NFL-Sonntagsvorschauer 2013, Week 7

Weil korsakoff sich rumtreibt, kommt die Vorschau auf die Spiele des siebenten Spieltages heute von mir. Das Sunday Night Game hat erwartungsgemäß alle Schlagzeilen dominiert, aber auch vorher wird schon gespielt. Im Fernseher kann man die folgenden Spiele sehen:

  • 19h00  Philadelphia – Dallas
  • 19h00  Detroit – Cincinnati (*)
  • 22h25  Kansas City – Houston
  • 22h25  Green Bay – Cleveland (*)
  • 02h25  Indianapolis – Denver

alles auf Sport1US. PULS 4 überträgt ab 22h30 das Spiel Green Bay Packers vs. Cleveland Browns. Im Internet sieht man alle Spiele mit dem Game Pass. Den kann man auch ausprobieren: das Free-Game im Gamepass ist Atlanta Falcons – Tampa Bay Buccaneers.

Die 19.00-Uhr-Spiele

Mit dem GamePass könnte man zum Beispiel San Diego Chargers (3-3) in Jacksonville (0-6) gucken. Muß man aber nicht. Man könnte stattdessen Buffalo (2-4) in Miami (3-2) versuchen. Ich bin ein großer Fan der Bills-D. Diese vereint unter der Aufsicht von Mike Pettine viel individuelles Talent (Williams & Williams, Dareus, Byrd, Gilmore) mit einem komplexen System, das Pettine als rechte Hand Rex Ryans bei den Jets mitentwickelt hat. Ein guter Gegner, um zu sehen, ob Miamis Quarterback Ryan Tannehill wirklich „for real“ ist. In den letzten Wochen sah er meistens so aus. Auf der anderen Seite ist E.J. Manuel noch ausgeknockt mit kaputtem Knie und so wird Thad Lewis zu seinem zweiten Start kommen. Lewis hat bei Duke unter QB-Guru David Cutcliffe gelernt, auf den auch Peyton Manning schwört. Nur hatte es wahrscheinlich auch Gründe, daß Lewis nicht gedraftet wurde und es wird eine bärenstarke Leistung der Defense brauchen, um Miami zu schlagen.

Auch gucken könnte man das andere Divisionsduell der AFC East. Die New England Patriots (5-1) fahren in die Meadowlands zu den New York Jets (3-3). Ja, 3-3 stimmt wirklich. Niemand hat vor der Saison irgendwas auf Gang Green gegeben, aber wie immer mit Rex Ryan kann man auf eine furchteinfößende Verteidigung bauen. Die wird es schwerer haben als im Hinspiel in Woche 2, denn Robert Gronkowski wird das erste Mal in dieser Spielzeit zum Einsatz kommen. Außerdem ist Antonio Cromartie angeschlagen.

Die einzige Niederlage holten sich die Pats bei den Cincinnati Bengals (4-2) ab, die um 19.00 bei den Detroit Lions (4-2) antreten. Die Bengals hatten bereits einige komische Schwächephasen in ihren bisherigen Spielen, haben aber eben auch gegen New England und die Packers gewonnen. Vieles hängt an QB Andy Dalton, der sich scheinbar nicht weiterentwickelt hat. Schön anzusehen ist bei Cincy neben A.J., Green und der Defensive Line vor allem Rookie RB Gio Bernard. Das schönste direkte Duell dürfte wohl Calvin Johnson vs Leon Hall werden; das entscheidende wahrscheinlich RB Reggie Bush und TE Joseph Fauria gegen LBs Vontaz Burfict und Ray Maualuga. Wenn diese beiden Schildkrötoen im Decken des prototypischen space players und des riesigen Tight Ends nicht über sich hinauswachsen, wird der ehemalige Heisman Trophy Gewinner jeden dritten Versuch in neuen ersten verwandeln und UDFA Fauria wieder einige TDs fangen.

Weil ja irgendwer die NFC East gewinnen muß, spielen die Dallas Cowboys (3-3) und die Philadelphia Eagles (3-3) direkt gegeneinander. So ist sichergestellt, daß wenigstens eine Mannschaft der Division eine positive Bilanz hat. Während die vorigen drei Partien alle mit guten bis starken Verteidigungsreihen glänzen, sollte dieser Klassiker ein zu einem wilden shootout werden. Dez Bryant für 200 Yards, Tony Romo wieder für 500, Jason Witten mit 3 TDs?  Warum nicht! Da bei den Cowboys außer Jason Hatcher die gesamte D-Line verletzt ist, sollten auch die Eagles genügend Platz für ihr gefürchtetes Laufspiel bekommen. QB Nick Foles wird wieder starten, nachdem er in den letzten anderthalb Spielen ganz anständig aussah und Michael Vick weiterhin an Muskelproblemen laboriert.

Da auch die anderen Mannschaften so schlechte Bilanzen haben, sind die Washington Redskins (1-4) noch lange nicht raus aus dem Rennen. Heute bekommen sie Besuch von den Chicago Bears (4-2). Die beiden großen Bären Brandon Marshall und Alshon Jeffery sind viel zu viel für Washingtons gurkige secondary. Da braucht es schon eine erstklassige Leistung von Robert Griffin. Chicago hat auch keine besonders gute D, es könnte auch hier in Punktefestival geben – wenn Griffin es mal schafft, ohne Turnovers auszukommen.

Die NFC South dürften die New Orleans Saints (5-1, bye week) spätestens mit den Verletzungen von Julio Jones und Roddy White eingetütet haben. Die Atlanta Falcons (1-4) empfangen die Tampa Bay Buccaneers (0-5) zum Krisengipfel. Neben White und Jones fehlen auch RB Steven Jackson und LT Sam Baker. Tampas einzigartiger Coach Greg Schiano läßt wieder Rookie Mike Glennon starten gegen eine Verteidigung der Falcons, die fast so viele Verletzte hat wie die Offense. Tampa hat drei der Spiele nur mit drei oder weniger Punkten Unterschied verloren; sie haben Darelle Revis, der gar nicht weiß, wen er jetzt verteidigen soll (Tony Gonzalez?); und Doug Martin sollte jede Menge rushing yards gutmachen können – Vorteil Bucs.

Auch die Carolina Panthers (2-3) werden den Saints nicht mehr gefährlich werden. Dafür ist die Offense zu schlecht. Cam Newton bekommt keine Konstanz in sein Spiel, er hat keine guten WRs und sogar Steve Smith hat in den letzten Wochen geschwächelt. Dafür reißt die Verteidigung alles raus. Die Schwachstelle ist ganz klar das Defensive Backfield, aber Sam Bradford wirft ja zum Glück keine Pässe über mehr als 10 Yards. Die St Louis Rams (3-3) leben ebenfalls von ihrer Defense, die auch gegen Carolina gut aussehen sollte. Enges Spiel, aber falls Ron Rivera weiterhin vom 4th-Down-Monster besessen ist, gewinnen natürlich die Panthers.

Die 22.05/22.25-Uhr-Spiele

Zwei der späten Spiele sind so seltsame Interconference Games: San Francisco (4-2) in Tennessee (3-3) und Cleveland (3-3) in Green Bay (3-2). Die Packers haben so viele Verletzte, daß sie im schlimmsten Falle nicht mal die 46 Spieler zusammenbekommen, die sie maximal einsetzen dürften. Unter anderem fehlen die WRs James Jones und Randall Cobb, die LBs Clay Matthews, Nick Perry und Brad Jones. Upset alert, auch mit Brandon Weeden als starter.

Trap game alert gibts es im Arrowhead Stadium, wo Eintracht Langeweile (6-0) die Houston Texans (2-4) empfängt. Die Offense um Alex Smith hat letzte Woche gegen Oakland nur 17 Punkte gemacht. Überlagert wird die offensive Langeweile von der Defense, die bis jetzt schon absurde 31 Sacks und 18 Turnovers für sich verbuchen konnte. Wenn Houstons Angriff um Case Keenum, der seinen ersten Start machen wird, ohne Ballverluste auskommt, wird das ein Spiel mit wenigen Punkten und knapp bis zum Schluß. Die Texans haben schließlich immer noch J.J. Watt und überhaupt eine Defense, die in dieser Saison noch nie mehr als 300 Yards zugelassen hat.

Zu guter letzt noch ein Klassiker: Baltimore Ravens (3-3) im Heinz Field zu Pittsburgh (1-4). Beide Mannschaften haben sich immer noch nicht gefunden und zeigen sich sehr launisch von Woche zu Woche. Zumindest bei Pittsburgh ist ein Aufwärtstrend erkennbar, während man Baltimore nie sicher sein kann, was man am Sonntag bekommt. Nichtsdestotrotz: noch sind beide Teams nicht so schlecht, als daß man die beste rivalry der letzten Jahre verschmähen sollte.

Das Sunday Night Game

Denver Broncos (6-0) zu Gast bei den Indianapolis Colts (4-2). Dazu ist im Grunde schon alles geschrieben worden (außer das, was heute später noch von seminole kommt). Die storylines: Peyton kommt zurück nach Hause; kann Denvers Offense weiterhin auf Rekordniveau spielen?; Von Miller kehrt zurück; Andrew Luck und der Druck im Duell der Generationen; wie überbewertet ist Indys-D?; kann Trent Richardson für 100 Yards laufen?; und vor allem und wieder PeytonPeytonPeytonPeytonPeytonPeytonPeytonPeytonPeytonPeytonPeytonPeytonPeytonPeytonPeytonPeytonPeytonPeyton. Manchmal kann zu viel media coverage einem so ein Spiel auch vergraueln. Aber es sollte natürlich ein großartiges Spiel werden und gilt völlig zu Recht als eines der Highlights dieser regular season. Viel Spaß!

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Recap – Redskins vs. Giants, Week 13

Oder: Warum Playoffs mit RG3 kein unerreichbarer Traum mehr sind.

Die Washington Redskins sind nach einem spannenden, vor allem in der ersten Halbzeit gutklassigen Monday Night Game zurück in der Wildcard-Verlosung, und haben mit 6-6 nur noch ein Spiel hinter den divisionsführenden New York Giants (7-5) zurück – bei ausgeglichenem direkten Duell und Führung im zweiten Tie-Breaker (WAS ist 3-1 in der Division, NYG 2-3). Weiterlesen

NFC East in der Frischzellenkur

Nachdem die ersten Trainingseinheiten der Dallas Cowboys mit ihren Rookies schockierend schlecht gewesen sein sollen, hier ein Blick auf die NFC East, jene Division, die den Draft als Gesamtes vermutlich am aggressivsten anging und mehr als eine Handvoll bekannte Gesichter holte.

Dallas Cowboys

Rd #   Pos Name
1  6   CB  Morris Claiborne
3  81  DE  Tyrone Crawford
4  113 LB  Kyle Wilber
4  135 S   Matt Johnson
5  152 WR  Danny Coale
6  186 TE  James Hanna
7  222 LB  Caleb McSurdy

Defensivlastige Draftklasse für die Dallas Cowboys, mit nur zwei Angriffsspielern im 1,80m-Zwerg Coale und TE Hanna, die jeweils die Chance kriegen dürften, für zwei Abgänge (WR Robinson/TE Bennett) in den Kader zu rücken.

Der auffälligste Move war freilich jener Trade an die Position #6 für den CB Morris Claiborne von LSU, der im Defensive Backfield ausreichend Spielzeit bekommen dürfte, nachdem die alten Recken um Newman nach und nach aus dem Kader geworfen werden. Eine Position, bei der sich Cowboy-Fans den Mund fusselig reden, ist jene des Safetys. Matt Johnson ist nicht wirklich ein mir bekannter Name (sprich: ich kannte die Eastern Washington University überhaupt nicht), soll aber gute Workouts gehabt haben.

Für die Front Seven mit Boise States DE Tyrone Crawford einen „grinder“ für die Rotation im Pass Rush und in LB Wilber einen Allrounder ohne allzu großen Zug gen Quarterback: Der Cowboy-Draft war darauf ausgelegt, die größten Sorgenfalten des Trainerstabs für die kommende Saison anzugehen und demzufolge eigenartig „logisch“ für diese Franchise. Wie viel Jerry Jones da wohl überhaupt noch drinsteckt?

New York Giants

Rd #   Pos Name
1  32  RB  David Wilson
2  63  WR  Rueben Randle
3  94  CB  Jayron Hosley
4  127 TE  Adrien Robinson
4  131 OT  Brandon Mosley
6  201 OT  Matt McCants
7  239 DT  Markus Kuhn

Erstaunlicherweise wurden die erwarteten Offensive Linemen in der Zone gedraftet, in der für gewöhnlich die Perspektivspieler für die mittelfristige Zukunft einberufen werden: OT Mosley und OT McCants in der vierten bzw. sechsten Runde. Ansonsten war es ein recht ruhiges Wochenende für die Giants.

In der ersten Runde kam in David Wilson von Virginia Tech ein Running Back. Die Giants blieben auf ihrem 32ten Pick hocken, aber nicht ausgeschlossen, dass sie lieber den als kompletter angesehenen Doug Martin bekommen hätten, für den Tampa einiges Holz abgab, um gerade so noch an #31 ranzukommen. Wilson gilt auf alle Fälle als respektabler Ballfänger und dürfte dem Giants-Spiel damit eine Dimension geben, die Brandon Jacobs nicht bot.

Der Randle-Pick ist in die Kategorie „Reese at his best“ einzuordnen: Eine frei gewordene „Skill-Position“ wird bei den Giants fast immer schnell mit einem höheren Draftpick ersetzt. So auch diesmal nach Manninghams Abgang, wo nun mit Rueben Randle ein sehr groß gewachsener Mann reinrutscht und durchaus als Receiver neben Nicks und Cruz einige Spielzeit sehen dürfte.

In der siebten Runde mit dem deutschen DT Markus Kuhn ein Mann, der sich aus Lokalpatriotismus verfolgen lässt. Ich halte es durchaus für nicht ausgeschlossen, dass Kuhn einen Platz im Kader ergattern kann: Die Giants pflegen, etliche Defensive Liner im Stall zu halten.

Philadelphia Eagles

Rd #   Pos Name
1  12  DT  Fletcher Cox
2  46  LB  Mychal Kendricks
2  59  DE  Vinny Curry
3  88  QB  Nick Foles
4  123 CB  Brandon Boykin
5  153 OT  Dennis Kelly
6  194 WR  Marvin McNutt
6  200 G   Brandon Washington
7  229 RB  Bryce Brown

Die Eagles und Chefcoach Andy Reid waren wie gewohnt recht aktiv auf dem Tauschmarkt und schlugen bei Verfügbarkeit dann auch stets schnell zu. Fletcher Cox war Mayocks favorisierter Defensive Tackle und gilt an #12 bereits als Schnäppchen. Gepaart mit dem anderen Defense Liner aus der zweiten Runde, Vinny Curry, haben wir in Philadelphia nun eine potenziell enorm tief besetzte Line mit Optionen auf „Wide 9“ und eine etwas traditionellere Auffassung dank einer Handvoll Tackles.

Der Pick, der am deutlichsten mit „need“ überschrieben ist, dürfte LB Kendricks sein, der eine quasi nicht besetzte Position ausfüllen muss. CB Brandon Boykin/Georgia dürfte nach dem Verkauf Samuels’ als Ergänzungsspieler für die Secondary gedacht sein und ist meiner Erinnerung nach durchaus auch kein unerfahrener Returner, falls man WR Jackson künftig besser beschützen möchte.

QB Nick Foles sticht ins Auge, weil es kein Pick der Güteklasse „eh klar“ war. Reid ist einer von den Coaches, die den Backup-QB relativ hoch werten und entsprechend stets auf eine akzeptable Lösung bedacht sind. Foles könnte bei Vicks Verletzungsanfälligkeit schneller spielen als gedacht – aber bei aller Wuseligkeit vom Hünen Foles habe ich Foles als völlig anderen Typus QB denn Vick in Erinnerung.

Washington Redskins

Rd #   Pos Name
1  2   QB  Robert Griffin III
3  71  G   Josh LeRibeus
4  102 QB  Kirk Cousins
4  119 LB  Keenan Robinson
5  141 G   Adam Gettis
6  173 RB  Alfred Morris
6  193 OT  Tom Compton
7  213 CB  Jordan Bernstine
7  217 CB  Richard Crawford

Nach den handgezählten zweihundertdreiundfünfzig Skill Players vor einem Jahr ist die diesjährige Draftklasse der Washington Redskins abseits der Quarterbacks eher auf Unscheinbarkeit getrimmt. Die bemerkenswerteste Aktion am Wochenende dürfte der dritte Pick sein: QB Kirk Cousins, der erstaunlich „hoch“ (#102) einberufen wurde, um als Griffins Backup zu fungieren. Der Plan dürfte sein, mit RG3/Cousins plus einem Routinier in die Saison zu gehen, Cousins als Absicherung zu entwickeln und womöglich mittelfristig zu verhökern.

Seine Hochwürdigkeit Robert Griffin III ist bereits jetzt eine Kultfigur in Washington und dürfte eine rollout-lastige Offense gezimmert bekommen. Ich habe oft betont, dass ich die Liaison RG3/Shanahan durchaus für kompatibel halte und mich darauf freue. Der Preis allerdings war, ist und bleibt erstmal massiv; die Redskins sind in den nächsten beiden Drafts in ihrer Handlungsfreiheit recht limitiert.

Mit LB Robinson von Texas ist noch ein vom College bekannter „Playmaker“ dabei. Den Rest machen Blocker und Defensive Backs aus – was eh wurscht ist, da die Franchise erstmal mit Griffin steht und fällt.

NFL-Franchises im Kurzporträt, #7: Washington Redskins

Rückständig, stolz, gesichtslos, profitabel: Die Redskins waren und sind ein Team der Widersprüche und die Widersprüchlichkeit hat noch kein Ende genommen. Aber lesen Sie selbst.

Bis 1945: Erfolge und Debakel

1932 als Boston Braves gegründet, zogen die Braves (ab Jahr zwei bitteschön: Redskins) 1937 in die Hauptstadt um und waren fortan die Washington Redskins, die sich in den ersten Jahren unter QB/P/Verteidiger Sammy Baugh einen Namen als alljährlicher Titelkandidat machten: Zwei Titelgewinne, aber auch die verheerendste Finalniederlage ever: 0-73 gegen die Chicago Bears 1940. Bis heute „unerreicht“.

Die Rassisten – oder?

Die Redskins waren danach unter dem eigenwilligen Owner George Preston Marshall eine außerordentlich stolze, ambitionierte Mannschaft, die um jeden Preis Erfolge haben wollte. Marshall lachte sich eine Reihe höchst bekannter Coaches an (u.a. Lambeau und Lombardi) – alle floppten. Kann jemand eine Parallele zu Dan Snyder erkennen?

Marshall war aber noch schlimmer: Zwar ließ er die Umbenennung des neuen Stadions in D.C. nach dem Demokraten Robert F. Kennedy zu, aber Marshall war Rassist durch und durch und weigerte sich fast bis zum Ende seine Regentschaft Ende der 60er, einen schwarzen Spieler einzukaufen.

Es folgten 70er mit einer Superbowl-Teilnahme, aber ansonsten eher Graues. Bis der Mehrheitseigentümer Jack Kent Cooke endlich beschloss, auch operativ tätig zu werden. Cooke installierte recht schnell den OffCoord der Chargers: Joe Gibbs.

Die Dekade des Erfolgs

Gibbs, der Mann mit der hellen Stimme, machte sich schnell einen Namen damit, gesichtslose Mannschaften ohne Franchise-Quarterbacks zu Topmannschaften zu coachen. Aufbauend auf dominanten Offensive Lines („The Hogs“) waren die Redskins eine Macht, der schwer beizukommen war, selbst in einer Division mit dem großartigsten aller Pass Rusher, OLB Lawrence Taylor (Giants).

Gibbs holte sich (neben einer Endspielniederlage 1983) drei Superbowls (1982, 1987, 1991) mit drei verschiedenen Quarterbacks: Joe Theisman, Doug Williams und dem Kanadier Mark Rypien.

Bizarr: Williams war der erste schwarze QB, der die Super Bowl holte – für die Franchise, die einst als letzte schwarze Spieler akzeptiert hatte. Rypien war der erste ausländische QB mit Ring am Finger – in der Hauptstadt der ultrapatriotischen US-Nation. Stars der Mannschaft über die Jahre waren aber nicht die QBs, sondern WR Art Monk und CB Darrell Green.

Nach dem Abschied Gibbs‘ in Richtung NASCAR ging es abwärts und die Redskins waren abseits des Spielfelds in den Schlagzeilen. Man buhte den jungen QB Heath Shuler gnadenlos zurück nach Carolina.

Skandal! Beleidigung! Richter!

Noch wüster: Die amerikanische Unsitte, aus alles und jedem eine Klage konstruieren zu müssen, um aus nichts Profit schlagen zu können, sorgte für lange Prozesse der amerikanischen Ureinwohner („Indianer“) gegen Name, Logo und Farben der Redskins („Rothäute“). Nichts gegen Minderheitenschutz (ich bin selbst Teil einer Minderheit), aber sowas ist, nun ja, etwas sehr peinlich.

Auch, weil a) die „Indianer“ fast 60 Jahre warteten mit der Klage und fast 25 Jahre nach der offiziellen Patentierung, was schalen Beigeschmack hinterlässt und b) die Mehrheit der Minderheit gar nicht hinter dem Aufsehen stand: 91% der Indianer finden „Redskins“ abkeptabel. Richtiger Entscheid: Abweisung der Klage. Zu lange mit der Profitgier gewartet.

Die unsägliche Ära Dan Snyder

Seit Dan Snyder Ende der 90er Owner der Redskins ist, hat sich der Unternehmenswert der Redskins verixfacht. Allein: Sportlich ist davon wenig zu merken. Man kriecht seit gefühlten Ewigkeiten im unteren NFL-Drittel, nicht zuletzt auch, weil Snyder viel zu ungeduldig ist und sich häufig in die personellen Entscheidungen einmischte. Snyder kaufte gerne teure und lernresistente Stars ein, die ihre Verträge mit nach Hause nahmen und den eigenen Rookies den Platz wegnahmen.

Selbst der reaktivierte Joe Gibbs konnte die Redskins nicht entscheidend nach vorne entwickeln und mittlerweile ist man beim alten Broncos-Superbowlsieger Mike Shanahan angelangt, dessen erste Monate auch nicht das allergrößte Versprechen waren.

Was mich hoffnungsfroh stimmen würde: Snyder kümmert sich nun weniger um das Tagesgeschäft.

Das Stadion

Redskins Stadium

FedEx Field (90.000 Plätze) ist das größte Stadion der NFL. Und eines der seelenlosesten. Gelegen ist es draußen in Landover/Maryland, nicht mal in D.C. Zum Stadion hin führt eine U-Bahn und wer mit dem Auto anreist, riskiert, drei Stunden im Stau stecken zu bleiben. Vor dem Stadion angelangt, sollte man sich vorsehen, um nicht wahlweise niedergeschossen oder -geknüppelt zu werden: FedEx Field liegt in einer sehr unguten Umgebung.

Putzig: Die Farbkombination zwischen den rot-gelben Rängen und dem hellgrün-lila von Sponsor FedEx. Alles in allem ein eher verunglücktes Stadion an einem unglücklichen Ort, würde ich sagen.

Rivalitäten

Die Rivalität zwischen Redskins und Dallas Cowboys ist so alt und so intensiv, auch in sportlich nicht allzu wichtigen Spielen, dass im Zuge der Neusortierung der Divisionen 2002 hinsichtlich der Geographie eine Ausnahme gemacht wurde: Dallas, das auf der Landkarte mehr West denn Ost ist, blieb in der AFC East, um weiterhin 2x/Jahr gegen die Redskins spielen zu können. Ursprung der Rivalität: Skins-Owner Harrison wollte einst um jeden Preis die Gründung der Cowboys verhindern, da er mit seinen stolzen Rothäuptern allein den „Süden der NFL“ repräsentieren wollte. Kleinkarierte Denke mit dem Resultat: Gründung Cowboys, hitzige Feindschaft.

Ansonsten sind es natürlich die anderen beiden NFC-East-Gegner Philadelphia und NY Giants, gegen die man in Washington immer ganz besonders gerne spielt. Lokalrivale wäre Baltimore, aber gegen die Ravens spielt man nur einmal alle vier Jahre.

Gesichter der Franchise

  • Joe Gibbs – Head Coach und dreifacher Superbowl-Champion. Machte aus gesichtslosen Mannschaften ohne große Stars schier unschlagbare Mannschaften und gilt deswegen als einer der besten Coaches überhaupt.
  • Sammy Baugh – Punter, Quarterback, Abwehrspieler in Personalunion und bis heute der einzige Spieler, der in einer Saison die meisten Yards im Passspiel und Punten hatte, sowie auch noch die meisten Interceptions.
  • Darrell Green – CB, von 1983 bis 2000 17 Jahre lang auf hohem Niveau unterwegs und zweimal Superbowl-Champ.

korsakoffs Highlight

Ist es möglich, dass diese Rubrik leer bleibt? Bis auf ein 7-52 gegen New England vor ein paar Jahren haben die Redskins noch nicht Denkwürdiges produziert. Und mit „7-52“ möchte man ja nicht wirklich in Erinnerung bleiben.

Eckdaten

Gegründet: 1932 als Boston Braves
Besitzer: Dan Snyder (Finanzhai)
Division: NFC East
Erfolge: Superbowl-Champ 1982, 1987, 1991, Superbowl-Niederlage 1972, 1983, dazu NFL-Champ 1937, 1942, 23x Playoffs (23-18) – Stand 2013

New York Giants in der Sezierstunde

10-6 und keine Playoffs für die Giants in der abgelaufenen Saison. Die sechs Niederlagen kann man aufsplitten in drei Zweierpacke (Woche 2/3, 10/11 und 15/16). Vor allem die Heimpleite gegen die Philadelphia Eagles in Woche 15 ist immer noch fassungslos. Wenn du 8:17min vor Toreschluss mit drei Touchdowns führst und das EKG am Ende nur noch ein einziges, langes, leises bleeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeep drin hat, dann hast du irgendetwas falsch gemacht.

Current State

Die New York Giants haben sich als besseres Team herausgestellt, als ich es erwartet habe – trotz allem. Problempunkt ist die Konstanz, vor allem in der Defense, die an guten Tagen mit ihrer Passrush-Gewalt alles niederwalzt. Die Offense ist blässlich, aber wenn das Laufspiel in die Gänge kommt, nicht zu verachten. Trotz QB Eli Manning, von dem ich kein Fan bin. Hauptkritikpunkt in der Mannschaft: Die Special Teams, blanke #31 in der NFL.

Future State – Offensive Map

Brandon Jacobs RB New York Giants

Brandon Jacobs - ©Flickr

Manning wird dank Monstervertrag auf Jahre an die Franchise gebunden sein. Manning als QB, das bedeutet: Du brauchst ein starkes Laufspiel und eine überdurchschnittlich gut blockende Offensive Line, wenn du deinen QB nicht als aufgescheuchtes Huhn lächerlich machen willst. Das Spiel darf nicht auf Mannings Schultern lasten.

Die Offensive Line der Giants ist kein Prunkstück. Jede Wette, dass die Giants an der #19 einen Offensive Tackle einberufen. Dazu sehe ich Center O’Hara 34jährig. Ein Verjüngungsversuch ist nicht unrealistisch.

Die Running Backs machen einen soliden Job. ABER: RB Bradshaw hat den Tick, pro ca. 40 Laufversuche einen Fumble einzustreuen – Tendenz steigend. RB Jacobs ist zwar ein Bulle von einem Mann, aber nicht explosiv und zudem bei den Fans unten durch. Head Coach Tom Coughlin ist berüchtigt dafür, für Negativerlebnisse seine Spieler verantwortlich zu machen. Daher glaube ich, dass sich bei den RBs etwas ändern wird.

Die Wide Receivers – Steve Smith ist schwer verletzt und Free Agent. Dazu wird in absehbarer Zeit die hohle Hupe Plaxico „Knieschuss“ Burress aus dem Knast entlassen werden. Die WRs könnten verstärkt werden. Ob die beiden aber in New York eine Zukunft haben, ist eine gute Frage.

Future State – Defensive Map

Osi Umenyiora New York Giants

Osi Umenyiora - ©Wikipedia

Die Giants-Defense halte ich für bärenstark, nicht zuletzt dank des guten Jobs vom HC-Kandidaten Perry Fewell. Eine immer noch dominante Defensive Line mit einem meiner Favoriten, DE Usi Umenyiora, der bei mir dank seiner Performance in Super Bowl XLII seit Jahren hoch im Kurs steht. Die Linebackers und Defensive Backs sind bei mir als „solide“ eingestuft.

Allerdings steht Safety Antrel Rolle im Ruf, pro Spiel dreimal fehl am Platz zu sein und seinen millionenschweren Vertrag nicht wert zu sein.

Future State – Special Teams Map

Die Special Teams rangieren auf dem 30. Platz in der DVOA. Punter Matt Dodge war Rookie und sollte in New York nach dem Fiasko gegen die Eagles keine Zukunft haben. Dodges Punts sind berüchtigt für wenig Hang Time und entsprechend viele kassierte Return Yards. Auf der anderen Seite fehlt ein gefährlicher Return-Spieler (19.0yds/Kickreturn, 6.1yds/Puntreturn, 0 Touchdowns).

Die Aussichten

Ich kann mich schwer entscheiden, welche der beiden Defenses die bessere in New York ist. Die der Giants ist auf alle Fälle eine derjenigen, der ich ligaweit am meisten Vertrauen entgegenbringe. Die Schwachstellen sind in der Offense daheim – angefangen beim Franchise-QB.

Was nicht zu unterschätzen ist: Head Coach Tom Coughlin steht nach jeder weiteren Niederlage unter Beschuss. Die Playoffs sind 2011/12 (so die Saison denn stattfindet) Grundvoraussetzung für einen Verbleib Coughlins. Und unter Druck hat Coughlin nicht immer die überlegtesten Entscheidungen getroffen…

Washington Redskins in der Sezierstunde

Voran meine grandiose Saison-Prognose:

Ich traue Washington 2010 durchaus die Playoffs zu, selbst in der schwierigen NFC East. Wenn Snyder die Klappe hält und seine Coaches machen lässt, wenn die Defense so weiter spielt und die Offense unter Shanahan/McNabb den Erwartungen gerecht wird, sind die Redskins für mich sogar Favorit in dieser Division.

Ich werde mich an der Stelle nicht auf das Wörtchen „wenn“ hinausreden. Die Prognose steht neben meinen Schuhen – so geht es, wenn man aus blanker Not, nachher als Genie dazustehen – den Risikotipp rausposaunt.

Wobei: Im Prinzip war alles gegeben. Neuer Headcoach mit Sachverstand, ein eigenhändig mundtot gemachter Owner und ein hochkarätiger, neuer Quarterback. Sogar die NFC East erwies sich als erwarteter Rohrkrepierer.

Trotzdem war Washington am Ende mit 6-10 Tabellenletzter. Frage: Wie waren die Probleme gelagert?

Antwort: Vielschichtig.

Mike Shanahan

Mike Shanahan - ©Flickr

Mike Shanahan machte von Beginn an einen auf Disziplin-Nazi und vergraulte damit den faulen und überbezahlten DT Albert Haynesworth. Im Lauf der Saison verärgerte Shanahan dann auch noch QB Donovan McNabb, indem er ihn mehrfach öffentlich demontierte.

Sportlich war Washingtons Offense hilfloser als erwartet, weil das Laufspiel schnell kollabierte und McNabb nicht dauerhaft in der Lage war, das Problem zu übertünchen. Das 16-13 (OT) gegen die Packers Anfang Oktober ist mir dabei im Gedächtnis geblieben: Trotz Sieg eine extrem maue Vorstellung, weil das Laufspiel in all seinen Facetten abgewürgt war.

Weil es immer noch schlechter geht, bitteschön – die Defensiv-Statistiken: DVOA #25 overall, #18 Lauf, #27 Pass. In absoluten Zahlen: #31 overall, #26 Lauf, #31 Pass. Schande der Saison war natürlich die desaströse Heimschlappe gegen Vicks Eagles Mitte November (mit 59 kassierten Punkten noch gut bedient).

Was tun?

Zuerst: Eine Umstellung auf eine 3-4 Defense ist bekanntlich nicht einfach, und nachdem Haynesworth sich unfähig zeigte, den Nose Tackle zu spielen, war das System erstmal fürn Arsch. Für Shanahan muss die oberallererste Priorität lauten: Passende Spieler für die Systemumstellung einkaufen. Shanahan scheint auch über diesen Weg seine Defense in den Griff bekommen zu wollen, denn der Trainerstab blieb unangetastet.

Wichtigste Positionen dabei IMHO: Nose Tackle, Pass Rusher (Hey, alle wollen Pass Rusher!), Cornerbacks (aufgrund vieler auslaufender Verträge ist die Position arg dünn besetzt).

Gute Nose Tackles sind schwer zu finden, aber ich glaube kaum, dass der eigensinnige Shanahan nochmal mit Haynesworth probieren wird. Pass Rusher sollte dagegen weniger ein Problem darstellen – der Jahrgang gilt im Draft als reich bestückt. In der Secondary ist mit O.J. Atogwe schon ein guter Safety eingekauft worden, die Cornerbacks (Buchanon, Rogers) sollten nach Bedarf gehalten werden.

Problematischer ist die Offense: QB McNabb ist in Landover vermutlich verbrannt. Ob Shanahan wirklich mit REX GROSSMAN die Saison bestreiten wird? Und: Wo sind die Abnehmer für des Quarterbacks Pässe?

Es könnte auch einen Running Back brauchen – Clinton Portis ist raus. Shanahan war in der Vergangenheit dafür bekannt, No Names zu Top-Running Backs zu machen. Ryan Torain war über Phasen auch so einer. Aber eben nur über Phasen.

Draftpick #10

Die Redskins sind zur Zeit sowas wie das dark horse an der #10 im Draft – gesegnet damit, alle Optionen offen zu haben: Einer der fünftausenvierhundertsechsundsechzig Quarterbacks wird auf alle Fälle frei sein, vermutlich auch einer der beiden Top-WRs (Julio Jones, A.J. Green), die beide den Skins gut zu Gesicht stünden. Ein Trade nach unten sollte ebenso eine Option sein wie ein Trade hinauf.

Der Gedanke, einen QB zu draften, sollte nicht ganz abgewiesen werden. Locker, Gabbert und vor allem Newton – drei mobile Quarterbacks, die den Ball ein paar Dutzend Yards das Spielfeld hinunter jagen können. Wie war datt nochmal mit den Elways, Plummers und Cutlers dieser Welt?

Sollte Washington sein Auge auf einen speziellen der drei werfen, könnte ein Trade in eine bessere Draftposition von Nöten sein. Sollte kein CBA bis zum Draft unterzeichnet werden, kann man allerdings keinen McNabb als Handelsware einsetzen…

Ausblick

Ich bin einigermaßen schockiert über die gezeigten Leistungen der Redskins. Ich hatte die Mannschaft deutlich „runder“ erwartet – aber die Defensivumstellung war wohl ärger als erwartet und wenn dein Laufspiel so abschmiert, ist „6-10“ vorprogrammiert.

Da die Löcher eher breit gestreut sind und aktuell schwer vorhersehbar ist, in welche Richtung die größten Bemühungen angestrengt werden, ist eine Prognose schwierig. Schwer vorstellbar, dass Grossman der QB #1 sein wird oder dass McNabb noch einen Funzen Bock auf Shanahan hat, von daher ist QB in Runde 1 vielleicht wirklich am wahrscheinlichsten.

Cam Newton-Show in Landover?

Weitere „Sezierstunde“-Ausgaben gibt es hier.