Vorher / nachher

Natürlich würde ich gerne behaupten, dass ich Mahomes schon immer als #1 hatte. Doch weil schreibe, protokolliere ich. Und weil ich protokolliere, lässt sich Einschätzung mit Eingetroffenem recht gut miteinander vergleichen.

Vor dem Draft ist leicht stinken. Nach dem Draft ist leicht alles gewusst zu haben. Doch lass uns mal das Vorher und Nachher miteinander vergleichen. Nehmen wir zum Beispiel den NFL Draft 2011. Weiterlesen

GFWTC, Rd 4 und 5: Das Big Board ist geräubert. Fast.

Am Montag habe ich meine ersten drei Draftpicks in der German Football Writers Team Challenge (GFWTC) diskutiert. Es wird seither weiter fleißig am perfekten Footballteam gebastelt, und heute seien die nächsten beiden Picks in meinem Team korsakoff angeschnitten. Es sind die Picks #39 und #42 overall.

Pick #39: WR Julio Jones

Einer meiner ganz fetten Punkte zu Beginn der GFWTC war die (erfolgreiche) Suche nach einem „echten“ Nummer-1 Wide Receiver, einem groß gewachsenen Schlaks für die Außen – meine „true number 1“-Wunschliste las sich wie folgt:

  1. Calvin Johnson
  2. A.J. Green
  3. Julio Jones
  4. Andre Johnson
  5. Larry Fitzgerald

Ich wusste, dass ich keine Chance auf Johnson und Green bekommen würde, da ich in den ersten Runden unbedingt 1-2 meinen Vorstellungen entsprechenden Abwehrspieler draften wollte. Durch den Aaron-Rodgers-Pick verschob sich die Priorität dann noch zusätzlich in Richtung Defense, da ein Rodgers unabhängig vom Spielermaterial Punkte vorlegen kann.

Rodgers hin, Rodgers her, ein #1-WR war immer noch mein Ziel. Die GFWTC ist immerhin eine Allstar-Liga mit zehn vermeintlichen Top-Teams und -Defenses. Julio Jones war Ende der vierten Runde der letzte verbliebene Mohikaner in dieser Aufstellung der echten Nummer-1 WR-Kandidaten, und ich wollte nicht später auf einen Jungen wie Demariyus Thomas oder einen Achillessehnen-verletzten Michael Crabtree zurückgreifen müssen, da es sich dabei jeweils um relativ „systemabhängige“ Spieler handelt.

Jones ist flexibler, unabhängier, und in vielerlei Hinsicht ein guter Draftpick: Der Mann ist jung, ein beinharter Knochen, schnell, von der Statur die prototypische Nummer 1, und er ist ein veritables deep threat, das die zu erwartenden Monster-Defenses in dieser GFWTC auseinander ziehen kann.

Jones ist kein Green, aber Jones wäre in jedem der letzten beiden Drafts der beste Wide Receiver gewesen und beide Male in den Top-5 vom Tablett gegangen. Vor zwei Jahren blätterten die Atlanta Falcons einen nur schwer zu verantwortenden Preis für die Rechte an ihm hin, und man kann heute konstatieren: Jones ist die erhoffte Verstärkung für die Falcon-Offense (die Opportunity-Costs rechnen wir mal nicht ein).

Es gibt unterschiedliche Sichtweisen dazu, ob die Offense in Atlanta primär um Jones oder Roddy White gebaut ist; Richard Sherman hat eine unmissverständliche Meinung. Pro Football Focus sieht eher White als den „Star“, und Jones als die Komplementärwaffe. Ich sehe es so: Jones ist im Vergleich zu White noch mehr wie eine Nummer 1 gebaut. Jones hat in den zwei Jahren wenig Anlass gegeben, an seinem Potenzial zu zweifeln. Und Jones ist der jüngere der beiden Spieler.

Jones war das letzte verbliebene wirklich komplette Paket auf Wide Receiver, und der letzte richtige Nummer-1 Mann. Ein Brandon Marshall ist zu sehr possession receiver, ein Vincent Jackson und wahlweise Mike Wallace zu viel bloß deep threat, Thomas und Crabtree zeigten sich in den letzten Jahren als systemabhängiger, ein Steve Smith ist leider mit 34 Jahren schon zu alt um so hoch gedraftet zu werden. Jones = sehr zufrieden stellender Draftpick für meine Offense. Zu diesem Zeitpunkt.

Pick #42: CB/PR Patrick Peterson

Peterson war auf meinem CB-Board einen Platz höher gerankt als der ähnlich junge CB Joe Haden von den Cleveland Browns. Ich gebe zu, ich hätte eine Münze schmeißen können, aber am Ende gaben doch greifbare Kleinigkeiten den Ausschlag: Peterson ist in erster Linie der gesegnetere Athlet. Er hat in zwei Jahren bei den Arizona Cardinals bereits auf die harte Tour lernen dürfen, wie man sich auf der „Insel“ im 1-vs-1 gegen den gegnerischen Top-Receiver fühlt, und dabei nicht die schlechteste Figur abgegeben. Und Peterson bietet als potenzieller All-Pro Punt Returner auch eine klasse Option für die Special Teams. (tja, und auf Haden musst‘de erstmal vier Wochen wegen Dopingsperre verzichten)

Haden ist einer der Jungstars, die mich am meisten faszinieren: Am College war er einer der unauffälligeren Spieler in einer überaus dominanten Florida-Mannschaft, und in der NFL verlor ich ihn ohne Gamepass lange Zeit aus den Augen, weil er bei den Cleveland Browns versauern musste (Browns waren nur selten bei ESPN America).

Die Noten für Haden bei Pro Football Focus waren stets exzellent, er gilt schon in jungen Jahren als einer der zehn besten Cornerbacks der letzten fünf Jahre. Hadens All-22 Tape hab ich in einigen Spielen durchgespult, und es ist zugegeben teilweise grandios – ein echter Shutdown Corner. Aber auch Peterson zeigt Ansätze von Shutdown-Cornerback, und obwohl Peterson der im direkten Vergleich (noch?) deutlich fehleranfälligere Mann ist, lässt sich nur schwer leugnen, dass die Cards phasenweise eine schlicht erstaunliche Last auf Petersons Schultern legen.

Und dann sind da noch diese Returns… eben Kleinigkeiten, die entscheiden.

Zwischenstand

Nach meinem Fünftrundenpick ist nur noch ein einziger meiner Top-20 Spieler noch im Draftpool verfügbar. Alle fünf der bisher von mir gedrafteten Spieler schienen auf meinem Top-20 Board auf, und zwar als Nummern:

#1  QB Aaron Rodgers
#8  DT Gerald McCoy
#9  DE Jason Pierre-Paul
#18 WR Julio Jones
#19 CB Patrick Peterson

Ich hatte ehrlicherweise viele der älteren Superstars schon gar nicht aufs Board genommen, weil ich einen zukunftsfähigen Mannschaftskern will, der auch 2016 das Gerüst eines Superbowl-Anwärters bilden kann, aber mit fünf Spielern von meinem Big Board hatte ich nicht gerechnet.

Ich habe außerdem in allen der drei wichtigsten Football-Positionen (Quarterback, Defensive End, Cornerback) einen Top-3 Spieler von meinem Board bekommen. Und zumindest Rodgers, Pierre-Paul und Jones haben trotz ihres Alters schon gestählte Nerven durch große Playoff-Erfahrung und sollten in den kommenden Playoffs nicht mehr das ganz große Nervenflattern bekommen.

Talent und Frischblut auf den wichtigsten Positionen sind schonmal da. Insofern: Mein GFWTC-Team bleibt on track.

NFL Woche 11 – Notizblock Cardinals @ Falcons

Die Arizona Cardinals (4-5) haben am Sonntag nachmittag versucht, ihre Saison zu retten. Nach fünf Niederlagen in Folge besuchten sie die Atlanta Falcons (8-1) im Georgia Dome, die einen Sonntag zuvor ihr erstes Saisonspiel verloren haben. Spiele der Cardinals sind immer spannend. Die Defense ist aufregend gut, die Offense aufregend schlecht und die Spiele am Ende immer knapp. Wie es vorgestern lief, nach dem Klick.

Arizonas Defense hat ohne ihren besten Mann, DE/DT Calais Campbell gespielt und war trotzdem spektakulär gut. Am Ende hatte Atlantas Angriff 14 (!) Drives und produzierte gerade mal einen Touchdown und drei Field Goals. Dagegen standen sechs (!) Ballverluste, 5 Interceptions von Matt Ryan und ein Fumble von RB Jason Snelling. Den Unterschied im Score (23-19 Atlanta) hat ein Touchdown von DT Jonathan Babineaux nach einem Fumble Return gemacht.

Stats & more

Gamebook

Den Fumble hat QB Ryan Lindley nach einem Sack von John Abraham verloren. Ja, 6th-rd Rookie Ryan Lindley von San Diego State hat Quarterback gespielt. Head Coach Ken Whisenhunt hatte nämlich schon im ersten Viertel von John Skelton die Nase gestrichen voll (Kevin Kolb ist noch/wieder verletzt). Nach Ryans dritter Interception im 1st Quarter (!) waren die Cardinals das einzige Mal seit dem TD im Opening Drive (den RB LaRod Stephens-Howling ganz alleine bestritten hat) in der Nähe der Endzone, dort war Larry Fitzgerald mutterseelenallein und Skelton hat es geschafft, drei Meilen an ihm vorbei zu werfen.

Offensive Tackles haben wieder zwei Rookies gespielt; Bobby Massie rechts und Nate Potter jetzt das zweite Spiel in Folge links. Potter, 7th-rd pick, hat D´Anthony Battiste verdrängt. Der ehemalige Boise State Bronco hat einen unglaublich großen Körper, ist aber leider beweglich wie ein Kühlschrank. Aber hey: er ist tatsächlich besser als Battiste. Oder besser: er ist ein kleines bißchen weniger furchtbar.

Im Spiel, das Arizonas letzte Chance auf die Playoffs retten sollte, haben also auf der QB-Position und den beiden Tackle-Positionen drei Rookies aus der 6ten, der 4ten und der 7ten Runde gespielt. Wieso wurde der GM noch nicht gefeuert?!?

Natürlich war das Paßspiel spektakulär katastrophal. Auf dem Spielberichtsbogen standen nach vier Vierteln 41 Netto-Yards. 41! Der einzige Lichtblick in Arizonas „Offense“ war RB Stephens-Howling. Schon in der ersten Hälfte hatte er mehr als 100 Rushing Yards auf dem Tacho. Als Atlantas D in der zweiten Halbzeit nur noch ihn und sonst niemanden verteidigt hat, war alles aus. Die schockierendste Statistik ist vielleicht diese: fünf Drives begann Arizona in Atlantas Hälfte und das Ergebnis waren null First Downs und zwei Field Goals. Oder diese: sieben First Downs im gesamten Spiel. Diese Saison können die Cards abhaken.

Das ist besonders bitter, weil die Verteidigung so beeindruckend stark ist. Mit Campbell und ILB Daryl Washington haben sie zwei der besten 10 Verteidiger der Liga in ihren Reihen. Mit Patrick Peterson einen der besseren, an manchen Tagen sogar einen der besten Cornerbacks. Mit Sam Acho und O´Brien Schofield haben sie auch zwei junge sehr passable Pass Rusher auf den Außen (Schofield ist zur Zeit verletzt). Atlantas Offensive hatte aber auch gegen die Linie ohne Campbell riesige Schwierigkeiten. Darnell Dockett hat den Chef gegeben; daneben stach besonders sophmore David Carter heraus. Aber auch Dan Williams, Nick Eason und Opa Vonnie Holliday haben mit aller Macht versucht, Arizonas Chancen auf die Playoffs zu wahren. Am Boden hielten sie die Falcons bei 58 Yards aus 24 Läufen.

Atlantas Defense hatte nicht viel zu tun. Arizona war so schlecht, daß man gar nicht weiß, ob 178 Yards und 2 von 16 verwandelten 3rd Downs jetzt eine besonders gute Leistung war. Weil aber die Defense die Punkte gemacht hat, die am Ende für den Unterschied sorgten, sagen wir einfach mal: ja!

Atlantas Offense hat sich so durchgewurschtelt. Wie gesagt: mit 16 Punkten aus 14 Drives gewinnt man normalerweise kein Spiele. Mit sechs Ballverlusten schon mal gar nicht. So aber hat sich QB Ryan eines der schlechtesten Spiele seiner Karriere für genau den richtigen Gegner aufgehoben. Ein, zwei Interceptions waren auch ein wenig unglücklich, weil komisch abgefälscht. Aber die anderen waren einfach ungenau oder Folgen schlechter Entscheidungen. Jetzt kann sich Atlanta in Ruhe auf die Playoffs vorbereiten und bitte endlich mal an short yardage situations arbeiten.

NFL 2012 Woche 3, Notizblock Eagles@Cardinals

Den Notizblock zum gestrigen Besuch der Philadelphia Eagles in der Wüste bei den Arizona Cardinals gibt es aus Spoilergründen erst nach dem Klick.

Es gibt zwei gute Nachrichten für die Eagles: das Spiel hat nicht in Philadelphia stattgefunden und so konnten die Fans das Stadion nicht anzünden. Und Michael Vick lebt noch. Sein Körper muß sich allerdings heute (und den Rest der Woche) anfühlen wie eine Packung Cornflakes. Selten wurde ein Quarterback dermaßen oft in den Stadionboden gerammt wie der zierliche QB der Eagles gestern Abend.

Philadelphia fand in der ersten Halbzeit überhaupt kein Mittel gegen das Abwehrbollwerk Arizonas. Wie auch letzte Woche gegen New England spielte Arizona fast ausschließlich in ihrer 2-4-5-Aufstellung mit Darnell Dockett und Calais Campbell als einzigen down linemen. Das können sie die Cardinals einerseits erlauben, weil die Front-6 um Dockett/Campbell und den mal wieder überragenden ILB Daryl Washington auch ohne siebten Mann ganz gut gegen den Lauf aussehen und andererseits weil Phillys HC Andy Reid und OC Marty Mornhinweg in altbekannter Sturköpfigkeit passen lassen bis Vick der Arm abfällt.

In der ersten Halbzeit hatte RB Shady McCoy tatsächlich vier Läufe. Vier! Aber das ist ja auch logisch, wenn die Verteidigung die gesamte Zeit über mit der Nickel-D spielt. Ach nee. Andersrum. Das ist genau das Gegenteil von logisch. So haben Dockett, Campbell, die OLBs Acho, Schofield & Groves (und auch ILB Washington bei blitzes) Michael Vick hinter seiner miesen Offensive Line bei fast jedem Snap dermaßen vermöbelt, daß man auf das weiße Handtuch aus der grünen Ecke gewartet hat.

Um das Abzukürzen: Vick war ständig unter Druck, Arizona hat immer mit fünf DBs gespielt (von denen einer auch noch der für zwei spielende Patrick Peterson ist), Philadelphia hat trotzdem immer geworfen und das waren die Ergebnisse der Drives in Hälfte Eins: 3&out, Punt, Fumble, 3&out, 3&out und schließlich noch ein Fumble von Vick der von Safety James Sanders mit dem Halbzeitpfiff über 93 Yards zum 24-0 zurückgetragen wurde. Zwischendurch hat der Rookie Johnson auch noch einen Punt gefumblet. Zur Halbzeit war das Spiel schon entschieden.

In der zweiten Halbzeit hat McCoy dann einige Carries bekommen, was auch recht gut funktioniert hat. Aber zu mehr als zwei Field Goals hat es nicht gereicht.

Arizonas Offense war so schlecht wie gewohnt, aber durch die vielen guten Feldpositionen war auch nicht viel nötig. Kevin Kolb, der wieder für den noch verletzten John Skelton anfangen durfte, hat haufenweise schnelle Pässe bekommen (Slants und shallow crosses hinter der Line of Scrimmage), wodurch der Pass Rush der Eagles keinen großen Einfluß hatte. Wenn Kolb mal für etwas tiefere Routen geschaut hat, mußte er fast immer Bekanntschaft mit der Grasnarbe machen.

Einen längeren Ball gab es zu Larry Fitzgerald, der bei einem Play-Action-Paß Nnamdi Asomugha böse verbrannt hat und auch prompt in der Endzone gelandet ist. Überhaupt hat Fitzgerald Asomugha und Dominique Rodgers-Cromartie – die meistens man coverage gespielt haben – einige Male schlecht aussehen lassen.

Zum Schluß haben die Cardinals sogar ganz abgezockt mit gutem Laufspiel die Uhr gekillt. Dabei sind wieder alte Schwächen der Eagles-D in Laufverteidigung zutage getreten. Sogar einen 3rd&17 konnten die Cards mit einem Drawplay im vierten Viertel verwandeln. Da haben alle schon gedacht „Come on, Philly!“ – aber DRC hat als Sahnehäubchen noch eine unsportsmanlike conduct penalty obendrauf gepackt. Ryan Williams hat seinen Fehler von letzter Woche wieder gutgemacht und beim wichtigen Drive im 4th quarter mit fünf Läufen 42 Yards gemacht und Minute um Minute gefressen.

Weil wir nicht schon wieder Daryl Washington zum Spieler des Spiels machen wollen, lassen wir diese Ehre dem oft geschmähten Safety Kerry Rhodes zuteil werden. Rhodes war überall, hat gut gegen den Paß verteidigt, immer wieder McCoy gestoppt, wenn er mal durchkam und auch den Fumble von Vick kurz vor der Halbzeit verursacht.

Die Cardinals sind jetzt 3-0, aber müssen erst noch beweisen, daß sie auch mit einem Rückstand spielen können. Glücklicherweise wird ihnen das mit dieser Defense wohl nicht allzu oft passieren. Die Eagles und vor allem Vick können froh sein, daß sie nicht jede Woche gegen so eine Verteidigung spielen müssen. Nächste Woche allerdings kommen erstmal die Giants und wollen Vick rupfen. Hals und Beinbruch!

Glaskugel 2012: Arizona Cardinals

Wenn man Spiele der Arizona Cardinals 2011 oder dieser Preseason gesehen hat, weiß man, warum alte grantige Männer immer noch sagen: a football game is won in the trenches und ein gutes Footballteam beginnt immer mit guten Linien. Defensiv waren die Cards ein Positivbeispiel, offensiv ein negatives.

Der Angriff um die Quarterbacks Kevin Kolb und John Skelton hatte zeitweise die Grenze zur Lächerlichkeit überschritten. Die Offense hat genau einmal in der gesamten Saison mehr als 23 Punkte erzielt, gegen die Giants in Woche vier. Und sogar dabei bekamen sie große Unterstützung durch die Defense, die einen Fumble an New Yorks 5-Yard-Linie eroberte.

Überhaupt haben die Verteidigung und die Special Teams die Spiele fast im Alleingang gewonnen. Nach enttäuschendem 1-6-Start in die Saison (davon vier Niederlagen mit vier oder weniger Punkten Unterschied) hat die Defense für den Rest des Jahres gegen niemanden mehr als 23 Punkte zugelassen und Punt Returner Patrick Peterson hat immer wieder den Unterschied gemacht. Als erstem Spieler überhaupt gelangen ihm vier Punt-Return-Touchdowns über mehr als 80 Yards in einer Saison.

Kamerad Zufall hat Arizona dann auch noch etwas unter die Arme gegriffen und so wurden alle vier Overtime-Spiele gewonnen. Mit sieben Siegen in den letzten neun Spielen reichte es noch für eine ausgeglichene Saisonbilanz, aber rosig ist die Zukunft keineswegs.

Cardinals Offense

Die Offensive Line ist eine Katastrophe. Der beste Spieler, LT Levi Brown hat sich eine schwere Trizepsverletzung zugezogen und fällt mindestens drei Monate aus. In der Preseason durfte sich D.J. Young, gekommen aus der Practice Squad, als LT versuchen und wurde ganz schlimm von Tennessees Kam Wimbley vermöbelt. Anschließend “durfte” D´Anthony Batiste von der rechten auf die linke Seite wechseln und sich verprügeln lassen. RT hat dann Rookie Bobby Massie gespielt. Eigentlich sollte Massie mindestens ein Jahr lernen, bevor er spielen muß und man sieht auch ganz genau warum.

Zu allem Überfluß hat Arizona auch noch den schlechtesten O-Liner der 49ers verpflichtet, um, weil, damit: ja wasweißich, es gibt dafür keine Erklärung. Niemand sollte Adam Synder verpflichten und ihn als RG starten lassen. Daneben sehen Center Lyle Sendlein und LG Daryn Colledge aus wie Stars.

Es völlig egal, wer dahinter QB spielt. Kolb und Skelton sind nun wahrlich keine großartigen Spielmacher, aber man kann sie auch nur schwer bewerten, wenn sie ständig nach zwei Sekunden Verteidiger im Gesicht oder am Arm haben.

John Skelton ist ein dicker 2,00m-Brocken, der meistens ziemlich mutig in der Pocket steht. Wenn er nicht allzuviel Druck verspürt, trifft er viele gute Entscheidungen, hat einen starken Arm für oftmals akkurate Pässe. Ist er allerdings under pressure, änder sich das völlig und er scheint lieber in triple coverage zu werfen, als einfach ins Aus.

Kevin Kolb steht nicht so mutig in der Pocket, sondern läuft immer kreuz und quer, sobald ihm jemand zu nahe kommt und trifft dann auch dumme Entscheidungen. Hat er aber mal ein wenig Zeit und Raum, ist er gar nicht so schlecht. Er ist ein streaky shooter, er kann durchaus mal drei, vier gute Plays in Folge machen. Genauso geht es aber auch in die andere Richtung, wenn er mal richtig einen eingesteckt hat.

Man sollte aber weniger auf den QBs rumhacken, sie können nur schlecht aussehen. Wenn irgendwann die Panik kommt – oder beide verletzt sind, was zwangsweise passieren wird – kann Rookie Ryan Lindley mal ausprobieren, wie das so ist, von den athletischsten 140-Kg-Typen der Welt auseinandergenommen zu werden.

Vor allem für Larry Fitzgerald ist das sehr schade. Fitzgerald ist wahrscheinlich der beste WR der Liga, aber so genau weiß man das bei diesen Mitspielern natürlich nicht. Trotz der QB-Situation hat er es irgendwie geschafft, 1400 Yards zu erfangen. Unterstützung soll er von Early Doucet, Andre Roberts und dem 1st-rd pick Michael Floyd bekommen. Das wäre eigentlich ein ganz gutes receiving corps.

Das Laufspiel dürfte durch die dezimierte OLine auch schlechter sein als letzte Saison. Beanie Wells ist besseres Mittelmaß und der letztjährige 2nd-rd pick Ryan Williams sollte ihm ein wenig Last von den Schultern nehmen – wenn er denn richtig fit ist nach seinem Pattelarsehnenriß.

Cardinals Defense

Auf der anderen Seite des Balles ist es das genaue Gegenteil. Mit Darnell Dockett und Calais Campell hat Arizona zwei prototypische 34-DEs, die jeder Offensive Line das Leben zur Hölle machen können. Zwischen den beiden spielt der junge Riese Dan Williams einen richtig guten Nose Tackle.

Schedule

Wk1 v SEA
Wk2 @ NE
Wk3 v PHI
Wk4 v MIA
Wk5 @ StL (TNF)
Wk6 v BUF
Wk7 @ MIN
Wk8 v SF (MNF)
Wk9 @ GB
Wk10 BYE
Wk11 @ ATL
Wk12 v StL
Wk13 @ NYJ
Wk14 @ SEA
Wk15 v DET
Wk16 v CHI
Wk17 @ SF

Dahinter stehen mit Jungstar Daryl Washington sowie den Veteranen Paris Lenon und Stewart Bradley ein sehr guter und zwei gute ILBs. Mäßig ist allerdings der Pass Rush um Sam Acho, O´Brien Schofield und Clark Haggans. Gerade von den jungen, hochgedraftete Acho und und Schofield hatte man sich bis jetzt mehr erhofft. Immerhin kann man immer mal wieder ihr Talent aufblitzen sehen.

Die Secondary wird angeführt von Patrick Peterson. Peterson soll in der zweiten Saisonhälfte einen riesigen Schritt nach vorne gemacht haben und wird, je nach pundit, bereits als Top-10 bis Top-3 CB gesehen. Für die anderen Corner- und Nickelback-Spots hat Arizona auf jeden Fall Tiefe, wenn auch keine ganz große Nummer. William Gay wird erstmal die Seitenlinie gegenüber Peterson übernehmen und Rookie Jamell Fleming wohl den Slot. Mit A.J. Jefferson und Greg Toler haben die beiden aber auch ganz fähige Konkurrenz, die gerne Spielzeit sehen würde.

Die Safeties Adrian Wilson und Kerry Rhodes werden zwar von ProFootballFocus beispielsweise immer wieder madig gemacht, aber für meinen Geschmack machen sie ihre Sache ganz passabel. Für die Tiefe hat man jetzt auch noch Ex-Patriot James Sanders verpflichtet, bei dem das Attribut “solide” durchaus als Kompliment gemeint ist.

Cardinals Ausblick

Die Defense wird viele Spiel knapp halten. Die Special Teams um den erstklassigen Punt Returner Peterson wird auch das ihrige tun und für Punkte und gute Feldpositionen sorgen. Aber die Offense ist einfach zu schlecht, um ernsthaft um die Playoffs mitspielen zu können. Die Cardinals haben nicht das Niveau der 49ers und daher wird es nicht für den Divisionstitel reichen. Die Nicht-Divisionssieger aus den Kombos Falcons/Saints, Giants/Eagles/Cowboys und Packers/Lions/Bears sind auch alle eine Nummer zu groß im Wild-Card-Rennen. Der Plan für Arizona kann nur lauten: draftet Offensive Lineman! Und damit hätten sie schon angefangen haben müssen. So verschwenden sie einfach die besten Jahre Fitzgeralds und der guten Verteidigung. Schade.

Arizona Cardinals in der Frischzellenkur

ÜBERBLICK

#5 CB Patrick Peterson (Lousiana State)     
#38 RB Ryan Williams (Virginia Tech)
#69 TE Rob Housler (Florida Atlantic)
#103 DE Sam Acho (Texas)
#136 FB Anthony Sherman (Connecticut)
#171 LB Quan Sturdivant (UNC)
#184 DT David Carter (UCLA)
#249 WR DeMarco Sampson (San Diego State)

Ein recht wüster Draft der Arizona Cardinals ohne erkennbare Prioritätsverortung, dafür mehr „von allem ein bisserl“. CB Patrick Peterson fiel Arizona geradezu an #5 in den Schoß und dürfte Brechreiz bekommen haben, in der Wüste von Arizona dem Vergammeln entgegenzuschauen. Dabei schaut die Secondary der Cards nun auf den ersten Blick gar nicht so übel aus: Peterson/Rod-Cromartie als Corners, Wilson/Rhodes als Safetys.

Rodgers-Cromartie hatte ein allgemein anerkannt unterirdisches Jahr, war aber auch der einzige brauchbare CB und Rhodes soll fürchterlich gegen das Laufspiel verteidigen. Von daher macht der Peterson-Pick sehr viel Sinn: Könnte ein immens wichtiger Baustein des defensiven Rückgrats werden.

Danach wird es wüst: An #38 wurde RB Ryan Williams geholt. Das Eingeständnis, dass Beanie Wells nicht der every down back ist (harhar, Wells ist ehemaliger Buckeye). Aber: Dann hole ich mir einen Spieler, der vom Profil her fast ident ist (=Sekundengenie, aber kein Arbeitstier)? Für mich ein idiotischer Pick. Ähnlich TE Bob Housler, ein Athlet vor dem Herrn, aber sehr ungeschliffen und butterfingrig. Arizona hat schlimmste Probleme im Blockspiel, aber Housler ist mehr der Typ Gates denn der Typ Witten. Wenigstens FB Sherman sollte in dieser Hinsicht hilfreich sein.

Die Defense Line kriegt DE Acho und DT Carter zwei Perspektivspieler als Zuwachs. Beide werden den Konkurrenzkampf anheizen und ich bin nicht sicher, ob von den fuffzich D-Linern in Glendale alle ihren Kaderplatz behalten dürfen. Der bestaussehende der späten Picks ist UNCs Quan Sturdivant. Sofern Ken Whisenhunt den Mann halbwegs auf dem Boden halten kann, dürften die Linebackers eine Verstärkung erhalten haben.

Summa summarum

So sehr die Idee mit Patrick Peterson gefällt: Was danach kam, spaziert eher planlos daher. Der Williams-Pick ist zum Augenreiben und warum weder Offensive Line, noch Pass Rush mit Vehemenz angegangen wurden, ist schwer verdaulich.

Zu tun bleibt einiges: Ein Quarterback muss via Free Agency gefunden werden. Die Tendenz soll in Richtung Marc Bulger gehen. Wäre IMHO eine schlechte Entscheidung, denn Bulger ist ein Mann, der wie kein zweiter dafür steht, „die Umstände müssen stimmen“, sprich: Top-Blocking, Top-Receiver. Ich halte einen Donovan McNabb für eine potenziell sehr kluge Wahl in Arizona. Das würde auch den Draft nachträglich noch aufwerten.

NFL Draft 2011 Countdown T-minus 2 – Das Defensive Backfield

Nur noch zwei Tage?

Heute dran: Safetys und Cornerbacks, das „Rückgrat“ einer jeden Defense. Wir leben in einer Zeit, in der vereinzelte Teams damit beginnen, Defenses „von hinten“ aufzubauen, sprich: Nicht klassisch eine mächtige Defensive Line und zwei Pass Rusher einzubauen, sondern zuerst nach flexiblen Safetys suchen, dem Beispiel in Pittsburgh und Baltimore folgend. Immer wieder sind in den vergangenen Jahren Safetys ganz hoch gedraftet worden – früher eine Seltenheit.

Die Safetys

Der Jahrgang 2011 gilt als nicht hochkarätig besetzt. Aber: Häufig, sehr häufig lassen sich Safetys in den mittleren Runden finden und nach 1-2 Jahren Schulung zu Top-Kräften entwickeln. Häufig müssen Coaches einen Safety zwischen Free Safety, Strong Safety und Hilfs-Cornerback hin- und herschieben, bis die „richtige“ Position gefunden ist.

Der einzige höher eingeschätzte Mann ist Rahim Moore von der UCLA, der noch als etwas ungeschliffen gilt und kein guter Abwehrspieler gegen den Lauf ist. In anderen Worten: Moore wird vorerst Free Safety spielen.

Oklahomas Quinton Carter dagegen ist eher der brachiale Typ, der Mitspieler zusammenstaucht und Gegner gerne mal eine übers Ohr haut. Mangelhafte Noten in Sachen Intelligenz.

Clemsons DeAndre McDaniel verdient sich dagegen Lob bezüglich persönlicher Entwicklung: Frisch von der Highschool machte man sich Sorgen um den geistigen Zustand des jungen Mannes. Als Senior war er Team Captain.

Ahmad Black von der University of Florida sollte in der SEC gelernt haben, wie man gegen gute Gegner spielt. Problem beim Blick auf die Körpermaße: 83kg schwer? Tight Ends dürften angesichts dessen schon mal in der Kabine den Sekt kaltstellen.

North Carolina Tar Heel des Tages: Deunta Williams, als Abschreiber am College ein Weilchen gesperrt, dafür sehr erfahren und gierig nach Interceptions. Aber nicht die härtesten Knochen und Bänder im Draft. Sprich: Anfällig gegen jede Art von Verletzungen.

Cornerbacks

Über allen steht in der öffentlichen Meinung Lousiana States CB Patrick Peterson, in dem man nicht nur einen höchst athletischen und pfeilschnellen Deckungsspieler sieht, sondern auch eine Waffe als Returner. Peterson soll irgendwo zwischen #2 (Denver) und #7 (San Francisco) weggehen und wird von nicht wenigen als der beste Spieler des Jahrgangs angesehen, wobei mir die Herren McShay und Konsorten seit Jahren die Erklärung schuldig sind, wie man Quarterbacks mit Defensive Ends und Offensive Guards mit Cornerbacks vergleichen will, aber: Watt soll’s. Es muss ja was geschrieben werden.

#2 bei den CBs ist Prince Amukamara von den Nebraska Cornhuskers. Nach Ndamukong Suh also wieder so ein unorthodoxer Name aus dem Land der Getreideeintreiber. Amukamara gilt als kompletter Spieler, dem nur der allerletzte Zapfen Geschwindigkeit abgeht. Ihm wird auch zugetraut, irgendwann in Zukunft mal Safety zu spielen. Beim fröhlichen NFL@Spox-Mock ist mir Amukamara direkt in den Detroit-Lions-Schoß gefallen. Kein unerwünschtes Szenario auch in realiter, aber eher unwahrscheinlich, da spätestens Dallas nach Amukamara greifen sollte.

Danach ist man sich nicht mehr einig. Colorados Jimmy Smith ist ein kräftiger Bursche, der aber gerne mal einen über den Durst trinkt und schon wegen Grasrauchen im Bau übernachtete. Er soll jetzt clean sein – mal schauen. Wenn es als Cornerback nicht klappt, soll er auch Safety spielen können.

Der ehemalige Texas Longhorn Aaron Williams ist ein laxer Vogel und soll trainingsfauler als Mario Basler in seiner Blütezeit sein. Riecht irgendwie… nicht nach 1. Runde. New Mexicos States Davon House gilt als ungestüm, kann aber mit dem Rücken zum Ball riechen, wohin das Ei gleich fliegen wird.

Brandon Harris von der großen U (Miami) ist sehr wendig, aber gemessen an NFL-Verhältnissen ein Winzling und gilt als Weichei, der unangenehmen Tacklings ausweicht. Ist in der Sun Bowl von Michael Floyd ganz schwer verbraten worden. Es dürfen aber aufgrund der Reputation der Uni und seiner Athletik Wetten angenommen werden, dass er trotzdem in der 1. Runde geht.

Chimdi Chewka verfügt über den besten Namen und über die Erfahrung an einer großen Uni (Ohio State). Nur – die Wide Receivers in der Big Ten sind jetzt auch nicht die ganz großen Prüfsteine. Chekwa gilt als mutiger Junge, der sich auch mal einem bulligen Running Back entgegenwirft.

Der NFL-2011-Draftvorschauer drei Tage nach dem Stichtag

Die Bowl Season ist vorbei, NFL Playoffs sind noch mitten im Gange. Im College stehen aktuell die Recruitings sehr stark im Vordergrund. In der NFL werden bei den ausgeschiedenen Teams die Wunden geleckt und die Trainer aussortiert. Zeit, einen kurzen Blick auf einen interessanten Offseason-Aspekt zu werfen: Den NFL-Draft. College-Spieler können vier Jahre an der Uni spielen: Das heißt dann im ersten Jahr Freshman, im zweiten Sophomore, im dritten Junior und im vierten Senior. Danach endet die Karriere an der Uni und nur den Besten steht der Weg in die NFL offen. Die Allerbesten gehen oft schon ein Jahr zu früh, nach dem Junior-Jahr, weil sie sich bessere Chancen ausrechnen, hoch gedraftet zu werden und mehr Kohle einzusacken.

Ein paar der heißeren Namen in der Kurzvorstellung – und der heißeste Namen ist nicht dabei: Bzgl. Andrew Luck kann ich mir meine so schön ausgedachten Franchisegesicht-Floskeln sparen und zumindest ein Jahr in die Schublade stecken. Luck bleibt am College.

Die Offense

Quarterbacks

Nach der Absage von Luck fehlt dem Draft ein herausragender QB. Die Jungs sind allesamt nicht schlecht, aber der Frontmann ist nicht mehr gegeben. Dark horse: Cam Newton.

Cam Newton

Cam Newton - ©Getty

Cameron Newton, Auburn. Athletisch ist der Mann genug und dass er eine Mannschaft notfalls im Alleingang zum Sieg führen kann, hat er auch bewiesen. Die Frage ist, ob sich jemand traut, einen hohen Draftpick in einen Spieler mit der Erfahrung von nur einem Jahr College zu investieren. Die Erfahrung sagt: Ein Team wird verrückt (oder genial?) genug dafür sein. Auf jeden Fall wird Newton Zeitungen und TV-Sendungen füllen – das Dark Horse des Drafts.

Jake Locker, Washington. Locker war letztes Jahr hoch eingeschätzt, blieb dann aber nochmal an der Uni. Keine gute Entscheidung für ihn, denn sein Jahr war suboptimal, um es noch beschönigend auszudrücken. Locker ist zwar beweglich und antrittsschnell, aber seine Würfe… Nope, überzeugen mich nicht.

Blaine Gabbert, Missouri, Junior. Für einige die neue #1 unter den QBs. Mit 1,96m ein Hüne, starker, aber ein Arm, ungenauer als die Mock Drafts im amerikanischen TV. Hat bei Mizzou viel, sehr viel in der Spread-Offense und Shotgun gespielt, aber auch mangels guter Nebenleute keine Bäume ausgerissen. Furchtloser Bursche und mit seinen 107kg ganz schwer zu fällen.

Ryan Mallett, Arkansas. Unbeweglicher als ein Fladen Schüttelbrot, aber ein Wurfarm vor dem Herrn.

Chris Ponder, Florida State. Präziser Werfer und Leadertyp. Helles Köpfchen, das für allerhand akademische Top-Leistungen verantwortlich war. Gilt als Typ für NFL-reif, als QB… Hm, auch wenn Seminole widersprechen würde: So ganz von Ponder bin ich nicht überzeugt.

Andy Dalton, TCU. Ein Scout hätte Dalton an dieser Stelle nicht genannt. Dalton wird eher nicht in Runde 1 oder 2 weggehen. Sieht sehr „schottisch“ aus und hat sich mit einer begeisternden Rose Bowl in meinen Fokus gespielt.

Pat Devlin, Delaware. Spielte in der FCS, daher auch für mich Neuland. Soll in den FCS-Playoffs sensationell aufgegeigt haben.

Running Backs

Trotz eines ehemaligen Heisman-Trophy-Gewinners wird die aktuelle RB-Klasse wie im letzten Jahr als eher mittelmäßig angesehen – und das liegt nicht mal an der Draft-Absage von Oregon-Superstar LaMichael James.

Mark Ingram jr., Alabama. Ganz harte Nuss. Ingram hat eigentlich keine Schwächen, läuft, fängt, bulliger Bursche und es ist leichter, Bill Belichick zum Lachen zu Bringen als ihm den Ball aus der Hand zu schlagen. Heisman Trophy Sieger von 2009, heuer aber einige Zeit verletzt gewesen. Ingrams Problem: Er ist kein Sprinter und eher klein gewachsen. Habe ich bei Maurice Jones-Drew auch mal gehört, das alles.

Ryan Williams, Virginia Tech. Auch so ein kleiner RB, aber brutal kräftig gebaut und schwer zu tackeln.

Jordan Todman, Connecticut. Für NFL-Verhältnisse mit 1,75m ein Kampfgnom. So ganz klar ist mir nicht, warum er nicht sein letztes Jahr im College geblieben ist. RBs mit seiner Statur werden eher selten ganz hoch einberufen.

Wide Receivers

Keine schwache WR-Klasse in meinen Augen, obwohl Michael Floyd und vor allem Justin Blackmon nun doch im College bleiben. Generell fällt bei den Underclassmen auf: Viele Typen, die gebaut sind wie die Säulen vor dem Altar, monströs groß und super-athletisch. Wenn sie nun auch alle die Hände besäßen…

A.J. Green, Georgia. War heuer eine zeitlang gesperrt, weil er ein Trikot an einen Agenten verkaufte. Aber auf dem Feld ein gewaltiger Mann: 1,93m groß, schnell und fängt alles, was bei drei nicht auf dem Baum ist. Wird mit einiger Sicherheit als erster WR gedraftet. Ein paar Impressionen:

Julio Jones, Alabama. 1,93m groß, schnell wie eine Rakete, aber unkonstant wie ein Eljero Elia. Am Ende des Tages in der Highlight-Show, aber auch drei Drops und fünfmal die Route falsch gelaufen. Schlüsselwort für Scouts: Fokus. Was ihm helfen wird: Jones ist als harter Knochen bekannt, der auch lieber drei Pillen zu viel schluckt und die ganze Woche schlecht schläft, als mal ein Spiel wegen Wehwehchen zu verpassen.

Jonathan Baldwin, Pitt. Baldwin hat keine Bäume ausgerissen, aber wenn ich mir seine Maße so ansehe, glaube ich kaum, dass er länger als eine oder eineinhalb Runden warten muss: 1,96m, 102kg, kräftig wie der Espresso in der Toskana und guter Blocker, aber nicht der Allerschnellste.

Titus Young, Boise State. Ohne Bronco kann ich kein Draft-Preview gestalten. Young war die beste Offensivwaffe der Broncos. Senior – und schon gleich einen ganzen Kopf kleiner als die Underclassmen. Für die NFL vermutlich zu klein (1,80m), aber das waren Deion Branch und Steve Smith ja auch. Glaubten sie. Go Titus!

Tight Ends

Ein Tight End ragt heraus: Kyle Rudolph von Notre Dame. Ansonsten womöglich kein allzu großer Jahrgang für TEs, aber die Erfahrung der letzten Jahre zeigt, dass man dafür erst in die Basketballhalle gehen sollte oder sein Glück in den späten Runden versuchen sollte. Tony Moeaki kannte auch keine Sau.

Offensive Line

Mein Football-Auge ist noch nicht auf Bewertung von Offense Linern geschult, von daher keine Einschätzungen von meiner Seite. Die meist genannten Namen sind: Der Koloss OT Nate Solder mit seinen 2,06m und schlanken 143kg, OT Gabe Carimi, OT Tyron Smith, OT Derrick Sherod, OT Tony Castonzo, OG Rod Hudson, C Mike Pouncey. Mal sehen, inwiefern Pouncey von seinem Bruder profitiert, der sich heuer als Volltreffer in der NFL erwiesen hat.

Die Defense

Die Offense-Liste ist schon draußen. Heute folgt, wieder ganz subjektiv und unvollständig, meine Draft-Liste für die Defense. Was auffällt: Ganz vorne in der Front Seven muss aussortiert werden. So viel Top-Jungs sind da unterwegs. Je weiter wir nach hinten gehen, desto dünner wird das Material für die ersten Runden. Safeties gibt es keine für die Top-Picks – was nicht heißen will, dass da noch ein paar Juwelen in den späteren Runden gepickt werden.

Defensive Line

Wenn ich mir die Liste so anschaue… Da sind massiv viele Ends dabei, die früh weggehen könnten. Starker Jahrgang für die Defensive Lines. Und ein J.J. Watt oder Cam Jordan tauchen da noch gar nicht auf.

Nick Fairley, DT Auburn. Im Prinzip sollte der Mann Nick Unfairley heißen. Aber: Wer seine Lauf-Defense verstärken will, wird bei Fairley zugreifen. Kein Mann wie DT Suh, aber zumindest optisch ähnlich dominant gewesen. Sollte ähnlich Seymour und Dareus auch 3-4 End spielen können. Ein paar halten ihn für mächtig überschätzt. Na denn, riecht trotzdem nach Top-3 bis Top-5. Und nach ein paar gepflegten Keilereien in der NFL…

Robert Quinn, DE North Carolina. Gleiche Uni wie Peppers. Starker Pass Rusher, hat aber wenig gespielt, weil gesperrt. Bekam allerhand Vergütungen und wechselte seine Gesichtsfarbe auch nicht, als er die NCAA-Detektive eiskalt über diese Zustände Märchen erzählte. 1,96m, 122kg und ein Monster von einem Defensive End.

Adrian Clayborn, DE Iowa. Bringt 129kg auf die Waage, ist aber nicht der Explosivste. Ansonsten ein Typ für die Bengals: Hat einen Taxifahrer windelweich geprügelt und dafür schon im Knast übernachten dürfen.

Da’Quan Bowers, DE Clemson. Der Mann mit dem Peppers-Problem: Alle Talente der Welt in einer Person vereint, aber gerne mal einen auf Basler machen und deswegen nicht in der Lage, durchwegs die Offense Lines zu zerbröseln. Aber ein spektakulärer End, der auch einem Laien sofort auffällt.

Ryan Kerrigan, DE Purdue. Weißer Defensive End und unfassbar explosiv. Löwe und Mathe-Student, so was gefällt korsakoff natürlich. Spielt gerne an der Playstation und feiert genau dann Geburtstag, wenn korsakoff seine alljährliche Siesta hält.

Marcel Dareus, DT/DE Alabama. Ein 139kg-Mann für die Mitte der D-Line. Heuer schwächer als erwartet. Ein gutes Zeichen: Dareus hat mich so schon schwer beeindruckt, sollte wie Seymour auch als End in der 3-4 Defense spielen können.

Stephen Paea, DT Oregon State. Hab ihn nur zweimal gesehen, da war er nur mäßig auffällig. Wird aber von allen Experten als 1st-Rundenpick angesehen, weil nicht viele Running Backs über ihn drüberlaufen werden.

Linebackers

Auffällig: Es gibt kaum klassische Inside und Outside LBs. Wir haben es mit einem Pulk an Jungs zu tun, die „allgemeingebildete“ Spielertypen sind und z.T. auch Defensive End draufhaben. Der beste Mann fehlt: Travis Lewis bleibt in Oklahoma. Dafür haben wir eine großartige Geschichte dabei.

Mark Herzlich, MLB Boston College. #94. Herzlich hat seinen Kampf schon gewonnen – den gegen einen seltenen und sehr unguten Knochenkrebs. Kämpferqualitäten sind etwas, was die NFL schätzt. Sehr sogar. Wird in jedem Umkleideraum ein emotionaler Leader sein. Mark, Herzlich willkommen in der NFL!

Einen Fan auf dieser Seite des Atlantiks hat der Mann schon. Der sitzt gerade in Südtirol.

Von Miller, OLB Texas. Hat sich schon den Ruf als harter Knochen erarbeitet, weil er häufig trotz Verletzungen spielt. Das beeindruckt NFL-Scouts. Starker Pass-Rusher, der auch schon DE gespielt hat. Kreativer Choreograf für Sack-Tänzchen. Irgendwo in Top-10-Nähe, aber vielleicht ein Riesenflop.

Akeem Ayers, OLB UCLA. Sehr kompletter Spieler, der noch lieber in die Deckung geht, als auf Blitzes. Gilt als unkonstant.

Greg Jones, OLB/MLB Michigan State. Ein Spieler, der schneller am Ort des Geschehens ist als du seinen Namen aussprechen kannst, und einer, der dir 10 Tackles pro Spiel macht. Spielte in der Capital One Bowl zuletzt voll durch, obwohl seine Spartans hoffnungslos – und ich meine hoffnungslos – in Rückstand waren.

Defensive Backs

Die NFL ist im Begriff, Defenses „von hinten“ bauen müssen zu glauben. Will heißen: Statt dominante Defensive Lines zusammenzuzimmern, tendiert man mehr dazu, zuerst dominante Safeties und Cornerbacks einzukaufen. Spieler wie Polamalu, Reed oder Revis dürften da nicht ganz unschuldig an der Meinung sein – für sie werden mittlerweile eigene Gameplans entwickelt.

Patrick Peterson, CB LSU. Brutal schneller Mann, der als neuer Devin Hester gilt. Sensationeller Punt Returner, keine Frage. Deckt in der Seconodary alles ab, was abzudecken ist. Sicherer Top-10 Pick, mit Option auf mehr.

Prince Amukamara, CB Nebraska. Nach „Ndamukong“ wieder so ein unaussprechlicher Name von der University of Nebraska. Diesmal nichts mit Indianern zu tun, sondern Wurzeln in Nigeria. Amukamara ist ein Athlet vor dem Herrn, aber ein unkonstanter und zuweilen laxer Knabe und keiner.

Brandon Harris, CB Miami. Log noch vor ein paar Tagen schamlos, als er ankündigte, im College zu bleiben. Geht jetzt doch in die NFL, weil CB Janoris Jenkins im College bleibt und für Harris eine höhere Draftposition herausschaut. Wurde in der Sun Bowl böse von Malcolm Floyd verbraten.

Rahim Moore, S UCLA. Gilt als Top-Safety, wird aber wohl nicht in Runde #1 gedraftet werden, obwohl ein Abfangjäger wie Ed Reed.

Jeron Johnson, S Boise State. Johnson hat mir in der Las Vegas Bowl extrem gut gefallen. Kleiner, kräftiger Mann mit Nehmerqualitäten. Wird aber kaum in den ersten 2-3 Runden weggehen.

Ras-I Dowling, CB Virginia. Letzter Mann in dieser Vorschau. Okay, ich hab den Mann nie spielen sehen. Aber der Name… schlicht und ergreifend köstlich.