NFL-Bazar 2011: Defensive Backfield

Letzter Teil des Quadrupelheaders zur Free Agency: Die Deckungsspieler.

Cornerbacks

Vielleicht die bestbesetzte Position in der Free Agency – und wenn man sich mal vor Augen führt, wie schwer Teams auf der Suche nach ordentlichen Pass-Abwehrspielern sind, können sich grad einige dieser Männer bereits auf viel Sahne freuen.

Über Oaklands CB Nnamdi Asomugha zerreißen sich die meisten das Maul. Alle Statistiken weisen darauf hin, dass fast alle gegnerischen Offenses schon gar nicht mehr in Betracht ziehen, gezielt auf Asomughas Gegenspieler zu werfen. Das geht so weit, dass man mit etwas Humor behaupten könnte, Asomugha sei ein Segen für gegnerische (vor allem junge) Quarterbacks, da es das Lesen von Defenses erleichtere: Anstelle von vier Anspielstationen und vier möglichen Fehlerquellen nur mehr drei.

Asomughas Dilemma: Er möchte nach Jahren des Siechtums in Oakland endlich zu einem Titelkandidaten, wogegen er in wenig attraktiven Teams wie Buffalo oder Jacksonville aufgrund des Salary Cap Floors doppelt und dreifaches Geld einstreichen könnte. Als Favorit gilt derzeit Philadelphia, wobei ich es zu gerne sehen würde, wie Belichick/Brady gegen eine Secondary mit Revis/Asomugha auftreten würden – was angesichts der hohen Payroll in New York allerdings unwahrscheinlich scheint.

Zweitgrößter Name: Antonio Cromartie, teurer Jets-CB und seit Menschengedenken von einer speziellen Aura umgeben. Woher die kommt? Vielleicht, weil Cromartie einst bei Florida State spielte und dann in den Anfangsjahren in der NFL als meisterhafter Interceptor (oder so) glänzte. Mittlerweile mehr im Rampenlicht durch seine kuriose familiäre Situation (hat sieben Kinder von sechs Frauen in sechs Bundesstaaten) und durch spektakuläre Big Plays, von ihm oder gegen ihn. Asante Samuels reloaded, sozusagen. Dritter im Bunde: Jonathan Joseph, Cincinnatis starker, aber sehr verletzungsanfälliger Deckungsspieler. Joseph sollte in Cincinnati bleiben.

In der AFC North sind noch drei weitere Cornerbacks Free Agents: Die beiden Ravens Josh Wilson und Chris Carr – beide noch recht jung – und Steelers-CB Ike Taylor, der laut eines Schreiberlings in Pittsburgh ein „deutlich“ besserer Spieler als Asomugha ist. Taylor würgte in den Playoffs nacheinander Boldin und Holmes ab.

Paar weitere Namen: Atlantas Brent Grimes und Kansas Citys Brandon Carr – und beide haben mit rasanten Entwicklungssprüngen zuletzt auf sich aufmerksam gemacht. Beide sollten in ihren jeweiligen Mannschaften bleiben dürfen/müssen – beide sind RFAs.

Dazu kommt der Sprintertyp Philip Buchanon, der immer noch über einen guten Ruf verfügt – warum auch immer. Am Montag durfte man beobachten, wie Buchanon vor Jahren im MNF-Spiel gegen Oakland aufs Übelste verdroschen wurde – das war 2003 und Buchanon war damals grad eineinhalb Jahre in der NFL.

Safetys

Den Namen nach konkurrieren die Safetys mit den Cornerbacks um die beste „Free Agent Position“. Top-Mann ist mit Sicherheit Philadelphias Quintin Mikell, der nicht jünger wird (mittlerweile 30), aber in der abgelaufenen Saison lt. PFF einsame Spitze war und sämtliche Positionskonkurrenten in Grund und Boden gespielt hat. Die Eagles waren in jüngerer Vergangenheit recht schmerzlos im Umgang im älteren Spielern – ich halte es für nicht ausgeschlossen, dass Mikell abwandern wird.

Roman Harper hat ein anderes Problem: Seine Vorstellung gegen die Seahawks in den Playoffs war so unterirdisch, dass man sich wunderte, wie der Mann noch in der Halbzeit auf der Payroll stehen konnte. Darf ansonsten als souveräner Safety durchgehen. Wie auch Oakland Michael Huff, der immer noch darunter leidet, als draft reach zu gelten – ein Problem, das genauso auf Buffalos Donte Whitner zutrifft.

Baltimore hat erstaunlich viele potenzielle Free Agents – auch bei den Safetys ist ein Mann dabei: Dawan Landry. Mit dem ständig schwebenden Damokles-Schwert namens „Ed Reeds Rücktritt“ im Hinterkopf könnte Landrys Weiterverpflichtung für die Ravens zur Pflichtaufgabe werden.

Weitere bekannte Namen: Eric Weddle (San Diego), Danieal Manning (Chicago) und Gerald Sensabough (Dallas) – alles interessante Namen in einer Liga, die nicht gerade Safetys im Überfluss zu bieten hat. Bei Weddle könnte erschwerend hinzu kommen, dass die Chargers im März die wandelnde Verletzung Bob Sanders eingekauft haben. Sanders galt noch vor kurzem als potenziell ligaweit bester auf seiner Position.

NFL-Bazar 2011: Defensive Front Seven

Nach der Offense wird heute und morgen die Defense in der Free Agency kurz vorgestellt.

Defensive Tackles

Ich verweise noch einmal auf den Eintrag vom März – einige (Rogers, Stroudt) haben mittlerweile neue Teams gefunden. Dazu kommt noch Pat Williams, dessen Größe sich vor allem zahlenmäßig in Minnesotas Lauf-Defense wiederschläft. Diese Statistik dürfte Stammlesern mittlerweile hinreichend bekannt sein, aber sie ist einfach frappierend – es ist die Lauf-Defense der Minnesota Vikings (yds/carry):

2003 4,9yds/Lauf
2004 4,6yds/Lauf
2005 4,0yds/Lauf (erstes Jahr mit Pat Williams)
2006 2,8yds/Lauf
2007 3,1yds/Lauf
2008 3,3yds/Lauf
2009 3,9yds/Lauf
2010 3,9yds/Lauf

Bekannt ist auch der Name von John Henderson, einstiger Pro Bowler in Jacksonville und zuletzt in Oakland integraler Bestandteil einer Würfegriff-Defense. Sein Wert dürfte durch zahlreiche Verletzungsprobleme um einiges geschmälert werden. Ganz interessanter Mann: San Franciscos Aubrayo Franklin, bei dem ich geneigt war von „jüngerer Generation“ zu schreiben, der aber tatsächlich schon Ü30 ist – und trotzdem einen massiven Vertrag kassieren dürfte. Franklins Wert ist in keiner Statistik ablesbar, aber der Ruf des „two-gap“ NT dürfte Millionen wert sein. „Two gap“ heißt: Spielt nicht bloß 1-gegen-1 gegen den Center, sondern kriegt auch Zugriff auf den Running Back.

„Jüngere Generation“ ist korrekt für Seattles Brandon Mebane. Ein völlig unbekannter Name, der sich aufgrund der konstant hohen Wertschätzung bei Pro Football Focus aus der grauen Masse heraushebt.

In Sachen Trades kann ich mir einen Albert Haynesworth vorstellen.

Defensive Ends

Zwei Namen stechen sofort heraus: Ray Edwards (Minnesota) und Charles Johnson (Carolina), die eines einst: Sie standen lange Zeit im Schatten anderer (Allen, Peppers), sind beide noch jung (26 respektive 25 Jahre alt) und beide schwer zu blockende Pass Rusher auf dem aufsteigenden Ast. Bei Edwards geht man von einem Mannschaftswechsel aus, aber bei beiden gilt: Der neue Vertrag wird richtig schwer. Aufsteigender Ast gilt auch für Cliff Avril (Detroit), der aber RFA-Status genießt und somit recht sicher bleiben wird.

Eher auf dem absteigenden Ast sind die beiden Jets Shaun Ellis und Trevor Pryce, beide Mittdreißiger. Sie sollen dem Vernehmen nach tatsächlich N.Y. verlassen (müssen), aber irgendwo sorge ich mich dann doch um die nötige Kadertiefe bei den Jets.

Alteisen gilt auch für die Ends Raheem Brock, Cullen Jenkins und Jason Babin, die alle seit Jahren mehr oder weniger konstante Leistungsträger für diverse Teams waren und alle Varianten von Defenses gesehen haben, von 3-4 bis 4-3 und wieder zurück.

Linebackers – Olbs und Sams, Ilbs und Mikes

Haufenweise bekannte Namen, die man nicht so recht einschätzen kann. Steve Tulloch von den Titans ist nicht nur jung (26), sondern mit fünf Saisons auch schon recht erfahren – gegen ihn spricht seine breakout season 2010/11, zufällig genau in dem Jahr, vor dem sein Vertrag auslief. Solche Spieler tendieren oft dazu, nach dem Kassieren der big bucks wieder auf Normalmaß gestutzt zu werden.

Jung, dynamisch und variabel sind auch Paul Poluszny (Bills), Quincy Black (Buccs), James Anderson (Panthers) und Justin Durant (Jags). Bei Anderson spielt der Zusatzfaktor Thomas Davis mit, der ebenso FA ist und von einer Kreuzbandverletzung zurückkehrt.

Von der älteren Garde sind Akin Ayodele (Bills), der ewige Runningback-Schreck Takeo Spikes (49ers), Mike Peterson (Falcons) und Dhani Jones (Bengals) vertragslos. Spikes sollte auf alle Fälle bleiben.

NFL-Bazar 2011: Offense minus Quarterbacks

Nach den Quarterbacks am Dienstag heute ein Blick auf potenziell wechselnde Offensivspieler abseits der QBs.

Running Backs

Die zwei Top-Backs sind Ahmad Bradshaw (Giants) und Carolinas DeAngelo Williams. Beide hatten ihre glanzvollen Momente und beide gelten als Verletzungsrisiko. Beide sind in ihren alten Teams insofern entbehrlich, als dass es starke Ersatzleute gibt, aber bei beiden kann ich mehr schwer vorstellen, dass man sie einfach so ziehen lässt.

In Sachen „große Namen“ ist noch Miamis Duo Ricky Williams/Ronnie Brown zu nennen, die beide kein Team mehr im Alleingang tragen können und mittlerweile seit Jahren immer ausgebrannter wirken – wer jedoch gute Ergänzungsspieler braucht, dürfte ein Auge drauf werfen. Dazu kommt Joseph Addai, der ebenso verletzungsgeplagt ist und eine ganz schwache Saison spielte. Das ABER steckt im Kader der Colts: Möchte man tatsächlich auf eine Combo „Rookie & Donald Brown“ vertrauen? Schwer vorstellbar.

Die Role Players werden angeführt vom Liliputaner-RB/WR/KR Darren Sproles, der zu den fangstärkeren Backs gehört und vor allem bei 3rd downs und als Returner eingesetzt wird. Kann mir vorstellen, dass Sproles einen schönen Vertrag in einem Team mit geringem Gehaltsbudget bekommt. Dito Brandon Jackson, der in Green Bay vor allem als 3rd down-Back gefiel, aber spätestens nach Alex Greens Einberufung als abgesägt gelten darf. Zwei große Namen als Role Players: Der bärenstarke Blocker Clinton Portis und der rapide absteigende Brian Westbrook. Dark horse dürfte BenJarvus Green-Ellis sein, der seit einem halben Jahrzehnt nicht mehr gefumbelt hat, aber dessen Yardage dem System in New England zugeschrieben wird.

Cedric Benson (Bengals) und Cadillac Williams (Buccs) sehe ich bei ihrem Teams bleibend.

Und dann wäre da noch Tiki Barber, der ehemalige Giants-Back, der 2007 dem Football Goodbye gesagt hat, um im TV Eli Manning zu verspotten. Barber ist nach Depression, geschiedener Ehe und diversen Skandälchen pleite und zieht ernsthaft in Erwägung, wieder NFL zu spielen.

Bei den Fullbacks ragt Vontae Leach heraus, der in der NFL-Wahl sensationell Platz #65 belegte und als Sensations-Blocker für den kometenhaften Aufstieg von Arian Foster gilt. LeRon McClain (Ravens) dürfte in Baltimore weiterhin gebraucht werden, und dass die Packers John Kuhn gehen lassen, käme einer Überraschung gleich.

Wide Receivers & Tight Ends

Drei alternde Diven zu Beginn: Terrell Owens/Chad 85*, deren Zicken in Cincinnati gepflegt auf den Sack gingen und die auf der Stelle rausgeschmissen gehören, und Randy Moss, dessen einzigartige Saison 2010/11 nichts als Baffheit hinterließ. Bei allen dreien darf man davon ausgehen, dass sie irgendeinen passenden Ort finden, und zumindest bei ersteren beiden von weiteren Egomanitäten. Moss traue ich durchaus noch einmal einen großen Wurf zu – der gefährlichste Receiver der letzten 10 Jahre kann ganz einfach nicht so abtreten.

Beachtenswert ist die Situation in New York, wo mit Braylon Edwards und Santonio Holmes zwei teure Männer vertragslos sind – beide hatten ihre Momente im letzten Jahr, beide hatten ihre off field issues in den letzten Jahren, und beide werden abkassieren wollen. Holmes dürfte bei den Jets aufgrund seiner Vielseitigkeit favorisiert sein. Dazu X-Faktor Brad Smith, dessen Zukunft selbiges ist: Ein X-Faktor. Auf der „blauen“ Seite im Big Apple stechen der vielseitige Steve Smith und der Gefängnis-Rückkehrer Plaxico Burress heraus. Burress dürfte irgendwo außerhalb New Yorks seinen Platz finden und in einem Jahr entweder als hoffnungsloser Fall gebrandmarkt oder als Paulus vor dem Herrn gefeiert werden.

2x Receivers der Güteklasse „add to the mix“ mit San Diegos Malcolm Floyd und New Orleans‘ Lance Moore, die beide haufenweise Yards als #3 oder #4 machten, 1x Deep Threat und poetische Veranlagung mit Arizonas Steve Breaston und 1x sagenhafte Unkonstanz mit Jacksonvilles Mike Sims-Walker: Alles Männer, die ihren Wert bei entsprechender Einbindung im Playbook bereits unter Beweis gestellt haben.

Star der Free Agency bei den Wide Receivers dürfte Minnesotas Sidney Rice sein, der von seiner starken 2009/10er Saison zehrt und im vergangenen Herbst schmerzlich in der Vikings-Offense vermisst wurde. Rice ist ein Riese und Rice ist pfeilschnell. Hat ein büsschen was von Randy Moss.

Fraglich, was mit Baltimores T.J. Houshmanzadeh passiert: Solider, unspektakulärer Mann, aber die letzten beiden Jahre waren schwach.

Nicht Free Agent, aber auf dem Tauschmarkt dürfte Carolinas Steve Smith sein, der zuletzt nur durch Bocklosigkeit glänzte – etwas, das ich vom good guy Smith nicht erwartet hätte. Während ich Smith als Menschen einschätze, der den Panthers treu bleiben und gerne mit dem potenziellen Superstar Cam Newton zusammenspielen würde, muss man Smith auch zugestehen, im Herbst seiner Karriere noch einmal irgendwo um einen Titel mitspielen zu können. Außerdem braucht Carolina Draftpicks allernorts.

*Auch 85 ist kein offizieller FA, darf aber laufen unter „ausgeschissen in Cincinnati“.

Mit ein bissl Fantasie kann ich mir auch vorstellen, dass man in San Francisco schön langsam genug hat von Michael Crabtrees Flauseln. Crabtree hat einen großen Vertrag, brachte aber bisher wenig und ist zuletzt durch Veralberung seiner Quarterbacks aufgefallen.

Bester Tight End ohne Vertrag ist IMHO Oaklands Zach Miller, der recht geschliffen und mit 25 Jahren noch sehr jung ist. In Sachen „Oakland und Front Office“ weiß man nie so genau und Miller galt als „Cable Guy“ – Fortgang nicht ausgeschlossen. Kevin Boss (Giants) fiel zuletzt durch serienweise Dropps auf – Boss ist aber ebenso noch jung und gilt als sehr, sehr guter Blocker. Dritter interessanter Mann ist Ben Patrick (Arizona), der noch immer von seinem spektakulären Superbowl-Touchdown zehrt.

Offensive Line

Die Offensive Line ist vor allem in Atlanta ein Sorgenkind, weil mehr als die Hälfte der Blocker vertragslos ist. RT Tyson Clabo sollte einen neuen Kontrakt kriegen. Weitere Right Tackles: Willie Colon (PIT), Sean Locklear (SEA) und Ryan Harris (DEN). Die „wichtige“ Seite, die linke, wird vom größten Namen Matt Light angeführt. Lights Situation ist recht offen, da mit Nate Solder ein Rohdiamant gedraftet wurde und mit Sebastian Vollmer ein Mann im Kader steht, den viele als optimalen Left Tackle ansehen. Sehr gute Karten auf einen teuren Vertrag dürfte Baltimores Jared Gaither besitzen, dessen Alter (25) noch zart ist, der aber anfällig gegen Strafen und lange Nächte ist. Interessanter Mann ist auch Jermon Bushrod (Saints), dem man einen ganz schwachen Herbst 2010 nachsagt.

Eigentlich ein Guard, aber 2010/11 ebenso brillant als Tackle, ist Baltimores „anderer“ Offensive Liner, Marshal Yanda, dem PFF zugute hält, ganze 5x (!!) im gesamten Jahr einen Pass Rusher gen Quarterback durchgelassen zu haben. Zero sacks. Yanda ist mit 26 auch noch blutjung. Nur RFA (restricted free agent) ist Carl Nicks von den Saints, der kotzen dürfte, da ihm dadurch wohl ein paar Dutzend Millionen Dollar verloren gehen. Dazu zweimal Guards aus Atlanta.

Ein großer Name ist jener von Robert Gallery, dessen Abgang aus Oakland beschlossene Sache ist. Gallery lebt immer noch von seiner Reputation aus dem College, galt einst als 100%iger Probowl-Left Tackle, floppte grandios und wurde zu einem anständigen, nicht großartigen, Guard umgeschult.

Mit Casey Wiegmann (Chiefs) und Olin Kreutz (Bears) sind zwei Center zu haben (oder auch nicht), deren Karrieren schon in den 90ern begonnen haben und die schon ewig zum alten Eisen gehören, sich aber immer durchgewürgt haben. Beide dürften allerdings neue Kurzzeitverträge im eigenen Team bekommen.