Mit den Cleveland Browns in den Sonnenaufgang

Man zeige mir einen General Manager in der NFL, der über mehr Power (im Sinne von Macht) verfügt als Clevelands Mike Holmgren. Holmgren ist seit eineinhalb Jahren GM der Browns und Holmgren war dominant genug, um über den Kopf des Trainerstabs hinweg einen Quarterback zu draften, den dieser Trainerstab nicht wollte. Und wir reden hier über einen Trainerstab, dessen Kopf als ultrasturer Disziplin-Nazi bekannt ist. Wir reden hier über (Ex-Coach) Eric Mangini.

Colt aus Texas

Holmgren lebt und stirbt für die West Coast Offense. Und Holmgren sah, was Cleveland für einen Football spielte. Einen knüppelharten. Unästhetisch. Holmgren vernarrte sich in einen Quarterback mit einem Namen, der keine Zweifel über dessen Herkunft mehr lassen kann. Colt McCoy. McCoy wurde 2010 einberufen und Mangini vor die Füße geworfen. Ein intelligenter Quarterback ohne raketenartigen Wurfarm.

Mangini behandelte McCoy wie ein Stück Agrarpizza und Holmgren hasste, wie der Trainerstab mit dem jungen Quarterback verkehrte, tauschte die komplette sportliche Leitung aus, installierte mit Pat Shurmur einen neuen, ihm bekannten Head Coach (Shurmurs Vater war einst Holmgrens DefCoord) und vollzog somit den lange von allen erwarteten Bruch mit Mangini und der Franchise-Vergangenheit.

Holmgren ist der Kopf.

Shurmur der Gestalter.

McCoy der Umsetzer.

Offense

Es wird gemunkelt, dass Holmgrens Verlangen nach einer klassischen „West Coast Offense“ so ausgeprägt war, dass er Mangini mit seiner knochentrockenen 80erjahre-Offense selbst bei 10-6 rasiert hätte. QB Colt McCoy hat nicht brillant gespielt, aber McCoy hat ordentliche Ansätze in einem System gezeigt, dass darauf ausgerichtet war, möglichst ohne Quarterback auszukommen.

Man sagt McCoy erstaunliche Fähigkeiten im Antizipieren von Spielsituationen nach, was für eine auf Timing basierende Kurzpassoffense, die auch von Shurmur gepredigt wird, die Fähigkeit #1 ist.

Allerdings ist McCoy immer noch ziemlich grün und vor allem: Ziemlich blankgestellt, denn die Browns verfügen über keinen adäquaten Receiving-Corp. Der unzuverlässige TE Ben Watson ist mit 68 Catches/768Yards/3 Touchdowns jeweils mit Abstand die #1 in jeder Kategorie, etwas, das nicht lange gut gehen kann. So wird in Sachen Ballfänger auf einen Haufen an völlig Unbekannten und Rookies vertraut – und auf X-Faktor Josh Cribbs, der alles ein bisschen macht, aber nirgendwo richtig gut ist. Außer im Returnieren von Kicks und Punts.

Immerhin darf McCoy hinter einer der besten Offensive Lines in der NFL antreten, rund um LT Joe Thomas und C Alex Mack. Eine Line, die auch hervorragend für das Laufspiel blocken kann, was für Cleveland nicht unbedeutend sein dürfte.

RB Peyton Hillis dürfte aufgrund der fehlenden Erfahrung McCoys auch in dieser Saison noch eine tragende Rolle spielen. Hillis wird in naher Zukunft ein Star sein: Er ist der Cover-Boy von Madden Football. Auf dem Platz ist das einer der wenigen großen weißen Running Backs – ein brachialer Typ Fullback, und fangstark. Dazu der junge RB Montario Hardesty, wieder fit nach einer Verletzung, und der fangsichere, aber laufschwache RB Brandon Jackson aus Green Bay.

Defense

Auf DefCoord Rob Ryan muss verzichtet werden, doch die Umstellung von Ryans 3-4 Defense auf eine 4-3 Defense könnte angesichts der vorhandenen Personals „logisch“ sein. In der Defensive Line wird auf zwei junge Defensive Tackles (Ahtyba Rubin, Phil Taylor) vertraut, dazu kommt mit DE Jabaar Sheard ein Rookie aus der zweiten Runde. Der Kopf der Linebackers dürfte der recht kleine MLB D’Qwell Jackson (1,83m) sein.

Prunkstück in der Defense wird CB Joe Haden sein, ein Mann im zweiten Jahr. Hadens Rookie-Saison soll nach anfänglichem, sachten Aufbau schlicht und ergreifend fassungslos gewesen sein. Sämtliche geschätzte Analystenschaft sieht in Haden bereits einen Top-5 Cornerback, dabei hat der Mann erst eine halbe Saison „richtig“ gespielt.

Mal schauen. Ryan galt als Genie des Tarnens und schemings, nun kommt mit Dick Jauron ein Mann, der schon überall gecoacht hat, ohne irgendwo wirklich bleibende Eindrücke hinterlassen zu haben. Es ist immer etwas ungut, wenn man auf eine Front Four umstellt und fast alle Spieler sind blutjung – Muskelaufbau für Defensive Liner braucht oft zwei-drei Jahre.

Ausblick

Die Browns haben ein klein bisschen was von Bodensatz der NFL. Neuer, nicht allzu mächtiger Coach, neues Offensiv- und Defensivsystem, sehr junger Quarterback ohne viele Anspielstationen, ein Running Back, der jüngst wie Phoenix aus der Asche kam und von dem keiner weiß, wohin er sich entwickeln wird, und eine Defense, deren Ankermänner durchwegs extrem jung sind.

Wk #1 vs Bengals
Wk #2 @Colts
Wk #3 vs Dolphins
Wk #4 vs Titans
Wk #5 BYE
Wk #6 @Raiders
Wk #7 vs Seahawks
Wk #8 @49ers
Wk #9 @Texans
Wk #10 vs Rams
Wk #11 vs Jaguars
Wk #12 @Bengals
Wk #13 vs Ravens
Wk #14 @Steelers (Donnerstagspiel)
Wk #15 @Cardinals
Wk #16 @Ravens
Wk #17 vs Steelers

Wenigstens der Schedule meint es gut mit den Browns: Viele Heimspiele gegen mittelmäßige Konkurrenz zu Beginn und viermal die NFC West und die ebenso nicht berauschende und physis-allergische AFC South im Kader. Die Bilanz könnte am Saisonende die wahre Leistungsstärke (-schwäche?) verschleiern – aber mir gefällt bekanntlich immer, wenn eine Franchise mit einer klaren Idee auch mal ein paar happige Jahre des Aufbaus in Kauf nimmt.

Das Zeiteisen verrät: 784 Minuten verbleiben. WordCount nach acht Teams: 7707.

Was bedeutet für einen Quarterback eine „Interception zu werfen“ und ist dies erlaubt und die besten Sucheinträge in acht Monaten Sideline Reporter in der Rückschau

Sideline Reporter nähert sich dem dreihundertsten Blogeintrag. Die Seite wird mittlerweile öfters aufgerufen als zur Playoffzeit im Jänner und ist trotz fehlender Footballspiele in Amerika (ich schaffe es zeitlich nicht, CFL-Spiele zu bloggen) in der Offseason fast stetig gewachsen. Entsprechend haben mich in den acht Monaten auch haufenweise Sucheinträge über Google gefunden. „sideline reporter“ führt mit über eintausend vor „sidelinereporter“ mit 672. Die knuddeligen Suchbegriffe sind weit kreativer. Darüber mal eine kleine Rückschau.

Gibt es einen weißen Running Back in der NFL?

Oh ja. Aktuell gehören gar zwei weiße RBs zur Liga-Elite. Peyton Hillis von den Cleveland Browns wuchtete sich im vergangenen Herbst zu einer sagenhaft guten Saison und dürfte in Kürze Berühmtheit erlangen: Hillis ist der Cover-Boy von Madden NFL 12. Zweiter weißer „Star“: New Englands Danny Woodhead, ein kleiner Irrwisch von einem Offensivspieler, halb Back, halb Wide Receiver. Dazu gibt es einen Haufen Fullbacks – die technisch gesehen auch Running Backs sind – weißer Hautfarbe. Fullbacks werden seit eineinhalb Jahrzehnten hauptsächlich als Blocker eingesetzt, weshalb die nachteilige Athletik von weißen Athleten dort nicht so sehr ins Gewicht fällt. FB John Kuhn (Packers) oder FB Heath Evans (Saints) wären zu nennen.

Geschichtlich bewegen wir uns in Sachen „weiße Top-Running Backs“ auf eher schmalem Eis. Der heutige Fox-Kommentator Daryl Johnston, genannt „Moose“, war Emmitt Smiths Fullback in den 90ern. Der beste weiße Running Back ever war John Riggins in den 70ern und 80ern für die Jets und Vikings Redskins: Über 11.000yds in seiner Karriere erlaufen, und nur drei Spieler hatten bei seinem Rücktritt überhaupt mehr Yards erlaufen.

Berühmtester weißer Running Back ist aber Larry Csonka, wie Riggins Hall of Famer, und ein Mitglied der einzigen ungeschlagenen NFL-Mannschaft der letzten 50 Jahre: Der Miami Dolphins von 1972/73.

Ist es ein Catch, wenn ein Receiver mit dem Knie am Boden den Ball fängt?

Das hatte ich schon mal beantwortet, wird aber seit Monaten immer wieder abgefragt.

einziger deutscher spieler super bowl gewinner

… könnte in absehbarer Zukunft der OT der Patriots, Sebastian Vollmer, sein. Wenn Sie der ARD immer noch Glauben schenken, dann sind Sie naiv und wissen, dass Tom Nütten der einzige deutsche Superbowl-Gewinner ist. Das ist korrektes Wissen, sofern sie „deutschstämmig“ mit „deutsch“ gleichsetzen. Wenn Sie richtigerweise Tom Nütten jedoch als „deutschstämmig“, aber nicht „deutsch“ betrachten, gibt es noch keinen echten „deutschen“ Superbowl-Champ. Nütten gewann 1999/2000 mit den Rams den Titel.

(Update: für weiteres siehe Kommentare)

Was bedeutet für einen Quarterback eine „Interception zu werfen“ und ist dies erlaubt?

Jo, ist natürlich erlaubt, aber nicht sonderlich vorteilhaft für dessen Mannschaft. „Interception“ = Ballverlust. Im Gegensatz zum Fußball wird es im Football in der Regel ein Weilchen dauern bzw. einen gehörigen Kraftaufwand bedeuten, um das Angriffsrecht (=den Ball) wieder zurückzuerlangen.

Hope Solo zicke.

Dazu bitte hier entlang (einzuordnen in die Kategorie „schamlose Eigenwerbung“, aber dass ein korsakoff-Artikel fast 24.000 Klicks bekommt, ist auf diesem Blog noch nicht möglich und zeugt vom Aufsehen, das die Frau mit dem feurigen Blick erzeugt hat).

chad ochocinco rechts- oder linkshänder

Datt weiß ich natürlich nicht. Aber dank Fünfundachzigs Mitteilungsfreudigkeit (a.k.a. Geltungssucht) wissen wir, dass jüngst seine linke Hand zitterte.

vince young aufrecht gehen

Bei einem angeblichen Wonderlic-Score von 2 (ZWEI) fragt man sich tatsächlich, wie der Mann das schafft. Mehr zum Wonderlic Test hier.

grössen unterschied truthahn huhn

Da es ringsherum Bauernhöfe wie Frischlandeier gibt, eine leicht zu beantwortende Frage: Truhühner werden schon mal einen Meter groß und wiegen ausgewachsen fast ein Dutzend Kilo (Weibchen sind allerdings recht leicht dagegen, würde schätzen, 4-5kg). Normale Haushühner dagegen wiegen rund 3-4 kg, wobei der Gewichtsunterschied zwische Huhn und Henne recht marginal ist (schätzungsweise 1/2 bis 1 kg).

fleisch hat immer saison

In der Tat.

ich bin ein schlechter wide receiver

Normalerweise sind Wide Receivers allerdings für übersteigerte Egos bekannt.

Kim cljsters BOOBS

Ich denke mal, das hier ist gemeint.

alte Schuhe von der Hochzeit nicht (mehr) finden

Aber die alte Schachtel ist doch bestimmt noch irgendwo (an Ihrer Seite?).

wer sind die cheesevhesds

Die Hamburger Fußballfans vielleicht? Im Football werden die Fans der Green Bay Packers Kaseköpp genannt. Mehr hier.

kamerapositionen nfl.

Ein interessantes und zuweilen ärgerliches Thema. Die Kamerapositionen in der NFL sind phasenweise so nah am Spielfeldrand, dass die neuen Mainzer Kameras nicht der Rede wert sind. Phasenweise darf man froh sein, überhaupt die Linebackers zu sehen, von Defensive Backs gibt es nur feuchte Träume.

Im College Football dagegen wird aus 50m Entfernung aufgenommen. Camp-Nou-esk. Und einfach angenehmer beim Verfolgen des Spiels.

julia mancuso beste ski fahrerin

Meine Rede.

Tom Brady nude.

Äh, ja.

pittsburgh steelers bart

Sie meinten „Brad Keisel Bart“?

dean griffing rose-hulman

Ein hoch interessantes Thema. Zur Charity Bowl Anfang Juni tauchte hier in den Kommentaren ein gewisser „Chris Griffing“ auf, der seinen Sohn Dean beim Match zwischen dessen Rose-Hulman University und dem österreichischen Nationalteam sehen wollte. Ich konnte Mr. Griffing gerade noch rechtzeitig einen offiziellen Link unterjubeln und daraus entstand ein längerer E-Mailwechsel. Dabei kam heraus, dass die Griffings so was wie eine Football-„Dynastie“ sind – oder zumindest eine supersportliche Familie.

Dean Griffing sr. – Chris’ Vater – war einst ein Center in der Canadian Football League und als solcher ist Dean Griffing sr. in die CFL-Hall of Fame aufgenommen worden. Dean Griffing war dann nachher Coach der Saskatchewan Roughriders, Mitgründer und erster GM der Denver Broncos und Talentscout für NFL-Legende George Halas. Chris selbst ist seit Äonen Footballcoach (Offensive und Defensive Line) und seine Frau war mehrfach Staatsmeisterin im Schwimmen.

Dean Griffing jr. ist der jüngste in einer langen Kette an sportlichen Highlights, spielt Defensive End im Division-III College Rose-Hulman (und studiert Ingenieurie, beste Grüße also!). Dean Griffing wurde in der Highschool von Don Beebe (sprich: Don Biiiiiiiibiii) gecoacht, einem ehemaligen superschnellen Sprinter der Buffalo Bills und einem Mann, der zig Auszeichnungen als charakterstarke, bescheidene Person bekommen hat.

Don Beebes Erbe in der NFL wird aber was anderes bleiben: Dieser Ben-Watson-eske Spielzug – spektakulär und berühmt geworden in der turmhohen Superbowl-Niederlage gegen die Dallas Cowboys in den 90ern (Beebe = #82):

1996/97 holte Don Beebe dann mit seiner dritten NFL-Mannschaft Green Bay den von Herzen verdienten Superbowl-Ring.

Cleveland Browns in der Sezierstunde

Teil 2 der Gastautoren-Woche. Diesmal dran: Der uns schon von den Miami Dolphins bekannte Herrmann von Vier Viertel plus Nachspielzeit, der das daß vehement gegen das dass verteidigt. Viel Vergnügen.

mike holmgren browns

Dauergriesgram Mike Holmgren - ©HDEX

Und am Ende stand für die Browns dann doch ein großer Umbruch. Mal wieder. Nach nur zwei Jahren hat das Regime Eric Mangini sein Ende gefunden.  Das „Mangenius“  ergeht sich nun erstmal in einem Sabbatical während für seinen Defensive Coordinator Rob Ryan (in gleicher Position bei den Dallas Cowboys) und seinen Offensive Coordinator Brian Daboll (in gleicher Position bei den Miami Dolphins; warum auch immer) neue Aufgaben warten. Es ist nicht so, daß Mangini mit seinem Staff furchtbar schlechte Arbeit abgeliefert hätte, aber unterm Strich waren es in zwei Spielzeiten nur 10 Siege und jetzt will anscheinend der 2010 angeheuerte Team President Mike Holmgren, der Manginis Gruppe übernommen hatte, alle wichtige Position mit seinen Leuten besetzen.

Umbau

Aus St. Louis hat Holmgren sich den Offensive Coordinator Pat Shurmur geangelt und ihm den Cheftrainerposten übertragen. Der Plan hinter dieser Verpflichtung scheint klar zu sein: Holmgren will das System,  in dem er seine ganze Karriere verbracht hat, auch in Cleveland installieren – die West Coast Offense.  Shurmur scheint dafür die Idealbesetzung zu sein. Von 1999 bis 2008 war er Quarterbacks Coach bei den Philadelphia Eagles, wo er die West Coast Offense unter Head Coach Andy Reid von der Pike auf lernte. Nicht ganz zufällig hat Reid selber das System bei den Green Bay Packers aufgesogen – unter dem HC Mike Holmgren. Der Fokus liegt also auf der Offense.

Secondary

Die Defense war auch nicht das Riesenproblem. Prunkstück war die Secondary mit den beiden soliden Cornerbacks Sheldon Brown und Eric Wright. Letzterer hat im November seinen Platz in der Startelf an 1st-round pick Joe Haden verloren – der eine Offenbarung war.  Den junge Mann von der University von Florida hat sich mit Wide Receivern wie Mike Sims-Walker, Brandon Marshall, Steve Smith (Carolina) , T.O.cho und Mike Wallace auf Augenhöhe gemessen. 

Was in der Pass-D schmerzlich vermißt wurde, war ein aggressiver Pass Rusher. In Teilen konnte das durch die komplexen Systeme und Blitzes von Rob „ich bin auch ein Verteidigungsgenie wie Rex“ Ryan wettgemacht werden. Im Laufe der Saison gaben die Browns nur drei Mal mehr als 300 Yards durch die Luft ab: bei den beiden Siegen gegen die Bengals (Woche 4) und gegen die Saints (Woche 7) sowie im letzten, völlig lustlosen Auftritt im Dawg Pound gegen die Steelers.  Vor allem dieser Part der Defense hat Ryan seinen neuen lukrativen Posten bei den Cowboys beschert.

Lauf-D

Sehr mäßig dagegen war die Arbeit gegen den Lauf.  Anstelle einer Festung hatte man dort nur eine Sandburg.  Lediglich dreimal hielt man den Gegner unter 100 Yards, darunter waren auch die beiden Siege gegen Cincinnati und New England. Ansonsten konnten die Gegner die gute Secondary getrost ignorieren, weil man problemlos ein 1st Down nach dem andern erlief.  Der riesige – und mittlerweile alte – Shaun Rogers schickte an seiner statt immer nur eine schwächliche Kopie des alten Rogers aufs Feld, der talentierte DT Ahtyba Rubin muß unbedingt DT in einer 4-3-D spielen und nicht Nose Tackle in einer 34 und auch die beiden DEs Schaefering und Coleman sind in einer 3-man-front Fehlbesetzungen. Die LBs Eric Barton, Chris Gocong und Matt Roth sind gut, aber in einer Division mit Pittsburgh und Baltimore reichen nur „gute“ LBs nicht aus.

In der Front Seven herrscht dringender Verbesserungsbedarf. Immerhin wird unter dem neuen DC Dick Jauron, der schon seit gefühlt 1000 Jahren in der NFL coacht, wieder auf die 4-Mann-Linie umgestellt, in welche die meisten Spieler wahrscheinlich besser passen werden.

Offense

Wenn man aber Spiele verliert, in denen die Defense sechs Ballverluste verursacht ( in Jacksonville), die gegnerische Mannschaft nur 17 Punkte macht (in Tampa Bay), 16 (gegen Kansas City),  19 (in Cincinnati) oder gar nur 13 (in Buffalo), dann merkt man sehr schnell, daß die Offense die große Problemzone ist.  Gelitten hat der Angriff unter chronischer Eindimensionalität, Kreativlosigkeit, Ballverlusten, den vielen Wechseln auf der Quarterback-Position und Verletzungspech.

Quarterbacks

Weil der Fisch ja bekanntlich immer vom Kopfe her stinkt, zuerst zur Spielmacherposition. Aus nicht erfindlichen Gründen haben die Browns vor der Saison Jake „Turnover“ Delhomme für $7 Millionen verpflichtet; zusammen mit den $12,7 Millionen, welche die Panthers ihm noch schuldeten, aber gerne berappten, um ihn loszuwerden, summierte sich Delhommes Einkommen für die Saison 2010 auf fast $20 Millionen.  Am Ende hat er nur die Erwartungen in Sachen Interceptions erfüllt – sieben in fünf Spielen .

Colt McCoy

Noch etwas grün, aber mutig: Ex-Longhorn Colt McCoy - ©Wikipedia

Weil er sich aber gleich im ersten Spiel verletzt hatte,  durfte sich zwischendurch  Seneca Wallace, vor der Saison von Holmgrens ehemaligem Brötchengeber Seattle Seahawks gekommen, für vier Spiele als Starting-QB  versuchen.  Ab Woche 6, nach Verletzung von Wallace, durfte dann auch mal Rookie Colt McCoy als Starter ran. McCoys ersten vier NFL-Starts waren gegen die Kaliber Pittsburgh, New Orleans, New England und die NY Jets. Nach vier Niederlagen in den ersten fünf Spielen war es dann doch überraschend, daß Cleveland von diesen vier Spielen zwei, gegen die Saints und Patriots, gewinnen konnten und es gegen die Jets dann immerhin in die Overtime schafften.

Anschließend hat sich dann aber auch McCoy am Knöchel verletzt, wie vorher schon die anderen beiden QBs. So hat Delhomme nochmal für sein Geld gearbeitet, bevor McCoy in den letzten drei Spielen der Saison wieder das Zepter in die Hand bekommen hat. McCoy war nicht überragend, aber er hat immerhin oft genug so gut ausgesehen, daß die Browns mit ihm als Starter in die nächste Saison ziehen sollten.

Zurück in Holmgrens Zukunft?

peyton hillis

Neuer Browns-Star: Peyton Hillis, ex-Broncos - ©Flickr

Durch die Instabilität und durch das ikarusgleiche Aufsteigen von Running Back Peyton Hillis hat man die Offensivstrategie um das Laufspiel herum aufgebaut. Hillis kam vor der Saison im Tausch für ein Paar Schuhe und einen Satz Turnhosen aus Denver, wo man meinte, auf seine Talente verzichten zu können.  Der ehemalige Fullback mit seinem bulligen Körper hat für alle Beteiligten und Beobachter völlig überraschend gespielt wie Brandon Jacobs in den Träumen aller Giants-Fans. Er rennt Verteidiger einfach über den Haufen, trampelt über sie hinweg und schubst seine Gegner aus dem Weg als wäre er der Linebacker, und nicht der arme Typ, der versucht, ihn zu tacklen.

Daß so eine Leistung auch in Cleveland niemand erwartet hätte, verdeutlicht die Verpflichtung Montario Hardestys, der letztes Jahr in der zweiten Runde gedraftet wurde, um den Feature-Back zu geben. Nur hat dieser sich leider verletzt und konnte nicht einen Snap spielen.

Jetzt ganz plötzlich sieht es aus, als hätte der Weltgeist (oder Holmgren) ein Bild gemalt – und die Vorlage waren die San Francisco 49ers der 80er Jahre. Im Backfield  hat man zwei Brecher, die sowhohl laufen, überlaufen und fangen können (Hillis hatte neben seinen 1177 Rushing Yards auch 61 Receptions für 477 Yards) mit Hillis und Hardesty (Roger Craig und Tom Rathman), der Quarterback ist ein wenig zu klein geratener 3rd-round Pick, der für die West Coast Offense geschaffen wurde mit Colt MCCoy (Joe Montana) und eine O-Line die zumindest auf der linken Seite junge hervorragende Leute hat mit Left Tackle Joe Thomas,  LG Eric Steinbach und C Alex Mack.

Dazu kommt der neue HC Pat Shurmur aus der West-Coast-Schule Andy Reids, der sein Handwerk bei Mike Holmgren gelernt hat, der, genau, seine Ausbildung in den 80ern bei den 49ers genossen hat. So schließt sich der Kreis. Was fehlt ist Stabilität auf der rechten Seite der Linie und mindestens ein großartiger Wide Receiver, es muß nicht gleich ein Jerry Rice sein, ein Dwight Clark würde für den Anfang reichen.

Achterbahn

Wir sind, bis auf kurze Einschübe, gar nicht auf die Spiele an sich eingegangen.  Man kann die Saison 2010 der Browns dreiteilen.  In den ersten sechs Wochen gewann Manginis Truppe nur ein Spiel; die Offense produzierte mehr Turnovers (12) als Touchdowns (10).  Nach diesem 1-5-Start war die Saison im Grunde schon wieder zu Ende. Cleveland aber rappelte sich auf und gewann nacheinander in New Orleans und gegen New England.  In der darauffolgenden Woche kämpfte man die Jets bin die Verlängerung,  die leider in die Hose ging bevor man einen Sonntag später gegen Jacksonville ein unerklärliches Spiel verschenkte:  die Defense sorgte für sechs Turnovers plus einen Fumble-Return-TD, aber die Offense wußte damit nichts anzufangen und die Jags siegten 24-20.

Mittlerweile sahen die Braunen aus Ohio wie ein richtiges Team aus, eines mit schwächlicher Offense zwar, aber man konnte gegen alle Kontrahenten mithalten und nach Erfolgen gegen Carolina und Miami hatte man vier der letzten sechs Spiele gewonnen.  Den dritten Teil der Saison bildeten dann aber vier Schlappen in Folge, zuerst ein peinliches 6-13 in Buffalo, danach gegen die drei Divisionsrivalen Bengals, Ravens und Steelers. In diesen vier Matches schafften es nur 42 Punkte auf die Anzeigetafel.

Aussichten

Der Entwicklungsprozeß von Colt McCoy, der seiner jungen Receiver Brian Robiskie, Mohamed Massaquoi und des 2,01m großen TE Evan Moore sowie das Einsteigen des letztjährigen 2nd-round pick RB Montario Hardesty, sollte unter der neuen Offensivphilosophie von Cheftrainer Pat Shurmur deutlich besser werden. Wenn dann auch noch Allzweckwaffe Joshua Cribbs besser eingebunden wird, ist Clevelands Angriff auf einem gutenWeg. Das einzig große Manko ist der fehlende Deep Threat und No.1-WR.

Zuallererst braucht man aber Beef für die D-Line, die unter dem neuen Defensive Coordinator Dick Jauron wieder zu viert auftreten wird, nachdem man unter Rob Ryan vorne mit der 34 stand. So verlockend es auch ist, mit dem sechsten Pick der Draft die Talente A.J. Green oder  Julio Joners zu draften, sollte man einen 4-3-DE wie Robert Quinn draften oder Marcell Dareus beziehungsweise Nick Fairley picken, so sie denn noch verfügbar sind.  Später, ab Runde zwei, muß man sich dann um einen WR, einen LB  und Verstärkung für die rechte Seite der O-Line kümmern.  Die Browns können nächstes Jahr dann durchaus bis November oder Dezember um die Playoff-Plätze mitspielen, nur für den großen Erfolg reicht das Spielermaterial noch nicht aus. Aber das Fundament ist gelegt.

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