Glaskugel 2012: New York Giants

Footballfans und Medien sind komisch. Die Giants haben den Super Bowl gewonnen, zum zweiten Mal innerhalb von fünf Jahren. Ihr Quarterback hat gespielt wie eine Mischung aus Joe Montana und Tom Brady in ihren besten Jahren. Ihr Offensive Coordinator hat ihm ein System gebastelt, das als eines der wenigen ein starkes vertikales Element besitzt, während die meisten anderen wieder und immer wieder 5-Yard-Pässe in Slot oder Flat werfen. Die Offense ist jetzt seit vier Jahren in allen Kategorien konstant in den Top-10. Die Defense mit ihren vielen aufregenden Pass Rushern ist spektakulär. Selbst wenn sich ständig Leute verletzten, kann sie auch den besten Offenses Paroli bieten. Aber niemanden scheint es zu interessieren, niemand scheint das ernst zu nehmen.

Okay, wenn es jetzt eine Mannschaft aus der middle of nowhere wäre, Kansas City oder so, die mal eine Saison igrendwie zufällig stark war, könnte ich verstehen. Aber zur Hölle, diese Mannschaft ist auch noch aus New York! In den Top-100 Storylines dieser Offseason kam der Super-Bow-Champions nicht vor! Tebow, Peyton Manning, Patriots-D, können die 49ers nochmal, kommt jetzt endlich mal San Diego, haben die Bills die beste D-Line, ist Houston die beste Mannschaft der Liga, oder vielleicht doch Philly, ist Flacco jetzt Elite, Bountygate, Referees – alles mögliche wird hoch und runter dekliniert außer der Champion! Strange.

Dabei ist Big Blue dieses Jahr ganz klar einer der Favoriten, die Lombardi Trophy erneut zu erobern. Die Mannschaft hat sich in der Offseason nicht verschlechtert, sondern verbessert.

Giants Defense

Justin Tuck, Jason Pierre-Paul und Osi Umenyiora sind ein Luxus, bei dem allen anderen Coaches der Liga neidisch werden. Jeder von ihnen wäre in den meisten anderen Mannschaften die ganz klare Nr.1 als Defensive End. In sub packages kommt auch noch LB Matthias Kiwanuka als Pass Rusher dazu. Wenn die gegnerische Offense sie mal etwas zu lange geärgert hat, packt DC Perry Fewell seine „NASCAR-D“ aus: er läßt alle vier gleichzeitig auf den Quarterback los. Normalerweise aber wird immer locker durchgewechselt, so daß auch im vierten Viertel alle noch heiß und fit sind.

Auch in der Mitte der Linie wird viel rotiert. Gesetzt als Starter sind der 2,02m-Mann Chris Canty und der 150kg-Kerl Linval Joseph. Zu Beginn der Saison könnte Marvin Austin, 2nd-rd pick 2011, eine größere Rolle übernehmen, da Canty noch auf PUP ist. Austin galt als sicherer 1st-rd pick, wurde aber für die Saison 2010 von der NCAA gesperrt und hat letztes Jahr aufgrund einer schweren Brustmuskelverletzung nicht gespielt. Als weiterer fähiger Backups ist wieder Rocky Bernard mit dabei und als 7th-rd pick den Sprung in den Kader geschafft hat der Deutsche Markus Kuhn. Er müßte im depth chart die Nr.4 sein und sollte bei der vielen Rotiererei auch einige Snaps sehen. (Canty beginnt die Saison auf PUP, darum Nr.4 statt 5.)

Das Linebacking Corps war letztes Jahr lange Zeit das große Sorgenkind. Die einzige Konstante war hier Kiwanuka. Den anderen OLB gibt Michael Boley, der für einen 105kg-Typen verdammt gut in zone coverage ist, darum auch in der Nickel-D immer spielt. In der Mitte ist erstmal wieder der verlorene Sohn Chase Blackburn gesetzt. Blackburn wurde eigentlich vor der Saison entlassen, als dann aber die MLBs Woche für Woche schlechter aussahen, wurde er im November wieder verpflichtet und hat gespielt, als hätte er nie etwas anderes gemacht.

Für die Tiefe haben die Giants auch noch Jacquian Williams, der auch sehr gut gegen den Paß aussieht, sich in seiner Rookiesaison (6th-rd pick) verdammt schnell entwickelt hat und Boley noch mehr Spielzeit streitig machen wird. Außerdem sind auch noch Publikumsliebling Mark Herzlich und der ehemalige Top-10 pick Keith Rivers (2008; kam aus Cincinnati) mit dabei.

Die Secondary wird angeführt von Corey Webster, mittlerweile einer der besten Cornerbacks der Liga. Als 2nd-rd pick 2005 gekommen, hat er vom Coaching Staff Zeit für eine ruhige Entwicklung bekommen und sich stetig verbessert. Das ist überhaupt bei sehr vielen Spielern im Kader zu beobachten, daß sie, ähnlich wie bei den Steelers, ohne großen Druck in ihr erstes Jahr gehen, dann kleine Aufgaben übernehmen, dann größere und dann auf einmal fragen sich die Leute: wo kommt eigentlich dieser Webster her? Oder dieser JPP, oder Tuck, oder Kiwanuka? Dieses konstante und erfolgreiche entwickeln von Talenten wird auch viel zu wenig gewertschätzt, wenn man über die Giants spricht. Hat sich mal jemand gewundert, warum Big Blue kein großer Player in der Free Agency ist?

Zurück zur Secondary. Gegenüber Webster sollte eigentlich Terrell Thomas spielen, auch so ein gut entwickeltes Talent. Leider hat er sich nun zum widerholten Male das Kreuzband gerissen und wird die Saison auf IR verbringen. Das ist aber nur halb so schlimm, denn die Giants haben ja auch noch den besten CB aus der letzten Draft: Prince Amukamara. Dieser hat sich an seinem ersten Trainingstag für die Giants 2011 den Fuß gebrochen und kam somit ohne jede Vorbereitung oder Training im Laufe der Saison auf ein NFL-Spielfeld und sah auch erstmal dementsprechend aus. Im Laufe der Saison hat er sich aber gefangen und die Giants sind ganz zuversichtlich, daß er den abgewanderten Aaron Ross nicht nur ersetzen kann, sondern eine Verbesserung ihm gegenüber darstellt. Als Backups stehen Routinier Justin Tryon, 3rd-rd pick Jayron Hosley und Michael Coe bereit.

Safety Kenny Phillips ist ähnlich wie Webster: in einer stetigen Entwicklung einer der besten seines Faches geworden, ohne dafür viel Aufmerksamkeit zu bekommen. Daneben spielt der umstrittene Antrel Rolle, der meiner Meinung nach bei den meisten pundits zu schlecht wegkommt. Rolle wird auch immer wieder als slot nickelback eingesetzt, dann geht der junge Tyler Sash auf die freigewordene Safety-Position. Rookie Hosley hat in der Offseason im Slot aber sehr beeindruckt, so daß Rolle sich wohl mehr auf seine Aufgaben als Safety konzentrieren kann. Darum ist auch der Verlust von Deon Grant nicht schwerwiegend. Grant war übrigens neben Ross der einzige Abgang. Bei den vielen Namen wird deutlich: das ist eine verdammt tiefe Defense.

Giants Offense

Die Offense ist weniger tief, aber bei einer derartigen Qualität in der Spitze ist das auch gar nicht weiter schlimm. Eli Manning ist mittlerweile nach viel harter Arbeit und nach noch viel mehr harten Rückschlägen ein Top-3 Quarterback. Das beeindruckendste an seinem Spiel ist seine Tiefkühlfachmentalität. Er wirft eine INT? Er spielt schlecht und die Giants verlieren? Er wird pro Spiel 30 Mal unangespitzt in den Boden gerammt? He just shrugs. Is´ ihm egal. Es gibt keinen QB, der cooler in einer zusammenbrechenden Pocket steht und genau eine Zehntelsekunde bevor 600 Pfund einschlagen einen perfekten Paß wirft.

Schedule

Wk1 v DAL (SNF)
Wk2 v TB
Wk3 @ CAR (TNF)
Wk4 @ PHI (SNF)
Wk5 v CLE
Wk6 @ SF
Wk7 v WAS
Wk8 @ DAL
Wk9 v PIT
Wk10 @ CIN
Wk11 BYE
Wk12 v GB (SNF)
Wk13 @ WAS (MNF)
Wk14 v NO
Wk15 @ ATL
Wk16 @ BAL
Wk17 v PHI

Er wird auch 2012 wird einiges einstecken müssen. Die Mitte um Kevin Boothe, David Baas und Chris Snee kann man – mit viel Wohlwollen – als durchschnittlich bezeichnen. Das wirkliche Problem sind die Tackles. David Diehl ist einfach nur schlecht. Letztes Jahr hat er links gespielt, dieses Jahr geht er wieder auf die rechte Seite. Links soll jemand spielen, der besser ist. Also entweder Will Beatty, der mal in der zweiten Runde gedraftet wurde, um der LT der Zukunft zu werden. Das hat, auch aufgrund von Verletzungen bis jetzt noch nicht geklappt, darum wird erstmal Sean Locklear die Saison links beginnen. Locklear ist ein erfahrener Veteran, der immerhin ein upgrade über Diehl darstellen sollte.

Das kränkelnde Laufspiel wurde mit einem 1st-rd pick aufgepäppelt. David Wilson soll Ahmad Bradshaw einen großen Teil der Arbeit abnehmen und im Trainings Camp und den Preseason-Games sah Wilson auch sehr vielversprechend aus. Vervollständigt wird das Running Game von den FBs/H-Backs Henry Hynoski und Bear Pascoe sowie dem dicken TE Martellus Bennett.

Bennett kam aus Dallas und ist einer der besten run blocker unter den Tight Ends. Nur haben aber weder Pascoe noch Bennett bis jetzt bewiesen, daß sie Jake Ballard als pass catcher ersetzen können. 4th-rd pick Adrien Robinson soll unglaublich talentiert sein, aber sehr ungeschliffen und im Laufe der Saison wird auch noch Travis Beckum zurückkommen. Eli wird schon jemanden finden, zu dem er werfen kann.

Das ist auch so beeindruckend bei Eli: es ist nicht nur egal, wer für ihn blockt, es ist auch egal, wer die Bälle fängt. Beinahe jedes Jahr verliert er WRs und kommen neue in den Kader und Eli just shrugs. Dann wirft er eben einfach zu denen. Man hat noch nie gehört, daß sich Eli beschwert: „ooh, ich hab schon wieder neue WR, wir brauchen Zeit, wir brauchen bessere Abstimmung, natürlich kann es jetzt noch nicht so gut laufen“, blablabla, was andere QBs eben immer so sagen. Eli macht einfach.

Dieses Jahr muß Mario Manningham ersetzt werden. Dafür stehen 2nd-rd pick Reuben Randle und Domenik Hixon bereit. Hixon hat vor seiner verltzungsgeplagten Zeit schon bewiesen, daß er ein zuverlässiger Nr. 3 Receiver sein kann, darum wird Rookie Randle erstmal weniger Snaps bekommen. Warum 2,00m-Mann Ramses Barden immer noch im Kader ist, verstehe wer will. Er ist seit drei Jahren da und hat 15 Catches.

Hakeem Nicks und Victor Cruz haben sich zu einem der besten WR-Duos der Liga entwickelt. Cruz spielt meistens im Slot und Nicks die klassische Nr.1 an der Seitenlinie und wenn Big Blue unbedingt ein first down benötigt, spielen beide auf der gleichen Seite. Zusammen erfingen beiden in der letzten Saison mehr als 2700 Yards. Als Backup für den Slot hat man letztes Jahr in der dritten Runden Jerrel Jernigan gedraftet. Jede Menge Tiefe also.

Ausblick Giants

Die Giants haben das kompletteste Team. Sie haben eine beeindruckende Tiefe in den meisten Mannschaftsteilen. Sie haben alle nur erdenklichen Hürden und Rückschläge und Niederlagen schon (mindestens) einmal durchgemacht, sie kann nichts mehr schocken. Sie sind dieses Jahr under the radar, obwohl sie letztes Jahr schon den Super Bowl gewonnen haben. Big Blue ist für mich der große Favorit auf die Lombardi Trophy. Es wäre der erste repeat seit den Patriots 2003/4.

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Vorschau NFL Wild Card Playoffs 2011/12: Falcons/Giants, Steelers/Broncos

Atlanta Falcons (10-6) @ New York Giants (9-7)

[Sonntag 19.00Uhr, kommentiert auf FOX von Joe Buck und Troy Aikman]

Die New York Giants haben es mal wieder geschafft, nach achterbahnmäßigen Auf und Ab dann doch wieder in die Playoffs zu kommen. Es gab ein paar tolle Siege (vs New England, Philadelphia), einige Einbrüche (z.B. gegen New Orleans), großartige Comebacks (vs Dallas), völlig unerklärliche Niederlagen (vs Seattle) und abgerundet wurde die ganze Saison durch fünf aufeinanderfolgende Niederlagen im November und Dezember. Mit drei Siegen in den letzten vier Spielen kommt man jetzt aber heiß und mit momentum in die Playoffs. Bei den Giants ist das Auf und Ab und andere Aufregung mittlerweile schon zur Tradition unter Head Coach Tom Coughlin geworden. Mal schießt sich der Nr. 1 WR in den Fuß, dann will der RB einen Fan verprügeln oder er beleidigt Rex Ryan mitten im Stadion; Eli wird mal auf eine Stufe mit Peyton gehoben nur um dann zwei Wochen später nicht mal der beste QB in New York zu sein und Coughlin wird jede Seaison mehr als einmal von Fans und Medien symbolisch gefeuert. Um es kurz zu machen: dieser Zirkus ist das genaue Gegenteil der Atlanta Falcons, die weder auf noch ab oder sonst etwas Extremes sind, sondern einfach – naja, so mittel.

Atlanta ist ein durch und durch gutes Team. Das ist einerseits ein Kompliment, andererseits beschreibt es auch ihre Grenzen. Gut heißt einerseits, daß sie zum dritten Mal in den vier Jahren unter HC Mike Smith ( OC Mike Mularkey & DC Brian Van Gorder) mit Quarterback Matt Ryan verdient in die Playoffs gekommen sind. Die Falcons haben sich in diesen vier Jahren auch nicht verändert. Sie haben ein ziemlich gutes Laufspiel, ein solides Paßspiel und eine ganz anständige Defense.

Aber “gut” heißt eben auch “nicht sehr gut”. Ryan ist kein Rodgers, die WRs Roddy White und Julio Jones sind keine Playmaker vom Format Larry Fitzgerald oder Calvin Johnson, RB Michael Turner ist kein Adrian Peterson und DE John Abraham ist kein Terrell Suggs.

Falcons Offense / Giants Defense

So wird das Spiel dann wohl auch taktisch recht “normal” ablaufen: Turner wird seine 20 Carries bekommen, Ryan wird einige gute Würfe machen und Jones/White einige gute fangen (aber auch droppen) und TE Gony Gonzalez wird die Linebackers der Giants öfter Mal alt aussehen lassen. Aber: das Entscheidende wird der Kampf an der Line of Scrimmage sein und hier ist Atlanta klar im Nachteil.

Die Offensive Line der Falcons ist Durchschnitt. Fünf große dicke Jungs, die ihre Stärken vor allem im Running Game haben. Und in den letzten fünf Wochen (vor dem Spiel gegen die Reste der Tampa Bay Buccaneers) hat selbst das nicht mehr besonders gut funktioniert: 89, 70, 86, 97 und 35 Laufyards gegen Minnesota, Houston, Carolina, Jacksonville, New Orleans. Über die gesamte Saison gesehen waren es am Ende nur 4,0 Yards per Carry, schlechter als zum Beispiel Indy.

Im Paßspiel kann sich QB Ryan schon mal auf einige blaue Flecken gefaßt machen. In guter alter Giants-Tradition hat die Verteidigung um Defensive Coordinator Perry Fewell eine tief besetzte Defensive Line mit drei hervorragenden Pass Rushern in Jason Pierre-Paul, Justin Tuck und Osi Umenyiora (auch wenn Umenyiora und manchmal auch Tuck zeitweise in einer Mischung aus leicht verletzt und lustlos aufgelaufen sind). Auch die anderen D-Liner Chris Canty, Linval Joseph und Dave Tollefson sollten in diesem Spiel ihre Plays machen. Das müssen sie auch, um das mittelmäßige, von Verletzungen geplagte LBs-Corps rauszuhauen.

Atlanta hat nur eine Chance auf mehr als 20 Punkte, wenn sie es schaffen, mit White und Jones mehrere Big Plays zu kreieren. Weil das aus der normalen Offense gegen diesen Pass Rush nur schwer möglich sein wird, werden wir wahrscheinlich viel No-Huddle-Offense von Matt Ryan sehen, was er in den letzten Wochen auch schon ausgiebig ausprobiert hat. Das macht den Pass Rush müde, verhindert das Auswechseln von Spielern, Wechsel zwischen Base-, Nickel- und Dime-Defense und hält den Druck auf die Verteidiger hoch.

Giants Offense / Falcons Defense

Der Gameplan der Giants-Offense ist ziemlich simpel: Eli Manning muß das Spiel irgendwie gewinnen. Das Laufspiel ist statistisch das schlechteste der NFL gewesen mit nur 89,2 Yards pro Spiel und 3,5 Yards pro Carry. Nichtsdestotrotz können sie mit einem fitten Ahmad Bradshaw und einem motivierten Brandon Jacobs mehr als 100 Yards machen und ihren Teil beitragen. In den letzten fünf Spielen waren sie, bis auf die Partie gegen Washington, auch immer dreistellig.

Trotzdem muß das Paßspiel die Hauptarbeit leisten. Mit einem teilweise überragend spielenden Eli Manning und einem der besten Receiving Corps der NFL mit Hakeem Nicks, Mario Manningham und Victor Cruz haben die Giants den klaren Vorteil gegen die mäßige Paßverteidigung Atlantas.

Fazit

Am Ende muß irgendwer der Falcons über sich hinauswachsen, um das Spiel zu gewinnen. Die Giants haben mit Eli, Victor Cruz und JPP/Tuck Spieler, die das regelmäßig machen. Bei Atlanta fehlt der ganz große Spieler, der MVP, der game changer, der auch mal das ganze Team auf seinem Rücken zum Sieg trägt. Matt Ryan hat dieses Jahr nicht gezeigt, daß er gegen eine ganz starke Defense ganz stark spielen kann; WR Roddy White hat immer wieder Killer-Drops; WR Julio Jones ist ein Rookie und wartet noch auf seine breakout performance; RB Michael Turner ist immer noch grundsolide, aber nicht der Homerun-Hitter und auch in der Defense gibt es viele überdurchschnittliche Spieler wie CB Brent Grimes, die LBs Lofton und Weatherspoon oder DE John Abraham. Die genannten haben alle durchaus das Talent, ein Spiel zu entscheiden, aber bis jetzt haben sie es noch nicht gezeigt. (In ihren letzten beiden Playoff-Spielen übrigens auch nicht: 2008 L 24-30 @Arizona und 2010 L 21-48 vs Green Bay.) Hinzu kommt noch, daß Dome-Teams in den letzten 40 Jahren nur 9 von 41 Playoffspielen in kalten Stadien gewonnen haben. Die Giants gehen als klarer Favorit in das Spiel.

Pittsburgh Steelers (12-4) @ Denver Broncos (8-8)

[Sonntag 22.30Uhr, kommentiert auf CBS von Jim Nantz und Phil Simms]

Im Mile High Stadium treffen zum Abschluß der Wild-Card-Playoffs zwei der nur drei Playoff-Teams aufeinander, die ein negatives Turnover-Rating haben (Denver -12, Pittsburgh -13). Über Tim Tebow und seine Broncos ist eigentlich alles gesagt, daß muß hier nicht nochmal wiederholt werden. Pittsburgh läuft komischerweise etwas “under the radar”. Die Defense hat unter vielen Verletzungen gelitten und hat die Regular Season völlig unbemerkt als Nr.1 nach Punkten als auch Yards abgeschlossen. In der Offense redet man meistens über die miese O-Line, den verletzten Big Ben und das miese Laufspiel. Aber an guten Tagen ist Pittsburghs Angriff einer der explosivsten der NFL und immer für mehrere Big Plays gut.

Broncos Offense / Steelers Defense

Das wird ein ganz langer Tag für Tim Tebow und seine Offense. Denver hat zwar das beste Laufspiel der Liga, aber Pittsburgh immer noch eine der besten Verteidigungsreihen ligaweit – sowohl gegen den Lauf als auch den Paß. Die Statistiken lassen Pittsburgh nicht ganz so gut aussehen, was aber vor allem daher rührt, daß die LBs alle längere Zeit verletzt oder gesperrt gefehlt haben. Jetzt sind alle wieder fit.

Pittsburgh wird das Spiel sehr aggressiv angehen und Tebow sehr früh Bekanntschaft machen mit Safety Troy Polamalu, der wohl meistens “in the box” spielen wird, um das Laufspiel von Anfang an zu unterbinden. Es sollte auch nicht allzu riskant sein, immer acht Mann in der Nähe der Line of Scrimmage zu haben, denn passen ist nicht gerade die Stärke Tebows.

In den letzten drei Spielen, die allesamt verlorengingen, wurde Tebow entzaubert. Vor allem die Bills und Chiefs haben in der Defense eine sehr aggressive Man-Coverage gegen die WR gespielt und Tebow damit die einfachen “Reads” genommen. Zusätzlich haben die DEs beziehungsweise OLBs sehr diszipliniert gespielt und Tebow nicht Richtung Seitenlinien ausbrechen lassen. Aggressiv und diszipliniert sind dummerweise die Hauptcharakteristika der Steelers-D.

Die Zahlen für Denvers Quarterbacks waren ernüchternd in den Wochen 15, 16, und 17: 30/73, 439 Yards, 1TD, 4 Interceptions, 3 Fumbles. Die Broncos haben nur eine Chance, wenn sie sich von ihren überkonservativen Gameplans verabschieden und ihr Heil in einigen tiefen Bällen suchen. Die Chance dafür sollte zumindest da sein, denn Polamalu wird sich hauptsächlich an der Line of Scrimmage rumtreiben, der zweite etatmäßige Safety Ryan Clark ist verletzt und mit Ike Taylor haben sie auch nur einen starken CB.

Steelers Offense / Broncos Defense

Auf dieser Seite des Balles wird alles von Roethlisbergers linkem Knöchel abhängen. Erstmals hat er ihn sich Anfang Dezember verletzt, humpelte dann in San Francisco nur rum bevor er sich in Woche 16 schonen durfte. Letzte Woche mußte er wieder ran und ist im dritten Viertel gegen Cleveland erneut mit dem Fuß umgeknickt. Nun humpelt er schlimmer als zuvor und ist damit seiner wohl größten Stärke beraubt: der Fähigkeit, immer wieder sicher geglaubten Sacks zu entkommen.

Hinter seiner dezimierten Offensive Line, die schlecht wie eh und je spielt, sollte er am Sonntag immer wieder große böse Jungs auf sich zukommen sehen. Elvis Dumervil und Rookie Von Miller sind das wohl beste Pass-Rushing-Duo der AFC. Miller hat zwar in den letzten Wochen, in denen er angeschlagen war, leicht nachgelassen, aber ein wenig fitter und mit der Motivation eines Playoffspiels vor eigenem Publikum sollte er zur Höchstform auflaufen. Pittsburgh hat in dieser Saison auswärts 25 Sacks zugelassen.

Noch schwieriger wird es für Pittsburghs Offense, weil sich Running Back Rashard Mendenhall mit Kreuzbandriß ins Krankenhaus verabschiedet hat. Nun muß Isaac “Redzone” Redman das Workhorse geben. Ob er dazu fähig ist, muß er erst noch beweisen. Helfen sollte den Steelers die bestenfalls durchschnittliche Secondary der Broncos. CB Champ Bailey ist immer noch gut, aber nicht großartig. Der andere Starting-CB Andre Goodman hat seine besten Tage auch hinter sich und nach der Verletzung von Safety-Legende Brian Dawkins bewachen mit Rookie Quinton Carter und dem 24-jährigen David Bruton zwei Grünschnäbel den tiefen Teil des Feldes.

Das sollte den beiden Deep Threats Mike Wallace und Antonio Brown viel Freude bereiten. Beide haben in dieser Saison mehr als 1000 Yards erfangen und machen pro Catch fast 17 Yards. Wenn Big Ben mal Zeit in der Pocket bekommt, sollten Wallace und Brown die wichtigen Catches und Punkte machen, auch wenn es wohl nicht allzu viele werden dürften. Letztendlich sollten die Steelers aber auch gar nicht so viele Punkte brauchen um eine Woche später zu ihren guten Freunden aus Baltimore oder New England fahren zu dürfen.

New York Giants in der Sezierstunde

10-6 und keine Playoffs für die Giants in der abgelaufenen Saison. Die sechs Niederlagen kann man aufsplitten in drei Zweierpacke (Woche 2/3, 10/11 und 15/16). Vor allem die Heimpleite gegen die Philadelphia Eagles in Woche 15 ist immer noch fassungslos. Wenn du 8:17min vor Toreschluss mit drei Touchdowns führst und das EKG am Ende nur noch ein einziges, langes, leises bleeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeep drin hat, dann hast du irgendetwas falsch gemacht.

Current State

Die New York Giants haben sich als besseres Team herausgestellt, als ich es erwartet habe – trotz allem. Problempunkt ist die Konstanz, vor allem in der Defense, die an guten Tagen mit ihrer Passrush-Gewalt alles niederwalzt. Die Offense ist blässlich, aber wenn das Laufspiel in die Gänge kommt, nicht zu verachten. Trotz QB Eli Manning, von dem ich kein Fan bin. Hauptkritikpunkt in der Mannschaft: Die Special Teams, blanke #31 in der NFL.

Future State – Offensive Map

Brandon Jacobs RB New York Giants

Brandon Jacobs - ©Flickr

Manning wird dank Monstervertrag auf Jahre an die Franchise gebunden sein. Manning als QB, das bedeutet: Du brauchst ein starkes Laufspiel und eine überdurchschnittlich gut blockende Offensive Line, wenn du deinen QB nicht als aufgescheuchtes Huhn lächerlich machen willst. Das Spiel darf nicht auf Mannings Schultern lasten.

Die Offensive Line der Giants ist kein Prunkstück. Jede Wette, dass die Giants an der #19 einen Offensive Tackle einberufen. Dazu sehe ich Center O’Hara 34jährig. Ein Verjüngungsversuch ist nicht unrealistisch.

Die Running Backs machen einen soliden Job. ABER: RB Bradshaw hat den Tick, pro ca. 40 Laufversuche einen Fumble einzustreuen – Tendenz steigend. RB Jacobs ist zwar ein Bulle von einem Mann, aber nicht explosiv und zudem bei den Fans unten durch. Head Coach Tom Coughlin ist berüchtigt dafür, für Negativerlebnisse seine Spieler verantwortlich zu machen. Daher glaube ich, dass sich bei den RBs etwas ändern wird.

Die Wide Receivers – Steve Smith ist schwer verletzt und Free Agent. Dazu wird in absehbarer Zeit die hohle Hupe Plaxico „Knieschuss“ Burress aus dem Knast entlassen werden. Die WRs könnten verstärkt werden. Ob die beiden aber in New York eine Zukunft haben, ist eine gute Frage.

Future State – Defensive Map

Osi Umenyiora New York Giants

Osi Umenyiora - ©Wikipedia

Die Giants-Defense halte ich für bärenstark, nicht zuletzt dank des guten Jobs vom HC-Kandidaten Perry Fewell. Eine immer noch dominante Defensive Line mit einem meiner Favoriten, DE Usi Umenyiora, der bei mir dank seiner Performance in Super Bowl XLII seit Jahren hoch im Kurs steht. Die Linebackers und Defensive Backs sind bei mir als „solide“ eingestuft.

Allerdings steht Safety Antrel Rolle im Ruf, pro Spiel dreimal fehl am Platz zu sein und seinen millionenschweren Vertrag nicht wert zu sein.

Future State – Special Teams Map

Die Special Teams rangieren auf dem 30. Platz in der DVOA. Punter Matt Dodge war Rookie und sollte in New York nach dem Fiasko gegen die Eagles keine Zukunft haben. Dodges Punts sind berüchtigt für wenig Hang Time und entsprechend viele kassierte Return Yards. Auf der anderen Seite fehlt ein gefährlicher Return-Spieler (19.0yds/Kickreturn, 6.1yds/Puntreturn, 0 Touchdowns).

Die Aussichten

Ich kann mich schwer entscheiden, welche der beiden Defenses die bessere in New York ist. Die der Giants ist auf alle Fälle eine derjenigen, der ich ligaweit am meisten Vertrauen entgegenbringe. Die Schwachstellen sind in der Offense daheim – angefangen beim Franchise-QB.

Was nicht zu unterschätzen ist: Head Coach Tom Coughlin steht nach jeder weiteren Niederlage unter Beschuss. Die Playoffs sind 2011/12 (so die Saison denn stattfindet) Grundvoraussetzung für einen Verbleib Coughlins. Und unter Druck hat Coughlin nicht immer die überlegtesten Entscheidungen getroffen…