Tür auf für den Transfermarkt 2018

Es geht los. Weiterlesen

Miami Dolphins in der Sezierstunde

Neues Jahr, neue Stars, neue Hoffnung bei den Miami Dolphins, die letztes Jahr mal wieder am Minimalziel „Playoffs“ vorbeigerauscht sind. Owner Stephen Ross wird nicht geduldiger und forcierte höchstpersönlich große Ausgaben um die Dolphins endlich wieder in die Post Season zu bringen. GM Dennis Hickey führte bereitwillig aus.  Weiterlesen

Die NFL und ihre großen Fragen vor Start des Transfermarktes

Heute startet die offizielle Transferperiode („Free Agency“) der NFL-Offseason 2015. Die wichtigsten Grundlagen-Artikel zum Transfermarkt der NFL – Fluch des Gewinners, Vertragsmanagement, Salary Cap, Cap Rollover – die auf diesem Blog geschrieben wurden, habe ich unter dem Schlüssel-Link „NFL Vertragsmanagement“ zusammengefasst und können dort eingesehen werden.

Was ich dieses Jahr schreiben wollte, aber zeitlich nicht hinbekommen habe: Die Bedeutung der einzelnen Free-Agents Typen – RFA, UFA usw. Glücklicherweise hat das beste verfügbare Transfer-Blog Over The Cap diesen Task bereits übernommen und (auf Englisch) darüber geschrieben: Explaining the Free Agent Designations. Weiterlesen

Der letzte Tag des Jahres

… zumindest des NFL-Jahres, denn morgen öffnet mit dem Start der Saison 2015 der Transfermarkt. Die Salary-Cap wird ligaweit 143 Mio. Dollar betragen, ein relativ massiver Anstieg von rund 10 Mio. vom letzten Jahr. Wegen des Cap-Rollover haben verschiedene Teams aber natürlich mehr oder weniger Cap-Space verfügbar. Weiterlesen

Detroit Lions in der Sezierstunde

Erfolgreichste Saison der Detroit Lions seit langer Zeit – zumindest auf dem Papier: 11-5 Siege und ein legendäres (allerdings verlorenes) Playoff-Spiel in Dallas stehen auf der Habenseite für die Einstandssaison von Head Coach Jim Caldwell. Insofern hat der Schweiger Caldwell die Erwartungen mehr als erfüllt. Nun steht der harte Teil der Arbeit aber erst an: Die Weiterentwicklung einer Mannschaft, deren Höhepunkt für 2014/15 programmiert war. Weiterlesen

Detroit Lions in der Sezierstunde

Überblick 2013

Record         7-9
Enge Spiele    4-6
Pythagorean    8.5    13
Power Ranking  0.569  10
Pass-Offense   6.8    7
Pass-Defense   6.5    20
Turnovers      -12

Management

Salary Cap 2014.

Die abgelaufene Saison war für viele der letzte Beweis, dass es die Detroit Lions einfach nicht packen und man die Franchise im Prinzip einstampfen könnte, weil es sowieso nie gehen wird. Was bei den Lions 2013 hinten raus kam, war viel Brüllen um Nichts, aber die Mannschaft steht weiterhin „kurz davor“ und vermittelt somit noch immer Hoffnung auf den Durchbruch. Zwar wurde keine Radikalkur gewagt, denn GM Martin Mayhew darf auch weiterhin seine Managementkünste ausleben, aber es würde zumindest eine Therapie versucht.

Die Ära von Jim Schwartz ist vorbei. Ich habe schon darüber geschrieben, warum ich Jim Schwartz trotz allem noch ein klein wenig nachtrauere, und ich habe auch schon den neuen König der Löwen, den stets etwas desinteressiert dreinschauenden Jim Caldwell unter die Lupe genommen. Caldwell ist eine auf den ersten Blick bizarre Wahl als neuer Headcoach, aber es gibt durchaus auch Greifbares bei ihm, an dem man seine Zukunftshoffnungen festmachen kann.

Das Offensichtlichste ist Caldwells Besetzung des Trainerstabs, die besser ausfiel als befürchtet. Die Offense wurde an OffCoord Joe Lombardi übergeben mit dem Auftrag, QB Matthew Stafford geradezubiegen. Stafford ist ein monstermäßiges Talent mit dem vielleicht besten Wurfarm der NFL, aber eben auch ein Mario Basler an verschwendetem Potenzial. Bei Stafford ist noch nix zu spät: Der Junge ist ein 88er, gerade 26 geworden. Für QB-Verhältnisse ist das kein Alter, aber man muss ihm Flauseln austreiben, die immer wieder auftraten: Zu überhastetes Werfen, zu viel Selbstbewusstsein bei versuchten Würfen in Dreifachdeckungen, zu viele technische Unsauberkeiten.

Caldwell und Lombardi kommen aus der QB-Schule. Sie gelten als QB-Gurus, die keine Geringeren als Peyton Manning und Drew Brees zu maximalen Höhen geführt haben. Es gibt genügend Beispiele, wo QBs mit Mitte 20 nach Korrektur von einer oder zwei Details noch die Kurve gekratzt haben.

Die Offensivprobleme liegen nicht allein an Stafford; es ist auch diese eklatante Abhängigkeit von WR-Granate Calvin Johnson, der nicht weniger als jedes vierte Anspiel Staffords sah, für sensationelle 37% Anspiele downfield (also über 15yds von der Anspiellinie). Johnson machte seine Yards. An ihm liegt es nicht, dass diese Offense stets einen frustrierenden Eindruck des nicht ausgeschöpften Potenzials hinterlässt.

Caldwell und Lombardi haben in erster Linie die Aufgabe, diese Offense schematisch so zu verbessern, dass nicht mehr bloß reine Naturgewalt (Staffords Arm, Johnsons Fangkunst) den Gegner schlagen. Dafür wird mehr verlangt als ein feiner Quarterback. Die Saints, aus deren Schule Lombardi stammt, zum Beispiel ließen eine Unzahl an verschiedenen Formationen auflaufen, und sie konnten um einen Kader bauen, der viele verschiedene Skill-Sets vereinte: Drei Running Backs und fünf WR/TE mit jeweils individuell verschiedenen Spezialitäten. Das fehlt in Detroit – noch.

Es fehlt übelst an einem zweiten und dritten Wide Receiver in Detroit. Burleson musste aus Vertragsgründen entlassen werden und wird fast sicher nicht wiederkehren. Der junge Ryan Broyles gilt als Talent, aber beendete jeder seiner drei letzten Saisons mit schweren Verletzungen und könnte bald aufgebraucht sein. Und ein Kris Durham… nein. Durham ist als Staffords Raumpensau eine Stimmungskanone für die Eintracht in der Mannschaft, aber für das Spielsystem nicht mehr als ein vierter oder fünfter Mann für die Snaps zwischendurch. Wenn überhaupt.

Bei den Tight Ends konnte sich der junge Joseph Fauria als RedZone-Waffe und Kunsttänzer aufdrängen, aber Fauria ist (zumindest noch) weder ein kompletter Spieler im Sinne des Blockens noch ein kompletter Fänger im Sinne des Fangens. Der vertragslose Brendon Pettigrew (1st-Round Pick 2009) treibt die Fans mit seiner teilweise laschen Art zu spielen (viele Drops und Fumbles) gern mal in den Wahnsinn, wäre aber als Vorblocker eine Hausnummer – die Salary Cap ist mit 133 Mille höher als erwartet: Pettigrew könnte also unter Umständen in Detroit verbleiben und eine wertvolle Ergänzung bleiben.

Bleibt das Problem „zweiter Wide Receiver“. Detroit könnte mit seinen hohen Draftpicks einen teuren Rookie holen. Man könnte aber auch auf den Transfermarkt schauen, der mit Leuten wie Emmanuel Sanders oder Hakeem Nicks durchaus klingende, noch relativ junge Namen hergeben dürfte. Die Frage ist aber auch hier der finanzielle Spielraum, der dank Mayhews schlechtem Management der letzten Jahre recht eingeschränkt ist.

Spielraum zur Vertragsumstrukturierung gäbe es bei dem Gesicht der Lions, DT Ndamukong Suh, dem Mann, der sich sportlich zu einem echten Allstar-Kaliber entwickelt hat, der aber nicht aus den Schlagzeilen kommt, sei es wegen rohem Spiel oder Intrigen im Kader. Suh zählt 22 Millionen von der Salary-Cap ab, ein unerhörter Wert, aber eine Neustrukturierung des Vertrags würde locker 10 Millionen bringen – für 2014. Für die Jahre darüber hinaus, da reden wir nochmal drüber. Allerdings dürfte es mit dem neuen Vertrag noch etwas dauern, denn Suh hat noch keinen Krawattlträger als Repräsentanten, und vielleicht wird er nie einen (mit Krawatte) haben, denn gerüchteweise soll es der Rapper Jay-Z werden, der schon in anderen Franchises Angst und Schrecken verbreitet hat.

Sportlich besteht die Hoffnung, dass der neue DefCoord Teryl Austin ein guter Griff war. Austin ist der Hauptgrund, weswegen ich Caldwell mittlerweile positiv sehe, denn Austin darf man guten Gewissens für einen aufstrebenden Defensiv-Geist sehen. Austins Expertise ist das Defensive Backfield, rein zufällig die große Sollbruchstelle der Lions.

Dort musste S Delmas bereits aus Vertragsgründen entlassen werden und dürfte kaum wiederkehren. Delmas‘ Abgang reißt ein Loch in den Kader, das dringend mit einem hoch gedrafteten Rookie wie Clinton-Dix oder einem bekannten Free-Agent gestopft werden muss. Probleme anderer Natur gibt es auf Cornerback: Houston gilt dort als solide genug um seine Starter-Ambitionen zu behalten, vom jungen Darius Slay erwartet man nach seinem schwachen Rookie-Jahr erste Verbesserungen, aber dahinter gibt es wenig Greifbares. Cornerback ist neben Wide Receiver das größte Loch im Lions-Kader. Hier wird 100%ig personell nachgebessert.

Freilich ist auch nicht auszuschließen, dass Austin nach einem großen Passrush-Talent schnappt, wenn es an zehnter Draftposition verfügbar ist. Hier muss man abwarten. Austins aggressives Abwehr-Schema kann nicht genügend gute Spieler für die Front-Seven vertragen, und dass eine dominante Front-Seven eine durchschnittliche Secondary durchschleppen kann, sieht man andernorts in Carolina oder San Francisco.

Erstmal dürften noch die Eigenbauprodukte anstehen: DE Young sollte aus Gründen der Kadertiefe gehalten werden. DE Jason Jones und DE Idonije wären im Gegenzug Entlassungskandidaten, wenn auch sportlich beide über viele Zweifel erhaben sind.

Es gibt viele mögliche Stellschrauben, aber nur begrenzten Handlungsspielraum. Priorisieren würde ich den Handlungsbedarf in etwa so:

  1. Zweiter Wide Receiver
  2. Cornerback
  3. Safety
  4. Passrusher
  5. Tight End

Noch ist nicht abzusehen, auf welchem Weg das Front-Office die Löcher zu stopfen versucht. Sicher ist nur: Die Chancen stehen gut, dass zumindest die eklatantesten Schwachstellen angegangen werden können. Man hat nicht viel Cap-Space, aber genug um zumindest zwei größere Moves plus Draftpicks zu machen.

Die mittelfristige Zukunft der Lions sehe ich weiterhin mit einem eher lachenden Auge. Die 7-9 Bilanz von 2013/14 war einmal mehr „underperformed“. Man hatte -12 Turnovers, ein wahnsinniger Wert, der gen Mitte wandern dürfte. Man verlor sechs knappe Spiele (von insgesamt zehn). Man ist in einer Division, in der zumindest Bears und Vikings zu fassen sein dürften. Man setzt im Coaching künftig auf größere Liebe für das Detail. Das dürfte der größte Pluspunkt für 2014 sein. Ich kann es nicht erwarten zu sehen, wie sich das in einem halben Jahr auf dem Spielfeld umsetzen lässt.

Thanksgiving-Preview 2013

Thanksgiving ist nicht nur das größte Familienfest in den Vereinigten Staaten, sondern auch der Auftakt zu einem der besten Footballwochenenden des Sportjahres. Das amerikanische Erntedankfest wird TV-technisch in den Staaten traditionell truthahnverspeisend von NFL-Football aus Detroit und Dallas begleitet, mit dem neumodischen Zusatz einer rotierenden Primetime-Partie. Wer sich nach drei NFL-Spielen noch nicht sattgesehen hat am Football, der kann in den nächsten Tagen Rivalry-Games en masse aus dem College-Football bestaunen, plus zwölf NFL-Spiele am Sonntag und Monday Night Game als Abrundung. Für eierige Unterhaltung ist also gesorgt.

Thanksgiving 2013 ist auch das erste NFL-Dankfest seit Jahren, das ich passiv erlebe. Ich habe heute Abend pünktlich zum zweiten Viertel die letzte Orchesterprobe vor dem Konzert am Samstag, was mir Live-Konsum der Partie unmöglich macht. Das ist schade, denn die Thanksgiving-Partie am späten Donnerstagnachmittag (nach MEZ) gehört für mich ganz unabhängig von persönlichen Präferenzen zu den Highlights der NFL-Saison.

Detroit Lions – Green Bay Packers

Kickoff 18h30 | live bei SPORT1 US, US-Broadcaster FOX

Thanksgiving ist auch alljährlich die Gelegenheit, den Status quo der Detroit Lions zu eruieren, dieser verfluchten Franchise, die sich in den letzten Jahren ganz gut gemacht hat wie ich finde. Es mischen sich aber ambivalente Gefühle in das Gesamtbild der Lions: Wären wir in 2009, ich wäre begeistert über die Art und Weise, wie diese Mannschaft spielt. Aber wir schreiben 2013, und wir könnten im Prinzip die selben Dinge schreiben wie in den letzten beiden Jahren, da sich wenig bis nix geändert hat: Diese Jungs spielen einen Ball, der den Hardcore-Fan in eine beständige Welt zwischen himmelhochjauchzend und zu-Tode-betrübt versetzt.

Das Spiel gegen Tampa Bay am Sonntag war eins. Jenes gegen Pittsburgh ein anderes. Und dann hätten wir da noch eine Partie gegen Dallas vor ein paar Wochen. Oder gegen Chicago. Alle Spiele nach demselben Schema. Aber nur zwei davon gewonnen. Das Tampa-Spiel war exakt das Dallas-Spiel, bloß ohne den Goal-Line Sneak des Quarterbacks Matthew Stafford. Ansonsten? Dominant in jeder Kategorie: Fast doppelt so viele Offense-Yards, fast ein ganzes Yard mehr im Schnitt pro Spielzug, doppelt so gute 3rd-Down%, doppelt so viele Sacks usw. Aber verloren. Der Grund: Turnovers, Big Plays bei den Buccs. Detroit schafft es immer wieder, sich selbst hinunter auf den Level des Gegners zu spielen, oder, wahlweise gegen die Top-Gegner, sich hinauf zu ziehen zum Gegner. Credo: Das Spiel muss, egal gegen wen, auf ein bizarres Finish hinauslaufen. Ist es ein QB-Sneak, gut. Ist es ein Drop zur INT des besten Spielers (Johnson), auch gut. Hauptsache knapp.

Das macht es einfach, mit dieser Mannschaft mitzuleiden, aber auch einfach, sie zu verdammen. Vor zwei Jahren war Detroit 10-6 und in den Playoffs. Letztes Jahr 4-12 und mit Top-5 Pick. Diesmal war man 6-3 und in scheinbar komfortabler Position. Jetzt ist man 6-5. In Wahrheit hat sich am Spiel genau geändert: Nix. Alle Spiele laufen nach demselben Schema F: Völlig dominante Phasen, völlig bizarre Fehler. Der Löwe wie die Raubkatze, die mit ihrem Mäuschen spielt. Allein: Das Mäuschen hat in realiter keine Chance. In Detroit ist das anders.

Diese Murmeltierschleife, in der die Franchise steckt, wird allerdings auch zum Problem für Head Coach Jim Schwartz, der längst nicht mehr sicher im Sattel sitzt. „Coachen“ ist auch „in der Entwicklung begleiten“ bzw. „die Entwicklung fördern und steuern“, aber diese Entwicklung stagniert seit ziemlich genau zwei Jahren. Die Schwierigkeiten sind seit ziemlich genau zwei Jahren dieselben, und sie sind mehr oder weniger ungelöst.

Thanksgiving läutet den Saison-Endspurt ein, und auch hier sorgten die Lions in den letzten 3-4 Jahren stets für angemessene Unterhaltung, sei es durch unbeherrschtes Nachtreten (Ndamukong Suh) oder unbeherrschten Flaggenwurf (Schwartz). Es ist immer was los. Es ist vor allem dann was los, wenn der Gegner Green Bay heißt und es ein Divisionsduell in einer knappen Staffel NFC North ist.

Green Bay musste den November ohne QB Aaron Rodgers bestreiten und verlor prompt zweieinhalb von drei Spielen. Weil die Hauskonkurrenz in Lions (6-5) und Chicago Bears (6-5) aber den Gefallen machte zu warten, bleibt es eine Division auf Messers Schneide.

Die Ansetzung Lions-Packers gab es bereits 2011 zu Thanksgiving, als sich Suh mit einem Tritt gegen einen Packers-Guard zum US-weiten Feindbild und Symbolbild des „dreckigen Spielers“ machte. Nun wird in der NFL mit harten Bandagen gekämpft, und du könntest in jedem Spiel eine Handvoll grenzwertiger Aktionen isolieren, aber Ndamukong Suh ist bis heute ein zweifelhafter Ruf geblieben. Ein bemerkenswertes Portrait über einen der umstrittensten NFL-Spieler hat Jordan Conn bei Grantland.com verfasst:

Sportlich der Unterschied zu 2011: Suh ist mittlerweile ein kompletter Spieler geworden, der gemeinsam mit DT-Kollege #98 Fairley das Herz der im Kern simplen Lions-Verteidigung bildet. Keine andere NFL-Defense ist so abhängig davon, dass vorne die beiden Tackles das Heft in die Hand nehmen; jeder Spielzug ohne schnelles Durchbrechen der Defense Line wird für Detroit aufgrund einer mäßigen Secondary zum Harakiri-Ritt.

Die Lions-Defense von DefCoord Gunther Cunningham ist nicht „schlecht“. Sie ist bloß banal, und vertraut auf die individuelle Klasse dieser zwei Spieler in der Line. Die wirklich guten Quarterbacks wissen das zu nützen, vor allem, wenn sie Zeit bekommen.

Nun ist nicht ganz klar, ob Aaron Rodgers heute Abend wirklich auflaufen wird; Rodgers soll schmerzfrei werfen können, aber riskierst du eine erneute Verletzung und das endgültige Saisonaus wegen eines – und sei es noch so wichtiges – Spiels? So makaber es klingt, aber der Gegner weiß um Rodgers‘ wunde, noch nicht vollends auskurierte Stelle, und er wird sie attackieren. 15yds-Strafen für intentionale Hits und ein angeknackstes Schlüsselbein? Die NFL ist kalt genug, um das ohne mit der Wimper zu zucken durchzuziehen, und es wird noch nichtmal Kritik an solchen Taktiken geben.

So wird vermutlich der Notnagel QB Matt Flynn auflaufen, der – auch hier haben wir eine Geschichte parat – in der NFL vor allem deswegen bekannt wurde, weil er mit zwei exzellenten Einsätzen in der Regular Season Millionen scheffelte, aber in Seattle und Oakland jeweils von QB-Grünschnäbeln verdrängt wurde. Eine dieser beiden fantastischen Flynn-Spielen in der Regular Season? 2011/12 gegen Detroit, als er ca. 500 Pass-Yards und sechs Touchdowns fabrizierte. Am Sonntag feierte Flynn sein Comeback als Packers-QB und rettete ohne zu glänzen ein Remis gegen die Minnesota Vikings.

Flynn ist ein klassischer Backup-QB: Nicht in der Lage, aus dem Nichts eine dauerhaft tragbare Offense zu leiten, aber auch nicht unterirdisch genug, dass du mit ihm das Spiel schon vor dem Kickoff abhakst. Er wird einige gute Plays machen, und wenn es der Tag erlaubt reicht das für einen herausgewürgten Sieg. Angesichts der Umstände lönnte man durchaus nachvollziehen, wenn Packers-Headcoach Mike McCarthy heute Flynn statt Rodgers aufstellt.

Ob mir oder ohne Rodgers: Ich halte Detroit heute für grundsätzlich favorisiert. Green Bay gewann zwar die meisten der letzten direkten Duelle, aber es war fast immer knapp (hehe…), und minimum drei dieser Partien hätte Detroit mit einer Prise mehr Konsequenz gewinnen können. Im Oktober war es noch am klarsten, aber da waren die Vorzeichen im Vergleich zu heute grundverschieden: Lions damals ohne WR #81 Calvin Johnson, Packers mit einem fitten Rodgers und einem fitten OLB #52 Matthews.

Dallas Cowboys – Oakland Raiders

Kickoff 21h | live bei SPORT1 US, US-Broadcaster CBS

Dallas gegen Oakland ist ein Thanksgiving-Duell, das immer seine Zuschauer anziehen wird, selbst bei sportlicher Misere beider dieser zu den bekanntesten und beliebtesten Franchises der NFL gehörenden Organisationen. „Sportliche Misere“ wäre bei den Cowboys 2013 zu negativ formuliert, denn Dallas führt immerhin mit 6-5 Bilanz die NFC East Division an und hat immer wieder brillante Ansätze. Im Kern treffen viele der obigen Beschreibungen der Lions-Franchise auch auf die Cowboys zu, mit kleinen Unterschieden: Dallas hat den deutlich schlechteren in-Game Coach (obwohl auch Schwartz kein Genie ist), und Dallas hat die dünnere Defense.

Heute sollte das nicht zu schwer ins Gewicht fallen.

Denn die Oakland Raiders sind so oder so klarer Außenseiter. Ehre und Respekt an Head Coach Dennis Allen, mit diesem für NFL-Verhältnisse furchtbaren Kader stattliche vier Saisonsiege herausgewürgt zu haben – das ist schon jetzt mehr als erwartet. Besonders gut sind die Raiders trotzdem nicht (Power-Ranking #31), aber mit ihrer zeckigen Defense können sie die mittelmäßigen Gegner im Schedule jederzeit zu sich herunter ziehen. Die Cowboys-Offense ist allerdings nicht „mittelmäßig“, sondern durchaus zu den besseren im Lande zu zählen.

So oder so glaube ich kaum, dass Oakland die fire power in der Offense hat, um mit Romo und seiner Pass-Armada mitzugehen: QB Terrelle Pryor habe ich vor einigen Wochen mal zaghaft gelobt, aber seitdem sind Pryors Zahlen ähnlich weit den Bach runtergespült worden wie es das GameTape optisch hergibt: Mittlerweile bin ich wieder auf Stand 2011, überzeugt, dass man mit Pryor keinen Franchise-QB in spe im Kader hat. Der Backup ist Matt McGloin, ein ehrenwerter Recke, der nach dem Desaster bei Penn State am College durch nichts mehr zu erschrecken ist, aber McGloin ist mit seinem limitierten Arm nicht mehr als ein Notnagel. Kurzum: Schon allein wegen der zu ineffizienten Offense gebe ich den Raiders in Dallas keine ernsthafte Chance.

Baltimore Ravens – Pittsburgh Steelers

Kickoff 2h | live bei SPORT1 US, US-Broadcaster NBC

Der einstige „Grudge Bowl“ als Krisengipfel in der Thanksgiving-Nacht? Nehm ich. Baltimore (5-6) gegen Pittsburgh (5-6) ist ein nie zu verachtendes Duell, eines der wenigen Rivalry-Games der NFL, das zwischen zwei wirklich philosophisch klar trennbaren Franchises ausgetragen wird: Beide sind stolz auf ihre Reputation als Defense-Schmieden, aber die konzeptionelle Herangehensweise ist grundverschieden. Während die Steelers sich einen Namen als „Blitzburgh“ mit massivem Zug zum Quarterback gemacht haben, agieren die Ravens vor allem über körperliche Härte und blaue Flecken. Allein: Beide Defenses sind nicht mehr so furchteinflößend wie in der Vergangenheit. Die großen Stars der letzten Jahre (Ray Lewis, Ed Reed, James Harrison, Troy Polamalu) sind entweder zurückgetreten, gewechselt oder spielerisch nicht mehr auf dem Niveau der Vergangenheit.

Baltimore hat immerhin eine verjüngte Defense beisammen, die im Laufe der Saison immer besser geworden ist, aber dafür tun sich Waale in der Offense auf: QB Joe Flacco sieht ohne adäquate Unterstützung von den Receivern schlimmer aus denn je und spielt wie erwartet meilenweit unter dem Niveau, das sein rekordverdächtiger Vertrag verlangt. Aber es kommt auch vom Laufspiel wenig bis nichts: Die SR% ist mit 30% katastrophal, der Y/A-Schnitt mit 2.9 Y/A auch nicht viel besser, und das trotz so explosiver, vielseitiger Backs wie Ray Rice oder Bernard Pierce. Man ist in der Lage, aus exzellenten Starting-Feldpositionen drei bzw. hin und wieder sogar sieben Punkte mitzunehmen, aber nach Drive-Länge ist Baltimores Offense auch im untersten NFL-Viertel zu verorten.

Pittsburgh offenbart eine gefährlichere Offense, in der RB #26 LeVeon Bell mittlerweile ein NFL-Standardlaufspiel aufziehen kann. G DeCastro spielt ein so gutes Jahr, dass man ihm zutraut, einen der Ravens-DTs im Alleingang zu übernehmen. QB Roethlisberger dahinter sieht ein wenig eingerostet aus und damit die Offense streckenweise hausbacken, aber Big Ben hatte auch Spiele mit längeren lichten Phasen, und wenn er nicht gerade Sacks für -17 Yards kassiert, ist Ben in Kombination mit dem sensationellen WR #84 Antonio Brown immer in der Lage, auch lange Drives zum TD auszuspielen. Das sieht zwar holprig aus, aber die Effizienz ist zurück. Man sollte auch dem oft in den Senkel gestellten OffCoord Haley nicht zu sehr verdammen; der ehemalige Steelers-Ballbub Haley hatte heuer wenigstens zwei oder dreimal auffallend gute GamePlans mit designten Routenkombinationen, in denen sich sogar zweitklassige Steelers-Receiver frei gelaufen bekamen.

Für mich ist Pittsburgh summa summarum in dieser Partie Favorit. Außer natürlich, Flacco zeigt, dass der Playoff-Lauf kein Zufall war und er nur mit uns allen spielt, uns in die Ecke treibt und dann aus dem Nichts einen neuerlichen Sechs-Siege Lauf in die Playoffs führt (Spoiler: wird nicht passieren).

NFL-Sonntagsvorschauer 2013, Week #5

Schwer zu sagen, wer den NFL-Schedule für diesen Sonntag zusammengestellt hat, denn während um 19h eine ganze Stange an Klasse-Matchups auf dem Programm stehen, sind die 22h25-Slates eher durchwachsen besetzt – ja es gibt überhaupt nur drei Spiele zu dieser Sendezeit. SPORT1 US bringt jedenfalls folgendes Programm:

19h    Miami Dolphins - Baltimore Ravens
19h    Green Bay Packers - Detroit Lions (*)
22h05  Arizona Cardinals - Carolina Panthers (*)
22h25  Dallas Cowboys - Denver Broncos
02h25  San Francisco 49ers - Houston Texans

Die mit (*) gekennzeichneten Spiele warden in der Multifeed-Spur übertragen.

PULS4 überträgt Dallas CowboysDenver Broncos.

Das Gratis-Spiel im Gamepass (Registrierung trotzdem notwendig; und hernach zu kündigen!) ist diese Woche Tennessee TitansKansas City Chiefs.

Die frühen Abendspiele ab 19h

Noch einmal die Vorwarnung bezüglich der Farbgebung der NFL im Oktober: Es ist der Monat des Brustkrebs-Gedenkens und ergo wird wieder quasi jeder Spieler, Coach oder Kommentator (!) irgendwas Rosarotes an seiner Kleidung tragen.

Green Bay Packers – Detroit Lions

Wichtiges Divisionsduell aus der NFC North, wo die Packers (1-2) nach dem eher missglückten Saisonstart schon leichten Druck spüren. In den letzten Jahren taten sich die Packers gegen Detroit (3-1) häufig schwer, gewannen aber trotzdem die letzten vier direkten Duelle. Ein Schlüssel-Matchup ist das direkte Duell der verletzungsgeplagten Packers-Protection für QB Rodgers gegen den Druck, den Detroit Defensive Line entfachen kann. DT #98 Nick Fairley und nochmehr DT #90 Ndamukong Suh spielen bisher meines Ermessen eine MVP-würdige Saison, halten Detroits Abwehr quasi im Alleingang im Spiel. Green Bay sah dieses Jahr schonmal eine Front-Four (Cincinnati), und hatte gegen diese ernsthafte Probleme, aus exzellenten Feldpositionen richtig fettes Kapital zu schlagen (ich glaube, damals nur 23 Punkte, obwohl 7x in des Gegners Platzhälfte gestartet).

Auf der anderen Seite haben die Packers die bisher ineffizienteste Pass-Defense mit aufgegebenen 8.2 NY/A. Detroit fährt eine der besten Pass-Offenses auf. Detroit hat in WR #81 Calvin Johnson einen, der notfalls Alleinunterhalter geben kann. „Alleinunterhalter“ gab in Woche 1 auch Anquan Boldin gegen die Packers, und das erfolgreich. Haben sich die Packers damals zusehr auf den Lauf konzentriert? Ja, aber auch die Lions haben dieses Jahr ein recht gutes Laufspiel.

Es spricht bei genauem Hinsehen also einiges für die Lions, selbst auswärts. Nichtmal das Coaching-Duell Schwartz vs McCarthy ist ein Mismatch. Das Power-Ranking gibt Detroit im Lambeau-Field eine 62%ige Siegchance! Ich mag paranoid sein, aber ich misstraue der angeblichen Packers-Schwäche. Ich fühle den Breakout der Packers, die zwei Wochen Zeit hatten, sich vorzubereiten und die ich trotz aller konträrer Beweise hier leicht vorn sehe.

Cincinnati Bengals – New England Patriots

Cincinnati (2-2) wurde letzte Woche von den Cleveland Browns (!) auf den Boden der Realität zurückgeholt, während die Patriots-Offense langsam zu klicken beginnt. Fraglicher ist, was aus New Englands Abwehr wird, die ab sofort DT #75 Vince Wilfork vorgeben muss (Achillessehnenriss). Wilfork war fast über das komplette letzte Jahrzehnt der Schlüsselspieler in Belichicks Defense, weil er mit seiner flexiblen Einsetzbarkeit ein wildes Hin- und Herschalten zwischen 4-3 und 3-4 Konzepten ermöglichte. Belichick wusste diese Flexibilität zu nutzen und schätzen.

Schwierig, Wilforks Impact zu quantifizieren. ESPN Stats hat einen Versuch übernommen, und auch wenn das Ergebnis pauschal nicht nach Downs, Distanzen udgl. unterscheidet: Ich verlinke es mal unkommentiert. Es scheint tatsächlich gravierende Unterschiede mit und ohne Wilfork zu geben.

Es bleibt die Frage, wie es nun weitergeht: Die Patriots haben mehr Linebackers als Defense Liner im Kader. Wird es nun verstärkt 3-4 Defense geben? Aber verbrennt man dann nicht die Stärken eines DE #95 Chandler Jones? Hat Chandler Jones auf der anderen Seite jemals mehr gemacht als seine Stärken anzudeuten?

Will man wirklich einen Freak wie Rookie-LB Jamie Collins 40x/Spiel auf dem Feld sehen? Die Wilfork-Verletzung könnte gröbere Auswirkungen auf die Pats haben als man annehmen würde. Möglicherweise lädt sie wieder mehr Druck auf die Offense, die damit wieder verstärkt gefordert ist, Punkte vorzulegen, um viel Nickel-Defense zu ermöglichen.

Möglicherweise ist es aber gegen QB Dalton auch genug, die tiefen Optionen aus dem Spiel zu nehmen, und in CB Talib hat Belichick einen, der WR A.J. Green zumindest annähernd auf Augenhöhe begegnen kann.

Wenn in der Pats-Offense die zuletzt angedeuteten Fortschritte (Dobson fängt Ei) real sind, sehe ich die Patriots auch auswärts im Paul Brown Stadium leicht im Vorteil (Modell sieht die Pats 51:49 vorn).

Indianapolis Colts – Seattle Seahawks

Erstes direktes Aufeinandertreffen von QB Andrew Luck und QB Russell Wilson. Luck und die Colts (3-1) schauen seit 2-3 Wochen wie ein echter AFC-Contender aus: Nicht nur der Auswärtssieg in San Francisco, sondern auch der Kantersieg in Jacksonville sind Zeichen von dominanten Mannschaften. Der Colts-Angriff fundiert auf „Power-Running“: Niemand ist da allerdings besser Verhindern dessen wie die Seahawks. Wenn Luck diese Saison auf sich allein gestellt war, tendierte er, riskantere Pässe als notwendig zu feuern – nicht immer zum Vorteil Colts. Nicht uninteressant wird die Taktik, wie die Colts ihre Protection gegen den wiedererstarkten Passrush der Seahawks gestalten wollen (u.as. wird OLB Irvin wieder spielberechtigt sein und DE Clemons war schon zuletzt wieder dabei).

Auf der anderen Seite bleibt die Colts-Defense für mich eine Black-Box: Die Ansätze von Woche 2-4 waren monströs: Physisch, diszipliniert, keine überflüssigen Strafen. Allerdings ist es auch die Defense, die sich von Terrelle Pryor zerstückeln ließ. War das damals nur ein Produkt der Überraschung? Oder sind die CBs Davis, Toler und Co. wirklich so gut wie in den Spielen danach angedeutet?

Der Gegner Seattle wird es zeigen. Die Hawks-Offense ist durchaus nicht unverwundbar, zeigte zuletzt große Schwächen in der Offense Line (LT Okung und C Unger verletzt). Wie weit kann Indys Passrush das ausnützen? Jener Passrush, den man als eher schwach erwartet hatte? Wo OLB Mathis trotzdem zuletzt 3 Sacks zustande brachte, allerdings „nur“ gegen Jacksonville? Kann Björn Werner erste Akzente setzen?

Obwohl die Colts wirklich besser zu sein scheinen als ich es im Sommer erwartet hatte, würde ich in dieser Partie den Teufel tun, gegen die Seahawks (4-0) zu setzen.

Tennessee Titans – Kansas City Chiefs

Du musst schon ein Pechvogel allererster Güte sein, wenn du als völliger Noname in die Saison gehst, dein schon von allen als Flop abgestempelter Franchise-QB Jake Locker plötzlich ernsthafte Fortschritte zeigte und seine gelegentlich eingestreuten 3-4 Sensationspässe pro Spiel zu drei Siegen (plus Overtime-Niederlage) in vier Spielen reichen, du einen nicht wirklich erwarteten Kantersieg über eine gefürchtete Jets-Defense einfährst, und sich dann genau jener QB Locker mit Verletzung für eineinhalb bis zwei Monate in den Krankenstand begibt! OK, Backup Fitzpatrick ist kein Schlechter und vielleicht im Vergleich zu Locker kein großes „Downgrade“, aber trotzdem: Da läuft mal wa gut für die Titans, und schon ist wieder schlechte Stimmung.

Sportlich scheinen die Titans bei mir im Power-Ranking in den Top-10 auf. Rein vom Zuschauen tut man sich schwer, diese Platzierung zu rechtfertigen. Ja, die Defense ist stark, aber was kann sie eigentlich wirklich gut? Bis auf die guten Defensive Tackles fällt nicht viel Erzählenswertes auf. Nun kommt mit den Chiefs ein Gegner nach Nashville, der sich auf Fehlervermeidung und extremsten Passrush zu spezialisieren scheint. Auf die Schnelle würde man natürlich Kansas City favorisieren (tue ich auch), aber das Power-Ranking gibt Tennessee mit 54% leichten Vorteil.

Miami Dolphins – Baltimore Ravens

Die Miami Dolphins (3-1) wurden am Montag von den Saints w.z.e.w. („wie zu erwarten war“) gestutzt, wenn auch am Ende höher als man hatte annehmen können. Einiges mag am Fehlen des wichtigsten Passrushers DE Cameron Wake gelegen haben. Der ist nun wieder fit. Damit dürfte auch der Dolphins-Secondary geholfen sein, die ohne konstant guten Passrush in etwa so schlecht aussah wie ich es vor der Saison befürchtet hatte.

Miamis Angriff ist ansonsten entziffert: Es ist keine Philbin-like Spread-Offense, sondern hier wird viel mit Basis-Personal operiert. QB Tannehill geht trotz monströsem Wurfarm und deep threat #11 Mike Wallace nur ungern tief und nimmt lieber die sicheren Yards. Das Laufspiel ist so lala, aber es hat hinter einer graupen-O-Line auch wenig Aussicht auf Erfolg. Diese Offense Line bricht Miami noch das Genick.

Bleibt die Frage, was die Ravens daraus machen können: Deren Defense scheint soweit okay zu sein, aber die Offense ist unterirdisch. Dass QB Joe Flacco annähernd seine Playoff-Form halten würde, hab ich nie erwartet. Eine Glückslauf oder Giga-Vertrag macht noch keinen Super-QB. Aber Flacco ist dieser Tage auch viel durchschnittlicher und wechselhafter als in der Zeit zuvor gewohnt. Man muss zugeben, dass Flacco auch null Unterstützung kriegt: Der WR/TE-Corp ist grottenschlecht.

Noch übler ist das Laufspiel: 25% Success-Rate (#32), da kannst du nimmer tiefer sinken. Das ist so zu interpretieren: Nur in einem von vier Läufen erzielt Baltimore eine „Wertsteigerung“. So ist ein 1st-und-10 besser als ein 3yds-Lauf und 2nd-und-7. Im konventionellen Stat-Sheet scheinen dann 3.0yds/Lauf aus. Aber insgesamt war dieser Laufversuch ein Misserfolg. Ligaschnitt ist 41%. Baltimore ist bei bisher ungesehenen 25%. Glück für die Ravens: Die in den letzten Jahren stets exzellente Lauf-Defense der Dolphins ist heuer bisher erstaunlich mäßig und nur an #29 klassiert.

Chicago Bears – New Orleans Saints

Die Story des Spiels läuft auf das Duell QB Brees (7.6 NY/A, #4) gegen Chicagos Pass-Abwehr (7.7 NY/A, #31) hinaus. Es ist schlicht bizarr, wie die jahrelang so dominante Bears-Defense diese Saison bisher so abschmiert. DT Melton ist verletzt, klar, aber reicht das als Erklärung? DE Peppers war zuletzt gegen Detroit auffälligster Mann und ließ die Unkenrufe nach einem Leistungseinbruch bei Peppers verstummen. DE McClellin spielt quasi überhaupt nicht. CB Tillmann zwar mit einigen INTs, aber ließ sich im Season-Opener gegen Cincinnati von AJ Green mehrfach übel verarschen. Da kommt der quasi ohne Schwachstellen operierende Angriff der Saints ziemlich ungelegen… Zu schauen auf der anderen Seite: QB Cutler gegen eine Saints-Defense, die bisher überrascht: Relativ guter Passrush um den optisch auffälligen DL #94 Cameron Jordan, und mit 5.4% INT-Quote bisher eine „ballhawk“-Unit. Ist das legendär unbespielbare Feld im Soldier Field für die Bears genug, um ihre auf dem Papier großen Matchup-Nachteile zu kaschieren und mit zwei Puntreturn-TDs doch zu gewinnen?

New York Giants – Philadelphia Eagles

Die Giants (0-4) sind im Alarm-Modus, und wer seinen Quarterback einer solchen „Protection“ aussetzt wie Big-Blue, muss mit Allem rechnen, aber die Situation in der NFC East ist für sie so verheerend nicht:

DAL  2-2
PHI  1-3
WAS  1-3
NYG  0-4

Kein einziges Team ist wirklich überzeugend. Mit den Eagles (1-3) kommt nun ein direkter Kontrahent in die Meadowlands, einer mit einer nur zeitweise überzeugend-explosiven Offense und einer schlagbaren Secondary. Die Eagles sind auf dem Papier ein gutes Matchup für New York. Sollte QB Eli Manning seine horrende INT-Quote unter Kontrolle halten, ist seine Mannschaft für mich hier zu favorisieren, zumal der Eagles-Passrush auch nur abschnittweise ein Passrush ist.

St Louis Rams – Jacksonville Jaguars

Gemessen an den Werten, die mein Power-Ranking für diese beiden Franchises ausspuckt, wird das ein Festival der Inkompetenz: Die Rams sind das Schlusslicht in meinem Ranking, die Jags die #30. Jacksonville gilt für das Ranking überraschend als minimaler Favorit (50.02%), und das widerspricht so ziemlich jeder konventionellen Meinung, die es quer durch die Staaten zu lesen gibt.

Denn die Jacksonville Jaguars (0-4) gelten als schlechtestes Team seit den Lions 2008 (persönlich stufe ich Rams und Lions von 2009 allerdings von der Qualität nochmal eine Kategorie tiefer ein) und wenn es mal wieder eine Gefahr für die sieglose Saison gibt, dann soll Jacksonville 2013 das Team Ihrer Wahl sein.

An den Jags ist so ziemlich alles zu bemitleiden: Bei den Quarterbacks haben wir das gescheiterte Talent Blaine Gabbert und Backup Chad Henne, der nur noch ein Schatten seiner selbst ist (und so gut war Henne nie). 4.2 NY/A sind Pass-Werte, da kannst du Tebow einwechseln und hast sofort ein halbes Yard Verbesserung. Bei den Runningbacks quält sich ein verbrauchter Jones-Drew übers Feld. Die Wide Receiver können zumindest zum ersten Mal dieses Jahr auf den bisher gesperrten Justin Blackmon bauen, aber sonst läuft nicht viel Bekanntes übers Feld. Und die Offense Line ist auf Guard und Center ds schlechteste in der NFL, und hat in LT Monroe unter der Woche ihren besten Mann nach Baltimore verkauft.

Die Defense von Guru Gus Bradley ist besser, aber nicht wirklich reif. Zu viele Löcher, zu wenig Highend-Talent. Aber wenn diese Defense gegen QB Sam Bradford keinen Stich macht, dann ist es wirklich zu spät.

Für mich ist St Louis (1-3) trotz all seiner eigenen Probleme klar favorisiert; die Rams-Offense ist zwar kaum besser als Jacksonville, aber die Defense halte ich für ein ganz anderes Kaliber mit ihrer relativ guten Passrush-DL, die allenthalben eine Spur zu aggressiv zu Werk geht und sich daher vom Laufspiel verarschen lässt.

Die späten Abendspiele nach 22h

Arizona Cardinals – Carolina Panthers

Kickoff: 22h05

Alle Augen sind auf das Matchup zwischen Arizonas Offense Line gegen die massive Front-Seven der Panthers gerichtet. Hier könnte sich erstmals zeigen, wie schwer der Ausfall von G Jonathan Cooper wirklich wiegt, obwohl: Die Cards (2-2) hatten in Woche 2 schon eine andere massierte Defensiv-Front unter Kontrolle: Detroit. Allein, die Panthers können hinter einem Kaliber wie Lotulelei auch noch hochkarätige Linebackers wie Kuechly oder Anderson (Beason wurde unter der Woche nach New York getradet) auffahren und dürften daher schon einen leichten Vorteil besitzen.

Nicht unspannend wird auch das Duell QB Cam Newton gegen die starke Cards-Defense: Newton hatte vor zwei Jahren sein Profidebüt gegen diese Defense, und beeindruckte die Fachwelt damals mit über 400 Pass-Yards unr mehreren Sensations-TDs – damals ungesehen für einen Rookie. In jenem Spiel hatte meiner Erinnerung nach auch CB #21 Patrick Peterson seinen Breakout; Peterson war damals vornehmlich Returnspezialist. Heute gilt er als einer der besten Cornerbacks in der Liga. Es ist übrigens aus Cards-Sicht auch das Spiel, in dem ILB Daryl Washington nach Dopingsperre wieder zurückkehrt.

Oakland Raiders- San Diego Chargers

Kickoff: 22h25 Montag früh, MESZ 5h35

Vorteil für die San Diego Chargers (2-2) in diesem Spiel: Ihre größte Schwachstelle, die verheerende Secondary, dürfte von Oaklands unbeständigem Scramble-QB #6 Pryor (soll wieder fit sein) nur selten bzw. zu wenig konstant ausgetestet werden. Es wäre zwar nicht das erste Mal, dass die Raiders einen Überraschungscoup gegen San Diego fahren würden, aber mir gefiel die Offense um QB #17 Rivers in den letzten Wochen zu gut, als dass ich ernsthaft an einen Raiders-Erfolg in diesem Spiel glauben will.

(Update: Aufgrund des MLB-Playoffspiels der Oakland Athletics im selben Stadion findet diese Partie wegen Umbauarbeiten ein paar Stunden später statt)

Dallas Cowboys – Denver Broncos

Kickoff: 22h25

Denvers Offense hat bisher 49, 41, 34 und 52 Punkte aufs Tablett gelegt – so viele wie nie zuvor eine Mannschaft in den ersten vier Saisonspielen. Ein Merkmal dabei war in drei von vier dieser Spiele: Die Punkteexplosion kam erst nach der Pause. Eine Halbzeit lang hatte QB Manning durchaus zu knabbern, ehe die Armada um WR Welker, WR Thomas, WR Decker und TE Thomas optische Überlegenheit auch in TDs, TDs, TDs ummünzte.

Sunday Night Game

Kickoff: ca. 02h25

Die Ansetzung für Sunday Night Football lautet San Francisco 49ers (2-2) – Houston Texans (2-2), zwei Teams, die man im Vorfeld der Saison irgendwo im Dunstkreis der Titelanwärter vermutet hätte. Vielleicht sind sie beide immer noch dort, aber überzeugend in die Saison gekommen sind sie nicht – und zwar der eine wie der andere.

Die Probleme bei den Niners habe ich schon mehrfach geschildert: Eklatante Abhängigkeit in der Offense von WR Anquan Boldin, ein QB Kaepernick, der gerade im Wellental der Entwicklung ein Tal durchschreitet, eine verletzungsgeplagte Defense (überhaupt verletzungsgeplagter Kader), die niemandem mehr Angst und Schrecken einjagt. Gegen die Rams wurde zwar klar gewonnen, aber „klar“ ist nicht gleich „überzeugend“.

San Francisco ist mit 0.67 Penalty-Yards pro Spielzug außerdem ein brutal undiszipliniertes Team. Nicht alle sehen die Schuld bei sich. Kopfjäger Donte Whitner (Safety) ließ unter der Woche seinen Namen allen Ernstes in Donte Hitner (ohne das „W“) abändern. Nicht aus Spaß, sondern richtig mit Registrierung im Amt und allem Trara. Ochocinco lässt grüßen. Nur, dass Hitner ein Zeichen setzen wollte gegen die NFL, die es angeblich auf ihn abgesehen habe… naja.

Houston hat andere Probleme: Zu große Abhängigkeit von zwei Schlüsselspielern in der Defense (DE Watt, ILB Cushing), und vor allem ein QB Schaub, der die Fans mit seinem leblosen Spiel zur Weißglut bringt. Schaub hat schon drei „Pick Sixes“ (zu TDs returnierte INTs) geworfen, und auch wenn das eine Statistik ist, die nicht linear fortgeführt werden wird: Solche Pick-Six tun immer weh. Ganz besonders, wenn sie wie gegen Seattle bei Führung kurz vor Schluss kommen und ein längst gewonnen geglaubtes Spiel noch zum Schlechten wenden.

Ansonsten sind die Texans durchaus ein interessanter Laden: In der Offense klappt die Integration vom gehypten Rookie-WR #10 DeAndre Hopkins durchaus wie geplant, und trotzdem fehlt weiterhin der Esprit. Der Offensivgeist Gary Kubiak wird da noch einige Stellschrauben drehen müssen, zumal die Texans in der eigenen Division durch die Colts vielleicht doch ernsthafte Konkurrenz kriegen…

Für Houston war es letzte Woche fast schon ein Achtungserfolg, die Seahawks am Rand einer Niederlage gehabt zu haben. San Francisco ist der nächste Kracher aus der NFC West. Aufgrund des Auswärtsspiels sehe ich die 49ers aber durchaus favorisiert.

NFL 2013-14, Gameday #3 am Sonntag

Bitte nicht erschrecken. Ich muss diesen Sonntag für den urlaubenden korsakoff einspringen, der mir noch das Sendeprogramm der deutschsprachigen TV-Sender mit auf den Weg gegeben hat:

19h    Baltimore - Houston
19h    Washington - Detroit (*)
22h05  Miami - Atlanta (*)
22h25  San Francisco - Indianapolis
02h25  Pittsburgh - Chicago

Die mit (*) markierten Spiele laufen bei SPORT1 US auf SKY via Multifeed.

PULS4 in Österreich bringt ab 22h30 San FranciscoIndianapolis mit dem neu akquirierten Runningback der Colts, Trent Richardson.

Im NFL Gamepass gibt es heute ein Gratis-Spiel New Orleans SaintsArizona Cardinals. Man muss sich aber anmelden, und dann rechtzeitig wieder kündigen.


Zuerst zu den Spielen, die MESZ ab 19:00 Uhr ausgetragen werden. Ich hoffe, meine „Expertise“ reicht für das lesende Publikum aus.

Cincinnati Bengals – Green Bay Packers

Bei diesem Spiel muss ich immer an meinen Host Daddy aus der Schulzeit als Austauschschülerin in Pennsylvania denken: Glühender Bengals-Fan, der nach vielen Jahren Seuche zum ersten Mal so etwas wie Hoffnung spürte. Cincinnati qualifizierte sich in jenem Herbst zum ersten Mal seit 15 oder so Jahren für die Playoffs, und es waren selige Weihnachten, aber dann riss sich der Franchise-Quarterback alle Bänder und die Seuche ging weiter. Bis jetzt. 2013 treten die Bengals nach langen Jahren wieder mit echten großen Hoffnungen an. Überwiegende Meinung: Es fehlt ihnen nur noch eins, und das ist ironischerweise ein richtiger „Franchise-Quarterback“. QB Andy Dalton ist zwar ein Guter, aber nicht einer der besten. Das sah beim Monday Night Game gegen Pittsburgh in Week 2 dann so aus: Jeder längere Wurf segelte viele Meter am Ziel vorbei, oder drüber.

Tipp: Wenn wir schon über Franchise Quarterbacks sprechen, dann hat Green Bay nicht nur einen den besseren, sondern den Besten. Green Bay gewinnt.

Tennessee Titans – San Diego Chargers

Gäbe es Punkte für Attraktivität, dann hätten diese beiden Teams im Sommer nicht bloß keine bekommen, sondern Punktabzüge. Und dann starten beide mit 1-1 in die Saison und lehren dabei die Großen das Fürchten: Tennessee mit Auswärtssieg in Pittsburgh und nur knapper Auswärtsniederlage in Houston, San Diego verlor auch haarscharf gegen Houston und gewann auswärts in Philadelphia. Die besseren Impressionen hinterließ San Diego, die schon wieder von den Playoffs träumen.

Tipp: San Diego Chargers.

Washington Redskins – Detroit Lions

RGIII ist noch längst nicht wieder der Alte und humpelt zähnefletschend über das Feld, aber der einzige Weg, einen gesunden RGIII zu einem fitten RGIII zu einem _spielfitten_ RGIII hochzuziehen, ist es, RGIII spielen zu lassen. Deswegen werden sich die Schreie nach seinem Ersatzmann schnell einstellen. Der einzige Grund, ihn gegen Detroit keine Spielpraxis sammeln zu lassen, ist der gemeingefährliche Ndamukong Suh von den Lions, vor dem selbst die eigenen Mitspieler im Training Angst haben, weil er seine Energie nicht im Zaume halten kann.

Tipp: Detroit.

New England Patriots – Tampa Bay Buccaneers

Es war die erste Saison, in der ich rechte Hoffnungen hatte, dass es mit Evil B.B. und dem Modelficker (*) abwärts geht, und nix: Zwei Spiele, zwei Siege. Ja, es war zweimal knapp und gegen zwei der schlechtesten Teams (sagen zumindest alle über Buffalo und Jersey-B), aber das gehört alles zu B.B.s Plan. B.B. hat den ganzen Sommer damit verbracht, den Schedule zu studieren und kam zum Schluss, dass die ersten Games der Pats so einfach seien, dass sie selbst mit der B-Reserve zu gewinnen sind. Besser erstmal auf die richtigen Gegner einspielen und die schmutzigen Wins mitnehmen. Klappte ja hervorragend, auch wenn der Modelficker das in seinen Wutausbrüchen wohl nicht so sah, Aaron Dropson und Kenbrell Dropkins sei Dank.

Heute folgt Stufe zwei des B.B. Plans, und sehr zur Freude geht es gegen den besten Kumpel, Greg Schiano, den einzigen NFL Coach, der noch unsympathischer ist ohne B.B.s Kultigkeit zu besitzen. Die halbe Mannschaft des B.B. besteht aus Jungens, die Schiano am College in Rutgers unter seinen Fittichen hatte. Das ist kein Zufall. B.B. weiß, dass alle Menschen, die schonmal unter Schiano arbeiten mussten, dankbar sind, unter B.B. arbeiten zu dürfen. Um das zu verdeutlichen, hält B.B. gemeinsame Trainings mit Schiano ab.

Schiano steht nach dem missglückten Auftakt der Bucs (0-2) schon mit dem Rücken zur Wand. Dass Schiano ein menschliches A****loch ist, verheimlicht niemand. Wichtige Spieler wie Darrelle Revis kritisieren Schiano öffentlich oder denken an einen schnellen Abgang wie Josh Freeman. Dieser ist der Quarterback, und der spürt von Schiano so viel Rückhalt, dass er bei der Heimniederlage gegen New Orleans nicht einmal 3 Yards in der letzten Minute ausspielen durfte.

Tipp: New England.

[Update] (*) Um der Entrüstung Einhalt zu gewähren, ein Verweis auf die eine oder andere Stelle aus den Tiefen der Vergangenheit dieses Blogs. – korsakoff[/Update]

Die anderen Spiele

St. Louis Rams – Dallas Cowboys. Wenn es nicht so egal wäre: Cowboys gewinnen das.

Minnesota Vikings – Cleveland Browns. Das Duell der großen Running Backs ist nach dem Abgang von Trent Richardson in Cleveland zu einem Rohrkrepierer geworden. So wird es zum Duell der QB Chris Ponder gegen Brian Hoyer. Chris Ponder wuppt das. Tipp: Vikings.

New Orleans – Arizona Cardinals. Tipp ist nicht schwierig: New Orleans.

Carolina Panthers – New York Giants. Spielen hier die beiden unsympathischsten Quarterbacks gegeneinander? Nein, New England ist nicht mit von der Partie. Tipp: New York Giants.

Baltimore Ravens – Houston Texans. Hier sind die Namen größer als die Leistung. Baltimore ist weniger Not als Houston Elend. Deswegen: Ravens gewinnen und schicken Ed Reed nachher einen Blumenstraß mit nach Houston.


Weiter mit den Spielen, die zwischen 22:05 Uhr und 22:25 Uhr MESZ angestoßen werden.

New York Jets – Buffalo Bills

Zweimal schwarze Rookie-Quarterbacks. E.J. Manuel für die Bills war der erste 2013 genommene Quarterback im Draft, Geno Smith für die Jets der zweite. Beide Teams stehen bei 1-1. Beide gewannen ein Heimspiel gegen einen vermeintlich überlegenen Gegner mit einem Punkt. Beide profitierten dabei von haarsträubenden Fehlern beim Gegner, Strafen und schlechte Coach-Entscheidungen. Beide spielten schon gegen die Patriots, und beide verloren trotz guter Leistung knapp. Die Bills verloren mit 2 Punkten, die Jets mit 3, aber die Jets spielten auswärts gegen die Pats. Nach dieser Logik müsste es ein ausgeglichenes Spiel werden.

Tipp: Jets haben Heimvorteil, Jets gewinnen.

San Francisco 49ers – Indianapolis Colts

Es gibt bei diesem Spiel nur eine Storyline, und die ist das Wiedersehen von Colts-QB Andrew Luck mit seinem ehemaligen Head Coach am College, nun Head Coach in San Francisco: Jim Harbaugh. Für das breitere Verständnis ist hier ein wenig Kontext angebracht. Die beiden arbeiteten an der Stanford University zusammen. Diese Uni war für alles bekannt, nur nicht für hohe Ambitionen im Football. Bis Jim Harbaugh kam, der früher mal NFL-Quarterback gewesen war bei den *pling* Indianapolis Colts. Innerhalb kürzester Zeit verwandelte Harbaugh Stanford von einem der schlechtesten Teams zu einem der besten.

Mit half die von ihm gepredigte Disziplin. Aber ebenso half Andrew Luck, der Quarterback, den Harbaugh rekrutiert hatte. Ich war damals Auslandsstudentin in den Vereinigten Staaten und nur nur periphär am Football interessiert, aber ich erinnere mich an ein Spiel zurück, das an der Westküste stattfand, aber auch bei „uns“ im Südosten Wellen schlug: Stanford mit Harbaugh und Luck schlug auswärts als Wett-Underdog von 41 Punkten die landesweite #1 Southern Cal! Die Geburtsstunde der Legende von Stanford, Harbaugh und Luck. Gemeinsam gewannen sie nie den National Title, aber sie spielten wenigstens zu Harbaughs Abschied in der Orange Bowl und gewannen deutlich. Jim Harbaugh ging 2011 in die National Football League und machte in San Francisco aus einem der schlechtesten Teams eines der besten. Luck folgte 2012 und half in Indy mit, das schlechteste Team zu einem Playoff-Team zu machen.

Über die Connection Harbaugh-Colts, Colts-Luck, Luck-Harbaugh tummeln sich viele weitere Gestalten aus dem damaligen Umfeld von Stanford in den beiden Mannschaften. Harbaugh hat beispielweise seinen Offensive Coach Greg Roman mit in die N.F.L. genommen. In Indy spielt mit TE Coby Fleener ein ehemaliger Stanford Cardinal, und Offensive-Coordinator Pep Hamilton war auch Lucks Positionscoach an der Uni.

Tipp: San Francisco gewinnt klar und deutlich.

Seattle Seahawks – Jacksonville Jaguars

Wiedersehen war das Thema, Wiedersehen ist das Thema: Bei diesem Spiel geht es um Gus Bradley, formerly Defensive Coordinator bei Seattle, und jetzt Head Coach bei Jacksonville. Für ihn ist es die Rückkehr in sein altes Stadion, wo er den Grundstein legte für die Defense der ‘Hawks, die jetzt die beste der N.F.L. ist. Überhaupt ist Seattle eines der besten Teams und ein Super Bowl Favorit. Da muss es für Bradley ein Kulturschock gewesen sein, denn Seattle und Jacksonville sind nicht bloß geographisch tausende Meilen entfernt – vom äußersten Nordwesten in den (fast) äußersten Südosten – sondern auch footballerisch. Die Jags sind das schlechteste Team der Liga! So schlecht, dass sich letztens sogar der lokale Broadcast-Ableger von CBS in Florida entschuldigte, das Jaguars-Spiel vertraglich übertragen zu müssen.

Jacksonville hat bisher gegen zwei der drei schlechtesten Teams von 2012 gespielt. Das dritte im Bunde waren sie übrigends selbst. Dabei haben die Jags insgesamt ganze elf Punkte erzielt. Zum Vergleich: Seattle hat gegen zwei der besseren Teams gespielt, und insgesamt ganze zehn Punkte ZUGELASSEN!

Die einzige Gefahr vor einem solchen Spiel ist der „Hangover“, das Unterschätzen des Gegners. Genau über diese Gefahr und wie er damit umgeht, hat der Cornerback Richard Sherman bei Sports Illustrated geschrieben. Sherman mag ein Lautsprecher sein, aber er hatte mal ein Scholarship bei Stanford. Richard Sherman ist nicht dumm.

Tipp: Die Jaguars sind mein Lieblingsteam in der NFL, aber nichts liegt heute ferner als ein weiteres Debakel. Das ist vielleicht auch gut so, denn es vergrößert die Chancen auf hohe Draftpicks 2014. Seattle gewinnt mit wenigstens vier Touchdowns Differenz.

Miami Dolphins – Atlanta Falcons. Atlantas Schönwetterspieler kriegen schönes Wetter in Miami. Tipp: Falcons.


Und schließlich das Sunday Night Game um 2:20 Uhr MESZ.

Pittsburgh Steelers – Chicago Bears

Das Sunday Night Game lebt mehr von den großen Namen als von der Qualität der beiden Mannschaften. Mal ehrlich: Die Steelers sind 0-2, und sie sind verdient 0-2. Die Bears sind 2-0, aber es waren die sprichwörtlichen engen Spiele, die ihnen dazu verhalfen: Touchdowns in den letzten Sekunden und Fehler beim Gegner ohne Ende. Der gemeinsame Nenner zwischen den beiden ist Cincinnati: Beide haben schon gegen die Bengals gespielt. Chicago gewann daheim glücklich mit +3, Pittsburgh verlor auswärts verdient mit -10. Wenn wir die Heimvorteile in allen drei Spielen berücksichtigen, ist Chicago trotz Auswärtsspiel mit 4 Punkten favorisiert, und in etwa so ist die gefühlte Ausgangslage auch vor diesem Spiel. Jay Cutler wird es richten.

NFL-Sonntagabendvorschau #2, 2013

Die Reaktionen nach einer ersten Spielwoche in der NFL sind meistens von arg nach oben gepushten Storys geprägt, die zur Folge haben, dass das tatsächlich Passierte oft schon auf die komplette Saison projiziert wird. Ein schlechtes Auftaktspiel ist aber ebenso ein Todesstoß für die Hoffnungen einer Franchise wie ein genialer Kantersieg nicht immer ein Zeichen für einen dominanten Herbst wird. Sehen wir es so: Es gab 16 Spiele. 13 (!) davon endeten innerhalb eines Scores Differenz. Manchmal mag ein spätes Comeback dafür verantwortlich gewesen sein, aber es gab auch eines dieser oft verspotteten „späten Comebacks“, das am Ende in einem nicht mehr für möglich gehaltenen Sieg endete (HOU @ SD). Das ist doch aufregend. Also: Ich hab zwar auch eine Serie an Spielen analysiert und schon versucht, erste Eindrücke zu sammeln, aber bleiben wir noch am Boden, was die Langzeit-Aussichten angeht. Abheben können wir nach 3-4 Wochen, wenn sich echte Trends ablesen lassen.

Weekometer 1

Dann wird auch das unbestechliche Power-Ranking zurückkehren. Nach der ersten Woche gibt es deswegen nur ein kurzes Barometer der ersten Performance. Lassen wir uns nicht von Siegen und Niederlagen verarschen, und sehen wir es mal nüchtern – das Donnerstagsspiel hab ich noch nicht gesehen:

  • Überzeugende Vorstellung: Denver, San Francisco, Green Bay, Seattle, Carolina, New Orleans, Cincinnati, Miami
  • Noch Luft nach oben: Atlanta, Chicago, Houston, Kansas City, New England, Tampa Bay, Pittsburgh, Philadelphia, Detroit, Dallas, NY Giants
  • Die grauen Mäuse: Baltimore, St Louis, Arizona, Washington, Indianapolis, Oakland, San Diego, Tennessee, NY Jets, Minnesota, Cleveland, Buffalo
  • Bleeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeep: Jacksonville

Sonntag #2: NFL-Programm im TV

SPORT1 US und sein TV-Programm bleibt für diese Woche noch drin. Der Sender läuft quasi auf Bewährung. Er überträgt live:

19h    Chicago - Minnesota
19h    Philadelphia - San Diego
22h05  Arizona - Detroit (*)
22h25  New York Giants - Denver
02h25  Seattle - San Francisco

Die mit (*) gekennzeichneten Spielen laufen bei SKY im Multifeed-Kanal.

PULS4 bringt in Österreich ab 22h30 live die Partie New York Giants – Denver Broncos.

Frühabendprogramm um 19 Uhr

Das vermeintliche Topspiel des 19h-Slates ist Green Bay PackersWashington Redskins, das aber überraschend nicht im TV-Programm bei SPORT1 US auftaucht. Die Packers kriegen eine Woche nach der Verarsche in San Francisco nun endlich die erste „echte“ read-option Offense vorgeschmissen, auf die sie sich ein halbes Jahr lang vorbereitet haben: Während die 49ers die Packers einfach „überwarfen“, wird Washington mit RG3 im Angriff schon eher nach der alten read-option Offense aussehen. Bei den Skins war man letzte Woche bass erstaunt, wie „langweilig“ diese spektakuläre Mannschaft im direkten Vergleich mit Philadelphia aussah. Green Bay ist der klare Favorit, aber es gibt durchaus Hoffnungsschimmer: Die Redskins-DEs Orakpo/Kerrigan hatten letzte Woche ein recht gutes Spiel, und sie kriegen nun eine eher schwache Offense Line vorgeworfen. Auf der anderen Seite: Das Skins-DB ist so schwach besetzt, dass QB Rodgers unter 30 Punkten nicht aus der Partie kommt…

Die Eagles treffen daheim im Duell zweier zum Auftakt überraschend starker Mannschaften auf die San Diego Chargers. Das erste bestaunenswerte ist natürlich dieser fassungslos schnelle Eagles-Angriff, der letzte Woche in der ersten Halbzeit unglaubliche 53 Plays machte! Da haben manche Teams im ganzen Spiel nicht viel mehr davon. Wie wird San Diegos Abwehr reagieren? Die Skins schienen am Montag recht ausgelaugt zu sein, und trotz sehr guter Outside Linebackers bekamen sie nie wirklich Zugriff auf die Pocket. Bei San Diego ist der beste Verteidiger in der Front-Seven in DE Freeney ein Mann, der gegen den Lauf als ungebräuchlich gilt. Zufälligerweise war genau jenes Laufspiel der Iggles um RB McCoy letzte Woche der Killer.

Bei ChicagoMinnesota muss man sehen, ob die Bears eine erneut so solide Offensivvorstellung wie letzte Woche bringen können. Die Bears zeigten erstmals seit vielen Jahren richtig gute Ansätze, und der neue Head Coach Trestman, eigens genau dafür geholt, wird schon als großer Innovator gefeiert. Dabei zeigte sich nur eins, das man eh schon wusste: QB Jay Cutler braucht eine saubere Pocket, um effizient zu sein. Als der Passrush der Defense Line durchkam, zeigte Cutler altbekannte Schwächen. Immerhin: Die Offense Line der Bears hielt halbwegs gegen eine der gewaltigsten Verteidigungen in der NFL. Minnesota hat keinen viel schwächeren Passrush, aber die Vikes sind im Angriff eindimensional wie eine Scheibe Toastbrot, und deswegen klarer Außenseiter.

IndianapolisMiami ist die Partie zweier Quarterbacks, die letztes Jahr in den Top-10 gedraftet wurden. Der große Knackpunkt in diesem Spiel wird das Duell DE Cameron Wake gegen die Colts-OL sein. Letztere sah letzte Woche seeeehr wackelig aus. Wake dagegen brannte ein Feuerwerk ab, über das sich sämtliche Experten noch heute die Mäuler zerreißen. Wird QB Andrew Luck überhaupt Zeit genug bekommen, und wenn ja, wird er auch noch gute Pässe werfen, wenn er jedes Mal Wake im Helm sieht?

BaltimoreCleveland ist die Rivalität der alten mit den neuen Browns, die ich so oft schon auf diesem Blog thematisierte. Beide haben diesmal aber andere Probleme, als sich mit den 90er Jahren auseinanderzusetzen. Die Ravens können sich immerhin noch an einer ordentlicher ersten Halbzeit im ersten Spiel hochziehen, aber die Ursachenforschung ob des Totalkollapses nach einem unglücklich verlaufenen dritten Spielviertel dürfte noch anhalten. Die Browns waren die Browns. Sie zeigten halbwegs gute Ansätze, aber QB Weeden war ohne echte Anspielstationen so verloren wie es der triste Endstand (10-23 gegen Miami) aussagt. Leider wird WR Gordon auch heute mit Sperre fehlen.

HoustonTennessee riecht trotz der Riesensensation der Titans letzte Woche in Pittsburgh nach einer klaren Angelegenheit pro Texans. Wird erneut RB Ben Tate seinen bekannteren Kollegen RB Foster in Grund und Boden spielen? Kansas CityDallas ist schon spannender: Die Chiefs zeigten sich von der souveränen Seite, aber der Gegner Jacksonville war harmlos wie ein kleines Kätzchen. Dallas wird der erste Test: Die Cowboys gewannen gegen die Giants, aber es war kein überzeugender Sieg, der alle die Boys mit drei Meter breiten Schultern durch Texas stapfen ließe. Andy Reid will das natürlich unbedingt gewinnen, um am Donnerstag mit 2-0 Bilanz nach Philly zurückzukehren.

AtlantaSt Louis klingt als Ansetzung langweiliger als es vielleicht wird: Die Rams haben eine extrem physische Mannschaft, und genau Physis ist das, was Atlanta nicht schmeckt. Beide sind die Hallenatmosphäre gewohnt. Es ist das Wiedersehen von RB Steven Jackson, der seine beste Karriere-Jahre in einem Müllteam in St Louis vergeudete, mit seiner alten Mannschaft. Jackson wurde letzte Woche nur in homöopathischen Dosen eingesetzt, aber er wurde vielseitig eingesetzt, vor allem auch als das, was Vorgänger Turner abgegangen war: Als Receiver.

Schließlich Buffalo BillsCarolina Panthers. Beide verloren letzte Woche, aber beide verließen das Stadion mit einem guten Gefühl. Die Panthers lieferten Seattle einen großen Kampf, und ganz ehrlich: Qualitätsunterschied hab ich keinen gesehen. Die Statements der Panthers-Coaches („Sorry, wir haben eine zu konservative Offense gespielt“) gehen genau in die richtige Richtung – überraschend nach einer Offseason, in denen man den guten alten Zeiten mit I-Formation nachweinte. QB Cam Newton trifft auf einen anderen schwarzen Jungstar-QB: E.J. Manuel, dessen Debüt gegen die Pats wechselhaft war.

Abendspiele nach 22 Uhr

Als erstes zu nennen ist die „Manning Bowl“ der beiden berühmtesten Quarterback-Brüder Amerikas, Eli Manning (NY Giants) gegen den großen Bruder Peyton Manning (Denver Broncos) ab 22h25. Das Spiel kommt auf SPORT1 US und bei PULS4. Bei den Giants ist sich noch kein Mensch im Klaren, was die Mannschaft drauf hat: Das Auftaktspiel war komplett vogelwild und als solche auch unterhaltsam, aber es ist immer schwierig, aus solchen Freakspielen mit sieben Turnovers, fünf Fumbles und Fantillionen an Big-Plays irgendwelche Folgerungen zu ziehen… außer dass Tom Coughlin diesmal garantiert keine 14jährigen Jungs mit zittrigen Händen in diesem Spiel aufstellen wird.

Denvers QB Peyton Manning hatte im Season-Opener 7 TD-Pässe, NFL-Rekord eingestellt. Ich hab aber noch nicht vergessen, wie zäh die Broncos über eine Halbzeit lang spielten. Und diesmal wird man eine tief besetzte Defense Line antreffen, und eine Defense, die zuletzt trotz einer Unzahl an Turnovers ihrer Offense ein Auswärtsspiel im lauten Dallas bis zuletzt offen halten konnte.

Bei Tampa BayNew Orleans steht das Mannschaftskonstrukt der Buccs auf dem Prüfstand. Nach der überraschenden Pleite letzte Woche bei den Jets hat es eine Mannschaftsaussprache gegeben, bei der QB Josh Freeman angeblich ziemlich harsch angemacht wurde. Freeman zog sich daraufhin wie ein beleidigtes Kind, dem man seinen Lutscher geklaut hatte, zurück und schmollte so lange, dass er einen offiziellen Foto-Termin mit der Mannschaft verpasste. Kein Mensch wagt darauf zu wetten, ob Freeman nun gegen eine nicht mehr unterirdische, aber immer noch ziemlich mäßige Pass-Defense der Saints mit vier Touchdowns oder fünf Interceptions (oder beidem) antworten wird. Auf alle Fälle potenziell ein gewaltiger Shootout (Spiel ab 22h05!).

Auch 22h05 ist der Kickoff für Arizona CardinalsDetroit Lions. Letzte Jahr war das Cards-Spiel die höchste Pleite für eine motivationslose Lions-Mannschaft im späten Dezember (10-38 Schlappe). Diesmal sind die Vorzeichen andere: Detroit kommt aus einer Auftaktwoche, in der man in Minnesota einen Divisionskonkurrenten nur wegen eigener Nachlässigkeiten nicht komplett abgeschossen hat. Arizona bringt eine ähnlich gepolte Defense daher, und die Cardinals haben eine bessere Offense als dies Vikes (und Heimvorteil), aber alles in allem riecht das doch eher pro Lions, sofern QB Staffords Form im Auftaktspiel keine Eintagsfliege war.

Bei den Lions steht mal wieder DT Ndamukong Suh nach einem unnötigen wie unfairen „low block“ bei einem INT-Return gegen C Sullivan in der Kritik. Suh musste 100k Strafe zahlen, aber unter der Woche meldete sich in Chris Canty ein Line-Kollege zu Wort, der zurecht ansprach, dass diese für die Knie bedrohliche Art des Blockens quer durch die Bank von Offense Linern praktiziert wird – für die ist es zwar legal, aber Canty sieht in Sullivans Aufschrei Doppelmoral.

Noch was? Ah ja. Die Jacksonville Jaguars kriegen eine Woche nach Kansas City das nächste Team vorgeworfen, das dieses Jahr einen der drei schlechtesten Records hatte: Die Oakland Raiders. Die zeigten eine couragierte Leistung in Indianapolis. Bei den Jaguars dagegen zuckte zum Auftakt noch nix: Eine 2-28 Pleite, bei der sich der Gegner nichtmal schmutzig machen musste. QB Gabbert ist nun angeschlagen, muss quasi ohne Anspielstationen ein Spiel bestreiten, bei dem jeder sagen wird „wenn’s nicht mal gegen die Raiders was wird…“

Sunday Night Game

More to come. Aber erst zu Mittag oder am Nachmittag.

Pfingst-Trilogie: Die Bühne gehört erneut der Klasse von 2010, Part 1

Vor einem Jahr hatte ich aus purem Eigeninteresse Teile der ersten Runde des NFL-Drafts von 2010 unter die Lupe genommen. Ein Jahr später ein weiterer Blick auf diesen Jahrgang nach dessen zweitem Jahr – also acht Monate vor der vorläufigen Klausur zur „mittleren NFL-Reife“. Heute das erste Dutzend an Erstrundendraftpicks, die sich in ihrer Gesamtheit besser geschlagen zu haben scheint, als man es ihnen in der doch recht ruhigen Vorberichterstattung vor zwei Jahren zugetraut hatte.

Die Rookies des Jahres 2010/11

Der Top-Pick QB Sam Bradford steht in St Louis vor seinem dritten Jahr bereits gehörig unter Druck. Aufgrund der 50M-Investition waren die Rams noch nicht bereit, die Reißleine zu ziehen und zogen es vor, den Kader mit fast einem halben Dutzend Erstrundenpicks bis 2014 aufzupolieren. Nach einem soliden, nicht großartigen, Debütjahr kamen für Bradford in der vergangenen Saison alle Umstände zusammen – auch wenn der stets pointierte Walter Reiterer da eine Spur kompromissloser reingehen würde. Punkt ist: Die Rams-Offense war leblos, und das, obwohl mit Josh McDaniels der Mann die Spielzüge orchestrierte, der noch jeden Quarterback überdurchschnittliche Zahlen produzieren ließ.

Der #2-Pick DT Ndamukong Suh schlug mit seiner wuchtigen Spielweise mehr als einmal etwas über die Strenge, ließ sich gegen die Packers zum „markentechnisch“ ungünstigsten Zeitpunkt zu einer Tätlichkeit gegen einen Guard Green Bays hinreißen und riskiert, sich bereits zu einem frühen Karrierezeitpunkt seinen Ruf zu verbrennen. Leistungsmäßig war 2011/12 für Suh wohl ein Fortschritt: Ich würde nicht allzu viel in den Rückgang an Sacks (von 10 auf 3) reinlesen wollen. Suh spielt – wohl vom Trainerstab gewollt – extrem spekulativ und vernachlässigt ganz gerne die schiere Möglichkeit, dass da auch ein Running Back das Ei bekommen könnte. Kompletter Spieler? Vielleicht nicht, aber ich bekomme immer mehr den Eindruck, dass es Schwartz/Cunningham nicht darauf anlegen.

Die Verletzungsgeplagten

Der #3-Pick DT Gerald McCoy von den Buccs gilt als Volltreffer, sofern er denn mal spielt. Keine zu unterschätzende Einschränkung, nach 16 verpassten Spielen in zwei Jahren. Ähnliches gilt auf der „anderen“ Seite der Line of Scrimmage für die OT Trent Williams (#4/WAS) und Russell Okung (#6/SEA), denen beide durchaus akzeptable Leistungen nachgesagt wurden, die beide jedoch mit Wehwehchen aller Art zu kämpfen haben sollen.

Der fünfte Pick, Safety „fifth dimension“ Eric Berry von den Chiefs, war nach einem recht fehlerhaften Rookie-Jahr dank einiger Big Plays wohl etwas verfrüht in den Himmel geschrieben, fiel 2011/12 die komplette Saison aus.

Die Defensivspezialisten

Völlig in der Anonyme bleibt dagegen bis dato Clevelands CB Joe Haden, dem man zwei fantastische Jahre nachsagt und um dessen „Shutdown“-Fähigkeiten die Browns-Defense gebaut werden könnte. Haden machte die größten Schlagzeilen vor ein paar Tagen, als er quasi ins Blaue hinein eine Glückliche im Lamborghini auf eine Schulabschlussfeier begleitete – und nicht, wie durchaus angemessen, mit seinem sportlichen Auftritt.

MLB Rolando McClain (#8/OAK) gilt nach seinem zweiten Jahr als zu hüftsteif für die NFL und allenfalls gegen die 120kg-Bolzen auf Fullback gebräuchlich, dürfte seine Rolle in der kommenden Saison unter dem abwehrorientierten neuen Head Coach Dennis Allen beschränkt sehen. DT Tyson Alualu (#10/JAX) erfährt in Jacksonville trotz einiger Wehwehchen eine etwas höhere Wertschätzung, wenn auch das Label des „reaches“ noch nicht abgekratzt werden konnte. Alualus große Schwäche ist das Abtauchen gegen Doppeldeckungen („double teams“).

Die Explosiven

RB C.J. Spiller (#9/BUF) rehabilitierte sich im zweiten Jahr für seine wenig inspirative Rookie-Saison. Vor einem Jahr hatte ich auf Buffalo und Spiller noch eingeprügelt, muss das Urteil erstmal eine Spur revidieren: Spiller scheint ein wenig Geduld erlernt zu haben und war zumindest in Ansätzen die erhoffte explosive Waffe (aber nur 104 Carries).

Der „andere“ hoch einberufene RB Ryan Mathews (#12/SD), vor einem Jahr noch als verletzungsanfällig gebrandmarkt, soll eine starke Saison gespielt haben und mit 50 Catches auch ein schneller, kräftiger Ballfänger in der prächtigen Charger-Offense sein – Mission erfüllt für Norv Turner, der genau solche Spielertypen, wie es Mathews zu sein scheint, sucht.

Der Flop

Als größten – und bisher einzigen wirklichen – „Bust“ hat man bereits OT Anthony Davis (#11/SF) in San Francisco ausgemacht. Davis soll kein Bein in den Boden bekommen und nur aufgrund mangelnder Alternative überhaupt noch spielen dürfen. Ohne Davis wirklich ein Zeugnis ausstellen zu wollen, bleibt zu betonen, wie erstaunt man doch war, dass San Francisco es quasi ohne Quarterback und mit noch viel weniger Offensive Line in das Championship-Finale durchwursteln konnte. Aber es gibt Positives, wie wir morgen sehen werden, denn der nächste Niner-Pick von 2010 war ein Volltreffer…

SNF #13: New Orleans Saints – Detroit Lions, Preview

… oder “gut” gegen “böse”. Die “Bösen” sind die Detroit Lions, deren Ruf seit Wochen unter einer aggressiven Spielweise leidet, was nach einem sturzdummen Ausschlussfoul gegen DT Ndamukong Suh zu Thanksgiving in einem medialen Aufschrei kumulierte, der seinesgleichen sucht. Zugegeben: Suhs Aussetzer ist in die Schublade „hirntot“ zu stellen. Der wichtigste, markanteste Spieler dieser Mannschaft darf sich ein Nachtreten nicht leisten, nicht in einem landesweit übertragenen Spiel, nicht mit dieser von einigen Medien hochgepushten Vorgeschichte. Die Zweispielesperre fühlt sich gerechtfertigt an und sollte Suh zum Nachdenken verleiten. Offensichtlich ist jedoch mittlerweile die gesamte Mannschaft auch bei den Referees gebrandmarkt, es wurden gegen Green Bays zwei, drei Phantom-Personal Fouls gepfiffen, insbesondere gegen Vandenbosch. Die stigmatisierten Lions sind in New Orleans also neben der Wildcard-Jagd auch darauf aus, ihren Ruf wieder aufzupolieren. (Suhs Beitrag heute Nacht: nicht alkoholisiert gegen einen Baum gefahren)

Kurzfristig dürfte jedoch Priorität besitzen, wieder Schwung in die stotternde Offense zu bekommen: QB Stafford kriegt für die vielen INTs der letzten Wochen (9 in drei Spielen) ordentlich auf die Mütze, wobei Stafford überproportional viele Passspielzüge machen muss und WR Calvin Johnson nicht jede Woche 8 Catches und 2 TD produzieren kann. Mit sämtlichen Running Backs im Verletztenstand zeigen sich die Schwächen von OffCoord Scott Linehans Shotgun-Offense. Es zeigt sich auch, wie richtig der Gedanke war, mit Mikel LeShoure einen Running Back zu draften (LeShoure war allerdings schnell auf der IR, wie auch Jahvid Best).

Interessant wird auch die suhlose Defense sein und wie wuchtig die mittlerweile ausgedünnte Defensive Line (DE #79 Young, Suh, DE #94 Jackson fehlen) ohne ihren besten Mann sein kann. #99 Corey Jackson und #98 Nick Fairley gelten als potent, aber nicht durchhaltevermögend und legen gerne mitten im Spiel ein Päuschen ein. Die gesamte Defense ist jedoch mit ihrer grünen Secondary insbesondere gegen eine Passorgie wie New Orleans auf konstanten, dominanten Pass Rush angewiesen.

Auf der anderen Seite: Detroit schaffte es jüngst, QB Aaron Rodgers über eine komplette Halbzeit kaltzustellen und ward selbst mit zunehmendem Spielverlauf nicht richtig mürbe. Kann die Offense im Superdome wenigstens bissl mehr aus ihrem Potenzial umsetzen, dürfte durchaus Upset-Potenzial vorhanden sein.

Es gibt noch einen X-Faktor: Das laute Heimpublikum in New Orleans. Detroit ist selbst im eigenen Ford Field gegen False Starts anfällig und zerstört sich seine Drives häufig mit solchen oder ähnlichen Undiszipliniertheiten. Realistisch muss man im lauten Superdome also einen Saints-Erfolg erwarten. 02h20 LIVE bei ESPN America/Wh. Morgen, 18h30 bei ESPNA.

Thanksgiving 2011: Detroit Lions – Green Bay Packers

[21h47] Endstand Detroit Lions 15, Green Bay Packers 27.

Green Bay bleibt ungeschlagen, sah heute aber lange Zeit nicht überzeugend aus, wackelte eine Halbzeit lang bedrohlich und durfte sich mehr bei des Gegners Dummheiten bedanken. Die Packers kamen erst im dritten Viertel auf Touren, zeigten dann einige schöne Drives mit in Ansätzen dem Passspiel, das Rodgers heuer so abhebt.

Detroit hatte lange Zeit mit überflüssigen Strafen zu ungünstigsten Zeitpunkten zu kämpfen, gab dreimal den Ball ab (eine unglücklich, großartig vom Gegner abgefälschte INT, ein Superspielzug für CB Woodson) und litt unter dem Verlust von RB Smith und der ausgedünnten Secondary in der zweiten Halbzeit (im ersten Drive im dritten Viertel wurde 3-4x die gleiche Zone ausgespielt) und generell unter zuviel Volatilität in der eigenen Offense. Kann man einordnen unter „Tag für die Grütze“, da immer wieder die einfachen Dinge misslangen.

Bedenklicher war der Ausschluss Suhs. Auch wenn der bisherige Ruf dieser Mannschaft und dieses Spielers mehr unmotiviertem Medienrummel und oberflächlicher Spielbetrachtung zuzuschreiben war: Ein Führungsspieler, vielleicht der wichtigste Führungsspieler in der gesamten Mannschaft, darf sich keine solche Aktion leisten. Nicht bloß nicht in dieser Situation. Überhaupt nicht.

Für Detroit wird es nun knüppelhart: Nächsten Sonntag @New Orleans im Sunday Night Game, Minnesota, @Oakland, San Diego, @Green Bay, wenn die Packers vielleicht um 16-0 spielen.

Aus Packers-Fan sieht es hinsichtlich „Perfect Season“ immer besser aus – ich wäre allerdings weiterhin ob des „soften“ Defensive Backfields besorgt. New England spielte letztes Jahr ähnlich, riss sich mit Unmengen Interceptions aus der Scheiße, aber als es drauf ankam, gelangen der Offense ein paar Punkte weniger als gewohnt – und aus war das Ding. Die NFC könnte die eine oder andere passgewaltige Offense in die Playoffs schicken – ich denke da zuerst an New Orleans.

Damit ab nach Dallas… back in a few minutes.

[21h28] Detroit 8, Green Bay 27. Runde drei Minuten vor Schluss der letzte Sargnagel.

[21h21] Drop, Sack, unmotivierter Kurzpass. Uninspirierte Angriffs“serie“ der Detroit Lions, die damit mit hoher Wahrscheinlichkeit die paar % Restchance verlieren.

[21h14] Schwartz goes Belichick… oder so. Die schwer angeschlagene Secondary wird nun von WR #82 Rashied Davis verstärkt, der gleich mal auf Green Bays Einser-Receiver Jennings abgestellt wird. 9:36 vor Schluss muss Green Bay punnten.

[21h05] Detroit 8, Green Bay Bay 24/TD Williams, Q4 13:17. Gegen eine zurückhaltende Defense der Packers kommt Detroit zu einem lockeren Touchdown. Braucht keine False Starts und Holdings, und ehe sich die Packers versehen, hat der dritte oder vierte Running Back #34 Williams drei Tackles zum TD gebrochen.

[20h58] Detroit 0, Green Bay 24. Green Bay nimmt einen Fumble seines QB Rodgers‘ auf und kann dadurch ein Field Goal schießen. Ende drittes Viertel – kein  gutes Viertel aus Lions-Sicht.

[20h51] Gefundenes Fressen für die Handschuh-Fraktion: Stafford wird erneut schnell abgefangen, dritte INT. Diesmal ein großartiger Spielzug für CB Charles Woodson, der Pettigrew von hinten völlig überrumpelt und in einen erneut eigentlich ordentlichen Wurf springt. Das Spiel ist mehr oder weniger gelaufen.

[20h45] Detroit 0, Green Bay 21/TD Jones, Q3 5:36. Nächster Spielzug: Play-Action, Safety beißt an. #89 James Jones kann 65yds durchlaufen. Detroit war schon öfters 20pts hinten, aber heute ist die Pest drin.

[20h42] INT gegen Stafford. LB #49 Francois mit einem starken, athletischen Spielzug, pflückt einen gelupften Stafford-Pass über die Mitte runter. Wird für die Lions nicht einfacher.

[20h35] Detroit 0, Green Bay 14/TD Kuhn, Q3 9:12. Der hirntote Moment gegen Suh bringt Green Bay den Touchdown. Erneut eine starke Defensivvorstellung der Lions in der RedZone, erst im fünften, sechsten Versuch kommen die Packers durch. Für Green Bay startete der Drive ordentlich, man fand auf seiner linken Angriffsseite dreimal en suite ein gutes Matchup (TE Finley, WR Driver, WR Jennings), ehe man sich in der RedZone das Leben mit False Starts schwer machte.

[20h18] DT Ndamokong Suh tut was für seinen Ruf. Detroit stoppt Green Bay an der GoalLine bei 3rd down und Suh verliert völlig die Contenance, tritt gegen einen am Boden liegenden Blocker ohne ersichtlichen Grund nach. Folge: Neue Angriffsserie Packers, Ausschluss gegen Suh.

[20h09] Aus der Kategorie „fettes Geflügel“: Mahlzeit.

[20h01] Halbzeit Detroit Lions 0, Green Bay Packers 7.

Furchtbares Clock-Management erneut von den Lions kurz vor der Pause. Alles in allem eine frustrierende Halbzeit aus Lions-Sicht: Detroit ist eigentlich die klar bessere Mannschaft, dominiert die Offense Green Bays bisher nach Strich und Faden (lächerliche 86yds für GB-Offense) und QB Aaron Rodgers kriegt überhaupt keinen Rhythmus zusammen, trotz zweier böser Ausfälle der besten Defensive Backs Detroit.

Auf der anderen Seite sieht Detroits Angriff immer wieder für eine Handvoll Spielzüge ordentlich aus, um sich dann mit überflüssigen Strafen das Leben schwer zu machen. Die eine INT gegen Stafford war sicher unglücklich, weil großartiger athletische Aktion Picketts, aber Stafford hätte Momente später fast eine weitere, viel bösere INT geworfen.

Man werfe die unglücklich agierende Schiedsrichter-Crew und die fehlende Stadion-Atmosphäre ins Spiel und wir haben ein eher enttäuschendes Spiel.

[19h55] Die Defensive Line der Lions stoppt trotz erneuter Phantom-Strafe, diesmal gegen #93 Vandenbosch, die Packers. Nach dem folgenden Punt bricht eine kleine Schlägerei, ein Special Teamer der Packers wird ausgeschlossen. 30sek to go, Detroit mit 1 Timeout, könnte noch einmal auf Punktejagd gehen. Remember: Green Bay kriegt in Halbzeit zwei als erstes den Ball.

[19h52] Erneut gehen die Lions über das halbe Spielfeld, werden plötzlich an der 40yds Line ultrakonservativ, lassen die Uhr runtertickern, verpassen ein 47yds Field Goal mit 67sek zu gehen.

[19h40] Detroit 0, Green Bay 7/TD Jennings, Q2 4:51. Simple Flat-Route für #85 Greg Jennings, 4yds-TD.

[19h34] INT gegen Stafford. DL Pickett fälscht einen Pass Staffords direkt in die Arme Clay Matthews‘ ab. Green Bay kriegt einen Spielzug später eine PI, hat nun 1st and goal an der 1yds line.

[19h32] Das Spiel wird unansehnlicher. Kaum ein Spielzug ohne Strafe. Nur, als es wirklich eine Strafe hätte geben können (CB gegen Jones bei 3rd down), bleiben die Flaggen im Hosensack. Nur noch etwas mehr als 6min in der ersten Halbzeit.

[19h25] Green Bays Angriff kommt heute nicht recht auf Touren und braucht eine Phantom-Strafe gegen Detroit (Pass Interference gegen #21 Wright), um überhaupt ein zweites 1st down zu schaffen. Auf Lions-Seiten betritt auch CB #23 Houston das Lazarett, nachdem RB Smith und S Delmas questionable sind.

[19h12] Während bei den Lions FS#26 Delmas und der Wunder-RB #30 Smith riskieren, mit Verletzungen rauszugehen, begleitet uns die wunderschöne Klaviervariante des Fox-Musikthemas in das erste Timeout im zweiten Viertel. Immer noch 0-0, weil beide Offenses noch nicht richtig konsequent bzw. konzentriert wirken.

[19h00] Die Lions deuten im zweiten Drive eine starke Offensive Line für RB Kevin Smith an, der sich recht schon durchtänzeln kann. Dazu ein paar Handoff-Fakes und ein fanstarker RB Morris – am Ende macht erneut ein Holding  den Drive kaputt. Aus Lions-Sicht hoffnungsvolle Drives.

[18h45] Beide Offenses müssen im ersten Drive punten. Detroit zerstörte sich seinen Drive per Holding-Strafe während eines wunderbaren Laufs RB #30 Smiths. Green Bay scheiterte an enger Deckung der Lions.

[18h41] Bei Wikipedia unter der 17jährigen Hymnensängerin bereits drin:

Messed up the national anthem on national television on Thanksgiving pre-game show on Fox.

[18h36] Kleine technische Anmerkung: Weil ich noch über keine CSS-Upgrades verfüge und WordPress unerklärlicherweise den Link aus dem Header genommen hat, kehrt vorerst der geliebte F5-Ersatzbutton oben zurück.

[17h35] Erntedankfest wird hierzulande Mitte Oktober gefeiert, mit hohem Korrelationsfaktor zu Rot- und Weißwein jeglicher Sorte, einer Portion Surfleisch, jeder Menge Kraut, Krapfen und gebratener Kastanien. Ein netter Törggeleabend, ein Aufmarsch mit der Musikkapelle samt Umtrunk am Sonntagmorgen danach, datt war’s.

Amerikaner feiern eineinhalb Monate später, aber was heißt da „feiern“? Thanksgiving ist als Erntedank- und Gründervätergedenkfest nicht bloß der größte US-Familienfeiertag, größer als Weihnachten und viel größer als der Independence Day. Thanksgiving ist ein wirtschaftliches und sozio-kulturelles Megaevent, inklusive Vertilgung kochkesselgroßer Truthahnschnitzel und der Amerikaner wäre nicht Amerikaner, würde nicht am Tag danach, dem morgigen „Black Friday“, auch der Rubel richtig anrollen: Sturm auf die Einkaufszentren, Beginn des vorweihnachtlichen Konsumwahnsinns.

Und mittendrin fliegen die Eier, heute in der NFL (Preview) und im Verlauf des Wochenendes auch im College Football mit unzähligen „Rivalry Games“. Insbesondere die Texaner kommen schon am heutigen, „eigentlichen“ Thanksgiving-Tag voll auf ihre Kosten, mit Dallas Cowboys – Miami Dolphins aus der NFL (21h30 MEZ) und später dem vermutlich letzten „Lone Star Showdown“ zwischen den Texas Longhorns und Texas A&M Aggies (02h MEZ/ESPN-Player).

Den Anfang aber machen die Detroit Lions und die Green Bay Packers in einer knappen Stunde (18h30 MEZ). Es ist das meistgehypte traditionelle Thanksgivingspiel der Lions, seit ich denken kann (okay, ist nicht allzu lange. Aber auch die Ü60 würden ähnliches behaupten).

Bis dahin gibt’s noch einen Teller Gerschtnsuppe. Man sieht sich.

Mit den Detroit Lions die Sonne anlachen

Matthew Stafford Detroit Lions NFL 2011/12

Wenn die Hoffnungen auf einer Schulter ruhen... Matthew Stafford - ©Flickr/Hawk Eyes

Für die morgendliche Lektüre am heutigen Samstag halten die Detroit Lions her, das Team, das nun jahrelang wie kein zweites für die Niederungen der NFL stand. Statt König der Tiere eher der Bettvorleger. Seit dem Tiefpunkt der sieglosen Saison 2008/09 ist allerdings ein radikaler Schnitt gemacht worden, die Besitzer-Familie Ford hat sich dazu durchgerungen, dem neuen GM Martin Mayhew, einem aus dem eigenen Haus, das Vertrauen zu schenken – und Mayhew entzückt mit seiner Arbeitsweise immer besser.

Erste Amtshandlung war die Einstellung von Head Coach Jim Schwartz aus Tennessee. Schwartz gefällt mir als Pragmatiker außerordentlich, ein Mann, der gnadenlos seinen Glauben an die Macht von Zahlen und Statistiken lebt und danach handelt – und sich mit Scott Linehan und Gunther Cunningham zwei erfahrene Coordinators an seine Seite geholt hat.

Und Schwartz hat die größte Herkules-Aufgabe bereits gemeistert: In Detroit herrscht nicht mehr Depression, sondern Aufbruchstimmung. In diesem Sommer ist die Stimmung nach zahlreichen geglückten personellen Transaktionen plötzlich so enthusiastisch wie ich es bisher noch nicht gesehen habe. Enthusiasmus basierend auf einer Unzahl an jungen, hohen und eigenen Draftpicks in den letzten Jahren – und einigen klugen Einkäufen.

Die Offense hängt an Staffords Schulter

Vor zwei Jahren wurde unter Linehans Aufsicht damit begonnen, eine nicht nur in Spuren vertikale Offense aufzuziehen – und dafür wurden neben dem vorhandenen Personal nach und nach die passenden Spieler geholt.

Recht unangetastet blieb die Offensive Line, die nicht zu den besten der NFL gehört, aber ihre Sache gerade gut genug macht, um nicht als größtes Sorgenkind durchzugehen. LT Jeff Backus oder C Dominic Raiola sind Spieler, denen man nichts anderes als vollste Bewunderung entgegenbringen kann. Beide spielen seit Äonen in dieser Stadt und haben alle Niederungen durchgemacht und trotzdem immer nach Möglichkeit ihre Leistung geliefert. Das ist schwerer als man glaubt und diese wenigen Zeilen an Anerkennung von Herzen verdienend.

Knackpunkt in der Offense ist der Quarterback. „Vertikale Offense“ bedeutet: Der QB muss über einen starken Arm verfügen. Den hat der junge Matt Stafford, Top-Pick von 2009, der brillante Ansätze gezeigt hat und in der Lage ist, eine Offense blitzschnell mit kilometerlangen Pässen das Feld hinunterzutreiben. Allein: Stafford verbrachte bisher mehr Zeit im Krankenstand und es bestehen ernsthafte Zweifel, ob die Schulter im Wurfarm überhaupt halten wird.

Backup Shaun Hill zeigte bemerkenswerte Courage und hielt die Lions als Third Stringer oft genug im Spiel, aber mit Hill spielt die Offense um einiges blasser.

Die Anspielstationen sind breit gestreut: Der „Megatron“ genannte WR Calvin Johnson ist der athletische Idealtyp eines Wide Receivers und ein deep threat vor dem Herrn. Zu Superstar Johnson gesellen sich Nate Burleson und der quicke slot receiver Titus Young, ein Rookie. Für die Mitteldistanzen hat sich zuletzt TE Brandon Pettigrew nach anfänglichen Anpassungsschwierigkeiten angeboten. Insgesamt eine ordentliche Pass-Armada, der vielleicht etwas die nötige Tiefe (im Sinne von Kadertiefe) abgeht.

Im April sorgte das Front Office mit der Einberufung von RB Mikel LeShoure für Augenbrauenrunzeln. Der zweite Gedanke war dann aber: Geil! LeShoure ist ein brachialer Back, der gerne mit dem Kopf durch die Wand (sprich: über die Mitte des Spielfelds) rennt, während der im Vorjahr hoch gedraftete RB Jahvid Best, ein ungeduldiger Running Back, mehr der burner ist. Solche grundverschiedenen Angriffsoptionen bieten oft nicht nur ästhetischen Genuss beim Zuschauen, sondern aufgrund ihrer Variabilität auch viel Erfolgspotenzial.

Weil wir hier aber über die Detroit Lions sprechen, müssen wir an dieser Stelle das Sternchen einfügen: LeShoure fällt für die komplette Saison mit Verletzung aus, ein ernsthafter Schuss vor den Bug – zu gut hätte LeShoure in diese Offense gepasst. Nun ist mit Mike Bell und dem Dreispielewunder von Cleveland, Jerome Harrison, halbwegs annehmbarer, händeringend gesuchter Ersatz gefunden.

Die Wucht steckt in den Schützengräben

Größter Problempunkt war in Detroit aber jahrelang nicht die Offense, sondern die Abwehr, was auch Matt Millens krankem Verlangen nach Wide Receivers geschuldet war. Unter dem Defensiv-Genie Schwartz setzte naturgemäß ein Umdenken ein.

Hauptaugenmerk gilt der Defensive Line, in die die größten Ressourcen gesteckt werden. 2010 wurde Nebraskas Freak DT Ndamukong Suh geholt, dessen schiere Präsenz nicht nur Blockern Schrecken einjagt, sondern im vormals oft mucksmäuschenstillen Ford Field die amerikanische Version des Ruuuuuuuuuuuudi Völler-UUUUUUs heraufbeschwört hat.

Suh gilt als vorbildlicher Charakter und Mentor-Typ für den jüngsten Top-Pick DT Nick Fairley, ein potenziell dominanter Pass Rusher, aber auch für seine Auszeiten mitten im Spiel und seine oftmals unfaire Spielweise bekannt, und in der Vorbereitung mit diversen Wehwehchen gehandicapt (remember the Lions). Suh und Fairley werden flankiert von starken Defensive Ends wie Kyle Vandenbosch und Cliff Avril, und für die von Schwartz gepredigte Rotation können abwechselnd der aufstrebende DE Lawrence Jackson und der solide DT Corey Williams in die Schützengräben geworfen werden.

Auch wenn ich das Flop-Potenzial eines Nick Fairley für erhöht halte: Eine dominante Defensive Line ist meistens der wichtigste Baustein für eine auf Jahre hinaus starke Defense. Die Sollbruchstellen bei den Lions sind weiter „hinten“ zu finden.

Bei den Linebackers zum Beispiel, wo aber mit dem starken Lauf-Verteidiger Justin Durant und vor allem mit Schwartz-Liebling MLB Stephen Tulloch vor wenigen Wochen zwei möglicherweise lebenswichtige Bestandteile eingekauft wurden. Interessant an Tullochs Verpflichtung: Die Lions konnten es sich leisten, Tulloch einen Vertrag ihres Geschmacks aufzuoktroyieren – undenkbar noch im vergangenen Sommer.

Die Probleme in der Secondary sind großteils auf mangelnde Erfahrung zu schieben. Die meisten Defensive Backs sind noch recht grün hinter den Ohren und der erfahrenste Mann, CB Nate Vasher, hat seine besten Zeiten hinter sich. Dass man die Top-WR dieser Welt den Cornerbacks Alphonso Smith, Eric Wright oder Chris Houston anvertrauen möchte, erstaunt. Der Top-Defensive Back ist FS Louis Delmas, ein aufstrebender Mann im dritten Jahr.

Die wenig speziellen Special Teams

P Nick Harris und K Jason Hanson sind seit Ewigkeiten im Kader und waren stets verlässliche Sportskameraden. Mit dem jungen K Dave Rayner steht womöglich ein Generationswechsel an. Return-Mann ist Stefan Logan, 2010 mit einem TD und ansonsten ansehnlichen Zahlen (12,1yds/Puntreturn, 26,3yds/Kickreturn).

Ausblick

Wie jedes Jahr ist es schwierig, eine Prognose bezüglich der Detroit Lions abzugeben. Es sind Ingredienzien für den Durchbruch da, Kader und Trainerstab sind mit etwas Optimismus – kein Scherz – superbowlfähig. Trotzdem handelt es sich immer noch um die Detroit Lions und der wichtigste Bestandteil, der Quarterback, hat nicht zu verachtende Verletzungssorgen und verfügt immer noch über recht wenig Erfahrung.

Dazu kommt dieser, gemessen an 2010/11, viertschwerste Schedule der NFL:

Wk #1 @Buccs
Wk #2 vs Chiefs
Wk #3 @Vikings
Wk #4 @Cowboys
Wk #5 vs Bears (MNF)
Wk #6 vs 49ers
Wk #7 vs Falcons
Wk #8 @Broncos
Wk #9 BYE
Wk #10 @Bears
Wk #11 vs Panthers
Wk #12 vs Packers (Thanksgiving)
Wk #13 @Saints
Wk #14 vs Vikings
Wk #15 @Raiders
Wk #16 vs Chargers
Wk #17 @Packers

Dieser Sommer ist etwas anders. Dieser Sommer gibt erstmals in meiner Vita als glühender und vor allem mit Liebe leidender Anhänger der Detroit Lions Grund, auf bald kommende Erfolge zu hoffen. Weil es sich aber immer noch um die Lions handelt, bin ich noch hin- und hergerissen zwischen gerechtfertigtem Optimismus und der prinzipiellen Skepsis gegenüber dieser Franchise.

Das Zeiteisen verrät: 447 Minuten verbleiben. WordCount nach 19 Teams: 18298.

(Dem einen oder anderen werden Teile des Eintrags bekannt vorkommen. Vor ein paar Wochen ist die Vorschau etwas abgespeckt bei Spox erschienen, mit der Unsinns-Behauptung, Detroit spiele „Run and Shoot“ – ich weiß nicht, wie ich in der Eile „Downfield attack“ oder „vertikales Spiel“ mit June Jones‘ Lieblingsspielzeug verwechseln konnte. An dieser Stelle: Sorry, hochnotpeinlich und ich vergräme mich in Schamesröte, dass mir dieser eklatante Fehler erst beim Überarbeiten des Artikels für Sideline Reporter aufgefallen ist.)

NFL Rookie-Analyse 2010/11: Ndamukong Suh, Lions

Es geht weiter mit der Rookie-Klasse von 2010. Heute dran:

Pick #2: Ndamukong Suh

Position: Defensive Tackle
College:
University of Nebraska
NFL-Team: Detroit Lions

Der meistgehypte Spieler des Drafts 2010 war Nebraskas Ndamukong Suh. Klar, wenn ein Mann mit diesem Namen übers Feld läuft und dann auch noch spektakuläre Bilder aus seiner College-Zeit im Hinterkopf hängen geblieben sind, dann kann man mit einem gewissen Hype rechnen.

Ich bin eigentlich skeptisch, wenn ein Defensive Liner in der Big 12 Conference dominiert. Die „Big 12“ genießt bei mir nicht den besten Ruf, aber Suh ist mir in seiner Cornhuskers-Zeit natürlich schon aufgefallen. Entsprechend cool, dass „meine“ Lions den vermeintlichen Top-Spieler des Jahrgangs serviert bekamen. Ich habe angesichts der Erwartungen Suh als Rookie des Jahres in der Defense getippt.

Auch wenn am Ende einige widersprechen werden: Ich finde die Kür von Suh zum Defensivrookie des Jahres in Ordnung. CB McCourty genießt bei mir noch nicht den Status, der ihm von vielen Scouts zugeschrieben wird.

Klar ist: Suh ist noch kein überragender Tackle gegen das Laufspiel. Zu Thanksgiving hatten die Patriots mit zunehmendem Spielverlauf immer weniger Probleme, ihre Running Backs über die Mitte zu schicken.

Aber: Suh ist ein explosiver Tackle, der Offensive Lines in der Mitte zerbröselt. 10 Sacks sind für einen DT ein exzellenter Wert, aber noch stärker ist der Eindruck hängen geblieben, dass man häufig zwei Blocker auf Suh abstellen musste. Weil er so dominant war. Dass ein Tackle innen so viel Verwüstung anrichtet – bis auf vielleicht noch Kevin Williams bisher ungesehen. So soll einst in den frühen Jahren Warren Sapp gespielt haben.

Suh war so aggressiv, dass er gegen Chicago seine Mannschaft ungewollt sogar den Sieg gekostet hat, nach einem Ellbogen-Hit gegen QB Cutler. IMHO eine Fehlentscheidung der Referees, bzw. des eigentlich von mir geschätzten Ed Hochuli. Bitte selbst vergewissern:

Ich glaube, dass Suh der Pick ist, der die Detroit Lions über Jahre definieren wird. Noch mehr als Stafford, sollte der denn endlich mal gesund bleiben. Top-Tackle, jetzt in Kombination mit DT Nick Fairley, starke Defense Line und ein Line-Coach, dem ein exzellenter Ruf vorauseilt: Alles Zutaten, die mich daran glauben lassen, dass Detroits Lions diesmal tatsächlich nach oben kommen.