NFL-Franchises im Kurzporträt, #23: Minnesota Vikings

Die Minnesota Vikings teilen sich mit den Bills einen ungeliebten NFL-Rekord: Sie haben vier Superbowls verloren, ohne einen jemals gewonnen zu haben. Und die beste Vikings-Mannschaft aller Zeiten schaffte es nicht mal bis ins Endspiel. Von einer der erfolgreichsten ringlosen Mannschaften überhaupt. Weiterlesen

Conference Championships 2013 – Nachklapp

Mit den Baltimore Ravens ist also tatsächlich der vermeintlich größte Außenseiter in die Superbowl eingezogen. Die Ravens, im Power-Ranking immer noch in der unteren Hälfte der Liga klassiert, profitierten diesmal nicht von einem gurkigen Gegner (wie in den Wildcard Playoffs) oder einem Freakspiel (Denver), sondern stellten tatsächlich die beste NFL-Offense komplett kalt. Okay, vielleicht nicht „komplett“, aber es reichte, um mit ein paar glücklichen Turnovers und gegnerischen Drops im rechten Moment (Welker), und vor allem einer richtig, richtig guten zweiten Halbzeit in Foxboro zu bestehen. Weiterlesen

Desire, Dedication, Determination

Wer einen Super Bowl gewinnt, bleibt für immer im Gedächtnis aller Footballfans. Der ganze Glanz und Gloria bleibt für immer und nimmt in den meisten Fällen, je länger der Triumph zurückliegt, sogar noch zu. Danach gefragt, kann jeder sofort sagen, wie viele Ringe die 49ers gewonnen haben; wie oft Aikman/Irving/Smith die Lombardi Trophy in den Nachthimmel reckten und wie oft John Elway mit seinen Broncos dann doch noch ganz oben im Football-Olymp angekommen ist.

Aber wer erinnert sich schon an die Verlierer? Wer erinnert sich an das zweitbeste Team der jeweiligen Saison? Und – im Gegensatz zu den Gewinnern – verblaßt ihr Glanz mit dem Fortlauf der Geschichte immer noch ein bißchen mehr.

Wer erinnert sich schon an die 2003er Carolina Panthers (außer korsakoff), an die Seahawks der Saison 2005 oder die Bears 2006? An die Super-Bowl-Verlierer früherer Jahre gar nicht zu denken. Dabei waren viele Mannschaften ganz nah dran. Nur ein Field Goal mehr, nur ein Fumble weniger…

Auch viele dieser Mannschaften haben eine Geschichte. Oft eine beeindruckende, eine berührende, eine bewegende. Einigen dieser Mannschaften hat NFL Films ein Denkmal gesetzt. Die Serie “Missing Rings” portraitiert fünf der besten Mannschaften ihrer Zeit, die keine Lombardi Trophy ihr Eigen nennen dürfen. Missing Rings ist das Gegenstück zu der großartigen Serie “America´s Game”, in der jeder Super Bowl Sieger eine Hommage bekommt, in Teilen mit Originalaufnahmen und in Teilen von späteren Interviews mit drei Hauptprotagonisten der jeweiligen Mannschaft.

Beim Imarchivkramen letzte Nacht bin ich wieder auf eine dieser “Missing Rings” Dokus gestoßen und möchte sie unbedingt jedem Footballinteressierten empfehlen. Es ist die Story der 1998er Minnesota Vikings. Erzählt wird sie von WR Cris Carter, von DT John Randle und nicht zuletzt von Head Coach Dennis Green. Das Mantra von Green sind die 3 Ds: Desire, Dedication und Determination (und nicht „They were, who…). Es hat ihn und seine Vikings weit gebracht, aber eben nicht nach ganz oben.

Man findet dieses sehr sehenswerte Stück zum Beispiel hier.

Servus, Randy! (Oder?)

Breaking: Heute ist die Nachricht rausgegangen, dass Wide Receiver Randy Moss in diesen Tagen offiziell seinen Rücktritt erklären wird.

In den USA wird darüber diskutiert, ob es gotteslästerlich sei, Randy Moss als besten Wide Receiver aller Zeiten anzusehen, wenn man die Größe und die Länge der Karriere von Jerry Rice in Betracht zieht. Wo sich aber fast alle Experten einig sein: Randy Moss war das gefährlichste deep threat, das jemals in der NFL gespielt hat.

Die Zahlen von Randy Moss lesen sich über seine Karriere so: 954 Catches, 14.858 Yards, 153 Touchdowns, 64 Spiele mit 100yds oder mehr – all das ohne Playoffs. Und das, obwohl Moss nachgesagt wurde, immer wieder ganze bocklose Saisonphasen gehabt zu haben.

Moss hatte immer wieder sensationelle Spielzeiten und sensationelle Plays. Ich erinnere mich an eine fantastische Improvisation im Herbst 2003 gegen Denver kurz vor der Halbzeit, als er im Würgegriff von #25 Nick Ferguson im Fallen den Ball über die Schulter an RB Moe Williams weiterleitete – einer der besten Spielzüge, die ich je gesehen habe.

In seiner Blütezeit, 2003/04 und 2007/08, war Moss schlicht nicht zu decken und die kaum zu bremsende Offense der Patriots im Herbst 2007/08 geht zu einem beträchtlichen Teil auf Randy Moss. Brady feuerte damals tiefe Bomben noch und nöcher ab, die er nur ein Jahr zuvor niemals gewagt hätte zu werfen. Symptomatisch waren die beiden Spielzüge gegen die Giants im Finale der Regular Season, als Moss erst einen sicheren Touchdown fallen ließ und die Patriots im unmittelbar nächsten Spielzug genau den gleichen Pass wieder spielten: Lange Bombe auf Moss, Moss fing und im selben Spielzug brachen er und Brady die Touchdown-Rekorde von Rice und Peyton Manning.

Moss war aber auch stets ein Egomane und zickte gegen alles und jeden, wenn ihm danach zumute war. Er fühlte sich unter Wert geschätzt und fand nie die Anerkennung, die er zu verdienen glaubte.

Die vergangene Saison war dann schmerzhaft. Moss hatte keine Lust mehr, spielte nicht in Höchstform und wurde von zwei Mannschaften vom Hof gejagt. Am Ende bleibt aber ein unvergessliches Highlight, passenderweise gegen den vermeintlich besten Deckungsspieler der Liga, Darrelle Revis:

Ich bin noch nicht sicher, ob der heutige Rücktritt nicht eine Kurzschlussreaktion ist und wir Moss nicht doch noch einmal sehen werden. Hitzkopf Moss kann zwar stur sein, aber Hitzkopf Moss kann sich auch kurzentschlossen noch mal dazu aufraffen wollen, es der Footballwelt noch einmal zu zeigen.

Falls nicht: Tschüss, Randy Moss. Trotz aller Flauseln war es immer ein Vergnügen, den Mann in Hochform zu erleben.

NFL-Bazar 2011: Offense minus Quarterbacks

Nach den Quarterbacks am Dienstag heute ein Blick auf potenziell wechselnde Offensivspieler abseits der QBs.

Running Backs

Die zwei Top-Backs sind Ahmad Bradshaw (Giants) und Carolinas DeAngelo Williams. Beide hatten ihre glanzvollen Momente und beide gelten als Verletzungsrisiko. Beide sind in ihren alten Teams insofern entbehrlich, als dass es starke Ersatzleute gibt, aber bei beiden kann ich mehr schwer vorstellen, dass man sie einfach so ziehen lässt.

In Sachen „große Namen“ ist noch Miamis Duo Ricky Williams/Ronnie Brown zu nennen, die beide kein Team mehr im Alleingang tragen können und mittlerweile seit Jahren immer ausgebrannter wirken – wer jedoch gute Ergänzungsspieler braucht, dürfte ein Auge drauf werfen. Dazu kommt Joseph Addai, der ebenso verletzungsgeplagt ist und eine ganz schwache Saison spielte. Das ABER steckt im Kader der Colts: Möchte man tatsächlich auf eine Combo „Rookie & Donald Brown“ vertrauen? Schwer vorstellbar.

Die Role Players werden angeführt vom Liliputaner-RB/WR/KR Darren Sproles, der zu den fangstärkeren Backs gehört und vor allem bei 3rd downs und als Returner eingesetzt wird. Kann mir vorstellen, dass Sproles einen schönen Vertrag in einem Team mit geringem Gehaltsbudget bekommt. Dito Brandon Jackson, der in Green Bay vor allem als 3rd down-Back gefiel, aber spätestens nach Alex Greens Einberufung als abgesägt gelten darf. Zwei große Namen als Role Players: Der bärenstarke Blocker Clinton Portis und der rapide absteigende Brian Westbrook. Dark horse dürfte BenJarvus Green-Ellis sein, der seit einem halben Jahrzehnt nicht mehr gefumbelt hat, aber dessen Yardage dem System in New England zugeschrieben wird.

Cedric Benson (Bengals) und Cadillac Williams (Buccs) sehe ich bei ihrem Teams bleibend.

Und dann wäre da noch Tiki Barber, der ehemalige Giants-Back, der 2007 dem Football Goodbye gesagt hat, um im TV Eli Manning zu verspotten. Barber ist nach Depression, geschiedener Ehe und diversen Skandälchen pleite und zieht ernsthaft in Erwägung, wieder NFL zu spielen.

Bei den Fullbacks ragt Vontae Leach heraus, der in der NFL-Wahl sensationell Platz #65 belegte und als Sensations-Blocker für den kometenhaften Aufstieg von Arian Foster gilt. LeRon McClain (Ravens) dürfte in Baltimore weiterhin gebraucht werden, und dass die Packers John Kuhn gehen lassen, käme einer Überraschung gleich.

Wide Receivers & Tight Ends

Drei alternde Diven zu Beginn: Terrell Owens/Chad 85*, deren Zicken in Cincinnati gepflegt auf den Sack gingen und die auf der Stelle rausgeschmissen gehören, und Randy Moss, dessen einzigartige Saison 2010/11 nichts als Baffheit hinterließ. Bei allen dreien darf man davon ausgehen, dass sie irgendeinen passenden Ort finden, und zumindest bei ersteren beiden von weiteren Egomanitäten. Moss traue ich durchaus noch einmal einen großen Wurf zu – der gefährlichste Receiver der letzten 10 Jahre kann ganz einfach nicht so abtreten.

Beachtenswert ist die Situation in New York, wo mit Braylon Edwards und Santonio Holmes zwei teure Männer vertragslos sind – beide hatten ihre Momente im letzten Jahr, beide hatten ihre off field issues in den letzten Jahren, und beide werden abkassieren wollen. Holmes dürfte bei den Jets aufgrund seiner Vielseitigkeit favorisiert sein. Dazu X-Faktor Brad Smith, dessen Zukunft selbiges ist: Ein X-Faktor. Auf der „blauen“ Seite im Big Apple stechen der vielseitige Steve Smith und der Gefängnis-Rückkehrer Plaxico Burress heraus. Burress dürfte irgendwo außerhalb New Yorks seinen Platz finden und in einem Jahr entweder als hoffnungsloser Fall gebrandmarkt oder als Paulus vor dem Herrn gefeiert werden.

2x Receivers der Güteklasse „add to the mix“ mit San Diegos Malcolm Floyd und New Orleans‘ Lance Moore, die beide haufenweise Yards als #3 oder #4 machten, 1x Deep Threat und poetische Veranlagung mit Arizonas Steve Breaston und 1x sagenhafte Unkonstanz mit Jacksonvilles Mike Sims-Walker: Alles Männer, die ihren Wert bei entsprechender Einbindung im Playbook bereits unter Beweis gestellt haben.

Star der Free Agency bei den Wide Receivers dürfte Minnesotas Sidney Rice sein, der von seiner starken 2009/10er Saison zehrt und im vergangenen Herbst schmerzlich in der Vikings-Offense vermisst wurde. Rice ist ein Riese und Rice ist pfeilschnell. Hat ein büsschen was von Randy Moss.

Fraglich, was mit Baltimores T.J. Houshmanzadeh passiert: Solider, unspektakulärer Mann, aber die letzten beiden Jahre waren schwach.

Nicht Free Agent, aber auf dem Tauschmarkt dürfte Carolinas Steve Smith sein, der zuletzt nur durch Bocklosigkeit glänzte – etwas, das ich vom good guy Smith nicht erwartet hätte. Während ich Smith als Menschen einschätze, der den Panthers treu bleiben und gerne mit dem potenziellen Superstar Cam Newton zusammenspielen würde, muss man Smith auch zugestehen, im Herbst seiner Karriere noch einmal irgendwo um einen Titel mitspielen zu können. Außerdem braucht Carolina Draftpicks allernorts.

*Auch 85 ist kein offizieller FA, darf aber laufen unter „ausgeschissen in Cincinnati“.

Mit ein bissl Fantasie kann ich mir auch vorstellen, dass man in San Francisco schön langsam genug hat von Michael Crabtrees Flauseln. Crabtree hat einen großen Vertrag, brachte aber bisher wenig und ist zuletzt durch Veralberung seiner Quarterbacks aufgefallen.

Bester Tight End ohne Vertrag ist IMHO Oaklands Zach Miller, der recht geschliffen und mit 25 Jahren noch sehr jung ist. In Sachen „Oakland und Front Office“ weiß man nie so genau und Miller galt als „Cable Guy“ – Fortgang nicht ausgeschlossen. Kevin Boss (Giants) fiel zuletzt durch serienweise Dropps auf – Boss ist aber ebenso noch jung und gilt als sehr, sehr guter Blocker. Dritter interessanter Mann ist Ben Patrick (Arizona), der noch immer von seinem spektakulären Superbowl-Touchdown zehrt.

Offensive Line

Die Offensive Line ist vor allem in Atlanta ein Sorgenkind, weil mehr als die Hälfte der Blocker vertragslos ist. RT Tyson Clabo sollte einen neuen Kontrakt kriegen. Weitere Right Tackles: Willie Colon (PIT), Sean Locklear (SEA) und Ryan Harris (DEN). Die „wichtige“ Seite, die linke, wird vom größten Namen Matt Light angeführt. Lights Situation ist recht offen, da mit Nate Solder ein Rohdiamant gedraftet wurde und mit Sebastian Vollmer ein Mann im Kader steht, den viele als optimalen Left Tackle ansehen. Sehr gute Karten auf einen teuren Vertrag dürfte Baltimores Jared Gaither besitzen, dessen Alter (25) noch zart ist, der aber anfällig gegen Strafen und lange Nächte ist. Interessanter Mann ist auch Jermon Bushrod (Saints), dem man einen ganz schwachen Herbst 2010 nachsagt.

Eigentlich ein Guard, aber 2010/11 ebenso brillant als Tackle, ist Baltimores „anderer“ Offensive Liner, Marshal Yanda, dem PFF zugute hält, ganze 5x (!!) im gesamten Jahr einen Pass Rusher gen Quarterback durchgelassen zu haben. Zero sacks. Yanda ist mit 26 auch noch blutjung. Nur RFA (restricted free agent) ist Carl Nicks von den Saints, der kotzen dürfte, da ihm dadurch wohl ein paar Dutzend Millionen Dollar verloren gehen. Dazu zweimal Guards aus Atlanta.

Ein großer Name ist jener von Robert Gallery, dessen Abgang aus Oakland beschlossene Sache ist. Gallery lebt immer noch von seiner Reputation aus dem College, galt einst als 100%iger Probowl-Left Tackle, floppte grandios und wurde zu einem anständigen, nicht großartigen, Guard umgeschult.

Mit Casey Wiegmann (Chiefs) und Olin Kreutz (Bears) sind zwei Center zu haben (oder auch nicht), deren Karrieren schon in den 90ern begonnen haben und die schon ewig zum alten Eisen gehören, sich aber immer durchgewürgt haben. Beide dürften allerdings neue Kurzzeitverträge im eigenen Team bekommen.