Greg Cosell und seine Sicht der Dinge: Die Quarterback-Klasse von 2013

Am Wochenende habe ich mir den Podcast von Yahoo mit Doug Farrar und Greg Cosell (NFL Films) angehört. Cosell ist einer der Männer, denen ich nach Mayock mit am meisten abnehme, was Scouting angeht. Für Cosell ist der Scouting-Prozess vor allem darauf beschränkt, sich die physischen Tools der einzelnen Prospects vor Augen zu führen und zu schauen, was sich damit machen lässt: Kann man den Spieler sofort ins Getümmel schmeißen oder musst du 2-3 Jahre Coaching verwenden?

Cosells Grundstimmung ähnelt jener Mike Mayocks: Die QB-Klasse 2013 sieht im Vergleich zu jener des letzten Jahres blass aus, aber es gab schon deutlich schlechtere Jahrgänge in den letzten Jahren. Es sind halt viele Jungs dabei, denen das eine oder andere Feature abgeht und die deswegen noch ein paar Dinge mehr als RG3 lernen müssen.

Cosell und die Quarterbacks

Bei mir verfestigt sich das Bild der QB-Klasse 2013 nach dem Gehörten immer mehr.

Geno Smith – darf endgültig als NFL-Kaliber durchgehen, der alle Würfe draufhat. Smith hat noch einiges zu lernen, was seine Beinarbeit angeht, um sich unter Druck in bessere Wurfposition zu bringen. Unter Druck wird er schnell nervös, aber laut Cosell lässt sich das bei Smith auf kleinere technische Mängel („vertraut seinem Arm noch nicht genug“) zurückführen – ein Problem, das intelligente Coaches beheben können.

Smith hat für Cosell „functional mobility“, d.h. er ist kein Scrambler, aber bewegt sich außerhalb der Pocket sehr smooth. In der Pocket gibt es aber noch Verbesserungsbedarf: Unter Druck muss Smith noch lernen, die zwei Schritte nach vorn zu machen und seine Augen stets downfield zu halten – etwas, das ein Brady meisterhaft beherrscht und sich erlernen lässt.

Matt Barkley – hat zu wenige Würfe drauf um sofort den Starter zu geben, vor allem nicht in einer vertikalen Offense. Barkleys Arm ist enttäuschend schwach, seine Füße zu steif. Diese functional mobility von Smith geht Barkley komplett ab. Cosell gibt Barkley vor allem als „System-QB“ eine Chance: In einer Offense mit extremer Präzision und superbem Timing kann Barkley auftrumpfen, aber dafür muss er an seiner Körperkontrolle arbeiten. Fazit für Cosell: 4th round pick. Cosell weiß, dass das nicht passieren wird, aber allein von den athletischen Voraussetzungen ist Barkley nicht höher einzuschätzen.

Nicht witzlos: Farrar/Cosell diskutieren und kommen zum – für mich nicht überraschenden – Schluss, dass ein anderer ehemaliger USC-Quarterback, Mark Sanchez, einst ein klar besseres Prospect für die NFL war als Barkley heute.

Mike Glennon – Glennon soll den besten Arm haben und immer auf die korrekte Schulter werfen (wichtig, weil WRs damit mehr yards after catch machen können) somit schon mal eine Garantie für spätestens dritte Runde. Davon ab gibt es an Glennon einiges auszusetzen: Unter Druck viel zu langsame Füße, was dazu führt, dass Glennon schnell nervös wird und komplett auf seine Technik vergisst. Cosell ist sich nicht sicher, wie schnell man dies aus Glennon rausbringt, schließlich kriegst du in der NFL fast nie eine saubere Pocket. Ein möglicher Vergleich zum Zeitpunkt des Drafts sei Flacco, aber Cosell ist sich nicht sicher, ob Glennon mit seiner Fußsteifheit überhaupt jemals Flacco-Niveau erreichen kann.

Tyler Wilson – für Cosell eine harte Nuss, weil seine Wurftechnik unkonventionell ist und er häufig in den „Sidearm“-Modus verfällt (Cosell: sidearm slinger). Wilson hat einen guten Arm, viel besser als Barkley, aber es gibt das Problem, das so viele Quarterbacks haben, die am College in einer Offense von Bobby Petrino spielten: Er kriegt kalte Füße, wenn der erste „Read“ (Go To Guy in dem Play) nicht offen ist. Petrinos Offense sind so aufgestellt, dass früh im Spielzug der gewünschte Receiver frei steht – das kriegste in der NFL nicht so einfach hin. Immerhin kann man Wilson ein gutes Gefühl für eine Pocket nachsagen.

Landry Jones – vom Arm her ein Spieler wie Matt Ryan: Kann alle Würfe machen, aber hat nicht diese Wurfstärke für die 180km/h-Bomben. Die größten Fragezeichen sind auch hier: Wie reagiert Jones, wenn du Pocket eine Suppe (Cosell: „muddy“) wird? Wenn du bei Oklahoma in der Big 12 eines nämlich kaum siehst, ist das Pass Rush in deiner Fresse. Jones hat für Cosell so schwere Bleifüße, dass er sich keine Prognose zutrauen würde, ob Jones in zwei Jahren reif zum Starter ist.

Ryan Nassib – sehr athletischer Mann, der dem Passrush ausweichen kann und viele Würfe drauf hat. Der Arm ist nicht gut genug, um kompatibel für jegliche Art von Offense zu sein, aber er kann eine Defense verbrennen, wenn er gegen mauen Passrush eine schnelle Kurzpassoffense aufziehen darf. Cosells zwei wichtigste Fragen stellen sich nach dem System: In welches Korsett willst du ihn stecken? Welche Offense willst du spielen? Essenziell, weil Nassib aufgrund des mäßigen Arms nicht alles können wird. Fazit: Gewiss kein Top-10 Pick.

E.J. Manuel – hat die Statur und die Beweglichkeit, um in der NFL als read option-QB in der Tradition des Colin Kaepernick zu spielen. Für Cosell sind es vor allem die vielen technischen Unsauberkeiten, die Manuels Aktien niedrig halten: Schlampige Fußarbeit, zu hohe Positionierung des Ellbogens im Wurf. Das führt dazu, dass er unter Druck häufig sehr unsaubere Pässe wirft.

Manuel ist kein Super-Scrambler, aber geschmeidig wie ein Cam Newton und als Läufer gefährlich genug, um für gegnerische DefCoords potenziell für schlafraubende Nächte zu sorgen. Weiters positiv an Manuel: Seine stets positive Einstellung, seine Eier, auch unter Druck noch seinen Mann zu stehen, sein starker Arm.

Cosell erinnert noch einmal daran, dass Chip Kelly (jetzt Eagles) einst am College in Oregon mit Nachdruck versuchte, Manuel für seine Mannschaft zu rekrutieren. Manuel sagte nope, ging an die FSU.

Tyler Bray – fantastischer Arm, bei dem du oft nur orgiastisches WOW ausstoßen kannst. Gunslinger-Typ. Aber wenige QBs brechen unter Druck so schnell wie ein Kartenhaus zusammen: Wenn er zum Erkaufen von Zeit gezwungen ist, sind die Messen gelesen. Viele Teams werden ihn lieben, aber Cosell ist sich nicht sicher, ob man so langsame Beine auf NFL-Niveau herantrainieren kann.

Zac Dysertdark horse, ein QB dem der Raketenarm abgeht, der aber viele Würfe machen kann. Ist nicht immer präzise, und es soll wohl an einem für mich nicht nachvollziehbaren Problem liegen, das man nicht einfach rauscoachen kann. Dysert macht vor allem auch Sorgen, weil er viele einfache Routinewürfe auf offene Leute teilweise meterweit verfehlte.

Matt Scott – ein Junge, der am College alles gesehen hat, weil er unter vielen OffCoords spielen musste. Legte nach der Saison an Masse zu und blieb trotzdem beweglich in seiner Beinarbeit. Der Arm ist keine Granate, aber die Wurfbewegung („Release“) ist schnell genug für die NFL und für fast alle Mitteldistanzwürfe aus fast allen Winkeln. Heraus sticht auch seine Furchtlosigkeit: Häufig (zu häufig?) steht er seinen Mann bis zur allerletzten Millisekunde und feuert dann einen 3yds-Pass auf Kosten einer Gehirnerschütterung ab. Für Cosell ist Scott eine großartige Option für gute Coaches, die er deutlich vor der 5. Runde draften würde.


Der geneigte Leser merkt: Das Geschriebene wiederholt sich zum großen Teil. Ich denke, wir sind in Sachen „Tapes“ und Analysieren vom Können der einzelnen Athleten soweit, dass es zwischen den relevanten Experten größtenteils Übereinstimmung gibt. Es hängt nun daran, wie sich die Athleten in den Vorstellungsgesprächen mit den Teams geben und daran, in welchen Systemen die Spieler aufmarschieren sollen.

Recap – Combine 2013 am Sonntag

Der Combine-Sonntag mit Quarterbacks, Running Backs und Wide Receivers ist immer ein langer. Weil gesundheitlich leicht in Mitleidenschaft gezogen, hatte ich gestern die Zeit, die Combine im NFL Network über weite Strecken zu verfolgen. Es war eine recht zähe Veranstaltung, was nicht zuletzt an den immer wiederkehrenden Tonproblemen des NFL-Senders lag, der gleichzeitig einen überraschend ruckeligen Stream fuhr. Zäh fand es wohl auch Patriots-Coach Belichick auf der Tribüne.

Wide Receivers

Sprintzeiten! So gute Sprintzeiten, da steht gleich Al Davis aus seinem Grab auf um dreizehn Wide Receiver in der ersten Runde zu draften! Wo man in anderen Jahren bei 4.43 Sekunden ins Sabbern kam, griffen gestern gleich mehrere Sprinter nach dem Skalp des Combine-Rekords von Chris Johnson aus dem Jahre 2008 (4.24 Sekunden über 40yds).

Die 4.25sek waren inoffiziell: Tavon Austin - Bild: NFL-Network.

Die 4.25sek waren inoffiziell: Tavon Austin – Bild: NFL-Network.

Der schnellste von allen war Marquise Goodwin von der University of Texas, ein Olympionike (Weitspringen), mit 4.27sek. Goodwin machte die guten Eindrücke allerdings mit dem einen oder anderen einfachen Drop in den WR-Workouts zunichte. Die andere Superzeit stellte das „gelbe Irrlicht“, Tavon Austin von West Virginia, auf: 4.34 Sekunden. Beim kleinen Slot-WR Austin war auch die Antrittszeit über 10yds stark, und weil Austin ein sehr viel sicherer Fänger ist, strengte Mike Mayock diesen Vergleich an:

Austin is a football player who runs like a track star. Goodwin is a track star who plays football.

Auch Ryan Swope (Texas A&M) fuhr fantastische Werte (4.34) ein, und Swope wird nach seinen 26 bench press reps gleichmal das Label des Workout Warriors übergestülpt bekommen. Den Wert der 40 Time sieht man am Beispiel von Justin Hunter (Tennessee): Hunter kam mit 6kg unter den Erwartungen zur Combine und der gedankliche Sprung zur Vermutung, dass Hunter extra für eine bessere Sprintzeit Gewicht abbaute, ist kein weiter. In wenigen Wochen wird Hunter wieder auf Kampfgewicht sein (Hunter lief 4.44sek). Die Catches von Hunter sollen übrigens nicht überzeugend gewesen sein.

Die drei für meinen Geschmack überzeugendsten Receiver in den Fang-Drills waren Stedman Bailey (WVU), DeAndre Hopkins (Clemson) und Connor Vernon. Mayock sieht in Bailey einen 3rd rounder. Negativ fielen mir Oregon States Markus Wheaton mit Butterfingern und Cobi Hamilton mit zu vielen Drops auf.

Zwei Lieblings Mike Mayocks: Cordarrelle Patterson (Tennessee) lief 4.42sek, was bei dessen Körpermaßen durchaus als sensationell stark angesehen werden kann. Patterson hat alle Voraussetzungen, Patterson hat spektakuläre Videos. Bleibt die Frage, ob der Mann nach nur einem Jahr in der SEC bereits reif genug für die NFL ist. Der andere Liebling ist Robert Woods, erst vor einem Jahr noch als sicherer 1st rounder gehypt, aber mittlerweile fast in der Versenkung verschwunden. Woods sieht optisch wie ein prototypischer NFL-WR aus, lief 4.51sek… kann man wenig an den Tapes und der Combine aussetzen.

Bei Da’Rick Rodgers, so einem Mann mit einer bedrückenden Geschichte abseits des Spielfelds (Stichwort: kann sein Temperament nicht im Zaum halten), kann man auf Basis der Combine wenig zu sagen; das ist einer, den irgend ein mutiges Team zwischen Ende erster und Ende dritter Runde draften wird.

Drei Leute habe ich mir noch notiert: Corey Fuller (Virginia Tech) mit 4.43 Sprintzeit, ein ehemaliger Leichtathlet der erst zwei Jahre Football spielt, bei dem Mayock meinte, sein Schritt sei für einen Wide Receiver fast zu groß. Chris Harper (Kansas State), mit seinen 229 Pfund brutal kompakt gebaut, sieht aus wie ein Runningback. Und Denard Robinson, der Scramble-QB von Michigan, der in der NFL bestensfalls als Receiver eingesetzt werden wird. Robinson lief mit geschnürten Schuhsenkeln eine 4.43sek (IMHO überraschend schnell), aber bei Robinsons zweitem Sprint merkte man ihm ungewohnte Nervosität an. Er sah unsicher aus, zweifelte. Zögerte. Hände und Routenlaufen sind suspekt, aber bei einem tiefen Ball zeigte er starkes Adjustment, lief die zwei seitlichen Schritte und fing den leicht deplatzierten Ball souverän.

Quarterbacks

Mayock sieht aktuell in keinem Quarterback dieses Jahres Material für die erste Runde. Mayock bemängelt nicht nur bei jedem QB das eine oder andere fehlende Attribut. Mayock sieht bei keinem QB, dass er die Defensive Backs mit seinen Augen „manipulieren“ kann, d.h. QBs, die zu schnell und zu lange in eine Richtung starren, werden in der Profiliga locker ausgeguckt. Mayock muss es wissen: Er war bei den Giants selbst ein paar Jahre Safety.

Der überzeugendste von allen soll noch Geno Smith (WVU) sein. Der Tenor war ganz klar: Smith hat alle Würfe drauf, wirft gepflegt tief, aber er ist ein frustrierender Mann, weil er immer wieder horrende Fehler einbaut, tief seine Leute übersieht, bei schnellem Passrush die Nerven wegschmeißt. Er lässt viele Yards auf dem Spielfeld liegen. Smiths Sprintzeit war mit 4.56 erstaunlich schnell für einen Spieler, dem man nicht nachsagt, ein Scrambler zu sein.

Smith war danach in der NFLN-Runde sehr demütig, gab sich selbst „Note C“ (so was wie eine 3 oder 3,5 nach deutschem System), deutete an, wie anstrengend das ewige Kommunizieren mit den Franchises sei. Smith war bei 11 Teams eingeladen, u.a. den Cardinals, Chiefs, Steelers, Raiders, Bengals (!) und Bills. Die Bills halten den achten Pick.

Barkley warf aufgrund seiner Schulterverletzung nicht, aber es kamen Gerüchte auf, dass sich die Arizona Cardinals an dem Mann einen Narren gefressen haben (ARI pick an #7).

Die big arm-Connection mit Tyler Bray (Tennessee) und Mike Glennon (NC State) hat andere Probleme: Bray soll nicht viel gegen seinen schlechten Ruf als arroganter Schnösel getan haben, und Glennon wirft zwar mächtige Bälle, aber eben häufig auch nicht 100%if aufs Kreuzchen auf der Brust. Wenn ich mir zu Glennon noch einen persönlichen Kommentar erlauben darf: Der Mann ist eine Gazelle, wirkt unglaublich gebrechlich mit seinen dünnen Armen und dem schmalen Oberkörper. Mit breiter Brust ins Spiel gehen? Impossbile.

Bei Tyler Wilson (Arkansas), meinem größten QB-Favoriten dieses Jahr, soll lt. Mayock vor allem untersucht werden, wieso er heuer so häufig „Sidearm“ geworfen hat – ein sicheres Zeichen, dass er verunsichert war.

Running Backs

Die größten Stars der Klasse 2013 fehlten. Bei Marcus Lattimore spielte NFLN ein Video über dessen Reha ein. Es gab noch einmal dieses fürchterlich verdrehte Knie zu sehen und ich musste mich kurz abdrehen. Lattimores Heilungsprozess soll besser als erwartet laufen, auch wenn man die riesigen Schnitte an den Knien noch sieht. Es gibt Hoffnung:

Lattimore isn’t a lock to sail through the rest of his rehab or return to full form. But the positive buzz has already started. And it will only take one team willing to take a chance for Lattimore to find his way into the second or third round.

Landläufigste Meinung: Lattimore geht nicht vor der dritten Runde. Auch Lacy von Alabama hatte wegen Fußverletzung keinen Combine-Auftritt. Die anderen Running Backs konnten nicht viel zeigen, weil die 40-Time für Backs ein eher schlechtes Bewertungsmaß stellen (Mayock: Most running backs are quicker than fast).

Montee Ball aus Wisconsin nur mit inoffiziellen 4.62sek. Oregons Kenjon Barner mit 4.44sek trotz schwachem Start. Knile Davis aus Arkansas mit 4.30sek. Auburns Onterrio McCalebb kurz nachdem Mayock auf seine mögliche Topzeit hingewiesen hatte, mit handgestoppten 4.21sek! (was Combine-Rekord wäre)

Ein interessanter Mann könnte „nein, kein Mädel“ Christine Michael von Texas A&M sein: 4.41sek Sprintzeit, spektakuläre Plays aus dem College in Erinnerung, gilt aber als zu wenig durchhaltevermögend und beging am College die Todsünde: Kritisierte seinen Trainerstab via Twitter.

Combine heute

Wir formen uns so langsam ein – wenn auch noch unscharfes – Bild von den Anwärtern. Heute geht es in Indianapolis weiter mit der Defensive Front-Seven, die ich namentlich bereits letzte Woche vorgestellt hatte. Folgende Defensive Ends wurden von der NFL heute eingeladen, auch an den Linebacker-Drills teilzunehmen:

  • Ziggy Ansah (BYU)
  • Keke Mingo (LSU)
  • Dion Jordan (Oregon)
  • Alex Okafor (Texas)
  • Björn Werner (FSU)
  • Damontre Moore (Texas A&M)

Nicht teilnehmen wird heute Jarvis Jones von Georgia. Jones ist der Mann mit der Spiralen Stenose (Wirbelsäulenverengung), und ein Mann mit einer mittlerweile potenziell tragischen Geschichte: Obwohl die Doktoren ihm grünes Licht gegeben haben, dringen schon erste Stimmen durch, die ihm das „Bowers-Schicksal“ androhen, ein Durchfallen lateral durch die Draftboards, weil man im Fehlwuchs ein ernsthaftes Problem sieht. Jones soll in Gesprächen schon sehr resigniert gewirkt haben, was seinen Draft-Status angeht.

Mit dabei, und doch schon abgeschrieben: Sam Montgomery, Defensive End von LSU. Die Gerüchte, dass sein Trainerstab ihn bei LSU längst aufgrund Untrainierbarkeit aufgegeben habe, scheinen in Indianapolis mittlerweile bestätigt worden zu sein. Es soll Teamkollegen und Coaches geben, die offen ihre Abneigung gegen das, was Montgomery so an Einsatz im Training gezeigt hat, zu Protokoll gegeben haben. Da helfen dann auch kein Top-Sprintzeiten mehr.

Die Quarterbacks vor der NFL-Combine 2013

Heute steigen die Quarterbacks (und RBs, WRs) in die Combine ein (Workouts sind dann am Sonntag, 24.2.). Vorausgeschickt sei der Verweis auf die meiner Meinung nach beste Scouting-Seite, was sämtliche Offensiv-Skillpositionen (QB, RB, WR, TE) angeht: Rookie Scouting Portfolio von Matt Waldman. Waldman schreibt nebenher für das Fifth Down Blog der New York Times und die Football Outsiders. Wer sich wirklich en detail über die einzelnen Jungs im Draft informieren will, sollte diesen Link besuchen: The Rookie Scouting Portfolio – 2013 Draft Analysis.


Die Experten sind sich einig, dass die QB-Klasse von 2013 sehr blass gegen jene aus dem letzten Jahr aussieht. Als größtes Talent gilt West Virginias Geno Smith, bei dem ich meine Bedenken ja schon in der Preview für die Pinstripe Bowl kund tat:

Dieser Quarterback ist im WVU-Falle Geno Smith, ein großgewachsener und beweglicher schwarzer Schlaks, der rein zufällig auch als Top-Draftpick 2013 gehandelt wird. Dabei besteht die WVU-Offense im Kern aus extrem quicken Kurzpässen […] Geno Smith, bei dem ich noch einmal die tiefen Bälle sehen möchte, bevor ich mich überzeugen lasse, dass ich den Mann in der ersten Runde vom Tablett gehen lasse.

In jener Pinstripe Bowl unterbot Smith im Schneegestöber der Bronx meine eh schon niedrigen Erwartungen allerdings noch. Smith ist beweglich, aber kein Scrambler. Als Werfer okay, aber nicht superb. Die Mountaineers-Offense der letzten zwei Jahre war eigentlich hauptsächlich viele 2yds-Dumpoffs und die Runningbacks und Slot-Receiver arbeiten lassen. Meine Skepsis Smith gegenüber kann man getrost mit „immens“ beschreiben.

Sideline

Name              Rd 
Geno Smith        1
Matt Barkley      1
Ryan Nassib       1-2
Tyler Wilson      2
Tyler Bray        2
Mike Glennon      2-3
E.J. Manuel       3-4
Landry Jones      3-4
Zac Dysert        4
Sean Renfree      5-6
Matt Scott        5-7
Brad Soerensen    6-7
Collin Klein      7-UFA
Colby Cameron     UFA
MarQueis Gray     UFA
James Vandenberg  UFA

Nebenan in der Sideline habe ich die Combine-QBs gelistet mit einer generellen Einschätzung, wo „man“ (also ein undefinierter Common-Sense) +/- Stand heute die QBs verortet.

Syracuses Ryan Nassib mausert sich zu einem dark horse. Nicht bloß, dass Nassibs College-Coach mittlerweile bei den Buffalo Bills angeheuert hat und die Bills an der achten Position einberufen. Es gerüchtelt, dass Teams wie Kansas City oder Philadelphia gerne Nassib haben möchten, aber ihre hohen Picks nicht opfern wollen und stattdessen hoffen, Nassib per Trade gegen Ende der ersten Runde zu bekommen. Fazit: Nassib kann seine Aktien mit einer guten Combine deutlich verbessern.

Überhaupt ist das Feld bei den Quarterbacks eine ziemliche Suppe. Der Strahlemann Matt Barkley von USC wäre vor einem Jahr ganz hoch gedraftet worden, entschied sich dann aber fürs College und spielte einen schwachen Herbst. Rein optisch wirkte Barkley auf mich nie wie ein prototypischer NFL-Werfer. Vom Gegenteil werden wir unns dieser Tage nicht überzeugen können, denn Barkley wird nach noch nicht ausgeheilter Schulterverletzung kaum die Wurf-Drills mitmachen. Nicht werfen wird auch Zac Dysert (Miami/OH) wegen einer wieder aufgebrochenen Leistenverletzung.

Viel Gutes hört man über den ehemaligen Arkansas-QB Tyler Wilson, der allerdings im Jahr eins nach Arschloch Petrino keinen guten Herbst absolvierte. Petrinos College-Quarterbacks haben zudem keinen guten Ruf als NFL-Spielmacher, aber als Gesamtpaket – Werfer, Standing, Auftreten – ist Wilson für mich die sicherste Tüte in diesem Draft. Der Knackpunkt sollen die viel zu kleinen Hände sein, weswegen bei Wilson der Ball etwas merkwürdig aus der Hand flutscht. Am College soll das schöne Wetter in Arkansas diese Probleme kaschiert haben, ergo dürfen wir uns auf stundenlanges Faseln über drei Millimeter Fingernagellänge einstellen.

Der einzige Junior-QB in der Combine ist Tyler Bray von den Tennessee Vols, der keine Lust hatte, sein Senior-Jahr unter neuem Coaching-Staff zu bestreiten und daher schon heuer Profi wird. Bray wird nachgesagt, über ein Ego zu verfügen, das in keinen 50-Zoller reinpasst und ein ist als Spieler für mich Typ Gabbert: Waffenscheinpflichtiger Arm, aber pro Spiel mit drei hirntoten Pässen die guten Eindrücke kaputt machend. Wir wissen, wie das mit Gabbert gelaufen ist.

Landry Jones aus Oklahoma hat die Zahlen auf seiner Seite, prägte sich aber als extrem blasser Quarterback ein und dürfte IMHO keine Chance haben, vor der zweiten Runde vom Tablett zu gehen. Jones arbeitet allerdings mit einem Trainerguru zusammen, der die letzten beiden Jahre Cam Newton und Luck fit für den Draft machte.

Und als hätten wir nicht schon ausreichend unsichere Situationen, kommt mit Florida States E.J. Manuel der größte X-Faktor noch dazu. Manuel war für mich über Jahre stets mehr Lärm ums Potenzial als erbrachte Leistung, aber selbst als Skeptiker ist es nicht zu übersehen, dass Manuels Beweglichkeit und Körperbau für ein risikofreudiges Front-Office eine ernsthafte Alternative sein wird. Und die gute Performance in der Senior Bowl dürfte Manuel nur entgegen gekommen sein.

Drei weitere Leute mit etwas Thrill: Mike Glennon von NC State ist der Mann, für den sein Trainerstab einst Russell Wilson vom Campus verjagt hat (und in Mayocks top-5 aktuell die #3 unter den QBs). Und Matt Scott soll der Mann sein, an dem sich die Jacksonville Jaguars bzw. deren QB-Coach Scelfo einen Narren gefressen haben. Scott kommt von der University of Arizona und soll eine sensationelle Entwicklung dieses Jahr genommen haben, obwohl er zwischendurch mit klaren Gehirnerschütterungssymptomen (Stichwort: Kotzen im Huddle) spielen musste. Dukes Sean Renfree wird großes Entwicklungspotenzial nachgesagt.

Mit dabei sind auch K-States Collin Klein und Minnesotas MarQueis Gray, beides unkonventionelle Werfer. Klein war ein fantastischer College-QB, aber man sagt ihm bestenfalls das Schicksal eines Kellen Moore nach: Ewiger Backup. Oder Umschulung auf was anderes, z.B. H-Back. Gray ist Joe Webb 2.0.

Nicht in der Combine dabei, aber ein Name zum Vormerken für die nächsten Monate: Ryan Griffin von der kleinen Tulane University, dem Matt Waldman einen durchaus lesenswerten Artikel hinsichtlich „losing/winning-QB“ gewidmet hat:

Tulane’s Ryan Griffin is the example of a talented quarterback lacking the surrounding talent to elevate his draft status. Unlike Jay Cutler, Griffin lacks the mobility to make big plays with his legs or the extraordinary arm talent to make pinpoint throws from corners that defenses paint him into. Griffin is a classic pocket passer.

Some say that the pocket passer is dying in the NFL. I think that’s a melodramatic statement. A truer reality is that the NFL is becoming more open minded to schemes that allow mobile quarterbacks to continue using their skills within a complementary offensive  framework. Pocket passing isn’t dying as much as its monopoly is breaking up.

Griffin may never get the opportunity as a late-round pick to thrive like the marquee names of his 2013 draft class, but I think Griffin – even with his flaws – has shown enough that if he were at USC, Maryland, or Arkansas, “earning a draft pick” wouldn’t be a part of the conversation this late in the process. What Griffin’s game displays that’s as good or better than the likes of Barkley or Glennon is his in-game acumen, pocket presence, maneuverability, and accuracy down field.

Michigans Denard Robinson ist in der Combine mit dabei, allerdings nicht als Quarterback eingeladen, sondern als Wide Receiver.