Notizblock NFL Woche 12: Patriots@Eagles, Giants@Saints

New England Patriots (7-3) @ Philadelphia Eagles (4-6) [Gamecenter][Gamebook]

Komprimierte nachträgliche Betrachtungen zum Spiel:

Julian Edelman ist jetzt ganz offiziell der Nachfolger von Troy Brown. Er startete wieder als Nickel-Corner, spielt WR in der Offense und Punt Returner. Das größte Problem für die Eagles war die Mitte der Verteidigung. Beinahe jeden Paß hat Brady zu Welker/Gronk/Branch/Hernandez geworfen, wenn sie von einem LB oder Safety verteidigt wurden. Es fehlt natürlich das individuelle Talent auf diesen Positionen, aber individuelle Schwächen kann man immer mit taktischen Mitteln ausgleichen; aus irgendeinem Grund sind die Eagles dazu nicht willens oder in der Lage, das trifft den DC Juan Castillo genauso wie HC Andy Reid (dessen Kopf von den Fans schon im Stadion gefordert wurde). CB Nnamdi Asomugha hat nicht mal jeden zweiten Snap gespielt (angeschlagen) und dann meistens im Slot gegen Gronkowski. Bei den Patriots hat mit Ryan Wendell jetzt schon der 3rd-string Center gespielt (nach Koppen ist jetzt auch Connolly verletzt) und in der zweiten Hälfte hat Nate Solder als RT Sebastian Vollmer ersetzt, der – mal wieder – viel schwächer gespielt hat als letztes Jahr. Das wird aber wahrscheinlich mit seinen Rückenproblemen zusammenhängen. Später, als das Spiel gelaufen war, hat auch Rookie Marcus Cannon (der mit dem Tumor) als RT gespielt und Solder auf links.

Auf der anderen Seite hatte Vince Young zwar am Ende irgendwie für 400 Yards gepaßt, aber trotzdem ein schlechtes Spiel gemacht. In einigen Situationen hatte WR Jackson seinen Verteidiger klar geschlagen, aber durch furchtbare Pässe wurde das nicht ausgenutzt und führte in einem Fall sogar zu einer Interception, in einem anderen zu einem FG statt TD. Die Interception hatte Antwaun Molden, der mit CB Kyle Arrington, DB Julian Edelman, S Sterling Moore und S James Ihedigbo das bildete, was bei anderen Teams die Secondary ist. Die Verteidigung der Patriots scheint unter der Woche nichts anderes zu trainieren als 3rd-Down- und Red-Zone-Defense. „Between the 20s“ könnten sie wahrscheinlich nicht mal ein Lingerie Football Team stoppen, aber irgendwie schaffen sie es immer wieder keine Punkte zuzulassen. Nur zehn Teams in der ganzen NFL haben weniger Punkte zugelassen als New England. Really. Völlig unverständlich war, daß RB McCoy nur zehn Carries bekommen hat. Angeblich kam es an der Seitenlinie dann auch zu einer Auseinandersetzung zwischen OC Marty Mornhinweg und DL-Coach Jim Washburn, der ersteren gefragt hat, ob er noch ganz dicht ist (sinngemaß), dann gabs wohl ´ne kleine Kabbelei und die beiden mußten getrennt werden.

New York Giants (6-4) @ New Orleans Saints (7-3) [Gamecenter] [Gamebook]

[inactives: RB Bradshaw, WR Manningham, LT Beatty, LB Boley; RB Ivory, LB Vilma]

– erster Drive Saints: Fake-FG-Versuch; der Paß von QB Chase Daniel kommt zwar an, reicht aber nicht für ein 1st Down, weil zu viele Giants aufmerksam genug waren

– erster Drive Giants: Eli Manning führt NY recht problemlos das Feld runter, aber in der Endzone macht Backup-LB Will Herring eine großartige Interception gegen TE Jake Ballard

– die Giants-D hat mit NOs Pass Attack alle Hände voll zu tun und vergißt darüber, die RBs zu verteidigen; 2nd Drive: TD Lance Moore

– auch der zweite Giants-Drive ist lang und zeitfressend, aber bis jetzt sind nur 3 Punkte dabei rausgesprungen; beide Verteidigungsreihen finden kein Mittel gegen die starken Angriffe

– NO spielt in der ersten Hälfte fast ausschließlich (außer in Nickel-/Dime-Situationen) ihre 3-4-Base-Defense; nicht, daß man das noch nie gesehen hätte, aber komisch, weil sie in den Spielen, die ich bis jetzt gesehen habe, immer locker durchgewechselt haben zwischen 3-4 und 4-3

– Q2/2:21: im vierten Drive macht NO den zweiten TD; NY findet kein Mittel gegen Brees und RB Daren Sproles

– Q2/0:35: TD Lance Moore, dritter TD von Brees; am Ende zählen nur die Punkte auf dem Scoreboard: die Saints hatten vier gute Drives und 21 Punkte; Giants kamen mit allen fünf Drives bis in New Orleans´ Hälfte und haben nur 3 Punkte

2nd Half

– Q3/10:49: Eli spielt jetzt auch noch ohne WR Nicks (Manningham vor schon vorher raus); das macht ihm aber gar nichts und schon in der ersten Serie der zweiten Hälfte kommt NY nochmal ran auf 10-21

– die Giants-D ist völlig hilflos: die Safeties können nicht tacklen, die LBs können Pässe über die Mitte/kurz hinter die LOS nicht verteidigen und die DL kann Brees nicht unter Druck setzen; nach dem Anschlußtouchdown von NY marschiert Brees mit seiner Offense genauso problemlos wie in der ersten Hälfte übers Feld zum TD (Q2/5:48)

– direkt im Anschluß daran fumblet Backup-RB Scott bei einem 3rd&1; Coughlin challenges, but play stands; sah aber in der Wiederholung nach einer Fehlentscheidung aus, weil Scotts linker Ellenbogen down war; wie auch immer: zwei Spielzüge später stehts 35-10 – game over.

Notizblock NFL Woche 11: CIN/BAL & PHI/NYG

Cincinnati Bengals (6-3) @ Baltimore Ravens (6-3) [Gamecenter] [Gamebook]

[inactives: Ray Lewis, Ray Lewis, Ray Lewis]

TD Drive CIN: zwei big plays + DPI

TD Drive BAL: blown coverage nach roll out Flacoo

– Q2/10:10: BAL wirft jetzt immer öfter aus I-Formation; WR Torrey Smith viel zu schnell für CB Clements und Flacco wirft perfekten Paß

– es geht nur über Big Plays; keine Offense bringt mal einen längeren Drive zustande

– furchtbare INT von Flacco gegen Nate Clements w/1:24 in CIN territority

– und dann nach zwei First Downs wirft Dalton einen schrecklichen Ball mitten in die Endzone, wo Ed Reed in natürlich findet (Hey Dalton, lerne bitte Ed Reed vor dem Spiel gegen Baltimore kennen!)

– beiden Verteidigungsreihen spielen das sehr gut und diszipliniert; vor allem von der Ravens-D ist immer einer da, wo der Ball ist und kein Tackle wird verpaßt; Laufspiel geht gar nicht bei beiden; 7 3&outs in der ersten Hälfte; 14-7 Ravens

Das war tatsächlich alles Wichtige aus der ersten Hälfte.

– Q3/13:12 dann aus dem Nichts rennt Ray Rice über 60 Yards, weil Safety Chris Crocker einen völlig falschen Winkel nimmt und den Tackle verpaßt; es wird aber doch nur ein FG; 17-7 BAL (Q3/10:50)

– Q3/6:51 nach einem starken Play, bei dem er zwei fast-Sacks entkommt und seinen FB tief ganz offen findet und einer blown coverage gegen TE Gresham ist Ciny plötzlich in der EZ und es steht 14-17

Ravens D spielt fast aussschließlich Base-D gegen CIN; CIN ohne deep threat, weil A.J. Green verletzt draußen sitzt, versucht im 3ten Viertel mal einen Flea Flicker und RB Benson schafft nicht mal den Paß zu Dalton

– Q3/0:40: Dalton mit fürchterlicher INT bei einem Slant; Jimmy Smith fumblet den Ball, der fliegt durch die gesamte Redzone und die Ravens sichern den Ball an der 2-Yd-Linie, next play TD Rice 24-14

– Dalton dann wieder mit schlechtem Paß und INT von CB Webb; Q4/ 14:02; nächster Spielzug Playaction Flacco tief auf WR Smith; 31-14

– Jimmy Smith läßt Andre Caldwell einfach so vorbeilaufen; 10:59, starker Paß von Dalton, Cincy gibt nicht auf 21-31

– über die Mitte wirft Dalton richtig gut; aber bei Pässen an die Seitenlinie und bei Slants hat er immer wieder accuracy Probleme; kaum hab ich das aufgeschrieben, wirft er eine out-route zum TD (Gresham) nach anständigem hurry-up-drive 28-31; 5:35, der dann aber doch nicht zählt nach Calvin-Johnson-Catch-Rule-Overturning; FG zum 24-31; Cin jetzt fast ständig mi 7 Mann in Protection und nur 3 Recivers auf Routen, um es einfacher für Dalton (und die OLine) zu machen

– kurz vor der 2-min-warning stoppen die Bengals die Ravens bei 3rd&1 und bekommen nochmal einen Drive

– Dalton starts on own 13 w/ 2:27; WR Jerome Simpson macht das Spiel seines Lebens; Dalton mit starker 45yd-Bombe und Riesencatch von Simpson

– in der RZ dann wieder der schlechte Dalton: schlechter Paß on kurzer Out-route und intentional grounding (der horse-collar tackle von Suggs wird komischerweise einfach ignoriert); 3rd&goal from BAL17; die O-Line bricht total zusammen bei den vier Downs and Goal to go gegen 3-Man-Rush

– CIN hat wirklich tough gegen BAL und PIT gespielt, aber verloren; die Bengals haben ein gutes, junges Team, sind aber noch nicht da wo die anderen beiden Hausnummern der AFC North sind

– Flacco und Dalton haben beiden wie Rookies gespielt: mal gute Pässe, mal schlechte, aber insgesamt enttäuschend inkonsistent, wobei aber auch beide Defenses ziemlich stark gespielt haben; es gab keine guten, langen Drives, sondern alle Punkte basierten auf Big Plays, wobei die Ravens einfach mehr (vor allem in der Defense) davon gemacht haben und am Ende die drei INTs von Rookie Dalton der Unterschied waren. Baltimore ist jetzt mit 7-3 und Tiebreakers gegen Pittsburgh und Cincinnati in guter Position in der AFC North.

Philadelphia Eagles (3-6) @ New York Giants (6-3) [Gamcenter] [Gamebook]

[inactives: QB Vick, WR Maclin, CB Rodgers- Cromartie; LB Michael Boley – Herzlich starts]

– LT Will Beatty bekommt von Anfang an TE/RB-Hilfe gegen DE Trent Cole

– im zweiten Drive wirft QB Vince Young einen furchtbaren Paß zu Jackson, der schon an Amukamara vorbei war und schenkt dem Rookie im ersten Spiel seine erste INT

– anschließend wirft Eli Manning eine INT wie in seinen schlechtesten Tagen; danach gibts auch gleich gute alte Rivalry-Kloppe und mehrere personal-foul-flags, nach der INT gibts aber auch keine Punkte, weil der oft so hochgelobte LG Evan Mathis schläft und bei 3rd-&1 an NYG 38 einfach so DT Chris Canty nicht blockt

– schon im ersten Viertel gibts ständig mehr oder weniger ernsthafte Rudelbildung; es gibt aber auch nicht schöneres, als Rivalry-Games im November

– die Eagles sind schon seit einigen Wochen dazu übergegangen, nicht mehr beide DE so ganz weit außen an der LOS zu plazieren (die so berühmt gewordene 9 technique), sondern nur noch einen, und der andere ist meistens in recht traditioneller DE-Aufstellung, das klappt auch viel besser

Vince Young wirft den Ball wie eine schlechte Mischung aus Tim Tebow und Philip Rivers

– die Giants D-Line spielt mit vielen „seltenen“ Aufstellungen: 3DE und 1DT; 3 DLiner sogar on 1st Down; on 3rd Down auch ihre Nascar-Defense (4DEs); und sehr oft spielt Deon Grant den dritten LB neben Herzlich und Kiwanuka, weil nach den ganzen Verletzungen nur noch der andere Rookie-LB Spencer Paysinger spielen kann

– die beiden Eagles-Offensive-Tackles Jason Peters und Todd Herremanns sehen ganz gut aus, aber die drei in der Mitte (LG Mathis, C Kelce, RG Watkins) haben immer wieder Probleme, vor allem im Laufspiel

– Q2/11:36: FG Eagles, die ersten Punkte zum 3-0

– Q2/8:49 nach abgefälschtem, schlechtem Paß holt sich S Phillips die INT; Giants spielen nach der Verletzung von WR Jackson mit 8 „Man in the box“ und wollen einzig RB McCoy aus dem Spiel nehmen und Young kann nicht mal daraus Kapital schlagen

– die Eagles-D spielt ziemlich gut; auch die (auch von mir immer böse gescholtenen) LB Akeem Jordan und Brian Rolle; Giants leiden vor allem darunter, daß sie überhaupt kein bißchen Laufspiel auf die Reihe kriegen

Jackson kommt schon Mitte des 2ten Viertels zurück und macht ein Big Play über 50 yards nach 1st Down from PHI2; der dann aber nach unfaßbar dummer Taunting-Strafe gegen Jackson overturned wird, wow….

– nachdem Philly dann tatsächlich von der eigenen 2-Yd-Linie bis in New Yorks Hälfte kommt, fehlen CB Webster nur Millimeter, um Youngs dritte INT komplett zu machen

– die Eagles haben keine Offense, weil Young ihr QB ist und die Giants mit 8 Mann McCoy aus dem Spiel nehmen; und die Giants haben keine Offense, weil sie überhaupt nicht laufen könnnen und Eli gegen viel Pressure und gute Coverage alleine auch nicht viel machen kann:

– nach dem vierten 3&out, diesesmal in der eigenen Redzone, läuft Jackson mit dem gefangenen Punt mal wieder durch die halben Meadowlands und kann erst an der NYG14 gestoppt werden und im nächsten Spielzug möchte keiner der alten Teamkollegen Steve Smith verteidigen, TD Eagles 10-0; Q2/1:22

– neben der wirklich guten Defense haben TE Jake Ballard und WR Victor Cruz mit schlimmen Drops die Giants behindert

K Lawrence Tynes hat in dieser Saison erst zwei Field Goal Versuche von mehr als 30 Yards gehabt (?!) und die beiden wurden auch noch geblockt (!?!); den 49-Yd-Versuch zum Schluß der ersten Hälfte macht er aber sicher rein, 10-3

– Drives erste Hälfte: Eagles: Punt, INT, Punt, 3&out, FG, INT, Punt, TD; Giants: 3&out, INT, Punt, 3&out, Punt, 3 &out, Punt, 3&out, FG

2nd half:

– Kevin Booth startet die zweite Hälfte an Stelle Chris Snees (Verletzung)

– das Laufspiel der Giants ist so furchtbar, daß sogar CB Samuel den RB tacklet; NYG RB D.J. Ware ist jetzt auch draußen mit Concussion

OT Peters und Herremanns nehmen den Giants Pass Rush völlig aus dem Spiel und trotzdem hätten die Eagles ohne den Punt Return gerade mal 3 Punkte

– im dritten Viertel werfen die Eagles nur noch und sagen: mit 8 Mann „in the box“ kann sogar Young Spiele gewinnen, und New York sagt: glaub ich nicht, soll Young erstmal zeigen; und nachdem Philly in die Redzone gekommen ist, wirft Young natürlich die INT zu Aaron Ross (Q3/5:00)

– Snee is back

– die Giants versuchen es einfach weiter mit dem Lauf, was nicht funktioniert und die Crowd buht

– dann macht Manning mal nene langen Paß zu Nicks – weil er nicht von Asomugha oder Samuel verteidigt wird, sondern vom jungen Safety Nate Allen. So wie letzte Woche, als Fitzgerald von irgendeinem Safety verteidigt wurde, ich versteh das nicht; und im nächsten Play schlägt Victor Cruz Asomugha zum TD, Asomugha sah dabei aus wie einer der undrafted Rookies, die bei den Patriots versuchen CB zu spielen, 10-10 Q4/11:36

– die Giants haben große Probleme mit ihren jungen LBs Herzlich, Paysinger und Williams; aber Kiwanuka macht im vierten Viertel play after play

– McCoy sitzt im vierten Viertel verletzt auf der Bank und Ronnie Williams spielt

– irgendwie bekommen die Eagles im vierten Viertel einen langen Drive auf die Reihe mit Läufen von RBs und Young und Screen Passes; nachdem sie auf unerklärliche Weise 18 Plays über 80Yards in 9 Minuten übers Feld marschiert sind, wirft Young auch noch einen TD zu Riley Cooper; ich kann gar nicht erklären, wie Philly das gemacht hat, aber irgendwie waren es immer 3 und dann 3 und dann 4 yards und immer wieder 1st Downs, 17-10 Philly Q4/2:45

– nach Holding beim KO-Return starten Eli und die Giants an der eigenen 9 mit 2:39 Minuten auf der Uhr (und mit RG Snee wieder auf der Bank)

– beim letzten drive schläft wieder irgendwer der Eagles (wahrhscheinlich LB Chaney ) und Victor Curz läuft bis an die 22

– im nächsten Play sackt Jason Babin Eli Manning von hinten und DT Landri holt sich den Fumble; Q4/1:17; Giants mit letzter Chance, aber niemand kann Shady McCoy tacklen – 1st down, game over

Insgesamt ein komisches Spiel, in dem vor allem die D-Line der Eagles und die furchtbaren LBs der Giants den Ausschlag gegeben haben. Jeder halbwegs vernünftige Quarterback hätte die Giants von vorne bis hinten zerlegt, aber weil New York überhaupt kein Laufspiel hatte und Manning ständig under pressure war, haben 17 irgendwie ergaunerte Punkte zum Sieg gereicht.

Die Philadelphia Iggles in der Sommerhitze

In diesem Sommer ist für mich ein kleiner Teil NFL-Romantik gestorben. Die Philadelphia Eagles, meine netten Freunde von nebenan, mit denen ich gerne mal ein Bierchen getrunken habe und die immer in meinem Schatten gestanden waren, sind auf einmal im Mittelpunkt des Interesses und ziehen bewundernde wie verachtende Blicke auf sich.

Es ist kein Jahr her, da sah man ein Übergangsjahr für die Eagles kommen. Elf Monate, eine Vick-Renaissance und zwei Handvoll Stareinkäufe später, ist die Franchise von Jeff Lurie plötzlich im Zentrum des Interesses. Nichts anderes als der Superbowl-Sieg wird erwartet.

Um mal einen Blick auf den Kader zu werfen…

Die Offense

Es gibt aktuell keine Offense, die mehr Speichel produziert als jene der Eagles. Das liegt vor allem an der sagenhaften Explosivität, die in dieser Angriffsmaschine steckt. Das beginnt beim QB Michael Vick, dem Spieler mit dem meisten Thrill-Potenzial in der NFL. Es ist ganz schlicht und einfach bewundernswert, in welchem athletischen Zustand Vick mit seinen 31 und nach zweieinhalb Jahren Knast im vergangenen Herbst durch die Abwehrreihen gescrambelt ist.

Viel beeindruckender noch war die Präsenz des Michael Vick in der Pocket. Jo, gibt immer noch ca. eineinhalb Dutzend Quarterbacks, die souveräner wirken, aber Vick/Philadelphia verglichen mit Vick/Atlanta, das ist wie Collinsworth verglichen mit Dilfer. Nun hat Vick so seine Probleme mit Blitz-Taktiken jeglicher Natur, aber Vicks Trümpfe, die fassungslose Wendigkeit und der rattenscharfe tiefe Ball, sind für Defenses trotz allem nicht zu unterschätzen.

Und der tiefe Ball ist ein probates Mittel, wenn du so antrittsstarke Wide Receivers wie DeSean Jackson und Jeremy Maclin besitzt. Der allerdings extrem für Drops anfällige Jackson und der krankheitsgeschwächte Maclin hatten beide so ihre Offseason-Problemchen, sollten aber in der Regular Season voll einsatzfähig sein.

OffCoord Marty Mornhinweg ist zwar ein fürchterlicher Unsympath, aber ein sehr guter Coach, und wenn Mornhinweg neben solchen Sprintern auch noch verschiedenste Waffen wie TE Brent Celek oder WR Johnny Lee Higgins einbauen kann, sowie auf einen so fangstarken Running Back wie LeSean McCoy und einen so grundsoliden wie Neuzugang Ronnie Brown zurückgreifen kann, kommt es schon mal vor, dass die Auguren sich nicht mehr einig sind, ob die Eagles nun „Spread“ oder „West Coast“ spielen. So einzigartig ist dieser Angriff derzeit in der Liga.

Einzigartig, aber auch brutal abhängig vom Vick, bei dem die Eagles einfach mal darauf geschissen haben, dass der Mann mit seinem Spiel pro Saison drei mittelschwere Verletzungen riskiert, und dessen soliden Backup Kevin Kolb sie nach Arizona abgeschoben haben. Dafür ist nun der etwas labile QB Vince Young Vicks Ersatzmann für 4-6 Spiele in diesem Herbst. Eine Aussicht, die… interessant ist. Young in diesem Angriff? 6-8 Big Plays/Spiel weniger – was bleibt dann noch übrig?

Gespannt sein darf man auf die Offensive Line, der man zuletzt nachsagte, mit den komplexen Block-Schemen überfordert zu sein. Komplexe Schemen, eingepflanzt von dem Coach, der nun die Defense trainiert: Juan Castillo.

Die Defense

Philadelphias Defense stand für mich dank der Legende Jimmy Johnson stets für massive Blitz-Gewalt. Nun weiß kein Mensch, was unter dem unerfahrenen Castillo zu erwarten ist. Vermutlich weniger Druck aus der zweiten und dritten Reihe – wozu sonst hätte man den jungen Johnson-Jünger Sean McDermott feuern sollen?

Castillo kann auf ein höchst interessantes Personal bauen: Vorne hochkarätig besetzt, mitten drin inexistent, hinten „top-heavy“ – spricht tendenziell stark für eine 4-3 bzw. vielleicht eine Defense, die häufig mit fünf Defensive Backs aufs Spielfeld kommt.

Die Defensive Line ist um den kompletten, ausgelernten Superstar-DE Trent Cole gebaut, dem nun mit DE Jason Babin aus Tennessee ein veritabler Gegenpart zur Seite gestellt wurde. Für die Mitte steht nach Bunkleys Abgang ein neues Trio zum Reinrotieren bereit: Cullen Jenkins, der ehemalige 3-4 End aus Green Bay, Senkrechtstarter Antonio Dixon und der einst hoch gedraftete Mike Patterson, bei dem kein Mensch weiß, wie er sich machen wird. Patterson ist im Trainingslager zusammengeklappt und man darf sich ernsthaft fragen, ob es sinnvoll ist, weiterhin Pattersons Gesundheit aufs Spiel zu setzen. Ein Star fehlt noch: Line-Coach Jim Washburn, der der Welt in Tennessee mehr starke Defensive Line geschenkt hat als Matthäus Ehen.

Die Linebackers sind recht unterirdisch besetzt, sodass mit Rookie Casey Matthews aus Oregon ein Mann den Middle Linebacker geben soll, dessen Haupt-Referenz lautet „Bruder von Clay“.

Das Maul fusselig redet man sich, wenn das Thema „Phillys Secondary“ aufkommt. CB Asante Samuel, CB Nnamdi Asomugha, CB Dominique Rodgers-Cromartie – dreimal Deckungsspieler mit großem Namen. Asomugha gilt als einer der besten Shutdown Cornerbacks der Liga, und Samuel als Genie, wenn es darum geht, das eine, entscheidende Big Play zum Sieg zu machen. Nicht ausgeschlossen, dass die in der Preseason getestete Varianten mit Samuel als Safety tatsächlich eine Option wird. Samuel als Freelancer? Nehme ich, solange mir der Mann nicht auf Running Backs abgestellt wird.

Dagegen spricht, dass „Free Safety“ genau die richtige Position für den jungen, aufstrebenden, aber von einer schweren Verletzung zurückkommenden Nate Allen ist. In dem Falle würde vielleicht sogar der local guy, Rookie Jaquan Jarrett (kommt von der heimatlichen Temple University) der Starter als Strong Safety werden.

Viele, viele Optionen in dieser Defense – aber, und das zu bestreiten grenzt an Ignoranz, auch mehrere potenzielle Sollbruchstellen.

Special Teams

Huch? DeSean Jackson ist einer der Big Three bei den Returnmännern (nach Hester und neben Cribbs), aber die Schlüsselstelle ist eine andere: Wie kommt der Rookie-Kicker Alex Henery zurecht, nachdem David Akers, einer der besten Kicker der jüngeren und älteren Vergangenheit, aufgrund zweier Playoff-Fehlkicks rausgeschmissen wurde?

Ausblick

Die Einkaufstour war so massiv, dass die Eagles unweigerlich den Druck des Superbowl-Favoriten aufgehalst bekommen. Und ein Head Coach Andy Reid unter Druck, zumal mit Philadelphias traditionell ultra-launischem Publikum im Rücken – ich habe da nicht des Weltgeists größtes Vertrauen drein.

Philadelphias Schedule ist dann auch entsprechend ein sehr Primetime-lastiger:

Wk #1 @Rams
Wk #2 @Falcons (SNF)
Wk #3 vs Giants
Wk #4 vs 49ers
Wk #5 @Bills
Wk #6 @Redskins
Wk #7 BYE
Wk #8 vs Cowboys (SNF)
Wk #9 vs Bears (MNF)
Wk #10 vs Cardinals
Wk #11 @Giants (SNF)
Wk #12 vs Patriots
Wk #13 @Seahawks (Donnerstagsspiel)
Wk #14 @Dolphins
Wk #15 vs Jets
Wk #16 @Cowboys
Wk #17 vs Redskins

Eine Prognose fällt extrem schwer. Wurscht, wie viele Stars da in dieser Mannschaft spielen, wurscht, ob die Defense überragt oder unter neuem Coordinator und ohne Linebackers kränkeln wird: Die Saison steht und fällt mit Michael Vick. Bleibt er die Waffe? Bleibt er überhaupt gesund? Bleibt er gesund und eine Waffe?

Ich sehe bedenklich viele Komponenten, die gegen die Philadelphia Eagles als Superbowl-Champ sprechen. Um noch ein bissl weiter zu gehen: Ich habe sogar in der NFC East eine andere Mannschaft auf der Rechnung. Eine vermutlich blitzfreudige…

Das Zeiteisen verrät: 481 Minuten verbleiben. WordCount nach 18 Teams: 17136.

NFL Free Agency 2011 am ersten Wochenende: Goin’ Asomugha

 

Das Thema "Asomugha" in New Yorker Zeitungen

[20h35] Abschließend zum Transfergeschehen der letzten Tage: Die New York Daily News scheint immer noch recht sauer auf Nnamdi Asomugha zu sein und ignoriert dabei gepflegt, dass die Giants überhaupt nie an Asomugha dran waren. Die Daily News hat immerhin Pulitzer-Preise gewonnen, also nehme ich jetzt mal nicht die unterste Schublade für diese Zeitung an./Via Shutdown Corner.

[23h17] Fleißkärtchen für die Eagles. Ich wiederhole mich.

DE Cullen Jenkins geht nach Philadelphia – ich kann mich nicht erinnern, jemals eine Free Agency gesehen zu haben, in der so viele so gute Spieler sich so sehr für eine Mannschaft interessiert haben wie dieses Jahr für die Eagles. Und umgekehrt, dass eine Mannschaft so aggressiv auf dem Markt zu Werke ging. Jenkins kriegt Top-Noten bei PFF, allerdings in einer 3-4 Defense.

Die Eagles traden aber im Atemzug danach einen ihrer besten Defensive Tackles, Broderick Bunkley, nach Cleveland. Und verpflichten in einem nächsten Atemzug LB Akeem Jordan.

Noch ein Off-Topic vor dem Schlafengehen: Terrelle Pryor wird vorerst nicht in die NFL gehen dürfen. Das Einverständnis von Ohio State und der NCAA fehlen.

[22h15] Der Free-Agent-Markt ist um eine Attraktion reicher: CB Kelvin Hayden wird von den Colts auf die Straße gesetzt. Hayden, der Mann, der einst den Colts den Superbowl-Triumph über sein eigenes Lieblingsteam ermöglicht hatte. Hayden hatte einen Vertrag > 40 Mio. Dollar, also nicht ausgeschlossen, dass er für reduzierte Bezüge zurückkommt.

Und wenn ich mir den RB-Markt anschaue, kann einem Tiki Barber fast leid tun: Bradshaw, Portis, Benson, Williams, Brown, Taylor, Barber – ein eh schon gesättigter Markt und dann noch haufenweise Vertragslose auf Jobsuche. Für Barber gäbe es bessere Zeitpunkte, um in die NFL zurückzukehren.

[21h09] Nachtwache ist kein Traumjob, aber wenigstens geeignet um noch ein bissl aufs NFL-Gewirr zu schauen. Als erstes fällt auf, dass die Indianapolis Colts anscheinend nun doch einen schweren Vertrag für QB Peyton Manning haben springen lassen: 5yrs/90 Mio. Dollar. Ich nehme an, dass die Colts eher backloading betrieben haben (sprich: das Grundgehalt wird 2011/12 und 2012/13 eher niedrig sein, aber ab 2013 recht sprunghaft ansteigen. Ansonsten wäre Manning in dieser Saison bereits runde 18-22 Mio. wert, wohl zu viel für die Salary Cap.

[20h10] Optimistische Gedanken auf der Homepage der Philadelphia Eagles im Livestream: Die Eagles haben nicht nur wichtige Spieler eingekauft, um den Titel sofort in Angriff zu nehmen, sondern auch die Coaches: DL-Coach Jim Washburn ist 61, Special-Teams-Coach Bobby April ist 58 – beide also nicht mehr die Allerjüngsten. You don’t hire them to win tomorrow.

Der allgemeine Tenor ist enthusiastisch, und die Eagles sehen sich schon selbst als das Dream Team. Überwältigende Meinung: Man sollte gleich auch noch ILB Nick Barnett von Green Bay einkaufen – der stünde dort auf der Transferliste.

Was noch interessant ist: K Alex Henery, der hoch gedraftete Rookie, muss schon eine unterirdische Preseason haben, um nicht der neue Kicker der Eagles schon in diesem Herbst zu sein.

[16h33] Paar Rückennummern für die 2011er-Saison. QB Vince Young hat in Philadelphia die #9 zugewiesen bekommen bzw. sich geschnappt, die Nummer, die einst Steve McNair trug. Sein Vorbild und Mentor.

Ein anderer Quarterback streitet noch um seine Nummer: In Carolina ist noch nicht geklärt, ob Cameron Newton seinen Willen erfüllt bekommt und die #2 tragen darf. Denn, bizarr: Die #2 wird von Jimmy Clausen beansprucht, dem Mann, auf den Newton folgen soll – und Clausen bekam vor einem Jahr seinen Willen nicht, die #7 (seine Notre-Dame-Nummer) tragen zu dürfen, weil ein Punter bei den Panthers diese trägt. Es ist zwar alles nur eine Rückennummer, aber wenn dies für Clausen eine Prinzipienfrage wird… Newton hat aktuell übrigens die #1 zugewiesen bekommen, eine Nummer, die er nicht möchte, da er nicht arrogant und überheblich rüberkommen möchte (sic!).

OLB Von Miller wird die #58 tragen, DT Marcell Dareus die #99. WR A.J. Green hat sich die #18 geschnappt – #8 hatte er am College, und einfach die „1“ vorne drangesetzt. WR Julio Jones nimmt die #11, das Jahr seines NFL-Einstiegs. Die Serie 11-19 ist vor allem unter jungen Wide Receivers immer mehr trendy geworden.

QB Jake Locker behält seine College-Nummer bei (#10) – die Nummer des Ex-Starters Young. Auch QB Blaine Gabbert belässt es bei seiner Mizzou-Nummer 11. Chris Ponder bleibt offenbar auch bei seiner FSU-Nummer #7. QB Colin Kaepernick hat sich offenbar ebenso die #7 entschieden (hatte bei Nevada #10).

Prince Amukamara nimmt die #20, RB Mark Ingram die #28. Ingram jr. und Vater Ingram sr. wurden beide an #28 im NFL Draft einberufen.

In New England bekommt Chad Ochocinco seinen Willen und darf #85 tragen, weil sich der junge TE Aaron Hernandez bereit erklärt hat, die #81 zu tragen.

[14h31] ESPN America hat schon mal die Termine für die Preseason-Übertragungen rausgegeben. Die ersten beiden Wochen hier mal vorab: Jeweils drei Spiele, immer eines in der Nacht auf Freitag, Samstag und Dienstag.

Woche 1:

Do/Fr 11./12. August: San Diego- Seattle 02h LIVE
(Wh. 12. August 17h)

Fr/Sa 12./13. August: Kansas City- TampaBay 02H LIVE
(Wh. 13. Auust 15h30)

Mo/Di 15./16. August: Houston – NY Jets 02h LIVE
(Wh. 16. August 16h und 18. August 11h)

Woche 2:

Do/Fr 18./19. August: Pittsburgh- Philadelphia 02h LIVE
(Wh. 19. August 16h)

Fr/Sa 19./20. August: Jacksonville- Atlanta 02h LIVE
(Wh. 20. August 15h)

Mo/Di 22./23. August: NY Giants – Chicago 02h LIVE
(Wh. 23. August 17h)

[12h57] An der Ostküste ist die Sonne bereits aufgegangen. Ein Blick auf ein paar der begehrteren Spieler, die noch auf dem Markt sind:

Offense

QB Marc Bulger
RB Ahmad Bradshaw
RB Cedric Benson
RB Ricky Williams
RB Ronnie Brown
RB Tiki Barber (gestern offiziell von NYG entlassen)
RB Fred Taylor
WR Malcolm Floyd
WR Braylon Edwards
WR Steve Giants Smith
WR Terrell Owens
WR Randy Moss
WR James Jones
WR Plaxico Burress
WR TJ Houshmandzadeh
WR Jacoby Ford
TE Zach Miller
TE Kevin Boss
TE Alge Crumpler
OT Nick Kaczur

Defense

NT Aubrayo Franklin
DT Marcus Stroud
DE Ty Warren
DE Cullen Jenkins
DE Stylez White
DE Jacob Ford
DE Raheem Brock
DE Andre Carter
DE Shaun Ellis
DE Jason Taylor
MLB Stephen Tulloch
OLB Matt Roth
OLB Tully Banta-Clain
OLB Manny Lawson
CB Antonio Cromartie
CB Chris Carr
CB Charles Rogers
FS Michael Huff

Ein Update von gestern/Ravens: OT Jared Gaither hat nun tatsächlich nicht in Baltimore, sondern in Oakland unterschrieben. Sämtliche Tweets von Adam Schefter und Jason LaCanfora hatten von Gaithers Vertragsverlängerung in Baltimore gesprochen. Gaither auch noch weg: Büsschen Aderlass sehe ich schön langsam auch. Aber Gaither ist nach S Landry der erst zweite schmerzhafte.

SS Roman Harper bleibt wie erwartet in New Orleans (4yrs/16 Mio.).

Weitere Spieler, die auf dem Markt sein könnten: RB Frank Gore und RB Chris Johnson, die beide für neue Verträge streiken. WR DeSean Jackson glaub’ ich nicht, da die Eagles einen Weg finden werden, den Mann unter die Salary Cap zu zwängen. Und dann ist da offenbar auch noch CB Asante Samuel, der nach dem teuren Asomugha entbehrlich werden könnte.

[11h47] Zu den wichtigen Dingen dieser Welt: Chad Ochocinco darf seinen Namen behalten und darf weiterhin die Acht Fünf tragen. TE Aaron Hernandez wird in New England ab sofort die #81 tragen. Damit wäre das Wochenende gerettet.

[11h00] Ein kleines Gedankenspiel, das die Jets betrifft: Diese Asomugha-Vernarrtheit der letzten Tage könnte sich nun ins Verkehrte drehen. Dann nämlich, wenn Antonio Cromartie nun aus dem Schmollwinkel nicht mehr herauswill. Ist es ausgeschlossen, dass die Jets einen ihrer Linebacker (?) gegen Asante Samuel traden werden? Halte ich für erstmal weit hergeholt, aber nicht ganz ausgeschlossen.

[10h45] Der Asomugha-Deal liest sich in Zahlen übrigens recht ähnlich mit jenem von Dunta Robinson letztes Jahr für die Falcons (6 Jahre, 57Mio./22,5M guaranteed) – sollte ein guter Deal sein für die Eagles, die dem Vernehmen nach tatsächlich daran interessiert sein sollen, CB Samuel für einen Top-Spieler (ist gleich nicht Draftpick 2012, sondern eher ein Linebacker) zu traden. „Top-Spieler“ wie „wirwollensofortindensuperbowlkosteeswasseswolle“.

Weitere Notizen aus der Nacht:

St Louis – Die Rams sammeln weiterhin Anspielstationen wie andere Parkscheine: Mit WR Mike Sims-Walker aus Jacksonville (1yr/3,7 Mio.) kommt ein weiterer Mann dazu, nach den Rookies Salas/Pettis sowie dem Rookie-TE Lance Kendricks. Sam Bradford wurde ja nachgesagt, dass er als Rookie niemanden zum Anspielen gehabt hätte.

In der Defense scheint man CB Al Harris verpflichtet zu haben.

IndianapolisPeyton Manning will offenbar bis morgen einen Vertrag in der Tüte haben, und zwar so strukturiert, dass man seinen Wert erkennen könne _und_ die Colts noch genügend Spielraum für neue, teure Stars hätten.

[10h30] Guten Morgen. Die Philadelphia Eagles scheinen über Nacht eine weitere Überraschung, nein, Sensation geliefert zu haben, und haben den heiß umworbenen CB Nnamdi Asomugha geholt. Vertragseckdaten: Fünf Jahre, 30 Mio. 60 Mio., 11,5M 25M guaranteed.

Die Eagles haben dieser Tage eine Serie von Statements abgegeben, deren Schlussfolgerung eigentlich nur lauten kann: Sie wollen in die Superbowl, und zwar so schnell wie nur irgendwie möglich. Backup-QB Kolb wurde gegen einen starting CB und einen Draftpick verhökert, der Verlust dank QB Vince Young recht solide geschlossen.

Dazu DE Jason Babin und plötzlich eine Defensive Line, die sich potenziell stark liest: DE Cole, DE Babin, DT Patterson, DT Dixon, DT Bunkley (DE Graham steht schon auf der Verletztenliste). Gegen Lauf- und Passspiel alles dabei.

Die Secondary bekommt mit Asomugha nun den vermeintlich besten Deckungsspieler der NFL, ein Mann, dem man mit einem relaxten Grinsen sämtliche #1-Wide Receivers anvertrauen kann. Das angedachte Starter-Duo dürfte somit lauten: CB Asomugha, CB Asante Samuel. Zwei Spieler, die als gläserne Athleten gelten (im Sinne von: brechen sich sämtliche Extremitäten, falls sie ein Running Back überläuft) und damit gegen Laufspiel nicht zu gebrauchen sind. Aber weil auch Samuels im vergangenen Herbst plötzlich weg von high risk, high reward ging, auch zwei Spieler, die dem Gegner den Pass sehr schwer machen, zumal mit dieser potenziellen Wucht im Pass Rush. Dies mal vorausgesetzt, dass Asante Samuel nicht getradet wird, was auch nicht auszuschließen sein dürfte.

Als Backup fungieren könnte Rodgers-Cromartie, kein überragender Mann, aber einer mit einem guten Ruf. Die Safetys dürften nach Mikells Abgang allerdings recht unerfahren sein (Rookie Jarrett, S Jackson, S Allen). All in all: Die Secondary dürfte sich verbessert gegen den Pass zeigen, schon allein, weil CB Patterson so schnell nicht mehr auf das Spielfeld laufen muss.

Die Linebackerschaft dagegen bleibt ein Schwachpunkt, zumal nach Stewarts Abgang gen Arizona.

In der Offense gibt es in der Offensive Line Hoffnung auf Verbesserung und bei den Wide Receivers mit dem unzufriedenen DeSean Jackson eine potenzielle Sollbruchstelle. Jackson verdient rund ein Zehntel anderer Top-WRs und wenn ich mir den Spieleragenten von Jackson anschaue, werden Erinnerungen wach (Stichwort Terrell Owens): Drew Rosenhaus…

NFL-Bazar 2011: Defensive Backfield

Letzter Teil des Quadrupelheaders zur Free Agency: Die Deckungsspieler.

Cornerbacks

Vielleicht die bestbesetzte Position in der Free Agency – und wenn man sich mal vor Augen führt, wie schwer Teams auf der Suche nach ordentlichen Pass-Abwehrspielern sind, können sich grad einige dieser Männer bereits auf viel Sahne freuen.

Über Oaklands CB Nnamdi Asomugha zerreißen sich die meisten das Maul. Alle Statistiken weisen darauf hin, dass fast alle gegnerischen Offenses schon gar nicht mehr in Betracht ziehen, gezielt auf Asomughas Gegenspieler zu werfen. Das geht so weit, dass man mit etwas Humor behaupten könnte, Asomugha sei ein Segen für gegnerische (vor allem junge) Quarterbacks, da es das Lesen von Defenses erleichtere: Anstelle von vier Anspielstationen und vier möglichen Fehlerquellen nur mehr drei.

Asomughas Dilemma: Er möchte nach Jahren des Siechtums in Oakland endlich zu einem Titelkandidaten, wogegen er in wenig attraktiven Teams wie Buffalo oder Jacksonville aufgrund des Salary Cap Floors doppelt und dreifaches Geld einstreichen könnte. Als Favorit gilt derzeit Philadelphia, wobei ich es zu gerne sehen würde, wie Belichick/Brady gegen eine Secondary mit Revis/Asomugha auftreten würden – was angesichts der hohen Payroll in New York allerdings unwahrscheinlich scheint.

Zweitgrößter Name: Antonio Cromartie, teurer Jets-CB und seit Menschengedenken von einer speziellen Aura umgeben. Woher die kommt? Vielleicht, weil Cromartie einst bei Florida State spielte und dann in den Anfangsjahren in der NFL als meisterhafter Interceptor (oder so) glänzte. Mittlerweile mehr im Rampenlicht durch seine kuriose familiäre Situation (hat sieben Kinder von sechs Frauen in sechs Bundesstaaten) und durch spektakuläre Big Plays, von ihm oder gegen ihn. Asante Samuels reloaded, sozusagen. Dritter im Bunde: Jonathan Joseph, Cincinnatis starker, aber sehr verletzungsanfälliger Deckungsspieler. Joseph sollte in Cincinnati bleiben.

In der AFC North sind noch drei weitere Cornerbacks Free Agents: Die beiden Ravens Josh Wilson und Chris Carr – beide noch recht jung – und Steelers-CB Ike Taylor, der laut eines Schreiberlings in Pittsburgh ein „deutlich“ besserer Spieler als Asomugha ist. Taylor würgte in den Playoffs nacheinander Boldin und Holmes ab.

Paar weitere Namen: Atlantas Brent Grimes und Kansas Citys Brandon Carr – und beide haben mit rasanten Entwicklungssprüngen zuletzt auf sich aufmerksam gemacht. Beide sollten in ihren jeweiligen Mannschaften bleiben dürfen/müssen – beide sind RFAs.

Dazu kommt der Sprintertyp Philip Buchanon, der immer noch über einen guten Ruf verfügt – warum auch immer. Am Montag durfte man beobachten, wie Buchanon vor Jahren im MNF-Spiel gegen Oakland aufs Übelste verdroschen wurde – das war 2003 und Buchanon war damals grad eineinhalb Jahre in der NFL.

Safetys

Den Namen nach konkurrieren die Safetys mit den Cornerbacks um die beste „Free Agent Position“. Top-Mann ist mit Sicherheit Philadelphias Quintin Mikell, der nicht jünger wird (mittlerweile 30), aber in der abgelaufenen Saison lt. PFF einsame Spitze war und sämtliche Positionskonkurrenten in Grund und Boden gespielt hat. Die Eagles waren in jüngerer Vergangenheit recht schmerzlos im Umgang im älteren Spielern – ich halte es für nicht ausgeschlossen, dass Mikell abwandern wird.

Roman Harper hat ein anderes Problem: Seine Vorstellung gegen die Seahawks in den Playoffs war so unterirdisch, dass man sich wunderte, wie der Mann noch in der Halbzeit auf der Payroll stehen konnte. Darf ansonsten als souveräner Safety durchgehen. Wie auch Oakland Michael Huff, der immer noch darunter leidet, als draft reach zu gelten – ein Problem, das genauso auf Buffalos Donte Whitner zutrifft.

Baltimore hat erstaunlich viele potenzielle Free Agents – auch bei den Safetys ist ein Mann dabei: Dawan Landry. Mit dem ständig schwebenden Damokles-Schwert namens „Ed Reeds Rücktritt“ im Hinterkopf könnte Landrys Weiterverpflichtung für die Ravens zur Pflichtaufgabe werden.

Weitere bekannte Namen: Eric Weddle (San Diego), Danieal Manning (Chicago) und Gerald Sensabough (Dallas) – alles interessante Namen in einer Liga, die nicht gerade Safetys im Überfluss zu bieten hat. Bei Weddle könnte erschwerend hinzu kommen, dass die Chargers im März die wandelnde Verletzung Bob Sanders eingekauft haben. Sanders galt noch vor kurzem als potenziell ligaweit bester auf seiner Position.

Platzverweis für Harris

Ein weiterer NFL-Schreiber hat sich für das Prädikat „lesenswert“ für einige Zeit disqualifiziert. Vom verbalen Dünnpfiff des John Harris in der Pittsburgh Tribune-Review:

Harris’ These: Pittsburghs CB Ike Taylor ist der bessere Free Agent als Oaklands CB Nnamdi Asomugha.

Begründungen:

a) Asomugha ist ein Weichei mit nur 19 Tackles in der letzten Saison.

b) Oakland hat 2010 29 Pass-TDs kassiert.

c) Taylor hat die besseren Stats: 66 Tackles, 2 INTs, 11 Pass Defenses 2010. Und über die Karrieren: Taylor (125 Spiele, 481 Tackles, 11 INTs, 99 Pass Defenses), Asomugha (122 Spiele, 310 Tackles, 11 INTs, 54 Pass Defenses).

d) Asomugha hat noch kein Playoffspiel bestritten und noch keine winning season. Taylor bringt also mehr Siegermentalität (winning attitude) in die Umkleibekabine.

e) On paper and on the field, Taylor is a better football player than Asomugha. In the battle of unrestricted free-agent cornerbacks, it’s Taylor by a long shot.

korsakoffs Gegenthesen:

a) Lt. PFF spielt Asomugha haupstächlich Manndeckung, ist also gar nicht prädestiniert, überhaupt gegen den Lauf zu arbeiten.

b) Asomugha ließ 2010 nur 10 (!!) Catches zu, nicht einen einzigen Touchdown.

c) Asomugha wird fast überhaupt nicht mehr angespielt, aufgrund seiner Deckungskünste: Über drei Jahre ganze 88 Mal. Taylor hingegen wurde 266 Mal angespielt. Faktor > 3.

d) Sargnägel vorbereitet.

e) Sargnägel eingeschlagen.

Damit dürfte auch klar sein, von wem sich die Pittsburgh Steelers in ihren Personalfragen NICHT beraten lassen. Oder ist Harris’ Artikel nur ein gut getimter Move, um Teams außerhalb von Pittsburgh Taylor schmackhaft zu machen?

Oakland Raiders in der Sezierstunde

Der Komödiantenstadel der NFL. Die Oakland Raiders. Aus unterhaltungstechnischer Sicht fast schon schade, dass die Raiders in diesem Jahr keinen Draftpick in der ersten Runde haben (haben sie vor eineinhalb Jahren im Tausch für DE Richard Seymour hergegeben). Das Theater um die Fehlentscheidungen im Management wäre mal wieder köstlich gewesen.

Kollisionskurs

Nun haben die Raiders in der abgelaufenen Saison phasenweise sogar sehr akzeptabel gespielt. Da sind zwar keine Ästheten am Werk, aber passend zum rauen Head Coach Tom Cable wurde knallharter Football gezeigt, mit viel Laufspiel über den endlich aufgeblühten ex-Hog Darren McFadden und mit einer abschnittweise richtig überzeugenden und emotionalisiert aufspielenden Defense.

Resultat: Cable musste gehen. Über die Gründe der Entlassung kann ich nur spekulieren. Cable durfte bleiben, nachdem er Assistenten geprügelt hatte und nach einer schwachen 2009er-Saison. Ob der Grund im Finanziellen liegt? Cable hätte bei Verbleib auf der Stelle das Gehalt der nächsten beiden Saisons bekommen. Andererseits: Wenn du Jamarcus Russell 39 Millionen in den Arsch steckst…

Nun ist mit Hue Jackson der nächste offensiv denkende Head Coach am Werk, und einer, dem ich schon qua Hautfarbe Erfolg wünsche.

Oaklands Offense

Die Offensive Line fand ich in den drei getapten Spielen von ESPN America nur mäßig. Mit Guard Robert Gallery hat nun ein ehemaliger hoher Draftpick verkündet, nicht zu verlängern. Gallery war einst als Tackle gefloppt und danach oft verletzt, galt aber als solider Guard. Gallery galt auch als „Cable Guy“. Ein, zwei Verstärkungen täten gut.

Die Running Backs sind eine Stärke. McFadden hat gespielt wie seit Arkansas-Zeiten nicht mehr. Allerdings ist RB Michael Bush RFA. Sollte verlängert werden, wenn es nach mir geht.

Auf der Tight-End-Position ist Handlungsbedarf, sollte man mit TE Zach Miller nicht verlängern. Miller ist Oaklands wichtigste Anspielstation. Bei den Wide Receivers hat man mit WR Jacoby Ford und WR Louis Murphy zwei aufstrebende Talente, die zusammen über 1000yds machten. Eine #1 fehlt, weil der pfeilschnelle WR Heyward-Bey wie allgemein prognostiziert schwer nach Flop riecht. Heyward-Bey war vor zwei Jahren ein hoher Draftpick und alle hatten Al Davis und seine Raiders dafür böse verspottet.

Die Quarterbacks? Oakland spielt mit QB Jason Campbell. Kein Mann für feuchte Unterhöschen, aber auch keiner, der dir das Spiel vergeigen wird. Campbell gilt als gesetzt, vor allem, weil der beliebte QB Gradkowski gehen wird. Und in diesem Jahr wird Oakland kein Upgrade bei den QBs holen, höchstens einen jungen Mann zum Entwickeln. Jackson ist ein ehemaliger QB-Coach, also warum nicht?

Oaklands Defense

Zuerst der Vergleich zwischen absoluten Zahlen und DVOA:

Absolut: #2 Pass, #29 Lauf
DVOA: #16 Pass, #12 Lauf

Sehr krasse Diskrepanz, die wohl auch darauf zurückzuführen ist, dass man mit Kansas City, Jacksonville, Miami, Arizona und Tennessee Gegner hatte, die sich fast ausschließlich über Laufspiel definieren und somit entsprechend wenig via Luftweg gegen die Raiders unternommen haben. Das schlägt sich im DVOA wieder, wo die Defense in Relation zur Stärke der gegnerischen Offense gesetzt wird.

Die Defensive Line gilt als Schwachpunkt, trotz großer Namen wie Richard Seymour, Tommy Kelly oder John Henderson.

Die Linebackers gelten um den ehemaligen Browns-Spieler Wimbley als sehr solide, aber etwas dünn besetzt. Der junge Rolando McClain (von Alabama) hat noch Luft nach oben und muss sich steigern, nachdem er sich’s schon mit Teilen des Publikums verscherzt hat.

Größte Baustelle ist die Secondary. Grund: CB Nnamdi Asomugha ist Free Agent und wird mit größter Wahrscheinlichkeit woanders hingehen. Asomugha galt auch als „Cable Guy“ und war seit Jahren dafür verantwortlich, dass gegen Oakland sämtliche #1-Wide Receivers abgemeldet waren. Ich glaube auch nicht, dass Oakland Asomugha behalten wird. Vor ein paar Jahren ließ man auch Charles Woodson ohne mit der Wimper zu zucken ziehen. Ein Fehler.

Wie die Faust aufs Auge würde CB Antonio Cromartie passen. Cromartie ist zwar kein überragender CB, aber einer, der viele INTs macht und ein etwas zweifelhafter Charakter. Noch produktiver im Bett als auf dem Feld. Mindestens sieben Kinder, verstreut auf 5-6 Bundesstaaten. Free Agent. Und ein fehlender Baustein in Oakland. Noch Fragen?

Ausblick

Oakland hat zuletzt alle sechs Divisionsspiele gewonnen. Nur aufgrund einiger unglaublicher Niederlagen (Arizona, San Francisco, nur 2-2 gegen die NFC West!!) wurden die Playoffs verpasst. Trotzdem nun mitten im Aufschwung der Trainerwechsel – und dann eine interne Lösung. Manchmal wunderst dich dann doch noch. Selbst bei den Raiders.

Solide Mannschaft mit guter Basis. Wenn’s jetzt noch einen Top-Quarterback hätten…

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