NFL 2012/13: Vor dem zweiten Spieltag

Woche 2 im TV

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So, 19h00 PHI - BAL
So, 22h25 PIT - NYJ
So, 02h20 SF  - DET
Mo, 02h30 ATL - DEN

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Mo, 14h30 CAR - NO
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Eines der großen Themen waren die Schiedsrichterleistungen der ersten Woche. Schiedsrichterleistungen, die ich nach Sichtung von 15.5 Spielen nicht so schlecht fand. Es gab die eine oder andere fragwürdige Fehlentscheidung (Review eines Ravens-TD, nicht gegebene Strafe bei einem Return-TD für Green Bay, viertes Timeout für Seattle) und eine recht happige Flut an Pass Interference-Strafen (ich schätze mal mindestens 25 bis 30 in 16 Spielen), aber um ehrlich zu sein: Solche Dinge passieren immer wieder, und sie passieren auch den McAuleys und Hochulis der NFL-Zebragarden. Der Super-GAU blieb zumindest in Woche 1 aus. Nun auf ein Neues.

Pass, Baby!

Zweites Thema waren die vielen Interceptions. Oder waren es gefühlt viele Interceptions? 35 abgefangene Pässe in 16 Spielen liest sich enorm viel. Aber es gab 1124 geworfene Pässe, da entspricht dies einer INT-Quote von 3.11% – der Schnitt in der vergangenen Saison war 2.91% gewesen, also kein ganz grober Ausreißer für einen einzigen Spieltag. Auch die Pass-Ratio war nach Durchsicht der Zahlen kleiner als ich auf Basis der Tapes angenommen hatte: 58:42 pro Pass, nach einer Saison mit im Schnitt 56:44 im letzten Jahr.

Der Trend zu explosiven Offenses setzt sich dagegen weiter fort: Obwohl wir fünf Rookie-Quarterbacks (plus die sehr unerfahrenen QB Skelton in Arizona und QB Locker in Tennessee) spielen sahen, gab es im Schnitt 49.4 Punkte pro Partie (angeblich der zweitpunktereichste Spieltag ever) und bewegten die Pass-Offenses die Ketten netto 6.5yds/Passversuch (Vergleich zum Rekordjahr 2011: damals waren es 6.3yds/Passversuch gewesen).

Es gibt da Teams wie New Orleans, die lange apathisch spielen und dann zwei Touchdown-Drives hinlegen, die zusammen kaum zwei Minuten von der Uhr nehmen. Offenses werden immer explosiver, wie Brian Burke in einer gut fundierten Studie herausgearbeitet hat. Das bedeutet: Feldposition wird mittelfristig an Wert verlieren. Ballbesitz wird zunehmend an Wert gewinnen. Daher gehen Teams wie Washington selbst mit einem Rookie-QB in den Schlussminuten auf Risiko, spielen die Downs mit Passspiel aus, um das 1st down zu erreichen und nicht den Ball um 40sek Zeit runterspielen willen mit einem (wenn auch vielleicht langen Punt) hergeben zu müssen.

Woche 1: Was ich noch vergessen hatte

Nebenan noch einmal alle Links zu den ausformulierten Reviews von Woche 1. Ein paar Anmerkungen zu ein paar anderen Spielen seien noch angebracht.

Tampa Bay – Carolina. Zu den überraschenderen Dingen gehörte am ersten Spieltag, wie die Buccs die eigentlich sehr gute, weil sehr variable Lauf-Offense der Panthers abwürgten. Die Buccs, die zu den schwächsten Lauf-Defenses der letzetn Jahre gehörten! Was DT #93 Gerald McCoy (#3-Pick 2010) da ablieferte, gehörte zum feinsten, was ich je von einem Defensive Tackle gesehen habe.

Kansas City – Atlanta. Sehr flottes erstes Viertel mit einem Chiefs-QB Cassell, der zwar nicht gigantisch aussah, aber in dieser Form doch durchaus souverän eine Offense zu leiten imstande ist. Überhaupt hielten die Chiefs trotz einer von Ausfällen geplagten Defense relativ lange mit. Der Knackpunkt war plus/minus das versiebte 40yds-Field Goal nach sechs Minuten im dritten Viertel (Stand 20-17 ATL). Atlanta kam auf das Feld, mauserte sich mit WR #11 Julio Jones (in dem Spiel integralster Bestandteil dieser Offense) und viel Klein-Klein das Feld runter, und QB Ryan schloss mit einem QB-Scramble zur Vorentscheidung ab. Das 40-24 als Endstand spiegelte IMHO aber nicht wirklich die wahren Kräfteverhältnisse wider; Kansas war sooo übel nicht eingestellt.

Baltimore – Cincinnati. Keine Frage, die Ravens waren das insgesamt bessere, reifere Team in dieser Partie. Aber der Blowout täuscht dann doch etwas über den Spielverlauf hinweg. Cincinnati war lange Zeit (zweieinhalb Viertel) dran. Der Knackpunkt war eine horrende Entscheidung von Bengals-Coach Marv Lewis, der 8:59 im dritten Viertel ein 4th und 1 von der gegnerischen 1yds-Line (!) nicht ausspielen ließ, sondern ein Field Goal zum 13-17 kickte. Der 4th down-Rechner sagt uns: Lewis verschenkte damit zumindest 10% Siegchance. So sehr ich Lewis mag, so unteriridisch finde ich sein PlayCalling in manchen Momenten.

Minnesota – Jacksonville. Kuriose Entscheidung der Jaguars, bei Fünfpunkterückstand 2:00 vor Spielende mit nur zwei eigenen Timeouts zu punten. Ging am Ende insofern „gut“, als dass sie den Ball nach einer Strafe gegen Minnesota mit 1:18 auf der Uhr zurückbekamen, ein 4th down verwerteten und 20sek vor Schluss per langem TD die zwischenzeitliche Führung erzielten (MIN konnte noch ausgleichen und dann in der Overtime gewinnen), aber ich empfand den Punt als eher überraschend. Nicht die einzige merkwürdige Entscheidung von HC Mularkey: Im ersten Viertel hatte er von der gegnerischen 1yds-Line ein Field Goal kicken lassen.

Houston – Miami. Die Zahlen für Rookie-QB Tannehill (5.0yds/Pass, 3 INT) waren schlecht, keine Frage. Aber in der ersten Halbzeit gab es durchaus gute Ansätze von Tannehill, und alle drei INTs waren abgefälschte Bälle, die jedermann, auch Brady und Eli Manning, passieren. Die Abgesänge kommen mir da deutlich zu früh. Miamis Offense schaute eigentlich in der ersten Halbzeit auch als Gesamtes nicht völlig neben den Schuhen aus, aber dann kollabierte man mit drei Turnovers in den letzten beiden Minuten vor Halbzeit (Houston machte daraus 3 TD und beendete die Partie).

Enge Spiele. In Woche 1 endeten wieder genau 50% der Partien innerhalb eines Scoring-Drives (max. 8 Punkte Differenz).

Heimvorteil. 9 von 16 Spielen endeten mit Heimsiegen. Das ist haargenau der Durchschnitt der letzten 20 Jahre NFL (56%).

Punkte. Zusätzlich zur zweitpunktereichsten NFL-Woche ever war es erst das sechzehnte Mal, dass am selben Spieltag jede im Einsatz gestandene Mannschaft mindestens zehn Punkte erzielte.

Die Spiele von Woche 2

(Siegertipps in Kapitalien, Saison in der Sterndeutung; letzte Woche: 12-4)

Buffalo – KANSAS CITY
CINCINNATI – Cleveland
INDIANAPOLIS – Minnesota
Carolina – NEW ORLEANS
Jacksonville – HOUSTON
Miami – OAKLAND
NEW ENGLAND – Arizona
NY GIANTS – Tampa Bay
PHILADELPHIA – Baltimore
St Louis – WASHINGTON
Seattle – DALLAS
PITTSBURGH – NY Jets
SAN DIEGO – Tennessee
San Francisco – DETROIT
ATLANTA – Denver

Sind ein paar Schmankerln dabei, und die TV-Stationen übertragen angenehm verschiedene Partien. Ein paar Gedanken zu Spielen, die ich ins Auge gefasst habe:

  • Cincinnati – Cleveland. Ist QB Weeden wirklich so schlecht wie letzten Sonntag gegen Philadelphia angedeutet? Kann Shurmur der Offense ein besseres Gesicht verpassen? Wie reagieren die Bengals auf die katastrophale zweite Halbzeit in Baltimore?
  • Carolina – New Orleans. Die Saints-Defense schaute am Sonntag phasenweise komplett überfordert aus; auf der anderen Seite brachte Carolina sein an sich potentes Laufspiel überhaupt nicht auf den Boden. Zu beachtender Punkt auch: Das PlayCalling der Saints. Letzte Woche wenig überzeugende Ansagen, u.a. auch mit einem Field Goal bei 14-30 Ende drittes Viertel.
  • Jacksonville – Houston. QB Gabbert war im Vergleich zur letzten Saison nicht wiederzuerkennen, auch wenn es „nur“ Minnesotas Defensive Backfield war. Houston wurde gegen Miami überhaupt nicht gefordert. Für die Texans könnte diese Jaguars-Defense schon ein erster Härtetest werden.
  • New England – Arizona. Wenn die Cardinals-Defense auch Brady und dessen Offense Line so ins Schwitzen bringen kann, dann wird es Zeit, diese Abwehr ernst zu nehmen. Arizona dürfte im Backfield aber zu wenige Deckungsspieler haben, um die vielen Anspielstationen der Patriots hinreichend abzudecken.
  • Philadelphia – Baltimore. Es hatte was, mit welchen Eiern Flacco auf das Feld ging und im allerersten Play 50yds downfield ging. Die Eagles sind eines meiner Lieblingsteams… wenn dieser Angriff ins Klicken kommt, look out. Spannend, ob das gegen die furztrockene Raven-Defense sein wird.
  • St Louis – Washington. Chris Brown erklärt in einem großartigen und unbedingt zu empfehlenden Beitrag (das ist ein versteckter Lesebefehl!), wie intelligent die Shanahans Griffin III letzte Woche einsetzten. Die Frage wird nun sein: Wie gut können sich die Rams darauf einstellen? Werden die Redskins überhaupt noch einmal diese Serie an Pistol- und Spread-Aufstellungen bringen? Auf der anderen Seite wird von St Louis eine Leistungssteigerung notwendig sein, nachdem vergangenen Sonntag nur viele Interceptions im haargenau richtigen, letztmöglichen Moment eine klare Niederlage in Detroit verhinderten.
    Ach, und: Man vergesse nicht das viele Gefussel Rams/Redskins/RG3. #NFL-Draft_2012
  • Pittsburgh – NY Jets. Wo kann ich dieser gekünstelten Tebowmania aus dem Weg gehen, wenn selbst NFL.com jeden Tag mit neuen Tebow-Stories aufmacht? (Deadspin sammelt fleißig die idiotischsten Tebow-Artikel) Ich möchte mich in diesem Rematch des 2010/11er AFC-Finals auf Football konzentrieren. Danke. (CB Revis wird übrigens wegen Gehirnerschütterung ausfallen)
  • San Francisco – Detroit. Handshake Bowl, die Zweite. Fast ein Jahr nach dem völlig überhypten harten Handgriff Harbaughs sehen sich 49ers und Lions wieder. Bei der Spielweise der beiden Mannschaften rieche ich eine Begegnung mit fuffzehnmal unnecessary roughness und dreiundzwanzig Holdings. Auf der anderen Seite zeigte San Francisco letzte Woche in Green Bay richtig dicke Nüsse und bewegte sogar genüsslich die Eier durch die Lüfte. Jetzt kommt eine ernsthafte Front-Seven.
  • Atlanta – Denver. Beide sind erfolgreich gestartet, aber die Falcons mit QB Matt Ryan haben noch keinen ernsthaften Pass Rush gesehen. Jetzt kommen #92 Dumervil und #58 Von Miller. Auf der anderen Seite wird Peyton Manning auf eine Secondary treffen, die mit CB Grimes den besten Deckungsspieler verloren hat – und Manning warf schon letzte Woche gegen eine vermeintlich bessere Secondary famose Zahlen (8.6 NY/A).

NFL-Woche 2, 2011/12: 19h-Spiele im RedZone Channel (Update Jamaal Charles)

Ich bin seit Tagen etwas angeschlagen, daher kein Liveblogging dieses Wochenende, an dem es den Gamepass zum Gratis-Test gab. Ich habe mal reingezappt und nach anfänglichen technischen Problemen mich schließlich vom „RedZone“-Kanal berieseln lassen. Ich mag solche Konferenzschaltungen nicht, weil man nach den Spielen praktisch erkenntnislos ins Bett geht. Was positiv ist: Man ist immer am Puls des Geschehens und in 3h praktisch keine Schaltung in die Werbung.

Detroit Lions 48, Kansas City Chiefs 3. In der Anfangsphase schienen die Chiefs mit variablem Laufspiel und End Arounds recht gut ins Spiel zu kommen (6 Läufe, 65yds, TD, 98yds rushing im ersten Viertel), aber spätestens nach der Verletzung (Knie?) von RB Jamaal Charles war es um Kansas City geschehen. Und zwar so sehr, dass ESPN.com zwischendurch einen Blogeintrag online hatte, der recht wenig zurückhaltend mit einer Entlassung von Todd Haley spekulierte.

Die Lions hatten lange Zeit Probleme, ihre 3rd downs zu verwerten, als sich ihr maues Laufspiel rächte und viele Pässe incomplete waren. Ab dem Moment, ab dem sich TE #85 Tony Scheffler in der Zone zwischen Safety und Cornerback durchsetzte und einen sehenswerten 38yds-Touchdown machte, war das Spiel gegessen. Während sich auf der einen Seite Matt Cassell Fumbles um Interceptions leistete, marschierte Detroit immer und immer wieder in hervorragender Feldposition startend das Feld runter, und zwar fast immer rein auf die Pass-Combo QB Stafford/WR Calvin Johnson vertrauend.

(Update 23h59: Man hatte es vermuten müssen, so wie die Bewegung aussah. Jamaal Charles wird mit hoher Wahrscheinlichkeit für die restliche Saison ausfallen.)

Tennessee Titans 26, Baltimore Ravens 13. Flacco leistete sich eine hirnlose INT im Schlussviertel, abschließend kickte Baltimore in der RedZone bei 10-23 mit sieben Minuten auf der Uhr ein Field Goal. Wer so mutlos ist, gewinnt keinen Blumentopf. Dagegen war Tennessee recht kreativ, ließ bei 4th down und 1 in der RedZone einen Lauf über außen spielen, mit RB Ringer! Nicht Johnson.

New York Jets 32, Jacksonville Jaguars 3. Jacksonville hat angesichts der hilflosen Offense QB Blaine Gabbert ins Spiel geworfen und erste Impressionen sammeln können. Die Jets auch nicht gerade berauschend, mussten sich lange Zeit mit Field Goals und guter Defense begnügen.

Pittsburgh Steelers 24, Seattle Seahawks 0. Zum Spiel kann ich nichts beisteuern. QB Ben Roethlisberger wurde zwischendurch übel zusammengebogen und man musste sich ernsthafte Sorgen um sein Knie machen. Roethlisberger kehrte aber zurück.

New Orleans Saints 30, Chicago Bears 13. Vom ESPNA-Spiel habe ich praktisch nichts gesehen. Weil die Saints mit den rattenscharfen tiefen Bällen von QB Brees aber bald führten, musste Chicago früh mit dem Werfen beginnen. Resultat: Cutler brachte 19 von 45 Bällen an den Mann, zehn davon an RB Forte. So eindimensional gegen die mäßige Defense der Saints?

Carolina Panthers 23, Green Bay Packers 30. Die Story des Tages ist mal wieder QB Cam Newton, der sich zu fassungslosen 426yds gunslingerte. Am Ende allerdings auch mit 3 INTs. Ich bin allerdings insbesondere bei Newtons tiefen Bällen überrascht, wie genau sie die Abnehmer finden. Das sah in Auburn etwas anders aus. Letztendlich war Carolinas Defense hoffnungslos, als QB Rodgers sich in der Pocket gefunden hatte.

Washington Redskins 22, Arizona Cardinals 21. Auch hier ein wildes Schlussviertel. WR Fitzgerald brachte die 21-13 Führung mit einem langen Touchdown, wo Fitzgerald ca. 30m keinen Verteidiger in der Nähe hatte. QB Grossman dirigierte die Redskins zurück, ehe am Ende ein Fumble der Cardinals das Spiel entschied. Überraschend die vielen leeren Plätze im Stadion.

Indianapolis Colts 20, Cleveland Browns 27. Wir wissen nun, dass auch das Publikum in Indianapolis laut und deutlich buhen kann.

Minnesota Vikings 20, Tampa Bay Buccs 24. Meine Rübe, wie viele Führungen wollen die Vikings noch verschenken? Letzte Woche ein 10-0, heute ein 17-0! Unter Tampas Comeback war ein Onside Kick-Call früh im dritten Viertel, dazu aber auch eine INT gegen QB Freeman in der EndZone. Dass Minnesota trotzdem verlor, kann man dem extrem unrhythmischen Passspiel der Vikes zuschreiben. Ist Donovan McNabbs Zeit tatsächlich abgelaufen?

(Edit: Habe nachträglich das Ergebnis ausgebessert. MIN machte natürlich ein FG in der zweiten Hälfte.)

Buffalo Bills 38, Oakland Raiders 35. Das Spiel des Tages. Kein Witz. Die Bills waren bereits 18 Punkte zurück, verschossen ein Field Goal, ehe RB Fred Jackson mit einem Energieanfall – einem fantastischen Lauf – den Input zu einem fulminanten Comeback gab. Es gibt wenige Franchises, es geht kaum ein Heimpublikum, dem ich solche – mit Verlaub – geilen Siege mehr vergönne als Buffalo. Im Schlussdrive verwertete Buffalo ein 4th down mittels eines Catches von WR Jones in Doppeldeckung, der Touchdown 14sek vor Schluss war ein einfacher, WR Nelson in der Mitte bei einem Slant weit offen. Der letzte Spielzug war eine Hail Mary in die Endzone, die CB #25 Da’Norris Searcy abfing.