Samstagsvorschauer 2016, Week 10

Zwei Dinge, auf die es heute aufzupassen gilt: Kickoff-Zeiten sind eine Stunde früher als gewohnt, weil die USA erst in ihrer Nacht auf morgen die Zeit auf Winterzeit zurückdrehen. Morgen dann wieder NFL wie gewohnt ab 19h abens.

Und: Die ab sofort verwendeten Rankings auf diesem Blog sind jene des Playoff-Komitees. Texas A&M wird also deshalb als #4 gelistet. Weiterlesen

Samstagsvorschauer, Week 1 | College Football 2015/16

Donnerstag und Freitag waren gutes Warm-Up auf die Saison im College Football 2015/16. Richtig los geht es heute mit dem Kickoff-Weekend. Früher war das eines meiner Lieblings-Sportwochenenden, aber seit dem Ableben von ESPN America und der etwas eingeschränkteren Berichterstattung hat sich das Thema etwas gelegt.

1ter Spieltag im College Football ist für viele Teams ein leichtes Einrollen gegen unterklassige Gegner, vergleichbar mit Freundschaftsspielen im Preseason-Fußball: Selbstvertrauen tanken und trotzdem ein paar schematische Kniffe probieren, bevor es ab Woche 2 mit dem Ernst des Lebens losgeht.

Es gibt aber immer wieder auch Leuchtturm-Ansetzungen für die großen TV-Anstalten. In diesem Jahr sticht kein „Top-Spiel“ richtig heraus – zumindest keine Partie, die für beide Teams bereits unmittelbare Auswirkungen auf die Playoffs haben wird. Weiterlesen

Die Akademische Viertelstunde, Woche 6: Wir waren so knapp davor!

Woche 6 im College-Football bot einige spannende Spiele, und fast hätte es das erste große Chaos in den Rankings gegeben, aber eben nur fast. So blieb von diesem Wochenende bloß der Schrecken, den einige Top-10 Teams mitnahmen in das Wochenende. Beginnen wir vielleicht chronologisch mit einer der wenigen Mannschaften, die voll überzeugt haben.

Und zwar den Florida State Seminoles, die gegen die Maryland Terrapins ein 63:0-Feuerwerk abbrannten. Nun mag der geneigte Fan sagen, waren doch nur die Terps! Stimmt – vielleicht. Denn diese Terps waren bisher 4-0 und an #25 im A.P.-Poll gerankt. In Tallahassee war davon nicht viel zu sehen, denn die Noles hatten von der ersten Minute an keine Probleme und machten die Terps platt. Überzeugend war einmal mehr QB „Famous Jameis“ Winston, der immer mehr mit Johnny Manziel verglichen wird, was auch heißt: Jameis wird im Heisman-Rennen ab sofort öfters genannt werden.

Kein Heisman-Rennen, sondern A.C.C. bzw. National Title Race war für die Clemson Tigers angesagt, die nach der Demonstration der Noles am Mittag nachlegen mussten und im Nachmittags-Slate ab 14:30 (Eastern Time) den armen Syracuse Orange sieben Touchdowns einschenkten und 49:27 gewannen. Am nächsten Wochenende geht es für die beiden im direkten Duell um alles, sprich: Wohl den A.C.C.-Finaleinzug aus der Atlantic Division.

Die Probleme hatten die anderen. Die Georgia Bulldogs zum Beispiel, die eine Woche nach ihrem gefeierten Heimsieg über L.S.U. nach Knoxville fahren mussten, um den Tennessee Volunteers entgegenzutreten. Was wie eine Pflichtaufgabe klang, entwickelte sich zu einem echten Knüller, in dem Georgia in der zweiten Halbzeit „outplayed“ wurde und erst fünf Sekunden vor Schluss durch einen TD-Pass von QB Aaron Murray überhaupt den Ausgleich für die Overtime erzielten! Dort erzielte RB Pig Howard (der heißt wirklich so) dann sogar einen Touchdown – dachten alle. Es wurde Fumble gegeben, und Georgia konnte hernach per Field Goal zum knappen 34:31 Sieg einschießen. Damit haben die Vols einmal mehr eine herzzerreißende Niederlage erlebt, aber dafür waren auch die Georgia Bulldogs viele Jahre lang bekannt. Die haben das Stigma scheinbar erst einmal abgelegt.

Das Primetime-Spiel zwischen den Northwestern Wildcats und den Ohio State Buckeyes brachte neben riesigen Emotionen auch einen spannenden Spielverlauf. Ohio State gewann am Ende 40:30, aber der Endstand trügt und täuscht darüber hinweg, dass es in der zweiten Halbzeit lange sehr knapp war. Bei 23:20 Führung für Northwestern konnte Buckeyes-RB Carlos Hyde nur um Zentimeter den TD erzielen, und später, als die Buckeyes drei Minuten vor Spielende nur mit 34:30 führten, scheiterten die beherzten Wildcats nur um Haaresbreite an einem Fourth Down: QB Kain Colter wurde unter einer Menschentraube begraben, und kein Mensch vermochte abzuschätzen, ob Colter die notwendigen Zentimeter erreicht hatte. Weil es für die Video-Referees im American Football aber zweifelsfreie Beweislage braucht, wurde der Versuch „zu kurz“ gebeben.

Zwei haben wir schon, aber die Trilogie ist noch nicht komplett: Im Spätspiel standen sich Stanford und die Washington Huskies gegebenüber, und auch hier hatte der Favorit (Stanford) erhebliche Schwierigkeiten. Wer das Spiel gesehen hat, sah eine richtig starke Stanford-Mannschaft, keine Frage. Aber Washington hatte seine Chancen: Kurz vor Schluss, eben auf 28:31 herangekommen, stürmten die Huskies das Spielfeld hoch, bis in einem weiteren Fourth Down der WR Kevin Smith einen überragenden Catch machte, oder „keinen Catch machte“?  Smith fiel nach vorne und hatte den Ball fest verschränkt unter seinem Körper. Die Referees gaben auch nach dem Video-Review „incomplete Pass“. Keine Fehlentscheidung, aber man sieht: Es war ganz einfach extrem knapp.

So haben wir nahezu unveränderte Top-10 vor dem nächsten Spieltag (F.S.U. überholte aufgrund des überzeugenderen Sieges im AP Poll Georgia). Ab nächstem Spieltag werden dann auch wieder die B.C.S. Rankings zum letzten Halali blasen und erstmals in ihrer letzten Saison erscheinen.

Von der persönlichen Warte aus gab es auf dem Campus hier in Bloomington am Wochenende ein großes Highlight, als die Indiana Hoosiers die höher eingeschätzten Penn State Nittany Lions klar schlugen. Indiana ist vielleicht noch keine Spitzenmannschaft, aber die Leute hier sind fast schon euphorisch, dass es endlich mal eine Footballmannschaft gibt, die nicht Woche ein, Woche aus abgeschossen wird. Der Head Coach Kevin Wilson hat ganze Arbeit geleistet, und man bewundert ihn nicht nur für die Siege, sondern auch für das ziemlich ansehnliche Offensivspiel der Hoosiers.

Damit für heute fast schon das Ende, allein das obligatorische Texas-Spiel fehlt uns noch. Die Longhorns waren schon am Donnerstag im Einsatz, in Ames in Iowa, bei den Iowa State Cyclones. Texas gewann 31:30, aber es war ein Spiel für die Verschwörungstheoretiker – so sehr wurde Texas in diesem Spiel von den Referees bevorzugt: Im letzten Drive zu den siegbringenden Punkten gab es einen so eindeutigen Fumble eines Texas-RBs, dass es unverständlich war, wie die Referees sogar nach dem Video-Beweis noch behaupten konnten, er sei am Boden gewesen.

Für Karma und Ansehen taten die Longhorns zehn Tage vor ihrem großen Schlager an diesem Wochenende gegen Erzfeind Oklahoma auch nicht viel: Der Wide Receiver Mike Davis hatte die unfairste Aktion an diesem Wochenende:

Der unfairste Late Hit des Jahres

Wir ahnen es: Mike Davis wurde von den Referees dafür nicht bestraft.

College Football 2013/14, Preview Week 6 am Samstag

Die Saison im College-Football nimmt richtig Fahrt auf mit haufenweise Conference-Spielen, die längst Überhand genommen haben. SPORT1 US heute mit folgenden Spielen im Portfolio – man achte drauf, dass der 21h30-Slate wegen IndyCar diesmal ausfällt:

18h    Florida State - Maryland
01h    Mississippi State - Louisiana State
04h15  Stanford - Washington

Schedule des ESPN-Players kann wieder im Tagesverlauf bei Allesaussersport nachgeschlagen werden. Der NBC-Stream könnte wieder das „Heimspiel“ von Notre Dame (nur theoretisch; Spiel findet in Dallas auf neutralem Boden statt) gegen Arizona State übertragen.

Government-Shutdown

Eine interessante Färbung gibt es am heutigen Spieltag durch die US-Regierungskrise („Government Shutdown“), wegen dem bizarrerweise das Militärduell NavyAir Force (ab 17h30 geplant) ausfallen könnte, wie auch Boston College Army. Die Entscheidung hätte am Donnerstag fallen sollen; zum „Redaktionsschluss“ am Freitagvormittag war mir noch nix darüber bekannt.

Nachmittags-Brunch ab 18h

Bestes Spiel um 18h und eines von nur drei Ansetzungen zwischen zwei AP-25 Teams am heutigen Tage ist #8 Florida State Seminoles#25 Maryland Terrapins (bei SPORT1 US). FSU ist trotz einiger Defensivprobleme (viele Abgänge in die NFL) recht rund in die Saison gekommen, vornehmlich wegen des in alle Höhen gehypten QB Jameis Winston, dem „neuen Manziel“. Winston, ein Freshman der nebenher Baseball für die Noles spielt, hat einen etwas merkwürdigen Wurfstil, aber seine Pässe sind schon recht zielgenaue Raketen.

Maryland scheint im dritten Jahr unter dem einst so gehassten Head Coach Randy Edsall in Schwung zu kommen, steht bei 4-0. Es ist zwar irgendwie jeder skeptisch, inwieweit die Terps „legit“ sind, aber immerhin gewinnt Maryland nun die Spiele, die in den letzten beiden Jahren jeweils noch haushoch verloren wurden. Und das 37-0 über WVU, das man noch letzte Woche am liebsten verspottet hätte („WVU ist auch nicht mehr das, was es mal war“), sieht nach dem überzeugneden Sieg der Mountaineers letzte Woche über das hoch gehandelte Oklahoma State nun wie ein gutes Ergebnis aus.

Florida State spielt in zwei Wochen sein erstes „Spiel der Wahrheit“ gegen Clemson. Maryland ist der letzte Test, bevor die Noles in eine spielfreie Woche gehen. Wenn eine Mannschaft in den letzten Jahren pauschal für überflüssige Niederlagen vedächtigt worden ist, dann war es FSU, insofern gibt es durchaus eine kleine Packung Upset-Potenzial in diesem Spiel.

Ein anderer schwarzer Wunder-QB ist Teddy Bridgewater von #7 Louisville, der einen fürchterlich einfachen Schedule spielen darf. Louisville ist heute bei Temple zu Gast und alles andere als ein lockerer Sieg würde als Enttäuschung gewertet. Bei NebraskaIllinois darf man sich zu Gemüte führen, ob die Huskers-Defense sich von den jüngsten Blamagen erholt hat; auf alle Fälle steht Coach Bo Pelini im Kreuzfeuer, wenn Illinois viele Punkte aufs Tablett legen sollte.

Um 18h30 MESZ spielt Virginia Tech gegen UNC. UNC legt jede Woche tiefere Tiefpunkte hin und die Messlatte ist mittlerweile so weit unten angelegt, dass die Tar Heels trotz einiger aussichtsreicher NFL-Prospects froh wären, von Virginia Tech nicht komplett an die Wand gespielt zu werden. Da kommt es gut, dass VT zwar eine der gefürchtetsten Defenses im Lande hat, aber „Beamerball“ (extrem gute Defense + Special Teams, benannt nach VT-Coach Frank Beamer) nicht für die punktgewaltigste Spielweise steht. Die Hokies gewinnen lieber 13-10 als 58-37. Empfehlenswert ist das Spiel sicher auch aufgrund der tollen Kulisse im Heimstadion von Virginia Tech.

Ab 20 AkronOhio aus der Mid-American Conference. Akron ist mit seinem Coach Terry Bowden (Sohnemann der Legende Bobby) eines der Bodensatz-Teams der MAC, hätte aber vor zwei Wochen ohne weiteres Michigan in deren Stadion schlagen können und scheiterte nur sauknapp. Ohio seinerseits ist Mitfavorit in der MAC.

21h30-Slate

#6 Georgia hat die Massen mit seinen spektakulären Spielen offenbar so sehr begeistert, dass CBS das Tennessee-Georgia Spiel als sein Topspiel der Woche auserwählte. Bei uns über normalem Wege nicht zu sehen, riecht das nach einem gewaltigen Mismatch: Die Vols wurden bereits von Oregon in Grund und Boden gespielt und hatten letzte Woche gegen das bestenfalls zweitklassige South Alabama alle Probleme der Welt, ein 31-24 herauszuwringen (USA hatte Sekunden vor Schluss an den TEN 8yds Line gestanden).

Alternativprogramm: #21 Oklahoma State vs Kansas State. Letztere hatten ihre peinliche Pleite bereits am ersten Spieltag, erstere holten das letzte Woche nach, als sie gegen das bis dahin desaströse West Virginia glatt verloren. OSU hatte ich im Sommer dick auf der Rechnung gehabt für eine mögliche Überraschung in der Big 12; K-State weniger.

Oder #14 Miami/FLGeorgia Tech. Bei den Canes bin ich mir noch immer nicht sicher ob deren Offense-Qualitäten: Ja, es gibt fantastische Athleten, und ja, immer wieder gewaltige Drives, aber am Ende des Tages bleibt doch der Eindruck von Stückwerk. Aus der ACC gäbe es außerdem: Syracuse#3 Clemson.

Die Nachtspiele

Das Massaker Colorado#2 Oregon (ab Mitternacht) gibt es bei uns Gott sei Dank nur für Goldgräber zu finden. Ein anderes Gemetzel ist dagegen lt. Sendeplan bei SPORT1 US (Stand gestern Vormittag) dabei: Ab 1h Mississippi State#10 LSU mit LSUs neu gefundener Offensivgewalt. Ich habe über zwei Jahre über QB Zach Mettenberger gelästert, sodass ich nun Abbitte leisten muss: Was Mettenberger seit dem TCU-Spiel abliefert, ist ziemlich gigantisch und sein Stil ist durchaus NFL-kompatibel. OK, das war er immer schon, aber nun strahlt Mettenberger endlich auch Selbstbewusstsein aus, und macht kaum mehr gröbere Denkfehler, wenn es ums Zerlegen von Coverages geht. Mettenbergers Next Test: @Alabama im November. Bis dahin gilt es, weiter ins neue Offense-System von Cam Cameron einzutauchen.

Ein Topspiel ab 1h, das es hierzulande offiziell nicht zu sehen gibt: #11 OklahomaTCU (läuft in den Staaten bei FOX). Es ist das direkte Duell der beiden besten Defenses der Big 12 Conference. Oklahoma hat sich mittlerweile zum Big 12-Favoriten gemausert, wenngleich es mich bass erstaunt, wie wenig Aufmerksamkeit die großen Medien den Sooners (den Sooners!) schenken: Trotz Ungeschlagenheit nur an #11 gerankt. Das mag den sportlichen Stand widerspiegeln oder nicht, aber so große Unis landen im Normalfall bei 4-0 Bilanz weiter oben. QB Blake Bell (der „Belldozer“), früher nur bekannt als Landry Jones‘ rein scrambelnder Backup, soll zuletzt verstärkt als Starting-QB mit Passqualitäten auf sich aufmerksam gemacht haben.

TCU ist dagegen eine kleine Enttäuschung: Die Defense ist nicht das Problem, sondern die Offense, wo es weiterhin keine Konstanz gibt und QB Pachall mal wieder wochenlang mit Verletzungen raus ist. TCU war einer meiner Geheimfavoriten, aber es scheint meinen Erwartungen nicht ganz gerecht werden zu können. Ein Upset heute in Norman könnte mein Weltbild wieder ins Lot rücken.

Möglicherweise im ESPN-Player ist allerdings #18 FloridaArkansas (ab 1h): Florida mit seiner furztrockenen, aber ebenso langweiligen Defense gegen Arkansas, das in der Offseason alles untenahm, um die letzten Erinnerungen an die spektakulären Pass-Offenses der letzten Jahre zu verwischen. Florida spielt ohne seinen besten DL Dominique Easley (Kreuzbandriss; out for season).

Ein cooles Matchup könnte Auburn#24 Ole Miss sein: Zwei interessante Typen an der Seitenlinie, Auburns Gus Malzahn, der quasi mit Tag 1 seiner Präsenz wieder Leben in die verwaiste Tigers-Offense brachte, gegen Ole Misses Hugh Freeze, Recruiting-König. Die gemeinsame Geschichte der beiden liegt bei Arkansas State: Dort löste Malzahn letztes Jahr Freeze ab; beide nutzten das Sprungbrett Arkansas State, um bessere Jobs in der SEC zu bekommen.

Was ist bei South FloridaCincinnati interessant (ebenso 1h)? South Florida. Die Bulls sind unter dem neuen Coach Willie Taggert so schlecht in die Saison gekommen, dass es nicht ausgeschlossen ist, dass Taggert seine Debütsaison nicht überlebt. Man muss dazu wissen, dass es am College sehr ungewöhnlich ist, dass Coaches nicht mindestens 2-3 Jahre Zeit bekommen.

Wohl wieder im NBC-Stream ab 2h: Notre Dame#23 Arizona State, das bizarrerweise aus dem Cowboys-Stadion in Arlington kommt. Notre Dame wurden letzte Woche von Oklahoma die Grenzen aufgezeigt, während Arizona State mit einem 62-Punkte-Wirbelsturm gegen USC die Ära von Lane Kiffin beendete.

Der Kiffin-Nachfolger könnte ab 1h30 zu sehen sein, wenn Vanderbilt gegen Mizzou spielt. Vanderbilts Head Coach James Franklin gilt als überfälliger Kandidat für einen richtig großen BCS-Coaching Job. Er wird bei allen wackeligen Trainerposten in der Elite des College-Football genannt; so auch bei den USC Trojans.

Ab 02h spielt #16 Northwestern vor einem vermutlich rebellischen Heimpublikum gegen #4 Ohio State. Jeder faselt davon, wie überschätzt Ohio State sei; trotzdem werden die Buckeyes Woche für Woche in den Top-5 gerankt. Viele schwierige Spiele hat Ohio State nicht mehr dieses Jahr, aber Northwestern könnte eines von ihnen sein: Eine kleine Elite-Uni, die leidenschaftlichen Football spielt und einen begeisternden QB Kain Colter auffährt.

Northwestern ist eine kleine Elite-Privatuni aus dem „Umfeld“ von Chicago; das allein reicht, dass diese Uni kaum mediale Beachtung findet, zwischen Bears, Cubs, White Sox, Bulls, Blackhawks und was-weiß-der-Teufel-was-dort-noch-für-Profiteams-umherlaufen, aber das heute könnte der gefühlte Höhepunkt in der Wildcats-Geschichte sein: ESPNs College GameDay stationiert heute auf dem Campus von Northwestern, und allein das bringt Aufmerksamkeit. Für Head Coach Pat Fitzgerald, Quarterback in der bisher erfolgreichsten Zeit dieser Uni (Big Ten Siege 1995, 1996), einen eingefleischten Wildcats-Mann, muss das nach fast zehn Jahren im Coaching-Staff eines der geilsten Spiele bisher sein.

Ab 4h30 MESZ das dritte Spiel zweier gerankter Teams: #5 Stanford#15 Washington. Stanford verlor letztes Jahr zwei Spiele: Einmal dank Referee-Fehler gegen den BCS-Finalisten Notre Dame, und einmal… gegen Washington. Die Huskies waren 2012 ansonsten aber zu wenig konstant um ein ernsthaftes Wörtchen um mehr als gelegentliche Sensationen mitzureden, aber diese Jahr gilt die Kombination aus hochwertigen Athleten und viel Erfahrung als durchaus gefährlich. Manche trauen den Huskies heute Nacht sogar eine Überraschung zu. Wenn, dann muss aber QB Keith Price weiterhin so aufgeigen wie in den ersten Wochen angedeutet.

The Countdown, T-minus 22: Northwestern Wildcats

The Countdown

#22 Northwestern Wildcats.
Big Ten Conference.
2012: 10-3.

Die Northwestern University aus der Nähe von Chicago ist eine relativ kleine, private Eliteschule, die außer zwei sensationellen Conference-Siegen 1995-1996 in der Big Ten Conference im American Football bisher wenig Aufregendes zustande gebracht hatte und auch als eher kleiner Fisch wahrgenommen wird. Seit zwei Jahren aber gibt es wieder einigen Buzz um die Wildcats, die vom Lokalpatrioten Pat Fitzgerald gecoacht werden. Fitzgerald war der Quarterback jener beiden legendären 90er-Teams, die es jeweils in die Rose Bowl schafften und auf dem Campus immer noch wie Helden verehrt werden. Fitzgerald kennt die Herausforderungen, die ein Coach bei Northwestern zu bewältigen hat: Schule, die ihren Fokus woanders als Sport hat, schwieriges Recruiting, weil die Athleten auch gute Noten brauchen, mittelmäßig interessiertes Publikum.

Trotzdem war Northwestern in den letzten beiden Jahren überraschend stark. 2012 schloss man beispielsweise mit 10-3 ab, zum ersten Mal zweistellige Siege seit fast zwei Jahrzehnten. Und es hätte sogar mehr sein können, hätten die Jungs nicht dreimal klare Führungen im Schlussviertel vergeigt. Northwestern kennzeichnet eine ruhige Offense aus, die kaum 70yds-Spielzüge hinlegt, aber dafür geile Unterhaltung aus dem Backfield heraus fabriziert. Der QB Kain Colter zum Beispiel ist nicht bloß Werfer und Ballträger, nein, Colter ist auch immer wieder für einen launigen Catch zu haben, der für Stimmung auf den Tribünen sorgt.

Northwestern hat nicht die allerbeste Offense, aber sie minimiert die Dummheiten, wenn man mal in RedZone-Nähe ist, und gehört zu den effizientesten Maschinen, wenn es drum geht, Punkte aus halbwegs aussichtsreichen Lagen mitzunehmen. In der Defense hat man bedenklich wenig Tiefe und Schwierigkeiten, wildes Passspiel zu verteidigen, aber da in der Big Ten Conference eh nur wenig Passgewalt ansteht, dürfte das Problem nicht so grausig zuschlagen.

Der Schedule ist nicht ungünstig: Michigan, Michigan State und Ohio State werden zuhause empfangen. Die schwersten Auswärtsspiele sind mit Nebraska und Wisconsin zwei Teams, die eh kaum Passspiel zustande bringen und somit für Northwestern einfacher zu verteidigen sein sollten. Für Northwestern wird es vermutlich wieder einige knappe Spiele geben, und man muss hoffen, dass die Münzen so oft wie möglich auf der richtigen Seite umfallen. Denn nur mit guten Siegbilanzen wird sich für Fitzgerald und seine Eliteschule das Recruiting, die Basis für die Zukunft, vereinfachen.

Neujahrsbowls 2013 Preview

An alle, die den Rutsch unbeschadet überstanden haben: Guten Morgen im neuen Jahr. College Football ist gnadenlos und gesteht uns keine Pause zu; im Gegenteil: Heute folgen die Bowls an dem Tag (Neujahr), an dem vor Urzeiten die Idee geboren wurden, überhaupt Bowls zu veranstalten. Die wichtigste ist heute die Rose Bowl zu Pasadena, die in einem gesonderten Eintrag behandelt wird, wie auch die Orange Bowl. Sie merken: Die BCS (Bowl Championship Series) startet. Zuerst aber das „Aufwärmprogramm“. Weiterlesen

Recap – College Football, Woche 6

Weil ESPN America Baseball und erneut Motorsport bevorzugte, dauerte das „Wochenende“ am sechsten Spieltag diesmal bis Mittwochabend. Seit gestern kenne ich alle Ergebnisse und die wichtigsten Tapes.

Penn State – Northwestern

Die Story des Spiels ist weniger die erste Saisonpleite von Northwestern (die war abzusehen), sondern das Feuer, das in den Penn State Nittany Lions steckt. Ich meine, jeder Spielzug legt offen, dass wir es hier mit einer von Abgängen geplagten, in Qualität und Quantität maximal lauwarm besetzten Mannschaft zu tun haben. Entsprechend hoch einzustufen ist das, was der neue Trainerstab um Bill O’Brien da innerhalb kürzester Zeit aufgestellt hat.

QB Matt McGloin ist im Vergleich zu den letzten Jahren nicht wiederzuerkennen; im Herzen ein kleiner Favre, aber seit O’Brien das Sagen hat, gerade genügend gezähmt, um die ganz dicken Bolzen zu vermeiden. Und doch sage man O’Brien nicht nach, das Risiko zu scheuen. Der Call, das 4th down im Schlussviertel bei 25-28 Rückstand ausspielen zu lassen, war groß – trotz der Tatsache, dass jeder Kick des Sam Ficken aus mehr als 20yds Entfernung einer Harakiri-Aktion gleichkommt.

O’Brien riskierte, O’Brien gewann. Was Penn State im Schlussviertel nach drei Abschnitten Anämie aufgeigte, auch in der Defense um die fantastischen Linebackers #6 Hodges/#42 Mauti, war fantastisch. Man stelle sich vor, die Nittany Lions hätten nicht die überflüssigen Turnovers gegen Ohio begangen, oder Sam Ficken hätte wenigstens einen weiteren der vier Fehlkicks gegen Virginia versenkt – Penn State stünde 6-0 und böte den Pundits hinreichend Stoff, in Sachen „Penn State“ auch wieder mehr über das Footballteam zu berichten.

Florida – Louisiana State

Der große Titelfavorit vieler ist gestürzt: LSU wurde in Gainesville komplett abgewürgt und verlor 6-14 gegen die Florida Gators. Die Niederlage, wie ich schon in der Preview angedeutet hatte, kommt nicht einer Sensation gleich: Zu schlecht waren die letzten beiden Auftritte der Tigers mit ihrer Offense gewesen (gegen Auburn und Towson).

Die Probleme von LSU betreffen primär die Offensive Line: Das Laufspiel kam überhaupt nicht in die Gänge (wenn wir die Sacks wegrechnen, 21 Runs für 61yds), und wenn bei LSU der Lauf nicht funktioniert, steht in der Hinterhand kein Quarterback, der das Ruder rumzureißen vermag. Ernsthaft: S’letzte Mal, als LSU wirklich auf einen QB bauen konnte, hieß der Jamarcus Russell. Der aktuelle QB Zach Mettenberger brachte kaum was zustande, und der einzige richtige Big Play wurde von WR Odell Beckham weggefumbelt.

Florida, muss man anmerken, war auch nicht spektakulär. Aber die Gators gingen angeführt vom mir aus Boise-Zeiten in exzellenter Erinnerung gebliebenen OffCoord Brent Pease nicht von ihrem GamePlan weg und setzen über 60 Minuten konsequent auf ihre Bodenwaffe. Das zahlte sich in der zweiten Hälfte aus: Die Gators schläferten mit ihrem wenig aufregenden, aber beständigen Laufspiel die LSU Tigers ein. RB Mike Gillislee mit keinem Lauf über 12yds, aber der Mann fällt immer nach vorne, wenn er getackelt wird, holt immer noch 1-2yds selbst im Fallen raus – das summiert sich, und killte im Verlauf der zweiten Halbzeit sichtlich die Moral einer der besten Defenses, die der College Football hergibt.

South Carolina – Georgia

Das wahre LSU spielte am letzten Wochenende in Columbus: Die South Carolina Gamecocks besitzen die genau gleich gute – und gleich gebaute – Defense, sie sind genau gleich eindimensional im Angriff, aber sie haben die notwendigen Einzelspieler zum Aufblühen dieser Spielweise zu bieten.

In dieser Saison habe ich noch keine Defensive Line besser spielen sehen, als jene der Gamecocks gegen Georgia. Was der DE Devin Taylor da veranstaltete, war grandios und wird nur noch vom Hürdensprinter/Passrusher Jadeveon Clowney getoppt, der, wenn er fit bleibt, 2014 in den Top-5 gedraftet werden dürfte. Georgias wirklich guter Angriff sah kein Land. QB Murray mit gefühlt 5% Completion Rate, das Laufspiel mit kaum 50yds aus 25 Versuchen.

Im Angriff sind die Gamecocks ganz gegen die Natur von Head Coach Steve Spurrier eine LSU-typische Mannschaft: Geworfen wird nur, wenn unbedingt notwendig, dafür drückt man den Running Backs die Partie in die Hand. Nie die schlechteste Idee, wenn der Anführer RB Marcus Lattimore ist. Lattimore ist auch so ein Spieler wie der eben beschriebene Gillislee: Kaum ein Tackle, bei dem Lattimore nicht noch zwei Ellen Raumgewinn rauspresst.

Der QB Connor Shaw ist angewiesen, nur ja keine Turnovers zu produzieren, notfalls per Scramble einen Hit einzustecken, aber b-l-o-ß n-i-c-h-t d-e-n B-a-l-l h-e-r-z-u-g-e-b-e-n. Das reicht, um die Gamecocks scary ausschauen zu lassen.

Absolut nicht ausgeschlossen, dass South Carolina oder Florida in zwei Monaten die große Sensation vollbringen und einen der beiden Giganten der SEC-West, Alabama oder LSU, im SEC-Endspiel Paroli bieten können. South Carolina hat vorerst schonmal morgen die Chance dazu, wenn es gegen den „großen Bruder“ @LSU ins Tiger Stadium geht – ich bitte dabei, sich adäquate Schutzbrillen zu besorgen.

Die AP Top-10

#1  Alabama           5-0
#2  Oregon            6-0
#3  South Carolina    6-0
#4  Florida           4-0
#5  West Virginia     5-0
#6  Kansas State      5-0
#7  Notre Dame        5-0
#8  Ohio State        6-0
#9  Louisiana State   5-1
#10 Oregon State      4-0

Oder kurz anders intrepretiert: Underdogs! Wir haben was zum Glauben! South Carolina, die Uni, die dafür prädestiniert schien, nie irgendwas Bedeutungsvolles zu gewinnen, und Kansas State, das Lebenswerk des stillen Bill Snyder, zwei BCS-Teams, die sich nie wie „BCS“ anfühlten. Der dritte Underdog fühlt sich da mehr wie ein Zwerg an: Oregon State dürfte sich trotz viel versprechendem Auftakts nicht halten können und noch wenigstens zwei bis drei Spiele verlieren.

Der Rest ist Establishment: Alabama sieht wie eine verdiente #1 aus, Oregon wie eine verdiente #2. Das in den Polls gerankte Washington hielt alle Körperextremitäten dagegen und sah gegen die Ducks kein Land. Die West Virginia Mountaineers sind Spaßvögel, aber ich bin nicht überzeugt, wie lange deren Defense hält.

Notre Dame sieht wie die von mir prognostizierte, vor der Saison unterschätzte, Mannschaft aus, ist aber trotz Guru Brian Kelly immer noch auf der Suche nach einer Offense (aber ein 41-3 über Miami/FL ist aller Ehren wert).

Florida wie eben geschrieben mit verdientem Sieg über LSU, aber 100% ausgereift ist diese Mannschaft noch nicht. Ohio State ist nicht bowl-berechtigt. USC, Texas, LSU und Oklahoma könnten sich mit überzeugenden Siegen in den nächsten Wochen wieder zurück in den Kreis der BCS-Anwärter spielen. Bei Florida State bin ich mir nicht so sicher: Der verbleibende Schedule gibt nicht mehr viel her.

Football heute

Labour Day Classic

Bei ESPN America: Um 22h live aus Regina/Saskatchewan: Die größte Rivalität der CFL, Saskatchewan Roughriders vs. Winnipeg Blue Bombers. Eine triste Partie: Nach dem gestrigen Spitzenspiel der beiden Divisionsersten heute die beiden Letzten.

Saskatchewan hat nach 3-0 Start seine letzten fünf Partien allesamt verloren und ist durchgereicht worden. Der GM ist gerade fleißig am Beruhigen, HC Chamblin scheint vorerst auch unangetastet zu bleiben, während die Spieler diese Woche einen „Player-only“-Abend veranstaltet haben, über dessen Inhalt sich alle fleißig ausschweigen. Überhaupt finde ich die Aufregung etwas übertrieben: Vier von fünf Niederlagen waren mit einem einzigen Score Differenz.

Bei Winnipeg sieht es schon anders aus. Der Vorjahresfinalist, bei dem ich bereits ein happiges Jahr angekündigt hatte (*Schulterklopf*) feuerte diese Woche den streitbaren Head Coach Paul LaPolice. Winnipeg ist 2-6 und dabei 2-2 in engen Spielen. Vor drei Wochen habe ich mal ein Viertel von den Bombers gesehen; war absolut nicht grauenhaft und auch die Ergebnisse schrien eigentlich nicht nach „Entlasse! Entlasse!“ – letzte Woche nur knapp gegen den Ligakrösus BC verloren.

College Football Auftaktwochenende continued

Um 5h bitteschön als Tape: Syracuse (ACC) vs. Northwestern (Big Ten). Zweimal Teams mit relativ kleinen Ambitionen in dieser Saison (v.a. Northwestern mit HC Pat Fitzgerald will diesmal eher kleine Brötchen backen). Aber beidesmal Teams mit schönen Trikotfarben: Syracuse und sein Orange, Northwestern und sein elegantes Lila/Violett.

Silvester-Bowls im College Football 2011

Achtung: Dieses Jahr finden am morgigen Neujahrstag keine Bowls im College Football statt, da die NFL ihren letzten Spieltag des Grunddurchgangs abhält. Die traditionellen Neujahrsbowls diesmal am Montag, 2.1. Mit dem Appell, nicht verantwortungslos zu feiern, zu den heutigen Silvester-Bowls für die Partymuffel.


Meineke Car Care Bowl of Texas

Texas A&M Aggies – Northwestern Wildcats

Sa, 31.12. 18h LIVE im ESPN-Player
Tape: So, 1.1. 6h30 bei ESPNA

Da sind zwei Teams mit einer Saisonbilanz von 6-6, aber “6-6” fühlt sich bei beiden sehr unterschiedlich an. Texas A&M gehört bekanntlich zu den von mir immer noch hoch angesehenen Teams, ein Kaliber, das nur gegen Oklahoma höher verlor, ansonsten durch allerhand Freak-Einbrüche Führungen und an sich gute Vorstellungen wegwarf und sich seine letzte Saison in der Big 12 Conference zerschoss. HeadCoach Mike Sherman ist dann auch gefeuert worden, doch heute wird nicht der Nachfolger Kevin Sumlin (von Houston gekommen) coachen, sondern DefCoord Tim DeRuyter, der sich dann auch nach der Partie brav nach Fresno State verzieht, wo er der neue Mann am Steuer sein wird. Alles klar?

Die Aggies leben von einem sehr guten Angriff (496yds/Spiel) um QB Ryan Tannehill (3415yds, 28 TD, 14 INT) und den Top-WR Jeff Fuller, aber die beiden starken Running Backs Michael/Gray sind seit Wochen entweder außer Gefecht oder schwer angeschlagen unterwegs. Northwesterns Defense gilt jedoch immer noch nicht als stark genug, um aTm zu einzubremsen.

Texas A&Ms Defense gilt als ordentlich gegen den Lauf, aber anfällig gegen fliegende Bälle. Die Stärken der Northwestern Wildcats passen da dummerweise genau ins Profil: QB Dan Persa muss in Abwesenheit eines ernst zu nehmenden Laufspiels viel und oft werfen und gilt dann auch als sehr akkurater QB.

Excel spuckt die Aggies trotzdem als 15pts-Favorit aus, wobei noch Fragezeichen bezüglich der Motivation bei den Aggies bleiben. Inwiefern lässt sich der Kader nach dem enttäuschenden Saisonverlauf inklusive verheerender Derbyschlappe gegen Texas vom Interimscoach noch genügend motivieren, um sich ein letztes Mal aufzuraffen?


Hyundai Sun Bowl

Georgia Tech Yellow Jackets – Utah Utes

Sa, 31.12. 20h LIVE bei ESPN America

Billigalternative zum Silvester-Menü: Sun Bowl aus dem warmen New Mexico (Albuquerque). Utah war im ersten Jahr als BCS-Team eine dezente Enttäuschung mit 7-5 in der Pac-12, hatte in der Offense nach einigen Verletzungen nicht viel mehr als den RB John White (1404yds, 14 TD) zu bieten, was sich aber noch recht gut trifft, da Georgia Tech eine schwache Front Seven aufbietet.

Georgia Tech ist unter HeadCoach Paul Johnson mit seiner „flexbone-triple option“-Offense immer ein Hingucker, läuft 316,8yds/Spiel, was sich etwas weniger gut trifft, weil Utahs absolut größte Stärke die Lauf-Defense ist. Die Utes haben zwar heuer keine Option-Offense gesehen, jedoch in den vergangenen Jahren gegen Air Force verteidigt. Die Yellow Jackets gelten trotz aller Pitches und Options als eigenartig abhängig von den Wurfkünsten QB Tevin Washingtons, die in der zweiten Saisonhälfte eher ein nervöses Abzugshändchen waren.

IMHO eine der interessantesten Bowls, was Matchups und Aufeinandertreffen von Stärke und Schwäche angeht. Ich vertraue angesichts einer Unmasse an zu erwartenden Laufspielzügen dem Excel-Spread von 2pts zugunsten Utahs nicht wirklich und sage trotz völliger Unwissenheit über den Sieger kein Spiel voraus, das knapp enden wird.


AutoZone Liberty Bowl

Cincinnati Bearcats – Vanderbilt Commodores

Sa, 31.12. um 21h3o LIVE im ESPN-Player
Sa, 31.12. 23h30 LIVE bei ESPN America (Einstieg in die Endphase)

Wenn man über dieses Spiel ein paar Zeilen verliert, kommt man nicht drum herum, den Umschwung an der gebrandmarkten Verlierer-Universität Vanderbilt (aus Nashville/Tennessee) zu thematisieren:  Jahrelang in der SEC verlacht und verspottet, aber seit letztem Winter sitzt dort der glatzköpfige Offensivgeist James Franklin am Ruder, der dann auch gleich in seiner Debütsaison mehr Siege holte als die letzten beiden Jahre zusammen. QB ist mit Jordan Rodgers der Bruder des großen Aaron, und Jordan fügte sich dann nach anfänglichen Problemen auch ordentlich ein, machte mit seiner Beweglichkeit viele Plays. Cincinnati (9-3) wird nun doch mit seinem in Rekordzeit wieder genesenen QB Zach Collaros antreten können, was essenziell sein könnte, da Vanderbilts Pass Rush zwar als aggressiv gilt, aber die Deckung viele Yards aufgibt – der unerfahrene Backup Munchie Legaux wäre hier vermutlich leichter verbrannt worden (Excel-Spread übrigens: 0,0 Punkte).


Kraft Fight Hunger Bowl

Illinois Fighting Illini – UCLA Bruins

So, 1.1. Tape um 9h30 bei ESPN America

Ein Spiel mit Potenzial zur schlechtesten College-Bowl seit Äonen: Illinois nach sechs Niederlagen en suite von 6-0 auf 6-6 gefallen und HeadCoach Ron Zook gefeuert, UCLA nach wechselhaftem Saisonverlauf 6-7 mit haushohen Klatschen gegen USC (null zu fuffzich) und Oregon (31-48) zum Abschluss, Head Coach Rick Neuheisl gefeuert und nur dank einer speziellen Klausel trotz negativer Saison überhaupt qualifiziert. Dazu kommt das ungeliebte Baseball-Stadion AT&T von San Francisco als Austragungsort, wo die beiden Teams an derselben Seitenlinie an der 50yds-Linie voneinander getrennt sein. Zum wenig begeisternden Stuff tragen auch die vielen angeschlagenen Running Backs in Illinois’ Angriff und der Zorn der UCLA-Fans auf den frisch eingestellten HeadCoach für 2012, Jim Mora jr., der heute allerdings noch nicht coachen wird, bei. Bei Illinois wird allerdings bereits die neue Fixlösung, Tim Beckman (von Toledo gekommen), die Spielleitung übernehmen.


Chick fil-A Bowl

#25 Auburn Tigers – Virginia Cavaliers

Sa/So, 31.12./1.1. 01h30 LIVE bei ESPN America
Tape: 1.1. um 12h30 bei ESPN America

Beim Noch-Titelträger Auburn herrscht schlechte Stimmung, weil die Saison in den letzten Wochen noch gegen die Wand gefahren wurde, die Coordinators mittlerweile entlassen oder an anderen Orten Chefcoaches geworden sind (OffCoord Malzahn soll noch dieses letzte Spiel leiten) und die einzige nennenswerte Offensiv-Waffe RB Michael Dyer aus nicht genannten Gründen intern für das Spiel gesperrt wurde. Da hätten wir dann auch gleich unser erstes essenzielles Matchup: Auburns an #104 gerankte Offense ohne seinen besten Mann gegen eine der besten Lauf-Defenses in der FBS.

Virginia, das kleine Virginia, erlebt unter dem leidenschaftlichen Head Coach im zweiten Jahr, Mike London (ein Schwarzer), einen Aufschwung, der sich in einer überraschend starken 8-4 Bilanz widerspiegelt. Im letzten Spiel der Regular Season wurde man zwar von Virginia Tech 38-0 in Grund und Boden gemäht, aber das soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass man hochzufrieden mit der Entwicklung ist. Stärke ist die Offensive Line, hinter der sich ein ordentliches Laufspiel und ein fehlerarmer QB Michael Rocco entfalten können und gegen die tackling-resistente Defense Auburns etliche Yards zurücklegen sollten.

Auburn geht als nur leichter Favorit in diese Bowl mit dem genialsten aller Sponsornamen – Chick fil-A – (3,1pts), aber ein Cavs-Sieg wäre alles andere als ein Upset.

College Football 2011/12, TV-Guideline für Woche 7: Die Conference-Saison nimmt Fahrt auf

College Football geht schön langsam in die heiße Phase der Conference-Spiele, die nun in immer hemmungsloseren Ansetzungen resultieren wird, nachdem dieses Wochenende die ersten BCS-Standings veröffentlicht werden. Das Programm dieser Woche ist unter diesem Gesichtspunkt interessant, aber auch als „Aufwärmprogramm“ für das, was danach folgen wird, zu betrachten ist.

California Golden Bears – USC Trojans

Freitag, 15h30 Tape bei ESPN America

Zweimal Pac-12, und zweimal Teams, die im Rennen um den Pac-12 Titel keine Rolle spielen werden: Cal, weil die Golden Bears sportlich wohl eine Nummer zu klein sind, USC aufgrund seiner Sperre vom Pac-12 Endspiel. So wird der Thrill primär aus dem Faktor „Rivalität“ gezogen werden, und Cal dürfte eine besondere Motivation besitzen, wurde es doch seit 2003 jedes Jahr von den Trojans abgeschlachtet.

Allerdings dürfte die Erinnerung an die letzte Saison eher schmerzen. Damals stürmte USC zu einem 42-0 zur Pause, mit 372yds Offense in der ersten Hälfte (QB Matt Barkley dabei fünf TD). Dieses Jahr ist USC im Angriff ziemlich passlastig, wobei vor allem WR Rashaun Woods unglaubliche 44% der Passyards fängt, während der tiefreligiöse Sunnyboy Barkley ein Muster an Unbeständigkeit ist. Gegen Cal dürfte es trotzdem reichen, da die Bears über kaum Pass Rush verfügen, weil sie in der Defense dafür gebaut sind, den Lauf zu stoppen.

San José State Spartans – Hawaii Warriors

Samstag, 9h Tape bei ESPN America

Ein Duell aus der WAC, wobei Hawaii (1-0 WAC) favorisiert sein dürfte, aber auch San José State zu den bisher recht positiven Erscheinungen der Saison zählt, trotz 2-4 Bilanz. Hawaii verlässt sich im Angriff fast ausschließlich auf den Rastaman QB Bryant Moniz (1578yds, 15 TD, 1 INT, 4 Lauf-TD), während die Spartans einen deutlich ausgeglicheneren Angriff besitzen, der vor allem weniger Turnovers als die Warriors begeht.

Michigan State Spartans – Michigan Wolverines

Samstag, 18h LIVE bei ESPN America

Das Derby der beiden wichtigsten Football-Universitäten im Staate Michigan, und es liest sich wie ein interessantes Matchup. Die immer noch ungeschlagenen #11 Michigan Wolverines verfügen in dieser Saison nach Jahren endlich mal wieder über eine annehmbare Defense, die zwar viele Yards über den Luftweg zulässt, aber hart genug spielt, um zwei, drei Turnovers/Spiel zu provozieren. Dem werfen die #23 Michigan State Spartans einen eher blassen Angriff entgegen, wo QB Kirk Cousins immer gut ist für die eine oder anderen INT, aber Cousins ist einer der QBs, die einen Angriff mit hoher Completions Rate (68%) immer am Leben halten können. Die Spartans glänzen sowieso primär in der Defense, die ganze 173yds/Spiel zulässt, nur 64yds davon im Laufspiel. Michigans Offense wirft dem allein QB Denard Robinson entgegen, einen fürchterlich unpräzisen Werfer, der immer für 3 INTs/Halbzeit zu haben ist, aber solange er noch auf zwei Beinen laufen kann, auch 200yds Laufspiel machen wird. Robinson wird stets als Heisman-Trophykandidat gehandelt, was IMHO ein Hochjazzen ohne Aussicht auf Erfolg ist, solange Robinson nicht wenigstens halbwegs adäquate Bedrohung als Werfer wird. Vielleicht hilft, wenn Robinson die Wolverines nach drei Jahren Sieglosigkeit über Michigan State mal wieder zu einem vollen Erfolg gegen die Spartans führt.

Texas Longhorns – Oklahoma State Cowboys

Samstag, 21h30 LIVE bei ESPN America

#22 Texas leckt nach der verheerenden Niederlage gegen Oklahoma noch seine Wunden, wurde in allen erdenklichen Matchups einfach niedergemacht. Größter Knackpunkt der Longhorns ist aber das offene Scheunentor in der Secondary mit all seinen blutjungen Spielern. Nun kommt mit #6 Oklahoma State rein zufällig der vielleicht beste Pass-Angriff im College Football daher. Das Zusammenspiel zwischen QB Brandon Weeden und WR Justin Blackmon ist fassungslos, was man an Blackmons Zahlen ablesen kann, die da lauten: Im Schnitt 9 Catches für 107yds und 1,2 TD/Spiel. OSU spielt eine meiner Lieblings-Offenses, setzt auch noch hoch erfolgreich RB John Randle in homöopathischen Dosen ein und wird nur in Hischscoring-Spielen zu bremsen sein.

Es dürfte interessant sein, was Texas mit DefCoord Manny Diaz dem entgegenzuwerfen gedenkt, nachdem Diaz am Samstag in der Red River Rivalry ziemlich pulverisiert wurde. Weil die texanische Abwehr zwar talentiert, aber jung und nicht sondernlich „tief“ besetzt ist, kann man davon ausgehen, dass auch Oklahoma State mit seinen Dutzenden Ballfängern Yards und Punkte aufs Tablett legen wird, wahrscheinlich mehr, als die Longhorns-Offense zustande bringen wird. Für diese dürfte das Motto gelten: RB Malcolm Brown laufen, laufen, laufen lassen, Zeit von der Uhr nehmen und wenn immer möglich in der RedZone Touchdowns scoren, bloß keinen Punkt zuviel liegen lassen.

Ich glaube an einen klaren Sieg für Oklahoma State, selbst im Stadion von Texas.

Pittsburgh Panthers – Utah Utes

Sonntag, 7h30 Tape bei ESPN America

Das Duell der Enttäuschten. Pitt (3-3) war in den letzten Wochen bis auf den klaren Heimsieg gegen die USF Bulls sehr mau unterwegs, wurde zuletzt sogar von den langjährigen Underdogs Rutgers 10-34 niedergemacht und kommt in der Offense trotz des großartigen RB Ray Graham nicht wirklich in die Gänge, dafür wirft QB Tino Sunseri einfach zu wenig kontinuierlich gefährlich. Utah (2-3) dagegen wartet nach seinem überfälligen Wechsel in eine BCS-Conference immer noch auf einen Erfolg in der Pac-12, wurde nacheinander von USC, Washington und zuletzt Arizona State geschlagen, respektive: Hat sich selbst geschlagen. Zehn Turnovers in den letzten beiden Spielen? Meine Fresse, das war man von Utah lange nicht mehr gewohnt. Die Probleme gehen aber darüber hinaus: QB Jordan Wynn ist im Krankenstand, Backup Jon Hays hat sich mit haufenweise Interceptions nicht gerade aufgedrängt. Riecht alles nach einem nicht so schönen Spiel…

Tennessee Volunteers – LSU Tigers

Sonntag, 10h Tape bei ESPN America

Ich hatte es schonmal verlinkt, aber weil es so – mit Verlaub – geil war, hier noch einmal das Video von der Mutter aller dramatischen Spielenden:

Das war vor einem Jahr bei LSU – Tennessee. Dieses Wochenende das 2011er-Match in der Heimat der anderen Mannschaft: Neyland Stadium/Knoxville, wobei die Vorzeichen diesmal andere sind. Im Gegensatz zu 2010 ist LSU nicht mehr “upstart”, sondern als #1 der AP Polls ein allgemein anerkannter Titelanwärter, vor allem aufgrund der bekannt groß aufspielenden Defense mit ihrem phänomenalen CB Tyranne Mathieu, aber in den letzten Wochen kam auch der Angriff besser in Schwung, was nicht nur an der Rückkehr von Kneipenschläger-QB Jordan Jefferson liegt, der in Trickspiel- und Options-Situationen eingewechselt wird.

Tennessee dagegen verfügt eigentlich auch über einen soliden Angriff, musste am Wochenende aber einen Rückschlag hinnehmen, als bekannt wurde, dass mit QB Tyler Bray der große Hoffnungsträger für rund einen Monat verletzt zuschauen wird müssen. Bei mir dominiert irgendwie der Grundgedanke, dass die Vols im Vergleich zum Vorjahr auf der Stelle treten, insgesamt nur eine leicht verbesserte Mannschaft sind.

LSU dürfte einen lockeren Erfolg einfahren, also diesmal kein „Wunder“ zum Erfolg.

Tapes nächste Woche

Iowa Hawkeyes – Northwestern Wildcats, Mo/20h Tape Eurosport 2. Das Duell zweier Enttäuschter in der Big Ten. Iowa ist extrem unbeständig in dieser Saison, verliert mal ein Offensivfeuerwerk gegen Iowa State, gewinnt ein rundum solides Spiel gegen Pitt und verliert dann eine Defensivschlacht gegen Penn State. Die Northwestern vergeigte zuletzt vor „eigenem“ Publikum (Michigans Fans schienen deutlich in der Überzahl) eine klare Führung, ist jedoch deutlich selbstbewusster, seit es wieder auf QB Dan Persa bauen kann. Ich halte es für ein offenes Spiel, da beide Teams enorm viele Gesichter zu haben scheinen.

#24 Auburn Tigers – Florida Gators, Di/11h30 ESPN America. Beide haben in dieser Saison so ihre Probleme aufgrund vieler Spieler- oder Trainerwechsel, mussten streckenweise mit Backup-QBs spielen und werden eher nicht zu den Titelanwärtern in ihren SEC-Divisionen gezählt. Die Gators haben allerdings die Chance, nach zwei K.O.-Schlägen gegen Alabama (10-38) und LSU (11-41) wenigstens teilweise Selbstvertrauen zurückzuholen – dafür muss aber die Lauf-Defense etwas besser funktionieren, nachdem die letzten beiden Wochen diesbezüglich grausam waren.

Ole Miss – #2 Alabama Crimson Tide, Mi/13h30 ESPN America. Ole Miss wird mit seiner lendenlahmen Offense überhaupt kein Land sehen, nicht mal im eigenen Stadion. Für Alabama geht es seit Wochen nur darum, wenigstens halbwegs den Fokus auf die jeweiligen Gegner zu halten, da alles vom vorgezogenen „Endspiel“ um SEC- und Landesmeistertitel spricht: Am 5. November geht es gegen LSU um alles.

#9 Oregon Ducks – #18 Arizona State Sun Devils, Do/16h ESPN America. Wichtiges Spiel im Autzen Stadium, da hier die Divisionsfavoriten im Norden und Süden aufeinander treffen. Für die Ducks könnte ein Sieg essenzieller sein, nachdem die Sun Devils im Süden konkurrenzlos sein dürften: Colorado, Utah und Arizona sind alle noch sieglos in den Conference-Spielen, USC spielt außer Konkurrenz, UCLA… UCLA? Keine Zeit zum Scherzen. Oregon muss allerdings wohl auf RB LaMichael James verzichten, der seit Wochen nur 200yds-Spiele verzeichnet, aber seinen Arm ganz böse ausgerenkt hat, sodass ich mir einen Einsatz angesichts der TV-Bilder kaum vorstellen kann. Oregon hat zwar gute Ersatzleute (RB Barner, RB Thomas), aber James ist gerade für diesen Topspeed-Angriff essenziell.

Das Livespiel unter dem Sonnengürtel

ESPN America zeigt in der Nacht von Dienstag/18.10. auf Mittwoch/19.10. ein Livespiel Arkansas State – Florida International aus der Sunbelt Conference (Wdh. Mi/16h), das allerdings bereits zur Woche 8 gehört. Es ist ein Spiel mit unerwarteten Vorzeichen, nachdem ASU die bessere Saisonbilanz besitzt, FIU jedoch bis vor kurzem eine ungeschlagene Saison zugetraut wurde, ehe die überraschenden Niederlagen gegen ULL (!) und Duke (!!!) folgten. FIU muss gewinnen, will es das Mindestziel „Sunnbelt-Champion“ weiterhin verfolgen. Außerdem dürfte es eine Chance geben, WR T.Y. Hilton (FIU) zu sehen, über den sich im September sämtliche Experten das Maul fusselig redeten, der stets für einen 70yds-Catch’n’Run gut ist.

Bowl Season 2010/11, Tag 12: Die Schüsseln werden größer – Das Vorabendprogramm zu Neujahr

Neujahrstag ist Großkampftag im College Football. Nicht weniger als sechs Bowls werden veranstaltet. Vorab ein kleiner Überblick über das Geschehen:

TicketCity Bowl: Texas Tech – Northwestern, 18h
Outback Bowl: Penn State – Florida, 19h
Capital One Bowl: #9 Michigan State – #16 Alabama, 19h
Gator Bowl: #21 Mississippi State – Michigan, 19h30
Rose Bowl: #3 TCU – #5 Wisconsin, 23h live bei ESPN America
Fiesta Bowl: #7 Oklahoma – Connecticut, 02h30 live bei ESPN America

Sechs Bowls, und nur zwei sind live bei ESPN America?

Nun, ich habe dafür ausnahmsweise Verständnis: In der NHL findet um 19h die „Winter Classic“ statt. Das allein ist Grund genug für eine Live-Übertragung von Eishockey. Was es einen no brainer macht: Es ist Pittsburgh Penguins – Washington Capitals angesagt. Crosby vs. Ovechkin. Ich erinnere an das fantastische Spiel vom letztjährigen Superbowl-Aufwärmprogramm und an das ebenso sehenswerte Spiel vom vergangenen Donnerstag.

Die beiden Live-Bowls sind auch gleich die ersten BCS Bowls. Dazu in einem eigenen Blogeintrag mehr. Vorab der erste Viererpack an Bowls in der Vorstellung, beginnend wieder mit Seminole, die über die Outback-Bowl schreibt – mit Florida States großem Rivalen Florida.

Outback Bowl

Sa., 1.1.2011 um 19h. Als Tape bei ESPN America am Sonntag, 2.1. um 10h30

Florida Gators – Penn State Nittany Lions

Gestern gings um gefüllte Hühner. Heute wechseln wir von der Hühnerfabrik ins Steakhaus. Welcome to the Outback Bowl! Outback ist eine Imbiss-Kette, serviert in gekünstelt urig gehaltenen Restaurants auf. Und Outback kommt aus Tampa. Dort wird der Outback Bowl auch ausgespielt. Heuer garniert mit ganz großen Namen. Auf der einen Seite die Pennsylvania State University mit Coach Joe Paterno. Auf der anderen Seite die University of Florida, wo ein anderer ganz großer Trainer seinen letzten Weg geht: Urban Meyer.

Florida ist nicht gleich Florida State. Die Übersetzer der Simpsons sind nicht imstande, Florida State und Florida zu unterscheiden. Dabei handelt es sich um zwei sehr rivalisierte Unis. Die Florida Gators sind auf dem FSU-Campus *hust* nicht die beliebteste Footballmannschaft, wenn ich das so sagen darf.

Tschüss, Urban! In den letzten Jahren waren sie uns deutlich überlegen, eben auch dank Urban Meyer, dem jungen Mann im Bild. Und dank Tim Tebow. Ich erinnere mich mit Grauen an das Heimdebakel vor zwei Jahren gegen die Gators. Tebow ist weg, und schon sind die Gators nur noch die Hälfte wert. Jetzt ist auch noch Meyer zurückgetreten, aus einem Mix aus gesundheitlichen Problemen und Burnout. Meyer coacht die Outback Bowl, sagt dann aber Tschüss und auf Nimmerwiedersehen. Es ist nur Meyer und seiner Bescheidenheit zu verdanken, dass ich einen Funzen Zuneigung für Florida empfinde. Der Neue wird dann Will Muschamp sein, Defensivcoach in Texas. Muschamp ist einer der besten Kumpels vom Seminoles-Coach Jimbo Fisher. Die Welt ist klein.

Keep on, Joe! Auf der anderen Seite läuft der steinalte Joe Paterno an der Seitenlinie entlang. Als Paterno jung war, hat Fred Feuerstein noch seine Wilma durch die Gegend gekarrt, haben Spechte einen auf Disc Jockey gemacht und statt Hausfrauen Mammuts die Wohnung gesaugt. Paterno ist seit Dienstag 84. Dieses Spiel ist sein 37. Bowl. 24 hat er bisher gewonnen, mehr als jeder andere Coach. Wer mehr wissen will: korsakoff hat ihn vor Zeiten mal durchleuchtet.

JoePa und seine Frau mit dem klingenden Nick SuePa sind sowas wie die grauen Eminenzen, die lebendem Beweise, dass auch in der Urzeit bereits Football gespielt wurde und es auch mal ohne Totalvermarktung Sport gegeben hat. Ein ganz, ganz großer Trainer, den man für seine Energie einfach nur bewundern kann. Und ein Trainer, der im Gegensatz zu Meyer viel, sehr viel Wert darauf legt, dass seine Jungs sich gebildet verhalten und dass seine Jungs sich schulisch bilden.

Für die kulturell Interessierten. Während meines Highschool-Auslandssemesters hat mich der Host Daddy mal auf den Campus der Penn State mitgenommen. Ein schönes, weitläufiges Gelände. Florida State und Florida können da nicht mithalten. Wer mal in die Nähe von University Park kommt und wem was an amerikanische Uni-Campi (?) liegt, der darf sich das schon mal anschauen.

Prognose: Am 1. Jänner – Penn State Nittany Lions gegen Florida Gators. Berglöwen gegen Krokodile. Es dürfte klar sein, wo meine Präferenzen liegen. Aber auch ohne Daumendrücken sollte Penn State das Spiel eigentlich gewinnen.

Ich lasse das mal so stehen. Zu den anderen drei Bowls, die alle auf die Tage nach Neujahr verteilt bei ESPN America aufgezeichnet werden.

TicketCity Bowl

4.1. um 10h30 als Tape bei ESPN America

Texas Tech Red Raiders – Northwestern Wildcats

Eine neu geschaffene Bowl und das aus einem Grund: Die Cotton Bowl Classic ist aus Dallas nach Arlington in das monströse Cowboys-Stadium abgewandert. Die altehrwürdge Cotton Bowl (WM-Stadion 94, u.a. Deutschland-Südkorea) hat sich nach Ersatz umgesehen und die TicketCity Bowl eingeführt. Sie findet um 11h Ortszeit statt.

Die Texas Tech Red Raiders (Big 12) treffen auf die Northwestern Wildcats (Big Ten). Die Northwestern ist eine der akademisch am höchsten angesehenen Unis. Das Footballprogramm dümpelt seit Jahrzehnten vor sich hin. Seit dem Rose-Bowl-Sieg von 1949 hat man nur mehr selten Bowls gespielt und keine einzige davon gewonnen. Heuer war es eigentlich eine ganz ansprechende Saison, bis sich QB Dan Persa verletzte. Die Ersatzmänner sind sehr unerfahren und die Offense Line nicht prall. Das Laufspiel wird komplett dezimiert sein: Verletzungen und Spielerabgänge führen dazu, dass 1227 von 1798 rushing yards nicht einsatzfähig sein werden.

Texas Tech hat andere Sorgen. Nach dem elegant gelösten Theater um Mike Leach vor einem Jahr stand Nachfolge-Coach Tom Tuberville lange Zeit vor dem Absprung Richtung Miami. Tuberville bleibt, aber die Defense ist extrem löchrig und fängt sich extrem viele Yards und Punkte ein. Zum Glück ist die Wildcats- Offense sehr ausgedünnt. Offensiv sind die Red Raiders passgewaltig (QB Taylor Potts 3357yds, 31 TDs, 9 INTs). Ich tippe auf einen klaren Sieg von Texas Tech im „Heim-Bowl“ (der Campus ist 6 Autostunden vom Stadion entfernt).

Capital One Bowl

2.1. um 8h als Tape bei ESPN America

#9 Michigan State Spartans – #16 Alabama Crimson Tide

Die Nachfolgerin der Citrus Bowl – und ausgespielt in der Citrus Bowl in Orlando (remember: Champ Sports Bowl vor einer Woche). Sportlich ist es ein hochwertiges Duell. Alabama hat „nur“ eine 9-3 Saison in der SEC gespielt und über weite Strecken nicht sooooo überzeugend. Niederlagen gegen South Carolina und Lousiana State machten die BCS-Hoffnungen zunichts. Aber nichts war bitterer als die fassungslose 27-28 Schlappe gegen Auburn in der gehypten „Iron Bowl“ – eine unglaubliche Niederlage vor allem wegen der 24pt-Führung und der erdrückenden Dominanz.

Alabama ist für mich besser als #16. Das Laufspiel um die RBs Mark Ingram (Heisman Trophy 2009) und Trent Richardson ist durchaus stark, das Passspiel ist dazu nur die Ergänzung. QB Greg McElroy ist einer, von dem ich nicht weiß, was ich davon halten soll. Mal spielt er sehr blass, mal wieder recht souverän, aber insgesamt halte ich nicht allzu große Stücke auf McElroy. Auf jeden Fall ist er einer, der lieber den riskanten Pass scheut als eine INT zu werfen. Top-WR ist Superstar Julio Jones (75 Catches, 1084yds, 7 TDs), den wir unter Garantie ganz weit vorne im NFL Draft sehen werden, vielleicht in den Top 10. Eine große Stärke der Offense: Sie gibt den Ball nur selten her. Es sei denn, sie spielt gegen Auburn. Die Defense der Crimson Tide ist knackig, angeführt vom DT Marcel Dareus, auch so ein zukünftiger hoher Draftpick. Stärke der Defense: Sie macht viele INTs und ist eine einzige Mauer gegen den Lauf. Es sei denn, sie spielt gegen Auburn.

Michigan State hat die Big Ten punktegleich mit Ohio State und Wisconsin gewonnen, spielt aber als einzige Uni des Trios nicht in einer BCS Bowl. Grund: BCS #9 war zu wenig! Die Spartans werden angeführt von QB Kirk Cousins, eigentlich ein solider Mann, aber gegen Saisonende doch eher fehleranfällig. Gegen die hungrige Bama-Defense sollte der Mann aufpassen, zumal der Top-Receiver ausfällt. Für Michigan gilt Ähnliches wie für Alabama: Gutes Laufspiel, gute Defense, angeführt vom MLB Greg Jones.

Viele Gregs und Jones’ laufen da by the way herum…

Interessante Komponente: Alabamas Coach Nick Saban war vor 15 Jahren Head Coach an der Michigan State University. Sabans Assistent damals: Mark Dantonio. Heutiger Head Coach der Spartans: Mark Dantonio. Dantonio hatte anfangs der Saison einen Herzinfarkt. Die Spartans haben sich davon nicht abschrecken lassen und danach Vollgas gegeben, u.a. mit Siegen über Wisconsin, Michigan und Penn State. Einzig die ärgerliche Niederlage gegen Iowa machte alle Rosebowl-Hoffnungen zunichte.

#9 gegen #16. Ich sehe Alabama trotzdem als Sieger aus dem Spiel hervorgehen, und zwar nicht mal besonders knapp.

Gator Bowl

3.1. um 11h als Tape bei ESPN America

#21 Mississippi State Bulldogs – Michigan Wolverines

Nach Michigan State auch noch Michigan. Die Wolverines sind ein traditionelles und sehr populäres Team. In den letzten Jahren aber auch zu erfolglos und verstrickt in interne Zwistigkeiten und Affären rund um Head Coach Rich Rodriguez (Stichwort: knallharte Trainings und Überschreitungen der maximalen Trainingszeit). Auf mich wirkt es, als ob Michigan Rodriguez lieber heute als morgen los wäre. Rodriguez ist bei den Spielern allem Anschein nach auch nicht der Beliebteste und es ist nicht ausgeschlossen, dass dieses Spiel Einfluss auf die Jobaussichten von Rich Rodriguez hat…

Auf der anderen Seiten haben die Bulldogs einen Coach, der überall begehrt ist: Dan Mullen, der jüngst auch bei den Florida Gators als HC im Gespräch war.

Die Bulldogs werden in dem Spiel Acht geben müssen auf den explosiven QB der Wolverines, Denard Robinson. Robinson spielte zu Saisonbeginn gewaltig auf, ist ein Sprinter mit Wurfarm, aber insgesamt ist Robinson (noch) zu unkonstant und lauf-fokussiert. Robinson ist vor allem unglaublich wendig und stolpert nur selten, obwohl der Mann stets mit offenen Schuhlitzen spielt.

Mississippi State hat schon gegen Cam Newton gespielt – und Newton damals im September halbwegs ordentlich unter Kontrolle gehalten. Aber Robinson ist athletisch noch einmal eine Kategorie höher anzusiedeln, wenn auch nicht ganz so souverän im Einsetzen seiner Lauf-Fähigkeiten.

Ich bin mir ob des Spielausgangs nicht sicher. Michigan ist offensiv nur Denard Robinson und hat in der Defense arge Probleme offenbart. Die Bulldogs kenne ich viel zu wenig. Ich würde eher auf einen Bulldogs-Sieg tippen.