Vorher / nachher

Natürlich würde ich gerne behaupten, dass ich Mahomes schon immer als #1 hatte. Doch weil schreibe, protokolliere ich. Und weil ich protokolliere, lässt sich Einschätzung mit Eingetroffenem recht gut miteinander vergleichen.

Vor dem Draft ist leicht stinken. Nach dem Draft ist leicht alles gewusst zu haben. Doch lass uns mal das Vorher und Nachher miteinander vergleichen. Nehmen wir zum Beispiel den NFL Draft 2011. Weiterlesen

Zwei Jahre danach: Cameron Newton

Eines ist fix: QB Cameron Newton von den Carolina Panthers ist einer der Footballer, die die Geister scheiden. Er war es von Anfang an. Cameron Newton war einst in Florida der Backup von Tim Tebow und als solcher hätte er eigentlich dessen Nachfolger werden sollen, doch der Teenie Newton war unreif, stahl Laptops und wurde selbst vom laxesten aller Coaches, Urban Meyer, von der Uni geschmissen. Erst fast zwei Jahre später, im Spätsommer 2010, tauchte Cam Newton wieder auf der Bildfläche auf, als potenzieller Sleeper auf den Quarterback-Job an der Auburn University, einem Kult-College aus einer Kleinstadt in Alabama, das alle zwei Wochen ein Stadion füllen kann, das locker doppelt so groß ist wie die Stadt selbst.

Newton gewann den Job als #1-Quarterback, und der Rest ist Geschichte: Newton dominierte den College Football wie nie ein Spieler vor ihm. Als 1,96m-Mann, geschmeidiger Scrambler und sehr gute Wurftechnik pulverisierte Newton Schul- und Conference-Rekorde in der hochklassigsten aller College-Ligen, der SEC, und er machte es ohne adäquaten Supporting-Cast: Der Running Back war gut, aber alles andere waren solide Spieler, nicht mehr. Auburn hatte ein Team, das bei gutem Saisonverlauf 8-4 gegangen wäre und an #22 in irgendeiner Silvester-Bowl gespielt hätte – ohne Newton.

Mit ihm gewann Auburn 2010/11 die BCS-National Championship. Auburn scorte 65 Punkte gegen die Arkansas Razorbacks. Auburn drehte ein legendäres Spiel in Alabama, nur das verrückteste von vielen Comebacks. Auburn war nicht dominant, aber Newton war es. Und Newton fand sich alsbald mitten drin in einem Recruiting-Skandal, der ihn fast seine Reputation, Auburn fast den Titel, und die Heisman-Trophy fast ihre Integrität gekostet hätte. Es gilt als sicher, dass Newtons Vater eine sechsstellige Summe von Auburns Boostern für die Dienste seines Sohnes kassierte, dass zumindest einige Dinge nicht rechtens gelaufen waren. Newton kam damit durch, mutierte zwar nicht zu einem Helden der Güteklasse Tebow (der mit sehr viel stärkeren Mannschaftskollegen ähnlich dominant am College war), aber Cam Newton konnte sicher sein, dass er NFL-Talent hatte.

Am College hatte er in der offenen spread offense von Guru Gus Malzahn gespielt, eine Art one read-System, das dem Quarterback sein Leben stark vereinfacht. Trotzdem war nicht zu übersehen, dass der Hüne Newton mit seiner Beweglichkeit und seiner Wurftechnik gutes NFL-Potenzial besaß. Im Draft-Prozess 2011 machte er vieles falsch („Ich werde eine Ikone sein“) und wurde immer und immer wieder als großer Unsympath porträtiert, und am Ende wanderte er tatsächlich, längst nicht von allen erwartet, mit dem Top-Pick an #1 nach Carolina.

Ich gestehe, ich habe Newton gehasst wie die Pest und ich fand, dass Carolinas Trümmerhaufen von Offense vieles vertragen würde, aber an einem unerfahrenen und nur bedingt reifen Rookie-Quarterback, sei er noch so talentiert, zu knabbern haben würde. Ich schrieb:

Bis zu allerletzt hatte ich es nicht geglaubt, aber die Carolina Panthers haben sich unter dem neuen Head Coach Ron Rivera tatsächlich entschieden, gleich zu Beginn die Football-Variante von Russisch Roulette zu spielen. Cameron Newton hat kaum 300 Bälle geworfen und ist nun #1-Pick.

Der Amerikaner sagt dazu: high risk, high reward. Newton ist ein Entwicklungsprojekt für die nächsten Jahre und wird eine sehr speziell auf ihn zugeschnittene Offense brauchen. Carolina hat mit diesem Pick den QBs Matt Moore und vor allem Jimmy Clausen mit beiden Fäusten in die Fresse geschlagen. Der Gedanke hinter diesem Pick ist: Alles oder nichts. Kann zweifellos funktionieren. Aber das Gefühl sagt eher: Nope.

Zwei Jahre später spaltet Newton die Massen noch immer. Seine Mobilität ist unbestritten ein gigantisches asset, und der Trainerstab machte einen exzellenten Job um Newtons Talente zu maximieren. Seine Statistiken sind gewaltig, und Carolina hatte in beiden Saisons mit Newton eine der besten Pass-Offenses mit über 7 NY/A, obwohl es außer einem alternden Steve Smith nicht einen einzigen weiteren Ballfänger von Format gibt. Carolina verlor mehr Spiele, als es gewann, aber die Hauptschuld ist eindeutig an anderen Orten zu suchen: Die Defense zeigte erst ab Mitte Saison 2012 Anzeichen von Leben, und Head Coach Ron Rivera geht in engen Spielen nicht bloß der Killerinstinkt ab, sondern regelrecht die Muffe.

Die, die Newton spielen sehen sehen, berichten ganz gerne kritischere Dinge. Es ist unbestritten, dass der Mann nicht der feingeschliffenste Werfer ist, der jeden Ball sauber in die Dreifachdeckung bekommt. Eindeutig geht Newton auch der letzte Zapfen Spielintelligenz ab und er lässt sich ganz gern auch mal von einfacheren Abwehrschemen verarschen. Newton ist nicht der große Student des Spiels und ist manchmal aufreizend lässig, aber hey: Er kann sich das leisten.

Beweglichkeit und, noch besser, die Option auf 1A-Scrambles, sind Voraussetzungen, die viele dieser Probleme kaschieren. Sie sind positive Attribute, die ein NFL-Quarterback haben kann. Newton hat sie, und es ist dadurch kein allzu großer Schaden, wenn er nicht die präzisesten Pässe der Liga wirft: Carolina kann nämlich die Offense so designen, dass sie offener wird als mit einem generischen Pocket-Passer. Beweis sind die letzten beiden Jahre und die Offensivsysteme, die mittlerweile in anderen Orten Einzug gehalten haben. Wie lange der Trend anhält und ob die Defenses darauf eine schnelle Antwort finden, bleibt abzuwarten, aber ein gewisses Maß an Vorsprung haben sich Scramble-QBs immer schon erarbeitet.

Newton ist auch kein Fragilchen wie ein RG3, um dessen Knochen man bei jeden Sprung ins Getümmel Angst haben muss. Newton ist selbst ein Brocken von Mann, der austeilt. Und er scrambelt intelligent, geht den übelsten Hits ganz gut aus dem Weg, rennt nicht mit 180 Sachen blindlings in die Scheiße. Verletzungsgefahr bleibt, aber sie ist bei Newton minimiert.

Es bleibt festzuhalten, dass Newton nach zwei Jahren gewaltige Effizienz-Zahlen eingefahren hat, noch dazu mit einem bestenfalls lauwarmen Supporting-Cast. Newton hat eine durchschnittliche Turnover-Anfälligkeit. Ballsicherheit und Risikomanagement sind ausbaufähig, aber nix nervös zu werden. Newton ist noch längst nicht mit der Konstanz da, wo ein Rodgers oder Brees sind, aber er bietet einem Coach an, eine Offense allein um ihn herum zu bauen – ein Luxus, den nur wenige Teams haben; zum Beispiel ist das nichtmal in Atlanta der Fall, wo man Matt Ryan teure Waffen geben musste um ähnlich effizient zu spielen.

Newton ist einer der faszinierenden Spieler vor dieser Saison 2013. Er hat alle Tools der Welt. Er muss allerdings mit zwei Schwierigkeiten fertig werden: Erstmals hat er nach Chudzinskis Abgang einen neuen Offensive Coordinator. Und dann ist da noch die Lokalpresse, die sich immer mal wieder gerne auf Newton einschießt – die alte Leier bei Jungs, die ihren eigenen Kopf haben und nicht nach der Pipe der Journaille tanzen. Bei arroganten Jungs wie Newton sicher noch schwerer.

Cameron Newton hat bei mir schon gewonnen. Er hat in den zwei Jahren ausreichend gezeigt, dass die meisten Befürchtungen überflüssig waren. Er hat genügend angedeutet um einen #1-Draftpick zu rechtfertigen. Der letzte Schritt zum Elite-QB (sagen wir: Top-5 auf Jahre hinaus) fehlt freilich noch, aber wenn wir das nach zwei Jahren erwarten, legen wir die Latte bei ihm höher als bei allen anderen.

Vielleicht schafft er den Sprung dorthin nie (nur fünf können die Top-5 bilden!), aber das Experiment Cam Newton ist den Versuch wert und noch besser: Auf gutem Wege, zu gelingen.

Lions-Draft von 2011: Zwei sind noch da

Vor zwei Jahren hatten die Detroit Lions ganze fünf Draftpicks: Einmal in Runde eins, zweimal in Runde zwei und zwei späte Picks aus den letzten Runden. Bei letzteren erwartet man grundsätzlich nie allzu viel Output, insofern ist an den gescheiterten Karrieren nicht viel zu beklagen, aber auch bei den frühen Picks ist nach zwei Jahren eine gemischte Zwischenbilanz zu ziehen. Weiterlesen

New York Jets in der Frischzellenkur

ÜBERBLICK

#30 DT Muhammad Wilkerson (Temple)
#94 DT Kendrick Ellis (Hampton)
#126 RB Bilal Powell (Louisville)
#153 WR Jeremy Kerley (TCU)
#208 QB Greg McElroy (Alabama)
#227 WR Scotty McKnight (Colorado)

Der letzte von 32 Einträgen über die Draft-Strategien der einzelnen Franchises. Hat lange gedauert, spricht aber auch dafür, dass sich vieles getan hat während der letzten beiden Monate. Und mehr als ein Eintrag ist bei 10 Stunden Arbeit nebenher nicht möglich.

Ein Draft in der Schmalhansvariante für die Jets: Nur sechs Picks, und wer Spektakel sucht, muss sich andere Drafts aussuchen. Denn die Jets bieten diesmal Solidität. Angefangen mit den beiden Picks für die Defensive Line: #30 Mu Wilkerson und #94 Kendrick Ellis. Wilkerson ist mehr der Athlet für den Posten des Defensive Ends, wenn auch noch recht unerfahren, aber nicht ausgeschlossen, dass die Zeit von Shaun Ellis damit auf der Stelle vorbei ist. Ellis (Kendrick) ist dafür der Fettsack für die Mitte, der NT/DT spielt und mit seinen 152kg das bietet, was John Madden immovable object getauft hat.

Der Rest des Drafts sind späte Picks und alle sind für die Offense: Der Winzling WR Jermey Kerley, der vielleicht als langfristiger Ersatzmann für X-Faktor Brad Smith gedacht ist. RB Bilal Powell als langfristiger Ersatz für Shonn Greene (?), zumindest ein ähnlicher Spielertyp. QB Greg McElroy als angedachter Backup-QB, der die Klappe hält, wenn er auch nach fünf Graupenspielen von Seiten Mark Sanchez noch auf der Bank schmoren muss. Und schließlich WR McKnight in der 7. Runde, dessen einzige Referenz Busenfreund Sanchez ist, weswegen der Pick auch nur müde belächelt wird.

Summa summarum

Etwas unverständlich, warum die Jets mit nicht einem einzigen Pick einen OLB gedraftet haben und dafür mit Kerley und Powell zwei Skill Player, deren Ebenbilder man bereits im Kader hat. Potenziell aber gefällt die Idee, gleich zu Beginn des Drafts die Verjüngungskur in der Defensive Line anzugehen.

Abzuwarten bleibt, ob die Jets durch das Ignorieren der Secondary a) Asomugha im Auge haben, b) Cromartie halten werden oder c) genügend Vertrauen zu Wilson entwickelt haben. Denn dort könnte sich eine Sollbruchstelle auftun, vor allem, weil der Pass Rush nicht bedeutend verstärkt worden ist.

Chicago Bears in der Frischzellenkur

ÜBERBLICK

 

#29 OT Gabe Carimi (Wisconsin)
#53 DT Stephen Paea (Oregon State)
#93 S Chris Conte (Cal)
#160 QB Nate Enderle (Idaho)
#195 LB J.T. Thomas (West Virginia)

Logischer erster Pick der Bears: Ein Offensive Tackle. Gabe Carimi von Wisconsin dürfte die rauhe Mentalität und den Stallgeruch von 2,6 Tonnen Tradition bereits gewohnt sein. Ob der Laufblocker Carimi den großartigen Beschützer der blind side von QB Jay Cutler geben kann, wird sich noch zeigen müssen.

Folgerichtig ist auch der zweite Bears-Pick: DT Stephen Paea. Nach dem Abgang des teuren und geliebten Tommie Harris wird Paea wohl schnell ins kalte Wasser bzw. den gefrorenen Boden von Soldier Field geschmissen werden, um den Ankermann neben DE Julius Peppers zu geben. Auf Paea wird schnell schwere Last liegen, da Chicago nebenan keine gescheiten Tackles zu bieten hat. Auf Paea lag auch während der Combine schwere Last: Über 100kg, um genau zu sein. Paea hat diese dann rekordverdächtig einfach und oft gestemmt.

Der dritte Pick, S Chris Conte, ist IMHO überraschend. Ich hätte Vertrauen zu Chris Harris/Danieal Manning gehabt. Zudem hatten die Bears mit Major Wright einen 2010er-Rookie bereits im Kader. Komischer Pick – ob sich Manning verabschieden wird?

Was zum Nachdenken ist auch QB Nate Enderle (5. Runde): Cutler wird trotz des angekratzten Images weiterhin starten und Backup Caleb Hanie zeigte starke Ansätze im NFC-Finale. Enderle wird wohl den fortgejagten Todd Collins beerben und #3 im Roster werden.

Summa summarum

Klare need-Strategie der Bears in den ersten Runden. Die zwei wichtigsten Löcher wurden gestopft, wobei mir die Offensive Line mit nur einem Pick – wenn auch dem ersten – immer noch zu sehr ignoriert wurde. Die Line spielte gegen Saisonende nicht mehr so absurd schlecht, aber wenn dann immer wieder ein Spiel mit 10 Sacks gegen deinen QB eingestreut wird, dann musst du als Coach einfach reagieren. Solider Draft, aber Lobeshymnen wird quer durch die Lande niemand anstimmen.

Viel eher verbale Prügel. Man erinnere sich an den gefloppten Trade mit den Ravens.

Tampa Bay Buccaneers in der Frischzellenkur

Wenn ich mir die Sezierstunde durchlese, dann haben die Buccs auf der Abwehrseite viel Erwartetes gemacht: Defensive Line, Linebackers, Safety. Ganz viel need-Picks. Ich schrieb übrigens:

Wenn ich mir die Ends im heurigen Draft anschaue, dürften die Buccs schon den Taxi-Schläger Adrian Clayborn im Hinterkopf haben.

ÜBERBLICK

#20 DE Adrian Clayborn (Iowa)
#51 DE Da’quan Bowers (Clemson)
#84 LB Mason Foster (Washington)
#104 TE Luke Stocker (Tennessee)
#151 S Ahmad Black (Florida)
#187 RB Allen Bradford (USC)
#222 CB Anthony Gaitor (FIU)
#238 TE Daniel Hardy (Idaho)

Gesagt, getan. Clayborn war der Buccs-Pick an #20, obwohl noch klangvolle Konkurrenz im Pool war. Clayborn hat Probleme mit einer Lähmung im Arm, die ihn zwar nicht am Schlägern hindert, dafür aber womöglich eindimensional macht – er wird vielleicht nur auf einer Seite in der Line volle Leistung bringen können.

Der großartige Pick ist jener von DE Da’quan Bowers, der noch im Jänner als #1-Pick galt und dann wegen Arthritis-Risiko an #51 durchgereicht wurde. Bowers ist explosiv und sollte massive Verbesserung im Pass Rush bringen – allerdings womöglich für nicht allzu viele Jahre, denn die Verletzung ist chronisch. Trotzdem: Rein von der Idee ein starker Pick. Defensive Lines bauen halte ich für eine immergute Strategie. Und Tampa ist gut darin: Die ersten beiden Picks 2010 waren Defensive Tackles. Die ersten beiden Picks 2011 waren Defensive Ends.

In Runde #3 kam mit Mason Foster ein Linebacker. Gute Wahl, denn die Buccs haben keine Mikes mehr im Kader.

Die Secondary wurde spät angegangen. Mit Safety Ahmad Black von Florida kommt ein Lokalhero, allerdings einer, den man besser nicht auf die kräftigeren Tight Ends abstellt, denn 83kg sind NFL-Fliegengewichtsklasse. CB Gaitor sagt mir nichts, aber die Defensive Backs können jede Hilfe gebrauchen.

Die Offense wurde mit zwei Tight Ends und einem Running Back angegangen. Kein Offensive Liner? Riskante Taktik, aber immerhin gilt TE Luke Stocker als sehr guter Blocker.

Summa summarum

Es ist überhaupt ein Wunder, dass Tampa mit diesen Lücken im Kader eine solche Saison hingelegt hat. Der Draft 2011 hat ganz klar an einigen Schwachstellen angesetzt und vor allem in der Defensive Line „logische“ Picks gebracht.

Klar ist auch: Linebackers, Secondary und vor allem Offensive Line werden weiterhin Problemzonen bleiben, sollte nicht via Free Agency Bewegung kommen. Die Defensive Line hat vorerst ausgesorgt, zumindest wenn alle einschlagen wie gedacht. Aber Tampa kann es sich nach zig Flops nicht leisten, dass Clayborn und Bowers fehlschlagen.

Schlussfazit: Solide Draft-Strategie, denn alle Lücken konnten per definitionem nicht gestopft werden.

Green Bay Packers in der Frischzellenkur

ÜBERBLICK

#32 OT Derek Sherrod (Mississippi State)
#64 WR Randall Cobb (Kentucky)
#96 RB Alex Green (Hawaii)
#131 CB Davon House (New Mexico State)
#141 TE D.J. Williams (Arkansas)
#179 G Caleb Schlauderaff (Utah)
#186 OLB D.J. Smith (Appalachian State)
#197 DE Ricky Elmore (Arizona)
#218 TE Ryan Taylor (North Carolina)
#233 DT Lawrence Guy (DT Arizona State)

Ohne einen der zwei Hand voll Rookies genauer zu kennen, kann man trotzdem einiges aus dem Draft der Green Bay Packers ableiten. Die größte Baustelle in der Mannschaft – die Offensive Line – wurde gleich mit dem ersten Pick angegangen: An #32 kam OT Derek Sherrod. Wie im Vorjahr also ein Tackle (damals Bryan Bulaga). Der LT Chad Clifton wird immer älter und es gilt als hausgemacht, dass spätestens in einem Jahr entweder Bulaga oder Sherrod den Job übernehmen werden.

An #64 ging Randall Cobb, ein explosiver Mann. Ich bin mir nicht sicher, was ein WR in Green Bay soll – James Jones ist FA und Donald Driver uralt. Wird Jones gehen müssen? Was an Cobb interessant ist: Er soll ein starker Return-Spieler sein.

Green Bay hat zudem nach dem Picken von zwei Tight Ends einen ganzen Haufen davon, und alle von ihnen sind blutjunge Spieler. Smells like Konkurrenzkampf.

Der Drittrundenpick ist ein Running Back: Alex Green aus Hawaii. Green gilt als Allround-Waffe, stark im Fangen von Bällen. IMHO direkt abzuleiten, dass Brandon Jackson ausziehen wird müssen. Fangstarke Backs werden bei 3rd downs gebraucht.

Vierte Runde, Green Bay mit einem Cornerback: Davon House, NMS. Kann als hausgemacht gelten, dass House die #4 hinter Williams, Woodson und Shields werden wird.

Summa summarum

Green Bay war deutlich erkennbar darauf ausgerichtet, Lücken im Draft zu füllen, beziehungsweise Positionen zu verjüngen, besonders auf den Tackle-Positionen in der Offensive Line. Ob der Cobb-Pick nun das Ende von Driver und/oder Jones bedeutet, wird sich zeigen, aber auch hier die versuchte Frischzellenkur. In den späten Runden wurden Picks für quantitativ bereits stark besetzte Positionen gemacht. Man will offenbar Konkurrenzkampf schüren. Reibungspunkte setzen nach dem Titelgewinn.

Die Presse sieht in Green Bay bereits wieder den Titelfavoriten. Ich bin nach wie vor nicht ganz davon überzeugt.

Baltimore Ravens in der Frischzellenkur

ÜBERBLICK

#27 CB Jimmy Smith (Colorado)
#58 WR Torrey Smith (Maryland)
#85 OT Jah Reid (UCF)
#123 WR Tandon Doss (Indiana)
#164 CB Chykie Brown (Texas)
#165 DE Pernell McPhee (Miss. State)
#180 QB Tyrod Taylor (Virginia Tech)
#225 RB Anthony Allen (Georgia Tech)

Wenn du in der komfortablen Position bist, keine großen Lücken im Kader zu haben und allenfalls punktuelle Verbesserungen anstehen, dann bringt der Draft so seine Luxusprobleme mit sich. So in Baltimore. Zwei augenscheinlich nicht optimal besetzte Positionen: Defensive Backs und Wide Receivers. Beide Positionen wurden quantitativ angegangen.

CB Jimmy Smith von Colorado an #27 der erste Pick – aufgrund der Schlafmützigkeit ein Pick zu spät, aber Smith wird irgendwo in den Tiefen des depht chart eingelernt werden und muss nicht unmittelbar gegen die #1 und #2 Receiver antreten. Zumindest ich sehe bis auf die wenigen Big Plays, die aufgegeben wurden, keine so schwache Secondary in Baltimore, sofern wenigstens ein paar der zig Free Agents gehalten werden. Mit CB Chykie Brown kam später noch ein zweiter Deckungsspieler hinzu, wobei ich bei der Masse an Defensive Backs im Kader so meine Bedenken haben, ob Brown überhaupt seinen Platz kricht.

Zu den Wide Receivers: WR Torrey Smith ist ein Lokalheld (von Maryland) hat die wunderbare Gelegenheit, neben einem Haufen bekannter, aber alternder Spieler eingelernt zu werden und mit der Aussicht, in spätestens zwei Jahren bei entsprechender Entwicklung Starter zu sein. WR Tandon Doss ist ein Typ für dendiedas Slot, wo die Ravens aber auffällig häufig auch WR Boldin reinstellen. Wird spannend.

„Spannend“ ist die richtige Vokabel für QB Tyrod Taylor, der im Vorfeld aggressiv als Quarterback vermarktet wurde, aber nicht wenige glauben, das Taylor zum WR umgeschult werden könnte. Zwischen Dual-Waffe und fuffzigstem Wide Receiver im Kader ist bei Taylor also alles drin. Der gesuchte erfahrene Backup für Flacco dürfte Taylor allerdings nicht sein.

Dazu zwei interessante Einberufungen mit OT Jah Reid und RB Allen. Reid könnte in absehbarer Zeit Starter sein, denn Baltimore hat zwar Optionen, aber keine vollends befriedigende. Yanda, Oher, Gaither – alle haben so ihre Flauseln, sei es der Vertrag, eine Verletzung oder Selbstüberschätzung. Bei Allen könnte es zu Höherem reichen, weil RB McGahee womöglich zu teuer werden wird und RB Ray Rice nicht der Mann für 20 Carries pro Spiel ist.

Summa summarum

Die Idee der Ravens war, ihre Lücken zu füllen, aber nicht um jeden Preis. Kann man als „gelungen“ betrachten. Es hängt weiterhin an QB Joe Flacco, wie nahe diese Mannschaft dem Superbowl-Ring kommen wird.

Oakland Raiders in der Frischzellenkur

ÜBERBLICK

#48 C Stefen Wisniewski (Penn State)
#81 CB DeMarcus Van Dyke (Miami)
#92 OT Jordan Barksdale (LSU)
#113 CB Chimdi Chekwa (Ohio State)
#125 RB Taiwan Jones (Eastern Wash.)
#148 WR Denarius Moore (Tennessee)
#181 TE Richard Gordon (Miami)
#241 WR David Ausberry (USC)

Die einzige Franchise ohne Erstrundendraftpick in diesem Jahr, die Oakland Raiders. Dafür eine recht konservativ ausschauende Draftklasse. „Konservativ“ und „Raiders“ liest sich in anderen Worten aber immer noch so: Drei der schnellsten Spieler der NFL-Combine 2011 gedraftet.

Der schnellste von allen: CB Demarcus van Dyke (Miami), so gut, dass er in der mittelmäßigen Mannschaft der Miami Hurricanes am College nicht mal Starter war. Trotzdem reichten seine Sprinterqualitäten für Al Davis zum Pick #81. Auch CB Chimdi Chekwa und WR Denarius Moore haben Sprintermuskeln vor dem Herrn und sind somit für die Raiders optimale Einsatz-Objekte.

Der erste Raiders-Pick an #48 ist dagegen mit C Stefen Wisniewski ein auffällig unauffälliger Pick, der angesichts der eklatanten Schwächen in der Offensive Line auch für die Raiders „logisch“ ist. Die „logische“ Erklärung im Sinne von Al Davis: Stefen Wisniewski ist der Neffe von Steve Wisniewski, dem großartigen Raiders-Guard aus den 90ern, der in 12 Jahren 8x Pro Bowler und 8x All-Pro war. Raiders-Familie bleibt Raiders-Familie.

In Runde 3 kam mit OT Joe Barksdale ein weiterer Blocker, dem eine Außenseiterchance auf den Starterposten gegeben wird. Barksdales Empfehlung: 1,93m, 147kg. Gewaltige Körpermaße, unterdurchschnittliche College-Karriere.

TE Richard Gordon gilt als guter Blocker und dürfte somit automatisch willkommen sein, selbst im Sprinter-Ensemble der Raiders. WR David Ausberry ist als 110kg schwerer Ballfänger ein Exot in Oakland, gilt als possession receiver. RB Taiwan Jones ist ein guter Kickreturner und blitzschnell (hey, Überraschung!). Fragt sich, was der Mann in Oakland soll, wo es an Running Backs und Returnspielern nun wirklich nicht mangelt.

Summa summarum

Die großen Namen sind nicht drunter, dafür die großen und schweren und die schnellen Athleten. Allesamt Spieler, die ins Raiders-Schema coach ’em up passen. Also doch nicht sooo neue Nachrichten aus Oakland.

Seattle Seahawks in der Frischzellenkur

ÜBERBLICK

#25 OG James Carpenter (Alabama)
#75 OG John Moffitt (Wisconsin)
#99 LB K.J. Wright (Mississippi State)
#107 WR Kris Durham (Georgia)
#154 CB Rich Sherman (Stanford)
#156 S Mark LeGree (Appalachian State)
#173 CB Bryon Maxwell (Clemson)
#205 DE Lazarius Levingston (LSU)
#242 LB Malcolm Smith (USC)

Nach dem Draft wurde auf die Seahawks ja ordentlich eingeprügelt und selbst Nick Saban zeigte sich baff von der Einberufung von Guard James Carpenter in der 1. Runde des Drafts:

Pick #2: Ebenso ein Guard, John Moffitt. Nun könnte man streiten, ob man in Runde 1 anstelle Carpenters vielleicht Moffitts College-Teamkollegen OT Gabe Carimi hätte nehmen sollen. Fest steht: Richtig und wichtig, dass Pete Carroll die Unzuverlässigkeit der aktuellen Line erkannt und sich im Draft in diese Richtung bewegt hat.

Die eklatanten Lücken in der Secondary wurden erst später angegangen, mit zwei CBs und einem Safety in den späteren Runden. Die vorderen Reihen der Defense mit #99 K.J. Wright und zwei ganz späten Picks auch eher von der Idee her mit Ergänzungsspielern bestückt und der geforderte impact player wurde jedenfalls nicht mit Vehemenz im Draft gesucht (dass sich ein später Pick als Volltreffer erweisen kann, betrachte ich mal eher als nicht „geplant“).

Was ins Auge sticht, ist der WR-Pick von Chris Durham (Georgia). Durham hat monströse Maße (1,97m), aber als Bulldog sehr unauffällige Leistungen gezeigt. Gilt eindeutig als reach. Passt vor allem aber konzeptionell nicht in diese Draftklasse.

Summa summarum

Der Durham-Pick ist etwas irritierend, aber ansonsten keine Draftklasse für die Hunde. Ob Guards oder Tackles, Offensive Line war auch die in den Sezierstunden angesprochene Priorität #1. Seattle muss, bevor sie den Quarterback der Zukunft einkaufen, unbedingt eine vernünftige Line zusammengestellt haben.

Seattle ist ein identitätsloses Team ohne klar erkennbare Stärken und mit vielen Lücken in der Defense, von daher ist auch das breit gestreute Draftmaterial in der Defense erklärbar. IMHO von der Idee ein Draft, nicht so unterirdisch, wie er gemacht wurde.

Der Top-Pick ist diesmal OT Nate Solder, ein Rohdiamant, den es zu schleifen gilt. New Englands Offensive Liner waren in den letzten Jahren stets eher spätere Picks, die dann im Laufe der Jahre vom knallharten Dante Scarnecchia zu einer starken Einheit gecoacht wurden. Solder gilt als helles Köpfchen und als ehemaliger Tight End als sehr athletisch, auch wenn seine Block-Technik noch einiges an Arbeit verlangt.

Buffalo Bills in der Frischzellenkur

ÜBERBLICK

#3 DT Marcell Dareus (Alabama) 
#34 CB Aaron Williams (Texas)
#68 LB Kelvin Sheppard (LSU)
#100 CB Da’norris Searcy (UNC)
#122 OT Chris Hairston (Clemson)
#133 RB Johnny White (UNC)
#169 LB Chris White (Mississippi State)
#206 CB Justin Rogers (Richmond)
#245 OG/NT Michael Jasper (Bethel)

Buffalos Top-Pick an der #3 ist Marcell Dareus, der Defensive Liner von Alabama, ein Pick der Marke „wir bauen an unserer Front Seven“. Die klare Aussage hinter diesem Pick ist a) wir haben Geduld mit dem Neuaufbau und b) Solidität ist wichtiger als Spektakel.

„Spektakel“ fällt mir ein, wenn ich an Buffalos letzten Pick denke, bzw. sehe. Michael Jasper, ein Guard aus dem College, aber in der NFL wird der Mann allerhöchstens das Revival des unglaublich fetten Sackes in der Mitte der 3-4 Line. Jasper hat in den letzten Monaten abgespeckt… und wiegt „nur“ noch 180kg. Dieses Foto ist zu geil – wie überhaupt der Pick: geringes Risiko und im schlimmsten Fall jemanden geholt, der ein paar Fans ins Stadion lockt.

Bezüglich der schwachen Secondary haben die Bills zwar auf CB Peterson verzichtet, aber in der späteren Folge reihenweise Defensive Backs geholt: Aaron Williams, Da’norris Searcy und Justin Rogers. Williams und Searcy gelten auch als Kandidaten für einen Wechsel in die Safety-Positionen, Rogers sollte als Nickel Back angedacht sein.

Büsschen verwunderlich, warum die Bills so viele Linebackers geholt haben, wo doch die Ansätze an dieser Stelle mehr in Punkto „Qualität“ denn „Quantität“ hätten liegen müssen. Und dass nur ein einziger OT, Chris Hairston, dazu noch spät geholt wurde, ist ebenso merkwürdig.

Summa summarum

Ist es möglich, dass Chan Gailey schön langsam meinen Respekt gewinnt? Gemeinsam mit GM Buddy Nix wird hier seelenruhig am Aufbau einer Mannschaft gearbeitet, fast schon lähmend ruhig. Aber anders als in Carolina wird hier nicht Rabatz gemacht und mit schweißnassen Händen ein Quarterback aus dem Glückstopf gezogen, sondern erstmal die berühmte Rahmenbedingung verbessert.

Philadelphia Iggles in der Frischzellenkur

ÜBERBLICK

#23 G Danny Watkins (Baylor)
#54 S Jaiquawn Jarrett (Temple)
#90 CB Curtis Marsh (Utah State)
#116 LB Casey Matthews (Oregon)
#120 K/P Alex Henery (Nebraska)
#149 RB Dion Lewis (Pitt)
#161 G Julian Vandervelde (Iowa)
#191 C Jason Kelce (Cincinnati)
#193 LB Brian Rolle (Ohio State)
#237 LB Greg Lloyd jr. (Connecticut)
#240 FB Stan Havili (USC)

Die Eagles haben zwar die RT-Position übergangen, aber mit dem kanadischen Feuerwehrmann/Guard Danny Watkins einen sehr reifen (27 Jahre alt) Spieler geholt, der als Starter vom Tag 1 an gilt. Die Offense Line braucht IMO jede erdenkliche Hilfe, um den eh schon verletzungsanfälligen QB Vick möglichst optimal zu schützen. Vick ist das Kapital der Eagles für die die nächsten 2-3 Jahre, wohl auch daher in den späteren Runden mit G Vandervelde (Iowa) noch ein Talent anfänglich für die Tiefe im Kader.

Der Pick von Safety Jarrett in der zweiten Runde könnte ein Zeichen sein, dass der alternde Safety Quintin Mikell tatsächlich auf den freien Markt gespült wird. Mikell gilt unter Insidern als einer der besten seines Fachs, aber wie in den Sezierstunden angedeutet: Die Eagles lassen Spieler über 30 gerne mal schnell ziehen. Daneben CB Curtis Marsh für die Secondary.

Auffallend: Dreimal Linebackers im Draft, angeführt von OLB Casey Matthews, Clays Bruder. Die LBs sind sehr dünn besetzt in Philly und vor allem: Man ist mit den OLBs Bradley und insbesondere Ernie Sims sehr unzufrieden. Beide sind Free Agents und ich würde nicht mehr darauf wetten, dass auch nur einer bleiben wird.

Zwei Picks sind irritierend: RB Dion Lewis, von der Anlage ein ähnlicher Spielertyp wie RB McCoy, passt mir nicht ins „hierundjetzt“-Konzept. Ist langfristig die Übernahme von McCoys Posten angedacht? Und in der Kadersofortrestrukturierung: Wird Jerome Harrison gehen?

Der zweite raisingtheeyebrows-Pick, natürlich, ist Kicker Alex Henery. Henery soll zwar ein schlechter Kickoff-Spieler sein, was dank Verschiebung auf die 35yds-Line vmtl. negiert wird. Interessanter: Henery soll zwar primär Kicker sein, aber auch ein sehr starker Punter. Vielleicht ist auf die Schnelle nicht mal so sehr David Akers‘ Platz gefährdet, sondern mehr Sav Roccas?

Der letzte Pick war der von FB Havili. Ein need-Pick und Havili sollte einen Kaderplatz bekommen, weil Leonard Weaver am Saisonbeginn diese fürchterliche Knieverletzung erlitten hat. Ich werde kein Video verlinken. Phantomschmerzen und so.

Summa summarum

Souveräner Eagles-Draft. Die Offensive Line ist besonders mit Vick under center eine wichtige Position und dazu zweimal hohe Picks für die Secondary, die mit S Mikell den wahrscheinlich besten Mann verlieren wird. Andy Reid wird für den frühen Kicker/Punter-Pick aufgrund des ach so frühen Zeitpunkts in der vierten Runde durch wie die Sau durch die Gasse getrieben – aber wenn unter den 11 Picks von 2011 nicht auch mal ein Kicker sein darf, wann dann? Need-Draft und sollte Vick nicht niveaumäßig deutlich abfallen, werden die Eagles contenders bleiben.

New England Patriots in der Frischzellenkur

ÜBERBLICK

#17 OT Nate Solder (Colorado)
#33 CB Ras-I Dowling (Virginia)
#56 RB Shane Vereen (Cal)
#73 RB Stevan Ridley (LSU)
#74 QB Ryan Mallett (Arkansas)
#138 OT Marcus Cannon (TCU)
#159 TE Lee Smith (Marshall)
#194 DE Markell Carter (Central Arkansas)
#219 CB Malcolm Williams (TCU)

Die Patriots-Strategie ist seit Jahren ident, und sie lautet: Trade so viele Picks wie nur möglich, um möglichst im nächsten Jahr wieder einen First Rounder mehr zu haben, den man dann für das übernächste Jahr eintauschen kann. Same procedure as every year also, auch wenn Belichick es IMHO diesmal übertrieben hat. Am Ende wurde gar ein blanker #193-Pick gegen einen blanken #194-Pick getauscht. Einfach so. Ohne Gegenwert. Nur um getauscht zu haben.

Der Top-Pick ist diesmal OT Nate Solder, ein Rohdiamant, den es zu schleifen gilt. New Englands Offensive Liner waren in den letzten Jahren stets eher spätere Picks, die dann im Laufe der Jahre vom knallharten Dante Scarnecchia zu einer starken Einheit gecoacht wurden. Solder gilt als helles Köpfchen und als ehemaliger Tight End als sehr athletisch, auch wenn seine Block-Technik noch einiges an Arbeit verlangt.

Interessant ist der zweite Pick, die #33, CB Ras-I Dowling von Virginia. Auch charakterlich ein Spieler, der in Belichicks System passt und groß genug, um auch gegen die Johnsons und Fitzgeralds der Liga zu verteidigen. New England könnte plötzlich eine recht solide Secondary beisammen haben.

Danach aber zwei komische Picks mit den beiden RBs Shaun Vereen und Stevan Ridley. Jeder für sich schaut ordentlich aus, aber ZWEI Backs, wenn du händeringend Pass Rush brauchst? Vereen ist ein kleingewachsener und hart zu Fall zu bringender Back, der nicht beim ersten Kontakt eingeht und zudem sehr fangsicher sein soll.

Ridley soll ein Brecher-Typ sein: Geradeaus durch die Mitte, Kopf tief halten und ab durch die Wand. Dafür Butterfinger bei Pässen haben und völlig ohne Schimmer, wie sich zu verhalten, wenn er um die Offensive Line herumgeschickt wird. Auf einen counter wird man Ridley also nicht schicken.

Der Pick der Picks ist für mich so klar wie frisches Kaltgetränk: QB Ryan Mallett. Kein Jota hätte ich darauf gewettet, dass sich Belichick für Mallett interessiert. Nicht charakterlich, nicht spielerisch. Ein bockiger, beratungsresistenter Mann mit einem Arm für das vertikale Spiel? Riecht irgendwie faul – ähnlich einst Randy Moss (ein bockiger, lernunwilliger Mann mit allen Anlagen für das vertikale Spiel). Ich bin trotzdem irgendwie… perplex.

Gedanke 1: Der Pick passt nicht zu Bill Belichick.

Gedanke 2: Aber er zeigt andererseits auch den anderen Bill Belichick: In der Lage, unkonventionell zu denken und für das Durchpeitschen seiner Ideen im Notfall sogar bereit, eine seiner Freundinnen zu verhökern. Es gibt nichts, was Bill Belichick ohne einen Hintergedanken macht.

Die späteren Picks haben alle durchaus ihren erkennbaren Sinn: OL Marcus Cannon hat zwar eine krebsartige Lymph-Erkrankung und wird länger ausfallen, aber die Körpermaße, Baby: 1,96m, 162 (!) kg. Wieder ein Fall für Scarnecchia – superathletischer Blocker, den es zu schleifen gilt.

Noch nicht genug Blocker? Bitteschön, TE Lee Smith, bereits zweifacher Familienvater und glücklich verheiratet und ein Blocker vor dem Herrn, der kurz- bis mittelfristig Alge Crumpler ersetzen soll. Smith ist allerdings hüftsteifer als eine Scheibe Wurstbrot.

Wir wollten Pass Rusher? Gestatten, DE Markell Carter, der als reiner Pass Rusher gilt. Muss ein System-Spieler sein, wenn Belichick seinen einzigen Pass Rusher in Runde #6 nimmt. Womöglich ist dies der 3-4 OLB, den alle so vehement gefordert haben.

Summa summarum

Schwer zu analysierende Draftklasse der Patriots (Überraschung, Überraschung). Der zweite RB-Pick und der Mallett-Pick sorgen für leichte Verwirrung und ich kann mir das konsequente Ignorieren der größten Baustelle (Pass Rush) nur damit erklären, dass Belichick entweder volles Vertrauen in die Entwicklung der aktuellen Linebacker hat oder etwas sehr Spezielles in ichheißenichtMarcell Carter  sieht.

Die Running-Back-Situation ist auch recht verworren: Woodhead ist einer der aufregendsten Spieler überhaupt, Green-Ellis ist als System-Spieler höchst produktiv, Morris/Taylor hatten alle ihre Momente. Nun stoßen noch gleich zwei relativ hoch einberufene Spieler dazu, für die man andere Baustellen geopfert hat.

Und man darf jetzt schon spekulieren, wie Belichick den zusätzlichen Erstrundenpick von 2012 weitertauschen wird.

Miami Dolphins in der Frischzellenkur

ÜBERBLICK

#15 OL Mike Pouncey (Florida)
#62 RB Daniel Thomas (Kansas State)
#111 WR Ed Gates (Abilene Christian)
#174 FB Charles Clay (Tulsa)
#231 DT Frank Kearse (Alabama A&M)
#235 CB Jimmy Wilson (Montana)

Ein Zwickmühlendraft der Dolphins. Erster Pick an #15 und kein Pick in der zweiten Runde (wg. Marshall-Trade), dazu an #15 kein Quarterback mehr verfügbar und die besten Positionen im Kader waren die besten Positionen im Draft (Defensive Line). Wie willst du so die Welt zerreißen?

Irgendwie ist die Draftklasse dann auch nicht so wirklich überzeugend. C/G Mike Pouncey als ersten Pick und man kann davon ausgehen, dass Pouncey nur dank des Zwillingsbruders so früh genommen wurde. Trotzdem: Hier wurde eine Lücke gefüllt. Interessant, dass nun auch die interior offensive linemen immer früher vom Tablett gehen.

Der Running Back, als den die Auguren Mark Ingram angesehen hatten, kam nach einem Trade aufwärts in Runde 2: Dan Thomas (KSU), ein Brecher-Typ, der lieber über die Line drüber läuft, als drumherum. Ein uninspirierender Pick. Ein zweiter RB ist Charles Clay (4. Runde), der auch TE spielen können soll.

Coolste Offensiv-Einberufung ist jene von WR Ed Gates, der lt. Profil ein schneller Mann für die tiefen Bälle sein soll. Miami hat einen mit Chad Henne einen QB mit allgemein anerkannt waffenscheinpflichtigen Wurfarm und eine Receiver-Truppe bestehend aus possession receivers (á la Marshall) und slot receivers (siehe Bess). Finde den Fehler (wie die Dolphins).

Zweimal Defense am Ende des Drafts. Einmal DT bzw. NT, einmal CB in Runde 7.

Summa summarum

Eine uninspirierende Draftklasse der Dolphins, wenn da nicht der Gates-Pick wäre. Ob Gates überhaupt den Sprung vom kleinen Abilene Christian College in die NFL schafft, steht in den Sternen, aber potenziell ist das eine – mit Verlaub – geile Idee. Miami wird zwar so lange geprügelt werden wie QB Henne seine Probleme hat, aber IMHO kann in Miami allein mit kreativerer Spielanlage viel bewegt werden. Das Variationspotenzial dürfte erweitert worden sein. Die AFC East dürfte in der Spitze enger werden, als es uns die Seher von ESPN weismachen wollen.

[Update] Stell dir vor,

es ist Drafttag. Die Carolina Panthers haben gerade ihren ersten Pick gemacht. NFL-Commissioner Roger Gotohell marschiert zum Podium und verkündet:

With the number one overall draft choice the Carolina Panthers have selected Auburn quarterback Cameron Newton.

Getöse in der Radio City Music Hall, NFL Network und ESPN fahren ihre schwersten Geschütze auf und analysieren den sensationellen Pick minutenlang bis in die Pupette hinein – und kein Bild, keine Trikotübergabe, kein Statement, kein Nichts von Cameron Newton zu sehen.

Kein Blaine Gabbert, der immer verzweifelter dreinschaut, weil ihn wider Erwarten bis an #25 (Seattle Seahawks) kein Team draften will, trotz all des Hypes in den letzten Tagen vor dem Draft.

Denn Newton und Gabbert sitzen irgendwo zweitausend Meilen entfernt und geben für einen kleinen Sender ihre Meinung zum Besten. Irgendwo, nur nicht für die Großen.

 

Langweilig, nicht?

Aber genau das, was die formell nicht mehr existente NFLPA die Rookies angewiesen hat und wohl auch so passieren wird. Der Arbeitskampf zieht merkwürdige Blüten.

UPDATE, 15.3.2011/9h32

Die Ankündigung der NFLPA, die Spieler vom NFL Draft fernzuhalten, ergibt Sinn, da die Spieler in der kartellrechtlichen Klage gegen die NFL auch Free Agency und Draft anfechten werden. (Gefunden bei ProFootballWeekly via Vier Viertel)

„Brady gegen die NFL“: Aktuell fechten die Spieler die Aussperrung („Lockout“) an. Sie wollen eine Einstweilige Verfügung erzwingen. Der Fall trägt den Namen „Brady vs. NFL“ und wird am 6. April in Minneapolis verhandelt, aber NICHT vom von den Spielern geliebten Richter David Doty, sondern einer Richterin namens Susan Nelson. Diese Klage hat erstmal noch nichts mit der geplanten Klage gegen den Draft zu tun. Also erstmal drei Wochen abwarten in Sachen Lockout.

Kleine Korrektur zu oben: Die NFLPA existiert zwar nicht mehr als zertifizierte Gewerkschaft, ist aber immer noch eine Organisation, die die Rechte der Spieler vertritt. Ob die Dezertifizierung „Augenwischerei“ (sham) ist und damit unkorrekt, oder nicht, wird demnächst im NRLB (National Relations Labor Board – eine unabhängige Plattform) entschieden.