Wie bereiten sich Teams auf die NFL Free Agency vor?

Dieser Frage geht Robert Mays in seinem Podcast von gestern mit ESPN-Kommentator Louis Riddick nach.

Riddick ist ein ehemaliger Mitarbeiter im Staff des Roster-Managements der Washington Redskins und Philadelphia Eagles (von insgesamt 2001 bis 2013) und wird immer wieder als potenzieller Kandidat für GM-Posten genannt.

Riddick betont in dem Podcast vier spannende Punkte zu Free Agency und Team-Building.

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Quinnen Williams: Was ist ein junger Defensive Tackle von seinem Schlage wert?

Die New York Jets sind mit 0-6 in die Saison gestartet. Mit einem Headcoach auf dem Abstellgleis und der Aussicht, nächstes Jahr einen der Top-Quarterbacks wie Trevor Lawrence, Justin Fields oder möglicherweise auch Trey Lance zu draften, begannen in den letzten Tagen die Gerüchte von wegen Ausverkauf vor der Trade-Deadline (3. November, zufällig auch der Tag der US-Präsidentschaftswahl).

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Vor dem Start der Free Agency 2013

Oder besser: Vor dem offiziellen Startschuss. Der erfolgt heute um 22h 21h MEZ. Dann nämlich laufen sämtliche Spielerverträge mit Enddatum 2013 in der NFL aus. Ein Batzen an Spielern wird dann auf dem Transfermarkt zu haben sein, und zwar als:

  • UFA/unrestricted free agent. Das sind die Spieler, die ohne irgendwelche Einschränkungen mit anderen Teams Verträge unterschreiben können. Die allermeisten Free Agents sind unrestricted.
  • RFA/restricted free agents. Das sind Spieler, die gewissen Auflagen unterliegen: Spieler, die nach drei Jahren nach dem Draft Free Agents werden, können gewisse „Tender“ (Offerten) übergestülpt bekommen und sind dann für andere Team nur via Kompensation (in Form von Draftpicks) erhältlich. Es passiert nur alle paar Jahre, dass wirklich spektakuläre Moves auf diesem Weg gemacht werden (z.B. vor ein paar Jahren Burleson oder Steve Hutchinson).
  • Franchise Player. Die Spieler, die die „kleine“ Franchise Tag übergestülpt bekommen haben, können von anderen Teams mit einer Offerte von ihrem aktuellen Team losgeeist werden; als Kompensation sind dafür allerdings zwei Erstrundenpicks (plus der nicht billige Vertrag) notwendig. Auch hier gilt: Das aktuelle Team kann das Abwerbungsangebot eventuell matchen, sprich: Mit einem eigenen Vorschlag den Spieler doch noch halten.

Dieses Jahr gibt es eine radikale Neuerung im Vergleich zu anderen Jahren: Die Teams dürfen bereits seit drei Tagen auch offen Kontakt mit Free Agents aus anderen Teams aufnehmen – in anderen Jahren war das ebenso verpönt wie diese Regel sowieso unterwandert wurde. Deswegen kann es sein, dass schon erste Verträge unterschrieben wurden, die noch nicht offiziell kommuniziert werden durften.

Ein NFL-Team bauen

Ich bin seit Jahren ein Anhänger davon, eine Mannschaft via Draft zu bauen und in der Free Agents höchstens punktuelle Verstärkung zu suchen. Der Grund: Die Free Agency ähnelt – wie ich schon schrieb – einem Versteigerungsverfahren. Das heißt konkret: Der gewünschte Spieler ist für die meistbietende Franchise häufig nur überteuert erhältlich – in einem System mit der „harten“ Salary Cap wie in der NFL, und sei sie durch viele Restrukturierungs-Optionen letztlich noch so soft, rächt sich eine Mega-Einkaufstour häufig nach wenigen Jahren.

Spätestens seit die Rookies seit zwei Jahren einem sehr restriktiven Gehaltssystem unterworfen sind, das die besten von auf Jahre unter Marktwert in die NFL zwängt, ist der Draft ein sehr viel billigeres Mittel beim Aufbau einer Franchise. Wie sich das System mit der Rookie-Wage Scale genau in den nächsten Jahren entwickeln wird, werden wir lernen, aber an der grundsätzlichen Idee ändert das nichts.

Also zusammenfassend: Baue dein Team über den Draft. Ergänze es via Free Agency. Das heißt nicht nur: Schau, dass du keine überteuerten Free Agents einkaufst, weil du dann schneller keinen Cap-Space mehr hast als dir lieb ist.

„Baue über den Draft“ heißt auch: Schau, dass du ohne eklatante kurzfristige Needs in den Draft gehst, denn dann kannst du dich dort auf long term und mid-term fokussieren und musst nicht auf Teufel komm raus die nächste anstehende Saison in den Mittelpunkt deiner Draft-Planungen stellen. Schließlich engt kurzfristiges Denken deine Optionen im Draft ein!

Free Agents aus der Hölle

Bill Barnwell schrieb vor zwei Jahren über die Free Agents, die die klugen Mannschaften meiden wie die Pest:

  • Der alte Running Back. Der Grund ist offensichtlich: Nicht nur, dass Running Backs aufgrund ihrer Popularität unter den Fans überhaupt überteuert spielen. Nein, die alten Backs, die auf den Markt kommen, sind häufig schon einigermaßen abgenutzt. Dem positiven Beispiel Michael Turners (2008 nach Atlanta) stehen praktisch ausschließlich Negativbeispiele gegenüber.
  • Der effiziente zweite/dritte WR aus der Top-Passoffense. Diese Spieler sind häufig Produkte ihrer Systeme, profitieren häufig von exzellenten Quarterbacks und einem erstklassigen #1-WR. Letztes Jahr waren Laurent Robinson oder Pierre Garcon gute Beispiele: Beide bekamen Megaverträge, die sie nicht werden mit Leistung rechtfertigen können.
  • Der explodierende Defensive End. Oft kriegen Ends, die auf der anderen Seite eines Superstars spielen, mehr Platz oder Raum. Diese nutzen sie dann in einem „Vertragsjahr“ (also kurz bevor sie Free Agents werden) für 11.5 Sacks und bekommen anderswo einen Multimillionenvertrag und tauchen ohne ihren dominanten Mitspieler gänzlich ab.

Ich würde noch den Offensivspieler mit der 13 TD-Saison anfügen: Spieler, die wenige Catches machten, aber dann plötzlich mal ein Jahr mit außerordentlich vielen TDs einbauen – der Touchdown ist eine sehr volatile Statistik und extrem dem Phänomen „Regression zur Mitte“ unterworfen. Es ist auch weniger der Fakt, dass diese Spieler „schlecht“ wären; sie tendieren lediglich dazu, überteuert zu sein.

Einen Überblick über die Free Agents von 2013 gibt es bei Spotrac: 2013 Free Agents.