Nebraska Cornhuskers | 2016/17 Vorschau

Die Nebraska Cornhuskers sind eines der ganz großen Footballprogramme in den Vereinigten Staaten, das seit vielen Jahren verzweifelt auf der Suche nach dem Zauber der Vergangenheit ist. Wo in den 70ern und 90ern insgesamt fünf Landesmeistertitel eingeheimst wurden, wo man in den 80ern einen den prägenden Momente der College-Footballgeschichte lieferte, da ist man heute im Selbstfindungsmodus angekommen. Weiterlesen

Advertisements

College Football, Week 3: Wiedersehen alter Freunde

Der 3te Spieltag im College Football bietet den ersten Leckerbissen der Conference-Spiele auf: Alabama gegen Ole Miss aus der SEC, die Revanche des letztjährigen Upsets der Rebels, die darin endete, dass die Fans in Oxford das Spielfeld stürmten und die Torpfosten zerlegten – eine Tradition, die im College Football heute rar geworden ist. Dazu: Ein Treffen mit der Geschichte in Miami. Weiterlesen

Samstagsvorschauer, Week 1 | College Football 2015/16

Donnerstag und Freitag waren gutes Warm-Up auf die Saison im College Football 2015/16. Richtig los geht es heute mit dem Kickoff-Weekend. Früher war das eines meiner Lieblings-Sportwochenenden, aber seit dem Ableben von ESPN America und der etwas eingeschränkteren Berichterstattung hat sich das Thema etwas gelegt.

1ter Spieltag im College Football ist für viele Teams ein leichtes Einrollen gegen unterklassige Gegner, vergleichbar mit Freundschaftsspielen im Preseason-Fußball: Selbstvertrauen tanken und trotzdem ein paar schematische Kniffe probieren, bevor es ab Woche 2 mit dem Ernst des Lebens losgeht.

Es gibt aber immer wieder auch Leuchtturm-Ansetzungen für die großen TV-Anstalten. In diesem Jahr sticht kein „Top-Spiel“ richtig heraus – zumindest keine Partie, die für beide Teams bereits unmittelbare Auswirkungen auf die Playoffs haben wird. Weiterlesen

Big Ten Conference | College Football 2015/16 Preview

Die Big Ten Conference wähnt sich nach dem Landesmeistertitel der Ohio State Buckeyes sowie der Verpflichtung von Jim Harbaugh als neuem Head Coach in Michigan im Aufwind, doch bei genauem Hinsehen ist die älteste und stolzeste Conference im College-Football noch immer einige Schritte entfernt von den großen Ligen im US-Süden (SEC) und Westen (Pac-12).

2015 wird die Big Ten aber immerhin ein Elite-Team (eben Ohio State), ein sehr starkes Team (Michigan State) und eine Handvoll respektabler Mannschaften (Minnesota, Penn State, Michigan, Wisconsin, Nebraska) stellen. Das Problem sind eher die Hinterbänkler: Zu viel Mittelmaß. Weiterlesen

Bowl-Großkampftag am Samstag

Gleich fünf Bowls am heutigen Tag:

19h    Military       Cincinnati – Virginia Tech
20h    Sun            #15 Arizona State – Duke
21h30  Independence   Miami/FL – South Carolina
22h30  Pinstripe      Boston College – Penn State
02h    Holiday        #24 USC - Nebraska

Weiterlesen

Die Lupe auf das Trainerkarussell im College Football gerichtet

Der prominenteste zu besetzende Trainerposten der heurigen Offseason war zweifellos jener der University of Florida, wo der rabiate Schreihals Will Muschamp nach vier überwiegend enttäuschenden Jahren abgesägt wurde. Muschamp scheiterte in Gainesville letztlich an einer unterirdischen Offense, ohne die man sich mit viel Glück anno 2011 zu einer BCS-Bowl durchbeißen konnte, aber zuletzt zweimal en suite böse abschmierte. Weiterlesen

Samstagsvorschauer für College-Football, Woche 6

Es ist ein spektakulärer sechster Spieltag im College-Football, mit etlichen reizvollen Ansetzungen. SPORT1 US wird nur einen Teil davon bringen (die besten darunter nicht), aber lass uns einmal die ganze Riege durchgehen. Weiterlesen

Big Ten Conference | Vorschau 2014/15

Die Big Ten Conference – bestehend aus nunmehr 14 Footballmannschaften – sieht sich als älteste und traditionsreichste Conference als etwas Besonderes in der Landschaft des College-Sports. Selbst- und Fremdbild klaffen bei dieser Liga aber schon seit einigen Jahren etwas auseinander, und so wurde die einst unbestritten wichtigste Liga in den letzten Jahren doch recht deutlich von SEC, Pac-12 und vielleicht auch von der Big 12 Conference überholt. Eine Vorschau auf das, was 2014/15 passieren wird. Weiterlesen

Neujahrs-Bowls 2014 Preview

Guten Morgen im neuen Jahr 2014. Heute steht folgendes Bowl-Programm an:

18h    Gator               Nebraska          Georgia
18h    Heart of Dallas     North Texas       UNLV
19h    Outback             Louisiana State   Iowa
19h    Capital One         Wisconsin         South Carolina
23h    Rose                Michigan State    Stanford
02h30  Fiesta              Baylor            Central Florida

SPORT1 US bringt heute die beiden BCS-Bowls Rose und Fiesta live. Der ESPN-Player hat alle sechs Bowls im Programm.

Gator Bowl

Nebraska Cornhuskers – #22 Georgia Bulldogs

Diese Ansetzung gab es schon letztes Jahr in der Capital One Bowl. Georgia (8-4, SEC) hat eine Seuchensaison inklusive extrem vieler Verletzter hinter sich. Wenn sich die halbe Starting-Offense wochenlang in den Krankenstand verabschiedet, ist nicht mehr drin. Heute wird man ohne QB Aaron Murray antreten, der sich das Kreuzband gerissen hat. Die Vorschau für Nebraska (8-4, Big Ten) auf dieses Spiel schrieb ich schon im August:

Seit Pelini in Lincoln am Werk ist, ist die Meute wieder zufrieden: Ein schreihalsiger Defensivkünstler, dem in der Offense alles recht ist, solange nicht mehr als zehn Pässe pro Spiel geworfen werden. Das ist dann auch alles im Sinne von Athletic-Director und Nebraska-Legende Tom Osborne, den wir ja bereits kennen. Nebraska spielt mittlerweile nicht mehr wie zuvor seit Äonen in der Big 8 oder Big 12 Conference, sondern in der Big Ten Conference, in die man kulturell – Hand aufs Herz – auch etwas besser passt. Dort stehen keine Passfeuerwerke an. Dort wird noch überwiegend traditionell RRPP (run-run-pass-punt) gespielt.

Bloß: Es hat noch nie einer dran gedacht, dass man mit diesen Vorstellungen im heutigen College-Football kaum mehr 11-1 Saison en suite zustande kriegt, sondern sich eben mit reihenweise 9-4 Jahren zufrieden geben muss. Zumal Nebraskas Highschool-System nicht die Wunderspieler wie in Texas oder Florida hergibt. Und so sprechen wir hier über eine Großmacht, die verzweifelt versucht, wieder alten Glanz zu versprühen ohne von ihren uralten Werten loslassen zu wollen.

Dem Publikum isses wurscht: Die Leute kommen eh. Kein Spiel seit über 50 Jahren, das nicht ausverkauft war. Kaum ein Spiel, bei dem sich nicht noch vor dem Stadion 20.000 Verzweifelte ohne Karten tummeln. Cornhuskers-Heimspiele haben Kultstatus in einem bodenständigen Staat, dem es abseits von Football und der Bibel an echter Unterhaltung mangelt.

Was soll ich sonst noch schreiben: Dass QB Taylor Martinez mobil wie eh und je ist, und mittlerweile sogar sowas wie ein echter Werfer? Dass die Defense, die bisher gebaut war, die wurfgewaltigen Big12-Konkurrenten zu stoppen, noch immer nicht ganz soweit ist, die laufspielorientierte Big Ten einzubremsen? Alles schon oft gesagt. Es wird so „laufen“ wie immer: Nebraska putzt den Bodensatz im Schedule, gewinnt gegen 1 oder 2 der 4 „echten“ Gegner, weil es nicht die Qualität hat, sie alle – UCLA, Michigan (auswärts), Michigan State, Penn State (auswärts) – hintereinander zu übertölpeln, und am Ende wird man mit acht bis zehn Siegen in der Regular Season in ein Bowl Typus „Capital One“ eingeladen (um diese dann zu gewinnen oder zu verlieren, je nachdem um mit 9-4 oder 10-4 abzuschließen).

Und am 1. Jänner werde ich wieder die gleiche Story erzählen. Wie schon immer und immer wieder. Weil sie immer wieder sympathisch ist. Weil sie so… Nebraska ist.

Selten war eine Garantie so risikolos. Nebraska ist übrigens 8-4, braucht also den Sieg, um mit 9-4 abzuschließen. Laut SRS ist allerdings Georgia mit 9.5 Punkten zu favorisieren.

Heart of Dallas Bowl

UNLV Rebels – North Texas Mean Green

Zwei kleine Unis, die sich normalerweise nie für die Bowl-Season qualifizieren, aus Mid-Major Conferences, die sich in der Cotton Bowl treffen: North Texas (8-4, Sunbelt) gegen UNLV (7-5, MWC). Ich habe beide Teams seit Jahren nicht gesehen und kann ergo nur wenig Substanzielles beitragen.

Also: North Texas ist 6.5pts-Favorit nach dem SRS. Mean Green hat dieses Jahr einen für die Sunbelt Conference unüblich schweren Schedule gespielt, aber relativ tough standgehalten. Man hat ein gutes Laufspiel (RB Brandin Byrd mit 1023yds und 11 TD), das auf eine der zehn schlechtesten Run-Defenses in der FBS trifft. Auf der anderen Seite gilt UNLV als relativ schwierig über den Luftweg zu bezwingen.

Die Story des Jahres ist aber die UNLV-Offense, wo man nach einem verheerenden Saisonauftakt den WR Caleb Herring zum Quarterback umschulte. Nach dem Move begann die Offense zu punkten, auch wenn UNLV nach wie vor als ungefährliche „RedZone“-Offense eingestuft wird.

Ich bin gespannt, wie viele Fans kommen werden. Die Cotton Bowl ist mit 92000 Plätzen hoffnungslos überdimensioniert für diese Ansetzung, aber North Texas hat seinen Campus nur eine Autostunde entfernt.

Outback Bowl

#16 Louisiana State Tigers – Iowa Hawkeyes

Reizvolle Ansetzung für die Outback Bowl, die in Tampa ausgespielt wird: LSU (9-3, SEC) gegen die Iowa Hawkeyes (8-4, Big Ten). Louisiana State konnte letzten Endes meine hohen Erwartungen nicht erfüllen, hatte keine Chance auf das BCS-Title Game, aber immerhin kann man sich rühmen, als einziges Team des Jahres bisher den BCS-Finalisten Auburn geschlagen zu haben.

Heute tritt man ohne den QB Mettenberger an, der sich am Kreuzband verletzt hat. Dafür gibt es das Debüt vom Backup-QB Anthony Jennings, der gegen Arkansas im letzten Viertel als Notnagel ins Getümmel geworfen wurde und zum Einstand gleich mal einen 99yds-Drive zum Sieg orchestrierte. Weil aber Mettenberger fehlt, geht man davon aus, dass LSU heute noch stärker als gewohnt auf seine Lauf-Offense rund um den nie um eine Straftat verlegenen RB Jeremy Hill (1185yds, 14 TD) setzen wird. Hill ist eine Knalltüte von Mensch, aber als Runningback mehr als gebräuchlich.

Iowa setzt dem eine Linebacker-Gruppe entgegen, die aus gleich mehreren NFL-Kalibern besteht: Hitchens, Morris und Kirksey sollen früher oder später Profi-Luft schnuppern können. Da muss Hill erstmal drüber oder drum herum laufen.

Iowa hat aber eine problematische Offense, mit einem Freshman-QB Jake Rudock, der erst in den letzten Wochen der Saison Sicherheit fand, nachdem er zuvor ein wandelndes Interception-Problem gewesen war.

LSU ist nach SRS mit 7 Punkten favorisiert – das ist ein Spread, der mir im ersten Moment relativ niedrig erschien.

Capital One Bowl

#9 South Carolina Gamecocks – #19 Wisconsin Badgers

BCS-würdiges Matchup in der Capital One Bowl: South Carolina (10-2, SEC) und die Wisconsin Badgers (9-3, Big Ten) waren beide diese Saison mal wieder nahe dran an einer BCS-Qualifikation – näher als man vielleicht meinen möchte. Beide verloren in der ersten Saisonhälfte ein unerwartetes Spiel, weswegen sie überhaupt nie in die BCS-Diskussion eintraten; Wisconsin wurde bei einer Auswärtspleite bei den starken Arizona State Sun Devils sogar richtig gehend von den Refs verpfiffen.

Laut SRS ist das das sechstbeste Matchup der Bowl-Season; das offensiv laufstarke Wisconsin ist dabei mit 1.5 Punkten favorisiert. Aber die Augen werden in diesem Spiel vor allem auf einem „Gamecock“ („Kampfhahn“) liegen: DE #7 Jadeveon Clowney, dem besten Passrusher des Jahrgangs.

Clowney gilt als once in a generation-Talent, ein Passrusher, so dominant, dass am College jede Offense von seiner Seite weg designt wird. Clowney hatte letztes Jahr sein Coming-Out und ging mit massivem Hype in die aktuelle Saison, aber dort enttäuschte er die Erwartungen dann ein wenig. Zum einen sind die offiziellen Stats mit nur 3 Sacks deutlich unter den Erwartungen, aber dann mischten sich noch Verletzungs- und Motivationsfragezeichen bei Clowney mit rein. Schon können die einschlägigen Draftseiten Artikel über Artikel inhaltlich mit der Frage „Ist Clowney den top-Pick überhaupt wert?“ füllen.

Die Frage beantwortet sich mit Anschauen von maximal einem South Carolina-Spiel von selbst: Ja. Clowney ist der beste, dominanteste Abwehrspieler, den ich am College bisher gesehen habe. Besser als Suh, der 2009/10 alles platt walzte, was sich ihm in den Weg stellte. Clowney kann mit einer exzellenten Performance heute gegen die Offense Line von WISCONSIN! WISCONSIN HAT NUR GRANDIOSE OFFENSIVE LINES! noch einmal ein Ausrufezeichen setzen. Aber im Ernst: Zweifelt irgend jemand dran, dass Clowney in den Top-3 vom Tablett gehen wird, sollte nicht noch eine mysteriöse angewachsene Knochenschaden gefunden werden.

Clowney-Watch. Zwei BCS-würdige Teams. Ein Badgers-Laufspiel mit RB Gordon (1466yds, 12 TD) und RB James White (1377yds, 13 TD). Das ist eines der besten Matchups der Bowl-Season, und beide Teams dürften motiviert sein, es allen noch einmal zu zeigen. Da würde ich zuschauen.

Die offiziellen und nominellen BCS-Bowls von heute, Rose (ab 23h) und Fiesta (ab 2h30), gibt es hoffentlich nachher noch in separaten Einträgen.

The Countdown, T-minus 11: Nebraska Cornhuskers

The Countdown

#11 Nebraska Cornhuskers.
Big Ten Conference.
2012: 10-4.

Die Nebraska Cornhuskers zählen zu den größten Schwergewichten des College Football, dank einer stolzen Tradition an Option-Offenses, die schon in der Urzeit des Sports begann. Nebraska ist ein weites Land, draußen in den Rednecks, entfernt von uns bekannten urbanen Gesellschaftsformen, und entsprechend zerstückelt sind die Dörfer und Kleinstädte. Die Universität Nebraska-Lincoln ist das große Identifikationspunkt des Staates, und sie kann über ein zwar nicht sonderlich bevölkerungsreiches, dafür aber unendlich weites Gebiet die Recruiting-Hohheit beanspruchen und gliedert schon seit vielen Jahrzehnten ihre Talente in immergleiche Spielsysteme.

Bis nach einer langen und erfolgreichen Zeit mit einigen der besten Mannschaften aller Zeiten der leichte Abstieg begann, und als reaktive Gegenmaßnahme ab Mitte der 2000er der ehemalige Head Coach der Oakland Raiders, Bill Callahan, als neuer Chef eingestellt wurde. Callahan riss alle Konventionen nieder und installierte einen quicken West-Coast-Style, mit dem sich die Menschen nicht identifizieren konnten. Callahan bekam nach der ersten historischen Pleite (vs Kansas wurden 2007 76 Punkte aufgegeben!) die Revolte zu spüren und wurde zugunsten con Bo Pelini abgesägt. Man hatte keine Geduld mit ihm. Man hatte Angst, dass nun alles anders wird.

Seit Pelini in Lincoln am Werk ist, ist die Meute wieder zufrieden: Ein schreihalsiger Defensivkünstler, dem in der Offense alles recht ist, solange nicht mehr als zehn Pässe pro Spiel geworfen werden. Das ist dann auch alles im Sinne von Athletic-Director und Nebraska-Legende Tom Osborne, den wir ja bereits kennen. Nebraska spielt mittlerweile nicht mehr wie zuvor seit Äonen in der Big 8 oder Big 12 Conference, sondern in der Big Ten Conference, in die man kulturell – Hand aufs Herz – auch etwas besser passt. Dort stehen keine Passfeuerwerke an. Dort wird noch überwiegend traditionell RRPP (run-run-pass-punt) gespielt.

Bloß: Es hat noch nie einer dran gedacht, dass man mit diesen Vorstellungen im heutigen College-Football kaum mehr 11-1 Saison en suite zustande kriegt, sondern sich eben mit reihenweise 9-4 Jahren zufrieden geben muss. Zumal Nebraskas Highschool-System nicht die Wunderspieler wie in Texas oder Florida hergibt. Und so sprechen wir hier über eine Großmacht, die verzweifelt versucht, wieder alten Glanz zu versprühen ohne von ihren uralten Werten loslassen zu wollen.

Dem Publikum isses wurscht: Die Leute kommen eh. Kein Spiel seit über 50 Jahren, das nicht ausverkauft war. Kaum ein Spiel, bei dem sich nicht noch vor dem Stadion 20.000 Verzweifelte ohne Karten tummeln. Cornhuskers-Heimspiele haben Kultstatus in einem bodenständigen Staat, dem es abseits von Football und der Bibel an echter Unterhaltung mangelt.

Was soll ich sonst noch schreiben: Dass QB Taylor Martinez mobil wie eh und je ist, und mittlerweile sogar sowas wie ein echter Werfer? Dass die Defense, die bisher gebaut war, die wurfgewaltigen Big12-Konkurrenten zu stoppen, noch immer nicht ganz soweit ist, die laufspielorientierte Big Ten einzubremsen? Alles schon oft gesagt. Es wird so „laufen“ wie immer: Nebraska putzt den Bodensatz im Schedule, gewinnt gegen 1 oder 2 der 4 „echten“ Gegner, weil es nicht die Qualität hat, sie alle – UCLA, Michigan (auswärts), Michigan State, Penn State (auswärts) – hintereinander zu übertölpeln, und am Ende wird man mit acht bis zehn Siegen in der Regular Season in ein Bowl Typus „Capital One“ eingeladen (um diese dann zu gewinnen oder zu verlieren, je nachdem um mit 9-4 oder 10-4 abzuschließen).

Und am 1. Jänner werde ich wieder die gleiche Story erzählen. Wie schon immer und immer wieder. Weil sie immer wieder sympathisch ist. Weil sie so… Nebraska ist.

Go for the Win

Michael Weinreb schreibt auf Grantland.com über einen der größten Momente in der Geschichte des US-College Sports: Die Orange Bowl von 1984, die zwischen den ungeschlagenen #1 Nebraska Cornhuskers und den #2 Miami Hurricanes (eine Niederlage) in der Miami Orange Bowl ausgetragen wurde. Auf dem Spiel: Der National Title.

Es war eine wilde Zeit im College-Football. Jedes Jahr flogen 1-2 renommierte Programme durch zu üble Bestechungen und Recruiting-Verletzungen auf. Die Conferences waren gerade inmitten eines Vermarkuntgs-Streits mit der NCAA. Korruption in NCAA, Bowl-Veranstaltern und Universitäten war mit der von heute kaum vergleichbar (das heißt was!). Und an der University of Miami („The U“) war gerade ein neureiches Programm drauf und dran, unter dem schrulligen Head Coach Howard Schnellenberger nach oben zu stürmen.

Okay. Orange Bowl 1984, Halbzeit eins: Nebraskas PlayCalling tanzt Rock’n’Roll, und die Huskers scorten mit dem l-e-g-e-n-d-ä-r-e-n Fumblerooski, einem Spielzug, den man bei uns dank The Longest Yard und so als eher kitschig aufnehmen würde – aber, Nope: Das Ding wurde wirklich mal in nem quasi-National Championship Game angesagt! Aber das ist hier nicht mal der Punkt, denn der kommt jetzt.

Das ganze Spiel

Miami/FL – Nebraska 1984

Miami führte vor dem letzten Drive der Huskers 31-24. Nebraska marschierte in den letzten 107 Sekunden downfield, ohne seinen besten Running Back Mike Rozier. Einmal mitten im Drive ließ der beste Wide Receiver der Universitätsgeschichte, Irving Fryar, späterer NFL-Star, einen sicheren Touchdown so absurd beschissen fallen, dass es keine andere rationale logische Erklärung als „Schiebung“ gibt. Die drei Meter hinter Fryar in der EndZone vor Freude über den Drop tanzenden Veranstalter (!) der Orange Bowl geben eines der bizarrsten Bilder, die ich im Sport kenne – und sie sind Symbol für die komplett verschobenen Strukturen jener Zeit.

Tom Osbourne

Tom Osbourne

Nebraska scorte schließlich den Touchdown zum 31-30, und Nebraskas Head Coach Tom Osbourne, ein als langweilig empfundener Traditionalist, machte den geilsten Call, den du als Head Coach in dem Moment machen kannst: Go for two. Man muss wissen, dass es zu jener Zeit keine Verlängerung gab, und das Spiel remis geendet hätte. Ein erfolgreicher P.A.T. hätte die Partie ausgeglichen, und weil Nebraska als #1 ins Spiel gegangen war und von der #2 Miami in deren Stadion nicht bezwungen werden konnte, hätte ein 31-31 den sicheren National Title bedeutet – den ersten für Nebraska seit Äonen, den ersten überhaupt für Osbourne.

Er ging trotzdem auf den Sieg – und scheiterte.

(Man sieht eingangs dieses Videos übrigens auch noch einmal den wahnwitzigen Drop von Fryar und links oben die tanzenden Offiziellen) 

Der Newcomer Miami/FL wurde infolge des Überraschungssiegs erstmals zum National-Champion gewählt, auch dank einer Entscheidung, die die Landschaft im College Football nachhaltig und für immer veränderte. Eine neue Supermacht war geboren, und sie hatte eine alte Supermacht geschlagen.

Obwohl: Osbourne war kein Verlierer. Er bewies Courage. Go for the win. Leider murksen heute viel zu viele Coaches in blanker Angst um ihren Job und drücken sich, und verschieben die Entscheidung auf die Verlängerung. Osbourne wurde erst elf Jahre später belohnt: Ungeschlagen und punktgleich mit Penn State, und die Voter gaben Nebraska die Stimme und den Titel der Saison 1994/95, in erster Linie, weil Osbourne auch dann noch titellos gewesen war.

Die Entscheidung, auf das remis zu verzichten, half auch langfristig, den Meisterfindungsprozess, der im College-Football ja schon immer sagenhaft beknackt gewesen war, war, und ist (und möglicherweise auch sein wird), zu verändern. Wie schreibt Weinreb nochmal?

Osborne’s choice did not alter anything overnight, because college football seems to pride itself on the glacial nature of its decision-making process. But it moved us steadily forward, toward the realization that the current system was inherently flawed and purposefully nebulous — that it almost seemed designed to punish those who pushed for any sort of definitive resolution. It set us on a path toward overtime and toward the BCS and eventually toward a playoff system, and it rewarded Osborne with a lifetime of solid karma from the people of his state.

Für den, der sich für die Football-Folklore aus der guten, alten Zeit interessiert, hier nochmal: Tom Osbourne Goes for Two.

Neujahrsbowls 2013 Preview

An alle, die den Rutsch unbeschadet überstanden haben: Guten Morgen im neuen Jahr. College Football ist gnadenlos und gesteht uns keine Pause zu; im Gegenteil: Heute folgen die Bowls an dem Tag (Neujahr), an dem vor Urzeiten die Idee geboren wurden, überhaupt Bowls zu veranstalten. Die wichtigste ist heute die Rose Bowl zu Pasadena, die in einem gesonderten Eintrag behandelt wird, wie auch die Orange Bowl. Sie merken: Die BCS (Bowl Championship Series) startet. Zuerst aber das „Aufwärmprogramm“. Weiterlesen

Black-Friday Preview 2012

Am Tag nach der langen Thanksgiving-Nacht beginnen die Amerikaner in einem weiteren, semi-offiziellen „Nationalfeiertag“, dem Back-Friday, ihre Weihnachtsvorverkäufe – nicht mehr im Konsumrausch von vor wenigen Jahren, aber dafür sind dann auch die Kopfschmerzen danach etwas linder.

Der Black-Friday bildet im College Football für mich seit Jahren den Auftakt zum letzten großen College-Wochenende, dem „Rivalry-Weekend“ mit zahlreichen Klassikern. Heute Abend noch die Soft-Variante. Morgen folgen dann die Kracher, die zum Teil auch die BCS mitentscheiden werden.

Ab 18h bringt ESPNA heute Iowa HawkeyesNebraska Cornhuskers, wo sich die Gäste mit einem Sieg direkt für das BigTen-Finale qualifizieren können, ohne dass Michigan morgen noch eine Chance zum Nachziehen hätte. Das ist dann auch das spannendste, das mir zu diesem Spiel einfällt, nachdem die Big Ten dieses Jahr den Charme eines Buchhalters mit Achselschweißüberproduktion versprüht.

Ab 21h30 aus der SEC: Arkansas RazorbacksLouisiana State Tigers, wo man wenigstens einen Blick auf kommende Draftpicks in der NFL werfen kann. QB Tyler Wilson von den Hogs sagt man eine eher verhaltene Saison nach, was Wilson und seinen Draft-Aktien kurz vor seinem Gang in die NFL gar nicht bekommen sollte. Gegen die bärenstarke Tigers-Defense könnte Wilson noch einmal eine Lebenszeichen geben – oder endgültig absaufen: Arkansas ist nach der schlechtesten Spielzeit seit Ewigkeiten längst aus dem Rennen um selbst die schwächsten Bowls draußen. LSU ist mit 8-2 und bloß knappen Niederlagen gegen die BCS-#2 (Alabama) und BCS-#4 (Florida) zwar praktisch chancenlos auf den BCS-Titel, kann aber unter Umständen noch eine BCS-Bowleinladung bekommen. Zudem gilt es, mehrere Abwehrspieler zu begutachten, namentlich vor allem die Herren DE Montgomery und DE Mingo.

Ab 01h: CincinnatiSouth Florida, wo es sportlich um nicht mehr viel geht und nach dem Karriereende von Bulls-QB B.J. Daniels auch der interessanteste Spieler ausfällt. Die Cincinnati Bearcats haben allerdings ihrerseits einen Quarterback, den es sich anzuschauen (und dessen Namen es sich zu schreiben lohnt) lohnt: QB Munchie Legaux.

Spätnachts oder früh am Morgen dann noch ab 04h das Derby aus der Wüste von Tucson, Arizona WildcatsArizona State Sun Devils („Duel in the desert“). Beide Unis gingen heuer mit neuen, lauten und profilierten Head Coaches in die Saison, und beide zeigten Anzeichen von Brillanz mit ihren neuen Offensivstrategen, hatten aber auch brutale Knockouts.

Arizona mit dem HC Rich Rodriguez (ehemals WVU, Michigan) zum Beispiel schlug USC, hielt sich gegen Stanford bis hinein in die Overtime und hätte um ein Haar Oregon State geschlagen, wurde aber von Oregon und UCLA mit 49 bzw. 56 Punkten Differenz geputzt. Die Arizona State Sun Devils von Todd Graham (ex-Pitt) haben keine richtigen Qualitätssiege vorzuweisen, hielten aber gegen UCLA und Oregon sehr viel besser mit.

Das Duell wird sicher intensiv – die Spiele in den letzten Jahren waren alle sehr spannend und teilweise nur von Fehlkicks in der letzten Sekunde entschieden.

College Football 2012, Week 1, Tag 3: Das Eierwerfen geht richtig los

Heute ist der erste „Großkampftag“ der diesjährigen Saison im College Football – und ESPN America bringt angemessenes Programm.

Notre Dame Fighting Irish – Navy Midshipmen

Heute, 15h LIVE bei ESPN America

…und das live aus dem neuen Aviva Stadium in Dublin. Irland… ich werd’ sentimental. Die Weiden. Die Klippen. Die Leute. Das Bier. Ich möchte bitte als Ire wiedergeboren werden.

Nicht zum ersten Mal übrigens gibt es College Football in Irland: Schon vor über 20 Jahren wurden Versuche gestartet, nach Übersee ausgewanderte Iren mit diesem „Trick“ mal wieder zu einer Heimreise zu animieren (u.a. mit dem Boston College). Auch Notre Dame spielte vor 16 Jahren schon mal in Irland gegen die Navy, im Croke Park, vor halbleerem Stadion. Nun also die Neuauflage unter dem Label „Emerald Isle Classic“.

Bei den Notre Dame Fighting Irish kommt natürlich sofort die Frage nach dem Hintergrund des Teamnamens auf. Anders als ich immer vermutet hatte, lief das Footballteam erst ab zirka 1920 herum unter diesem Namen auf – vorher war man unter diversen Bezeichnungen unterwegs gewesen, zur Zeit, als der legendäre Knut Rockne („Football is a game played with arms, legs and shoulders, but mostly from the neck up.“) dort coachte. Die Legenden ob des Ursprungs des Namens sind breit gestreut: Von einem irischen Terrier an der Seitenlinie über Schmährufe der Gegner über Abstammung von Universitätspräsidenten hin bis zur Assoziation von irischen Tugenden mit dem Kampfstil des Notre Damer Footballteams – die blanke Antithese zum Credo Rocknes übrigens – ist alles dabei.

Dabei hatte ich stets unerschütterlich an die Verbindung der sehr römisch-katholisch geprägten Republik Irland mit der landesweit als Katholikenschule bekannten University of Notre Dame geglaubt. Ein Irrglaube.

Sei’s drum. Vorschau zum sportlichen Teil der Veranstaltung für die nicht an Klickfaulheit Erkrankten und Neugierigen gibt es nebenan in der Sideline.

Penn State Nittany Lions – Ohio Bobcats

Heute, 18h LIVE bei ESPN America

Sideline

Penn State.
Ohio.

Fast zehn Monate nach Auffliegen des Sandusky-Skandals und runde siebeneinhalb Monate nach dem Tod von Joe Paterno werden die Pennsylvania State Nittany Lions zum ersten Mal seit 1965 eine Saison ohne einen Head Coach Paterno beginnen. Die möglicherweise nicht allzu lange „Ära“ Bill O’Briens beginnt auch offiziell, und sie beginnt unter keinem guten Stern: Den massiven NCAA-Strafen folgte im August ein Exodus vieler Leistungsträger, und es werden ein paar dürre Jahre in State College aufziehen.

Das Beaver Stadium wird übrigens mit 108.000 Zuschauern ausverkauft sein. Man hat schon erste Stimmen vernommen, dass das Tailgating dieses Jahr noch intensiver sein wird, weil die Spiele danach aufgrund eben jener Abgänge und der eh schon schwach besetzten Offense zu eher zähen Angelegenheiten zu verkommen drohen. Und ich meine auch gelesen zu haben, dass ein berühmter Fighting Song aus dem Programm genommen wurde.

Sportlich gespannter bin ich heute auf die Ohio Bobcats aus der kleinen MAC, denen einige eine fantastische Saison zutrauen und die möglicherweise hier nicht der große Außenseiter sind, den die Teamnamen suggerieren würden.

Nebraska Cornhuskers – Southern Miss Golden Eagles

Heute, 21h30 LIVE bei ESPN America

Nächstes Heimspiel in einer zumeist fantastischen Heimatmosphäre. Aus Omaha/Nebraska dringen immer wieder hymnische Gesänge auf die Fans durch und man erzählte mir, dass sich mal bei einem Heimspiel gegen Texas zu den 85.000 im Stadion noch mal 80.000 auf den Parkplätzen und Straßen um die Arena herum säumten – Zustände, die kriegt man hierzulande kaum beim EM-Halbfinale auf die Beine. In Omaha offenbar nah am Normalzustand.

Sportlich halte ich die Partie für ein Mismatch. Southern Miss hat seine Abwehr-Stärken eindeutig im Defensive Backfield. Dumm, dass Nebraska fast nie wirft, und immer mit dem Doppelkopfmonster QB Martinez/RB Burkhead daherrollt. Auf der anderen Seite darf man gespannt sein, wie die in den letzten zwei, drei Jahren doch arg dezimierte Husker-Defense heuer ausschauen, und heute getestet, wird.

Nebraska ist in den Wettbüros mit 20 Punkten favorisiert.

Michigan Wolverines – Alabama Crimson Tide

Heute Nacht, 02h00 LIVE bei ESPN America
Tape morgen 13h

Sideline

Michigan.
Alabama.

Das Spiel des Wochenendes, auf neutralem Boden live aus dem Cowboys Stadium nahe Dallas. Für Michigan ist es nur das erste von mehreren beinharten Begegnungen, weswegen viele den Wolverines heuer trotz gut ausschauendem Kader noch nicht den Schritt ganz nach oben in die Nähe der BCS-Trophäe zutrauen. Alabama hat aber einen nicht minder heftigen Schedule, kann sich mit hoher Wahrscheinlichkeit auch keine Niederlage leisten, wenn sie den Landesmeistertitel verteidigen wollen.

In der Vergangenheit zeigte sich bei direkten Duellen SEC vs. Big Ten häufig ein eklatanter Geschwindigkeitsunterschied zwischen den Kontrahenten. Während die Boliden aus der Big Ten zwar auch physisch gebaut sind, walzen die SEC-Dampfer gerne komplett drüber und entkräften den Gegner damit schrittweise. In den letzten beiden Jahren würgte Alabama zum Beispiel in der Regular Season komplett die Penn State Nittany Lions ab, und auch das komplett aus dem Ruder gelaufene Bowlspiel gegen Michigan State – auch keine Gurkentruppe – vor zwei Jahren (49-7 Sieg nach sieben Touchdowns in Serie) ist noch ganz tief im Gedächtnis verankert.

Wird für den pfeilschnellen QB Denard Robinson die vermutlich härteste Prüfung seiner bisherigen Karriere. Wenn eine Defense Robinson mit ihrem Speed Paroli bieten kann, ist es jene von Nick Saban. Und: Michigan hat seinen #1-RB Fitzgerald Touissant suspendiert.

Oregon Ducks – Arkansas State Red Wolves

Heute Nacht, 05h LIVE bei ESPN America

Zwei Stichworte dürften eigentlich genügen: Oregons Offense ist am Werkeln und bei Arkansas State gibt Offensivgenie Gus Malzahn sein Debüt. Dürfte sportlich eine eindeutige Sache werden, aber diese beiden Faktoren reichen aus, um das Spiel reinzuziehen. Und natürlich die neuen Trikots der Oregon Ducks – erstmals getragen für die Rose Bowl im Jänner und nun offenbar öfters zum Einsatz gekommen (hoffentlich auch die Helme). Oregon Ducks und ihre Trikots: Der einzige neumodische Kitsch, der wirklich gefällt.

ESPNA-Tapes von heute und morgen: Auftakt zum Labour Day-Weekend

Um 11h30 kommt CFL-Football mit Montreal – BC Lions, das Duell der beiden Divisionsführenden in Ost und West zum Auftakt des soganannten Labour Day Classic-Weekends, wenn stets die Rivals gegeneinander angesetzt werden. Montreals Hauptrivale, Ottawa, besitzt derzeit kein CFL-Team, weswegen man seit ein paar Jahren dann gegen BC spielt, die keinen historisch gewachsenen solchen besitzen. In Kanada spricht man von einer künstlich kreierten „Coast-to-Coast“-Rivalität.

Montreal mit 5-3 Siegen trotz negativer Punktebilanz, und BC mit 6-2 mit bester Defense ligaweit. Das Spiel hat auch deswegen einen Reiz, weil nächste Woche in der CFL alle vier Partien wieder gespielt werden, mit vertauschtem Heimrecht. (morgen abend gibt es dann den ersten großen Klassiker Saskatchewan – Winnipeg am Vorabend des kanadischen Labour-Days).

Die CFL hat dieser Tage auch deswegen ihren Reiz, weil vermehrt aus den NFL-Trainingslagern entlassene Spieler wieder in ihre „Heimat-Teams“ im hohen Norden zurückkehren.

Morgen früh noch um 10h30 als ESPNA-Tape Boston College vs. Miami Hurricanes, ein Spiel, das heute um 21h30 angesetzt war, und von dem ich überrascht bin, dass die Internetwahl der Fans nicht auf diese, sondern auf die Nebraska-Partie gefallen ist. Beide ACC-Unis stehen vor schwierigen Saisons. Boston College, weil die Stimmung am Boden liegt. Miami, weil keine Sau weiß, wann der Hammer der NCAA im Falle „Shapiro“ fallen wird. Und natürlich, weil die Offense mal wieder rundumerneuert wurde.

Alles weitere im Verlauf des Tages und/oder morgen.

Big Ten Conference 2012/13 Preview

Die Big Ten Conference aus dem US-Norden/Nordosten rund um die Großen Seen herum ist die traditionellste, konservativste Spitzen-Conference im College Football, dort, wo sich die großen Stadiongiganten befinden, wo noch klassische Option-Offense gezeigt wird und wo man lieber alte Rivalitäten pflegt, als zwingenderweise Mannschaften ins BCS-Championship Game schickt.

Aktuell ist die Conference recht erschüttert von Skandalen, Stichworte Tressel/Pryor und Sandusky. Mit Ohio State und Penn State sind zwei der landesweit renommiertesten Programme böse unter die Räder der NCAA-Regelhüter gekommen und sind für diese Saison (Ohio State) bzw. auf Jahre (Penn State) außer Konkurrenz dabei. Der Rest dürfte erstmal passen: Der neue TV-Vertrag ist saftig, das Championship-Game trotz der sinnfreien Divisionsverteilung ein Erfolg und auch Commissioner Jim Delaney hat in den unsäglichen BCS-Diskussionen noch rechtzeitig die Kurve gekratzt um sein Gesicht zu wahren.

Legends Division

Die Michigan Wolverines hatte ich bereits vorgestellt, daher an dieser Stelle die Beschränkung auf die „Statisten“ – Statisten, die ich nicht unterschätzen würde. Die Michigan State Spartans verlieren zwar ordentlich Qualität in Offense (QB Kirk Cousins, WR Cunningham) und Defense (DT Jerel Worthy), haben unter dem gewieften Taktiker Mark Dantonio aber über Jahre ein grundsolides Fundament geschaffen, gut genug, dass man die Spartans nicht schon vor Saisonstart abschreibt. QB Andrew Maxwell kommt mit viel Wirbel auf den Campus, RB Le’Veon Brazill Bell war einer von den besseren, effizienteren Running Backs und ist auch ein guter Fänger (35 Catches). 35 Catches, das ist ziemlich genau die Hälfte davon, was alle restlichen im Kader Wide Receivers und Tight Ends zusammen auf dem Buckel haben. Deswegen wird man sich auf die Defense verlassen müssen, deren einzige Schwachstelle das von Worthy hinterlassene Loch mitten in der Defense Line sein dürfte.

Bissl mehr Buzz noch gibt es um die Nebraska Cornhuskers aus den Einöden um Lincoln, die Uni mit dem vielleicht größten Einzugsgebiet für das Recruiting, eine Uni, die aktuell auf Identitätssuche ist. Nicht in Sachen Spielsystem (da bleibt man bei lauflastiger Option-Offense), aber in Sachen: Was wollen wir? War man in den 90ern eine der absolut dominierenden Kräfte, so kratzt man nun Jahr für Jahr an den Top-10, ohne jemals hineingelassen zu werden. Der Gedanke an 9-4 Saisons als Standard treibt dem gemeinen Husker-Fan die blanken Schweißtropfen auf die Stirn.

QB Tyler Martinez taugt da als Projektionsfläche: Er ist zwar nicht der konventionellste Werfer und nicht der explosivste Scrambler, macht aber fast immer seine paar Yards beim 3rd und 3 zum ersten Down und personalisiert damit die unaufgeregte, aber auch nur mäßig entzückende Offense der Huskers. Das könnte heuer zu wenig sein, denn die traditionell starke Defense zeigte sich zuletzt porös und dürfte vor allem in der Front-Four nach Jahren mit Granaten wie Suh oder Crick diesmal wackelig besetzt sein.

Die Iowa Hawkeyes dürften nach etlichen Wechseln im Trainerstab, bei den Skill Players und in beiden Seiten der Schützengräben diesmal keine Rolle an vorderster Front spielen. Unter HC Kirk Ferentz ist man aber ein Muster an Beständigkeit und dürfte somit auch nicht gleich krepieren. Der QB Vandenberg gefällt nur sporadisch, aber gespannt ist man auf die Chemie mit dem fantastischen TE C.J. Fiedorowicz mit seinen ca. 2.05m, und gespannt bin ich auch auf die Defense, nachdem alle Ankündigungen in Richtung „blitz-happy“ zu deuten sind.

Northwestern gehört zu den Unis, die ich als Student mit Ambitionen auf Front-Office und 50k Monatsgehalt ganz gerne besuchen möchte, aber im Football nicht wirklich die große Nummer. Die letzten Jahre unter dem „Magier“, HC Pat Fitzgerald, waren für die Ansprüche der Wildcats so übel nicht, aber nach einem massierten Exodus dürfte man erstmal wieder unten anfangen.

Der absolute Superstar bei Northwestern hört auf den Namen Kain Colter und er hat schon einen Vorvertrag bei Bill Belichick bekommen. Colters Stats von 2011/12:

55 von 82 Pässen  673yds 6 TD  1 INT
126 rushes        726yds 9 TD  5.8yds/Carry
43 catches        458yds 3 TD

Minnesota wird nur, wenn es optimal läuft, in die Bowl Season reinflutschen. Bei Head Coach Jerry Kill sind immer noch die schockierenden Bilder seines Epilepsieanfalls am Seitenrand mitten in einer Liveübertragung im Hirn verankert, bei QB/WR MarQueis Gray muss man erst abwarten, ob er im zweiten Jahr auf der QB-Position mehr Spielverständnis zeigen kann.

Leaders Division

Zwei Teams können wir ganz schnell abhaken: Ohio State und Penn State. Beide wie oben geschrieben diesmal außer Konkurrenz dabei. Die Buckeyes sind aber aus drei Gründen trotzdem spannend. Der erste Grund: Urban Meyer. Der zweite Grund: Urban Meyer. Der dritte Grund: Urban Meyer. Meyer ist einer von den ganz großen Starcoaches, bei denen sich jeder die Fresse fuzzelig sabbert, inklusive Meyer himself. Meyer erwies sich mit seinem Ich habe keine Lust aufs Coachen mehr, deswegen fange ich wieder mit Coachen an-Spielchen als Wendehals und bezog entsprechend ein paar Pfund Prügel. Der Mann ist aber nicht zu unterschätzen, ließ bei Florida mit QB Tebow eine fantastische Option-Offense spielen – und Spielermaterial, das ist bei Ohio State noch nie ein Problem gewesen. Mit Braxton Miller gibt es im Kader auch einen von den laufstarken Quarterbacks in der Tradition Tebows. 2012/13 ist ein Aufbaujahr, bevor in der nächsten Saison der Ernst des Lebens beginnt – wir sehen also Freundschaftsspiele unter Wettkampfbedingungen.

Penn State? Ist für ca. 6-8 Jahre außen vor. Interessant werden drei Dinge: Wie lange wird der Spielerexodus noch anhalten, wann wird Head Coach Bill O’Brien hinschmeißen, und wie ernst ist es Penn States „more than just winning“-Footballpublikum wirklich? (Zuschauerschnitt in den letzten fuffzehn Jahren jeweils über 105000)

Bei Illinois, Indiana und Purdue kann man sportliche Leichtgewichte vermuten. Illinois ist erstmal den unbeliebten Coach Ron Zook los und hat mit Tim Beckman einen lokal erfolgreichen Mann geholt, aber es gibt abseits von QB Scheelhaase und der starken Front-Seven wohl zu viele Fragezeichen. Indiana hat auf seinem Weg zurück aus den Niederungen des College Football keine Siebenmeilenstiefel angelegt, wäre schon froh, wenn die Jungs von Kevin Wilson mal ihre Affinität für gelbe Flaggen ablegen würde. Und Purdue bringt auch kein Entzücken: Der einzige spektakuläre Offensivspieler RB Ralph Bolden ist rekonvaleszent und raucht zu gerne Gras, der out of conference-Schedule ist zu schwer, als dass die Bowl Season drin ist.

Bleiben die Wisconsin Badgers. Und wir wissen, watt datt heißt. HC Bret Bielema hat zuletzt massivste Hünen in den NFL-Draft geschickt, nur um in diesem Jahr wieder eine Unit an Offensive Linemen aufzubieten, wo 12 von 17 Latten über 2m und 16 von 17 Schränke über 140kg sind. Ich war grad im Handel, drei Kisten Bier fürs Drinking Game bei der Saisoneröffnung zu holen.

Keine Frage ist aber: Wisconsin hat Qualität verloren. Es sind einfach zu viele Abgänge: OffCoord Chryst nach Pittsburgh, QB Wilson, WR Toon in die NFL. Nur RB Montee Ball ist noch da, aber wer weiß, wie stark Ball von Wilson profitiert hat. Und Wilson war fraglos der Schlüsselspieler: All die Jahre hatte Wisconsin gutes Laufspiel, aber erst 2011 war mal ein guter Werfer dabei – nur um dann wegen zwei Hail Marys die Chance aufs BCS-Endspiel zu vergeigen. Der neue QB Danny O’Brien, der aus Maryland kommt, ist mir nicht in so besonderer Erinnerung, als dass ich ihn zum neuen Wilson ausrufen möchte.

Über die zuletzt erschreckend schwache Lauf-Defense haben wir da noch gar nicht geredet, aber wie gesagt: Conference-Finalqualifikation sollte aufgrund von Buckeye-Sperre drin sein. Mehr dann wohl auch nicht.