Free Agency 2019 – Tag 1: Die Hauptpreise sind bereits vergeben

Erster Tag der Tampering-Periode ist zwei Tage vor Liga-Start. Das heißt in NFL-Sprache: Die Hauptpreise der Free Agency sind seit gestern / heute Nacht bereits vergeben. Ein Blick auf die wesentlichsten Moves. Weiterlesen

Divisional Playoffs 2018/19 – Sonntagsvorschauer

In New England ist alles so wie immer, nur die Narrative der Außenstehenden ändern sich. Nachdem vor ziemlich genau einem Jahr der gesamte Patriots-Komplex angeblich bereits implodiert war, konnten die Medien in dieser Saison zwei Gänge runterschalten und Brady-wird-alt-Geschichten schreiben. Gab ja auch genügend andere coole Stories in dieser Saison. Nach dem Tageslichtspiel um 19.05Uhr wird ab 22.40Uhr zum Beispiel die Story des letzten Jahres weitergeschrieben. Weiterlesen

Philadelphia Eagles in der Sezierstunde

Zweifellos eine der spektakulärsten Mannschaften des Jahres waren die Philadelphia Eagles: Ihre erste Saison unter dem neuen Head Coach Chip Kelly endete in einem Divisionssieg und einer knappen Playoff-Niederlage – was deutlich mehr war als erwartet. Alle Befürchtungen von wegen „Chips Offense funktioniert in der NFL nicht“ wurden vorerst auf Eis gelegt. Im Gegenteil: Chips spektakuläre und manchmal unkonventionelle Spielweise begeisterte die Fans quer durch das Land, obwohl der Inbegriff des aufregenden Quarterbacks, Michael Vick, sogar nur eine Handvoll Spiele absolvieren konnte ehe er sich mal wieder auf die Verletztenliste verabschiedete.

Überblick 2013

Record        10-6    WC
Enge Spiele    4-2
Pythagorean    9.3    11
Power Ranking  0.693   5
Pass-Offense   7.3     3
Pass-Defense   6.6    22
Turnovers      +12

Management

Salary Cap 2014.

Das Positive an den Eagles: Sie waren in Pass-Offense (7.3 NY/A, #3 der Liga) und Lauf-Offense (49% Success-Rate, #1) unter den absolut effizientesten Mannschaftsteilen. Vorsicht ist aber in gewisser Hinsicht geboten: Die Turnover-Ratios sind sowohl für Interceptions als auch für Fumbles so abstrus gering, dass sie nicht zu halten sein werden, selbst für ein Team, dessen Headcoach seinem Team einbläut nur ja nie den Ball aus dem Fokus zu verlieren.

Auf der anderen Seite übertraf in Philadelphia auch die Defense die – allerdings niedrigen – Erwartungen. Aber „übertreffen“ liest sich immer noch mickrig: 6.6 NY/A gegen den Pass und 56% Erfolgsquote gegen den Lauf sind jeweils nur die 22t-beste Werte ligaweit. So ganz nachvollziehbar ist Chips Systemwechsel auf eine 3-4 Defensive-Front auch nach dem Jahr eins noch nicht.

Beginnen wir in der Offense.

Michael Vick war nie als Langzeitlösung gedacht, und entsprechend wurde er nach Saisonende auch ziehen gelassen. Entgegen kam den Eagles dabei der Fakt, dass Vicks Zögling, Nick Foles, trotz seines so fassungslos konträrem Spielstil einen so erfolgreichen Einstand als Mann am Ruder hatte: Foles brachte in der weiten Spread-Offense 226 von 350 Pässen an den Mann (64% Completion-Rate) für – Achtung! – durchschnittlich 7.6 NY/A (Sacks inklusive). Das sind monströse Werte.

Nun gibt es durchaus einige Warnsignale bezüglich Foles. Die erste ist die nicht zu haltende INT-Rate von 2 Fehlpässen in 350 Versuchen. Eine 0.6%-Rate über mehr als eine Saison zu halten wäre einmalig in der NFL-Historie. Foles‘ Workload in der abgelaufenen Saison war dann auch prinzipiell mit 350 Pässen nur etwas mehr als eine halbe Saison nach heutigem Standard… man sollte also Foles Fähigkeit, Interceptions zu vermeiden nicht überbewerten beim Blick auf die Zukunft.

Das andere Problem ist die zum Teil berechtigte Frage, ob Foles nicht ein Produkt des Systems in Philadelphia ist, der viel gescholtene System-QB. Natürlich muss ein Quarterback erst einmal alle ihm zugeteilten Aufgaben soweit erfüllen, dass dabei 7.6 NY/A herausspringen, aber es sind bei Foles durchaus noch lange nicht alle Fragen beantwortet. Mit einem nur durchschnittlichen Wurfarm darf man sich schon noch wundern, ob man mit ihm seine ganze Latte an Plays auspacken kann, oder ob man darauf beschränkt wird, den Pass als ergänzendes Element zum Lauf zu interpretieren.

Für 2014 hat sich Foles gewiss die Chance mehr als verdient. Als seine neue Nummer 2 wurde der in New York gefloppte Mark Sanchez geholt, ein Mann mit zumindest physisch sehr guten Voraussetzungen. Die Nummer 3 bleibt wohl erstmal Matt Barkley, dessen Kurzeinsätze als Debütant jedoch nicht viel Gutes erwarten ließen.

Foles wird im Draft 2014 mit hoher Wahrscheinlichkeit einen neuen Top-Wide Receiver zur Seite gestellt bekommen: Diese Position ist seit der Entlassung von DeSean Jackson letzte Woche vakant. Jackson war nie „der“ unumstrittene Schlüsselspieler vom Schlage eines Calvin Johnson, aber er war mit seiner Explosivität und seinem Näschen für die 70yds-Catches stets der Mann, der wie kein anderer die Eagles-Offense in die Länge zu ziehen vermochte. Jackson wurde wegen Verdachts auf Beziehungen zu den Straßengangs der atlantischen Megalopolis vom sehr auf Disziplin bedachten Kelly gefeuert; er scheint zumindest nicht wichtig genug gewesen zu sein um seine gelegentlichen Aussetzer sowie die potenziellen Störungen durch die Rapper-Community zu überstrahlen.

Vielleicht war Jackson auch mit seinen knapp 10 Mio/Jahr zu teuer. Die Eagles haben zwar noch Cap-Space, aber sie werden in absehbarer Zeit einige Eckpunkte auf anderen Positionen mit neuen Verträgen ausstatten müssen – und möglicherweise war die Rapper-Story ein willkommener Anlass um einen sehr guten, aber nicht sensationellen und nicht billigen Offensivspieler loszuwerden. Auf der WR-Position könnte Chip durchaus Selbstvertrauen genug haben, um dank „seinem“ System auch mit billigeren Alternativen durchzukommen.

Philadelphia gehen mit Jackson nicht bloß 25% der gesamten Anspiele der Mannschaft, 85 Catches für 1385yds, 9 TD und 41% tiefe Anspiele verloren, sondern auch ein exzellenter Returner. Es gilt, diese Eigenschaft zu ersetzen, ob in der ersten oder zweiten Runde des Drafts.

Auch der heiß geliebte Jason Avant wurde entbehrlich. Dafür bekam Riley Cooper eine Vertragsverlängerung um fünf Jahre (25 Mio. Dollar Gesamtwert). Es scheint sich zu bewahrheiten, was ich letztes Jahr unter Protesten der anderen in der Big-Show raushaute: Die Zeit heilt die Wunden. Cooper („I will fight every nigger out there“) schaffte mit hohem Arbeitsethos eine Resozialisierung und spaltete entgegen der Befürchtungen nicht den Kader. Cooper ist aber trotz seiner sehr guten Zahlen kein Mann um den du deine Offense gebaut haben möchtest; er ist ein guter Ergänzungsspieler als Nummer 2 oder 3.

Eine etwas andere Art von Ergänzungsspieler ist der frisch aus New Orleans eingekaufte Alleskönner Darren Sproles, mit mittlerweile 30 Lenzen nicht mehr der Allerjüngste, aber noch immer effizient. Ich habe das Gefühl, Kelly holte sich Sproles weniger als Ballträger (dort ist man hervorragend besetzt), sondern mehr als eine Art verkappter Slot-WR, ein beweglicherer Vereen für die kurzen Checkdowns aus dem Backfield heraus, um dem Quarterback so oft wie möglich eine Sicherheitsoption zu geben und die Defense automatisch gedanklich in der Nähe der Anspiellinie zu halten.

Die Schachfigur Sproles verlangt aber immer noch nach einem deep threat, das ja nun mit Jackson abhanden gekommen ist. Der Rest der Skill-Positionen kann mit Breit-Grinsen abgehakt werden: WR Maclin konnte „dank“ dessen Verletzung spottbillig für einen Einjahresvertrag gehalten werden; Tight Ends passt in Philadelphia; Running Back passt sogar sehr gut – der explosive RB McCoy passt mit seinem hasenfüßigen Spiel wie Arsch auf Eimer in diese so gern im offenen Spielfeld operierende Offense, und auch sein Backup RB Brown ist kein Schlechter.

Wo es nach aktuellem Erkenntnisstand weder in der Spitze noch in der Breite Nachholbedarf gibt: Offensive Line, die nach den Idealen des Chip Kelly zusammengestellt ist – groß, kräftig, bullig. „Aktueller Erkenntnisstand“ ist aber so eine Sache und gilt nur für die Annahme, dass der OG Evan Mathis es mit seinem Holdout nicht auf die Spitze treiben will und einen ernsthaften Vertragsstreit provozieren möchte.

Mathis ist ein Guard, der lange Zeit als verkannter Ergänzungsspieler durch die Liga tingelte, und erst mit 30 Frühlingen auf dem Buckel in Philadelphia eine Bleibe fand. Unter Andy Reid entwickelte er sich dort zu einem sehr verlässlichen Stammspieler; Pro Football Focus sieht in Mathis sogar seit Jahren den um Lichtjahre besten Spieler auf seiner Position. Mathis unterschrieb erst vor zwei Jahren einen langfristigen Vertrag – insofern kommt seine schnelle Forderung wie Aasgeier ins Land. Andererseits. Mathis kann mit 33 nicht hoffen, in weiteren zwei Jahren noch einmal einen Lebensvertrag abzuschließen. Zweiseitiges Schwert mit offenem Ausgang.

Diese Diskussionspunkte um die Offense sind Luxusprobleme verglichen mit der Defense von DefCoord Billy Davis, die guten Gewissens das Label „Baustelle“ verdient. Wie schon geschrieben, sie hielt sich etwas besser als befürchtet.

Der bessere Teil war die Arbeit gegen den Lauf: Philadelphias Front ist weniger aggressiv denn mitdenkend. Man schießt nicht sofort die Gaps mit acht Mann zu, sondern wartet erst einmal, wie sich der Spielzug entwickelt. Das funktionierte streckenweise gut genug. Dagegen schnappte die Pass-Defense als Unit nie so richtig.

Das erste Problem gingen die Eagles schon in der Free-Agency an: Safety. Es wurde zwar keiner der ganz großen Namen wie Ward oder Byrd geholt, dafür aber für durchschnittliche Moneten der Free-Safety der Saints, Malcolm Jenkins (3 Jahre, 16 Mio, 8.5M guaranteed). Jenkins ist ein Upgrade über alles an Safetys, was die Eagles seit Jahren hatten, und er ist als gelernter Cornerback einer mit Fokus auf die tiefen Zonen des Feldes. Jenkins gilt zwar nach wie vor als Enttäuschung gemessen an seinem Status als ehemaliger 1st-Rounder und er soll nicht immer sicher tackeln, aber er dürfte zumindest Stabilität in die schlimmste Zone der Eagles bringen.

Möglicherweise reicht ein Jenkins noch nicht. Möglicherweise braucht es via Draft noch einen zweiten, und relativ sicher ist, dass auch Cornerback zumindest keine Position ist, auf der man sich nicht noch nach potenziellen Upgrades umschauen sollte.

Die Front-Seven ist der eher stärkere Part der Eagles-Defense, auch wenn sie nicht kritikfrei ist. Eines der Probleme ist noch immer das 3-4 System, das eher deplatziert wirkt… oder das Spielermaterial ist deplatziert… auf alle Fälle wirkt das ganze noch nicht so kongruent.

Nose Tackle ist der untersetzte, aber quicke Bennie Logan, der als Rookie gar keine so schlechte Figur gemacht haben soll. Als seine Nebenleute agieren der famose Jungspund Fletcher Cox (spielte meistens die rechte Seite 3-4 End) und Thornton, nachdem der Hüne DE Gaethers ziehen gelassen wurde.

Die beiden Inside Linebacker hinter der Line sind DeMeco Ryans und Mychal Kendricks. Vor allem von Kendricks verspricht man sich noch mehr. Er soll tendenziell den Weakside Linebacker für einhundertsiebzig Tackles pro Saison geben, aber Kendricks (Draftklasse 2012) ist noch immer in der Einlernphase. Ryans genießt noch einen guten Ruf, weil er vor vielen Jahren mal Defensiv-Rookie des Jahres in Houston war, aber unterschwellig versuchte man ihn schon zu ersetzen – passiert ist das noch nicht, weil die Prioritäten erstmal noch andernorts lagen. Für’n Fall, dass Ersatz gefunden wird: Ryans könnte ohne dead money entlassen werden, und dann würden die Eagles gut 7 Mio. einsparen.

Sehr fraglicher Punkt sind die Edge-Rusher: Trent Cole sagte man eine sehr gute Saison nach, aber Cole ist jenseits der 30er-Marke und hatte zuvor nicht mehr immer geglänzt. Der andere OLB Barwin gilt nicht als Mann für sehr viel Passrush. Und dann ist da noch OLB Brandon Graham, erst vor wenigen Jahren ein 1st-Rounder der Eagles, der aber nie so recht eingeschlagen ist – und auf der anderen Seite immer wieder genügend Potenzial andeutet, dass man ihn nicht zum Teufel jagen möchte. Graham ist vom Spielstil her kein klassischer Outside Linebacker, und manch einer würde den Eagles doch raten, Graham an ein 4-3 Team zu verkaufen um noch den einen oder anderen Draftpick Gegenwert zu erhalten, bevor es nächstes Jahr zu spät ist.

Rein auf die kommende Saison gerichtet brauchen die Eagles noch relativ dringend:

  • Einen Cornerback mit Kaliber zum Stammspieler.
  • Zumindest noch einen sehr schnellen Wide Receiver für die längeren Routen.
  • Einen weiteren Safety.

Sollte es das Moment im Draft hergeben und das „richtige“ Talent griffbereit liegen, kann man in Philadelphia durchaus auch mit einem Auge auf die Positionen Outside-Passrusher und Inside Linebacker schauen um auch schon einen mittelfristigen Fokus in den Laden zu bringen. Chip Kelly wird das sowieso tun. Er liebt es, auf allen Positionen Konkurrenzkampf zu schüren, und könnte durchaus für die eine oder andere Überraschung zu haben sein.

Vor dem Wild Card Weekend 2013/14 am Samstag: Philadelphia Eagles – New Orleans Saints Preview

Das Nachtspiel heute (ab 02h10 live im Gamepass und bei SPORT1 US) ist ein extremst leckeres für die Verhältnisse eines Wildcard-Weekends: Die Philadelphia Eagles (10-6), Sieger der NFC East, empfangen im Lincoln Financial Field die New Orleans Saints (11-5). Es ist ein Spiel, in dem winterliche Verhältnisse erwartet werden, mit Temperaturen in den Minusgraden (Celsius-Skala) und möglicherweise leichtem Schneefall.

Philadelphia zuhause und Schneefall? Check, das hatten wir schon. New Orleans auswärts? Das ist eine Geschichte, die in den Staaten derweil rauf und runter diskutiert wird. Die Saints sind im eigenen Superdome eine Macht mit einer Offense, die in schöner Regelmäßigkeit 4-5 Touchdowns über den Gegner drüberstreuselt und die Spiele in Blowouts ausarten lässt. Die Saints auswärts haben Mühe, überhaupt ihre Spiele zu gewinnen: Sie sind dieses Jahr 3-5. Zu Hause? 8-0. Dieser Split ist zwar zu krass um uneingeschränkt so stehen gelassen zu werden: Es gab zuhause (Falcons, 49ers, jeweils Siege) wie auswärts (Panthers, Patriots, jeweils Pleiten) jeweils wilde Spiele, die im allerletzten Play entschieden wurden. Lass drei Plays anders ausgehen und die Welt sieht schon anders aus.

Allerdings ist der Home/Away-Split bei den Saints schon real: Zuhause macht die Pass-Offense um die QB-Legende #9 Drew Brees sensationelle 8.3 NY/A im Passspiel, während Brees und Co. auswärts nur 6.2 NY/A zustande bekommen. Das ist ein nennenswerter Unterschied, und bei jeweils über 320 Versuchen auch einer, der dem Zufallstest standhält. Heim und Auswärts sind bei den Saints also real, zumindest in dieser Saison 2013/14, wenn auch wohl gern überschätzt.

Also: Kaltes Wetter, zwei Sensations-Offenses. Zwei tolle Coaches. Wie gemacht für ein Klassespiel.

Wenn die Eagles den Ball halten

Die Eagles sind eine famose Mannschaft. Sie haben die #1-Offense nach meinem Power-Ranking. Sie haben den Übergang vom passfreudigen Head Coach Andy Reid zum Innovator [1][2][3] und Fetischist der Spread-Run Offense Chip Kelly fast nahtlos hin bekommen; es gab einige Spiele, in denen es nicht „lief“, aber sie blieben letztendlich die Ausnahme.

Die Eagles spielen eine äußerst ästhetische Offense, die zumindest bisher nicht als „fraud“ (Blender) enttarnt werden konnte. Gebaut um eine massierte Offense Line, die als wie gemacht fürs Lauf-Blocking aussieht, legen die Eagles-Backs in 500 Versuchen sensationelle 2566yds und 19 Touchdowns am Boden hin (5.1yds/Carry) – bei einer selten gesehenen Success-Rate von 49%. Das heißt: Fast die Hälfte der Laufspielzüge endet in einem „Erfolg“ (Erfolg wird hierbei definiert als „meine erwartete Punktzahl aus dem Drive ist nach Ende des Spielzugs höher als vor dem Snap“). Der Ligaschnitt ist 40.7%. Die Standardabweichung ist 3.9%. Die Eagles-Runningbacks sind 2.16 Standardabweichungen erfolgreicher als der Ligadurchschnitt. Sensationell.

Keine Mannschaft setzt mehr read option ein als Philadelphia: ESPN hat eine Studie veröffentlicht, nach der die Iggles 304 der 500 Run-Plays als read option ausgeführt haben, für 1725yds (5.8yds/Carry). New Orleans kennt dieses Spielsystem fast gar nicht, wurde bei den wenigen Downs dieses Jahr dabei für fast 6yds/Carry überfahren.

Chip Kelly konnte auch sein atemberaubendes Tempo mit in die NFL transferieren: Die Eagles erzielen mit 33yds/Drive die sechstmeisten Yards pro Drives und mit 2.12 Punkten die achtmeisten Punkte der Liga, aber ihr durchschnittlicher Drive konsumiert ganze 2:06 Minuten, mit weitem Abstand die #32 der Liga. Speed, Speed, Speed.

Der Superstar ist RB #25 LeSean McCoy, der wenn er halbwegs Lücken bekommt, jede Defense im offenen Feld auseinander zu nehmen imstande ist. Kriegt McCoy Lücken, ist er nicht zu bremsen. Kriegt er keine, ist er der klassische boom or bust-Back. Die Saints haben eine relativ durchschnittliche Lauf-Defense, was für sie ein Kompliment ist, aber sie haben ein System wie jenes der Iggles noch nicht gesehen.

Der Hidden-Champ bei den Eagles ist der junge QB #9 Nick Foles, ein Mann in seinem erst zweiten Jahr. Lange hatte ich Foles als hüftsteifen Werfer verspottet, aber Foles macht, seit er für den verletzten Michael Vick eingewechselt wurde, einen bockstarken Job und fabrizierte eine Saison zum Speichel ablecken: 64% Completion-Rate, 7.9 NY/A, nur 2 INTs in zehn Spielen (bei 27 TD). INTs sind eine volatile Statistik, aber Foles bewies durchaus die Nerven, unter Druck lieber den Ball ins Aus zu werfen als allzu viele Hochrisiko-Bälle abzufeuern. Das einzige, was Chip Kelly an Foles hassen dürfte, ist seine Tendenz, Sacks zu kassieren: 28 Sacks (8.1% Sack-Quote) sind eher überdurchschnittlich, und dürften bei einem Coach, der alles erlaubt nur keine Spielzüge für Negativ-Yards, nicht auf allzu viel Gegenliebe stoßen.

Was können die Saints dagegen ausrichten? Sie haben sich innerhalb eines Jahr von einer der schlechtesten Pass-Defenses ever zu einer richtig guten Abwehr gewandelt, und lassen nur 5.6 NY/A zu – ein Top-10 Wert in der heutigen NFL. Das kommt, wenn man DefCoord Spagnuolo gegen den aktuellen DefCoord Rob Ryan austauscht. Ryan gilt als aggressiver Coach, der gerne mal verstärkten Druck bringt. Das verlangt von der Secondary zusätzliches Standvermögen. Die Saints hatten das heuer oft… aber jetzt ist mit dem Rookie-Safety Kenny Vaccaro der Schlüsselspieler out for the season. Kelly reibt sich gewiss schon die ganze Woche die Eier, was er mit Vaccaros Backup Roman „wandelnder Deckungsfehler“ Harper anstellen wird.

So sehr man die Saints-Defense zu schätzen gelernt hat: Es wäre eine Überraschung, wenn sie ohne zusätzliche Leute in der Box die massive Eagles-OL und das Laufspiel abwürgen könnte – und das ist notwendig, wenn du nicht gegen den Pass blank stehen willst.

Wenn die Saints den Ball haben

Die Saints von Head Coach Sean Payton sind kein Geheimnis in der Offense: Sie werfen, und zwar viel. Drew Brees überbot mal wieder die 5000er-Marke und beendete die Regular Season mit 650 Passversuchen und 5162yds für 39 TD und nur 12 INTs (7.1 NY/A). So wenige INTs wirft Brees nicht immer; Brees gehörte stets zu den QBs, die gerne mal überziehen und für einen tiefen Raumgewinn schon mal einen Turnover riskierten. Nicht so 2013. Einiges davon könnte allerdings glücklichen Fügungen zugeschrieben werden.

Das Saints-Passspiel ist nicht unbedingt ein sonderlich vertikales (nur 18.6% der Pässe gehen über 15yds von der Anspiellinie), aber es ist tödlichst präzise: 68.6% Completion-Rate für Brees, und das ist für ihn nicht die allerbeste Saison. Die Anspielstationen sind extrem breit gestreut: Der Schlüsselspieler „Tight End“ (eigentlich WR) #80 Jimmy Graham macht 86 Catches für 1215yds und 16 TD. Graham ist kein guter Blocker und ehrlicherweise ein verkappter Wide Receiver. Ein ähnlicher Spielertyp ist #12 Marques Colston, der auch meistens in der Spielfeldmitte operiert (75 Catches, 943yds). Dazu kommen aus dem Backfield die fangstarken RB #23 Thomas (77 Catches, fällt heute aber aus) und der Irrwisch #43 Darron Sproles (71 Catches), der häufiger als Passfänger denn Ballträger eingesetzt wird. Die richtigen Wideouts im Saints-System sind mit Moore, Rookie Stills und Meachem eher austauschbare Leute.

Die Eagles dürften dagegen Probleme haben: Ihre Linebacker gelten als zu langsam, mit Ausnahme der #95 Mychal Kendricks, der viele lichte Momente hat, aber dann immer wieder gern mal überzieht und seine Defense verbrennt. Das Defensive-Backfield ist bestenfalls „unterer Durchschnitt“, wobei das Problem für die Eagles vornehmlich bei den Safetys zu finden ist, wo wohl ein Mann wie Pat Chung heute starten muss.

Allerdings gibt es ein gutes Matchup für die Eagles: Die OLBs #58 Cole und #98 Brandon Graham gegen die Offense Tackles der Saints, die schon das ganze Jahr eine Sollbruchstelle stellen. New Orleans musste vor Saisonbeginn den teuren LT Bushrod ziehen lassen, und hoffte, mit LT Charlie Brown und/oder dem Rookie #71 Armstead wenigstens akzeptablen Ersatz im Kader zu haben – aber beide erwiesen sich als unzuverlässig oder richtiggehend überfordert. Wenn Cole und/oder Graham ihre Matchups dominieren, könnte Brees schneller als gewollt unter Druck kommen.


Die Quoten stehen 2.5pts pro Eagles. Mein Power-Ranking gibt den Eagles zuhause eine 53%-Chance zu gewinnen. Es läuft also auf ein knappes Spiel hinaus. Die Auswärtsschwäche der Saints halte ich aus beschriebenen Gründen für real, wenn auch von vielen überschätzt. Ich traue Brees und Co. aber auch im kalten Philadelphia zu, ihr Kurzpassspiel aufzuziehen und eine schnelle Führung zu erspielen, die die Eagles unter Druck setzt.

Die Eagles sind es gewohnt, mit einer Führung zu spielen; dann können sie ihr Laufspiel geduldig aufziehen. Dann kann Nick Foles seine risikolose Offense spielen. Aber was passiert, wenn die Eagles schneller werfen müssen als gedacht? Es gab in mehreren Phasen dieses Jahr Momente, in denen die Iggle-Offense für 2-3 Drives in der zweiten Halbzeit out of sync war, nix aber auch gar nix zustande brachte. Passiert dir das gegen Arizona, okay. Dann kriegste in der Zwischenzeit vielleicht 3 oder 6 Punkte eingeschenkt. Gegen Brees riskierst du 10-14 Gegenpunkte in solchen Phasen.

Wegen des Heimvorteils und wegen des suspekten Defensive Backfields bei den Saints gebe ich den Philadelphia Eagles trotzdem einen leichten Vorteil.

Bohrer gegen Brunos – wenn der Süden des Westens zum offenen Scheunentor verkommt

ESPN America wirbelt zurzeit (baseballbedingt?) zu häufig seinen Sendeplan durcheinander, als dass es aktuell Sinn machen würde, mehrere Tage im Voraus Übertragungen aufzulisten. Daher wird es vorerst nur mehr „Day-to-day“ geben, da ich nicht über die Zeit und Möglichkeit verfüge, täglich oder halbtäglich die Pläne zu überprüfen und überarbeiten. Das Spiel von heute (Stream) bzw. morgen (TV):

Arizona Wildcats vs. UCLA Bruins

Do/Fr 03h LIVE im kostenpflichtigen ESPNPlayer
Fr, 16h Tape bei ESPN America
Sa, 12h Tape bei ESPN America

Für die Arizona Wildcats wird es nach der Entlassung von Head Coach Mike Stoops die Premiere des Interimstrainers Tim Kish sein. Kishs Vita: Linebackers-Coach vor zwei Jahren, Co-DefCoord letztes Jahr, seit heuer alleinverantwortlicher DefCoord der Wildcats. Nun… werfen wir einen Blick auf die Statistiken Arizonas:

Auf 291yds Passspiel/Partie, 8yds/Pass und 74% Completion Rate legen gegnerische Offenses noch mal 196yds Laufspiel/Partie drauf, was sich bei drei Sacks in sechs Spielen auf durchschnittlich 37,5 kassierte Punkte pro Partie summiert. In Worten: siebenunddreißigkommafünfprospiel. Zugegeben: Die Wildcats hatten im Schedule heuer bis dato #4 Oklahoma State, #8 Stanford und #10 Oregon, also nicht gerade die lauesten Lüftchen des Westens. Trotzdem bleibt die Abwehrschwäche frappierend, wenn sogar das durchschnittliche USC 468yds Passspiel über diese Defense legt.

Nun also Kish als Head Coach.

Nicht alles ist verloren. Die Wildcats verfügen um den potenziellen Erstrundenpick QB Nick Foles einen gewaltigen Spread-Passangriff, der 375yds/Partie eigenhändig produziert. Dumm ist höchstens, dass der zottelige Foles nicht alles allein machen kann, nachdem hinter einer furchtbaren Offensive Line jegliches Laufspiel abgewürgt wird.

Siewolltennocheinenfrappierendenstathören?

Bitteschön: Arizonas Kicking Game ist so ziemlich das furchtbarste, das ich im Football bisher kennengelernt habe – fünf verschossene P.A.T. (!!!) und nur 2/6 verwandelte Fieldgoal-Versuche in sechs Spielen, nachdem man bereits den dritten Kicker verschlissen hat. Das ist sagenhaft und vielleicht sollte man mal beim heutigen Gegner UCLA nachfragen. Dort trainiert mittlerweile der ehemalige Cheftrainer des Universitäts-Fußballteams die Special Teams – mit Erfolg.

Bei den UCLA Bruins ist trotzdem nicht eitel Sonnenschein, trotz einer überraschend positiven 3-3 Bilanz. Head Coach „Slick“ Rick Neuheisel, ein Dampfplauderer vor dem Herrn, spricht tagtäglich vom Finale in der Pac-12 Finale, bekommt zeitgleich täglich aktualisierte Eintages-Verbleibsgarantien als Head Coach („his status is day-to-day“), während die heimische Rose Bowl von Woche zu Woche leerer wird und in der gigantischen Schüssel von Pasadena zuletzt kaum 40.000 für Totengräberstimmung gesorgt haben.

UCLA wird wie Arizona von einer schlechten Abwehr gehandicappt, deren Hauptproblem eine verletzungsgeschwächte Secondary ist. Gegenmittel: Im Angriff soll nach Kräften gelaufen werden, um dem Gegner Chancen zum Punkten zu nehmen. Die Running Backs produzieren dann auch annehmbare Stats, wie auch der dauerangeschlagene QB Kevin Prince, der nach etlichen Knochenbrüchen immer noch aufläuft und mit voller Wucht in die Linebackers kracht. Seine Ankündigung, auch gegen Arizona munter weiterzuscrambeln, grenzt an vorsätzliche Selbstverstümmelung.

UCLA muss aufpassen: Backup-QB Richard Brehaut liegt mit gebrochenen Beinen noch wochenlang im Spital, sodass Prince’ Ersatzmann heute ein Freshman wäre, der noch keine einzige Spielsekunde am College absolviert hat.

Und es wäre ja nicht so, dass es um nichts geht: UCLA hat in der Pac-12 eine 2-1 Bilanz zusammengezimmert, könnte in der Süd-Division also tatsächlich eine kleine Sensation und den Einzug ins Endspiel gegen Oregon/Stanford schaffen, nachdem bis auf Arizona State alle andere Gegner noch sieglos (Utah, Colorado, Arizona) oder die Saison außer Konkurrenz (USC) bestreiten.

Für die Wildcats ist das Hauptziel, nach fast einem Jahr mal wieder gegen einen Gegner aus der Football Bowl Subdivision zu gewinnen, nachdem man zuletzt neunmal in Serie abgeschlachtet wurde (einziger Saisonsieg heuer gegen ein FCS-Team). Der letzte Sieg über eine FBS-Mannschaft datiert aus dem vergangenen Oktober, ein 29-21 über… erraten, UCLA.