Die NFL-Familie ist wieder vereint – Lockout 2011 ist Vergangenheit

Auch heute ein Disclaimer: Dieser Eintrag ist gestern leicht abgewandelt und ohne Videoverlinkung bei Football Austria erschienen. Ich nehme mir mal wieder die Frechheit, ihn auch hier zu posten.

Kleiner Feiertag für NFL-Fans quer durch die Lande: Der NFL-Lockout ist nach viermonatigem Arbeitskampf zu Ende. Die Zeichen dafür waren seit eineinhalb Monaten gegeben – heute fiel endlich der letzte notwendige Groschen.

Was war denn nun dieses Lockout-Dings?

Für die verlängerte Version: Bitte hier entlang. Executive summary an dieser Stelle:

„Lockout“ = Aussperrung. US-amerikanische Sportligen gelten bis auf die MLB als verbotene Kartelle, die nur dank der Existenz einer zertifizierten Spielergewerkschaft ihr abgekartetes Spiel betreiben dürfen. Spielergewerkschaft im NFL-Fall ist die NFLPA (NFL Players Association), die Zusammenarbeit zwischen Liga und Gewerkschaft wird durch das so genannte CBA (Collective Bargaining Agreement) – den Tarifvertrag – geregelt.

Die Besitzer der NFL-Franchises hatten sich durch den alten Tarifvertrag massiv benachteiligt gefühlt und hatten ihre Ausstiegsklausel gezogen. Basis für einen monatelangen Streit zwischen den beiden Parteien, inklusive Auslösung der Spielergewerkschaft und persönlicher Scharmützel. Lange Zeit hatte man nicht das Gefühl gehabt, es ginge um die Sache, sprich: Um das Spiel.

Bis am Ende die Angst vor enttäuschten Zuschauern und wütenden Sponsoren siegte – und unter seichtem medialen sowie juristischem Druck die Fronten beiderseits bröckelten. Zu viel Geld war auf dem Spiel gestanden.

Sieger und Verlierer

Wenn sich zwei streiten, freut sich der Dritte gibt es am Ende meist einen Kompromiss. Beide Seiten haben ihre Teilerfolge erzielt, und der neue, 10 Jahre laufende Tarifvertrag wartet mit einigen interessanten Details auf.

Die Owner dürfen sich vom jährlichen Neun-Milliarden-Dollar-Paket, das sich aus TV-Verträgen, nationalen und lokalen Sponsoren zusammensetzt, ab sofort 52% abschneiden – de facto ein jährliches Plus von 200 Millionen Dollar. Schlüssel für die Spieler: Da sie anteilig an allen drei großen genannten Einnahmequellen beteiligt sind, dürfte ihr Paket mit Abschluss der neuen TV-Verträge 2013 in die Höhe schnellen. Denn diese TV-Verträge versprechen, alle bisherigen Dimensionen zu sprengen.

Die neue Gehaltsobergrenze („Salary Cap“) wird mit 120 Millionen Dollar für die ersten beiden Jahre recht bescheiden ausfallen, jedoch gibt es ein Übereinkommen, dass alle Mannschaften diese Gehaltsobergrenze vorerst zu 99% ausschöpfen. Auch hier: Technischer Punktsieg für die Spieler.

Heimlicher Star des neuen Tarifvertrags dürften die erhöhten Mindestgehälter sein. Zirka die Hälfte der NFL-Profis lebt vom Gehaltsminimum, das von 320.000 Dollar auf 375.000 Dollar (für Rookies) und 395.000 auf 450.000 Dollar (2. Jahr NFL) angehoben wurde. Im Gegenzug einigte man sich auf die Eindämmung der zuletzt horrenden Summen für die Top-Rookies im Draft.

Kleinere Punktsiege für die Spieler auch in Sachen „weniger Trainingslager“, „erhöhte Renten für Profis im Ruhestand“ und 16-Spiele-Saison, die nur unter Zustimmung der Spieler erweitert werden darf.

Samstag ist Gott

In dieser Woche werden noch die Formalitäten geklärt (u.a. die notwendige offizielle Wiedergründung der NFLPA und die offizielle Unterzeichnung des Tarifvertrags), erst am Samstag geht die neue Saison offiziell los. Und wenn schon, denn schon: Am selben Tag starten Trainingslager, Free Agency, Rookie-Verpflichten und Tauschhandel. Mehr Action an einem Tag geht nicht.

Ein Samstag, 30.7.2011 für die NFL-Fans wie Weihnachten, Ostern und Geburtstag in einem. Zur Feier des Tages bitteschön die Melodie, die für mich wie keine zweite für die NFL steht. CBSes Intro, damit die Sehnsucht langsam zurückkehrt.

 

Wie ich dazu einst bei Spox schrieb:

Vorneweg: Ich kann Jim Nantz nicht leiden. Der Mann stinkt nach „George Bush“, „Republikaner“ und „George Bush“. Ich kann nichts dagegen machen, ich muss bei dieser Stimme stets an andere Dinge denken und schlucken.

Trotzdem ist jede CBS-übertragung, egal wie mies das Spiel ist und egal, was und wie viel Nantz und Phil Simms quasseln, ein Highlight. Weil sie mit diesem Thema eingeleitet wird, von diesem Thema begleitet wird, und mit diesem Thema abgeschlossen wird. Ein Thema, so gut, dass es für mich alle negativen Aspekte der CBS-übertragungen negiert. Killt.

Wie die Kamera im ungemütlichen Heinz Field von der Nordwestecke in die Arena hinein gerichtet ist, in ein Meer von gelben Taschentüchern und dahinter die Wasser von Alleheny und Monongahela, die vor dem Stadion zum Ohio River fusionieren. Wie die Kamera zur Melodie langsam hineinzieht auf das Spielfeld, wo sich im besten Fall Steelers und Ravens oder Patriots gegenseitig die Kante geben:

Das ist für mich die NFL.

Ja, auch ich hätte sie vermisst.

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Süßsenf zum Einschlummern: Idiot Punter

Sigh, and once again greed is the operative byword. Congrats Brees, Manning, Mankins, and Jackson for being ‚that guy‘. #douchebags

Chris Kluwe, Punter (@Chriswarcraft)

Das ist Chris Kluwes Dank an die Spieler, die für die NFLPA einen massiven Aufwand betrieben haben, um das CBA hinzubekommen. Die Spieler, die ebenso ihre Reputation auf’s Spiel gesetzt haben – und immerhin die drei prominentesten Quarterbacks der NFL an die Arbeitskampf-Front geschickt haben.

Bisher hat die Spielerseite in den Tarifverhandlungen einen erstaunlich homogenen Eindruck hinterlassen. Kluwes Hirnaussetzer ist einer von ganz wenigen „Seitensprüngen“.

Ich erwarte für morgen einen standesgemäßen Idiot Punter-Kommentar von Seiten Peyton Mannings.

Salary Cap Floor und die Probleme, die er mit sich bringt

Vorgestern hat Seminole in ihrem Kommentar das Problem des „Salary Cap Floor“ angesprochen. Es handelt sich hierbei um eine Klausel im NFL-Tarifvertrag, der den Teams zuschreibt, eine gewisse Mindestkapazität des Gehaltsbudgets ausnutzen zu müssen. Weiterlesen

NFL-Lockout 2011: Die größte Hürde scheint genommen

(Aus Gründen der Seriösität habe ich den Titel nun von „ist“ auf „scheint“ geändert.)

Die NFL-Ownerkonferenz in Chicago hat sich gestern mehr oder weniger darüber geeinigt, in absehbarer Zeit (sprich: ab nächster Woche) mit der Spielergewerkschaft über das neue Collective Bargaining Agreement zu verhandeln. Offenbar gibt es kein offizielles Abstimmungsergebnis – die Entscheidung wird bloß von den grinsenden Gesichtern allerorts abgeleitet. Heute wird noch einen Tag lang diskutiert. Die Verlängerung der Konferenz wird allgemeinhin als sehr gutes Zeichen gewertet.

Der Weg für eine komplett stattfindende Saison 2011 inklusive Preseason und Hall of Fame Game dürfte damit frei sein. Als Stichtag kursiert „spätestens der 15. Juli“.

Heute werden die Owner noch über eine Reihe an Punkten diskutieren. Ein Punkt bleibt unverändert und wie seit Tagen spekuliert: Die Spieler erhalten 48%, die Owner 52%. Ausgeglichen wird der relative Umsatzverlust der Spieler durch die Zusage, dass jedes Team mindestens 90% des Salary Caps pro Saison ausschöpfen muss. Macht in absoluten Zahlen mindestens 46,5% des Umsatzes pro Saison.

Ein neues Detail: Ab 2012 will man offenbar in jeder Woche (außer vmtl. Woche 17) ein Donnerstagsspiel einführen. Das gilt vorerst als Zwischenlösung auf dem Weg zum 18-Spiele-Schedule oder den von Herrmann auf diesem Blog vorgestellten Varianten.

UPDATE 7h04: Seminole verlinkt in den Kommentaren den Beitrag von NFL Network/Total Access, in dem auch der in den letzten Tagen allgegenwärtige Albert Breer Optimismus versprüht. Ebenso dabei: Das Statement von Commissioner Roger Goodell.

A League Deferred

Einst als die Arizona Cardinals die Playoffs aufmischten, machte sich der ansonsten sehr geschätzte Michael Eschlböck über einen jungen Mann lustig. Der junge Mann ist die #15 der Arizona Cardinals. Und Poesie-Fan.

Die Rede ist von Steve Breaston, a.k.a. Stevie Phantom. Dieser Steve Breaston hat dem NFL-Lockout ein Gedicht gewidmet.

They say it’s about business but I’m here with no business at all.
Just here with a fan’s vision that doesn’t involve a billion-dollar dream.
Just a kid who wants to be a Barry or Larry hoping to follow the dream.
Without a league, how do you tell them to follow his lead?

(!!!)

Und:

Believe me, I understand how ironic it is that I’ve told a kid to play 60, but we might not play a minute.
Speaking to them with my jersey on, wondering if they still wish to be in it.

Am besten einfach anschauen.

By the way: Den kompletten Text hat ESPN abgedruckt. Ich sehe den Arbeitskampf neutral, aber das ist groß.

Es sprießt, es sprießt… die Hoffnung!

Da unterbreche ich doch mal die abendliche Studierphase für ein paar Momente.

Was mich an der ganzen Sache so optimistisch stimmt, ist die Tatsache, daß man glücklicherweise nicht auf den Verstand der Beteiligten vertrauen muß – da würde ich in der Tat zweifeln, ob es eine ganz normale Saison gibt. Aber verlassen kann man sich immer auf die Gier der Menschen. In Sachen Lockout gilt hier: Greed is good.

Gefunden bei: Herrmann (Vier Viertel plus Nachspielzeit)

Seit den diversen „Geheimtreffen“ und der Verhandlungsrunde unter dem Bogen von St Louis hat es vermehrt Anzeichen von Annäherung zwischen den Streitparteien NFL und „NFLPA“ gegeben und auch der von mir sehr geschätzte Robert Kraft (Owner der New England Patriots) sendete jüngst sehr positiv stimmende Signale an die Öffentlichkeit.

Der Z-Faktor

Was nun aber sehr positiv stimmt, ist The Z Report.

„Z“ ist Lance Zierlein vom Houston Chronicle, ein Schreiber, zu dem ich Vertrauen hege. Zierlein will aus sicherer Quelle von einem wahrscheinlichen CBA-Abschluss in naher Zukunft (sprich: 2-3 Wochen) erfahren haben.

Zierlein schreibt unter anderem auch, dass wohl nicht bloß die Regular Season regulär starten wird, sondern womöglich gar das erste Preseason-Wochenende („Hall of Fame Game“) ausgetragen werden kann. Inklusive komplettem Preseason-Schedule.

Stichtag dafür müsste (aussm Petto) der 4. Juli 2011 sein.

Zum Einkreisen: 21. Juni

Pro Football Weekly ist mir ebenso nicht in Verdacht gekommen, Müll zu verbreiten. Ein sehr zuversichtlich stimmende Einschätzung auch hier: Positivere Vorzeichen.

Am 21. Juni treffen sich die Owner wieder in Chicago. Und anscheinend sind immer mehr Owner interessiert an einem Ende des Arbeitskampfs. Wenig überraschend, wenn man an die horrenden Verluste ($ 500M und mehr) im Falle eines Saison-(Teil)ausfalls denkt.

UPDATE, 22. Juni 2011: Es hat sich etwas bewegt.

NFL-Lockout: Verhandlungsmarathon am Tor zum Westen

Heute um 17h MESZ findet im Berufungsgericht von St. Louis die Anhörung der beiden Streitparteien NFL und NFLPA statt. Es geht um die Aufhebung des Lockouts, den im April Susan Nelson angeordnet hatte und die im Mai zweimal von der Jury in St. Louis abgewiesen wurde.

Auch diesmal gehen die Owner/NFL aus haushohe Favoriten ins Rennen, nicht zuletzt, weil die Richter zuletzt im 2:1-Verhältnis pro NFL-Argumentation gestimmt hatten. Nach den Verhandlungen wird eine etwa einmonatige Entscheidungsphase erwartet, ehe das Berufungsgericht die Entscheidung trifft.

Wie gesagt: Die NFL soll klar im Vorteil sein, aber die NFLPA hat mit dem gefinkelten Anwalt Ted Olson noch ein Ass im Ärmel, das man auch als Joker oder Trumpfkarte sehen könnte. Olson hat einst George W. Bush aus einiger Scheiße gerettet und gilt als nicht zu unterschätzender Faktor.

Bei Allesaussersport gefunden: Michael McCann/Sports Illustrated mit einer Vorschau auf die zu erwartenden Ereignisse heute Nachmittag europäischer Zeit.

Aussage unter anderem: Wie auch immer in ca. einem Monat die Entscheidung ausfallen wird, sie wird auf die eine oder andere Seite enormen Druck ausüben, ein CBA zu unterschreiben.

Im Fall von „Sieg“ Liga hieße das: Die Einheit unter den Spielern wäre auf eine arge Probe gestellt, denn wie auch hier schon angesprochen: Nicht jeder ist Multimillionär und gar einige sind auf Gehälter angewiesen. Womöglich liefe es auf einen die NFLPA letztlich unzufriedenstellende CBA-Konstellation hinaus.

Bei „Sieg“ Spieler: Die Liga müsste den Spielbetrieb wieder aufnehmen, und zwar sofort. Womöglich würde sich ein neues CBA, wenn auch nicht ganz so heftig zugunsten der Owner ausfallend, als die attraktivere Option erweisen als monatelange Gerichtsverfahren, die unter anderem noch Kartellrechtliches zutage bringen könnte.

Mein Tipp bleibt weiterhin: An einen Saisonausfall glaube ich erst, wenn ich ihn gesehen habe.

Weshalb der NFL-Arbeitskampf nicht nur groteske, sondern richtig faszinierende Züge entwickelt hat

Zum Einschlafen ein Schmakerl aus dem NFL-Arbeitskampf. Es geht um ein Gesetz von 1932.

Ein Gesetz, das damals von einem jüdischen Auswandererkind aus der Donaumonarchie entworfen wurde. Wir sprechen vom Norris-Laguardia-Act:

 […] Norris-La Guardia Act von 1932, in dessen Zuge ein Gesetz erlassen wurde, das Arbeitsverträge für nicht rechtmäßig erklärte, in denen Arbeiter darauf verzichten mussten, sich gewerkschaftlich zu betätigen.

Für den NFL-Draft Arbeitskampf ist der Norris-LaGuardia-Act eben in diesen Tagen relevant, wie wir aus diesem ebenso fantastischen wie faszinierenden Artikel von Smart Football herauslesen können (Lesebefehl!):

The key language in the Norris-LaGuardia Act prohibits federal courts from issuing injunctions “in a case involving or growing out of a labor dispute.” The Act defines a “labor dispute” to include “any controversy concerning terms or conditions of employment, or concerning the association or representation of persons in negotiating, fixing, maintaining, changing, or seeking to arrange terms or conditions of employment.”

Der Hammer steckte nun in der Argumentation der NFL: Klar, wir verhandeln über Gehälter und Verteilung von Geldern. Damit haben wir „Labor Disput“. Also kann keine Einstweilige Verfügung [gegen die Aussperrung (=Lockout)] verhängt werden.

Technisch gesehen trocken und einwandfrei.

Konter der NFLPA (Spielergewerkschaft): Sie argumentierte, man müsse den Norris-LaGuardia-Act „in einem weiterem Kontext“ sehen, sprich, den historischen Hintergrund der 30er beachten:

The problem the prohibition on injunctions was intended to remedy was that employees would go on strike and employers would frequently file a lawsuit requesting an injunction and often judges, who were perceived to be “in the pocket” of employers, would often grant them without hearings or without much process. Even if overturned later, these injunctions forced employees back to work and destroyed unions’ negotiating leverage.

Zu Deutsch: Die Verhandlungsmacht der Gewerkschaften war vorher extrem beschränkt gewesen, weil Arbeitgeber bei einem Streik per Einstweiliger Verfügung ganz simpel die Arbeitnehmer zurück an den Arbeitsplatz befördern hatten können. Der Norris-LaGuardia-Act war also dazu angedacht, diese Einstweilige Verfügung zu verhindern.

Oder klar ausgedrückt: Die Richter fungierten als Streikbrecher (so nennt man das doch, oder?)

Nicht vergessen: Das war 1932.

Trotzdem hat dieses Gesetz noch Gültigkeit. Und nun wurde und wird es in einem Arbeitskampf Milliadäre gegen Millionäre als Argument GEGEN DIE ARBEINEHMER eingesetzt, vom Arbeitgeber (NFL), der den Arbeitnehmer (NFLPA) von seinem Arbeitsplatz fernhalten sollte.

Das ist bizarr.

Aber lesenswert.

Der Vollständigkeit halber

Die Entwicklungen der letzten Wochen, weil sie auf diesem Blog so genüsslich ignoriert worden sind: Nein, Richterin Susan Nelson hatte im April dieser Argumentation in erster Instanz der NFL nicht stattgegeben und einen Tag vor dem NFL Draft die Aussperrung sogar gänzlich aufgehoben.

Die NFL hat mittlerweile Berufung dagegen eingelegt und in der Schrift sogar Witzeleien einiger Spieler (Wes Welker: „Lasst uns jedes Jahr eine Aussperrung abhalten“, Ray Lewis: „Endlich mal ein Sommer, in dem ich das machen kann, was ich will“) als Gründe angeführt. Letzte Woche bekam die NFL Unterstützung und die Aussperrung wird vorerst so lange Bestand haben, bis die Berufungsgerichte über diesen fassungslosen Fall „Norris-LaGuardia-Act“ entschieden haben.

Ich beginne, diesen Fall mit anderen Augen zu betrachten. Das ist Slapstick at his worst.

Und als Allerletztes: Darum geht es überhaupt beim Lockout/Aussperrung.

[Update] Stell dir vor,

es ist Drafttag. Die Carolina Panthers haben gerade ihren ersten Pick gemacht. NFL-Commissioner Roger Gotohell marschiert zum Podium und verkündet:

With the number one overall draft choice the Carolina Panthers have selected Auburn quarterback Cameron Newton.

Getöse in der Radio City Music Hall, NFL Network und ESPN fahren ihre schwersten Geschütze auf und analysieren den sensationellen Pick minutenlang bis in die Pupette hinein – und kein Bild, keine Trikotübergabe, kein Statement, kein Nichts von Cameron Newton zu sehen.

Kein Blaine Gabbert, der immer verzweifelter dreinschaut, weil ihn wider Erwarten bis an #25 (Seattle Seahawks) kein Team draften will, trotz all des Hypes in den letzten Tagen vor dem Draft.

Denn Newton und Gabbert sitzen irgendwo zweitausend Meilen entfernt und geben für einen kleinen Sender ihre Meinung zum Besten. Irgendwo, nur nicht für die Großen.

 

Langweilig, nicht?

Aber genau das, was die formell nicht mehr existente NFLPA die Rookies angewiesen hat und wohl auch so passieren wird. Der Arbeitskampf zieht merkwürdige Blüten.

UPDATE, 15.3.2011/9h32

Die Ankündigung der NFLPA, die Spieler vom NFL Draft fernzuhalten, ergibt Sinn, da die Spieler in der kartellrechtlichen Klage gegen die NFL auch Free Agency und Draft anfechten werden. (Gefunden bei ProFootballWeekly via Vier Viertel)

„Brady gegen die NFL“: Aktuell fechten die Spieler die Aussperrung („Lockout“) an. Sie wollen eine Einstweilige Verfügung erzwingen. Der Fall trägt den Namen „Brady vs. NFL“ und wird am 6. April in Minneapolis verhandelt, aber NICHT vom von den Spielern geliebten Richter David Doty, sondern einer Richterin namens Susan Nelson. Diese Klage hat erstmal noch nichts mit der geplanten Klage gegen den Draft zu tun. Also erstmal drei Wochen abwarten in Sachen Lockout.

Kleine Korrektur zu oben: Die NFLPA existiert zwar nicht mehr als zertifizierte Gewerkschaft, ist aber immer noch eine Organisation, die die Rechte der Spieler vertritt. Ob die Dezertifizierung „Augenwischerei“ (sham) ist und damit unkorrekt, oder nicht, wird demnächst im NRLB (National Relations Labor Board – eine unabhängige Plattform) entschieden.

Mister, Ihr Zertifikat?

Keine Frage: Es gibt an Tagen wie heute schlimmere Nachrichten. Aber heute haben DeMaurice Smith und seine NFLPA sich zur Dezertifizierung entschieden. Sofern ich meinem amerikanischen Studienfreund Glauben schenken darf, steht uns damit ein (mindestens) monatelanger Arbeitskampf „Millionäre gegen Milliardäre“ bevor.

Oder mit anderen Worten: Die NFL-Saison 2011 ist ist ernsthaft in Gefahr.

Um die AFL-CIO („Join people across America who are rising up to support workers in Wisconsin, Ohio, Indiana and other states fighting for middle-class (sic!) jobs.“) zu zitieren:

Unfortunately, the NFL and its 32 team owners, who have enjoyed the fruits of a 9 billion dollar industry in a devastating economy for working families, could not reach a fair deal with the men who risk their health and safety to play professional football. In light of this unfortunate situation, the players have decided to renounce the NFLPA’s status as their exclusive bargaining unit. Working people stand shoulder to shoulder with the players and their right to protect themselves and their families through anti-trust laws that prohibit illegal and greedy corporate behavior.

Bitte auch keep an eye on:

NFL Lockout – Was dahinter steckt.

NFL Lockout – Warum die Spieler nicht uninteressiert sind.

Die Hoffnung lebt [Update]

[Update: Siehe unten im Liveblog – Die Deadline ist erst um 24h und dann noch einmal um 7 Tage verlängert worden.]

Die NFL und die NFLPA haben sich dazu durchgerungen, den CBA-Vertrag um vorerst 24h zu verlängern, um den hochoktanzahlig laufenden Verhandlungen noch eine Chance zu geben. Ob es was bringen wird, who knows?

Auf jeden Fall: Neue Deadline – Mitternacht Freitag/Samstag Ostküstenzeit oder Samstag, 6h MEZ.

Derweil sind die Populisten auf ESPN.com in ihrem Element:

  1. Fan-Abstimmung über zentrale Fragen, mit unüberraschenden Ergebnissen…

Update: Deadline-Verlängerung

[16h25] Lt. New York Times arbeiten die beiden Verhandlungsparteien daran, das aktuelle CBA noch zu verlängern. Die Rede ist angeblich von 7-10 Tagen, die von der NFLPA vorgeschlagen worden ist. Spannend, ob die Owner darauf eingehen werden. Auf jeden Fall ist es ein Zeichen, dass grundsätzlich eine rasche Einigung nicht völlig utopisch ist.

[16h33] Bei ESPN erklären Andrew Brandt (ex-Offizieller der Packers), warum die letzten Verhandlungen 2006 viel einfacher waren und Chris Mortensen (ESPN-Experte), warum der Mediator eine Verlängerung um 7-10 Tage vorgeschlagen hat.

[16h42] Die 24h-Verlängerung soll angeblich einzig mit dem Ziel durchgegangen sein, um heute eine weitere Fristverlängerung aushandeln zu können.

[18h10] Die ganze Szenerie hat offenbar etwas von Und täglich grüßt das Murmeltier. Andrew Brandt (National Football Post) mit einer Analyse, wie es weitergehen sollte.

Aufgeschreckt hat heute Nachmittag ein Artikel von Michael Silver, für mich einer der Top-Schreiber überm Teich. Silver prophezeihte Deal of Armageddon. Schwer zu erraten, was sich „Armageddon“ nennen würde. Silver hat sogar aufgelistet, was er von den Verhandlungen erwartet: 18-Spiele-Saison, Gehalsbündelungen für Rookies, Verhinderung von David Doty (der spielerfreundliche Richter) für zukünftige Verhandlungen. Ich sehe keinen Grund, warum Silver seine Glaubwürdigkeit mit diesem Artikel aufs Spiel hätte setzen sollen – sprich: Die Einigung wird immer wahrscheinlicher.

[19h11] Sports Guy Bill Simmons über den schleichenden Weg des Wahns. Gott sei Dank wird Sideline Reporter diesen Weg so schnell nicht einschlagen (können). Nichtsdestotrotz ein klasse Anschauungsbeispiel.

[23h41] Die Deadline ist tatsächlich um 7 Tage verlängert worden. 7 Tage, um für beide Seiten doch noch eine Übereinkunft in den zentralen Fragen hinzukriegen. Das Prozedere in der Verhandlung läuft so, dass ein Mediator (George Cohen) zwischen zwei Räumen hin und her wechselt – in einem Raum sitzen die NFL-Vertreter, im anderen die Spieler-Vertreter.

Lester Munson erklärt in dem Video, was passiert, wenn die Deadline verstreicht: Die Spieler werden vor Gericht ziehen und versuchen, Richter David Doty zu einer Einstweiligen Verfügung zu bewegen.

Habe grade noch mit einem Jus-Studenten über’m Teich geskyped. Dessen Meinung: Wenn es in diesen 7 Tagen nicht zu einer Einigung kommt, stehen uns schwere (sprich: frostige) Zeiten bevor.

NFL Lockout – Die harten Nippel der NFLPA

Da uns die Aussperrung nur noch 18 Stunden bevorsteht, ein Hinweis auf einen hoch interessanten Q&A-Artikel bezüglich der CBA-Verhandlungen und allem Drum und dran:

The NFLPA’s power play: Cease to exist

Executive summary:

[Achtung, vielleicht sollte man den gestrigen Eintrag gelesen haben!]

Auflösung der NFLPA: Die NFLPA hat zwei gute Gründe, sich sofort als zertifizierte Spielergewerkschaft aufzulösen – 1) weil sie ansonsten ein halbes Jahr warten müsste, was nichts außer Zeitverlust bedeuten würde, und 2) weil sie dann für Streitfragen am „Bundesgericht“ (federal bench mal frei übersetzt) in Minnesota bleiben können. Letzteres ist immens wichtig, da dort mit Richter David Doty ein sehr Spieler-freundlicher Mann den Hammer hält.

Keine Union ist eine Union: Durch die Dezertifizierung wird aus einem Arbeitskampf mit ziemlicher Sicherheit ein Fall für das Gericht, weil die Spieler sich zusammenschließen werden und eine Sammelklage gegen die NFL einreichen werden. Eine Sammelklage ist erst dann möglich, wenn die NFLPA keine zertifizierte Gewerkschaft mehr ist (hängt mit dem US-Arbeitsrecht zusammen, siehe auch den gestrigen Eintrag).

David Doty: Doty hat in den 90ern mit seinen Urteilssprüchen für deutliche Verbesserung der Position der Spieler gesorgt (Free Agency). Daher haben die Spieler ein Klausel einbauen lassen, die letzten Endes immer wieder dazu geführt hat, dass Unklarheiten zum Schluss immer wieder auf Dotys Tableau gelandet sind, von dem die Spieler tendenziell mehr Gegenliebe erwarten.

Dass die NFL sich darauf berufen wird, dass der Urteilsspruch von vorgestern (4 Mrd. Dollar an TV-Geldern werden nicht ausgezahlt, wenn keine Saison stattfindet – die Owner hatten das Geld fest eingeplant, um über den Lockout ohne Verluste drüber zu kommen) „Betrug“ und Doty „voreingenommen“ sei, wird auch vor anderen Gerichten wenig Erfolgsaussicht haben. Doty genießt offenbar einen US-weit exzellenten Ruf.

Vorteil Dezertifizierung: Die Spieler halten durch die Dezertifizierung zwei Waffen in der Hand – 1) die Möglichkeit einer Sammelklage und 2) die Möglichkeit, eine einstweilige Verfügung zu erhalten. Das sind ernsthafte Bedrohungen, weil die Monopolstellung der NFL erst kürzlich in einem Verfahren (NFL gegen American Needle) EINSTIMMIG bestätigt worden ist.

Zu 1) Die Sammelklage bringt den Spielern mit großer Wahrscheinlichkeit einen Sieg vor Gericht. Aber eine Sammelklage dauert Monate bis Jahre.

Zu 2) Die einstweilige Verfügung würde den Lockout aufheben – Alptraumszenario für die Owner. Es gilt aber als sehr unwahrscheinlich, dass das Gericht eine einstweilige Verfügung verhängt (passiert normalerweise nur im Notfall). ABER: Allein die Forderung nach einer einstweiligen Verfügung könnte die NFL und die Owner stark genug in Bedrängnis bringen, dass sie ein akzeptables Angebot machen muss.

Im Prinzip haben die Spieler also allen Grund, mit den ganz harten Nippeln die Dezertifizierung durchzuziehen.

Die Mittel der NFL: Der Versuch der NFL, den Fall vom Gerichtshof David Dotys weg zu bringen, ist zum Scheitern verurteilt. Also bleibt erstmal nur der Weg, Dotys Urteile anzufechten. Zweitens, eine Verzögerungstaktik: Die NFL wird argumentieren, dass die NFLPA nie an Verhandlungen interessiert war, sondern von Anfang an gezielt auf die Dezertifizierung hingearbeitet hat. Dieser zweite Einspruch der NFL – eben, dass die Spieler bisher hanebüchne Pseudo-Verhandlungen geführt haben – würde bis zur Klärung Monate an Zeit verbrennen.

Die Dezertifizierung ist aber aus Spielersicht verständlich: Die NHLPA (Gewerkschaft der Eishockeyspieler) hat 2004/05 davon abgesehen. Ergebnis: Die Verhandlungen führten ins Leere und die komplette Saison fiel damals aus. Ein Fiasko für beide Seiten…

Der Richter hält den Schlüssel: Laut Autor Lester Munson ist David Doty der entscheidende Mann. Die Spieler werden eine einstweilige Verfügung gegen den Lockout fordern. Doty wird getrennt davon den Fall der TV-Ausschüttung betrachten. Wenn es Doty geschickt anstellt, hat er mit dem Druckmittel der einstweiligen Verfügung im Hintergrund lt. Manson eine große Chance, die beiden Streitparteien zusammenzubringen.