NFL-Recap, Week 2: Seattle Seahawks – San Francisco 49ers

Das zum ersten „Spiel des Jahres“ ausgerufene Sunday Night Game enttäuschte die Erwartungen an die spielerische Qualität und endete auch nicht „down to the wire“, sondern in einem Blowout-Sieg für die Seattle Seahawks. Die Qualität des Spiels litt nicht nur unter dem schlechten Wetter in Seattle, sondern auch unter vielen Eigenfehlern, die nix mit äußerlichen Gegebenheiten zu tun hatten – oder nix zu tun haben sollten. Kann ja sein, dass manche Spieler unter Hormonschwankungen zu leiden haben.

Auf alle Fälle erinnerte das, was beide, insbesondere aber San Francisco, lieferten, an schlimmste Zeiten der Raiders oder Detroit Lions: Eine Unzahl an Nickligkeiten, Personal-Fouls viele Sekunden nach Spielzugende, Trash-Talk ohne Ende. Bei einem Three’n’Out konntest du nie sicher sein, ob es auch halten würde, da häufig drei Sekunden später die Flagge flog und den Drive wegen Unsportlichkeit verlängerte.

Es mischten sich auch spielerische Mängel hinein: Klar, manche Incompletions waren Produkt großartiger Defensivleistungen, aber die gehypten Herren Kaepernick und Wilson warfen auch relativ viele ungenaue Bälle ins Nichts.

49ers-Offense

Bei Colin Kaepernick und der 49ers-Offense bleibt ein schwammiges Bild zurück. Es war eine schlechte Leistung. Nicht nur wegen 3 INTs und einem Fumble, sondern vor allem, weil der Kernbestandteil der Niners-Offense überhaupt nicht in die Gänge kommt: Das Laufspiel. Gegen Seattle scheinen zwar 100yds auf dem Stat-Sheet auf, aber 87yds gehen davon auf Scrambles des Quarterbacks zurück! Und das waren by the way keine designierten read-option Läufe, sondern überwiegend aus der Not geborene Scrambles Kaepernicks, der keine Anspielstationen bekam. Es ist nicht nur die Offense Line. Es ist auch RB Frank Gore mit seiner Zögerlichkeit. Nix an Gore erinnert an den explosiven Mann der letzten 3-4 Jahre. RB #32 Hunter mit einem einzigen Carry (für -7yds!). RB #23 James weiterhin inactive.

Überhaupt sah an Friscos Offense vieles unrund aus. WR #81 Boldin wurde eine Woche nach seiner Paradevorstellung gegen Green Bay von Seattles CB #25 Sherman komplett aus dem Spiel genommen (1 Catch, 7yds), und nachdem sich TE #85 Davis verletzte, ging gar nix mehr. Schon letzte Woche war die Passoffense extrem abhängig von Boldin. Was haben die 49ers noch in der Hinterhand? Rookie-WR Patton wird bald wieder einsatzbereit sein. Der eingekaufte WR Baldwin gilt als bocklos ohne Ende. Und… nix und. Viel mehr an Ballfängern gibt es nicht.

49ers-Defense

In der Defense scheint sich in Slot-CB #25 Nnamdi Asomugha ein Schwachpunkt herauszukristallisieren, der vom Gegner ganz gern angespielt wird. Asomugha: Wenn ich denke, wie hoch der erst vor zwei Jahren gelobt wurde – und jetzt weinen die Leute einem Chris Culliver nach, den Asomugha ersetzen soll! Fakt ist: Packers wie Seahawks verarschten Asomugha mehrfach, vor allem in kritischen Momenten. Gegen Seattle war es u.a. eine Pass Interference gegen Asomugha über 30 oder 40yds.

Seahawks-Defense

Extrem beeindruckend ist die Seahawks-Defense in diesen ersten beiden Saisonspielen. Um mal ganz kurz zu rekapitulieren: Die Seahawks-Defense war letztes Jahr sehr gut, aber nicht eine der absoluten Elite-Kaliber, insbesondere wegen der zweitschlechtesten (!) Lauf-Defense nach Success-Rate. Die ersten beiden Vorstellungen 2013 gegen Carolina und San Francisco waren überirdisch. So gut, dass sie nicht ganz zu halten sein werden. Das beginnt mit den Turnovers (5.9% INT-Quote), aber auch in Pass-Defense (4.1 NY/A) und Lauf-Defense (56.5% SR) war das fantastisch.

Was die Defense Line vorne aktuell an Dampf bringt, ist gewaltig, und #92 MeBane sowie #79 Red Bryant spielen bisher eine phänomenale Saison. Im zweiten Spiel geigten dann auch die billig eingekauften DEs Bennett und Avril ordentlich auf. Das Prunkstück in der Secondary muss man nicht weiter erwähnen: Vor allem CB Sherman und FS #29 Earl Thomas sind weiterhin absolute Granaten.

Und man bedenke, dass in CB Brandon Browner, DE Chris Clemons und DE/OLB Bruce Irvin aktuell noch drei wichtige Leistungsträger aus verschiedenen Gründen (Verletzungen, Sperren) außer Gefecht sind!

NFC West in der Frischzellenkur

Die Bodensatz-Division seit Jahren – aber eine für einmal sehr konsequent wirkende Draftklasse für die NFC West.

Arizona Cardinals

Rd #   Pos Name
1  13  WR  Michael Floyd
3  80  CB  Jamell Fleming
4  112 OT  Bobby Massie
5  151 G   Senio Kelemete
6  177 S   Justin Bethel
6  185 QB  Ryan Lindley
7  221 OT  Nate Potter

Nach dem Kolb/Cromartie-Trade aus dem vergangenen Sommer liest sich der Draft 2012 der Cardinals recht unspektakulär. Der herausstechende Pick ist einer, über den schon tagelang zuvor gemunkelt worden war: WR Michael Floyd von Notre Dame, der aus derselben Region wie Fitzgerald (Bundesstaat Minnesota) kommt und als großgewachsene, physische Präsenz neben Fitzgerald fungieren soll. Klar war einzig: Arizona braucht jedwede Verstärkung für das Passspiel (5.9yds/Pass). Diese Mannschaft ist der Divisionsfavorit mit wenigstens annehmbarem Passspiel in der Offense. Kolb gehen mit jeder Neuverpflichtung die Entschuldigungen aus.

Aus den mittleren Runden eine Entwicklungs-Option für die Secondary (CB Jamell Fleming) und zweimal Offensive Line. Ein interessanter Mann ist QB Ryan Lindley von San Diego State: Aus dem College als relativ unpräziser Werfer bekannt, aber abseits davon mit allen physischen Tools zum eventuellen Herausforderer Kolbs, sollte sich jener nicht weiterentwickeln. (Natürlich ist ein unpräziser Werfer in der NFL aber immer ein Fragezeichen) Aus den späten Runden noch Boise States Nate Potter.

Arizona gefällt mir. Die Defense ist jung und schnell, macht vorne recht schön Rabatz und besitzt ein relativ gutes Backfield. In der Offense waren die zu starke Fokussierung auf Fitzgerald (wurde versucht, zu verbessern) und die vielen Interceptions (das Phänomen Regression zur Mitte dürfte helfen) das Problem – beides Felder, die man bereitet hat. Fraglich ist freilich nur noch die Ernte.

San Francisco 49ers

Rd #   Pos Name
1  30  WR  A.J. Jenkins
2  61  RB  LaMichael James
4  117 G   Joe Looney
5  165 LB  Darius Fleming
6  180 S   Trenton Robinson
6  199 OT  Jason Slowey
7  237 DE  Cam Johnson

Zwei Skill Player zu Beginn für die 49ers. WR A.J. Jenkins kann getrost als große Überraschung gewertet werden, nachdem doch deutlich bekanntere und mehr diskutierte Leute an #30 auf dem Tablett gegeben waren. Jenkins soll ein deep threat sein, dem allerdings im direkten Duell die letzten paar Kilo Physis abgehen. Nichtsdestotrotz liest sich der Stall an Ballfängern insgesamt besser als noch im Jänner: Jenkins, Manningham, Randy Moss, Crabtree, Davis, Walker, dazu die „Joker“ Ginn und Williams.

RB LaMichael James ist einer meiner persönlichen Favoriten (sportlich zumindest), dürfte mit seinem Speed eine wertvolle Ergänzung zum enttäuschenden RB-Pärchen Gore/Hunter sein, aber so richtig möchte man sich das noch nicht ausmalen: Der 20kg-Back James hinter einer wackeligen Offensive Line – ob da die erhofften Big Plays nicht bereits frühzeitig abgewürgt werden?

Dahinter folgen Ergänzungsspieler für eben jene Line (G Looney/T Slowey), sowie ein durchaus variabel einsatzfähiger DB Robinson und in der siebten Runde ein Defensive End Cam Johnson, den man wenigstens 2-3 Runden früher hatte vom Tablett gehen sehen.

Insgesamt liest sich die Draftklasse der 49ers recht rund: Tiefe in einigen kritischen Mannschaftsteilen geschaffen und mit den Skill Players dem mäßigen QB Alex Smith paar dringend notwendige Anspielstationen verschafft. Sollte Smith den Durchbruch auch 2012/13 nicht schaffen, kann man es dann ja mal mit dem „Pistol“-Interpreten Colin Kaepernick probieren.

Seattle Seahawks

Rd #   Pos Name
1  15  DE  Bruce Irvin
2  47  LB  Bobby Wagner
3  75  QB  Russell Wilson
4  106 RB  Robert Turbin
4  114 DT  Jaye Howard
5  154 LB  Korey Toomer
6  172 CB  Jeremy Lane
6  181 S   Winston Guy
7  225 DE  J.R. Sweezy
7  232 DE  Greg Scruggs

Querbeet geprügelt wurde Seattle für diese sich uns bietende Klasse. Die Kritik fokussierte sich vor allem auf den einen Namen: DE Bruce Irvin, ein pfeilschneller Pass Rusher von West Virginia mit einer turbulenten Lebensgeschichte. Irvin gilt als „reach“, d.h. wurde dem common sense nach viel zu früh gedraftet (oder anders: Seattle hätte mit einem Trade nach unten Gegenwert und Irvin bekommen können). Nun weiß man nie, wie sich andere Teams wie bsp. die Jets verhalten hätten; Seattle und sein HC Carroll wollten Irvin um jeden Preis und dürften ergo gut damit leben. Dass ein schneller Pass Rusher eine große Hilfe sein würde, davon war man ausgegangen (gegen Draftende folgten zwei weitere Ends).

Die interessantesten weiteren Picks in einer ansonsten extrem defensivlastigen Draft (8/10 sind Abwehrspieler) sind die beiden Angreifer. QB Russell Wilson, der in der dritten Runde – einer Zone, die dem Strategiepapier nach Perspektivspielern für 2014 vorbehalten ist – kam, ist ein Kleinwüchsiger (1,80m) für einen Quarterback, aber flott bei Fuß. Nun kommt Wilson haarklein zu einem Zeitpunkt, an dem man sich in Seattle mit QB Flynn eine relative Unbekannte für drei Jahre und teures Geld angelacht hat – Wilsons Einberufung riecht nach Absicherung für ein eventuelles Scheitern Flynns. Und mobil sind beide Männer zur Genüge… Dazu RB Robert Turbin, ein „grinder“ von den Utah State Aggies, der dem oftmals recht fußlahmen Laufspiel der Seahawks einen Rhythmuswechsel beibringen dürfte.

Nun ja. Es ist der zweite Seahawks-Draft in Serie, der relativ stark kritisiert wurde. In den letzten beiden Jahren der Versuch, die Offensive Line zu zementieren (selten eine schlechte Idee), heuer den Pass Rush aufzupeppen und mit der Hoffnung auf den QB-Retter. Gefällt.

St Louis Rams

Rd #   Pos Name
1  14  DT  Michael Brockers
2  33  WR  Brian Quick
2  39  CB  Janoris Jenkins
2  50  RB  Isaiah Peed
3  65  CB  Trumaine Johnson
4  96  WR  Chris Givens
5  150 G   Rokevious Watkins
6  171 K   Greg Zuerlein
7  209 LB  Aaron Brown
7  252 RB  Daryl Richardson

In Tennessee bekam Jeff Fisher immer mal wieder Draftklassen der Güteklasse: Athleten aus kleinen Universitäten und schwierige Charaktere. Die Rams-Klasse von 2012:

[X] kleine Universitäten
[X] schwierige Charaktere

Dreimal „Small-School“ in den ersten fünf Picks für St Louis: Quick, Jenkins und Johnson kommen aus der FCS (ehem. Division 1-AA), und wenigstens letztere beide (plus WR Givens) gelten als nicht unbedingt leicht zu handhabende Jungspunde.

DT Michael Brockers ist die „Entschädigung“ dafür, dass sich St Louis gleich zweimal nach unten tradete (von 2 auf 6 auf 14): Ein Tackle der Marke boom or bust – gesegnet mit Fähigkeiten der Güteklasse Ndamukong Suh, aber roh wie die Eier aus dem Stall. Trotzdem sammelt sich in der Front-7 der Rams still, heimlich und leise eine Serie an hohen Draftpicks zusammen.

Die Skill-Players für den stagnierenden QB Bradford sind die beiden WR Quick und Givens und RB Peed. Ersterer gilt als besonders entwicklungsfähig, hat aber auch mangels Konkurrenz und adäquater Spielsysteme am College noch nicht wirklich viel NFL-Komplatibles gesehen. RB Peed soll mittelfristig den jahrelang versauerten RB Steven Jackson ersetzen und dürfte in den ersten Jahren vor allem als dessen „change of pace“-Back fungieren.

Für das viel kritisierte und von Verletzungen gerüttelte Defensive Backfield kommen zwei vieldiskutierte Leute aus der FCS, wobei Janoris Jenkins bereits jahrelange Erfahrung bei den Florida Gators hatte sammeln dürfen, aber nach dem xten Kind der xten Frau und diverser Drogendelikte geschmissen worden war. Nicht nur ein Experte sieht in Jenkins das größte Cornerback-Talent in diesem Draft, wenn wir nur den Charakter ausschalten könnten. Ähnliches galt laut Mayock für Trumaine Johnson: FCS, enormes Potenzial, aber nach Rangeleien auf College-Partys nicht über den besten Ruf verfügend.

Aus der Zone „Entwicklungsspieler“ kommen noch ein Kicker (Zuerlein) sowie ein Guard mit einem genialen Vornamen: Rokevious Watkins. Die Rams werden in den nächsten beiden Jahren nach dem Griffin-Trade jeweils mit zwei Erstrundenpicks beginnen können und dürften zusätzlich mit den Draftklassen von 2012 und 2011 solide Grundlagen für die Zukunft geschaffen haben.

Seattle Seahawks in der Sezierstunde

Freak-Saison für die Seattle Seahawks: Mit neuem Coach als Team im Umbruch gestartet, am Ende trotz schwacher Statistiken Divisionssieger und am Ende als erste Mannschaft mit negativer Playoffbilanz den Titelverteidiger New Orleans aus dem Wettbewerb gekegelt. Das Heimspiel gegen die Saints war elektrisierend, dank des Feuers in der Mannschaft und auf den Rängen.

Trotzdem: Seattle war 7-9 und hat an der Playoffteilnahme womöglich langfristig zu knabbern. Denn anstatt an #8 picken die Hawks nun an #25 in jeder Runde. Ein nicht zu unterschätzender Nachteil in einer Mannschaft mit extrem vielen Löchern.

Handlungsbedarf in der Verteidigung

Ich habe nur 3x Seahawks gesehen. Das genügte aber, um die Schwachstellen ausfindig zu machen. Das Laufspiel ist nicht mehr als grundsolide, der Quarterback alt und unkonstant. Das ist alles nichts gegen die fürchterliche Secondary.

Die Cornerbacks haben allergrößte Problem im Duell Mann gegen Mann und brauchen dringend jeden neuen Impuls von außen. Keinen Deut besser schaut es in der Mitte bei den Safeties aus. Ich wusste gar nicht, dass Lawyer Milloy noch spielt. Jetzt weiß ich, dass es vielleicht nicht schlecht wäre, wenn Milloy nicht mehr spielen würde. Handlungsbedarf: extrem hoch.

Die Linebackers sollten vom Spielermaterial her passen. OLB Aaron Curry galt als großes Versprechen. Eingelöst hat er davon nicht lange nicht alles. ILB Lofa Tatupu ist verletzungsanfällig, gilt aber als Typ, der eine Defense führen kann. Die Defensive Line spielt phasenweise groß auf, aber nicht konstant genug.

Handlungsbedarf im Angriff

Bruchstückhaft ist auch die Offense, angefangen beim alternden QB Matt Hasselbeck. Hasselbeck wird nicht mehr lange spielen, aber an guten Tagen ist Hasselbeck immer noch recht effizient. Ich glaube, Seattle wird an #25 im Draft aktiv, sollte mit QB Jake Locker der Lokalheld (spielte an der nahen University of Washington) noch frei sein. Wobei mir in Seattle nicht klar ist, weshalb man Lokalhelden braucht. Das wunderschöne Stadion ist sowieso immer huckevoll. Nicht ausgeschlossen auch: QB Matt Leinart. Der spielte einst unter Carroll an der University of Southern California. Handlungsbedarf: gegeben, auch nicht Top-Priorität.

Dringender ist aber die Baustelle „Offensive Line“. Jahrelang Seattles größte Stärke und verantwortlich für viele tausend Yards von RB Shaun Alexander, aber mittlerweile ist davon nicht mehr viel zu sehen. Handlungsbedarf: Dringend.

Das Laufspiel ist ebenso mau. RB Marshawn Lynch hat bis auf den Sensationslauf gegen die Saints nicht allzu viel gezeigt. Das Passspiel krankt daran, dass es keine eindeutigen #1-Receiver gibt. Handlungsbedarf: Gegeben, aber Secondary und Offensive Line sind eindeutig wichtiger.

Ausblick

So viele Baustellen und doch Hoffnung. Hoffnung, dass Seattle öfters mit dem Feuer wie gegen die Saints spielt. Allerdings wird der Spielplan 2011/12 wesentlich ungemütlicher als noch in diesem Jahr.

Carroll muss neben den personellen Veränderungen auch einen Mentalitätsumschwung einleiten. Seattle hat sich phasenweise reaktionslos in sein Schicksal ergeben und hat mehrere Spiele wehrlos abgeschenkt. Das Punkteverhältnis von 310:408 spricht Bände.

Ich gebe Seattle selbst in der schwachen NFC West nur geringe Chancen auf eine Playoffteilnahme im kommenden Winter. Es ist eine Offseason, in der Carroll die Rahmenbedingungen schaffen muss, damit im kommenden Jahr der Einkauf von Playmakern Sinn machen kann.

Zu weiteren Sezierstunde-Ausgabern geht es an dieser Stelle, oder unter dem Tag Sezierstunde.

Arizona Cardinals in der Sezierstunde

Ken Whisenhunt Head Coach Arizona Cardinals

Ken we reclaim NFC West reign?

Jahr eins nach Kurt Warner – und was macht Head Coach Ken Whisenhunt? Er feuert den teuren Warner-Backup Matt Leinart! Arizona ging mit Unheil versprechendem QB-Trio in die Saison. Dementsprechend fatal verlief dann auch der Herbst. Am Ende nur fünf Saisonsiege für die Cardinals, zwei Jahre nach dem Superbowl-Einzug.

Ken we get it done without Matt Leinart?

Antwort: Nope. Was Whisenhunts Entscheidung nicht automatisch falsch macht. Leinart stand bei mir sowieso im Ruf, ein blasser Quarterback ohne Esprit zu sein – ganz im Gegensatz zu seinem glamourösen Lebensstil nebenher.

Was Whisentungs Entscheidung aber schlecht ausschauen lässt: Arizonas restliche Quarterbacks lieferten dann aber eher bescheidene Vorstellungen ab. Um es vorsichtig auszudrücken.

Completion Rate 50,8%, 10TDs, 19INTs, QB-Rating 60.5, nach DVOA #32 der Liga

Dafür darf man ruhig die Vokabel “entsetzlich” benutzen, vor allem unter dem Gesichtspunkt, dass a) Whisenhunts Offense auf Pass-Spiel basiert und Laufspiel nur als Ablenkungsmanöver einsetzt und b) mit WR Larry Fitzgerald einer der bestmöglichen Receiver im Lineup steht.

Fitzgeralds Saisonbilanz (90 Catches, 1137yds, 6 TD) darf man daher ruhig als “sensationell” einstufen, obwohl Fitzgerald von 174 Würfen in seine Richtung nur knappe 90 gefangen hat. Zu Fitzgeralds Entschuldigung: Viele Würfe waren einfach schlecht und uncatchable. Punkt.

Ken, do last year’s moves look smart?

Für Warners Abgang konnte niemand nix. Leinart hat sich als Flop erwiesen. Arizona musste noch weitere Hochkaräter ziehen lassen. Den egomanischen WR Anquan Boldin zum Beispiel. Oder Linebacker Karlos Dansby. Oder den leicht überschäzten Safety Antrel Rolle.

Whisenhunts Einkäufe haben eher gefloppt. OLB Joey Porter gilt als massive Enttäuschung, FS Kerry Rhodes wurde häufig mangelnde Einstellung vorgeworfen und der 1st round DT Dan Williams war dann auch nicht so berauschend. Die beiden Rookie-QBs Max Hall und John Skelton hatten keine Pass Protection und sind daher entschuldigt. QB Derek Anderson gilt als mittelmäßig.

Ken we get a Quarterback?

Keine Frage: Whisenhunt muss einen Quarterback holen. Anderson ist mal wieder beim Publikum unten durch, die beiden jungen Hall & Skelton werden hinter dieser Offensive Line verbrannt. Die spannende Entscheidung ist: QB via Draft oder QB via Free Agency?

Die Tendenz geht in Richtung „Free Agency“. Whisenhunt riskiert mit einer weiteren schlechten Saison seine Entlassung, von daher riecht es eher für sie „sichere“ Lösung eines erfahrenen QBs. Ich würde z.B. ganz gerne Donovan McNabb in Glendale sehen. Mobiler QB und ein Mann, der es gewohnt ist, in eindimensionalen Offenses mit maximal einem guten Receiver zu spielen. Im Schatten McNabbs könnte man Hall/Skelton heranzüchten.

Ken we upgrade this Offensive Line?

Viel Arizona habe ich heuer nicht gesehen. Aber genug, um die Offensive Line zu zerreißen und als bildliche Beschreibung für „zerbröseln“ heranzuziehen. Die Guards Lutui und Faneca haben auslaufende Verträge, Faneca wird wahrscheinlich zurücktreten. Tackle Levi Brown hatte ich stets geschätzt, zeigte sich als Left Tackle aber als gnadenlos überfordert. Whisenhunt/Grimm müssen diese Line austauschen bzw. upgraden.

Ken we fix our defensive holes?

Kritisiert wird vor allem der Pass Rush und die Secondary. Bezüglich OLBs schaut es immer mehr danach aus, als seien Joey Porters Tage gezählt. Porter war zu Steelers-Zeiten einer meiner Favoriten, gilt aber mittlerweile nur mehr als schwaches Abbild alter Zeiten. Arizona wird höchstwahrscheinlich einen OLB an der #5 draften. Vielleicht den gehypten Von Miller?

In der Secondary fehlen laut Auguren ein zweiter Cornerback und ein zweiter Safety neben Adrian Wilson. Rhodes gilt als desinteressiert, gegen den Lauf zu arbeiten. Alles in allem halte ich aber die Notwendigkeit, die Offense zu verstärken, für deutlich dringender.

Ken we win the division?

San Francisco ist mein Favorit in der NFC West. Die Division ist aber so durchwachsen, dass Arizona 2010/11 trotz aller Schlechtigkeit nur zwei Spiele Rückstand auf den ersten Platz hatte. Findet Whisenhunt einen brauchbaren Quarterback und wird die Offensive Line verstärkt, halte ich Arizona für nicht chancenlos, ein Wörtchen um diesen Divisionssieg mitzureden. So krass es klingen mag.

Die anderen Sezierstunden sind auf der NFL-Seite zu finden. Oder unter dem Tag „Sezierstunde“.

St Louis Rams in der Sezierstunde

Zwischendurch mal eine Mannschaft in der Sezierstunde, die in der abgelaufenen Saison ein einziges Mal in der deutschen TV-Landschaft zu bestaunen war: Am letzten Spieltag der Regular Season. Da spielten die Rams bei den Seahawks um den Einzug in die Playoffs. Und verloren sang- und klanglos 6-16.

Vorausgeschickt: Die Rams hatten zwei ganz schlechte Saisons hinter sich (2-14 und 1-15). So schlecht, dass sie im letzten Draft den #1-Pick hatten. Nach einigen mäßigen Picks haben sie diesmal vielleicht das große Los gezogen: QB Sam Bradford von der University of Oklahoma. Bradford, ein Meister der Spread Offense am College, aber nicht in der Lage, die entscheidenden, die ganz großen Spiele, zu gewinnen. Und zudem grad von einer Schulterverletzung genesen.

Resultat 2010: Bradford spielte ordentlich für einen Rookie, nicht sensationell. Aber Bradford machte hinter einer verbesserten Offensive Line und ohne nennenswerte Wide Receivers genug Plays, um die Rams zu einem 7-9 zu führen.

Nun liest sich „7-9“ erstmal ganz gut. Aber der Spielplan der Rams gehört zu den lächerlichsten der vergangenen Jahre. NFL-weit. Siege gegen Washington, Seattle, San Diego, Carolina, Denver, Arizona und San Francisco. Ein einziges Team mit einer positiven Bilanz, als dieses in der schwersten Krise der Saison war. Gegen die ernsthafteren Mannschaften setzte es reihenweise Niederlagen.

Ich will St Louis nicht madig machen, denn immerhin haben sie die Spiele überhaupt gewonnen, im Gegensatz zu den letzten Jahren, als selbst gegen Graupentruppen verloren wurde.

Neben Bradford haben die Rams im Draft 2010 ganz leise mit LT Roger Staffold den Left Tackle gefunden, der der teure Draftpick Jason Smith vor zwei Jahren nicht war. Resultat: Deutlich weniger kassierte Sacks.

Die Defense ist komplett gesichtslos, aber langsam im Kommen. Wie auch anders bei einem Head Coach mit Namen Steve Spagnuolo? Der teure DE Chris Long (Howie’s Sohn) scheint langsam besser zu werden, der Oldie DE James Hall hatte mit 10,5 Sacks keine schlechte Saison.

Was gibt’s zu tun?

Keine Frage: Die Rams sind auf dem aufsteigenden Ast, aber sie sind noch keine gute Mannschaft. Bradford ist kein Schlechter, aber Bradford braucht Waffen. Kein Receiver mit 700yds? Die einzigen namhaften WRs haben sich alle schon früh verletzt und Bradford musste auf Leute wie Danny Amendola, Brandon Gibson und Daniel Fells werfen. Nie gehört? Kein Problem, ich auch nicht.

Steven Jackson RB Rams

Steven Jackson - ©Wikipedia

Zweite Problemzone: Die Running Backs. Ich bewundere Steven Jackson aufs Äußerste. Der Mann muss sich vorgekommen sein wie eine Perle vor den Säuen. Jahrelang in einer hoffnungslosen Mannschaft als hoffnungslos unterbezahlter Back Top-Leistungen auf Pro-Bowl-Niveau abzuliefern, das hat was. Und Jackson hat sich nie öffentlich beschwert, sondern konstant seine Yards abgeholt. Aber Jackson wird nicht jünger und hatte immer wieder Verletzungssorgen. Ein junger Backup, der langsam als Jacksons Nachfolger aufgebaut wird, könnte Abhilfe schaffen.

Andererseits… Der neue OffCoord der Rams heißt Josh McDaniels. McDaniels hat in seiner bisherigen Laufbahn nur wenig Interesse an Running Backs gezeigt und dafür seine QBs (Brady, Cassell, Orton) um die Wette werfen lassen.

Ein angelesene Beobachtung: RG Adam Goldberg gilt als abgesägt, weil viel zu schwach. Ein Rod Hudson (FSU) könnte in Runde zwei noch im Draft sein. Auf alle Fälle gilt es als ausgemacht, dass St Louis auf dieser Position ein Upgrade braucht.

In der Defense halte ich es für nicht ausgeschlossen, dass Spagnuolo ein weiteres Mal auf Defensive-Line-Jagd geht. Spagnuolos Superbowl-Rezept in New York war: Dominante Defensive Line bauen, die alle Hitze der Welt von der Front Four auf den QB losbläst. Die Rams picken an #14. 2011 gilt als guter Jahrgang, wenn man Defensive Line draften möchte…

Im Prinzip kann St Louis in der Defense bis auf den kanadischen FS O.J. Atogwe überall noch Verstärkungen brauchen. Ich gehe jedoch davon aus, dass man die Prioritätenliste für 2011 ungefähr so ausgemacht hat:

1) Wide Receiver
2) Guard
3) Defense Line
4) Linebacker/Secondary

Für die Zukunft

Der Spielplan für 2011 wird hammerhart. Neben New Orleans und Green Bay warten die knackige AFC North und die unangenehme NFC East auf die Rams. Die Bilanz 2011 könnte eher schlechter sein als jene von diesem Jahr. Trotzdem muss das nicht bedeuten, dass die Rams schlechter geworden wären.

Aktuell sind für mich die 49ers mal wieder favorisiert in der NFC West. Sollten Ken Whisenhunt und seine Cardinals einen QB finden, dürfte auch Arizona gute Chancen haben, vor den Rams zu landen.

2011 könnte ein weiteres Jahr des Aufbaus werden. Ein schmerzhaftes, aber lehrreiches Jahr.

„Sideline Reporter“ Archiv – hier entlang.

NFL-Franchises im Kurzporträt, #4: Seattle Seahawks

Viertes NFL-Team in der Sideline-Reporter-Präsentation – dritter Vogel. Diesmal: Der Seahawk – zu deutsch so was wie die Raubmöve.

Die Brut

Der zunehmende Erfolg der NFL nach dem Zusammenschluss der beiden großen Ligen AFL und NFL sorgte Anfang der 70er dafür, dass man auch im äußersten Nordwesten über ein professionelles Footballteam nachdachte. Seattle, die Heimat der Holzindustrie, von Boeing und Jimi Hendrix. 1976 war dann auch der Vogel aus dem Football-Ei entschlüpft. Die Seattle Seahawks, eine Mannschaft für die AFC West.

Die Jungvögel

Zu Beginn war es natürlich hart, sich durchzusetzen. Premierensaison: 2-12, aber immerhin zwei Siege mehr als die Leidensgenossen Buccaneers aus Tampa. In Saison #2 waren die Seahawks dann in der NFC, um wieder gegen die schwachen Buccs spielen zu können. Es sollte langsam besser werden. Verantwortlich dafür: WR Steve Largent, der beste weiße Receiver der letzten 40 Jahre.

Flying under the radar…

…nennen die Amerikaner das Phänomen, wenn eine Mannschaft nicht wahrgenommen wird. Das lag in Seattle aber nicht nur an der sportlichen Mittelmäßigkeit der Hawks. Sondern am gesamten Image der Mannschaft (Mannschaftsfarben: das wenig begeisternde Hellgrün und Hellblau) und der Region (der graue, regnerische Nordwesten).

Größte „Stars“ der Hawks neben Largent über lange Zeit: Coach Chuck Knox und das Stadion – die spektakuläre Halle Kingdome.

Bröckeln

Der Kingdome galt als eines der lautesten Stadien der NFL – deswegen haben die Seahawks irgendwann die grandiose Idee gehabt, die #12 nicht mehr zu vergeben, sondern für die Fans zu reservieren. Dumm, dass bereits Mitte der 90er das Stadion Alterserscheinungen zeigte, und zwischendurch sogar Teile aus der Betondecke auf das Spielfeld herunterprasselten.

Auf dem Feld ging weiter nicht viel, trotz der schwachen AFC West. Fehleinkäufe wie QB Rick Mirer machten es auch nicht besser. Das Revolutionärste aus Seattle für die NFL: Die Einführung von Instant Replay – und zwar nach einem Phantom-Touchdown gegen die Hawks anno 98.

Der Gutmensch

Mitte der 90er wollten die Eigentümer mit den Hawks in den sonnigen Süden abwandern. Auftritt Paul Allen, seines Zeichens Microsoft-Mitgründer und Sportfan. Allen kaufte die Seahawks, installierte innerhalb kurzer Zeit Starcoach Mike Holmgren (Superbowl-Champ mit den Packers) und ließ ein neues Stadion bauen. Die Leistungskurve zeigte schnell nach oben.

„Mitschuldig“ daran auch: Der Wechsel der Seahawks zurück in die mittlerweile schwächere NFC. Grund dafür: Die Divisionen wurden auf vier Teams verkleinert, und da Houston und nicht Los Angeles das 32. NFL-Team bekam, brauchte es in der NFC ein viertes Team für die West-Division. Die NFC West entwickelte sich in den folgenden Jahren zur schwächsten der Liga. Gut für Seattle.

Der Softie

Holmgren kaufte einen ehemaligen Schützling aus Green Bay ein, QB Matt Hasselbeck, ein No-Name. Weitere Verstärkung: RB Shaun Alexander, zuständig für extrem viele Yards und Touchdowns, aber wenig ernst genommen, weil er a) hinter einer überragenden Offense Line spielen durfte, b) viele 1yds-TDs machte und c) als Softie verspottet war. Trotzdem: 2005 war Alexander NFL MVP, eine Sensation, wenn man Historie und Image der Seahawks im Hinterkopf behält.

2005 war die Saison. Dank einer grottenschlechten NFC marschierte Seattle durch, bis in die Superbowl XL. So richtig ernst wurden sie dennoch nicht genommen – die #6 der AFC Pittsburgh war im Finale Favorit über die #1 der NFC Seattle. Die Seahawks verloren die Superbowl dann auch 10-21. Eigentlich schade, denn man schaltete um 4h morgens das TV-Gerät aus und dachte sich: Mönsch, die Hawks waren doch eigentlich die bessere Mannschaft. Ein Mix aus fehlender Kaltschnäuzigkeit, (vorsichtig gesagt) unglücklicher Referee-Arbeit und Pech verwehrten den eigentlich in diesem Spiel verdienten Titel.

Das Hier und Jetzt

Seitdem ging nicht mehr allzu viel. RB Alexander verschwand nach dem Abbau der Offense Line mit Multimillionenvertrag innerhalb von zwei Jahren völlig von der Bildfläche und Seattles Fast-Meistermannschaft gleich mit. Dann kam Pete Carroll (ex-Pats, ex-USC) der Coach. Die erst eher wenig weitsichtig ausschauende Personalpolitik Carrolls war 2012/13 extrem erfolgreich, und man kam unter dem jungen QB Russell Wilson in die Playoffs.

Das Nest

Die Seahawks spielen im Quest Field (67.000 Plätze). Ein spektakuläres und als extrem laut geltendes Stadion. Von den oberen Rängen hat man einen Blick in die futuristische Innenstadt Seattles. Auch aktuell gilt: Der Star ist das Stadion.

Quest Field in Seattle, Seattle Seahawks

Quest Field in Seattle – ©Flickr

Rivalitäten

Remember? Graues Image. Die Seahawks haben in ihrer über 30jährigen Geschichte nicht wirklich so was wie eine heiße Rivalität aufbauen können. Das mag auch am zweimaligen Conference-Wechsel liegen. Auch die Tatsache, dass man in den letzten Jahren die grottenschlechte NFC West in Grund und Boden spielte, hat an der Situation nichts „verbessert“. Die drei Divisionsrivalen Arizona, St Louis und San Francisco waren zu beschäftigt mit sich selbst, als dass sie sich mit den Seahawks hätten fetzen können.

Als man in der Superbowl XL das ungute Gefühl hatte, Seattle wäre eher benachteiligt worden, hörte man kaum was in den amerikanischen Medien. Für Coach Mike Holmgrens Klagen über die NFL war wenig Verständnis zu spüren.

Eckdaten

Gegründet: 1976
Besitzer: Paul Allen (Microsoft)
Division: NFC West
Erfolge: Superbowl-Verlierer 2005, 11x Playoffs (8-11) – Stand 2013.

NFL Wochenendhäppchen #16: Schnee! Schnee! (Update)

[Update: Sunday Night Game ist nicht San Diego – Cincinnati, sondern Philadelphia – Minnesota.]

[Neues Update: In Philadelphia fällt während des geplanten Spieltermins massiv Neuschnee. Dank Blizzard wird das Spiel auf Dienstag verschoben. Termin: Di./Mi., 02h. Noch keine Angaben von ESPN America über evtl. Übertragung eingetroffen.]

Ich kann mich nicht erinnern, dass es in den letzten Jahren so lange so spannend im Playoffrennen zugegangen ist. Kein Team, das 14-0 startet oder schon Wochen vor dem Jänner die Spiele abschenken kann. Ist es Zufall oder hängt es auch damit zusammen, dass die NFL seit diesem Jahr verstärkt und mit Absicht die Divisionsspiele auf die letzten zwei Wochen eingebaut hat? Auf jeden Fall gibt es am Weihnachtswochenende eine ganze Latte an wichtigen Spielen.

Arizona Cardinals – Dallas Cowboys

Sa./So. 1h30 live bei ESPN America

Wo eine Regel, da eine Ausnahme. Dieses Spiel ist vermutlich das Uninteressanteste überhaupt und weiß der Teufel, warum ausgerechnet diese Partie nicht unter Flex Scheduling fallen konnte. Bemerkenswert allenfalls: WR Larry Fitzgerald könnte schon eine Woche vor Saisonende die 1000yds-Marke knacken. Bemerkenswert deshalb, wenn man sich die Quarterbacks der Cardinals in dieser Saison anschaut: Derek Anderson, Max Hall, John Skelton.

Chicago Bears – New York Jets

So. 19h live bei ESPN America

Schnee! Schnee!

Chicago hat dank perfekter Divisionsbilanz die NFC North schon gewonnen – es geht aber noch um Seed #2. Die Bears sind in letzter Zeit immer souveräner geworden und wäre da das Spiel gegen New England nicht passiert, man würde sie sehr ernst nehmen müssen. So bleiben aber noch einige Fragezeichen. Grad sehr schwierig war der Spielplan nicht und im Grunde wurde nur eine ernstzunehmende Mannschaft geputzt (Philadelphia; Green Bay war zu Saisonbeginn nur mau).

Die Jets hatten einen schweren Spielplan und stehen wie Chicago bei 10-4. Allerdings waren viele Siege sehr knapp und mehr herausgewürgt, denn überzeugend herausgespielt. Aber die Defense ist unangenehm und lässt nicht viele Punkte zu. Die Jets haben andere Probleme: In der Offensive muss das Laufspiel durchgedrückt werden, um QB Mark Sanchez effektiv spielen zu lassen. Sanchez bringt gerade mal 54% seiner Würfe an den Mann, vermeidet aber so gut es geht die INTs. Dumm, dass wir es bei Chicago mit einer der härtesten Laufverteidigungen überhaupt zu tun haben (#3, 89yds pro Spiel).

Außerdem wartet schon das nächste Störfeuer: Deadspin will herausgefunden haben, dass es sich bei diesen Videos um Rex Ryans Frau und hinter der Kamera Rex Ryan handelt. Sicher, nichts Schlimmes. Aber der Boulevard wird das noch ausschlachten.

Schwieriges Spiel. Sanchez kann nicht wie Brady ein Passfeuerwerk hinlegen und die Jets damit verbrennen. Aber ansonsten trifft hier Stärke auf Stärke: Laufoffense Jets gegen Laufdefense Bears. Defensive Line Bears gegen Offensive Line Jets. Cutler gegen die nicht schwache Secondary der Jets. Dazu kommt: Die Jets werden Returner-Genie Devin Hester vermeiden wie Rex Ryan die Abgeschiedenheit – das führt zu besseren Feldpositionen für Chicago. Mein Tipp: Chicago.

Green Bay Packers – New York Giants

So., 22h15 live bei ESPN America

Für beide war das letzte Wochenende kein Gutes – beide haben fast keine Chance mehr auf den Divisionstitel. Daher gleicht diese Partie einem Endspiel um die letzte Wildcard in der NFC. Grund dafür: Die dritte Konstante Saints (10-4), die zweimal ganz böse patzen müssen, um ihre Wildcard noch zu verlieren.

Es geht hier also aller Wahrscheinlichkeit um Seed #6 in der NFC. Packers (8-6) gegen Giants (9-5). Die Giants sind mit einem Sieg durch. Die Packers haben es mit einem Sieg in der Hand, könnten mit einem weiteren Sieg zum Saisonschluss gegen Chicago das Ticket buchen. Von daher ist es für beide ein Friss-oder-Stirb-Spiel.

Green Bay darf froh sein, dass QB Aaron Rodgers wieder da ist. Backup Matt Flynn hat wirklich nicht schlecht ausgesehen. Wenn’s um die Wurst geht, ist Rodgers aber unverzichtbar. Green Bay ist offensiv sehr eindimensional, sehr auf den Pass ausgerichtet.

In der Defense sind die Packers vor allem gegen den Pass schwer zu überwinden. New York besitzt mit QB Eli Manning denn Mann mit den meisten INTs ligaweit (20). Die Packers sind #5 bei abgefangenen Bällen (18)… Ich vermute aber, dass aufgrund des Wetters, der heiklen Receiver-Situation und der starken Passdefense der Giants-Fokus eher auf dem Laufspiel liegen wird. Mit RB Bradshaw und RB Jacobs ist man diesbezüglich nicht schlecht aufgestellt.

Fraglicher ist die psychologische Situation nach dem fassungslosen Kollaps gegen die Eagles. Jetzt geht es nach Green Bay. Es wird Temperaturen unter 0°C haben und vermutlich schneien. Ich gebe Green Bay einen kleinen Vorteil.

San Diego Chargers – Cincinnati Bengals

So./Mo., 02h20 live bei ESPN America

Vor einem Jahr war das ein Spiel zweier Playoffmannschaften, „angereichert“ durch die Emotionen des kurz zuvor verstorbenen Bengals-Receiver Chris Henry. Diesmal herrscht in Cincinnati gruselige Stimmung. WR Ochocinco wird ausfallen und schießt via Twitter gegen Head Coach Marvin Lewis. Der andere egomanische WR Terrell Owens unterstellt öffentlich Owner und Coach Inkompetenz und wird in zwei Wochen aus der Stadt vertrieben sein. In Cincy herrscht Endzeitstimmung. Man „spielt“ noch um den #1-Pick: 3-11.

Gegner San Diego wird zwar auf TE Antonio Gates verzichten müssen, doch mit der Wiedergeburt von WR Vince Jackson und der Glanz-Saison von QB Philip Rivers haben die Chargers ganz große Trümpfe. Die Chargers MÜSSEN siegen, um ihre kleine Chance aufrecht zu erhalten – und gleichzeitig auf einen Ausrutscher der Chiefs hoffen. Auch von der psychologischen Situation spricht daher alles für die Bolts.

Klarer Sieg der Bolts.

[Update: Danke, malikshabazz. Hatte den Spieletausch nicht auf dem Radar, sorry. Sunday Night Game ist Philadelphia – Minnesota und wird dementsprechend bei ESPN America gezeigt. Damit kein San Diego und kein Cincinnati.]

[Neues Update: Sunday Night Game Philadelphia – Minnesota wegen Schneesturms verschoben auf Dienstag (s.o.). Die Vikes-Spiele stehen heuer offenbar unter keinem guten Stern.]

Tampa Bay Buccaneers – Seattle Seahawks

Mo. 15h als Tape bei ESPN America

Verkehrte Welt in Tampa. Die Buccs spielen eine insgesamt überraschend starke Saison, liegen bei 8-6 Siegen – und werden die Playoffs aller Wahrscheinlichkeit nach verpassen. Gegner Seattle liefert eine sehr graue, unauffällige Saison, liegt bei 6-8 Siegen – und hat die etwas besseren Karten für die Playoffs als Tampa, sofern im Parallelspiel St Louis gegen San Francisco gewinnt. In diesem Falle könnten die Seahawks aus eigener Kraft mit einem Heimsieg gegen St Louis die Playoffs erreichen. Sollte jedoch San Francisco die Rams putzen, würde Seattle im letzten Spieltag selbst bei eigenem Sieg über die Rams auf eine Niederlage von San Francisco zuhause gegen Arizona angewiesen sein.

Grund hierfür sind die komplizierten Tie Breaker. Ich hab grade in Excel die Möglichkeiten durchgespielt. Sollten alle drei Teams die Saison mit 7-9 beenden, und dafür gibt es nur eine Konstellation, steht San Francisco in den Playoffs. Beenden Seattle und St Louis die Saison beide mit 7-9, ist je nach Szenario der eine oder andere durch.

Das Playoff-Bild in der NFC West

Für San Francisco gilt: Gewinnen sie beide Spiele und verliert Seattle auch nur eines seiner beiden Spiele, stehen die Niners in den Playoffs. St Louis spielt in dem Fall keine Rolle mehr.

Für Seattle gilt: Nur mit zwei Siegen ist man sicher durch. Verliert man eines der beiden Spiele, ist man auf eine Niederlage der 49ers angewiesen.

Für St Louis gibt es nur zwei Möglichkeiten: Beide Spiele zu gewinnen. Und beide Spiele sind auswärts. Oder: Gegen Seattle gewinnen und auf eine Heimniederlage von San Francisco gegen Arizona zu hoffen. St Louis muss aber auf jeden Fall gegen Seattle gewinnen.

Fest steht: Seattle hat die Schlüssel in der Hand und empfängt mit zwei Siegen die #5 der NFC. Die Seahawks fliegen total unter unser aller Wahrnehmung und werden für uns im TV erstmals am Montag zu sehen sein. Trotz katastrophaler Pass-Defense und trotz nicht vorhandenem Laufspiel und trotz der extremen Fehleranfälligkeit von QB Matt Hasselbeck: Die Seahawks würgten sich zu sechs Siegen. Wie? No Idea. In allen Yards-, Effizienz- und Turnover-Statistiken ist man im unteren Drittel oder schlechter angesiedelt. Zudem hat man 84 Punkte mehr kassiert, als erzielt, was u.a. daran liegt, dass man sich in einigen Spielen gegenwehr- und willenlos abschlachten hat lassen.

Tampa Bay dagegen ist eine der positiveren Überraschungen der Saison. Die Mannschaft bewegt den Ball vornehmlich via Running Backs, und vor allem Ex-Duck LeGarrette Blount hat sich dabei bewiesen. Blount ist nicht gedraftet worden nach seinem Faustschlag gegen eine Boise-State-Spieler, zeigt aber Bestleistungen und hat 777yds und 6 TDs erzielt. Dazu gesellen sich Publikumsliebling Cadillac Williams und der laufstarke QB Josh Freeman mit jeweils über 300yds.

Freeman ist der Mann des Jahres in Tampa. Ein großgewachsener, mobiler QB mit dem Riecher für Comebacks. Freeman hat sich in Windeseile zu einem meiner Lieblings-QBs in der NFL entwickelt – ein unerschrockener Mann mit Eisvenen unter Druck. Die Defensive Line der Buccs ist trotz des hohen Draftpicks DT McCoy (steht schon auf der injuried reserve) schwach gegen den Lauf und schwach im Pass Rush. Dafür besitzt Tampa eine hervorragende Secondary.

Tipp: Tampa. Auch wenn es für die Buccs wohl trotzdem nicht für die Playoffs reichen wird.

Oakland Raiders – Indianapolis Colts

Mo. 17h als Tape bei ESPN America

Auch hier verschiedene Vorzeichen für beide. Indianapolis ist mit zwei Siegen durch und #3 oder #4 in der AFC, Oakland braucht ebenso zwei Siege und eine Menge anderer Hilfen, hat also praktisch keine Chance mehr.

Trotzdem sind die Raiders eine der besseren Geschichten der NFL. Mann des Jahres ist sicherlich RB Darren McFadden, der phasenweise wie zu Hogs-Zeiten spielte. McFadden ist aber eine launische Diva, nicht immer so explosiv wie möglich. Das Passspiel ist bei QB Jason Campbell in den besseren Händen als bei seinen Konkurrenten, aber Campbell wird dir kein Spiel allein gewinnen. Oakland braucht viel Laufspiel und viel Special Teams zum Erfolg.

Eigentlich wäre Indianapolis ja wie gemacht für die Raiders: Viel Passspiel, schwach gegen den Lauf. Oakland besitzt eine hervorragende Verteidigung gegen das Passspiel und sollte mit seinen Running Backs wie geschaffen sein für die softe Colts-Defense. Und der Wetterbericht sagt auch böiges und sehr regnerisches Wetter bei Temperaturen um die 5°C voraus.

Eigentlich nicht schlechte Voraussetzungen für Oakland. Eigentlich. Es fällt mir aber recht schwer, gegen QB Peyton Manning zu setzen. Für die Raiders dürfte Manning abgewichst genug sein.

Zum Monday Night Spiel Atlanta – New Orleans gibt es im Laufe des Wochenendes einen eigenen Blogeintrag. Ich wünsche derweil ein frohes Weihnachtsfest, ein paar schöne Tage mit der Familie und für Sonntag einen spannenden Footballabend!