Sektion „CU in February“ im Rückspiegel

Werfen wir noch einen schalen Blick auf meine acht größten Titelkandidaten aus dem Sommer zurück: Die CU in February Fraktion. Sechs der acht Kandidaten erreichten die Playoffs. Vier aus meinen Top-5 Kandidaten erreichten das Halbfinale.

Cincinnati Bengals

Division   AFC North
2012       10-6
Ergebnis   11-5 (Wildcard-Runde)

Ich schrieb:

Auch die Offseason kann als gelungen betrachtet werden; Cincinnati geht als noch besser aufgestelltes Team in diesen Herbst. Man kann argumentieren, dass man die Nummer 3 der AFC ist, was die Kaderqualität, und vielleicht noch besser, was den Coaching-Staff angeht.

[…]

Die Bengals sind richtig gut aufgestellt. Echte Schwachpunkte sind höchstens noch am zweiten WR-Posten und bei den Linebackers zu finden, und natürlich der „halbe“ Schwachpunkt auf Quarterback. Dalton ist gut, aber mit heutigem Wissen eben nicht mehr. Dalton ist die Personifizierung des Wesens der Cincinnati Bengals in einer Position. Das ist ein Quarterback zwar oft, aber bei Dalton ist es dieses „stuck in the middle“-Phänomen, das der kompletten Mannschaft das Gesamtbild der sehr guten, aber nicht herausragenden Truppe gibt.

Oder? Die AFC ist machbar, man spielt Colts/Chargers, während Baltimore Texans/Broncos als Positionsspiele vorgeworfen bekommt. Man hat ausreichend Waffen, um Pittsburgh zu schlagen. Cincy ist Divisionsfavorit. Divisionssieg hieße Playoff-Heimspiel, hieße höhere Wahrscheinlichkeit für einen längeren Playoff-Lauf.

Richtig starke Saison für die Cincinnati Bengals, die nicht nur 11-5 Siege holten, sondern im Power-Ranking auch als viertstärkste Mannschaft des Jahres ausgespuckt werden. Alle Welt wird aber darüber lachen, denn man schied mal wieder im ersten Playoffspiel aus. Offen gelegt wurden dabei vor allem die Limitierungen in der Offense. Danach verlor man beide Coordinators und geht nun mit einigen Fragezeichen in die Offseason. Stuck in the Middle droht, das Team zu killen.

Was aus der Vorschau traf ein? Zumindest nach Power-Ranking war man in den Top-3 der AFC. Dalton ist weiterhin als Schwachpunkt der Mannschaft anzusehen. Defense war sensationell trotz vieler Verletzungsausfälle.

Was traf nicht ein? Die Lauf-Defense war mit 60% Erfolgsquote nur Mittelmaß. Linebacker war dank des Volltreffers Burfict kein wirklicher Schwachpunkt.

Houston Texans

Division   AFC South
Tipp 2013  Erster
Ergebnis   Vierter (2-14)

Ich schrieb:

Houston vermittelt ein bissl das Bild von good but not great. (Hey, remember the Bengals!) Das meiste dieses Eindrucks mag an der Blässlichkeit des Quarterbacks hängen. (Hey, remember the Bengals!) Aber IMHO auch ein bissl am fehlenden Passrush über die OLBs. Die Defense ist zwar optisch ansprechend, aber es fehlt das bissl WOW!

Die Playoffs sind trotzdem Pflicht. Die AFC South gewinnste fast im Vorbeigehen, auch wenn aufgrund des 5-0 in engen Spielen von 2012, einer Pythagoreischen Erwartung von zuletzt 10.2 Siegen und eines SRS von „nur“ 4.5 Punkten über Durchschnitt eine erneute 12-4 Bilanz eher schwierig erscheint. Die Texans haben aber einen einfachen Schedule. Sie hatten diesen auch letztes Jahr und nutzten ihn zu mehr Siegen als es ein Team ihrer Leistungsgüte normalerweise erreicht. Ich tippe auf einen erneuten dritten Seed in der AFC. Nicht ausgeschlossen, dass es am Ende ein Durchmarsch in den Superbowl wird. Ich würde es Head Coach Gary Kubiak mal gönnen.

Seuchensaison für die Texans, die erst in der Offense um QB Schaub als zu banal entblößt wurden und sich mit einer unheimlichen Serie an INT-Returns zu TD killten. Danach trat man mit UDFA auf Quarterback an, verlor neun von elf Spielen innerhalb eines Scores und feuerte noch vor Saisonende den erfolgreichsten Headcoach der Teamgeschichte, Gary Kubiak. Dafür hatte man danach genug Zeit um sich dessen Nachfolger Bill O’Brien zu greifen und bekommt nun die Chance, mit dem #1-Pick mal wieder auf QB-Jagd zu gehen.

Was aus der Vorschau traf ein? Die Bengals waren besser als die Texans (Hey! Großartig!). Die AFC South wäre fassungslos einfach gewesen.

OK. Aber was betraf die Texans? Matt Schaub packte es nicht. Laufspiel wurde immer ineffizienter. Nose Tackle, oder besser der fehlende Nose Tackle, riss die Defense weit runter. Hochwertiger Passrush über die Flanken war wie prognostiziert inexistent. Cushings Rückkehr brachte positiven Impact – aber leider nur drei Spiele, bis sich Cushing mit Kreuzbandriss mal wieder auf die IR verabschiedete.

Was traf nicht ein? Schaub war nicht nur blass, er war leichenblass mit einer ungesehenen Orgie an INT-Returns zu Touchdowns. Sowas ist dann auch irgendwann einfach nur noch Seuche. Watt war tatsächlich auch 2013 nach vielen Metriken ähnlich dominant wie 2012. Secondary war ein Schwachpunkt.

Tampa Bay Buccaneers

Division   NFC South
Tipp 2013  Erster
Ergebnis   Dritter (4-12)

Ich schrieb:

Tampa Bays Front-Office machte genau die Moves, die man in einer solchen Situation machen muss: Man kaufte sich für einen relativ spottbilligen Preis in CB Darrelle Revis den besten Manndecker der letzten 15 Jahre ein, einen Spieler in seiner Hochblütezeit (Revis ist 27), der im Optimalfall den besten WR des Gegners neutralisieren kann, und konnte ihm auch noch einen relativ günstigen Vertrag unterjubeln (16 Mio/Jahr, aber kein dead money)! Man holte S Goldson, einen überschätzten Hitter, aber einen, der immer noch ein massives Upgrade stellt. Und man draftete in CB Banks einen weiteren Defensive Back. So macht man aus der größtmöglichen Schwäche eine potenzielle Stärke. Und weiter: Man hilft damit wohl auch dem Passrush.

[…]

Tampa Bay hat durchaus Katastrophenpotenzial, vor allem, weil es die instabilste QB-Situation in der NFC South hat. Aber alles andere an den Buccs spricht extremst für den Durchbruch. Und selbst ein paar joshige Performances reichen nicht, um die Buccs in meinem Ansehen vor dieser Saison 2013 vom NFC-South-Thron zu stürzen. Der miserable Record in engen Spielen von 2012 (3-7 Bilanz), die vermutlich gesündere Offensive (G Nicks/Joseph) und Defensive Lines (2012: 21 verpasste Starts auf vier Leute verteilt) und die komplett gelungene Einkaufspolitik spricht für die Buccaneers.

Mein berühmtester Fehlschlag, und ich analysierte schon im Oktober die Gründe des Buccs-Kollapses. Es gab Positives bei den Buccs 2013: Sie gaben sich nie auf. Sie sind in der Lösung der QB-Problematik einen Schritt weiter. Sie stürzten immerhin soweit ab, dass Coach Schiano nicht mehr zu halten war und durch Lovie Smith ersetzt wurde. Lovie wird die Buccs nach vorne bringen, daran gibt es wenige Zweifel. Die Frage ist: Wie weit? Wird Lovie, der in Chicago jahrelang ein QB-Problem durchschleifte, diese seine größte Verfehlung als Headcoach in Tampa korrigieren?

Was aus der Vorschau traf ein? Das angesprochene Katastrophenpotenzial.

Was traf nicht ein? QB Freeman wurde schneller als eine heiße Kartoffel fallen gelassen. Die Secondary kam nie mit dem Zonenschema zurecht; Safety Goldson entpuppte sich zumindest in seiner ersten Saison als Bust. Defensive Ends stehen kurz davor, als solche abgeschrieben zu werden. Trotz aller Fehler der Coaches verbesserte sich die Buccs-Passdefense von 7.3 NY/A auf achtbare 6.5 NY/A. In der Offense ist aufgrund zu vieler Verletzungen und QB-Entlassungen nicht viel von der Preview übrig geblieben.

New England Patriots

Division   AFC East
Tipp 2013  Erster
Ergebnis   Erster (12-4, Conference Finale)

Ich schrieb:

Die New England Patriots sind zum aktuellen Zeitpunkt kaum das fünfbeste Team in der National Football League. Aber sie haben nicht nur den Vorteil einer einfachen Conference (AFC), sondern gegenüber Teams wie Houston, Cincinnati oder Pittsburgh auch jenen einer einfacheren Division. Die Patriots sind ein gut aufgestelltes Team mit einer schwer zu schlagenden QB/Coach-Kombination in den scheinbar ewigen Tom Brady und Bill Belichick, und sie gehörten auch letztes Jahr zu den Mannschaften mit exzellenten Advanced-Metrics. Um mal einen Kontext zu geben: Die Patriots wurden zwar in den Playoffs von Baltimore abgeschossen, aber zuvor war die letzte Pleite mit mehr als einem Score im November 2010 gewesen!

Die Zweifel an den Patriots gründen in erster Linie auf ihrer turbulenten Offseason, die das eigentlich gesattelte Personal im Corp der Pass-Offense in die Scheiße ritten. TE Hernandez mit Mordverdacht erst aus dem Kader, dann in den Knast, WR Welker nach Denver, WR Lloyd auf die Straße, TE Rob Gronkowski mit nicht enden wollenden Komplikationen in Arm und – viel schlimmer – Rücken. Wären es nicht die Patriots, man wäre geneigt, den Laden erstmal abzuschreiben.

[…]

New Englands Saisonstart ist mit @Buffalo und Jets zum Einspielen recht günstig, ehe es dann in einen heftigen Vierspiele-Slot geht mit Tampa Bay, @Atlanta, @Cincinnati und New Orleans. Immerhin: Die beiden stärksten Gegner kriegens dabei daheim. Und spätestens ab Mitte Oktober sollte der Gronkowski wieder fit sein. Die Gefahr ist sowieso weniger, dass die Pats die Kontrolle über ihre Division verlieren (Spoiler: Sie werden nicht), sondern mehr, dass sie im Laufe der Regular Season nicht ausreichend Siege einfahren können, um sich den Top-Seed in der AFC zu sichern.

Die Gefahr ist, dass QB Bradys Interception-Statistik etwas gen Mitte einbricht (1.5% ist bei dem Spielstil kaum zu halten; es ist bei keinem Spielstil einfach zu halten) und dass die Defense weniger Turnovers forcieren wird. Das könnte das eine oder andere Spiel kosten, das es am Ende bräuchte, um den #1-Seed in der AFC zu holen. Das Heimspiel gegen Denver zu Thanksgiving ist mir eine Spur zu wenig.

Kurz gesagt war es wie erwartet: Die Patriots sahen niemals aus wie ein Halbfinalteam, aber sie standen im Halbfinale. Warum genau, wusste niemand. Aber überrascht war auch niemand. QB Brady hatte seine schlechteste Saison seit langem und das nicht nur wegen eines inexistenten WR-Corp, die Defense brach nach einer Verletzungsorgie bis Saisonmitte mal wieder ein, aber die Patriots würgten sich trotz allem zu einer beachtlichen 12-4 Saison. Am Ende musste man froh sein, nicht von Denver im AFC-Finale komplett abgeschossen zu werden. Der Abgang war so ein okayer: Du scheidest mit normalem Ergebnis aus und ersparst dir somit eine fällige Superbowl-Blamage.

Was aus der Vorschau traf ein? Divisionssieg, aber knapp kein Top-Seed. Die Patriots durfte man nicht abschreiben, aber besonders gut waren sie dann auch nicht. Halbfinale ja, aber es fühlte sich nicht wie „Halbfinal-Qualität“ an. Und trotzdem: Die einzige Pleite mit mehr als 7 Punkten kam im Halbfinale gegen Denver (mit 10 Punkten). Alle Zweifel an der Offense stellten sich als berechtigt heraus. Patriots-Defense war in den Play-by-Play Stats besser als in den letzten Jahren (u.a. nur noch 6.3 NY/A Pass-Defense). Das Mega-Loch in der Defense Line wurde nach Wilforks Verletzung offensichtlicher denn je.

Was traf nicht ein? TE Sudfeld war ein schnell gegangener Nullfaktor. Bradys INT-Statistik bleib einmal mehr extrem niedrig (1.6%), trotz aller Unkenrufe nach Regression, trotz aller Schlechtigkeit Bradys in manchen Spielen 2013.

San Francisco 49ers

Division   NFC West
Tipp 2013  Zweiter
Ergebnis   Zweiter (12-4, Conference Finale)

Ich schrieb:

Das ist überhaupt ein Punkt, den man bei aller Dominanz der 49er oft vergisst: Sie waren in den letzten beiden Jahren ein extrem gesundes Team. 2011 die #8 der AGL-Liste, 2012 die Nummer 1 mit ganzen 16.2 Adjusted-Games Lost (Vgl. Green Bay mit 108 verpassten Starts!). Insbesondere die Defense blieb irre verschont mit verpassten 4.5 AGL. Das ist ein einziger Spieler und das auch nur für ein Viertel der Saison! Schon jetzt ist das nicht zu halten: Die 49ers müssen bereits den homophoben CB Culliver und den Kaepernick-Liebling WR Michael Crabtree für viele, viele Monate vorgeben. San Francisco wird sich einstellen müssen, mehr Verletzungen zu kassieren. Sprich auch: Qualitätseinbußen. Abnutzung. Weniger Tiefe im Schlussviertel.

[…]

Die 49ers von 2012 waren im Gegensatz zur Vorgängerversion 2011 for real. Jo, es war ein außerordentlich gesundes Team, aber es war auch ein richtig gutes. Es war die Nummer 1 in meinem Power-Ranking (.702). 11.5 Saisonsiege und Pythagoreische Erwartung von 11.4 (#4 ligaweit) gegen einen Hammerschedule. Zweitbeste Scoring-Defense. SRS von 9.4 Punkten über Durchschnitt, auch #4 ligaweit.

San Francisco kriegt gleich zu Beginn die Green Bay Packers zuhause, was ein Vorteil ist. Aber der Schedule ist recht hinterhältig mit der heftigen eigenen Division und der gnadenlos schweren NFC South. Das ist schwerer als Green Bay. Und ich bin nicht überzeugt, dass der 49ers-Roster die lange Saison besser durchhält als der eines anderen Teams aus der eigenen Division…

Eine einmal mehr extrem gute Saison für die 49ers, die sich aber nicht so anfühlte, da es in der eigenen Division eine bessere Mannschaft Seattle gab, und da die eigene Offense durch ein gewaltiges WR-Problem phasenweise den Charme von feuchtem Toastbrot versprühte. So bleibt ein großes NFC-Finale, das um ein Haar gewonnen worden wäre. Es bleibt die Frage, was wäre wenn? Es bleibt die Hoffnung, dank eines tief besetzten Kaders auch künftig oben mitzuspielen.

Was aus der Vorschau traf ein? Kaepernick musste sein Spiel umstellen, und entsprechend verlor die Offense ein paar Prozentpunkte an Effizienz. Das musste man aber befürchten. Die Offense Line war nicht mehr so dominant. Lag es an Wehwehchen? Den Wehwehchen, die man in Frisco nun jahrelang nicht mehr kannte? Die 49ers hatten mit Verletzungen zu kämpfen, ganz allgemein in mehreren Phasen des Kaders. Da zeigt sich dann auch bei einem Kader wie diesem, dass du einen Willis nicht 1:1 ersetzen kannst. Ich hatte darüber geschrieben, dass das unglaubliche Verletzungsglück der 49ers in den letzten Jahren vielleicht nicht zu halten sein würde. Es war dann auch nicht. Der WR-Corp war nach Crabtrees Ausfall erwartet unterirdisch, trotz eines famosen Boldin.

Was traf nicht ein? Vielleicht ist das Laufspiel der 49ers weiterhin eines der vielseitigsten, aber die Effizienz ist nicht mehr da (nur noch unterdurchschnittliche Success-Rate).

Seattle Seahawks

Division   NFC West
Tipp 2013  Erster
Ergebnis   Erster (13-3, Champion)

Ich schrieb:

GM Schneider und Coach Carroll haben da einen Titelanwärter unter ihren Fittichen – zweifellos. Nochmal: Der Kader steht. Der Quarterback ging letztes Jahr fast über vor lauter Selbstbewusstsein. Möglicherweise sind die Restzweifel an Wilson unbegründet und seine Rookiesaison war erst der Anfang. Auf der anderen Seite hege ich den Verdacht, dass eine derart sensationelle Saison nicht so ohne weiteres wiederholbar ist (siehe Phänomen „Sophomore-Slump“*).

Es mag Paranoia sein, die Angst vor einem Jinx, oder schlicht das Misstrauen gegen den offensichtlichen – zu offensichtlichen? – Geheimfavoriten. Oder aber es mag der Schedule-Nachteil gegenüber dem noch höher gerankten nachfolgenden Team sein, aber: So hoch ich die Seahawks einschätze, so hoch ich sie überhaupt schätze, meine ersten Superbowl-Anwärter sind zwei andere Mannschaften.

*Sophomore-Slump wäre bei Wilson auch 25 TD und 10 INT. Der Slump ist eher eine Spezialausprägung von Regression towards the mean. Die muss bei Wilson nach dieser fantastischen Rookiesaison fast zwangsläufig einsetzen.

Monster-Saison für die Seahawks. Man hatte es nach dem überragenden Finish der Vorsaison kommen sehen können, aber nicht so ganz glauben wollen. Russell Wilson war vielleicht eine Spur weniger Aufsehen erregend, dafür aber fast gleich effizient. Der Defense aber überragte wirklich, nachdem sie in der Saison 2012/13 sehr gut, aber nicht episch gewesen war. Am Ende stand ein triumphaler Superbowl-Gewinn.

Was aus der Vorschau traf ein? Seattle gewann die Division, und man landete vor den 49ers. Die Schwächen der Seahawks-OL waren ein Thema, das sich die ganze Saison über hielt. Harvin erwies sich spät, aber doch noch mit seiner Rückkehr als die erwartet wichtige Offensiv-Ergänzung. Die Legion-of-Boom war die tragende Säule und hielt alle Versprechungen.

Was traf nicht ein? Die Lauf-Defense der Seahawks war besser als erwartet.

Was kann man lernen? Die Vorschau traf eigentlich ziemlich genau den Nagel auf dem Kopf, mit einem Sternchen: Sie hatte kleine Vorbehalte gegenüber dem jungen Quarterback: Würde er noch einmal solch fantastische Ergebnisse liefern können wie als Rookie? Ich meine, man durfte zurecht skeptisch sein, und daher kann ich in der Retrospektive auch sehen, weshalb ich die Seahawks nicht als meinen absolut größten Titelkandidaten gesehen hatte.

Green Bay Packers

Division   NFC North
Tipp 2013  Erster
Ergebnis   Erster (8-7-1, Wildcard)

Ich schrieb:

Die Green Bay Packers feierte ich vor zwei Jahren aufgrund ihrer guten Zahlen und ihres jungen Kaders als Sleeper für die nächsten Jahre ab. Heute sieht es manchmal überraschenderweise ein wenig nach Endzeit in Wisconsin aus, aber Achtung: Der Mannschaftskern ist potent. Extrem sogar.

QB Aaron Rodgers und seine Pass-Offense waren letztes Jahr so „schlecht“ wie lange nicht (6.6. NY/A war nur #12 der Liga, ein enttäuschender Wert). Die Packers hatten eine Weile lang Probleme, in die Saison zu kommen, weil Rodgers ohne Anflüge von Laufspiel verloren war. Trotzdem reichte es zu einer 11-5 Bilanz, mit knappen Niederlagen gegen San Francisco (-8), @Seattle (-2, „Hail-Mary“), @Indianapolis (-3) und @Minnesota (-3). Einzig von den Giants wurde man abgeschossen.

Ein Team, das vor drei Jahren den Superbowl holte, vor zwei Jahren fast die Perfect-Season schaffte, letztes Jahr als #32 der AGL-Liste (sprich: am schlimmsten von Verletzungen betroffenes Team mit 108 „verpassten“ Adjusted Games) mit eindimensionaler Offense ein 11-5 mit vier knappen Niederlagen in einer schweren Conference gegen die beiden heftigsten NFC-Divisionen (North/West) einfuhr? Wie gemacht, um bei mir als größter Superbowl-Kandidat der NFC 2013/14 zu gelten.

[…]

Auch wenn McCarthy kein überzeugender in-Game Coach ist: Ich erwarte einen effizienteren Angriff der Packers 2013/14: 6.6 NY/A wird einem Rodgers nimmer passieren. Rodgers wird vermutlich mehr als 1.4% INT-Quote produzieren, aber das sollte ein Anstieg der NY/A-Effizienz kaschieren. Und so richtig hohe, fatale INT-Quoten hatte Rodgers noch nie in seiner Karriere.

Green Bay muss zum Saisonauftakt am Sonntag nach San Francisco. Das ist ein Hammerlos zum Einstand. Das möchtest du eigentlich um jeden Preis vermeiden. Danach beruhigt sich die Lage aber. Die eigene Division ist etwas niedriger einzustufen als jene der Hawks/49ers. Und deshalb glaube ich, dass die Packers die beste Superbowl-Chance in der NFC haben.

Eigenartige Saison für die Green Bay Packers: Man lieferte sich wochenlang einen Zweikampf mit den Detroit Lions, obwohl jeder sehen konnte, wie eindimensional diese Mannschaft mal wieder auf seine Offense vertrauen musste. Die Packers-Defense sah über weite Strecken des Jahres kein Land. Als dann auch noch QB Rodgers für mehrere Wochen mit Schlüsselbeinbruch ausfiel, wurstelte man sich durch und kam am Ende, weil die Lions schwächelten, zu einem Endspiel gegen die Bears, das dank einem Hailmary-artigen Pass gewonnen wurde. In den Playoffs war man gegen die 49ers vielleicht nicht die bessere Mannschaft, aber es wirkte doch mit zunehmendem Spielverlauf ebenbürtig. Am Ende scheiterte man einmal mehr knapp.

Was aus der Vorschau traf ein? Protection-Probleme galore. Trotzdem war man wie erwartet viel effizienter in der Pass-Offense: Über die Saison hatte man 6.9 NY/A, was jetzt nicht sooo der Anstieg ist. Aber ich sprach ja von Rodgers‘ Verbesserung: Rodgers landete bei bockstarken 7.6 NY/A in den Wochen, in denen er spielte. Rodgers hatte auch wie prognostiziert eine leicht höhere INT-Quote als 2012 (nämlich 1.8%).

Was traf nicht ein? Die endgültigen Reports stehen noch aus, aber rein gefühlt waren die Packers mal wieder arg verletzungsgebeutelt, mit längeren Ausfällen von Quarterback, Matthews, Left Tackle usw. Vielleicht war man nicht mehr die #32 der AGL, aber narrisch weit weg war man wohl nicht. Verletzungspech auch bei Slot-CB Hayward, der zu den besten seines Fachs gehörte. Datone Jones erwies sich (noch?) nicht als ganz große DL-Verstärkung.

Denver Broncos

Division   AFC West
Tipp 2013  Erster
Ergebnis   Erster (13-3, Superbowl-Verlierer)

Ich schrieb:

Die Denver Broncos 2013/14 gehen als gesatteltes Rösser in die Saison. In der Offense müsste schon QB Peyton Manning einen völlig überproportionierten Alterseinbruch erfahren, um nicht erneut einen Angriff mit um die 7.0 NY/A hinzulegen: Die WR-Crew um die jungen Thomas und Decker wurde ergänzt um Slot-WR Wes Welker, der zu aller Freude auch noch vom größten direkten AFC-Konkurrenten New England losgeeist werden konnte. Die Tight Ends Dreessen und Tamme waren schon letztes Jahr gute Ergänzungsspieler.

[…]

Ein Problem für die Broncos in diesem Jahr: Die schwersten Gegner kommen zu Saisonbeginn. Allein in der Phase ohne Miller gibt es einmal das Wiedersehen mit Baltimore (in der Nacht auf Freitag, 02h30) und den NY Giants. Der Vorteil danach: Es kommen fast nur mehr Graupentrupps. Es dürfte schwieriger sein einem Kind einen Lutscher zu klauen, als die AFC West zu gewinnen, und danach hat die Glücksgöttin mit der AFC South und der NFC East die beiden nächst-einfachen Divisionen geschenkt. In New England muss man zwar den härtesten Brocken des Jahres auswärts bespielen, aber die Scheduling-Vorteile gegenüber den Pats dürften auch bei einer Niederlage dort reichen, um den Top-Seed in der American Football Conference zu sichern.

Viele einfache Spieler bedeuten viele Siege. Das bedeutet einen kürzeren und einfacheren Weg über die Heimat in die Superbowl. Und genau das ist der Grund, wieso die Denver Broncos mein größter Titelfavorit in dieser Saison sind. Vierter und eins, und mehr als eine halbe Minute zu spielen: John Fox kann nicht abknien. Er muss nur ausspielen lassen.

Eine extrem gute Saison der Broncos-Offense, die sich in Rekord-Sphären bewegte. Peyton Manning brach mehrere Allzeit-Rekorde, die Mannschaft durchbrach als erste die 600-Punkte-Schallmauer, aber es gab immer leichte Zweifel an dem Team; die kannst du mit der Defensivleistung begründen, die nur mittelmäßig war. Trotzdem marschierte man gegen einen zugegeben einfachen Schedule locker durch in die Superbowl, wo dann allerdings alle Dämme brachen und man abgeschossen wurde. Ein derartiges Debakel liegt natürlich schwer im Magen, und man wird sehen müssen, was die Franchise für Schlüsse daraus zieht.

Was aus der Vorschau traf ein? Ich erwartete keine Allzeit-Rekorde für die Offense der Denver Broncos, aber in der Tat waren sie wie erwartet über 7 NY/A, und das sogar sehr deutlich. Die Offense Line überzeugte nicht übermäßig, aber sie erwies sich auch nicht als Sollbruchstelle im Angriff (wie sie allerdings PFFs #1 werden konnte, bleibt mir schleierhaft). Die Defense hatte ich besser erwartet, aber ich hatte richtigerweise auf die vielen Fragestellungen in der Front-Seven hingewiesen – Fragestellungen, die nie ganz überzeugend gelöst werden konnten.

Was traf nicht ein? Greg Knapp war nicht der OffCoord, sondern Adam Gase. Das hatte ich wohl falsch auf dem Schirm gehabt – und es konnte für Denver auch nur Gutes bedeuten. Die Defense hatte kein solches Glück: Okay, kein Greg Knapp als Coordinator auch hier, aber dafür waren die Effizienz-Stats trotzdem ernüchternd: 6.3 NY/A sind nicht unterirdisch, aber man beachte, dass Denver gegen einen extrem simplen Schedule spielen durfte. Den Passrush hatte ich richtig identifiziert, aber die Coverage in der Secondary war doch etwas schwächer als prognostiziert.

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Sektion „CU in January“ im Rückspiegel

Nächster Teil der Rückschau auf meine Saison-Vorschau mit den Teams aus dem oberen NFL-Mittelfeld, denen ich durchaus den Sprung in die Playoffs zugetraut hatte. Vier von diesen acht Teams hatte ich in den Playoffs erwartet. Daher taufte ich sie die CU in January Fraktion.

Chicago Bears

Division   NFC North
Tipp 2013  Dritter
Ergebnis   Zweiter (8-8)

Ich schrieb:

Ein wunder Punkt, der sich aufmachen könnte: Die Defense. Über viele Jahre hatten die Chicago Bears die einzige verbliebene „echte“ Tampa-2 Defense, die zwar einiges an Yards kassierte (2012 war es allerdings super: 5.4 NY/A im Passspiel, #3), aber doch erstaunlich konstant ihre Turnovers forcierte. Das wird nun neu. Es wird nicht alles umgestellt, aber der DefCoord ist mit Mel Tucker neu.

Skeptisch machen zwei Dinge: Wie bringt man eine Defense voller Veteranen, die nie etwas anderes gesehen hat als die Tampa-2 dazu, sich auf ihre alten Tage neu einzustellen? Ich meine, Chicago war nie dafür gebaut, die besten Yards/Play-Statistiken zu haben. Wenn diese kamen, dann waren sie Produkt einer großartigen Spielergeneration um Legenden wie Urlacher (trat im Winter zurück), Peppers (ist mittlerweile 34) oder Briggs auf dem Zenit. Vielmehr ging es immer darum, möglichst viele Turnovers zu forcieren. Da muss ein Umdenkprozess her.

Und zweitens: Was passiert, wenn die Regression zur Mitte zuschlägt und Chicago plötzlich nicht mehr als #3 der Adjusted Games Lost-Liste geführt wird? Die Tiefe hinter den Startern ist insbesondere in der Offense und im Linebacker-Corp quasi inexistent. Chicago ist 1-2 Verletzungen auf wichtigen Positionen vom schnellen Aus entfernt. Und Chicagos Kader wird nicht jünger, insbesondere nicht in der Defense. Älterer Kader = höhere Verletzungswahrscheinlichkeit = höheres Katastrophenpotenzial.

Es sind diese kleinen Zweifel, die in der knackigen NFC reichen, die Chicago Bears (!) nur als Playoff-Wackelkandidat einzustufen, obwohl ich kein Jota überrascht wäre, wenn diese Mannschaft in die Playoffs durchmarschiert. In der AFC wäre man wahrscheinlich aber als dritt- oder viertbeste Mannschaft ein todsicherer Qualifikant.

Eher untypische Bears-Saison 2013: Man hatte eine der besten Offenses, dafür auch eine der schlechtesten Defenses. Für den ersten Teil wurde HC Trestman verpflichtet – insofern: Job erfüllt. Dass die Defense aber ein derartiger Trümmerhaufen werden würde – Alter und Verletzungen zum Trotz – das hatte man nicht unbedingt erwartet. Trotzdem war es ein recht okayes Einstandsjahr für Trestman, dessen Bears optimistisch in die Zukunft blicken können.

Was aus der Vorschau traf ein? Die Defense war eine Katastrophe, vielleicht noch schlechter als befürchtet. Geringe Kadertiefe – nach den ersten Verletzungen von Startern kollabierte die Lauf-Defense komplett. Das Katastrophenpotenzial wurde gänzlich ausgeschöpft.

Was traf nicht ein? Trestman limitierte sich nicht auf West Coast Offense. Er zimmerte seinen QBs passende GamePlans zusammen für eine der besten Offenses der NFL.

Atlanta Falcons

Division   NFC South
Tipp 2013  Vierter
Ergebnis   Vierter (4-12)

Ich schrieb:

Ryan und sein Wundertrio zerlegten schon 2012/13 viele Defenses, darunter auch Topdefenses wie San Francisco, nahezu im Alleingang ohne Laufspielunterstützung (7.1 NY/A im Passspiel, #4 der Liga). Weil das Problem des fußlahmen Ground-Games an Atlantas Front-Office und dem einfallsreichen OffCoord Dirk Koetter nicht vorbeiging, wurde mit RB Steven Jackson aus St Louis ein echtes, komplettes Arbeitstier eingekauft. Jackson ist mit bald 30 nicht mehr der Jüngste und er hatte oft Zipperlein in seiner Karriere, aber selbst ein 80%iger Jackson ist ein Upgrade gegenüber dem zuletzt komplett verbrauchten Michael Turner (ATL-Laufspiel 2012: #28). Jackson und sein wieselflinker Backup JaQuizz Rodgers sind auch gute Ballfänger, aber was bleibt, ist die bange Frage: Wo ist die Depth im Receiver-Chart?

Das zu Atlantas Stärken. Schauen wir uns die fraglicheren Punkte an. Offensive Line? Gut, aber zumindest auf Guard und Center verbesserungswürdig. Was aus dem RT-Platz wird, ist mir nach Clabos Abgang noch schleiferhaft. Generell versprühte Atlantas Schutzwalle nie richtige physische Dominanz. In der NFC South mit ihren eher soften Defenses mag das gut gehen, aber wenn die Juggernauts wie San Francisco, Arizona (well…) oder Detroit anrollen?

[…]

Atlanta hat einen heftigen Schedule: Die NFC South ist mit ihren Offensivgiganten nicht ohne, dazu gesellen sich vier Partien gegen die happige NFC West und vier gegen die weniger brutale AFC East. Ach, und Spiele gegen Washington und Green Bay. GM Dimitroff hat einen soliden Kader zusammengestellt, aber ich zweifle, ob das diesmal reicht. Man war letztes Jahr nicht weit vom Superbowl entfernt, aber es musste vieles richtig laufen, dass es überhaupt soweit kam. Ich fürchte, dass diesmal mehr als ein 4th Down fehlen wird: Schon in der NFC South sehe ich andere Teams vorn… leider. Ich drücke Mike Smith aber trotzdem weiterhin die Daumen. Ich liebe diesen Coach (rein platonisch, natürlich).

Die Saison lief von Anfang an nicht so wie gewohnt: Die Meister der knappen Spiele – die Falcons – verloren gleich mal eine enge Partie zum Auftakt gegen New Orleans und kollabierten in der Folge an Verletzungspech und übel besetzten Offensive und Defensive Lines. Es gab null Laufspiel im Angriff, und „hinten“ konnte man über Atlanta drüberwerfen als sei es das Einfachste der Welt. Resultat: Der sechste Draftpick für eine der besten Mannschaften der letzten Jahre. Aber hey! Ich hatte ihnen ja schließlich den letzten Platz in der Division prognostiziert.

Was aus der Vorschau traf ein? Atlanta wurde Divisions-Letzter. Zwar nicht mit der Bilanz, die ich erwartet hatte, aber ich wusste schon immer: Sie werden Letzter! Steven Jackson hatte seine gewohnten Zipperlein. Die Frage nach der Depth im WR-Chart wurde auch klar beantwortet („non-existent“). Die Offense Line war so schlecht wie erwartet – eigentlich sogar noch schlechter. Passrush war das erwartete Fremdwort – das Defensive Backfield wurde wie befürchtet abgefackelt.

Was traf nicht ein? Matt Ryan mag einen guten Support-Cast haben, aber der war 2013 überwiegend verletzt draußen. Dass es so schlimm werden würde, konnte man allerdings nicht unbedingt mit Sicherheit prophezeien. Zumindest einer der beiden Rookie-CBs (Trufant) soll eine gute Rookiesaison in der Secondary gespielt haben.

Kansas City Chiefs

Division   AFC West
Tipp 2013  Zweiter
Ergebnis   Zweiter (11-5)

Ich schrieb:

Das schlechteste Team der Saison 2012/13 gilt in diesem Sommer als Sleeper-Kandidat, und das aus guten Gründen: Die Chiefs gingen ihre beiden größten Schwachstellen (Coach und Quarterback) an, und verfügen über einen insgesamt relativ soliden Kader mit mehreren Pro Bowlern.

Erste und wichtigste Neuerung ist Head Coach Andy Reid aus Philadelphia. Das Gute mit Reid: Fast eineinhalb Jahrzehnte Nachweis, wie man eine auf Jahre erfolgreiche Franchise bauen und führen kann. Reid ist ein Offensivgeist, der es versteht, einen flüssigen Pass spielen zu lassen. Das Fragliche: Reid wirkte zuletzt ausgelutscht, um nicht zu sagen angebrannt. Wie viel Energie kann Andy Reid noch aufbringen?

Quasi die erste echte Amtshandlung war der Einkauf von QB Alex Smith aus San Francisco. Alle bescheinigen Smith, mittlerweile recht gut im Vermeiden von Fehlern zu sein (INT-Ratio 2.3% ist okay). Das war’s zwar auch schon, da sich Smiths “Quarterbacking” durch ängstliche Checkdowns und wenige Yards/Passversuch auszeichnet, aber ein Alex Smith ist immer noch zwei Klassen besser als alle QB-Optionen, die die Chiefs in den letzten zwei Jahren hatten. Mit Smith kannste deine Offense diametral anders anlegen, weil der Gegner zumindest die Möglichkeit eines Passspielzugs in Betracht ziehen muss. Das heißt dann auch: Viel weniger RRPP (run-run-pass-punt), viel weniger lange 3rd Downs. Fazit: Mega-Upgrade. Das ist Rostlaube aus den 50ern gegen FIAT Punto.

Schauen wir etwas tiefer rein in die Glaskugel: Kansas City hatte letztes Jahr eine Turnover-Bilanz von -24; das schreit so stark nach Regression, dass ich meinen Radio leiser stellen musste. Auf der anderen Seite waren auch die Effizienz-Stats mit guter Vorhersage-Qualität schwach genug, dass die Chiefs das Power-Ranking auf Rang 31 abschlossen. Pythagorean auf #32 (2.5 Siege). Quintessenz: Die Chiefs 2012/13 waren krasse Pechvögel, aber sie waren auch krass schlecht. Trotz einiger guter Einzelspieler: 2-14 in einer schwachen Division ist schon Kakao.

Das Gute: Dieselbe schwache Division garantiert schon qua Existenz mehr als zwei Siege in diesem Herbst. Unvermeidlich.

[…]

Potenzial ist in fast allen Mannschaftsteilen der Chiefs da. Das erwartet man auch von einer Mannschaft, die seit Jahren ständig in den Top-5 pickt. Irgendwo erinnern die Chiefs an die 49ers vor wenigen Jahren: Jedes Jahr ein dark horse, aber durch inexistente Quarterbacks und katastrophales Coaching selbst in einer schlechten Division nur ein Mitläufer. Jetzt ist wie damals in Frisco ein neuer Coach mit gutem Resümee da. Okay, der Quarterback ist in K.C. jetzt derselbe wie der, der in Frisco einst alles zurück hielt. Aber eine ordentliche Verbesserung der Siegbilanz riecht man zehn Meter gegen den Wind.

Ich sage nicht, dass die Chiefs besser sind als die Baltimore Ravens. Aber man vergleiche mal den Spielplan der Ravens (6x AFC North, 4x AFC East, 4x NFC North, Houston, @Denver) mit jenem der Chiefs (6x AFC West, 4x AFC South, 4x NFC East, @Buffalo, Cleveland). Das sind Welten. Das sind drei geschenkte Siege allein per Schedule.

Man kann den Chiefs trotz aller positiv stimmender Vorzeichen natürlich so viel misstrauen wie man will. Ich bin auch nicht vollends überzeugt. Aber wenn dieses Jahr ein Grottenteam im Gesamtpaket mit Spielplan und Personal-Upgrades besser aufgestellt ist, um die Colts 2012 zu imitieren, dann zeige man mir dieses bitte.

Nach dem Schrecken ohne Ende folgte das Ende mit Schrecken für die Chiefs: Auf eine saure 2-14 Saison kamen die Playoffs mit 28pts-Führung gegen Indianapolis – nur um das noch zu vergeigen und auszuscheiden. Trotzdem war es eine ordentliche Saison für die Chiefs, die zwar von einem ulkigen Schedule profitierten, aber immerhin auch ihre Eigenfehler soweit minimierten, dass man die 11-5 Bilanz schon in Teilen zu „aus eigener Kraft“ zuordnen kann.

Was aus der Vorschau traf ein? Playoffs für die Chiefs. Allein Andy Reid war ein monströses Upgrade. Turnover-bilanz von -24 ging enorm nach oben auf +18! Das ist keine Regression zur Mitte mehr. Das sind acht von neun Siegen Differenz zum Vorjahr in einer einzigen Zahl erklärt. 42 Turnovers Unterschied – sowas kannst du selbst in deinen kühnsten Träumen nicht prognostizieren. Aber dass die Turnover-Bilanz besser werden würde, war sonnenklar. Jamaal Charles war sagenhaft. Alex Smith vermied die Turnovers und spielte wie Alex Smith. Die Defense war wie erwartet wieder ins Lot gerückt. Die Linebackers gehörten zum besten der NFL. LB Houston hatte seinen Durchbruch. Der Schedule war lächerlich.

Ich lese aus der Vorschau auch heraus, dass ich den 49ers-Vergleich schon vor der Saison angestrebt hatte. Der ist komplett eingetroffen.

Was traf nicht ein? WR Bowe war eine Enttäuschung. Die Chiefs waren besser als die Ravens.

Pittsburgh Steelers

Division   AFC North
Tipp 2013  Zweiter
Ergebnis   Zweiter (8-8)

Ich schrieb:

Von den Steelers scheint diesmal niemand besondere Dinge zu erwarten, aber ich weigere mich, diesen Laden abzuschreiben. Zum ersten: DefCoord Dick LeBeau ist immer noch am Werkeln. Zum zweiten: Headcoach Mike Tomlin hält den Laden mit ruhiger Hand zusammen. Drittens: Roethlisberger. Viertens: Die Chemie zwischen Roethlisberger und seinem OffCoord Todd Haley, einem ehemaligen Ballbuben bei Pittsburgh, scheint sich verbessert zu haben.

[…]

Pittsburgh ist für mich ein Faktor in der AFC. Die Defense würde ich nie abschreiben (nach meinem Ranking immer noch #4 letztes Jahr), Roethlisberger ist immer noch ein Super-QB und kaum vom Feld zu prügeln (und dieses Jahr auch besser geschützt) und in der AFC sehe ich nur wenige deutlich besser aufgestellte Teams. Der größte Superbowl-Favorit ist Pittsburgh freilich nicht, aber zumindest eine Wildcard sehe ich durchaus nach Pittsburgh gehen.

Die Steelers waren erstaunlich mittelmäßig, aber niemals ungefährlich. Ihre Lauf-Offense war der große Hemmschuh, aber ansonsten war man überall in den Leistungskategorien vorn dabei… außer der einen: Defensive-Interceptions, wo Pittsburgh erstaunlicherweise seit einigen Jahren am untersten Ende der NFL liegt. „Blitzburgh“ fängt keine Turnovers mehr ab. Deswegen flog man letztendlich wohl auch raus aus den Playoffs. Die Steelers starteten mit 0-4 Siegen (0-2 in engen Spielen), und in keinem einzigen Spiel konnte Pittsburgh auch nur einen Turnover mit der Defense generieren (Vergleich: Die Offense hatte in den vier Spielen elf Turnovers). Da ist es dann auch nicht mehr heikel, wie die Mannschaft rundherum spielt.

Was an der Vorschau traf ein? Roethlisberger hatte ein weiteres bockstarkes Jahr. Die Offense Line war trotz Verletzungspech durchaus okay (PFF-Wertung #18). Der Abgang des WR Wallace sowie der lange Verletzungsausfall von TE Miller waren durchaus die erwarteten Killer.

Was traf nicht ein? Erste Risse an der Legende des DefCoords LeBeau taten sich auf. Auch Mike Tomlin hatte kein gutes „in-Game“ Jahr und kassierte mehr Strafen als er Penaltys gewann. WR Antonio Browns Saison wurde durchaus viel positiver bewertet als ich es im Sommer erwartet gehabt hatte. Rookie-WR Wheaton hatte null Einfluss dieses Jahr. Steelers-Laufspiel war deutlich schlechter als befürchtet. Defense Line war eine Spur weniger stark als erwartet. Und schließlich: Keine Playoffs für die Steelers – aber es war knapp. Wenn der Chiefs-Kicker versenkt, sind die Steelers drin.

New Orleans Saints

Division   NFC South
Tipp 2013  Dritter
Ergebnis   Zweiter (11-5)

Ich schrieb:

Die Saints haben eigentlich das Look’n’Feel eines Rebuilding-Teams, aber sie verhalten sich nicht so, und das hat einen Grund: QB Drew Brees, mittlerweile weit jenseits der 30 und mit einem nicht mehr unendlich weit offenen Erfolgsfenster. Brees ist eine NFL-Allzeitgröße, eine unkonventionelle Erfolgsgeschichte, weil er als sehr speziell, weil schmächtig, gebauter Spieler gleich in zwei Franchises gigantische Statistiken und Erfolge hatte, und die Saints wären Idioten, würden sie die letzten drei produktiven Jahre von Brees dem Neuaufbau opfern.

[…]

Ich zuckte lange und wollte die Saints in die Playoffs schreiben. Wenn der Kern halbwegs gesund durch die Saison kommt, halte ich bis elf, zwölf Saisonsiegen für möglich. Eine Mannschaft, die vor zwei Jahren mit fast deckungsgleichem Personal vielleicht die beste Mannschaft der Saison gestellt hatte, muss noch was auf dem Kasten haben. Wenn die Offense ihren Level halbwegs hält und die Defense wenigstens zwei Buchstaben ihres Namens verdient, ist mit New Orleans zu rechnen. Aber es gibt drei Teams, denen ich eher die beiden Wildcards zutraue.

Eine Saison der Marke Regression zur Mitte (bzw. nach oben) für die Saints, die 2012 weit unter ihren Erwartungen geblieben waren und aufgrund einer bodenlos schwachen Defense die Plyaoffs verpassten. Die Defense musste fast per Knopfdruck besser werden – und sie tat es. Sie war dann auch noch besser als Mittelmaß; sie war eine der besten des Jahres. Die Saints beendeten die Saison mit 11-5 Siegen und dem zweiten Platz im Power-Ranking. Sie waren einen Freak-Drive der Panthers vom Divisionssieg entfernt. Sie putzten die Eagles in einem eiskalten Auswärtsspiel. Aber am Ende vermiesen die beiden leblosen Pleiten gegen die Megamannschaft in Seattle das Gesamtbild der Saints 2013/14 vielleicht mehr, als es dieses Team verdient hat.

Ein Punkt, zu dem ich noch stehe: Vielleicht ein strittiger Punkt, aber: Rebuilding-Team. Dieses Team hat noch immer diesen look’n’feel. Die Saints sind viele Millionen über der Salary-Cap und der Kader müsste eigentlich gesprengt werden, aber weil man dann die letzten Jahre Brees verliert, kannst du das nicht machen. So heißt es wursteln.

Was aus der Vorschau traf ein? Die Offense war so gut wie erwartet, das LT-Problem inklusive (und darauf scheißend). Safety Vaccaro war eine immens wichtige Neuverpflichtung, deren Bedeutung man erst im All-22 Tape zur Gänze erfassen kann.

Was traf nicht ein? Der Passrush war kein allzu großes Problem (49 Sacks). Mitverantwortlich dafür waren Jungs wie DL Cam Jordan, die ihren Durchbruch schafften. Sonst eigentlich nur noch, dass die Saints die Playoffs doch erreichten. Zwar wie erwartet hinter den Panthers, aber leistungsmäßig waren sie quer durch die Bank einen Tick besser als angenommen.

Carolina Panthers

Division   NFC South
Tipp 2013  Zweiter
Ergebnis   Erster (12-4)

Ich schrieb:

Das erste ist eines der Freak-Teams des letzten Jahres, die Carolina Panthers,  zwischendurch mit 2-8 Bilanz zum selben Zeitpunkt, als sie in meinem Power-Ranking auf #5 gereiht waren. Was nach gigantischem WTF?-Moment klingt, war einfach zu erklären: Carolina hatte eine der besten Passoffenses der Liga (7.0 NY/A, #6), verlor aber gegen einen knüppelharten Schedule reihenweise knappe Spiele, teilweise eigenverschuldet durch horrende Coaching-Entscheidungen.

Prompt beendeten die Panthers danach aber das Jahr mit fünf Siegen in sechs Spielen und einer 7-9 Bilanz (4-7 in engen Spielen), und gelten nun auch unter Studiopundits als potenzieller Sleeper.

Es ist nicht schwierig, die Panthers zu hypen. Die Advanced-Metrics sind das eine: Pass-Offense, die unter QB Cameron Newton in beiden Jahren in den Top-10 war. Lauf-Offense, zwar mit hoffnungslos überteuerten Runningbacks, aber auch mit einer der besten Success-Rates in der NFL (44.4%, #9). Eine Defense, die auf wichtigen Positionen verstärkt wurde. Schwache Vorjahresbilanz in engen Spielen. Pythagorean 2012 von 0.8 Spielen unter Wert.

Auf der anderen Seiten spielen die Panthers in der NFC South, der potenziell offensivgewaltigsten Division, und haben auch 2013 einen den schwersten Schedules zu bestreiten.

Carolinas erster großer Schwachpunkt in der Defensive Line, die Tackle-Positionen, wurde via Draft relativ aggressiv angegangen mit 1st und 2nd Round-Picks (Star Lotulelei, Kawann Short). Die Ends mit Johnson und Hardy sind keine Weltstars, aber grundsolide Arbeiter. Dahinter operiert mit LB Luke Kuechly der amtierende Defensiv-Rookie des Jahres. Einzig das Defensive Backfield war schon immer eine Schwäche, und ist, kaum verstärkt, sondern gar geschwächt durch Chris Gambles Rücktritt, diesmal eine echte Sollbruchstelle.

[…]

Carolina ist trotzdem viel näher an den Playoffs dran als man meinen möchte. Die Panthers waren eines der Teams schlechthin von 2012, über das man nix wusste, höchstens, dass Head Coach Rivera ein Schisshase war, der keinerlei Gefühl für die Wahrscheinlichkeiten in 4th Downs und „Clutch“-Situationen besitzt. Ein Coach kann in der Hitze des Gefechts nicht alle Entscheidungen richtig treffen, aber 100% Fehlentscheidungen? No way. Rivera macht mir Angst. Ich wette, der Mann macht grandiose Trainings- und Vorbereitungsarbeit, ansonsten hätte er nicht aus einem Trümmerhaufen innerhalb kürzester Zeit einen wettbewerbsfähigen erweiterten Titelkandidaten gemacht. Nur allzu schade, dass seine Entscheidungen an der Seitenlinie so viels kaputt machten.

Ich bezweifle, dass Rivera sich komplett geändert hat. Der Mensch ändert sein Naturell nicht über Nacht. Manche ändern sich nie. Aber vielleicht, vielleicht hat Rivera doch Wind davon bekommen, dass es eine Spur weniger Konservativismus tut um die zwei, drei engen Spiele mehr zu gewinnen, die dann für die Playoffs und Anerkennung reichen.

Das Phänomen Rivera muss ich nicht nochmal erklären. Es hievte die Panthers im Alleingang auf den #2-Seed der NFC, jenen Seed, den sie eigentlich schon 2012 hätten erobern müssen. Rivera war die ganz große Story der Saison. Wir wissen, warum. Aber auch die Panther-Moves in der Offseason erwiesen sich als – wie erwartet – genau die richtigen.

Was aus der Vorschau traf ein? Die Moves in der Defense Line erwiesen sich als die erwarteten Glücksgriffe. Die Panthers gewannen wie erwartet die Spiele ab dem Moment, ab dem Rivera die Hosen endlich (endlich!) runterließ – und sie gewannen sie im Dutzend. Der WR-Corp war eine Einmannshow, aber das war allen klar.

Was traf nicht ein? Rivera war der einzige Grund, weswegen ich den Panthers den Status eines Titelmitfavoriten entzogen hatte und sie am Ende knapp aus den Playoffs gesehen hatte. Ich hatte diesen Geisteswandel ganz einfach nicht kommen sehen. Niemand konnte ihn kommen sehen. Wenige Menschen ändern ihre Grundhaltung so stark über Nacht wie Rivera (für wie lange, wird sich zeigen). Dafür, dass ich Rivera für eine derartige Pfeife in Mathletics mit wenig Hoffnung auf Besserung gehalten hatte, bewertete ich die Panthers in der Retrospektive vielleicht sogar ein bissl zu gut, was das rein Sportliche (also die Effizienz-Stats) anging. Denn: Die Panthers-Passoffense war dieses Jahr marginaler als erwartet.

Generell waren die Panthers einfach vorherzusagen: Sie würden extrem gut sein, aber sie würden es nur dann in Siege ummünzen können, wenn sich der Headcoach ändert. Dass der sich ändern würde, war äußerst unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich. Am Ende zeigte sich: Unwahrscheinlich ≠ unmöglich.

Detroit Lions

Division   NFC North
Tipp 2013  Zweiter
Ergebnis   Dritter (7-9)

Ich schrieb:

Ein anderer gigantische Sleeper spielt in der Motown Detroit, und er bekam auf diesem Blog stets seine Präsenz, was aber vor allem an der Gesinnung des Autors liegt. Die Detroit Lions waren letztes Jahr eine Enttäuschung, keine Frage. 4-12 ist ein Jahr nach einer Playoff-Qualifikation zu wenig, aber man vergesse die Umstände nicht: 2.4 Spiele unter der Pythagoreischen Erwartung, zumindest durchschnittliches Team, fassungslose 3-9 Bilanz in engen Spielen. Ich schrieb letztes Jahr über die Minnesota Vikings, dass eine 2-9 Bilanz in engen Spielen (die die Vikes 2011 hatten) hausgemacht ist für eine Regression zur Mitte. Prompt marschierten die Vikes in die Playoffs. Bilanz in engen Spielen 2012: 5-1. Nuff said.

Freilich kann man nicht drauf bauen, dass sich die engen Spiele wenden, schon gar nicht um 180°. Das generische NFL-Team schafft über einen langen Zeitraum .500 in engen Spielen, und alles drüber oder drunter kann zum beträchtlichen Teil dem Zufall zugeschrieben werden, und wir werden einen Teufel tun, den Zufall zu prognostizieren. (und ganz ehrlich: Ich würde den Lesern den Spaß am Spiel verderben)

Detroit hat Potenzial für Großes im Kader, und wenn die Elemente einrasten und „klick“ machen, sind auch 13, 14 Siege denkbar. Really. Alles, was es dazu braucht, ist etwas Verletzungsglück (nicht so wie 2012, als man #24 der Adjusted Games Lost-Liste war mit 81.5 verpassten Adjusted-Games), etwas weniger Fehleranfälligkeit der eigenen Offense (2012: 30 Turnovers), die eine oder andere besser getimte Interception in der Defense (2012: nur 16 Turnovers erzwungen) und etwas Fumble-Glück. 2012 war dort unglaublich unglücklich: Nur 4/17 der Offense-Fumbles und 5/16 der Defense-Fumbles wurden erobert. Das sind in Summe 27.3%. Fumbles sind Münzwürfe, ergo ist es wahrscheinlich, dass Regression zur Mitte auch hier zuschlägt.

Ach, und es braucht noch eine Prise guter Entscheidungen des Head Coaches Jim Schwartz. Schwartz‘ Ruf als „Number’s Guy“ und Pragmatiker bekam letztes Jahr nicht bloß eine Delle. Die Kratzer wurden jede Woche mehr, und Schwartz steht mittlerweile komplett auf dem Prüfstand: Ist er wirklich so instinktgetrieben oder spürte da letztes Jahr bloß ein junger Trainer zum ersten Mal echten Gegenwind und wurde nervös? Die Entscheidungen bewegten sich jedenfalls auf Rivera-Niveau. Auf Basis seiner Vergangenheit gebe ich Schwartz einen letzten Kredit und vertraue auf seinen Verstand.

[…]

Ich schrieb oben was von gewaltigem Potenzial. Das haben viele andere Mannschaften auch, aber nur wenige erreichen es konstant. Die Lions haben trotz aller Zeichen, dass sie ein dark horse sind, ausreichend Fragezeichen, dass schon alle Würfel genau an den richtigen Ort führen müssen, um das Potenzial auszuschöpfen. Daran glaube ich nicht. Der Herbst 2012 war in Sachen Eigenfehler und Schlampigkeiten so sehr Radio Punxatawney, dass man versucht ist, eine kulturell verankerte Problematik zu wittern. Das schlimme Vertragsmanagement von GM Martin Mayhew trägt das seinige dazu bei, dass sich diese Eindrücke verfestigen.

Somit sind die Lions für mich rational betrachtet immerhin erster Anwärter auf den letzten Wildcard-Platz, sofern sie nicht durch irgendeine Freakgeschichte die Packers vom Thron der NFC North stoßen können: Der Schedule ist hart, aber machbar.

So viel Talent wie Detroit der letzten Jahre verschwendete zuletzt der FC Arsenal Mitte des letzten Jahrzehnts, als man es trotz epischer Größen wie Vieira, Henry oder Jens Lehmann (just kidding) nicht schaffte, die Fußballwelt angemessen zu dominieren (invincibles war nicht das „Ceiling“, sondern hätte die Norm sein sollen). So weit sollte man bei den Lions vielleicht nicht gehen, aber ganz ehrlich: Ein 7-9 ist schon ein etwas enttäuschender Output für einen Kader, der locker zehn Siege wert sein müsste. Er wäre es auch gewesen, wenn man sich nicht beständig durch Eigenfehler ins Knie geschossen hätte. Wenn die Eigenfehler aber in Serie gehen und sich Glücksschützen wie Tucker dazu mischen, ist es um dich geschehen: Sechs der neun Pleiten waren innerhalb eines Scores. Dass es Detroit nie schaffte, sein Potenzial zu erspielen und sich sogar vielmehr im Gegenzug eher selbst kaputt machte, ist die größte Verfehlung vom gescheiterten Head Coach Jim Schwartz und führte letztlich zur logischen Konsequenz: Seiner Entlassung.

Was aus der Vorschau traf ein? Die Lions wanderten teilweise gen Mitte, was die Zufälle anging. Sie waren weniger „unglücklich“ als noch 2012: Mehr erzwungene Turnovers, mehr Fumble-Glück. Mehr Siege. Die Defense Line war mal wieder die Stärke einer lange Zeit sehr ordentlichen Defense, die trotz der überholten Schemen von DefCoord Cunningham ihre Zahlen lieferte.

Was traf nicht ein? Keine Playoffs. Kein Potenzial einer 13-Siege Mannschaft, aber wie gesagt: 10 hätten es sein müssen, rein vom Leistungsvermögen. Schwartz verspielte den letzten Kredit, zeigte Mathletics-Kompatibilität erneut nur in sehr begrenzter Dosierung. Das WR-Potenzial um Calvin Johnson herum erwies sich aus verschiedenen Gründen (Verletzungen, Stagnation) als nicht NFL-tauglich – wider Erwarten. Die potenzielle Sollbruchstelle Offense Tackle tat sich nie auf.

New York Giants

Division   NFC East
Tipp 2013  Erster
Ergebnis   Dritter (7-9)

Ich schrieb:

Die Giants waren zuletzt zweimal en suite ein 9-7 Team. Der Unterschied: 2011 kam man auf den letzten Drücker in die Playoffs und gewann danach überraschend die Super Bowl. 2012 verpasste man die Playoffs, weil die Würfel nicht so günstig fielen. Man kann sogar argumentieren, dass die Giants von 2012 besser waren als die Giants von 2011. Dafür sprechen würde ein sehr viel besseres Punkteverhältnis (2011 war man der erste Superbowlchamp mit negativem Punktverhältnis, 2012 hatte man dagegen die Pythagoreische Erwartung eines 10-6 Teams).

2013 gehen die Giants wieder als Favorit in der NFC East ins Rennen, aber man darf sich ruhig fragen, ob die Qualität im Kader ausreicht, um erneut den ganzen Weg ins Endspiel zu gehen. Für die Giants spricht der Fakt, dass man auch letztes Jahr eine qualitativ gute Offense hatte, die nach Drives die zweitmeisten Punkte der NFL erzielte. Dagegen spricht: New York hatte die bei weitem beste Starting Field Position (31yds-Line) in der NFL – ein Wert, der sich relativ schwankend verhält.

[…]

Ein Knackpunkt bei New York 2013: Der Schedule. Unter Coughlin ist man bekannt als Schnellstarter, aber diesmal geht es los mit @Dallas, Denver, @Carolina: Ist ein 0-3 Start völlig ausgeschlossen? Freilich kannste aber auch mit einem Auswärtssieg in Dallas am Sonntagabend gleich mal den Ton in der Division vorgeben. Der Schedule ist in der Saisonmitte besser, aber am Ende kommen noch mal ein paar Kracher. Realistisch gesehen kann man von den Giants einen Divisionssieg und den vierten Seed in der NFC erwarten. Die Giants sind nicht das viertbeste Team der Conference, aber sie spielen diesmal in einer günstigen Division.

Die Giants waren diesmal ein 7-9 Team, das aber keiner so recht wahrnahm, weil es hundesmiserable aus den Starlöchern kam und erstmal mit sechs Niederlagen eröffnete. Dann kam eine Siegesserie, die die Hater und Pats-Fans einfach mal mit „Luschenschedule“ abtaten. Am Ende war nur noch interessant, ob Eli Manning den Anti-Peyton machen würde und im Jahr, in dem der Big-Brother den TD-Rekord knackte, den INT-Rekord zu holen vermochte. Er scheiterte, so wie die Giants an den Erwartungen scheiterten. Aber mal ehrlich: So weit von ihrem seit Jahren gezeigten Leistungsvermögen waren sie eigentlich nicht weg. Hätten sie die sechs Pleiten nicht am Saisonbeginn, sondern schön verteilt kassiert, man hätte sie nicht als Mega-Enttäuschung wahrgenommen. Aber der Mensch will halt seine Geschichten erzählen, deswegen… naja. Eh klar.

Was aus der Vorschau traf ein? Laufspiel war wie erwartet banal. Starting-Field Position ging deutlich nach hinten los (von 31yds auf 27yds, von #1 auf #23), aber bei so vielen Turnovers wunderst du dich da nicht drüber.

Was traf nicht ein? Eli Manning war die Schlüsselfigur, aber nicht so wie erwartet: Er riss das Team mit einer Unzahl an INTs runter – eine derartige Zahl (27), die nicht mehr allein mit „ein paar unglücklich abgefälschte Bälle“ erklärbar ist. Die Offense Line war nicht besser, sondern deutlich schwächer. WR Nicks dürfte sich entgegen aller Prognosen entbehrlich gemacht haben. Die Defense war in etwa so gut wie angekündigt, aber aus den falschen Gründen: Der Passrush war eher mau, dafür hielt die Deckung besser als in den letzten Jahren.

Sektion „Ciao im Dezember“ im Rückspiegel

Zweiter Teil der Rückschau auf die Vorschau, diesmal mit den „grauen Mäusen“, die ich im September im unteren Mittelfeld der NFL erwartet hatte – die Ciao im Dezember Fraktion.

Indianapolis Colts

Division   AFC South
Tipp 2013  Zweiter
Ergebnis   Erster (11-5)

Ich schrieb:

Die feel good-Geschichte von 2012 waren die Colts, die in einer extrem einfachen Division den sensationellen Sprung vom schlechtesten Team der Liga in die Playoffs schafften. Die Playoffs sollten auch in diesem Jahr nicht komplett außer Reichweite sein; dafür sorgen die maue AFC und die noch viel mauere AFC South. Aber es gibt genügend Hinweise darauf, dass Indianapolis dieses Jahr einen Rückschlag hinnehmen wird müssen.

Größter Faktor dürfte der simple Faktor „Regression zur Mitte“ in engen Spielen sein: Indy gewann letztes Jahr neun von zehn Spielen innerhalb eines Scores Differenz – eine Bilanz, die nicht zu halten ist. Die Colts waren nach meinem Power-Ranking (und nicht nur meinem) leistungsmäßig im unteren Drittel der NFL zu verorten (#26) und spielten einen extrem einfachen Schedule (den einfachsten der Liga). Trotzdem wurde man mit 357-387 Punkteverhältnis um 30 Punkte „outgescort“. Die Defense war horrend auf allen Ebenen und in der Offense war das Laufspiel nur mittelmäßig überzeugend.

Wenn Indianapolis dieses Jahr annähernd sowas wie die 11-5 Bilanz wiederholen möchte, wird noch mehr Druck auf die Schultern vom sensationellen QB Andrew Luck geladen werden müssen. Luck musste letztes Jahr eine Hardcore-Version der downfield-Offense spielen, schaffte ergo auch nur 54.5% Completion-Rate. Luck hatte 18 Interceptions und zudem die meisten gedroppten potenziellen INTs in der NFL. Mit der Installation des OffCoords Pat Hamilton kriegt Luck einen alten Vertrauten aus College-Zeiten beigestellt; die Offense wird kurzpasslastiger werden, mit mehr Einbeziehung der Tight Ends Allen und Fleener, mit mehr Laufspiel und Play-Action.

[…]

Insgesamt sind die Colts sicher besser aufgestellt als vor der letzten Saison. Gleichermaßen dürfte es aber schwer sein, den 11-5 Record zu wiederholen: Die Würfel in engen Spielen werden nicht mehr alle pro Colts fallen und den einfachsten Schedule der Liga spielt man auch nimmer (NFC West!). Obwohl: AFC South, AFC West plus Bengals und Dolphins – sieht immer noch nach einem machbaren Schedule aus… Ich sehe ein 7-9 oder 8-8 kommen. Und das ist schon ein Tribut an den einzigartigen Andrew Luck.

Die Colts waren in etwa so wie ich sie erwartet hatte: Bei Zeiten sehr gute Offense, insgesamt schwache Defense, und vor allem unkonstant. Sie waren allerdings erneut extrem gut in engen Spielen, gewannen schon wieder sechs von sieben dieser Dinger (exklusive Playoffs) und gewannen mit 11-5 Bilanz ihre (zugegeben kinderleichte) Division. Trotzdem sind sie ein komisches Team: Der Franchise-QB Andrew Luck passt. Die Wide Receiver und Tight Ends passen. Aber sonst liegt im Kader noch einiges im Argen, und man hat dank des Richardson-Trades keinen 1st-Rounder für 2014.

Was aus der Vorschau traf ein? Die Offense wurde kurzpasslastiger und mehr „Power“-orientiert. Probleme in der Defense trafen wie erwartet relativ genau ein (eine einzige Stärke: OLB Mathis). Turnover-Bilanz verbesserte sich (von -12 auf +13) – allerdings dramatischer als man vorhersehen konnte. Es war einer der wichtigsten Gründe für die überraschend gute Colts-Bilanz.

Was traf nicht ein? Simpel gesagt: Die Sieganzahl. Die Colts holten drei oder vier Siege mehr als ich erwartet hatte (obwohl viele Effizienz-Stats auf ein komplett durchschnittliches Team hindeuten). Es gab zumindest 2013 keine Regression in den engen Spielen (man war erneut 6-1). Dass die Offense kurzpasslastiger wurde, entpuppte sich wider Erwarten als schlecht; die Colts sollten schleunigst wieder auf downfield-Offense switchen. Reggie Wayne… ja, er war bis zu seiner Verletzung schwächer, aber nicht um viel. Indy war ähnlich verletzungsgeplagt wie 2012 (ich glaube, über 70 verschiedene Starter).

Was wird sich noch als korrekt herausstellen? Die schlechten Einkäufe wie Walden, Jean-Francise oder Toler.

Miami Dolphins

Division   AFC East
Tipp 2013  Zweiter
Ergebnis   Dritter (8-8)

Ich schrieb:

Das Frühjahr der Dolphins war ein extrem ereignisreiches: Großeinkauf Wallace, Ellerbe, Clabo, Wheeler, Abgang Long, Bush, Burnett, Dansby und Smith, Megatrade für Jordan – GM Jeff Ireland blieb nach der x-ten Mittelmaß-Saison (7-9 in 2012) nicht untätig, sondern versuchte, aggressiv die Baustellen im Kader zu schließen. Ich bin lange nicht überzeugt, dass es gelungen ist.

[…]

Ich sehe die Weiterentwicklung in Miami nicht. Der Kaderumbau sieht für mich nicht aus, als hätte da jemand mit allzu großer Weitsicht gebaut, sondern eher Gerümpel hin und her geschoben. Die Fins sehen unaufgeräumt aus. Wenn sich Tannehill entwickelt, ist dank durchwachsener Conference ohne weiteres eine Bilanz der Güteklasse 8-8 bis 10-6 drin. Aber man macht es ihm trotz großer Transferaktivität nicht bedeutend einfacher als es letztes Jahr war – und schafft nebenher noch Salary Cap-Probleme über 2014 hinaus.

Sportlich eine Saison im Rahmen des Erwarteten, aber durch die unappetitliche Mobbing-Geschichte rund um Incognito und Jonathan Martin bleibt ein fader Beigeschmack. Ein Teil des Front-Office wurde rasiert. Also insgesamt keine gute Saison für die Dolphins, die die Playoffs im letzten Abdrücker noch verpassten, und das nicht irgendwie: Man wurde im letzten, entscheidenden Saisonspiel von einer gurkigen Jets-Mannschaft in Grund und Boden gespielt.

Was aus der Vorschau traf ein? Kader-Umbau war… eben ein Umbau, keine Verbesserung. WR Mike Wallace wirkte im Dolphins-Spielsystem etwas verloren. Willkürliche Schwächung der Offense Line entpuppte sich als die Sollbruchstelle schlechthin und ruinierte letztlich die Saison. Rookie-DE Jordan hatte quasi null Impact. Das Linebacker-Problem schlug durch.

Was traf nicht ein? Die Lauf-Defense war wider Erwarten eine der schwächsten nach Success-Rate (#27 mit 54%). Dafür war die Secondary besser als erwartet. CB Grimes blieb relativ verletzungsfrei.

Was wird noch zum Problem werden? Die Einkaufspolitik des mittlerweile geschassten GM Ireland. Miami hat heuer guten Cap-Space, aber ab nächstem Jahr sieht es nicht mehr so rosig aus.

Minnesota Vikings

Division   NFC North
Tipp 2013  Vierter
Ergebnis   Vierter (5-10-1)

Ich schrieb:

Die Vikings waren vor der letzten Saison ein klarer Kandidat für eine aufsteigende Kurve gewesen (u.a. 2011: 2-9 in engen Spielen). Dieses Jahr, nach dem überraschenden 10-6 inklusive Playoffqualifikation, wird es eher schwierig, die Siegbilanz zu wiederhlen (u.a. 2012: 5-1 in engen Spielen; „Siege in engen Spielen sind ein Zeichen von Qualität!“).

Der Hauptfaktor, weswegen Minnesota dieses Jahr eher enttäuschen wird, ist das mehr als suspekte Passspiel in der Offense: QB Christian Ponder stagniert auf niedrigem Niveau (5.3 NY/A, #30 der NFL) und verleiht dem kompletten Angriff einen blässlichen Eindruck (Backup Cassel ist solide, aber nicht mehr). Die Reaktion aus dem Front-Office: Man gebe ihm Hilfe. Via Draft wurde recht aggressiv WR Cordarrelle Patterson geholt, in der Free-Agency stieß der als präziser Routenläufer bekannte Greg Jennings dazu – zwei Moves, zweimal nicht schwer zu erraten, wem sie gelten.

[…]

Ich bin trotzdem skeptisch. Ponder ist das Eine. Das andere ist Percy Harvins Abgang: Klar schaffte man es letztes Jahr auch ohne Harvin in die Playoffs, aber der Angriff war ohne ihn deutlich lahmer, und Harvin war auch der einzige nennenswerte längerfristigere Ausfall (Minnesota war #2 nach AGL, nur 30.9 Spielausfälle). Wenn da der Teufel etwas grausiger zuschlägt (gilt auch für die Defense)…

Gepaart mit einem knackigen Schedule (NFC North, AFC North, NFC East plus Panthers und Seahawks) ergibt das bei den Vikes das Gesamtbild einer Mannschaft, die eher eingehen wird: Sowas wie 6-10 oder 7-9.

Schwache Saison für die Vikings, die mittlerweile gecheckt haben dürften, dass sie ein QB-Problem zu lösen haben. Drei Erstrundenpicks und der einher gehende win now Modus garantieren noch lange keinen Erfolg.

Was aus der Vorschau traf ein? Die Vikings enttäuschten die Erwartungen. Dass Passspiel-Problem schlug eklatant durch. Peterson konnte seine wahnsinnigen „Per Carry“-Stats von 2012 nicht halten. Erneut wenige INTs für die Vikings (diesmal 1.9% INT-Quote). Mehr Verletzungspech.

Was traf nicht ein? Die Secondary war keine Stärke, sondern zweitgrößte Schwäche nach Quarterback.

Was hätte ich rückwirkend tun sollen? Ich wollte die Vikings aus tiefstem Herzen heraus in die schlechteste Fraktion setzen, aber ich brachte es nicht übers Herz, sie gegen die Chargers oder Browns auszutauschen. Rückwirkend waren die Signale so klar, dass ich es hätte tun sollen.

St Louis Rams

Division   NFC West
Tipp 2013  Dritter
Ergebnis   Vierter (7-9)

Ich schrieb:

Warum glaube ich nicht an eine lineare Fortsetzung des Aufwärtstrends? Da wäre zum ersten der Schedule: Die eigene Division ist vermutlich erneut hammerhart, dazu mischen sich NFC South und Cowboys sowie Bears als Conference-Gegner. Dazu wird man kaum erneut so gesund durch die Saison kommen (2012 war man #6 nach AGL, nachdem man 2011 #32 gewesen war). Und es gibt immer noch etliche Fragezeichen in der Offense.

[…]

Ich stehe den Rams und der Arbeit von Jeff Fisher sehr positiv gegenüber. Ich glaube trotzdem, dass 2013 noch zu früh kommt. Der letzte Herbst bot nen steilen Aufstieg, aber die Historie zeigt: Solche steilen Aufstiege erleben fast immer ein Unterbrechung, eine Phase der Stagnation. S’normale Leben geht auch nicht immer gerade nach oben. Die üble Division tut ihr übriges. Rams 2013: Graues Mittelmaß als Maxime, und das ist in diesem Fall keine ganz schlechte Maxime.

Die Saison startete für die Rams relativ verheerend, als man in den Effizienz-Stats im untersten Bodensatz herumgurkte. Aber nach der Bye-Week wurde das Team immer besser, schloss in einer schwierigen Division beachtlich mit 7-9 Siegen ab. Nicht vergessen: Die Rams haben eine sensationell gute Defensive Line und sonst… nichts. Nada. Das ist einer der schwächsten Kader der Liga – immer noch. Man kann gar nicht oft genug drüber schreiben, wie dringend die Rams die ganzen von den Redskins erworbenen 1st-Round Picks brauchen. Angesichts des QB-Problems ist mir schleierhaft, weswegen momentan niemand einen QB im Draft zu den Rams gehen sieht.

Was aus der Vorschau traf ein? Defensive Line war sensationell, vielleicht sogar besser als erwartet.

Was traf nicht ein? Ich war zu positiv gegenüber Bradford. Bradford ist kein Katastrophen-QB, aber er ist a) nur Mittelmaß und damit b) seinen Megavertrag nicht annähernd wert. Ich habe jegliches Vertrauen verloren, dass es mit Bradford noch was wird. Secondary war noch nicht so gut wie ich es erwartet hatte.

Dallas Cowboys

Division   NFC East
Tipp 2013  Vierter
Ergebnis   Zweiter (8-8)

Ich schrieb:

Eines der lautesten NFL-Teams – und eines der mittelmäßigsten. Die Cowboys geistern seit einigen Jahren nahe der .500-Grenze durch die Liga, immer ein paar knappe Niederlagen von den Playoffs entfernt, und immer das Gefühl vermittelnd, ihr Potenzial wegzuschmeißen. Vor allem die Offense kann an guten Tagen alles an die Wand spielen, aber an schlechten mit Fumbles und Interceptions alles in die Scheiße reiten. Die Defense ist nicht mehr als guter Durchschnitt, litt aber letzten Herbst unter extrem vielen Verletzungen (AGL der Cowboys: #28 ligaweit).

Als Reaktion wurde der durchgeknallte DefCoord Rob Ryan durch den zirka einhundertundsieben Jahre alten Methusalem Monte Kiffin ersetzt. Kiffin ist der Erfinder der Tampa-2 Defense, und er wird in Dallas nach gefühlt drei Jahrzehnten der 3-4 Defense nun ein 4-3 System einführen. Das bedeutet als allererstes: DeMarcus Ware wird künftig als Defensive End spielen, mit den Händen im Dreck, und er wird somit weniger Deckungsaufgaben übernehmen müssen, was ihm zugute kommen wird. Ware als bestem Spieler der Defense sollte der Systemwechsel helfen. Das ist aber auch alles.

[…]

Dem Kurzbeschrieb von Stärken und Schwächen folgt der negativste Punkt: Ich hab etwas Angst um Dallas. Potenzial ist da um die mittelmäßige NFC East zu gewinnen. Aber a) hat das Team nicht genügend Tiefe um ein, zwei verletzte Schlüsselspieler zu ersetzen, b) ist der neue OffCoord und PlayCaller in Bill Callahan nicht unbedingt ein Mann, der bisher durch zuviel Spielgefühl aufgefallen wäre. Und c) wird der Head Coach-Kontroverse das ganze Jahr über Dallas schweben. Jason Garrett ist angesägt, und Owner/GM Jerry Jones versucht schon gar nicht mehr, Garrett irgendwie den Rücken zu stärken indem er einfach mal die Fresse hält. Quasi gefeuerter Cheftrainer, Assistenztrainer mit Denke aus den 90ern: Puuuhhh.

Deswegen wird der Saisonstart extrem wichtig: Ein paar Siege, eine halbwegs ordentliche Bilanz Mitte Oktober, und es kehrt etwas Ruhe ein. Aber man stelle sich vor, es hagelt wieder knappe Niederlagen in den ersten Wochen; Dallas ist 2-5 und 1-4 in engen Spielen: Jones wird ungeduldig, Medien werden bissig, und Garrett überlebt das Jahr nicht. Weil Dallas ein Faible für enge Spiele hat (2010: deren elf, mit 3-8 Bilanz, 2012: deren zwölf, mit 7-5 Bilanz), und deren Ausgang schwer kontrollierbar ist, besteht durchaus die Gefahr einer Implosion für eine Franchise, die prinzipiell mehr Potenzial haben sollte. Das erste Pulverfass wartet bereits diesen Sonntag mit den New York Giants: Ebenso unberechenbares Team, und ein Divisionsgegner…

Typische Cowboys-Saison: Man ist zu gut besetzt um komplett abzustürzen und den längst fälligen Neubau zu starten. Man ist zu wenig tief besetzt, um dauerhaft nach oben zu kommen. Dazu schafft man sich durch einen inkompetenten General Manager (Owner Jerry Jones) permanent das eigene Grab in Sachen Salary-Cap (millionenschwerer Siebenjahresvertrag für einen Kicker – hallo?). So war’s am Ende wie immer: Zeitweise sah man gut aus. Zeitweise sah man mittelmäßig aus. Und man verwurstelte mal wieder ein Divisions-Endspiel in typischer Cowboys-Manier: Ordentlich gespielt, aber verloren. NYG / WAS / PHI: Dreimal en suite im Entscheidungsspiel gegen jedes andere Divisionsteam. Dreimal verloren. Immerhin: Ich hatte sie ja am Ende der Division gesehen…

Was aus der Vorschau traf ein? Die Einstellung von Monte Kiffin war der Anti-Move des Jahres. Wertvollste Defense-Ressourcen wurden verschwendet. Die nonexistente Kadertiefe in der Defense riss die Saison in den Abgrund. Gewaltig viele missed tackles bei Ernie Sims (zumindest relativ zur Snap-Anzahl). Secondary war das erwartete Riesenfass (u.a. 7.0 NY/A, #30). Tony Romo bekam wieder viel auf die Fresse. Jason Garrett gehört weiterhin zu den schlechtesten Coaches. Dallas hat als eines dieser Durchschnittsteams weiterhin ein Faible für viele enge Spiele (2013 waren es zehn).

Was traf nicht ein? Man war besser als „Platz vier in der NFC East“. Die INT-Quote verbesserte sich wie erwartet (auf 2.4%). Offense Line war auf der rechten Seite besser als befürchtet. Rookie-Center Frederick soll viel besser ausgesehen haben als befürchtet. Die totale Implosion wurde verhindert.

Unentschieden: Die Coach-Kontroverse. Inwiefern sie wirklich ein Thema war, ist schwer zu beurteilen, aber es gab durchaus immer mal wieder ein Statement von Jerry Jones, das dezente Spuren von Sägespäne bei Garretts Stuhl freigab. Garrett durfte bleiben. Damit bleibt auch das Coaching-Theater.

Philadelphia Eagles

Division   NFC East
Tipp 2013  Dritter
Ergebnis   Erster (10-6)

Ich schrieb:

Kelly steht vor einem spannenden Jahr: Zum ersten will jeder sehen, wie „seine“ Offense in der NFL aussieht. Zum zweiten geben die Zahlen hinter den Eagles viele Gründe, an eine schnelle Verbesserung der Saisonbilanz zu glauben. Also: Die Eagles kollabierten 2012 komplett. Andy Reid war schnell dead man walking, aber immer wenn solche Teams so schnell einbrechen wie Philly 2012, geht es im Jahr darauf wieder bergauf. Dafür ist seit vielen Jahren zu viel Talent im Kader vereint. Zum zweiten: Die Eagles hatten unglaubliches Pech bei Fumble-Recoverys (nur 35%). Und sie hatten die schlechteste Turnover-Bilanz der Liga (u.a. wegen der Fumbles und der viertschlechtesten INT-Quote in der Defense).

Das sind Faktoren, die für Regression zur Mitte schreien. Kelly lässt eine eher NFL-unorthodoxe Offense spielen, in der relativ viel gelaufen wird, was schon mal qua Spielplanung zu weniger Turnovers führt. Quarterback für dieses Jahr ist erstmal Michael Vick, der mit seinen zwei Zusatzdimensionen „Mobilität“ und „Monsterwurfarm“ durchaus kompatibel sein sollte. Vick wird mit Sicherheit nicht völlig von der Leine gelassen werden.

[…]

Ich glaube trotzdem, dass es kein unterirdisches Jahr zu Kellys Einstand werden wird. Von 8-8 wird Philadelphia keine Lichtjahre entfernt sein, und im Draft 2014 kannste dann auf die Suche nach deinem Franchise-QB gehen.

Sehr, sehr gutes Einstandsjahr für Chip Kelly in Philadelphia. Die Offense machte nach ersten Eingewöhnungsproblemen schnell „klick“, die Defense spielte eine zeitlang akzeptabel genug um die Saison nicht zu zerstören. Es wurde am Ende ein unerwarteter Playoffeinzug. Ich schrieb, Philly sei nicht weit weg von 8-8, aber ich hatte sie wenn, dann eher drunter erwartet. Kurz gesagt: Ich hätte mir im Sommer niemals erträumt, dass die Eagles in einem Playoff-Heimspiel gegen New Orleans zu favorisieren seien.

Was aus der Vorschau traf ein? Weniger Pech bei Turnovers (von -24 auf +12), das sind 36 (sechsunddreißig!!!) Ballverluste Unterschied – das allein sind locker 4 der 6 Siege Verbesserung wert. Das ist mehr als Regression zur Mitte. Das ist kompletter Swing. Die Offense Line wurde per Knopfdruck zu einer der besten… okay, vielleicht war sie nicht eine der besten, aber sie war massivst viel besser als der durch Verletzungen zerstörte Trümmerhaufen von 2012. Die boom or bust-Theorie bei LeSean McCoy traf voll ins Schwarze.

Was traf nicht ein? Ich hatte zwar in einem Sportradio360-Podcast korrekt vorhergesagt, dass Vick die Saison nicht als Starter überleben würde, aber ich hatte nicht erwartet, dass ihn Nick Foles ersetzen würde, und dass er es so gut machen würde. (Ich erwarte aber auch künftig Probleme bei Foles)

Dann schrieb ich „Philadelphia wäre für mich durchaus ein Playoffkandidat, wäre da nicht die Defense“. Die Defense war aber besser als befürchtet. Nicht gut, aber halbwegs okay.

Was wird kaum eintreffen? Momentan ist nicht unbedingt zu erwarten, dass Chip Kelly im Mai einen Franchise-QB draften wird.

Washington Redskins

Division   NFC East
Tipp 2013  Zweiter
Ergebnis   Vierter (3-13)

Ich schrieb:

Der Knackpunkt wird sein, wie lange Washington mit dem suboptimalen Spielermaterial auf Wide Receiver durchkommt. Es können ganze Bücher darüber geschrieben werden, wie Washingtons Spielzugdesign seine durchschnittlichen Receiver freigelaufen bekommt (siehe auch obigen Link), aber es ist die NFL, und da dauert es oft nicht lange, bis die Reaktion der Defense kommt. Garcon, Hankerson, Moss: Wenn die Jungs auf ihre Skills angewiesen sind und nicht auf den Play-Action Pass, sehe ich schwarz mit erneut über 7.0 NY/A im Passspiel.

[…]

Trotz der Rückkehr der beiden besten Spieler RG3/Orakpo, trotz des soliden Backup-QBs Cousins, trotz pipapo: Die genannten Punkte ergeben mir ein zu ungewisses Bild, als dass ich mit viel Selbstvertrauen einen Divisionsfavoriten Washington ausrufen möchte. Ich sehe ein ungemütliches Jahr auf die Skins und den Shanaclan zukommen. Die Playoffs wären selbst in der durchaus machbaren NFC East eine Überraschung.

Schrotthaufen. Dass es keine Playoffs werden würden, davon konnte man ausgehen, aber dass die Redskins so abkacken würden, kommt dann doch überraschend. Retrospektiv hätte man das furchtbare Defensive Backfield noch stärker ins Gewicht fallen lassen müssen, und dass die Offense um RG3 auch nur mehr ein Schatten ihrer selbst sein würde… naja. Vielleicht hätte man ein wenig Regression erwarten sollen. Washington war auch neben dem Spielfeld eine Soap-Opera, die sich vor der ganzen Nation lächerlich machte.

Was aus der Vorschau traf ein? Weniger Verletzungen. Aber die Verletzungen, die da waren, rissen aufgrund der besagt schlechten Kadertiefe trotzdem alles den Bach runter.

Was traf nicht ein? Die Offense schmierte deutlich übler ab als befürchtet. Die Rückkehr von Brian Orakpo hatte wenig Einfluss (trotz prognostizierter 10 Sacks für Orakpo).

Baltimore Ravens

Division   AFC North
Tipp 2013  Dritter
Ergebnis   Dritter (8-8)

Ich schrieb:

Der Titelverteidiger als Wackelkandidat für die Playoffs? Soll vorkommen, und war in den letzten Jahren immer mal wieder ähnlich. Baltimore geht als relative Unbekannte in diese 2013er Saison: Letztes Jahr stellte man bis zu den Playoffs eine eher unterdurchschnittliche Mannschaft, die sich nur mit Biegen und Brechen durch die Regular Season quängelte, nur um im Jänner wie eine Bombe einzuschlagen und auswärts die Topfavoriten gleich serienweise zu meucheln.

[…]

Insofern dürfte der Ravens-Kader noch immer die Qualität und das Coaching besitzen, um in Playoffnähe mitzuspielen. Aber es wird viel mehr als in der Vergangenheit auf Flaccos Schultern lasten, und das macht angesichts von Flaccos Vergangenheit Sorgen. Es sei denn, der Mann hat ab sofort die Weisheit geerbt. Aber solche Breakouts waren geschichtlich eher selten langfristig, und als Regelfall muss man eher annehmen, dass Flacco nach diesem „Outlier“ (Außreißer nach oben) wieder näher an seine „wahre Stärke“ zurückfällt. Baltimore sieht mir nach einem .500-Team aus, selbst in der mäßigen AFC.

Baltimore spielte eine höllisch unansehnliche Offense, die aus gefühlt 70% Incompletions eingestreut mit zwei 40yds-Bomben plus fünf 60yds-Fieldgoals bestand. Es reichte lange Zeit, weil die junge, verbesserte Defense die Mannschaft trug und weil QB Flacco in mehreren Crunch-Times gerade genügend Plays machte, aber am Saisonende, als die ersten Pundits schon wieder begannen, die Ravens als Sleeper zu hypen, schmierte das Team so ab wie es die Advanced-Metrics (Baltimore als viertschlechtestes Team der Saison!) schon lange vorhergesagt hatten.

Was aus der Vorschau traf ein? Es gab keinen „Playoff-Flacco“ mehr. Die Skill-Player waren in etwa so katastrophal wie erwartet. Beide Tackle-Positionen in der Offense Line erwiesen sich als erwartete Sollbruchstellen. Baltimore war genau ein .500 Team nach Siegbilanz.

Was traf nicht ein? Nichts. Alle Vorhersagen zu den Ravens trafen ins Schwarze.

Sektion „Ciao im November“ im Rückspiegel

Lass uns mal zurückschauen auf meine Saison-Prognosen Anfang September, beginnend mit der Fraktion der von mir damals zu den acht größten Außenseitern deklarierten Teams. Der Fraktion, zu der ich schrieb, es sei die Gruppe, die sich in erster Linie um die Preise Clowney und Bridgewater balgen wird und die Lombardi Trophy nur vom Hörensagen kennt. Der Ciao im November Fraktion.

Oakland Raiders

Division   AFC West
Tipp 2013  Vierter
Ergebnis   Vierter (4-12)

Ich schrieb (Auszug):

Die Oakland Raiders sind der einfachste Ausschlusskandidat zur Frage „Wer wird dieses Jahr die Superbowl gewinnen?“ Die Gründe sind einfach zu sehen: GM Reggie McKenzie rückte in der Offseason mit Schubkarre und Mistgabel an, schmiss alles, was nicht niet- und nagelfest an die Franchise gebunden war, raus und vollzog damit die seit vielen Jahren überfällige Generalsanierung. So kommt es, dass in diesem talentarmen Kader der teuerste Spieler nur als Geist in Form von Al Davis des berüchtigten dead moneys existiert, das weit mehr als ein Drittel des Gehaltsbudgets der Raiders für sich beansprucht. So notwendig die Generalüberholung war, so sehr kastriert sie Oakland für diese Saison.

[…]

Es ist nicht alles hoffnungslos. Allen wird aus seinen Fehlern im ersten Jahr als Cheftrainer lernen und kann – allem Anschein nach – zumindest noch dieses Jahr relativ ungestört arbeiten. Der Schedule ist eher einfach, die Division AFC West auch. In einer Liga, in der jedes Team tendenziell gen .500 strebt, sind auch fünf, sechs Saisonsiege für Oakland nicht ausgeschlossen. Das wäre dann aber vielleicht nicht so erstrebenswert, denn das bedeutete wohl ein Verpassen des #1-Draftpicks, und damit wohl auch kein Clowney oder Bridgewater.

Die Raiders waren einen Tick besser als befürchtet. Die Defense sah in der ersten Saisonphase sogar recht akzeptabel aus, und es gab Momente, in denen hatte man sogar das leise Gefühl, der unkonventionelle QB Terrelle Pryor tauge möglicherweise zum Franchise-QB. Am Ende bleibt festzuhalten: Die Raiders sind noch meilenweit entfernt vom Liga-Mittelmaß. Der Kader war schlicht zu schwach, er hatte keine Tiefe und die paar erfahrenen Recken in der Defense konnten es nicht alleine herausreißen.

Was aus der Vorschau traf ein? RB McFadden verletzte sich. D.J. Hayden spielte relativ wenig. QB Pryor scrambelte zwar für mehr als (O-Ton) „zwei“ Spiele, aber viel länger nicht. Missed-Tackle bei den Linebackers. Schwache Secondary bei schwachem Passrush.

Was traf nicht ein? Rookie-QB Tyler Wilson, von dem ich relativ viel gehalten hatte, wurde schon vor dem ersten Spiel gecuttet.

Jacksonville Jaguars

Division   AFC South
Tipp 2013  Vierter
Ergebnis   Dritter (4-12)

Ich schrieb:

Die lebloseste NFL-Franchise zuckt seit eineinhalb Jahren wieder ansatzweise. Seit der Halb-Pakistani Shadid Khan und seine Gefolgschaft die Jaguars für wenig Kohle übernommen haben, regt sich einiges, von Wembley über Advanced-Stats hin zu neuen Coaches. Der neueste davon ist der glatzköpfige Head Coach Gus Bradley, ein Energiebündel, das aus Seattle zu den Jaguars stieß und mit dem x-ten Neuaufbau beauftragt wurde. „Neuaufbau“ ist dann auch das Stichwort, das Jacksonville am besten schnell beschreibt.

Der erste Hoffnungsschimmer für 2013: Bradley ist nicht von Anfang an lame duck wie es das Versuchskaninchen Mike Mularkey letztes Jahr war. Bradley bringt eine Reputation mit, und er begann, diese gemeinsam mit dem exzellenten jungen GM David Caldwell schnell umzusetzen. Im Draft holte man in Ermangelung eines potenziellen Nachfolgers für den QB-Bust Blaine Gabbert einen Offense Tackle in Luke Joeckel, und sollte somit auf Jahre die Grundlage für gute Protection gesichert haben.

[…]

Es sind einfach zu viele Fragezeichen, und die Befürchtungen, dass QB Gabbert es nicht packen wird, sind berechtigt. Jacksonville muss die Saison als Aufbaujahr sehen. Es wird garantiert nicht wieder ein 2-14. Die natürlichen Verbesserungen („schlimmer kanns nimmer werden“, Pythagorean von 3.3 Siegen), die einfache Division und die Regression in Sachen Verletzungen (2012 war man #31 in Sachen Adjusted Games Lost mit 99 verpassten Starts, acc. Football Outsiders) kann man als positive Elemente am Firmament ausmachen.

Klarer Fall: Schwächstes Team der Liga. Man schaffte in der einfachsten Division der NFL nur mit viel Glück vier knappe Siege, nachdem man mehr als eine Saisonhälfte lang Angst haben musste, das zweite 0-16 Team der NFL-Geschichte zu werden. Man darf nicht an erster Stelle draften, aber man war das schlechteste Team der Saison.

Was aus der Vorschau traf ein? Gabbert entpuppte sich endgültig als Bust. Jacksonville holte mehr als zwei Saisonsiege.

Was traf nicht ein? DT Alualu schaffte den Breakout nicht. Leistungsmäßig sind die vier Saisonsiege unverdient; man war schwächer als prognostiziert trotz mehr Siegen.

Buffalo Bills

Division   AFC East
Tipp 2013  Vierter
Ergebnis   Vierter (6-10)

Ich schrieb:

Seit vielen Jahren werden die Bills gelobt für ihr kluges und geduldiges „Team-Building“, aber viel zu lange wurde darüber hinweg gesehen, dass solide Grundlagenarbeit ohne die Addition von echten Playmakern ein Muster ohne Wert bleiben. Buffalo hat seit Jahren ordentliche Statistiken, mit zwei negativen Ausreißern: Lauf-Defense und Quarterback. Beide sorgen dafür, dass die generische 7-9 Bilanz nun auch offiziell „Buffalo Bills Season“ getauft wurde: Gut, aber für den Durchbruch zu wenig.

[…]

Tut mir leid um Buffalo. Ich mag diese sympathische kleine Franchise. Ich mag auch den Head Coach. Ich mag Underdogs generell. Ich bin auch ein stiller Anhänger E.J. Manuels, wenn er denn mal das Spielfeld betritt. Aber dieses Jahr ist Buffalo näher an Clowney oder Bridgewater als an leisen Playoff-Ambitionen. Und das behaupte ich, obwohl ich weiß, dass Buffalo letztes Jahr eher ein underachiever war, der wohl besser als seine Bilanz war.

Die Bills krebsten sich durch die Saison ohne wirklich zu begeistern und schlossen mal wieder eine klassische 6-10 Saison. Man hatte eine wirklich fabulöse Defense (u.a. mit 5.3 NY/A die drittbeste Pass-Defense), aber in der Offense mit so vielen verletzten QBs wie andere in zehn Jahren nicht haben hatte man große Probleme. Aber: Die Basis passt. Die QB-Position bleibt das einzige Fragezeichen.

Was aus der Vorschau traf ein? Buffalo hatte niemals realistische Playoff-Chance. QB Manuel bleibt ein Fragezeichen. RB Spillers Effizienz-Stats gingen mit höherer Workload zurück. Offense Line bleibt ein großes Fragezeichen.

Was traf nicht ein? Lauf-Defense (am Ende #14 nach Success-Rate) war besser als befürchtet.

Tennessee Titans

Division   AFC South
Tipp 2013  Dritter
Ergebnis   Zweiter (7-9)

Ich schrieb:

Wenn man die Aussichten einer Franchise an ihrem Glamour-Faktor festmachen möchte, sind auch die Titans ein hoffnungsloser Fall. Gibt es eine Franchise, die momentan weniger Sex-Appeal versprüht? Ein greiser Owner Bud Adams, ein nahezu völlig unbekannter Head Coach Mike Munchak, dessen Football-Philosophie so schwammig ist wie die Wurftalente des jungen QBs Jake Locker. Immerhin verspricht der unausweichliche Clash der beiden „DefCoords“ Jerry Gray und Gregg Williams unterhaltsam zu werden.

[…]

Es ist zu befürchten, dass es nicht reichen wird. Ohne eine extreme Steigerung Lockers – die eher unwahrscheinlich ist – geht da nicht viel, und sämtliche Advanced-Metrics lassen nicht drauf schließen, dass wir es hier mit schlafenden Riesen zu tun haben. Selbst in der schlimmen AFC South wird das nix.

Die Titans waren eine zeitlang ein wirklich unangenehm zu bespielendes Team. Sie versprühten zwar keinen Sexappeal, aber sie zogen mehrere Gegner, u.a. den späteren Superbowl-Champ Seattle, zu sich herunter und würgten knappe, unverdient anmutende Siege heraus. Dann verletzte sich QB Jake Locker und die Saison ging nach und nach den Bach runter. Am Ende stehen zwar sieben Siege, aber es sind sieben Siege in einer Gurken-Division.

Was aus der Vorschau traf ein? Sehr gute Skill-Positions.

Was traf nicht ein? Es gab keinen Clash der OffCoords, weil Gregg Williams von Anfang an das Sagen hatte. QB Locker war besser als befürchtet, zeigte in den Wochen, in denen er fit war, teilweise richtig ansprechende Leistungen, und könnte 2014 erneut eine Chance bekommen. WR Kenny Britt war kein Faktor.

New York Jets

Division   AFC East
Tipp 2013  Dritter
Ergebnis   Zweiter (8-8)

Ich schrieb:

Wir kommen zum ersten Team, das zumindest Unterhaltung verspricht. Die Jets um ihren kultigen Head Coach Rex Ryan werden – so sehr sie Beispiel für alle klassischen Managementfehler in der NFL sind – immer Schlagzeilen produzieren, egal wie gut oder schlecht sie spielen werden. Die Zeichen stehen übrigens eher auf „schlecht“.

[…]

Die Advanced-Metrics lassen nicht auf einen Sleeper schließen. Der Trainerstab ist angesägt und der eher unbekannte GM John Idzik getraut sich nicht, klare Statements abzugeben. Die drohende QB-Controversy verspricht nicht nur Spannung, sondern auch negativen Einfluss auf die Mannschaftsleistung, und im schlimmsten Fall nicht nur die Verbrennung von QB Sanchez, sondern auch jene von QB Smith.

Es wurde eine 8-8 Saison, mit der jeder Jets-Fan im Sommer zufrieden gewesen wäre. Es wurde aber auch eine 8-8 Saison, die irreführend sein kann. Die Effizienz-Stats der Jets sind eine Katastrophe: Man wurde oft abgeschossen, man ist nach Pythagorean eher ein Team, das normalerweise 5 Siege holt (5-1 in engen Spielen). Rex Ryan durfte bleiben, weil er eine einmal mehr famose Defense auf das Feld schickte, aber stehen die Zeichen damit wirklich so positiv?

Was aus der Vorschau traf ein? Eigentlich fast alles. Die Jets waren relativ einfach vorhersehbar.

Was traf nicht ein? Die Defense hab ich ein wenig unterschätzt.

Arizona Cardinals

Division   NFC West
Tipp 2013  Vierter
Ergebnis   Dritter (10-6)

Ich schrieb:

Die Cards sind insgesamt gewiss etwas verbessert, weil sie vor allem die brutalsten Schwachpunkte in der Offense eliminierten. Es ist halt die Frage, ob es reicht. Der Schedule ist knüppelhart in der NFC West und NFC South sowie Eagles und Lions als Positionsspiele. Vor allem der Spielplan zur Saisoneröffnung ist so heftig, dass selbst ein 0-8 zur Bye Week nicht völlig überraschen würde. Das Loch, in das sich Arizona die letzten Jahre gegraben hat, war tief. Ich bin trotz einiger gelungener Einkäufe in der Offense nicht überzeugt, dass die Cards weit nach oben fliegen werden.

Der erste klare Fehlschlag in dieser Auflistung. Die Cardinals stellten vor allem dank ihrer erstklassigen Defense zum Saisonende eine Mannschaft, gegen die niemand gerne in den Playoffs gespielt hätte. Sie schlugen auswärts Seattle trotz vier Interceptions der eigenen Offense. Ihre größte Problemzone bleibt die Offense Line, ein Ort, an dem man für die kommende Saison nicht bloß einen möglichen Erstrundenpick 2014, sondern auch den Erstrundenpick 2013 (G Jonathan Cooper) quasi als Neuzugang vermelden kann.

Was aus der Vorschau traf ein? Die neu geholten Skill-Player in der Offense waren zwei bis drei Klassen besser als ihre Vorgänger. Das Problem der Offense war, dass QB Palmer zu wenig Zeit für die vertikale Offense bekam.

Was traf nicht ein? Die Erfolge von Bruce Arians deuten darauf hin, dass ich zu negativ war. Tyrann Mathieu war besser als erwartet. Der befürchtete Saisonstart von 0-8 Siegen mutierte in einen Saisonstart mit 4-4 Siegen, weil man schneller als erwartet aus den Startlöchern kam.

San Diego Chargers

Division   AFC West
Tipp 2013  Dritter
Ergebnis   Dritter (9-7)

Ich schrieb:

Die Chargers sind ein merkwürdiges Team: 2012 waren sie konkurrenzfähiger als man vielleicht denken möchte, mit 7-9 Saison und mehreren Halbzeitführungen gegen gute Teams; sie ersetzten den allgemein als schlechten „in game“-Manager angesehenen Norv Turner durch McCoy. Auf der anderen Seite wirkt das Team reif für einen richtigen Umbruch. Es wäre eigentlich sogar ein Sleeper für den Top-Draftpick 2014, wenn da nicht der Faktor Rivers ist. Rivers ist vermutlich zu gut – und die AFC West zu schwach – dass San Diego nicht trotzdem wenigstens sechs, sieben Spiele irgendwie gewinnt und den ganz hohen Draftpicks aus dem Weg geht. Eigentlich ist das fast schade. Aber andererseits: Sollte Rivers noch mal heißlaufen, geht es in dieser AFC auch ganz schnell nach oben…

Die Chargers waren definitiv ein Team, das über meinen Erwartungen spielte. Die Mannschaft überzeugte vor allem mit einer revitalisierten Offense um den fantastischen QB Rivers (7.5 NY/A) und zog verdientermaßen in die Playoffs ein. Mike McCoy machte angesichts des unterirdischen Spielermaterials in der Defense viel mehr aus dem Kader als man ihm zugetraut hatte. Von wegen Sleeper für den Top-Pick.

Was aus der Vorschau traf ein? Rivers war unter gegebenen Umständen ein produktiver QB. Die Checkdown-Option Woodhead war eine wichtige Komponente der Offense. Die Defense war eine Katastrophe, zumindest bis hinein in den Dezember – danach erfing man sich wenigstens halbwegs.

Was traf nicht ein? McCoy und Whisenhunt sind zwar nicht Offensivgeister mit den identischsten Weltanschauungen, aber das Produkt, das man aufs Feld schickte, spricht für sich: Es war fantastisch. Rivers war besser als erwartet. Keenan Allen war besser als erwartet. Die Offense Line war besser als erwartet. RB Mathews fiel keine fünf Spiele aus.

Cleveland Browns

Division   AFC North
Tipp 2013  Vierter
Ergebnis   Vierter (4-12)

Ich schrieb:

Genau betrachtet sind die Cleveland Browns schon seit geraumer Zeit eine Franchise vor dem Durchbruch. Dass davon niemand Notiz nahm, ist hausgemacht, weil sich alles auf die Streitereien im Front-Office konzentrierte. Dass man den Durchbruch nie schaffte, ist in erster Linie die bisher gescheiterte Suche nach einem echten Franchise-QB: Cleveland ist allein diesen von der Relevanz entfernt (2012 mit 5.7 NY/A nur das 25t-beste Passspiel).

[…]

Weedens Standing in Cleveland leidet zudem darunter, dass mittlerweile im bei mir völlig verhassten GM Michael Lombardi ein Manager am Wursteln ist, der Weeden letztes Jahr als TV-Pundit komplett in den Senkel stellte. Lombardi gilt als Machtmensch, und das tut den aufgewühlten Strukturen in Cleveland eher nicht gut. Da haben wir zum einen einen neuen Besitzer, der sich zwar anfangs wie ein junger Vater um sein neues Kind kümmerte, aber mittlerweile keine Zeit mehr dafür hat, weil er mitten im Schulden- und Korruptionssumpf steckt und womöglich sein Kind zur Adoption freigeben muss. Zum anderen haben wir den von Lombardi installierten Head Coach Rob Chudzinski, aus Carolina gekommen, ein ehemaliger Schüler Norv Turners. Dieser Turner ist mittlerweile auch in Cleveland, als Assistent Chudzinskis. Und es gibt in Ray Horton einen neuen DefCoord, der zuletzt in Arizona aus dem Trainerstab geekelt wurde.

[…]

Die großen Fragezeichen sind im Angriff zu finden: Weeden hat null Rückhalt, muss aber mangels Alternativen (Campbell anyone?) schnell liefern. RB Trent Richardson ist zwar ein Supertalent, das einen eher schwierigen Einstand hatte, aber er ist eben nur ein Running Back und hat erneut Verletzungssorgen. WR Josh Gordon ist erstmal zwei Spiele gesperrt. Und so viele Ballfänger von Format gibt es in Clevelands Kader nicht.

Die Division ist auch schwer genug. Ich glaube schon lange an einen Aufwärtstrend, weil wie gesagt nur die Passoffense noch eine echte (wenn auch ernst zu nehmende) Schwachstelle war (5.7 NY/A, #25), und auch weil die Browns dieses Jahr nicht wieder solches Verletzungspech wie im letzten Jahr haben sollten (lt. Football-Outsiders #27 der Adjusted Games Lost-Liste). Trotzdem: Die Kombination aus viel Neuem, schwerer Division und QB-Fragezeichen lässt mich die Browns schweren Herzens für ein hoffentlich letztes Mal in diese unterste Kategorie setzen.

Totalschaden. Nicht, dass die 4-12 Bilanz so katastrophal war – man hatte sie zumindest befürchtungsweise noch einmal kommen sehen können. Aber was nach Saisonende folgte, spottete jeder Beschreibung. Die Entlassung des Headcoaches Chudzinski nach nur einem Jahr zerstörte jedes Vertrauen in ein Front-Office, das nur wenige Wochen später rasiert wurde, weil es keinen Head Coach finden konnte (auch wenn man gerüchteweise an Jim Harbaugh (!) dran war). Jetzt also ein Neustart. Mal wieder.

Was aus der Vorschau traf ein? Weedens Zeit ist abgelaufen. Michael Lombardi tat den Strukturen in Cleveland nicht gut (das war die einfachste Prognose der Saison). Menschliche Seifenoper: Check. Die Defense war stark (u.a. mit 5.5 NY/A die #4 im Passspiel).

Was traf nicht ein? Rookie-OLB Mingo war Lichtjahre vom DROY-Award entfernt, auch wenn er lichte Momente hatte. Insgesamt ist die Browns-Preview trotz der niedrigen Einstufung eine Spur zu optimistisch geraten. Ach ja, und: RB Richardson und „Supertalent“ in einem Satz erwähnen, wird künftig mit Gefängnisstrafe nicht unter zwei Jahren geahndet.

NFL-Power Ranking 2013/14 – Die finale Version

Mehr als drei Wochen nach der Titelvergabe der NFL-Saison 2013/14 sei die letzte Version des Power-Rankings nachgereicht. Ich kann vorwegnehmen, dass sich nicht mehr überaus viel geändert hat, außer, dass sich die Dominanz der Seahawks noch einmal mehr manifestiert hat.

Die Seattle Seahawks werden mit ihrer 13-3 Bilanz, ihrem SRS von 13.0, ihrer Punktedifferenz von 186 Punkten in der Regular Season sowie einem Pythagorean von 12.9 Siegen als eines der besten Teams der Superbowl-Ära in die Geschichtsbücher eingehen. Auch ihre Endspielvorstellung war fantastisch. Aber es gibt Mannschaften, die in der Superbowl-Ära (also seit 1966/67) noch mehr herausgeragt haben.

Nachfolgend eine Tabelle mit der Auflistung einiger massiver Superbowl-Champs. Kriterium Nummer 1 ist der Record, der zwar nicht immer die wahre Stärke einer Mannschaft wiedergibt, aber in der Wahrnehmung des GOAT-Teams das wichtigste Kriterium ist. Dazu SRS (explained here), Punktdifferenz (PtDiff), Pythagorean (Erklärung hier; Pyth) und die Differenz in NY/A Passspiel zwischen der eigenen Offense und Defense (d.h. ein 2.2 Wert bedeutet, dass die eigene Offense pro Passspielzug 2.2 NY/A mehr zustande brachte als die eigene Defense zuließ):

Beste Superbowl-Champs ever

Beste Superbowl-Champs ever

Das letzte Team, die Patriots von 2007, ist der einzige Endspielverlierer. Die gesamte „Best Team Ever“-Diskussion wäre erledigt gewesen, hätten die Patriots ihre Superbowl gewonnen. Haben sie nicht, deswegen sind andere Teams mit vorn dabei.

Die beiden besten Profile haben die Chicago Bears von 1985, bekannt als Monsters of the Midway mit vielen Charakterköpfen und – für viele überraschend – die Washington Redskins von 1991/92, die relativ unbekannt sind, vielleicht auch, weil sie keinen großartig epischen Franchise-QB hatten und keine legendäre Defense um die man tausend Geschichten („wir haben bis 6 Uhr gesoffen und am Nachmittag den Super Bowl Shutout gemacht“) spinnen könnte.

Die Seahawks von 2013 sind irgendwo dabei unter den Top-10, aber ich würde sie definitiv unter den Bears und Redskins und vielleicht auch unter einem der 49ers-Teams sowie den ungeschlagenen 72er Dolphins ranken. Sie gehören irgendwo in die Nähe der Patriots von 2004. Was allerdings für die Seahawks spricht, ist ihre überragende Endspielvorstellung, mit der einige andere Mannschaften in der Liste nicht mithalten können.

Und die Seahawks sind noch ein junges Team. Ihr Quarterback spielte erst das zweite Jahr. Ihre Secondary und Linebackers sind fast alles junge Spieler mit maximal drei oder vier Jahren Spielerfahrung. Die Mannschaft wird auch in Zukunft vorne dabei bleiben – ob sie noch einmal so dominieren wird wie 2013/14, bleibt abzuwarten, aber sie wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit keinen kompletten Einbruch in absehbarer Zeit erleben.

Das Power-Ranking gibt aber auch das andere Ende der Skala frei und zeigt noch einmal in aller Härte auf, wie weit abgeschlagen die Jacksonville Jaguars, das schlechteste Team der Saison (wenn auch nicht per Siegbilanz), sind. Selbst die Oakland Raiders, vor der Saison als größter Trümmerhaufen gehandelt, sind relativ weit von den Jaguars entfernt. Und relativ brutal ist auch das Ranking der Baltimore Ravens, immerhin der Titelverteidiger, der böse, sehr böse abstürzte.

NFL Power Ranking 2013/14 - Finale Version

NFL Power Ranking 2013/14 – Finale Version

WP entspricht der Siegchance der jeweiligen Franchise gegen eine standardisierte, durchschnittliche NFL-Franchise, (LW) ist das Ranking von letzter Woche, E16 ist WP hochgerechnet auf 16 Spiele (WP*16 = E16), SOS ist der bisherige Strength of Schedule, den dieses Modell für die jeweilige Franchise errechnet, Rs die Platzierung des Schedules, W-L die tatsächliche Sieg-Niederlagen-Bilanz jeder Franchise zum Ende der Playoffs. Fettgedruckte Teams waren für die Playoffs qualifiziert.


Nachfolgend sei auch die finale Version der Effizienz-Stats nachgeschoben:

Finale Effizienz-Stats 2013/14 (klick mich zum Vergrößern)

Finale Effizienz-Stats 2013/14 (klick mich zum Vergrößern)


Das finale Divisionsranking ist folgendes:

  1. NFC West .600
  2. AFC North .522
  3. NFC North .515
  4. AFC West .513
  5. NFC East .503
  6. NFC South .496
  7. AFC East .474
  8. AFC South .378

Wenig überraschend ist die komplette Dominanz der NFC West, die Division, die so lange so ausgelacht wurde, aber in den letzten zweieinhalb Jahren fantastisch aufgeigt und drei der besten Teams der Saison beheimatete. Etwas überraschend ist die AFC North an #2 gereiht, vor allem, weil die Metriken die Bengals so lieben.

Verblüffend scheint auch, dass die NFC East vor der NFC South gereiht ist, was aber vor allem daran liegt, dass die South-Division dieses Jahr zwei Totalschaden durchleben musste. Die beiden Topteams der South-Division waren Titelkandidaten.

Weit, weit abgeschlagen ist die AFC South.

Die NFC gewinnt den Conference-Vergleich mit einem durchschnittlichen Teamwert von .528, was fast sechs Prozentpunkte besser ist als die AFC.


Das Power-Ranking schloss die Saison mit einer 129-73 Bilanz in den Siegertipps ab. Das entspricht 63.8% und ist damit eher am unteren Ende des 63-70% Ranges, den ich im Oktober vorhergesagt hatte. Es war eine schwierig zu tippende Saison, keine Frage, auch wenn am Ende der Playoffs die besten Teams übrig blieben.

In den Playoffs hatte das Ranking acht von elf Tipps richtig; das ist besser als in den letzten Jahren. Die einzigen Upsets waren San Diego in Cincinnati sowie die beiden „fast-Münzwürfe“ der Saints in Philadelphia sowie der 49ers in Carolina.

Was noch aussteht: Eine Spread-Analyse. Wie gut schnitt das Power-Ranking gegen den Spread (Fachbegriff: ATS/against the spread) ab? Ich habe im Dezember mal einen Zwischenstand ausgewertet, der roughly bei 50/50 lag wenn ich mich recht erinnere. Dazu wird es in absehbarer Zeit einen Nachschub geben.

Das Cluster in deinem Kopf

Andy Goldschmidt nimmt bei Football is Sex, Baby! ein Ranking der besten Quarterbacks 2013/14 unter die Lupe. Die dabei verwendete Methode ist ein „k-means Algorithmus“, eine relativ intuitive Methode (sofern Intuition auf diesem Gebiet überhaupt noch eine Rolle spielt) zur Bestimmung von Zugehörigkeiten zu Clustern.

Schön finde ich vor allem, wie Footballissexbaby die Methode und ihre Stärken und Schwächen beschreibt. Wessen Uni-Skript also aufgrund zu vieler Formeln und Zeichen á la {S(i)=Σ||xΘ||} für i*=1…k zu unsympathisch geworden ist, der sollte sich so einfach zu erfassende Beschreibungen wie die seinige anschauen. Man kann es auch einfach sagen.

Und man kann damit Cluster bilden: Quarterbacks 2013 – In die Schublade gesteckt.

 

 

Super Bowl 2014: Wie dominant war Seattle wirklich?

43 zu 8, ein Ergebnis wie ein Donnerhall für den vermeintlich besten Showdown ever, a.k.a. Super Bowl 2014. Die Seattle Seahawks feierten einen Erfolg für die Ewigkeit, den dritthöchsten Endspielsieg in der Superbowl-Ära. Im Liveblog schrieb ich jedoch, dass das Ergebnis zu brutal ist.

Es ist ein sensationelles Ergebnis: Seattle war nach meinem Power-Ranking ein Favorit mit einem Punkt. In der NFL erwartet man von einem 1pts-Favoriten, dass er in 0.1% der Fälle ein Spiel mit 35 Punkten gewinnt. Das ist ein Fall aus tausend. So wahrscheinlich war das Endresultat. Eins aus eintausend.

Denver hatte alles, wirklich alles, gegen sich laufen. Bis auf eine Fumble-Recovery eines eigenen Fumbles schlugen alle der großen Plays (INTs, Fumbles, Kickreturns) für die Seahawks aus. Wenn ein Message von diesem Blog beim Leser angekommen sein sollte, dann ist es wie so oft das eine: Du hast nicht über alles Kontrolle. Du glaubst vielleicht, du hast es, aber du hast es nicht. Ich würde das so zusammenfassen:

Leistung = Effizienz.
Ergebnis = Leistung + Zufall.

Wir kennen das Ergebnis. Wie aber war die Effizienz von Seahawks und Broncos in diesem Spiel, also die Leistung mit einer als durchschnittlich angenommenen Zufallskomponente? Wie gut, dass wir die Zahlen und das Modell haben, es zu überprüfen.

Meine Vorgehensweise ist folgende: Ich spiele die Effizienz-Stats von Superbowl XLVIII in das Power-Ranking Modell ein, das per Definition den Zufall ausschaltet, und messe die Effizienz der beiden Kontrahenten.

Vor dem Einspielen erwartete ich ein Ergebnis von etwa 27-17 oder 30-17 pro Seahawks, also einen Spread von 10 bis 13 Punkten. Das schien mir schon okay: Eliminiere den Return-TD und wir sind auf 36 Punkte. Eliminiere den Safety und wir sind auf 34. Eliminiere den Harvin-TD und wir sind bei rund 27 Offense-Punkten. Bei den Broncos: Addiere einen TD für einen der Drives, der entweder in INT, Fumble oder Turnover on Downs geendet hatte und wir sind bei ca. 15 Punkten für die Broncos.

Ein Endspielsieg mit 13 Punkten der besten gegen die zweitbeste Mannschaft der Liga ist immer noch mächtig beeindruckend. So dachte ich. Dann spielte ich die Stats ein.

Effizienz-Stats des Endspiels 2014

Effizienz-Stats des Endspiels 2014

Was wir sehen, ist das, was wir gesehen haben: Ein Russell Wilson, der die Ketten mit Leichtigkeit bewegt hat, ein Peyton Manning, der nur mit viel Kleingewichse große Probleme hatte, die Bälle nach vorne zu treiben. Zwei unterirdische Lauf-Offenses. Große Turnover-Anfälligkeit bei Denver, aber die großen Strafen kassierten die Seahawks.

In der Folge errechnete ich das Resultat, und dann fielen mir die Augen aus den Höhlen: Eine Mannschaft mit der Superbowl-Leistung der Seattle Seahawks ist gegen eine Mannschaft mit der Superbowl-Leistung der Denver Broncos ein 95%iger Favorit. Die Wettbüros würden die Seahawks einen Spread von 23 Punkten geben!

In anderen Worten: Die Seattle Seahawks waren in der Super Bowl am Sonntag 23 Punkte besser als die Denver Broncos. Das hinterlässt mich einigermaßen geschockt.

Es war also auch hinter den unberechenbaren Big-Plays eine fassungslos dominante Vorstellung der Seahawks. Es nutzt alles Beschönigen und Drumherum nix: Mit ausgeglichenem Zufallsmoment gewinnt Seattle das Endspiel eben in der Kategorie 33-10. Viel besser geht nicht.

Superbowl XLVIII im Liveblog: Denver Broncos – Seattle Seahawks

[04h25] Ah ja, weil wir was wirklich Einzigartiges sehen wollten:

[04h21] Für das Protokoll: Der WP-Graph zeigt die Einseitigkeit dieses Spiels. So unspannend war kein Endspiel seit 2002/03 Buccs-Raiders oder gar 2000/01 Ravens-Giants nicht mehr:

GWP Superbowl 48

GWP Superbowl 48

[04h17] SAT.1? Ihr Superbowl-Sender mit fast allen Touchdowns? So läuft das eben, wenn Experten und Regie sich mehr für Hotdogs interessieren und wahrscheinlich alle grad am Würststand waren…

[04h13] LB #53 Malcolm Smith wird MVP. Der Mann, der den INT-Return zum Touchdown zurücktrug. Der Mann, der schon letzte Woche die Sherman-Deflection abfing. Keine „logische“ Wahl, aber du musst halt einen Spieler aus dieser Defense herauspicken, und es war derjenige mit dem größten Play (Smit hatte auch noch den Safety aufgenommen). Auch wenn Smith für den Pick & den Safety im Prinzip nix konnte. Also doch eine schlechte Wahl, aber das kennen wir ja schon aus den letzten Jahren. Immerhin gewinnt einer der ärmsten Spieler im Seahawks-Roster das neue Auto…

[04h09] Das Team, das beide Finalisten schlug: Indianapolis.

[04h03] Endstand Denver Broncos 8, Seattle Seahawks 43

Der Kantersieg täuscht ein klein wenig über den Spielverlauf hinweg, denn die Seahawks hatten schon alles für sich laufen: Vom quasi geschenkten Safety im allerersten Play über den INT-Return TD zum Kickoff-Return TD , Fumble in dummen Zeitpunkten yadda yadda.

Die Seahawks waren besser, keine Diskussion. Sie haben das Monster-Matchup der besten Offense gegen die beste Defense glasklar gewonnen. Sie haben in allen Facetten des Spiels dominiert.

Diese Defense ist scary. Die Legion-of-Boom killt quasi jede konventionelle Passroute des American Football. Das ist ein bunter Mischmasch aus Geschwindigkeit, Wucht und Finesse, sie machen keine technischen Fehler, sie ziehen die Plays bis zum Ende durch. Das ergibt gemeinsam mit einem unglaublichen Passrush – bestehend aus mindestens sechs fast gleichwertig sehr guten Defense Linern – eine fast nicht zu schlagende Unit.

Selbst die beste Offense war heute hoffnungslos. Manning kam nie ins Rollen. Die Offense Line der Broncos wurde GEKILLT. Kein einziger Sack gegen Manning, aber dieser Fakt ist wertlos und beschreibt nicht das Spiel. Denvers Offense war heute spektakulär überfordert. Sie wurde noch im Schlussviertel krankenhausreif getackelt.

Viele der Prognosen vor dem Spiel sind eingetroffen. Nur sind alle Prognosen deutlich wilder gen Seattle ausgeschlagen, sodass am Ende ein Blowout steht.

Russell Wilson ist damit der zweite schwarze Starting-Quarterback nach Doug Williams 1987/88, der die Superbowl gewinnt. Pete Carroll gewinnt einen Titel, der ihm nicht mehr nachträglich aberkannt werden wird. Eine der unbekanntesten Franchises des Landes, die Seahawks, stellen eine der markantesten Superbowl-Champs in den letzten 10-15 Jahren.

[04h00]

Viertes Viertel

[03h55] Die Legende der Seattle Seahawks 2013/14 als Gesamtpaket ist auch nicht zu verachten: Eine 13-3 Bilanz in einer der heftigsten Divisions der letzten zumindest zehn Jahre. Alle drei Niederlagen waren richtig knapp: -6 in einem Freakspiel in Indianapolis, -2 in der letzten Minute in San Francisco, -7 gegen Arizona. Dazu diese fassungslos dominante Endspiel-Performance.

Seattle war nicht weit weg von einer perfekten Saison. Sie hätten schon Hand aufs Herz im letzten Jahr die Superbowl holen sollen, da sie das beste Team waren. Sie waren es heuer nur noch klarer. Sie werden in die Diskussion um die besten Teams in der Superbowl-Ära gehören.

[03h51] Mit dieser Endspielperformance dürften die Seattle Seahawks von 2013/14 ihren Platz in der Geschichte der besten Defenses aller Zeiten zementiert haben:

  • Miami Dolphins der frühen 70er Jahre
  • Steel Curtain der mittleren 70er Jahre
  • Chicago Bears 1985 und 1986 („Monsters of the Midway“)
  • Baltimore Ravens 2000
  • Tampa Bay Buccaneers 2002
  • Seattle Seahawks 2013

[03h47] Nächster Fumble Mannings, DE #91 Clemons schlägt den Ball frei. Seattle erobert ihn.

[03h40] Spiel ist entschieden. Wir können uns ja mal über die MVP-Kandidaten unterhalten. Beim Blick über Twitter ist der meistgenannte Kandidat Percy Harvin (2 Rushes, 45yds / 1 Catch, 5yds / 87yds-TD Kickreturn). Harvin als großer X-Faktor der Seahawks-Offense, der einen 1st-Rounder gekostet hat, aber heute eigentlich sein erstes echtes Spiel bestritt. Keinen Tag zu spät. Harvin hat sicher eine gute Kandidatur, auch wenn sein Kickreturn das Spiel nur „endgültig entschied“.

Aber Hand aufs Herz: Der MVP dieser Mannschaft gehört der Defense. Man könnte ihn prinzipiell der kompletten Defense überreichen. Die Defense hat die Seahawks getragen. Es gibt zwei Units, die den MVP stellen könnte: Defense Line oder die Legion-of-Boom. Einen klaren Kandidaten gibt es nicht; Avril / Bennett waren entscheidende Leute bei der Kreation einiger Big-Plays zu Beginn des Spiels. Aber das war wohl zu wenig.

Earl Thomas ist der wichtigste Spieler der Defense. Als solcher „wichtigster Spieler der Defense“ gewann einst Ray Lewis seinen Superbowl-MVP Titel, ohne Besonderes geleistet zu haben. Aber Thomas hat nicht die Reputation eines Lewis.

So denke ich, kann man ein Argument abgeben, SS Kam Chancellor (1 INT, einige massive Hits) den Titel zu geben.

[03h36] Nächstes gescheitertes 4th-Down der Broncos-Offense.

[03h34]

[03h29] Sherman wird verletzt runter getragen. Sieht nach Knöchel aus.

[03h23] Denver 8, Seattle 43/Q4 11:45. 13yds-TD Catch für Baldwin. Raketen von Russell Wilson, und so wie die Seahawks diesen Drive durchzogen, sieht das danach aus als wollte Pete Carroll mit seinen Seahawks noch ein paar Punkterekorde sprengen.

[03h14] Stecker & Joe Montana #DRINK

Drittes Viertel

[03h11] Denver 8, Seattle 36/Q3 0:00. 13yds-TD Catch Demariyus Thomas. 6 Plays, 80yds, 2:58min. Eine etwas tiefer stehende Secondary, kollidierende Defensive Backs, und Denver scort einen lockeren TD zum Ausgang des dritten Viertels um zumindest die ganz große Blamage einer punktelosen Superbowl abzuwenden – und Thomas stellt mit dem 12ten Catch des Tages einen traurigen Superbowl-Rekord auf. (löscht Jerry Rices Mega-Spiel Ende der 80er aus + Branch und noch ein und zwei andere)

[03h02] Denver 0, Seattle 36/Q3 2:58. 23yds-Pass für WR #15 Kearse. 6 Plays, 58yds, 2:57min. Locker drei, vier gebrochene Tackles bei Kearse. Mehrere rattenscharfe Pässe des Russell Wilson gegen eine Defense, die sich am Ende selbst aufzugeben scheint.

[03h01] Denver ist aktuell übrigens bei 190 Yards Offense zu 187 Yards Offense der Seahawks.

[03h00] Wie wird dieses Spiel noch legendär? Erster Shutout in der Superbowl-Geschichte, und das gegen die punktereichste und beste Offesne ever?

[02h56] Seuche. Der Combo Manning-Thomas gelingt für einmal ein längerer Spielzug, und dann fährt CB #41 Maxwell nichts ahnend eine Hand aus und ist völlig verdutzt, dass er damit einen Fumble bei Demariyus Thomas provoziert. Nochmal: Erster Spielzug der Broncos in diesem Spiel, der gelungen ausschaute, und dann fumbelt der beste Receiver der Mannschaft den Ball weg. Surreal.

[02h52] Seattles OT #76 Okung mit einem Holding im zweiten Down, und das reicht aus um Seattles nun natürlich konservative Offense abzuwürgen: Seattle muss punten. Denver sollte nun aufhören zu punten, denn es ist eh schon fraglich genug ob sich noch vier Drives bekommen.

[02h44] Punt der Broncos. Sie würgen sich langsam ins Spiel, aber was bei Spielstand 0-0 im ersten Viertel aussieht wie Abtasten, löst im dritten Viertel bei 0-29 Emotionen des Ärgers aus.

[02h31] Denver 0, Seattle 29/Q3 14:48. 87yds-Kickoff-Return für Harvin. Und die Vollpfosten bei SAT.1 waren mal wieder nicht drauf. Idioten.

Harvin, ich hatte es geschrieben: Sensationeller Kickreturner gegen eine grottenschlechte Coverage der Broncos-Special Teams. Und Prater macht keine Touchbacks. Das ist quasi der Sargnagel.

[02h18] Halbzeitshow, und die Welt erlebt die Premiere des Playback-Schlagzeugs (oder?). Dann stürmt ein halbes Dutzend halbnackter Männer und die Chili Peppers bringen Give it away now aus den 90ern. Da war letztes Jahr besser. Wo kann man Beyonce reinwählen?

Zweites Viertel

[02h13] Nach dem WP-Graph (Win Probability Graph) von Advanced NFL Stats ist Seattle fast durch. Man sieht aus dem Graph auch heraus, dass Denver wirklich nie im Spiel war und sich auch nie renibeißen konnte. Ein TD kurz vor der Pause hätte geholfen, aber man hätte nach dem gescheiterten 4th-Down ruhig auch Timeouts ziehen können (man hatte alle 3). Aber Fox machte einen auf Schwartz und wartet offenbar auf die nächste Superbowl um Timeouts zu nehmen.

Win-% zur Superbowl-Halbzeit

Win-% zur Superbowl-Halbzeit

[02h03] Halbzeit Denver Broncos 0, Seattle Seahawks 22.

Die Broncos werden hier ZERLEGT. Das ist die totale Dominanz der Seahawks-Defense, und sie beginnt in der Defensive Line: Was die Kollegen #92 Mebane, #79 Bryant, #72 Bennett und #56 Avril hier veranstalten, ist Giants-2o07 würdig: Die Pass-Protection Mannings wird konstant, Spielzug für Spielzug, auseinander genommen, und Manning hat keine Zeit zu werfen.

Wirft, er, stehen hinten sieben Defensive Backs, um alles abzudecken. Manning antwortet mit schnellen, flachen Kurzpässen, aber die bringen nur wenig Raumgewinn, weil die Wideouts vorblocken als wären sie homophobe Mauerblümchen.

Das artet aus in einer Offense der Broncos, die in 31 Spielzügen nur 131yds zustande brachte. Manning mit 17/23 für 104yds und 2 INT (4.5 NY/A). Beide INTs waren ein Produkt aus „etwas unglücklich“ und „merkwürdiger Entscheidung“. Einmal hätten die Broncos allerdings eine DPI gegen #29 Earl Thomas zugestanden bekommen müssen.

Seattle machte mit seiner Offense nicht viel. Russell Wilson zu Spielbeginn stets schnell auf flotten Füßen und begann loszuscrambeln. Dann wurde das „harte“ Laufspiel über #24 Lynch in der Mitte gesucht. Zwischendurch wurde #11 Harvin mit den Jet-Sweeps eingestreut, und Harvin machte massive Yardage, weil der DE #91 Ayers katastrophales Containment hatte.

Besonderes sprang bis auf Harvin nicht heraus: Wilson ist risikolose 9/15 für 94yds. Lynch 11/17yds. Ein paar nette Catches der Wideouts. Ein paar zu ängstliche Entscheidungen Pete Carrolls.

So. Das Spiel schaut ein klein wenig gegessen aus, sofern die Broncos nicht schnell in einen Groove im mittlerweile strömenden Regen kommen. Letztes Jahr hatten wir bei Ravens-49ers auch zwischenzeitlich eine 22pts-Führung für Baltimore, aber die waren auf andere Art und Weise zustande gekommen. Abwarten.

Seattle kriegt nun als erstes den Ball. Für Manning positiv: Er wird diesmal keinen Onside-Kick gegen sich sehen… er könnte ihn höchstens selbst probieren.

[01h55] 1:06min vor der Pause muss Manning ein 4th-Down und 2 in der Seattle-Redzone ausspielen. Ein Muss, aber einmal mehr wird die Offense Line in Krümel zerfetzt, und Mannings Pass fällt harmlos zu Boden.

Vorher zerstörte ein False-Start der Broncos eine aussichtsreiche Position. Danach musste Manning feldpositionsbedingt zweimal werfen, was gegen eine so krasse Deckung ein halbes Todesurteil ist.

[01h50] Eli Manning. #DRINK

[01h45] Stecker: „Skittles“ #DRINK

[01h38] Denver 0, Seattle 22/Q2 3:21. 69yds-INT Return zum TD für #53 Malcolm Smith. Weia: Manning wird in der Wurfbewegung von einem D-Liner getroffen und der so abgeschwächte Ball fällt Smith in den Schoß. Erste INT = abgefälschter Ball. Zweite INT = abgebrochene Wurfbewegung. Trotzdem eine merkwürdige Entscheidung von Manning, diesen Ball so zu versuchen. Und Demariyus Thomas sah ziemlich passiv aus.

Zuvor recht klare Versuche der Broncos, eine Kurzpassoffense mit vielen Screens aufzuziehen: Angezogenes Tempo, immer wieder quick raus für #80 Demariyus Thomas, der aber gegen eine disziplinierte Defense kaum YAC (yards after catch) machte. Dazu schlimmes Vorblocking der Wideouts der Broncos bei diesen Plays.

[01h29] Erstes 1st-Down für Denver: 3rd-und-1, und Manning übergibt an RB Moreno. Danach schaltet Manning in den No-Huddle Modus.

[01h23] Denver 0, Seattle 15/Q2 12:00. 1yds-Run Lynch. 7 Plays, 37yds, 3:59min. Lynch im zweiten Down, nachdem er wohl schon im ersten drin war (man sehe sich das Nachfassen an).

Seattle mit dem ersten Touchdown, weil CB #32 Tony Carter zuvor eine PI in der EndZone begangen hatte. Seattles große Offense-Waffe Harvin schlug schon wieder bei einem Jet-Sweep zu: Ein Spielzug, bei dem man wunderbar erkennen konnte, wie undiszipliniert DE #91 Ayers war. Hält Ayers sein Containment an den Flanken der Defense Line, passiert nicht viel. Aber Ayers überpowerte, und Harvin hat nun 2 Rushes für 45yds.

[01h19] Stecker: „Beast Mode“ #DRINK

Erstes Viertel

[01h16] Ein Eröffnungsviertel für die Grütze von den Broncos, für die nichts zusammengeht. Beginnend mit dem üblen Safety, aber es ging dann weiter: Noch kein einziges 1st-Down für die Rekordoffense, dafür schon ein Safety plus ein Turnover. 11:41 zu 3:19min Ballbesitz. 148-zu-11yds in der Offense. 22 zu 7 Plays pro Seattle. Aber: Nur acht Punkte Unterschied, weil Seattle sich noch nicht durchwalzen konnte bzw. zu viel Schiss hatte, ein 4th-und-inches auszuspielen.

[01h12] Big Play! 3rd-Down für Manning, eine unruhige Pocket und von hinten rauscht schon der Druck heran. Manning versucht noch einen DL zu überlupfen, aber er überlupft ihn zu stark. Der Ball segelt über alle, auch TE #80 Thomas, hinweg, direkt in die Arme vom Kopfjäger-SS #31 Chancellor.

[01h10] Stecker mit QB-Diskussion „Peyton Manning unter den Top-5“. #DRINK #DRINK #DRINK

[01h08] Denver 0, Seattle 8/Q1 2:16. 33yds-FG Hauschka. 13 Plays, 58yds, 6:15min. Seattle kontrolliert bisher die Line of Scrimmage, zieht die langen Drives durch. Das ist nicht die befürchtete boom or bust Offense.

4/5 der Third Downs wurden verwertet. Denver immer wieder mit quicken Blitzes, die Wilson mit schnellen Slants kontert.

Auffällig auf die Hasenfüßigkeit von Wilson: Leisester Anflug von Druck, und Wilson scrambelt sofort los. Auffällig auch: Wilsons Pässe sind nicht allzu präzise. Dann ein massiver Breakup eines Broncos-DB (Irving?) bei einem tollen Ball in die EndZone.

[01h05] John Fox mit einer relativ hoffnungslosen Challenge bei einem Lateral, der doch recht klar ein Vorwärtspass war. Fox hatte auch schon in der Superbowl vor 10 Jahren so eine schlechte Challenge (als er glaube ich einen unmöglichen Spot gechallenged). Übrigens unterirdisch vom World-Feed, den SAT.1 übernimmt: Nur eine einzige, winzige kurze Wiederholung.

[00h53] Die erste ernst zu nehmende Angriffsserie der Broncos endet im Three and Out: Erstes Play als diese Package-Option, die Herrmann in der Preview angesprochen hatte. Manning übergab den Ball an RB Moreno für 2yds. Zweites Play ein quicker Kurzpass für #88 Thomas, aber Chancellor wartete in der Nickel-Formation unmittelbar mit dem großen Hit. Drittes Play, und erneut hyper-aggressive Defense, und keine Yards nach dem Catch.

[00h45] Denver 0, Seattle 5/Q1 10:21. 31yds-FG Hauschka. 9 Plays, 51yds, 4:27min Drive. Der Drive begann exzellent, als #11 Harvin um ein Haar zum TD durchgelaufen wäre: Ein saucooler „Jet Sweep“, den Aikman im Gamepass natürlich als Reverse analysierte… aber Harvin kam „nur“ 30yds weit und trat mit einem Fuß aus dem Spielfeld.

Danach quickes Gewichse der Seahawks. Wilson behielt den Ball einmal bei einem zone read Play (#DRINK), aber wurde kurz im 3rd-Down danach knapp vor dem 1st-Down gestoppt.

Carroll warf die rote Flagge wegen einer 3cm-Entscheidung im ersten Viertel der Superbowl. Hätte ich nicht gemacht, und schon gar nicht so knapp vor der EndZone. Aber was will ich einem Superbowl-Coach erklären…

[00h43] #Gefrierschrank New York #Superbowl-Blunder: Offizielle Temperatur bei Kickoff 9.4°C. Temperatur zu Kickoff von Superbowl VI in New Orleans: 3.9°C. Take that, ihr Kritikaster.

[00h40] Fast 64% der Abstimmenden in der Umfrage dieses Blogs sehen einen Superbowl-Sieger Seattle kommen. Das ist in Spread umgerechnet ein 4.5pts Spread pro Seattle.

[00h35] Denver 0, Seattle 2/Q1 14:48. Paukenschlag: Erster Spielzug, während Manning noch einen auf Omaha machen will kommt schon der Snap und der Ball segelt an Manning vorbei in die EndZone. RB Moreno schmeißt sich noch auf den Ball zum Safety. Schnellster Score ever in der Superbowl-Geschichte: Hester brauchte 2007 bei seinem Kickreturn-TD 14 Sekunden.

Pre Game

[00h28] Seattle gewinnt den Münzwurf von Spaßvogel „Broadway“ Joe Namath und deferred in die zweite Halbzeit. Damit wohl erster Ballbesitz für die Denver Broncos.

[00h25] SAT.1 hat wieder Ines Sainz am Wickel – wie schon letztes Jahr in der Stromausfall-Pause. Sainz ist die Frau, die schon Brett Favre verrückt machte.

[00h23] Nationalhymne von Fleming dauert handgestoppte 2:04min. Also das Under für Las Vegas, aber über 100 Sekunden. #DRINK

[00h19] Raab bei SAT.1:

Fotoball ist ein Sport, der alle vereint. Da können Dicke und Dünne mitmachen!

[00h15] Over/Under für die Hymnenlänge von Renée Fleming ist 2:25min – die Wettbüros erklären sich diese Länge damit, dass sie als Sopranistin eher Opern-like performen wird, und damit eher langsam.

[23h57] Wir sind heute zu dritt. Einer ist für Seattle, Sabine für Denver, und ich kann mich so recht nicht entscheiden. Ich bin gespannt. Ich habe keine Ahnung wie es ist, ein Endspiel zu verfolgen, bei dem ich erst im Lauf des Spiels merke, wem ich die Daumen drücke.

[23h49] Die Superlative sind alle aufgebraucht, die Einwärmphase hat ein Ende, wenden wir uns also dem Essenziellen zu: Dem Spiel, dem sagenumwobenen Gipfel zwischen den Denver Broncos und den Seattle Seahawks. Der Fahrplan bis zum Kickoff lautet wie folgt: Um Mitternacht wird Sabine die Weißwürste auftischen. Um zirka zwanzig nach Mitternacht gibt es die Nationalhymne mit Renée Fleming. Danach den Münzwurf und anschließend gegen halb eins den Kickoff.

Vorglühen für Superbowl 2014

[22h35] Damit schließe ich das Vorglühen und wechsel gleich einen Stock tiefer, wo die Gäste schon eingetrudelt sind. In wenigen Minuten gibt es Mitternachtsweißwurst und die Öffnung des Liveblogs fürs Spiel.

[23h27] Wird das positive Bild von New Jersey doch noch getrübt? Die Überbringung von tausenden Fans aus Manhatten hinüber nach East Rutherford soll übelst schleppend vorangehen. Ein ärgerlicher Mob an Fans aus beiden Lagern soll sich gegen Jersey verschworen haben und der Wut via Sprechchören lauthals Luft machen.

Das Stadion ist entsprechend noch halb leer, aber die Fans, die dort sind, sollen in der überwiegenden Mehrheit dem Broncos-Lager angehören. Vermutlich wird sich die Aufregung aber bis Kickoff gelegt haben.

[23h10] Einige letzte Lesetipps als Vorbereitung für die Superbowl seien noch nachgeschoben:

  • Seattles „unsaubere“ Spielweise ist ein Mythos. Jason Lisk hat bei The Big Lead die Defense der Seahawks unter die Lupe genommen und unüberraschend herausgefunden, dass die Mär von der nur dank „Holding“ so dominanten Seahawks-Defense eben… eine Mär ist.
  • Better Days Ahead. Michael Tanier nimmt bei Sports on Earth die Zukunft der NFL unter die Lupe. Ein großartiges Stück, das ich einzig im Teil der PED (performance enhancing drugs) stark anzweifeln möchte. Aber auch hier: So viel man an Goodell kritisieren kann, alles zu kritisieren ist auch wieder ungerecht.
  • King Kalwa erklärt auf Deutsch für die FAZ das Phänomen Super Bowl.

[22h10] Das NFL-Network verbringt seine Zeit auch mit sinnvollen Dingen…

Warren Sapp und Michael Irvin mit der Frage der Fragen

Warren Sapp und Michael Irvin mit der Frage der Fragen

[21h52] Nachtrag zu Derrick Coleman, dem gehörgeschädigten Profi von heute in der Superbowl (siehe Post um 17h42): Der MDR resp. Heiko Oldörp hat ein kurzes Interview mit Coleman gefahren („die anderen hänselten ihn, aber Coleman tat das, was ihm am leichtesten fiel: Er hörte nicht hin“): Die Geschichte des gehörgeschädigten Profis Derrick Coleman.

[21h12] Der Filmschauspieler und Oscar-Preisträger Philip Seymour Hoffman ist heute überraschend in New York gestorben. Hoffman ist aus Mathletics-Sicht interessant, weil er in der Verfilmung des Buchs Moneyball – The Art of Winning an Unfair Game (zu dem ich eine Recap in der Offseason schreiben werde, versprochen!) die Rolle des störrischen Managers der Oakland A’s, Art Howe, spielte:

[21h02] Kein Tippfehler beim NFL Network. Das war wirklich Brett Favre:

Rückschau: Superbowl 2004

[20h45] Fast auf den Tag genau zehn Jahre ist es nun her, dass John Fox schon einmal eine Mannschaft in der Superbowl angeführt hat: Es war am 3. Februar 2004 im Reliant Stadium von Houston, als Fox der Head Coach der Carolina Panthers war. Ich glaube, das war das erste Mal, dass ich die Superbowl wirklich live im TV verfolgte. In den Jahren zuvor hatte ich nur das Tape gesehen.

Die Panthers waren etwas, das ich heute als Freak-Team bezeichnen würde. Ich würde sie hassen, weil sie meine Advanced-Stats Berechnungen killen. Sie waren ein Team, zwei Jahre entfernt von einer 1-15 Saison. Sie hatten bestenfalls durchschnittliche Offense und bestenfalls unterdurchschnittliche Pass-Offense (deren QB-Coach übrigens: Mike McCoy). Sie konnten nur eines, und das war Defensive Line (das allerdings gewaltig). Es war ein Team, das foxiger war als alles, was John Fox jemals sonst produziert hat. Aber ich liebte dieses Team. 20 Saisonspiele, 14 Mal ein Ende innerhalb eines Scores, und fünfmal Overtime. Am Ende fehlte ein einziger Vinatieri-Kick, und sie hätten eine sechste Overtime erzwungen – diesmal in der Super Bowl.

Die Panthers hatten die beste Defensive Line, die ich bisher gesehen habe. DE Mike Rucker. DT Brentson Buckner. DT Kris Jenkins. DE Julius Peppers. Jenkins und Peppers in einer Defense Line: Besser geht es nicht. Und Defense Line war das einzige, was diese Jungs wirklich besser als der Durchschnitt konnten.

Es war keine Rabauken-Mannschaft. Es war schlicht disziplinierter Fox-Football. Turnovers vermeiden in der Offense. Dieser QB Jake Delhomme, der aus dem Nichts gekommen war, wurstelte sich mit gerade ausreichend Plays durch die Saison. Die Defense legte sich wie Mehltau über den Gegner, aber sie machte keine Fehler.

Das Team gewann irre Spiele. 16sek vor Schluss den Season-Opener. Im zweiten Spiel der Saison rettete ein geblockter PAT (!) gegen den Titelverteidiger Tampa Bay das Spiel in die Overtime (die Carolina gewann). Sie bezwangen die hoch favorisierten Rams in einem All-Time Klassiker in doppelter Overtime in deren Dome, nachdem sie das Powerhouse St Louis immer wieder in der RedZone bei Fieldgoals gehalten hatten. Sie schlugen auswärts die Eagles in einem Spiel, in dem du als neutraler Zuschauer depressiv wirst: 14-3 Endstand, eine Arena, so leblos wie der Zentralfriedhof in Außergrottenberg.

Und dann die Superbowl. Das Spiel der Spiele. Patriots vs Panthers ist bis heute eines der außergewöhnlichsten Sportspiele, die ich verfolgt habe. Ein Hängen und Würgen fast eine Halbzeit lang. Eine Punkteexplosion zur Pause. Ein punkteloses drittes Viertel, und dann ging es im Schlussviertel wie Kraut und Rüben zu. New England bekam am Ende den Ball an der eigenen 40, weil der Panthers-Kicker den Ball ins Aus geschossen hatte. Das half, und Brady orchestrierte die Offense ein letztes Mal zum last-Second Kick das Spielfeld runter. Vinatieri versenkte und wurde zur Legende.

Seither hoffe ich, dass Fox doch einmal eine Superbowl gewinnt – heute oder irgendwann. Es war ein derart begeisterndes Spiel, eine derart gut gecoachte Mannschaft, die zwei Meilen über ihrem Leistungsniveau spielte. Es war fantastisch, und ich hoffe, es wird heute, zehn Jahre danach, noch einmal fantastisch werden.

Die furchtlose Superbowl-Vorschau 2014

[18h45] Lass uns zur Glaskugel kommen. Herrmann lässt folgende Prognose ausrichten:

Ich sehe Seattle knapp vorne. Auf der defensive Seite haben sie das perfekte Peyton-Gegengift: sie können mit ihren vielen pass rusher auch ohne blitzes konstant Druck auf den Quarterback machen und tief nehmen Thomas/Sherman jedes big play weg. Offensiv brauchen sie unbedingt big plays. Mit einem Wilson, der manchmal sechs, sieben oder gar acht Sekunden rumläuft, bevor er wirklich alle pass rushers abgeschüttelt hat gegen die suspekte secondary Denvers sollten Seattle die big plays auch bekommen. Seattle mit ´nem TD, over/under Gesamtpunkte: 41.

Ein überraschend niedriges Over/Under von Herrmann. Seminole sieht es so:

Die Seahawks sind die bessere Mannschaft. Sie sind schneller, jünger, lauter: Sie haben eine in allen Facetten talentiertere Mannschaft. Und gewinnen werden die… Broncos, und zwar mit 23-20. Der Grund ist Peyton Manning. Er ist der beste Spieler am Platz und manchmal reicht es, den besten Spieler am Platz zu haben. Peyton hat einen Auftrag und er wird sich diese vielleicht letzte Chance seiner Karriere nicht entgehen lassen. Pete Carroll wird ihm alles entgegenwerfen was er hat, aber Peyton wird die richtigen Antworten finden und die GOAT Season abschließen. Glaube ich. Hoffe ich. Erwarte ich. Go Broncos.


Ich will mich nicht um eine kurze Einschätzung zu Super Bowl XLVIII drücken. Die ganz fetten Previews hat Alexander Herrmann schon am Freitag und Samstag abgearbeitet, und ich habe glaube ich das meiste, was ich von Denver Broncos vs Seattle Seahawks erwarte, schon im Verlauf der kompletten Saison geschrieben. Vor allem das Matchup der Broncos-Offense gegen die Seahawks-Defense verdient alle Superlative, die es bekommt und von denen wir schon gar nichts mehr hören können, weil wir schon im September dazu tendieren alles hochzujazzen, als wäre es das Größte seit Erfindung der Weißwurst.

Es ist schlicht eines der besten Matchups aller Zeiten, das dieser Sport jemals gesehen hat. Von daher bin ich doch noch fast „froh“, dass wir dieses Matchup nicht für ein Schneetreiben vergeuden, so schön der Schneefall gewesen wäre. Aber gut. Anbei noch einmal die Tabelle mit den Effizienz-Stats, die ich schon im Power-Ranking letzte Woche gepostet habe:

Profile der Superbowl-Teams 2014

Profile der Superbowl-Teams 2014 (zur Vergrößerung klick mich)

Es ist schlicht und einfach nicht möglich, einen klaren Favoriten ausfindig zu machen. Die amerikanischen Sportwetter haben ihr Statement abgegeben, und es fiel pro Broncos aus: Obwohl Las Vegas mit minimalem Favoritenstatus pro Seattle eröffnete, wanderte die Line unter der Woche ganz langsam gen Denver. Das überrascht mich. Wenn man sich die Previews der hier bekannten US-„Mathleten“ ansieht, sehen sie alle ganz, ganz leicht die Seahawks vorn.

Ich auch. Die Gründe:

Das Matchup zwischen Peyton Manning und der Legion of Boom ist ein sehr transparentes. Peyton macht recht wenig Überraschendes; Seattle macht recht wenig Überraschendes. Das sind keine extrem komplexen Units, sondern zwei Mannschaftsteile, die auf punktgenaue Ausführungsqualität setzen. Jeder weiß, was Peyton Manning macht, aber keiner kann Manning stoppen.

Mannings größte Stärke: Er „manipuliert“ die Safetys, wie die Amerikaner so schön zu sagen pflegen. Insofern wird es heute in allererster Linie das Duell zwischen Manning und dem besten Safety der NFL, #29 Earl Thomas, werden. Das wird das alles dominierende Matchup, nicht WR #88 Thomas gegen CB #25 Sherman.

Auf Empfehlung des großartigen Grantland-Podcasts habe ich mir heute noch einmal ein bissl die Seahawks reingezogen: Sie spielen eine eigenartige Variation der Cover-3 Defense, mit einem Safety Chancellor, der sehr hoch steht, und einem Free Safety Thomas, der im prinzipiell zwei Routen zugleich killt: Seam-Routen und Fade-Route. Das sind die beiden Routen, die in der Cover-3 Defense die anfälligsten sind. Thomas gilt als gut genug, die beiden Routen mit seinem Speed zu verteidigen. Das spart den Seahawks einen ganzen Spieler, und deswegen sind die Seahawks auf „außen“ fast nur tief zu bezwingen. Und das bedeutet: Pässe gegen die Deckungen von Sherman und Jeremy Lane. Ich würde nicht drauf wetten, dass Manning gegen den variationsreichen und tief besetzten Passrush der Seahawks konstant diese Zeit bekommt.

Denver wird vieles versuchen, um #88 Thomas von Sherman wegzuziehen. Es wird ihnen manchmal gelingen, denn Sherman gilt eher als Spieler, der sich auf eine Spielfeldseite zu konzentrieren hat. Aber wen „opfert“ man dann? Decker? Welker? TE Julius Thomas? Das wird zu beachten sein.

Und noch einer: Seattles tiefe Zonen in der Spielfeldmitte dürften für Denver tote Zonen sein; Seattle sah, wie ich unter der Woche las, dieses Jahr acht (!) tiefe Passversuche über die Spielfeldmitte. Nicht „Completions“. Versuche. Im Jahr davor waren es deren 15. Wer war nochmal der beste Safety der Liga?

Auf der anderen Seite wird es spannend zu sehen, wie Seattle versuchen wird, eine zeitfressende Offense auf das Feld zu schicken. In den letzten Wochen mutierten die Hawks immer mehr in Richtung boom or bust Offense: Das Laufspiel sieht über RB Lynch, der mit seinen Dreadlocks immer kämpft wie ein Löwe, immer sehr herzhaft aus, aber überragend effizient ist es nicht – und Denver kann in der Defense eines: Laufspiel abwürgen. DT Knighton („Pot Roast“) ist sicher der Ankermann, aber es braucht nicht einmal einen überragenden Knighton: Das ist eine Defense Line von John Fox; alle Defensive Lines des John Fox sind diszipliniert und vom Laufspiel nicht konstant zu bezwingen – auch nicht, wenn mit Von Miller, Derek Wolfe und Kevin Vickerson drei wichtige Starter fehlen werden.

Das ist das Eine. Das andere ist die von vielen als Schwachstelle ausgemacht Left Guard-Position der Seahawks. Ich bin skeptisch, ob es ein beast mode Spiel wird.

Zum Passspiel. Auch wenn Russell Wilson nicht mehr der ganz große Burner des letzten Jahres und der ersten Saisonhälfte ist, er kann an einem guten Tag jede mittelprächtige Defense schlagen.

Und so brauchbar Denvers Lauf-Defense sein wird, ich fürchte, die Broncos haben nicht genügend Waffen im Passrush um Wilson schnell genug unter Druck zu setzen. Sie haben einen RE Shaun Phillips, und auf der anderen Seite? Ein Rob Ayers? Mincey? Ist irgend einer dieser Jungs schnell genug durch um Wilson unter Druck zu setzen? Ist irgendeiner diszipliniert genug um Russell Wilson nicht losscrambeln zu lassen? Kannst du wirklich einem LB Trevathan (der 4-3 OLB in Denver) die Aufgabe des Spys zuteilen? Viele Fragen, keine überzeugenden Antworten.

Wo ich weniger Sorge habe: Das Defensive Backfield. CB Bailey und CB Rodgers-Cromartie dürften durchaus die Qualität haben um die guten, aber nicht großartigen Wide Receivers der Seahawks – Tate und Baldwin – zu kontrollieren. Aber was ist mit dem X-Faktor: Percy Harvin. Wie fit Harvin ist, weiß niemand.

Welche Pläne OffCoord Quinn mit Harvin hat, ist auch nur vage bekannt. Ich erwarte, dass Quinn analog dem Saints-Spiel sehr schnell versuchen wird, Harvin in Szene zu setzen. Schon allein Harvins Präsenz ist wichtig: Er wird Denvers Defense-Pläne beeinflussen. Und ein Harvin als Kickreturner gegen die üble Kick-Coverage der Broncos? Mismatch hoch drei. (Denvers K Prater hat mit die wenigsten Touchbacks in der Liga)

Und dann kommen die Refs. Terry McAuley ist der Head-Ref, und McAuley hatte schon vor acht oder neun Jahren in der Superbowl zwischen Patriots und Eagles eine bestenfalls durchschnittliche Vorstellung. Denver und Seattle sind die beiden Teams, die mehr Strafen kassieren als alle anderen NFL-Teams. Wie schnell die Refs Kontrolle über das Spiel kriegen, wird wichtig für den Spielverlauf. Wie viel sie im späteren Spielverlauf an Körperkontakt durchgehen lassen, wird möglicherweise mit entscheidend – in die eine oder andere Richtung.

Je länger ich schreibe und darüber nachdenke, desto mehr komme ich zur Überzeugung, dass ich die Seattle Seahawks zurecht schon die ganze Zeit vorne sehe. Es ist kein großer Vorteil; es ist schlicht gefühlt in mehreren Phasen des Spiels ein leichter Vorteil. Denver hat Peyton Manning. Seattle hat ein das bessere, tiefere Gesamtpaket.

Manning kann die Seahawks schlagen, keine Frage. Aber er wird ein extrem gutes Spiel nahe der Perfektion brauchen. John Fox wird seine konservative Ader in der RedZone aufgeben müssen und möglicherweise anstelle von FieldGoals auf Touchdowns gehen (da habe ich echt Angst um Denver) – die RedZone-Units von Denver und Seattle gehören jeweils zu den allerbesten.

All in all: Seattle ist mein leichter Favorit in einem Spiel, in dem ich absolut keine Ahnung habe, wem ich die Daumen drücken werde.

Die Charaktere der Super Bowl 2014

[17h42] Es wird Zeit, auch auf eine weitere sehr bemerkenswerte Geschichte hinzuweisen: Derrick Coleman, Backup-RB bei den Seattle Seahawks, der sich als fast tauber Spieler durchgebissen hat. Coleman hatte schon beim Media-Day einen Auftritt, der die Journaille hellauf begeisterte. Sein Werbe-Video für Duracell hat bereits Legendenstatus:

Jürgen „King“ Kalwa hat für die FAZ schon nach dem Conference-Finale in gewohnter Weise über Derrick Coleman geschrieben.

[17h00] Alle Jahre wieder einer meiner Lieblings-Artikel über die Super Bowl und ihre Protagonisten: A Super Bowl Preview for people who don’t know football von The Rumpus. Heuer in der Verlosung:

Richard Sherman – as expected.

In 2014, Richard Sherman has made himself known, and we should be thankful for this. His story is a quintessentially American one; it’s banal and heartbreaking to say it couldn’t have happened in any other place or time, but some of what sets Richard apart in his rags-to-riches trajectory is how deeply he wants to be representative of a much larger group of men and women like himself. He is not, as they say, simply along for the ride.

Sherman hat mittlerweile Marshawn Lynch als “Gesicht der Seahawks” abgelöst und ist spätestens seit seiner Pöbelei gegen Michael Crabtree nach dem NFC Championship Game zu einer der ganz heißen Storys der NFL geworden. Der Artikel beschreibt Sherman und seinen Weg von Compton/Los Angeles hoch an die renommierte Stanford University und weiter – allen Anfeindungen seines dortigen Head Coaches Jim Harbaugh (!) zum Trotz – zu den Seattle Seahawks. Sherman, ich betone es noch einmal, gilt als intelligenter Knabe. Er schreibt zum Beispiel bei Sports Illustrated eine Kolumne, die viele „Journalisten“ in den Schatten stellt.

Demariyus Thomas (“The Quiet Man”)

On March 15th, 1999, Demaryius and his family were asleep in their home in Montrose, Georgia, when police officers pounded on their door.

“I got up out of bed and heard a loud noise,” Demaryius told ESPN. “Somebody kicking down the door. I’m just scared at that moment, I didn’t know what to do. I see my mom on the bed, handcuffs behind her back.” Demaryius’ mother, Katina Smith, and grandmother, Minnie Pearl Thomas, had been arrested for manufacture and distribution of cocaine.

The Rumpus erzählt eine Geschichte, die ich noch nicht kannte: Demariyus Thomas wuchs quasi als Waisenkind auf, nachdem seine Mutter und Oma wegen Drogendealerei zu jeweils extrem langen Gefängnisstrafen verurteilt wurden.

Eric Decker (“The Celebrity”)

Before Eric appeared on the national stage, the most famous thing about Cold Spring may, sadly, be a 2003 shooting at the high school when two students were killed by a 15-year old classmate. Eric was a junior at the time; he knew each of the victims.

Eric avoided the line of fire by hiding in a closet for 45 minutes with several classmates. “Every girl was crying, every guy was trying to stay calm, and when they came and got us, we had to go across the street to the elementary school with our hands up,” Eric told the Denver Post. “That moment, you’ll never forget. It changes your life in a second.”

Decker wurde als Schüler Zeuge eines Amoklaufs an der Schule, bei dem zwei Freunde erschossen wurden.

Russell Wilson (“The Underdog”)

This means that dozens of backup quarterbacks—guys who wander around on the sidelines with a clipboard and a cute stocking cap every Sunday—make more than Russell. The Minnesota Vikings, a team that won five games in 2013, have three quarterbacks on their roster who each made at least double Russell’s salary and had the temerity to cash the checks.

There’s a correlation between Russell’s modest height and modest paychecks. NFL teams want a 5’10” quarterback about as much as Emeril Lagasse wants Flamin’ Hot Cheetos in his gumbo. The knocks are familiar: too fragile, too scrawny, and too short to see over those giant offensive linemen. The last time a 5’10” quarterback even threw as many as 20 touchdowns occurred when Doug “Flutie Flakes” Flutie did it, back when Marcy Playground was tearing up the charts.

Russell Wilson war schon immer ein Mann, der gegen Vorurteile ankämpfen musste. Und dann starb sein Vater und Förderer vor seinen Augen an einem Herzinfarkt…

Peyton Manning („The Auteur“)

The dry, affable everyman he tends to portray off the gridiron belies the fact that Peyton is a phenomenally intense guy who, by his own deliberate design, has become the greatest quarterback of his generation. If Tom Brady is the George Clooney of the NFL (looks, charm, specific skill set) and Tony Romo is the Johnny Depp (underrated risk-taker who often makes disappointing choices) then it’s tempting to call Peyton the Tom Hanks or Daniel Day-Lewis. Yet, that is not the case; what Peyton does is so cosmically innovative that there is no modern-day equivalent. He’s the NFL’s Buster Keaton.

Wie gesagt, es ist jedes Jahr einer der Artikel, auf die ich im Vorfeld der Super Bowl am sehnsüchtigsten warte, und auch dieses Mal hat die Vorschau für Leute, die kein Football kennen, nicht enttäuscht.

Sideline Reporter Drinking Game 2014

[15h58] Das offizielle Drinking Game von Sideline Reporter sei auch wieder angeführt. Nachdem ich letztes Jahr Beschwerden ob Anstiftung zu Alkoholismus bekam, sei das Drinking Game dieses Jahr auf Bier und Shots reduziert. Für Bier empfehle ich Maxlrainer („unsereiner trinkt Maxlrainer“), für Shots geht alles gut, aber in Ehren eines Studienkameraden bleibe ich diesmal beim Obstler.

Ein Schluck Bier

  • Jedes Mal, wenn ein Kommentator „Superbowl 48“ (in Worten: Superbowl achtundvierzig) sagt
  • Jedes Mal, wenn Troy Aikman seine Superbowl-Ringe in die Kamera hält.
  • Jedes Mal, wenn Troy Aikman „you know, Joe“ sagt
  • Für jede Einblendung von John Elway
  • Für jede Einblendung von Richard Shermans Rant
  • Für jede Einblendung eines kaugummikauenden John Fox
  • Für jede Einblendung eines kaugummikauenden Pete Carroll
  • Jedes Mal, wenn Peyton Manning und kaltes Wetter in einem Satz erwähnt werden.
  • Für jede Erwähnung von „New Jersey“
  • Jedes Mal, wenn Joe Buck „Peyton’s legacy“ sagt
  • Jedes Mal, wenn Eli Manning und „ein Superbowl-Ring mehr als Peyton“ erwähnt wird
  • Für jede Erwähnung von Seattles „12th man“
  • Für jede Einblendung von Eli Manning

Zwei Schluck Bier

  • Jedes Mal, wenn Troy Aikman „Momentum“ sagt
  • Jedes Mal, wenn Frank Buschmann „Momentum“ sagt
  • Jedes Mal, wenn ein Kommentator das kalte Wetter erwähnt
  • Jedes Mal, wenn Richard Sherman und Stanford in einem Satz erwähnt werden.
  • Jedes Mal, wenn Marshawn „Beast Mode“ wird
  • Für jede Erwähnung von Bruno Mars

Drei Schluck Bier

  • Jedes Mal, wenn Jan Stecker „Momentum“ sagt
  • Jedes Mal, wenn Jan Stecker „Joe Montana ist der beste QB aller Zeiten“ sagt
  • Jedes Mal, wenn Jan Stecker „Peyton Manning braucht den zweiten Ring um zu den fünf besten QBs ever zu gehören“ sagt
  • Wenn Richard Sherman nach Spielende von Erin Andrews interviewt wird.

Ein Shot

  • Für Münzwurf HEADS
  • Für Münzwurf TAILS
  • Für jeden Turnover
  • Für jeden Punt
  • Für jeden Pass-Touchdown Peyton Mannings
  • Für jede Interception Richard Shermans
  • Für jeden Sack gegen Peyton Manning
  • Für jeden Wilson-Lauf bei der „read-option“
  • Für jedes verkickte Field Goal
  • Für jede gelbe Flagge
  • Wenn die Seahawks gewinnen.
  • Wenn die Broncos gewinnen.
  • Für die erste Overtime
  • Wenn ein QB MVP wird

Zwei Shots

  • Wenn die Hymne über 100 Sekunden dauert
  • Jedes Mal, wenn Pete Carrolls Vergangenheit bei den Jets erwähnt wird
  • Jedes Mal, wenn Matt Praters Rekord-Kick eingeblendet wird
  • Für jedes three and out der Broncos-Offense
  • Jedes Mal, wenn Peyton Manning „Omaha“ audibled
  • Für jedes Personal-Foul
  • Für jeden Wes-Welker Drop.
  • Für jeden Zentimeter Schneefall.
  • Für die zweite Overtime
  • Wenn kein QB MVP wird

Drei Shots

  • Für die dritte Overtime
  • Für jede Einblendung von Skittles
  • Wenn dich deine Mitgucker fragen, was Bruno Mars ist

Vier Shots

  • Jedes Mal, wenn Peyton Manning „Heidi“ audibled

Schnapsflasche auf Ex

  • Wenn der Extrapunkt im Schnee stecken bleibt

Prost.

Superbowl-Commercials

[15h41] Keine zwei Monate Ruhe vor Tebow. Tebow wird heute einen spektakulären Superbowl-Werbeclip haben, in dem er für T-Mobile wirbt („Everyone thinks I want a contract, but without one, I’ve done so much this year“) – zu sehen bei Youtube. Der Mann ist echt besser dran als Pundit als wenn er sich als Karikatur seiner selbst bei den Backups im Roster rumschlägt. Werbestar auf ewig.

[15h00] Die Superbowl dürfte eines der wenigen Events sein, bei denen sich die Zuschauer bemühen, auch die Werbespots mitansehen zu dürfen. Sie gehören zu den Highlights der TV-Übertragung. Sie spülen dem übertragenden Sender (heuer FOX) in den Staaten Moneten in Rekordhöhen in die Taschen. In diesem Jahr soll FOX pro 30 Sekunden Werbeplatz rund 4 Mio. Dollar kassieren.

Für so viel Geld sind natürlich so gute Werbespots notwendig. Viele der großen amerikanischen Konzerne drehen extra für die Super Bowl ihre besten Spots und präsentieren sie dort dem größten Publikum (rund 100 Mio. sehen sich die Super Bowl in den Vereinigten Staaten im Schnitt über die Sendezeit an!).

Einer meiner großen Favoriten ist auch nach über zehn Ausgaben immer noch der Budweiser-Clip nach 9/11, bei allem Pathos-Gehabe. Kein besserer Weg um die Folgen eines Anschlags mit einem Schluck Bier runterzusaufen. Budweiser lässt auch diesmal nicht von seinen Clydesdalern los, aber der Star eines der diesjährigen Budweiser-Commercials ist ein anderer Knabe:

Der Clip ist seit Mittwoch online und schon mit über 32 Millionen Klicks versehen. Budweiser hat auch einen Clip der Güteklasse „Hero’s Return“ für dieses Jahr, mit einem strahlenden Army-Soldaten, der von den Rössern durch einen Festzug in der Stadt getragen wird… naja.

Einige der Superbowl-Clips von 2014 hat Forbes schon einmal vorab zum Anschauen parat.

New York vs New Jersey

[14h27] Bestimm kennen viele Leser New York City besser als ich, deswegen auch keine detailliertere Einführung in diese Megastadt. Alles, was es superbowl-mäßig zu sagen gibt, ist die schwierige Vorstellung, dass der zur Superbowl-Meile umfunktionierte Time-Square am Broadway in diesen Tagen noch chaotischer aussieht als normalerweise gewohnt:

Der Time-Square

Der Time-Square

Da kriegst du selbst als junger Hüpfer Epilepsieanfälle, aber es gilt wie immer der alte Spruch von der Kellys School of Business: Marketing is the mother of all sciences. Insofern kann man die Minuten des Anblicks des Time-Squares nur genießen und hoffen, danach noch geradeaus und nicht im Kreuz zu sehen.

New York ist der Partyteil der Superbowl 48. Hier treffen sich die wichtigen Promis und die Katzenbergers der USA um zu feten. Der sportliche Teil wird über dem Fluss in New Jersey abgewickelt, vom Spiel über die ganze Vorbereitung vor der Woche: Media-Day war in Jersey, die Teams trainierten in Jersey, Spiel und Tailgating-Partys finden in Jersey, dem Garden State, statt. Viele der von mir gelesenen US-Schreiber wie Mike Tanier oder Will Leitch haben im direkten Vergleich dem „Jersey“-Teil der Superbowl einen deutlichen Vorteil gegenüber dem „Broadway“-Teil der Superbowl gegeben.

Mike Tanier schreibt in seinem Blog zum Beispiel:

This has been a New Jersey Super Bowl week with an Empire State Building photobomb. New Jersey has been making all of the effort so New York can strut in and hog all the credit. New Jersey has embraced the Super Bowl. New York swallowed it whole and did not even burp.

The game, of course, is in East Rutherford, N.J. Media Day was in Newark, N.J. Most of the team interviews have taken place in Jersey City, N.J. Both teams practiced in New Jersey facilities.

What did New York do? It broadcasted, like it always does. It hosted expensive parties and feasted on tourist dollars, like it always does. And it provided hotel space, a wonderful thing when you dash off to Manhattan to catch Book of Mormon or do other touristy stuff, but a terrible thing when all the real work is being done in New Jersey. Enjoy the New York-New Jersey commute, exactly backwards of the way otherwise sane people do it, two or three times daily!

Leitch schreibt in seiner Kolumne diese Woche:

Here’s a pretty safe prediction: This will be the last Super Bowl they ever have in New York/New Jersey.

Super Bowl Week, so far, has not been poorly run. The weather is cooperating; it’s even supposed to be sorta warm on Sunday. The Sheraton Times Square hotel has served as an efficient, well-located media hub; Radio Row is the madhouse it always is, but not in any particularly unusual way. Volunteers are helpful, transportation is reliable and all schedules are being vigorously adhered to. It’s all working out. It’s not Atlanta, it’s not Jacksonville, it’s not Detroit. Everything is going fine.

But this will be the last Super Bowl they ever have in New York/New Jersey for one reason: No one in New York seems to notice the Super Bowl is even happening.

Vielleicht ist es nicht so extrem wie Leitch es andeutet. Immerhin wurde der Nabel von Manhattan, der Broadway/Time-Square, zeitweise umfunktioniert, aber im Vergleich zu anderen Städten sieht die Super Bowl trotzdem wie ein relativ marginales Element aus.

Das hört sich alles nicht nach Traumehe “New York und Super Bowl” an. Wie wohl die NFL darüber denkt, dass ihr absolutes Ausnahmeprodukt – die Super Bowl – in der aufregendsten Stadt vergleichsweise untergeht? Verschluckt wird von diesem Moloch mit seinen fünf Stadtbezirken, tausend Kulturen und nochmal hoch tausend Menschen? Die Traumehe „New York und Super Bowl“ scheint das Experiment auf alle Fälle wert gewesen zu sein, und sei es bloß, dass wir nun die Grenzen des Events „Super Bowl“ kennen.

Das MetLife Stadium

[12h17] Super Bowl 48 findet im MetLife Stadium in East Rutherford im Bundesstaat New Jersey statt. Das Stadion selbst ist einer der Hauptgründe, weswegen das Endspiel überhaupt zum ersten Mal seit der „vor-Superbowl“ Ära im Großraum New York stattfindet, da die NFL wie gesagt das Versprechen der Superbowl-Vergabe abgab.

Das Stadion kurz vor der Vollendung 2010 - Bild:Wikipedia

Das Stadion kurz vor der Vollendung 2010 – Bild:Wikipedia

Das MetLife Stadium ist eines der teuersten Stadien der Welt mit einem geschätzten Baupreis von runden 1,6 Milliarden Dollar. Und das, obwohl sowohl Jets als auch Giants bei der Entscheidung darauf verzichteten, ein Dach über den Kopf zu bauen – zu teuer. Somit ist MetLife Stadium der einzige der in den letzten Jahren neu erbauten NFL-Tempel, der noch ganz klassisch im alten US-Way gebaut ist: Riesige Tribünenränge, aber open air.

Das Stadion steht draußen vor den Toren von Newark/NJ und Manhatten/NY, und es ist umgeben von einer seelenlosen Beton- und Asphaltlandschaft. Runde 27.000 Parkplätze soll es um die Arena herum geben, was sensationell für eine Tailgating-Fete im September sein dürfte, aber viel mehr kannst halt sonst nicht machen. Restaurants, Shopping-Malls in erreichbarer Weite zu Fuß? Fehlanzeige. Nur Beton, Highways und über dir pausenlos startende Flugzeuge vom nahe gelegenen Flughafen in Newark.

Auch innen ist die Arena relativ stark in Grau gehalten, denn Grau ist die neutrale Farbe zwischen den blauen Giants und den grünen Jets, die sich die Arena teilen. Das gibt dem leeren Stadion einen recht trostlosen Eindruck. Allerdings gilt das MetLife Stadium auch als eine Arena, bei dessen Planung man sehr darauf bedacht war, jeden Sitzplatz so zu halten, dass er optimale Sicht auf das Spielfeld gibt. Und das trotz der gigantischen Dimensionen dieses Stadions: Man könnte das Giants-Stadium, das früher nebenan stand und 78.000 Leuten Platz bot, komplett in den Innenraum des Metlife Stadiums stellen, und es hätte locker Platz!

Ein Clou am MetLife Stadium ist neben den gigantischen HD-Videoboards im Innenraum auch die Beleuchtung der Außenfassade, die nach dem Vorbild der Allianz Arena gemacht ist: Leuchtpaneele hinter der Aluminiumfassade können das Stadion nach außen je nach Heimspielmannschaft entweder in Blau oder in Grün hüllen.

Noch eine Parallele zum Münchner Stadion: Die Allianz-Gruppe wollte sich die Namensrechte kaufen. Der Versuch scheiterte allerdings, denn die jüdische Gemeinde kam mit ihrem Argument, die Allianz habe zwielichtige Rollen im Dritten Reich gespielt, durch. So kam MetLife zum Zug um sich die Rechte an dieser riesigen 82.000er-Schüssel zu kaufen.

Etwas, das alle dem Stadion bescheinigen: Es ist ein Vorreiter in umweltfreundlichem Bauen. Für ein Land wie die Vereinigten Staaten, in denen Energie sparen noch ein recht zartes Pflänzchen im Wortschatz ist, verbraucht das Stadion relativ wenig Energie (z.B. 30% weniger als das alte Giants-Stadium, das nur halb so groß in den Dimensionen war). Rund um die Arena gibt es haufenweise Solarpaneele, und Recycling wurde schon bei der Planung groß geschrieben.

Und noch etwas: Das MetLife Stadium ist als Footballarena gebaut und wird als solche genutzt. Es unterscheidet sich damit in angenehmer Weise von Vergnügungstempeln wie Arlington/Dallas, sagen die Befürworter. Die Gegner sehen hier eher ein langweiliges, ohne besondere Liebe gebautes, Stadion, das halt gute Sicht aufs Spiel bietet (das ist eh nicht wichtig!). Nachfolgend noch eine kurze Bilderserie vom Blogleser Mike, der ein Jets-Heimspiel besuchte:

Hard Count Podcast

[11h24] Mit Freuden vernehme ich, dass der Hardcount Podcast pünktlich zur Super Bowl ein Comeback feiert: Die Ausgabe #23 beschäftigt sich mit den Coach-Wechseln, Geschichten rund um die Super Bowl, und einer Analyse des Endspiels. Ich hatte noch nicht die Zeit, ihn mir anzuhören, aber hier schon einmal der Verweis auf den Podcast:

Ich halte diesen Podcast für einen sehr, sehr guten, den man sich anhören sollte, wenn man sich näher mit der NFL beschäftigt.

Hall of Fame Class 2014

[10h33] Damit zur Wahl der Hall of Fame-Klasse von 2014. Heuer wurden sieben neue Mitglieder aufgenommen. Es ist eine Klasse ohne die ganz großen Weltstars, unter anderem auch weil keine Quarterbacks dabei sind, aber das heißt nicht, dass sie ganz ohne Kontroverse abgelaufen ist.

  • DE Michael Strahan gilt als größter Star der Klasse 2014. Strahan ist in den Staaten bekannt als die „große Zahnlücke“ und es ist unschwer zu erkennen, warum. Strahan spielte 15 Jahre lang bei den Giants und war siebenmal Pro Bowler, viermal All-Pro und einmal Defensivspieler des Jahres. Er brachte 142 Sacks zustande. Strahan ist auch deswegen bekannt, weil er den Rekord für die meisten Sacks in einer Saison hält: 22.5. Es ist ein Rekord, der als umstritten gilt, da Strahan im allerletzten Spiel der Saison einen Sack von Brett Favre „geschenkt“ bekommen haben soll. Das Video des Sacks gibt es bei Youtube. Dieser Sack ist eienr der Gründe, weswegen Strahan komischerweise kritisiert wird: Er sei des Rekords nicht würdig.
    Strahans letztes Spiel seiner Karriere war die Super Bowl XLII, das gigantische Upset der Giants gegen die Patriots. Es war eine Saison, vor der Strahan eigentlich schon hatte zurücktreten wollen. Er entschied sich zu bleiben, die Giants rauften sich nach anfänglichen Zuständen wie in einem Tollhaus doch noch zusammen und Strahan wanderte mit Ring in den Ruhestand. Heute ist er Studiopundit bei FOX.
  • OLB Derrick Brooks. Wenn Strahan auch aufgrund seiner medialen Persönlichkeit der bekanntere Name ist, so ist Derrick Brooks mit Sicherheit der Spieler, der als Spieler die größere Stempelmarke hinterließ. Brooks war der OLB, der das Funktionieren der „Tampa-2 Defense“ ermöglichte. Die Tampa 2 ist eine leicht abgewandelte Form der Cover-2 Defense, und sie gab noch mehr Verantwortung in die Hände des OLBs. Sie konnte nur mit einem untersetzten, flinken Linebacker funktionieren – einem Linebacker wie Brooks, der in dem Spielsystem der Tampa Bay Buccaneers zum Giganten wurde. Die Buccs-Defense um die Jahrtausendwende galt nicht als eine der rohen Gewalt, sondern als eine, die sich über Speed definierte – und sie war in der Version 2002 die letzte, die so stark dominierte wie Seattle dieses Jahr.
    Brooks war in jenem 2002 der Defensivspieler des Jahres. Die Buccaneers gewannen die Superbowl, und sie gewannen sie mit Stil: Ein kompletter Abschuss der Oakland Raiders, samt 3 TD-Returns aus Interceptions. Die letzte davon machte Derrick Brooks.
  • Andre Reed. Reed war in den 80ern und 90ern Wide Receiver bei den Buffalo Bills. Er hatte 951 Catches über seine Karriere für 13198ysds und 87 Touchdowns. Die Wahl Reeds gilt als umstritten. Er war ein bekanntes Gesicht in den 90er Jahren, weil die Bills fast jedes Jahr die Superbowl erreichten, aber wenn Leute wie Marvin Harrison (1102 Catches, 14580yds, 128 TD in drei Jahren weniger als Reed) oder Tim Brown (1094 Catches, 14934yds, 100 TD ohne jemals mit einem richtig guten QB gespielt zu haben) wegen Reed draußen bleiben, gehen die Diskussionen los. Reed spielte fast seine ganze Karriere mit dem Hall-of-Fame QB Jim Kelly. Harrison spielte fast immer mit Peyton Manning, aber Harrison halt um Welten dominantere Statistiken. Harrison spielte in einer passlastigeren Ära, aber man kann mit Fug und Recht behaupten, dass Harrisons Resümee nur noch von Jerry Rice geputzt wird. Tim Brown spielte ganz einfach… extrem lange. Er war der Mann, der erst ganz zum Ende seiner Karriere einen brauchbaren QB als Teamkollegen hatte: Rich Gannon.
  • Walter Jones. Jones war Offensive Tackle bei den Seahawks. Er galt als „Berg“, als Hüne mit seinen 1.96m und 145kg Kampfgewicht. Er war von 1997 bis 2009 der Left Tackle der Seahawks, und er war einer der wichtigen Gründe, weswegen die Seahawks Mitte des letzten Jahrzehnts die Superbowl erreichten: Die Hawks-Offense Line galt damals als dominanteste der Liga. Jones und sein Nebenmann Steve Hutchinson formten ein unüberwindbares Pärchen, hinter dem der eigentlich eher als mittelprächtig wahr genommene RB Shaun Alexander NFL-Rekorde aufstellte. Jones war neunmal Pro Bowler, siebenmal All-Pro und gehört zum NFL-Team des Jahrzehnts 2000.
  • DB Aeneas Williams. Williams war Defensive Backs bei den Arizona Cardinals und St Louis Rams. Er hatte Pech, dass die Cardinals zu seiner Zeit ihre schlimmsten Phasen durchmachten und als Synonym für die Hoffnungslosigkeit in der NFL galten. Williams‘ Profil wurde schon bei PFR herausgearbeitet.
    An seiner Wahl gibt es eigentlich nur zu kritisieren, dass an seiner statt der G Will Shields draußen gelassen wurde. Shields war 12x Pro Bowler und 8x All-Pro und wurde nun zum dritten Mal nicht in die Hall-of-Fame gewählt. Also: Mit Shields und Marvin Harrison wurden zwei logische Kandidaten draußen gelassen. Weitere bekannte Leute, die nicht gewählt wurden: Jerome Bettis (RB Steelers/Rams), Tony Dungy (Headcoach Colts/Buccs), Eddie DeBartolo (Owner 49ers). Damit zu den Legenden-Picks, die ja auch immer zwei Plätze von den sieben kriegen.
  • Ray Guy. Ein Punter! Guy gilt als bester Punter der NFL-Geschichte. Seine Wahl wurde oft genug gefordert, aber immer wieder abgeschmettert mit dem Argument, ein Punter gehöre nicht in die Hall of Fame. Wenn dem so ist, dann sollte man den Punter abschaffen (wäre das wirklich so schlimm?). Da es aber Punter gibt, gibt es keinen Grund, den besten von ihnen draußen zu lassen. Ergo: Gute, längst überfällige Wahl.
  • Claude Humphrey. Humphrey war Defensive End bei den Falcons und Eagles.

Die NFL-Awards 2013/14

[09h35] In der Nacht auf heute wurden die offiziellen NFL-Awardsder AP-Press für die abgelaufene Saison vergeben. Die Gewinner sind überwiegend keine Überraschungen.

  • MVP: Peyton Manning. Nach der Rekordsaison gab es praktisch keine Zweifel mehr an Mannings fünfter Wahl zum NFL MVP.
  • Offensivspieler des Jahres: Manning. Man könnte höchstens überlegen, ob man diesen Award in Zukunft zu einem non-QB Award macht, um herausragenden Leuten auf anderen Positionen eine Chance zu geben.
  • Defensivspieler des Jahres: Luke Kuechly. Kuechly ist der Inside Linebacker der Carolina Panthers. In einem Jahr, in dem mindestens eine Handvoll Spieler des Award hätten gewinnen können, ist Kuechly wohl so etwas wie ein gemeinsamer Nenner in der Wahl: Spielt für eine der besten Defenses, ist deren Gesicht, hatte schon vor der Saison einen guten Ruf. Persönlich hätte ich Leute wie Watt oder Earl Thomas vorgezogen, aber im Prinzip ist es eh wurscht.
  • Offensiv-Rookie des Jahres: Eddie Lacy. Lacy ist der Packers-RB, der über 1100yds erlaufen hat und mitgeholfen hat, die Packers halbwegs heil über die Rodgers-lose Zeit zur Saisonmitte zu bringen. Lacy war in meiner Rangordnung ein recht deutliche Nummer zwei hinter dem alles überragenden Chargers-WR Keenan Allen, aber angesichts der Tatsache, dass Lacy in der bekannteren Mannschaft eine bekanntere Rolle spielt, ist seine Wahl nicht überraschend. Sie ist auch nicht unfair. Es war schließlich ein Jahr, in dem keine Rookie-QBs für Aufsehen sorgten und auch ansonsten enorm viele gute, aber nur wenige hervorragende Rookies in die NFL kamen.
  • Defensiv-Rookie des Jahres: Sheldon Richardson. Richardson ist ein Defensive Liner bei den Jets und eine überraschende Wahl. Richardson galt bei den Beobachtern von PFF fast das ganze Jahr lang als der beste der Rookies aus der Defense, aber er spielt eine wenig beachtete Rolle in der Jets-DL, ergo hatte man ihn nicht unbedingt als Sieger dieser Wahl erwarten können. Richardson gilt als Überraschung. Man hatte ihn vor einem Jahr als sehr ungeschliffenes, aber körperlich wuchtiges Prospect gesehen, dessen große Stärke der Passrush sei. Richardson kam in die NFL und war kein besonderer Passrusher, dafür aber per Knopfdruck einer der besten Line-Spieler gegen das Laufspiel.
  • Coach des Jahres: Ron Rivera. Der Riverboat Ron, das Mastermind, das die Carolina Panthers mit seinen verblüffenden 4th-Down Entscheidungen ganz nahe an die Super Bowl brachte. Rivera war auch meine Wahl zum Coach des Jahres. Ich bin ehrlich gesagt aber überrascht, dass im offiziellen AP-Poll nicht Andy Reid als Sieger hervor gegangen ist. Ein 2-14 Team zu einem 11-5 Team zu machen, das hätte eigentlich danach geklungen, dass wir einen fast sicheren Sieger Reid sehen werden. Persönlich gehe ich mit der Einschätzung Rivera d’accord.
  • Comeback-Spieler des Jahres: Philip Rivers. Die Wahl war uns seit zirka zehn Tagen bekannt, und wen hätte man sonst nehmen können? RG3 hatte kein gutes Jahr, Chris Clemons spielte auch zu wenig und das Comeback des Aaron Rodgers kam schlicht zu spät.

Unsere Awards haben wir schon am Montag veröffentlicht. Es wurden auch noch die Hall of Famer 2014 bekannt gegeben. Dazu in einem späteren Eintrag.

Zum Aufstehen

[08h45] Guten Morgen zum Superbowl Sunday 2014, dem Tag der Ausgabe 48 des NFL-Endspiels zwischen den Seattle Seahawks und den Denver Broncos. Es wird heute in gewohnter Weise ein langsames Reingleiten in das große Spiel geben, mit all jenen Themen um das große Spiel herum, die noch nicht abgearbeitet wurden. Was wir schon hatten, wird freilich nicht wiederholt:

Es ist das erste Endspiel zwischen den beiden Top-Seeds jeder Conference seit sich 2009/10 die Saints und Colts in Miami duelliert haben. Es ist vor allem aber das erste Freiluftendspiel in der Superbowl-Ära in einer US-Stadt in den nördlichen Gefilden. Die Partie findet im Metlife Stadium in East Rutherford/NJ statt, im Großraum New York, aber über der Staatsgrenze im Bundesstaat New Jersey. Weit weg ist Manhattan aber freilich nicht:

Das Endspiel war ein Geschenk an den Big-Apple, als Quasi-Dank dafür, dass das extrem teure neue MetLife Stadium (Eröffnung 2010) so generös von Bundesstaaten und Bürgern mitfinanziert wurde – wie nicht unüblich, aber eben auch immer umstrittener in den Vereinigten Staaten. Um die Meute ruhig zu stellen, wurde dem medialen Nabel der Welt erstmals die Greatest Show on Earth – die Superbowl – versprochen. Eine Wahl, die von vielen kritisiert wurde, weil es potenziell ein Endspiel in schlechtem Wetter bedeuten hätte können.

Kalt! Es kann kalt werden! Schnee! Wettbewerbsverzerrung! Die armen Leute, die viertausend Euro zahlen um sich bei Minusgraden den Arsch abzufrieren! Wer kommt auf so bescheuerte Ideen wie Superbowl in New York? Yadda Yadda. Weicheier. Jürgen Schmieder von der SZ hat im Big-Show Segment zur NFL in seinem Rant (ab 12:20min) genau die richtigen Töne zu der Motzerei gefunden. Die NFL scheffelt sich die Konten zu mit mehr Schnee als vom Himmel fällt? Wen scheißt’s. Bester Freiluftsport der Welt – bestes Freiluftendspiel der Welt.

Nun wird es zwar kalt, aber nicht eiskalt, und so richtigen Schneefall erwartet man für heute Abend/Nacht auch nicht. Es sollte also ein Endspiel unter gewohnten Rahmenbedingungen werden.

Philosophie trifft Pragmatik: Wie die Seattle Seahawks ein einzigartiges Business Model schafften

Gestern hatten wir die Denver Broncos als erste der beiden Superbowl-Mannschaften 2013/14 unter der Lupe im Versuch, ihre Stilfindung zu analysieren. Heute ist die andere Mannschaft dran, die Seattle Seahawks aus dem rauen Nordwesten der Vereinigten Staaten – eine Franchise, die viele Jahre lang als reiner Mitläufer wahrgenommen wurde.

Ursprünglich wurden die Seahawks in den 70er Jahren als Expansion-Team in die AFC eingegliedert. Dort waren sie Divisionskonkurrenz der… Denver Broncos. Während die Broncos aber alljährlich mit einem der größten Stars, QB John Elway, Division und Conference viele Jahre lang dominierten, ging bei den Seahawks so vieles daneben, dass man zwischendurch vergaß, dass da droben in den Wäldern, wo es eh immer regnet, noch eine NFL-Mannschaft zuhause war.

In den 90er Jahren wurde die Franchise an den CEO von Microsoft, Paul Allen, verkauft, der rasch mit der Sanierung begann. Allen riss den morschen Kingdome ab und baute das neue Seahawks-Stadion in Downtown Seattle, eines der fantastischesten NFL-Stadien mit Blick auf die Stadt und mehreren Lautstärkerekorden. Allen installierte auch den Erfolgscoach der Green Bay Packers, den stets grimmig dreinschauenden Mike Holmgren, als neuen Cheftrainer – und schon waren die Seahawks eine Nummer.

Allerdings ab 2002 in der NFC, denn im Zuge der NFL-Aufnahme der Houston Texans wurde eine Neustrukturierung der Divisionen gemacht. Weil zu wenige NFC-Teams im US-Westen zuhause waren, wurden die Seahawks einfach mal auf ihre 30jährige Geschichte scheißend von der AFC in die NFC umgeschichtet. Viel zu sagen hatten sie dabei nicht; es hätte auch keine Sau interessiert.

Sportlich war es ihr Glück, denn ihr neues Zuhause, die NFC West, war viele Jahre lang die Lachnummer der NFL. Seattle gewann sie jahrelang im Schlafwandel. 2005/06 schaffte man sogar den Sprung in die Superbowl XL in Detroit. Dort war man eigentlich die bessere Mannschaft, aber eine Kombination aus Pech, einigen wenigen Steelers-Plays und einem lachhaften Schiedsrichter-Gespann verwehrte den Seahawks den ersten Titelgewinn. In der Folge dümpelte man zurück in altbekannte Gewässer mit 7-9 und 4-12 Saisons.

Am Ende der Saison 2008 wurde Holmgren verabschiedet. Als Nachfolger wurde – schon damals wenig überzeugend – Jim Mora jr. installiert. Mora konnte allerdings keine Begeisterung auslösen, und so waren die Hawks schon ein Jahr später wieder ohne Head Coach.


Pete Carroll trat Anfang 2010 von seinem Head Coach-Posten bei den USC Trojans zurück. Dort hatte er in über einem Jahrzehnt eine große Dynastie geformt und die stolze private University of Southern California zurück in die Erfolgsspur gebracht. Es war ein Erfolg, den man Pete Carroll gar nicht zugetraut hatte, denn Pete Carroll war in den 1990er Jahren zweimal als Head Coach in der NFL gescheitert.

Bei den Jets musste er nach nur einer Saison gehen. Bei den Patriots übernahm er 1997 eine Superbowl-Mannschaft und schaffte in drei Jahren erst 10, dann 9, dann 8 Siege. Siehst du einen Trend? Er ist nicht dein Freund. Schnell war das Urteil über Carroll gefällt: Ein netter Kerl, ja, aber ungeeignet als Head Coach in der NFL.

Ging ans College und brachte USC in gigantische Höhen. Allerdings gerüchtelte es viele Jahre lang ob da schon alles mit rechten Dingen zugegangen war. Ende 2009 verdichteten sich die Indizien immer mehr, dass es teilweise größere Recruiting-Verletzungen bei USC gegeben hatte und dass Carroll der NCAA-Hammer um die Ohren fliegen würde. Er ging, bevor es aufflog (das passierte ein halbes Jahr nach seinem Rücktritt).

Und die Seahawks hatten ja gerade ihren Head Coach Mora jr. rausgeschmissen.


Carroll unterschrieb Anfang 2010 bei den Seahawks, und er wurde nicht bloß Head Coach, sondern zugleich auch noch mit Kompetenzen eines General Managers ausgestattet. Es verblüffte, welche Power man ihm gab. Der „echte“ General Manager ist zwar John Schneider, aber hallo: Schneider fungiert vor allem als Carrolls Berater. Mehr noch: Schneider wurde sogar von Carroll eingestellt!

Pete Carroll ließ in den ersten Wochen und Monaten seiner Amtszeit in Seattle keinen Stein unberührt. Er räumte den Trainerstab auf. Er wälzte den Kader um wie kaum jemand vor ihm. An die 200 Transaktionen machte Carroll allein in seiner ersten Offseason. Es sah gar nicht so aus, als hätte Carroll einen besonderen Plan im Hinterkopf. Es wirkte wie ein Hin- und Herschieben von Bausteinen, aber richtig aufgeräumt wirkte die Baustelle im ersten Hingucken freilich nicht – und ich selbst spottete auch ganz gern über Carrolls Wirken.

In der Retrospektive sieht das freilich etwas anders aus. Zum ersten holte er sich mit RB Marshawn Lynch (via Trade aus Buffalo) das neue Gesicht der Franchise, einen physischen, kräftigen Back als neuen Motor der Offense. Und dann kam der Draft 2010, einer der besten Drafts, die einer NFL-Franchise in den letzten Jahren glückte:

Russell Okung, Earl Thomas, Kam Chancellor, Walter Thurmond und Golden Tate in einem einzigen Draft! Das ist ein ganzer Mannschaftskern für sich. Trotzdem waren die Hawks 2010 ein relativ schlechtes Team, das aber verrückterweise trotz 7-9 Bilanz die Division gewinnen konnte. Man spielte in den Playoffs zuhause gegen den Titelverteidiger New Orleans, und, naja: Rest ist bekannt.

Das war der beste Laufspielzug der Playoffgeschichte, und das beast mode war geboren. Lynch galt fortan als Gesicht der Carroll-Seahawks: Wuchtig, wild, druckvoll.


Die Seahawks sind heute gebaut nach dem Ebenbild des Pete Carroll. Ich hatte den wirklich aufschlussreichen Artikel von Smart Footballs Chris Brown bei Grantland schon vor zwei Wochen hier verlinkt, aber noch einmal: Who’s laughing now?

Also known as Three-Deep zone coverage, Cover Three is a fundamental defensive building block; almost every high school team in the country runs some version. As the name implies, three defenders drop and divide the field into three deep zones — typically the two cornerbacks on the outsides and the free safety in the middle — while four other defenders drop to defend underneath passes as the remainder rush the QB. This coverage is sound against the pass and allows an extra defender to come up to stop the run, but it’s also conservative, which is why veteran NFL quarterbacks tend to carve it up and thus why it’s not commonly used in the NFL on passing downs.

Die Legion-of-Boom. Die vielleicht beste Defense, die ich bisher gesehen habe. Auf alle Fälle eine der optisch herausragendsten, gewaltigsten. Thomas, Sherman, Chancellor: Viel besseres gibt und gab es nicht zu bestaunen.

Es ist auch eine Defense, die aus außerordentlich vielen Außenseitern gebaut ist, Spielern, die die erste Runde des NFL-Drafts nur vom Hörensagen kennen. Die 2010er-Clique hatten wir schon, aber auch der aktuell größte und bekannteste Seahawks-Star, CB Richard Sherman, war ein Mann aus der fünften Runde. LB Bobby Wagner kam in der zweiten Runde. Der aktuell gesperrte CB Browner? Kam aus der Canadian Football League. Leute wie DT MeBane (3. Runde 2007) oder DT Red Bryant (4. Runde 2008) stammen aus der Zeit vor Carroll, aber sie blühten erst unter ihm auf.

In der Offense: QB Russell Wilson in der dritten Runde. WR Golden Tate in der zweiten Runde. WR Jermaine Kearse und WR Doug Baldwin? Beide wurden überhaupt nicht gedraftet.

Das erstaunliche ist: Die hohen Picks des Pete Carroll gingen eigentlich eher schief. Der G Carpenter (1. Runde 2011) ist Bankdrücker. Der OLB Irvin (1. Runde 2012) gilt als one trick pony und musste heuer wegen diverser Delikte ein Saisonviertel gesperrt aussetzen. Und der letztes Jahr quasi für einen 1st-Rounder geholte WR Percy Harvin war das ganze Jahr verletzt, soll nun aber zurückkehren; okay, wenn Harvin fit ist, ist das einer der zehn besten Skill-Player in der Liga, aber er ist halt fast nie fit.

So arbeitete Carroll fast zwei Jahre lang nahezu ohne Resultat (okay, der Divisionssieg, aber…) vor sich hin. Spät in der Saison 2011 hatte man erstmals das Gefühl, dass sich in Seattles Defense auch vom Output her was regt.


Aber das echte Coming-Out hatte die heute bekannte Version der Seahawks erst im September 2012, als sie in einem Monday Night Game die Mega-Offense der Green Bay Packers nach Strich und Faden killten. Das Spiel von damals ist vor allem bekannt wegen der Replacement-Referees und der bizarren letzten Hail Mary des Russell Wilson, aber (zumindest bei mir) in mindestens ebenso prägender Erinnerung war die Vorstellung der Defense in der ersten Halbzeit, die Aaron Rodgers komplett abwürgte.

Der große Erfolgträger in Seattle war unter Carroll immer die Defense. Das markante Gesicht der ersten Jahre war RB Lynch aus der Offense. Aber der Schlüssel, diese Mannschaft von „gut“ und „Sleeper“ zu „Geheimfavorit“ und „Topfavorit“ war der Quarterback, Russell Wilson. Ohne Quarterback kann auch der ansonsten beste, tiefste Kader nix erreichen. Und Wilson ist nicht irgendein QB.

Wilson kam gegen alle Wetten aus der dritten Runde in die NFL. Er wurde sofort zum Stamm-QB. Nach einigen Eingewöhnungsproblemen in den ersten Wochen mauserte sich Wilson schnell zum heimlichen Star der „Big Three“ (RGIII, Luck, Wilson) der Rookie-QBs. Schon zur Halbzeit seiner ersten Saison gehörte er zu den besten Quarterbacks in der NFL, und wurde zur prägenden Gestalt einer Mannschaft, die gegen Jahresende alles an die Wand spielte, was sich ihr in den Weg stellte.

Dieser Überquall an physischer Energie und wuchtiger Dynamik, mit dem die Seahawks Ende der Saison 2012/13 alles in Grund und Boden walzten, wird für immer das definierende Bild der Carroll-Hawks sein. Es war blanker Zufall, dass die letztlich wohl beste Mannschaft der Saison letztes Jahr nicht die Superbowl erreichte, und es brauchte ein mirakulöses Comeback der nicht schwachen Atlanta Falcons in einem unglaublichen Playoffspiel.

Russell Wilson war dieses Jahr nur noch phasenweise so dominant, aber mit seiner Spielweise muss er trotzdem als Liebling der Massen angesehen werden: Ein untersetzter Mann, der eigentlich eher Kickreturner als Quarterback spielen sollte. Es ist extrem sympathisch, dem Underdog Wilson bei seiner Arbeit in der Pocket zuzusehen. Er strahlt phasenweise totale Kontrolle über sich und den Gegner aus. Es gibt wenig Anmutigeres als einen Wilson in Hochform. Da würdest ihn am liebsten als Plüschtier kaufen. Fragt sich, ob Wilsons „Formkrise“ in den letzten Wochen mehr ihm oder den dominanten gegnerischen Abwehrreihen zuzuschreiben ist.


Wilson ist nicht nur sportlich der Mann, der diesen überaus talentierten Kader über sich hinauswachsen ließ. Wilson ist auch deshalb ein „MVP“, weil er so billig ist. Er kostet die Hawks bloß nahezu das Minimalgehalt, weil er als Rookie aus der dritten Runde in einem skandalösen Kontrakt festgeknebelt ist. Auch Jungs wie Sherman, Chancellor oder Wagner spielen für lau, weswegen sich Seattle in der Offseason 2013 den Luxus leisten konnte, gefürchtete Passrusher wie DE Avril oder den kompletten DE Michael Bennett für okayes Salär einem eh schon enorm tief besetzten Kader hinzuzufügen.

So sind die Carroll-Seahawks dieser Tage ein auf recht unorthodoxem Weg zustande gekommenes, rundum fast komplettes Team. Es lebt von geglückten, späten Draftpicks. Von guten Verträgen. Von einem Trainerstab, der nach unermüdlicher Arbeit und vielen Rückschlägen doch noch die richtigen Schemata gefunden hat. Von einem Quarterback, der allen Unkenrufen zum Trotz die Liga im Sturm genommen hat. Und es ist ein markantes Team voller spektakulärer Charaktere und Geschichten.

Die heutige Ausgabe 2013/14 ist gemessen an dem Image, das die Hawks in der letzten Saison ausstrahlten, zwar tiefer und rundum vielleicht auch besser besetzt, aber es fehlt der letzte Thrill. Die Offense läuft nicht mehr so geschmiert wie 2011. Wilson, diese Wühlmaus, spielt nicht mehr ganz so lights out wie noch vor 12 Monaten. Aber dafür reißt eine der besten Pass-Defenses aller Zeiten, die Legion-of-Boom, alles heraus – sportlich und medial.

Pete Carroll hatte schon immer eine Philosophie, die er umsetzen wollte. Er konnte es nicht immer versuchen, weil ihm das Spielermaterial abging. In Seattle fand sich selbiges ein. Dank seiner pragmatischen Art, die auch Ignoranten wie mir lange suspekt erschien. Dank natürlich auch einem glücklichen Händen. Aber ohne Glück ist es nicht möglich, eine solche Mannschaft zusammenzustellen – und wir sollten sie bestaunen, solange sie noch in dieser Form zusammenspielen kann.

Vielleicht ist der Superbowl Sunday auch schon der Höhepunkt der Seattle Seahawks.

Pragmatik schlägt Philosophie: Wie die Denver Broncos ihre Superbowl-Mannschaft formten

Die Superbowl 2014 bietet zwei Teams auf, die gemeinsame Geschichte als einstige langjährige Divisionsrivalen in der AFC West haben. Die Denver Broncos sind dabei die ältere, erfolgreichere Franchise, während die Seattle Seahawks die meiste Zeit ihres Bestehens vor allem als Mitläufer wahrgenommen wurden. Die heutigen Mannschaften wirken einzigartig und sind auch von der jeweiligen Franchise-Geschichte relativ losgelöst. Hatten wir in den letzten Jahren jeweils die Chance, über langjährige Philosophien der Endspiel-Kontrahenten zu sinnieren, sind es diesmal recht kurzfristig zusammengestellte Mannschaften.

Heute konzentrieren wir uns auf die Denver Broncos, zweifacher Superbowl-Sieger aus den 90er Jahren und schon zuvor insgesamt viermal als Verlierer aus dem größten Footballspiel des Jahres gegangen.

Die Geschichte der Denver Broncos ist, wie ich einst schon detaillierter nachzeichnete, in erster Linie die Geschichte des einen Mannes: QB John Elway. Elway kam 1983 nach Denver, weil er sich als Top-Draftpick geweigert hatte, für die Baltimore Colts zu spielen. Die Broncos akzeptierte er, und er wurde alsbald zu einem der herausragenden Quarterbacks in der NFL. Aber so oft Elway sein Team in die Super Bowl führte, so oft scheiterte er. Die AFC wurde damals als minderwertige Conference wahrgenommen, die gegen die NFC-Juggernauts aus San Francisco, Dallas, Washington oder New York wie die Lehrbuben aussahen. Denver: Gut genug um die AFC zu gewinnen, aber zu leichtgewichtig für die Lombardi Trophy.

Das änderte sich schließlich Ende der 90er, als die Broncos doch noch kurz vor Elways Ritt in den Sonnenuntergang zwei Titel abstaubten und somit nicht nur das Bild der kompletten AFC, sondern auch und vor allem der Denver Broncos wandelten. Die einstigen netten Verlierer waren als zweifacher Titelträger plötzlich wer. Sie gehörten mit einem Mal zu den Premium-Franchises in der NFL.


Die heutigen Broncos haben mit jenen Teams aus den 90er Jahren nicht mehr viel gemeinsam. Sie sind fast „zufällig“ so zusammengekommen, als eine Art Treffen der alten Männer, die gerade verfügbar waren. Aber sie alle haben ihren Beitrag geleistet. Sie haben einen Pfad eingeschlagen und eine dominierende Mannschaft gebaut.

Alles begann mit dem Ende der Ära von Head Coach Mike Shanahan, dem Superbowl-Coach aus den Neunzigern: Shanahan wurde nach der Saison 2008 nach einer wiederholten Implosion zu Saisonende und dem Verpassen der Playoffs gefeuert. Als Nachfolger wurde der heißeste Export aus den Neuenglandstaaten seit dem Indian Summer eingestellt, der Patriots-OffCoord Josh McDaniels.

Die Ära McDaniels verlief… nicht gut. McDaniels war ein Jüngling Anfang 30, der sich aufführte als hätte er das Rad der Zeit neu erfunden, und mit seiner herrischen Art vergraulte er nicht bloß den jungen Franchise-QB Jay Cutler, sondern auch alsbald den gesamten Kern der Offense. Nicht alle Moves des Josh McDaniels waren Idiotien, aber im Leben fällt es immer schnell auf dich zurück, wenn du mit deiner Art nicht ankommst und mit deinen Moves nur Fragezeichen produzierst, aber keine Resultate.

Die Besitzerfamilie der Denver Broncos zog bei McDaniels noch vor Ende seiner zweiten Saison den Stecker und schmiss ihn nach 29 Spielen als Head Coach raus. Wie lautet eine der Weisheiten für die Suche nach einem neuen NFL-Coach? Suche immer das Gegenteil jenes Coaches, den du grad rausgeschmissen hast. Egal welchen. Hauptsache, das Gegenteil.

McDaniels‘ Profil: Blutjung, keine Erfahrung, Offense-Geist, Kreator einer rekordträchtigen Pass-Offense, Image des innovativen Genies, aber mit einer ganzen Latte an höchst hinterfragenswerten Entscheidungen in seiner Zeit in Denver.

Da kam es für die Broncos nach Ende der Saison 2010/11 ganz recht, dass die Carolina Panthers den auslaufenden Vertrag mit ihrem Head Coach John Fox nicht mehr verlängerten. Fox‘ Profil liest sich in der Tat wie ein Anti-McDaniels: Weit jenseits der 50, neun Jahre Erfahrung im Team-Building in Carolina, Defense-Stratege, Footballphilosophie aus den 70ern (laufe in der Offense, stoppe den Lauf in der Defense), Image des biederen Arbeiters, in Carolina berüchtigt für konservative Entscheidungen bei Drafts und im Spiel.

Fox: Der ideale Mann, um ein in hellen Flammen stehendes Programm der Denver Broncos wieder aufzubauen.

Der zweite große Move von Owner Pat Bowlen in jenem Jänner vor drei Jahren: Er beförderte die Legende John Elway als vom einfachen Funktionär zum „Team President“ – quasi eine Rolle eines General Managers. Der Move sah seinerzeit fragwürdig aus: Einfach das bekannteste Gesicht der Franchise in den Vorstand befördern und zu hoffen, dass sich ein herausragender Wurfarm in gutes Verhandlungsgeschick transformieren lässt. Zu oft sind solche Moves schief gegangen. Aber der Geschäftsmann Elway, der schon eine Schnellimbisskette zu einem millionenschweren Geschäft gemacht hatte, fiel nicht in diese Kategorie.


Fox ging seine Arbeit in Denver nicht als großer Revolutionär an, sondern arbeitete an den Basics. Als erster bastelte er an seiner Defense und holte mit dem geschenkten hohen Draftpick den Abwehrspezialist DE/OLB Von Miller nach Denver. Miller schlug quasi von Tag eins an ein in Denver und war sehr schnell einer der besten Defensivspieler in der Liga.

Er verbesserte die Defense innerhalb seines ersten Jahres von der schlechtesten (471 Gegenpunkte, 7.2 NY/A) auf eine mittelmäßige (390 Gegenpunkte, 6.4 NY/A), aber die Story der Broncos war in jener Saison 2011 eh eine komplett andere: Tim Tebow.

Tebow.

Tebow war jener Quarterback, der nicht richtig werfen konnte, der aber seine Mannschaften mit purem Willen zu großen Siegen führen konnte. Ein Charismatiker, dessen Gottesfurcht und Einsatz gegen Abtreibungen das ganze Land in helle Aufregung versetzten. Bei dem tausende Mädchen die sich von ihm schwängern lassen wollten zu seinem Abschied vom College in Florida im Sonnenuntergang auf den Rängen geweint hatten. Den Josh McDaniels mit einem Erstrundenpick geholt hatte.

In der Retrospektive war Tebow den Draftpick gefühlt fast wert. Nicht sportlich, aber medial. Die Broncos wurstelten sich zu einer schier fassungslosen Serie an Freak-Siegen, und alles lief für sie: Gegner, die nur 2/8 Completions zuließen, aber in den letzten zwei Minuten plötzlich kollabierten. Gegner, die Fumbles in dümmsten Zeitpunkten begingen und dann noch aus dem Spielfeld traten. Und die Fans spielten verrückt. Und Fox schaute an der Seitenlinie mit einem säuerlichen Grinsen zu. Fox schaffte schon im ersten Jahr Divisionssieg und Einzug in die Playoffs, und dort gewann Denver sogar sein Wildcard-Spiel, das John 3:16 Spiel, den Höhepunkt von Tebowmania, gegen eine der besten Mannschaften der Saison, Pittsburgh.

Trotzdem war allen klar: Tebow ist kein nachhaltiges Geschäftsmodell. Tebow ist nicht die Antwort.

In Indianapolis war genau zu jener Zeit die QB-Legende Peyton Manning überflüssig geworden: Manning hatte just jene Saison aussetzen müssen, und ohne Manning waren die Colts krepiert zum Top-Draftpick, der in jenem Jahr 2012 den Spieler der Spieler, QB Andrew Luck, auf dem Servierteller präsentierte. Die Colts entschieden sich für Luck und gegen ihren Superstar Manning, der mit 36 noch ein letztes Halali blasen wollte.

Die Colts feuerten den besten Spieler ihrer Geschichte. Den Spieler, der ihre Franchise überhaupt erst wieder relevant gemacht hatte. Der sie zum Superbowl geführt hatte.

Und an der Stelle tritt Elway auf den Radar. Elway war eine der zentralen Figuren beim Einkauf von Peyton Manning. Man erinnere sich: Denver war weiß Gott nicht die „logischste“ Option für Manning, der sich seine letzte Mannschaft seiner Karriere auswählen konnte. Elway fungierte als das Gesicht, das im Werben um Manning die entscheidenden Trümpfe zog, und tatsächlich unterschrieb Peyton und machte die Broncos damit über Nacht zum Titel-Mitfavoriten.

Und die Broncos verschifften Tim Tebow nach New York. Tebow, den Spieler, der wie kein anderer einen landesweiten Hype ausgelöst hatte, dass du dich manchmal schon fragtest ob sie die Amis tatsächlich noch alle beisammen haben.

Peyton Manning anstelle von Tebow: Sportlich gibt es ein größere Upgrade nicht. Aber den Mut gehabt zu haben, den Medien-Superstar Tebow abzusägen, dafür gebührt Elway, Fox und der Broncos-Riege Respekt.


Den Broncos sind zwei wichtige Bausteine quasi in den Schoß gefallen: Head Coach Fox und Quarterback Manning. Es war harte Arbeit, die beiden zu verpflichten, keine Frage, aber sie waren eben genau zum richtigen Zeitpunkt auf dem Markt. Ein Champion muss gut sein, aber er muss auch Glück haben. Ohne Glück wirst du kein Champion.

Auch in Denver machte es die Mischung. Der Lauf-Fetischist Fox war pragmatisch genug um zu verstehen, dass eine Offense mit Peyton Manning auch die Handschrift des Peyton Manning tragen muss. Das mag ein banales Statement sein, aber wie oft enden solche Kooperationen in der NFL mit einem Gemetzel an Köpfen, weil die Führung zu starr auf ihre Linie vertraute.

Fox blieb ruhig. Er überließ die Offense seinem OffCoord Mike McCoy und später dessen Nachfolger Adam Gase, die sich schon an Tebows „Vorzüge“ anpassen konnten, und konzentrierte sich gemeinsam mit dem DefCoord Jack Del Rio, mit dem er schon gemeinsam in Carolina ein Traumduo gebildet hatte, auf die Verbesserung der Defense.

Nochmal: Innerhalb von fünf Jahren machten die Broncos vier grundsätzliche Wandlungen ihrer Offense durch: Vom zone blocking-Stil unter Shanahan, der ihnen die Superbowls in den 90ern geholt hatte zur Pass-Offense des Josh McDaniels zur Den-Veer Offense mit Tebow zu Manning. Eine solche Tour durch die Footballsysteme war in der NFL bis dahin quasi ungesehen.


Die letzten beiden Jahre liefen, wie sie liefen: Denver beendete die Regular Season zweimal mit 13-3 Siegen und dem AFC-Top Seed. Der Kader von 2013 sieht nur noch etwas mehr als eine Handvoll jener Spieler unter Vertrag, die Fox vor nur drei Jahren von McDaniels übernommen hatte. Aber bis auf Von Miller waren es nicht unbedingt die großen Drafts, die Denver nach oben brachten; es war vielmehr der Einkauf von relativ preiswerten Free Agents, die andernorts nicht mehr gebraucht wurden.

Ein WR Wes Welker kam aus New England. Ein TE Tamme aus Indianapolis. Ein DT Knighton aus Jacksonville. Ein LB Shaun Phillips aus San Diego. Ein CB Rodgers-Cromartie („Erst in Denver sagte man mir, was ich alles falsch mache“) aus Philadelphia.

Plus natürlich Peyton Manning.

Es gibt natürlich die jungen Superstars, die in Denver gedraftet und aufgebaut wurden. Leute wie Decker oder Demariyus Thomas, die noch aus der McDaniels-Ära stammen. Oder Miller, der Diamant der 2011er-Klasse. Oder LB Danny Trevathan, ein billiger Pick aus der sechsten Runde. Oder S Rahim Moore.

Aber philosophisch wurde Denver ironischerweise erst dann zum neuen „Foxboro West“, als der „Foxboro-Mann“ McDaniels schon weg war. Dann begann man, Free Agents für billiges Geld zu holen. Kurze 1-2 Jahresverträge nahe dem Gehaltsminimum. Spieler, die sich beweisen wollten. Rodgers-Cromartie oder Knighton sind die Paradebeispiele. Das ist Patriots-esker als es den Patriots in den letzten Jahren gelungen ist.

Plus natürlich Peyton Manning.


Die Broncos von 2013 sind in der öffentlichen Wahrnehmung Peyton Mannings Mannschaft. Sie haben seine Identität. Die Offense scort in Rekord-Sphären. Sie hat ein unverwechselbares Gesicht in dem immergleichen und im Detail doch so variablen Kurzpassgewichse, das Manning in seinen mittlerweile 15 NFL-Jahren perfektioniert hat. Die Defense hält trotz extrem vieler Verletzungen gerade gut genug um den Großteil der Gegner locker zu putzen.

Manning selbst kann mit seinem zweiten Superbowl-Sieg seinen Platz im absoluten Thron der besten Quarterbacks der NFL-Geschichte zementieren. Er kann der erste Quarterback werden, der mit zwei Franchises den Titel als Stamm-QB gewinnt. Er kann seine rekordträchtige Karriere schmücken.

Fox kann zehn Jahre nach der ebenso dramatischen wie begeisternden Endspielniederlage gegen die New England Patriots Versäumtes nachholen und den lange fälligen Titel gewinnen.

Elway kann 16 Jahre nach seinem letzten Superbowl nun als Chef der Sportlichen Leitung eine dritte Lombardi Trophy abstauben.

Es wäre kein Sieg im klassischen „Broncos-Way“, sondern ein Sieg der Pragmatik.

Sofa-QBs und die Superbowl-Vorschau 2014

Wir haben heute bei den Sofa-QBs die Superbowl XLVIII in der Mangel gehabt: Drei Blöcke. Einmal Denver Broncos. Einmal Superbowl-Party. Einmal Seattle Seahawks. Mit Granden wie Moderator Andreas Renner, Nicolas Martin, Pete Fink, Christoph Fetzer, Manfred Groitl, Olaf Nordwich und Werner Maier (Präsident Munich Cowboys). Meine Wenigkeit war in letztem Teil mit den Hawks mit dabei: Super Bowl XLVIII – Der Preview.

Startschuss zur Superbowl-Woche

Der heutige Dienstag ist Media-Day vor der Superbowl XLVIII, der bekanntlich ersten im Großraum New York. Das NFL-Network beginnt jetzt gleich um 16h MEZ mit der Live-Berichterstattung vom Media-Day, der meistens nicht narrisch ergiebig ist, aber wer nix besseres zu tun hat…

Konzentrieren wir uns auf das Wesentliche.

Das Wetter zum Beispiel. Eine richtig verlässliche Wetterprognose gibt es natürlich noch nicht, aber die Großwetterlage verspricht das schlechteste Wetter für die Nacht von Freitag auf Samstag bzw. für den Dienstag nach der Super Bowl. Am Sonntag soll es halbwegs gesittet sein, aktuell rechnet man für untertags sogar mit Sonnenschein… ;-( Aber andere US-„Kaltwetterstädte“ dürften erfreut sein, sollte sich dieser Forecast bewahrheiten, denn es wollen offenbar mehrere Städte aus den nördlichen Gefilden eine Superbowl ausrichten, Seattle zum Beispiel.

Einlesen kann man sich schön langsam auch in die Materie des Endspiels. Chase Stuart versucht seit Tagen, einen historischen Kontext für dieses Endspiel zu finden, und es gibt erstaunlich viele Hinweise, dass es sich beim Duell zwischen der Offense der Denver Broncos gegen die Defense der Seattle Seahawks um das beste Matchup der NFL-Geschichte handelt. Noch nie hat eine so gute Pass-Offense gegen eine so gute Pass-Defense (jeweils angepasst an die Ära, in der sie sich befanden) gespielt:

Für die, die etwas mit Zahlen und Statistiken anfangen können, ist das höchst interessant…

Der Star-Ledger, eine Zeitung, die im Bundesstaat New Jersey zuhause ist, schreibt über die landläufige Missachtung von Jersey: 7 tips for Super Bowl visitors to stay on our good side in NJ. Wie man die Bewohner des Garden State nicht verärgert.

Mike Tanier schreibt bei Sports on Earth die Kolumne Mandatory Monday, die ich für die beste NFL-Kolumne von allen halte. Diese Woche schreibt er darüber, wie man sich die Tage um die Super Bowl herum selbst zu Feierlichkeiten machen kann: Super Spectacle.

Super Bowl hype is like the heavy metal we listened to as teenagers: Judas Priest, Iron Maiden, Jethro Tull. (I am a former Grammy voter.) It is meant to be experienced at the threshold of pain. Turn the volume down and you lose all the lack of nuance. Crank it until the flight-or-flight reflex kicks in, and you experience the kind of primal ecstasy Viking berserkers felt before sacking a monastery.

Die NFL mochte den Namen Superbowl ursprünglich nicht. Die ersten AFL-vs-NFL Endspiele trugen noch einen banalen Namen („AFL-NFL Championship Game“). Der Name kam eher zufällig zustande:

H/T Todd Radom

H/T Todd Radom

H/T Todd Radom.

Schließlich noch einmal Super-Offense gegen Super-Defense: Bill Barnwell bei Grantland.com: A Tale of Two Cities:

You’re underrating the Denver Broncos’ offense. Yes, you. I don’t care who you are. You might be someone who considers orange to be a primary color, invited Steve Atwater to your wedding, and has been stuck with dogs named Cutler and Tebow for years now. You, die-hard Broncos fan, are probably underestimating just how good Denver’s offense really is. On Sunday, you will be watching the final game from what very well might be the best offense in NFL history.

Viel Spaß.

Sideline Reporter vergibt die NFL-Awards 2013/14

Wie es in den letzten Jahren zur Tradition geworden ist, küren die Blogautoren von Sideline Reporter am Saisonende ihre Highlights der Saison. Wer waren sie, die besten Geschichten, größten Überraschungen, schwersten Enttäuschungen, besten Spieler, Spiele und Kommentatoren der Saison?

Story des Jahres

korsakoffRon Rivera. Die Schiedsrichter bzw. das NFL-Regelwerk gäben ein gutes Ziel ab, aber bleiben wir mal dort, wo es die Protagonisten um die es bei uns am direktesten geht. 2013 war nicht notgedrungen ein Jahr der vielen „aggressiven“ 4th-Down Entscheidungen, wie man vielleicht meinen möchte. Aber es war ein Jahr, in dem es in vielen bekannten Spielen auffällig viele rational gute Coaching-Entscheidungen gab. Und noch einmal, bevor wir es wirklich zum Vergasen gehört haben: Ron Rivera machte die extremste Transformation durch. Von der schlimmsten 4th-Down Gurke zum 4th-Down Master. Ich glaube nicht, dass Riverboat Ron das Mathletics-Konzept zum Letzten kapiert hat oder es ausgereizt hat, aber es war ein Anfang. Ein Anfang vom unwahrscheinlichsten Mitglied aus der Trainergilde. Honorable mentions: Referees, Mobbing in Miami, Tebow.

HerrmannRiverboat Ron. Es waren hauptsächlich semi-große Stories, die immer mal wieder so zwei, drei Wochen durch die Liga gingen: Aaron Hernandez im Knast, Richie Incognito v Jonathan Martin, Andy Reid und die Chiefs from worst to first, jetzt wieder dieser Thug-Quatsch gegen Richard Sherman – alles nicht besonders erinnerungswürdig. Darum nehme ich die Verwandlung von Ron Rivera zu Riverboat Ron.
Woche 2 in Buffalo: Rivera läßt mit 3-Punkt-Führung 90 Sekunden vor Schluß einen 4th&Fingernagel nicht ausspielen, sondern das kurze FG kicken, woraufhin natürlich Buffalo das Spiel mit einem TD gewinnt. Das übliche Geschrei der Fans und Nerds setzt wieder ein; Rivera ist die Personifikation all dessen, was Coaches in der NFL falsch machen. Sei es aus Dickköfpigkeit, Angst, weil sie gedanklich noch in den 80er Jahren leben oder warum auch immer.
In Woche 3 dann spielt Carolina – die Legende meint sogar, daß es aus Versehen war – im ersten Viertel einen vierten Versuch kurz vor der goal line aus: TD. Panthers gewinnen 38-0. In den nächsten Wochen wird Rivera dann immer aggressiver, pundits und Fans feiern ihn, er bekommt den Spitznamen Riverboat Ron und die Panthers gewinnen! Auch die knappen Spiele und auch die NFC South vor den Saints. Damit haben sie ein Heimspiel in den Divisional Playoffs gegen San Francisco. Dort verlieren die Cardiac Cats unter anderem, weil Cam Newton bei 4th&goal von der 1-yard-Linie gestoppt wird.

SeminoleReferees. Oder die NFL-Regelbücher. Wie man es dreht und wendet, früher oder später wird sich die NFL wohl eine neue Strategie überlegen müssen um das Problem zu lösen, denn es wird nicht kleiner. Dieser Sport ist einfach zu kompliziert um ihn mit den derzeitigen Mitteln zu kontrollieren. Nie hatte man den Eindruck, dass sich die Profi-Crews so schwer taten. Jetzt erwartet uns im Super Bowl ein Referee, der die Seahawks schon einmal im Super Bowl verpfiffen hat.

Überraschung des Jahres

korsakoffSan Diego Chargers. Ich hatte das schon diskutiert: Mike McCoy hat einen superben Job gemacht und aus einer Mannschaft, die ich potenziell in Nähe des Top-Picks gesehen hatte (wäre da kein Philip Rivers), einen legitimen Playoff-Teilnehmer gemacht – trotz einer horrenden Defense. Honorable mentions: Cardinals, Colts.

HerrmannPhiladelphia Eagles. Chip Kellys Eagles nahmen in Woche 1 die NFL im Sturm. Das war die, äh, krasseste (weil mit kein besseres Wort einfällt) erste Halbzeit einer Offense, die ich in der NFL gesehen habe. Den Level konnten sie natürlich nicht halten, aber sie haben sich als Top-10-Offense etabliert.
Daß Kelly dies bereits in seiner ersten Saison gelang, ist eine riesige Leistung. Daß er aus Nick Foles 28 TDs bei nur 2 INTs rauskitzeln konnte auch – wobei man natürlich jetzt schon Foles´ Bild in den Wikipediaeintrag „regression to the mean“ einfügen kann. Im Angriff paßt alles so wunderbar zusammen. Man sieht daran auch, daß Kelly wie ein richtig guter Coach nicht „sein Konzept“ nimmt und die vorhandenen Spieler da irgendwie reinpressen will, sondern sein Konzept an die Spieler anpaßt. Wenn nächste Saison die Defense auch endlich so zusammenpaßt, ist das ein regelmäßiger playoff contender für viele Jahre.

SeminoleChargers. Im Sommer hatte ich schon vergessen, dass es eine NFL Franchise Chargers gibt, aber sie haben toll und beeindruckend gespielt und viele neue Freunde gewonnen.

Enttäuschung des Jahres

korsakoffBuccaneers. Vom Superbowl-Aspiranten (zumindest meiner Meinung nach) zum Rohrkrepierer. Andere Franchises wie Houston hatten unglücklichere Dinge gegen sich laufen, aber die Probleme bei den Buccs waren größtenteils hausgemacht. Jetzt kommt ein neuer Coach in Lovie Smith, und Tampa wird nächste Saison wieder mit Titel-Hoffnungen konfrontiert sein. Honorables: Texans.

HerrmannDer Rest der NFC East. Was für ein jämmerlicher Haufen und kaum Aussicht auf Besserung. Die Cowboys haben mal wieder mit einer sehr talentierten Mannschaft eine Saison weggeworfen und schmoren jetzt dank Jerry Jones in der Salary-Cap-Hölle. Den Redskins fehlt nicht nur wie den Cowboys Tiefe auf allen Position, sondern auch echte Top-Talente neben Trent Williams und Pierre Garcon. Die Giants stehen noch am besten da, bauen aber die Offense radikal um. Das erste Mal in seiner Karriere ist nicht Kevin Gilbride Elis Coach und Hakeem Nicks wird er wahrscheinlich auch nicht mehr haben.

SeminoleHouston Texans. Alle glaubten hier einen Super Bowl Champion in spe vor sich zu haben. Geworden ist es der Top Draftpick in spe. Mehr muss man nicht sagen.

Offensivspieler des Jahres

korsakoffPeyton Manning. Über dieses Thema habe ich gestern alles geschrieben, was ich sagen wollte. Honorables: Philip Rivers.

HerrmannPeyton Manning. Ja, langweilig. Ich habe auch krampfhaft versucht, Manning hier rauszuhalten. Man findet auch ganz gute Argumente: gefühlt 40 seiner TDs warf er gegen die Raiders und die Kindergarten-Defenses der Eagles und Cowboys. Den Yards-Rekord hat er nur, weil die Broncos auch bei großen Führungen noch geworfen haben, statt zu laufen. Mit so vielen erstklassigen WRs hätte das auch…
Aber am Ende war eben tatsächlich niemand besser. Besonders beeindruckend war, wie er sein Spiel seinem alten runtergewirtschafteten Körper angepaßt hat; seine Offense ist jetzt viel komplexer als früher.
Honorable mentions aus der Nicht-QB-Kategorie: Bengals Tackle/Guard Andrew Whitworth; die Left Tackles der Eagles und Redskins, Jason Peters und Trent Williams; Steelers WR Antonio Brown; 49ers TE „Deep“ Davis; Chicagos new monsters of the midway Alshon Jeffrey & Brandon Marshall.

SeminolePeyton Manning. Bedarf keiner weiteren Erklärung.

Defensivspieler des Jahres

korsakoff – J.J. Watt. Eine schwierige Wahl. Watt ist gemeinsam mit Von Miller der beste Abwehrspieler der Liga, aber sein Einfluss wurde dieses Jahr von der rundherum aus verschiedenen Gründen kollabierenden Mannschaft limitiert. Auf der anderen Seite blieben die Texans trotz teilweise absurder Offense im Spiel und verpassten es schlicht, die knappen Spiele in knappe Siege umzumünzen. Du musst im Prinzip nur Watt zuschauen: Er ist fantastisch. Er ist der beste, auch in einer Seuchensaison. Ich weiß aber auch, dass Watt den offiziellen Preis von AP und NFL nicht gewinnen wird. Honorables: Earl Thomas, McCoy, Sherman, Poe, Houston, Campbell, Kuechly, Bowman.

HerrmannJ.J. Watt. Obszön. Er ist so viel besser als alle anderen Spieler auf dem Feld, daß es einfach obszön ist. Oft wirkt es, als würde die 7b gerade Sportstunde haben und der Lehrer spielt mit, weil er Spaß daran hat, Kinder zu verprügeln und zum Weinen zu bringen. Hauptsächlich wegen Watt hatten die Texans auch dieses Jahr wieder eine Top-10 Defense, die sie in vielen Spielen gehalten hat. Houston hatte unter der Saison eine Serie von sieben Spielen, die sie jeweils mit weniger als einem score Unterschied verloren haben.

SeminoleRobert Mathis. Die meisten Sacks in der NFL. Ohne ihn wäre die Defense der Colts verloren gewesen.

Rookie des Jahres

korsakoffKeenan Allen. Es brauchte das Schlussviertel in Denver nichtmehr, um Allen über alle anderen zu hieven. Er war per Knopfdruck einer der besten Wide Receivers in der Liga, nachdem er sich von der Fußverletzung erholt hatte. Augenweide und hoffentlich kein Aschenputtel für nur ein Jahr. Honorables: Mehr als eine Handvoll sehr guter Rookies.

HerrmannKeenan Allen. Allen gewinnt knapp vor Jets DL Sheldon Richardson. Vor allem, weil für WRs die Umstellung von College auf NFL viel schwieriger ist. In den letzten 20 Jahren gelang es neben ihm nur sieben Rookie-WR, mehr als 1000 Yards zu erfangen. Darunter sind so illustre Namen wie AJ Green, Randy Moss, Anquan Boldin und Joey Galloway. Wenn nächste Saison die vielen verletzten Receivers der Chargers wieder mit an Board sind, sollte es für ihn sogar einfacher werden.

SeminoleEddie Lacy. Ich verstehe die Liebe für Keenan Allen, aber vergesst bitte Eddie Lacy nicht. Ein Ballbouncer, der die Packers in der schweren Zeit ohne Aaron Rodgers mit am Leben hielt.

Coach des Jahres

korsakoffRivera. As explained am Freitag. Es war aber insgesamt ein gutes Jahr für Coaches mit mehreren würdigen Topleistungen. Honorables: Belichick, Carroll, Chip Kelly.

HerrmannBill Belichick. Zwei andere Kandidaten habe ich oben schon angesprochen. Aber was Bellichick dieses Jahr – mal wieder – geleistet hat, ist ganz großer Sport. Alle WRs weg, alle TEs im Lazarett oder Knast, Brady baut weiter ab, Wilfork, Mayo und noch ein Dutzend andere Verteidiger verletzt – und trotzdem führte Belly seine Patriots zum 8. Mal in 12 Jahren (!) ins Championship Game.

SeminoleAntichrist by a landslide.

Kommentatoren des Jahres

korsakoffAl Michaels/Cris Collinsworth von NBC. Ich hatte heuer zum ersten Mal das Gefühl, dass sich Mike Mayock langsam verbraucht. An mehr als einem NFL-Wochenende fiel mir die Diskrepanz zu Collinsworth auf. Michaels war eh nie umstritten. Honorables: Nessler/Mayock vom NFL Network, Tirico/Gruden von ESPN.

HerrmannNBCs Al Michaels & Cris Collinsworth. Al Michaels ist der beste und coolste play-by-play man, den man sich nur wünschen kann. Er findet immer den richtigen Lautstärkepegel, kann mal über vier zusammenhängende Sätze interessante Gedanken ausführen und direkt darauf bei einem big play ausflippen. Collinsworth sieht und erklärt viele taktische Kleinigkeiten, hängt sich aber manchmal zu lange an einer Beobachtung auf und will sie dann bei jedem Spielzug beweisen. Michaels zerrt ihn zum Glück oft genug davon weg. Perfect match, die beiden.

SeminoleNBC-Crew. Sehen eigentlich alle so. Michaels und Collinsworth sind die informativsten von allen. Und die NBC-Übertragungen sind durch die Bank am besten gemacht.

Spiel des Jahres

korsakoff – Das Erlebnis des Jahres war sicherlich das Schneespiel Philadelphia gegen Detroit. Aber rein von der Spiel-Dramaturgie selbst könnte man andere Spiele vorn sehen. Wollen wir ein wichtiges Spiel, kann man das erste Patriots-Broncos Spiel oder die erste AFC-Wildcardpartie Colts vs Chiefs nennen. Will man ein Last-Second Highlight, könnte man Detroit-Dallas mit dem Stafford-Sneak nehmen. Will man aber die extremste Schlussphase, die es in den letzten Jahren in einem NFL-Spiel gegeben hat, muss man auf die Baltimore Ravens und Minnesota Vikings zurückgreifen, die sich im Dezember just am Tag des Blizzards von Philadelphia einen Schlagabtausch der ganz einzigartigen Sorte mit 5 Touchdowns in den letzten 125 Sekunden lieferten. Es war kein wichtiges Spiel. Aber es war vielleicht trotzdem das Spiel der Saison.

HerrmannColts 45, Chiefs 44. Das vermeintlich langweiligste Spiel der Playoffs wurde ein instant classic. Nach einem 28-Punkte-Rückstand zu Beginn des dritten Viertels spielten die Colts wilde Sau: perfekteste Pässe Andrew Lucks mit dem höchsten Schwierigkeitsgrad, der obligatorische strip sack von Robert Mathis und mehr als 200 Yards für T.Y. Hilton bestätigten schließlich auch das Gefühl, daß es eine recht unsichere 28-Punkte-Führung ist, falls es sowas gibt. Bob Sutton ließ seine Verteidigung nur noch mit eingezogenem Schwanz spielen und zu allem Unglück verletzten sich ca. 20 Spieler der Chiefs. Luck feilte weiter an seiner Legende und die Chiefs verpaßten dämlich und unglücklich die Chance auf den ersten Playoffsieg seit 20 Jahren.

SeminoleColts 39, Broncos 33. Kein Zweifel, die Broncos hätten das gewonnen, wäre das Spiel noch ein Viertel länger gewesen. Aber deswegen sind es Viertel und nicht Fünftel. Es war ein tolles und spannendes Spiel, in dem der neue Peyton (Andrew Luck) mit dem alten Peyton (dem echten Peyton) mithalten konnte und ihn nach Ergebnis sogar knapp besiegte.

Das All-korsakoff Team 2013/14

Heute Nacht (Kickoff 1h30 MEZ) findet die Pro Bowl statt, das Allstar-Spiel der NFL. Es ist eine Spaßveranstaltung ohne großen Wert, die aber für gewöhnlich trotz allem erstaunliche Ratings erzielt. Heuer gibt es ein neues Format: Nicht mehr AFC gegen NFC, sondern „Team Rice“ (Jerry Rice) gegen „Team Sanders“ (Deion Sanders). Die Kapitänswahl unter der Woche löste von den Reaktionen… naja. Lassen wir das. Man kann es sich anschauen, aber es sieht halt etwas gewöhnungsbedürftig aus.

Anstelle der Pro Bowl hat dieses Blog in den letzten Jahren an diesem Sonntag vor der Super Bowl stets das Sideline Reporter All-Pro Team gekürt. So auch diesmal. Und zur Feier des Tages wird heute im Laufe des Tages auch ein Leser ein All-Star sein – nämlich derjenige, der mit seinem Klick die Schallmauer zu einer Million knacken wird.


Diese Saison traue ich mir erstmals zu, mein eigenes All-Pro Team zusammenzustellen. Ich habe mir über die Jahre eine gewisse Art angewöhnt, dieses Spiel „American Football“ anzuschauen und zu betrachten. Es gibt für mich immer zwei Dimensionen: Den Augentest und die Zahlen. Der Augentest ist wichtig, aber der Augentest ist irreführend. Die Zahlen sind wichtig, aber die Zahlen, die wir zur Verfügung haben, können auch irreführend sein.

Football ist ein so komplizierter Sport, dass ich es für unmöglich halte, individuelle Leistung komplett isoliert zu betrachten – aber der Punkt ist: Das muss auch gar nicht geschehen. Im Job habe ich vor zwei Jahren mit einer Geschäftsleitungs-Mannschaft ein Bewertungs- und Belohnungssystem für unsere Firma ausgearbeitet, und meine persönliche Erkenntnis war: Ich kann mit gutem Gewissen sagen, dass unser Projektergebnis nahe am Optimum war. Trotzdem bin ich nun überzeugt, dass jede Individualbewertung nie völlig fair sein kann.

Zu oft wirst du von außen beeinflusst. Zu oft kriegst du auf den Deckel für etwas, das der Vorige im Prozess verbockt hat. Zu oft kriegt der nächste auf den Deckel für das, was du selbst verschlafen hast. So ist das in unserer Welt: Das Ergebnis zählt. Wir sind leider ergebnisorientiert, nicht prozessorientiert. Ein guter Mittelweg ist oft der beste Weg zur Bewertung.

Ähnlich ist das im Footballsport. Spieler bringen natürlich ihre Leistung, aber sie sind auch extrem abhängig von ihren Mitspielern. Sie sind auch extrem abhängig von ihren Coaches und den ihnen zugedachten Aufgaben. Dontari Poe in Kansas City ist das offensichtlichste Beispiel. Aber es gibt 32*53 Beispiele dafür. Trotzdem ist ein All-Pro Team irgendwo die Honorierung von 30-50 verdienten Spielern.

Ich habe über die Saison halbherzig ein Award-Rennen mit-getrackert, als Versuch eine Entwicklung mit zu protokollieren. Im Kopf hatte ich dabei vor allem ein eigenes All-Pro Team. Ich habe dieses Team in groben Zügen schon Anfang Dezember auf der Skipiste zusammengestellt. Es ist Ergebnis von dem, was ich gesehen habe, dem, was ich aus dem mir verfügbaren gigantischen Zahlen- und Statistikvolumen schließen kann, und dem, was ich – eben auf der Skipiste – in den einzelnen Folgen des Grantland NFL Podcasts (mit Bill Barnwell und Robert Mays) aufgeschnappt habe. Meine Ansicht vom Football ist von Barnwell und Mays nicht so weit entfernt.

Ich habe dieses Spiel nie selbst gespielt. Ich kenne die Details in einer Position nicht. Ich schaue in der Live-Übertragung und häufig auch in den montäglichen Abendsessionen mit 3-4 Condensed-Tapes vornehmlich immer noch zuerst auf den Ball, und nur vereinzelt auf Coverages. Das gebe ich mir manchmal im All-22 Tape, wenn die Zeit da ist.

Ich habe meine ästhetischen Präferenzen. Ich habe nach (grobe Schätzung) 100-150 kompletten Partien pro Saison in NFL und College mittlerweile ein gewisses Bild von diesem Sport im Kopf. Also: Mein erstes echtes All-Pro Team.

Offense

QUARTERBACK – Peyton Manning/DEN.

Peyton Manning ist vielleicht der Spieler der Saison. Er stellte den TD-Rekord auf, er wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zum NFL-MVP gewählt, zum fünften Mal in seiner Mega-Karriere. Ich lernte Peyton Manning über die Jahre immer mehr zu schätzen, wurde sein Fan, fiebere mittlerweile mit ihm mit. Aber ein Punkt ist auch: Manning ist nicht mehr der Werfer von vor 6-7 Jahren. Das sollte man von einem 38jährigen auch nicht erwarten. Quarterbacks leben zum großen Teil auch von ihrem Kopf, ihrer Intuition. Halbwegs gut werfen können sie alle.

Manning etwas besser als die meisten, aber er ist nicht mehr der beste von allen. Jeder Laie kann sehen, dass sein tiefer Ball nicht mehr Standard ist. Manning 2013 funktioniert auch, weil er großartige Skill-Player als Teamkollegen hat. Manning brauchte nie eine große Offense Line; die hat er auch 2013 nicht. Manning ist schlau genug, um aus sehr guten Receivern maximales Kapital zu schlagen. Deswegen knackte er im hohen Alter noch die Rekorde. Manning funktioniert, weil er noch exzellent genug ist und sein Umfeld großartig ist.

Ganz tief drin in meiner Herzkammer halte das, was San Diegos Philip Rivers dieses Jahr gespielt hat, für mindestens ebenso beeindruckend. Rivers ist der Mann, den ich ganz tief drin in meiner Herzkammer nominieren wollte, aber es war letztlich unmöglich, an Mannings Rekorden, seiner Dominanz in seiner eigenen Offense und dem generellen Erfolg, der für die Broncos damit einher ging, vorbeizuschauen. Honorable mentions: Rivers/SD.


RUNNING BACK – Jamaal Charles/KC und LeSean McCoy/PHI.

Jamaal Charles ist seit vielen Jahren mein Lieblings-Runningback. Ich liebe seine Art zu spielen. Sie hat etwas Anziehendes, einen Mix aus Explositität, Grazilität und Wucht. Es ist nicht Petersons Power oder die Beweglichkeit eines Barry Sanders, aber es ist ein Alaba im Vergleich zu einem Maicon oder Dani Alves. Charles war nicht bloß ein Teil der Chiefs-Offense 2013/14. Er war die Chiefs-Offense 2013/14.

Er machte in nur 262 Carries mal wieder erstaunliche 1306yds (5.0yds/Carry) und summierte dazu 70 Catches für 693yds zu insgesamt 19 Offensiv-Touchdowns. Das alles ohne gescheite Offense Line und ohne als alleinige Offense-Waffe. Es gibt nicht viele Runningbacks, denen man eine Offense in die Hand geben kann; Charles ist einer der wenigen.

Fast identische Stats, aber noch mehr Einfluss auf den Erfolg seiner Offense hatte Eagles-RB LeSean McCoy (335 Carries, 1684yds, 5.0yds/Carry, insgesamt 12 TD). McCoy hatte ich vor der Saison als größten boom or bust-Back der Liga bezeichnet und auf seinen Breakout gehofft für den Fall, dass die Eagles-OL funktioniert. Sie funktionierte relativ ordentlich – und die Löcher, die er bekam, nutzte McCoy für eine beeindruckende Saison. McCoy ist im freien Feld fast nicht zu erwischen (lt. PFF mit 57 missed tackles). Er hatte 26 Läufe über 15yds Distanz – das sind fast 8% der Spielzüge, ein wahnsinniger Wert.

Charles und McCoy sind fast nicht voneinander zu trennen. Der eine ist ästhetisch der größere Genuss, leidet aber unter einer limitierten Offense. Der andere ist weniger komplett, aber wenn die Rahmenbedingungen stimmen, kann er dich zerstören wie kaum ein anderer.

Honorables: Adrian Peterson/MIN, DeMarco Murray/DAL.


WIDE RECEIVER – Calvin Johnson/DET und A.J. Green/CIN

Calvin Johnson ist der Spieler, der heuer in nur 14 Einsätzen 1489yds und 12 Touchdowns erfing und in sensationellen 37% der Pässe tief angespielt wurde. Er hatte einige Probleme mit Verletzungen und den einen oder anderen unguten Drop, aber das ändert am Gesamtbild nichts: Johnson ist der beste Wide Receiver, den ich bisher gesehen habe. Er ist auf den kurzen und mittleren Routen eine Wucht und gleichzeitig das vermutlich beste deep threat in der Liga. Nimm Johnson in Hochform und Randy Moss in Hochform, und ich bringe dir das berechtigte Argument, dass Calvin der bessere, komplettere von beiden ist.

Ich habe eine Weile überlegt, was mit Josh Gordon (1646yds in nur 14 Spielen) anzufangen ist. Gordons Yards sind ein massives Argument, und er spielt mit unterdurchschnittlichen Quarterbacks in einer eher eindimensionalen Offense, aber wenn man genau hinschaut, sieht man bald Gordons Limits: Er wird von höherklassigen Cornerbacks schnell kaltgestellt und hat extreme Probleme gegen klassische „press coverage“ an der Anspiellinie. Und in der Folge ist er ein zu laxer „Route-Runner“ um diese besseren CBs doch noch abzuhängen.

Gordon spielt ein fantastisches Jahr, aber im Zweifelsfall gehe ich doch mit Cincinnatis A.J. Green, dem mittlerweile zweitbesten Receiver der Liga, der auch von den besten direkten Gegenspielern nicht aus dem Spiel zu nehmen ist, und die Bengals-Offense phasenweise im Alleingang am Leben hält. Green hatte auf dem Advanced-Stats Sheet nicht die überragendsten Werte, aber Green ist die treibende Kraft dahinter, dass die Bengals-Offense trotz eines limitierten QBs lebt: Irre 187 Anspiele für Green, davon 30% tief. Diese 17 Anspiele sind genau 30% aller Pässe, die die Bengals in diesem Jahr warfen, und sie waren die einzige downfield-Bedrohung der Bengals. Green fing unter diesem Gesichtspunkt atemberaubende 101 Pässe für 1460yds und 11 Touchdowns.

Honorables: Josh Gordon/CLE, Andre Johnson/HOU, Brandon Marshall/CHI, Antonio Brown/PIT.


TIGHT END – Vernon Davis/SF.

Jimmy Graham ist einer der wichtigsten Offensivspieler abseits des Quarterback-Position. Es gibt allerdings ein Problem mit seiner Positionsbezeichnung „Tight End“: Die verschlüsselt, dass Graham eigentlich ein verkappter Wide Receiver ist. Damit wird er in Vertragsverhandlungen billiger, aber das ist nicht der Punkt. Schau dir die Saints-Offense an und du wirst schnell sehen, dass Graham nur pro forma als TE gelistet ist. Die #80 nimmt die meisten Snaps von einer echten WR-Position. Blocken siehst du Graham nur halbherzig.

Das Blocking allein ist aber nicht mein Hauptargument, dass ich im letzten Drücker doch noch Vernon Davis vorgezogen habe. Davis ist der viel komplettere Spieler, und er ist auch die komplettere Waffe. Wo ein Graham zwar 1151yds und 14 TD gemacht hat, aber nur in 19% der Fälle tief angespielt wird, ist Davis auch als Passfänger der variablere Mann: 98 Anspiele diese Saison, 36% davon tief – bei einem Tight End. Davis machte 57 Catches für 904yds und 15 TD.

Vergleicht man die Passlastigkeit der Saints mit jener der 49ers, haben Davis und Graham jeweils 19% der Anspiele ihrer Offenses gesehen, aber Davis hat 24% der Yards seiner Pass-Offense gemacht, während Graham nur auf 20% kommt. Und Davis ist der bessere Blocker. Daher fällt die Wahl auf Davis. Honorables: Jimmy Graham/NO.


OFFENSIVE TACKLE – Joe Thomas/CLE und Tyron Smith/DAL

Offensive Line ist die Position, die ich noch nicht richtig raus habe. Ich habe noch zu wenig Verständnis um die Position en detail zu erfassen. Ich habe viel mit Metriken experimentiert, aber ich glaube, sie alle sind ungeeignet. Es ist a) fast unmöglich, einen einzelnen Offense Liner messbar von seinen Line-Kollegen zu isolieren und b) ebenso kaum möglich, eine gesamte Offense Line isoliert von den Skill-Players zu betrachten. Hier zählt der Augentest, und ich muss mich dabei an die beste verfügbare Quelle PFF.com anlehnen.

Joe Thomas gilt unisono als weiterhin bester Pass-Blocker – eine Eigenschaft, die für mich in der Checkliste für Offense Tackles die #1, #2, #3 und #4 der Prioritätenliste abdecken würde. Tyron Smith von den Cowboys gilt als ähnlich gut, und er beging heuer extrem wenige Strafen.


OFFENSIVE GUARD – Logan Mankins/NE und Larry Warford/DET

PFF-Liebling ist Evan Mathis von den Eagles. Ehrlicherweise kann ich nicht 100%ig nachvollziehen, warum PFF Mathis so hoch und so weit über allen anderen einstuft. Ich würde zwei andere vorziehen: Mankins von den Patriots, weil er erstens vielseitig ist und zweitens einer der Motoren dafür, dass das Patriots-Laufspiel so häufig reibungslos über die Mitte und halblinke Seite funktioniert.

Und den Lions-Rookie Warford. Das mag Homer-Fanboy sein. Auf der anderen Seite ist das Lions-Laufspiel dieses Jahr phasenweise aufgeblüht wie nie, und mehr: Warford gilt als kompletter Spieler. Er hat im Pass-Blocking nicht einen einzigen Sack aufgegeben, und das in der passlastigsten Offense der NFL! Und er hat nur winzige vier Strafen begangen. Vier. Für einen Rookie. In einer monströsen Pass-Offense. Klar, die Shotgun-Formationen helfen, aber Warford muss ein wichtiger Grund gewesen sein, dass die Offense Line der Detroit Lions – jahrelang ein so großes Problem – plötzlich richtig akzeptabel aussieht.


CENTER – Alex Mack/CLE.

Bezeichnend, dass wir hier den zweiten bzw. dritten Browns-Spieler in der Offense andiskutieren. Diese Mannschaft hat so gutes Potenzial, dass es immer noch frappierend ist, wie das Front-Office abgekackt hat. Die Browns sind einzig einen QB von der Relevanz entfernt… Äh, wir waren doch beim Center?

Ich habe etliche Browns-Spiele 2013/14 gesehen, und die Offense Line ist eine Wucht, die allenfalls auf der rechten Seite Verbesserungspotenzial hat. Mack ist der Center, und er ist ein kompletter Spieler. Alle sagen ihm nach, keine großen Schwächen zu haben, und er begeht keine Strafen: Nur deren drei in dieser Saison. Das reicht, um den hoch gelobten Eagles-Center Kelce zu verdrängen. Kelce hatte wie seine ganze Offense Line heuer in einem Heimspiel gegen die Cowboys (oder Giants?) ein Spiel, das beim Zuschauen weh tat, so sehr wurde die Offense Line der Eagles zerbröselt.

Defense

Die Defense ist immer etwas kompliziert zu erfassen, weil es relativ viele verschiedene Positionen und Spielweisen gibt. Weil Coaches oft weniger zwischen Tackle/End/Linebacker unterscheiden, sondern mehr die Denke der Techs und Gaps haben. Oft fallen die Playmaker mehr auf als die grundsoliden Arbeiter. Niemand kann sich davon lösen, weil es relativ wenige Metriken gibt, die Leistungen objektiv zu messen. Ich gehe daher mit einer Einteilung, die sich langsam als eine Art generelle Klassifizierung für die Defensive-Front durchgesetzt hat: DE/Edge rusher (wozu auch OLBs gehören können), Defensive Interior (klassische 4-3 DT, aber auch teilweise 3-4 DE), und Nose Tackle (der klassische Nose Tackle).


DE / EDGE RUSHER – Robert Quinn/STL und Robert Mathis/IND

Die beiden Roberts. Quinn von den Rams war dabei der durchaus auffälligere, und er war der Mann, der die still, heimlich und leise richtig dominante Rams-Defense Line definiert. Quinn ist erst in seinem dritten Jahr, und es war mit 19 Sacks sein Durchbruch, aber er ist nicht allein auf die Sacks beschränkt: 91 QB-Disruptions sind der beste Wert in der NFL. Es ist auch Quinns Ästhetik, die beeindruckt: Der Mann überwältigt seine Gegner nicht mit roher Gewalt, sondern mit atemberaubender Geschwindigkeit. Er ist schlicht zu schnell für gegnerische Offense Tackles.

Er ist zwar größer und schlaksiger, aber es hat was von Dwight Freeney-esk, der pro Spiel fünfmal unter seinem Gegner durchspringt. Das einzige, das man Quinn noch vorwirft: Er soll noch nicht die große Konstanz vor dem Herrn haben und ähnlich wie ein Josh Gordon gegen die absolute Gegenspieler-Elite noch zu oft untertauchen. Bei Quinn gibt es keinen AJ Green, den man zwingenderweise vorwählen muss.

Mathis von den Colts hatte 19.5 Sacks und gewann die NFL Sack-Krone 2013/14, aber nach PFF „nur“ 61 QB-Pressures, aber weil Mathis so viele Snaps spielte, ist die Zahl im Vergleich zu manch anderem Passrusher ganz leicht irreführend. Nach PFF war Mathis nicht konstant genug. Ich hätte einen Hardy (Panthers) oder Hali (Chiefs) fast vorgezogen, aber dann erinnert man sich wieder dran, mit welchen Mitspielern die beiden anderen zusammenspielen und mit welchen Mathis (Mathis hatte fast die Hälfte der Colts-Sacks plus 8 Forced-Fumbles und einen Safety). Insofern: Guter Job von Mathis, Wahl ins All-Pro gerechfertigt.

Honorables: Tamba Hali/KC, Greg Hardy/CAR.


DEFENSIVE INTERIOR – J.J. Watt/HOU und Gerald McCoy/TB

Gerald McCoy war einer der drei Hauptgründe, weswegen ich die Buccs berüchtigterweise vor der Saison als Superbowl-Kaliber eingestuft hatte. Während das Gesamtgerüst – allen voran der Trainerstab – versagte, und auch die Defense Line als Gesamtwerk nicht wirklich überzeugte, war McCoy mal wieder eine Wucht. Schau dir McCoy an: Das ist der legitime Nachfolger eines Warren Sapp, nur kompletter. Lt. PFF hatte er 80 QB-Pressures, ein Wahnsinnswert für einen Defensive Tackle.

Freilich hatte ein Defensive-Interior Mann mehr: Watt. Der versauerte heuer in einer 2-14 Mannschaft, aber er vergammelte nicht. Watt hatte immer noch 11 Sacks und 6 Pass-Deflections und über 80 QB-Pressures. Man muss nur zuschauen, wie Watt spielt: Er ist der Clowney der NFL: Der Gegner konzipiert seinen GamePlan von ihm weg – ein größeres Kompliment kannst du einem Spieler nicht machen. Wir werden morgen sehen, ob man Watt den DPOY-Award 2013/14 geben muss, aber es dürfte außer Frage stehen, dass er der insgesamt beste Abwehrspieler der heutigen NFL ist.

Die Alternativen sind keine schlechten: Suh ist mittlerweile auch einer dieser kompletten Spieler geworden. Campbell aus Arizona sollte uns mittlerweile bekannt sein. Ein Titans-DT Casey ist völlig unbekannt, aber er ist die Einmann-Abrissbirne einer kompletten Defense. Leute wie Fairley oder Dareus sollte man auch niemals vergessen.

Honorables: Calais Campbell/ARI, Ndamukong Suh/DET.


NOSE TACKLE – Dontari Poe/KC.

Poe war ein ernsthafter MVP-Kandidat in der ersten Saisonhälfte, als er wirklich zu den dominantesten Abwehrspielern dieser Saison gehörte. Poe ist eine eindrucksvolle Erscheinung: So fett wie ein Nose Tackle der Güteklasse Ted Washington, aber für einen so massigen Körper erstaunlich beweglich. Er spielte nicht nur auf Nose Tackle, aber dort war er am besten: Das All-22 Tape zeigt, wie Poe dort meistens zwei Mann im Alleingang beschäftigte. In den Playoffs gegen die Colts hatte er eine bombenstarke Performance und zwang Andrew Luck immer und immer wieder zu herausragenden Plays. Poe gilt als einer der besten gegen den Lauf und verzeichnete gleichzeitig 36 QB-Pressures im Passrush – als überwiegender Nose Tackle. Ach, und: Poe beendete eben sein zweites Jahr als Profi.


LINEBACKERS – Lavonte David/TB, Justin Houston/KC und Luke Kuechly/CAR

Ist es Cheating, Justin Houston als Linebacker und nicht als “Edge Rusher” aufzuführen? Ich glaube nein. Ich brauchte einen Platz für einen der überragenden Spieler des Jahres, und Houston hatte in der ersten Saisonhälfte, als er noch fit war, Anflüge vom komplettesten Linebacker der NFL, Von Miller. Houston ist nicht das Passrush-Kaliber seines LB-Kollegen Hali, aber er ist kompletter und ist nach Advanced-Metrics sowohl als Passrusher wie auch als Lauf-Verteidiger in den Top-5 klassiert – obwohl er über fünf Spiele verletzt verpasste!

David ist technisch gesehen auch ein Outside Linebacker wie Houston, allerdings in einer 4-3 Defense – eine Position, die viele Jahre lang als eine Lauf-Position mit gelegentlichen Deckungsaufgaben gegen hüftsteife Tight Ends bedacht war. Mit Leuten wie Miller, Burfict oder eben David scheint sich das zu ändern. Während Miller mehr der Mann mit viel Zug ist, Burfict eine Art Supersprinter für Linebacker-Verhältnisse, hat David etwas Elegantes in seinem Spiel, etwas Fluides, das sich nicht von einem downfield blockenden Offense Guard aus der Bahn bringen lässt.

David wird sein sturzdummes Foul gegen Geno Smith im Season-Opener mit sich rumschleppen bis er den Superbowl gewonnen hat, aber das ändert nix dran, dass am Hype um ihn vieles dran ist: 53 negative Plays gingen auf Davids Kappe, was für einen 4-3 OLB unerhört ist.

Schließlich Kuechly als der neue Schlag Inside-Linebacker, die niemals das Spielfeld verlassen, und seien fünf Wideouts auf dem Feld. Kuechly sieht nicht aus wie ein klassischer NFL-Linebacker, vor allem nicht, wenn er als kleines, weißes Männlein mit Brille auf den Nasenflügeln über die Straßen von Charlotte wandert, aber auf dem NFL-Feld gibt es nur wenige Spieler, die so instinktiv das richtige machen, wenn der Ball gesnappt wird. Schau All-22 und Kuechly ist überall.

Eine Performance mit über 20 Tackles (Solo + Assists) gegen die Saints in Woche 16 hat mittlerweile einen kleinen Legendenstatus, wie auch die Tatsache, dass er der Mann war, dem die Panthers zutrauten, den TE-Überflieger Gronkowski im entscheidenden Play gegen die Patriots abzudecken. Das zeigt schon Kuechlys Vielfalt. Sein Jahresabschluss mit rund 165 Tackles, 2 Sacks und 4 INTs liest sich als wäre da noch nicht alles inkludiert, was ihn so groß macht.

Honorables: Patrick Willis/SF, Navorro Bowman/SF, Vontaze Burfict/CIN


CORNERBACKS – Richard Sherman/SEA und Patrick Peterson/ARI

Ich habe mir in der Offseason im Zuge der GFWTC mal ein bisschen Zeit genommen um Cornerbacks zu studieren und kam damals für mich zum Schluss, dass Darrelle Revis auf seiner Position in einer eigenen Liga spielt. Revis hatte 2013/14 trotz angeblich völlig falscher Einsatzweise (der Manndeckungs-Spezialist soll in Tampa in einer Cover-2 Raumdeckung verbrannt worden sein) ein zumindest auf dem Stat-Sheet sehr gutes Jahr: Nur 34 Catches für 402yds in 63 Anspielen aufgegeben.

Revis dürfte also weiterhin minimum einer der zwei oder drei besten Cornerbacks in der NFL sein – und jetzt kriegt er mit Lovie Smith einen neuen Spezialisten als Head Coach; Lovie wird ihn mit Bestimmtheit trotz seiner Cover-2 Affinität nicht in schlechte Schemen pressen.

Aber rein in der Saison 2013/14 gab es markantere Cornerbacks. Patrick Peterson ist sowas wie der neue Revis: In Arizona wird er in 100/100 Snaps auf den #1-Receiver des Gegners abgestellt, was ansonsten nichtmal mehr bei Revis der Fall ist. Peterson galt in den letzten Jahren oft als leicht überschätzt, weil sein größter Einfluss als Return-Spezialist kam, aber: Nein. Peterson ist schon ein sensationeller Cornerback.

Die Cardinals-Passdefense war nicht umsonst kaum zu bezwingen obwohl sie personell rundum neu besetzt ist und mit neuem DefCoord spielte. Peterson stellte mal im Oktober oder November den Texans-WR Andre Johnson komplett kalt. Er wurde zwar von den Titans in einer leicht freakigen Schlussphase abgeschossen, aber all in all dürfte Peterson mittlerweile den Hype wert sein: Die Cards können ihre Defensivstrategie nur durchziehen, weil Peterson so gut geworden ist.

Bleibt The Thug: Ich weiß nicht, ob Richard Sherman der beste Cornerback der Liga ist, aber er ist auf alle Fälle in der Diskussion. Sherman ist das Gesicht des besten Teams der Liga geworden, und als Spieler hatte er nun zweimal je 8 INTs in den letzten beiden Jahren. Er gilt als kaum bezwingbar an der Anspiellinie, weil er mit einer Härte zu Werk geht, dass es fast jeden gegnerischen Wide Receiver einschüchtert. Und er war im Conference Finale verantwortlich für den Spielzug des Jahres.

Bei den Slot-CBs hätte man im Jahr, in dem der beste von allen, Casey Hayward ausgefallen ist, Chris Harris nominieren können. Oder den Honey Badger. Kannste eh nehmen, wenn du willst.

Honorables: Darrelle Revis/TB, Aqib Talib/NE, Chris Harris/DEN.


SAFETYS – Earl Thomas/SEA und Eric Berry/KC

Thomas dürfte ziemlich unumstritten der beste Safety in der Liga sein. Thomas ist möglicherweise gemeinsam mit Watt, Miller und Revis der beste Abwehrspieler in der NFL. Wenn man sich die Legion of Boom im All-22 Tape ansieht, dann sieht man natürlich den bockstarken Sherman und den Hard-Hitter Chancellor, aber ganz ehrlich: Der Motor hinter dem Funktionieren dieser Seahawks-Secondary ist Thomas. Man kann sich an einigen missed plays bei ihm aufhängen, so wie man sich an einigen „Fehlern“ bei Ed Reed aufhängen konnte. Aber Fakt ist: Allein, weil Thomas wie Reed Play für Play so viel Spielfeld beackern können bzw. konnten, kannst du als Coach so eine Abwehr überhaupt spielen. Dass bei solcher Spielweise ein paar Plays in die Hosen gehen, liegt in der Natur der Sache.

Als Strong-Safety würde ich die Fifth Dimension, Eric Berry von Kansas City, nominieren. Ward von den Browns ist ein famoser Tackler, Chancellor ist vielleicht der härtere Spieler, aber Berry ist von seiner Spielweise her vielleicht ein etwas langsamerer Thomas mit mehr Physis. Die Chiefs stellten ihn häufig als eine Art verkappten Linebacker in die „Box“ an der Anspiellinie und ließen ihn dann entweder blitzen, den Lauf verteidigen oder die Tight Ends abdecken.

Berry hat nach PFF auch bemerkenswerte Statistiken: Kein Safety wurde häufiger angespielt, aber er sah nur die 19t-meisten Yards gegen sich. Berry hatte nach PFF 37 negative (also für die Offense negative) Plays (#2 unter Safetys hinter Ward) und gleichzeitig 17 QB-Pressures als Blitzer. Nuff said.

Honorables: Devin McCourty/NE, T.J. Ward/CLE

Special Teams

KICKER – Justin Tucker/BAL.

Das speichelproduzierende 61yds-Fieldgoal gegen die Lions war das eine. Das andere: Ein Kicker war Baltimores größte Offense-Waffe des Jahres. Damit ist alles gesagt.

PUNTER – Johnny Hecker/STL

Einen Punter allein zu bewerten ist vielleicht etwas unfair, aber Fakt ist: Die Rams haben dieses Jahr bei 78 Hecker-Punts 79 (!) Return-Yards aufgegeben. Heckers durchschnittliche Punts resultierten also in 44.2 Nettoyards pro Punt.

RETURNER – Cordarrelle Patterson/MIN

Patterson hatte heuer 43 Kickreturns für einen Schnitt von 32.4 Yards – fast zwei Yards besser als der nächstbeste Returner. Plus zwei sehr spektakuläre Return-Touchdowns. Ein Returner gewinnt oder versaut dir nicht die Saison, aber Patterson hielt in seiner Rookie-Saison zumindest als Returner das, was man sich von ihm versprochen hatte.