NFL-Power Rankings 2012/13 – Die finale Version

Der Playoff-Run der Baltimore Ravens ist auch in den Power-Rankings schnittig. Die reinen Effizienz-Stats der Ravens in Jänner und Februar schauen wie folgt aus:

Offense

Pass            8.3 NY/A
Lauf           39.3 %
Interceptions   0.0 %
Fumbles         1.5 %

Defense

Pass            6.0 NY/A
Lauf           51.9 %
Interceptions   3.2 %
Fumbles         1.3 %

Penaltys

Penaltys        0.35 Yards per Play

Das hätte über die komplette NFL-Saison für einen Ranking-Wert von .705 gereicht, und wäre der beste in der NFL diese Saison gewesen. Aber der Playoff-Lauf der Ravens war nicht der beste aller Teams, denn die San Francisco 49ers erreichten dank ihrer unglaublichen Pass-Offense eines Quarterbacks namens Kaepernick einen „Playoff-Wert“ von .713, was die Ravens-Playoffs knapp schlagen würde (u.a. dank Kaepernicks sensationeller 9.0 NY/A im Passspiel). Nicht zu vergessen hierbei: Die Testmenge ist mit vier bzw. drei Spielen dabei jeweils ziemlich klein.

Bevor die Ravens allerdings die Kuhglocken herausholten, um im Winter mächtig Lärm zu veranstalten, waren sie – wie oft diskutiert – ein mittelmäßiges Team. Der Superbowl-Champion Baltimore Ravens schaffte zwar in den vier Wochen Playoffs einen ordentlichen Satz nach vorne, landet im finalen Ranking aber trotzdem immer noch „nur“ auf Position #10. Die Ravens-Werte über alle ihre 20 Saisonspiele:

Offense

Pass            6.6 NY/A
Lauf           39.2 %
Interceptions   1.6 %
Fumbles         0.8 %

Defense

Pass            6.1 NY/A
Lauf           55.5 %
Interceptions   2.5 %
Fumbles         1.1 %

Penaltys

Penaltys        0.49 Yards per Play

Was lernen wir draus? Die Differenz in den Playoffs kommt weniger von Seiten der Defense um den Heldenfootballer Ray Lewis, sondern war neben der deutlich verbesserten Disziplin vor allem einer: QB Joe Flacco und seine Pass-Armada. Keine Turnovers, dafür ein Weltklassewert von 8.3 NY/A im Passspiel. Die tiefen Bomben killten Baltimores Gegner, und auch wenn ein oder zwei der langen Bälle etwas glücklich waren: Das war massiv. Dafür haben die Amerikaner den Begriff des „torchings“ erfunden.

Wie sind die Ravens also zu sehen? Als einer der Teams, das simpel gesagt einen unheimlichen Lauf zum haargenau richtigen Zeitpunkt hatte. Der Run war nicht vorherzusehen. Aber selbst Teams wie beispielweise Detroit oder Cleveland hatten in den letzten Jahren solche Läufe – die passten halt leider in der Regular Season, woe es kein Schwein merkt. San Francisco wäre vor dem nächsten Aufeinandertreffen erneut gegen Baltimore favorisiert, aber die Ravens schlossen die Lücke Woche für Woche.

Auch die 49ers waren eine sensationelle Mannschaft in den Playoffs, vor allem dank Kaepernicks Wundertaten. Aber San Francisco hatte ein Problem: Die Pass-Defense kollabierte. War man in der Regular Season mit 5.3 NY/A noch eine der besten Units gewesen, ließ man in drei Playoffspielen 7.8 NY/A zu – ein Wert in Regionen, wo nur noch die New Orleans Saints annähernd “mithalten” können. Die Verletzung des Defensiv-MVPs Justin Smith und der dadurch schwer beeinträchtigte Pass Rush könnten da tatsächlich übel reingespielt haben.

Trotzdem: Über die komplette Saison gewinnen die 49ers den heimlichen Preis für die beste Mannschaft, da sie quasi im allerletzten Drücker die Denver Broncos noch überholen konnten. Kaufen können sie sich dafür nix, aber es bleibt festzuhalten, dass die San Francisco 49ers bestens für die Zukunft aufgestellt sind. Wie auch die Seattle Seahawks, obwohl diese ihren DefCoord Gus Bradley verlieren.

Das Power-Ranking zeigt weiters: Letzten Endes waren wohl die richtigen Teams in den Playoffs: Neun Playoffmannschaften schließen in den Top-10 der Rankings ab. Nur die Bengals, Vikings und Colts fallen etwas ab – die Colts aufgrund ihrer pathetischen Vorstellung in Baltimore sogar ziemlich deutlich (Rückfall auf #26).

Die Breakout-Kandidaten für 2013 bleiben Carolina (3.0 Siege unter ihrer Erwartung), Detroit (4.3 Siege unter ihrer Erwartung), Philadelphia (2.8 Siege unter ihrer Erwartung) und Cleveland (1.8 Siege unter der Erwartung). Eher – gemessen an der dieses Jahr geweckten Erwartung – enttäuschende Jahre würde ich jetztigen Zeitpunkt für Vikings und Colts aus bekannten Gründen erwarten.

Also: Hier sind die finalen Power-Rankings der Footballsaison 2012/13:

NFL Power Ranking 2012/13 - Finale Version

NFL Power Ranking 2012/13 – Finale Version

WP entspricht der Siegchance der jeweiligen Franchise gegen eine standardisierte, durchschnittliche NFL-Franchise, (LW) ist das Ranking von letzter Woche, E16 ist WP hochgerechnet auf 16 Spiele (WP*16 = E16), SOS ist der bisherige Strength of Schedule, den dieses Modell für die jeweilige Franchise errechnet, Rs die Platzierung des Schedules, W-L die tatsächliche Sieg-Niederlagen-Bilanz jeder Franchise zum Ende der Playoffs. Fettgedruckte Teams waren für die Playoffs qualifiziert.


Das Power-Ranking schließt derweil mit einer Vorhersage-Genauigkeit von 150-68 korrekten Tipps ab, was 68.8% entspricht. In den Playoffs war es 7-4, wobei drei der Fehltipps gegen die Baltimore Ravens waren und ein vierter im Krimi von Atlanta gegen Seattle.

Mein Gefühl war unpräziser: Über den selben Zeitraum wie das Power-Ranking hatte ich nur 144 korrekte Tipps, also sechs weniger. Über die komplette Saison tippte ich 172 Spiele korrekt, was 64.7% entspricht – also doch deutlich unter dem, was mathematisch möglich war.

Ich hoffe, in der Offseason das mathematische Modell etwas verfeinern zu können und in Blogeinträgen zu erklären, wie eine Mannschaft das Ding schlagen kann. Außerdem arbeite ich dran, einen Weg zu finden, die Special Teams einzubauen; garantieren kann ich noch für nix, da die Special Teams viel zu kleine Datenmengen hergeben und daher a) sehr volatil sind und b) ihr Effekt schwer messbar ist. Wie bewerte ich einen Punt von der eigenen 17 im Vergleich zu einem von der gegnerischen 41. Letzterem zwei Ron-Rivera-Gedächtnispunkte abziehen?

Erst mal steht aber wieder Unterricht an: Die Sezierstunden warten.

NFL Power-Rankings 2012/13: Week 17

Das Ende der Regular Season 2012/13 gibt mir die Chance, einen Blick auf die Zahlen zu richten. Das Power-Ranking ist noch nicht gänzlich kritikfrei und es gibt noch einige Stellschrauben zu finden und zu drehen, aber obwohl es keine Special Teams, keine Verletzungen und keine geschonten Starter berücksichtigt, war es mit einer Treffergenauigkeit von 143-64 bei exzellenten 69.1%gut genug für die zweitbeste Treffergenauigkeit quer durch die Computerlandschaft. Dieses Power Ranking ist darauf aufgebaut, alle relevanten Statistiken für eine Prognose in die Zukunft entsprechend ihrer Volatilität und ihrem Beitrag zu Sieg und Niederlage gewichtet zu berücksichtigen, und es putzt auch die Sagarin-Ratings, die als Maßstab im US-Sport gelten.

Grad am Sonntag hatte ich wieder eine Diskussion auf SPOX.com (ab Kommentar 131), wo dieses Power-Ranking als lächerlich („beschissen“) hingestellt wurde, weil Carolina an #4 und das Playoff-Trio Baltimore/Indianapolis/Minnesota in der unteren Hälfte des Tableaus aufscheinen. Man bedenke hierbei: Das Ranking scheißt sich einen Dreck auf Siege und Niederlagen; es tangiert bloß die Zukunft.

Carolina, das Freak-Team der ersten Saisonhälfte, als es trotz exzellenter Stats zwischenzeitlich 2-8 Siege hatte, war bei mir konstant in den Top-5 gerankt. Wenig überraschend gewannen die Panthers fünf der letzten sechs Spiele.

Bei Baltimore hatte ich nach ihrem 9-2 Start prognostiziert, dass die Ravens am Saisonende 9-7 sein würden; sie gewannen ein Upset (gegen die kollabierenden Giants) und sind 10-6, also „immerhin“ ein 1-4 Finish.

Indianapolis ist trotz Rankingposition #23 sensationell 11-5 gegangen. Von den Colts würde man gegen einen durchschnittlichen Schedule (.500) erwarten, dass sie 7.2 Spiele in einer Saison gewinnen würden; nun hatten die Colts einen für NFL-Verhältnisse extrem einfachen Schedule (.456); ein Team der Stärke der Colts sollte gegen einen .456-Schedule 8.0 Siege in einer Saison einfahren – so brutal outperformt haben die Colts mit ihren elf Siegen ihre Erwartung eigentlich nicht… trotzdem: 9-1 in engen Spielen mit maximal einem Score Differenz gegen einen so einfachen Schedule, das ist einfach Wahnsinn und nächstes Jahr nicht zu wiederholen.

Die Denver Broncos sind nicht bloß #1-Seed der AFC, sondern auch der Regular Season Champ in diesem Power-Ranking. Die Broncos waren 2-3 und alle Pundits sprechen von einem Formanstieg seither. Bullshit. Die Broncos waren von Woche 1 an eine der drei besten Franchises (hier die ersten publizierten Rankings); sie hatten zu Saisonbeginn halt das Pech, gegen mehrere extreme Kaliber spielen zu müssen (PIT, @ATL, @NE, HOU). Da kannst du schon mal drei Spiele knapp verlieren, v.a. wenn du in Atlanta per Freakunfall drei INTs in einem Viertel produzierst (und trotzdem noch fast gewinnst).

Der Herbst 2012 sah wieder 130 von 256 Spielen, also über die Hälfte, innerhalb eines einzigen Scores entschieden. Entsprechend ist die Verteilung der Siegbilanzen in dieser Saison wieder zu einem beträchtlichen Teil den glücklichen und unglücklichen Spielausgängen zu verdanken.

In einer rein zufällig verteilten Footballliga (Gauss-Verteilung) sähen wir eine Varianz von 0.125^2 in den Siegbilanzen (8-8 ist z.B. .500, 12-4 wäre ergo .750 usw.); die NFL-Saison 2012 hat eine Varianz von 0.194^2 „hervorgebracht“. Ergo können wir abschätzen, dass zirka

VAR (Zufallsliga) / VAR (reale NFL) = 0.125^2 / 0.194^2 = 0.42 = 42%

SunnyB vs Koko

Ergebnispräsentation morgen!

42 Prozent der Siegbilanzen der Mannschaften vom Zufall bestimmt wurden; das ist massiv, ist aber mit der im Sommer gemachten Beobachtung fast deckungsgleich – immer wieder erstaunlich, wie ähnlich Saison für Saison in der NFL abläuft.

Trotzdem haben viele verdiente Mannschaften die Playoffs erreicht: Laut Power-Ranking sind acht der besten zehn Mannschaften diese Saison in den Playoffs; bzw. neun der besten 12. Nur die bereits oben genannten „Big-Three“ kommen aus dem unteren Leistungshälfte.


Ich schrieb übrigens noch was in eben jenem verlinkten Artikel:

Wir werden im Jänner wieder vom nächsten Trainergenie Schiano fusseln, wenn die 12-4 Buccs (10-1 in engen Spielen) die NFC South gewonnen haben und vom Ende der Packer-Ära, weil Rodgers statt 1% mehr als 2% INT-Quote widerfahren und die Defense nur noch fuffzehn statt fünfhundertfunfundzwanzig Interceptions abfängt. Wir werden vergessen, wie eng die 32 Teams in ihrem Leistungsniveau beeinander liegen. Wir werden vergessen, wie viel Unsicherheit jede Spielsituation umgibt. Wir werden wieder stattdessen was von better execution und guts und clutch Eli und momentum hören und faseln.

Klingelt’s? Man wechsle die entsprechenden Colts-Anhängsel (Arians, 11-5, 9-1, AFC South) statt jenen der Buccs ein und der Satz wird prophetisch. Die Packers-Ära ist noch am Leben, weil Rodgers wieder famos spielte und seine INT-Rate weiter niedrig halten konnte (1.4%), die Defense dagegen fing deutlich weniger Bälle im Vergleich zur letzten Saison ab (3.2% INT-Rate), und schon haben wir aus einem scheinbar überragenden 15-1 Packers Team einen #3-Seed in der NFC mit 11-5 Siegen.


Genug der einleitenden Worte – nach dem Sprung gibt es das finale Ranking der Regular Season sowie die Siegwahrscheinlichkeiten für das Wildcard Weekend. Weiterlesen

NFL Week 10 Power Rankings

Die neuen Overtime-Regeln machen das unwahrscheinlichste Ergebnis in der National Football League ein bisschen wahrscheinlicher, und am Sonntag war es mal wieder soweit: Wir hatten das erste Unentschieden in der NFL seit 2008, als die Philadelphia Eagles gegen Cincinnati remis spielten und QB Donovan McNabb sich hinterher fragte, warum man denn nun nicht noch eine zweite Overtime hatte spielen lassen.

Bei FOX scheint man es auch noch nicht so genau mitbekommen zu haben:

FOX wollte wohl eine zweite Verlängerung - ©NFL-Gamepass

FOX wollte wohl eine zweite Verlängerung – ©NFL-Gamepass

Zu den Power Rankings, die sich von einem Unentschieden nicht nervös machen lassen.

Nr.  TEAM              WP     E16    SOS   RK   W-L
#1   Denver           .728   11.6   .510   15   6-3
#2   San Francisco    .695   11.1   .516   10   6-2-1
#3   Houston          .665   10.6   .483   22   8-1
#4   Seattle          .655   10.5   .539    6   6-4
#5   Carolina         .606    9.7   .551    2   2-7
#6   Detroit          .579    9.3   .505   16   4-5
#7   Green Bay        .570    9.1   .514   11   6-3
#8   Chicago          .568    9.1   .510   14   7-2
#9   Dallas           .556    8.9   .548    3   4-5
#10  N.Y. Giants      .541    8.6   .530    7   6-4
#11  Atlanta          .538    8.6   .487   21   8-1
#12  St Louis         .530    8.5   .552    1   3-5-1
#13  Cincinnati       .527    8.4   .473   24   4-5
#14  New England      .513    8.2   .499   17   6-3
#15  Tampa Bay        .509    8.1   .465   29   5-4
#16  Miami            .505    8.1   .472   25   4-5
#17  Philadelphia     .497    7.9   .489   19   3-6
#18  Minnesota        .484    7.7   .498   18   6-4
#19  Pittsburgh       .483    7.7   .471   27   6-3
#20  Baltimore        .481    7.7   .472   26   7-2
#21  Washington       .463    7.4   .513   13   3-6
#22  San Diego        .460    7.4   .436   31   4-5
#23  Indianapolis     .454    7.3   .427   32   6-3
#24  N.Y. Jets        .436    7.0   .545    4   3-6
#25  Buffalo          .429    6.9   .479   23   3-6
#26  Arizona          .418    6.7   .542    5   4-5
#27  Cleveland        .406    6.5   .488   20   2-7
#28  New Orleans      .403    6.5   .517    9   4-5
#29  Oakland          .393    6.3   .469   28   3-6
#30  Tennessee        .387    6.2   .514   12   4-6
#31  Kansas City      .281    4.5   .462   30   1-8
#32  Jacksonville     .242    3.9   .522    8   1-8

WP entspricht der Siegchance der jeweiligen Franchise gegen eine standardisierte, durchschnittliche NFL-Franchise, E16 ist WP hochgerechnet auf 16 Spiele (WP*16 = E16), SOS ist der bisherige Strenght of Schedule, den dieses Modell für die jeweilige Franchise errechnet, Rk die Platzierung des Schedules, W-L die tatsächliche Sieg-Niederlagen-Bilanz jeder Franchise zum Ende der Woche 10.


Ein paar Anmerkungen zum Power Ranking:

  • Denver spielt eine wirklich famose Saison, hat die beste Pass-Offense (7.7 NY/A), die sechstbeste Lauf-Offense, die fünftbeste Pass-Defense (5.4 NY/A), eine überdurchschnittliche Lauf-Defense, begeht wenige Strafen (#10), und gehört dann mit einer unterirdischen Quote an Fumble-Recoverys (knapp 23%) zu den unglücklichsten Teams ligaweit!
  • Detroit bleibt weiterhin extrem weit oben, was schwer erklärlich ist: Detroit ist nirgendwo herausragend, spielte gegen den 16t-schwersten Schedule. Aber die Lions sind in allen Statistiken außer Penaltys und Defensive Interceptions überdurchschnittlich gut, was in einer Saison ohne die ganz herausragenden Top-Teams für eine hohe Platzierung zu reichen scheint. Den Lions sei prinzipiell vor allem zu raten: In Zukunft von einer 60/40-Ratio in Lauf/Pass auf eine 80/20-Ratio wechseln!
  • Carolina hält sich weiterhin trotz hoher Niederlage und 2-7 Bilanz im Spitzenfeld, und man kann weiterhin verstehen, warum: Schlechte Starting-Feldpositionen in Offense (#31) und Defense (#28) sowie schlechte Special Teams (#30 nach DVOA) – Werte, die dieses Modell nicht berücksichtigt, weil sie schwer messbar im Verhältnis zum Gesamterfolg sind.
  • Die anti-Panthers sind die Baltimore Ravens, die nach DVOA das beste Special Teams in der NFL besitzen (Stand Woche 10 sogar eines der besten der letzten 20 Jahre!), hier aber nur an #20 ausgespuckt werden. Baltimore besitzt zwar eine exzellente Pass-Offense rund um QB Flacco (6.8 NY/A, #6), aber die Defense ist lauer als erwartet, die Ravens kassieren viele Strafen, auch weil HC Harbaugh sich an der Seitenlinie nicht zurückhalten kann, und sie haben all das gegen einen der schwächsten Schedules in der NFL „zustande gebracht“.
  • Weiteres pikantes Merkmal: St Louis vor New England, was nach dem London-Spiel eher ungläubig zur Kenntnis genommen wird. St Louis „punktet“ im direkten Vergleich vor allem mit der viel besseren Pass-Defense (6.1 NY/A vs. 7.3 NY/A der Pats, die damit #28 sind) und dem viel schwierigeren bisherigen Schedule (Rams spielten den schwersten bisher).

Kalkulierte Prozentsätze für Woche 11

Letzte Woche sagte Excel 9 von 13 Spielen richtig voraus, was in einer Woche mit mehreren scheinbaren Upsets keine schlechte Bilanz war. Diesmal tippt Excel wie folgt:

HOME              %     AWAY               %
Buffalo          46     Miami             54
Atlanta          69     Arizona           31
Dallas           72     Cleveland         28
Detroit          57     Green Bay         43
Kansas City      27     Cincinnati        73
Washington       51     Philadelphia      49
Carolina         68     Tampa Bay         32
Houston          92     Jacksonville       8
St Louis         66     N.Y. Jets         34
Oakland          54     New Orleans       46
Denver           88     San Diego         12
New England      62     Indianapolis      38
Pittsburgh       56     Baltimore         44
San Francisco    75     Chicago           25

D’oh! Detroit over Green Bay. Oakland over New Orleans! Und San Francisco ein 3:1 Favorit über die Chicago Bears.

NFL Power Rankings nach Week 9

Das Playoff-Rennen in der NFC wird langsam klarer. In der Eastern Division führen die Giants bereits mit drei Spielen Vorsprung, im Süden marschieren die Falcons (8-0) vorneweg und haben vier Spiele Vorsprung auf die zweitplatzierten Buccs. In der Western Division führen die 49ers gefühlt mit drei Spielen Vorsprung (tatsächlich sind es 1.5 Spiele plus ein bereits halb gewonnener Tie-Breaker gegen Seattle), während sich im Norden noch die spannendste Situation anbahnt: Chicago (7-1) vor Green Bay (6-3) vor Minnesota (5-4) vor Detroit (4-4)… wobei die Vikes zuletzt einen gefährlichen Abwärtstrend befürchten ließen.

In der deutlich schwächer besetzten AFC ist die East Division ein Treppenwitz: New England (5-3) ist nur ein Spiel vor Miami, aber gefühlt ist es sehr viel deutlicher. In der Northern Division führen die Ravens (6-2) vor Pittsburgh (5-3), aber die Ravens laufen seit Wochen schwer angeschlagen auf.

Im Süden sind die Texans quasi qualifiziert (7-1), weil der nächstplatzierte Gegner Indianapolis 5-3 ist und diese Pace mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit nicht andeutungsweise wird halten können. Im Westen sind die Broncos „nur“ 5-3, stehen aber vor einem relativ einfachen Rest-Schedule und dürften als das aktuell beste Team der Liga erstmal keine Probleme haben.

Die zweite Saisonhälfte wird natürlich einiges durcheinander wirbeln. Teams wie Baltimore, San Diego oder Indianapolis profitierten bisher von extrem laxen Schedules und konnten diese nur mit teilweise sehr knappen Siegen überhaupt bewältigen, während Truppen wie Dallas, Denver oder Miami eine relativ gute Ausgangsposition für einen Run in der zweiten Saisonhälfte besitzen.

Zu den Rankings.

Nr.  TEAM              WP     E16    SOS   RK   W-L
#1   Denver           .723   11.6   .505   14   5-3
#2   San Francisco    .718   11.5   .519    9   6-2
#3   Houston          .677   10.8   .468   28   7-1
#4   Seattle          .657   10.5   .566    1   5-4
#5   Carolina         .646   10.3   .529    7   2-6
#6   Detroit          .593    9.5   .501   15   4-4
#7   Atlanta          .582    9.3   .498   17   8-0
#8   Dallas           .571    9.1   .561    2   3-5
#9   Green Bay        .570    9.1   .511   12   6-3
#10  N.Y. Giants      .565    9.0   .540    6   6-3
#11  Miami            .562    9.0   .486   21   4-4
#12  New England      .552    8.8   .496   18   5-3
#13  Chicago          .545    8.7   .491   19   7-1
#14  St Louis         .529    8.5   .547    5   3-5
#15  Pittsburgh       .527    8.4   .498   16   5-3
#16  Tampa Bay        .488    7.8   .469   26   4-4
#17  Minnesota        .487    7.8   .486   20   5-4
#18  Philadelphia     .483    7.7   .485   22   3-5
#19  Cincinnati       .479    7.7   .469   27   3-5
#20  Washington       .469    7.5   .517   10   3-6
#21  N.Y. Jets        .455    7.3   .553    3   3-5
#22  Baltimore        .442    7.1   .470   25   6-2
#23  Oakland          .434    6.9   .475   23   3-5
#24  San Diego        .431    6.9   .409   32   4-4
#25  Indianapolis     .429    6.9   .450   30   5-3
#26  Arizona          .428    6.8   .551    4   4-5
#27  Buffalo          .398    6.4   .472   24   3-5
#28  Cleveland        .386    6.4   .472   29   2-7
#29  New Orleans      .356    5.7   .505   13   3-5
#30  Tennessee        .334    5.3   .515   11   3-6
#31  Jacksonville     .258    4.1   .527    8   1-7
#32  Kansas City      .228    3.7   .445   31   1-7

WP entspricht der Siegchance der jeweiligen Franchise gegen eine standardisierte, durchschnittliche NFL-Franchise, E16 ist WP hochgerechnet auf 16 Spiele (WP*16 = E16), SOS ist der bisherige Strenght of Schedule, den dieses Modell für die jeweilige Franchise errechnet, Rk die Platzierung des Schedules, W-L die tatsächliche Sieg-Niederlagen-Bilanz jeder Franchise zum Ende der Woche 9.


Chicago Bears

Die Bears scheinen in der öffentlichen Meinung mit ihrem 7-1 Record ganz weit oben angesiedelt zu sein und sind auch die Könige von Rankings wie der Pythagoreischen Erwartung (13.5 erwartete Saisonsiege, #1 der Liga) oder SRS (9.7, #4 der Liga).

Und die Bears gehören zweifellos zu den besseren Teams in dieser Saison, vor allem aufgrund ihrer fantastischen Defense, die so stark dominiert wie außer vereinzelten Steelers-Defenses und den Jets 2009 keine andere in den letzten acht, neun Jahren NFL.

5.4 NY/Passversuch sind #5 der Liga, die Laufabwehr ist #6, aber das absolute Prunkstück ist was anderes: Turnovers und Turnover-Returns. Und genau diese extrem vielen Turnovers (5.3 INTs in 100 Passversuchen sind ligaweit die zweitmeisten) und Return-TDs (sieben Interceptions plus einen geblockten Punt zum Touchdown zurückgetragen) sind der Grund für die punktemäßige Dominanz der Bears.

Die Interceptions und Return-TDs waren bis auf das Panthers-Spiel nicht spielentscheidend, aber sie halfen (u.a. vor allem gegen die Cowboys), das Spiel früh außer Reichweite zu bringen oder aus einem „normalen“ Ergebnis ein Blowout werden zu lassen. Ich würde nicht drauf wetten, dass die Bears mit 1 Return-TD pro Spiel weitermachen werden.

Dagegen hat die Offense von Chicago ernsthafte Probleme: Gegen einen Schwall an schlechten Defenses konnte Chicago bis dato nur enttäuschend wenig ausrichten (5.8 NY/Passversuch ist #25, die Laufoffense ist #30). Die Pass-Protection schmerzt schon beim Zuschauen, und sofern nicht WR Marshall und WR Jeffery gemeinsam auf dem Feld stehen, bringen die Bears im Angriff nicht viel voran.

Und genau diese Play-by-Play Schwäche ist der Hauptgrund dafür, dass die Chicago Bears in diesem Power Ranking nur an Position 13 ausgespuckt werden, trotz der extrem hohen Siege und der zweitbesten Bilanz der NFL mit 7-1.

Philadelphia Eagles

Die Eagles stürzen in den letzten Wochen brutal ab, was nicht mehr nur bloß an den vielen Turnovers rund um QB Vick liegt. Die Eagles sind mittlerweile mit 5.8 Yards pro Passversuch im unteren NFL-Drittel angekommen und spielen eine horrend schlechte RedZone-Offense. Vick ist nicht der Alleinschuldige. Vick muss hinter einer Woche für Woche komplett pulverisierten Offensive Line mehr zaubern als jedem Eagle lieb sein sollte – und entsprechend haben wir eine völlig aus dem Rhythmus gekommene Offense.

Zuletzt gegen New Orleans verlor man mit 15 Punkten. Die Eagles spielten schlecht, aber die Differenz waren – mal wieder – die Turnovers. Viel brutalere Spielzüge als einen 99yds-Touchdown-Return dürfte es nicht mehr gegen, zumal wir hier über einen vermeintlichen 14-Punkte-Umschwung sprechen. 14pts-Swing? 15pts Differenz? So eng liegen Sieg und Niederlage oder Konkurrenzfähigkeit und 3-5 Bilanz in der NFL beisammen. Ein zweiter Turnover in Punktereichweite half später in dem Spiel freilich auch nicht.

Wer eine dezidierte Analyse lesen möchte, dem sei auf Bill Barnwell verwiesen.


Die Favoriten errechnet

Letzte Woche tippte ich 11 von 14 Spielen richtig, das Modell war 10-4. Gesamtstand nach sechs „gemeinsamen“ Tippwochen: Ich stehe bei 57-27, Excel bei 56-28. Damit tippt Excel in der bisherigen Saison 2/3 der Spiele richtig – ein bisher sehr guter Wert.

Hier die errechneten Siegwahrscheinlichkeiten des Modells für Woche 10:

HOME              %     AWAY               %
Jacksonville     34     Indianapolis      66
Cincinnati       44     N.Y. Giants       56
Miami            79     Tennessee         21
Minnesota        41     Detroit           59
New England      73     Buffalo           27
New Orleans      28     Atlanta           72
Tampa Bay        62     San Diego         38
Carolina         39     Denver            61
Baltimore        56     Oakland           44
Seattle          79     N.Y. Jets         21
Philadelphia     44     Dallas            56
San Francisco    82     St Louis          18
Chicago          35     Houston           65
Pittsburgh       85     Kansas City       15