Die letzten Informationen vor Start der NFL-Saison 2015/16

Der Wetterbericht hat es seit Tagen angekündigt: Der Sommer ist um und macht Platz für die beste Zeit im Jahr, den Herbst. Herbst steht seit Jahren Synonym nicht nur für den Verfall, sondern auch für das Aufkommen der Football-Saison in den USA. Letzte Woche die Präambel mit dem Start des College Football. Heute geht es in der Königsklasse los, der National Football League. Die anstehende Saison 2015/16 endet Anfang Februar in Super Bowl 50. Insofern stehen wir auch vor so etwas wie einer Jubiläumssaison, die vermutlich auch in den großen Networks recht goldig aussehen wird. Weiterlesen

Jacksonville Jaguars vor ihrer Wembley-Premiere

Um einen potenziell ausufernen Einleitungsabsatz kurz und knackig zu halten: Am Sonntag findet das zweite Saisonspiel er NFL-International Series statt. Mit dabei sind diesmal die San Francisco 49ers (waren schon 2010 eingeladen) und das designierte Heimteam für NFL-Wembley, die Jacksonville Jaguars. Zu denen gleich mehr. Es ist die London-Premiere der Jaguars. Aufzupassen ist wie immer Ende Oktober auf die Kickoffzeit: Diese ist 17h Ortszeit oder 18h MEZ, da die Vereinigten Staaten wie immer ihre Zeitumstellung auf Winterzeit nicht schon morgen Nacht, sondern erst nächste Woche vornehmen.

Nein, ich werde nicht vor Ort dabei sein, und nein, ich bin diesmal auch nicht „einfach so“ in London. NFL-Wembley gibt es für mich wieder vom Arbeitszimmer aus, aber ich weiß von einigen Lesern, dass sie dort sein werden. Wer Fotomaterial oder einen kurzen Erlebnisbericht beisteuern will, möge mir entsprechende Unterlagen in textlicher oder bildlicher Form zukommen lassen (eMail Adresse ist im Impressum zu finden). Ich werde es gerne veröffentlichen, wenn gewünscht.


Zustand der International Series

Schon letztes Jahr erörterte ich den Zustand der NFL-International Series und insbesondere auch der für vier Jahre zum Heimteam deklarierten Jacksonville Jaguars. Seither wurde bekannt, dass ab 2014 noch ein drittes Wembley-Spiel installiert wird, was mich verblüffte, da die NFL jahrelang ergebnislos versuchte, ein zweites Europaspiel zu implementieren, ehe es nun innerhalb kürzester Zeit gar zu einem dritten kommt. Man muss wissen, dass für das UK-Territorium Wembley seit Jahren die Exklusivrechte auf die NFL-Spiele besitzt, und es hatte lange den Anschein, als dass weder London/Wembley, noch irgendeine andere Stadt innerhalb oder außerhalb des UK bereit war, die finanziellen Forderungen auf das Heimspielrecht (die nicht gering sind), zu erfüllen.

Mir ist nicht bekannt, ob die NFL sich den Wembley-Spaß mittlerweile aus eventuell strategischen Gründen weniger fürstlich entlohnen lässt und wenn ja, warum, oder ob Wembley auf der Suche nach Auslastung (oder aus anderen Motiven) mehr Geld in die Hand nimmt, um eine bis dato noch immer ausverkaufte Veranstaltung weiter auszubauen. Werden die Grenzen von „NFL in Europa“ ausgelotet? Verfolgt die eine (NFL) oder andere (Wembley) Partei damit wirklich längerfristige Ideen mit Blick auf eine zukünftige NFL-Franchise in London? Fragen, auf die ich keine Antwort liefern kann.

London Jaguars

Meine Überraschung zum Thema „Jaguars und London“ habe ich schon vor fast genau einem Jahr kundgetan. Meine Einstellung Richtung der neuen Besitzerfamilie Khan hat sich seither entwickelt, und das zum Positiven: Ich halte Khan für einen ambitionierten Owner, der viele Bausteine bewegt hat, um die kleinste und anonymste NFL-Franchise auf Vordermann zu bringen. Nicht nur, dass sich die Auslastungsproblematik bei Heimspielen verbessert hat: Senior Shadid Khan hat mittlerweile eine neues Front-Office unter der Aufsicht seines Sohnes installiert, einen neuen General Manager im ambitionierten David Caldwell, der aus dem Hause der Atlanta Falcons kommt, und einen Trainerstab um Gus Bradley.

Freilich fruchtet das noch nicht in einem sportlich brauchbaren Produkt, das zweifellos dringend notwendig ist, um die Jaguars auch als „Marke“ in London und Europa zu implementieren bzw. zu platzieren. Schlimmer: Die Jaguars 2013 sind auf dem Weg, die schlechteste Saison ihrer Franchise-Geschichte (2012 mit 2-14) nochmal zu unterbieten.

Bei aller guten Grundlagenarbeit, die Khan in den nunmehr fast zwei Jahren seit Besitzübernahme der Franchise gemacht hat, sind leblose 2-14 oder 1-15 Saisons für schnelle Fanbindung nicht gut. Denn der gemeine Fan will für einen Sieger jubeln, und nicht einen Loser.

Jacksonville Jaguars 2013

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Sieben Spiele, sieben Niederlagen. Schlechteste Punktausbeute in der Offense (76 in sieben Spielen). Zweitschlechteste Punktausbeute in der Defense (222 in sieben Spielen). Pythagoreische Erwartung von 1.1 (!) Spielen – das gab so noch nichtmal 2008 bei den Lions. Platzierung im Power-Ranking: 32. Dazu ein Kader, aus dem man selbst mit etwas Wohlwollen nur RB Jones-Drew und LB Poluszny als sowas ähnliches wie „Stars“ herauspicken kann. Mal ehrlich: Der momentane Kader der Jaguars ist so schwach wie gesichtslos. Da kann ein Trainerstab eben nur Begrenztes herausholen, selbst wenn das bedeutet, dass meine Ankündigung von Saisonbeginn, Jacksonville werde „deutlich mehr“ als zwei Saisonsiege holen, mittlerweile zu hoch gegriffen klingt.

Die Defense ist dabei noch das kleinere Übel, auch wenn diese am Sonntag gegen San Diego die bisher schlechteste Saisonleistung zeigte und absolut kein Land gegen den „underneath“-Stuff der Chargers sah. Ein Hoffnungsträger ist Poluszny. Die anderen der zukunftsträchtigeren Spieler sind im Defensive Backfield aufgestellt: FS Jonathan Cyprien gefällt mir ungemein mit seiner Dynamik, und manch einer sieht auch im 6th-Rounder SS Josh Evans einen echten Hoffnungsträger. Nun ist eine Defense, die auf ILB und Safety gut, im Rest schwach besetzt ist, nie die Vertrauen erweckendste, aber immerhin: Es sind einige Bausteine für Bradley vorhanden.

Viele der Probleme bei den Jaguars kann man wie so oft in der NFL an der QB-Position festmachen: Der 2011 gedraftete Blaine Gabbert ist aufgegeben und wird mit quasi 100%iger Sicherheit kein Franchise-QB mehr. Backup Chad Henne ist nur marginal besser und mittlerweile auch von mir als einem der wenigen verbliebenen Henne-Gläubigen als Hoffnungsträger abgeschrieben. Mit solchen Quarterbacks geht in der NFL nix.

Jacksonville Jaguars 2014

Das Gute: Im Draft 2014 hat man etliche Optionen, einen guten Quarterback an Land zu ziehen, vom aus Florida stammenden Terry Bridgewater über exotischere Männer wie Mariota, Carr, Boyd, Hundley oder Manziel. Fix ist: Jacksonville wird einen Quarterback draften, und wenn sie den richtigen erwischen, kann es in der NFL innerhalb von 2-3 Jahren schnell mal steil nach oben gehen.

Die Offense Line muss dafür sicher eine zweite Priorität bekommen: Den Left Tackle hat man in Luke Joeckel bereits heuer gedraftet, bloß sitzt der momentan auf der Injuried Reserve Liste. Der Rest der Line ist eine Katastrophe.

Hinter RB Jones-Drew gibt es keine Tiefe im Backfield, aber ich sehe durchaus Potenzial im Corp der Ballfänger: Justin Blackmon mag ein charakterlicher Problemfall sein, aber den lass mal mit einem echten QB spielen. TE Marcedes Lewis gehört zu den überbezahltesten Spielern, aber ein Mittelklasse-TE ist er trotzdem, und als solcher sicher brauchbar. Und in der „Irrwisch-Kategorie“ haben wir drei potenzielle Kandidaten:

  • Denard Robinson
  • Ace Sanders. Finde ich bisher… hm. Gut, er war 5th-Rounder. Insofern für 2013 entschuldigt.
  • Mike Brown. Den habe ich am Sonntag zum ersten Mal registriert. Soll ein UDFA von einem kleinen FCS-College sein, der dort QB spielte. Vom ersten Eindruck ist der klar besser als Robinson und Sanders zusammen. Brown ist mit 1.78m zwar per Definition eher Typ Slot-WR, aber gegen San Diego spielte er meinen Eindrücken nach vor allem außen. Bei diesem Herrn würde ich abwarten, aber wenn das kein einmaliger Ausrutscher nach oben war, ist das ein potenzieller Sleeper für die nächsten Jahre.

Jacksonville könnte ein weiteres dieser Umbau-Experimente werden, das es sich zu verfolgen lohnt. Ich habe es nach der berühmten sieglosen 2008er-Saison der Detroit Lions mit „meinem“ Lieblingsteam erlebt: Ein radikaler Schnitt hat was, und man ist bei allen hohen Niederlagen, die zu Beginn kommen werden, dankbar, es erlebt zu haben. Jacksonville 2014 ist längst nicht so gut aufgestellt wie Carolina 2011 oder Indianapolis 2012 und Lichtjahre von Kansas City 2013 entfernt, aber Jacksonville 2014 hat ein besseres Fundament als die Lions nach 2008.

Ich erwarte, dass man Bradley selbst im „Worst-Case“ (die unwahrscheinliche, aber nicht mehr ganz auszuschließende 0-16 Saison) behalten wird. Dann würde ich alle Ressourcen in der Offseason rücksichtslos in meine Offense stecken, um dem neuen Franchise-QB eine passable Offense Line und Skill-Players zu geben mit denen er arbeiten und sich entwickeln kann.

Also. So vermurkst die Situation im Moment aussieht: Es rührt sich was. Ich sehe einige Hoffnung am Firmament.

NFL-Wembley wird weiter ausgebaut

Die NFL hat heute bekannt gegeben, dass im nächsten Jahr (Herbst 2014) ein drittes NFL-Spiel im Wembley-Stadion ausgetragen werden wird. Neben den bereits vertraglich gebundenen Jacksonville Jaguars werden dann die Oakland Raiders und die Atlanta Falcons die anderen Heimteams sein. Oakland und Atlanta… sind nicht die beiden gerade mitten in Verhandlungen mit ihren jeweiligen Städten, weil sie ihre in den 90ern renovierten (Oakland/Mt. Davis) bzw. neu gebauten (Falcons) Stadien leid sind und lieber in moderneren Tempeln spielen möchten? Da ist NFL-International natürlich eine subtile Art, Druck aufzubauen.

Von der persönlichen Warte aus kann ich sagen, dass im September beim Vikes-Steelers Spiel für meine Begriffe ein gewaltiger Auflauf an NFL-Fans in London tummelte. Okay, waren zwei der traditionellen und bekanntesten NFL-Mannschaften, aber dennoch fand ich das mächtig Betrieb. Mal schauen, wie das in zweieinhalb Wochen sein wird, wenn sich zu den Niners auch die Jaguars gesellen.

NFL 2012/13, Spieltag #8 um 18h live

[21h16] Ich werde gleich einen Blogeintrag zum Spiel des Tages aufmachen: Dallas – NY Giants.

[21h13] Spektakuläres Play, mit dem RB Vick Ballard aus Mississippi State das Spiel in der Overtime entscheidet: Ein Flug kopfüber auf den linken Pylon zum siegbringenden Touchdown. IND 19, TEN 13.

[21h10] Der Kick sitzt. Chicago gewinnt haarscharf. Und weiter nach Tennessee.

[21h09] Plötzlich ist so viel Rhythmus da wie heute den ganzen Tag noch nicht für Cutler und Co. Gleich folgt der spielentscheidende Kick aus 41yds Entfernung.

[21h04] Letztes Mal, als ich in Chicago eingeschaltet hatte, waren die Bears bei 14 Nettoyards aus 13 Passversuchen – ohne Worte (u.a. wegen 6 oder 7 Sacks). Jetzt führen die Panthers nach einem Bears-Comeback nur noch 22-20 (CAR brauchte eben ein FG um wieder in Front zu gehen).

[21h02] Spiel zu Ende, Lions bleiben die Dramaqueens der NFL und sind nun 3-4 in ihren Spielen mit einem Score Differenz. Sieben Spiele bisher, alle sieben Spiele innerhalb eines Scores. Und ab nach Chicago.

[21h01] Die Seahawks fumbeln den Kickoff, müssen daher von ca. 10yds weiter hinten beginnen. 83 Yards to go für Seattle, fünf Sekunden hat der Fumble an Zeit gekostet.

[20h58] 20 Sekunden vor Spielende macht WR #16 Titus Young den TD aus einer kurzen Slant-Route den Touchdown. Sehr knapp, aber der Ball berührte nie den Boden. DET 28, SEA 24. Seattle hat zwei Timeouts, muss aber einen Touchdown zum Kontern machen.

[20h55] Ein Play, nachdem WR Calvin Johnson den sicheren TD alleinstehend in der EndZone durch die Finger gleiten lässt, wird RB Bell an der 0,05yds-Line gestoppt. 35sek, drei Versuche in die EndZone – mindestens.

[20h51] Bleibt sehr spannend. Detroit 51sek vor Schluss an der SEA 13. Im schlimmsten Fall sollte nun der Ausgleich zur Overtime drin sein.

[20h47] 2min-Warning in Detroit, und die Lions sind dank einer Orgie an schnellen Kurzpässen schon fast in Fieldgoal-Reichweite. 5, 6 Yards fehlen noch, aber mit einem 41jährigen Kicker dürften ein paar mehr sicher nicht schaden…

[20h37] Dann kommt nichtmehr viel vom Passrush der Lions – QB Wilson wirft einen schönen Pass auf einer Out-Route für TE #86 Zach Miller. Perfekter Catch, DET 21, SEA 24, 5:23 to go.

[20h33] Langer Drive der Seahawks mit mehreren dritten Downs – häufig für WR Rice. Jetzt beraten sie sich, ob und wie sie das 4th-und-2 an der DET 32 ausspielen sollen. 6:42 to go.

[20h19] In Detroit bahnt sich mal wieder eine extrem spannende Schlussphase an. Die Lions marschieren das Spielfeld dank einiger wunderschöner Stafford-Raketen runter, und dann vollendet der wenig leichtfüßige QB Stafford per designtem Scramble. DET 21, SEA 17 eingangs des Schlussviertels.

[20h10] Revanche der Lions: DB #39 Ricardo Silva fängt einen unterworfenen langen Ball für WR Rice locker ab – erst die zweite oder dritte Interception für Detroits Secondary dieses Jahr.

[20h05] QB Stafford übersieht S #29 Thomas, als er für TE #85 Scheffler wirft – INT an der SEA 3.

[20h02] Haben nicht die Pats bei ihrem letzten London-Spiel auch genau 35-7 gewonnen? Die Partie ist gegessen, auch, weil die Pass-Defense nun zwar haufenweise Completions zulässt, aber alles im Bereich von 5-7yds. Die Rams sind shot.

[19h57] Ich hab noch nicht herausgefunden, wer das Spiel in Seattle kommentiert, aber diese ständige Fordern nach einer Art „Randy Ratio“ für Calvin Johnson ist… Bullshit. no matter how talented the guy is

[19h49] S #26 Delmas humpelt im Ford Field aus dem Spielfeld, und die Lions sind dünner und dünner besetzt in ihrer Secondary. Der Pass Rush und ein knapp überworfener Wilson-Ball retten Detroit – nun ist abzuwarten, ob WR Calvin Johnson mehr in das Spiel involviert wird als in der ersten Halbzeit (handgezählte zwei Anspiele bisher).

[19h42] Ohne ein Halbzeitergebnis in Chicago (vs Carolina) vorwegnehmen zu wollen, aber es gab eine Szene, als QB Cam Newton einen Ball in die Endzone fumbelte und WR Murphy den Ball zum Touchdown aufnahm. Cokommentator Daryl Johnston prügelt verbal gerade massiv auf Newton ein, weil der Murphy nach dem Play keines Blickes gewürdigt hatte – sollte dies stimmen (The Moose ist normalerweise kein Dampfplauderer), werden die Medien sofort wieder auf den Egomanen Cam Newton einsteigen.

[19h36] Ich werde mir nun kurz Schutzbrillen besorgen gehen, um das in Kürze beginnende dritte Viertel in Pittsburgh augenlichtschonend verfolgen zu können.

[19h33] St Louis 7, New England 28/Q2 0:10. CB #32 Fletcher erlebt einen schwarzen Tag – bereits mit der dritten Pass Interference beim dritten Down, wodurch die Pats ihren Drive nun gleich zweimal erhalten konnten. Fletchers erste PI war ein harter Call, aber die letzten beiden waren eindeutig. Das Spiel ist +/- bereits zur Pause entschieden.

[19h26] Aufgrund eines schlecht gefangenen Snaps von Holder #6 Dekker bleibt dem Londoner Publikum 2min vor der Pause ein Blick auf den Wunderkicker Zuerlein verwehrt. New England übernimmt aus exzellenter Feldposition und dürfte noch ein paar Pünktchen drauflegen.

[19h22] Die Lions spielen eigentlich keinen unterirdischen Ball, aber „Kleinigkeiten“ ein übersehener TE Scheffler beim dritten Down oder bis an die 3yds Line kullernde Seahawk-Punts machen die eigentlich ordentliche Leistung kaputt. Seattle geht wohl gleich mit 17-14 in die Pause.

[19h05] St Louis 7, New England 21/Q2 6:26. St Louis bekommt TE Gronkowski nicht unter Kontrolle – dritter, vierter, fünfter Catch für Gronkowski, und teilweise arg alleingelassen. Brady führt ein gemütliches Leben in seiner Pocket und kann sich seinen Gronkowski einfach ausgucken – der verletzt fehlende TE Hernandez fehlt bislang überhaupt nicht.

[18h58] Die Rams bekommen korrekterweise einen nonexistenten Fumble zurück, müssen nun bei einsetzendem britischen Wetter punten.

[18h54] Das Ford Field buht sich auch schon die Seele aus dem Leib, weil die Lions einen langen Lauf RB Lynchs aufgegeben haben (ansonsten sieht das nicht so übel aus, was die Lions spielen).

[18h43] St Louis 7, New England 14/Q2 14:12. Die Rams vergessen völlig auf TE Gronkowski, der gleich zweimal mutterseelenallein einfach vertikal das Spielfeld runterlaufen kann. An der GoalLine versuchen es die Pats überraschend nicht mit dem besten Sneak-QB der Welt (Brady), sondern mit Läufen und Pässen. Klappt erst im vierten Versuch, als RB #34 Vereen reintaucht.

[18h38] Paar Straßen weiter führt Chelsea gegen Manchester United einen einsamen Kampf zu neunt (Ivanovic rot, Torres wegen angeblicher Schwalbe vom Platz) gegen zwölf (United + Schiri). Ist auch amüsant.

[18h34] New England stoppt die zweite Rams-Serie schnell, aber es war unter gütlicher Mithilfe, weil WR Pettis nach Verlassen des Spielfeldes einen Pass fing und eine Strafe kassierte. Die Rams müssen vorerst zudem auf Touchdown-Fänger #13 Givens verzichten, der in die Umkleidekabine humpelt.

[18h31] Aus der Rubrik „schlimmste Trikots ever“: Die Pittsburgh Steelers schießen sich mit der heutigen Version von null in die Top-3.

[18h26] Interessanter Beginn auch in New Jersey: Die Jets haben offenbar Schiss genug vor dem Passrush der Dolphins, dass sie bei dritten Downs nun schon zum zweiten Mal den Backup-OT Jason Smith als verkappten sechsten Offense Lineman einwechseln. Miami muss nach verletzungsbedingtem Ausscheiden von QB Tannehill mit unserem Freund QB Matt Moore aufmarschieren.

[18h22] St Louis 7, New England 7/Q1 7:50. Auch die Rams haben ihre offenen Scheunentore: Nach einer windelweichen Pass Interference gegebn DB #32 Fletcher marschieren die Pats locker das Spielfeld runter, in der RedZone findet Brady einen völlig verwaisten WR #85 Brandon Lloyd, der sich gleichmal gegen sein Ex-Team zum Touchdown einführt.

[18h12] St Louis 7, New England 0/Q1 12:25. Da schlägt die Pass-Defense der Patriots wieder zu: QB Bradford bekommt einen Rollout nach rechts und hat alle Zeit der Welt, tief zu gehen. WR #13 Chris Givens läuft eine simple „deep“-Route und fängt das Ei artistisch aus der Luft. Touchdown, schnelle Führung für die Rams.

[18h10] Es könnte heute übrigens das letzte Spiel für einen langjährigen Rams-Eckpfeiler sein: RB Steven Jackson wird von Trade-Gerüchten umgeben, nachdem Teams wie Arizona oder Green Bay händeringend nach wenigstens etwas Laufspiel suchen. Am Dienstag ist Deadline für Trades für diese NFL-Saison.

[18h08] Der Schwenk in die Stadionränge lässt vermuten: doch einige frei gebliebene Plätze, und die beiden untersten Reihen entlang der Seitenlinien wurden zu Gunsten der Teamlogos abgedeckt.

[18h03] Jetzt auch noch God save the Queen.

[18h00] Amerikanische Hymne und diese Choreo auf englischem Boden… naja.

[17h51] Ich spiel grad noch eine Partie Blitzschach zu Ende, dann geht es mit Rasenschach los – nicht in Wembley, dafür reichte die Zeit nicht, aber es geht mit Sicherheit großteils um das Spiel in Wembley.

NFL 2012/13, TV-Guideline #8 abseits von allem Trara in London-Wembley

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NFL in Wembley 2011 – Foto: Steve (danke!)

Noch einmal die Vorwarnung: Nach der Winterzeitumstellung von heute Nacht werden die NFL-Spiele am heutigen Sonntag um 18h und 21h25 MEZ beginnen; die Amerikaner stellen wie gewohnt eine Woche später um.

Der heutige achte Spieltag wird aus europäischer Sicht „überschattet“ vom WembleySpiel zwischen New England und St Louis, worauf wir bereits am Morgen eine Vorschau von Herrmann lesen durften, der die Partie live im Stadion verfolgen wird. Es gibt aber noch weitere Spiele.

Wembleybegleitprogramm

TV-Programm

ESPN America LIVE

So, 18h   STL - NE
So, 21h25 DAL - NYG
Mo, 01h30 ARI - SF

ESPN America Tape

Mo, 11h30 PHI - ATL
Mo, 14h   PIT - WAS
Mo, 16h30 DEN - NO
Mo, 05h   DEN - NO
Di, 16h30 ARI - SF
Di, 04h30 ARI - SF

SPORT1+ LIVE

So, 18h   STL - NE
So, 21h25 DAL - NYG
So, 01h20 DEN - NO
Mo, 01h30 ARI - SF

PULS4 LIVE

So, 22h30 DAL - NYG

Bei Chicago – Carolina steht der junge QB Cameron Newton im Fokus, der in den vergangenen Wochen erstaunlich wüst in die Kritik gekommen ist, obwohl die Zahlen eigentlich a) gar nicht so übel sind und b) auch nicht wirklich einen Leistungsabsturz im Vergleich zum Vorjahr vermuten lassen. Newton leidet derzeit IMHO an vor allem zwei Dingen:

  1. Die extrem vielen langen dritten Downs, die er nicht verwerten kann.
  2. Die Reputation, „Cam Newton“ zu sein.

Ersteres hängt mit Carolinas Offensivsystem zusammen: Ähnlich den Tampa Bay Buccs muss hier um einen nur mäßig präzisen Quarterback gebastelt werden, was zu vielen tiefen Spielzügen führt, aber eben auch zu vielen langen dritten Downs – Carolina muss die längsten dritten Downs im Schnitt ausspielen (9.4yds im Schnitt). Zweiteres hängt mit der öffentlichen Meinung über Cameron Newton zusammen, der schon seit College-Zeiten kein Sympathieträger war und nun im Zweifelsfall eben von Medien und Fans mehr auf die Fresse bekommt als es ein RG3 jemals bekommen würde. Newton muss aufpassen, sich dadurch nicht in ein zu tiefes mentales Loch zu graben. Die Waffen für Brillanz hätte er.

In Philadelphia werden die Eagles beim Wiedersehen Vick/Falcons zum 14ten Mal im 14ten Versuch in der Ära Andy Reid nach der Bye Week einen Sieg einfahren und die letzte ungeschlagene NFL-Franchise (Atlanta) putzen, oder es werden sämtliche erwiesenen Naturgesetze außer Kraft gesetzt und die Pferde kotzen doch noch vor den Apotheken.

Bei NY JetsMiami geht es neben dem Zählen der Tebow-Einspieler vor allem darum, inwiefern die bärenstarke Lauf-Defense der Dolphins die prinzipiell vor allem um den Lauf gebaute Jets-Offense in Kalamitäten bringen kann. Die Jets zuletzt mit einer überraschend knappen Niederlage in New England (wie schon zuvor auch gegen ein anderes AFC-Topteam, Houston) fühlen sich schon wieder an der Schwelle zur AFC-Favoritenstellung.

Zum Thema des Spiels werden auch die pinken Flaggen der Refs gehören, die auf Wunsch eines Jungen eingeführt werden; es ist BTW auch das letzte pinke Wochenende in der NFL für dieses Jahr.

Und schließlich bleibt aufzuwarten, was die Detroit Lions Offense, a.k.a. Megatron, gegen eine blutjunge, aber nicht zu unterschätzende Seahawk-Secondary aufstecken wird können. Spielt Seattles Defense auf einem Niveau, das ihr selbst gerecht wird (wäre so zirka Bears-Niveau), werden wir einen QB Stafford mit 35% Completion Rate erleben. Auf der anderen Seite wird mir die Lions-Abwehr bis dato zu schlecht gemacht, sollte das Spiel zumindest lange eng halten können.

Nachtisch

Erneut nur zwei Spätspiele. Kansas City – Oakland hat die Ingrendienzien, zu den unterirdischsten Ansetzungen des Jahres zu gehören. Die Chiefs haben QB Cassel durch QB Brady Quinn ersetzt, aber sofern da nicht irgendwo ein Phönix aus der Asche steigt, erleben die Chiefs spätestens im Jänner ein erneutes Hausreinemachen.

Schon sehr viel spannender ist das Duell in der NFC East, Dallas CowboysNew York Giants, das „Rückspiel“ des Season Openers. Dallas gewann damals verdient eine Partie, die von vielen Drops der Giants (CRUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUZ) gekennzeichnet war, verlor danach aber drei von fünf Spielen gegen harte Konkurrenz. Die Giants sind 5-2 und Leader der Division, aber auch ihre Leistungen sind noch nicht über alle Zweifel erhaben. QB Eli Manning muss ein Comeback nach dem anderen iniziieren, um die tiefen Löcher, in die sich die Giants graben, zu füllen.

X-Faktoren: Strafen, (fehlende) Defensive Interceptions Cowboys, Verletzung Dallas-LB Lee.

Nachtrunde

Das Sunday Night Game ist bei ESPNA nicht zu sehen, weil dort die World Series Vorrang hat. Interessant werden in den Staaten die Quoten sein, nachdem die ersten beiden Partien der MLB-Finalspiele enttäuschende Quoten eingefahren haben, und dabei war die Konkurrenz noch nicht das Premiumprodukt der NFL, Sunday Night Football…

Diesmal erleben wir das „Wiedersehen“ der beiden Quarterbacks aus Superbowl 44, Peyton Manning und Drew Brees. Die Voraussetzungen könnten unterschiedlicher kaum sein: Denver geigte bisher gegen einen hammerharten Schedule ziemlich stark auf und dürfte in der zweiten Saisonhälfte gegen seine eigene, einfache Division ein lockeres Einspielen auf die Playoffs bestreiten können.

Die Saints dagegen gruben sich mit vier knappen Niederlagen zu Saisonbeginn in ein tiefes Loch und müssen nun „von hinten“ das Feld aufrollen – ab diesem Spieltag mit einem halbneuen Interims-Chefcoach Joe Vitt, der nach Sperre das Zepter von Kromer übernehmen wird. Ob das der schlechtesten Pass-Defense in der National Football League helfen wird, zumal wenn es gegen PEYTON MANNING geht?

Tipps

Siegertipps in Großbuchstaben. Bisherige Bilanz: Enttäuschende 64-41.

CHICAGO – Carolina
CLEVELAND – San Diego
Detroit – SEATTLE
St Louis – NEW ENGLAND
NY JETS – Miami
PHILADELPHIA – Atlanta
PITTSBURGH – Washington
GREEN BAY – Jacksonville
TENNESSEE – Indianapolis
Kansas City – OAKLAND
DALLAS – NY Giants
DENVER – New Orleans
Arizona – SAN FRANCISCO

Über den Zustand der NFL International Series

Zuallererst die Warnung: Diesen Sonntag werden die NFL-Spiele aufgrund der Winterzeit-Umstellung eine Stunde früher beginnen (ab 18h), weil die Amerikaner sich mit ihrer Umstellung wie gewohnt eine Woche länger Zeit lassen. NFL-Woche 8, das ist auch das Wochenende des mittlerweile schon fast zur Tradition gewordenen London-Spiels der NFL („NFL International Series 2012“) im Wembley Stadium.

Sideline Reporter wird mit dabei sein – in Form von Co-Autor Herrmann, der sich irgendwann im Laufe des heutigen Tages gen England verabschieden wird. Ob ich selbst einen Fuß in Stadt oder Stadion setzen werde, steht noch in den Sternen. Eher… nicht. Der Zeitplan lässt höchstwahrscheinlich kein modernes Glücksrittertum für diesen Sonntag zu.

Anyhow. Es treffen am Sonntag um 18h MEZ aufeinander: Die New England Patriots gegen das designierte „Heimteam“, die St Louis Rams – die Neuauflage von Superbowl 36 vor zehneinhalb Jahren, dem ersten Footballspiel, das ich in voller Länge verfolgte.

Während bei den Rams die Legenden um Torry Holt höchstens als Maskottchen zur Promotion mit nach London gereist sind und die „neue“ Generation um Sam Bradford noch ihr Profil stärken muss, sind die beiden Hauptprotagonisten bei den Pats von einst auch heute noch mitten drin: Head Coach Belichick und Quarterback Brady.

Gegenwart und Zukunft der International Series

Die Rams waren ja eigentlich als das neue Fixteam der NFL für London angedacht gewesen, bis sich das lange Vermutete im August doch bewahrheitete: Der neue Rams-Besitzer Stan Kroenke hatte Wembley nur als Hebel für Stadionverhandlungen in der eigenen Stadt unterm Bogen genutzt, und bei der ersten Aussicht auf Erfolg den Dreijahresvertrag mit NFL/London gekündigt.

Ab 2013 werden andere am Start sein. Das neue London-Team für die Jahre 2013-2016 wird eines der unbekanntesten NFL-Teams sein, die Jacksonville Jaguars. Ein erstaunlicher Move vom neuen Jags-Owner Shadid Khan, der offenbar mit Gewalt seine Franchise zur „Marke“ werden lassen möchte.

Mir war bei dieser Nachricht erstmal das Frühstück auf das iPad gefallen. Von einem jungen, kleinen Team aus einem kleinen Markt, ohne große Erfolge und Anhaltspunkte, würde man eher erwarten, sich erstmal regional anzubiedern – zumal sich in Florida genügend Chancen bieten würden, wenn ich z.B. an die Region um Orlando denke.

Aber Khan hat für die Zukunft offenbar andere Pläne, wenn wir Peter King Glauben schenken dürfen: Khan schwebt Jacksonville als „Britain’s Teams“ oder „Europe’s Team“ vor, mit mindestens den vier Heimspielen in den nächsten Jahren (Khan möchte angeblich noch ein zweites Europaspiel implementieren, vielleicht in Irland oder Deutschland) und einem gar nicht unkreativen Reisepaket für europäische NFL-Fans, inklusive Heimspielbesuch in der Gator Bowl und Besuchen in Urlaubsdestinationen wie – eben – Orlando. Nach allem, was ich so beim Durchblättern des Orlando Sentinel aufschnappen konnte, stoßen solche Gedanken in der Region Orlando in etwa auf soviel Gegenliebe wie entzündete Furunkel am Arsch.

So oder so: Khan geht neue Wege. Ich bezweifle jedoch, ob sich der Move auszahlen wird, solange die Jags weiterhin als Billigteam am Bodensatz der NFL herumdümpeln.

Am 27. Oktober 2013 werden die Jags also erstmal eine Partie gegen die San Francisco 49ers in Wembley bestreiten – wobei erstmal nicht anzunehmen sein wird, dass Jacksonville die 49ers in der Fangunst ausstechen werden können.

In all dem Trubel um Rams, Jaguars und Shadid Khan ging letzte Woche, nach dem Herbstmeeting der NFL-Owner, fast unter, dass es 2013 noch ein zweites NFL-Spiel in London geben wird: Der 29. September 2013 wird die Minnesota Vikings und Pittsburgh Steelers gegeneinander gematcht sehen – eine Partie zwischen zwei klangvollen, geschichtsträchtigen Franchises, eine Wiederauflage der Superbowl IX. Eine Partie, die erstmal durchaus noch mehr Resonanz auslösen dürfte als jedes Jags-Spiel.

Dieses zweite NFL-Spiel kommt gleichzeitig einer Überraschung gleich: Jahrelang war nur geredet, und geredet,… und geredet, und geredet worden von weiteren Versuchen, mehr als ein Footballspiel der NFL in Europa auszutragen, und ich hatte schon lange nicht mehr dran geglaubt, zumal sich kein zahlungskräftiger Kunde (a.k.a. Großstadt) finden ließ, die der NFL die Millionen in den Popo schiebt, und auch, weil London in Großbritannien die Exklusivrechte an NFL-Spielen besitzt.

Ab 2013 also zweimal NFL pro Jahr. Beim Herbstmeeting wurde zum eintausendsiebenhundertdreiundvierzigsten Mal betont, dass diese London-Spiele eine Art Anfangsstadium einer Markterschließung für eine europäische Franchise sein sollen – der heimische, amerikanische Markt ist bald penetriert genug. We will see.

NFL 2011/12, Week #7 Preview: Rohe Eier aus England

NFL in Wembley, yaddayadda. Leider fehlt es Sideline Reporter erneut an Zeit und Geld, das alljährliche Europaspiel der NFL gebührend zu würdigen (sprich: zu besuchen). Für nächstes Jahr werde ich eine Spendenhotline für verarmte Studenten und Praktikanten andenken.

Tampa Bay Buccaneers – Chicago Bears

So, 19h LIVE bei ESPN America und Sport1+

Dabei hat es die heurige England-Paarung im Gegensatz zu 2010 durchaus in sich: Die Buccs sind extrem unberechenbar, scheinen aber der Pubertätsphase entwachsen zu sein und trotz gefühlter Unterlegenheit in der Lage, Titelkandidaten wie New Orleans aus dem Weg zu räumen. Hauptgrund neben ein paar wenigen Big Plays RB Earnest Grahams und wohl getimten INTs dafür sind QB Josh Freemans Coolness, nach drei missratenen Würfen im entscheidenden Moment trotzdem den siegbringenden Ball anzubringen, und eine Defensive Line, die schön langsam ernst zu nehmen ist und in dutzenden Formationen des Weges kommt. Man merke sich die Herren Bennett, McCoy, Price, Clayborn.

Die Chicago Bears sind vielleicht ganz froh, diese Woche fernab aller Lokalmedien in England spielen zu können. Denn die heimische Berichterstattung wird trotz der starken Vorstellung gegen Minnesota von einem anderen Thema überlagert, das sich da nennt: QB Jay Cutler und das F-Wort. Der eigentlich besonnene Dan Pompei (auch NFL/Yahoo) hat am Donnerstag in seinem Editorial (Cutler: „F in Leadership“) in der Printausgabe der Chicago Tribune Cutler so dermaßen in den Senkel gestellt, dass sich der ehemalige NFL-Profi Matt Bowen (auch NFP) genötigt sah, am Freitag eine beschwichtigende Kolumne einzuschieben.

Cutler hatte am Sonntag nach dem x-ten Hit an der Seitenlinie seinen Frust an OffCoord Mike Martz abgelassen („Tell Mike Martz I said f*ck him“), was rein zufällig von NFL Films aufgefangen wurde. Dem menefregistischen Cutler wurde in genanntem Editorial von Bear Bryant über Sun Tzu hin zum alten Aristotel alles an klugen Sprüchen über Führungsperönlichkeiten um die Ohren gehauen.

Ein zweite Storyline ist das Wiedersehen von Bears-Headcoach Lovie Smith mit seiner ehemaligen Mannschaft Tampa Bay, wo Smith einst als Linebacker-Coach unter Tony Dungy die Basics der „Cover-2“-Defense erlernte, die er später in St Louis und Chicago zu ganz neuen Höhen getrieben hat. Jene „Cover-2“-Defense, die in den vergangenen Wochen immer lauter kritisiert wurde, auch aufgrund bockiger Safetys wie #31 Meriweather oder #46 Harris, deren undiszipliniertes Spiel für mehrere aufgegebene Big Plays gesorgt hatte, und die nun tatsächlich von den taufrischen Jungspunden Wright/Conte ersetzt werden sollen.

Chicago gegen Tampa. Ein Duell zweier Wundertüten, die mich für eine Prognose ziemlich ratlos hinterlassen.

Da ist es ergiebiger, über die Zukunft der NFL in London zu sprechen, über die vor wenigen Tagen auf dem Herbstmeeting der NFL-Owner abgestimmt wurde. Resultat: Eine Verlängerung des Vertrags bis 2016, mit der Option, ein zweites Europaspiel anzusetzen, falls sich ein entsprechender Abnehmer finden lässt, der die NFL gütlich genug zu entlohnen bereit ist. Interessanter Passus in den offiziellen Statements der Liga: Man gedenkt, eine fixe Heimmannschaft für das London-Spiel zu suchen.

Da ist der Gedanke „Tampa Bay Buccaneers“ nicht fern, zumal die Buccs bereits zum zweiten Mal nach 2009 in England angesetzt werden, ihr heimisches Raymond James Stadium nicht annähernd voll bekommen und die Buccs-Besitzerschaft (Reizwort Glazer) rein zufällig auch Eigner von Manchester United ist. Ob es für die bunte NFL-Anhängerschaft allerdings so reizvoll ist, jedes Jahr die selbe Mannschaft sehen zu dürfen/müssen/können… Abwarten und Tee trinken.

NFL 2011/12 Woche 7, der TV-Rest

Minnesota Vikings – Green Bay Packers (So, 22h LIVE ESPN America, Sport1+ und PULS4): Nach dem Ende der unsäglichen Ära Favre steht in der zuletzt hitzigen Rivalität Packers-Vikings diesmal mit QB Chris Ponder ein Rookie im Mittelpunkt: Minnesota prüft in den kommenden Wochen die Optionen Ponder und „Suck vor Luck“. Mitte November  dürfte die Richtung bekannt sein.

Ponder als Starter bedeutet im Umkehrschluss auch: Minnesota dürfte vor allem zu Beginn des Spiels primär auf RB Adrian Peterson setzen, um Ponder nicht schnell zu verunsichern. Von Green Bays Seiten kann man einen sehr druckvollen GamePlan erwarten, da sich bei Ponder letzte Woche andeutete, dass er bei überhasteten Würfen zu Fehlern neigt.

Tennessee Titans – Houston Texans (Mo, 10h Tape bei ESPN America): Wichtiges Spiel für beide, da es für beide die Playoffs kaum über eine Wildcard geben dürfte und somit der Divisionssieg wichtig wird. Houston ist eigentlich klar favorisiert, aber weil WR Andre Johnson keine Möglichkeit auf einer Schlägerei-Revanche kriegt und die Texans nach zwei unnötigen Niederlagen schon wieder Schlotterknie mitschleifen, darf man Tennessee mit seiner kühlen Spielweise, seiner starken Offensive Line und einer soliden Secondary eine Chance geben.

Detroit Lions – Atlanta Falcons (Mo, 12h Tape bei ESPN America): Die Lions bangen um ihr Laufspiel, nachdem bei RB Harrison ein Hirntumor prognostiziert wurde, der einen Trade für RB Brown negierte, und RB Jahvid Best geraten wurde, aufgrund akuter Gehirnerschütterungsgefahr die Saison vorzeitig zu beenden. Atlanta dagegen schraubt an allen Ecken und Enden, um seine lahme Offense und den blassen QB Matt Ryan in Gang zu bekommen. Dass dabei nun ausgerechnet die mächtige Defensive Line der Lions wartet, dürfte das Unterfangen erschweren.

New Orleans Saints – Indianapolis Colts (Mo, 14h Tape bei ESPN America): Das Superbowl-Rematch, diesmal unter völlig veränderten Vorzeichen, weil die Hauptstrategen von damals fehlen. QB Peyton Manning und Coach Sean Payton, der mit Schienbeinbruch nur limitiertes PlayCalling machen soll. Es bleibt abzuwarten, ob dies die Saints-Offense gegen eine wenigstens beherzt spielende Colts-Defense entscheidend einbremsen wird können. Das Duell LT Bushrod gegen DE Freeney riecht aber wenigstens nach drei Sacks und zwei Fumbles, insofern ist für die Colts nicht alles bereits vor dem Kickoff verloren.

Jacksonville Jaguars – Baltimore Ravens (Mo/Di LIVE bei Sport1+, Di, 14h30 Tape bei ESPN America): Das MNF-Spiel, eher auch kein Augenschmaus. Jacksonvilles Rookie-QB Blaine Gabbert kann sich in seinen Meriten aber vermerken, sich jüngst von Pittsburgh nicht verrückt machen gelassen zu haben (wow, ging das sprachlich denn nicht einfacher?). Allerdings dürfte Baltimores Defense, vor allem in der Front Seven, zurzeit einen Gang höher einzuschätzen sein. Auf der anderen Seite stehen die Jaguars bei mir im Ruf, in Primtetime-Spielen seit Jahren immer mal wieder eine Überraschungsleistung auf das Parkett zu zaubern, als ob sie bloß die nötige Aufmerksamkeit bräuchten.

NFL 2011/12 Woche 7, sonst so

Abseits von Ponders Debüt gibt es auch in Washington (von Grossman zu John Beck), Seattle (vom verletzten Jackson zu Charlie Whitehurst) und – natürlich – in Denver Quarterback-Wechsel. Die Broncos starten heute vor ausverkauftem Haus in Miami die Ära Tim Tebow, der passenderweise vor dem Spiel auch noch für seine 2008er-Titelsaison am College geehrt wird. Gestern im Sportscenter bei ESPN wurde mit Jerry Rice eine interessante Komponente angesprochen: Nicht nur für die Offensive Line, sondern auch für die Wide Receivers bedeutet der Wechsel von einem Rechtshänder (Orton) auf einen Linkshänder (Tebow) eine Umstellung: Der Ball rotiert entgegengesetzt, was erhöhte Konzentration beim Fangen bedeutet (die Flugkurve selbst ist arm-unabhängig).

Völlig unter dem Radar fliegt bei uns das IMHO hochinteressante Duell der New York Jets gegen die San Diego Chargers, die beide in ihren Divisionen unerwartet hartnäckige Konkurrenz bekommen haben und bislang nicht rundum überzeugend aufgetreten sind. Alle Statistiken weisen darauf hin, dass die Jets nur dann eine Chance gegen die giftige Defense der Chargers haben werden, wenn sie konsequent hartes Laufspiel durchziehen können – etwas, das mit RB Shonn Greene schwer möglich werden wird.

Am Boden liegen aktuell die St Louis Rams, bei denen man offenbar bereits in Betracht zieht, Steve Spagnuolo noch vor Saisonende zu rasieren. Heute wird erstmal QB Sam Bradford fehlen. Backup A.J. Feeley gibt den Notnagel gegen Dallas.

Okay. In einer Stunde beginnt das WM-Finale im Rugby. Man sieht sich dann am Abend.

Heute kommt der Spielplan raus

Heute Nacht (19h EST) wird die NFL den Spielplan für die Saison 2011/12 herausgeben, inklusive Eröffnungsspiel, das wohl entweder Packers-Saints oder Packers-Bears heißen dürfte. Sicherheitshalber wird die NFL schonmal alle 17 Wochen rauslassen. Man kann ja nie wissen.

Schon fix ist: Am 23. Oktober 2011 findet in London/Wembley das Spiel zwischen den Tampa Bay Buccaneers und den Chicago Bears statt. Heimteam sind die Buccs, die in Tampa eh seit Jahren die Hütte nicht voll kriegen. Ob man damit Malcolm Glazer (ManUnited-Owner) promoten will oder Blackouts in Tampa verhindern?

Das diesjährige Europa-Spiel findet aber nur dann am 23. Oktober statt, wenn bis zum 1. August 2011 eine Einigung im Arbeitskampf gefunden ist. Ist dies nicht der Fall, wird das Spiel in Tampa stattfinden.

(Oder, und dazu schweigen die Quellen, ganz ausfallen. Whatever.)