Was ich mir einst zusammenspann

Super Bowl XLV ist um. Zeit für einen kurzen Rückblick auf meine Tipps und Saisonprognosen.

Was ich an Samstagen fabulierte

Week 1: 10-6
Week 2: 8-8
Week 3: 8-8
Week 4: 8-6
Week 5: 7-7
Week 6: 8-6
Week 7: 9-5
Week 8: 8-5
Week 9: 7-6
Week 10: 6-8
Week 11: 11-5
Week 12: 11-5
Week 13: 10-6
Week 14: 12-4
Week 15: 12-4
Week 16: 10-6
Week 17: 14-2

Der Saisonstart war, wie ersichtlich, eher bescheiden. Aber ab Woche 11, der Woche des Patriots/Colts-Spiels, ist irgendwo ein Schalter umgelegt worden. Finale sieben Wochen der Regular Season: 80-32 (.714). Das wäre eine Top-Quote.

In den Playoffs brauchte ich die letzten beiden Spieltage, um nach einem schwachen Divisional-Weekend noch .500 zu übertrumpfen.

Wild Card Weekend: 2-2
Divisional Playoffs: 1-3
Conference Championships: 2-0
Super Bowl: 1-0

Tipps nach Regular Season und Playoffs: 165-102 (.617). Ordentlich und besser als eine ganze Reihe an ESPN-Experten. Aber verbesserungswürdig.

Was ich im Sommer zusammennähte

AFC – Drei von vier Divisionsgewinnern waren korrekt getippt (mit Ausnahme der Chiefs). Die Wildcards hatte ich an Baltimore und Tennessee vergeben. Will heißen: Vier von sechs Playoffplätzen richtig vergeben. Wäre okay.

NFC – Über meine Divisionstipps würde ich lieber den Mantel des Schweigens breiten (Washington, Minnesota, Carolina, San Francisco). Was hatte ich mir dabei gedacht? Nun, die NFC East schien mir sehr mau zu sein. Die Dallas Cowboys hielt ich (im Nachhinein zurecht) für ein gnadenlos überschätztes und vor allem nervenschwaches Team, das mit dem Druck „Superbowl @ Home“ nicht klar kommen würde. Philly unter QB Kolb mit einem Übergangsjahr. Die Giants mit Eli Manning. Washington dagegen mit QB McNabb und einer sehr ordentlichen Defense. Dass Mike Shanahan sein Ego über den Aufbau der Mannschaft stellte, konnte ich nicht wissen.

Carolina? CAROLINA? Jo, Megafail. Ich hatte gedacht, dass das Laufspiel mit Williams/Stewart funktionieren würde und QB Moore hatte mir auch gefallen. Plus einie Defense von John Fox betreut. Plus New Orleans, die ich für einen völlig unbekannten Faktor hielt: Eine Defense mit vielen Turnovers und vielen Yards (das geht meist nicht länger als ein Jahr gut) plus die mentale Entspannung. Atlanta, das ich für etwas leblos befand (und sich herausstellte, dass sie bloß keine Explosivität besitzen). Tampa hatte ich ganz ehrlich nicht auf dem Schirm. Die haben mich begeistert.

Zu den guten Nachrichten: Mit Green Bay und New Orleans 2/2 der Wildcards korrekt vergeben. Insgesamt aber nur 2/6 der NFC-Playoffplätze im Sommer vorhergesehen. Schwer ausbaufähig.

Playoffs – In der AFC hatte ich San Diego als Sieger getippt. Dumm, dass die Chargers zwar statistisch quer durch die meisten Kategorien das Topteam der Liga waren, aber durch ihre Laxheit die Playoffs gänzlich verpassten. Der Superbowl-Tipp der NFC: Green Bay. Der war dann wieder korrekt. Ich hatte die Vince Lombardi Trophy dann allerdings in Südkalifornien Party machen sehen. Alles in allem schäme ich mich aber nicht dafür.

MVP – Hatte ich an Tom Brady vergeben. Volltreffer.

Coach des Jahres – John Fox. Uppppppppppppps.

Offensivspieler des Jahres – Matt Schaub. Es ware mit RB Foster ja fast einer von den Texans geworden. Durch Fosters Aufstieg war Houston aber weniger passlastig, und Schaub machte „nur“ 4117yds und 23TDs via Luftweg. Den Titel holte sich am Ende auch Brady.

Defensivspieler des Jahres – Mario Williams. Noch ein Texan? Noch ein Fehltipp.

Offensiv-Rookie des Jahres – Sam Bradford. Voll ins Schwarze getroffen.

Defensiv-Rookie des Jahres – Ndamukong Suh. Ich gebe zu, der war nicht schwer zu tippen.

Dass ich auch wirklich nicht lüge: Hier ist der schriftliche Beweis, dass ich wirklich so getippt habe.

Super Bowl 2011: Pittsburgh Steelers – Green Bay Packers

Am nächsten Morgen

Ein paar unsortierte Gedanken noch zum Spiel:

WR Jordy Nelson mit einem komischen Spiel. 9 Catches für 140yds schaut großartig aus und ist es auch. Aber Nelson hatte auch drei verblüffende Drops, mindestens zwei davon schmerzhaft, weil sie Drives gekillt oder Touchdowns gekostet haben. Spricht dafür, wie fantastisch der GamePlan der Packers war, dass es trotz dieser Individualfehler so krasse Stats hagelte.

DE Howard Green war mitentscheidend. Null Tackles, null Sacks. Aber Green war dafür verantwortlich, dass Roethlisbergers Pass im ersten Viertel zu kurz geraten ist, abgefangen und zum TD returniert wurde.

OLB Clay Matthews hat das Defensiv-Duell mit Troy Polamalu klar gewonnen. Ich hätte Matthews sogar in den MVP-Mix geworfen. Er war dafür verantwortlich, dass Pittsburghs Momentum drehte. Erst mit einem Energieanfall (abgefälschter Pass) und dann mit dem provozierten Fumble. Green Bay macht den TD und hatte 11 Punkte Vorsprung.

Ich wundere mich immer noch, warum Green Bay kurz vor Schluss nicht auf Touchdown gegangen ist. Sie hätten das Spiel eingetütet gehabt. Oder bei drei Punkten hätte Pittsburgh zum Sieg genau das Gleiche benötigt (Touchdown). Ich hätte ausgespielt. Aber letztlich war es egal.

Ich bleibe dabei: Pittsburgh hat das Spiel entscheidend mit-vergeigt. Drei Turnovers, von denen mindestens zwei nicht notwendig waren. Aber auch: Optische drückende Überlegenheit in den ersten 15-17 Minuten der zweiten Halbzeit. Daraus entsprangen 7 Punkte. Das war zu wenig. Die Big-Ben-ist-so-gut-wie-Brady-Rufe werden erst mal verstummen.

Und ich hätte gerne nochmal den Nelson-Catch im letzten Touchdown-Drive der Packers gesehen. Der, als Nelson rechts draußen am Boden den Ball gefangen hat. PIT hatte noch eine Challenge und ein Timeout. Ich denke, eine Challenge wäre es wert gewesen, da der Ball ziemlich Bodenkontakt zu haben schien. Stattdessen hatte Green Bay ein 1st down (statt Punt), und ein paar Plays später den Touchdown.

Lingerie Bowl VIII: Los Angeles Temptation 26, Philadelphia Passion 25.

Ah ja. Frau Aguilera nach dem Gekreische samt falschem Hymnentext:

I can only hope that everyone could feel my love for this country and that the true spirit of its anthem still came through.

True spirit. Meine Fresse. Die NFL täte seit Jahren gut daran, etwas weniger extravagante HymnensängerInnen aufzubieten. Das war nur die Spitze allen Übels heute Nacht.

Nach dem Spiel

[04h38] Ein paar Positives:

Die Saison ist zu Ende. Ganz ehrlich. Es wurde Zeit. Wenn du freitags und samstags nicht schläfst und dann sonntags bis 3-4h morgens Football schaust… Das schlaucht irgendwann.

Das Spiel. War nicht hochklassig, aber spannend bis zum Schluss. Und hat mir mit dem Ergebnis noch einen positiven Playoff-Record verschafft: 6-5, nach 3-5 vor den Conference Championships.

Die TV-Kanäle. Auch ganz ehrlich. Ich habe teilweise ARD verfolgt und ich fand es wie schon geschildert recht angenehm. Witte/Froberg ließen am Ende etwas nach. Aber dafür gab’s die Italiener. Rattenscharfes HD-Bild und eine Kommentatorenkabine, in der es so hoch herging wie seit dem WM-Halbfinale 2006 nicht mehr. Ugo Francisco Nava wird seine Stimme nun 1-2 Tage schonen müssen.

[04h32] Ein paar Negatives:

Offizielle Zuschauerzahl: 103.219 und damit kein neuer Rekord für Superbowls. Als Blamage darf man ruhig die Aktion werten, dass die NFL Tickets für nicht vorhandene Plätze verkaufte.

Die Hymne, Baby. Nicht nur das haarsträubende Geschrei von Mrs. Aguilera. Nope, Aguilera hat auch noch den falschen Text gesungen.

Die Siegerehrung. Wie jedes Jahr. Mit dem Stil der Amis, den Sieger zu prämieren, werde ich nicht warm.

[04h26] Man Of The Day: Ted Thompson, GM der Packers, derv or drei Jahren Favre rausgeekelt hat und Rodgers installierte. Thompson musste dafür erhebliche Hasstiraden ausstehen, aber Fakt ist: Rodgers hat nach 3 Jahren genauso viele Titel für Green Bay gewonnen wie Favre in seinen 16 Jahren Packers.

[04h19] Aaron Rodgers ist MVP. 426 PS für Rodgers.

Mark Murphy nimmt die Trophäe entgegen. Der CEO. As expected. Gerade hält McCarthy die Siegerrede. Trocken, dass der Staub aufgeht.

Das vierte Viertel

[04h05] Endstand Green Bay 31, Pittsburgh 25. Incomplete. Green Bay ist Superbowl-Champ. Und bitte sofort einen Herzschrittmacher in die La7-Zentrale!

Green Bay gewinnt die Super Bowl XLV, weil sie opportunistischer waren. 3 Turnovers erzwungen und daraus das Maximum gemacht: 3 Touchdowns. 21 Punkte. Pittsburgh war im dritten Viertel gefühlt haushoch überlegen, brachte aber nicht mehr als einen Touchdown zustande. Dann folgte der Fumble, weswegen OLB Matthews (nachdem er schon zuvor einen Drive per Energieanfall getötet hatte) im Prinzip den MVP-Titel verdienen könnte. Aus dem Fumble machte Green Bay den Touchdown.

Angesichts der massiven Verletzungen ist Green Bay der Titel absolut zu vergönnen. Nicht nur über die Saison viele Verletzungen. Auch heute: WR Driver, CB Shields und vor allem CB Woodson haben über weite Strecken massiv gefehlt.

Die Packers haben das Spiel trotzdem gewonnen. Aber Pittsburgh hat es ihnen zu einem großen Teil in die Hände gelegt.

[04h02] 1:55 Minuten für PIT. 1 Timeout. 87 Yards. Für die Overtime braucht es einen Touchdown und einen Shame-Suisham-Moment. Mit TD + P.A.T. gewinnt Pittsburgh. Alles andere bedeutet: Sieg Green Bay. Hoffentlich hält die Stimme des Kommentators.

[03h57] Green Bay 31, Pittsburgh 25. 2:07 vor Schluss ein FG, nachdem die Packers nahe der Goal Line das 4th down nicht ausspielen. Ich hätte ausgespielt. PIT hätte immer einen Touchdown zum Sieg gebracht. Jetzt ist es halt so, dass PIT einen TD machen MUSS. Wilder Drive, u.a. einem fantastischen Catch von WR Jennings nach einer Slant-Route.

[03h45] Green Bay 28, Pittsburgh 25. TD #17 Wallace,… und bei La7 kriegt einer gleich einen Herzinfarkt nach handgestoppten zweieinhalb Minuten Jubelarien.

Green Bay wirkte phasenweise etwas „Bend but don’t break“. Kaum Druck für Roethlisberger und ziemlich viel Platz für die Receivers. Erstaunlich, bei fast 10mins to go. Und dann ein einfacher Pass halblinks raus, und Wallce kann durchlaufen. Bei der 2pt-Conversion zwei Pitches und am Ende vollendet Randle El. Es bleibt spannend.

Und der Mann hat wieder Luft gefunden. Gott sei Dank, wir wollen alle, dass es so weiter geht 🙂

[03h31] Green Bay 28, Pittsburgh 17. TD Greg Jennings, 8yds-Pass. Sekundenlange Arien in der Kommentatorenkabine von La7.

Ereignisreicher Drive. Erst macht #87 Nelson einen haarigen Catch an der Sideline zum 1st down. Tomlin lässt das Schneuztuch stecken, aber auch wenn PIT nur mehr ein Timeout hat: Ich hätte geworfen. Das war haarscharf.

Dann wieder Nelson in Aktion mit einem haarsträubenden Drop (nicht der erste heute).

Zwei Plays später macht WR Nelson doch das 1st down, und mehr: Er bricht durch an die 3yds Line. PIT wird bestraft dafür, dass sie beide CBs in Nelsons Nähe auf Blitzroute schicken. Nelson ist völlig frei und hat gegen FS Clark leichtes Spiel.

Nach Sack gegen Rodgers macht Rodgers unter Druck den Wurf in den Winkel der Endzone. 21 Punkte nach Turnovers für die Packers. Unfassbar, dass Pittsburgh nur 7 Punkte aus eineinhalb Vierteln Überlegenheit schlagen konnte.

[03h25] BIG MOVE! BIG MOVE! Von links rauscht OLB Matthews herein und prügelt den Ball mit Helm und Körperwucht förmlich aus dem Arm von RB Mendenhall. #55 Bishop nimmt den Ball auf. PIT wäre in Reichweite von Punkten gewesen.

Das dritte Viertel

Klar dominiertes Viertel von Seiten der Steelers: „Nur“ 7-0 Punkte, aber vor allem sind sie jetzt mental obenauf. Falls jemand jemals den Wert von CB Woodson infrage gestellt haben sollte: Das ist der Gegenbeweis. Seit Woodsons Aus läuft Pittsburghs Offense ziemlich geschmiert. Green Bay leistet sich aktuell vor allem viel zu viele Strafen. Nicht einfache Strafen. Saudumme Strafen.

[03h17] Na also. Gab heuer eine Serie an bizarren Entscheidungen, aber die ist IMO eindeutig richtig. Packers müssen punten. Und die 15yds-Strafe nach dem Faustschlag von Tramon Williams dürfte noch mehr weh tun.

[03h15] Und dann kommt Mike McCarthy mit dem Fehler: Lässt einen glasklar inkompletten Ball challengen. Ich fress einen Besen, wenn der Ball komplett gegeben wird.

[03h11] Im Spielbericht wird über diese beiden Drives stehen: Then both traded punts. Beide haben ihre Chance, beide kriegen den Ball nicht über die gelbe Linie. WR #17 Wallace wird zweimal in Folge übel niedergeknüppelt. Nach dem Punt mittlerweile vertrautes Bild: Mal wieder ein Packer mit einem Personal Foul (#38 Williams). Unglaublich, was machen die jetzt?

[03h01] Und Matthews macht fast das Big Play. Fälscht einen Ball ab und macht fast die INT. Danach Lauf für -4yds und Sack. Drive abgewürgt und dann schlägt „Shame“ Suisham wieder zu. Field Goal drei Kilometer links danebengeschossen. Irgendwo im vierten Rang ist grad ein Fan glücklich geworden.

[02h58] Pittsburgh marschiert. Big Ben verpasst einen kilometerweit offenen Receiver auf alleiniger Flur in die Endzone, trotzdem wird das neue 1st down gleich danach gemacht. Green Bay braucht ein Big Play. Es wird Zeit für Clay Matthews – einer muss wieder das Feuer entfachen!

[02h49] Alle Pendel schlagen grad in Richtung Steelers aus. Im 5-WR-Set kann WR Nelson einen Ball nicht kontrollieren. Ein Play später kollabiert die Pocket, #92 Harrison begräbt Rodgers unter sich. Pittsburgh kann jetzt sogar die Führung übernehmen!

[02h44] Green Bay 21, Pittsburgh 17. Green Bay hat in den Selbstzerstörungsmodus umgeschaltet. 3-4 Strafen für mehr als 30yds. Pittsburgh hat nur mehr 50yds in die Endzone – und braucht 5 Plays. Es wird gelaufen, gelaufen, gelaufen. RB Mendenhall kriegt erst die Kamera an der Seitenlinie voll dahin, wo’s richtig weh tut. Und macht ein paar Augenblicke später den TD. Ein Loch aufgeblockt, so breit wie die Autobahn zwischen München und Nürnberg.

Rekord-Comeback in der Superbowl: Ende der 80er, Redskins gegen Broncos (10 Punkte).

[02h37] Kollege im Ohr. PULS 4 kriegt starke Kritiken. Reiterer angeblich on fire. Ob die Jungs aber so Gas geben wie die italienischen Kumpels, wage ich arg zu bezweifeln.

[02h36] Green Bay kommt fehleranfällig raus. Erst eine Reihe an Strafen. Dann 3rd and 6: Rattenscharfer Ball auf WR James Jones, der durchlaufen könnte. Und den Ball durch die Finger glitschen lässt… Für die Spannung ist das gut.

[02h33] CB Charles Woodson kommt in Trainingshosen aus der Kabine und muss krätig schlucken um nicht zu weinen. Botschaft: Spiel zu Ende. Für die Packers ist das verheerend.

Halbzeit

[02h27] WR Driver, CB Woodson und CB Shields sind questionable. Hmm…

[02h25] Halbzeitshow (hab nur mit einem Auge zugesehen): Naja. Ich bin Anfang 20er, aber mein Ding ist das trotzdem nicht. Sängerisch aber besser als Christina Aguilera, die aufgrund ihrer Performance noch durch die Medien geprügelt werden wird. Nicht nur fürchterlich gesungen, sondern sogar falsch. Und irgendwo kann eine Sängerin mitfühlen…

[02h20] Ungut für Green Bay: CB Woodson und CB Shields sind vorerst ausgeknockt. Pittsburgh hat die Schwächen gegen Halbzeitende ausgenutzt. Das kann noch interessant werden.

Das zweite Viertel

[02h06] Halbzeit Green Bay Packers 21, Pittsburgh Steelers 10. Brutal wichtiger Anschluss-Touchdown kurz vor der Pause. Im Prinzip lief es lange Zeit so, dass Green Bay die Passempfänger eiskalt abdeckte und das sensationell gut machte. Das Laufspiel wurde meist im Ansatz vernichtet. Druck brauchte es nur bedingt. Im letzten Drive warf Roethlisberger schneller. WR Randle El zeigte als Erster mit seinem Rumpelstilzchen-Tanz, dass noch Leben drin ist. Dann folgte der TD.

Green Bay kriegt in Viertel #3 als Erstes den Ball. Bisher eine beeindruckende Vorstellung der Offense. Nach einem halben Viertel Suche spielten die Packers erst mit einer I-Formation, gegen Ende der Halbzeit plötzlich auf Spread Offense zu wechseln. Die Steelers mit vielen zusätzlichen Pass-Rushern, aber sie kommen nicht schnell genug durch und Rodgers findet seine Leute schnell.

Pittsburgh ist aus noch nicht tot. Aber alle drei Mannschaftsteile müssen eine Schippe Testosteron zulegen.

[01h58] Green Bay 21, Pittsburgh 10. Woodsons Ausfall ist bitter. Green Bay verstärkt zwar den Druck, aber in der Endzone ist WR Hines Ward trotzdem weit offen und Roethlisberger kriegt den Ball noch rechtzeitig an. 7 Plays, 77yds und die Message ist klar: Die Steelers bleiben gefährlich.

[01h55] Routinierstreffen in der Packers-Kabine: Nach WR Driver muss jetzt auch CB Woodson nach einer atemberaubend guten Pass-Abwehr an der Goal Line raus.

[01h52] Harhar. Da haben Leute Tickets gekauft, für die es im Stadion gar keine Sitze gibt. Tickets für gepflegte $800. Jetzt zahlt die NFL den Leuten das DREIFACHE zurück. So kann man auch seine Kröten verdienen.

[01h47] Green Bay 21, Pittsburgh 3. Was zum Mitdenken. Green Bay kommt nach der INT mit einer Spread Offense raus, mit 4 WR und RB. Rodgers hat immer einen Receiver offen. RB Starks mit einem Energieanfall über die rechte Seite. Und dann der TD-Pass: Rodgers hat trotz fehlender Zusatzblocker viel Zeit, wirft einen lockeren Pass auf WR Jennings, der von links reinschneidet. In der Nähe sind drei Steelers (u.a. Farrior, Polamalu), aber keiner ist nahe genug dran. Jennings holt sich zwei blaue Flecken an der Goal Line – und die sechs Punkte. Das Pendel ist bedrohlich gen Green Bay ausgeschwenkt.

[01h42] Die Pittsburgh Steelers müssen extrem variieren, um überhaupt Yards zu machen. Die Packers-Defense zwingt der Offense das Spiel auf, gibt nur wenig Handlungsmöglichkeiten, tackelt sicher, ist aber bei 3rd downs zweimal offen. Das Laufspiel wird großteils im Ansatz abgewürgt. Und dann folgt die INT nach Pass über die Mitte. CB Bush fängt den Ball ab. Es läuft alles gegen die Steelers.

[01h24] Green Bay 14, Pittsburgh 3. Die Steelers schreiben an. Pittsburgh mit einer Serie an verwerteten 3rd downs, u.a. einem starken Scramble von QB Roethlisberger ein paar Sekunden, nachdem er sich das Knie gehalten hatte. Auffällig: PIT hat das Laufen über die Mitte eingestellt, über rechts geht auch nix. Der RT Flozell Adams ist verletzt raus. Pittsburgh siebte (!) Offense-Line-Kombination ist aktuell auf dem Feld.

Nur zur Veranschaulichung: PIT mit 13 Plays für ganze 49yds in diesem Drive. Es geht langsam und jedes Yard kostet Schweiß.

Das erste Viertel

Ein erstes Viertel, in dem beide Offenses sehr unrhythmisch begannen. Als erstes haben die Packers sich reingebissen, als sie immer wieder die I-Formation (u.a. auch die Strong-I) eingeführt haben. Pittsburgh hatte in der Folge Probleme, zu Rodgers durchzukommen. Rodgers warf schneller, bzw. nach Play-Action zu seinen Running Backs. Nach dem TD wollten die Steelers gleich tief gehen, aber Roethlisbergers Wurfbewegung wurde gestört. 14-0 ist happig. Und Roethlisberger, trotz Scramble, geht nicht ganz rund.

[01h07] Green Bay 14, Pittsburgh 0. Erster Spielzug. Roethlisberger mit Playaction, will links das Feld tief runterwerfen. DE #99 Cullen Jenkins DE #95 Howard Green walzt sich durch und just im Moment des Abwurfs kriegt Jenkins Green Zugriff auf Big Bens Wurfarm. Dadurch gerät der Ball 7-8yds zu kurz, fällt dem Safety #36 Nick Collins wie ein Kissen in die Arme. Collins mit einem intelligenten Return über 37yds in die Endzone. Ganz böse.

[01h03] Green Bay 7, Pittsburgh 0. Und ein paar Plays später sind die Packers in der Endzone. Rodgers ist schnell auf den Füßen, bringt erst unter Druck zwei Pässe an die Running Backs. Dann, an der 30yds Line ein ziemlich „gelupfter“ Ball nach wiederholter Playaction die rechte Seite runter, bei 3rd and 1 tief gegangen, auf WR #87 Nelson. Der Cornerback hält, aber keine Flagge. Wurscht. Nelson fängt das Ei. Und in der La7-Kabine geht es rund, als hätten die Italiener grad die Fußball-WM gewonnen. Wirklich sehr, sehr geil, was da abgeht. Von den Bildausfällen, für die die ARD offenbar nichts kann, ist bei La7 (ebenso das Bild vom World Feed) nichts zu merken.

[00h56] Green Bay bringt in der Offense jetzt hauptsächlich Formationen mit 3 WRs/2 RBs oder 2 WRs/1 TE/2 RBs, wobei häufig der zweite Running Back per Motion als Vorblocker herangezogen wird. Damit klappt es etwas besser. Rodgers kann etwas schneller werfen, das Laufspiel über RB Starks ist gleich eine Spur effizienter. Green Bay beißt sich in das Spiel.

[00h44] Die Steelers-Defense ist bisher sehr aggressiv, schickt häufig Leute auf Blitz-Routen und zerbröselt auch innen die Offense Line. Rodgers hat wenig Zeit, muss überhastet werden. Klappte einmal für großen Raumgewinn, ansonsten viele Incompletions. Steelers-Defense scheint, die Snap Counts runterzuzählen. Meist 0,01 Sekunden nach dem Snap kreuzen 4-5 Steelers die Anspiellinie. Das geht sogar so weit, dass Pittsburgh schon Strafen für Offsides kassierte.

[00h38] La7 zaubert eine unfassbare Performance hin. Gnadenlos, wie das komplette Football-Vokabular durchgeprügelt wird (was im Italienischen nochmal so putzig klingt). 1A-HD-Bild und zwei Kommentatoren… Gus Johnson in Hochform ist da nix gegen. Sich überschlagende Stimmen beim Fumble Williams nach dem Punt. Das ist zu geil. Ich denke, wir bleiben eine Runde drauf. Und ernte damit Zustimmung.

[00h33] Green Bay gewinnt den Münzwurf und „deferred“. Übrigens hätte ich bei Chris Hanburgers Statur im Leben nicht dran gedacht, dass der Mann jemals ein Linebacker war.

Pregame

[00h26] Christina Aguilera = epic fail. Das war die furchtbarste Performance bei einer Hymne, die ich gesehen habe. Mein Gott, mein Gott.

[00h22] Während die NFL ihr Patrioten-Programm (America the Beautiful & gleich die Hymne), ein Hinweis: Spox tickert auch live mit, nachdem dogfood/Allesaussersport diesmal nicht live bloggt.

[00h19] Meine Herren im Ersten: Anerkennung. Die paar Sekunden Biathlon, okay, die mussten sein. Ist verziehen. Aber ansonsten ist die Vorstellung durchaus bemerkenswert: Nütten spricht wie aus einem Guss, Spielberichte zu den Conference Finals, eine beeindruckende Kulisse durch die Gläser des Studios zu sehen und so viel Football wie noch nie während der Super Bowl, inklusive Team-Einlauf (hat’s das schonmal gegeben?). Bisher gute Wahl, die ARD zu schauen.

[00h05] [Weißwurst-Pause]

[00h03] Rödlisberger: Häkchen. Haben wir damit auch hinter uns.

[00h00] Schalte zu den $200-Idioten, die das Spiel auf der Leinwand sehen: Check. (Wird auf jeden Fall kommen. Scholt sprach von „das war’s noch nicht)

[23h54] Erstmals Fußball-Vergleichsalarm. Vergleich mit Bayern München?? Bonuspunkte für die ARD: Immer, wenn sie ins Studio hoch über dem Spielfeld schalten, sieht man, wie riesig das Stadion eigentlich ist. Ich glaube, da hat jeder der Hunderttausend reichlich Platz. Man sieht fast nicht mal das Dach. Unglaublich, war mir bisher nicht so sehr bewusst.

[23h50] Ich will den Tag nicht vor Mitternacht loben. Aber Tom Nütten, Baby: Der Mann spricht richtig fließendes Deutsch. Da war einer mächtig fleißig unterm Jahr…

…NEUNER-ALARM! Die ARD wechselt während der Vorberichterstattung zum Biathlon (Presque? – Mixed-Bewerb??). Antwerpes:

Hier konzentriert sich alles auf die Steelers und die Packers. Und wir haben einen richtigen Shooters hier bei uns. Arnd Peiffer.

Aso.

[23h41] Drinking Game Alarm. Tom Nütten, der „Deutsche“, der dendiedas Super Bowl gewonnen hat. Danke, Ralf Scholt!

[23h13] Schön langsam füllt sich hier der Raum und trudeln die Leute ein. Seminole wird in absehbarer Zeit Weißwurst und Brezeln auftischen. Grundregel hierbei in Südtirol (und in Bayern?): Nach dem 12h-Mittag-Läuten darf keine Weißwurst mehr inhaliert werden. Dauert also noch… 47 Minuten.

[22h13] Football auf italienisch. Oh my gosh. La7 überträgt Superbowl XLV! Hier der Trailer. Hier die Übertragungen, die sofort aktualisiert werden.

[21h47] Die Pittsburgh Steelers haben übrigens die Football-Simulation auf Madden NFL 2011 mit 24-20 gegen Green Bay gewonnen. Die Simulation war in der Vergangenheit recht präzise (6 von 7 zuletzt richtig), hat nur den Giants-Sieg nicht vorhergesehen. Mehrere Führungswechsel und ein spektakulärer Sieg-Touchdown von der #17, Mike Wallace.

[21h32] Was man nicht alles übersieht: Pittsburghs Ersatz-Center Doug Legursky (wird für All-Pro Pounncey heute starten!) ist in Deutschland geboren (kriegt ein in Deutschland Geborener automatisch die deutsche Staatsbürgerschaft? Wenn ja, wäre Tom Nütten nicht mehr der einzige „deutschstämmige“ Superbowl-Champ, weil Legursky als Sparringspartner der Steelers vor zwei Jahren schon einen Ring kassiert hat). Sein Vater war bei der Air Force am Frankfurter Flughafen angestellt und soll immer noch von Deutschland schwärmen bzw. seinen Urlaub mehrfach in Deutschland verbracht haben. Danke, @aas-Kommentator freddy7.

[21h12] Bzgl. Hall-of-Fame-Wahl: Deion Sanders ist der erste Spieler der Atlanta Falcons, der in die Hall of Fame gewählt worden ist! Und ich glaube nicht, dass der Mann als Falcons-Spieler aufgenommen wird. Die erfolgreichere Zeit hatte Sanders bei den Cowboys (95-99 mit einem Titel). Ist Atlanta tatsächlich so sehr graue Maus gewesen?

[20h58] Der Defensive End der Packers, Jarius Wynn, ist heute Nacht Vater geworden. Wynn war sogar unter der Nacht im Spital bei seiner Frau. Ich hätte da schon mal einen passenden Namen für den Super-Bowl-Sohn…

[20h50] Ehrlich gesagt sieht „Nieselregen“ für mich etwas anders aus: James Walker vor gut einer dreiviertel Stunde auf dem Weg Richtung Stadion.

[19h26] Die Siegertipps der ESPN.com-Armada (Blogger, Kolumnisten, Experten, Statistiker und alles, was das Footballherz begehrt oder nicht begehrt) sind so ausgeglichen, dass ich baff genug bin, um es zu veröffentlichen: Verhältnis 3:1 (39:13) zugunsten der Steelers Packers. Neununddreißig zu dreizehn. Die Ergebnistipps, die im Football IMHO völliger Schwachsinn sind, nochmehr als im Fußball, sind allerdings fast durch die Bank sehr eng.

AccuScore, ein Kalkulationsprogramm, das in der Regular Season alle Experten deutlich in den Schatten gestellt hat und am ehesten behaupten kann, „Accu“ stünde für „Akkurat“, hat 10.000x die Partie durch den Kanal gejagt. Ergebnis: Green Bay mit 50.5% Siegen, bei durchschnittlichem Vorsprunng von 0.6 Punkten. ‚Nuff said.

[18h54] Der NFL MVP 2010 ist bekannt. Kein Trommelwirbel, weil völlig überraschungsfrei: New Englands QB Tom Brady staubt die AP-Trophäe ab. Einzigartig ist allemal: Brady wurde einstimmig gewählt. 50/50 Stimmen. Das gab’s noch nie. Nicht mal vor drei Jahren, als Brady sämtliche Defenses mit >3 TD/Spiel in Grund und Boden gespielt hat. Rekord heuer: Brady hat 36 TDs geworfen, bei 4 INTs. Ein nie dagewesener Schnitt. Nur, um in den Playoffs gleich im ersten Spiel abzuschmieren und daheim gegen Erzfeind Jets rauszufliegen.

Die Superbowl-Vorschau

[11h13] Playoffwürdig: Das Wetter im Großraum Dallas. Temperaturen um die null Grad, windig und grauselig mit immer wieder leichtem Nieselregen. Für die Super Bowl wird das nicht entscheidend sein: Sie findet bei geschlossenem Dach im Tempel von Arlington statt.

Nicht geschlossen war das Dach kurz vor Weihnachten 2009. Dieses Spiel habe ich in einer schwedischen Bar gesehen und es gehört zu meinen Favoriten. Zwei enthemmte Offenses gegen völlig kollarbierende Defenses, zwei QBs mit orgiastischen Performances (Rodgers fas5 400yds, Roethlisberger 503 (!) Pass Yards) und am Ende ein verzweifelter Mike Tomlin, der kurz vor Schluss bei eigener Führung einen Onside Kick probierte, weil er jegliches Vertrauen in seine Defense an dem Tag verloren hatte. Green Bay scorte, aber PIT hatte genug Zeit zu antworten und drehte das Spiel im letzten Spielzug. Nochmal nachzulesen beim Beutelbaer.

Super Bowl XLV ist das Spiel, in dem der brandheiße QB Aaron Rodgers erwachsen werden kann. Joe Posnanski hat sich auf die Suche begeben, warum Rodgers eingeschlagen hat, während Leute wie Alex Smith, der 2005 vor ihm gedraftet worden ist, es in der NFL nicht gepackt haben.

Zum Spiel selbst: Ausführlichstes Datenmaterial wie immer bei den Football Outsiders. Sollte die Vorberichterstattung mal wieder erlahmen, weil es nicht genug zu reden gibt: Hier gibt es haufenweise Statistiken und Aufstellungsvarianten nachzulesen.

Wer Lust hat: Ausführliche, nein, extrem ausführliche Vorschau auf die einzelnen Duelle gibt es bei Vier Viertel. Executive summary, garniert mit eigenem Senf:

Das Duell in den Schützengräben, den trenches, wird entscheidend sein, wenn Pittsburghs Offense ohne Center Pouncey gegen die 3-4 Defense der Packers antritt. Die drei Packers sind zwar Hünen, aber IMHO nicht so unbeweglich wie angenommen. Laufspiel über die Mitte könnte ein Problem für Pittsburgh werden.

Die Blitz-Varianten der Packers sind zudem kunterbunt gestreut. Von OLB Matthews über CB Woodson hin zu OLB Hawk gibt es reihenweise Möglichkeiten. QB Roethlisberger ist ein Brocken von einem Mann, der schwer zu fällen ist. Wenn aber der Blitz zu schnell durchkommt, wird auch Improvisationsgenie Big Ben durch das Stadion gescheucht werden.

Wenn Pittsburghs Offense aber genügend anzieht und schnell spielt, muss die Defense schnell auf die Aufstellungen reagieren. Was passiert dabei? Der Tight End wird als letztes dran genommen. Hast du einen fangsicheren Mann wie die Steelers mit TE Heath Miller, wird der einige Catches bekommen. TE gegen Middle Linebacker bzw. einen mäßigen Safety wie Pepprah in einer schnellen Offense ist ein Traum von einem Matchup für einen Offensive Coordinator. Und dass Pittsburgh einen gescripteten Drive hinlegen kann, hat das Eröffnungsviertel im AFC-Finale bewiesen.

Auf der anderen Seite haben die Packers wenig Laufspiel – und treffen auf die #1 der NFL. RB James Starks macht wenige Yards, aber er hält ungefähr die Balance in der Offense. Das könnte reichen. Auch die Patriots streuen oftmals das Laufspiel „nur“ deswegen ein, um nicht allzu berechenbar zu werden. Gepaart mit einer weit auseinander gezogenen Offense (Spread Offense) kann das für Green Bay durchaus vorteilhaft werden. Eine 3-4 Verteidigung wie die der Steelers schaut gegen eine Spread Offense oft schlecht aus. Ich erinnere auch an Super Bowl, Ausgabe 43.

Dazu kommt, dass wir es mit zwei opportunistischen Defenses zu tun haben. Die Steelers haben mit SS Troy Polamalu einen unberechenbaren Mann, der immer für eine INT gut ist. In der Secondary der Packers laufen Typen mit Namen wie Sam Shields oder Tramon Williams durch die Lande. Leute, die kein Mensch kennt, die aber intelligent genug sind, um zu wissen, wann sie in einen Pass springen und ihn abfangen können, und wann sie besser nicht aufs Ganze gehen.

Ich komme zu einem anderen Schluss wie Herrmann von Vier Viertel. Ich glaube nicht an ein Highscoring-Game. Wenige Punkte bedeuten: Enges Spiel und Spannung bis tief ins Schlussviertel hinein. Sieg Green Bay.

Super Bowl Countdown

Kickoff: So./Mo. 6.2.2011 um 00h30
T-minus 9: Genus
T-minus 8: Fans
T-minus 7: Superbowl Ranking
T-minus 6: Superbowl im TV (Infos zu den Übertragungen im deutschen & italienischen Sprachraum)
T-minus 5: Superbowl-Werbung
T-minus 4: Pittsburgh Steelers
T-minus 3: Green Bay Packers
T-minus 2: Drinking Game
T-minus 1: Halbzeitunterhaltung

Hall of Fame 2011

Die Hall-of-Fame-Klasse von 2011 ist bekannt. Hinein gewählt worden sind:

CB Deion Sanders, der als Sensation an der Florida State University von Atlanta gedraftet wurde. Große Erfolg hat Sanders aber erst mit den Cowboys und 49ers gefeiert, mit denen er jeweils die Super Bowl Mitte der 90er gewann. Sanders war ein extrovertierter Spinner, der alles machte, um ins Rampenlicht zu kommen. Sozusagen ein Vorläufer für die noch ausgeflippteren Terrell Owens und Konsorten. Heute ist Sanders annehmbarer Mann im NFL Network.

RB Marshall Faulk, erst Colts, dann Rams. Faulk war ein außergewöhnlich vielseitiger Running Back, der in der Mike-Martz-Offense richtig aufblühte und von 1999-2001 der absolut dominante Offensivspieler in der NFL war, 2000 sogar NFL MVP. Heute Experte bei NFL Network.

TE Shannon Sharpe, zweifacher Superbowl-Sieger mit den Denver Broncos und 2000 auf einem „Auswärtstrip“ sogar ein drittes Mal Ringträger mit den Baltimore Ravens. Sharpe war ein dominanter Tight End und nach seinem Karriereende (nach zwei weiteren Jahren bei den Broncos) mehrfach in Verdacht, Frauen belästigt und begrabscht zu haben. Heute im Fernsehen aktiv und mit einer furchtbaren Aussprache nervig.

DE Richard Dent war erst 10 Jahre bei den Bears (Superbowl-MVP 1985/86) und ein besonders konstanter und vielseitiger Spieler. Nach der Bears-Zeit ging er für ein Jahr nach San Francisco, um in dem einen Jahr (gemeinsam mit Sanders, übrigens) noch mal die Superbowl zu holen. Danach ein Wandervogel in seinen letzten Jahren. Dent ist jahrelang an der HoF-Wahl gescheitert. Jetzt hat er es geschafft.

Und dann noch drei Herren aus den früheren Jahren. Les Richter posthum (gestorben im vergangenen Sommer), ein Linebacker, Guard und Kicker (!), neun Jahre Profi und dabei 8x Pro Bowler bei den Los Angeles Rams. LB Chris Hanburger (60er und 70er bei den Redskins), jahrelang All-Pro, aber nie Superbowl-Champ.

Und, was mich sehr freut: Ed Sabol, der Gründer von NFL Films, die uns jahrein-, jahraus mit tollen Filmaufnahmen und dazu passender, dramatischer Musik beglücken. Sabol ist 94 Jahre alt und darf die Wahl noch lebend genießen.

Superbowl-Countdown T-minus 3: Die Green Bay Packers oder vom Homecoming einer Legende

Die Pittsburgh Steelers sind der Superbowl-Rekordchamp (6 Titel). Der Finalgegner hat zwar „ganze“ drei Superbowls (zweimal davon, als die Superbowl noch nicht unter diesem Namen ausgespielt wurde) gewonnen, ist aber der Rekordmeister der National Football League. Heute in der Vorstellung. Matchups gibt es erst im Sonntagabend-Vorprogramm.

Was die Packers ausmacht – geschichtlich

Curly Lambeau, Green Bay Packers

Curly Lambeau

Die Green Bay Packers dürfen sich als das Traditionsteam in der NFL sehen. Gegründet 1919 als Amateurclub und zwei Jahre später als professionelle Franchise der NFL beigetreten, sind die Packers seit damals das einzige Team im amerikanischen Profisport, das als Non-Profitorganisation  seinen Fans gehört. Über 112.000 Menschen sind Stakeholder der Packers.

Packers? Ein merkwürdiger Teamname. Die Herkunft ist so simpel wie einleuchtend: Die Gründerväter um Curly Lambeau brauchten ohne Finanzspritze durch einen Besitzer Schotter. Und den steuerte ein Unternehmen bei: Die Indian Packing Company. Daher rührt auch der Name „Packers“.

Und die Packers waren erfolgreich – sehr sogar. Bis Ende der 40er holten sie sechs Meistertitel unter Lambeaus Ägide. Lambeau? Dürfte jedem Footballinteressierten ein Begriff sein. Curly Lambeau zu Ehren wurde nach seinem Tod das Stadion der Packers in „Lambeau Field“ umbenannt. Es gilt als eines der legendärsten in Amerika.

Ein 70.000 Zuschauer fassendes Stadion in einer 100.000 Einwohner fassenden Stadt. Und nicht nur immer ausverkauft, sondern mit über 80.000 Menschen auf der WARTELISTE für Saisonkarten ein Ort, der im Lauf der Zeit zu einem Mythos hochstilisiert worden ist, ähnlich wie ein Bernabeu-Stadion in Madrid.

Ende der 50er kam mit dem charismatischen Vince Lombardi ein neuer Erfolgscoach, der die Packers in den 60ern unter QB Bart Starr und RB Paul Hornung zur absoluten Großmacht heranzüchtete.

Vince Lombardi Trophy, Super Bowl

Vince Lombardi Trophy - ©Wikipedia

Lombardi? Lombardi? Auch das wird der geneigte Football-Fan schon einmal gehört haben. Oder auch nur der Schönwetterzuschauer. Und das wohl deswegen: In der Super Bowl wird um die Vince Lombardi Trophy gespielt, benannt nach eben diesem Coach. Als Ende der 60er AFL und NFL begannen, den Meister der Meister auszuspielen, gewannen Lombardis Packers die ersten beiden Auflagen dieses Duells. Die ersten beiden Super Bowls, auch wenn sie, wie wir mittlerweile wissen, damals offiziell noch keine „Super Bowls“ waren.

Nach Lombardis Tod verschwanden die Packers gut ein Vierteljahrhundert in der Versenkung. Aber eines ist im kleinen Green Bay immer schon gelungen: Man hatte charismatische Leute am Ruder, Publikumslieblinge, die ganz wesentlich zum Erfolg beitrugen. In den 90ern ging es mit den Packers wieder aufwärts und das lässt sich an einigen berühmten und weniger berühmten Spielern festmachen.

Mike Holmgren zum Beispiel, dem stets grimmig dreinschauenden, dicklichen Head Coach, der quasi als erste Amtshandlung 1992 Brett Favre von den Falcons einkaufte. Favre sollte von Beginn an eine der sensationellsten Serien durchspielen, die es jemals gegeben hat: Über 18 Jahre verpasste der QB kein Spiel. Favre wurde zum Liebling in Green Bay, im hohen Norden, im ganzen Land. Auch Männer wie der „Prediger“ DE Reggie White oder der unglaublich fette DT Gilbert Brown waren massiv daran beteiligt, dass im Jänner 1997 die Vince Lombardi Trophy erstmals nach Green Bay „heimkehrte“. Seither sind die Packers stets Playoff-Anwärter.

Was die Packers ausmacht – spielerisch

Seit 2006 ist Head Coach Mike McCarthy in Green Bay am Ruder. Was McCarthy mit seinem Gegenüber Mike Tomlin teilt: Er geht in der Diskussion um die beiden Mannschaften völlig unter. Obwohl Green Bay seit Jahren nahe am Titel dran ist: McCarthy ist nicht in der Diskussion.

Das waren andere: Brett Favre zum Beispiel. Der trat 2008 zurück und GM Mike Tannebaum installierte blitzschnell den QB Aaron Rodgers als Nachfolger. Rodgers hatte jahrelang als Packers-QB in spe gewartet. Als Favre doch weitermachen wollte, hielt man in Green Bay am jungen Rodgers fest und verjagte das Idol Favre – ein Skandal.

Rodgers spielte von Anfang an super, zumindest statistisch. Im ersten Jahr schaute wenig bei rum, aber 2009/10 geigten die Packers mächtig auf. Rodgers ist schneller als erwartet das Gesicht der Packers geworden, obwohl Rodgers kaum Reibungspunkte bietet, sieht man von seiner (mutmaßlichen) Freundin ab. Nach der Verletzung von RB Ryan Grant im ersten Saisonspiel 2010/11 darf man getrost insistieren: Green Bays Offense ist zu 90% Aaron Rodgers.

In den Playoffs hat sich dank des völlig unbekannten RB James Starks eine Laufspiel-Komponente dazugeschwindelt. Starks hat maximal durchschnittliche Zahlen (3,8yds/Lauf), aber Starks sorgt wenigstens für ein bisschen Entlastung und dafür, dass sich keine Defense allein auf das Passspiel einschießen kann. Das gibt Rodgers hinter einer suboptimalen Offensive Line genug Möglichkeiten, seine Receiver auszugucken. Die Armada ist trotz des Ausfalls von Top-TE Finley groß: WR Greg Jennings (1265yds, 12 TDs), WR James Jones (679yds, 5 TDs), Jordy Nelson (582yds, 2 TDs), Oldie-WR Donald Driver (565yds, 4 TDs), RB Brandon Jackson (342yds, 1 TD) und eine Handvoll Role Players.

Die Defense galt nach dem Ausfall von MLB Barnett als eher namenlos. Angeführt vom DefCoord Dom Capers hat sich die gesamte Unit (2009 #2 der NFL, allerdings mit totalen Kollapses gegen Pittsburgh (sic!) und Arizona) ab Mitte Oktober gewaltig gesteigert. Sie zeichnet sich durch starken Zug zum QB aus. Green Bay spielt 3-4, bringt aber mit DT B.J. Raji und DE Cullen Jenkins (soll am Sonntag fit sein) starken Druck schon mit der Defensive Line zustande.

Auf Blitzes geschickt werden häufig DE/OLB Clay Matthews jr. (oder eigentlich Matthews III) und CB Charles Woodson, die bekanntesten Namen der Defense. Beide sind effizient: Während Woodson ein außergewöhnlich kompletter Spieler (Deckung und Blitzes) ist, macht Matthews auch noch die Sacks (14 in der Reg. Season, 3 in den Playoffs). In der Secondary lauert mit CB Tramon Williams ein Mann, den einst keiner wollte: Intelligenter Bursche, der ein Näschen entwickelt hat und in den Playoffs die Bälle anzieht (3 INTs).

Was die Packers ausmacht – Die Schlüsselspieler

Aaron Rodgers, QB Green Bay Packers

Aaron Rodgers - ©Flickr

Aaron Rodgers. Ich habe es oft genug gesagt: Ich habe mich in den Spieler Aaron Rodgers verknallt. Hoch intelligenter Bursche und es ist ein Genuss, ihm in der Pocket zuzusehen. Rodgers wird nicht nervös, auch wenn mal eine Ladung Defensive Backs in sein Gesichtsfeld geschickt wird, sondern macht seine drei Tippelschritte und bringt trotzdem einen rattenscharfen 35yds-Pass an. Rodgers zeichnet blindes Verständnis mit seinen Receivern aus und ist zudem sehr beweglich, kann auch selbst scrambeln (über 300yds heuer) und ist dementsprechend auch nicht schüchtern, wenn es darum geht, die Pocket zu verlassen. Rodgers ist kein Lautsprecher. Ich könnte kein Interview von Rodgers aus dem Stehgreif aufrufen. Aber ein fantastischer QB. Wäre er Fußballer und Stürmer, man würde sagen: Er hat derzeit einfach einen Lauf. Oder man drückt sich wie dogfood/Allesaussersport aus:

2008 zeigte [Rodgers] aber so viel Potential, dass die Packers seinen Vertrag bis 2014 verlängerte, 2009 verbesserte er sich nochmals und 2010 hat er dann endgültig sein Coming Out und und wird derzeit in den Playoffs als heißer wie Frittenfett gehandelt.

Ich nenne die Rubrik „Schlüsselspieler“, aber anstatt WR Greg Jennings kommt an der Stelle WR Donald Driver dran. Driver ist seit gefühlt zwei Jahrzehnten in der NFL dabei (ist es tatsächlich erst seit 1999??) und hat fast ausnahmslos 1000-1200yds/Jahr gefangen und 6-9 TDs/Saison. Ein Muster an Beständigkeit, ohne die Krönung: Vor drei Jahren machte Driver einen extrem langen TD im NFC-Finale, aber das haben die Packers dann am Ende trotzdem – und verdient – verloren. Driver ist ein Mann, dem ich den Titel (wie Rodgers) von Herzen vergönnen würde. So lange dabei, so viel Beständigkeit und so ruhig geblieben. In Zeiten, in denen ein #85, ein Terrell Owens oder ein Randy Moss Woche für Woche rumzicken, eine Wohltat.

Die eigentlichen Heroen spielen aber in der Defense. Angefangen mit dem lange unbedachten NT B.J. Raji (sprich: Radschi). Raji macht die Mitte des Spielfeldes platt und fungiert in der Offense als Vorblocker/Goal-Line-Fullback für die Running Backs. Im Halbfinale returnierte „Big Man With The Football“ Raji einen Ball zum Touchdown. Der Unterschied beim 21-14 Sieg.

Superstar der Defense ist OLB Clay Matthews jr., den die Wortspielkönige schon HurriClayne getauft haben. Nicht nur wegen der wehenden Haare nicht ganz aus der Luft gegriffen, angesichts solcher Bilder:

Die Familie ist footballverrückt: Der Opa spielte in der NFL, Vater Clay war mehrfacher Pro Bowler, Onkel Bruce ist als einer der besten Offense Liner aller Zeiten und Hall of Famer. Bruder Casey hat vor ein paar Wochen das College-Football-Endspiel verloren. Jetzt soll der fällige Titel für die Familie eingesackt werden. Clay itself ist Spätzünder: Am College (USC) spielte er ohne Stipendium, ging als walk-on zum Footballteam. 2010/11 bekam er die zweitmeisten Stimmen bei der Wahl zum Defensivspieler des Jahres. Der spielt am Sonntag auf der anderen Seite: Troy Polamalu.

Letzter im Bunde der Star-Verteidiger: CB Charles Woodson, einst alles überragender Cornerback in Michigan und Gewinner der Heisman Trophy, was für Verteidiger eine absolute Rarität darstellt. In Oakland jahrelang in einem dahinsiechenden Team, aber seit seinem Wechsel nach Green Bay hat sich Woodson zu einem kompletten Cornerback entwickelt, der alles kann: Enge Deckung, INTs abfangen, Blitzing. Woodson hat vor fast einem Jahrzehnt mit den Raiders eine furchtbare Superbowl-Schlappe einstecken müssen. Diesmal hat er eine Chance, mit 34 Jahren doch noch Superbowl-Champ zu werden.

Noch ein sentimentaler Held: RB John Kuhn, schon ein Ringträger (vor Jahren als Sparringspartner auf dem Trainingsplatz der… erraten: Steelers). Kuhn hat wie vor Jahren Duce Staley (richtig: auch mal ein Steeler) dafür gesorgt, dass eine ureigene deutsche Tradition in den US-Stadien Einzug gehalten hat: Das lange UUUUUUUUUUUUUUUU. Was hierzulande ein Rudi Völler ausgelöst hat, passiert nun auch in den US-Arenen, wenn Kuhn am Ball ist. Nope – kein Ausbuhen der Mannschaft. Es ist der Tribut an John Kuhn, nicht mehr als ein situationsbedingt eingesetzter Spieler. Aber ein Publikumsliebling, und in den Playoffs ein Stimmungsbarometer: In Philadelphia und Atlanta war das lange U deutlich vernehmbar. Also waren haufenweise Packers-Fans im Stadion.

Warum ich die Packers siegen sehen möchte

Zum ersten, weil jeder mal dran ist. Pittsburgh hat eine Reihe Superbowls gewonnen. Green Bay lange keinen mehr und Rodgers, Woodson und Driver sind einfach mal dran.

Genug der Floskeln. Nachdem die US-Experten noch eine Antwort schuldig sind: Wer darf den Siegerpokal für Green Bay in Empfang nehmen, nachdem das Podium zwar gigantisch riesig sein wird, aber kaum die 112.000 Anteilseigner aufnehmen wird können? Ich tippe auf CEO Mark Murphy. Sicher bin ich mir nicht. Wir werden es am Montagmorgen wissen. Vielleicht…

Superbowl-Countdown T-minus 4: Die Pittsburgh Steelers

Genug des Vorgeplänkels, kommen wir zur Vorstellung der beiden Superbowl-Mannschaften 2011, angefangen mit den Pittsburgh Steelers, Traditionsmannschaft und Superbowl-Rekordsieger.

Was die Steelers ausmacht – geschichtlich

Wir wissen seit Sonntag, dass die Pittsburgh Steelers eine der beliebtesten und ältesten Mannschaften der NFL sind. Und das vor allem seit den 70er Jahren, als a) die Mannschaft dank 4 Titeln und „Steel Curtain“ höchst erfolgreich und identitätsstiftend war und b) die Arbeiter- und Stahlstadt Pittsburgh eine schwere Krisenzeit durchlebte, woraufhin sich die Einwohner und damit auch die Fans quer über die Lande verstreuten.

Nach den grandiosen 70ern unter Head Coach Chuck Noll, QB Terry Bradshaw und DT Mean Joe Greene erlebte die Franchise in den 80ern zwar einen leichten „Niedergang“ („nur“ vier Playoffteilnahmen), aber Noll war trotzdem unantastbar, so was wie der Guy Roux unter den NFL-Coaches. Grund dafür: Die Familie Rooney, seit der Gründung 1933 in Besitz der Steelers (als Pirates gegründet), hat den Ruf, außergewöhnlich loyal zu seinen Angestellten zu sein und sie nicht nach ein-zwei erfolglosen Jahren zu feuern.

Die Rooneys stellten nach Nolls freiwilligem Abgang 1992 mit Bill Cowher wieder einen jungen, feurigen Coach ein. Cowher war ein Einheimischer, ein Junge aus Pittsburgh und erwarb sich schnell den Ruf, ein Kumpeltyp zu sein, einer der emotionalsten Head Coaches der NFL. Und natürlich einer, der von der Defensivseite her kam. Cowher installierte eine sehr blitzfreudige Defense mit dem auffälligen, weil sehr „mannhaftigem“ Linebacker Kevin Greene, als zentralem Kopf. Und Cowher trieb seine Steelers fast jedes Jahr in die Playoffs. Nur, um immer wieder zu scheitern, 1995 gar erst in der Superbowl.

Trotz des Loser-Images in kritischen Situationen blieben die Rooneys Cowher stets treu, bis zum großen Erfolg im Februar 2006: Sieg in Superbowl XL. Ein glücklicher Sieg. Aber ein typischer: Sehr auf die Defense vertrauend, mit viel Laufspiel und mit einer ganzen Latte an Eigenbauspielern. Pittsburgh ist dafür bekannt, sich seine Stars selber via Draft zu holen und nur begrenzt auf dem Transfermarkt (Free Agency, Trades) aktiv zu sein.

Das ist auch heute noch so: Spieler wie QB Ben Roethlisberger, RB Rashard Mendenhall, WR Hines Ward, SS Troy Polamalu oder NT Casey Hampton sind alle von Pittsburgh gedraftet worden und spielen seit z.T. langen Jahren dort.

Mike Tomlin - ©Flickr

Cowher ist indes nicht mehr da. Dafür haben die Rooneys nach dessen erschöpftem Abgang wieder so einen jungen Coach eingestellt. Noch dazu einen Schwarzen: Mike Tomlin, ein weiterer Kumpeltyp – und, erraten, ein ehemaliger Defensivcoach. Tomlin ist eine coole Socke, ein Typ „High Five an der Seitenlinie“, stets vollstes Vertrauen in seine Defense ausstrahlend.

Vor zwei Jahren marschierten die Steelers in Tomlins zweitem Jahr zum Titel. Im Finale war letztlich die Offense entscheidend, aber auf dem Weg dorthin hatte Pittsburgh Spiele praktisch ohne Angriff bestritten – und gewonnen. Tomlin überlässt die Arbeit mit seiner Defense hauptsächlich dem greisen, aber g-e-n-i-a-l-e-n Dick LeBeau, einem unscheinbaren Männchen, Blitz-Fanatiker und Erfinder des Zone Blitzes.

Was die Steelers ausmacht – spielerisch

Auch die Ausgabe „Steelers 2010/11“ duftet nach delikater Defense in Kombination mit rustikaler Offense. Wie schon die ganzen letzten Jahre. Für mich kriegt Tomlin erstaunlich wenig Anerkennung im Bezug auf die Ergebnisse. Ist es, weil Tomlin eine fast fertige Mannschaft übernommen hat? Ist es, weil die Trainerarbeit stark von den Assistenten LeBeau und Bruce Arians (OffCoord) übernommen wird?

Fakt ist: Tomlin fährt eine gerade Linie. Das Konzept ist klar erkennbar: Trainer und Spieler an einer längeren Leine halten, für gute Stimmung sorgen, harte Defense spielen lassen und junge Spieler draften, je nachdem, für welche Position man Nöte hat.

2010/11 sind die Steelers trotz 12-4 Record und zwei Playoff-Heimsiegen keine überragende Mannschaft. Die Offense ist bestenfalls mittelmäßig, basiert auf Laufspiel um RB Mendenhall (1273yds, 13 TDs in der Regular Season), nur, um seit den Playoffs das Spiel vermehrt in die Hände von QB Roethlisberger zu legen.

Eine Schwäche in den letzten Jahren war die Offensive Line. Durch den kometenhaften Einschlag von Rookie-Center Maurkice Pouncey (kam von den Florida Gators und schon im ersten Jahr All-Pro) schien ein Großteil des Problems behoben. Jetzt verletzte sich aber ausgerechnet Pouncey im AFC-Finale und ist mehr als fraglich für die Super Bowl. Ob da eine neue Baustelle entstanden ist?

Die Defense ist absolut dominant und nicht für den zu überwinden, der über Laufspiel erfolgreich sein will. Die Steelers sind in der Hinsicht #1 der Liga und werden jegliche Versuche auch gegen die mäßige Lauf-Offense der Packers abwürgen. Gegen den Pass wird viel, aber zuletzt immer dosierter geblitzt. Die Linebackers Harrison und Woodley besitzen immensen Zug zum QB, können aber auch hart, härter, am härtesten hitten. In der Coverage besitzen die Steelers seit Jahren bis auf SS Polamalu kein überragendes Personal. Weil aber dank Blitzes viel Druck auf die QBs ausgeübt wird, ist auch die Pass-Verteidigung überdurchschnittlich.

Was die Steelers ausmacht – Die Schlüsselspieler

Ben Roethlisberger - QB Steelers

Big Ben - ©Flickr

Auch wenn die Steelers in den Playoffs gegen Erzfeind Baltimore und gegen die New York Jets zweimal mächtig gewackelt haben: Sie finden einen Weg, das Spiel zu gewinnen. Es ist nicht schön, aber wenn es darauf ankommt, vergisst QB Big Ben Roethlisberger seine nur begrenzt erbaulichen Statistiken. Roethlisberger ist ein Typ „Just win!“. Egal wie. Wenn es knifflig wird, wenn sich der Wind zu drehen scheint, wenn das Pendel in die andere Richtunng auszuschlagen droht, findet Roethlisberger einen Weg aus der Gefahrenzone. Wie gegen Baltimore (59yds-Pass gegen Spielende bei 3rd-and-19), wie gegen die Jets (mitten in der Jets-Aufholjagd per Passspiel die Uhr gekillt). Die Verbindung zu TE Heath Miller & WR Hines Ward ist bei jedem 3rd down zu beachten. Wenn gar nichts geht und die Pocket kollabiert, ist Roethlisberger immer noch in seinem Element: Mit unorthodox aussehenden Scrambles findet der hünenhafte QB halt seine eigenen 3-4yds zum 1st down.

Roethlisberger stand vor einem Jahr schwer unter Beschuss, nach wiederholtem Vergewaltigungsvorwurf und Kritik am unsteten Lebenswandel. Nur eine skandalös schlampige Ermittlungsarbeit der Kripo verhinderte den Weg in den Bau. Von der NFL wurde er vier Wochen gesperrt. Das Bad-Boy-Image passt irgendwie nicht zu Roethlisberger. Spox.com hat den Mann für uns portraitiert.

Troy Polamalu - Pittsburgh Steelers

Troy Polamalu - ©Flickr

Größter Sympathieträger in Pittsburgh ist SS Troy Polamalu, ein polynesischer Brausekopf mit seinen wedelnden Haaren und seinem spektakulären Spiel  sofort für jedermann erkennbar. Die #43 der Steelers gehört zu den beliebtesten und wichtigsten Spielern der Liga. In dieser Saison wurde Polamalu endlich zum Verteidigungsspieler des Jahres gewählt. Polamalu muss sich nur bedingt an das LeBeau’sche Konzept halten. Sein Riecher für den Ball, seine Spielinstinkte sind so ausgeprägt, dass Polamalu für einen NFL-Spieler ungewöhnlich viele Freiheiten bekommt. Polamalu ist so was wie ein Freigeist in der Defense – und ein sehr bescheidener Charakter.

Ruhig daher kommt auch Linebacker James Harrison – neben dem Spielfeld. Kaum betritt der Mann aber den Rasen, wird die #92 der Steelers zum Hulk. Ein groß gewachsener, extrem kräftiger Mann, mit dem Hang zur Bösartigkeit. Harrisons Ruf ist legendär schlecht und sorgte im Lauf der Saison dafür, dass die Zebras mit gelben Flaggen um sich warfen als stünde jeder von Harrison berührte Spieler unmittelbar vor dem Transport ins nächstgelegene Krankenhaus. NFL Network hat Harrison interviewt.

 Ein hörenswertes Interview, das ein leichtes Umdenken bewirkt.

Nächster Hulk auf dem Spielfeld: WR Hines Ward, ein ehemaliger College-QB, aber in Pittsburgh seit Äonen Anspielstation #1. Kein Receiver mit Yards-Zahlen, die in den Himmel wachsen, aber ein unverzichtbarer Mann, vor allem bei 3rd downs. Ward ist kein Sprinter, kein Ästhet, aber einer der besten Blocker auf seiner Position – und dank nicht immer astreinem Spiel ein verhasster Mann beim Gegner.

Einer geht noch. Ich lasse mal den ruhigen, aber unersetzlichen NT Casey Hampton außen vor. Denn mit DE Brett Keisel ist in den letzten Tagen ein anderer Mann ins Licht der Medienwelt getreten. Keisel könnte glatt als uriger Tiroler auf einem verscheiten Hochplateau mit Speckbrett vor der Almhütte daherkommen. So dicht ist der Bart dieses Mannes mittlerweile gewachsen. Zottelbär Keisel war es auch, der vor zwei Jahren in der Superbowl den Fumble Warners in den letzten Sekunden erobert und damit Titel #6 eingetütet hat.

Warum ich die Steelers siegen möchte

Die Pokalübergabe in der NFL gehört zu den merkwürdigeren weltweit. Nicht der Quarterback, nicht der Mannschaftskapitän kriegt den Pokal. Sondern der Owner. Und statt zu feiern, werden erst große Reden geschwungen, die jegliche Emotionalität gerne den Bach runtergehen lassen. Die Pokalübergabe findet seit Jahren auf immer monströseren Podesten statt. Man werfe die Faktoren „Cowboys“ und „Jerry Jones“ ein und stelle sich das Podest 2011 vor. Der zierliche, fast 80 Jahre alte Steelers-Owner Dan Rooney auf den futuristischen Gebilden – bizarres Kontrastprogramm at his best.

Morgen folgen die Green Bay Packers. Eine Matchup-Vorschau gibt es erst am Sonntag Abend.

Superbowl-Countdown T-minus 5: Amerikas Werbemaschine

Bei uns ein Punkt, der fast völlig untergeht, weil nicht ausgestrahlt: Die Werbeblöcke während der Super Bowl. ESPN America bringt meiner Erinnerung nach seine eigenen Breaks, die ARD hat eigene Schalten, der ORF beantwortete seinerzeit E-Mails oder brachte alte Werbe-Spots.

Dabei ist der Super Bowl Sunday in den USA nur noch zum Teil „Football-Finale“. Für die großen Networks ist der Superbowl-Sonntag zur Geldmaschine geworden. Vor ein paar Jahren wurde die Superbowl fix in den Februar verlegt – aus Gründen des Messens der TV-Ratings.

Dann bringen 30-Sekunden-Werbespots dem übertragenden Sender (sei es nun Fox, CBS oder NBC) Einnahmen in Millionenhöhe. Vor einem Jahr waren es rund 2,5 bis 2,8 Mio. Dollars PRO 30-Sekunden-Spot. Und das trotz Wirtschaftskrise und leichtem Rückgangs gegenüber der Superbowl XLIII von 2009! Für dieses Jahr wird erwartet, dass Fox ungefähr gleich viel für eine halbe Minute Werbung einsäckeln wird.

Die Networks haben dazu noch einen anderen Trumpf im Ärmel: Dank der gewaltigen Zuschauerresonanz (im Schnitt schauen 105 Millionen Amerikaner zu, in der Spitze über 150 Mio., was unfassbar ist) platzieren sie im Anschluss an die Superbowl-Übertragung ganz professionell neue Sendeformate oder Sendeformate, bei denen man an Top-Potenzial glaubt: Serien, Talkshows, was auch immer das Herz begehrt. Hier eine Liste der Programme, die auf die Superbowl-Übertragung folgten. Die Zuschauerzahlen sind teilweise immer noch frappierend. In diesem Jahr auf Fox dran: Glee.

Back to Werbespots. Es hat in den letzten Jahren einen sehr kontrovers diskutierten Werbespot gegeben (von „Focus on the Family“ mit Tim Tebow und seiner Mutter)…

…und viele weitere, exzellente. Mein persönlicher Favorit ist dieser von Super Bowl XXXVII (Buccs-Raiders): Schottische Pferde auf dem Weg nach Manhattan. Ein Tribut an 9/11 – okay, pathethisches Thema, aber ein sehr gut gemachter Spot, sehr düster – und Bierwerbung.

NFC Conference Championship Game 2010/11: Chicago Bears – Green Bay Packers

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[00h30] Der Vollständigkeit halber: Finale QB-Zahlen in dem Spiel: 36-von-68 für 554yds, 1 TD und 5 INTs. Rating: 54.4.

Na bitte, Jamarcus Russell hatte im Vorjahr ein Saison-Rating von 50.0.

[00h23] Endstand Chicago Bears 14, Green Bay Packers 21

Ein NFC-Finale, das bis eingangs des Schlussviertels seine Bestimmung vergewaltigte. Die Bears mussten zwei QBs verschwenden, um offensiv irgendwie in Schwung zu kommen, währen Green Bay zwar scheinbar komfortabel in Führung liegend offensiv Minute für Minute weniger zustande brachte.

Am Ende brauchte es QB Caleb Hanie, um etwas Action in den Laden zu bringen. Hanie machte eigentlich gute Entscheidungen und war ein belebendes Element. Um am Ende mit der INT zu Raji genau die nötigen Punkte für den Packers-Sieg beizusteuern.

Green Bay ist ein würdiger NFC-Champ. Aber das war kein würdiges Spiel, um sich zu krönen.

[00h15] INT Sam Shields. Das war’s dann, 37sek vor Schluss. Hanie mit einem weiteren 4th-and-4, wirft unter Druck verzweifelt tief. Ein ungedrafteter QB wirft eine INT zu einem ungedrafteteten Cornerback. Fünfte INT im Spiel. Green Bay fährt nach Dallas. Aber das war kein rühmlicher Sieg.

So – ich bleibe dabei. Ein gscheites Spiel will ich noch sehen heute…

[00h09] RB Taylor macht die Zentimeter. Und Hanie, die coole Sau, findet grad alles, was irgendwie einen Ball fangen kann. 40yds Line der Bears. 1:27min to go.

[00h08] Two Minute Warning. Die Packers mit ideenlosem Playcalling, laufen grad mal eine Minute runter. QB Hanie übernimmt und ist trotz viel Druck und Pass Rush und einer 10yds-Strafe nun bei 4th and inches an der Mittellinie angekommen.

[23h59] Chicago 14, Green Bay 21. Jetzt der TD auf der richtigen Seite. QB Hanie mit einem 81sek-Drive und TD über 35yds für WR Bennett. Ganz furchtbar, was die beiden Defensive Backs (u.a. #21 Charles Woodson) da angestellt haben.

Das Rating damit gestiegen: 51.22. Wir sind bei Jamarcus-Russell-Niveau angekommen. Und das ist heute ein gutes Zeichen.

[23h54] QB-Rating jetzt: 39.67.

[23h53] Chicago 7, Green Bay 21. Und dann wirft doch noch einer einen Touchdown-Pass. DT B.J. Raji hüpft in Hanies Pass und wuchtet sich die paar Yards zum INT-Return-TD. Green Bay fährt nach Dallas. Gott sei Dank – die Bears möchtest du da nicht wirklich sehen.

[23h51] Das passiert mit einem völlig unerfahrenen QB: Du musst 6min vor Schluss ein Timeout verbrennen, das du womöglich noch dringend, sehr dringend brauchen wirst.

[23h38] 9:32min to go. Green Bay bewegt den Ball mittlerweile auch nur noch durch Personal Fouls und Pass Interferences gegen die Bears. Gibt den Ball mal wieder per Punt ab. Sollte Hanie die Chance kriegen, sich unsterblich zu machen, nachdem minutenlang der Spott auf Twitter unterhaltsamer war als das sog. Football-Spiel?

[23h30] Chicago 7, Green Bay 14. Der Fuß ist erstmal aus dem Sarg genommen. QB Caleb Hanie mit einem Ausreißer, findet WR Know, dessen Bewacher #38 Williams völlig überrascht ist, dass Know den Ball FÄNGT. Von der 1yds Line walzt sich RB Taylor durch. Led Zeppelin lässt grüßen.

[23h23] Ich wollte bereits schreiben: Ich fress doch nen Besen, wenn Collins ohne INT bleibt. Nun, Lovie Smiths Lösung: #10 Collins auf die Bank, #12 Hanie rein.

[23h19] Mal schnell per Excel das QB-Rating der drei Strategen da auffem Feld ausgerechnet: 21-von-42 für 309yds, 0TD und 3INTs. Ergibt ein Rating von… 44.6! Damit dürfte der Abend gerettet sein.

[23h14] Zwar wieder ein Drop eines Defensive Back der Packers. Aber: Collins hatte jetzt 3 Passversuche. Zweimal haarscharf an der INT. Ob der Mann tatsächlich ohne INT vom Platz geht?

[23h10] Bezeichnend: Green Bay hat einen Turnover mehr fabriziert und liegt trotzdem 14 Punkte und gefühlt uneinholbar vorn.

[23h01] Todd Collins führt sich mit ungenauen Pässen und einer Fast-INT ins Spiel ein. Das Spiel ist schwach und die Schiris fügen sich nahtlos ein: Smith musste ein rotes Taschentuch verschwenden für eine glasklar gedroppte INT.

[22h54] Und Green Bay marschiert und alles läuft für Green Bay und dann: INTERCEPTION. MLB Urlacher mit dem zweiten BIG PLAY seinerseits, fängt aus der Zonenverteidigung den Ball. Rodgers rettet immerhin per Tackle noch den Touchdown.

Und Chicago bringt nun tatsächlich Backup Todd Collins auf das Feld. Cutler soll eine Knieverletzung haben – das riecht nach Spielende für Cutler und Saisonende für die Bears mit NULL Punkten.

[22h45] Chicago kommt dann auch standesgemäß aus der Kabine: 3-and-out. Und das, obwohl OLB Matthews nun neutralisiert wird.

Wenn ich mich an das Spiel gegen Carolina erinnere, als Cutler zuschaute und Collins spielte… Collins war unterirdisch. 4 INTs.

[22h41] Cutler ist offenbar schwer angeschlagen. Der Backup-QB Collins wärmt sich schon auf, aber noch will man mit Cutler weitermachen.

[22h28] Halbzeit Chicago 0, Green Bay 14

Green Bay mit 253yds Offense, davon 103yds am Boden. Sehr beeindruckend, was die Packers hier spielen. QB Rodgers 10/15, TD-Lauf, zwei sehr intelligente Scrambles und eine INT, für die er nichts konnte. Green Bay hatte nur kurz Probleme, als LT Clifton raus war. Clifton ist wieder da. Bisher war es bloß Übermut, der Green Bay ausgebremst hat: Erst eine Serie langer Bälle, dann eine Serie von Läufen durch die Mitte.

Chicago hat schon einen Fuß im Sarg. Es geht in der Offense nicht viel, weil Green Bays Defensive Line dominiert und Cutler 0,04sek nach dem Snap drei Rusher in der Fresse hat. Cutler wird dann entweder gesackt oder überwirft seine Gegner. CHI war an der GB31 und GB34. Sie kriegen die Drives nicht zu Ende gespielt, weil immer wieder entweder eine Strafe oder ein Sack dazwischenkommen. Keine Field Goals im Soldier Field, sondern Punts und damit keine Punkte.

„Nur“ 14 Punkte Differenz.

[22h24] Kaum geschrieben – ja, ein Momentum Shift. Cutlers tiefer Ball auf WR Knox. Know im Laufduell mit DB Shields und Shields pflückt das Ei runter. Zwei INTs innerhalb kürzester Zeit.

[22h21] Und dann hätten wir den Fehler. Spektakuläre Interception für OLB Lance Briggs: Flacher Wurf, WR Drivers Fußspitze lenkt den Ball direkt in die Hände Briggs’. 49 sek und, ja: Momentum Shift?

[22h10] WICHTIGER Stop OLB Briggs gegen RB #44 Starks. Wieder kein 3rd down verwertet. Aber vor allem: Green Bay erstmal gebremst. Chicago beginnt an der eigenen 9. Bisher ging kein Drive wirklich lange und spätestens an der Grenze der FG-Reichweite war Schluss.

[22h05] 3rd downs bisher: GB 0 von 2, CHI 0 von 4.

[22h02] Die Packers killen die Offensive Line mit 3 Mann. Cutler kriegt trotzdem Rhythmus in den Drive – bis ein Holding gegen RB Taylor alles kaputt macht. Taylor, der in Minnesota als exzellenter Pass-Blocker galt und u.a. deswegen von den Bears für teures Geld eingekauft worden ist.

Und zum zweiten Mal punten die Bears von der 31yds-Line. Das Stadion klingt schon nach Booooo-Birds.

[22h00] LT Chad Clifton ist aus dem Umkleideraum wieder zurück und wärmt sich schon wieder an der Seitenlinie auf.

[21h51] Chicago 0, Green Bay 14. Green Bay wieder on fire. Lässt keinen Pass Rush durchkommen und Rodgers hat seine Receiver auch wieder schnell offen. Ich mache mir ernsthafte Sorgen, dass wir ein spannendes Spiel erleben werden. Chicago ist zwar aggressiv gegen den Lauf – aber die geschmähten Packers-RBs wursteln sich doch immer wieder ein paar yds durch. Touchdown RB Starks. Erster TD in der NFL-Karriere. Viel bessere Zeitpunkte als ein NFC-Finale kriegt er nicht mehr.

[21h44] Chicagos Offense hat an der eigenen Goal Line alle Probleme, den Safety zu vermeiden. Cutler in der Endzone nahe, nahe am Intentional Grounding, findet im allerletzten Moment den RB Forte in der Mitte (der den Ball nicht fängt) und ein Play später muss Forte schon einen Kraftaufwand veranstalten, um sich nicht von DE Jenkins in die Endzone ziehen zu lassen.

[21h40] Ende Viertel #1. Chicagos Defense ist auch dabei. Der LT-Backup Lang wird böse beiseite geschoben. ILB Urlacher ist durch und Green Bay fällt aus FG-Reichweite. Das Spiel fühlt sich nun danach an, was man erwarten konnte: Zwei Defenses, die die Offenses kontrollieren. Beide Offenses machen seit einiger Zeit kaum einen Stich.

[21h36] Als einer, der heute Nachmittag für ein lokales Online-Portal ein italienisches Drittliga-Spiel (mit Hellas Verona) bei -4°C im Freien begleiten durfte/musste, fühle ich durchaus ein wenig mit den Fans in Chicago mit. Wusste nicht, dass nach 97 Minuten die Finger sooo kalt werden können. Und Chicago fühlt sich 10 Grad kälter an…

[21h28] Green Bay läuft erstaunlich locker über die Mitte bzw. halblinke Seite. Links, dort wo sich der LT Clifton verletzt hat. Green Bay wird dann übermütig und probiert trotz Pass Rush ganz tief zu gehen. Das gelingt nicht. It’s Chicagos turn.

[21h22] Chicago mit der ersten Angriffsserie… Nicht so beeindruckend. Viel Druck der Packers auf Cutler. Das geht einmal gut, als RB Forte angespielt wird, für großen Raumgewinn. Das zweite und dritte Mal muss Cutler für Raumverlust werfen und macht bei 3rd down das, was ein Cutler unter Druck gerne macht: Er überwirft seine Receiver. WR Devin Hester wäre frei gestanden – mit einem Safety als Gegenspieler. Guter Punt tief in die RedZone hinein. Wenigstens.

[21h13] Chicago 0, Green Bay 7. Ein perfekter Eröffnungsdrive für die Packers. Rodgers hat zwar nicht ewig Zeit, aber dass der Mann weiß, wie er sich bewegen muss, hilft. Am Ende ist überraschend, wie hart Chicago auf das Laufspiel an der Goal Line reagiert. Green Bay in einer Formation mit 2 Fullbacks, schickt den beweglichen Rodgers Fake selbst aus 1yd in die Endzone. Rodgers rollt links raus und SS Harris kommt zu spät. Noch kein inkompletter Pass, mal eben 76yds durch die Luft. Beeindruckend.

[21h06] Dogfood bloggt wie immer in den Playoffs bei Allesaussersport auch wieder live.

[21h01] Das Wetter ist mir fast zu schön für ein Playoff-Spiel in Chicago. Ganz ehrlich.

[20h35] Guten Abend. Championship Sunday steht an. Chicago Bears vs. Green Bay Packers gibt es hier in der Vorschau von Sideline Reporter. Zum Klassiker ist alles gesagt. Um 21h geht es los – bei -6°C, die sich im Chicagoer Wind wie gepflegte -14°C anfühlen. Nur Schnee wird es diesmal keinen geben.

AFC Conference Championship Game 2010/11 Preview

Sonntag/Montag um 00h30 live bei ESPN America, Puls 4 und Sport 1+

Das NFC-Finale 2011 sorgt für feuchte Höschen. Das AFC-Championship sollte vor allem für blaue Flecken sorgen. Gestatten: Pittsburgh Steelers vs. New York Jets. Bad Boys und knochenharte Defense. Keine Angelegenheit für Offensiv-Feinschmecker und Laien.

Dafür das Duell des Superbowl-Rekordchamps Pittsburgh gegen die netten, aber unglücklichen Jungs von nebenan, die Jets, die in der Metropole New York City trotz Broadway Joe und der Superbowl-Sensation von 1969 über Jahrzehnte eine blasse Franchise blieben.

Das Duell der bösen Jungs aus Pittsburgh, die Woche für Woche erst mal mit Leeren des Briefkastens und Sortieren der Zahlungsaufforderungen von Mr. Goodell beschäftigt sind, gegen die lauten Jungs aus New York, deren Worte zwar in keiner seriösen Zeitung abgedruckt werden, die nach dem vergangenen Sonntag aber wenigstens Anerkennung gefunden haben.

Doug Brotzmanien

Ich kann mich noch verdammt genau an eine frühe Samstagnacht im Jänner 2005 erinnern. Die gesichtslose Gang Green aus New York zu Gast im Ketschupstadion bei der Sensation der NFL: Rookie-QB Big Ben Roethlisberger und seinen beinharten Steelers. Eine Nacht, in der Roethlisberger später als jeder andere Rookie-QB gegen die Mauer, den Rookie Wall, rannte und Interception um Interception warf. Die Jets bekamen ihrerseits keinen Fuß aufs Spielfeld und brachten offensiv nix zusammen. Es ist eines meiner höher gerankten NFL-Playoffspiele. Aber see here selbst…

Weiteres enges Spiel: Dezember vor ein paar Wochen, als die Jets die Steelers knapp 22-17 putzten und man sich nach dem Spiel getrost fragen durfte: Wie zum Teufel haben die Jets das gewonnen? Nach und nach wurden langsam die Steelers abgewürgt und am Ende ein knappes, aber sehr wichtiges „W“ mitgenommen.

Oldies auf der letzten Jagd

Wichtiges „W“s in fremden Stadien haben die Jets auch und vor allem in diesen Playoffs mitgenommen. Nacheinander die QB-Koryphäen Peyton Manning und Tom Brady IN deren Stadien abgewürgt zu haben – das zeugt von spielerischer Klasse. In New England hatte man am Fernseher nicht mal mehr den dringenden Verdacht, die Jets wären mehr Schmarotzer, Nutznießer eines suboptimalen Tages beim Gegner. Das war Football mit hoher Intensität, vor allem von der Front Seven, und eine Coverage-Arbeit, die du ganz selten siehst. Wie eng CB Darrelle Revis seinen Gegenspieler zudeckt, das hat schon was. Dazu eine Menge Druck auf die Offensive Line ausgeübt. Die Offense ist immer dann gefährlich, wenn das Laufspiel in die Gänge kommt und QB Mark Sanchez mit Play-Action arbeiten kann. So weit, so gut.

Rex Ryan

Für die New York könnten die Probleme eher im psychologischen Bereich liegen. Das Spiel gegen die Patriots war das Spiel der Spiele. Die Jets haben im Verlauf dieser Saison mächtig viel gequatscht, aber die vergangene Woche waren sie drauf und dran, die eigene Zunge noch zu verschlucken. Auch wenn das erklärte Ziel seit Sommer der Titelgewinn ist: Es fühlt sich momentan so an, als hätten die Jets das Wichtigste schon hinter sich und seien nun auf Bonus-Trip.

Dabei dürfte die Mannschaft trotzdem hungrig sein. Was da an Spielern rumläuft, die an anderem Ort und Stelle Pro Bowler, aber keine Super Bowler waren, ist faszinierend: RB LaDainian Tomlinson, CB Antonio Cromartie, DE Jason Taylor oder WR Braylon Edwards seien genannt. Stars, die schon Rost ansetzen und vielleicht auf dem Weg zu ihrer einzigen verbliebenen Titelchance sind.

Eher nicht die letzte Titelchance dürfte es für Head Coach Rex Ryan sein, der seit zwei Jahren die NFL mit seiner vorlauten Art aufmischt. Ryan dürfte wie für die Patriots auch für Pittsburgh wenig Empathie empfinden. Als jahrelanger Ravens-Defensive Coordinator dürften auch die Steelers als Nemesis gelten. Zumindest Ryan wird noch brennen, wenn auch das Feuer ein klein wenig aus der Mannschaft raus sein könnte.

Innerlich brennen dürfte aber auch WR/PR Santonio Holmes. Holmes war vor zwei Jahren ein integrales Bestandteil der Playoff-Steelers, als er mit Punt-Return-TD erst die San Diego Chargers erlegte und dann mit einem fassungslosen Catch die Superbowl entschied. In der Offseason vergriff sich Holmes erst an einer jungen Dame und griff danach zu tief in die Betäubungsmittelkiste. Ergebnis: Pittsburgh, wo auf gute Manieren abseits des Feldes Acht gegeben wird, schickte den jungen Mann für lächerliche Kompensation nach New York.

Der unscheinbare Oldie

In Pittsburgh kann sich nur ein Mann Fummeleien ohne Rausschmiss leisten: QB Big Ben Roethlisberger, der stämmige Mann mit den schweizerischen Wurzeln. Roethlisberger ist ein Brocken von einem Mann, ein rustikaler QB, auf dem Platz ein Siegertyp, aber abseits ein Rowdy: Vor ein paar Jahren schwer auf einem illegalen Motorradtrip verunglückt und monatelang mit Kopfverletzungen ausgefallen und in der Folge immer wieder durch Sauftouren und Weibergeschichten auffällig geworden. Verzwickt war die Lage wie auch bei Holmes im Frühjahr, aber Roethlisberger konnte nach grottig geführten Ermittlungen nichts nachgewiesen. Ober-Moralhüter Roger „Goodell“ schmiss Roethlisberger trotzdem für ein paar Wochen aus dem NFL-Verkehr.

Dick LeBeau - ©Flickr

Pittsburgh konnte auch mit Backup-QBs Dennis Dixon und Charlie Batch gewinnen, und Grund dafür ist die Defense: Blitzfreudig, zuweilen hart an der Grenze zur Illegalität (OLB James Harrison) und gesegnet mit einem Superstar in jeder Unit: NT Casey Hampton, der seit gefühlt drei Jahrzehnten die Löcher stopft, Harrison und Freigeist-Safety Troy Polamalu. Polamalu ist selbst für Laien sofort auffällig: Wehendes Haar und bei jedem Spielzug am Geschehen dran. Bei so viel Spektakel in der Defense darf ein Mann nicht vergessen werden: Defensive Coordinator DickLeBeau, einst chaotischer Head Coach in Cincinnati, aber ein genialer Defensivcoach und Erfinder des „Zone Blitzes“. Ein unscheinbares Männlein in den Mitt-70ern. Und immer noch fündig beim Lückenfüllen.

Die Defense ist spektakulär. Die Offense ist effizient, aber mehr nicht. Die Offensive Line war jahrelang eine Problemzone, aber u.a. dank des Einkaufs von Sensations-Rookie C Maurice Pouncey läuft es besser. Und „laufen“ ist wörtlich zu nehmen: Pittsburgh hat mit RB Rashard Mendenhall einen Mann, der gerne durch die Mitte läuft, über den Gegner drüber als drumherum. Ansonsten hängt natürlich viel an Roethlisberger und seiner jungen WR-Crew und TE Heath Miller.

Dem Coach sein Loblied

Mike Tomlin - ©Flickr

Es ist aber auch an der Zeit Pauken und Trompeten auszupacken und Head Coach Mike Tomlin ein Loblied zu singen. Tomlin wird immer etwas übersehen, hat er doch einst von Bill Cowher ein fast fertiges Team übernommen und nur an einen Stellen geschraubt – zudem machen die Assistenztrainer in Pittsburgh überproportional viel. Tomlin scheint hauptsächlich für die gute Stimmung im Team verantwortlich zu sein. Ein Job, den der Mann sicher top erledigt – wie man in NFL Films sieht: Tomlin ist ein cooler Hund samt High-Five und Sonnenbrille von Welt.

Das ist nicht der Punkt. Knuddeln könnte man Tomlin für seinen mutigen Play-Call am Samstag gegen die Ravens, als er gegen Spielende bei 3rd down einen tiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiefen 58yds-Pass aus der Trickkiste holte und im Endeffekt dadurch das Spiel eintüten konnte. Solche Play-Calls sind mitschuldig dran, dass ich mir diesen Sport überhaupt reinziehe. Dankesworte bitte nach Pittsburgh schicken.

korsakoff…

…macht das, was er nicht sollte: Er tippt wieder gegen die Jets. Pittsburgh gewinnt, aber es ist eine Bauchentscheidung. Das Spiel hat alles: Furchtlose Head Coaches, Top-Defenses und hungrige Spieler – hungrig auf Tackles und Ringe. Die Wir-gegen-Alle-Mentalität in beiden Lagern sollte das Quäntchen Extramotivation bieten. Grund genug, um trotz eines strengen Montags die Nacht um ein paar Stunden zu verlängern.

Damit sollten auch die letzten verbliebenen Luftvögel aus dem Titelrennen fliegen.

Was man aber nicht außer Acht lassen sollte: Man stelle sich eine Superbowl Green Bay Packers vs. New York Jets vor – und Brett Favre grad in den Ruhestand getreten 😉

NFC Conference Championship Game 2010/11 Preview

Sonntag, 21h live bei ESPN America mit Wiederholungen am Montag
Sonntag, ab 20h15 live bei Puls 4 mit Vorberichterstattung
Sonntag, ab 21h live bei Sport 1+

Football-Traditionalisten kriegen schon seit Tagen feuchte Höschen, wenn sie an das, nein: DAS Spiel der Spiele denken. NFC Conference Finale 2010/11: Chicago Bears gegen Green Bay Packers. Es gibt in der NFL viele hitzige Duelle. Am vergangenen Wochenende hatten wir Pittsburgh/Baltimore und New England/NY Jets. Im Vergleich zu Bears/Packers sind diese aber bloß aufgepeppte Lokalderbys und Produkt der lauten Medienwelt.

Chicago Bears gegen Green Bay Packers ist die älteste Rivalität der NFL-Geschichte, beginnend mit dem ersten Aufeinandertreffen 1921, als die Bears noch „Staleys“ hießen und Papa Bear George Halas die Packers für ein paar Tage aus der NFL ausschließen ließ, um einen Spieler zu verpflichten, an dem auch Green Bay interessiert war. Seitdem sind die beiden Mannschaften sagenhafte 181 Mal aufeinandergetroffen. Unglaublicherweise nur ein einziges Mal in den Playoffs. Die Jüngeren unter uns werden das nicht mehr in Erinnerung haben: Es war 1941, ein paar Tage nach Pearl Harbour…

Die 40er haben auch den Grundstein gelegt für die Spannungen zwischen beiden Franchises. Auf der einen Seite der charismatische Bears-Besitzer/Head Coach George Halas, auf der anderen Packers-Legende Curly Lambeau. Lambeau war Gründer, Spieler und Coach der Packers. Beide Männer haben ihre Teams zu sechs NFL-Titeln geführt.

Zwei der legendärsten Spiele zwischen den beiden gab’s in den 60ern. Spiele, die durch „Free Kicks“ entschieden worden sind. Free Kicks? Nie gehört?

Es gibt eine NFL-Regel, die besagt: Nach einem Fair Catch darf ein Team einen Free Kick ausführen (ergo: ein Kickoff ohne Tee), der 3 Punkte bringt, wenn er durch die Stangen geht. Hier ein Beispiel aus dem Jahr 2008:

Wussten Sie nicht? Wussten Anno 64 Bears und Packers auch nicht so wirklich, aber Paul Hornung verwandelte den Versuch und Green Bay gewann. Vier Jahre später war Lambeau bereits gestorben, aber Chicago hatte das Spiel nicht vergessen und rächte die Schmach: 13-10, mit der Differenz genau drei Pünktchen von einem Free Kick – der letzte gelungene in der NFL-Geschichte, wie auch Kenny Albert in obigem Video sofort aus dem Stehgreif zu erzählen wusste!

Die Rivalität blieb nicht stehen: In den 80ern geisterten durch die Umkleidekabinen Spickzettel mit den Namen derjenigen Gegenspieler, die bei Bears-Packers verprügelt werden sollten. Das führte gar dazu, dass Mitte der 80er mal ein Packers-Verteidiger zwei Spiele Sperre aufgebrummt bekam, weil er den Bears-QB für den Rest der Saison ausgeknockt hatte!

So, ein Date mit der Geschichte noch: Im Jänner 2004 hab ich zum ersten Mal eine NFL-Pressekonferenz gehört. Inthronisierung von Lovie Smith als neuer Bears-Head Coach. Smith wurde nach seinen Zielen als HC gefragt. Und Smith antwortete: The #1 goal, yeah. The #1 one goal ist to beat Green Bay. Nicht Superbowl-Champ zu werden. Green Bay zu putzen. Smith hatte alle seine Träume schon im zweiten Spiel erfüllt.

Seitdem ist die Bilanz zwischen beiden recht ausgeglichen. Anfang der heurigen Saison gewann Chicago, in Woche 17 Green Bay in einem fantastischen Spiel in Lambeau, in dem die Packers dringend siegen mussten, Chicago aber voll dagegen hielt und am Ende 10-3 gewann.

Who wants Karten?

Jay Cutler - ©pjstar

Sonntag, 21h MEZ spielen sich Bears und Packers das NFC-Superbowl-Ticket im Soldier Field aus. Soldier Field ist nach seiner Renovierung eines der kleinsten NFL-Stadien. Das dürfte aber nicht der einzige Grund dafür sein, dass sich die Ticket-Preise auf dem Second-Hand-Markt bei $500 für die oberen bis $2000 (!) für die unteren Ränge bewegen. Keine Business-Seats, sondern stinknormale Sitzplätze.

Dabei darf Chicago durchaus als leichter Außenseiter in diesem Spiel gelten. Die Bears haben zwar die AFC North gewonnen und Heimvorteil. Was beim Revue-Passieren der Bears-Saison aber auffällt: Viele glückliche Umstände, die da mitgespielt haben: Kaum Verletzte und in der Woche der schlimmsten Verletzungsprobleme kam mit Carolina fast ein Freilos. Dazu eine Reihe von Backup-QBs als Gegner, ein abgesagtes Auswärtsspiel gegen die Vikings und ein Pseudo-Auswärtsspiel gegen die Bills in Toronto und ein Freilos in den Playoffs gegen Seattle undundund…

Unterschätzen sollte man die Bears trotzdem nicht. QB Jay Cutler ist im Laufe der Saison immer konstanter geworden, parallel zur gewachsenen Dominanz der Offensive Line, die immer noch löchrig ist, aber im mittlerweile eher nach Frischbeton, denn nach Schweizer Käse riecht. Cutler hatte aber auch am Sonntag gegen Seattle wieder ein paar Würfe dabei, die nicht jeder bei vollem Verstand macht, z.B. an der Goal Line direkt in die Hände eines Verteidigers geworfen, der die INT fallen ließ.

Dazu kommt ein RB Matt Forte, der pro Spiel 2-3 längere Läufe einstreut und ein sehr guter Passempfänger ist. Chicagos Angriff ist optisch kein Genuss, wird dir aber 2-3 Touchdowns pro Spiel einschenken.

Die Defense ist etwas gesichtslos, aber bärenstark (harhar) gegen den Lauf. Die Defensive Line mit DE Julius Peppers und DT Tommie Harris lässt gemeinsam mit der Linebacker-Crew um die ewigen Brian Urlacher und Lance Briggs über die Mitte kaum Raumgewinn zu und würgt selbst Top-RBs reihenweise ab. Komischerweise fällt dabei aber in den letzten Wochen auf: Fehlen 1-2yds zum 1st down, kannst du über diese Defensive Line ruhig drüber laufen und du wirst das 1st down kriegen. Kurze Distanzen über 1-2yds dürften eine Schwäche der Bears sein – ich habe nur leider keine passende Statistik parat, um die These zu untermauern. Wenn da Green Bay mit Vorblocker/DT B.J. Raji daherkommt…

Und jetzt die Packers

Aaron Rodgers - ©pjstar

Green Bay hat eine dominante Performance in Atlanta hinter sich und darf getrost als heißestes Team NFL-weit gelten – obwohl an #6 gesetzt. Hauptgrund dafür: QB Aaron Rodgers, der nicht nur auf diesem Blog seit Mitte November Woche für Woche Lobeshymnen gesungen kriegt. Rodgers spielt aktuell fehlerfreien, inspirativen Football, hat die perfekte Abstimmung mit seinem Pack an Receivers und weiß auch haargenau, wie er sich in der Pocket zu bewegen hat und wann er scrambeln muss.

Was Rodgers seit Wochen ohne brauchbare Laufspiel-Unterstützung und mit dem Ausfall einiger wichtiger Receiver und Ballträger hinzaubert, ist allererste Sahne und schlicht beeindruckend. Man muss aber auch konstatieren, dass z.B. Atlantas Pass-Defense unter aller Sau spielte und teilweise meterweit von den Receivern entfernt war. Man werfe Chicagos gute Secondary und das ungemütliche Wetter im Soldier Field mit in den Mixer und herauskommen sollte ein deutlich schwierigeres Spiel für die Packers.

Die Defense der Packers ist angesichts der Verletzungen unglaublich drauf, #5 der NFL und vor allem stark gegen das Pass-Spiel. Es sind sehr intelligente Spieler dabei, wie CB Tramon Williams, den einst keine Sau draften wollte, der aber genau weiß, wann er in einen Pass springen darf (Matt Ryan!) und wann nicht. CB Charles Woodson ist so was wie die Allzweckwaffe: Gut in der Coverage und brandgefährlich auf der Blitz-Route.

Bei „Blitz-Route“ muss man natürlich sofort auf DEN Abwehrspieler der Packers denken: OLB/DE Clay Matthews jr., dessen Markenzeichen nicht nur die herumfliegende blonde Mähne ist, sondern vor allem die kaum zu bremsenden Energieanfälle beim Pass Rushing.

X-Factors

Soldier Field - ©flickr

Seit ein paar Tagen ist das Spielfeld im Soldier Field in der Schusslinie. Soldier Field liegt in unmittelbarer Nähe des Michigan-Sees und gilt als eines der rutschigsten Spielfelder, die du um diese Jahreszeit kriegen kannst. Beide Teams sollten damit Probleme haben. Green Bay ist stark auf Pass-Spiel ausgerichtet und sollte Probleme beim Routen-Laufen haben. Chicagos Defense ist eine, die mehr auf schnelle, denn auf kräftige Typen baut. Von daher kann ich mir gut vorstellen, dass auch die Bears unglücklich über den Rasen sein sollten.

Die Turnovers. Beide Teams gehören zu den besten, wenn es darum geht, INTs abzufangen und Fumbles zu provozieren. Turnovers werden in diesem Spiel sehr mitentscheidend sein.

Und schließlich der Spielausgang

Es gibt bei 3-5 nur mehr eine Chance, eine positive Post-Season-Bilanz beim Playoff-Tippen herauszuquetschen: Alle drei Spiele richtig zu tippen. Ich gehe diesmal mit den Packers, die seit ein paar Wochen einen mächtigen Lauf haben und womöglich dank QB Aaron Rodgers den entscheidenden Vorteil besitzen. Ich habe zweimal mit der Ein-Dimensionalität der Packers argumentiert, aber Rodgers hat beide Male mit leichter Unterstützung des Laufspiels reagiert und zwei eindrucksvolle Siege gelandet.

Green Bay wandert in die Superbowl.

AFC Divisional Playoffs 2010/11: New England Patriots – New York Jets

[02h08] Rex Ryan (sinngemäß) in der PK:

Es war nicht nur das Duell zwischen mir und Belichick. Dieses Duell habe ich verloren. Aber das entscheidende Duell war zwischen den Spielern und den Assistenztrainern. Das haben wir gewonnen.

[02h04] New York hat sich den Sieg mit einer überragenden Defense verdient. Sie haben die auch von mir gehypte und hoch gelobte Offensive Line der Patriots mit relativ wenigen Leuten kaputt gemacht. Damit hatten sie zig Leute in der Coverage und deckten alles zu. CB Darrelle Revis ist der lebende Beweis, dass es den „Shutdown Corner“ gibt. Nur selten musste New York Leute für Blitzes aufgeben – und in dem Fall war der Rush so schnell durch, dass Brady nicht werfen konnte.

New England hatte keinen Rhythmus und brachte keine Punkte zustande. Verdienter Sieg der Jets. Aber die Patriots haben mit ihrem Phlegma auch ihre Schippe beigetragen.

Damit sind beide #1 raus. Ich hatte es geschrieben: So eng habe ich die Top-6 der NFL noch nie zusammen gesehen. Trotzdem hatte ich zumindest fest mit einem Patriots-Sieg gerechnet.

Die Conference-Finals am nächsten Sonntag sind zweimal #2 gegen #6:

21h Chicago Bears – Green Bay Packers (NFC)
00h30 Pittsburgh Steelers – New York Jets (AFC)

Man kann sogar argumentieren, dass in beiden Fällen die #6 favorisiert ist. Aber ich sehe (mal wieder) nicht, wie die Jets das in Pittsburgh gewinnen können.

[01h44] EndstandNew England 21, N.Y. Jets 28. Sensation. Ich bin gerädert. Und over.

[01h43] New England 21, N.Y. Jets 28.Bend but don’t break. Die Patriots scoren. 24 Sekunden sind noch auf der Uhr. Der Onside Kick folgt in Sekunden.

[01h37] New England 14, N.Y. Jets 28. RB Shonn Greene macht den TOUCHDOWN. Das dürfte es gewesen sein. Und Ryan watschelt die 50yds in die Endzone.

[01h35] Der Onside Kick misslingt und CB Cromartie riskiert Kopf und Kragen und gewinnt: Return in die RedZone. Einen Fehlkick mal ausgeschlossen, gewinnen die Jets dieses Spiel.

[01h33] New England 14, N.Y. Jets 21. Ziemlich verrückt. Die Patriots müssen das Field Goal nehmen und sprinten völlig grundlos rein, um vor der Two-Minute-Warning zu kicken. Der Kick geht daneben, aber die Warning war schon erreicht. Völlig sinnlos, da es überhaupt keinen Unterschied gemacht hätte. Die Uhr wäre eh gestoppt worden.

[01h25] Adrenalinspiegel ist wieder im Begriff zu steigen. Die Jets werden innerhalb von gefühlten Sekunden gestoppt und dann kann PR #11 Julian Edelmann beim Punt zwei Kilometer geradeaus laufen. Die Patriots sind in der Nähe eines Field Goals. Das würde erstmal reichen – wenn die Jets nicht mehr scoren. Knapp drei Minuten noch. Pats mit 2 Timeouts.

[01h18] 5:15min vor Schluss scheitern die Patriots bei einem 4th down an der NYJ 34. Drei Timeouts für New England. Aber es braucht zwei Scores. Und die Jets sind nicht allzu weit von einem Field Goal entfernt…

[01h02] New England 11, N.Y. Jets 21. 7yds-Catch Holmes. Gleich zu Beginn kann WR Cotchery fast durchlaufen (58yds). Kurz danach ist WR Santonio Holmes im hintersten Eck der Endzone frei und mit einem artistischen Catch – fast wie der in der Superbowl damals. Es schnackelt Punkte und Touchdowns.

[00h53] New England 11, N.Y. Jets 14. 2yds-Pass auf TE Crumpler. Das Tempo angezogen. Und plötzlich funktioniert alles bei den Patriots. Zweimal ist WR Branch offen und CB Revis nicht im Bilde bzw. auf Raumdeckung getrimmt. Die 3rd downs, die noch das ganze Spiel nicht verwertet wurden, werden umgewandelt. Das Laufspiel ist bei den zwei Versuchen effizient. Und die Jets haben kein Mittel. Sogar die 2pt-Conversion passt. Es ist ein direkter Snap auf RB Sammy Morris. Was auch immer der OffCoord gesehen hat: Plötzlich ist Leben in der Bude.

[00h34] Nächster Versuch. Crumpler ist als Blocker gegen DE/OLB Pace hoffnungslos überfordert und die Pats haben Glück, dass Bradys Fumble im Team bleibt. Generell gilt: Gefühlt hat jeder Blitz der Jets Erfolg. Es ist noch früh, aber Spielverlauf und Körpersprache deuten schön langsam gen Sensation.

[00h24] Die Offensive Line kriegt immer noch nicht den Schutz für die Backs zustande. Zu wenig Zeit für Brady, sich seine Receivers auszugucken.

[00h16] So. Adjustments-Watching.

[00h08] HalbzeitNew England 3, N.Y. Jets 14. Eine überraschende erste Halbzeit. Überraschend, weil die Jets die Offense der Patriots bisher mit viel Druck auf QB Brady, notfalls mit Blitzes, und hautenger Deckung in der Secondary und in der Linebackers-Zone abwürgen. Überraschend auch, weil New England fehleranfälliger als normal spielt: Bradys überflüssige INT, der fallengelassene Touchdown, der Fumble beim Fake Punt.

Die Defense ist brutal anfällig gegen Play-Action-Fakes. Fast jedes Mal ist ein Receiver meilenweit offen und mittlerweile wirft Sanchez auch besser. Dazu kommt viel eingesetztes Laufspiel, nicht überaus effektiv, aber genug, dass die Defense aggressiv auf die Fakes reagieren muss.

Man kann drüber diskutieren, ob die Pats den Punt Fake spielen müssen. Ohne hätten die Jets vielleicht nicht mehr gescort. Die Defense sah direkt danach völlig überwältigt aus. Als hätte es keine Möglichkeit gegeben, dass der Fake NICHT erfolgreich sein würde…

[23h58] New England 3, N.Y. Jets 14. Das Pendel ist gen Jets geschwenkt. RB Tomlinson mit langem Lauf, WR Edwards mit dem TD über 15yds und von zwei Verteidigern nicht umzureißen. Noch 33 Sekunden. Die Patriots-Defense sieht grad ziemlich überrollt aus.

[23h56] Eier-Anfall in Foxboro. Die Patriots wollen in der eigenen Hälfte einen Punt-Fake ausspielen. Weil Pat Chung den Ball bei der Annahme fumbelt, geht die Geschichte schief. 1:14min, 3 Timeouts und ca. 40yds für die Jets. New York sollte scoren. New England kriegt als erstes den Ball in der zweiten Hälfte, onside kick außen vorgelassen…

[23h35] Die Aggressivität, mit der die Jets-Defense zu Werke geht, wird New England Kopfzerbrechen bereiten. Tom Brady hüpft ziemlich aufgeschreckt in der Pocket herum, findet lange keine Receiver und tut sich schwer, Rhythmus in die Offense zu bringen.

[23h33] Beutelbaerchen tickert auch wieder live mit.

[23h28] New England 3, N.Y. Jets 7. Anfangs eine zähe Geschichte. Aber bei 3rd down kauft sich Sanchez genug Zeit und ein traumhafter langer Ball auf WR Braylon Edwards, der auch sauber gefangen wird. Kurz danach erntet RB Tomlinson per kurzer Pass-Reception den Sechser. Schön – das Spiel ist spannend.

[23h24] Recht aggressiv, wie die Jets-Defense da zu Werke geht. Die Offense Line der Patriots wird mit viel Hitze über die Mitte unter Druck gesetzt, und wenn dann auch noch außen herum ein Safety daherkommt…

Brady schon 3x gesackt.

[23h18] Die Jets sind den Tick lauflastiger. Viel mehr kann man noch nicht herauslesen. Außer, dass QB Mark Sanchez schon zweimal sehr ungenau geworfen hat. Gefährlich, wenn die Safetys in der Nähe sind…

[23h09] New England 3, N.Y. Jets 0. Ziemlich unbeeindruckt und den ganzen Kader mit einbeziehend wandern die Patriots wieder in Richtung Jets-Endzone und selbst verstärkter Druck kann sie nicht bremsen. Am Ende kostet ein ganz einfacher Drop von TE Crumpler in der Endzone den Touchdown.

Okay, waren zwei Sacks der Jets (DE Ellis) drunter, aber den Touchdown haben die Patriots sich selbst kaputt gemacht. Gegen die schnelle Offense sehen die Jets aber gar nicht gut aus.

[22h56] New England marschiert im ersten Drive mit einer Leichtigkeit und Variation das Spielfeld hinunter und der Touchdown nur mehr eine Frage der Zeit. Und dann macht Tom Brady die lange erwartete und überfällige Interception. Nach 300+ Versuchen. RB #42 Green-Ellis nicht genau getroffen, LB Harris springt dazwischen und returniert in die RedZone.

Dort marschieren die Jets – rückwärts. Das Field Goal wird dann auch standesgemäß verkickt.

[22h45] Wes Welker hat irgendwas über Rex Ryan gelästert. Belichick fands nicht lustig und so wird Welker zu Beginn des Spiels erstmal auf die Bank gesetzt.

[22h41] Die Patriots deferren.

[22h40] Pünktlich zum Höhepunkt des Wochenendes ist jetzt auch dogfood bei Allesaussersport mit dem Live-Blogging eingestiegen.

[22h27] Die Patriots werden TE Aaron Hernandez einsetzen können. RB Fred Taylor dagegen nicht, aber es sollte ein verschmerzbarer Ausfall sein. Die beiden größten Namen auf der Inactive-Liste der Jets: OLB-Flop Vernon Gholston und, und das tut weh, KR/PR/Allzweckwaffe Brad Smith, der hie und da bei Trickspielzügen eingebaut werden konnte.

[21h38] Nicht vergessen: Chicago – Seattle läuft noch.

[21h33] Ein paar einleitende Worte zum finalen vierten Spiel an diesem Wild-Card-Weekend: New England Patriots vs. New York Jets.Es ist das meistdiskutierte Duell von allen – mehr in der Vorschau. Zwei Franchises, die sich nicht ausstehen können und die das auch ganz offen zugeben. Ein Blick auf das Titelblatt der New York Times von heute, 16.1.2011 (via Jan-Hendrik Böhmer):

New York Post Cover von heute, 16.1.2011

New York Post - ©Newseum

New England ist der Favorit. Sie haben eine Bilanz 14-2 aufzuweisen, sie haben mit Bill Belichick den dekorierteren Coach, mit QB Tom Brady den mutmaßlichen NFL MVP und sie haben vor wenigen Wochen die Jets 45-3 malträtiert. Bei all dem Hype kriegt ein Aspekt wenig Beachtung: Die überragende Arbeit der Offensive Line. Eine Offensive Line, in der mit Sebastian Vollmer auch der einzige Deutsche in der NFL spielt. Eine Würdigung von Spox’ Jan-Hendrik Böhmer.

Oft diskutierter Faktor bei Spielen in Foxboro: Das Wetter. Diesmal kommt es Couleur „sonnig, aber ziemlich kalt“ daher. Windig und Temperaturen bis -10°C waren vorhergesagt. Und hier der Blick ins Stadion.

NFC Divisional Playoffs 2010/11: Chicago Bears – Seattle Seahawks

[22h22] Endstand Chicago 35, Seattle 24. Chicago wird abknien. Gibt nicht viel zu sagen: Chicago war in allen Belangen überlegen.

Besser und ausbalancierter in der Offense – erst mit dem überlegenen TE Olsen, dann mit dem immer besser eingestreuten Laufspiel.

Besser in der Defense – wie oft ist da die Pocket kollabiert? Wie viel Laufspiel haben die Seahawks gehabt?

Besser in den Special Teams – Hester wurde irgendwann einfach gemieden. Dazu waren die Punts der Seahawks nicht wirklich prall.

Seattle dagegen so, wie man sie letzte Woche erwartet hatte. QB Hasselbeck war nicht schlecht aufgelegt. Aber wenn deine Receivers gar nichts fangen bzw. erst, wenns nur mehr um Geschmacksverstärker geht, kannstdugegenkeinenGegnerbestehen.

Trotz allem: Restlos überzeugend war Chicago nicht. Die Drives hatten nicht konstant Zug drin. Green Bay wird schon ein anderes Kaliber und dürfte als leichter Favorit in das Spiel gehen. Das älteste Spiel der NFL. Erst zum zweiten Mal in den Playoffs.

Das erste Mal haben nur die Älteren unter uns erlebt. Es war 1941.

[22h12] Chicago 35, Seattle 17. 3yds-Pass auf WR Mike Williams. Spektakulärer TD. Um ein Haar die INTs für CB Charlie Tillman – den Ball fängt diesmal Williams. Der hatte seine Drops schon. Garbage Time Touchdowns zum Aufpolieren der Stats, aber Seattle kann die Eindrücke nicht mehr schönen.

[22h03] Chicago 35, Seattle 10. 39yds-Pass auf TE Kellen Davis. 3rd and 1 für die Bears. Play-Action, und Cutler kann den ganz normal geradeaus gelaufenen Davis bedienen. Im letzten Moment springt noch Safety #29 Thomas rein, kommt nicht mehr an den Ball. Chicago hat damit Uhr runtergelaufen UND sogar noch einen Touchdown draufgelegt.

[21h45] Chicago 28, Seattle 10. Angesichts des Drucks, den QB Hasselbeck mal über die Mitte, mal über die blinde linke Seite kriegt, ist das ein Wunder. Der völlig unmotivierte HB-Pass von Forte somit bestraft. 9 Spielzüge, 33yds. Nicht mal 4yds/Play. An der Goal Line werden haufenweise Receivers aufgestellt. Im dritten Versuch ist WR Mike Williams frei. „Nur“ noch 18 Punkte.

[21h37] Ich habe angesichts des dahinplätscherndes Spiels in Chicago schon mal den Thread für das AFC-East-Duell New England – N.Y. Jets aufgemacht.

[21h32] Weil es zur Verletzung von eben (CB Trufant) passt: ESPN.coms Chris Mortensen hat erst heute Nachmittag über die Ausrüstung geschrieben.

[21h25] Chicago 28, Seattle 3. Nach abgefälschten Bällen in der Endzone nimmt Pete Carroll in der RedZone das Field Goal. Damit ist der/das Shutout verhindert. Anderen Sinn sehe ich nicht darin, bei 0-28 Ende des dritten Viertels Field Goals zu schießen.

[21h18] Chicago 28, Seattle 0. Wieder läuft Cutler selbst durch. Jetzt sind die Ersatz-Sargnägel gleich auch noch eingeschlagen. Ein unrhythmischer Drive mit einem Schlüsselspielzug: Langer Ball auf einen weit offenen WR #13 Johnnie Knox. Der Rest ist klein-klein und Chicagos Skill Player haben stets alle Räume und Zeiten dieser Welt. Wieder sieben Minuten von der Uhr genommen, noch 4:19 im dritten Viertel. Cutler macht noch was, um Sympathiepunkte zu sammeln – hätte man nach unten verlinktem Artikel nicht glauben können.

[21h11] Die Minuten sind grad wieder bange. Diesmal liegt CB Marcus Trufant seit Minuten regungslos am Boden. Auf dem ganzen Feld verstreut schicken Freund und Feind ihre Stoßgebete ein paar Etagen höher.

[21h01] Oh my gosh. Wie alt ist Mike Tice geworden?

[20h57] Ich meine, ich schätze ja schnelle und präzise ausgeführte Arbeit. Aber ein Footballfeld effizient vom Schnee räumen? Nicht gerne sehen.

[20h41] Halbzeit Chicago 21, Seattle 0. Chicago braucht noch nicht mal eine gute Vorstellung. Seattle ist in Offense und Defense einem 7-9 bzw. 8-9 Team angemessen. Viele offene Räume und inkonsequentes Tackling in der Defense. Die Offense hatte bisher 7 Drives. Resultat: 7 Punts. Und es sind Drives, die über nicht mehr als 3-4 Plays gehen. Seattles Receiver mit Zitterfingern, aber auch das Playcalling finde ich suboptimal: Da wird mit jedem Wurf das 1st down gesucht und Laufspiel wird merkwürdigerweise gemieden wie die Pest: 8 Rushes, darunter 1x Option.

Hasselbeck hat 10 Completions für 84yds. Cutler nur 8. Für 177yds. Chicago setzt Laufspiel immer mal wieder ein und macht 4,4yds/Lauf.

Genickbruch für Seattle sind aber die 3rd downs: 1-von-8. Ich gebe Seattle keine Chance auf ein Comeback in diesem Spiel.

[20h34] Das Spiel gibt nicht viel her, daher eine ziemlich faszinierende Geschichte: QB Matt Hasselbeck erlebt heute schwere Zeiten auf dem Feld. Aber das ist nix im Vergleich zu dem, was der Mann schon alles gesehen hat: Matt Hasselbeck hat einen Blitzschlag überlebt. So did seine Ehefrau Sarah. Noch krasser: In einer Leprakolonie im Kifferparadies Jamaika rettete Hasselbeck einst ein Kind vor dem Ertrinken in einer Jauchegrube! Der Dank: Hasselbeck bekam Hepatitis. Für die Interessierten: Hier ist die ganze, faszinierende Geschichte.

[20h26] Es geht einfach nicht. QB Hasselbeck wirft phasenweise ganz anständige Bälle, aber da wird einfach zu wenig gefangen. Nicht jeder Pass ist ein Muss zum Fangen, aber: Die schiere Masse an fallengelassenen Bällen ist Wahnsinn. Und auch der Punt ist zum zweiten Mal sehr wackelig – und diesmal tut’s richtig weh: 150 Sekunden und Chicago darf in der gegnerischen Platzhälfte beginnen.

[20h18] Die Seahawks hatten heuer viele Probleme. Eins davon: Sie haben sich immer wieder ohne Gegenwehr abschlachten lassen. Nach 21 Minuten und 21 Punkten Rückstand mal wieder eine Lebenszeichen: Die Bears nach einem runden Drive samt Laufspiel doch noch vor Scoring Range abgewürgt.

[20h01] Chicago 21, Seattle 0. 6yds Lauf Cutler. Schwarzer Tag für Seattles Defense. Null Pass-Rush, null Zugriff auf TE Olsen, ausrutschende Verteidiger überall und schwache Deckung. Das Spiel erkläre ich im Prinzip für entschieden. 10:07min noch im zweiten Viertel.

[19h45] Chicago 14, Seattle 0. 1yds-Run RB Chester Taylor. Keine 14 Minuten gespielt, aber schon 14 Punkte Vorsprung für die Bears im Schneegestöber von Chicago. PR Devin Hester leitet den TD mit einem langen Return ein. TE Greg Olsen ist mächtig im Game Plan drinnen und ist auch für Linebackers nicht zu decken. Die Goal Line-Bastion fällt im fünften oder sechsten Versuch – unter anderem nach einer Anfallvonhirntot-Aktion Cutlers, der einen Ball direkt in die Hände eines Verteidigers wirft. Aber der fängt auch nicht besser als die Hawks-Receivers.

[19h36] Ich mache keinen Hehl daraus, dass eingangs erwähntes „Schnee, der soll erst in der Nacht kommen“ Schmarrn war. Der Schneefall wird intensiver. Playoff-Wetter. Und Seattles Receivers haben heute die Butterfinger mitgenommen. Schon zwei Drops bei 3rd downs und damit zum dritten Mal ein Drive mit Punt beendet.

[19h31] Ich habe QB Jay Cutler bisher stets verabscheut wie die Pest. Bis ich diesen Artikel bei ESPN gelesen habe. Zugegeben, kein Meisterwerk und auch kein positives Bild von Cutler zeichnend. Strange, aber das Ausmaß der Verabscheuung ist seitdem etwas kleiner.

[19h21] Weil Seattles TE Carlson nach einem bösen Aufprall mit dem Kopf auf der harten Seitenlinie minutenlang behandelt werden muss, ist drüben money making angesagt. Gnadenlos wird eine Werbepause nach der anderen eingepflaumt. Carlson macht auch beim Abtransport keinen Zucker.

[19h12] Chicago 7, Seattle 0. Das ging schnell. Erster Drive, dritter Spielzug. QB Cutler mit dem langen Ball auf TE Greg Olsen, der einen Defensive Back mal eben locker abhängt und geradeaus 58yds in die Endzone durchläuft.

[18h23] Beide Mannschaften haben alle fraglichen Spieler fit gekriegt. MLB Lofa Tatupu, das Herz der Seahawks-Verteidigung, spielt trotz Gehirnerschütterung am letzten Samstag mit.

[17h48] N’Abend allerseits. Chicago Bears vs. Seattle Seahawks steht an – das gefühlt einseitigste Duell an diesem Wochenende. Ich verweise auf meine Vorschau. Für Seattle spricht eigentlich kaum etwas.

Gestern wurden die ersten beiden Vögel gerupft – Raben und Falken. Und das Vogelsterben wird heute weitergehen, wenn nicht eine noch größere Sensation als am letzten Wochenende passiert. 2010/11 ist keine Saison für die Raubvögel. Auch wenn Oasjs da nicht ganz so überzeugt davon ist.

Throw-Away-Fact: Dank beutelbaerchen wissen wir, dass Chicago zum ersten Mal seit Superbowl XLI ein Playoffspiel bestreiten wird. Superbowl XLI war vor vier Jahren in Miami das Gewürge im strömenden Regen, ein Duell zwischen zwei fehlerträchtigen Mannschaften ohne würdigen Sieger. Nach Jahren im Niemandsland nun also die Rückkehr der Bears. Es wird einige Grad unter Null haben, aber der Schnee, der soll erst in der Nacht kommen. Für den vollen Football-Genuss leider ein paar Stunden zu spät.

NFC Divisional Playoffs 2010/11: Atlanta Falcons – Green Bay Packers

Der F5-Ersatzlinkfürsliveblogging.

[09h28] Der Vollständigkeit halber: Endstand Atlanta Falcons 21, Green Bay Packers 48. Beutelbaerchen weißt in den Kommentaren auf darauf hin, dass KR Eric Weems mit 195yds genau einen Yard mehr Raumgewinn gemacht hat als Atlantas komplette Offense. Ein gutes Schlusswort, wie ich finde.

[05h00] Slapstick zum Abschied. QB Matt Ryan fumbelt beim Versuch zu sneaken den Snap. Während QB Rodgers immer noch wirft, verabschiede ich mich. Was nehme ich mit?

Green Bay ist gefährlich. QB Aaron Rodgers jedes bisschen Hype wert, mit dem auch ich ihn gehypt habe. Aber man sollte nicht vergessen, mit welcher Secondary und mit wie wenig Druck er es heute zu tun hatte. Chicago wird ein anderes Pflaster.

Atlanta war auf allen Ebenen eine einzige Enttäuschung. QB Matt Ryan beim angekündigten Outcoming mit einer schwachen Performance. Die INT kurz vor der Pause hat das Spiel letztlich entschieden. Auch wenn Green Bay ansonsten trotzdem Drive für Drive Punkte zwischen sich und Atlanta gelegt hätte.

Verdienter Kantersieg, keine Frage. Aber bitte die Verfassung des Gegners im Auge halten, ehe man Green Bay schon jetzt zum Superbowl-Champ hochjazzt. Good night.

[04h53] Ah ja. Frank Reich.

[04h48] Atlanta 21, Green Bay 42. FOXes Joe Buck spricht gerade von Falcons take it over, looking for a miracle here at home. Hach ja, Green Bay hat grad ein Field Goal verschossen. 21 Punkte für 12:55 Minuten. Jo. Ist schon mal aufgeholt worden. Und ich brauche Gründe, wach zu bleiben.

[04h40] Atlanta 21, Green Bay 42. Die Packer-Defense spielt mit halber Kraft. TD Roddy White. Kommt jetzt ein Onside Kick? Oder QB Matt Flynn, der Mann von der Robert Lee High School?

[04h26] Atlanta 14, Green Bay 42. Ich glaube nicht, dass eine #6 jemals eine #1 in den Playoffs so in Grund und Boden gespielt hat. Atlantas Vorstellung ist nur noch absurd. Was haben die zwei Wochen lang gemacht?

Das lange U steht für Kuhn. Die Fans haben nicht mal mehr die Kraft, es zum Booo zu machen.

Fünfter TD in Serie. Wäre der Kickreturn nicht gewesen, es wäre der sechste.

[04h16] Irgendwann zu Beginn des Spiels wurden mal 99dB im Georgia Dome gemessen und man fieberte, ob die 100 geknackt würden. Jetzt ist man gespannter, wann die Reihen beginnen, sich zu lichten. Die Falcons hatten trotz der starken Regular Season auch heuer Probleme, den Dome zu füllen. Und die Fans werden heute nicht grad animiert, zu bleiben.

[04h09] Atlanta 14, Green Bay 35. Es wird Zeit, die Abgesänge auf Atlanta anzustimmen. DE John Abrahams Energieanfall verpufft wirkungslos, weil Rodgers’ Armada weitermacht wie gehabt. Achja, und jetzt funktioniert sogar der Lauf wie am Schnürchen, weil Atlantas Defense grad die glitschigen Handschuhe angezogen hat.

Die Secondary war eine augenscheinliche Schwäche, ja. Aber dass die gesamte Defense in Kombination mit schwachem Pass Rush ein so derart jämmerliches Bild abgeben würde… Nope, das war dann nicht zu erwarten.

QB Aaron Rodgers mit einer fantastischen Performance. Green Bay spielt wie der NFC-Superbowltipp, als den ich Green Bay im Sommer gesehen hatte und den ich zwischendurch schon geneigt war, abzuschreiben. Das wäre damit zurückgenommen.

[03h51] Vier Touchdowns für Green Bay im zweiten Viertel. Und CB #38 Tramon Williams erlebt grad saubere Zeiten: Letzte Woche Vicks Pass zum Sieg abgefangen. Heute zwei INTs. Einmal den TD verhindert. Und einmal den TD gleich selbst gemacht.

[03h41] Halbzeit Atlanta 14, Green Bay 28. Wird Zeit, die Superlative auszupacken. 10 Sekunden auf der Uhr, Atlanta ohne Timeouts. Versucht, das Field Goal kürzer zu machen. Ryan mit dem Pass links raus und CB Williams springt rein, INT und zum TOUCHDOWN returniert. Atlanta schmeißt sein Spiel und seine Saison weg.

Eine furchtbare Halbzeit für die Falcons. Die Defense lässt sich nach Strich und Faden vorführen. Green Bay mit langen, langen Drives über 81 und 92yds, bei denen Laufspiel höchstens Alibi-Funktion hatte. Die Secondary wird VERBRANNT. Und zwar Spielzug für Spielzug.

Auf der Gegenseite reicht den Packers pro Drive ein Energieanfall von OLB Clay Matthews auf einer Blitz-Route, um den Drive zu beenden. Und beide INTs nicht wirklich notwendig. Oder besser: Völlig sinnlos. Vor allem die letztere ein Anfall von „hirnamputiert“.

Wenn Atlanta nicht schnell Adjustments hinkriegt, ist die Saison fürn Popo.

[03h33] Atlanta 14, Green Bay 21. Und es schaut ja alles so spielerisch aus. QB Rodgers kriegt Zeit, scrambelt notfalls ein bisschen durch die Halle und findet einfach JEDES Mal einen Abnehmer. 42sek vor Halbzeit überspringt WR James Jones (1,85m) mal eben CB Brent Grimes (1,78m) um 10-15cm und pflückt die Kirschen aus der Luft. Das wird noch bitter für Atlanta heute. Nein: Das ist schon bitter.

[03h19] Eigentlich ein Spiel ohne Secondarys und Pass Rush. Ehe Green Bay nahe der RedZone beginnt, Defensive-Backs-Blitzes einzusetzen. Ergebnis #1: Sack gegen QB Ryan. Und einen Spielzug später hat Ryan zwar dank 3-Mann-Rush viel Zeit, lupft dann einen Ball, der nach „Verhungere, Verhungere!“ schreit, in die Endzone. INT für DB Williams und drei verschenkte Punkte der Falcons. 2:22min in Halbzeit 1 to go.

[03h09] Atlanta 14, Green Bay 14. Während die einen einfach durchlaufen, müssen die anderen arbeiten und schwitzen. Resultat ist dasselbe: Touchdown. Rodgers mit einem PASSFEUERWERK. At his best. Ob schnell oder im Lauf aus der Pocket: Rodgers mit einer einzigen Incompletion und einer Orgie an präzisen Bällen, und die WRs mit teils spektakulären Catches.

Atlantas Pass-Defense schaut ziemlich hoffnungslos aus. Schlampige Deckung bzw. Strafen prägen das Bild. Besorgnis erregend.

Am Ende verwertet RB Kuhn. Hinter dem Teilzeit-FB B.J. Raji.

[02h56] Atlanta 14, Green Bay 7. #14 Eric Weems. Ein spektakulärer Kickoff-Return. Drei, vier Fakes per Tippelschritte und ohne Berührung 102yds durchgelaufen. Wie schrieb ich? Die Special-Teams-Coverage der Falcons als Schwäche? Dass die Falcons auch mit einem Pro-Bowl-Returner aufwarten, stand da nicht. Jetzt wissen wir das auch. Und schon hat sich das Wachbleiben gelohnt.

[02h53] Atlanta 7, Green Bay 7. Unendlich langer Drive der Packers. 13 Plays, 81 Yards. Rodgers bringt jeden Ball an den Ball, großteils kurze, schnelle Pässe. Erst gar nicht zulassen, dass irgendetwas Rot-Schwarzes vor Rodgers auftaucht. Keine spektakulären Würfe für QB Rodgers, aber im Mix mit Laufspiel ist die Effizienz die Maxime. Touchdown macht WR Jordy Nelson, der schon mit 3rd-down-Catches den Drive am Leben erhielt.

[02h47] Deutschland schläft nicht. Live-Ticker bei Beutelbär.

[02h44] Dem langen UUUUUUUUUUUUUUUUUUUUH für RB Kuhn nach zu urteilen, sind wieder einige Packers-Fans im auswärtigen Stadion. War in Philly auch schon so gewesen.

[02h37] Atlanta 7, Green Bay 0. Nach dem Matthews-Sack gegen QB Ryan sah es schon nach gestopptem Drive aus. Am Ende wird RB Michael Turner nach 7 Plays, 48yds in die Endzone gedrückt.

[02h28] BIG PLAYS auch hier. 3rd and 13, QB Aaron Rodgers findet den offenen WR James Jones Greg Jennings, der durchläuft. Bis ihm auf einmal der Ball aus der Hand geschlagen wird. CB #20 Grimes mit einem wilden Return. Turnover #1 und es dauerte kein halbes Viertel.

[02h23] Green Bay deutet schon an, wie sie Atlanta bremsen wollen: Viel, viel Hitze in die Fresse von QB Matt Ryan schicken. Atlantas Gegenrezept: Warten, warten, warten. Um im letzten Moment auf WR Roddy White zu werfen.

[02h14] Die Fähnchen-Choreografie im Georgia Dome erinnert ja schon mal an Parteitage bei Kim Jong Il.

[02h08] Zweites Spiel. Falcons – Packers. Vorschau gibt es an dieser Stelle. Und vorerst weiterhin mit dem innovativen KLICK-DEN-LINK-Link direkt unter dem Header.

AFC Divisional Playoffs 2010/11: Pittsburgh Steelers – Baltimore Ravens

Der F5-Ersatzlinkfürsliveblogging.

[02h01] Endstand Pittsburgh Steelers 31, Baltimore Ravens 24. Jo. Völlig verrücktes Spiel gewesen – und nach einem unnötigen Drop von T.J. Houshmanzadeh beim 4th down zu Ende. Die Steelers mit heftigem Druck durch Blitzes beim letzten „Drive“. Flacco unter Druck bekam nix mehr gebacken.

Ich denke, ich muss meine Top-10 NFL-Spiele umschreiben. DIESES Spiel gehört da rein. Baltimore im Selbstzerstörungsmodus im dritten Viertel, fing sich im Schlussviertel einigermaßen.

Das Spiel haben sich die Steelers aber verdient mit dem, nein: DEM Call. Beim laaaaaaaaaaaaaangen 3rd down zwei Minuten vor Schluss eine tiefe Bombe werfen, genau in die Arme, samt fassungslosem Catch von WR Emanuel Sanders – ein Rookie. Verwegen. Und daher verdient.

Baltimore hatte immer dann Zugriff auf Roethlisberger und das Pass-Spiel, als man zusätzliche Rusher losschickte. Drei-Mann-Druck und dichte Coverages dagegen eher ineffizient. Und am Ende tödlich, trotz der minutenlangen Verteidigung der Goal Line.

Ein Spiel mit 55 Punkten. Bei INSGESAMT 389 Offensiv-Yards. Richtich, beide Teams zusammengerechnet. Dazu kommen 167 Yards durch Strafen – auch die Summe beider Teams.

Die Steelers haben das zurecht gewonnen. Aber sie haben es nur gewonnen, weil Baltimore es weggeschmissen hat.

[01h54] Ich meine… Squib? Baltimore hat 87 Sekunden, und beginnt an der PIT 48.

[01h52] Pittsburgh 31, Baltimore 24. Das dritte Mal hält die Defense nicht. Das dritte Mal im dritten Down. RB Mendenhall powert sich durch. Ganz großer Sport von Offensive und Defensive Line.

1:33min to go. Baltimore hat ein Timeout. Und kriegt eine 15yds-Strafe nach einem Personal Foul der Steelers.

[01h50] Ziemlich verwegen. Pittsburgh WIRFT an der Goal Line. Baltimores Defense fängt sich ein tödliches Holding ein. Und die Lines geben sich die Kante. Kein Durchkommen über die Mitte…

…und an der Seitenlinie rastet John Harbaugh jetzt ganz aus. 3rd and goal. 1:39 to go. Ravens mit einem Timeout und wir sind an der 2yds Line.

[01h44] Two-Minute-Warning. PIT mit einem 3rd down in der gegnerischen Platzhälfte. Was tun? Big Ben Roethlisberger mit einem fassungslosen tiefen Ball genau in die Arme von WR Sanders! PIT kann schon in die Endzone greifen. 2-3yds noch.

Und wieder nur Rush mit 3 Leuten. 8 Mann in der Deckung. Und Sanders kann zwischen zwei DBs durchlaufen. Ziemlich… beschissen für die Ravens.

[01h34] Ich verspüre grad kein Bedürfnis, meinen Koffeinspiegel weiter zu dopen. Und am Horizont dämmert schon die Overtime…

[01h31] Pittsburgh 24, Baltimore 24. Jo. Die Ravens hätten nicht laufen sollen. Da ging nämlich nix. 3:54min to go.

[01h27] 55yds Punt Return der Ravens zum Touchdown durch ein Holding zurückgepfiffen. Schade. Hätte nicht besser ins Bild passen können.            

[01h22] Langweiliger Ravens-Drive. Null Punkte. Null Fumbles. Noch 7:34min.

[01h11] Pittsburgh 24, Baltimore 21. Ähh. Field Goal-Versuch der Steelers – UND ALLES LÄUFT NACH PLAN?

Pittsburgh spielte in der gegnerischen RedZone ein 4th down aus, aber drei Plays später kollabierte die Pocket und OLB Suggs mit dem nächsten Sack. Baltimore bleibt damit im Spiel, dank Defense, die noch randvoll mit Testosteron ist.

[01h07] Ende drittes Viertel, 21-21. Baltimore wird grad ziemlich überwältigt. Ein Viertel, das sich in Zahlen so liest:

Offense Yards: BAL -4, PIT 78
Turnovers: BAL 3, PIT 0
Ballbesitz: BAL 3:47min, PIT 11:13min

[01h03] Ich bin enttäuscht. Baltimore zeigt den Fumble. Aber wo bleibt die Touchdown-Recovery? Pittsburgh recovered an der BAL 24. Das Spiel ist KRANK.

[01h00] So, meine Herren. Ich wünsche mir einen Fumble, den ein Offense Liner zum Touchdown recovered. Machbar?

[00h58] Pittsburgh 21, Baltimore 21. Diesmal kein Sprung von der Schippe. Baltimores Defense eigentlich mit keiner schwachen Leistung, spielt aggressiv. Um bei 3rd down mit nur drei Leuten zu kommen. Roethlisberger hat ewig Zeit, findet WR Hines Ward in der Mitte. Ausgleich, 1:21 im dritten Viertel noch.

[00h53] Was machen die Ravens? Gehen raus, QB Flacco wirft einen Ball vertikal das Spielfeld runter. Der Ball hängt… und hängt… und hängt… und hängt… und hängt… und hängt… stundenlang in der Luft, und fällt FS Ryan Clark butterweich in die Arme. Da war der Receiver weit, weit weg. Return und PIT schon wieder in der RedZone.

Damit ist offiziell: Keiner will eine schnelle Entscheidung in dem Spiel.

[00h46] Baltimore von der Schippe gesprungen – gemessen an der Leichtigkeit, mit der Pittsburgh das Feld runtermarschierte. Erst eine großartige Pass-Abwehr bei einem langen Ball zwei Meilen das Spielfeld runter, dann werden die Steelers übermütig und fehlerhaft: Missglückter End Around (warum eigentlich ein end around?) und Fehlstart. Im eigenen Stadion.

[00h43] Grade bei dogfood gefunden: Der Throw-Away-Fact des Monats.

Wie lautet der Gesamtscore der letzten 17 Begegnungen der Steelers gegen Ravens? 302 zu 302.

[00h39] „Publikum ist wach“. Hellwach sogar. Plötzlich ist Baltimores Offense wie kastriert. Und wird überrollt.

[00h33] Pittsburgh 14, Baltimore 21. Momentum ist ein Unwort. Aber eines mit wahrem Kern. Zwei Plays, ein Lauf über die Mitte plus 9yds-Pass auf einen weit, weit offenen TE Heath Miller in die Endzone. Das Spiel ist offen, das Publikum wach. Eiskalt schmarotzt von den Steelers.

[00h28] Jetzt sind die Ravens dran, das Spiel wegzuschmeißen. Langer dritter Versuch. Keine Chance für Rice, das 1st down zu machen. Also?

FUMBLE! Und OLB Woodley ging noch nicht mal auf den Ball. PIT an der BAL 24. Smells like Punkte.

[00h25] Pittsburghs Offense kommt nicht weit – weil Baltimores Defense mit dem Safety-Blitz arbeitet. FS #43 Nakamura kommt gänzlich ungeblockt durch und fällt Roethlisberger. Der Mann ist bedauernswert. Baltimore mit zwei Männern über die rechte Seite der Offense Line. Also nix mit Blind Side.

[00h19] Die versprochenen Stats.

Offense Yards: Baltimore 98, Pittsburgh 114
Sacks: Baltimore 3, Pittsburgh 1
Strafen: Baltimore 3 für 52yds, Pittsburgh 6 für 68yds. Pittsburgh hatte bis wenige Spielzüge vor der Halbzeit mehr Yards an Strafen kassiert, als die Offense Yards gutgemacht hatte. Unfassbar.
Baltimores Laufspiel ist ziemlich abgewürgt: 2,3yds/Lauf. Überraschend, das Tackling wirkte schwach.
Turnovers: Baltimore 0, Pittsburgh 2. Das war entscheidend. Baltimores Offense musste nach beiden Turnovers INSGESAMT 16yds machen. Für 14 Punkte.

Das Spiel selbst betrachte ich immer noch als offen. Die Steelers werden beginnen, die Köpfe sollten abgekühlt sein – und die Fans sollten schnell zurückkommen. So gelichtet wie die Reihen grad sind.

[00h09] Halbzeitstand Pittsburgh Steelers 7, Baltimore Ravens 21.

Was jetzt stählern sein muss: Die Nerven der Steelers. Nach dem unglaublichen Fumble-Return-TD durch DT Redding fielen die Steelers in sich zusammen. Zu viele Löcher in der Offense Line, zu viele Fehler in der Offense, zu viele Strafen. Würden die Steelers so tackeln, wie sie die Ravens nach Snap-Ende angehen, die Defense hätte zumindestens einen Touchdown verhindert.

Grad als die PIT-Offense sich ins Spiel zurückgrooven zu schien (jo. Ganz l…a…n…g…s…a…m), schlug der Ketchup-Fluch zu: Heinz Field für Kicker. K Shaun „Shame“ Suisham aus 43yds links daneben. -14, und niemand ist glücklicher über den Halbzeitpfiff als Pittsburghs komplettes Team samt Anhängerschaft. Pittsburgh wird im dritten Viertel nach dem deferren den Ball kriegen.

Gleich ein paar Statistiken – da fällt einiges ins Auge.

[23h47] Pittsburgh 7, Baltimore 21. Pittsburghs Offense ist vonderRolle. Baltimores Offense macht das methodisch und kommt mit Klein-Klein und Broken-Play-Fähigkeiten von QB Joe Flacco (!) zum Touchdown. TE Todd Heap darf die Punkte sammeln.

[23h42] Mitte zweites Viertel. Pittsburghs Offense ist völlig aus dem Tritt. Roethlisberger hat grad keine ruhige Sekunde nach dem Snap, abgefälschte Bälle und viele Strafen. Konsequenz: RB Rashard Mendenhall darf ran. Fumbelt! Und die Ravens beginnen an der 16. Zweiter Turnover Pittsburghs.

[23h29] Baltimores Pass Rush zerkrümelt Pittsburghs Offense eingangs zweites Viertel gerade gewaltig. QB Roethlisberger kriegt mächtig auf die Fresse.

[23h20] Pittsburgh 7, Baltimore 14. Stichwort „schmutzig“. Nicht die feine englische, was DE/OLB Terrell Suggs da veranstaltet. Fieser Tackle gegen QB Roethlisberger, der danach durch die Gegend humpelt. Um einen Spielzug später erneut von Suggs angegangen zu werden, diesmal den Ball zu verlieren.

Es wird kurios. MLB Ray Lewis steht in der Gegend herum. DT Redding klaubt den Ball auf und trottet mutterseelenallein die paar Yards in die Endzone, während die komplette Steelers-Offense sich schon zum nächsten Spielzug sortiert. Die Replays verneinen tatsächlich Tuck Rule. Touchdown, PIT hat im ersten Viertel alle Challenges verloren und ein böser Fehler der Steelers. Das wird für Häme sorgen.

[23h12] Pittsburgh 7, Baltimore 7. Kaum schrieb ich von Strafen „nur gegen Baltimore“ kassieren diesmal die Steelers bei 3rd and 15 in der eigenen RedZone die PI. Dann vollendet RB Ray Rice mit einem wuchtigen Lauf samt gebrochener Tackles. 7-7, und noch sind wir im ersten Viertel. Ach ja: Der Drive war ähnlich aufgebaut wie der Steelers-Drive von eben. Nur, weil wir von auch optischer Ausgeglichenheit gesprochen hatten.

[23h09] T.J. Houshmanzadeh ist zwar Neo-Raven, aber durch seine lange Bengals-Zeit schon Steelers-geschädigt. Houshmanzadeh wird erst der Schulterschutz herausgerissen, dank per Kopfstoß angegangen. Erwartungsgemäß sind sich viele dort drunten nicht grün. Aber die Strafen werden bisher gegen Baltimore gepfiffen.

[23h02] Und noch ein Live-Ticker. Diesmal dran: Beutelbaer.

[22h56] Pittsburgh 7, Baltimore 0. Die Steelers beginnen ganz tief in der eigenen Hälfte mit massiv Receivers. Der Ravens-Rush kommt nicht schnell genug durch und gibt damit Räume frei, die QB Roethlisberger eiskalt ausnutzt. Dank gütiger Mithilfe der Refs (Stichwort: Pass Interference für 37yds, die locker auch hätte in die andere Richtung gehen). In der RedZone schalten die Steelers auf Boden-Angriff um und RB Mendenhall wuchtet sich im zweiten Versuch durch die Mitte.

[22h44] Baltimore beim ersten Drive: Sie lassen den Pass Rush kommen und werfen dann drüber. Aber Pittsburgh deckt alles ab und „hauteng“ kriegt dabei bildliche Beschreibung. Punt.

[22h28] Auch bei Allesaussersport gibt es Live-Blogging zum Spiel, und es wird vermutlich weniger neutral sein. dogfood ist Steelers-Fan.

[22h11] Interessante Analyse des Matchups Steelers-Blitz vs. Ravens-Blocking von Matt Bowen, einem ehemaligen NFL-Wandervogel und Safety. Schlüssel für Baltimore wird Ray Rice als Blocker gegen den Blitz sein – damit TE Heap auf Balljagd gehen kann.

[22h01] Das Wunder ist nicht passiert: DE Aaron Smith kann für Pittsburgh nicht spielen. Die Wade, die schon das ganze Jahr zwickt, macht nicht mit. Das Safety-Duell wird dagegen stattfinden: Troy Polamalu ist fit, Ed Reed rechtzeitig von der Suche nach dem Bruder rechtzeitig zurück.

[21h43] Ich möchte an der Stelle mal an das AFC-Finale vor zwei Jahren erinnern, als Pittsburgh die Partie komplett dominierte und 23-14 gewann. Das war lange Zeit ein brutal enges Spiel, trotz Pittsburghs optischer drückender Überlegenheit. Vor allem, weil die Ravens immer wieder in der Defense hielten und den einen oder anderen Turnover machten.

[21h20] Der Mann mit dem Schlüssel hat passendes Wetter geschickt. Temperaturen um den Gefrierpunkt, Windböen, Chance auf leichten Schneefall. Gepaart mit den physischen Teams steigert das die Vorfreude bis zur Ekstase.

[20h42] N’Abend. Die Nacht war kürzer als Bayerns Jubel über Müllers 2:1 und feuchter als Dortmunds Meisterträume, aber zumindest Spiel #1 der Divisional Playoffs wird es im Liveblog geben (und viiiieleicht auch die Nachtpartie – noch ist Kaffeepulver vorhanden). Pittsburgh gegen Baltimore – ein Pflichtprogramm für jeden Football-Fan. Begründung: Bitte die Vorschau lesen.

22h30 geht’s los.

NFL Divisional Playoffs 2010/11: This ass[beeeeep]. F*ck him!

Der Playoff-Auftakt am Wochenende war sehr verheißungsvoll. Zwei sehr schöne Spiele und eine sehr große Überraschung. Dieses Wochenende geht es weiter mit den Divisional Playoffs – und es sind zumindest in der AFC Intradivisional Playoffs mit zwei divisionsinternen Spielen. Hat es das schon mal gegeben?

Chicago Bears – Seattle Seahawks

So., 19h live bei ESPN America und Sport 1+
Aufzeichnung am Mo., 12h bei ESPN America

Für die Chicago Bears ist der NFC North Titelgewinn eine kleine Überraschung. Die Bears waren seit Jahren im Begriff des schleichenden Niedergangs und Head Coach Lovie Smith galt als kurz vor dem Abschuss. Seit zwei Jahren hat man aber wieder begonnen, seine Puzzleteile zusammenzustellen. 2009 wurde QB Jay Cutler aus Denver losgeeist, 2010 nahm man in Chicago die Spendierhosen mit und ging auf Einkaufstour: DE Julius Peppers, RB Chester Taylor, TE Brandon Manumaleuna wurden eingekauft – und der wichtigste Mann: OffCoord Mike Martz.

Ich hatte ehrlich nicht gedacht, dass Martz’ Offense in Chicago funktionieren würde. Ein ungenau werfender Gunslinger wie Cutler hinter einer löchrigen Offensive Line – für die langen Routen eines Mike Martz und den damit verbundenen zeitlichen Aufwand in der Spielzugentwicklung sah das eher trüb aus. Aber die Bears haben das mit der Zeit immer besser in den Griff gekriegt, und zugegeben auch einiges Glück gehabt: Immer wieder auf Gegner mit Backup-QBs getroffen, die grad einen Tiefschlag nach dem anderen hinnehmen mussten.

Dieses Glück haben die Bears offenbar gepachtet: Jetzt kommen die Seattle Seahawks ins Soldier Field. Die Seahawks, die trotz des Sensationssieges gegen New Orleans immer noch eine 8-9 Bilanz aufweisen und damit eine negative Bilanz haben!

Ich möchte die Seahawks nicht weiter madig machen: Diese Performance am letzten Samstag war inspirierend, die Stimmung elektrisierend und das begann beim aufgeheizten Publikum, weiter über den emotionalisierten Head Coach Pete Carroll bis hinunter auf das Spielfeld, wo testosterongeschwängerte Verteidiger die Saints-Offense verprügelten, dass den Saints Hören und Sehen verging. Der Sensationslauf von RB Marshawn Lynch nur als Höhepunkt eines fassungslosen Spiels.

Trotzdem: Seattle ist auswärts zwei Nummern kleiner als es eh schon ist. Die Bears sind daheim schwer zu schlagen und dass die Seahawks erneut eine solche Energieleistung bringen können, glaube ich nicht.

Klarer Sieg für Chicago.

New England Patriots – New York Jets

So. 22h30 live bei ESPN America, Sport 1+ und Puls 4
Aufzeichnungen am Di., 12h und am Fr., 17h bei ESPN America

Gillette Stadium in Foxboro

Gillette Stadium - ©Flickr

Ein Spiel, das man unendlich aufladen kann mit dem ganzen Thrill zwischen den Pats und den Jets. Die beiden Franchises sind beide AFL-Gründungsmitglieder und verbindet in den letzten Jahre heiße Geschichte.

Executive summary:

Die Rivalität zwischen den Jets und den Patriots ist seit einigen Jahren eine der schärferen der NFL. Es ist eine Rivalität, die historisch begründet ist (beide Gründungsmitglieder der AFL und seither Divisionsrivalen), kulturell (die Rivalität zwischen dem spektakulären, weltoffenen Big Apple und dem langweiligen, elitären Boston ist legendär), aber auch sportlich und in den letzten Jahren vor allem durch eine Reihe von direkten Wechseln von Charakterköpfen zwischen den beiden Teams.

Als da wäre Bill Parcells, der 1993 vom mehrfachen Superbowl-Champ New York Giants (*pling*) nach Boston kam. Parcells brachte die Patriots im Jänner 1997 in die Superbowl, um anschließend trotz gültigem Vertrag bei den Pats zu den Jets abzuhauen. Die Pats fochten den Wechsel an, bekamen aber nur einen Draftpick, und keinen Parcells zurück. 1998 mussten die Pats auch ihren Franchise-RB Curtis Martin zu den Jets abwandern lassen.

Parcells blieb drei durchwachsene Jahre Head Coach bei den Jets, ehe kam, was immer geschieht, wenn Bill Parcells irgendwo den Head Coach gibt: Er trat vor Vertragsende zurück, machte sich zum General Manager und Bill Belichick zum Nachfolger.

Nun erlebte die NFL ein Déjà-vu, aber in die andere Richtung: Belichick trat auf der Pressekonferenz, auf der er als neuer Jets-Head Coach vorgestellt werden sollte, zurück und wechselte ein paar Tage später nach New England. Kompensation, nach wenig freundlichen Worten: Draftpick in der 1. Runde.

23. September 2001 im Foxboro Stadium: Patriots QB Drew Bledsoe wird von Jets LB Mo Lewis schwer verletzt, fällt wochenlang aus. Bledsoes Ersatzmann kommt rein: QB Tom Brady, mit dessen Einwechslung die Pats vom Mitläufer- zum Siegerteam mutieren und drei der nächsten vier Superbowls gewinnen, während sich die Jets bei ihren wenigen Playoffauftritten meist selbst ins Knie schossen.

2006 wurde dann Belichicks Assistent Eric Mangini neuer Jets-Coach und schaffte sich einen Feind fürs Leben, als er dem allmächtigen Pats-Coach dessen Assistenten vom Trainingsplatz wegschnappen wollte – was teils gelang. Belichick verweigerte Mangini nach einer Niederlage den Handschlag, und ein Jahr später ließ Mangini zum Saisonauftakt Belichicks Spionageaffäre auffliegen.

Die Pats antworteten auf ihre Weise, mit einer fulminanten 16-0 Saison, verloren aber die Superbowl – gegen den Jets-Stadtrivalen Giants…

Rex maledicendi

Mangini ist weg. Der neue Mann am Ruder in New York: Rex Ryan. Ryan hat seit seinem Amtsantritt und noch mehr seit dem glücklichen Playoff-Run vor einem Jahr eine dicke Lippe nach der anderen riskiert und mit seinem großen Mundwerk die Jets in eine Liebe-sie-oder-hasse-sie-Ecke getrieben. Große Einkaufstour, TV-Show imm Trainingslager, Beleidigung von gegnerischen Spielern und Coaches und ein angekündigter Sturm auf den AFC-East-Thron haben den netten Jungs von nebenan, den Jets, ein spaltendes Image verliehen.

Sportliches Ergebnis: Bilanz 11-5, und kein Divisionssieg. Schuld daran war der Knackpunkt in der Jets-Saison: Eine verheerende 45-3 Schlappe bei den Patriots Anfang Dezember, trotz 11 Tagen Vorbereitungszeit. Eingegangen wie ein Wollpullover, der mit 30 Grad zu viel gewaschen wird. Oder noch schlimmer.

Nun haben die Jets auch in dieser Woche viel über den Gegner geredet. Entweder dem QB Brady das Schildchen mit der Aufschrift „überschätzt“ anhängen oder dem QB Brady mangelnde Klasse nachsagen wollen. Auf Nachfrage konnten die Herren DE Ellis und Co. dann kein Beispiel nennen. Höhepunkt der Saga ist CB Antonio Cromarties nicht druckreifes Interview. Debakel, ick hör dir trapsen… Wenn jemand aus solchen Provokationen Motivation wie Zucker aus dem Honig herauszuziehen vermag, dann sind es die Patriots und Tom Brady.

Die Kampfgnome

Die Jets haben am vergangenen Wochenende ein starkes Spiel gegen die WR der Colts gemacht. CB Darelle Revis schaltete mit Reggie Wayne die große Waffe der Colts aus und um Mannings Armada war es geschehen. Nun kommt allerdings New England daher, mit seinen WR-Winzlingen Wes Welker (1,75m, 86 Catches, 848yds, 7 TDs) und Deion Branch (1,75m, 74 Catches, 705yds, 5 TDs) sowie Allzweckwaffe Danny Woodhead (1,70m, insgesamt 826yds, 6 TDs) – Spieler, die andernorts nicht gewollt waren, im Patriots-System aber essentiell sind. Problem für die Jets, für Cromartie und Revis: Du weißt nicht, wen von den Jungs du covern musst. Klare #1 gibt es seit dem Rausschmiss von Randy Moss keine mehr. Dafür werden die Bälle auf dieses Trio, auf die Rookie-TE Aaron Hernandez (45 Catches, 563yds, 6 TDs) und Ron Gronkowski (42 Catches, 542yds, 10 TDs) und Rookie-Returner Brandon Tate verteilt.

Stichwort Danny Woodhead. Ein kleiner, flinker, untersetzter Mann, beweglich und schwer zu tackeln. Aus einem Division-II College (!) gekommen und vor der Saison von seinem NFL-Team vor die Tür gesetzt. Die New England Patriots klaubten Woodhead von der Straße auf, schmissen ihn nach der Moss-Saga ins kalte Wasser. Resultat: Woodhead entwickelte sich zum Welker-Double und Publikumsliebling. Nun trifft Woodhead auf das Team, das ihn vor ein paar Monaten rausgeschmissen hatte: Die Jets. ESPN über Woodheads Geschichte – vom kleinen Dorf am verlängerten Rücken der Welt in die NFL.

Anfang Dezember kam die Jets-Offense einfach nicht in Gang. Und das, obwohl New Englands Passverteidigung durchaus Yards zulässt. Viele sogar, die drittmeisten der NFL. Dafür machen sie auch viele INTs. Die Jets kamen aber auch auf dem Laufweg nicht voran und ein Drive nach dem anderen wurde abgewürgt. Die guten Ansätze zu Spielbeginn, als man zwischen den Plays nicht viel Zeit ließ, haben die Jets unverständlich schnell aufgegeben und ab Beginn zweites Viertel nichts mehr zustande gebracht.

Die Ruhe weg
Tom Brady

Tom Brady - ©Flickr

Die Patriots dagegen scheißen sich um nix, gehen raus und werfen einen Pass nach dem anderen. QB Tom Brady genießt hinter der sensationellen Offense Line alle Zeit der Welt, wirft mit den Bällen nur so um sich. Keine langen Bälle zwei Kilometer vertikal das Spielfeld runter, sondern über die kurzen Distanzen, links, rechts, über die Mitte. Und es ist nie berechenbar. Dazu zwischendurch immer mal wieder ein, zwei Laufspielzüge eingestreut, um die Balance zu halten. Die Laufarbeit übernehmen mit Woodhead und RB Benjarvus Green-Ellis zwei Leute, die nicht mal gedraftet worden sind und die in keiner anderen NFL-Mannschaften starten würden. In New England sieht das dann so aus: Das Duo mit 326 Läufen für 1555yds (4,8yds im Schnitt) und 7 Touchdowns.

Brady selbst mit einer traumwandlerischen Saison: 3900yds, 36 Touchdowns, 4 (VIER!) Interceptions. Keine spektakulären Spiele, aber spektakuläre Zahlen. So fehlerlos hat noch kein Quarterback in der NFL-Geschichte gespielt. Es ist das Rezept der großen Patriots-Mannschaften von 2003/2004: Sich nicht um den Gegner scheren, eigene Fehler vermeiden und parasitär jeden kleinen Schnitzer der anderen Mannschaft ausnutzen. Die Drives sind nicht spektakulär, aber sie werden häufig mit Touchdowns und Field Goals abgeschlossen.

Nun ist die Jets-Defense an sich auch keine schlechte. #6 gegen den Lauf, #3 gegen den Pass, #3 insgesamt. Aber gegen die Pats im Dezember war sie so derart neben der Spur, da fror dir die Spucke ein – und das nicht nur, weil es bitterkalt war.

Die Patriots sind die Favoriten. Ich traue den Jets zwar zu, in dem Spiel lange drin zu bleiben. Aber Trash Talk ist etwas, mit dem du Belichick nicht beikommen kannst. Ich traue Bill Belichick zu, dass er ein paar nette Überraschungen vorbereiten wird und früh im Spiel 4th downs ausspielen lässt, mit neuen Kreationen verwertet und schnell Punkte zwischen sich und Jets legt, um QB Mark Sanchez dazu zu zwingen zu werfen. Und dann ist es um die Jets geschehen.

NFL Divisional Playoffs 2010/11: Blaue Flecken am Samstag

Der Playoff-Auftakt am Wochenende war sehr verheißungsvoll. Zwei sehr schöne Spiele und eine sehr große Überraschung. Dieses Wochenende geht es weiter mit den Divisional Playoffs – und es sind zumindest in der AFC Intradivisional Playoffs mit zwei divisionsinternen Spielen. Hat es das schon mal gegeben?

Pittsburgh Steelers – Baltimore Ravens

Sa., 22h30 live bei ESPN America und Sport 1+
Aufzeichnungen am So., 11h und am Mi., 15h bei ESPN America

Pittsburghs Bürgermeister heißt Luke Ravenstahl. Als vor zwei Jahren Pittsburgh Steelers und Baltimore Ravens den AFC-Titel untereinander ausgespielt haben, wollte sich der verrückte Mayor ganz offiziell in „Steelerstahl“ umbenennen. Mehr scherzeshalber, aber es zeigt trotzdem eines: Steelers und Ravens können sich nicht ausstehen.

Steelers/Ravens ist seit Jahren das heißeste AFC-North-Duell, ein adrenalingeschwängertes Duell zweier traditionell defensivorientierter Mannschaften. „Traditionell“ ist eigentlich ein unpassendes Wort für eine 14 Jahre alte Franchise. Die Ravens existieren schließlich erst seit 1996, als Cleveland-Browns-Besitzer Art Modell seine Mannschaft unerwartet nach Baltimore übersiedelte und die Ravens geboren wurden. Nach drei durchwachsenen Jahren übernahm Brian Billick den Head-Coach Posten in Baltimore – zeitgleich mit dem NFL-Wiedereinstieg der zuvor von Modell eingestampften Browns.

Billick war zuvor OffCoord der punktbesten NFL-Offense in Minnesota gewesen. Unter Billicks Ägide avancierten die Ravens schnell zum Superbowl-Sieger, mit der Reputation, eine der berüchtigtsten Defenses der NFL zu besitzen.

Etwas, das den Pittsburgh Steelers nicht passen konnte. Schließlich gilt „Steelers“ seit den 70ern als Synonym für „Defense“ – Stichwort „Steel Curtain„. Nun also mit den Ravens eine weitere meisterhafte Verteidigung in der NFL – und das auch noch als Divisionsrivale. Beste Voraussetzungen für eine intensive Rivalität zwischen beiden Mannschaften. Nicht nur zufällig waren zuletzt 2008 die Steelers #1-Defense der Liga, die Ravens #2. Gemeinsam in den Top 10 sind sie sowieso fast jährlich beide.

Dabei spielen Steelers und Ravens ganz unterschiedliche Arten von Verteidigung: Die Steelers üben massiven Druck auf den Quarterback aus, mit zig Blitz-Variationen pro Spiel, für eine Offense schwer zu durchschauen. Die Ravens sind dagegen mehr die harten Hitter. Bei jedem Spielzug quillt das Testosteron nur so aus den Poren von Ray Lewis, Terrell Suggs und Kumpanen. Jedes Yard Raumgewinn wird mit blauen Flecken bestraft.

Heuer waren wieder mal beide Defenses in den Top-10. Pittsburgh als #2, Baltimore als #10. Stärke beider Mannschaften: Das Laufspiel des Gegners zu bremsen (PIT #1, BAL #5 der Liga).

In der Regular Season hat es zwischen den beiden Mannschaften zwei Duelle gegeben – beide Male mit drei Punkten entschieden. Im September in Pittsburgh dominierten optisch die Ravens, gewannen aber gegen die Big-Ben-losen Steelers erst in der Schlussphase dank eines tollen TD-Passes auf WR T.J. Houshmanzadeh. Das Rückspiel Anfang Dezember gewannen dann die Steelers – in Baltimore, 13-10. Ein so ausgeglichenes Spiel, da konntest du überhaupt keine Unterschiede zwischen beiden Teams erkennen.

Oder um Peter King von Sports Illustrated heranzuziehen:

Baltimore and Pittsburgh have played four times in the past two years.
Baltimore 2 wins, Pittsburgh 2.
Baltimore 67 points, Pittsburgh 67.
Baltimore 7 touchdowns and 6 field goals, Pittsburgh 7 touchdowns and 6 field goals.

Damit ist alles gesagt.

Die Pittsburgh Steelers werden angeführt vom QB-Brocken Big Ben Roethlisberger, der abseits des Footballfeldes gern junge Mädchen begrabscht, aber als Quarterback zu den besten gehört: Ein Hüne von einem Mann, schwer zu tackeln und mit phasenweise großartigen Improvisationskünsten, broken plays zu retten. Die Offensive Line der Steelers gehört nicht zu den dichtesten – was Roethlisbergers massiven Körperbau noch mal wichtiger macht.

Big Bens Gegenstück nennt sich Joe Flacco, ein Jungspund in seinem dritten Jahr und zum dritten Mal in den Playoffs. Flacco hat eine starke Post Season Bilanz: 4-2, und alle Spiele auswärts bestritten, unter anderem auch jenes vor zwei Jahren gegen Pittsburgh mit Bürgermeister „Steelerstahl“. Damals war Flacco noch zu grün und brachte per Passspiel nichts vorwärts. Aber auch ein Flacco macht Fortschritte und auch wenn ich den Mann für phasenweise phlegmatisch halte: Unter Druck ist der Mann ein recht souveräner Zeitgenosse und sehr sicher im Lesen von Deckungen. Ausgestattet mit einer Receiver-Armada bestehend aus Anquan Boldin, Todd Heap, Houshmanzadeh und Derrick Mason ist das Passspiel der Ravens nicht zu unterschätzen, vor allem nicht gegen eine Verteidigung, die generell die Receiver nicht in Manndeckung nimmt – damit hatten die Ravens letzte Woche Probleme in Kansas City.

Gegen die Chiefs waren die Ravens am erfolgreichsten, wenn sie schnelle Offense spielten. Hurry-up, und dann sofort den TE Todd Heap anspielen. Ob Pittsburghs Defense sich so einfach lumpen lässt und die Middle Linebackers auf Heap abstellt, darf man bezweifeln. Trotzdem ist Hurry-up bei einem Tight End mit sicheren Fanghänden nie eine schlechte Methode.

Das Laufspiel. RB Mendenhall für Pittsburgh ist ein Mann, der lieber über den Gegner drüber läuft, als drumherum, sprich: Mendenhall ist einer für die Mitte. Für Baltimores giftige Linebackers ein gefundenes Fressen. Baltimore Laufspiel um die RBs McGahee und Rice war heuer gut, aber nicht überragend. Über die Mitte sollte es auch hier schwer werden.

Ich tue mir sehr schwer, das Spiel zu tippen. Baltimore hat am Samstag kein rühmliches Bild abgegeben und eine teilweise furchtbare Offensiv-Vorstellung gegeben, sich vor allem außen um die Offensive Line herum ein paar Mal schlimm überlaufen lassen. Aber die Ravens haben Abgewichstheit gezeigt. Pittsburghs Defense ist vielleicht um Spurenelemente giftiger mit dem Sensations-Safety Troy Polamalu und dem hart an der Grenze zur Unfairness agierenden LB James Harrison. Baltimore hat auch harte Hitter und mit DT Haloti Ngata einen Fels in der Mitte der Defensive Line, der nicht zu unterschätzen sein wird. Dazu kommt Safety Ed Reed, der im Gegensatz zu Polamalu weniger gegen den Lauf verteidigt, aber ähnlich freigeistig daher kommt und viele, sehr viele Interceptions macht. Bei Reed muss man aber noch abwarten, ob er spielen wird: Sein nicht koscherer Bruder ist diese Woche auf der Flucht vor der Staatsgewalt in den Mississippi gesprungen und hat bisher keine Spuren hinterlassen.

Es wird auf alle Fälle ein enges Spiel mit womöglich längeren punktelosen Phasen. Auf alle Fälle ein klassisches Defensivspiel mit womöglich angebrachtem Wetter. Kalt wird es sein (einige Minusgrade), aber die Tendenz zeigt in Richtung Wochenende immer mehr Sonnenschein.

Münzwurf. Heads für Pittsburgh. Tails für Baltimore.

The call is tails.

Atlanta Falcons – Green Bay Packers

Sa./So. 02h live bei ESPN America und Sport 1+
Wiederholunngen am So.,13h30 und am Do., 15h bei ESPN America

Die Atlanta Falcons sind eine positive Erscheinung in dieser Saison. Eine unaufgeregte, unspektakuläre Mannschaft mit einem sehr positiven Head Coach Mike Smith, einem lockeren QB Matt Ryan und dem physischen RB Michael Turner als einzige Gesichter der ansonsten in der grauen Masse untergehenden Charaktere. 13-3 Siege in der Regular Season und vor allem im heimischen Georgia Dome ist die Mannschaft schwer zu schlagen.

Green Bay ist auch so eine positive Erscheinung. Vor der Saison als Superbowl-Pick trendy, aber dann Woche für Woche wichtige Starter in Offense und Defense verloren, manche für die ganze Saison, manche für ein paar Wochen, aber QB Aaron Rodgers war es wurscht, er trieb seine Offense trotzdem stets das Feld runter und liefert seit Wochen spektakuläre Leistungen ab. Umso spektakulärer, wenn man bedenkt, dass mit RB Ryan Grant die größte Gefahr im Laufspiel und mit TE Jermichael Finley die größte Gefahr im Passspiel seit Saisonbeginn weggebrochen ist.

Es gibt für Green Bay aber Hoffnung. Die Secondary der Falcons ist nicht unüberwindbar, gibt optisch selbst mäßigen Quarterbacks hinreichend Zeit und Räume. Mitschuldig daran ist auch der maue Pass Rush. An dieser Stelle wendet sich das Blatt: Green Bays Offensive Line riecht auch leicht nach Schweizer Käse.

In der Regular Season gab es ein ganz enges Duell im Georgia Dome mit Sieg Falcons, aber was haben die Packers damals für Chancen ausgelassen. FG verkickt, Fumble an der Goal Line… Es spricht auch diesmal einiges für eine enge Partie.

X-Faktor in der Partie: Die Special Teams der Falcons, die ich wenig überzeugend finde. Kein Spiel, in dem nicht mindestens ein großer Return gegen Atlanta gelingt oder dem Punter einmal der Ball über den Schlapfen rutscht.

Interessanter Hintergrund: Im NFC-Parallelspiel vom Sonntag wird sich Chicago gegen Seattle durchsetzen. Wenn Green Bay gewinnen sollte, könnte es dann den ultimativen NFL-Klassiker als NFC-Finale geben: Chicago – Green Bay, die älteste Rivalität der NFL und erst zum zweiten Mal in den Playoffs.

Ich gebe Green Bay eine gute Chance in diesem Spiel. Aber ich tippe auf Atlanta. Mehr Laufspiel, mehr Variation in der Offense und hinreichend Defensivqualität, um Green Bay wenigstens streckenweise zu neutralisieren.

NFL Wild Card Playoffs 2010/11: Jetzt der Sonntagabend

Wieder einmal eine klare Favoritenkonstellation und einmal eine Partie, die zum Tippen ins Blaue hinein verlädt.

Kansas City Chiefs – Baltimore Ravens

So., 9.1. um 19h live bei ESPN America

Arrowhead Stadium

Arrowhead Stadium - ©Flickr

Der Star ist das Stadion. Arrowhead in der Playoff-Aufmachung! Die Chiefs sind eine der ganz großen Überraschungen der NFL-Saison 2010. Niemals hätte ich geglaubt, dass sie es bis in die Playoffs schaffen würden (und sie hätten es auch nicht, wenn sich die Chargers nicht phasenweise selbst zerstört hätten).

Ich will KC aber nicht kleinreden. Dass sie es geschafft haben, ihr Puzzle so schnell zusammenzubauen, ist bemerkenswert. Da war einiges Neues dabei, u.a. beide Coordinators. In der Offense Charlie Weis. Weis war aus Patriots-Zeiten eigentlich als sehr passlastig in Erinnerung und dass ihm das Playcalling übertragen wurde, hat Böses vermuten lassen. Das vorhandene Spielermaterial war doch stark auf Laufspiel ausgerichtet mit RB Jameel Charles und RB Thomas Jones. Weis baute dann aber sehr stark auf die Läufe, mehr als ich vermutet und befürchtet hatte.

Folge: QB Matt Cassel musste nicht mehr die ganze Last auf seinen Schultern tragen, sondern hauptsächlich das Spiel managen. Und Cassel machte seine Sache verdammt gut: Wenig Completion Rate (58%), aber ansehnliche TD-INT Bilanz von 27-7. Als Cassel gegen Saisonende in San Diego mit geschwollenem Blinddarm fehlte, ging bei den Chiefs gar nix. Nada. Null Punkte. Mit Cassel lief das sehr rund, u.a. mit dem RB Charles, der über die Saison sensationelle 6,4yds/Lauf machte.

Jetzt funktionierte das alles blendend, da kamen Ende letzter Woche massive Gerüchte auf, Weis würde die Chiefs schon wieder verlassen. Innerhalb von zwei Tagen war alles in trockenen Tüchern und Weis wird nach den Playoffs gen University of Florida abwandern. Ein potenzieller Unruheherd. Als Nachfolger soll angeblich Josh McDaniels im Gespräch sein – einer, der praktisch nur Passspiel ansagt, aber Cassel einst zum Star in New England machte. Und auch ein Ex-New Englander.

Es-Patriot ist auch DefCoord Romeo Crennel. Die Chiefs haben sich zuletzt haufenweise hohe Draftpicks geholt: DE Hali, DE Jackson, DT Dorsey, S Eric Berry. Ein bisschen noch die Defensive Line verstärken, und das ist eine bombige Defense. Mittlerweile sind die Chiefs in allen Kategorien irgendwo im Mittelfeld der NFL angelangt. Das ist ein Fortschritt.

Darüber können die Baltimore Ravens nur müde lächeln. Diese Franchise definiert sich seit gefühlten Jahrzehnten als knallharte Defense-Truppe und hat einen gefürchteten Ruf ligaweit. Umso bemerkenswerter, wenn man bedenkt, wie jung diese Franchise eigentlich noch immer ist. Aufregend wird vor allem der Vergleich zwischen den Running Backs der Chiefs (#1) und der Laufdefense der Ravens (#5). DT Haloti Ngata spielt eine Bombensaison, macht in der Mitte im Alleingang alles zu und ermöglicht somit den Linebackers Lewis und Suggs haufenweise mörderische Tacklings. Und dann gibt es in der Secondary noch Safety Ed Reed. Reed ist bekannt für seine INTs, und trotzdem ist seine Bilanz erstaunlich: 10 Spiele, 8 INTs, davon in den letzten Wochen häufig 2/Spiel.

Die Offense sorgt für keine D’oh!-Momente. Ich habe die Ravens heuer häufig gesehen. Eine solide Offense, keine großartige. QB Joe Flacco taugt nicht für große Aufholjagden, aber solange ein Spiel nur eng genug ist, wird er dir die Partie nicht versauen, sondern eher gewinnen. Die Anspielstationen sind ebenso zahlreich wie namhaft: Boldin, Heap, Houshmanzadeh, Mason laufen schon seit Jahren in der NFL herum und fangen alles, was sich in der Luft bewegt. Kleines Problem: Flacco steht oft schneller unter Druck, als ihm lieb sein kann. Auch das Laufspiel ist nicht überragend, aber solide. Gute Offense, aber ich bin nicht sicher, ob sie ein Highscoring-Game mitgehen könnte.

Das wird in Kansas City nicht notwendig sein. Die Chiefs machen selten viele Punkte. Und ich halte sie auch für zu grün. AFC West war gut und schön, aber die Ravens haben den Hauptpreis gezogen. Souveräner Erfolg für Baltimore.

Philadelphia Eagles – Green Bay Packers

So., 9.1. um 22h30 live bei ESPN America

Ein Klassiker. Bei diesem Matchup kann ich nicht anders, ich muss immer an diesen Spielzug aus dem Jänner 2004 denken, als die Philadelphia Eagles gegen Spielende in Rückstand lagen und einen vierten Versuch ausspielen mussten…

Zurück in das Hier und Jetzt – fast. Wenn man über dieses Spiel schreibt, muss man ganz zurück in den September gehen. Erstes Saisonspiel, die hoch gehandelten Green Bay Packers im Lincoln Financial Field gegen die Eagles, im ersten Spiel der Post-McNabb-Ära mit Jungstar Kevin Kolb antraten. Kolb hatte so seine Schwierigkeiten. Dafür geigte ein anderer junger Mann mächtig auf: DE/OLB Clay Mathews jr.

Resultat: Kolb musste schon in seinem ersten Spiel verletzungsbedingt runter und Platz machen für seinen Backup: Michael Vick. Und was für ein Michael Vick. Wenn ich an „Michael Vick“ dachte, hatte ich eigentlich nur das aufgescheuchte Huhn aus Falcons-Zeiten im Kopf. Aber Vick zerpflückte die Packers läuferisch und „werferisch“ und hätte am Ende das Spiel fast noch gedreht.

Das Spiel war der Knackpunkt für die Eagles. Ich traue mich zu sagen, dass es für Philly unter Kolb nicht für die Playoffs gereicht hätte. Vick hingegen zauberte eine Glanzvorstellung nach der anderen auf das Footballfeld. Noch unfassbarer: Das Publikum in Philadelphia schien irgendwie keinen Grund zu finden, Vick auszupfeifen.

Jetzt aber sind Playoffs und nirgendwo buhen die NFL-Fans schneller als in Philadelphia. Vick ist nicht ganz fit. Kein Wunder, wird er doch im Schnitt 3x gesackt und gefühlt dreihunderzweiunndvierzig Mal niedergeschlagen – pro Spiel. In den letzten Wochen war Vick wieder abhängiger von seinen Lauf-Qualitäten, vor allem unter Druck waren da einige ganz furchtbare Pässe drunter.

Das ging sogar soweit, dass Gerüchte aufkamen, die Eagles wollten in dieses Spiel mit Kolb gehen, da Vick zu schwach im Spiel gegen Blitzes sei. Ich wäre fassungslos, wenn Andy Reid auch nur ein einziges Mal daran gedacht hätte. Philadelphia ist aber im Gegensatz zu früher heuer auch recht gut auf der RB-Position besetzt: McCoy ist immer für ein oder zwei ganz lange Läufe zu haben. Das schafft Platz für Big Plays auch im Passspiel: Vick mit seinem zweifellos starken Arm auf WR DeSean Jackson, das war einer der Hits der Saison. TE Brent Celek ist auf der kurzen Route erste Anspielstation.

Die Green Bay Packers hatten ähnlich wie Philly mit Verletzungen zu kämpfen. Wobei das eher eine Untertreibung wäre. Allein die frühen Ausfälle von RB Ryan Grant und TE Jermichael Finley wären für jede Offense tödlich: Die einzige Option für ein Laufspiel und der Super-TE… Richtigen Ersatz hat Green Bay bis heute nicht gefunden, von daher ist es umso bemerkenswerter, was QB Aaron Rodgers für Spiele hinlegt, zumal auch Rodgers nicht von Gehirnerschütterungen verschont geblieben ist.

Die Defense kommt ohne den Anker MLB Nick Barnett aus – ebenfalls seit irgendwann Anfang Oktober. Trotzdem ist dieser Mannschaftsteil der noch beeindruckendere, zumal auch hier ständige Verletzungsprobleme eine Plage waren. Der montröse B.J. Raji, OLB Mathews und CB Charles Woodson in seinem zigsten Frühling sind die herausragenden Gestalten.

Ganz schwierig zu tippendes Spiel. Beide haben die QBs und die Waffen, aber auch die Defenses, um den Gegner zu dominieren oder abzuwürgen. Ich sehe einen leichten, ganz leichten, Vorteil auf Seiten der Eagles.