NFL-Offseason Ausblick 2020: NFC North

Teil 6 der großen Offseason-Runschau: Lass uns weitermachen mit der NFC North. Weiterlesen

NFL-Sonntagsvorschauer 2013, Week 10: die 19.00-Uhr-Spiele

[Update, So 12h36] Ich habe unten dran den Sendeplan ergänzt. – korsakoff [/Update]


[Danke an die vielen Gratulanten von gestern und auch nochmal ein großes Danke an korsakoff für den Spielplatz, den Du mir hier immer noch zur Verfügung stellt!]

Um 19.00 Uhr werden die New York Giants (2-6) die Oakland Raiders (3-5) aus den Meadowlands schießen und damit weiterhin so tun, als könnten sie tatsächlich noch nach einem 0-6-Start in die Saison ihre Division gewinnen (nur 2,5 Spiele Rückstand auf Dallas). Daneben versuchen die Falken in Atlanta (2 Siege, 6 Niederlagen, 20 Verletzte) den Seeadlern aus Seattle (8 Siege, 1 Niederlage mit 1/2 Kraft) ein Bein zu stellen. Vergebens. Seattle spielt wie ein Super-Bowl-Sieger: Locker anrollen und häßlich gewinnen im Spätsommer; langsam warm laufen im Herbst und dann mit durchdrehenden Rädern im Januar erschöpfte Gegner überfahren. Neben diesen beiden Spielen versuchen zur europäischen Abendbrotzeit drei Divisionen, jetzt endlich mal ihre Hackordnung festzulegen.

AFC North

Cincinnati Bengals (6-3) @ Baltimores Ravens (3-5)
Buffalo Bills (3-6) @ Pittsburgh Steelers (2-6)
Cleveland Browns (4-5): BYE

Record /DivGames

  1. Cincinnati 6-3 / 1-1
  2. Cleveland 4-5 / 2-1
  3. Baltimore 3-5 / 1-2
  4. Pittsburgh 2-6 / 1-1

Die NFC East ist ja bekanntlich die Lachnummer dieser Saison, aber spätestens seit fast alle Pro Bowler der harten Bengals-D im Lazarett sind, mischt auch die AFC North kräftig im Bodensatz mit. Cincinnati (6-3) ist hier zwar ziemlich deutlich die stärkste Mannschaft, aber ohne ihre beiden Superstars DT Geno Atkins und CB Leon Hall sind sie erst mal eine Stufe unterhalb von großartig. Mit den Baltimore Ravens (3-5), die letzte Woche in Cleveland verloren haben, bekommen sie jetzt zum Glück erst mal einen Aufbaugegner vor dir Flinte. Baltimores Angriff stottert so vor sich hin. Ausgangspunkt des ganzen Elends ist – wie so oft – die Offensive Line. Verletzte (Guard Osemele), mitten in der Saison neu gekommene Starter (LT Monroe) und ein Center in seinem ersten Jahr als Starter (Gradkowski) sind zu viele Schwachstellen. Darunter leidet das Laufspiel (70 Yards/Spiel, 2,8Yds/carry; oder ist Ray Rice jetzt schon zu alt?) und darunter leidet der Quarterback, der dieses Jahr schon 25 Mal gesackt wurde. Joe Flacco leidet außerdem unter dem Fehlen von zwei sicheren Notfalloptionen. WR Anquan Boldin und TE Dennis Pitta können von UDFA Marlon Brown und Opa Dallas Clark nicht ersetzt werden. Die große Schwachstelle, die O-Line, wird auch gegen Cincy der Knackpunkt sein. Denn auch wenn Atkins verletzt fehlt, sind mit Michael Johnson, Carlos Dunlap und mit Abstrichen und Wallace Gilberry und Margus Hunt noch genügend QB-Jäger dabei, die Flaccos Rübe zum Klingeln bringen werden. Vor allem ist dieses Spiel die Möglichkeit für QB Andy Dalton, ein Ausrufezeichen zu setzen und deutlich zu machen, wem jetzt die AFC gehört. Die Bengals sollten es nicht unnötig spannend machen.

Die Pittsburgh Steelers (2-6) warten nur auf so einen Durchhänger. Die Steelers spielen zwar immer besser, aber sie verlieren trotzdem. Mal durch dämliche Ballverluste, mal durch verschossene kurze Field Goals und mal, weil sie zufällig in Tom Bradys „I´m-not-done-yet-game“ geraten sind. Jetzt kommt ein Rookie-QB direkt aus der Reha ins Heinz Field. Das ist die perfekte Möglichkeit für ihr eigenes „we´re-not-done-yet-game„. Zu spät? Pittsburgh hat nur 2,5 Spiele Rückstand auf eine Wild Card. Diese Wild Card hätten im Moment die New York Jets. Ohne Scheiß.

AFC South

St. Louis Rams (3-6) @ Indianapolis Colts (6-2)
Jacksonville Jaguars (0-8) @ Tennessee Titans (4-4)
[22.25Uhr: Houston Texans (2-6) @ Arizona Cardinals (4-4)]

Record /DivGames

  1. Indianapolis 6-2 / 2-0
  2. Tennessee 4-4 / 0-1
  3. Houston 2-6 / 1-1
  4. Jacksonville 0-8 / 0-1

Gar nur ein halbes Spiel hinter Gang Green sind die Tennessee Titans (4-4). Ich hab keine Ahnung, wie diese Titans einzuschätzen sind. DC Gregg Williams blitzt wie eh und je. Und auf der anderen Seite versucht sich QB Jake Locker semi-erfolgreich daran, ein richtiger NFL-QB zu werden. Da Tennessee diese Woche die Jacksonville Jaguars (0-8) empfängt, wird man nicht sehen können, wo sie wirklich stehen. Der Lackmustest kommt dann am Donnerstag gegen Indy.

Die Indianapolis Colts (6-2) spielen geradezu grotesk über ihre Verhältnisse. Mit Seattle, San Francisco, Denver und Houston haben sie schon vier Mannschaften geschlagen, die letztes Jahr in der zweiten Playoff-Runde waren. Der Hauptgrund dafür ist natürlich Wunderkind Andrew Luck. Auch ohne Reggie Wayne (und Dwayne Allen) hat er letzte Woche einen 3-21-Rückstand zur Halbzeit noch gedreht. Immer besser wird dabei auch die Verteidigung. Diese lebt hauptsächlich von DE Robert Mathis, der die Saison seines Lebens spielt. CB Vontae Davis und der schnelle LB Jerrell Freeman haben auch immer wieder lichte Momente und wenn auf der anderen Seite eben Luck steht, reicht das aus. Luck muß nur aufpassen, daß er sich nicht verletzt mit seinem wilden Spielstil gegen zwei kreuzgefährliche pass rushers in Robert Quinn und Chris Long. Solange er nicht mit einer Gehirnerschütterung raus muß, sollten Kellen Clemens & Co hier keine Gefahr darstellen.

Houston (2-6) spielt dann später am Abend noch in Arizona (4-4). Eine der gefährlichsten Verteidigungen bekommt zum Spielen einen kleinen Quarterback in seinem dreitten Start zum Fraß vorgeworfen. Jener Case Keenum war bisher aber nicht nur sehr unterhaltsam, sondern richtig effektiv. Der QB auf der anderen Seite, Carson Palmer, ist alles andere als effektiv. Das wird eine aggressive Verteidigungsschlacht: JJ Watt, Calais Campbell, Daryl Washington und mittendrin der Honey Badger – spektakuläre Plays sind hier garantiert.

NFC North

Detroit Lions (5-3) @ Chicago Bears (5-3)
Philadelphia Eagles (4-5) @ Green Bay Packers (5-3)
[bereits Donnerstag: Minnesota Vikings 34, Washington Redskins 27]

Record /DivGames

  1. Chicago 5-3 / 2-1
  2. Detroit 5-3 / 2-1
  3. Green Bay 5-3 /2-1
  4. Minnesota 2-7 / 0-3

In der NFC North haben wir plötzlich eine völlig neue Spielsituation. QB Aaron Rodgers hat sich im Monday Night Game das Schlüsselbein gebrochen und fällt für mehrere Wochen aus. Er wird vorerst vertreten von Seneca Wallace, der nicht mal im Trainings Camp war. Alle Welt wartet natürlich darauf, daß die Green Bay Packers (5-3) jetzt den arbeitlosen Matt Flynn wieder verpflichten (in seinem letzten Spiel für GB, 2011: 480 Yards, 6 TDs), aber mindestens diesen Sonntag bekommt nochmal Wallce eine Chance. Erleichtert wird Wallace die Sache immerhin von einem immer besser werden Laufspiel. Am Montag gegen die Bears waren es 200 Yards auf dem Boden. Heute Abend gegen die wilden Vögel aus Philadelphia ist alles möglich. Letzte Woche hat Nick Foles sieben Touchdowns geworfen; in den zwei Wochen zuvor hat die gesamte Offense nur drei Punkte gemacht.

Wenn die Cheeseheads Glück haben mit ein paar big plays und Fumbles, die zufällig in die eigenen Hände springen, sind die Playoffs gar nicht so fürchterlich weit weg. Ebenfalls um eins spielen die Detroit Lions (5-3) im Soldier Field bei den Chicago Bears (5-3). Diese haben besagtes Monday Night Game mit Josh McCown gewonnen, der richtig anständig ausssah (auch weil bei den Packers nicht nur der QB, sondern auch etliche Verteidiger verletzt fehlten). McCown mußte Jay Cutler vertreten – die Black&Blue-Division wird diese Saison ihrem Namen mehr als gerecht. Wahrscheinlich ist Cutler heute wieder am Start, aber wichtiger für den Angriff sind die beiden WRs Brandon Marshall und Alshon Jeffrey, die eher die Figur eines Tight Ends haben. In Kombination mit ihrem TE Martellus Bennett, der die Figur eines dicken Defensive Ends hat, bieten die Bears ein wirklich furchteinfößendes Trio (zusammen 130 catches für fast 1700 Yards auf fast sechs Metern Körperlänge und 330kg), das jede Secondary körperlich überragt. Matt Forte hat nun auch schon 1000 yards from scrimmage.

Es ist beeindruckend, wie der neue HC Marc Trestman die Puzzleteile so zusammengefügt hat, daß bei den Bears das erste Mal seit Jahren die Offense die Defense mitschleppt – und nicht andersrum. Dieser Haufen ist mittlerweile unter aller Kanone (schlechteste Mannschaft nach passing yards/attempt, 24. nach rushing yards/attempt), was nur manchmal noch von den vielen provozierten Ballverlusten kaschiert wird. In Woche vier haben die Lions den Bears 400 Yards und 40 Punkte eingeschenkt. Nichts spricht dafür, daß es heute abend gegen Megatron und seinen Raketenwerfer Stafford weniger werden. Detroits Verteidigung ist auch über kaum einen Zweifel erhaben, aber mit dem wiederbelebten Reggie Bush und den beiden 2-Meter-Männern Kris Durham und Joseph Fauria (bei keinem anderen Spiel laufen so viele so große skill players rum) neben Megatron kann Detroit jeden shoot-out gewinnen. Mit Rodgers´ Verletzung ist die NFC North wieder sperrangelweit offen – jetzt muß nur noch jemand zugreifen.

Nachtrag – der Sendeplan

SPORT 1 US mit folgendem Plan:

19h    Chicago Bears - Detroit Lions
19h    Baltimore Ravens - Cincinnati Bengals (*)
22h05  San Francisco 49ers - Carolina Panthers
22h25  Arizona Cardinals - Houston Texans (*)
02h25  New Orleans Saints - Dallas Cowboys

PULS4 bringt diesmal in Österreich ab 22h35 die Partie San Francisco – Carolina; der Gamepass ist erneut für eine Woche gratis abonnierbar. Nicht vergessen, dass bei Gratis-Registrierung eine Kündigung vor 15.11.2013 erfolgen muss, oder die Gebühr wird doch eingehoben.

NFL 2012/13 auf Football-Austria: NFC North Preview

Nach SPOX mach Football-Austria: Die nächsten vier Mannschaftspreviews, zusammengefasst unter dem Deckmantel der NFC-North-Division, von meiner Seite gibt es bei Football-Austria – bitte hier entlang.

NFC North 2012 Preview

Die NFC North gehört mit ihrem zentnerschweren Rucksack voll Tradition zu den traditionellen Black’n’Blue-Divisionen in der National Football League.

Dank der reanimierten Bears und Lions in den letzten beiden Jahren gehört sie auch sportlich wieder zu den hochklassigen Divisionen, in der sich drei Teams berechtigte Hoffnungen auf die Playoffs machen dürfen – und ein Vierter als nicht ungefährlicher Außenseiter irgendwo am Straßeneck lungert.

Green Bay Packers

Krösus sind dabei die Green Bay Packers aus der Provinz von Wisconsin, der Superbowl-Champ von 2010 und in der abgelaufenen Saison 2011 die Mannschaft mit der besten Bilanz im Grunddurchgang: 15-1 Siege fuhren die Cheeseheads rund um Superstar-QB Aaron Rodgers ein, nur um dann im ersten Playoffspiel zuhause von den New York Giants böse, böse abgeschlachtet zu werden.

Die vom relativ profillosen Head Coach Mike McCarthy gecoachten Packers zeichnen sich durch eine wunderschöne, ja brillante Pass-Offense aus, der zuzuschauen an guten Tagen einem Hochgenuss gleichkommt. Was Rodgers und seine Receiver-Armada an Präzision und Timing aufbieten, ist auf bislang in der NFL ungesehenem Niveau. Trotz der durchaus deutlich ersichtlichen Problemzone mit Namen „Offensive Line“ und eines eher schwachen Laufspiels grenzt die Leichtigkeit, mit der Rodgers seine schier zahllosen Anspielstationen zu bedienen weiß, fast schon an aufreizende Lässigkeit.

Besagter Receiving-Corp ist breit aufgestellt: Greg Jennings übernimmt die Rolle der Nummer 1, James Jones ist der Mann für die Mitte, der alternde Donald Driver hat die Jokerrolle inne, während Jordy Nelson und Randall Cobb die Abrissbirnen für die tiefen Bälle geben. Und dazu gesellt sich mit TE Jermichael Finley eine imposante Gestalt, die sich ohne weiteres auch als Wide Receiver aufstellen lässt. Das reicht den Packers meistens, um das fußlahme Laufspiel zu übertünchen. Dort hatte man in das Duo Alex Green/James Starks so wenig Vertrauen, dass vor kurzem mit Cedric Benson ein eigentlich schon als verbrannt geltender Routinier verpflichtet wurde.

Die verbesserungswürdige Situation bei den Running Backs ist allerdings im Vergleich zur Defense ein Nebenschauplatz. McCarthy und DefCoord Dom Capers sahen dies ähnlich und holten sich im NFL-Draft mit den ersten sechs (!) Picks nur Abwehrspieler. Das hat einen Grund: Was jahrelang die grundsolide Basis für die Titelanläufe in Green Bay gebildet hatte, war 2011 völlig kollabiert: Ein nonexistenter Pass Rush gepaart mit einer indisponierten Secondary – alles Zutaten für eine negativrekordträchtige Luftabwehr.

Der wichtigste Neuzugang dürfte deshalb OLB Nick Perry von USC sein, der sich mit einem anderen ehemaligen Trojan, Clay Matthews, zu einer gefürchteten Passrush-Combo zusammentun soll, die neben den ILBs A.J. Hawk und D.J. Smith fungiert.

Die Linebacker dürften solange Schwerstarbeit zu verrichten haben, solange die Defensive Line nicht massiv die Formkurve kriegt: DT B.J. Raji war in den Playoffs 2010/11 zum Star mutiert, dann allerdings komplett eingebrochen und damit zum ersten Sargnagel für die Abwehr mutiert. Der junge DT Jerel Worthy aus dem Draft dürfte somit als Drohung in Richtung Raji verstanden werden.

Im Packers-System kommt dem Defensive Backfield eine ganz besondere Rolle zu: Während Tramon Williams und Sam Shields die Außen abdecken, arbeitet CB Charles Woodson auf seine alten Tage als eine Art Freelancer zwischen den Zonen, mal als unterstützender Safety, mal als verkappter Pass Rusher. Es stellt sich einzig die Frage, ob Woodson nach einer schwachen Saison überhaupt noch ausreichend Körner im Tank hat, um diese essentielle Rolle noch adäquat ausfüllen zu können. Darüber hinaus bleibt in der Schwebe, wer nach den Abgängen von Collins und Peprah die Stammformation auf Safety bilden wird.

Genügend Fragezeichen in Green Bay. Das wird so lange gut gehen, solange Rodgers weiterhin diese Präzision an den Tag legen kann, weiterhin so wenige Turnovers produziert und die Defense weiterhin ihre 2-3 Ballverluste/Spiel generiert. Die Geschichte zeigt, dass zumindest die letzten beiden Kategorien nur schwer wiederholbar sein werden. Die Packers werden also zwingend eine druckvollere Defense aufstellen müssen, um von der aufstrebenden Divisionskonkurrenz nicht böse überrascht zu werden – und dann müssen sie hoffen, dass Rodgers nicht wieder ein oder zwei Spiele mit Gehirnerschütterung ausfällt, denn die Backup-Quarterbacks weisen keinerlei Erfahrung auf.

Detroit Lions

NFL-Vorschau

Detroit Lions @ SPOX

In nur drei Jahren sind die Detroit Lions vom jahrelangen Schlachtopfer zum ernsthaften Anwärter mutiert, und haben dabei gezeigt, wie man eine am Boden liegende Mannschaft mit Friedhofsstimmung aufpeppt: Indem man eine sportliche Leitung mit Vision und Umsetzungsstärke einstellt, nämlich. GM Martin Mayhew und Head Coach Jim Schwartz gehen ihre Sache pragmatisch an wie kein anderes Management in der NFL, und der Erfolg gibt ihnen Recht. Nur drei Jahre vergingen, und aus einer sieglosen Mannschaft war ein Superbowl-fähiges Kaliber geschnitzt, das nicht aus teuren Free Agents, sondern aus jungen Nachwuchstalenten besteht.

Dank dieser vielen hohen Draftpicks können die Lions im Angriff ein relativ simples System spielen: QB Matthew Stafford nimmt fast jeden Ball aus der Shotgun-Formation auf und sucht als allererstes WR Calvin Johnson. Ist jener Johnson dreifach gedeckt, weitersuchen. Ist jener Johnson nur doppelt gedeckt, kann Stafford ruhigen Gewissens seine ästhetisch wunderschön durch die Lüfte schwebenden Pässe abfeuern – Johnson ist jedem Deckungsspieler körperlich haushoch überlegen.

Über die Jahre wurde neben Johnson ein mittlerweile recht rund wirkender Receiving-Corp aufgebaut: Nate Burleson glänzt mit Spielintelligenz, Titus Young dürfte, sofern seine charakterlichen Eigenheiten nicht wieder zum Problem werden, einen guten Mann für die Mitte abgeben, Ryan Broyles könnte mittelfristig zum dritten Mann heranreifen. Die beiden Tight Ends Brandon Pettigrew und Tony Scheffler dürfen ebenso zur oberen NFL-Klasse gezählt werden, und die Running Backs werden in Detroit auch ganz gerne als Ballfänger eingesetzt.

Der Star ist dabei RB Jahvid Best, kein Arbeitstier, aber eine Allzweckwaffe, wenn er denn nicht eine bedrohliche Geschichte an Gehirnerschütterungen aufweisen würde. Bests Backups, Mikel Leshoure und Kevin Smith, plagen sich mit Knieproblemen. Das alles hinter einer wenig konstanten Offensive Line. In anderen Worten: Die Lions können sich nicht auf ihr Laufspiel verlassen.

Auch die Defense ist eher eindimensional, was kein Problem sein muss, wenn die Defensive Line mit einer derart geballten Wucht aufwartet: DT Ndamukong Suh machte in jüngster Vergangenheit mit zu wenig gedeckelter Aggressivität und zu viel Bockigkeit negativ von sich reden, ist aber physisch eine kaum zu kontrollierende Naturgewalt. Die Nebenleute Nick Fairley und Corey Williams halten Suh den Rücken frei, während die DEs Kyle „roughing the quarterback“ Vandenbosch, Willie Young und Cliff Avril allein auf Pass Rush spezialisiert sind.

Hört sich nach viel Druck auf Quarterbacks an? Ja? Ist korrekt, aber anfällig gegen Laufspiel und Draws. Dadurch rücken die etwas leichtgewichtig wirkenden Linebackers um die Schlüsselfigur Stephen Tulloch in den Fokus, und weil diese nicht immer voll diszipliniert spielen, drohen lange Läufe en masse.

Das Defensive Backfield erwies sich trotz guter Saisonphasen gegen Ende der Spielzeit als Schwachpunkt. Die Cornerbacks um Chris Houston gehören eher nicht zur Elite und sind auf den Erfolg des Pass Rush angewiesen, und bei den Safetys wird die Luft hinter den grundsoliden Startern Amari Spievey und Louis Delmas schnell sehr dünn…

Schwer zu sagen, was man von Detroit 2012 erwarten kann. Einerseits ist die Masse an individuell superben Einzelspielern auf gewissen lebenswichtigen Positionen beeindruckend. Andererseits gibt es auch durchaus große Fragezeichen, wie zum Beispiel im offensiven (RB) und defensiven (CB) Backfield. Einer der größten Hemmschuhe, die vielen Penaltys, dürfte sich zwar auf vergleichsweise einfache Art und Weise beheben lassen. Aber was passiert, wenn beispielsweise Johnson mal komplett aus dem Spiel genommen werden kann? Der Plan B dafür steckt jedenfalls – wenn überhaupt – noch in irgendeiner Schublade im Front Office.

Chicago Bears

Alles Wehwehchen, die darauf hindeuten, dass Detroit in dieser Saison zumindest vorübergehend von einem alten Bekannten überholt wird: Den Chicago Bears, die schon im vergangenen Herbst in die Playoffs gehört hätten, aber dann in der zweiten Saisonhälfte ohne Quarterback und Running Back die Offense eingehen sahen und hilflos zusehen mussten, wie ihnen die Felle davonschwammen. Als Reaktion darauf setzte die Besitzerfamilie zur Rasur an und tauschte GM Jerry Angelo durch GM Phil Emery aus. Emery vermied das große Hausreinemachen und beschränkte sich auf einige leichte chirurgische Eingriffe. Eingriffe, die fast ausnahmslos Sinn machen.

Der Angriff wird nun von OffCoord Mike Tice geleitet, der zwar nicht der detailverliebteste Mann unter der Sonne ist, aber dafür erstmal ein methodischereres Passspiel einsetzen wird als Vorgänger Mike Martz. Das bedeutet: QB Jay Cutler wird hinter einer anerkannt schlechten Offensive Line schneller werfen und keine 4-5 Sekunden mehr warten, bis fünfzig Meter downfield der erste Receiver offen ist.

Cutler bekam Waffen: WR Brandon Marshall, ein alter Buddy aus Zeiten in Denver, wurde aus Miami geholt, und via Draft gesellte sich mit WR Alshon Jeffery ein großes Talent dazu, dem allenfalls ein paar Flauseln im Kopf manchmal einen Strich durch die Rechnung machen. Gemeinsam mit den Herren Johnny Knox (ist allerdings erstmal verletzt) und Devin Hester dürfte Cutler deutlich bessere Anspielstationen als in jüngster Vergangenheit besitzen.

Und dann gibt es noch den vielseitigen RB Matt Forté, der bis zu seiner Verletzung eine großartige Saison spielte. Intelligenterweise sicherte sich Chicago für eventuell wiederkehrende Verletzungsausfälle Cutlers und Fortés ab, indem die blassen, aber grundsoliden Arbeiter QB Jason Campbell und RB Michael Bush aus Oakland verpflichtet wurden – ein erneuter Hanie-Alarm dürfte also ausbleiben.

Die Fragezeichen in der Defense gehen weniger in Richtung eklatante Schwachstellen, sondern zum Thema „wer stoppt den Alterungsprozess?“. Das Coaching dürfte passen. Head Coach Lovie Smith ist wie sein DefCoord Rod Marinelli ein glühender Verfechter der Tampa-2 Defense, die solange funktioniert, solange das Personal in der Front-Seven auf der Höhe ihres Schaffens spielt.

Die Ingredienzien sind da. DE Julius Peppers ist einer derjenigen Spieler, die in jedem Jahr unter den fünf, sechs Kandidaten auf den NFL-Defensivspieler des Jahres sind, und neben MLB Brian Urlacher, der wieder mal angeschlagen und für den Season Opener fraglich ist, der große Ankerpunkt der Abwehr. Neben Peppers wird in der Line vor allem der junge Kraftbolzen DT Stephen Paea (sprich: Piuuuuuuuu) interessant, der wohl gemeinsam mit dem von den Bucs geholten DT Brian Price das Herz der Laufabwehr bilden soll.

Bei den Linebackern verlässt man sich neben dem rekonvaleszenten Urlacher immer noch auf OLB Lance Briggs und dessen Spielintelligenz, aber wie lange Briggs mit seinen 31 Lenzen noch so aufgeigen wird können, bleibt abzuwarten (auch Peppers ist jenseits der 30 und Urlacher schon 34). Da kommt der jüngste Erstrundendraftpick, DE/OLB Shea McClellin von Boise State, gerade recht: Ein lernwilliger Mann, den du überall dort vorne einschulen kannst.

Die Fragezeichen im Defensive Backfield beschränken sich darauf, wer neben dem jungen Chris Conte den zweiten Safety geben soll; die Cornerbacks gehören zwar nicht in eine Liga mit Revis, aber da müssen sie spielsystembedingt auch nicht sein. CB Charles Tillmann zum Beispiel fährt seit Jahren ganz gut, ohne jemals ein wirklich guter Manndecker gewesen zu sein, oder besser: Gewesen sein zu müssen.

Gepaart mit guten Special Teams – K Robbie Gould macht einen bewundernswerten Job auf einer fürchterlichen Spielunterlage im Soldier Field und über Returner Devin Hester muss man nicht mehr viel schreiben – lassen die Bears eine wirklich hervorragende Saison erwarten. Man ist fast geneigt, hier den Divisionsfavoriten zu sehen – zumindest aber die Playoffs sollten es allemal werden, wenn Cutler nicht wieder in den entscheidenden Momenten das nervöse Abzugsfingerchen bekommt.

Minnesota Vikings

Die Vikings stecken inmitten der Ungewissheit einer großen Transformation. Während in den Büros der Twin Cities mittlerweile sichergestellt zu sein scheint, dass die Franchise dank subventioniertem Stadion im hohen US-Norden bleiben kann, gibt es unter der Hülle des alten Metrodomes ganz andere Fragen zu beantworten.

Das beginnt bei der wichtigsten Position: Quarterback. Der junge Chris Ponder, hoher Draftpick 2011, überzeugt noch nicht jeden und man ist sich noch nicht sicher, ob Ponder jemals über den Status des blassen Verwalters hinauswachsen kann, oder ob nicht früher oder später die faustdicke Überraschung stattfindet und der Scrambler Joe Webb übernimmt. Man versucht jedoch erstmal, um Ponder herum einen jungen Nukleus zu bauen.

Die Offensive Line zum Beispiel, ein offenes Scheunentor seit Jahren, wurde mit dem teuren OT Matt Kalil im NFL-Draft verstärkt. Kalil soll Ponder den Rücken etwas besser freihalten als das in der Vergangenheit der Fall war. Der Receiving-Corp wurde um Jerome Simpson aus Cincinnati und den Rookie Jarius Wright aus Arkansas ergänzt (Greg Childs ist schon verletzt), die Fixbausteine neben der Allzweckwaffe Percy Harvin werden sollen. Und mit den Tight Ends John Carlson/Kyle Rudolph hat man zwei grundsolide Arbeiter, die als Fänger und Blocker gebräuchliche Schachfiguren sein sollten…

…und dann schauen wir mal, was aus RB Adrian Peterson wird. Peterson muss sich von einer schweren Knieverletzung erholen – nie ein allzu gutes Zeichen für einen Running Back mit fünf Jahren NFL auf dem Buckel und einer Verletzungshistorie am College. Peterson ist mit seinem physischen Stil eine Waffe, aber keiner vermag eine Rückkehr zu alter Form zu prognostizieren. Backup Toby Gerhart ist nicht mehr als ein verlässlicher „Grinder“.

Die Defense steht und fällt mit der Vorstellung der Secondary, die in der vergangenen Saison rekordverdächtige Completion-Rates zuließ und das trotz eines sehr guten Pass Rushes in der Front-Seven. Mit CB Antoine Winfield gibt es einen guten Mann, mit Harrison Smith einen jungen Hoffnungsträger auf Safety, aber danach wird es kohlrabenschwarz und extrem dünn mit der Kadertiefe. Was helfen wird: Es ist nicht anzunehmen, dass die Vikings noch einmal so wenige Interceptions (acht an der Zahl) fangen werden.

Es könnte für Head Coach Les Frazier eine arbeitsplatzerhaltende Maßnahme werden, hier an den richtigen Stellschrauben zu drehen, die richtigen Schemata zu finden, um aus der dünnen Personaldecke wenigstens ein akzeptables Deckungsspiel zu klaubautern. Denn im Pass Rush lässt sich nicht mehr allzuviel verbessern: DE Jared Allen ist ein schwer einzubremsender Sack-Spezialist (zuletzt 22 Sacks), und auch Nebenmann DE Brian Robinson und der gefürchtete DT Kevin Williams zählen diesbezüglich zur absoluten Elite. Dahinter gibt es noch mit LB Chad Greenway einen sehr, sehr guten Tackler gegen das Laufspiel.

Die Vikings befinden sich im Umbruch und es sind noch lange nicht alle Baustellen geklärt. Trotzdem wird es keine 3-13 Saison mehr geben, da sich schon alleine das Glück in der Crunch-Time wenden wird: Minnesota verlor in der letzten Saison neun von elf Partien, die mit einem Score Differenz endeten – dieser Wert wird sich fast zwangsläufig verbessern. Verbessern muss sich allerdings auch die Explosivität im Passspiel. So oder so werden die Vikings nicht mehr das Schlachtopfer auf der Bank sein.

NFC North in der Frischzellenkur

Anbahnung von Generationswechsel und Stopfen der eklatantesten Löcher (“need”) sind die zwei dominierenden Themen in der NFC North.

Chicago Bears

Rd #   Pos Name
1  19  DE  Shea McClellin
2  45  WR  Alshon Jeffery
3  79  S   Brandon Hardin
4  111 TE  Evan Rodriguez
6  184 CB  Isiah Frey
7  220 CB  Greg McCoy

Durchaus konventionell, was Chicago da veranstaltete. Die Defense war 2011/12 zwar vor allem in der Front Seven großartig, kommt aber als Gesamtes langsam in die Jahre. Boise States Shea McClellin war einer der meistgehypten Spieler in den letzten Tagen vor dem Draft und ging dann auch recht schnell an #19 vom Tablett. Leicht merkwürdig ist die Tatsache, dass der als prototypisch für „3-4“ geltende McClellin in eine Mannschaft rückt, die immer noch eine seichte Version der „Tampa-2“ Defense mit Viererreihe ganz vorne praktiziert.

Der verletzungsanfällige S Brandon Hardin kommt in einer Region (#79), in der eine Franchise durchaus einen Starter in 1-2 Jahren erwartet. Bis es soweit ist, sind die verbleibenden Safetys der Bears eh alle in Rente. Zwei Cornerbacks aus den späten Runden dürften sich um einen Platz im Kader balgen und möglicherweise bei der ebenso in die Jahre kommenden CB-Position dabei sogar beide gute Chancen haben.

Der WR Alshon Jeffery war vor eineinhalb Jahren heißer als Frittenfett und überhaupt der Wide Receiver schlechthin am College, der alles und jeden aus der Luft graptschte, was ihm QB Garcia in South Carolina servierte. Jeffery gilt als physisch und zweikampfstark, aber launisch – sollten sich die Bears die gute Variante von Jeffery angelacht haben, wird er die dringend gebrauchte Verstärkung werden und gemeinsam mit Marshall ein grundsolides Duo an Anspielstationen bilden. Andernfalls: Pech gehabt, aber wenigstens keinen unmenschlichen Preis für bezahlt.

TE Rodriguez… nach dem Abgang von OffCoord Martz dürften Tight Ends in näherer Zukunft in Chicago wieder mit anderen Augen gesehen werden.

Detroit Lions

Rd #   Pos Name
1  23  OT  Riley Reiff
2  54  WR  Ryan Broyles
3  85  CB  Dwight Bentley
4  125 LB  Ronnell Lewis
5  138 LB  Tahir Whitehead
5  148 CB  Chris Greenwood
6  196 CB  Jonte Green
7  223 OLB Travis Lewis

Durchaus nicht mit Sicherheit hatte man einen Offensive Tackles als ersten Lions-Pick erwarten können. Riley Reiff kommt aus der physischen Big Ten Conference (Iowa) und könnte beim Gespann Backus/Cherilus schneller an vorderter Front auflaufen als erwartet (zumindest Schwartz ließ die Vermutungen in diese Richtung gehen). Reiff ist aber insbesondere eine Absicherung für die Zukunft, nachdem Backus in die Jahre kommt und Cherilus auslaufenden Vertrag hat. Goody: Der Mann war in seiner Jugend Raiders-Fan. Passen die neuen Bad Boys, die Lions, wie die Faust aufs Auge.

Pick #2 mit WR Ryan Broyles ist ein Risiko-Pick, nachdem der Mann nach einer schweren Knieverletzung noch ein paar Monate in der Reha sein dürfte und möglicherweise erst in der zweiten Saisonhälfte die ersten Eier zu sehen bekommt (andere Quellen sprechen von Einstieg ins Training Ende Juli). Technisch auf alle Fälle ein interessanter Move der Lions: Die WR-Corps mit einem quicken , nicht allzu großgewachsenen Mann vertieft, nachdem Calvin Johnson nicht jedes Spiel 15x angespielt werden kann und WR Titus Young wieder in schlimmste Boise-Zeiten zurückgefallen zu sein scheint (Schlägereien im Training/tagelang von der Bildfläche verschwunden). Übrigens hatten die Lions Mitte Mai auch einen deutschen Wide Receiver, Christian Bollmann von Braunschweig, zum Training eingeladen. Aufgrund zu wenig Speed (dt. „Geschwindigkeit“) wurde aus einem möglichen Vertrag leider nix.

Dahinter folgt nur noch Defensive, bevorzugt aus Oklahoma: Die beiden Lewisse, Ronnell und Travis, galten jeder für sich als ungewöhnlich flott bei Fuß und vor allem bei Travis Lewis sind mit exzellente Spiele in Erinnerung, nachdem in der sehr speziellen Sooner-Defense das Linebackerdasein ja nicht das einfachste unter der Sonne ist. Der pfeilschnelle Travis Lewis kommt allerdings wie Teamkollege Broyles von einer Verletzung zurück (verpasste meiner Erinnerung nach einen Großteil der Saison 2011/12) und könnte Probleme haben, es in den Kader zu schaffen.

Und dann ist da noch der ungedraftete QB Kellen Moore (Boise State), der in den Minuten nach Draft-Ende zum Team stieß, dem die Heerscharen an Pundits aber kaum Chancen auf einen Kader-Platz geben.

Green Bay Packers

Rd #   Pos Name
1  28  OLB Nick Perry
2  51  DT  Jerel Worthy
2  62  CB  Casey Hayward
4  132 DT  Mike Daniels
4  133 S   Jerron McMillian
5  163 LB  Terrell Manning
7  241 OT  Andrew Datko
7  243 QB  B.J. Coleman

Die ersten sechs Draftpicks 2012 betreffen die Defense – irgendjemand überrascht? Erstaunter darf man da schon ob der Tatsache der aggressiven Haltung GM Ted Thompsons sein, der ungewöhnlich oft nach oben tradete. Thompson = Belichick; eigentlich nix Neues, nur dass das Gefälle früher halt bei beiden ein anderes war.

Ein Outside Linebacker als Matthews-Gegenstück war durchaus nicht nur erwartet, sondern vor allem massiv gefordert worden. Mit Nick Perry gibt es nun ein Trojans-Duo im hohen US-Norden. Allerdings soll Perry von der Anlage nicht unbedingt so ganz 100% in Dom Capers’ Defense passen. Vielleicht wird Matthews‘ Rolle daher in Zukunft neu interpretiert, um Perrys Stärken (Pass Rush, Pass Rush, Pass Rush) zur Geltung zu bringen.

DT Jerel Worthy dürfte als Drohung in Richtung des lustlosen Raji verstanden werden. Eher in der Zone der Ergänzungsspieler wurde der zweite Defensive Tackle, der relativ schmächtig gebaute Mike Daniels (1,83m/132kg), einberufen. Als Zweitrundenpick und mit der windelweichen Secondary im Hinterkopf, dürfte CB Hayward aus der zweiten Runde eher früher denn später seine Spielzeiten sehen. Haywards Reputation gründet vor allem auf relativ sicheren Fangarmen – die Packers halten nun seit Jahren den Trend, viele Interceptions abzufangen. Das war 2011/12 aber auch das einzig Sehenswerte an dieser Defense.

S McMillian, Florida States OT Datko und LB Manning dürften erstmal eher Ergänzungsspieler sein oder Probleme haben, den Kader-Cut zu schaffen. Nicht uninteressant ist das QB-Talent B.J. Coleman, dem man durchaus NFL-taugliche Fähigkeiten nachsagt. Zuletzt schaffte es Green Bay, neben einem Bust (Brohm/2008) auch zwei heutige Multimillionäre auf Quarterback nachzuzüchten: Rodgers und Flynn. Coleman dürfte sich aber erstmal hinter Rodgers (eh klar) und dem famosen ehemaligen Texas-Tech-QB Graham Harrell (ex-Passrekordler im College Football im Kurzpassfeuer von Mike Leach) einordnen und warten und lernen. Green Bay baut sowieso allein auf und um Rodgers und ist sich voll bewusst, dass die Saison bei dessen Verletzung den Bach runtergehen wird.

Minnesota Vikings

Rd #   Pos Name
1  4   OT  Matt Kalil
1  29  S   Harrison Smith
3  66  CB  Josh Robinson
4  118 WR  Jarius Wright
4  128 FB  Rhett Ellison
4  134 WR  Greg Childs
5  139 S   Robert Blanton
6  175 K   Blair Walsh
7  210 LB  Audie Cole
7  219 DE  Trevor Guyton

Unisono großartig fand man in den US-Medien das Draft-Wochenende der Vikes: Mit LT Matt Kalil den gewollten Spieler bekommen, zusätzlich mit einem Fake (?) haufenweise Draft-Picks eingesammelt, mit denen später ausreichend Holz vorhanden war, um mit S Harrison Smith das große Loch in der Defense zu stopfen. Was will man mehr?

Nun, ein Draft besteht nicht bloß aus zwei Spielern, und neben Kalil und Smith wurden die quantitativ schwach besetzten Positionen im Kader gleich in Serie angegangen. Ein Cornerback, zwei Wide Receivers und ein Fullback (Kleinsasser ist in Rente!) in der Zone „Ergänzungsspieler in Jahr 1“ (Runden 3-4), Defensive Back, Linebacker, Defensive End gegen Draftende. Dazu ein Kicker nach Longwells Abschied.

Die Vikings standen vergangene Saison IMHO schlechter da, als man angesichts „3-13“ glauben möchte. Sicher ist: Das Pass-Spiel in der Offense ist deutlich verbesserungswürdig und sofern man dem jungen QB Christian Ponder noch etwas zutraut, ist es nie die schlechteste Idee, die Offensive Line zu verbessern und Wide Receivers jeder Art einzuberufen.

WR Childs ist mit 1,91m potenziell ein Mann für die Außen. WR Wright von Arkansas? 1,78m. Könnte eine Superzwergencombo mit Harvin anstehen… Für Ponders NFL-Zukunft dürfte bereits 2012/13 von erhöhter Wichtigkeit sein und sofern RB Peterson rechtzeitig fit wird, sind die Optionen in der Offense nun zumindest in der Breite zahlreicher vorhanden als vorher.

Detroit Lions in der Frischzellenkur

ÜBERBLICK

#13 DT Nick Fairley (Auburn)
#44 WR Titus Young (Boise State)
#57 RB Mikel LeShoure (Illinois)
#157 LB Doug Hogue (Syracuse)
#209 Johnny Culbreath (South Carolina State)

Der Moment des NFL Drafts 2011 war für mich, als sich am Freitagabend nach Mitternacht Barry Sanders hinter das Mikrofon stellte und unter Standing Ovations den Pick in der zweiten Runde für die Lions verkündete. Es mag an Sanders gelegen haben, aber für einen Moment hatte ich das Gefühl, Detroit sei plötzlich weniger Hockey Town denn Football Town.

Wenn ich mir die Sezierstunde über die Lions anschaue, dann hatte ich drei Needs verortet: Offensive Line (höchst dringend), Defensive Backs (sehr dringend), Lauf-Defense (wichtig). Und geschrieben:

Early Draftstrategie: Defensive Back mit dem 1st round pick, Offense Line mit den zwei-drei folgenden Picks. Bitte keine TEs und RBs draften. Detroit hat genügend gute Skill Players. Die Löcher sind anderswo.

Eine Woche nach dem Draft liest sich die Bilanz so:

Offensive Line ignoriert? Check.
Defensive Backs ignoriert? Check.
Skill Players gedraftet? Check.

Die Doppelspitze GM Martin Mayhew/HC Jim Schwartz hat eine etwas überraschende Strategie angewandt, die ich ihnen nicht zugetraut hätte. Es ist kein Matt-Milleneskes Festklammern am Draften einer einzigen Position, sondern durchaus konsequentes Verfolgen von Upgrades.

Die Reaktionen quer durch den digitalen Blätterwald sind überwiegend (und überraschend) positiv. Ich kann mit Detroits Strategie gut leben, hätte aber mit mehr Vehemenz die Schlüsselstellen (Offensive Tackle!) zu besetzen versucht.

Dafür hatten die Lions nach der absurden Quarterback-Jagd an #13 plötzlich den gehypten DT Nick Fairley auf dem Tableau. Fairley ist ein unfairer Spieler, der charakterliche anti-Sanders sozusagen, aber Fairley macht durchaus auch ohne stundenlanges Köpferauchen Sinn: Dominante Defensive Lines sind immer noch der beste Weg, eine Defense auf Dauer produktiv zu halten.

Die Lions haben nun plötzlich eine breite Masse an potenziell hochkarätigen Linern für eine Rotation: Die Ends Avril, Jackson und Vandenbosch sowie das Tackle-Trio Suh-Williams-Fairley. Viel, viel Passrush-Gewalt, aber Fairley wie Suh sind nicht wirklich primär Spieler gegen den Lauf.

Außerdem ist Fairley ein Typ früherer Peppers – dominant, aber nicht konstant dominant, weil er sich gerne mal ein paar Auszeiten mitten im Spiel gönnt. Ein Problem, das bei guter Menschenführung lösbar sein sollte, und in Suh hat Fairley sportlich wie (vor allem) menschlich ein großartiges Vorbild neben sich.

Die Überraschungen lieferte Detroit in Runde 2. Boise States Titus Young? Ich bin glücklich, weil der persönliche Favorit für den persönlichen Favoriten spielen wird. Sportlich gibt es nur eine Erklärung: Mayhew wollte den Quarterbacks neben WR Calvin Johnson eine zweite verlässliche Alternative hinstellen. WR Bryant Johnson gilt als Enttäuschung und WR Nate Burleson als mittelmäßig. Gäbe an dem Pick also nichts auszusetzen, WENN Detroit nicht diese besagten klaffenden Lücken hätte.

Dann RB Mikel Leshoure. Im Prinzip ein sinnvoller Pick: RB Jahvid Best gilt als game breaker, dem man ein Arbeitstier zur Seite stellen muss. Wie schrieb ich über Leshoure im Draftvorschauer?

LeShoure ist ein ähnlich kraftvoller Läufer, einer vom Typus „gebt mir einen schnellen, wendigen Back als Abwechslung und ich mache euch 1300yds pro Saison!“

Was nicht gefällt: Für diesen Pick wurde nach oben getradet. Kompensation: Pick Runde #4. Gegen Ende des Drafts hat man mit OLB Doug Hogue und OT Johnny Culbreath noch zwei Perspektivspieler geholt, gemäß der allgemein anerkannten need-Strategie.

Summa summarum

Ich halte das Flop-Potenzial im Falle von Nick Fairley im Prinzip für erhöht, doch Schwartz ist wie DefCoord Gunther Cunningham ein Trainer mit Liebe zum Detail in DL-Fragen. Im Prinzip müssen die drei hoch gedrafteten Spieler alle richtig einschlagen, um den Plan von 2011 zu rechtfertigen.

Die Defense Line könnte aber auf Jahre hinaus dominant werden und die Offense hat immer mehr Ingredienzien, nicht nur spektakulär, sondern auch balanciert zu sein. Superbowl Champion in the making ist zu hoch gegriffen, aber die Richtung stimmt.

Chicago Bears in der Sezierstunde

Jay Cutler - ©pjstar

Wenn dir Fortuna hold ist, kannst du in der NFL schon mal ins Conference Finale kommen. So die Bears 2010/11. Kaum Verletzungssorgen, ein mehrfach beim Gegner zuschlagender Fehlerteufel und ein günstiger Spielplan reichten dafür. Am Ende darf die Saison als Erfolg abgehakt werden, wenn auch der bittere Beigeschmack der vermeidbaren Heimniederlage gegen Erzfeind Chicago Green Bay hängen bleibt. Wie sehr die Niederlage vor allem auf die Psyche von QB Jay Cutler nachwirken wird, bleibt abzuwarten.

Die Arbeit mit dem Ball

In einer Mike-Martz-Offense muss die Offensive Line idealerweise stark im Pass-Blocking sein. Chicagos Line war phasenweise okay, aber es gab auch Spiele, in denen Cutler schlicht schutzlos war (Giants!). Bewegt sich Chicago in dieser Hinsicht nicht, haben wir hier die Sollbruchstelle.

Was Cutler neben n’büsschen Schutz noch gebrauchen könnte: Einen gescheiten Wide Receiver. Chicago wirft zwar viel auf die Running Backs und verteilt den Ball auf mehrere Wide Receivers. Trotzdem sehe ich die Bears schon auf der Suche nach einem Top-Mann. Wird es Sidney Rice vom Rivalen Minnesota sein?

Gefühlt hat Chicago zudem eine Reihe von Punkten verschenkt, weil die Bears bei 3rd and kurz im Lauf der Saison immer seltener Laufspiel einsetzten – sie haben einfach keinen Presshammer. Bessere O-Line würde helfen, aber Forte/Taylor sind halt auch nicht die Monster-Backs dafür…

Die Arbeit gegen den Ball

Ganz klar Chicagos Stärke. Das ist eine quicke Defense, ganz nach Lovie Smiths Ideen, die er einst in Tampa als Dungy-Jünger entwickelt hat. DE Julius Peppers war für mich der dominanteste Verteidigungsspieler in der NFL – eine ungemeine Bereicherung für diese Defense. In der Defensive Line gibt es allerdings nach dem Abgang von DT Tommie Harris Handlungsbedarf. Ansonsten sehe ich keine großartigen Schwächen in der Defense.

Das spezielle Trio

Return-Genie Devin Hester hat 2010/11 nach längerer Abstinenz wieder zugeschlagen und wird auch für die Zukunft eine Gefahr bleiben. Kicker Robbie Gould macht IMHO im windigen Chicago einen ordentlichen Job. Bedenklicher ist der Punter Brad Maynard. Chicago kassiert viele Returns bei Punts und spätestens seit Maynard im Schlussviertel des NFC-Finals wieder damit begonnen hat, Bälle über den Schlapfen rutschen zu lassen, halte ich Maynard für verbrennt.

Ausblick

Viele glückliche Umstände und Sekundengenie-Momente haben Chicago ins NFC-Finale gebracht und Lovie Smith vorerst den Arsch gerettet. Ich bin trotzdem nicht rundum überzeugt. Neben der schwachen Pass Protection hat sich Chicago im NFC-Finale ein weiteres Problem angelacht: QB Jay Cutler ist in seiner Autorität als Leader angekratzt.

Cutler ist kein begeisternder Typ und gewinnt die Leute nur über Leistung für sich. Sein verletzungsbedingter Rückzug wird ihm in der öffentlichen Meinung als Kneifen ausgelegt. Die interne Lage ist schwer abschätzbar, aber generell werden in der NFL eher die bewundert, die am liebsten mit gebrochenen Haxen ihre Karriere riskieren.

Weitere Sezierstunden gibt es hier oder unter dem Tag „Sezierstunde“.

Minnesota Vikings in der Sezierstunde

Minneapolis Metrodome kollidiert

Symbolisch und fast schon Tragikomödie - Das Dach des Metrodomes kollabierte ähnlich schlimm wie die Saison der Minnesota Vikings - Foto: Bobak Ha'Eri

Nach dem erneut unsäglichen Theater rund um QB Brett Favre und sein sechshundertsiebenundachtzigstes Comeback waren die Vikings für mich eine Unbekannte und ich war gespannt auf die ersten Auftritte – ESPN war ja zu Saisonbeginn regelmäßig sehr lila gefärbt.

Es war erschreckend: Eine Offense komplett aus dem Rhythmus, eine auf Normalgröße gestutzte Defense und ein weltabgewandter Head Coach an der Seitenlinie. Verletzungen, Uneingespieltheit und teaminterne Reibereien mixten sich mit Favres Schniedel-Fotostory.

Resultat: Ein krasser Fehlstart, den man mit dem spektakulären Trade für Randy Moss zu korrigieren versuchte, was die Spirale in den Abgrund aber nur um ein paar Prozent beschleunigte und schließlich schon nach zwei Drittel der Saison mit der Demission Moss’ und Entlassung Brad Childress’ endete.

Dass im Dezember bei heftigen Schneefällen das eigene Stadiondach kollabierte und man bei zig Minusgraden und ohne Bieraufschank im Freien spielen musste – geschenkt und ein verhältnismäßig kleines Ärgernis (zumal es den seit Jahren nach einer neuen Arena krähenden Vikings vielleicht nicht mal unrecht gewesen sein dürfte).

Umkrempelungen

Die Vikings werden sich in der nächsten Saison rundumerneuert zeigen, und das liegt nicht nur daran, dass Uropa Favre „definitiv“ (hatten wir das nicht schon mal ein paar Mal?) in den Ruhestand geht.

Neuer Mann am Kommandostand wird Head Coach Les Frazier sein, der ein paar Wochen Erfahrung sammeln durfte und das gut genug hingekriegt hat, um den Posten behalten zu dürfen. Frazier hat sich für seinen Stab einen alten Bekannten eingekauft: Mike Singletary. Die beiden haben einst zusammen als Spieler mit den Bears die Superbowl gewonnen (Jänner 1986). Jetzt ist Singletary nach seiner desaströsen Zeit als 49ers-Coach Fraziers Assistent. Auch die Offense ist in neuen Händen: Bill Musgrave ist aus Atlanta gekommen.

Tavaris Jackson

Kein Franchise-QB: Tavaris Jackson

Musgrave steht nach Favres Rücktritt erstmal ohne brauchbaren Quarterback da, denn Tavaris Jackson wird nach fünf wechselhaften Jahren gehen und Joe Webb gilt als noch nicht annähernd bereit für die komplexe NFL. Neben den besten QBs kommt auch der beste Wide Receiver abhanden: Sidney Rice wird seinen Vertrag wohl nicht mehr verlängern.

In der Defense wird der „Williams Wall“ auseinandergerissen. Bestehend aus Kevin Williams und Pat Williams hat das Defensive-Tackle-Duo drogenunterstützt über Jahre jedes Laufspiel im Ansatz erwürgt. In jüngster Vergangenheit war der Williams Wall aber schon löchriger als gewohnt – sicherlich altersbedingt und wohl auch, weil die beiden mit einer bevorstehenden Sperre nicht mehr jedes Mittel bedenkenlos schlucken konnten. Pat Williams hat mit seinen 38 Lenzen auf dem Buckel am Mittwoch bekannt gegeben, dass er die Vikings verlassen wird.

Die Suche nach dem Häuptling

Der Kern der Mannschaft ist auch nach zwei verschwendeten Jahren unter QB Favre noch eher jung – allein: Es fehlt der Franchise-QB. Ein neuer soll nun via Draft gefunden werden, was 2-3 Jahre Entwicklungszeit verlangt. Dadurch wird aber vermutlich die Blütezeit von RB Adrian Peterson verschenkt – ein ähnliches Problem wie vor ein paar Jahren in San Diego mit dem großartigen LaDainian Tomlinson. Und jammerjammerjammerschade.

Die Vikings haben im Draft Pick #12. Der QB-Jahrgang darf ruhig als nicht überschwänglich angesehen werden, und an #12 dürfte einer der vielen QBs zu haben sein: Der Rohdiamant Jake Locker, der fertigere Blaine Gabbert oder Selbstdarsteller Cam Newton. Ich kann noch keine Tendenz erkennen, in welche Richtung von Offense sich Minnesota entscheiden wird. Ich würde aber auch über einen Chris Ponder (2. Runde) nachdenken. Ungeschickt: Bei Lockout könnte man über Monate die Option „Trade für einen QB á la McNabb“ vergessen.

Minnesota hat auch andere Schwachstellen: Ein neuer Defensive Tackle wird händeringend gesucht. Nur leider keiner im Draft, der Williams heißt. Dafür aber gilt der Jahrgang für Defensive Liner als überdurchschnittlich.

Die Secondary war außerordentlich unzuverlässig und immer gut für zugelassene Big Plays. Soweit ich das überblicke, ist nur ein einziger Safety und neben CB Antoine Winfield eine Reihe an namenlosen Cornerbacks unter Vertrag – Verstärkungen höchst erwünscht.

Verstärkungen der Kategorie „Ergänzungsspieler“ braucht es bei den Linebackers, von denen nur fünf Vertrag haben. Geschichte der abgelaufenen Saison war MLB E.J. Henderson, der nach einer fürchterlichen Verletzung ein ganz spezielles Comeback feierte und am Ende sogar Pro Bowl spielen durfte.

In der Offense sollten O-Line und Running Backs (Peterson & Gerhart) passen, aber die Wide Receivers bilden ein Fragezeichen. Rice wird gehen, Percy Harvin hat seit gefühlt 50 Jahren mit Migräne zu kämpfen und abgesehen davon ist wenig Klangvolles da, mit dem sich der geneigte Vikings-Fan hochziehen kann.

Ausblick

2011/12 könnte ein bitteres Jahr werden: Vermutlich wird man mit Rookie-QB spielen und im Falle eines Lockouts nur eine arg beschnittene Vorbereitung bestreiten können. Deswegen – und wegen der wenig überzeugenden Top-Quarterbacks im Draft – würde ich an Vikings-Stelle drüber nachdenken, einen Defensive Tackle in Runde 1 zu nehmen und später Chris Ponder oder Andy Dalton draften. Auf diesen Rat wird Les Frazier aber kaum hören…

Neben dem Sportlichen wird das Front Office der Vikings eine strategische Entscheidung zu treffen haben: Neues Stadion, altes Stadion renovieren oder aus den Twin Cities ausziehen? Die Aktien eines Stadion-Neubaus sollen in den letzten Wochen gestiegen sein, auch wenn man sich in Minneapolis/St. Paul noch nicht einig ist, ob man das Stadion mit Dach versehen soll.

Die bisherigen Sezierstunde-Artikel sind auf der NFL-Überblicksseite (ganz unten) zu finden.