NFL 2011/12 TV-Guideline, Week 5: Man sieht sich im Ruder-Shop

Das zweite Saisonviertel beginnt, die ersten Teams können in den Bye Weeks Seelentherapie betreiben. Kaum eine Mannschaft wird dies notwendiger haben als die St Louis Rams, die mit dem angekündigt brutalen Start-Schedule noch sieglos sind und dafür in etlichen „Power Rankings“ ganz unten reingestuft werden. In Miami wurde spekuliert, ob man Head Coach Tony Sparano ob der spielfreien Woche feuern würde; ist bisher nicht passiert – was würde eine Promotion eines Mike Nolan zum jetztigen Zeitpunkt auch bringen? (Randinfo: QB Henne ist tatsächlich out for the season)

Woche 5 könnte auch die Woche sein, in der die Buffalo Bills endgültig auf den Boden der Tatsache zurückkehren – oder für voll genommen werden: Das Heimspiel gegen die desorientierten Philadelphia Eagles schaut aus wie ein möglicher Knackpunkt. Allerdings auch für die Eagles, die bei einem möglichen 1-4 mit @Redskins vor der Nase in 14 Tagen eine möglicherweise „fetzige“ Bye Week erleben könnten.

Woche 5 könnte auch im „Race for Luck“ eine Richtung vorgeben: In Indianapolis treffen Colts und Chiefs aufeinander, denen jeweils zugetraut wird, unterirdischste Saisonbilanzen hinzuknallen, um QB Andrew Luck zu holen. Bei den Chiefs bin ich mir noch nicht ganz sicher, weil sie trotz Verletzungspech immer noch mehr als eine Handvoll fantastischer junger Spiel im Kader haben. Pikanter ist die Situation in Indianapolis, wo ohne QB Peyton Manning so offensichtlich selbst krasse vereinzelte Individualleistungen (DE Mathis/DE Freeney) aufgrund einer darniederliegenden Offense umsonst sind. Solche Mannschaften tendieren gerne dazu, sich ob der Sinnlosigkeit irgendwann selbst aufzugeben. Andererseits käme Luck als Manning-Nachfolger womöglich zwei, drei Jahre zu früh.

Zu den Spielen im TV diese Woche. Sport1+ bringt am Sonntag um 19h Houston vs. Oakland, das Spiel, in dem vermutlich gelaufen wird bis sich sämtliche Ober- und Unterschenkelknochen abgerieben haben. Das Programm bei ESPN America und PULS4 wie folgt.

Carolina Panthers – New Orleans Saints

So, 19h LIVE ESPN America
Tape: Di, 11.10. um 11h/ESPN America

… oder: Brauche ich Ruderblätter?

So wie Panthers-QB Cameron Newton, der #1-Draftpick 2011, in den ersten Wochen aufgespielt hat, spiele ich mit dem Gedanken, mir die richtigen Instrumente dafür zu beschaffen. Für’s Zurückrudern nämlich.

Novize Newton scheint der lendenlahmen Panthers-Offense tatsächlich Leben eingehaucht zu haben, mit teilweise sensationellen tiefen Bällen, bevorzugt für WR Steve Smith, der in vier Partien 530yds gemacht hat und die Entscheidung, in Carolina geblieben zu sein, nicht bereuen dürfte.

Newton ist natürlich alles andere als fehlerfrei, vor allem bei kurzen und mittellangen Bällen und unter richtig Druck sind immer wieder „Rookie-Momente“ dabei. Dafür schaut die Symbiose Newton/Offensive Line vielversprechend aus: Newton kriegt zumeist viel, sehr viel Zeit, und wenn die Pocket doch mal unter Beschuss steht, findet der schwer zu fällende Mann oft so grazil wie souverän die Zeit, den langen Ball zu werfen, ohne abgeschossen zu werden.

Es ist im Prinzip ein simples Spielchen in einer etwas unkonventionellen Offense mit vielen Anspielstationen und viel Bewegung an der Line of Scrimmage, könnte bald durchschaut werden, daher nehme ich an, dass die Saints mit DefCoord Gregg Williams alle Versuche unternehmen werden, „Big Arm“ Newton mit notfalls durch Blitzes verstärktem Pass Rush durcheinander zu bringen um ihm a) die Zeit für tiefe Bälle zu nehmen und b) zu INTs zu zwingen.

Auf der anderen Seite dürfte den Saints in die Karten spielen, dass Carolinas Laufspiel trotz der großen Namen Williams/Stewart bisher wenig überzeugend aussieht, kann man sich dadurch doch einen oder zwei Defensive Backs mehr erlauben.

Ich glaube nicht, dass Carolina eine Chance in diesem Spiel hat, da die Saints über ein zu breites Arsenal in der Offense verfügen und selbst im unwahrscheinlichen Fall des Zusammenbruchs der Luftwaffe darauf bauen können, dass die Panthers über die Mitte leicht zu überlaufen sind. Ah, und dann wären da noch die Special Teams der Panthers, die bereits zwei entscheidende Return-TDs zugelassen haben. Die Saints warten mit dem exzellenten Returner #43 Darren Sproles auf. Feldposition, ick hör dir trappsen…

New England Patriots – New York Jets

So, 22h LIVE ESPN America, Sport 1+ und PULS4
Tape: Di, 11.10. um 13h/ESPN America

Ein Dauerbrenner in den letzten Jahren, der quer durch die hiesigen TV-Stationen übertragen wird. Die Patriots haben in den letzten 13 Spielen jeweils über 30 Punkte/Spiel erzielt, mit der einen Ausnahme: In den Playoffs 2010/11 gegen die Jets wurde die Offense überrollt. Diesmal treffen unterschiedliche Spielauffassungen, unterschiedliche Stimmungslagen und im Vergleich zu damals unterschiedliche Voraussetzungen aufeinander.

Ein Lieblings-Matchup in dem Spiel für mich: TE Rob Gronkowski gegen die winzigen, fußlahmen Safetys der Jets. Alles weitere wird es am Sonntag in einer detaillierten Analyse geben, für die ich einen besser informierten Experten gewinnen konnte.

Atlanta Falcons – Green Bay Packers

So/Mo, 02h LIVE ESPN America
Tape: Di, 11.10. um 13h/ESPN America (*)
(*) Uhrzeit/Wh. dürfte ohne Gewähr sein

Wie Pats vs Jets war auch dieses Spiel in den Divisional Playoffs 2010/11 das Duell #1 gegen #6. Auch in diesem Spiel hat damals die #6 auswärts souverän gewonnen. Es war das Spiel, in dem die Atlanta Falcons von QB Aaron Rodgers und dessen blindem Verständnis mit den Wide Receivers auseinandergenommen wurden und hernach realisiert hatten, dass ihnen zwei wichtige Komponenten zu einer kompletten Mannschaft fehlten: Besserer Pass Rush und variablere, modernere Offense.

Die Schlüsse führten zu den Einkäufen von DE Ray Edwards und WR Julio Jones. Resultat: Während der Pass Rush ordentlich ist, klappt die Sache mit der Offense bisher nicht so gut. Jones schaut noch nicht wie die angedachte „tiefe Bedrohung“ für die Secondarys aus, fängt zwar alles, was bei drei nicht im Kofferraum verstaut ist, aber eben nur die kurzen Bälle, gerne auch die Screen-Pässe für Raumverlust. Dazu kommen eklatante Protection-Probleme (LT Baker, Mike Smith’s looking at you!) und ein schwerfüßiger RB Michael Turner, der als Block-Unterstützung für Passspielzüge so unbrauchbar ist, dass sich anhand der Präsenz eines Michael Turner auf dem Spielfeld für die Defense leicht lesbare Muster ergeben:

If Turner auf dem Spielfeld, then run play.
Maßnahme: 8 Mann in die Box.

If Turner nicht auf dem Spielfeld, then pass play.
Maßnahme: Entsprechende Aufstellung einnehmen.

Solche Spielchen sind natürlich immer dann besonders tödlich, wenn die eigene Defense einen Angriff abwehren muss, dem sie kaum gewachsen ausschaut. Die Atlanta Falcons haben keine unterirdische Abwehr, aber es schaut schwer vorstellbar aus, dass sie Rodgers’ Timing mit seinen Receivers unterbinden kann. Rodgers wirft oft quicker als es dem Pass Rush möglich ist, durchzukommen und selbst wenn die Entwicklung des Spielzugs länger dauert: Green Bay hat so viele Waffen, ich sehe kaum wie die Coverage Atlantas dagegen vorgehen möchte: WR Jennings, WR Jones, WR Nelson, WR Driver, TE Finley, TE Crabtree, FB Kuhn. Eine Anspielstation auszuschalten ist einhergehend mit einer anderen Anspielstation den nötigen Freiraum mehr zu geben. Und wenn nichts klappt, ist Rodgers auch noch gut bei Fuß.

Pittsburgh Steelers – Tennessee Titans

Tape Di, 9h00 ESPN America (*)
(*) Uhrzeit dürfte ohne Gewähr sein

Man würde es kaum glauben, aber die Tennessee Titans sind die Mannschaft mit der besseren Bilanz (3-1 vs 2-2) in dieser Saison. Hätten die Titans das schwache Eröffnungsspiel gegen Jacksonville gewonnen – und es wäre leicht zu gewinnen gewesen – wir würden über eine von drei ungeschlagenen Mannschaften sprechen. Um das Ganze zu relativieren: Erfolge über Denver und Cleveland taugen noch nicht als Qualitätsbeweis, während immerhin in Woche 2 die Baltimore Ravens geputzt wurden.

Was macht Tennessee 2011/12 also aus? Es ist eine Kombination aus mäßigem Strength of Schedule, unspektakulärer, aber fehlerarmer Defense, richtig guter Offensive Line und – den Highlight-Reels gegen Cleveland  nach zu schließen – haarsträubender Fehler gegnerischer Defenses. Das soll die Leistung des Pass-Spiels um den alternden Glatzkopf QB Matt Hasselbeck nicht schmälern, der mit dem mit Abstand besten WR Kenny Britt auf der injuried reserve sehr ordentliche Stats produziert. Die größten, wichtigsten Big Plays gegen die Browns waren aber blown coverages. Für Tennessee essenziell: RB Chris Johnson scheint nach dem langen Vertragsstreik besser in Form zu kommen, hatte in Cleveland endlich wieder einen dieser schönen Hakenschlag-Läufe.

Tennessee ist also noch nicht eindeutig einzuordnen, und auch der Gegner spielt jenseits der Erwartungen – halt eben drunter. Was zum Beispiel QB Big Ben Roethlisberger für eine „Protection“ bekommt, spottet jeder Beschreibung und lässt sogar die Line der Steelers aus dem letzten Jahr gut aussehen. Weil die Steelers auch kein adäquates Laufspiel durchbringen, muss man sich auf gelegentliche sehenswerte Plays Big Bens verlassen. Wären die Texans am Sonntag nur einen Tick konsequenter, konzentrierter, fehlerärmer gewesen, die Steelers (die Steelers!) wären zertrümmert worden.

Für beide Teams dürfte das Spiel eine Standortbestimmung sein – Tennessee, ob es for real ist, Pittsburgh, ob die sich andeutenden Schwierigkeiten temporärer Natur sind, oder doch Stellschraubendrehen mit höherer Oktanzahl notwendig sein wird.

San Francisco 49ers – Tampa Bay Buccaneers

Tape Mi, 12.10., 11h ESPN America (*)
(*) Uhrzeit dürfte ohne Gewähr sein

ESPN tut uns den Gefallen und bringt unkonventionelle Teams im TV. „Unkonventionell“, obwohl beide heuer 3-1 sind. Die 49ers sagen mir im Moment noch nicht viel, allerdings scheint der Angriff um QB Alex Smith, RB Frank Gore, WR Michael Crabtree und TE Vernon Davis mit entsprechender Protection für Smith potenter zu sein als jemals angenommen.

Die jungen Buccs bleiben ein Mysterium: Gewinnen mehr als man es ihnen zutrauen würde, machen sich aber immer wieder mit schwacher Offensive Line und schwachen ersten und zweiten Vierteln das Leben schwer. Das ist keine geschmiert laufende Mannschaft – Gott bewahre – aber immer wenn man am Schirm geistig bereits abschalten möchte, legen Josh Freeman und Co. einen Schalter um und machen genau die Plays, die es für den herausgewürgten Sieg braucht. Als Langzeitstrategie verdammenswert, aber zuzuschauen macht es definitiv Spaß.

Die Begegnung gegen San Francisco dürfte zwei junge, aber sehr, sehr gute Defensive Lines aufbieten, was angesichts der Block-Units eher ein Pluspunkt für San Francisco sein sollte. Andererseits werden die Buccs selbst bei Zwei-TD Rückstand fünf Minuten vor Schluss mit einem potenten gegnerischen Laufspiel nicht nervös…

Detroit Lions – Chicago Bears

Mo/Di, 10./11.10., 02h30 LIVE ESPN America und Sport1+
Tape: Di, 15h30/ESPN America

Das erste Monday Night Game in Detroit seit Menschengedenken. ESPN wird seinen Opener „Are You Ready For Some Football“ von Hank Williams nach dem Obama/Hitler-Vergleich auch in Zukunft nicht mehr ausstrahlen: Williams ist gefeuert. Ah, und: „Richtige“ Vorschau wird es am Montag geben.

Mit den Detroit Lions die Sonne anlachen

Matthew Stafford Detroit Lions NFL 2011/12

Wenn die Hoffnungen auf einer Schulter ruhen... Matthew Stafford - ©Flickr/Hawk Eyes

Für die morgendliche Lektüre am heutigen Samstag halten die Detroit Lions her, das Team, das nun jahrelang wie kein zweites für die Niederungen der NFL stand. Statt König der Tiere eher der Bettvorleger. Seit dem Tiefpunkt der sieglosen Saison 2008/09 ist allerdings ein radikaler Schnitt gemacht worden, die Besitzer-Familie Ford hat sich dazu durchgerungen, dem neuen GM Martin Mayhew, einem aus dem eigenen Haus, das Vertrauen zu schenken – und Mayhew entzückt mit seiner Arbeitsweise immer besser.

Erste Amtshandlung war die Einstellung von Head Coach Jim Schwartz aus Tennessee. Schwartz gefällt mir als Pragmatiker außerordentlich, ein Mann, der gnadenlos seinen Glauben an die Macht von Zahlen und Statistiken lebt und danach handelt – und sich mit Scott Linehan und Gunther Cunningham zwei erfahrene Coordinators an seine Seite geholt hat.

Und Schwartz hat die größte Herkules-Aufgabe bereits gemeistert: In Detroit herrscht nicht mehr Depression, sondern Aufbruchstimmung. In diesem Sommer ist die Stimmung nach zahlreichen geglückten personellen Transaktionen plötzlich so enthusiastisch wie ich es bisher noch nicht gesehen habe. Enthusiasmus basierend auf einer Unzahl an jungen, hohen und eigenen Draftpicks in den letzten Jahren – und einigen klugen Einkäufen.

Die Offense hängt an Staffords Schulter

Vor zwei Jahren wurde unter Linehans Aufsicht damit begonnen, eine nicht nur in Spuren vertikale Offense aufzuziehen – und dafür wurden neben dem vorhandenen Personal nach und nach die passenden Spieler geholt.

Recht unangetastet blieb die Offensive Line, die nicht zu den besten der NFL gehört, aber ihre Sache gerade gut genug macht, um nicht als größtes Sorgenkind durchzugehen. LT Jeff Backus oder C Dominic Raiola sind Spieler, denen man nichts anderes als vollste Bewunderung entgegenbringen kann. Beide spielen seit Äonen in dieser Stadt und haben alle Niederungen durchgemacht und trotzdem immer nach Möglichkeit ihre Leistung geliefert. Das ist schwerer als man glaubt und diese wenigen Zeilen an Anerkennung von Herzen verdienend.

Knackpunkt in der Offense ist der Quarterback. „Vertikale Offense“ bedeutet: Der QB muss über einen starken Arm verfügen. Den hat der junge Matt Stafford, Top-Pick von 2009, der brillante Ansätze gezeigt hat und in der Lage ist, eine Offense blitzschnell mit kilometerlangen Pässen das Feld hinunterzutreiben. Allein: Stafford verbrachte bisher mehr Zeit im Krankenstand und es bestehen ernsthafte Zweifel, ob die Schulter im Wurfarm überhaupt halten wird.

Backup Shaun Hill zeigte bemerkenswerte Courage und hielt die Lions als Third Stringer oft genug im Spiel, aber mit Hill spielt die Offense um einiges blasser.

Die Anspielstationen sind breit gestreut: Der „Megatron“ genannte WR Calvin Johnson ist der athletische Idealtyp eines Wide Receivers und ein deep threat vor dem Herrn. Zu Superstar Johnson gesellen sich Nate Burleson und der quicke slot receiver Titus Young, ein Rookie. Für die Mitteldistanzen hat sich zuletzt TE Brandon Pettigrew nach anfänglichen Anpassungsschwierigkeiten angeboten. Insgesamt eine ordentliche Pass-Armada, der vielleicht etwas die nötige Tiefe (im Sinne von Kadertiefe) abgeht.

Im April sorgte das Front Office mit der Einberufung von RB Mikel LeShoure für Augenbrauenrunzeln. Der zweite Gedanke war dann aber: Geil! LeShoure ist ein brachialer Back, der gerne mit dem Kopf durch die Wand (sprich: über die Mitte des Spielfelds) rennt, während der im Vorjahr hoch gedraftete RB Jahvid Best, ein ungeduldiger Running Back, mehr der burner ist. Solche grundverschiedenen Angriffsoptionen bieten oft nicht nur ästhetischen Genuss beim Zuschauen, sondern aufgrund ihrer Variabilität auch viel Erfolgspotenzial.

Weil wir hier aber über die Detroit Lions sprechen, müssen wir an dieser Stelle das Sternchen einfügen: LeShoure fällt für die komplette Saison mit Verletzung aus, ein ernsthafter Schuss vor den Bug – zu gut hätte LeShoure in diese Offense gepasst. Nun ist mit Mike Bell und dem Dreispielewunder von Cleveland, Jerome Harrison, halbwegs annehmbarer, händeringend gesuchter Ersatz gefunden.

Die Wucht steckt in den Schützengräben

Größter Problempunkt war in Detroit aber jahrelang nicht die Offense, sondern die Abwehr, was auch Matt Millens krankem Verlangen nach Wide Receivers geschuldet war. Unter dem Defensiv-Genie Schwartz setzte naturgemäß ein Umdenken ein.

Hauptaugenmerk gilt der Defensive Line, in die die größten Ressourcen gesteckt werden. 2010 wurde Nebraskas Freak DT Ndamukong Suh geholt, dessen schiere Präsenz nicht nur Blockern Schrecken einjagt, sondern im vormals oft mucksmäuschenstillen Ford Field die amerikanische Version des Ruuuuuuuuuuuudi Völler-UUUUUUs heraufbeschwört hat.

Suh gilt als vorbildlicher Charakter und Mentor-Typ für den jüngsten Top-Pick DT Nick Fairley, ein potenziell dominanter Pass Rusher, aber auch für seine Auszeiten mitten im Spiel und seine oftmals unfaire Spielweise bekannt, und in der Vorbereitung mit diversen Wehwehchen gehandicapt (remember the Lions). Suh und Fairley werden flankiert von starken Defensive Ends wie Kyle Vandenbosch und Cliff Avril, und für die von Schwartz gepredigte Rotation können abwechselnd der aufstrebende DE Lawrence Jackson und der solide DT Corey Williams in die Schützengräben geworfen werden.

Auch wenn ich das Flop-Potenzial eines Nick Fairley für erhöht halte: Eine dominante Defensive Line ist meistens der wichtigste Baustein für eine auf Jahre hinaus starke Defense. Die Sollbruchstellen bei den Lions sind weiter „hinten“ zu finden.

Bei den Linebackers zum Beispiel, wo aber mit dem starken Lauf-Verteidiger Justin Durant und vor allem mit Schwartz-Liebling MLB Stephen Tulloch vor wenigen Wochen zwei möglicherweise lebenswichtige Bestandteile eingekauft wurden. Interessant an Tullochs Verpflichtung: Die Lions konnten es sich leisten, Tulloch einen Vertrag ihres Geschmacks aufzuoktroyieren – undenkbar noch im vergangenen Sommer.

Die Probleme in der Secondary sind großteils auf mangelnde Erfahrung zu schieben. Die meisten Defensive Backs sind noch recht grün hinter den Ohren und der erfahrenste Mann, CB Nate Vasher, hat seine besten Zeiten hinter sich. Dass man die Top-WR dieser Welt den Cornerbacks Alphonso Smith, Eric Wright oder Chris Houston anvertrauen möchte, erstaunt. Der Top-Defensive Back ist FS Louis Delmas, ein aufstrebender Mann im dritten Jahr.

Die wenig speziellen Special Teams

P Nick Harris und K Jason Hanson sind seit Ewigkeiten im Kader und waren stets verlässliche Sportskameraden. Mit dem jungen K Dave Rayner steht womöglich ein Generationswechsel an. Return-Mann ist Stefan Logan, 2010 mit einem TD und ansonsten ansehnlichen Zahlen (12,1yds/Puntreturn, 26,3yds/Kickreturn).

Ausblick

Wie jedes Jahr ist es schwierig, eine Prognose bezüglich der Detroit Lions abzugeben. Es sind Ingredienzien für den Durchbruch da, Kader und Trainerstab sind mit etwas Optimismus – kein Scherz – superbowlfähig. Trotzdem handelt es sich immer noch um die Detroit Lions und der wichtigste Bestandteil, der Quarterback, hat nicht zu verachtende Verletzungssorgen und verfügt immer noch über recht wenig Erfahrung.

Dazu kommt dieser, gemessen an 2010/11, viertschwerste Schedule der NFL:

Wk #1 @Buccs
Wk #2 vs Chiefs
Wk #3 @Vikings
Wk #4 @Cowboys
Wk #5 vs Bears (MNF)
Wk #6 vs 49ers
Wk #7 vs Falcons
Wk #8 @Broncos
Wk #9 BYE
Wk #10 @Bears
Wk #11 vs Panthers
Wk #12 vs Packers (Thanksgiving)
Wk #13 @Saints
Wk #14 vs Vikings
Wk #15 @Raiders
Wk #16 vs Chargers
Wk #17 @Packers

Dieser Sommer ist etwas anders. Dieser Sommer gibt erstmals in meiner Vita als glühender und vor allem mit Liebe leidender Anhänger der Detroit Lions Grund, auf bald kommende Erfolge zu hoffen. Weil es sich aber immer noch um die Lions handelt, bin ich noch hin- und hergerissen zwischen gerechtfertigtem Optimismus und der prinzipiellen Skepsis gegenüber dieser Franchise.

Das Zeiteisen verrät: 447 Minuten verbleiben. WordCount nach 19 Teams: 18298.

(Dem einen oder anderen werden Teile des Eintrags bekannt vorkommen. Vor ein paar Wochen ist die Vorschau etwas abgespeckt bei Spox erschienen, mit der Unsinns-Behauptung, Detroit spiele „Run and Shoot“ – ich weiß nicht, wie ich in der Eile „Downfield attack“ oder „vertikales Spiel“ mit June Jones‘ Lieblingsspielzeug verwechseln konnte. An dieser Stelle: Sorry, hochnotpeinlich und ich vergräme mich in Schamesröte, dass mir dieser eklatante Fehler erst beim Überarbeiten des Artikels für Sideline Reporter aufgefallen ist.)

Die Philadelphia Iggles in der Sommerhitze

In diesem Sommer ist für mich ein kleiner Teil NFL-Romantik gestorben. Die Philadelphia Eagles, meine netten Freunde von nebenan, mit denen ich gerne mal ein Bierchen getrunken habe und die immer in meinem Schatten gestanden waren, sind auf einmal im Mittelpunkt des Interesses und ziehen bewundernde wie verachtende Blicke auf sich.

Es ist kein Jahr her, da sah man ein Übergangsjahr für die Eagles kommen. Elf Monate, eine Vick-Renaissance und zwei Handvoll Stareinkäufe später, ist die Franchise von Jeff Lurie plötzlich im Zentrum des Interesses. Nichts anderes als der Superbowl-Sieg wird erwartet.

Um mal einen Blick auf den Kader zu werfen…

Die Offense

Es gibt aktuell keine Offense, die mehr Speichel produziert als jene der Eagles. Das liegt vor allem an der sagenhaften Explosivität, die in dieser Angriffsmaschine steckt. Das beginnt beim QB Michael Vick, dem Spieler mit dem meisten Thrill-Potenzial in der NFL. Es ist ganz schlicht und einfach bewundernswert, in welchem athletischen Zustand Vick mit seinen 31 und nach zweieinhalb Jahren Knast im vergangenen Herbst durch die Abwehrreihen gescrambelt ist.

Viel beeindruckender noch war die Präsenz des Michael Vick in der Pocket. Jo, gibt immer noch ca. eineinhalb Dutzend Quarterbacks, die souveräner wirken, aber Vick/Philadelphia verglichen mit Vick/Atlanta, das ist wie Collinsworth verglichen mit Dilfer. Nun hat Vick so seine Probleme mit Blitz-Taktiken jeglicher Natur, aber Vicks Trümpfe, die fassungslose Wendigkeit und der rattenscharfe tiefe Ball, sind für Defenses trotz allem nicht zu unterschätzen.

Und der tiefe Ball ist ein probates Mittel, wenn du so antrittsstarke Wide Receivers wie DeSean Jackson und Jeremy Maclin besitzt. Der allerdings extrem für Drops anfällige Jackson und der krankheitsgeschwächte Maclin hatten beide so ihre Offseason-Problemchen, sollten aber in der Regular Season voll einsatzfähig sein.

OffCoord Marty Mornhinweg ist zwar ein fürchterlicher Unsympath, aber ein sehr guter Coach, und wenn Mornhinweg neben solchen Sprintern auch noch verschiedenste Waffen wie TE Brent Celek oder WR Johnny Lee Higgins einbauen kann, sowie auf einen so fangstarken Running Back wie LeSean McCoy und einen so grundsoliden wie Neuzugang Ronnie Brown zurückgreifen kann, kommt es schon mal vor, dass die Auguren sich nicht mehr einig sind, ob die Eagles nun „Spread“ oder „West Coast“ spielen. So einzigartig ist dieser Angriff derzeit in der Liga.

Einzigartig, aber auch brutal abhängig vom Vick, bei dem die Eagles einfach mal darauf geschissen haben, dass der Mann mit seinem Spiel pro Saison drei mittelschwere Verletzungen riskiert, und dessen soliden Backup Kevin Kolb sie nach Arizona abgeschoben haben. Dafür ist nun der etwas labile QB Vince Young Vicks Ersatzmann für 4-6 Spiele in diesem Herbst. Eine Aussicht, die… interessant ist. Young in diesem Angriff? 6-8 Big Plays/Spiel weniger – was bleibt dann noch übrig?

Gespannt sein darf man auf die Offensive Line, der man zuletzt nachsagte, mit den komplexen Block-Schemen überfordert zu sein. Komplexe Schemen, eingepflanzt von dem Coach, der nun die Defense trainiert: Juan Castillo.

Die Defense

Philadelphias Defense stand für mich dank der Legende Jimmy Johnson stets für massive Blitz-Gewalt. Nun weiß kein Mensch, was unter dem unerfahrenen Castillo zu erwarten ist. Vermutlich weniger Druck aus der zweiten und dritten Reihe – wozu sonst hätte man den jungen Johnson-Jünger Sean McDermott feuern sollen?

Castillo kann auf ein höchst interessantes Personal bauen: Vorne hochkarätig besetzt, mitten drin inexistent, hinten „top-heavy“ – spricht tendenziell stark für eine 4-3 bzw. vielleicht eine Defense, die häufig mit fünf Defensive Backs aufs Spielfeld kommt.

Die Defensive Line ist um den kompletten, ausgelernten Superstar-DE Trent Cole gebaut, dem nun mit DE Jason Babin aus Tennessee ein veritabler Gegenpart zur Seite gestellt wurde. Für die Mitte steht nach Bunkleys Abgang ein neues Trio zum Reinrotieren bereit: Cullen Jenkins, der ehemalige 3-4 End aus Green Bay, Senkrechtstarter Antonio Dixon und der einst hoch gedraftete Mike Patterson, bei dem kein Mensch weiß, wie er sich machen wird. Patterson ist im Trainingslager zusammengeklappt und man darf sich ernsthaft fragen, ob es sinnvoll ist, weiterhin Pattersons Gesundheit aufs Spiel zu setzen. Ein Star fehlt noch: Line-Coach Jim Washburn, der der Welt in Tennessee mehr starke Defensive Line geschenkt hat als Matthäus Ehen.

Die Linebackers sind recht unterirdisch besetzt, sodass mit Rookie Casey Matthews aus Oregon ein Mann den Middle Linebacker geben soll, dessen Haupt-Referenz lautet „Bruder von Clay“.

Das Maul fusselig redet man sich, wenn das Thema „Phillys Secondary“ aufkommt. CB Asante Samuel, CB Nnamdi Asomugha, CB Dominique Rodgers-Cromartie – dreimal Deckungsspieler mit großem Namen. Asomugha gilt als einer der besten Shutdown Cornerbacks der Liga, und Samuel als Genie, wenn es darum geht, das eine, entscheidende Big Play zum Sieg zu machen. Nicht ausgeschlossen, dass die in der Preseason getestete Varianten mit Samuel als Safety tatsächlich eine Option wird. Samuel als Freelancer? Nehme ich, solange mir der Mann nicht auf Running Backs abgestellt wird.

Dagegen spricht, dass „Free Safety“ genau die richtige Position für den jungen, aufstrebenden, aber von einer schweren Verletzung zurückkommenden Nate Allen ist. In dem Falle würde vielleicht sogar der local guy, Rookie Jaquan Jarrett (kommt von der heimatlichen Temple University) der Starter als Strong Safety werden.

Viele, viele Optionen in dieser Defense – aber, und das zu bestreiten grenzt an Ignoranz, auch mehrere potenzielle Sollbruchstellen.

Special Teams

Huch? DeSean Jackson ist einer der Big Three bei den Returnmännern (nach Hester und neben Cribbs), aber die Schlüsselstelle ist eine andere: Wie kommt der Rookie-Kicker Alex Henery zurecht, nachdem David Akers, einer der besten Kicker der jüngeren und älteren Vergangenheit, aufgrund zweier Playoff-Fehlkicks rausgeschmissen wurde?

Ausblick

Die Einkaufstour war so massiv, dass die Eagles unweigerlich den Druck des Superbowl-Favoriten aufgehalst bekommen. Und ein Head Coach Andy Reid unter Druck, zumal mit Philadelphias traditionell ultra-launischem Publikum im Rücken – ich habe da nicht des Weltgeists größtes Vertrauen drein.

Philadelphias Schedule ist dann auch entsprechend ein sehr Primetime-lastiger:

Wk #1 @Rams
Wk #2 @Falcons (SNF)
Wk #3 vs Giants
Wk #4 vs 49ers
Wk #5 @Bills
Wk #6 @Redskins
Wk #7 BYE
Wk #8 vs Cowboys (SNF)
Wk #9 vs Bears (MNF)
Wk #10 vs Cardinals
Wk #11 @Giants (SNF)
Wk #12 vs Patriots
Wk #13 @Seahawks (Donnerstagsspiel)
Wk #14 @Dolphins
Wk #15 vs Jets
Wk #16 @Cowboys
Wk #17 vs Redskins

Eine Prognose fällt extrem schwer. Wurscht, wie viele Stars da in dieser Mannschaft spielen, wurscht, ob die Defense überragt oder unter neuem Coordinator und ohne Linebackers kränkeln wird: Die Saison steht und fällt mit Michael Vick. Bleibt er die Waffe? Bleibt er überhaupt gesund? Bleibt er gesund und eine Waffe?

Ich sehe bedenklich viele Komponenten, die gegen die Philadelphia Eagles als Superbowl-Champ sprechen. Um noch ein bissl weiter zu gehen: Ich habe sogar in der NFC East eine andere Mannschaft auf der Rechnung. Eine vermutlich blitzfreudige…

Das Zeiteisen verrät: 481 Minuten verbleiben. WordCount nach 18 Teams: 17136.

Mit den Miami Dolphins in die neue Woche

Die vielleicht krasseste Offseason der NFL hat in Miami stattgefunden. Head Coach Tony Sparano sollte durch Jim Harbaugh ersetzt werden, Quarterback Chad Henne durch Kyle Orton. Beide Moves scheiterten – die beiden wichtigsten Protagonisten der Dolphins sind nun lame ducks, die so richtig keiner mehr haben will und auf die man trotz allem bauen muss. Eine bizarre Situation, aber nicht unerwartet.

Denn Owner Stephen Ross versucht verzweifelt, der Franchise und ihren Fans Leben einzuhauchen – etwas, das kaum gelingt mit langweiligem Offensivspiel aus den 80ern und was auch nicht geht mit einer so eklatanten Heimschwäche: Miami gewann zuletzt eines von acht Heimspielen.

Offense

Wichtigste Änderung nach dem geplatzten Quarterback-Putsch: OffCoord Dan Henning ist weg, Brian Daboll ist da. Daboll war zuletzt in Cleveland für die Offense zuständig, was eher nicht so gut geklappt hat. Die Dolphins verfügen aber über eine recht gute Basis: Left Tackle Jake Long gilt als ligaweiter Benchmark für diese Position, und die eher schwache innere Seite der Line soll durch den gehypten Rookie Mike Pouncey Verstärkung erhalten.

Das Laufspiel soll anscheinend um den Rookie-RB Daniel Thomas gebaut werden, ein Back, der in der Pinstripe Bowl durch hartes Laufspiel und haufenweise Touchdowns über die Mitte aufgefallen ist (und Kansas State spielte BTW auch Wildcat-Offense. Wildcat! Offense! Und! Nun! Die! Dolphins!). Thomas geht aber neben seinem Backup völlig ein: RB Reggie Bush ist der Neueinkauf der Saison, ein Mann wie geschaffen für Ross’ Star-Affinität. Bush sollte ähnlich wie in New Orleans eingesetzt werden und vor allem für sich selbst verkaufende Tickets sorgen (spinn’ ich oder lief Bush in den Preseason-Spielen tatsächlich mit #22 durch die Gegend?).

Die Wide Receivers sind IMHO recht breit aufgestellt: Davone Bess gilt als Welker-Typ für die Slot-Routen, Brandon Marshall ist bei aller Kritik immer noch ein sehr guter possession receiver für die kurzen Routen und machte zuletzt immerhin 86 Catches für über 1000yds, gilt allerdings als glamouröser und im Privatleben nicht immer koscherer Typ, der sich von der Präsenz eines Dwayne Wade oder LeBron James leicht ablenken lässt. Und dann haben wir noch eine Handvoll junger, quicker Spieler – wie gut mir die Idee mit deep threat Ed Gates gefällt, habe ich bereits in der Draft-Analyse geschrieben – plus Tight End Tony Fasano.

Nun stellt sich allerdings die Frage, wie es nach drei schwachen Saisons inklusive der jüngsten Enteierung um das Selbstvertrauen von QB Chad Henne bestellt ist. Henne besitzt einen waffenscheinpflichtigen Wurfarm und soll immer dann gut sein, wenn möglichst viele Wide Receiver auf dem Feld stehen – Miami verzichtete zuletzt gänzlich auf diese Art von Offense. Bleibt die Frage, ob Daboll eine Handvoll Spielzüge für Henne kreieren kann, mit denen der Mann umgehen kann, denn der Backup Matt Moore gilt ebenso als QB, der längst durchschaut worden ist.

Defense

Wir sprechen über eine der herausragenden Defenses der NFL – und keiner kennt sie. Seit DefCoord Mike Nolan aus Denver gekommen ist, haben die Dolphins eine der dominanteren Units beisammen – gegen Lauf und Pass. Es beginnt alles in der Defensive Line, wo mit Paul Soliali ein richtig guter Nose Tackle spielt – und Soliali wird mit dem von einer Verletzung zurückgekehrten hoch gedrafteten Jared Odrick in dieser Saison einen neuen Nebenmann bekommen. Ein völlig unterschätzter Mann soll der halbe Nose Tackle Randy Starks sein.

Diese Line hält einer sehr gefährlichen Linebacker-Unit den Rücken frei. OLB Cameron Wake gilt nach 14 Sacks in der abgelaufenen Saison als sensationeller Pass Rusher, wobei die PFF-Stats in Wake sogar eher noch einen Lauf-Verteidiger vermuten ließen – sprechen wir hier über ein dark horse auf den nächsten Defensive-MVP-Award? Für die OLBs haben die Dolphins auch noch Jason Taylor zum x-ten Mal zurückgeholt, wobei kein Mensch zu sagen vermag, was der olle J.T. noch drauf hat. Ein weiteres Prunkstück ist das Herz der Defense, die Inside Linebackers um den feurigen Leader Karlos Dansby und den Neuzugang Kevin Burnett aus San Diego.

In der Secondary scheinen die Dolphins vor allem auf CB Vontae Davis und dessen Deckungskünste gegen gegnerische #1-Wide Receivers zu vertrauen.

Ausblick

Die Offseason war vom psychologischen Standpunkt an Idiotie kaum zu überbieten, aber die Dolphins sollten auch in der Zeit nach Brown/Williams einen soliden Kader beisammen haben. Vielleicht gelingt mit Daboll die benötigte Feinjustierung in der Offense, sodass QB Henne sein coming out erlebt. Wenn das Passspiel der Dolphins turnoverarm in die Gänge kommen sollte, sprechen wir von einem Playoff-Kandidaten, selbst in engen AFC East.

Bei diesem Schedule…

Wk #1 vs Patriots (MNF)
Wk #2 vs Texans
Wk #3 @Browns
Wk #4 @Chargers
Wk #5 BYE
Wk #6 @Jets (MNF)
Wk #7 vs Broncos
Wk #8 @Giants
Wk #9 @Chiefs
Wk #10 vs Redskins
Wk #11 vs Bills
Wk #12 @Cowboys
Wk #13 vs Raiders
Wk #14 vs Eagles
Wk #15 @Bills
Wk #16 @Patriots
Wk #17 vs Jets

… und mit einer weiterhin so uninspirativen Offense ist ein weiteres, dunkelgraues 7-9 hingegen ebenso nicht weit weg. Ob man sich dann um einen der Top-QBs aus dem Draft 2012 bemühen würde?

Das Zeiteisen verrät: 519 Minuten verbleiben. WordCount nach 17 Teams: 16032.

Mit den Green Bay Packers aufs Wiesenfest

Der Titelverteidiger ist jedes Jahr automatisch ein Titelfavorit in der NFL – allein, eine direkte Wiederholung eines Titelgewinns passiert sehr selten in der Superbowl-Geschichte. Trotzdem proklamiert fast jeder in diesem Sommer: Die Packers sind der NFC-Topfavorit. Die Gründe sind klar: Ein immer noch im Kern junges Team, ein sensationeller Quarterback und ein Kader, der kaum verändert wurde.

Ich kann mich nicht erinnern, dass in den letzten sieben, acht Jahren jemals über einen Trainer, der die Superbowl gewann, so wenig gesprochen wurde, wie über Green Bays dicklichen Head Coach Mike McCarthy. Sogar DefCoord Dom Capers bekam mehr Schlagzeilen als der Head Coach, was die grundsolide Arbeit in Green Bay jedoch nicht schmälern soll: McCarthy und GM Ted Thompson hatten vor drei Jahren die Eier, die Legende Brett Favre abzusägen und auf den Diamanten Aaron Rodgers zu setzen, und nahmen dafür eine Hasswelle quer durch Fan- und Medienlandschaft in Kauf.

Der Superstar und seine Offense

QB Aaron Rodgers spielte eine phänomenale Saison 2010/11, inklusive ziemlich außerirdischer Playoffs mit zwei fulminanten Vorstellungen gegen Atlanta und Pittsburgh. Rodgers ist der Mann, um den die gesamte Offense gebaut ist und ich übertreibe nicht mit der Behauptung, dass Rodgers neben Peyton Manning wohl wie kein Zweiter die Offense seiner Mannschaft ausmacht. Wer sehen will, was Coolness in der Pocket und blindes Verständnis mit den Ballempfängern bedeutet: Bitte Tape von Rodgers und den Packers anschauen.

Dabei ist es sogar noch wurscht, dass die Offensive Line nicht mal allzu gut ist und demnächst altersbedingt einige Änderungen durchlaufen wird. Rodgers bewegt sich so frappierend souverän, dass gelegentlich schwaches Blockspiel gar nicht auffällt. Ach, und: Rodgers kann auch scrambeln. Ich würde sagen, besser als ein Vince Young.

Ein sehr interessanter Mann ist auch Backup-QB Matt Flynn, der stilistisch wie eine 1B-Variante von Rodgers aussieht und der über fantastisches Coaching und Mentoring verfügt haben dürfte. Flynn zeigte bei wenigen Einsätzen für den hin und wieder für Gehirnerschütterungen anfälligen Rodgers großartiges Potenzial.

Die Ballfänger sind sehr breit aufgestellt. Haupt-Anspielstationen sind WR Greg Jennings, dessen Präzision beim Laufen designter Routen ligaweit unerreicht sein dürfte, WR Donald Driver, das Football-Analog zum alten Wein, und vor allem TE Jermichael Finley. Finley war in der Vorsaison überwiegend verletzt auf der Bank, aber der Mann ist der Tight End schlechthin. Ohne gegen die Größe eines Antonio Gates stänkern zu wollen: Wer einen fangstarken Tight End sucht, wählt Finley.

Dazu kommen die quicken Slot-Männer wie die drop-anfällige WRs Jordy Nelson oder James Jones, die beide im Kader bleiben durften trotz einiger Auf und Abs, und der sehr interessante Rookie Randall Cobb, ein toller, vielseitiger Wide Receiver aus Kentucky, dessen ersten Einsätzen ich bereits jetzt entgegenfiebere.

Weniger orgiastisch kann man über das Laufspiel erzählen. RB Ryan Grant durfte trotz einer schweren Verletzung im Kader bleiben und war jahrelang der Einser-Back, gilt aber als Profiteur der Pass-Offense und insgesamt zu mittelmäßig. Grant muss aufpassen, um nicht von den jungen RBs Alex Green und James Starks überholt zu werden. Generell gilt jedoch: Laufspiel wird nur zur Ablenkung eingesetzt – normalerweise wird hier geworfen bis zum bitteren Ende.

Die Defense und ihre Schachfiguren

So großartig Rodgers spielte, die Packers verfügen unter dem Defensive Coordinator Dom Capers über einen ebenso starke Defense, die mit ihrem 3-4 unspektakulär daherkommt, aber gegnerische Angriffsreihen langsam und kaum spürbar lähmt und somit abwürgt. Die Defensive Line dürfte nach dem Abgang von DE Cullen Jenkins einen wichtigen Anker verloren haben, aber mit NT B.J. Raji und DE Ryan Pickett stehen die beiden zuverlässigsten Liner noch im Kader. Man darf sich allerdings ob der fehlenden Tiefe durchaus fragen, ob man nicht zumindest den enttäuschenden ehemaligen hohen Pick DE Justin Harrell hätte behalten können.

Hinter einer derart guten Offense Line muss es für Linebackers ein Vergnügen sein. Zwar ist mit MLB Nick Barnett der Chef gegangen, aber Barnetts Backup Desmond Bishop bewies Nehmerqualitäten und soll der neue Eckpunkt neben dem als mittelmäßig verschrieenen A.J. Hawk sein. Über den spektakulären OLB Clay Matthews ist bereits viel geschrieben worden – Matthews ist ein schwer zu bremsender Pass Rusher, ein unkompletter Spieler, aber trotzdem pro Spiel mit drei Plays, die das Spiel potenziell wenden können.

In der Secondary spielen die Packers Schach wie kaum eine zweite Mannschaft, mit den Einser-Cornerbacks Sam Shields und Tramon Williams, denen Capers voll zu vertrauen scheint – so voll, dass der alternde Charles Woodson immer mehr als eine Art Freelancer eingesetzt wird, ein Freigeist wie ansonsten nur noch Polamalu in Pittsburgh. Woodson ist ein kompletter Spieler, der häufig auf Blitzes geschickt wird, aber auch großartig in der Deckung ist, jedoch nicht mehr als Shutdown Corner á la Revis gilt. Ach ja, und dann gibt es noch den Safety Nick Collins, der bei Madden ein Gesamt-Rating von 95/99 bekam, wofür Madden meines Wissens von bislang keiner Seite kritisiert worden ist.

Ausblick

Der Kader wurde gegenüber 2010 kaum verändert und nur mit wenigen Spielern und Rookies ergänzt. Eine „logische“ Strategie, aber es passiert selten, dass solche Mannschaften nicht einen leichten Abwärtstrend erleben, zumal als Titelverteidiger. Green Bay ist für mich nicht der Titelfavorit #1, dürfte aber trotz der starken NFC North wieder im Playoffrennen mitmischen können – und wenn Rodgers und seine Crew wieder einen solchen Lauf kriegen…

Der Schedule ist nicht ohne Hindernisse (Bin ich übrigens der einzige, der sich wundert, dass Green Bay ganze viermal in der Primetime – plus einmal um 18h30 MEZ zu Thanksgiving – spielen darf?):

Wk #1 vs Saints (Season Opener)
Wk #2 @Panthers
Wk #3 @Bears
Wk #4 vs Broncos
Wk #5 @Falcons (SNF)
Wk #6 vs Rams
Wk #7 @Vikings
Wk #8 BYE
Wk #9 @Chargers
Wk #10 vs Vikings (MNF)
Wk #11 vs Buccaneers
Wk #12 @Lions (Thanksgiving)
Wk #13 @Giants
Wk #14 vs Raiders
Wk #15 @Chiefs
Wk #16 vs Bears (SNF)
Wk #17 vs Lions

Wenn alle Stricke reißen, hat man am Saisonende zweimal ein Heimspiel gegen die eigene Division – ein leichter Vorteil im Playoffkampf.

Das Zeiteisen verrät: 552 Minuten verbleiben. WordCount zur Hälfte der Preview-Serie: 15206. (50% der Teams abgearbeitet, 46% des Zeitbudgets verbraucht)

Mit den Tampa Bay Buccaneers die Sommeremotionen genießen

Die Tampa Bay Buccaneers waren 2010/11 die Überraschungsmannschaft schlechthin, trotz der vielen quasi „geschenkten“ Siege gegen die NFC West. 10-6 hatte ich dieser Mannschaft in den kühnsten Träumen nicht zugetraut. Das selten coole HC/QB-Gespann aus Raheem Morris und Josh Freeman paart sich in Tampa zu einer Mentalität, auch 1:30 vor Schluss noch die ganz dicken Eier herumzuschleifen und enge Spiele zu biegen. Hätten im vergangenen Dezember nicht die Lions etwas dagegen gehabt, die Buccs wären glatt anstelle des Superbowl-Champs Green Bay mit Pauken und Trompeten in die Playoffs eingezogen.

Dabei waren die Vorzeichen eher ungünstig gestanden: Ein blutjunger, unerfahrener Head Coach und ein blutjunger, nicht Vertrauen erweckender Quarterback. Umso überraschender, wie geladen Tampa spielte und wie eiskalt dort selbst wenn es kritisch wurde, das eigene Spiel durchgedrückt wurde.

Big Ben auf NFC-isch

Die Offense funktionierte trotz schwacher Offensive Line und trotz recht grüner Skill Players. Hauptgrund hierfür: QB Josh Freeman, dessen Entwicklung im zweiten Jahr so fassungslos war, dass Freeman in der Vorjahresform keine Vergleiche mit Big Ben Roethlisberger scheuen muss: Ein Hüne vor dem Herrn, mobil und furchtlos und sehr improvisationsfähig.

Laufspiel muss nach dem doch überraschenden Abgang von Cadillac Williams wohl hauptsächlich der Schläger von Boise, RB Legarrette Blount, machen. Blount kam nach Eklat am College vor einem Jahr aus dem Nichts zurück und legte mal eben 1007yds und 6 TDs hin. Wir sprechen hier von einem brachialen Running Back, Typ Larry Johnson, bei dem ich mir nicht sicher bin, wie lange der Körper diesen Laufstil durchhalten wird: Lieber 1yd verschenken und dem Verteidiger einen blauen Flecken mitgeben als drum herum zu laufen und das eine Yard mitzunehmen.

Über Blounts Ersatzmann wird zu sprechen sein. Allein Earnest Graham ist noch ein bekannter Name, und Graham ist ein Verletzungsrisiko.

Dritter im Bunde der Buccs-Triplets: WR Mike Williams, ein erstaunlich explosiver Mann für die tiefen Bälle. Die Mitteldistanzen werden vom sehr athletischen TE Kellen Winslow jr. bedient, dazu gesellen sich ein Haufen namenloser Receiver und Tight Ends, die alle ihre paar Catches und Yards machen.

Sorgen bereitet die Protection – zumindest mir: LT Donald Penn gilt als solide, aber was in Tampa so alles an Druck über die Mitte durchkommt, kann im Prinzip nicht lange gut gehen. Trotzdem wurden die meisten Blocker für teures Geld im Kader behalten. Der X-Faktor ist Rookie-TE Luke Stocker, dem exzellentes Blocking nachgesagt wird.

Frontloading in der Defense

2010 wurden die Defensive Tackles Gerald McCoy und Brian Price hoch gedraftet, 2011 die beiden Defensive Ends Adrian Clayborn und Da’quan Bowers. Jemand da, der einen Trend erkennt?

Beide 2011er Pick scheiden die Geister, weil sie Verletzungs-Historien mitbringen, aber gemessen an den Vorstellungen im vergangenen Herbst gab es hinsichtlich „sofortige Verstärkungen“ keine Zweifel, welche Position oberste Priorität sein musste. Defensive End nämlich. Am besten im Doppelpack.

Tampas Linebackers sind unbekannt und es wäre blasphemisch, sie mit ehemaligen Kalibern wie Derrick Brooks zu vergleichen, aber die OLBs Geno Hayes und Quincy Black sind quicke, solide Leute, auf denen man aufbauen kann. Bezüglich des Middle Linebackers bestehen noch Fragezeichen: Will man tatsächlich auf Rookie Mason Foster setzen?

Die Secondary wird auf den besten Mann verzichten müssen: Knalltüte FS Tanard Jackson dopte sich zu oft über die erlaubten Limits hinaus und wird gesperrt fehlen. Die Ersatzleute sind die beiden Codys, Grimm und Lynch, und bei den Strong Safetys wird man wohl auf den Wandervogel Sean Jones bauen. Der Rookie SS Ahmad Black, ein Lokalmatador, gilt zwar als talentiert, aber wenn ein Michael Turner das erste Mal über den schmächtigen Black drüberläuft, möchte ich nicht mit Knochensammeln beginnen.

Für die Pass-Deckung stehen zur Verfügung: CB Aqib Talib, ein Mann, der abseits des Spielfelds für mehr Kopfzerbrechen sorgt als drauf oder CB Ronde Barber, der mit 36 nicht jünger wird.

Trotz Barber ist das eine junge Defense, die noch 2-3 Jahre reifen wird müssen. Große Sorgen hätte ich ob der geringen Tiefe im Kader – es ist angesichts dieses Personals nichts anderes als ein Wunder, dass Tampa so eine Saison wie 2010/11 spielen konnte. (Das Geheimnis steckt wohl in den 19 INTs, aber sowas lässt sich kaum planbar wiederholen)

Special Teams

Zu K Connor Barth hege ich nur mäßiges Vertrauen, vor allem jenseits der 40yds-Kicks. P Michael Koenen ragt mit seinem sensationellen neuen Vertrag heraus (6 Jahre/19 Mio. Dollar!!), aber eher wenig mit seinen Leistungen zuletzt als Atlanta Falcon. Returner Micheal Spearlock ist bei Zeiten ein spektakulärer Mann.

Ausblick

Ich sehe viele Fragezeichen, und am meisten frage ich mich, wie die Buccs mit ihren Stats und so vielen Löchern im Kader (O-Line, Secondary) zuletzt zehn Saisonsiege einfahren konnten. In diesem Jahr fällt der Freifahrtschein „NFC West“ im Schedule auch noch weg und ich tue mir schwer, an eine weitere Cindarella-Saison zu glauben.

Das ist der Schedule:

Wk #1 vs Lions
Wk #2 @Vikings
Wk #3 vs Falcons
Wk #4 vs Colts (MNF)
Wk #5 @49ers
Wk #6 vs Saints
Wk #7 vs Bears
Wk #8 BYE
Wk #9 @Saints
Wk #10 vs Texans
Wk #11 @Packers
Wk #12 @Titans
Wk #13 vs Panthers
Wk #14 @Jaguars
Wk #15 vs Cowboys (Samstach)
Wk #16 @Panthers
Wk #17 @Falcons

Ist die Kaderpolitik (sprich: Inaktivität in der Free Agency) am Ende doch nur mir suspekt? Kann der junge Josh Freeman noch einmal sämtliche Schwachstellen übertünchen? Ist ein Preseason-Kader mit nur drei Spielern über 30 und 74/90 unter 25 nicht doch zu jung? Die drei zentrale Fragen für Tampa 2011.

Ich liebte die Buccs 2010/11 und ich liebte Freeman (rein platonisch natürlich), aber ich bin geneigt, den blitzartigen Aufstieg als Zufallsprodukt abzutun. Riecht nach einer losing season. Tampa kann aber zuversichtlich in die Zukunft schauen – es gab in den letzten Jahren andere Mannschaften, die man lange Zeit als „jung“ bezeichnete und die dann den Durchbruch schafften (Green Bay, anyone?).

Falls es mehr wird: Sorry, Mr. Freeman, dann gehören Sie auf der Stelle in die Top 5 der NFL-Quarterbacks.

Das Zeiteisen verrät: 583 Minuten verbleiben. WordCount nach 15 Teams: 14229. (Jo, ich weiß, bissl geschummelt. Ich habe lediglich meinen Beitrag für NFL/Spox überarbeitet)

TGIF mit den Indianapolis Colts

Beim Gedanken an die Indianapolis Colts fällt mir immer wieder nur dieses eine Wort ein: Keimfrei. Das ist eine Franchise, die zu den absolut erfolgreichsten der letzten zehn Jahre gehört und einige der besten Spieler der NFL beheimatet, und trotzdem fehlt es an adäquaten Geschichten, die man über diese Mannschaft erzählen könnte, anfangend mit dem ultimativen Unscheinbaren, Head Coach Jim Caldwell.

Manning, die Peyton-Version

Peyton Manning ist nicht bloß Superstar der Colts. Manning, das ist “Indianapolis Colts”. Als der Mann Ended er 90er zu dieser Franchise stieß, war sie eine Unkonstante. Mittlerweile sind die Colts zum neunten Mal hintereinander in die Playoffs eingezogen, waren zweimal in der Superbowl, mit einem Sieg. Manning ist ein Werbesuperstar, kommt aus einer Familie mit einem Vater, der als legendärster und meistgeliebter Quarterback der New Orleans Saints gilt und hat einen Bruder, der in der größten Medien-Metropole der Welt ebenso Franchise-QB ist.

Und trotzdem ist Manning „keimfrei“. Und staubtrocken. Was seine Leistungen auf dem Spielfeld nicht schmälern will. Ich meine, hier ist die Rede vom wohl besten Quarterback aller Zeiten – man möchte sich mit der bescheidenen Erfahrung einiger Jahre nicht in solche Diskussionen einmischen, aber Manning war vor acht Jahren die #1 unter den QBs, vor fünf Jahren, vor drei Jahren, und ist es immer noch. Es dürfte keinen zweiten Quarterback ever geben, der so lange so konstant so gut und so dominant spielte – zumal auch noch als die zentrale Drehscheibe seiner Offense.

Die Offense

Dabei agieren die Colts mit einem Standard-Playbook, ganz wenigen Aufstellungsvarianten und spielen serienweise gleiche Plays, wie wir einst von Kommentator Herrmann erfahren durften. Der Clou der Colts-Offense: Mannings unerschöpfliches Wissen über Defenses. Wer Colts-Spiele sieht, wird keine Chance haben, dem Terminus „per-snap awareness“ zu entfliehen. Sprich: Manning ist kaum von einer Defense aus der Reserve zu locken, stellt meistens bis 3sek vor Ablaufen der Playclock den Spielzüge um und betreibt Feintuning bis zum letzten Moment.

Dass die Offensive Line nicht die beste ist – geschenkt. Manning versteht sich blind mit Center Jeff Saturday, und der Rest ist eh wurscht, da der Mann unter Druck extrem schnell den Ball wegwerfen (also: an den Mann bringen) kann. Trotzdem haben die Colts mit OT Anthony Castonzo und OT Ben Ijalana zwei Blocker hoch einberufen, die beide mittelfristig als Starter eingeplant werden sollen. Ijalana las ich, soll ebentuell sogar als Guard spielen, so groß scheint die Not in dieser Line zu sein.

Das WR-Arsenal ist immer noch groß. WR Reggie Wayne ist nicht mehr der explosive Mann alter Tage, aber der Mann ist eine Augenweide, wirkt stets super-flüssig in seiner Bewegung, dass es eine Freude ist. WR Austin Collie soll einer der meistunterschätzten Leute der Liga sein, Pierre Garcon oder die Tight Ends Jacob Tamme oder der zurückgekehrte Dallas Clark sind allesamt ausgewiesene Spezialisten.

Problemzone ist das Laufspiel. Diese Offense ist nicht für Laufspiel konzipiert und braucht auch nicht allzu solides Laufspiel. Allerdings sind 1483yds und 3.8yds/carry dann doch etwas wenig, weswegen man trotz zweier immer noch junger, ehemaliger Erstrundenpicks im jüngsten Draft wieder einen Running Back geholt hat: Delone Carter von Syracuse.

Die Offense steht und fällt mit Manning. Manning spielt nun 13 Saisons und hat noch kein einziges Spiel verpasst – allerdings häufen sich die Berichte über einen eventuellen Verletzungsstand Mannings in diesen Wochen. Die Schulter macht angeblich Probleme. Man geht davon aus, dass Manning wird spielen können, aber wenn nicht…

Die Defense

Über lange Jahre ist in Indianapolis eines gewachsen: Die Defense baut auf Speed und Pass Rush und hat gegen physische, lauforientierte Mannschaften Probleme. Wie wurscht das den Colts ist?

Gar nicht mehr so sehr. Diese Offseason stand im Zeichen der Defensive. DT Tommie Harris kam aus Chicago, ein über Jahre gewachsener Ankermann, und immer noch keine 30. DT Drake Nevis von LSU kam in der zweiten Runde im Draft, dazu wurde aus Atlanta der Lauf-Spezialist Jamaal Anderson geholt. Anderson gilt als massive Enttäuschung (war einst #8-Pick), aber dass der Mann gegen den Lauf nicht zu gebrauchen sei, wäre eine falsche Behauptung.

Drei wichtige Verstärkungen für die eh schon große Stärke dieser Defense. Denn die beiden Schlüsselspieler sind die Defensive Ends, der bullige und untersetzte Dwight Freeney sowie der quicke, wieselflinke Robert Mathis. Zusammen machten die beiden 21 Sacks und viel, viel Druck, aber sie sind verletzungsanfällig geworden, weswegen man vor einem Jahr Jerry Hughes aus TCU gedraftet hat. Allein, Hughes’ Impact war bis dato kaum zu spüren.

Nächste Konstante dieser Mannschaft: Indianapolis lässt sämtliche Linebacker ohne Murren ziehen, bis auf MLB Gary Brackett. Diesmal war Clint Session dran – man hat dafür OLB Ernie Sims aus Philadelphia geholt, einen Mann, der nach vielversprechendem Beginn in Detroit irgenwo einen Knicks erlebt haben muss, denn Sims wird überall als massive Enttäuschung gewertet.

Die Secondary dürfte nach dem Rausschmiss der Dauerverletzten Kelvin Hayden und Bob Sanders personell etwas dünn sein, sodass man auf die Safetys Melvin Bullitt und Antoine Bethea als Eckpunkte bauen muss. Mit derartigem Pass Rush sollte aber jedes Defensive Backfield halbwegs brauchbar spielen – allerdings machte Indy zuletzt erbärmlich wenige Interceptions (zuletzt 10 in einer Saison).

Ausblick

Die Personalpolitik in der Offseason gefällt mir im Prinzip uneingeschränkt. Die Colts brauchen wie immer Manning und eine großartige Saison, aber ansonsten wurden die Schwachstellen durchaus konsequent angegangen: Protection, Laufdefense, Kadertiefe.

Der Schedule liest sich allerdings ziemlich brutal: Steelers, Ravens, Falcons, Saints plus zweimal Houston.

Wk #1 @Texans
Wk #2 vs Browns
Wk #3 vs Steelers  (SNF)
Wk #4 @Buccs (MNF)
Wk #5 vs Chiefs
Wk #6 @Bengals
Wk #7 @Saints (SNF)
Wk #8 @Titans
Wk #9 vs Falcons
Wk #10 vs Jaguars
Wk #11 BYE
Wk #12 vs Panthers
Wk #13 @Patriots (SNF)
Wk #14 @Ravens
Wk #15 vs Titans
Wk #16 vs Texans (Donnerstagsspiel)
Wk #17 @Jaguars

Für mich sind die Houston Texans trotz Gary Kubiak diesmal Divisionsfavorit, und mir dünkt, dass es mit diesem Schedule schwer wird, eine Wildcard zu stibitzen. Andererseits fällt es mir schwer, an Playoffs ohne Colts zu denken. Das hab ich schließlich noch nie erlebt.

Das Zeiteisen verrät: 606 Minuten verbleiben. WordCount nach 14 Teams: 13259.

Mit den Pittsburgh Steelers in den Sonnenuntergang

Zur Wochenmitte die Franchise, die wie keine andere für Konstanz im NFL-Zirkus steht: Die Pittsburgh Steelers, sechsfacher Superbowl-Champ und im vergangenen Winter trotz zahlreicher Flauseln und miserabler Offensive Line um ein Haar ein siebtes Mal zum Ringträger geworden.

Die Steelers werden regiert von der integeren Rooney-Familie, die zu sich steht wie kaum eine zweite Besitzerschaft – mal von der scheinbaren Doppelmoral in den Fällen Roethlisberger/Holmes abgesehen – und obwohl ich kein Steelers-„Fan“ bin, kann ich nicht anders, als diese Franchise mit einer Tasse Bewunderung gegenüberzutreten. Wie auch nicht dem Head Coach, der coolen Socke Mike Tomlin.

Die Offense

Wer die These „Offensive Line ist die Basis einer guten Mannschaft“ widerlegen möchte, dem sei auf das Beispiel Steelers verwiesen. Es wäre vermessen, von „zusammenzimmern“ zu sprechen, wenn es darum geht, den Schutz für Quarterbacks und Laufspiel zu beschreiben. Einzig Rookie-Center Maurkice Pouncey zeigte bei aller Unerfahrenheit NFL-Reife, für diesen Herbst kehrt wenigstens der adäquate OT Willie Colon wieder zurück – dazu gibt es den Rookie OT Marcus Gilbert.

Solange jedoch der hünenhafte QB Big Ben Roethlisberger hinter dieser Line seine Improvisationskünste zeigt, wird die Offense halbwegs halten. Roethlisberger wird oft nachgesagt, sich zu ungern vom Ball zu trennen, was ich seit vergangener Saison nicht mehr unterschreiben würde.

Das hat Gründe, die man in der Ballfänger-Armada finden kann. WR Mike Wallace ist ein deep threat vor dem Herrn (60 Catches, 21.0yds/Catch), der eisenharte WR Hines Ward verprügelt wohl noch mindestens ein weiteres Jahr gegnerische Linebackers, dazu gesellen sich der fangsichere TE Heath Miller, der aufstrebende WR Emanuel Sanders und eine Serie an Running Backs mit sicheren Händen.

Einer davon ist das Arbeitstier Rashard Mendenhall, dem man die meisten Carries gibt und trotzdem werde ich nie den Eindruck los, dass man mit Mendenhall nicht 100%ig glücklich ist. Dabei sind 3.9yds/Carry hinter dieser Line nicht zu unterschätzen.

Eine Sollbruchstelle würde ich dann verorten, wenn Roethlisberger verletzt ausfallen sollte. Backup Byron Leftwich ist der vermutlich immobilste QB (und dann hinter dieser Line!), QB Dennis Dixon und Charlie Batch sind dann auch nicht die Leute, auf die ich meine Jetons setzen wollte.

Die Defense

Pittsburghs Abwehr ist die #1 der NFL. Hauptverantwortlich dafür ist DefCoord-Genie Dick LeBeau, der Erfinder des Zone Blitzes und ein fanatischer Kreativkopf, wenn es um Ausarbeiten von Blitzes geht. Keine Defense in der NFL veranstaltet so viel und so variabel Rabatz, wenn es darum geht, gegnerische Quarterbacks unter Druck zu setzen.

Schlüsselspieler ist dabei Safety Troy Polamalu, der seine ganz eigene Rolle als Freigeist spielt und instinktgetrieben spielen darf. Polamalu ist häufiger als andere Spiele in Ballnähe und macht gerne pro Spiel 1-2 Big Plays.

Polamalu ist der Superstar, aber was diese Defense IMHO definiert, ist die Front Seven. Kein Mensch spricht über NT Casey Hampton, der seit Jahrzehnten verlässlich das Loch in der Mitte zumacht, dazu kommen Porno-Bart Brett Keisel, der mittlerweile alternde Aaron Smith und die jungen Ziggy Hood und Cameron Heyward, die alle ihre Einsätze sehen werden.

Diese Line hält der fantastischen Linebacker-Crew den Rücken frei. Pittsburghs Linebacker sind das beste, was man in der NFL so bekommen kann – und wir können dabei ruhig unit-übergreifend sprechen. Die OLBs Lamarr Woodley und James Harrison sind absolute Ligaspitze, der feurige Leader ILB James Farrior ist auch mit 36 noch in Schuss und dann hat man immer noch nicht über den vielleicht besten aus dem Quartett gesprochen: ILB Lawrence Timmons, ein Mann im fünften Jahr. Und mit Backup Larry Foote haben wir noch den Mann mit dem härtesten Würgegriff in der Hinterhand.

Das alles resultiert in einer Lauf-Abwehr, die über 333 Carries zuletzt im Schnitt 3.0yds/Lauf aufgegeben hat. Noch Fragen?

Ausblick

Pittsburgh hat einige der besten Footballspieler in seiner Mannschaft, und trotzdem fand ich den Superbowl-Run in der vergangenen Saison mehr glücklichen Umständen geschuldet denn purer Dominanz. Die Offense kriegt hinter dieser mickrigen Line keinen Rhythmus zustande, die Defense erwies sich in der Post Season als abhängiger von Polamalus Geniestreichen als gedacht.

Wk #1 @Ravens
Wk #2 vs Seahawks
Wk #3 @Colts (SNF)
Wk #4 @Texans
Wk #5 vs Titans
Wk #6 vs Jaguars
Wk #7 @Cardinals
Wk #8 vs Patriots
Wk #9 vs Ravens (SNF)
Wk #10 @Bengals
Wk #11 BYE
Wk #12 @Chiefs (SNF)
Wk #13 vs Bengals
Wk #14 vs Browns (Donnerstagnacht)
Wk #15 @49ers (ESPN)
Wk #16 vs Rams
Wk #17 @Browns

Der Schedule sieht bis auf wenige Kracher recht einfach aus und hat vermutlich zu wenige Stolperfallen eingebaut, als dass Pittsburgh selbst mit einem zweiten Platz hinter Baltimore nicht wenigstens eine Wildcard ergattern kann. Der ernsthaften Prüfung wird man im Jänner gestellt sein, und ich kann mir nicht vorstellen, dass man noch einmal zwei Spiele in Serie gewinnt, in denen man jeweils eine Halbzeit lang nach Strich und Faden dominiert wurde und in der anderen Halbzeit von kollabierenden und nicht vorbereiteten Gegnern profitierte.

Das Zeiteisen verrät: 642 Minuten verbleiben. WordCount nach 13 Teams: 12273.

Mit den Atlanta Falcons in den Sonnenaufgang

Eine der Mannschaften der abgelaufenen Saison: Die Atlanta Falcons. Eine Mannschaft, die nicht nur mit 13-3 Siegen aufhorchen hat lassen, sondern vor allem sich mit einer unorthodoxen Spielweise angenehm aus der grauen Masse abhebt. „Unorthodox“ wie wenn Traditionalisten bereits ausgeblutet sind.

Die Falcons marschieren mit ihrer Offense seelenruhig mit zwei Tight Ends, Fullback und Halfback auf das Spielfeld und rammen den Ball mit Gewalt durch die Abwehrreihen. Zwischendurch immer mal wieder ein intelligenter, schneller Pass. Football aus den 80ern. Heutzutage eigentlich ein Tabu, aber die Falcons sind der Beweis, dass selbst altmodische Offense noch modern sein kann. Dann nämlich, wenn sie siegen.

Sportliche Leitung

Ich bin ein Fan von dem, was GM Thomas Dimitroff und Head Coach Mike Smith da in Atlanta aufgestellt haben. Es gibt vermutlich drei Millionen Mike Smiths in Amerika und vermutlich 230 Millionen Amerikaner, die mehr Profil besitzen, aber Smith brilliert dort, wo es drauf ankommt: Trainerstab und Mannschaft bei Laune halten, Grobplanung betreiben, Feinarbeit seinen Assistenten überlassen. Resultat: Innerhalb von drei Jahren wurde da eine Mannschaft zusammengebastelt, deren Grundfeste ziemlich unerschütterlich wirken, deren Potenzial aber noch lange nicht ausgeschöpft scheint.

Offense

Dabei darf man gespannt sein, wie die Offense aussehen wird, wenn RB Michael Turner aufgehört hat. Turner ist ein Brocken von einem Running Back, ein beinharter Mann mit extrem viel Wucht – der Typ Running Back, der meistens nach 3-4 Jahren im vollen Einsatz verbrannt ist. Nun ist ausgerechnet Turner der wichtigste Bestandteil dieser Angriffsmaschine, mit konstant über 300 Carries pro Jahr, und Turner wird seine Vorwahl demnächst wechseln (ist 29). Noch allerdings wird der Mann hinter Vorblocker Ovie Mughelli (sprich: Maaheeeeeeli) den Angriff tragen – und mit Rookie JaQuizz Rodgers hat er einen wieselflinken, wendigen Back zur Seite gestellt bekommen, der für Rhythmuswechsel sorgen kann.

Eine Vorschau auf die zukünftige Offense der Falcons hat uns der Draft 2011 gegeben, als Atlanta den Würfel warf und haufenweise Picks für WR Julio Jones ausgab. Die Message: Um Jones und die Catch-Maschine WR Roddy White einen Passangriff aufziehen, der sich nicht mehr nur um die Zone bis 15yds von der Line of Scrimmage beschränkt. Explosivität anstelle von Solidität.

Etwas mehr Explosivität würde man hin und wieder auch von QB Matt Ryan erhoffen. Ryan ist einer meiner persönlichen Favoriten, wirkt so ruhig und so besonnen und so relaxt, aber bisher hatte man nie den Eindruck, dass Ryan fünf Minuten vor Spielende unter Druck ein Feuerwerk zünden könnte. Nichtsdestotrotz ein junger Mann, dem die Zukunft gehört und um den herum dieser Angriff noch auf Jahre hinaus punkten wird.

Nicht mehr allzu lange dabei sein wird TE Tony Gonzalez, der seit mehreren Jahren immer wieder zum Weitermachen überredet werden muss und mit seinen 35 auch nicht mehr ewig spielen wird. Gonzalez’ Status in der Mannschaft dürfte mit der Addition von Julio Jones aber reduziert worden sein.

Ein Wort zur Offensive Line: Eine solide Unit, aber der einzige nennenswerte Abgang dieser Offseason im kompletten Kader betraf einen Blocker: G Harvey Dahl. Vor einem Jahr hat Atlanta in der dritten Runde einen G namens Mike Johnson gedraftet – der dürfte den neuen Starter geben.

Defense

Die größte Änderung in der Defense betrifft den Pass Rush. DE Ray Edwards kam für einen erstaunlich niedrigen Preis (5yrs/27,5 Mio. Dollar) aus Minnesota und sollte sofort den neue Starter auf der Gegenseite von DE John Abraham geben. Pass Rush, oder besser: fehlender Pass Rush, war das große Problem, als man gegen Green Bay nach Strich und Faden auseinandergenommen wurde.

Dabei sah die Secondary auch nicht immer besonders großartig aus. Der CB Dunta Robinson hinterließ seine größte Duftmarke in Houston, wo er schmerzlicher vermisst wurde als in Atlanta vermutet würde. CB Brent Grimes, ein junger Mann, gilt als heimlicher #1-CB.

Restliche Defense? Paar junge, hohe Draftpicks, paar solide, bekannte Namen – aber besondere Geschichte könnte man nicht drüber erzählen, außer dass die Linebackers bei Passspiel dazu tendieren, neben ihren Schuhen zu stehen.

Generell gilt auch für Atlantas Defense: Das ist keine spektakuläre Unit. Der Lauf wird nicht mit Gewalt in Grund und Boden gerammt, der Quarterback nicht mit Zillionen Blitzes durcheinandergebracht, die Wide Receivers dürfen durchaus ihre Catches machen. Aber am Ende schafft man es trotzdem, langsam und unauffällig den Gegner abzuwürgen und in der RedZone zu Field Goals anstelle von Touchdowns zu zwingen.

Ausblick

Der Jones-Pick hat was von „Win now!“, aber im Prinzip zeigt er nur: Atlanta möchte in der Offense eine neue Dimension gewinnen und sich langsam auf die Zeit nach Michael Turner einstellen. Jones kostet wertvolle Draftpicks, die man für einen Wide Receiver im Normalfall nicht hergeben würde – und ist ein Move, den normalerweise nur Teams machen, deren window of opportunity sich in Kürze schließt.

Der Schedule ist mittelmäßig schwer und die Saison wird sich zu 15/16 im mittleren Westen und Süden abspielen, mit einer langen Auswärtsfahrt nach Seattle.

Wk #1 @Bears
Wk #2 vs Eagles (SNF)
Wk #3 @Buccs
Wk #4 @Seahawks
Wk #5 vs Packers (SNF)
Wk #6 vs Panthers
Wk #7 @Lions
Wk #8 BYE
Wk #9 @Colts
Wk #10 vs Saints
Wk #11 vs Titans
Wk #12 vs Vikings
Wk #13 @Texans
Wk #14 @Panthers
Wk #15 vs Jaguars (Donnerstagspiel)
Wk #16 @Saints (MNF)
Wk #17 vs Buccs

Atlanta besitzt im Prinzip alle Zutaten eines Superbowl-Champs, aber die schwere Division und die ausgeglichene NFC machen das Unterfangen nicht einfach. Andererseits hat die NFC in zehn Jahren zehn verschiedene Champs herausgebracht – nach dem Gesetz der Serie wäre diesmal also einer aus diesem Sextett dran: Detroit, Minnesota, San Francisco, Dallas, Washington und: Atlanta.

Das Zeiteisen verrät: 666 Minuten verbleiben. WordCount nach dem ersten Dutzend Teams: 11476.

Mit den Buffalo Bills in die Abenddämmerung

Die Bills sind eine der Mannschaften, die du kaum zu Gesicht bekommst, solange du dich auf ESPN America verlässt. Das hat seine Gründe: Wir sprechen hier über eine Franchise, die Ewigkeiten nicht mehr in den Playoffs war und trotz zahlreicher hoher Picks (irgendwo zwischen Pick #3 und #11) fast keine Footballer mit Wiedererkennungswert besitzen.

Extrem unsexy ist auch Head Coach Chan Gailey, obwohl der Mann mal Coach bei den Dallas Cowboys war. Als GM Buddy Nix vor eineinhalb Jahren einen neuen Coach suchte, wollte keiner der großen Namen auch nur zum Vorstellungsgespräch erscheinen. Gailey ist ein Mann ohne viele Lorbeeren, aber auch einer, unter dem knallharter Football gespielt wird – und ein Mann, dessen Entlassung in Dallas Jerry Jones immer noch bereut.

Die Offense

Der #1-Quarterback ist Ryan Fitzpatrick, ein Mann, dem man niemals mehr als eine Backup-Rolle hatte zutrauen wollen, aber Fitzpatrick spielte im vergangenen Herbst eben aus ursprünglich jener Backup-Rolle kommend einen recht soliden Ball und merzte sein fehlendes Standing durch viel Wuseligkeit in der Pocket aus. Allerdings haben die Bills in der Preseason Tyler Thigpen aus Miami geholt. Da gibt es eine interessante Konstellation: 2008/09 war Gailey in Kansas City OffCoord und spielte einige Wochen sehr erfolgreich die Pistol-Offense – mit Thigpen.

Buffalo hat jüngst WR Lee Evans gen Baltimore getradet, womit es neben einem Haufen schneller Receiver bei einem einzigen Top-WR Stevie Johnson bleibt, ein allgemein anerkannt intelligenter Mann, kein Top-Athlet und drop-anfällig, aber 2010/11 mit über 1000yds. Johnson und Fitzpatrick eint eines: Einst hatte sie niemand gewollt. Sie haben sich beide durchgebissen und sollen sich entsprechend blendend auch abseits des Footballfeldes verstehen.

Das Laufspiel wird gehemmt von einer ganz schwachen Offensive Line, die Gift ist für den oftmals hirnlosen RB C.J. Spiller, dessen schierer Speed sämtlichen Verteidigern Angst und Schrecken einjagen würde – wäre der Mann ein bisschen weniger one trick pony (läuft immer sehr vorhersehbar um die Line herum). Das Arbeitstier könnte damit der blasse RB Fred Jackson bleiben, der auf allen Ebenen der Runningback-Arbeit grundsolide sein soll (zuletzt 927yds rushing, 215yds durch Fangen).

Die Defense

Unter dem DefCoord George Edwards spielt Buffalo kein System. Sprich: Das angedachte 3-4 wurde im vergangenen Herbst schnell wieder aufgegeben und seither kann sich kein Mensch entscheiden, ob Buffalo nun 3-4, 4-3 oder sonst was gespielt hat. Mehr von alles ein bisschen. Das Personal lässt auch prinzipiell keine Schlüsse zu, wie die Bills in Zukunft gedenken zu spielen.

Die Defensive Line wird angeführt vom NT/DT Kyle Williams, ein Mann, dem die Herzen von Pro Football Focus seit Monaten nur so zufliegen. Williams soll ein sensationeller Pass Rusher sein und vom Phlegma der Bills-Franchise des verdienten Star-Statuses beraubt werden:

Throughout 2010 there probably wasn’t a player I praised more than Kyle Williams. Despite playing in a scheme that wasn’t sure whether it wanted to be a 3-4 or 4-3 unit, and with some questionable talent around him, he made play after play after play.

It became pretty standard for me to write a Bills game report and drop some prose as to how great he had been (again). It got somewhat repetitive as he featured at the top of our defensive player of the year rankings (though I did have him down at number two on my ballot behind Justin Smith). Follow that up with selections in our AFC East, AFC Pro Bowl and All Pro teams and you may get the impression that I (along with everyone here at PFF) have a tremendous amount of respect for the season Kyle Williams just had.

Quelle: Pro Football Focus

Williams bekommt mit dem teuren Rookie Marcell Dareus einen neuen Nebenmann und sollte man hin und wieder die 3-4 einbauen, wäre es zu geil, würde man den Rookie Michael Jasper in die Mitte der Line (als Nose Tackle) stellen. Hier entlang zu Jaspers (#69) Erscheinung – Achtung, der Mann ist massiv gebaut.

Die Linebackers bekommen mit dem MLB Nick Barnett aus Green Bay einen neuen Leader, der den Abgang von Paul Poluzny kompensieren soll. Der einst gehypte Rookie OLB Aaron Maybin ist gestern aufgrund zu wenig Power im Pass Rush geschmissen worden, dafür scheint man auf eine Renaissance vom sensationellsten Pass Rusher der letzten Jahre 2005-2007 zu hoffen: Shawne Merriman, der Mann mit dem lights out-Tanz. Merrimans Gesundheit scheint soweit in Ordnung zu sein, dass man ihm im Winter einen Zweijahresvertrag unterjuxte – und Merriman ist unglaublicherweise erst 27. Interessanter Rookie von LSU: Kelvin Sheppard.

Noch was? Ah ja, Linebackers-Coach wird nach seinem komischen Rauswurf von der University of Pittsburgh der personifizierte Schnauzbart Dave Wannstedt sein.

Die Secondary gilt als nicht allzu vertrauenswürdig, aber rund um Safety George Wilson, CB Leodis McKelvin und den variablen Rookie Aaron Williams ist genügend Spielermaterial vorhanden, um da Coaching-Handwerk anzulegen.

Ausblick

Dieser Mannschaft wird ein großartiger Charakter nachgesagt, erwirtschaftete sie sich 2010/11 doch trotz teilweise eklatanter Lücken im Kader ein wohl verdientes 4-4 in der zweiten Saisonhälfte mit auch noch unverdienten Niederlagen z.B. gegen die Steelers. Der heurige Schedule ist nicht unmachbar:

Wk #1 @Chiefs
Wk #2 vs Raiders
Wk #3 vs Patriots
Wk #4 @Bengals
Wk #5 vs Eagles
Wk #6 @Giants
Wk #7 BYE
Wk #8 vs Redskins (in Toronto)
Wk #9 vs Jets
Wk #10 @Cowboys
Wk #11 @Dolphins
Wk #12 @Jets
Wk #13 vs Titans
Wk #14 @Chargers
Wk #15 vs Dolphins
Wk #16 vs Broncos
Wk #17 @Patriots

Ich hoffe, wir sehen heuer wenigstens ein-zweimal diese sympathische Mannschaft spielen. Ich möchte den Wusler Fitzpatrick und vor allem das offenbar verkannte Genie Kyle Williams spielen sehen. Playoffs darf ich qua prinzipieller Skepsis nicht erwarten.

Das Zeiteisen verrät: 699 Minuten verbleiben. WordCount nach elf Teams: 10561.

Mit den New York Jets in den Sonnenaufgang

Die New York Jets sind nichts für Freunde des seichten Franchise-Aufbaus. Was Head Coach Rex Ryan da hingeknallt hat, ist eine Mannschaft voll an großen Namen – kein Neuaufbau, sondern ein Umbau samt Einkauf vieler namhafter Superstars.

Ryans Standing ist recht bizarr: Wir erleben wir vielleicht einen der genialsten Coaches überhaupt, doch Ryans Großmaul und die dazugehörige emotionale Ebene der Sichtweise auf die Jets sorgen dafür, dass eine objektive Betrachtung dieser Mannschaft und ihres Coaches kaum möglich ist – etwas, das vermutlich dazu führt, dass das (zugegeben:) geniale Defensivspiel dieser Mannschaft im Schatten anderer Betrachtungskomponenten schlicht untergeht.

Die Offense

Die größte Stärke der Jets ist allgemein anerkannt die Offensive Line rund um den herausragenden LT D’Brickshaw Ferguson und den großartigen C Nick Mangold, eine Line, die allerdings in dieser Saison eine Sollbruchstelle aufweist: RT Damien Woody hat seine Karriere beendet und soll von Wayne Hunter, einem Mann mit ganz schwachen Noten, ersetzt werden. O-Line Coach ist übrigens Bill Callahan (ja, der Bill Callahan) – Sie entscheiden über die Vertrauenswürdigkeit.

Hinter einer dermaßen guten Line sieht jedes Laufspiel gut aus, selbst wenn es von zwei Backs getragen wird, die keine Höschen nass machen: RB Shonn Greene, der als maximal mittelmäßig gilt, und die Legende RB LaDainian Tomlinson, ein Mann, der immer weniger explosiv wirkt und horrend im Pass-Blocken ist. Trotzdem macht das Laufspiel über 4yds/Carry.

Ein Mann, der nicht unwesentlichen Anteil am Laufspiel hatte, ist X-Faktor Brad Smith. Smith ist allerdings weg und mit ihm wohl auch die immer und immer wieder eingestreuten Wildcat-Spielzüge in dieser Offense. Ersatzmann ist keiner in Sicht.

So muss das Werfen nun alleinig QB Mark Sanchez anvertraut werden. Sanchez hat in Brian Schottenheimers Offense den Luxus, hauptsächlich mit Play-Action arbeiten zu können – etwas, das er beherrscht. Allein, wird den Jets das Laufspiel genommen, darf man sich an Sanchez’ Hilflosigkeit ergötzen. Der Mann macht stets einen panischen Eindruck, wenn der erste Wide Receiver zugedeckt ist.

Sicherste Anspielstation für Sanchez ist TE Dustin Keller, ein halber Wide Receiver. „Halb“ im Sinne von: Tight End, der als Blocker ungebräuchlich ist. Die WR-Armada ist bis auf WR Santonio Holmes recht rundumerneuert: Cotchery/Edwards sind weg, Ex-Knastbruder Plaxico Burress und Derrick Mason neu. Verjüngungskur sieht, wie angedeutet, anders aus.

Defense

Wir sprechen über eine der interessantesten Defenses in der NFL, eine Defense, die sagenhaft viel Bewegung an der Anspiellinie veranstaltet. Ryan und DefCoord Mike Pettine sind Gläubige der sogenannten „Zone Exchanges“, was bedeutet: Man verarscht die Offense mit angedeuteten Blitzes aus der Secondary, schlägt aber bloß alle sieben, acht Downs mit einem Blitz zu. Vorteil: Die Offense traut sich selten, Receiver gegen Blocker einzuwechseln. Resultat: Die Jets lassen eine unfassbare Completion Rate von 50.7% zu. Zum Vergleich: Arizonas katastrophale Pass-Offense komplettierte 2010/11 immerhin 50.8% ihrer Pässe – nur um ein Gefühl für diesen überragenden Jets-Wert zu bekommen.

Trotzdem machten die Jets immerhin 40 Sacks, was auch den flexiblen (und IMHO tatsächlich oft blitzenden) Safetys sowie den beiden großartigen Linebackers Bart Scott/David Harris zu verdanken ist. Allerdings muss man nach dem Abgang von DE Shaun Ellis auf den wichtigsten Liner verzichten, dafür gibt es eine große Auswahl an jungen, sehr massiv gebauten Spielern: DL Sione Pouha und Mike DeVito haben ihren Wert bereits bewiesen, dazu kommen die Rookies Mu Wilkerson und Kendrick Ellis.

Schlüssel für Ryans Defense ist die Secondary. Die Trickspielchen kann man sich bloß erlauben, weil man in CB Darrelle Revis einen Shutdown Corner par excellence besitzt. Wer einen ganzen Offensivspieler – und in Revis’ Fall ist es stets der #1-WR des Gegner – aus dem Spiel nehmen kann, dessen Chancen steigen mit einem Schlag massiv. Diese Denke erklärt auch, warum die Jets so heiß auf Nnamdi Asomugha waren – eine Defense mit zwei solchen Cornerbacks wäre kaum auszudenken gewesen.

Ausblick

Der Kader ist „top-heavy“ besetzt – sprich: fallen ein, zwei Schlüsselspieler aus, wird es sofort eng. Die Jets sind potenziell aber eine Titelkandidat. Allerdings ein Titelkandidat mit vielen Fragezeichen:

– Was passiert mit Sanchez, wenn das nicht überzeugende Laufspiel aus dem Spiel genommen wird?

– Wie macht sich Burress nach Knastaufenthalt?

– Wird RT Hunter halten?

– Was passiert mit dem Abwehrsystem, wenn Schlüsselspieler Revis ausfällt?

Dazu kommt ein nicht einfacher Schedule mit dem Highlight des Heiligabendspiels gegen die Giants – ein Spiel, das um 19h MEZ stattfindet und somit parallel zur üblichen Bescherung in unseren Landen:

Wk #1 vs Cowboys (SNF)
Wk #2 vs Jaguars
Wk #3 @Raiders
Wk #4 @Ravens (SNF)
Wk #5 @Patriots
Wk #6 vs Dolphins
Wk #7 vs Chargers
Wk #8 BYE
Wk #9 @Bills
Wk #10 vs Patriots (SNF)
Wk #11 @Broncos (Donnerstagspiel)
Wk #12 vs Bills
Wk #13 @Redskins
Wk #14 vs Chiefs
Wk #15 @Eagles
Wk #16 vs Giants
Wk #17 @Dolphins

Wir haben einen weiteren potenziellen Superbowl-Kandidaten, aber einen mit fetten Fragezeichen – und man sollte die AFC-Konkurrenz nicht unterschätzen. Die Offseason lief nach dem entgangenen Asomugha-Deal nicht wie gewünscht und die Jets versuchten erst gar nicht, dies zu bestreiten. Ich sehe Playoffnähe, aber keine Playoff-„Garantie“. Sollten die Dolphins aus unerfindlichen Gründen akzeptables Quarterback-Spiel zu Tage zaubern, erleben wir eine ultraenge AFC East.

Das Zeiteisen verrät: 723 Minuten verbleiben. WordCount nach zehn Teams: 9783.

Mit den Cleveland Browns in den Sonnenaufgang

Man zeige mir einen General Manager in der NFL, der über mehr Power (im Sinne von Macht) verfügt als Clevelands Mike Holmgren. Holmgren ist seit eineinhalb Jahren GM der Browns und Holmgren war dominant genug, um über den Kopf des Trainerstabs hinweg einen Quarterback zu draften, den dieser Trainerstab nicht wollte. Und wir reden hier über einen Trainerstab, dessen Kopf als ultrasturer Disziplin-Nazi bekannt ist. Wir reden hier über (Ex-Coach) Eric Mangini.

Colt aus Texas

Holmgren lebt und stirbt für die West Coast Offense. Und Holmgren sah, was Cleveland für einen Football spielte. Einen knüppelharten. Unästhetisch. Holmgren vernarrte sich in einen Quarterback mit einem Namen, der keine Zweifel über dessen Herkunft mehr lassen kann. Colt McCoy. McCoy wurde 2010 einberufen und Mangini vor die Füße geworfen. Ein intelligenter Quarterback ohne raketenartigen Wurfarm.

Mangini behandelte McCoy wie ein Stück Agrarpizza und Holmgren hasste, wie der Trainerstab mit dem jungen Quarterback verkehrte, tauschte die komplette sportliche Leitung aus, installierte mit Pat Shurmur einen neuen, ihm bekannten Head Coach (Shurmurs Vater war einst Holmgrens DefCoord) und vollzog somit den lange von allen erwarteten Bruch mit Mangini und der Franchise-Vergangenheit.

Holmgren ist der Kopf.

Shurmur der Gestalter.

McCoy der Umsetzer.

Offense

Es wird gemunkelt, dass Holmgrens Verlangen nach einer klassischen „West Coast Offense“ so ausgeprägt war, dass er Mangini mit seiner knochentrockenen 80erjahre-Offense selbst bei 10-6 rasiert hätte. QB Colt McCoy hat nicht brillant gespielt, aber McCoy hat ordentliche Ansätze in einem System gezeigt, dass darauf ausgerichtet war, möglichst ohne Quarterback auszukommen.

Man sagt McCoy erstaunliche Fähigkeiten im Antizipieren von Spielsituationen nach, was für eine auf Timing basierende Kurzpassoffense, die auch von Shurmur gepredigt wird, die Fähigkeit #1 ist.

Allerdings ist McCoy immer noch ziemlich grün und vor allem: Ziemlich blankgestellt, denn die Browns verfügen über keinen adäquaten Receiving-Corp. Der unzuverlässige TE Ben Watson ist mit 68 Catches/768Yards/3 Touchdowns jeweils mit Abstand die #1 in jeder Kategorie, etwas, das nicht lange gut gehen kann. So wird in Sachen Ballfänger auf einen Haufen an völlig Unbekannten und Rookies vertraut – und auf X-Faktor Josh Cribbs, der alles ein bisschen macht, aber nirgendwo richtig gut ist. Außer im Returnieren von Kicks und Punts.

Immerhin darf McCoy hinter einer der besten Offensive Lines in der NFL antreten, rund um LT Joe Thomas und C Alex Mack. Eine Line, die auch hervorragend für das Laufspiel blocken kann, was für Cleveland nicht unbedeutend sein dürfte.

RB Peyton Hillis dürfte aufgrund der fehlenden Erfahrung McCoys auch in dieser Saison noch eine tragende Rolle spielen. Hillis wird in naher Zukunft ein Star sein: Er ist der Cover-Boy von Madden Football. Auf dem Platz ist das einer der wenigen großen weißen Running Backs – ein brachialer Typ Fullback, und fangstark. Dazu der junge RB Montario Hardesty, wieder fit nach einer Verletzung, und der fangsichere, aber laufschwache RB Brandon Jackson aus Green Bay.

Defense

Auf DefCoord Rob Ryan muss verzichtet werden, doch die Umstellung von Ryans 3-4 Defense auf eine 4-3 Defense könnte angesichts der vorhandenen Personals „logisch“ sein. In der Defensive Line wird auf zwei junge Defensive Tackles (Ahtyba Rubin, Phil Taylor) vertraut, dazu kommt mit DE Jabaar Sheard ein Rookie aus der zweiten Runde. Der Kopf der Linebackers dürfte der recht kleine MLB D’Qwell Jackson (1,83m) sein.

Prunkstück in der Defense wird CB Joe Haden sein, ein Mann im zweiten Jahr. Hadens Rookie-Saison soll nach anfänglichem, sachten Aufbau schlicht und ergreifend fassungslos gewesen sein. Sämtliche geschätzte Analystenschaft sieht in Haden bereits einen Top-5 Cornerback, dabei hat der Mann erst eine halbe Saison „richtig“ gespielt.

Mal schauen. Ryan galt als Genie des Tarnens und schemings, nun kommt mit Dick Jauron ein Mann, der schon überall gecoacht hat, ohne irgendwo wirklich bleibende Eindrücke hinterlassen zu haben. Es ist immer etwas ungut, wenn man auf eine Front Four umstellt und fast alle Spieler sind blutjung – Muskelaufbau für Defensive Liner braucht oft zwei-drei Jahre.

Ausblick

Die Browns haben ein klein bisschen was von Bodensatz der NFL. Neuer, nicht allzu mächtiger Coach, neues Offensiv- und Defensivsystem, sehr junger Quarterback ohne viele Anspielstationen, ein Running Back, der jüngst wie Phoenix aus der Asche kam und von dem keiner weiß, wohin er sich entwickeln wird, und eine Defense, deren Ankermänner durchwegs extrem jung sind.

Wk #1 vs Bengals
Wk #2 @Colts
Wk #3 vs Dolphins
Wk #4 vs Titans
Wk #5 BYE
Wk #6 @Raiders
Wk #7 vs Seahawks
Wk #8 @49ers
Wk #9 @Texans
Wk #10 vs Rams
Wk #11 vs Jaguars
Wk #12 @Bengals
Wk #13 vs Ravens
Wk #14 @Steelers (Donnerstagspiel)
Wk #15 @Cardinals
Wk #16 @Ravens
Wk #17 vs Steelers

Wenigstens der Schedule meint es gut mit den Browns: Viele Heimspiele gegen mittelmäßige Konkurrenz zu Beginn und viermal die NFC West und die ebenso nicht berauschende und physis-allergische AFC South im Kader. Die Bilanz könnte am Saisonende die wahre Leistungsstärke (-schwäche?) verschleiern – aber mir gefällt bekanntlich immer, wenn eine Franchise mit einer klaren Idee auch mal ein paar happige Jahre des Aufbaus in Kauf nimmt.

Das Zeiteisen verrät: 784 Minuten verbleiben. WordCount nach acht Teams: 7707.

Mit den New York Giants in den Samstagnachmittag

Die Saison 2010/11 wird für die Giants ewig mit dem schier epischen Kollaps im eigenen Stadion gegen die Philadelphia Eagles in Verbindung bleiben – katastrophal, weil man gegen den Erzfeind in der brandneuen Arena die sichere Playoffteilnahme verspielte – eben an jenen Erzfeind. Es war nicht der erste schwere Rückschlag für die Giants in den letzten Jahren. Trotzdem ist man ruhig geblieben.

Der Vertrauensnichtbeweis

Die Besitzerfamilie Mara ist bekannt dafür, sich nicht allzu sehr in das Tagesgeschäft einzumischen und GM Jerry Reese einfach mal machen zu lassen. Reese gehört im medialen Hexenstadel „New York City und Umgebung“ zu den besonneneren Gestalten und hält Head Coach Tom Coughlin weiterhin die Stange. Anstelle von Rauswurf nach der verheerenden Schlappe gegen die Eagles wurde Coughlin mit einer Vertragsverlängerung ausgestattet – allerdings nur um ein einziges Jährchen bis Jänner 2013. Nicht gerade der Vertrauensbeweis. Einjahresverlängerungen wie diese sind meist nur dazu da, eine lame duck-Situation wie jüngst in Carolina zu verhindern.

Der Hexenstadel konzentriert sich aber vorerst eh auf Reese und seine Personalpolitik der letzten Wochen.

Die Offense

OffCoord Kevin Gilbride hat eine recht ausgeglichene Offense beisammen, die nur unwesentlich mehr wirft als läuft. Das Playcalling kann auch deswegen ausgeglichen ausfallen, weil es personell keine wirklichen Ausreißer nach oben und unten gibt.

Das beginnt mit der Offensive Line, die zwar unter ersten Alterserscheinungen krächzt und immer mal wieder ein oder zwei Mitglieder für die Krankenstation abstellen muss, aber besser spielt als ihr Ruf. Die rechte Seite mit RG Chris Snee und RT Kareem McKenzie gilt als geradezu dominant, während die linke Seite eine potenzielle Sollbruchstelle aufweist: LT Dave Diehl gilt als besserer Guard und sein zeitweiliger Ersatzmann, der junge William Beatty, nach einigen horrenden Vorstellungen als verunsichert. Immerhin gibt es einen neuen Center, Dave Baas aus San Francisco.

Die Line brillierte vor allem für das Laufspiel, das weiterhin vom fumble-anfälligen, aber ansonsten sehr explosiven und vor allem auch fangstarken RB Ahmad Bradshaw getragen wird. Bradshaws Komplementär-Back ist der streitbare Brandon Jacobs, der gebaut ist wie ein Vorblocker und in motiviertem Zustand ganze Horden an Verteidigern yardsweise mitschleppen kann. Jacobs ist an schlechten Tagen allerdings niemand, an dem sich eine Mannschaft hochziehen kann.

Ein Problem, das auch für QB Eli Manning gilt (jo, ich höre den Aufschrei). Manning wirkt immer noch ein bisschen wie das schüchterne Bübchen von nebenan, das vom Schatten seines großen Bruders gehemmt wird. Mannings Verteidiger werfen ein „aber die Hälfte seiner INTs sind den Receivers geschuldet!“ ein. Dass sich aber mal eine Mannschaft erkennbar an einem Eli Manning aufrichtet – bisher noch ungesehen.

Die Wide Receivers sind zugegeben auch nicht die vertrauenswürdigsten. WR Hakeem Nicks ist bei Zeiten ein aufregender Mann mit dem Standing des #1-Mannes, aber ihm werden immer wieder Schlampigkeit im Rennen von Routen nachgesagt. WR Mario Manningham gilt als Mannings Buddy, aber danach wird es im Roster eng. Die verletzungsanfällige Sicherheitsoption Steve Smith ist gegangen, bereits stünde eventuell der Rookie Jernel Jerrigan.

Die Tight Ends sind nach Kevin Boss’ Abgang und Ben Patricks Rücktritt recht unbekannt. Gefühlt spielte Gilbride recht häufig mit seinen Tight Ends, der einzige verbliebene mir bekannte Name ist Bear Pascoe.

Die Defense

Ich halte sehr viel von DefCoord Perry Fewell, seiner Zonenverteidigung und habe eine hohe Meinung vom vorhandenen Personal in der Defensive Line. Allerdings steht die Defense bei mir als Ganzes auch im Ruf des schlampigen Genies. Sprich: Mal zertrümmert sie sämtliche Offenses, aber dann passieren immer wieder schwere Deckungsfehler oder drei verfehlte Tackles in einem Spielzug und die ganze Arbeit war umsonst.

Mit DT Barry Cofield ist ein Anker der Defensive Line weg, aber wer will schon lärmen, wenn wir die verbliebenen Optionen mal gedanklich durchgehen? Die Mitte wird von Leuten wie dem monströsen Chris Canty oder dem grundsoliden Rocky Bernard zugemacht, dazu kommen Leute wie Gabe Watson aus Arizona oder der durchgeknallte Rookie-DT Marvin Austin von UNC. Und kennt noch jemand Jay Alford? Der Pass Rush wird angeführt vom Alleskönner DE/DT Justin Tuck, zu dem sich die Spezialisten Mathias Kiwanuka, Osi Umenyiora und Jason Pierre-Paul gesellen… wenn Umenyiora denn noch einmal Lust auf die Giants kriegt.

Zu Umenyiora und dem seit Jahren anhaltenden Vertragsstreit mit den Giants gab es jüngst bei Andy Benoit/N.Y. Times einige verdammt kluge Zeilen zu lesen:

The Giants are now in an ugly catch-22. Trade Umenyiora and, in their minds, they set a precedent for rewarding disruptive players who break contract. (They also lose an upper echelon edge-rusher from a defense that has long been built on pressuring the quarterback up front.) Keep Umenyiora and, well, they have a disruptive locker room presence. A super disruptive locker room presence.

That’s what makes this whole ordeal interesting. Umenyiora is not staging his protest peacefully. Throughout all this he’s publicly blasted Reese and questioned the organization’s integrity. What makes it dicey for owner John Mara, head coach Tom Coughlin, Reese and the rest of the powers that be is that Umenyiora’s complaints seem founded. He’s become the screaming kid in the supermarket whose parents are looking around nervously, thinking onlookers might be siding with him.

In an August 1st letter to the Associated Press, Umenyiora wrote, „What really annoys me is the hypocrisy of people clamoring for my head for asking for a new deal or to be traded. Saying I have 2 years left on my deal. These contracts only mean something to us? Where is (Shaun) O’Hara? Where is (Rich) Seubert? True, inspirational football players, they were cut after being injured. They have years left on their deal.“

You think other Giants players aren’t thinking, „Hmmmm.Osi may have a point“? This is the type of drama that can fracture a franchise.

Die Linebacker-Crew ist recht anonym, genießt in Fewells Cover-2 aber eine niedrigere Priorität. Leader ist MLB Michael Boley und ein Auge würde ich auf Rookie Greg Jones (Michigan State) werfen, von dem ich ein absoluter Fan bin. „Fan sein“, das gilt auch für den ungedrafteten Mark Herzlich, ein Outside Linebacker mit bewegter Geschichte: Als Toptalent durch eine als kaum heilbar geltende Krebserkrankung zurückgeworfen, nie aufgegeben und sich nun tatsächlich bis in einen NFL-Kader durchgebissen.

Die Secondary muss erstmal auf Star-Rookie CB Prince Amukamara und sein gebrochenes Bein verzichten. Die Safetys haben es in sich: FS Antrel Rolle steht bei mir aufgrund verheerender Tacklings nicht hoch im Kurs, während SS Kenny Phillips nach einer fürchterlichen Verletzung nun wieder mit harten Hits gegen das Laufspiel arbeitet.

Punter

Matt Dodge, anyone? Die Giants haben offenbar Steve Weatherford eingekauft, aber Dodge scheint noch im Kader zu stehen.

Ausblick

Irgendwie riecht das ganze nach einer leichten Verschlechterung gegenüber dem „Status quo“. Die NFC East ist aber nicht die Division, in der man a priori drei divisionsinterne Niederlagen einplanen muss und daher halte ich einen Playoff-Einzug der Giants nicht für ausgeschlossen – der Spielplan ist dank NFC West auch nicht der ultraschwierigste, dafür mit AFC East und der #2-Schedule aber ein höchst attraktiver: Superbowl-Revanche gegen New England, weihnachtliches Stadtderby gegen die Jets, New Orleans, Green Bay. Und zum Saisonauftakt Pathos pur beim 09/11-Spiel in Washington.

Wk #1 @Redskins
Wk #2 vs Rams (MNF)
Wk #3 @Eagles
Wk #4 @Cardinals
Wk #5 vs Seahawks
Wk #6 vs Bills
Wk #7 BYE
Wk #8 vs Dolphins
Wk #9 @Patriots
Wk #10 @49ers
Wk #11 vs Eagles (SNF)
Wk #12 @Saints (MNF)
Wk #13 vs Packers
Wk #14 @Cowboys (SNF)
Wk #15 vs Redskins
Wk #16 @Jets
Wk #17 vs Cowboys

Die NFC ist als Conference ausgeglichen genug, dass man sich mit sechs, sieben Niederlagen womöglich für die Playoffs qualifizieren kann. Die Giants müffeln danach, als ob sie in etwa in diesen Sphären verharren würden.

Das Zeiteisen verrät: 810 Minuten verbleiben. WordCount nach sieben Teams: 6884 (Nein, Benoits Worte bleiben Fremdarbeit).

Mit den Baltimore Ravens in den Sonnenaufgang

Die Baltimore Ravens sind seit zwei Jahren Superbowl-Kandidat, seit GM Ozzie Newsome und sein Front Office den ursprünglich ungut aussehenden Move wagten, den Superbowl-Coach Brian Billick zu feuern und mit John Harbaugh einen neuen, unverbrauchten Kopf an die Spitze der Mannschaft zu stellen.

Harbaugh kam aus Philadelphia und brachte neben seinem Optimismus auch die lange vermisste Schleifer-Mentalität mit – und baute mithilfe großartiger Drafts blitzschnell einen Titelkandidaten auf, der sich zusammensetzt aus alternden Stars und einer neuen Generation.

Die grundsolide Offense

Jahrelang war Baltimores Offense der ganz große Schwachpunkt in dieser Mannschaft, mit Billicks Unfähigkeit, einen auch nur in Ansätzen brauchbaren Quarterback zu installieren. Harbaughs erster Pick von 2008 war dann der neue Franchise-QB: Joe Flacco von einer absurd kleinen Uni. Flacco ist ein grundsolider, unspektakulärer Mann und mit Abstand der beste Quarterback, auf den die Ravens in ihrer noch jungen Historie bauen konnten. Kein Mann, der dir in zwei Minuten zwei Touchdowns aufholen wird, aber auch nicht jemand, der deinem OffCoord die Schweißperlen übers Gesicht treibt.

Flacco muss in dieser Saison ohne seinen QB-Coach Jim Zorn auskommen, der überraschend gefeuert wurde, und vor allem auch ohne eine Reihe an bekannten Anspielstationen: Die alten Recken Houshmanzadeh, Mason, Heap oder Stallworth wurden allesamt entsorgt. Bleiben durfte einzig der Star der Gruppe: WR Anquan Boldin, ein eisenharter Mann, der zwar nicht zwei Kilometer das Spielfeld runter anspielbar ist, dafür aber überall dort seine Catches macht, wo es weh tut: Links draußen, rechts draußen, in der Mitte, an der Line of Scrimmage. Quarterbacks lieben solche Spieler, vor allem Flacco, als dessen größte Stärke die Out-Routen gelten.

Abseits von Flacco wird es um die Luftwaffe aber schnell jung. Rookie Tandon Doss gilt als Slot-Receiver, Rookie Torrey Smith als Experte für die tiefen Bälle, aber beide sind noch gänzlich unerfahren. Interessanter Mann könnte Tyrod Taylor werden, der an der nahen Virginia Tech University als Quarterback der große Scrambler vor dem Herrn war, aber für die NFL als potenzieller Wide Receiver gilt. Die restlichen Wide Receiver und Tight Ends im Kader haben 2010/11 ganze 12 Catches für 153yds gemacht.

Ein paar Catches mehr hat RB Ray Rice auf dem Buckel, 141 in den letzten beiden Saisons nämlich. Das und Rices schiere Wucht als Ballträger machen den Mann zu einem absoluten persönlichen Favoriten – ein Mann, dem man problemlos 330 Carries und 60 Catches über eine Saison anvertrauen kann und dessen Spiel nach der Verpflichtung des Fullbacks Vontae Leach aus Houston eine zusätzliche neue Erleichterung erfahren sollte. Leach gilt als wichtiger Faktor für das zuletzt bei den Texans explodierte Laufspiel und könnte ein unterschätzter Einkauf sein, nachdem die bisherigen Fullbacks McKie und McClain ziehen gelassen wurden. Als Backup soll die ehemalige Dreadlocke Ricky Williams fungieren.

Die Offensive Line gehört auch zu den besseren, mit den beiden jungen Tackles Michael Oher/Oniel Cousins und dem starken Guard Marshal Yanda sowie dem ewig jungen, aber immer bänderverletzungsanfälligeren Center Matt Birk – der (nun doch sicher scheinende) Abgang des talentierten, aber faulen Tackles Jared Gaither sollte insofern verschmerzbar sein. Junger, ungedrafteter Guard mit großem Kämpferherz, den ich im Auge behalten würde: Justin Boren von Ohio State. Junger Tackle aus dem Draft: Jah Reid.

Sehr ordentliche Offense mit sehr vertrauenswürdigem OffCoord Cam Cameron, allerdings habe ich nach den doch vielen Entlassungen ein bisschen Angst um die Tiefe des Kaders. Die meisten Backups sind doch sehr unerfahren und nach Bulgers Rücktritt fehlt ein halbwegs annehmbarer Ersatz-QB gänzlich.

Die blue’n’green-Defense

Baltimore Ravens, das bedeutet seit eineinhalb Jahrzehnten drei Dinge: In erster Linie Defense, in zweiter Linie Defense und in dritter Linie Defense. Hier wird nicht wild geblitzt oder anderweitig gewaltiger Druck auf die Quarterbacks ausgeübt, sondern mit Hits der knallharten Sorte Rabatz gemacht, dass sämtlichen Offenses Hören und Sehen vergeht.

Herz, Niere, Seele und Kopf der Unit ist immer noch MLB Ray Lewis, der Mann, der wie kein Zweiter in der NFL seit 15 Jahren seine Abwehr prägt und obwohl nicht mehr ganz so explosiv immer noch essenzieller Bestandteil ist, und sei es nur als Mentor für die jungen Spieler, die Lewis jede Aussage, jeden Tipp aufs Wort glauben. Es gibt Stimmen, die die seit Jahren konstant starken Ravens-Defenses mehr auf das Knowhow Lewis’ schieben, denn auf die ständig wechselnden Coordinators.

Die Defensive Line wird um NT Haloti Ngata gebaut, der sämtlichen Linebackers den Rücken freihält und meistens zwei Blocker auf sich zieht. Daneben gibt es mit DE Sergio Kindle und DT Terrance Cody zwei Youngsters, die bisher enttäuscht haben, aber auf die nach zahlreichen Abgängen in den letzten beiden Jahren fast zwangsläufig irgendwann gebaut werden muss.

Bester Outside Linebacker ist Terrell Suggs, ein erstaunlich vielseitiger Spieler, der häufig eine Art vierten Defensive End gibt, aber auch in der Deckung brilliert und ligaweit zu den absolut besten seines Fachs gehört. Der zweite OLB Jarret Johnson gilt als intelligent genug, die sich bietenden Freiräume neben Lewis/Suggs zu nutzen, hatte aber keine besonders gute Saison 2010/11.

Knackpunkt könnte die Secondary werden. Zwar spielt mit FS Ed Reed für mich der Abwehrspieler schlechthin dort (Reed genießt bei mir Heldenstatus), aber der Rest wurde arg ausgedünnt – S Landry, CBs Washington und Wilson verteidigen nun für die Konkurrenz, allein CB Chris Carr und Ladarius Webb als Gegengift gegen deep threats bleiben. Die beiden Rookies Jimmy Wilson und Chykie Brown gelten beide als höchst talentiert, aber riskante Optionen – verbrannt wurden die beiden am College vor allem von physischen Receivern recht regelmäßig.

Auf der SS-Position balgen sich der streitbare Neuzugang Bernard Pollard, der verletzungsanfällig Boxer Tom Zbikowski und Haruki Nakamura um den Platz neben Reed.

Ausblick

Die Baltimore Ravens haben immer noch einen sehr ausgewogenen Kader, einen guten OffCoord und viel Knowhow in der Defense, aber die Starter müssen möglichst alle gesund bleiben bzw. die bisher wenig zum Zug gekommenen jungen Draftpicks der letzten Jahre müssen einschlagen. Die Hypothek der verheerenden Playoffniederlage gegen Pittsburgh wird immer noch nachwirken und der Schedule wirkt nicht einfach (obwohl nur #31):

Wk #1 vs Steelers
Wk #2 @Titans
Wk #3 @Rams
Wk #4 vs Jets (SNF)
Wk #5 BYE
Wk #6 vs Texans
Wk #7 @Jaguars (MNF)
Wk #8 vs Cardinals
Wk #9 @Steelers (SNF)
Wk #10 @Seahawks
Wk #11 vs Bengals
Wk #12 vs 49ers (Thanksgiving)
Wk #13 @Browns
Wk #14 vs Colts
Wk #15 @Chargers (SNF)
Wk #16 vs Browns
Wk #17 @Bengals

Man halte mich für unverbesserlich, aber die Ravens bleiben mein AFC-North-Favorit Nummer 1. Das Superbowl-Rennen in der AFC ist fassungslos eng, aber durchaus nicht ausgeschlossen, dass die Ravens – die schließlich schon des Öfteren ihre Auswärtsstärke bewiesen haben – auch mit einem niedrigen Seed in die Superbowl durchmarschieren.

Das Zeiteisen verrät: 844 Minuten verbleiben. WordCount nach sechs Teams: 5859.

Mit den St Louis Rams in den Sonnenuntergang

Die St Louis Rams sind eine der Underdog-Franchises, seit Jahren im Niedergang begriffen und in den letzten Jahren fast so leblos wie die Jacksonville Jaguars wirkend. Absoluter Tiefpunkt war die Saison 2008, als man 2-14 ging und schon früh in der Saison den Head Coach feuerte. Der Neue seitdem: Steve Spagnuolo, der ehemalige Defensive Coordinator der Giants, und vom neuen GM Bill Devaney eigenhändig ausgewählt.

Spagnuolos Debütsaison las sich stark vereinfacht so: 1-15. Erstmals in der NFL-Geschichte wurde eine 2-14 Saison noch mal unterboten. Trotzdem ist der Stimmungspegel im Steigen begriffen. Das mag am erkennbaren Konzept Spagnuolos liegen, oder an den sieben Siegen vom Vorjahr, oder aber an der erst einmal beruhigten Besitzer-Situation.

Die Offense

Das Grundgerüst haben sich die Rams in den letzten Jahren zusammengestellt. Via Draft wurden die Offensive Tackles Roger Saffold und Jason Smith geholt, via Free Agency Center Jason Brown und jüngst der Guard Harvey Dahl. Die Dominanz zeigte sich bisher noch nicht, aber die Einkaufsphilosophie und das junge Spielermaterial gefallen.

Zentrum der Offense ist der junge QB Sam Bradford, der Top-Pick von 2010, der eine recht ordentliche Rookie-Saison hingelegt hat und vor allem gemessen an seiner Zeit an der Uni erstaunliche Qualitäten im Lesen von Defenses gezeigt haben soll.

Auch Bradfords reine Zahlen (60% Completion Rate, 3512yds, 18 TD, 15 INT) lesen sich so übel nicht, und sind umso erstaunlicher, wenn man das Fehlen einer adäquaten Ballfänger-Armada beachtet, eine Armada, in der der Running Back der gefährlichste Receiver war.

Die jüngste Offseason stand primär unter dem Motto „Man gebe Bradford bitteschön Waffen“. Via Draft wurden der possession receiver Austin Pettis (Boise State) und der burner Greg Salas (Hawaii) geholt, via Free Agency der grundsolide Mike Sims-Walker (aus Jacksonville). Gemeinsam mit der Rückkehr von WR Donnie Avery und dem um ein Jahr erfahreneren, aber recht lethargisch wirkenden WR Danny Amendola sieht die Gruppe plötzlich recht ausgewogen aus und allenfalls der klassische #1-Mann fehlt.

Ein ganz interessanter Mann ist IMHO TE Lance Kendricks, ein Rookie, dem exzellentes Blockspiel und sehr gute Fähigkeiten als Receiver nachgesagt werden. Fangsichere Tight Ends sind gerade für junge Quarterbacks stets eine vitale Option.

Wichtigster Neuzugang ist allerdings OffCoord Josh McDaniels, der nach seiner gescheiterten Erfahrung als Head coach in Denver erstmal das Motto „zurück zu den Wurzeln“ befolgte. McDaniels darf man durchaus zutrauen, eine mächtige Offense kreieren zu können – das entsprechende Personal wurde auch unter McDaniels’ Guide bereits zusammengestellt.

Gespannt darf man sein, was McDaniels für den Rams-Spieler des Jahrzehnts bedeutet: RB Steven Jackson, ein bewundernswerter Mann, der seine Blütezeit als unterbezahlte Alleinwaffe in St Louis vergeigen und mit mittlerweile 28 Jahren schon eine Menge harter Hits für Niederlagenserien einstecken durfte. Jackson ist, wenn fit, eine Allzweckwaffe, ein Mann, der eine Offense tragen kann und ich möchte sehen, wie Jackson mit einem ernsthaften Passspiel als Entlastung die Freiräume nutzen kann – sofern er halbwegs anständiges Blockspiel bekommt. Die Backups sind beide neu: RB Cadillac Williams aus Tampa und RB Jerious Norwood aus Atlanta.

Bloß: McDaniels und Running Backs hatte bisher was von „muss halt sein, weil es sein muss“, aber als großer Runningback-Freund gilt McDaniels nicht.

Die Defense

Spagnuolo liebt es, Defensive Lines mit viel Tiefe zu bauen, um eine konsequente Rotation fahren zu können. Mit DE Robert Quinn wurde dann auch gleich ein weiterer hoher Draftpick in die Abwehrreihe gesteckt. Quinn gilt als etwas lax aber höchst talentiert, und Quinn wird einer Defensive Line mit einigen gegebenen Bausteinen beitreten.

Der etwas speckige DT „Big Dog“ Fred Robbins (143kg) – ein Spagnuolo-Mann –  gilt als veritabler Anker der Line, etwas konditionsschwach, aber dominant genug, um Guards und den Center zu verschrecken und somit Räume für die Defensive Ends zu schaffen. Die Ends gelten als solide, aber niemand erwartet, dass der alternde James Hall und der zu wenig explosive Chris Long noch zu sensationellen Pass Rushers werden – dieser Job soll Quinn vorbehalten sein.

Die Linebacker sind bekannt als ordentliche Unit gegen den Lauf, aber auch als zu langsam für Pass Rush und Pass-Deckung. MLB James Laurinaitis hat sich in zwei Jahren zum unbestrittenen Leader entwickelt, gilt aber als körperlich zu limitiert, um mit den dynamischeren Vertretern á la Pat Willis mithalten zu können. Mir dünkt so was wie eine „Bruschi“-Rolle für den weißen Mann.

Haupt-Problemzone ist die Secondary. St Louis kassierte über 240 Pass-yds/Spiel und insgesamt 21 Touchdowns via Luftweg – und das gegen einen Schedule mit nur dreieinhalb ernsthaften Pass-Angriffen (Denver, New Orleans, San Diego plus die lauflastigen Falcons). Ein verbessertes Pass Rush sollte helfen, wie auch der neu eingekaufte Safety Quintin Mikell, der bei PFF als seit Jahren konstant bester Safety der NFL gilt. Ein kleiner, unscheinbarer, stiller Mann, der das massivste personelle Upgrade in dieser Saison sein dürfte.

Ausblick

Die Rams gefallen konzeptionell, sollten in Offense und Defense stark gecoacht werden und stets recht aggressiv zu Werke gehen – at least, das erwarte ich, wenn McDaniels und Spagnuolo die Spielvorbereitung übernehmen.

Für 2011/12 wird es wichtig werden, nicht zu schnell die Nerven zu verlieren: Der Schedule liest sich gemessen an 2010/11 machbar (#26) – allein, die Spiele sind ungut verteilt. Der Saisonauftakt ist recht brutal, bis Woche 8 droht eine Niederlagenserie. Die zweite Saisonhälte dürfte dann machbar sein.

Wk #1 vs Eagles
Wk #2 @Giants
Wk #3 vs Ravens (MNF)
Wk #4 vs Redskins
Wk #5 BYE
Wk #6 @Packers
Wk #7 @Cowboys
Wk #8 vs Saints
Wk #9 @Cardinals
Wk #10 @Browns
Wk #11 vs Seahawks (MNF)
Wk #12 vs Cardinals
Wk #13 @49ers
Wk #14 @Seahawks
Wk #15 vs Bengals
Wk #16 @Steelers
Wk #17 vs 49ers

Ich halte die NFC West für offen genug, dass St Louis die Playoffs packt, WENN sie sich nicht von einem möglichen 1-6 Start (oder so) allzu früh entmutigen lassen. Die Richtung dürfte stimmen.

Das Zeiteisen verrät: 876 Minuten verbleiben. WordCount nach fünf Teams: 4769.