Frischzellenkur rewind: Der Seahawks-Draft von 2010

Die Wurzeln des Seahawks-Aufstiegs sind Ende der Saison 2009/10 zu finden, als der Besitzer der Seahawks, Paul Allen, den Head Coach Jim Mora jr., der schon in Atlanta einen schlechten Job gemacht hatte, und GM Tim Ruskell rauswarf und sich anschickte, die seit Jahren dümpelnden Hawks wieder auf Vordermann zu bringen. Allen installierte den neuen GM John Schneider aus dem Personalbüro der Green Bay Packers, und holte Pete Carroll zurück vom College in die NFL. Für Carroll war das damals nicht bloß die Chance, es nach einer nur mäßig erfolgreichen Zeit in den 90ern noch einmal der NFL zu beweisen, sondern auch willkommene Gelegenheit, die University of Southern California rechtzeitig zu verlassen, bevor ein halbes Jahr später der Hammer der NCAA im Fall Reggie Bush zuschlug.

Erster großer Auftritt der neuen Seahawks-Leitung war der NFL-Draft 2010 – und drei Jahre später kann man ein exzellentes Zeugnis für diese Draftklasse ausstellen. Zugegeben, mit dem ersten Erstrundenpick (Pick #6) konnte Seattle damals nix falsch machen. Die Mannschaft war ein Scherbenhaufen, es gab keine „würdigen“ Quarterbacks (obwohl Tebow aufm Tablett war) und Seattle holte sich den Muskelberg LT Russell Okung von der Oklahoma State University. Die Tackle-Klasse von 2010 hatte als massiv gut besetzt gegolten, und Okung war auf den meisten Boards der höchstbewertete Tackle gewesen; als Washington an #4 OT Trent Williams zog, war eigentlich allen klar: Seattle würde in der Lotterie Okung ziehen. Es war ein einfacher Pick, den jeder Holzkopf geschafft hätte, und alle konnten die Logik nachvollziehen. Okung hatte in der NFL zwar viele Zipperlein, weil immer wieder Muskeln rissen und die Wade zwickte, gilt aber unisono anerkannt als einer der besten seiner Zunft.

Wenn du eine Draftklasse von Prädikat ganz groß haben willst, musst du auch ein wenig Glück haben. Seattle hatte das in Form eines letzten Geschenks des alten Regimes, das anno 2009 via Trade mit dem grünschnäbeligen Head Coach Josh McDaniels (Denver Broncos) einen Erstrundenpick für einen Zweitrundenpick generieren konnte! So durften die Hawks 2010 auch noch an #14 picken – und sie schlugen zu: S Earl Thomas von der University of Texas ist heute ein dynamischer Playmaker, einer meiner Lieblingsspieler, der an die besten Zeiten des besten Safetys ever, Ed Reed, erinnert. Thomas ist ein Freelancer und begeht als solcher naturgemäß viele Fehler – gescheiterte Blitzes, schlechte Coverage – macht das aber mit dem wett, was Scouts range nennen: Der Mann ist so schnell, so flink, dass er vom Gegner als ständige Bedrohung wahrgenommen wird, der man extra Aufmerksamkeit in der Vorbereitung schenken muss.

Der Thomas-Pick war seinerzeit nicht ohne Nebengeräusche, da alle Welt von Carroll erwartet hatte, dass er „seinen“ Schützling vom College, S Taylor Mays, mit diesem Pick holen würde. Das ist so ein gängiges Gerede vor dem Draft: Coach X holt Spieler Y, weil er den am College unter seinen Fittichen gehabt hatte. Stimmt manchmal, oft aber nicht: Carroll kannte die Schwächen des undisziplinierten Mays und überging die Sentimentalitäten. Es ist eine vergleichbare Situation mit der Nassib/Marrone-Geschichte bei den Bills dieses Jahr. Mays ging dann übrigens in der zweiten Runde nach Cincinnati, wo man seither versucht, ihn irgendwie ins System einzubauen.

Mit dem Zweitrundenpick (#60) bekamen die Seahawks WR Golden Tate, dessen berühmteste Szene bisher sicher der Freak-Touchdown bei der Hail Mary gegen Green Bay war. Niemand hält Tate heute für den besten Receiver der Liga, aber in einem kompletten WR-Corp ist Tate durchaus ein wertvoller Baustein, ein Spieler, für den es sich lohnt, einen so hohen Draftpick zu investieren.

Was beim Blick auf die Seahawks-Klasse von 2010 auffällt, ist, dass sie viele Trades machten: Nur der Okung-Pick war einer, der ursprünglich den Hawks gehört hatte; alle anderen wurden entweder gegen andere Picks eingetauscht oder von der NFL in Form von Compensatory Picks geschenkt. So hatte Seattle keinen Drittrundenpick, was in der Retrospektive nicht übel ist, da die dritte Runde von 2010 nur wenige wirklich herausragende Spieler produzierte (LB Bowman und TE Graham sind die mit Abstand besten).

Der dritte Tag des Drafts 2010, also ab vierte Runde, tut in der Rücksicht etwas weh, da die Seahawks Granaten wie DT Geno Atkins oder TE Aaron Hernandez verpassten, obwohl beide Positionen als große Needs gegolten hatten. Gerade ein Hernandez hätte wunderbar in die Carroll-Philosophie gepasst, Spieler zu holen, die alles Potenzial der Welt hatten, aber charakterliche Zeitbomben sind. Man lasse sich heute nicht davon täuschen: Hernandez war ein Knallkopf, der allerhand Probleme mit der Justiz hatte und sich mehr als einmal die Woche die Birne zukiffte. Aber er hatte auch als fantastisches sportliches Prospect gegolten, fiel dann aber wohl wegen der Bedenken in die vierte Runde. New England sagte danke. Seattle holte seinen Tight End erst in der sechsten Runde in Form von TE Anthony McCoy, und der war ein Carroll-Schützling vom College; McCoy ist kein Mann, um den du deine Offense baust, aber das verlangt von einem Sechstrundenpick auch niemand.

Seattle verpasste Hernandez also in der vierten Runde, und das gleich zweimal (Seattle hatte zwei 4th-Rounder). Mit dem ersten Viertrundenpick holte das Front-Office CB Walter Thurmond, der auch ins Schema des Carroll passte: Eigentlich ein Talent für die höheren Runden, aber ein großes Verletzungsfragezeichen nach einer horrenden Knieverletzung mit mehreren Bänderrissen. Thurmond ist drei Jahre später ein wertvoller Cornerback für die Rotation. Starter ist er keiner, da die Hawks ein Jahr später Browner und Sherman vom Schrotthaufen aufklaubten, und bei den Jungs muss sich keiner grämen, wenn er nicht dran vorbei kommt. Der andere Viertrundenpick der Seahawks war DE E.J. Wilson, ein längst vergessener Mann.

Die Klasse ist bisher schon sehr gut, aber das Kronjuwel fehlt noch: SS Kam Chancellor, der in der fünften Runde mit dem 133ten Pick kam und im Grunde eine Markt-Ineffizienz offen legte. Die NFL war zu dieser Zeit gefangen in ihren immergleichen Deckungssystemen, und Chancellor war so ein Spieler, der nirgendwo richtig reinpasste: Zu klein für einen Linebacker, zu groß für einen Safety, zu wenig Spezialist, zu viel Generalist. Der Typ Spieler, den du in den letzten Runden draftest eben. Oder auch nicht.

Es mag Zufall sein, und vielleicht waren Carroll und DefCoord Gus Bradley überrascht, dass Chancellor so gewaltig einschlug, aber es ist schwierig zu leugnen, dass Carroll/Bradley einen Plan für ihre Defense hatten. Der Plan legte wert auf Aggressivität und Physis an der Anspiellinie. Aggressivität, Physis und superbe Lauf-Defense sind die größten Assets des Kam Chancellor, der gern auch mal über die Strenge schlägt und nicht weit davon entfernt ist, das Label des nächsten großen Hard Hitters übergestülpt zu bekommen. Für den Gedanken, dass sie einen Plan hatten, steht auch die Einberufung von CB Richard Sherman ein Jahr später: Sherman war ein ähnlicher Spielertyp und kam in der fünften Runde.

Chancellor war also in gewissem Sinne auch ein Trendsetter. Heute, nur drei Jahren später, werden solche Spielertypen in der zweiten und dritten Runde gedraftet, sind also sehr viel teurer. Die Pioniere profitierten noch vom ineffizienten Markt.

(Man muss an der Stelle allerdings auch anmerken, dass die überwiegende Mehrzahl der Pioniere mit ihren unkonventionellen Ideen scheitert und nur die paar wenigen gelungenen Neuerungen wie eben Chancellor am Ende herausragen. Der Draft 2010 hatte auch ein bekanntes Negativbeispiel: Tim Tebow)

Pfingst-Trilogie: Die Bühne gehört erneut der Klasse von 2010, Part 3

Die erste Runde ist meistens – wie man erwarten würde – die Runde, in der das meiste Star-Potenzial schlummert (siehe hier und hier). Aber auch später gibt es den einen oder anderen Volltreffer. Ein Blick auf die späteren Runden des Drafts 2010 nach zwei Spielzeiten.

Die zweite Runde

Es ist eine Runde, die mit bekannten und interessanten Namen gespickt ist, aber nur zwei von ihnen schaffte Stand heute wirklich den Durchbruch: Der eine ist TE Rob Gronkowski (#42/NE), der sich anschickt, in New England sämtliche bestehenden Rekorde für Tight Ends zu pulverisieren, und noch viel bedeutender: Gronkowski hat fürs erste dafür gesorgt, dass Verteidigungen ihre Spielweise umstellen mussten – seinentwegen. Solche Spieler gibt es ganz selten.

Der andere ist DE Carlos Dunlap (#54), ein bloß situativ eingesetzter Pass Rusher, dessen Effizienz aber Mäuler mit ungläubigem Speichel füllen soll. Ein dritter potenzieller Star ist Philadelphias Safety Nate Allen (#37), dessen Verletzung die abgelaufene Saison verkürzte, der jedoch als Rookie hinreichend Potenzial angedeutet zu haben scheint. Ähnlich geht es LB Brandon Spikes (#62/NE), dessen gute Leistungen sich mit allzu vielen Verletzungen abwechseln.

Nach durchwachsenen Rookie-Saisons sollen Spieler wie RB Toby Gerhart (#51/MIN), DT Terrance Cody (#57/BAL) oder RB Ben Tate (#58/HOU) deutliche Aufwärtstrends gezeigt haben. Zu den überzeugenden Spielern gehören weiters der als sehr komplett geltende Cowboy LB Sean Lee (#55), Miamis DE Koa Misi (#40), DT Lamarr Houston (#44/OAK), der als Allzweckwaffe eingesetzte RB/WR/KR Dexter McCluster (#36/KC) oder der durchaus nicht hüftsteife LB Daryl Washington (#47/ARI).

LT Rodger Saffold (#33/STL) soll ein durchwachsenes und trotzdem überhyptes Rookie-Jahr mit einem furchterregend schlechten zweiten Jahr beantwortet haben. Der bekannteste Name ist aber QB Jimmy Claussen (#48/CAR), einem als Grund-Unsympathen verschrieenen ehemaligen Notre-Dame-Quarterback, dessen Situation als Rookie nicht schlechter hätte sein können: Ein Chefcoach ohne Liebe zu Quarterbacks, keine Receiver, kein Laufspiel. Claussens Pech ist nun freilich, dass QB Cameron Newton das Ruder mehr als 180° herumgerissen hat und damit erstmal auf weiteres unantastbar sein wird.

Die dritte Runde

Der Volltreffer der dritten Runde ist in San Francisco zu finden, wo ILB NaVorro Bowman (Pick #91) ein unglaubliches Jahr 2011/12 nachgesagt wurde: Wenn sich alle Experten einig sind, dass du Willis vergessen machen könntest, dann musst du was können. Bowman soll Potenzial zum All-Pro angedeutet haben.

Ein zweiter Superstar ist in New Orleans zu finden, wo TE Jimmy Graham zuletzt weit über 1300yds aus der Luft pflückte, und das als 95ter Pick. Graham ist analog zu Gronkowksi so einer dieser 2,50m großen Athleten mit fangsicheren Händen, und er hat das Glück, in einem ausgereiften Corp an Ballfängern und mit einem Quarterback wie Drew Brees zu spielen. Auch TE Tony Moeaki (#93/KC) gilt durchaus als ein Artist vor dem Herrn, fiel allerdings die komplette zweite Saison aus und schleppt schon vom College Historien an Operationen mit sich.

Weitere bekannte Namen: WR Emmanuel Sanders (#82/PIT), WR Jordan Shipley (#84/CIN) und WR Eric Decker (#87/DEN), alle drei wertvolle Ergänzungen für die WR-Corps in ihren Teams, aber alle drei nicht über alle Zweifel erhaben und im Falle Deckers mit einer schweren Verletzung, und LT Jared Veldheer (#69/OAK), dessen Tendenzen in der abgelaufenen Saison massiv nach oben gezeigt haben sollen.

QB Colt McCoy (#85/CLE) dürfte nach zwei durchwachsenen Jahren alle Höllen der NFL durchgemacht haben, von Sklaventreibern als Head Coaches über inkompetente medizinische Abteilungen hin zu nonexistenten Wide Receivers, und soll ab sofort durch den um einige Jahre älteren Rookie Brandon Weeden ersetzt werden. McCoy verfügt über einen zu schwachen Wurfarm, um in der NFL ernsthaft als Franchise-QB für 15 Jahre dienen zu können, aber man hätte ihm nur zu gerne noch eine Chance gegeben.

Die vierte Runde

Auch hier haben wie zwei absolute Superstars: Über TE Aaron Hernandez (#113/NE) brauchen wir keine Worte mehr zu verlieren, der Mann ist ein kompletter Spieler und vermutlich die noch gefährlichere Allzweckwaffe im Vergleich zu Teamkollege Gronkowski. Hernandez ist allenfalls nicht der über alle hinausragende Ballfänger. Der zweite Superstar ist DT Geno Atkins (#120/CIN), den einige Pundits für besser befinden als Ndamukong Suh aus demselben Draft.

Eine sehr gute Rookie-Saison soll WR Mike Williams (#101/TB) gehabt haben, dieser aber eine eher schwache zweite folgen lassen haben. Mittlerweile steht mit Vince Jackson ein ähnlicher Spielertyp im Kader – abwarten, was dies für Williams’ Karriere bedeutet.

Ein weiterer Gewinner dürfte CB Alterraun Verner (#104/TEN) sein, der sich wunderbar in die jüngste Reihe an starken Titan-Cornerbacks aus den späteren Draftrunden einreiht.

Die fünfte Runde

Ein Kaliber für die Pro Bowl auch hier: S Kam Chancellor (#133/SEA), im Vergleich zum spektakuläreren Teamkollegen Earl Thomas aus der ersten Runde der solidere, zuverlässigere Safety. Ein zweiter bekannter Name ist jener von New Englands Punter Zoltan Mesko (#150), wobei man Punter nicht nach zwei Jahren bewerten sollte, nachdem Punt-Leistungen zu stark zu schwanken drohen.

„Schwanken“ ist auch ein Stichwort, wenn es um Interceptions bei Quarterbacks geht. Arizonas QB John Skelton hat aber im zweiten Jahr eine absurde Rate vorzuweisen: 5.1% der Würfe in des Gegners Arme. Hülft nix: Weil der Mann notgedrungen über zwei Jahre elfmal starten musste und dabei siebenmal gewann, glauben einige an Skeltons „Winner-Gen“.

Die sechste Runde

Keine Runde ohne Pro-Bowler. Der Kandidat aus der sechsten Runde ist Pittsburghs WR Antonio Brown (#195/PIT), eine Allzweckwaffe mit mehr als 1000yds via Luft und Returns in seiner zweiten Saison. Ein famoser Spieler soll auch DE Greg Hardy (#175/CAR) sein, dem manche zutrauen, der Einser-Passrusher der jungen Panther-Mannschaft werden zu können. Weitere bekannte Spieler: RB James Starks (#193/Superbowl-Sieger mit Green Bay mit einer ordentlichen Playoffleistung) und QB Joe Webb (#199/MIN), Backup von Favre und Ponder, dessen athletische Spielweise durchaus ansprechend für die Optik ist.

Eine besondere Story war im Draft-Vorfeld jene des Safetys Myron Rolle (#207/TEN) von der Florida State University gewesen. Myron Rolle hatte als Superhirn gegolten und aufgrund fabelhafter Noten und entsprechendem Auftretens eines von den wenigen Rhodes-Stipendien erhalten. Weil Rolle dafür ein Jahr nach England gegangen war und vom Football ausgesetzt hatte, hatten sich die Teams im Vorfeld des Drafts einen Wettstreit um die dümmsten Fragen geliefert („Wie fühlst du dich nun, nachdem du deine Teamkameraden im Stich gelassen hast?“). Rolle war mitnichten ein unbeschriebenes Blatt. Man sagte ihm Potenzial für einen Erstrundenpick nach. Rolle, der sich angenehm vom Klischee des IQ80-Footballer abgehoben hatte, ging in Runde sechs, ist heute von der NFL-Bildfläche verschwunden, gilt dafür in Bildungskreisen bereits als Celebrity.

Die siebte Runde

Der Pro Bowler ist KR Marc Mariani (#222/TEN), der DE Willie Young (#213/DET) gehört als bereits spezialisierter Pass-Rusher erstmal ebenso zu den Gewinnern der siebten Runde. Der Bekannteste Siebtrundenpick ist aber P Matt Dodge (#221/NYG) aus bereits legendären zweiten Meadowlands-Miracle. Der „Mr. Irrelevant“, WR Tim Toone (#255/DET), ist schon längere Zeit auf der Straße.

Die Ungedrafteten

Es gab da einen Glücklichen, der im Nordosten der Vereinigen Staaten durch die Lande tourte und verzweifelt hoffte, dass sein Footballtraum wenigstens noch bis zum Sommer 2010 dauern würde, bis er nach den Trainingslagern gecuttet werden würde. Frisch von der kleinen University of Massachusetts (FCS) gekommen und mit 1,83m kein Gardemaß, biss sich er sich durch und spielte dann gar eine respektable PreSeason. Er schaffte gar den Cut und begann, an sich zu glauben. Dann knatschen die Leisten und der Traum vom Profifootballer war ausgeträumt – fast. Eineinhalb Jahre sprechen wir über den Vereinsrekordler in Sachen Wide Receivers in einer der ältesten Franchises in der NFL. Wir sprechen über einen Superbowl-Champ. Wir sprechen über WR Victor Cruz.

Die Giants hatten noch einen ungedrafteten, soliden Mann gefunden: TE Jake Ballard, bis zu seiner Bänderverletzung im Superbowl ein ordentlicher Leistungsträger. Der Saints-RB Chris Ivory hält sich trotz vielfältiger Konkurrenz auch weiterhin im Kader und gehört als change-of-pace Running Back zum Inventar einer fulminanten Offense. WR Brandon Banks ist in Washington ein sehr guter Kickreturner geworden. LB Frank Zombo zwar kein allzu überragender Mann, aber aufgrund des fehlenden Pass Rushes so was wie ein Synonym für die plötzliche Abwehrschwäche der Green Bay Packers – das Leben kann unfair sein. Und dann ist da noch RB LeGarrette Blount, der Schläger von Boise, der in Tampa Bay aktuell wegen seiner Erkrankung an Fumblitis therapiert werden soll, der mit seinem brachialen Laufstil – lieber zwei Abwehrspielern einen blauen Flecken mitgeben, als ein Gratis-Yard zu nehmen – bereits jetzt nur noch drei Jahren von ausgebrannt entfernt ist.

Zwischenfazit

Wie ich schon am Freitag schrieb: Diese Draftklasse schaut nach zwei Jahren sehr hoffnungsvoll aus. Kaum wirkliche Busts, dafür in jeder Runde, auch in den späteren, eine Handvoll bereits erwiesenermaßen sehr guter Spieler, und mit Leuten wie Suh, Pierre-Paul, Gronkowski, Hernandez, Atkins oder Cruz mit Spielern, die potenziell die Art des gespielten Football – Taktiken, Matchup-Strategien – zu ändern imstande sind. Die Klasse sieht viel besser als es der vor zwei Jahren eher lauwarme „Hype“ hätte erwarten lassen.

NFL Rookie-Analyse 2010/11: Ryan Mathews, Running Back

Der Pick #11 Anthony Davis (San Francisco) wird als Offensive Line ausgelassen. Zu Davis kann man nur eines sagen: Sämtliche Analytiker hauen den Mann in die Pfanne und beschwören schon den nächsten großen O-Line-Bust herauf. Dagegen bekommt der zweite Niners-Blocker, G Mike Iupati (Pick #17), Höchstnoten ausgestellt und gilt als nächster Steve Hutchinson. Die beiden seien nicht unser Thema, sondern Pick #12 Ryan Mathews:

Position: Running Back
College: Fresno State University
NFL-Team: San Diego Chargers

In Mathews sahen die Gurus und Weisen einen explosiven Back, dessen Einberufung als Tomlinson-Erbe an #12 allerdings als reach abgetan wurde. Mathews hat als Rookie wenig gemacht, um diese Stänkereien zu entkräften, und auch wenn Verletzungen daran nicht ganz unschuldig waren: Backup Mike Tolbert gefiel mir persönlich phasenweise besser.

Mein Notizblock vom Saisonauftakt gegen die Chiefs liest sich so: Mathews von einer dominanten Defensive Line abgemeldet, bis auf einen einzigen langen Lauf. Und der endete als Fumble in Gegners Händen. Nach zwei Spielen hatte Mathews ebenso viele verlorene Fumbles. Im Patriots-Spiel blieb Mathews als Butterfinger (billiger, billiger Drop) in Erinnerung. Generell soll sein Pass-Blocking besorgniserregend sein.

Um Mathews nicht allzu madig zu reden und auch wenn die Zahlen durch eine Handvoll längerer Runs (Ü20-yds) geschönt sind und der Mann nach dem ersten Hit meist am Boden liegt: 637yds in 158 Carries und 7 Touchdowns hinter einer generell als unterdurchschnittlich bekannten Offensive Line sind nicht unterirdisch. Wenn da nur nicht 5 Fumbles in 158 Carries wären. Alle 31,6 Carries ein Fumble – so wird man Tomlinson nicht vergessen machen.

Um ein Fazit zu ziehen: Mathews schien mir nicht wie der neue Franchise-Back, aber wenn ich daran denke, wie viele Möglichkeiten Norv Turner in dieser passgewaltigen Offense für Mathews geboten wären, darf man ihn nicht zu schnell abhaken.

NFL Rookie-Analyse 2010/11: Rolando McClain

Nächster Teil des Rookie-Rückblicks: Oaklands MLB Rolando McClain.

Position: Mike
College:
University of Alabama
NFL-Team: Oakland Raiders

Rolando McClains Einberufung in Oakland darf auch ein Jahr später durchaus als sensationell gewertet werden, wenn man sich die Historie der Drafts anschaut. Oakland war bislang stets das Team, das gegen alle Konventionen super-athletische Skill Players einkauft, um diese dann Spieler für Spieler genüsslich floppen zu sehen.

2010 also McClain vomBCS-ChampAlabama. Ein unspektakulärer Mann, aber McClain hat allem Anschein nach alles in allem sehr ordentlich gespielt, trotz gelegentlicher Totalausfälle. Gegen den Lauf soll McClain absolut überragend gewesen sein, dafür arge Schwierigkeiten in der Deckung gehabt haben.

Wir hatten heuer dreimal Raiders – nennenswerte Spiele habe ich nicht vermerkt, u.a. auch, weil er gegen die Chiefs recht schnell runter musste. Die einprägsamste Aktion McClains bleibt jene aus Woche 2 gegen die Rams – WWC at his best:

Zwischendurch war McClain mal in den Schlagzeilen, weil er das desinteressierte Publikum scharf angegriffen hat – Raiders-Fans gehen eben nur mehr ins Stadion, wenn sie jemanden auszubuhen haben. Das attraktivste Opfer ever, Jamarcus Russell, ist aber seit einem Jahr kein Raider mehr. McClain blieb nach seinem Rundumschlag überraschend von Pfiffen verschont – OBWOHL er ordentlich spielte.

Könnte der Leader einer recht guten Defense werden. Seymour, Kelly, Wimbley, Huff, McClain – die Eckpunkte einer sehr, sehr guten Unit.