Der verbale Combine-Nachklapp: Die Offense

Die NFL-Combine 2014 ist Geschichte, und es gibt viel zu erzählen – zumindest für die Betreiber vom Scouting-Blog Der Draft, Roman John (maschemist) und Christian Schimmel (koblenzer), die in ihrem 77-minütigen Draftcast #14 die Geschehnisse der Offensiv-Positionen (Combine am Samstag und Sonntag) aufgearbeitet haben und erste Bewertungen der Leistungen und Nicht-Leistungen abgegeben. Ein durchaus detailliertes Stimmungsbild von einer nicht immer unumstrittenen Veranstaltung mit nicht gänzlich unumstrittener ARD-like verquatschter Übertragung durch das NFL Network. Der Direktlink führt straight in den Podcast hinein.

Für morgen ist das Erscheinen des nächsten Draftcasts angekündigt; dann soll es um die Defense-Positionen gehen, die mit Front-Seven am Montag und Secondary am gestrigen Dienstag dran waren.

Safetys vor der Combine 2014

Die Safety-Position in der NFL ist eine, die immer mehr an Wert gewinnt. Die 2014er-Draftklasse hat für meinen Geschmack drei potenzielle Größen: Calvin Pryor, Ha-Ha Clinton Dix und Lamarcus Joyner. Sie werden heute in den Workouts dran sein, und schonmal ein paar Gedanken meinerseits zu diesen Spielern.

Pryor von der University of Louisville ist keine 100kg schwer, kommt aber auf 1.88m und gilt als geschwindiger Spieler. Das sind Gardemaße für einen NFL-Safety. Bei Pryor sieht es sehr wuchtig aus, wenn er aus der Tiefe des Spielfelds kommt und die Ballträger attackiert. Guter Tackler. Geht kompromisslos gegen den Mann. Das sind glänzende Voraussetzungen, aber die Negativen hört man bei Pryor auch alsbald: Kein reifer Spieler, fliegt oft im falschen Winkel daher, muss sich manches dreimal sagen lassen bevor er es dem Trainer abnimmt. Das klingt danach, als ob Pryor für einige Trainer (vor allem unerfahrene) eher eine Pest ist, aber für welche mit guten Defense-Coaches möglicherweise ein nur zu schleifender Rohdiamant.

Clinton-Dix kommt von Alabama, fiel dort aber nicht weiter auf außer seinem Spitznamen („Ha-Ha“) bei dem man sich schnell mal vor Lachen verschluckt. Er gilt als rundum guter Spieler ohne eklatante Schwachstelle – nie die schlechteste Voraussetzung für einen Safety, aber auf der anderen Seite soll er auch keine besonderen Stärken haben. Überall „gut“, nirgendwo „hervorragend“. Kein episches Talent, um den herum du eine ganz neue Art von Defense kreieren kannst. Das klingt nach Ende erste Runde bis Anfang dritte Runde.

Der spannendste Safety sollte Lamarcus Joyner vom National-Champion Florida State sein. Ich habe oft genug betont, wie sehr ich Joyner, den College-Spieler, vergötterte. Für die NFL-Aussichten gibt es ein Problem: Seinen Körperbau. Joyner ist mit nur 86kg auf 1.73m ein Winzling für Profi-Verhältnisse, was bestimmt etliche Teams abschreckt – vielleicht nichtmal zu Unrecht: Wenn du so manches Monster auf Tight End siehst, möchtest du den nicht gegen einen zwei Kopf kleineren Joyner angesetzt sehen.

Auf der anderen Seite ist das einer der furchterregendsten Verteidiger, die der College-Football die letzten Jahre gesehen hat. Joyner ist schnell, ein gefürchteter Tackler, der keine faulen Tricks braucht um einen Gegenspieler zu sich herunter zu ziehen. Er ist vielfältig einsetzbar, da er ursprünglich als Cornerback zu FSU kam, später auf Safety umgeschult wurde, weil sie Seminoles so viele erfahrene exzellente Cornerbacks im Kader hatten (von denen einige wie Minnesotas Xavier Rhodes mittlerweile Profis sind). Joyner gilt zudem als guter Manndecker, kann auch im Slot eingesetzt werden.

Ist Joyner so sehr anders als der Honey Badger, der auch als zu klein galt und zu wild, und so on? Der Honey-Badger, der auch in der dritten Runde vom Tablett ging, trotz einer Vita voller Drogen- und Charakterprobleme. Trotz der Tatsache, dass er ein ganzes Jahr raus aus dem Football war. Joyner hat diese Fragezeichen nicht. Er gilt als höchst professionell und ließ sich auch von seinem Einsatz am Spielfeld und im Training nie etwas zu Schulden kommen, zumindest nicht, dass es zu mir durchgedrungen wäre.

Joyner ist aufgrund seiner körperlichen Limits wohl kein 1st-Rounder, aber ich wäre nicht überrascht, wenn er in der zweiten oder dritten Runde ginge und dann in einem Jahr als große Überraschung gefeiert würde.

Clowney, Nix und die Defense Front-Seven von 2014

Heute ist Tag der Defensive Front Seven in den Workouts der NFL-Combine 2014 und damit das Einsteigen des Superstars, DE Jadeveon Clowney, der schon eine monströse Sprintzeit angekündigt hat. Ein Blick auf ein paar Prospects. Hauptinformationsquelle: Ein Podcast mit Greg Cosell bei Midday 180.

Jadeveon Clowney – Clowney war schon beim National Signing Day vor drei Jahren ein landesweites Gesprächsthema, weil als once in a lifetime Talent gefeiert. Oft ist es bei solchen Prospects der Fall, dass sie die überhypten Erwartungen nicht erfüllen können, aber Clowney war das Gegenteil: Er übertraf sie sogar noch, zumindest in jener fantastischen Saison 2012 als er alles in Grund und Boden spielte. In seiner letzten College-Saison 2013/14 wurde er aber eher als Enttäuschung gesehen. Er soll nicht voll durchgezogen haben, soll halb verletzt gespielt haben, soll nicht fokussiert genug auf den Sport gewesen sein. Red Flags, wo man hinschaut. Es ist nicht ganz klar, wie viel davon Medienstory ist und wieviel wirklich dran ist.

Cosell sieht wie alle in Clowney erstmal einen hervorragenden Athleten („good size, shows explosion, shows quickness…“ fasel laber), alle Ingrendienzien für einen NFL-Superstar sind da. Aber Cosell warnt davor, dass Clowney nicht „tief“ genug an der Anspiellinie steht und in der Folge zu aufrecht spielt. Das ist am College gegen unterklassige Gegenspieler ein eher marginales Problem, weil die Kraft trotzdem ausreicht um damit durchzukommen, aber in der NFL siehst du fast nur starke Offense Tackles, und da wirst du – so Cosell – gern herumgeschoben. Einige Male soll Clowney das auch schon am College passiert sein.

Das sind so die kleinen technischen Unsauberkeiten, die Cosell bei Clowney beschreibt. Coaches müssen sich fragen, ob man dies aus einem Spieler „herauscoachen“ kann. Auf alle Fälle ist athletisch unbegrenztes Potenzial da, aber der „Football Skill Set“, den Cosell, Mayock und einige andere so oft beschreiben – naja, der müsse sich bei Clowney erst noch offenbaren.

Was Cosell nicht zu beantworten imstande ist: War Clowney ein Freelancer, d.h. hat er sich am College nicht an die Assignments seiner Coaches gehalten, sondern eigenhändig das Big-Play gesucht (etwas, das Coaches hassen / etwas, das einige dem Clowney vorwerfen)? Das wisse nur der Coaching-Staff von South Carolina.

Cosell zweifelt auch ob Clowneys Commitment zum Sport. Dass er verletzt war, zähle für ihn nicht, denn Einsatz musst du auch in halbfittem Zustand bringen. Zum Thema „quält sich nicht genug für unseren Sport“ wird seit gestern auch Clowneys Übungseinheit im Bankdrücken gehören: Clowney hob die Gewichte nur 21 Mal, was ein eher unterirdischer Wert ist.

Festzuhalten bleibt: Clowney war optisch einer der dominierenden Spieler der letzten Jahre. Persönlich stach für mich letztmals Ndamukong Suh in der Defense Line so als Einzelspieler heraus wie Clowney bei South Carolina. Auffällig war in einigen Spielen, wie gegnerische Coaches ihr Spiel von Clowneys Abwehrseite weg konzipierten – ein untrügliches Zeichen, wer hier als die Superwaffe ausgemacht worden war. Wie ist so etwas auf die NFL transferierbar? Wir werden darüber noch vieles hören.

Clowney ist nach Common-Sense momentan nicht mehr der uneingeschränkte Top-Pick, und weil das #2-Team St Louis keinen wirklichen „Need“ in der Defense Line hat, weil das #3-Team Jacksonville und #4-Team Cleveland keine 4-3 Defense spielen und darüber hinaus dringend einen Quarterback brauchen, ist momentan noch nicht abzusehen, wo Clowney vom Tablett gehen wird.


Anthony Barr – Viel Presse bekam in den letzten Monaten OLB Anthony Barr von UCLA, der erst seit kurzem eine OLB-Position im Football spielt. Cosell bescheinigt ihm wie Clowney superbes athletisches Potenzial und einen gewissen, für OLBs ungewöhnliche Speed beim Geradeauslaufen, aber er hat Angst, dass Barr zu wenig flexibel als Passrusher ist. Auch Barr spielt etwas zu aufrecht. Seine technische Arbeit mit den Händen ist teilweise unterirdisch, teilweise aber schon ansehnlich.

Es wird bei ihm offenbar besonders geduldiges Coaching brauchen, eine gewisse Einlernzeit, in der er anfangs nur situativ in 3rd-und-lang oder so eingesetzt wird um Erfolge für die Motivation zu sammeln und sich nicht in der Lauf-Defense aufzureiben. Cosell gibt Barr eine gute Chance, ein Mega-Passrusher zu werden, sieht ihn aber noch als sehr unfertiges Prospect.


C.J. Moseley – weil es (glaube ich wenigstens) auch in der NFL schon einen CJ Mosley gibt, hat man stets das Gefühl, dieser Moseley ist schon tausend Jahre dabei, derweil ist er nur ein Mann, der in Alabama zweieinhalb Jahre als Starter auf dem Feld war. Cosell lobt Moseleys Entwicklung im abgelaufenen Herbst, er soll sich extremst verbessert haben. Moseley ist für ihn ein kompletter Linebacker: Hat die Spritzigkeit, hat den Grundspeed, hat das Gefühl, in die richtigen Gaps reinzuschießen, kann sich horizontal zwischen beiden Seitenlinien bewegen und wird nicht von den schnelleren Tight Ends überlaufen, kann sehr schnell die Richtung ändern, guter Deckungsspieler, und so weiter.

Der Vergleich, der Cosell einfällt, ist monströs: Lavonte David von den Buccs, einer der besten Abwehrspieler der abgelaufenen Saison. Für Cosell wird Moseley mit hoher Wahrscheinlichkeit ein richtig exzellenter Profispieler werden. Er ist sofort einsatzbereit (O-Ton „plug and play“). Er ist allerdings kein überragender Passrusher, und das könnte ihn einen Top-10 Draftpick kosten.


Khalil Mack – Mack ist für Cosell der kompletteste Spieler im Draft, beim Aufzählen seiner Stärken fällt man allerdings schnell in altbekannte Schemen zurück (athleticism, plays fast laber fasel…). Er ist kein Mega-Passrusher, aber weil er so intensiv spielt, so wenige mentale Fehler begeht, immer eingesetzt werden kann, gilt Mack (der von Buffalo aus der MAC kommt) als sicherer Top-10 Pick.

Mayock ließ im Laufe des Wochenendes übrigens sogar verlauten, dass Mack für ihn der beste Spieler im Draft 2014 sei, über Clowney, über Bridgewater, über Sammy Watkins. Was auch immer diese Superlative wert sind, sie zeigen ein gewisses Standing dieses Linebackers. Mack soll Ähnlichkeiten in der Spielanlage mit Von Miller haben, als 3-4 OLB oder als 4-3 SAM (Strongside Linebacker) spielen können.


Cosell diskutierte danach noch kurz den OLB von Georgia Tech, Jeremiah Attaochu, der als reinrassiger Passrusher für die 3-4 OLB gilt. Er soll ein großes Talent sein, aber wenn du ihn einsetzt, musst du dir bewusst sein, dass er eindimensional wie eine Scheibe Toastbrot ist und dich in der Run-Defense verbrennen wird.


Ein Defensive Tackle, bei dem ich sportlich noch nicht viel einzuordnen vermag, der aber definitiv eine Persönlichkeit ist: Louis Nix III von der Notre Dame University. Nix hat einen umtriebigen Twitter-Account. Ganz famos war sein Auftritt auf der Pressekonferenz der Combine – da kann noch ein Manziel mithalten, aber sonst keiner:

Mit Steuerung-C und Steuerung-V: Die NFL-Combine 2014

NFL-Scouting Combine in Indianapolis – diese Woche von Mittwoch, 19.2. bis nächsten Dienstag, 24.2., alljährlich der wirkliche Start zu einer zirka zweimonatigen Hype-Maschine im Vorfeld des NFL-Drafts, wo die künftigen NFL-Profis von ihren Teams ausgewählt werden. Ich habe oft darüber geschrieben, warum ich es trotz allem immer wieder faszinierend finde, mich mit der Draft-Materie zu befassen, aber dieses Jahr bin ich draftmäßig so unbeleckt wie lange nicht mehr. Ich hab auch gerade ein bissl „emotionales Tief“ nach der langen Footballsaison. Kann an der Winterolympiade liegen. Kann am Studium liegen. Kann auch schlicht am Overkill liegen.

Aber Combine ist Combine. Ich habe wenig Zeit, aber ein paar Minuten oder Stunden NFL-Network zur Combine sollten drin sein. Sie sollten schon allein wegen des einen Mannes drin sein, der die Draft-Berichterstattung prägt wie kein anderer: Mike Mayock, der Experte vom NFL-Network, der mit so sensationeller inhaltlicher Tiefe Bericht erstattet, dass es immer wieder helle Begeisterung bei allen auslöst, die ihm zuhören.

Mayock und das NFL-Network: Ab Samstag fast 24/7 on Air. Die ersten Tage sind wie immer eher seichtes Reingleiten mit Team-Interviews und ein bissl Abtasten. Ab Samstag geht es dann auch auf dem Feld los. Gratis streamt auch NFL.com, aber ich würde nicht meine Hand ins Feuer legen, dass das immer die originale NFLN-Übertragung ist (in den letzten Jahren wurde teilweise zweigleisig gefahren)

[Es folgt der Copy’n’Paste Absatz, den ich jedes Jahr quasi Eins-zu-Eins übernehmen kann, weil er immer gültig ist]

Die Kernelemente der NFL-Combine hatte ich bereits vor einem (mittlerweile drei) Jahr(en) erklärt: Ausgewählte Athleten, die in den Draft gehen, werden in vier Tagen an Ort und Stelle im Beisein von zahlreichen Experten, Teamoffiziellen und Scouts auf Herz, Nieren und Hirn getestet. Das Schema F ist +/- folgendes:

  • Tag 1: Anreise, Vorbereitung zum Medizincheck, Kennenlernen
  • Tag 2: Abnahme der Körpermaße, Medizincheck, Medien-Session, Wonderlic-Test, Vorstellungsgespräche
  • Tag 3: Treffen mit der NFLPA, Wonderlic, Vorstellungsgespräche
  • Tag 4: Workouts, Abreise

Plus ein Drogentest, bei dem immer mal wieder ein Bauernopfer durchfällt. Die Workouts gliedern sich in haufenweise positionsspezifische und allgemeine Übungen auf. Die allgemeinen Tests sind der Sprinttest („40 Time“), der Agilitätstest („Cone Drill“), der Hochsprung aus dem Stand („Vertical Jump“), der Weitsprung aus dem Stand („Broad Jump“) und der Test für die Kraftlackel („Bench press reps“).

Die einzelnen Tests haben dabei je nach Ermessen der Scouts für die unterschiedlichen Positionen unterschiedliche Gewichtung – meistens viel zu viel Gewichtung, wofür vor Jahren der Terminus des „Workout Warriors“ kreiert wurde: Athleten, deren hoher Draftstatus in einem großartigen Combine begründet wurde, die dann aber in der NFL erstmal Probleme hatten (die beiden Vernons fallen da als erstes ein: Vernon Davis und Vernon Gholston).

Etwas detaillierter habe ich das Prozedere letztes (also mittlerweile vorletztes) Jahr und die verschiedenen Einheiten vor zwei (also: drei) Jahren erklärt. Bei NFL.com erklärt der Draftguru Mike Mayock die verschiedenen athletischen Tests und ihre Bedeutung für den Scouting-Prozess anschaulich: Combine Workouts.

[Copy’n’Paste Ende]

Was ich dieses Jahr nicht simuliert habe: Den Wonderlic-Test, den Intelligenztest, mit dem die NFL die Lern- und Aufnahmefähigkeit der künftigen Prospects testen will. Die Testergebnisse werden nicht offiziell veröffentlicht, aber was man so von den unter dem Tisch den Medien zugespielten Ergebnissen den letzten Jahren ablesen kann ist so etwas wie „Korrelation = 0“ mit den zukünftigen Profi-Aussichten der Prospects. Aber gut: Wonderlic = Gesprächsthema. Und Gesprächsthema = Interesse.


[Copy’n’Paste Modus an]

Die Combine, das Sichtungs-Trainingslager, ist eine Veranstaltung, die extrem von Stereotypen lebt. Mike Tanier von Sports on Earth hat dazu eine höchst lesenswerte Einstimmung geschrieben:

Es ist nicht alles in den Senkel zu stellen. Der Vorteil der Combine ist, dass die Talente mehr oder weniger unter gleichen Voraussetzungen in verschiedenen Trainingseinheiten vor Scouts ihre Stärken demonstrieren können, dass sie sich mit NFL-Coaches treffen können und medizinisch durchgecheckt werden können.

[Copy’n’Paste aus]


Die Stars von 2014

Die Draftklasse 2014 ist rein von den Talenten und den „Leuchttürmen“, den Quarterbacks, durchaus eine, mit der man sich schonmal länger befassen kann. Es gibt einen recht kompletten, mobilen und spielintelligenten Quarterback von Louisville, einen Schwarzen mit Namen zum Knuddeln im Bett, Teddy Bridgewater, der als Jahrgangsbester gilt.

Für die Storyline „Zweikampf“ wird derzeit der ehemalige Quarterback von Central Florida, Blake Bortles, aufgebaut, ein stattlicher 2m-Hüne mit Zahnpastgrinsen, bei dessen Qualitätsbeschreibungen man schnell bei der besseren Hälfte landet. Zumindest die Google-Bildersuche spuckt bei Bortles mehr Titten als Touchdowns aus:

Google Blake Bortles!

Google Blake Bortles!

Auch beim QB A.J. McCarron („He just wins football games“) vom x-fachen National Champion Alabama ist die Puppe an der Seite das bekanntere Subjekt.

Da ist man doch um einen Rabauken wie Johnny Manziel („Johnny Football“) heilfroh, den Quarterback der Texas A&M Aggies, einen Knaben, der mit seiner wilden Lebens- und Spielweise in kein Bilderbuch passt und auf dem Platz durch die Landschaft scrambelt als hätte er sämtliche Duracell-Häschen auf einmal aufgefressen. Manziel braucht keinen perfekten Wurfstil. Er braucht kein berühmtes Internet-Sternchen zum Schimmern. Manziel ist ein Anarch, den Stand heute sich kein Experte einzuschätzen getraut: Top-10 oder Fall in die zweite Runde?

So viele coole Quarterbacks, ein episches Abwehrtalent in DE Jadeveon Clowney, einen gigantischen WR in Sammy Watkins, aber der Superstar der Combine 2014 dürfte ein anderer sein: DE/OLB Michael Sam von der University of Missouri, ein Kandidat für die mittleren bis späten Draft-Runden. Sam galt bisher eigentlich als leicht blässliches Prospect, aber das änderte sich letzte Woche schlagartig, als Sam als erster „Aktiver“ seine Homosexualität bekannt gab.

Das Outing löste altbekannte Beiß-Reflexe von den obligatorischen anonymen Quellen in NFL-Kreisen aus, die Sam eine schwere Anfangszeit in der NFL und ein Fallen seiner Draft-Aktien prophezeien. Aber es gab auch viele Solidaritätsbekundungen aus NFL und Gesellschaft für Michael Sam, der sich in der ultimativen Testosteronhochburg, dem Gebilde „NFL“, mit einem immer noch sensiblen Thema an die Öffentlichkeit wagte.

Outsports hat die Geschichte detailliert nachzuzeichnen versucht.

Draft-Overkill

Um wieder in den STRG+V Modus zu verfallen: Ich werde wie immer Draft-nahes bringen. Aber bitte keine Scouting-Reports oder Mock-Drafts erwarten. Ich hab im Zuge des Draft-Overkills meine eigenen Prioritäten. Hier ein paar der wertvollsten Informationsquellen in englischer und deutscher Sprache:

  • Mike Mayock, wenn er wieder voll in die Berichterstattung einsteigt: Videos und Artikel. Mike Mayock ist Gesetz, denn Mike Mayock ist Gott.
  • Greg Cosell. Wo auch immer er heuer seine Podcasts machen wird: Er ist Mini-Mayock. Cosell führt auf seinem Twitter-Account Protokoll seiner Aktivitäten.
  • Matt Waldman und sein Rookie Scouting Portfolio ist zumindest bei den Skill-Players das beste Material.
  • Draft-Breakdown hat ein fassungsloses Video-Archiv zu hunderten Prospects zusammengestellt.
  • Tony Pauline und sein Draft-Insider.
  • Er schreibt „nur“ für die Homepage der Dallas Cowboys, und er schreibt nicht nur über den NFL-Draft: Bryan Broaddus, ehemaliger Draft-Stratege für mehrere gute NFL-Teams. Und immer lesenswert.

In deutscher Sprache und mit regelmäßigen, sehr ausführlichen Podcasts widmet sich Der Draft mit Christian Schimmel („koblenzer“) und Roman John („maschemist“) der Scouting- und Draft-Materie. Die letzten beiden Ausgaben #11 und #12 beschäftigen sich intensiv mit der Combine 2014.


Insgesamt ist das Scouting im Draft-Umfeld ein recht „abgeschlossener“ Bereich mit relativ gleichem Informationsstand für alle. Große Unterschiede zum Stichtag Draft (heuer: 8. Mai bis 10. Mai) hin sind relativ selten. Vieles, das man während der zwei Monate Scouting aggregiert, wird hernach auf dem NFL-Feld widerlegt, aber nie mehr auf seine Korrektheit überprüft. Trotzdem hat der Draft-Jazz seine Berechtigung, denn so intensiv befasst man sich später nie wieder mit dem Individuum „NFL-Spieler“.

College Football und NFL = Team. Draft = Individuum. Deswegen ist auch ein Michael Sam eine Story. Und die Combine ist immer ein guter Kickoff für zwei Monate Draft-Groove.