NFL Draftvorschauer 2017 – Quarterbacks

Die Königsdisziplin in jedem NFL-Draft. Quarterback ist die wichtigste Position im American Football, und häufig wird ein Quarterback an erster Stelle im Draft gewählt. Die Klasse von 2017 wird mit hoher Wahrscheinlichkeit zur Ausnahme. Es ist der merkwürdigste Jahrgang seit Jahren. Weiterlesen

Watch den Wentz

Carson Wentz ist der Liebling der Scouting-Phase 2016. Sogar Mike Mayock hat Wentz als besten QB im Draft bezeichnet und mit Andrew Luck verglichen. Wentz kommt vom kleinen North Dakota State College, war dort eineinhalb Jahre Starter und gewann zuletzt in einem furiosen Finale die Meisterschaft der FCS, der zweiten Stufe im College Football. Weiterlesen

Scoute den Goff

Die landläufige Meinung zum QB-Rennen im Vorfeld des NFL-Drafts 2016 sieht zwei Männer ganz vorne: Carson Wentz und Jared Goff. Gemeinhin wird dabei Wentz als der Mann mit mehr Potenzial beschrieben, wohingegen Goff als der Quarterback gilt, der schneller ins NFL-Getümmel geworfen werden kann. Ich habe mir die beiden QBs angesehen. Heute: Jared Goff. Weiterlesen

NFL-Draft 2014: Die Franchise-Quarterbacks unter dem Mikroskop

Wie fast jedes Jahr entzündet sich das meiste Feuer im Vorfeld des NFL-Drafts auch diesmal um die Leuchtturm-Position im American Football, die Quarterbacks. Wie immer ist mindestens eine Handvoll Mannschaften auf der Suche nach einem neuen Stamm-Quarterback, was für gewöhnlich ein paar knackige Szenarien schon in der ersten Runde garantiert. In diesem Jahr gilt die Klasse der Quarterbacks als eher durchwachsen, mit einer zwar breit gestreuten Gruppe an guten Talenten, aber das ganz große can’t miss prospect soll fehlen.

Wie sich das Lechzen nach Quarterbacks am nächsten Donnerstag entwickelt, wird die Dramaturgie im Draft massiv beeinflussen. Ein Sturm auf die talentiertesten Jungs in den Top-Ten ist ebenso nicht auszuschließen wie ein Szenario analog dem letzten Jahr, als alle bis auf einen aus der ersten Runde fielen.

Die Quarterback-Vorschau 2014 habe ich aufgrund der Ausführlichkeit in diesem Jahr aufgeteilt. Heute beginne ich mit dem Trio, das die meisten Schlagzeilen kassiert und sich nach landläufiger Meinung als Spitzentrio herauskristallisiert hat.

Der Komplette: Teddy Bridgewater

Teddy Bridgewater - Bild: Wikipedia

Teddy Bridgewater – Bild: Wikipedia

Hätte man vor drei Monaten nach dem favorisierten Quarterback des Drafts 2014 gefragt, die Antwort wäre fast unisono „Teddy Bridgewater“ gewesen. Bridgewater kommt als Quarterback der Louisville Cardinals aus der American Athletic Conference in die NFL. Er war dort der Stamm-QB der letzten zweieinhalb Jahre.

Sein Coming-Out vor nationalem Publikum hatte Bridgewater in der Sugar Bowl 2013, als er die Monster-Defense von Florida im Alleingang und Spielzug für Spielzug blitzsauber auseinander nahm. Er ging als Nummer-1 QB in den vergangenen Herbst und enttäuschte die Erwartungen nicht.

Bridgewater gilt als reifster, komplettester Quarterback im Draft. Er strahlt eine innere Ruhe aus, die selbst in brenzligen Situation in nicht mehr als ein paar Körperzuckungen „ausartet“. Bridgewater kriegt im Angesicht eines Blitzes keine kalten Füße, sondern schmettert den großen Einschlag mit einem leichtfüßigen Schritt ab. Er kennt die NFL-Standardoffense aus dem College, wo er überwiegend West-Coast Prinzipien sah und mit eindrucksvoller Konstanz ausführte.

Bridgewaters größtes Verkaufsargument neben seinem guten Nervenkostüm sein Wissen um die Komplexität des Spiels. Er durfte bzw. musste am College recht viel auf eigene Faust an der Anspiellinie operieren. Er bekam zwar die Spielzüge durchgesagt, aber Anpassungen aufgrund Defensiv-Aufstellungen waren ihm erlaubt. Für viele Coaches am College ist solches Vertrauen in den Quarterback unerhört. Nicht für Louisville. Und Bridgewater zahlte es mit exzellenten Vorstellungen zurück.

Bridgewater ist mobil, aber er ist kein Scrambler. Seine Stärken liegen ganz klar in der Pocket und er wartet notfalls auch bis zum letzten Moment, um einen Pass anzubringen. Er lässt sich vom Druck der Defense nicht nervös machen und beginnt beim Kollabieren der Pocket nicht auf de Passrush zu starren, sondern hält seine Augen stets bei seinen Anspielstationen im Defensive Backfield. Er ist mobil genug um sich den Platz in der Pocket zu verschaffen und er kann Rollout-Spielzüge bis ins Detail präzise ausführen.

Bis zum Saisonende war er der klare QB-Favorit 2014. Erst mit Einsetzen der Scouting-Periode ab Mitte Februar wurden die Zweifel an Bridgewaters Kandidatur lauter. Das offensichtlichste Fragezeichen ist seine Statur: Der Teddy ist mit 1.84m 1.87m kein Zwerg, aber eben auch locker sieben, acht Zentimeter kleiner als der NFL-Prototyp für seine Position. Er ist klein und schmächtig und damit ein Freak in einer Liga, die nach den 1.93m, 115kg schweren Spielmachern lechzt.

Es gibt zwar „kleine“ Quarterbacks, die sich in der NFL durchgebissen haben, aber es sind nicht viele. Brees und Russell Wilson, aber sie sind eher die Ausnahme denn die Regel. Wilson profitierte zudem von einer funktionierenden Mannschaft, die sich erlauben konnte, eine konservativere Offense mit einfachen Packages zu spielen, ein Luxus, den nicht viele Quarterbacks bekommen.

Eine Figur als Hüne hilft in der NFL mit ihren immer größer werdenden Defensive Linern natürlich ungemein. Ein groß gewachsener Spieler sieht mehr, ein groß gewachsener Spieler wird weniger Bälle schon an der Anspiellinie abgefälscht sehen. Obwohl Bridgewater mobil genug ist um sich eine freie Wurfbahn zu verschaffen, bleibt es ein Wettbewerbsnachteil.

Der zweite Knackpunkt bei Bridgewater ist sein tiefer Ball. Bridgewater hat keine Rakete von Wurfarm vom Schlage eines Matt Stafford, aber sein Arm gilt als gut genug um die meisten Pässe sauber zu werfen – bis auf den einen: Den tiefen eben. Bridgewaters tiefe Pässe sind nicht nur unpräzise; sie verlieren nach 30, 40 Yards an Power und hängen merkwürdig kraftlos in der Luft. Ein fehlender tiefer Ball wird dich in der NFL immer verfolgen, weil dir eine der wichtigsten Dimensionen abgeht, und versuchst du es trotzdem, ist jedesmal Gefahr durch Abfangjäger gegeben.

Der Teddy hätte viele dieser Zweifel mit gewaltigen Offseason-Workouts widerlegen können, manövrierte sich dann aber mit schwachen Trainingseinheiten noch weiter in eine Ecke, in der er momentan von der Öffentlichkeit festgenagelt ist: So wirkt Bridgewater mit jeder Woche, die dieser Scouting-Prozess dauert, mehr wie ein zu klein geratener, einen Tick zu blasser Typ mit zu schwachem Arm aus, der auch nicht so unglaublich präzise ist wie ursprünglich angenommen.

Bridgewater, der Mensch, ist als Typ unangreifbar. Er hat sich nie auch nur Kleinigkeiten zu Schulden kommen lassen, sondern galt stets als Führungsspieler und Teamkollege der ersten Kategorie. So wirkt der ganze Blues um Bridgewater noch immer wie ein kleines bisschen wie das alljährliche Spielchen, in denen sich Scouts an ein, zwei Flauseln aufhängen und einen Spieler weiter zerreden als es notwendig ist. Warum fällt Bridgewaters schmächtiges Äußeres erst in der Combine wie Schuppen von den Augen? Wie kann ein einziger schlechter Pro-Day fast drei Jahre einwandfreies Videobeweismaterial vernichten?

Die Stelle, an der Bridgewater nächsten Donnerstag vom Tablett gehen wird, wird finales Zeugnis einer wilden Scouting-Periode sein. Sollte die sicherste Tüte im Draft tatsächlich aus der ersten Runde fallen, wäre das nichts anderes als eine riesige Sensation.

Der Aufsteiger: Blake Bortles

Blake Bortles kommt von der University of Central Florida und ist quasi Phoenix aus der Asche. Er ist der Anti-Teddy. Er war viele Jahre lang nahezu unbekannt, bis er mit einer bärenstarken Performance in der Fiesta-Bowl am Neujahrstag 2014 auf dem Radar der Meute erschien – und seither trotz vieler Unkenrufe nicht wieder verschwand.

Bortles ist ein Hüne mit Zahnpastalächeln, 1.95m groß und 120 kg schwer und damit genau die Statur von Mann, die Konkurrent Teddy abgeht. Bortles ist dabei kein unbeweglicher Zeitgenosse vom Schlage eines Byron Leftwich, sondern ein durchaus mobiler Mann, den man als besseren Scrambler im Vergleich zu Teddy Bridgewater bezeichnen könnte.

Bortles orchestrierte bei UCF eine mit dem read-option Angriff sehr nahe verwandte Offense mit dem Ziel, dem Quarterback möglichst saubere Wurfbahnen zu verschaffen. Rollouts und kurze Scrambles gehörten zu dieser Offense wie Erbsen zum Speck. Bortles erledigte diesen Teil seiner Arbeit ganz zufriedenstellend, aber ist er ein Franchise-QB?

Anfangs dachte ich, oh, Bortles ist ganz praktisch, da er der Journallie einen letztlich chancenlosen Gegenspieler für Bridgewater anbiete. Dann dachte ich, oh, seine Freundin eignet sich für den Boulevard. Dann dachte ich, warum ist er noch immer ein Mitfavorit. Und dann, wie zum Teufel konnte er Bridgewater in der Wahrnehmung der Öffentlichkeit schier überholen?

Bortles‘ hat genau einmeterfünfundneunzig Vorteile gegenüber einem Bridgewater. Körpergröße ist kein Vorteil, den man negieren sollte, aber man ist versucht, ihn immer und immer wieder zu unterstreichen, wenn es der einzige Vorteil ist.

Denn: Bortles‘ Wurftechnik ist am Arsch. Er wirft die Bälle nicht, er stößt sie so merkwürdig, dass spätestens die längeren Würfe nach 20yds saftlos zu Boden fallen. Mit Passrush im Gesicht bricht Bortles auseinander und wirft viele Pässe praktisch im Rückwärtsfallen. Die Technik ist wohl selbst mit gutem Coaching nicht mehr von Grund auf zu verändern, aber zumindest eine Verbesserung sollte noch drin sein.

Diese Wurfbewegung und seine unkonstanten Leistungen sind die größten Killer bei Bortles, und so bleibt die Frage, wie ein Mann, der nur körperlich einen kleinen Vorteil besitzt, in der öffentlichen Wahrnehmung tatsächlich an einem Bridgewater gefühlt vorbeiziehen kann. Keine drei Jahre nach Gabbert gilt schon wieder ein Mann mit nur wenig Spielerfahrung und suspektem Spielverständnis, mit kaum behebbaren technischen Mängeln und nach nur zwei, drei Heldenspielen als möglicher Top-Quarterback Pick im Draft.

Der Anarch: Johnny Manziel

Johnny Manziel - Bild: Wikipedia

Johnny Manziel – Bild: Wikipedia

Johnny Manziel war der größte Star des College-Football, seit ich selbigen verfolge. Er stellte Tebow in den Schatten und er stellte RG3 in den Schatten. Johnny Football war zwei Jahre lang Quarterback der Texas A&M Aggies, und eigentlich war er mehr als ein Quarterback. Er war die Offense der Aggies, Spielmacher, Playmaker, Zirkuskünstler, Herz, Seele und Lunge einer der besten Offenses des Landes. Er brachte in der defensivstarken Southeastern Conference (SEC) selbst die per Trademark geschützte beste Defense des Landes, Alabama mit Coach Nick Saban, an den Rand der Selbstaufgabe.

Johnny Manziel ist auch mehr als ein Footballspieler. Er ist ein Popstar, dessen Possen Futter für die Yellow-Press von Texas bis New York waren. Er ließ keine Fettnäpfchen aus, von Saufgelagen im Trainingslager über Studentenfeten im Haus des größten Rivalen hin zu zweideutigen Twitter-Publikationen war alles dabei, was ein normaler Mensch sich nicht erlauben sollte, aber Manziel verzieh man alles, ja mehr, man hoffte auf den nächsten… Ausrutscher kann man es nicht nennen… Egotrip dieses Jungen aus reichem Haus.

Manziel ist ein Anarch auf wie neben dem Feld. Er hat durchaus den Arm für das tiefe Spiel, wenn auch seine Wurfbewegung nicht die konventionellste ist. Er ist mit seinen 1.85m 1.90m zirka 1.80m und 95kg nur unwesentlich größer sogar etwas kleiner als ein Bridgewater, aber während dies bei ersterem zum Problem der Nation gestylt wird, schert sich bei Johnny Football kein Mensch um solche Nebensächlichkeiten.

Mit Manziel ist alles möglich. Er hat kein Gefühl für die Pocket, kein Gefühl für Timing, Präzision im Spielzugablauf, also ziemlich genau kein Gefühl für irgendetwas, das einen klassischen NFL-Quarterback erfolgreich macht. Seine absolute Stärke ist das Improvisieren, das Schaffen von sensationellen Highlight-Plays aus dem Gar Nichts, das Entzaubern von disziplinierten Abwehrbollwerken. Manziel ist am besten, wenn das Skript in sich zusammenfällt und er von der Leine gelassen wird.

Er ist ein Messi in einem Sport, der ansonsten versucht, seinen Akteuren jegliche Kreativität soweit es geht auszutreiben. Sein Paradespielzug ist die Pirouette mit dem Defensive End in der Fresse, nein, dem Defensive End ins Leere greifend, die Drehung und der Wurf downfield. Manziel ist kein Quarterback, er ist Playmaker. Er fühlt sich überall auf dem Spielfeld wohl, nur nicht in einer unbedrängten Pocket.

Es ist schwer, sich der Magie von Manziels Footballverständnis zu entziehen, aber die Frage ist wie sich dieses mit der NFL verheiraten lässt. Er wäre der erste Quarterback seit Äonen, der nicht primär von seiner Arbeit in der Pocket lebt. Er ist kein Timing-Spieler. Manziel ist das, was Scouts see it, throw it-Spieler nennen: Der Ball wird dann geworfen, wenn der Receiver offen ist. Antizipation als Fremdwort. Aber genau diese Antizipation ist das, was die heutigen QB-Superstars in der NFL ausmacht – für gewöhnlich.

Manziel ist aber nicht „gewöhnlich“. Kein Team, das sich nicht zumindest in Ansätzen an Manziels Spielweise anpassen will, darf ihn draften. Eine sehr klare Vorstellung, was du mit ihm anfangen willst, ist von Nöten. Du musst ihm eine Spread-Offense geben, die Manziel von der Leine lässt. Eine Einengung seiner Skills á la Michael Vick in Atlanta ist mit Johnny Football ein No Go.

Manziel wird von Mike Mayock als bester Quarterback 2014 gelistet. In der landläufigen Meinung ist er das dark horse unter den Spitzen-QBs. Er ist der Spieler, der vor erst vier, fünf Jahren vermutlich niemals auch nur in der Diskussion für die erste Runde gewesen wäre, aber in einem Jahr 2014, in dem read-option, Spread-Offense und experimentelle Offense mindestens genauso Regel wie Ausnahme sind, wird sich mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Platz für Manziel in der ersten Runde finden.

Die Frage ist: Wer zieht ihn? Wer zieht sie alle, Bridgewater, Bortles und Manzielwer und wann?

Das Cluster in deinem Kopf

Andy Goldschmidt nimmt bei Football is Sex, Baby! ein Ranking der besten Quarterbacks 2013/14 unter die Lupe. Die dabei verwendete Methode ist ein „k-means Algorithmus“, eine relativ intuitive Methode (sofern Intuition auf diesem Gebiet überhaupt noch eine Rolle spielt) zur Bestimmung von Zugehörigkeiten zu Clustern.

Schön finde ich vor allem, wie Footballissexbaby die Methode und ihre Stärken und Schwächen beschreibt. Wessen Uni-Skript also aufgrund zu vieler Formeln und Zeichen á la {S(i)=Σ||xΘ||} für i*=1…k zu unsympathisch geworden ist, der sollte sich so einfach zu erfassende Beschreibungen wie die seinige anschauen. Man kann es auch einfach sagen.

Und man kann damit Cluster bilden: Quarterbacks 2013 – In die Schublade gesteckt.

 

 

Ein Blick auf den QB-Markt 2013

Häufig draften auch Teams ohne sichtbares „Need“ einen Quarterback zum Entwickeln, aber hier sei der Blick mal auf die allgemeine Quarterback-Situation in der NFL am heutigen Montag gerichtet.

American Football Conference (AFC)

EAST – in New England versauert der Arkansas-Bomber Ryan Mallett hinter Brady und wird bis minimum 2015 kein Land sehen. Mallett wird immer wieder als Trade-Objekt gesehen, vor allem für Cleveland oder Tampa. Buffalo ist spätestens nach der Trennung von Fitzpatrick ein heißer Anwärter drauf, mit einem Top-10 Pick (aktuell halten die Bills Pick #8) einen Quarterback einzuberufen – vielleicht Geno Smith oder Ryan Nassib, dessen Coach der neue Bills-Cheftrainer Doug Marrone am College war. Bei den Jets würde man sich lieber heute als morgen Mark Sanchez entledigen, was aber durch dessen Vertrag ausgeschlossen ist. Tebow ist auch auf dem Abstellgleis, aber ich würde nicht drauf wetten, dass New York in den ersten Runden einen QB draften wird.

NORTH – in Cleveland hält das neue Regime um GM Lombardi und HC Chudzinski wohl nicht so größe Stücke auf das QB-Duo Weeden/McCoy; vor allem Weeden gilt nach nur einem Jahr als verbrannt. Eine hohe Einberufung eines Quarterbacks halte ich aufgrund der verfügbaren Optionen für unwahrscheinlich. In Cincinnati gibt es (noch) wenig Grund, Andy Dalton fallen zu lassen. Pittsburgh könnte ein Ort sein, an dem man langsam einen Nachfolger für den windelweich geprügelten Roethlisberger suchen muss.

SOUTH – in Houston dürfte der Geduldsfaden mit Matt Schaub am Reißen sein, aber die Texans dürften realistisch genug sein, dass sie so schnell keinen besseren Spielmacher mit halbwegs normalem Preis/Leistungsverhältnis finden werden. In Tennessee hat QB Locker nach zwei Jahren immer noch nicht viel gezeigt. In Jacksonville scheint man es trotz schlechtester Vorzeichen noch einmal mit Blaine Gabbert zu versuchen. Tennessee und Jacksonville könnten aber trotz aller Unkenrufe im Rennen um einen QB sein.

WESTDenver (Starter Manning, Zögling Osweiler) ist geklärt. Kansas City (Alex Smith, Chase Daniel) vermutlich für wenigstens ein Jahr auch. Oakland hat mit Carson Palmer einen akzeptablen Starter und die großen Probleme eher an anderen Stellen, aber mit dem Investment in QB Pryor vermutlich zu viele Ressourcen in die QB-Position gebunden, um dort schon wieder aktiv zu werden. San Diego hat mit Rivers eigentlich einen ganz Großen, der mit 32 aber nicht jünger wird und 2012/13 ein furchtbares Jahr spielte. Die Chargers sehen aus wie die klassische Franchise, die sich dieses Jahr nach einem jungen QB aus der vierten Runde zum Entwickeln umsieht.

National Football Conference (NFC)

EAST – in Philadelphia steht Vick ein (letztes?) Jahr unter Vertrag. Backup Nick Foles ist jung und zeigte immerhin sowas wie Ansätze, passt aber von der Spielanlage eher nicht in eine Offense von Chip Kelly. Für realistisch halte ich eine Einberufung von Geno Smith in der ersten Runde oder EJ Manuel in der zweiten oder dritten Runde. Kelly gilt als Fan von Manuel.

NORTH – in Minnesota kriegt QB Chris Ponder eine letzte Bewährungschance; ich hätte es als Imperativ gesehen, in Runde 2 oder 3 aktiv zu werden und einen potenziellen Nachfolger zu draften, aber nach dem Einkauf des ebenso suspekten Matt Cassel aus Kansas City scheint man in Minnesota andere Pläne zu verfolgen.

SOUTH – in Tampa scheint Josh Freeman nicht mehr unumstritten zu sein. Weil ich weiterhin ein Fan von Freeman bin und die Offense eigentlich auf Freemans Talente zugeschnitten ist, sehe ich nicht, wie die Buccs einen „per sofort“ Ersatz holen. Einen junger Nachwuchsspieler mit Option 2015 dagegen schon.

WESTSan Francisco ist auf dem Markt für einen Backup aus den mittleren Runden und hat etliche Draftpicks. Arizona sucht händeringend einen #1-QB und kotzt die Eingeweide in die Wüste, dass dieses Jahr kein richtiger „Franchise-QB“ verfügbar ist. Man hört was von „Barkley mit Pick #7“ nach Arizona. Der schwache Wurfarm Barkleys und „deep ball“-Bruce Arians? Culture Clash hoch drei.

Think Twice: Nur mit Elite-QB kann eine Mannschaft erfolgreich sein

In der Berichterstattung zur Draft war es wieder überall zu lesen: ohne einen absoluten Top-Quarterback hat heutzutage keine Mannschaft mehr eine Chance, irgendetwas in den Playoffs zu reißen. Eine Mannschaft wird um den Quarterback herum aufgebaut. It´s a passing league. Nie war der QB wichtiger als heute. Man braucht doch gar kein Laufspiel mehr. „Defense wins Championships“ hat als Cliché ausgedient. Undsoweiterundsofort.

Als Begründung dient dann immer die Aufzählung der Quarterbacks, die in den letzten Jahren einen Ring gewonnen haben. Brady, Roethlisberger, die Mannings, Brees und Rodgers. Das sind ganz sicher große Namen und hervorragende QBs – heute. Brad Johnson, QB der Bucs bei ihrem Triumph in Super Bowl XXXVII, gilt immer als das einzige aus der Rolle gefallene Gegenbeispiel. Genauer betrachtet, war er aber gar nicht der einzige caretaker, dessen Job nur darin bestand, nichts kaputt zu machen, was Defense und/oder Laufspiel aufgebaut haben.

Als Tom Brady in der Saison 2001 mit den Patriots seinen ersten Ring gewinnt, war er in seiner zweiten NFL-Saison – und hatte nicht viel mit dem Spieler zu tun, der er heute ist. In 15 Spielen wirft er nicht mal für 3000 Yards, 18 TDs bei 12 INTs und ein Rating von 86,5.

Ben Roethlisberger, nicht der von heute, sondern der Rookie 2005, liefert im Super Bowl gegen die Seattle Seahawks eine der schlechtesten Leistungen aller Zeiten ab: 9 von 21, 123 Yards, kein Touchdown, zwei Interceptions – und gewinnt.

„Mr. Überfordert in Big Apple I“, Eli Manning, gewinnt in der Saison 2007 den Super Bowl, weil Big Blues D die beste Offense aller Zeiten bei 14 Punkten hält. Manning war zu dem Zeitpunkt in Augen der pundits eine größere Gurke als Mark Sanchez heute. In der Regular Season wirft er 20 Interceptions, macht pro Paßspielzug nur 6,3 Yards und hat ein mickriges QB-Rating von 73,9.

Ebenjener „Mr. Überfordert in Big Apple II“, Sanchez, „führt“ seine Jets 2009 und 2010 ins AFC Championship Game. Auch hier ist es die Defense, die die Mannschaft trägt – und nicht der Quarterback. Erlebt diese Verteidigung in der ersten Halbzeit des Championship Games 2009 gegen die Steelers nicht einen der seltsamsten Zusammenbrüche der jüngeren Geschichte, hätte der Sunny Boy sogar im Super Bowl gestanden.

Joe Flacco, auch kein besonders guter Quarterback, schafft es in seinen ersten vier Jahren vier Mal in die Playoffs, zwei Mal sogar ins Championship Game. Immer getragen von einer der besten Verteidigungsreihen der Liga und Rumbling Running Back Ray Rice. In der letzten Saison ist der Mann mit einer Completion Percentage von 57,6, 6,7Yards/Attempt und einem Rating von 80,9 sogar haarscharf an einer Super-Bow-Teilnahme vorbeigeschrammt.

Dort hätte er dann beinahe Alex Smith und seinen 49ers gegenübergestanden. Diese 49ers, ein ground-and-pound Team wie die angesprochenen Jets, wurde von einer bärenstarken Defense ins Finale getacklet. Seltsamerweise hat dieses Ergebnis vielerorts nicht dazu geführt, Smith einen ausgesprochen glücklichen Mann zu nennen, der auf dem Rücken einer derart starken Defense mitschwimmt, sondern zu der Behauptung, er sei jetzt, ganz plötzlich, ein guter Quarterback – schließlich hat er ja sein Team ins Championship Game geführt. Ähnlich war es auch bei Flacco und Sanchez. Die Argumentation sah so aus: QB steht im Championship Game, also ist er ein guter QB. Nimmt man die Behauptung vom Ausgangspunkt – nur mit einem guten QB kann eine Mannschaft erfolgreich sein (hier der Einfachheit halber gemessen am Erreichen von Championship Games/Super Bowls) – dazu, erhält man ein völlig sinnloses Argumentationsgebäude, für das man hochkant aus jedem Logik-Grundkurs fliegen würde:

  • 1) Man braucht einen Top-QB um ins Championship Game zu kommen
  • 2) Ein QB, der es ins Championship Game schafft, ist ein Top-QB

Ich will gar nicht behaupten, daß man mit einem Curtis Painter einen Super Bowl gewinnen könnte. Nur gibt mehrere Wege, eine starke Mannschaft aufzubauen. Und ganz sicher ist der einfachste Weg, einfach Drew Brees oder Aaron Rodgers oder Tom Brady hinter den Center zu stellen. Aber eben nicht der einzige.

NFL-Draftvorschauer 2012 nach dem Stichtag: Quarterbacks

Nach Ende der Bowl Season und dem aktuellen starken Fokus auf das Recruiting im College Football ein schaler Blick voraus auf die angehenden Jungprofis, die heuer in den NFL-Draft wandern werden. Und es wird Zeit, die Trends der letzten Jahre schön langsam ernst zu nehmen, die da wären:

  • Quarterbacks werden schnell ins kalte Wasser geworfen.
  • Running Backs verlieren massiv an Wert.
  • Jedes Team sucht seinen großen #1-Wide Receiver.
  • Tight Ends kommen als Allzweckwaffen immer stärker auf.
  • Offensive Line verliert erstaunlicherweise leicht an Bedeutung, selbst bei Teams mit jungen Quarterbacks.
  • Jedes Team außer den Patriots sucht verzweifelt Pass Rusher.
  • Vielseitige Linebacker mit Deckungsfähigkeiten gegen Tight Ends gewinnen rasant an Wert.
  • Kadertiefe im Defensive Backfield ist bedeutender denn je.

Heute mal ein Blick auf einige Quarterbacks im NFL-Draft 2012, was ich so von ihnen in den letzten Jahren College Football gelernt habe, und wo man sie vor Senior Bowl, Combine und medialer Hype-Maschine einordnen würde.

Quarterbacks

Seit rund eineinhalb Jahren ist jeder Draftguru überzeugt, dass Stanfords QB Andrew Luck der Top-Draftpick sein wird. Luck ist Sohn des ehemaligen Frankfurt-Galaxy-GMs Oliver Luck und ein sehr reif wirkender QB („der reifste seit Peyton Manning“). Das einzige, was man Luck abspricht, ist ein Raketenarm á la Stafford, dafür sagt man ihm den Charakter eines charismatischen Workaholics nach, dessen Horizont nicht an der Seitenauslinie endet und der bereits durchaus in der Lage ist, eine Defense per Audible an der Anspiellinie zu verbrennen.

Bis zum Draft ist allenfalls die Frage noch spannend, ob (oder wann) die mediale Meute verzweifelt genug ist, um Luck eine Konkurrenz aufzuoktroyieren. Heisman Trophy-Sieger Robert Griffin III von der Baylor University würde sich als leise Alternative aufdrängen, ein Instinktquarterback vor dem Herrn, fast so athletisch wie Vick und mit der Gabe, tiefe Bomben in enge Deckungen zu vervollständigen. „RG3“ gilt jedoch noch als suspekt im Entziffern von komplizierteren Abwehrformationen (Stichwort „Zone Blitzes“), hat analog zu Luck noch nicht viele wirklich exzellente Defenses gesehen.

Luck und Griffin dürften die beiden begehrtesten Subjekte sein, nachdem von der einst gehypten Breite in der diesjährigen Auswahl nach den Absagen der Matt Barkleys oder Landry Jones’ der Topf etwas seichter wurde. Als dritte Kraft dürfte sich der riesige Nick „Zottelbock“ Foles von den Arizona Wildcats etablieren, der aufgrund seiner Beweglichkeit recht nervös in der Pocket aussieht und allergisch auf Pass Rush reagiert, aber eine Rakete von einem Wurfarm besitzt. Foles hängt noch immer das Schildchen des Weicheis nach, nachdem er einst bei Michigan State den Konkurrenzkampf gescheut hatte, bekam aber in den letzten beiden Jahren enorm viele Chancen zum Passspiel, da die Wildcats meist defensebedingt schon im zweiten Viertel hoffnungslos in Rückstand Wölfe in die Luft werfen mussten.

Eher als Risikoinvestition sieht man Foles’ „Lokalrivalen“, Arizona States QB Brock Osweiler, an – der Mann, dessen unglaublich lange Arme mich immer wieder an eine Krake erinnern. Osweiler ist ein Monster von einer Statur (2,03m) mit Anlage zum „vertikalen“ Spiel, soll aber charakterlich nicht gefestigt sein und wurde nach seiner Entscheidung, schon als Junior die Uni zu verlassen, geprügelt.

QB Ryan Tannehill von Texas A&M ist auch so ein mobiler Mann, dessen sagenhafter QB-Draw gegen Oklahoma State mir immer noch in Erinnerung ist – da sieht man, warum dieser Mann einst als Wide Receiver am College rekrutiert worden war. Tannehill war letzten Herbst ein großes Thema, als er in einem Verzweiflungsmove von Mike Sherman mitten in der Saison zurück auf Quarterback geschult wurde und innerhalb weniger Wochen die Aggies von Gurken zum Topteam transformierte. Soll ein einfacher Charakter sein, aber seine Aktien dürften von einem momentan gebrochenen Fuß gehindert werden.

Bei „mobil“ wird unweigerlich auch der Name des Russell Wilson (Wisconsin) fallen, ein heuer lange Zeit hochgelobter Mann bei den Badgers, aber mit mickrigen 1,80m wohl zu klein gewachsen für einen hohen NFL-Pick. Ein Schwiegermutter-Traum, aber athletisch wenig herausstechend: QB Kirk Cousins von der Michigan State University, ein grundsolider Charakter, dem man nicht nachsagt, ein Kaliber von einem Franchise-QB werden zu können, dafür aber bedenkenlos als Third Stringer auf die Bank setzen würde. Und dann gibt es da noch den großen Kämpfer G.J. Kinne, einen persönlichen Favoriten von den Tulsa Golden Hurricane – flott bei Fuß und keinen Zentimeter zurückscheuend beim Scrambeln, aber wurftechnisch eher der Grobmotoriker.

Brandneu waren gestern die News vom Einstieg von Oregons QB Darron Thomas in den diesjährigen NFL-Draft. Oregons Quarterbacks der letzten Jahre waren im System von Chip Kelly recht austauschbar und die Offense warf Ergebnisse ab, wurscht, wer denn nun die Bälle servierte. Auch Thomas wurde bisher primär als Produkt des Systems gesehen – daher kommt die Entscheidung, das letzte Jahr College auszulassen, bei Thomas einer Sensation gleich.

Der heurige Mann aus den Niederungen der FCS (Unterstufe der Division-I) ist B.J. Coleman (1,93m), der einst einer der ersten war, der nach der Anheuerung von Großmaul Lane Kiffin bei den Tennessee Vols von Board hüpfte und lieber bei Chattanooga versauerte, als für Kiffin auch nur eine blaue Lippe zu riskieren. Coleman – sentimentaler Favorit 2012?

Die drei großen Unbekannten des NFL-Drafts von 2012 sind drei der erfolgreichsten Quarterbacks im College Football in den letzten Jahren. QB Case Keenum, der Rekordmann von Houston, muss mit dem Makel des „System-Quarterbacks“ leben. Vielleicht zur Erklärung: Keenum ist nicht der erste mit gigantischen Zahlen, spielte aber in einer Offense, die sich auf Kurzpässe verließ und praktisch kaum über die 20yds downfield ging – fehlende Arm Strength wird durch Spielintelligenz ausgeglichen, was am College funktioniert, aber in der NFL keine Chance auf den Status „Franchise-QB“ birgt. Dazu kommt Keenums Knieverletzung aus dem Herbst 2010, die die wenigen verbliebenen Interessenten abschrecken könnte.

Brandon Weeden sieht dagegen durchaus wie ein potenzieller Top-Pick aus, fällt aber wegen seiner bald 29 Lenze aus dem Rahmen – Weeden spielte jahrelang als Baseballprofi bei den Yankees, kehrte schließlich vor Jahren an die Universität zurück und führte die Oklahoma State Cowboys in den letzten beiden Jahren zu bisher ungekannten Höhen. Weeden ist keiner, der das Risiko scheut und für einen fulminanten tiefen Ball auch mal seine Großmutter verkaufen würde, aber ich halte es für eher ausgeschlossen, dass der Mann in der ersten Runde vom Tablett geht.

Zu guter Letzt – natürlich – noch Boise States Kellen Moore, der Quarterback mit den meisten Siegen in der Historie des College Football, der Mann mit dem immer gleichbleibenden unbeeindruckten, jungfräulichen Gesicht. Moore werden mehrere Minuspunkte zur Last gelegt – und das geht von seiner Körpergröße (1,83m) über seine etwas unästhetische Wurfbewegung hin zu dieser bogenlampenförmigen Flugkurve seiner Bälle. Verglichen mit Staffords rasiermesserscharfen Geschossen gelten Moores „Pässe“ (Anführungszeichen extra gesetzt) als leicht abzufangende Objekte für Defensive Backs in der NFL. Kleine Quarterbacks mit schwachem Wurfarm waren in der NFL in den letzten Jahren ausnahmslos chancenlos, zumal gegen die Hünen in der Defensive Line, vor allem auch, weil sie eine Defense weder in die Länge, noch in die Breite zu ziehen vermögen. Vielleicht gibt es trotzdem einen GM, der Moore den Ehrenpick in der zweiten oder dritten Runde verleiht, und vielleicht kommt Moore irgendwann sogar über den Status des ewigen Ersatzmannes hinaus – die Geschichte spricht aber gegen ihn.

NFL 2011/12, TV-Guideline Week 2: Reminiszenzen an eine Vergangenheit, in der 250yds noch was wert waren

Die NFL-Auftaktwoche hat einen Trend der letzten Jahre fortgesetzt, ach was, explodiert: Quarterbacks, so viele Quarterbacks, da läuft der Waschraum bei ESPN im Jahr des Quarterbacks vor feuchten Höschen über. Vom fröhlichen Gunslingertum in Green Bay über die laserscharfen Flacco-Bälle zu den Passfestivals in Chicago, Arizona und Miami – da läuft man Gefahr, schon zu Beginn der Saison sämtliche Superlative zu verbrennen. Wenn QB-Giganten wie Grossman und Kolb 305yds respektive 309yds machen, wenn ein Cameron Newton zum NFL-Debüt 422yds und ein Chad Henne mal eben 416yds aus dem Handgelenk schnackeln, wenn 335yds-Tage für QB Rivers nur noch Mittelmaß und 419yds-Tage für QB Brees nur noch mit Schulterzucken hingenommen werden, wer horcht dann noch ernsthaft bei 517yds für QB Tom Brady auf?

Da passt es wie Arsch auf Eimer, dass am Sonntag sechs wohltemperierte Luftangriffsmaschinen gegeneinandergematcht werden, alle mit namhaften Quarterbacks an der Front. Bei den zu erwartenden zirka 300 Wurfversuchen und 4000yds Passspiel eignet sich auch ein Blick auf das neue Total Quarterback Rating von ESPN, dessen vom geschätzten Kollegen footballissexbaby errechnete Korrelation +0,57 (für die Top-20) mit dem traditionellen Pass-Rating in Woche 1 schwächer war als es meine ermatteten Augen angenommen hätten (beziehen wir alle 33 Werte von Woche 1 ein, sinkt die Korrelation RAPIDE noch weiter ab, was am krassen Gefälle der ESPN-Berechnungsskala liegt).

Woche zwei in der NFL steht bei ESPN America aber auch unter dem Motto “Reminiszenzen”. Wir haben eine Serie an Spielen, deren Pregame-Hype sich um Erinnerungen an die Vergangenheit bauen lässt – schöne Erinnerungen, aufregende Erinnerungen, aber auch hässliche.

Sonntag, 18. September 2011

New Orleans Saints – Chicago Bears

(19h LIVE bei ESPN America/Tape am 23.9. um 13h30)

Die erste Reminiszenz geht an das NFC-Finale 2006/07, als eine knochentrockene Bears-Defense das Aschenputtel Saints im Schneegestöber ziemlich übel abwürgte und uns damit die hässlichste Superbowl der letzten Jahre bescherte. Während die Saints im Kern in der Offense immer noch die gleiche Mannschaft wie damals besitzen, haben die Bears im Laufe der Jahre mehrere Wandel durchgemacht und sind heute ein im Vergleich zu damals grundverschiedenes Team – Cutler statt Grossman, Wurfgewalt statt Bodenwaffe.

Vergangene Woche war Chicago vor allem in der Pass Protection deutlich besser als erwartet und die paar Schnipsel, die ich gesehen habe, zeigten einen QB Jay Cutler, der es sichtlich genoss, ohne Stress werfen zu können und entsprechend eine Handvoll messerscharfer Bälle das Spielfeld hinunterzujagen bzw. den explosiven RB Matt Forte zu bedienen wusste – ein, zwei durchaus mögliche Interceptions (1x gegen einen Safety in der Endzone) waren auch dabei.

Cutler soll im dritten Jahr endlich mehr Verantwortung übernommen haben, ein Umschwung, der wenn ich den lokalen Zeitungen glauben darf erst möglich wurde, als man den sehr lauten C „Captain“ Olin Kreutz rausgeworfen hatte. Dieser Kreutz war eineinhalb Jahrzehnte das Sprachrohr der Offense gewesen – und ist nun, erraten, ein New Orleans Saint (hey, zweites Wiedersehen!).

Mit den Saints hat Kreutz das Auftaktspiel knapp, aber verdient in Green Bay verloren. Ich kann die Kritik an QB Drew Brees trotzdem nicht fassen, da Brees IMHO eine fulminante Vorstellung geboten hat und wenn irgendetwas, dann besser denn je wirkte und das, obwohl sein #1-Mann WR Colston ziemlich pulverisiert wurde und das Laufspiel immer noch kaum einen Stich machte.

Die Schlüssel für beide Defenses werden sein, mit den jeweiligen Defensive Lines Druck zu bringen, da die Erfahrung aus Woche 1 zeigte, dass Cutler wie Brees jeden Blitz aus der zweiten und dritten Reihe ohne mit der Wimper zu zucken in einen 30yds-Pass downfield mutieren. Dabei dürfte Chicago bereits die Blaupause geliefert haben mit einer insgesamt dominanten Vorstellung gegen Atlantas O-Line, während die Saints sich zu stark auf Blitzes der Safetys verließen und entsprechend hilflos jeden Pass gegen sich komplettiert sahen.

Trotzdem ist New Orleans IMHO klarer Favorit. Bei aller Fröhlichkeit, aber ich kann die extrem positiven Lobeshymnen auf die Bears nicht nachvollziehen – es war eine gute Vorstellung gegen Atlanta, aber das Endresultat von 30-12 sah für mich – ich habe nur Play für Play im Schnelldurchlauf durchgeschaut – wie ein Treppenwitz aus.

New England Patriots – San Diego Chargers

(22h LIVE bei ESPN America und PULS4/Tape ESPNA 23.9. um 15h30)

New England, das in der Preseason so übersehene New England, am Montag mit 622yds Offense gegen die überdurchschnittliche Defense der Dolphins, und vor allem mit einer in Ansätzen immer wieder flüssigen No-Huddle-Offense, die Miami schlicht überforderte. Hat Norv Turner seinen Linebackers bereits Beruhigungstabletten verabreicht, damit sie am Sonntag ausgeschlafen gegen die Albtraum-Combo TE Hernandez/Gronkowski aufmarschieren können?

San Diego muss hier gegen eine Nemesis antreten, einen Gegner, der wie de Faust aufs Auge auf die Chargers passt und dort entsprechend häufig für Pein gesorgt hat: Die tendenziell parasitären Patriots gegen die tendenziell schlampigen, unkonzentrierten Chargers, das hatten wir mehrfach in den vergangenen Jahren. Und die Big Points holten sich stets die Patriots. 2006/07 in den Playoffs zum Beispiel, in einem der denkwürdigeren Spiele des Jahrzehnts, als eine fassungslos unterlegene Patriots-Equipe mit einem unmöglichen Sieg nach Hause fahren konnte. Oder im AFC-Finale 2007/08, als die Chargers mehrmals an der Goal Line Field Goals gegen schlagbare, ungeschlagene Patriots kickten und für diese Mutlosigkeit mit dem Aus bestraft wurden. Oder im vergangenen Herbst, als San Diegos Football-Praktikanten eine immer noch sprachlose Fehlerserie in der ersten Halbzeit hinlegten und am Ende mit einer weiteren Fehlerserie ein überlegen geführtes Heimspiel verschenkten (und ganz nebenbei damit auch die Playoffs).

Atlanta Falcons – Philadelphia Eagles

(02h LIVE bei ESPN America/Tape 19.9. um 18h30)

Es war im April Michael 2001 Vick, dass die Atlanta Falcons, eine langjährige, in ihrer Heimatstadt ignorierte Vick Verlierermannschaft, einen Spieler an #1 drafteten, für dessen Michael Vick Talente es weder historische Vergleiche noch zeitgemäße Superlative gab, ein Quarterback mit einer Kanone von Wurfarm, schnell wie ein Weltklassesprinter und flink wie ein Wiesel. Und ein Schwarzer, der Vick die Halle in der schwarzen Stadt Atlanta füllte.

Dieser junge Mann sorgte jahrelang Ron für Ekstase, Mexico sabbernde TV-Experten und Michael Vick Rekordoffenses auf den Spielkonsolen und brachte mehrmals die Playoffs nach Atlanta zurück. Es war aber auch ein verletzungsanfälliger Mann, der von seinem Michael Vick inkompetenten Michael Trainerstab in ein rudimentäres Angriffssystem gesteckt wurde, die an seinen Talenten vorbeigestrickt war Vick und trotz aller Big Plays und Jubelorgien für die Dauerbeklemmung Mike sorgte, Vick dass hier nicht nur Potenzial verschenkt wurde, sondern Vickwomöglich gar die Revolution Vick der Quarterback-Position.

Am Ende beendete der junge Mann das merkwürdige Elend Michael Vick selbst, riss sich und seine Franchise Vick in den Abgrund, Michael als Vick er wegen illegaler Hundekämpfe in den Kast befördert und zu einem der meistgehassten Sportler der Vereinigten Vick Staaten wurde.

Weil der junge Mann alles, inklusive Geld und Würde, verloren hatte, musste er zurück in NFL, und wurde auf Anraten Michael Vick der Bosse zu den Philadelphia Eagles verscheppert. Dort legte er nach einem Jahr als Vick Bankdrücker im Herbst 2010 ein rakentenartiges Comeback, spielte befreit von ignoranten Vick Trainern die Saison seines Lebens, tourte als Gutmensch für Seminare durch die Lande Michael Vick und schnappte sich den Titel „aufregenster Spieler der Liga“ zurück. Am Sonntag kehrt Vick der nicht Vick mehr so junge junge Mann zum zweiten Mal in die Vick Halle zurück, die seit seinem Abgang nicht mehr voll wurde, zurück, zum Vick ersten Mal als Starting Michael Quarterback gegen Vick seine alte Mannschaft, Vick die Atlanta Falcons.

Irgendeine Idee, von wem hier die Rede sein könnte?

Montag, 19. September 2011

Am Montagnachmittag wieder zwei Tapes, in der Nacht das Monday Night Game Giants – Rams. Diese Woche habe ich die angenehme Erfahrung gemacht, dass sich die Aufzeichnung der Nachmittags-Tapes sehr handlich zu einem ca. 50minütigen Durchlauf aller Spielzüge komprimieren lassen – dadurch durfte ich u.a. beobachten, wie unterirdisch die Secondary der Cardinals ist oder wie aggressiv die Defensive Line der Bears zu Werke ging.

New York Jets – Jacksonville Jaguars

(14h30 bei ESPN America)

Kein spezieller Subplot für diese Partie, dafür das Erstaunen, eine völlig uncharakteristische Jets-Mannschaft am vergangenen Wochenende gesehen zu haben: Keine 20 Läufe, dafür über 40 Pässe hinter einer wackeligen Offensive Line und trotz eines ganz schwachen QB Mark Sanchez, dessen Standing auf diesem Blog mit solchen Vorstellungen eher noch weiter sinken wird. Glück für die Jets nach dem Glückssieg: Mit den Jaguars kommt ein fast sicherer Sieg in die Meadowlands, eine Mannschaft, die selbst gegen die verunsicherten Titans eine Ladung Glück brauchte und bei der ich nicht sehen kann, wie sie mit QB Luke McCown gegen die Pracht-Defense der Jets ankommen will.

San Francisco 49ers – Dallas Cowboys

(16h30 bei ESPN America)

49ers gegen die Cowboys war in den 90ern das, was Indianapolis gegen New England in den 2000ern war: Die hochkarätigste sportliche Auseinandersetzung zweier Mannschaften, zeitweise mit vier Superbowlsiegen in Serie. Diese glanzvollen Zeiten sind vorüber, heuer sind beide mit neuen Head Coaches und Coordinators am Start und auf der Suche nach dem Glanz der Vergangenheit. San Francisco glaubt, mit dem ehemaligen Quarterback Jim Harbaugh zurück zu alten Kurzpass-Wurzeln finden zu können, was sich in Woche 1 noch nicht so wirklich abgezeichnet hätte.

Dallas verlor auf unnötige Weise in New York gegen die Jets, eine Niederlage, die vor allem QB Tony Romo angekreidet wird, dessen doch hanebüchene Turnovers im Schlussviertel den Untergang eingeleitet hatten. Romo und „Clutch“ ist in den US-Foren eines der Themen der Woche. Etwas intensiver sollte man IMHO aber über die Special Teams diskutieren: Nicht nur, dass daraus der Umschwung am Sonntag resultierte, nein, nun kommt mit Teddy Ginn auch noch ein Mann daher, der für die 49ers am Sonntagnachmittag zwei Return-Touchdowns in EINER MINUTE hinlegte.

New York Giants – St Louis Rams

(02h LIVE bei ESPN America)

Es ist das Wiedersehen der New York Giants mit ihrem ehemaligen Defensive Coordinator Steve Spagnuolo, nun Cheftrainer in St Louis und nicht unerfolgreich, hat er immerhin den Stimmungsumschwung gebracht, von hoffnungsloser Verliererkultur hin zu Optimismus für die Zukunft, nun sogar mit einem Monday-Nightspiel, jahrelang undenkbar in St Louis. In Woche 1 verlor man gegen die Eagles, nun kommt mit den Giants der nächste Gegner aus der NFC East.

Hauptproblem einer nicht unterirdischen Rams-Mannschaft in Woche 1: Die schwache Offensive Line, die gegen die Defensive Front Four der Eagles kein Land sah. Wäre alles nicht so schlimm, wenn da nicht die noch bessere Defensive Line der Giants kommen würde… Man wird auf alle Fälle sehen, inwiefern die Rams auf die beiden OTs Saffold/Smith als verlässliche Optionen für die nächsten Monate herhalten können.

Auf Giants-Seite leckt man nach der desaströsen Vorstellung gegen Washington noch die Wunden, sollte vor allem darauf bedacht sein, QB Eli Manning mehr Zeit zu geben. Wobei, auf der anderen Seite lauert eine Defensive Line, die unter Spagnuolo auch rasch verbessert auftritt.