuer QB James Franklin nach dem Spiel selbst in die Tonne trat und üble Selbstkritik übte, wenn ich mit Augen auf Halbmast die TV-Schnipsel richtig gedeutet habe.

Mit einem dicken, fetten, blauen Auge davon gekommen sind die #23 Auburn Tigers, die im eigenen Stadion haarscharf an einer Megasensation vorbeigeschrammt sind und nur dank eines Freak-Onsidekicks 127 Sekunden vor Schluss noch ein 42-38 herauswürgten. Auburns Defense roch übel nach Schweizer Käse und zeigte teilweise absurdes Tackling. Am Ende riss man sich gerade noch so am Riemen. Es ist auch ein Spiel, bei dem man über das Zeitmanagement der Refs diskutieren kann: Als Auburn 1:43 vor Schluss dringend einen Score gegen die Niederlage brauchte, wurde aus unerfindlichen Gründen die Uhr zurückgestellt. Dann machten die Tigers 35sek vor Schluss den Sieg-Touchdown, die Uhr tickerte noch munter fünf Sekunden runter, aber weil nun die Aggies jede Sekunde benötigten, blieb der Zeitzeiger auch nach dem Instant Replay unangetastet.

#25 USC vor halbleerem Coliseum mit einem alles andere als glanzvollen 19-17 Heimsieg über die Minnesota Golden Gophers, der so umschrieben werden könnte: Barkley zu Woods, Touchdown. WR Robert Woods pflückte 17 (!) Bälle für 177yds und 3 Touchdowns aus der Luft. Bei Minnesota wirkten weder QB Gray noch QB Shortell wie selbstbewusste Optionen.

#24 West Virginia spielt erst heute Abend, 21h30 gegen Marshall.

Sonst so

Die BYU Cougars haben den Gang in die Unabhängigkeit mit einem wackeligen 14-13 über Ole Miss angetreten, dabei aber nicht gerade geglänzt. Head Coach Bronco Mendenhall war trotz allem im Interview nach dem Spiel so gerührt, dass er nicht sprach, sondern wisperte. Sollte hier eine Ära begonnen haben, war es kein Knallereffekt zum Start.

Kurioses Spielende bei Michigan – Western Michigan: Bei 34-10 wurde wegen des Unwetters, das auch in South Bend/Notre Dame für Störungen gesorgt hatte, die Partie abgebrochen – im dritten Viertel. Das Spiel geht trotz allem in die Wertung ein. Ich habe nur Schnipsel gesehen, aber wie es ausschaut, spielte die Defense der Wolverines mit mehr Power als in den letzten Jahren.

Bei Hawaii – Colorado (Endstand 34-17 Hawaii) war überraschend, wie wenig die Warriors über den Luftweg veranstalteten, dafür wurde QB Bryant Moniz häufig für Scrambles gebraucht. Dass Moniz so flott bei Fuß ist (u.a. ein 51yds-TD-Lauf, als er geradeaus sämtlichen Verteidigern auf und davon rannte), war mir bis dato nicht so bewusst. Bei Colorado zeigten sich arge Probleme, das Laufspiel um den kleinen RB Stewart in die Gänge zu kriegen – in der ersten Halbzeit wurde mehr gepuntet denn gepunktet. Erst als man auf mehr Passspiel setzte (häufig war RB Stewart Anspielstation), waren die Buffs über eine Phase im dritten und eingangs des Schlussviertels ebenbürtig.

College Football 2011/12 live, Woche #1: LSU Tigers – Oregon Ducks, Boise State Broncos – Georgia Bulldogs

Die Warnung vorneweg: Sie betreten hier Spoiler-Zone von Spieltag #1 am College. Ich habe heute die Möglichkeit, beide der parallel stattfindenden Nachtspiele zu sehen und werde zwischen den einzelnen Spielen hin- und herswitchen. Eine Vorschau auf dieses Wochenende habe ich am Donnerstag geschrieben, eine spezielle Vorschau für Boise State – Georgia gibt es beim großartigen Paul Myerberg.

 

 

 

 

[05h40] Endstand LSU Tigers 40, Oregon Ducks 27. LSU brauchte mehr als zwei Viertel, um sein Laufspiel in die Gänge zu bekommen. Als sie dies geschafft hatten, war die Sache gegessen, weil QB Jarrett Lee die nötige Entlastung hatte und die Defense und Special Teams reihenweise Turnovers machten. Erwartet stark: Die Defense, die trotz mehrerer hochkarätiger Abgänge über weite Strecken stark war.

Oregons Probleme gehen über die Fumble-Probleme hinaus: Die stilbildende Ducks-Offense des letzten Jahres kam prinzipiell nie in die Gänge und ich bin mir nicht sicher, ob dies allein an der <100%-Verfassung von RB LaMichael James lag. Man nehme Oregon das Laufspiel weg und breche mit Härte den Rhythmus und der Angriff ist am verlängerten Rücken.

Endstand Georgia Bulldogs 21, Boise State Broncos 35. Über weite Strecken eine beeindruckende Vorstellung der Broncos, die Georgia phasenweise komplett in die Tüte steckten und zeitweise im dritten Viertel zweieinhalb Meter unter der Erde hatten. Für das Feeling sehr wichtig: Man hat quasi im Herzen der SEC – in Atlanta ist deren Hauptsitz – eines der größten Schwergewichte der SEC in Grund und Boden gespielt. Allerdings könnte Boise States Saison trotzdem diskreditiert werden, weil gestern der einzige verbliebene nennenswerte Gegner TCU sensationell verlor und ich nicht sicher bin, ob die Air Force es jemals in diesem Herbst in die Rankings schafft. Dazu kommt, dass Georgia möglicherweise nächste Woche gegen South Carolina abstürzen wird – selbst bei einer Perfect Season gibt es also genügend Vorzeichen, die gegen Boise State als #1 oder #2 in den finalen BCS-Rankings sprechen, schon jetzt.

[05h19] Nun zeigt sich, weshalb viele Leute Boise verspotten: Die Broncos hängen in den Seilen, sind kaum mehr in der Lage, Pass Rush zu bringen, spielen teilweise ohne down linemen. 35-21, aber es sind nur mehr knapp mehr als drei Minuten zu spielen.

[05h08] LSU 33, Oregon 20. Oregon zeigt zwar bei 13-33 und 12min keine Anzeichen von Stress, aber weil QB Darron Thomas die Ruhe weg hat, endlich mal ein ansehnlicher Drive. Touchdown, 20-33 und wir haben mit RB #5 De’Anthony Thomas einen Mann zum Merken. Trotzdem wirkt die Offense wie Bruchstück. 9:14 to go im letzten Viertel.

[04h50] Georgia/Boise State: Das dritte Viertel ist zu Ende, Georgia hat auf 28-14 gestellt, nachdem Boise einen Spielzug vorher beim Punt eine Strafe begangen hatte. Der Touchdown-Pass kam zustande, weil es in der Defense einen Abstimmungsfehler zwischen Cornerback und Safety gab.

LSU/Oregon: Das dritte Viertel gehörte komplett den Tigers, Oregon streut nun zu viele Turnovers zu ungünstigen Zeitpunkten ein. LSU brauchte nur 21yds bzw. 41yds für die letzten beiden Touchdowns. 30-13 LSU und Oregons BCS-Titelhoffnungen schauen bereits schwer zerbröselt aus. Schlimmer ist IMHO aber, wie unrhythmisch die Offense spielt. Der unfassbare Spielfluss aus der vergangenen Saison – wieder „nur“ von einem SEC-Team gestört oder tatsächlich Anzeichen vom Ende einer Ära?

[04h35] Georgia 7, Boise State 28. Die Sache sieht nun sehr gegessen aus. Das Bild Boise Offense vs. Georgia Defense sieht aus wie meistens: Jeder Spielzug mit durchschnittlich 5-6yds Raumgewinn, missed tackle auf missed tackle, resignierte Körpersprache in der gegnerischen Defense und Trainerstab. Moore mit dem dritten TD-Pass des Tages zum dritten verschiedenen Receiver, direkt vor den Augen von Jared „Statue of Liberty“ Zabransky, dem phänomenalen Boise-Quarterback in der Fiesta Bowl 2007.

[04h21] Mit verstärkter Protection und viel Play-Action sieht auch Georgias Offense plötzlich recht rund aus. Just in dem Moment, in dem allerdings ein Blocker für einen zusätzlichen Receiver aufgegeben wird, dominiert wieder der Pass Rush mit fünf Broncos. Boise jetzt mit der Chance auf den KO-Schlag.

In Dallas kriegen die Offenses weiterhin recht wenig aufs Parkett und auf Oregons Seite wird der Oberschenkel von RB James seit Minuten massiert und behandelt.

[04h12] Georgia 7, Boise State 21. Oregon spielt nebenan, aber Boises Offense mit einem Tempo wie sonst nur die Ducks. Georgia war verzweifelt genug, um schon im ersten Drive nach der Pause ein Timeout zu brauchen, weil die Abwehr kein Land gegen das Kurzpass-Stakkato der Broncos sah. Moore blieb in diesem Drive jungfräulich, unberührt.

[03h55] Halbzeit LSU 16, Oregon 13. LSU in den letzten Minuten mit etwas mehr Zeit für QB Jarrett Lee und das zahlte sich aus. Die Tigers haben Probleme mit Drops, aber das Haupt-Problem ist IMHO, dass LSU kein Laufspiel gebacken bekommt. Oregon hat seinen Rhythmus noch nicht wirklich gefunden und verliert öfters nicht nur das Duell Power vs. Power, sondern überraschenderweise auch Speed vs. Speed. Trotzdem sehe ich leichte Vorteile bei Oregon, sofern sich RB #21 James nicht verletzt haben sollte.

[03h47] Halbzeit Georgia 7, Boise State 14. Was man nicht gedacht hätte: Boise State dominiert mit seiner Defensive Line dieses Spiel, weder kriegt Georgias QB Aaron Murray halbwegs ausreichend Zeit zum Werfen, noch hat es das Laufspiel geschafft, die anfänglichen guten Ansätze über längere Zeit zu halten.

Gefühlt startet Boise State jedes Mal in Nähe der Mittellinie seine Drives, während Georgia wohl noch nicht ein einziges Mal außerhalb der eigenen RedZone beginnen durfte. Das ist nur einer der Gründe, weswegen ich die 7pts-Führung für Boise für zu gering halte.

Für Georgia wird es jetzt zum Knackpunkt, die Broncos beim Eröffnungs-Drive in der zweiten Halbzeit zu stoppen und das Spiel bis ins Schlussviertel hinein eng zu halten. Sorgen muss man sich um die Tiefe im Kader machen, und zwar bei GEORGIA: Die Bulldogs verlieren pro Drive einen Spieler mit Verletzung.

[03h37] Georgia 7, Boise State 14. Nach einer INT zieht Boise State einen trockenen 51yds-Drive inklusive Trickspielzug mit dem „Running-QB“ Grant Hedrick durch. Beim Touchdown nutzt Moore die 4 vs. 3 Überlegenheit seiner Ballempfänger auf der rechten Seite. 48sek zu spielen, gutes Timing, und Boise State erhält den Ball als erstes in Halbzeit #2.

[03h27] Stat der Nacht bisher: LSU warf 12 Pässe. Yds/Pass: Eins komma acht. Nur unwesentlich un-krasser: Oregons Pass/Lauf-Verhältnis ist 27/13.

[03h23] Nun haben in Atlanta beide Offenses einen Turnover in Scoring-Reichweite. Georgia vor ca. einer halben Stunde, weil sie beim 4th down einen Defensive Liner eiskalt ungeblockt durchließen und den vierten Versuch nicht durchbrachten. Boise, weil Kellen Moore unter Druck einen tiefen Ball in eine Raumdeckung warf und der Ball abgefangen wird. Der Schaden hält sich insofern in Grenzen, als dass das Field Goal wohl sowieso zu lang gewesen wäre (48-50yds, ca.).

[03h04] LSU – Oregon ist bisher ein eher enttäuschendes Spiel. Beide Offenses kriegen kein Bein in den Boden, wobei Oregon trotz der Interception just in dem Moment noch vergleichsweise gut funktioniert. LSU führt 9-7, weil Ducks-Returner Kenyon Barner einen Punt fumbelte und LSUs #7 Tyrann (kein Scherz) Mathiew von der 3yds Line reinlaufen kann. Der Extrapunkt wird standesgemäß verfehlt.

[02h57] Georgia 7, Boise State 7. Die Broncos zeigen Ansätze ihrer brillanten Offense. Plötzlich wird das Tempo angezogen, RB Doug Martin bricht eine Handvoll Tackles, die Wide Receivers sind den einen Schritt schneller und QB Kellen Moore beendet die Angriffsserie mit seinem 100sten Touchdown seiner Karriere am College. Während Georgia bis auf den langen Lauf noch kein einziges 1st down hat, hatte dieser Broncos-Drive „Drive“.

[02h41] Georgia 7, Boise State 0. Kaum beklagt, da macht RB #2 Brandon Boykin mit dem einfachsten Laufspielzug der Welt den langen Touchdown über 80yds. Boykin gegen die Laufrichtung der Defense, es braucht einen einzigen, simplen Block und die Defense ist gebrochen.

[02h36] Seufz.. Zwei Uhr 36, gespielt: 5:19, First Downs: Null, dafür Strafen, Drops und zwei Timeouts und schon fünf-sechs Werbe-Breaks. Bisher dominieren die aggressiven Defenses und wenig Zug in dem Spiel drin.

[02h18] Erste Angriffsserie Georgia: Drei Strafen in vier Spielzügen. Resultat: Boise State beginnt seinen ersten Drive in der gegnerischen Platzhälfte.

[02h00] Was Georgia heute für eine neuartige Trikot-Kreation trägt, grenzt an Augenvergewaltigung.

[01h43] Schaler Blick nach Notre Dame: Das Spiel ist nun nach einer gewitterbedingten längeren Halbzeitunterbrechung fortgesetzt worden. Ohne einen Zwischenstand zu verraten: Brian Kelly hat bereits den Quarterback ausgetauscht: QB Tommy Reed ist schneller reingerückt als gedacht. QB Dayne Crist steht an der Seitenlinie.

[01h33] Für Oregon und Boise State gilt heute: Sie werden dem „richtigen“ Test unterzogen: Eine SEC-Mannschaft als Gegner. Oregon hatte zuletzt mit physisch spielenden Gegnern Probleme, während Boise State gar noch nie gegen eine SEC-Mannschaft gewonnen hat. Mit Siegen können heute beide eine ganze Latte an Respekt dazugewinnen.

Bei Boise State wird wie heute Nachmittag angeklungen das holländische Trio aufgrund einer internen Schutzsperre fehlen: S Febis, WR Bouldewjn, DT Tjong a Tjoe – ihre Spielberechtigung ist nicht vollends geklärt und während ein Cam Newton trotz Beweisen bedenkenlos eingesetzt werden konnte, traut sich Boise State nicht, heißt: Sie könnten mit zunehmendem Spielverlauf die geringere Kadertiefe spüren – denn Gegner Georgia gilt als hart spielendes Team.

Oregon und Boise State haben IMHO den größeren sportlichen Druck, das Spiel zu gewinnen als ihre Gegner: Eine Niederlage würde alle BCS-Titelhoffnungen schon in Woche 1 zerbröseln. Für Georgia zählt hauptsächlich, dass sie hier die Ehre sämtlicher großer Traditionsuniversitäten gegen die Neureichen vertreten, für LSU bedeutete eine Niederlage eine ganze Menge zusätzlichen Druck: Sie müssten für das BCS Title Game dann wohl ungeschlagen durch die restliche Saison kommen – eine brutale Aufgabe angesichts des sehr schweren Schedules.

Der Coach, der seine Schatulle öffnet

Man kann sagen, was man will, aber Steve Spurrier ist zu unkonventioneller Denke fähig. Der neueste Gag: Spurriers Anstoß zur Debatte „Amateursport am College“.

Die Idee: Spurrier schlägt vor, dass im College Football in Zukunft die Coaches ihre Athleten bezahlen sollten. Als Erstansatz $300 pro Spieltag pro Spieler. Würde nach eigener Rechnung bei ca. 11 Spielen und 85 scholarships (Stipendien) rund $280.000 ausmachen. Spurrier hat angeblich die Rückendeckung einiger namhafter Trainer der SEC (u.a. der Coaches von Tennessee & Florida).

Nun kommt der Vorschlag just in den Tagen, in denen Spurrier den umstrittenen QB Stephen Garcia wieder in den Kader der USC Gamecocks aufgenommen hat. Ein Move, an der University of South Carolina hitzig diskutiert und in manchen Kreisen alles andere als gern gesehen. Also alles nur eine Provokation als Ablenkung?

Ich bin mir nicht so sicher. Ich halte Spurrier für eine integere Person, wenn sich auch seine Begründung sehr schmalzig liest (via USA Today):

„I just wish there was a way to give our players a piece of the pie,“ Spurrier said. „It’s so huge right now. As you know, 50 years ago, there wasn’t any kind of money and the players got full scholarships. Now, they’re still getting full scholarships and the money is in the millions. I don’t know how to get it done. Hopefully there’s a way to get our guys that play football a little piece of the pie.“

Ich halte eine Genehmigung des Vorschlags in den NCAA-Gremien für aussichtslos. Trotzdem ist der Vorschlag, aus welchen Gründen auch immer gerade zu diesem Zeitpunkt vorgebracht, wertvoll.

College Football ist ein Millionenbusiness und nur die, deren Uhr irgendwann in den frühen 60ern stehen geblieben ist, glauben noch an den reinen Amateur in den höheren Ebenen des Universitätssports. Es gilt als unbestritten, dass Booster (private Sponsoren mit Connections in die Büros der Universitäten) vor allem die Top-Athleten mit reichlich finanziellem Ansporn an die jeweiligen Unis locken. Cameron Newton ist das jüngste sehr prominente Beispiel, aber nicht das einzige.

Deswegen kann Spurriers Vorstoß definitiv als Diskussionsanstoß verstanden werden, dass in Zeiten, in denen Coaches um die 3 Millionen Dollar/Saison kassieren und korrupte Bowl-Veranstalter Gelder in Millionenhöhe unterschlagen, auch die Hauptfiguren des Spektakels mit mehr als einem simplen Sportstipendium von der Sache profitieren. Denn Profis werden nur die Allerwenigsten.

Der Kampf der NCAA um die Beibehaltung des Student Athlete erinnert mich immer ein wenig an den Anti-Dopingkampf: Notwendig, um die Grundfeste des Sports beizubehalten, aber hoffnungslos, weil nicht breitflächig durchführbar. Allein: Während eine Lockerung der Antidopingbestimmungen schon aus Gründen des Jugendschutzes nie passieren darf, sehe ich im Universitätssport durchaus die Möglichkeit einer Zwischenlösung zwischen reinem Amateur und Halbprofi, der jeder BCS-Footballer bereits jetzt ist.

Klar ist aber auch: Ein $300-Stipendium würde zur Ausschaltung der Booster nicht reichen. Nicht bei Athleten der Güteklasse „Cameron Newton“.

Un-lowder

Irgendwann war der Druck der politischen Vertreter im Staate Alabama dann doch zu groß, und der Meister der unlauteren Methoden ist als offizieller Berater der Auburn University zurückgetreten.

Die Rede ist von Bobby Lowder, einem ehemaligen Bankchef, der bis zum Kollaps seiner Colonial Bank (2009) als booster der Auburn University eines der berühmtesten und berüchtigsten Korruptionsnetzwerke im College Football aufgebaut hat.

Anders beschrieben: Es handelt sich um pay-for-play, das Lowder seit Anfang der 90er in Auburn betrieb, mehr oder weniger mit Billigung der SEC- und NCAA-Führung. Die Affäre um Cam Newton im jüngsten November war nur eine von zig bizarren Geschichten in der Cause Lowder/Auburn.

Lowder verkörperte den Typus des boosters, der direkten Einfluss auf die Personalentscheidung in den Sportprogrammen der Auburn University nahm, erkauft mit massiven Subventionen. Ein Booster ist immer dann erwünscht, wenn Sportprogramme am Boden liegen und schneller als gewöhnlich nach oben streben. Ein Booster wird immer dann verdammt, wenn die Wahrheiten ans Tageslicht gezerrt werden.

Lowder hat dutzende Geschichten geliefert. Einst lieh er dem Uni-Präsidenten seinen Privatjet, um zwei Tage vor der Iron Bowl den damaligen Louisville-Coach Bobby Petrino zur Vertragsunterschrift in Auburn zu bewegen. Windige Typen im Quadrat, sozusagen. Oder die Geschichten um Abhörgeräte im Hause von ex-Tigers-Coach Tommy Bowden.

2006 bin ich auf Lowder und seine Praktiken aufmerksam geworden. Mit dieser ESPN-Geschichte. Seitdem verfolgt mich eine Abneigung gegen die Auburn Tigers, die mir des Öfteren auch vorgeworfen wird. Was korrekt ist: An vielen anderen Unis, besonders in der Spitze der Football Bowl Subdivision, läuft es kein krummes Haar anders. Und ob Lowder nun direkt, indirekt oder keinen Einfluss mehr ausüben wird: An die Sauberkeit im College Football glauben nur noch die, die immer noch den Osterhasen suchen.

Für Leute mit resistentem Geduldsfaden (sprich: mindestens 40min Zeit) abschließend noch ein Schmankerl aus dem vergangenen November: Tigerdroppings über die Praktiken an der AU, mitten drin natürlich Lowder, auch wenn bis heute seine Rolle in der Causa „Cam Newton“ ungeklärt ist.

College Football: Regular Season Finale 2010

[01h13] SEC-Finale… Ende drittes Viertel und die Auburn-Spieler feiern schon alle den BCS-Finaleinzug. Das Schlussviertel schenke ich mir. Und over.

[00h54] SEC-Finale… aber ein großartiger Tag für die BCS. Cam Newton wälzt sich aus 1yd in die Endzone. 35-14, das ist endgültig gegessen. Und Minuten später serviert QB Garcia Auburn einen INT-Return-TD aus 8yds! 42-14.

Oregon hat 37-20 gegen Oregon State gewonnen. Zweischlechteste Punkteausbeute für Oregon in dieser Saison!

BCS Finale: Oregon vs. Auburn – was erwartet uns?

a) Ein Duell zweier überragender Offenses. Oregon ist dabei als Team spektakulärer, aber Auburn hat mit Newton den auffälligsten Einzelspieler.
b) Gegen Auburn kann man sehr gut werfen. Und auch Oregon hat nicht grad die Secondary.
c) Zwei ungeschlagene Teams.
d) Zwei Neulinge im BCS Championship Game. Auburn war vor Urzeiten mal Landesmeister.
e) Womöglich ein Spiel mit mehr als 100 Punkten.

Auburn spielt seit Wochen in der Stresssituation um QB Newton und hat einen Ruf als Comeback-Team eingeheimst. Oregon dagegen hatte nur ein kritisches Spiel (in Berkeley) und überfuhr ansonsten jede Defense gnadenlos.

Einen Monat vor dem Spiel würde ich Oregon leichte Vorteile geben.

[00h40] SEC-Finale. Kein guter Tag für Kicker. Diesmal ein gescheiterter Versuch von South Carolinas Spencer Lanning. Weiterhin 28-14 und ein wild durch die Abwehrreihen laufender Cam Newton. Oregon führt mittlerweile 37-13…

[00h34] Boise State. Die Broncos spielten mit Backup-QB zu Ende: 50-14, womit der eine oder andere Platz gut gemacht werden dürfte.

[00h16] Civil War. Das war’s dann. Die Ducks kommen nach einer Pass Interference mächtig ins Rollen, Pässe auf WR Maehl und Läufe über RB Barner zu 30-13.

[00h06] SEC-Finale. Es läuft alles gegen South Carolina. Erst ein perfekter TD-Drive 16 Sekunden vor Halbzeit zum 14-21 abgeschlossen. Und mit auslaufender Uhr wirft Newton von der Mittellinie einen Hail Mary Pass in die Endzone, der von einem Gamecock direkt in die Hände von WR Adams abgefälscht wird. Damit 28-14, und Adams hat 217 (!) Receving Yards zur Pause.

Civil War. Die Beavers kommen langsam, langsam ran. Erneut ganz nah an der Endzone gestoppt, und wieder nur ein Field Goal bekommen. Immerhin mittlerweile 23-13.

[23h43] Die Sargnägel liegen bereit. Oregon nach quickem Drive und Fake Punt (64yds-Lauf, als ein Punt angetäuscht wurde) zum 23-7 eingeschenkt, Auburn steht wenige Yards vor weiteren Punkten (aktuell 21-7) gegen South Carolina. Sie stellen sogar bereits Offense Liner als Receivers auf.

Die Gamecocks sind enttäuschend. Sie opfern pro Play einen Spy für Cam Newton. Nur, um den Spy ein ums andere Mal für zu wenig athletisch für Newton zu sehen.

[23h41] Boise State. Ende des dritten Viertels und die Broncos führen bereits 43-7. Und Brotzman versenkt P.A.T. auf P.A.T.

[23h35] Arizona State ist nach all den geblockten Kicks am Donnerstag gegen Arizona 6-6. Wer sich wundert, warum die Sun Devils trotzdem in keiner Bowl spielen dürfen: Sie haben zweimal gegen FCS-Teams gespielt, was zu einer 7-5 Bilanz verpflichtet hätte, um Bowl-eligible zu werden.

[23h19] SEC-Finale. Anfang des zweiten Viertels und der erste Drive der Tigers, der nicht mit Touchdown endet. QB Newton passt für einen Moment nicht auf und ihm wird der Ball aus der Hand geschlagen. Zwei Plays später überläuft DT Fairley QB Garcia, und der abgelenkte Ball wird von den Tigers „zurück-intercepted„. Newton hat eine Handverletzung – er streift zum wiederholten Mal seinen Arm an der weißen kurzen Hose ab und man sieht deutliche Blutspuren.

[23h08] Heute Nacht findet das Big-12-Finale Oklahoma vs. Nebraska statt. Bei den Sooners sorgt OffCoord Kevin Wilson mit Abwanderungsgedanken für Unruhe. Wilson soll neuer Head Coach an der Indiana University werden.

[23h01] Civil War. Die Ducks verschießen mit auslaufender Uhr noch ein Field Goal (nach Holding-Problemen beim P.A.T.), gehen somit „nur“ mit16-7 in die Halbzeit. Trotzdem sieht das sehr gegessen aus.

SEC-Finale. Cam Newton – man kann sagen, was man will. Aber der Mann hat erneut einen Sahnetag. Viele Playfakes, läuft immer zum richtigen Zeitpunkt selbst und für alle drei Touchdowns im ersten Viertel verantwortlich. Sehr präzise im Übrigen bei den ganz tiefen Pässen in den vollen Lauf der Receivers.

[22h42] Civil War. Die Beavers im Selbstzerstörungsmodus. 3 INTs und mittlerweile führen die Ducks mit 16-7, nachdem sie das Laufspiel in die Gänge bekommen haben. OSU macht das Spiel… und die Fehler.

Ich erkläre die Ducks somit frühzeitig zum ersten BCS-Finalisten.

[22h36] Boise State. Die Broncos führen zur Halbzeit 29-7 gegen Utah State. QB Kellen Moore mit 3 TDs, und mittlerweile trauen sie Brotzman wieder die P.A.T.s zu.

[22h26] SEC-Finale. Antwort der Gamecocks: Touchdown. Massenhaft Pässe einfach vertikal das Feld runter in die Secondary. Viel WR Alshon Jeffery, der alles fängt, was ihn in 5m Umkreis anzielt. Beim TD wird FB DiMarco das Feld runtergeschickt.

[22h16] SEC-Finale. Das ging schnell. Auburn marschiert im ersten Drive das Feld runter, dass einem Angst und Bange werden muss. Erst nach einem Trick Play ein laaaaanger Pass zu WR , beim Touchdown hat QB Cam Newton stundenlang Zeit, sich den freien RB McCalebb ausgucken.

Civil War. Oregon mit einem perfekten Drive. Nur der Extrapunkt wird geblockt. Beavers 7, Ducks 6.

[22h08] SEC-Finale. Gene Chizik meint im Interview an der Seitenlinie, Auburn müsse früh in Führung gehen. Warum eigentlich? Die Tigers haben sich heuer eher einen Namen als Comeback-Kids gemacht und viele Spiele erst gegen Spielende gedreht.

[22h03] Civil War. Oregon State mit dem ersten Touchdown. Ein Drive mit vielen 3rd downs. Am Ende ein Pass auf die rechte Seite zu RB Rodgers, der in die Endzone spaziert. Schlüssel war ein toller Catch der Ducks bei 3rd down – ein abgefälschter Ball Sekunden vorher.

[21h53] Civil War. Zweiter Drive, zweiter Turnover. Missverständnis bei der Ballübergabe zwischen QB Thomas und RB James.

Boise State. Probleme bei Boise in der Laufdefense – wie vor einer Woche. Die Aggies mit 64 rush yds Mitte des ersten Viertels. Nur noch 15-7.

[21h45] Civil War. Ein Beavers-Pass wird in der gegnerischen RedZone angetippt und abgefangen. Vielversprechender Start sieht anders aus…

[21h42] Civil War. Oregon State – Oregon ist angekickt. Oregons einzige Schwäche in dieser Saison: Außerhalb des sehr lauten Autzen Stadiums sind sie nicht so dominant wie zu Hause. Liest sich immer noch beeindruckend: Über 40 Punkte, nur knapp 20 Punkte pro Spiel eingefahren.

[21h31] Boise State. Boise State rammt die Aggies in Grund und Boden und beginnt schon im ersten Viertel, 2pt-Conversions auszuspielen. Der Sieg muss möglichst hoch sein, um noch Plätze in den Top 10 gutzumachen.

[21h13] Boise State. Erster Spielzug in Boise: Utah States Pass wird abgefangen und zum Touchdownzurückgetragn. Der Extrapunkt von Kicker Kyle Brotzman ist erfolgreich.

[21h06] #11 Boise State gegen Utah State wird in diesen Minuten angepfiffen. Um halb zehn folgt Civil War Oregon State – Oregon, eine halbe Stunde später das SEC-Finale #2 Auburn gegen #19 South Carolina.

„Leider“ gibt es kein stürmisches Wetter in Corvallis: Ca. 2°C, kein Wind und klarer Himmel. Siehe auch die Vorschau.



NCAA: Das Grab ist geschaufelt. Nur der Sargnagel fehlt noch

Cam Newton darf am Samstag spielen. Überrascht?

Warum auch, Newton spielt seit Wochen, obwohl unter Verdacht der illegalen Geldannahme. Gestern dann das Statement von Seiten der National Collegiate Athletic Association. Auszug:

Newton was reinstated without any conditions.

Obwohl:

According to facts of the case agreed upon by Auburn University and the NCAA enforcement staff, the student-athlete’s father and an owner of a scouting service worked together to actively market the student-athlete as a part of a pay-for-play scenario in return for Newton’s commitment to attend college and play football.

Dazu der Kommentar vom NCAA-Vizepräsidenten Kevin Lennon:

Based on the information available to the reinstatement staff at this time, we do not have sufficient evidence that Cam Newton or anyone from Auburn was aware of this activity, which led to his reinstatement.

Die Drecksarbeit wäre somit verrichtet. Von den Oberen der NCAA. Eigenhändig mit Spaten und Schaufel das Grab aufgeworfen. Vor lauter Schiss vor TCU’s möglichem Finaleinzug den Amateurstatus offiziell für tot erklärt.

[…]we do not have sufficient evidence that Cam Newton or anyone from Auburn was aware of this activity, which led to his reinstatement.

Das kann man sich genüsslich auf der Zunge zergehen lassen.

Ein vermutlich gigantisches knapp unterirdisches und undurchsichtlichges System ist somit auf einen Schlag legitimiert. Solange du nur nichts mitkriegt, dürfen Daddy und seine Konsorten deine Dienste anbieten, bei wem sie wollen, solange sie wollen.

Daddy Newton bekommt „limitierten“ Zugang zu den Trainingshallen an der Auburn University. Tragisch. Der Mann wird sich insgeheim einen ablachen über die Vollpfosten in den Gremien der NCAA, die sogar zu dumm sind, die Tragweite einer einzigen, unbedachten Pressemitteilung zu verstehen.

Das Grab ist offen. Der Sarg vorbereitet. Nun muss nur noch die Politik einschreiten und den Sargnagel einschlagen.