Thursday Night Football wandert zu CBS

Die NFL wird in der kommenden Saison 2014/15 ihre Donnerstagsspiele (Thursday Night Football) nicht mehr vom ligaeigenen NFL Network produzieren lassen, sondern übergibt die Spiele an CBS. Es ist ein Paket von 16 Spielen ab Woche 2 bis Woche 16 (mit Ausnahme von Thanksgiving, wo CBS wie immer zu Mittag oder am Nachmittag sendet) inkl. eines Doubleheaders am Samstag vor Weihnachten (20. Dezember 2014). Der Season-Opener am Donnerstag in Woche 1 bleibt weiterhin bei NBC, wie auch das Donnerstagnachtspiel zu Thanksgiving.

Der Deal soll um die 300 Millionen Dollar betragen. Der Inhalt ist eigenartig: CBS produziert die Spiele zwar, aber in den ersten Saisonhälfte laufen sie ausschließlich im NFL Network. In der zweiten Saisonhälfte werden sie parallel von CBS und dem NFL Network übertragen. (Update: Es ist umgekehrt. Erstes Halbjahr parallel CBS/NFLN, zweites Halbzeit produziert CBS nur noch fürs NFL Network). Der Deal gilt erstmal nur für die Saison 2014/15. Eine Optionsklausel zur Verlängerung hat angeblich nur die NFL.

Für uns als Fans bedeutet das den Verlust des zweitbesten NFL-Kommentatorenduos Brad Nessler/Mike Mayock, die in den letzten Jahren exzellente Arbeit geleistet haben. Sie werden – oh Schreck – von Jim Nantz und Phil Simms ersetzt.

Nantz und Simms werden wohl alle Donnerstagsspiele kommentieren. Sie werden angeblich auch eines der Samstagsspiele kommentieren, und zusätzlich „einige“ Sonntagspartien von CBS. Man darf gespannt sein, welche Workload die beiden durchzuhalten imstande sind. Phil Simms ist also das Beispiel, dass man nicht immer Qualität liefern muss um ganz nach oben zu kommen.

CBS wird hinter Nantz/Simms ohnehin ein neues #2-Duo aufbauen müssen, weil der ulkige Dan Dierdorf ja kürzlich in den Ruhestand getreten ist. Ich hörte schon Rumoren, dass angeblich Boomer Esiason vom Studio zurück in die Kommentatorenkabine gehen wird. Vielleicht wird auch der exzellente Ian Eagle mit seinem Co Dan Fouts promotet. Wir werden sehen – das sind alles Spekulationen im Moment.

Auf alle Fälle ist es ein klares Zeichen der NFL, dass sie den Donnerstagsplatz ausbauen will, und sie stellt hierfür sogar ihr eigenes Network eine Spur zurück. CBS will in der NFL offenbar auch nach oben, opfert einen seiner besten Sendeplätze unter der Woche mit den mitunter besten Einschaltquoten für noch mehr Football. Für die Fans in Europa bedeutet es in erster Linie den Verlust eines großartigen Kommentatorenduos.

Superbowl 47 – Nachklapp und Wundenlecken

Viele Gedanken, die mir zur Superbowl 2013 durch den Kopf gehen, habe ich bereits am Montagmorgen im Liveblog platziert. Heute noch eine etwas dezidiertere Rückblende mit ein paar Tagen Abstand.

Ein Gruß dem Champion

Es war das dritte Mal in den Playoffs, in dem die Ravens als klarer Außenseiter gegen eines der besten NFL-Teams gewannen. Dreimal setzte ich mit zehn oder mehr Punkten gegen Baltimore, dreimal konnte ich damit baden gehen. Das Gesamtbild der Baltimore Ravens 2012/13 ist immer noch overachiever, ein insgesamt mittelmäßiges Team, das im wahrsten Sinne die Hochform im rechten Moment hatte. Insofern: Am Titelgewinn gibt es nix zu rütteln. Sollte es auch nicht. Es liegt in der Natur der National Football League, dass auch durchschnittliche Teams die Pokale stemmen können.

Die Ravens waren die komplette Regular Season über ein waidwundes Team, das sich durchlavierte. Ende Dezember deutete nichts drauf hin, dass sie in den Playoffs aufgeigen würden. Die Niederlagenserie zum Saisonende hin war nur logische Folge einer wochenlangen Formkrise.

Die Playoffs waren deutlich besser. Die unerfahrenen Colts in der ersten Runde waren kein Gegner. Aber danach nacheinander mit Denver, New England und San Francisco drei der vier größten Titelfavoriten zu stürzen – alle Achtung. Die Ravens der Playoffs waren besser als jene der Regular Season. Sie brauchten gütliche Mithilfe des Gegners in Denver, um in einem Klassiker durchzukommen. Sie pulverisierten New England auswärts. Und sie waren ebenbürtig in der Superbowl.

Es dürfte sich herumgesprochen haben, dass ich nix von der These „sie haben gewonnen, also waren sie besser“ halte. Football ist komplizierter. Superbowl 47 war ein Duell zweier sehr gut aufgelegter Mannschaften, in denen die glücklichen Fügungen viel Musik machten. Ein Spiel, in dem nur ein Zufallsevent anders ausgehen, nur einmal ein Referee in eine andere Richtung schauen muss, und wir haben einen anderen Sieger und unsere Wahrnehmung des Spiels, beider Teams, der kompletten Saison, ist eine diametral andere.

Insofern: Same procedure as last year. Same procedure as (nearly) every year.

Der Erscheinungsbild der Ravens direkt nach dem Spiel war überraschend demütig. Schwanzgetriebene Parolen aus dem Ravens-Lager suchte man vergebens. Flacco machte nicht einen auf Clown, sondern blieb auf dem monströsen Siegespodest „Joe Flacco“. Selbst Ray Lewis verzichtete auf einen völlig überzeichneten Auftritt.

Gratulation, Baltimore Ravens.

Respekt dem Vize

Bei den San Francisco 49ers kann eine Ära anstehen. Der Kern der Mannschaft ist jung. Bis auf die teure Vertragsverlängerung für LB Ahmad Brooks, die das Front-Office in meinen Augen noch bereuen wird, sind viele Personalfragen bereits geklärt, und man dürfte noch den einen oder anderen Penny im Tausch für QB Alex Smith abstauben.

Paar Pennys Lehrgeld zahlte QB Colin Kaepernick, dessen kleine Flauseln bitter gerächt wurden: All-22 zeigte, wie Kaepernick offene Receiver links liegen ließ, und dazu gesellte sich das extrem teure Timeout (in Zahlen: 40sek + 8sek Safety + 15yds Feldposition – 2 Punkte) in der Schlussphase (plus ein weiteres bereits im dritten Viertel). Es sind Peanuts, wenn man sich vor Augen führt, wo Kaepernicks Karriere aktuell steht. Das Gesamtbild Kaepernicks vom Sonntag porträtierte einen extrem potenten Quarterback, dem man seinen Grünschnabel noch ansah.

Head Coach Jim Harbaugh hatte nicht seinen besten Tag. Die 2pts-Conversions werde ich noch in einem gesonderten Eintrag behandeln. Brian Burke zeigt aber noch mal en detail auf:

Die Broadcaster

Die Quoten für CBS waren in den USA sehr gut. Die Medienkritiker stellten nach der Superbowl vor allem CBS-Kommentator Phil Simms in den Senkel [1] [2]. Phil Simms war in der Superbowl… Phil Simms. Nicht gut, nicht unterirdisch, sondern, wie immer, störrisch, banal und simpel. In der US-Kritik kommt nicht nur Simms schlecht weg, sondern insbesondere auch die gesamte in Stromausfallszeiten hilflose CBS-Crew. Ich war während der Superbowl kurz im Gamepass drauf: Als die Lichter ausgingen, war mit einem Mal Simms‘ Stimme weg, dann zirka eine halbe Minute tonloses Bild. Dann ging man in die Werbung und ließ anschließend die hilflosen Steve Tasker und Solomon Wilcots an der Seitenlinie am langen Arm verhungern. Tasker und Wilcots machten ihre Sache noch relativ gut, konnten aber kaum Informationen mit Mehrwert präsentieren, obwohl CBS einen eigenen Mann im Kontrollraum des Superdomes hatte!

Das Klatschblog Deadspin.com hat sich derweil das generelle Phänomen des Studiopundits vorgenommen. Der Artikel trifft meiner Meinung nach genau den Kern des Problems:

In fact, it’s less than nothing. For $2 million a year, you get Dan Marino clumsily attempting to justify the fact that he makes $2 million a year. There is a phony pomposity to virtually all pregame shows, in which the analysts present their empty opinions as scriptural pronouncements. But deep down, they must know that they’re eminently replaceable. They must know that they can and should be fired any second because they offer nothing of value. You can see that insecurity play out on pregame shows week after week in the form of strained laughter and guys going into three-point stances on tiny sections of studio FieldTurf. These are all men who must know they’re wasting your time, and must therefore inflate themselves on the air in order to hide that fact. Take it from someone who knows: The more that you suspect you’re a fraud, the louder you’ll talk.

CBS mit seiner nichtssagenden Runde. ESPN mit einer Ansammlung an fast einem Dutzend abgehalfterter Superstars, die nix als Phrasen abwarfen… ich weiß, warum ich mir den Quark seit Jahren nur mehr per verunfallter Fernbedienung reinziehe.

Nicht unerwähnt soll bleiben, dass ich die deutsche Übertragung von SAT.1 sehr brauchbar fand. Es waren erfreulich wenige Werbepausen dabei und das Kommentatorenduo Buschmann/Stecker zeigte diesmal im Vergleich zum letzten Jahr wohltemperierte Lautstärke, und Stecker auch mit guten Erklärungen. Die elendig lange Werbepause wurde mit einem Interviewer am Spielfeldrand überbrückt, der sogar die mexikanische Skandalnudel Ines Sainz vors Mikrofon brachte (es klang allerdings nicht so, dass sich SAT.1 dessen bewusst war). Die Interviews nach Spielende waren – wie von allen TV-Stationen in aller Welt gewohnt – null Wert.

Fazit mal wieder: Sportitalia 2 > SAT.1 > CBS.