Samstagsvorschauer – Spieltag 8

Achter Spieltag im College Football mit einer ganz großen Headliner-Partie aus der Big Ten Conference.

Ich greife aus Zeitgründen im Listing nur einige der besten bei uns sichtbaren Partien heraus:

  • 18h: Texas – #10 Oklahoma State
  • 18h: Florida State – Louisville
  • 21h30: #1 Alabama – Tennessee (CBS Stream)
  • 21h30: #8 Miami/FL – Syracuse
  • 21h30: #14 Virginia Tech – UNC
  • 21h30: #18 Michigan State – Indiana
  • 1h15: Ole Miss – #24 LSU
  • 1h30: #2 Penn State – #19 Michigan

Das Knallerspiel ist natürlich die nächtliche Auseinandersetzung aus der Big Ten Conference zwischen den noch ungeschlagenen #2 Penn State Nittany Lions und den #19 Michigan Wolverines (5-1) – ein Spiel aus dem schönsten Stadion der Welt, dem Beaver Stadium in Happy Valley.

Penn State ist exzellent in diese Saison gestartet und hat in den ersten Wochen bis auf einen knappen Comeback-Sieg in Iowa ausschließlich Kantersiege gefeiert. Dass die Gegner dabei nicht immer Granden des College Football waren – erstmal geschenkt. Ein gutes College-Team erkennt man auch daran, dass es inferiore Konkurrenz an die Wand spielt. Und das haben die Mannen von James Franklin gemacht.

Star der Offense ist RB Saquon Barkley, der mit seinen Moves und Cuts ein Augenschmaus ist und dank bereits insgesamt über 1000 Yards Rushing und Receiving sowie 8 Touchdowns zu den Heisman-Favoriten gehört. Barkley dürfte in dieser Partie auch zum Fokus der Lions-Offense werden, denn: Michigan hat die aktuell effizienteste Pass-Defense der FBS (4.1 NY/A) – eine extrem aggressive Unit, die sich nicht scheut, Druck aus allen Lagen zu bringen. DT Hurst, LB Bush und DE Winovich haben sich als spektakulärste Spieler in den ersten Wochen hervorgetan.

Bedeutung für Gegners Offense: QB Trace McSorley wird viel Druck durch Pass Rush und Blitzes sehen und es schwer haben, seine Receiver zu finden. Als schier ausgeschlossen gilt, dass McSorley heute sein charakteristisches tiefes Passspiel erfolgreich auspacken kann. Michigan hat unter DefCoord Don Brown allerdings auch die Tendenz, die Anspiellinie mit mindestens acht Mann komplett zuzubetonieren und somit dem Gegner Laufspiel schwer zu machen. Also nicht auszuschließen, dass Penn State versucht, den fangstarken Barkley stark im Screen- und Swingpassspiel einzusetzen.

Die spannende Frage in dieser Partie wird sein, wie viele Punkte Penn State überhaupt auf das Tablett legen muss, denn Michigans Kernproblem ist eine leblose Offense. Das fängt mit einer wackeligen Offense Line an, geht über sehr steife Wide Receiver weiter und endet beim nicht wirklich verlässlichen QB-Duo Speight/O’Korn, die beide nicht überzeugen können. Da auch Penn State vor allem eine starke Pass-Defense auffährt, wird bei Michigan der Weg zum Upset über das Laufspiel und Ballkontrolle in der Offense führen.

Letztes Jahr kanterte Michigan das damals noch von niemandem ernst genommene Penn State noch mit 49-10 aus dem Big House. Jetzt, etwas mehr als ein Jahr später, ist plötzlich Penn State Favorit mit 9 Punkten gegen das große Harbaugh-Team. Wie die Zeit vergeht… aber Penn State scheint in der ersten Saisonhälfte etwas überraschend (für mich zumindest) tatsächlich die Ingredienzien zu einem echten Topteam gezeigt zu haben. Sie müssen jetzt aber die PS gegen die Big-Ten Monster auf den Boden bringen: Heute Michigan. Nächste Woche @Ohio State.


Aber es gibt noch einige andere spannende Matchups.

Texas – Oklahoma State: Texas verlor letzte Woche die Red River Rivalry gegen Oklahoma, aber es bleibt insgesamt ein eher gutes Gefühl zurück. Man bot dem Favoriten die Stirn und hätte um ein Haar die Überraschung geschafft. Heute trifft man in Oklahoma State auf eine vielleicht aktuell noch etwas explosivere, komplettere Mannschaft als die Sooners.

Oklahoma State bringt im Passspiel sensationelle 11 NY/A an den Mann, wobei vor allem die Combo zwischen QB Mason Rudolph und WR James Washington (hat schon 882 Yards und 6 TD) zündet. Die Cowboys verloren zwar gegen TCU und deren starke Defense, treffen nun aber in Texas auf eine Defense, die immer wieder Coverage-Fehler begeht. Letzte Woche z.B. nutzte Oklahoma State solche Abwehrpatzer zu 59 Punkten gegen Baylor aus.

Zweites Problem von Texas: Die Lauf-Offense ist recht inexistent. Wenn nicht QB Sam Ehlinger seine Scrambles antritt, geht da nicht viel. So ist die Offense meistens schnell eindimensional auf ihren Freshman-QB zugeschnitten. Das kann schnell zu viel verlangt sein. Andererseits: Texas zeigt diese Saison immer wieder massives Potenzial. Wenn sie es abrufen und nicht zu viele Böcke schießen, sind sie wie gegen USC oder Oklahoma auch an großen Gegnern bereits „dran“, auch wenn sie bislang stets knapp verloren haben.


FSU – Louisville: Wer erinnert sich nicht an die epische Vorstellung von Lamar Jackson letztes Jahr gegen die Seminoles, die ihn in die Führungsposition im Heisman-Rennen katapultierte?


Miami Hurricanes vs Syracuse gewinnt nach dem Upset der Orangemen letzte Woche an Drive: Kann Syracuse nach Clemson einen weiteren ACC-Contender fällen? Schwierigkeit klassischerweise: Auswärtsspiel und „Letdown-Effekt“ nach dem großen Highlight. Miami ist hingegen mittlerweile in den Top-10 gerankt – auch dank zweier extrem knapper Siege zuletzt gegen FSU und Georgia Tech. Die Canes-Offense scheint nun auch ohne RB Mark Walton überleben zu können, aber will man unbeschadet durch die Saison kommen, kann sich Miami nicht auf verschossene Fieldgoals und Touchdownpässe in der letzten Minute verlassen.


Übrigens nicht im ESPN-Player eines der weiteren Spiele des Tages: #13 Notre Dame vs #11 USC. Beide haben eine Saisonpleite. Notre Dame, vor der Saison wenig beachtet, verlor nur knapp gegen das starke Georgia. Notre Dame soll eine der besten Rushing-Offenses überhaupt haben (RB Josh Allen macht 9.0yds/Carry hinter einer monströsen Offense Line), was sich gegen eine nicht immer stabile USC-Defense gut machen kann. Für viele ist Notre Dame deshalb sogar der Favorit in dieser „Jeweled Shillelagh“ Rivalität, die heute zum 88ten Mal ausgespielt wird.

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College Football Preview 2017: Big Ten Conference

Die Big Ten Conference erlebt in den letzten Jahren einen ziemlichen Aufschwung, vor allem, seit in Ohio State (Urban Meyer), Michigan (John Harbaugh) und Penn State (James Franklin) neue Headcoaches am Werk sind, die der vor Jahren so banalen „Großen Conference“ wieder Leben und nationale Relevant eingehaucht haben. Weiterlesen

Neujahrsbowls 2017 Preview

Vorschau auf die drei letzten „New Year’s Six“ Bowls:

  • 19h: Cotton Bowl Classic aus Dallas
  • 23h: Rose Bowl aus Pasadena
  • 02h30: Sugar Bowl aus New Orleans

Die Spiele werden bei SPORT1 US und DAZN übertragen. Weiterlesen

College Football Playoffs 2016/17 – Die Entscheidung

(Heute kein Liveblogging von der NFL.)


[18h50] Die Halbfinal-Ansetzungen sind damit klar:

  • 31.12. Peach Bowl: #1 Alabama – #4 Washington
  • 31.12. Fiesta Bowl: #2 Clemson – #3 Ohio State

Alabama geht als hoher Favorit gegen Washington ins Spiel. Die zweite Partie sieht auf den ersten Blick offen aus. Ich hätte immer gesagt, Ohio State hat die beste Chance, Alabama zu schlagen, aber nach dem banalen Auftritt der Buckeyes gegen Michigan bin ich mir nicht mehr so sicher. Clemson mit einem gut aufgelegten QB Watson könnte ein Endspiel gegen Alabama auch spannend gestalten, wie wir spätestens letztes Jahr gesehen haben.

Dazu ein Rose-Bowl Ansetzung zwischen Penn State und den USC Trojans. Weiterlesen

College Football 2016 – Rivalry Weekend Preview

Der größte Spieltag des Jahres im College Football. Wir kommen durch den folgenden Eintrag, ohne den Apple Cup zu spoilern. Die gestrigen Ergebnisse in ACC und MWC sind aber mit im Artikel impliziert. Weiterlesen

Penn State Nittany Lions | 2016/17 Vorschau

Es mag an mir liegen, aber meine Erinnerung an den grausigen Sandusky/Paterno-Skandal ist noch sehr frisch. Sind wir wirklich schon fünf Jahre drüber? Ist Penn State – das Happy Valley des College Football – wirklich schon wieder so nah an der Normalität? Wenn ich sowohl den lokalen Foren als auch den mir bekannten Penn-State Studenten folge, sind wir schon wieder nahe Normalität. Weiterlesen

Samstagsvorschauer 2015, Week 6

Woche 6 im College Football mit denn Penn State Nittany Lions, dem besten Runningback und dem besten Quarterback im College Football, sowie dem black’n’blue Duell zwischen der alten, neuen SEC-Macht Alabama und Arkansas. Weiterlesen

Big Ten Conference | College Football 2015/16 Preview

Die Big Ten Conference wähnt sich nach dem Landesmeistertitel der Ohio State Buckeyes sowie der Verpflichtung von Jim Harbaugh als neuem Head Coach in Michigan im Aufwind, doch bei genauem Hinsehen ist die älteste und stolzeste Conference im College-Football noch immer einige Schritte entfernt von den großen Ligen im US-Süden (SEC) und Westen (Pac-12).

2015 wird die Big Ten aber immerhin ein Elite-Team (eben Ohio State), ein sehr starkes Team (Michigan State) und eine Handvoll respektabler Mannschaften (Minnesota, Penn State, Michigan, Wisconsin, Nebraska) stellen. Das Problem sind eher die Hinterbänkler: Zu viel Mittelmaß. Weiterlesen

Bowl-Großkampftag am Samstag

Gleich fünf Bowls am heutigen Tag:

19h    Military       Cincinnati – Virginia Tech
20h    Sun            #15 Arizona State – Duke
21h30  Independence   Miami/FL – South Carolina
22h30  Pinstripe      Boston College – Penn State
02h    Holiday        #24 USC - Nebraska

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College Football 2014/15 am ersten Samstag

Ein Blick auf das Sendeprogramm von SPORT1 US vom heutigen ersten vollen Spieltag:

30.08. 14h30 LIVE Penn State – Central Florida
30.08. 18h00 LIVE Virginia – UCLA
30.08. 23h30 LIVE Georgia – Clemson
31.08. 09h30 Tape Louisiana State – Wisconsin
31.08. 12h00 Tape Oklahoma State – Florida State

Den Schedule mit allen Spielen kann man sich hier anzuschauen; die Spiele, die mit einem ESPN-Label gekennzeichnet sind, werden auch im kostenpflichtigen ESPN-Player zu sehen sein. Die Spiele des SEC-Networks sollen dabei nicht eingeschlossen sein. Weiterlesen

Penn State Nittany Lions | Bestandsaufnahme 2014/15

Zweieinhalb Jahre sind ein viel zu kurzer Zeitraum, um beim Schreiben über die Pennsylvania State University sofort auf den sportlichen Teil zu kommen. Das Innenleben der Community bleibt als Außenstehender weiterhin nicht greifbar, und ich habe manchmal das Gefühl, die Community weiß selbst nicht, wie sie mit Sandusky und Paterno und überhaupt mit sich selbst umgehen soll. Dieses Gefühl bestärkte sich bei einem längeren Gespräch mit einem jungen PhD aus State College, den ich heuer im Frühjahr auf einem Besuch an der TU Delft kennen lernte. Die beste Quelle bleibt weiterhin ein Mann, der auf diesem Blog nicht zum ersten Mal verlinkt wird, und dessen Weltanschauung man ganz gut teilen kann – Michael Weinreb:

The Paterno mythos is a complex and perhaps entirely illusory concept at this point; even so, it still feels relevant at Penn State. It still hearkens back to the „Grand Experiment,“ to the melding of athletics and academics under the guise of a football program, which feels less and less like a feasible equation in the modern world. Paterno, of course, wanted to win as terribly as James Franklin does — he could be ruthless and exacting when he wished, and anyone who believes otherwise is hopelessly naïve — but Paterno managed to couch that competitiveness in an anachronistic professorial outlook that made his tenure at Penn State, for a very long time, feel like something different.

That is not the case with James Franklin, because James Franklin feels very much like a modern football coach. He is a walking TED talk. His is the language of a pitchman rather than a professor. He readily admits to being a perfectionist, and he says things like this about coaches, according to Blue-White Illustrated’s Nate Bauer: „They’re control freaks, they’re maniacs, and I’m one of them.“

And that’s the issue: I have no idea if, given the contours of this system, it is possible to be all these things and still maintain one’s ethical framework. I have no idea if a college football coach can be both a control freak and a model citizen, and I don’t think anyone else knows, either. This is, after all, the subtext of the debate Penn State people been waging amongst themselves for the past three years: Was the Paterno mythos inherently flawed? (Hell, you might say that this is the central question inherent to the existence of college football itself.) And this is the same question that lingers now, as the James Franklin era takes hold.

Aus: Michael Weinreb | In the Spotlight – Can James Franklin keep Penn State out of Trouble?

Der komplizierte Umgang mit dem legendären Joe Paterno lässt sich an kleinen Gesten wie der Spende diverser Booster für eine neue Paterno-Statue ablesen: Sie darf nicht auf dem Campus aufgestellt werden. Sie muss zwei Kilometer außerhalb vor einer Bar platziert werden. Paterno ist zweieinhalb Jahre nach seinem Tod ein Zombie geworden, von denen einen verehrt als Ehrenmann und Opfer, von den anderen verabscheut als schizophrener Verräter an einem von ihm selbst geschaffenen (Schein?)-Weltbild. Weiterlesen