Die Chaos-Agenten im CL-Finale 2018

Ein bisschen Einstimmung auf das heutige Champions-League Finale zwischen dem FC Liverpool und Real Madrid. Weiterlesen

Sport-Abend live: Clasico aus Barcelona und College-Football aus Amerika

Zur Vorschau

  • Oregon-UCLA.
  • Mizzou-South Carolina.
  • Kansas-Baylor.
  • Oregon State-Stanford.

[22h27] 5 in 5.

[22h11] Seufz. Turnover NC State, vierter Noles-TD im vierten Drive. 28 zu null. Noch keine neun Minuten gespielt.

[22h04] Dritter Drive, dritter TD: FSU 21, NC State 0. Das geht aber auch sehr einfach für die Ballträger, die untouched immer 10-12yds laufen können. Die ESPN-Kommentatoren appellieren schon an den Stolz bei NC State „you’re calling yourself the Wolfpack, and there’s not only a Wolf, but you have to be also a Pack!“

Partie darf schon nach noch nichtmal acht Spielminuten als entschieden gelten.

[21h52] Zwei Drives, zwei Touchdowns: Florida State lässt hier keine Zweifel ob etwaiger Nachlässigkeiten. Erst RB #9 Karlos Williams, nun QB Winston per 39yds-Pass für WR Kelvin Benjamin. Florida State 14, NC State 0.

[21h38] Zu Bobby Bowden hat Seminole vor drei Jahren mal eine Hommage geschrieben: Alles Gute, Bobby Bowden

Bowden war der, der ab den 70er Jahren eine der mächtigsten Football-Programme aus dem quasi Nichts aufbaute. Persönlich erinnere ich mich leider nur mehr an die späten Jahre, als Bobby ein greiser Headcoach war, der sich auf der PK nicht mehr an die Namen seiner Co-Trainer erinnern konnte.

[21h30] Ab 21h30 gibt es im ESPN-Player durchaus beachtenswerten Football aus der ACC:

  • #2 FSU-NC State: Winston-Watch, und die Frage nach der mentalen Fitness der Noles, die letztes Jahr das Spiel gegen NC State abschenkten. Außerdem wird ziemlich Wirbel um Coach-Legende Bobby Bowden gemacht, der heute erstmals seit seinem offiziell mit „Rücktritt“ umschriebenen Abgang Anfang 2010 im Stadion ist.
  • Maryland-#9 Clemson: Die letzten Opfer der Noles. Wie ist Clemson nach dem Debakel letzte Woche drauf?
  • #14 Virginia Tech-Duke: Die Hokies sind was für Defensiv-Liebhaber. Die Hokie-Offense um QB Cam Thomas schmeißt ihr Talent nur allzu gern weg, aber die Defense gehört zu den fünf besten im Lande. Duke ist längst kein Bombengegner, aber mit 5-2 immerhin nur noch einen Sieg von der Bowl-Season entfernt.
  • UNC-Boston College: UNC ist schwach in die Saison gekommen, aber letzte Woche fast ein Upset über Miami/FL. Boston College wurde vor wenigen Wochen von FSU zumindest nicht abgeschossen.

[21h28] Interception der Canes-Defense (Ball war einen Wake-Receiver durch die Hände gefluscht), und damit erneut knapper Sieg der Canes, die ungeschlagen bleiben, und sich mittlerweile ganz schön durch die Saison lavieren: Turnoverunterstützte Siege über Florida und UNC, und heute erneut ein extrem knapper Heimsieg über den krassen Außenseiter Wake.

Zeitgleich walzt sich Minnesotas QB Phil Nelson 48sek vor Ende in die EndZone. die Gophers führen 34-23 gegen #24 Nebraska – Huskers sind ohne Timeout, und werden dieses Spiel fast sicher verlieren. Durchaus beachtenswertes Upset gegen von allen vor der Saison hoch eingeschätzte Nebraska Cornhuskers (zweite Saisonpleite).

[21h23] Miami/FL 24, Wake Forest 21/Q4 0:53. Massiver, physischer Drive der Canes, die Wake schlicht und einfach überpowerten. Sogar QB Stephen Morris bekam mal einen gescheiten Pass zustande. Ein eigentlich regulärer TD für RB #8 Duke Johnson wird aus unerfindlichen Gründen von den Refs selbst nach einem eigentlich eindeutigen Video-Review nicht gegeben. Im nächsten Play scort Johnson dann wirklich.

Duke nun mit 1 Timeout + dem Wind im Rücken.

[21h05] Miami/FL 17, Wake Forest 21/Q4: Dramatische Schlussphase: Wake mit einem 4th Down in der eigenen Platzhälfte, spielt aus, dann QB Tanner Price für den rechts freien WR #14 Gibson, der zum TD durchläuft! 4:02 zu spielen, der Drive war 6 Plays, 75yds, 1:34min verbraucht. Die Canes kommen damit in Nöte.

[20h55] Miami/FL 17, Wake Forest 14/Q4. Es ist ein Gemurkse, aber dann bringt Miami doch einmal einen längeren Drive zustande: 8 Plays, 51 hart erarbeitete Yards. Als Arbeitstier wird nun vor allem der Speedster RB #8 Duke Johnson eingesetzt. Johnson verwertet dann auch zum TD.

[19h58] #7 Miami/FL plagt sich übelst gegen Wake: 10-14 Rückstand im dritten Viertel. QB Stephen Morris mit schwachen Offense-Stats (9/15 für 96yds Passing).

[19h54] Endstand Barcelona 2, Real Madrid 1. Verdienter, aber etwas glücklicher Sieg für Barcelona. Real Madrid sammelt bei mir aber nach dem fürchterlichen Auftritt gegen Juve Pluspunkte, und bot eine richtig gute zweite Halbzeit, in der man mit etwas Glück bei einer Elfmeterentscheidung (Schubser gegen Ronaldo) sowie einem Lattenschuss und mehreren knappen Situationen durchaus hätte den zwischenzeitlichen Ausgleich machen können. So entschied letztlich ein „Tor des Monats“ für Alexis ein letztlich von beiden Seiten intensiv und fair (kaum Diskussionen am Platz) geführtes Spiel.

[19h49] Barcelona 2, Madrid 1/91te Jese. Ballgewinn Pepe am eigenen Sechzehner, der sofort nach vorn für Ronaldo spielt, dessen Querpass von Jese völlig freistehend verwertet wird. Schöner Konter gegen eine erstaunlich aufgerückte Barca-Mannschaft.

[19h44] 86te, erneut wird auf der rechten Abwehrseite ein Spieler frei gespielt: #6 Khedira scheitert nach Ronaldo-Zuspiel an Valdes. Drittes oder viertes Mal, dass zwischen Alves und Pique so viel Raum von einem Madrilenen genutzt wurde.

[19h42] 82te, #22 Dani Alves macht Ronaldo nass, schießt aber aus spitzem Winkel den Tormann Lopez an. Dann wird #11 Neymar gegen #7 Pedro Rodriguez ausgewechselt.

[19h38] Barcelona 2, Madrid 0/78te Alexis Sanchez. Ballgewinn Barca, Neymar sofort mit dem Pass in die Tiefe. #9 Sanchez gewinnt das Laufduell mit #3 Pepe und überlupft Torwart Lopez in einem sehenswerten Treffer.

[19h33] 76te, Letzter Wechsel Ancelottis in einem mittlerweile großartigen Spiel: #22 Di Maria raus, #20 Jese rein. Bei Barcelona kommt #17 Song für den starken #8 Iniesta.

[19h30] Mittlerweile ist Barcas Führung glücklich. 72te, Pass in den Strafraum, #14 Mascherano mit einem Schubser gegen Ronaldo, aber der Ref gibt den Elfmeter nicht.

Mit der Wut im Bauch zieht #9 Benzema eine halbe Minute später aus 22m ab und der Ball schlägt nach atemberaubender Flugkurve am Lattenkreuz ein.

[19h27] Madrid gewinnt immer mehr Übergewicht. In der 64ten hatte #22 Di Maria den Ausgleich auf dem Fuß, aber der überraschte Di Maria mit einer schlechten Ballannahme.

Barcelona wechselt in der 70ten Stürmer (!) #9 Alexis Sanchez gegen #4 Fabregas ein.

[19h18] Nächster Tausch bei Madrid: Der enttäuschende #11 Bale runter für #9 Benzema, der unter einer schweren Torkrise leiden soll und vorerst auswärts besser eingesetzt wie zuhause: Am Mittwoch wurde Benzema im Bernabeu 90min konstant ausgepfiffen.

[19h15] Spiel gewinnt an Drive: 58te, Balleroberung Modric, der sofort tief spielt. Ronaldo zieht sofort ab und zwingt Valdes zu einer sensationellen Parade.

[19h13] Der gelb-belastete #4 Ramos muss in der 56ten runter für #24 Illaramendi.

[19h10] Sehr intensiver Beginn der zweiten Halbzeit in Barcelona – von beiden. Madrid kommt nach einer wunnderbaren Kombination über Ronaldo und Khedira zu einer ersten Chance, aber im Gegenzug schnürt dann wieder Barca Madrid für Minuten hinten rein. Dann langer Ball Mascherano für Neymar, nimmt volley aus 8m, und Lopez wehrt ab.

[18h58] USF 3, Louisville 17/Q2. 69yds-Pass von Bridgewater für einen zirka 20m allein stehenden WR Christian. Kompletter Breakdown einer USF-Defense, bei der durchaus Spieler mit Kredenzien spielen: S Aaron Lynch zum Beispiel – vor zwei Jahren massivst gehypt und kurz davor, bei FSU einzuschreiben. Lynch ging dann nach Notre Dame, fühlte sich aber nicht wohl und gurkt nun in einer anscheinend richtig schwachen USF-Defense herum.

[18h51] USF 3, Louisville 10/Q2. Louisville spielt den zweiten langen Drive nicht ganz zu Ende, weil man von der 1yds Line lieber das Fieldgoal nimmt. QB Bridgewater mit einer bisher souveränen Vorstellung, kann immer wieder die sicheren kurzen Optionen nehmen. USF dagegen noch sehr bruchstückhaft in der Offense.

[18h49] Halbzeit Barcelona 1, Madrid 0. Barcelona ist die bessere Mannschaft, drängt Real Madrid immer wieder weit zurück, aber Madrid erholte sich nach rund 20-25 Minuten aus der Umklammerung. Es gibt immer wieder die Momente, in denen Madrid gefährlich aussieht, immer, wenn sie auf den Flügeln schnell ins „vertikale Spiel“ kommen.

[18h43] Ronaldo tankt sich links durch, Flanke und 5m vor dem Tor kommt #6 Khedira an den Ball, aber Valdez kriegt den Ball. Khedira reklamiert wie wild ein Handspiel.

[18h37] Die einzigen Momente, in denen Madrid den Ball in den gegnerischen Strafraum bringt, sind lange Freistöße. Diesmal nach einem ungestümen Foul von #21 Adriano gegen #7 Ronaldo.

[18h27] Direkt nach dem 1:0 hatte Messi viel Platz auf der rechten Seiten, stürmte runter, aber verzog um gut 1m.

Danach erste Lebenszeichen von Real Madrid, die aber ungleich hölzern in ihren Passversuchen aussehen. Vor allem das zentrale Mittelfeld kriegt noch keinen Zugriff: Khedira mit einer sehr insouveränen Leistung, sein Nebenmann Ramos schon mit einer gelben Karte belastet.

[18h20] Barcelona 1, Madrid 0/18te Neymar. Neymar wird perfekt vom „downfield“ sprintenden Iniesta halblinke im Strafraum freigespielt, zieht schnell ab und der abgefälschte Ball schlägt rechts unten ein. Keine Chance für Lopez.

[19h12] Zehn Minuten gespielt in Barcelona. Real Madrid ist sehr abwartend eingestellt, darauf bedacht, angesprochene Lücke zwischen Abwehr und zentralem Mittelfeld so klein wie möglich zu halten; daher trabt sogar Cristiano Ronaldo in eigener Strafraumnähe herum.

Barca tritt schon sehr dominant auf, aber bislang ist Messi am rechten Flügel komplett isoliert.

[17h56] Die Aufstellungen in Barcelona:

Barcelona: Valdes, Alves, Pique, Mascherano, Adriano, Xavi, Busquets, Iniesta, Messi, Cesc, Neymar.

Real Madrid: Diego Lopez, Carvajal, Varane, Pepe, Marcelo, Ramos, Khedira, Modric, Bale, Di Maria, Ronaldo.

[17h40] Mal wieder ein Sportabend am Samstag. Ab 18h habe ich neben College-Football noch eine Fußball-Alternative anzubieten: Spanische Liga, Barcelona vs Real Madrid auf Laola1.tv, einer von gefühlt dutzenden Clasicos jedes Jahr. Barcelona habe ich dieses Jahr unter dem neuen Coach Gerardo Martino noch nicht gesehen. Der neue Stürmer #11 Neymar soll sich recht gut eingeführt, aber noch nichts Revolutionäres im Spielsystem von Barca bewirkt haben. Neymar spielt zwar meist von Anfang an und soll ein exzellenter „Role-Player“ sein, aber die Barca-Maschinerie läuft weiterhin wie gehabt – was nicht per se ein schlechtes Zeichen ist.

Real Madrid habe ich am Mittwoch gegen Juve in der Champions League gesehen. Ich weiß nicht, ob es daran lag, dass man schon dieses heutige Spiel im Kopf gehabt hat, aber das war unterirdisch von beiden Teams dort. Madrid mit einer merkwürdigen Aufstellung im Mittelfeld, das größtenteils keinen Zugriff auf das Spiel bekam und nur rausgerissen wurde, weil Juve sich in verheerendem Zustand präsentierte. Vor allem #24 Illaramendi wirkte komplett „out of sync“ mit dem Rest der Mannschaft, trabte oft am Platz herum ohne zu wissen, welche Rolle er denn nun einnehmen sollte. Da waren #19 Modric und #6 Khedira schon besser, aber so richtig eingespielt kam Madrid noch nicht daher, und wenn die Abstände zwischen Real-Abwehr und dem Mittelfeld heute erneut so eklatant sind, wird Barca heute eine Handvoll Treffer einschenken.

Ein potenzieller Knackpunkt für Barca: Sie müssen schießen. Beide Torhüter-Option von Madrid sind unterdurchschnittlich; Casillas merkte man am Mittwoch deutliche Verunsicherung an. Heute soll wieder Diego Lopez im Kasten sein. Das war auch nicht immer der sicherste Kandidat…

Zum College-Football: #20 Louisville muss ab 18h nach Tampa zu den USF Bulls. USF kam unter dem neuen Headcoach Willie Taggert (kam von Western Kentucky) so schlecht in die Saison, dass nach den ersten vier Spielen schon Rufe nach einer Entlassung Taggerts laut wurden. Seither: Zwei Conference-Spiele, zwei Siege, und Taggert ist etwas aus der Schusslinie. Allerdings kamen die beiden Siege gegen Cincinnati und UConn ohne Touchdown der Offense zustande. Es gibt viele Verletzte bei USF, und das Positivste, was man über diese Jungs zu berichten weiß, ist der ungebrochene Kampfgeist; im Gegensatz zu den Buccs aus der NFL gibt dieses Team aus Tampa trotz eindeutiger Probleme nicht auf. Louisville muss sich von der Enttäuschung gegen UCF inklusive Ende der BCS-Titelträume erholen und wenn möglich einen hohen Sieg einfahren.

Preview für die Hauptspiele habe ich schon am Vormittag geschrieben.

UEFA Champions League 2012/13 nach dem Viertelfinale

Power Ranking

1 – Barcelona
2 – Bayern
3 – Real Madrid
4 – Dortmund

5 – Juventus
6 – PSG
7 – Malaga
8 – Galatasaray

Die vier besten Mannschaften stehen im Halbfinale (ich würde im Übrigen auch die vier Ausgeschiedenen weiterhin exakt gleich reihen). Juventus-Bayern entpuppte sich als das erhoffte Mismatch, war ein Matchup, das nur dann hätte spannend werden können, wenn Juve ein Zufallstor gelungen wäre und Bayern sich hätte nervös machen lassen. Passierte nicht. Sicher, Buffon schenkte den Roten zwei Hinspieltreffer. Aber das ändert nix dran, dass Bayern Juve über 180 Minuten weitgehend an die Wand spielte. Vom angekündigten inferno scatenato (dt. in etwa „Himmel und Hölle in Bewegung setzen“) blieb nicht mehr als resignierter Applaus für die Gäste übrig.

Im italienischen Fernsehen hagelte es hernach Lobpreisungen auf Bayern, den deutschen Fußball, das deutsche Modell. Die Italiener schielen neidzerfressen auf den deutschen Fußball, den Fußball, den sie seit ich denken kann nur müde belächelten. Im Interview meinte der „General Manager“ der Juve, es sei an der Zeit, mehr Revenue zu generieren, um in drei Jahren wieder in ähnlichen Sphären wie die grundsolide wirtschaftenden Deutschen zu sein. Der Mann hat Humor. 30% der Jugend sitzt auf der Straße, sie wählen Clowns und Lustmolche, und du willst deinen Umsatz um 200 Mio. steigern?

Bayerns Vorstellung war fantastisch, wie schon die ganze Saison. Ich sah selbst in der ersten Halbzeit, die Heynckes und Lahm so selbstkritisch sezierten, eine nie gefährdete Bayern-Mannschaft. In der vergangenen Saison bemängelte ich häufig den fehlenden Mut der bayrischen sportlichen Leitung, das zu bürokratische bayrische Spiel. Ich applaudierte zum Dante-Einkauf, und Dante ist großartig, der spielstärkste Bayern-Verteidiger, den ich je sah (okay, sind nur 15 Jahre, aber trotzdem). Ein Volltreffer von Einkauf, egal was noch kommt.

Was vorne Mandzukic läuft, ist einzigartig und „Pressing beginnt ganz vorn“ aus dem Lehrbuch. Alaba, wenn er sich mal nach vorne traut: Sensationell. Überhaupt eine 1A-Mannschaftsleistung, wo jeder für jeden rannte und gefühlte 96% Balleroberungen in der gegnerischen Platzhälfte. Warum Bayern trotzdem nur an #2 bleibt?

Ich habe etwas Angst, wenn Barcelonas Hochgeschwindigkeits-Kombinationen kommen. Bayerns Abwehr hat so was noch nicht gesehen und es zeigte sich diese Saison schon mehrmals, dass sie beim Anflug von technisch sauberem Direktspiel verwundbar ist. Okay, welche Abwehr ist das nicht, aber Bayern braucht eine um Welten bessere Chancenverwertung als zuletzt, wenn sie Barcelona schlagen wollen.

Ich wäre nicht überrascht, aber rein vom Gefühl sehe ich Barca noch leicht vorn. Vor allem wenns im Halbfinale kommt, ohne Mandzukic, der gelb sah, weil er sich von Chiellini fast den Haxen abschlagen ließ – und jetzt deswegen gesperrt ist. Gomez kann läuferisch längst nicht Ersatz geben, Pizarro eher auch nicht.

Die Nummern 3 und 4 sehe ich auch eigentlich umgekehrt, aber ich bleibe bei dem, was ich schon nach den Achtelfinals schrieb: Irgendwo habe ich das dumpfe Gefühl, dass Real Madrid mit seinen Scharfschützen, Ronaldo allen voran, für die Playoffs besser aufgestellt ist. Ein Tor aus dem Nichts ist in Spielen mit minimalsten Leistungsunterschieden fast immer Gold wert. Während sich die deutschen Mannschaften und Barca in einen Spielrausch stürzen und Hundertprozentige vergeben, dass es auf keine Kuhhaut mehr geht, zeichnen sich Ronaldo, Benzema und Alonso durch eiskaltes Verwerten von kleinsten Abwehrfehlern aus.

Es warten die Halbfinals, die Zeit, in dem ein Schuss, oder der Zufall minimum gleich viel wert ist wie der Qualitätsvorteil. Der BVB erlebte es am krassesten schon in den Viertelfinals, als man zwei Spiele, die normalerweise 4:2 und 2:1 gewonnen werden, lang verzweifelt anrannte, einen dummen Schiedsrichterfehler sei Dank schon zwei Meter unter Erde lag und dann in der Nachspielzeit zum „BVB United“ mutierte und Tomatenanfälle bei Craig Thompson zu einem unvergesslichen Fußballabend ausnutzte. Was jetzt noch kommt, ist Zugabe. Quatsch: Jetzt willst du alles. Dortmund hat die Qualität. Vielleicht haben sie nicht die Abgewichstheit. Aber vielleicht haben sie das Quäntchen Glück. Alles ist möglich.

Könnte ich nun die Kugeln anwärmen, würden am Freitag zwei länderinterne Duelle rausspringen, um ein richtiges „europäisches“ Finale zu erhalten. Obwohl… zwei deutsche Teams zum 150ten der FA im Endspiel in Wembley? Nehme ich mit Kusshand.

UEFA Champions League 2012/13 nach dem Achtelfinale

Power Ranking

inspired by
Jens Weinreich

1 – Barcelona
2 – Bayern
3 – Real Madrid
4 – Dortmund
5 – Juventus
6 – PSG
7 – Malaga
8 – Galatasaray

Ausscheidungsspiele in der Champions League sind alljährlich eines der ganz großen Highlights im Sportjahr. Nach den Achtelfinals sind meist bis auf ein paar losglückbedingte Außenseiter die meisten Freaktruppen eliminiert und die verbleibenden acht Teams begegnen sich häufig praktisch auf Augenhöhe, sodass die Ausgänge der verbleibenden 13 Spiele häufig vom Schussglück und der einen oder anderen Schiedsrichterentscheidung abhängen.

Das Rückspiel Barcelona vs. Milan zeigte schon mal in Anflügen, wie furchtbar eng es im europäischen Spitzenfußball zugeht: Niemand kann bestreiten, dass der FC Barcelona zwei Klassen über Milan einzustufen ist, aber wenn Njang den einen Konter drei Zentimeter weiter rechts eintütet, zerredet sich die Fußballwelt s’Maul fusselig über das Ende der größten Fußballära ever.

Weil der Ball den Pfosten küsste, iss dem nicht so. Barcelona hat unübersehbare Schwächen in der Abwehr und der hölzerne „Katalanen-Kaiser“ Pique würde mir Sorgen machen, aber mit einer solch fantastischen Offensive führt der Titel weiterhin über Blaugrana. Im Rückspiel gegen Milan machten Beobachter vor allem die Positionierung von Villa als „Vorblocker“ für die wuseligen Super-Zwerge als Faktor aus, der Milans Abwehrchef Mexés durcheinander brachte. Dank Villas aufopferungsvoller Laufarbeit konnte dahinter vor allem der Göttliche (hint: nicht Franziskus) seine Kreise viel ungestörter ziehen und zwei fabulöse Treffer machen. Messis Schuss zur Führung war ein wahrhaft zauberhaftes Tor, eines, von dem ich noch meinen Enkelkindern vorschwärmen werde. Der Rest war Geschichte: Dominanz, aber wenn Njang…

Der FC Bayern stellt dieses Jahr vielleicht die kompletteste Mannschaft, aber die Bayern haben noch nicht annähernd eine Offensive gesehen wie sie Barcelona auffahren würde. In den letzten Wochen inklusive dem Arsenal-Spiel brachen alte Probleme in Sachen Chancenverwertung wieder auf.

Der BVB ist seit zwei Jahren mein heimlicher Titelfavorit. Letztes Jahr hatte man genau in der Gruppenphase eine etwas durchwachsene Phase und vor allem fassungsloses Pech, wenn ich an die Partien in Piräus und Marseille zurückdenke. Vielleicht war Dortmund auch noch eine Dosierung zu grün – mit den Eiern, mit denen man diesen Herbst mit aller Selbstverständlichkeit Madrid und ManCity an die Wand spielte, scheint Schwarz-Gelb mittlerweile auch eine Tube mehr Selbstvertrauen gegen die großen Namen mitzubringen.

Real Madrid sehe ich trotzdem einen Tick im Vorteil, was vor allem an den famosen Individualisten im Angriff liegt. In Ausscheidungsspielen, in denen sämtliche Gegner fast gleich stark sind, entscheidet oft auch das Schussglück – und Ronaldo, Higuain, Benzema, Alonso sind schon verdammt gute Scharfschützen.

Ein wenig diskutierter Geheimfavorit: Juventus. Die italienische Fußballmannschaft schlechthin, und erstmals nach der Moggi-Zeit wieder ein ernsthafter Contender. Coach Conte lässt diese Saison konsequent sein 3-5-2 durchspielen, nachdem letztes Jahr in meiner Sportbar noch jede Woche trotz Unbesiegbarkeit über die ständigen Systemwechsel geschimpft wurde. Gegen Celtic fand ich Juve vor allem im Hinspiel weniger überzeugend als die meisten Beobachter. Die Alte Dame mit überwiegend unterirdischem Aufbauspiel, brachte 70 Minuten lang keinen Ball sauber aus der eigenen Hälfte, was aufgrund Celtics wenig durchschlagskräftiger Offensivabteilung nicht weiter ins Gewicht fiel.

Über die Saison lässt sich bei Juve ein brutal kompakter Abwehrverbund feststellen. Die Abwehrkette ist mit Barzagli/Bonucci/Carceres schon exzellent und noch einmal eine Stufe höher einzuschätzen, wenn Chiellini fit ist. Die Flügelverteidiger sind rechts (Lichtsteiner) wie links (Asamoah/Peluso) diszipliniert. Und natürlich der Torwart: Ich verhehle nicht, dass ich Ekelherpes beim Anblick von Buffon bekomme, aber der Mann spielt eine fantastische Saison.

Das Mittelfeld macht einen extrem stabilen Eindruck. Pirlo hat alles gesehen und ist durch nichts mehr zu beeindrucken, kann aufgrund der sicheren Abwehrreihe weitgehend ungestört seine Kreise ziehen, aber das wahre Erfolggeheimnis für das gelungene Umschalten der Juve-Offensivmaschine ist für mich das Mittelfeld-Duo Vidal/Marchisio: Beide technisch beschlagen, laufstark, und immer vorwärtsorientiert mit dem Ball am Fuß. Der Juve geht einzig ein Stürmer von Weltformat ab (Vucinic/Giovinco/Quagliarella/Matri sind nicht schlecht, aber jagen dir nicht qua Status den Schrecken in die Hufnägel).

Juventus ist nicht der Topfavorit, aber die Mannschaft ist auf Jahre exzellent aufgestellt – sportlich und dank des neuen Stadions, dem ersten privaten Stadion eines Topclubs, auch infrastrukturell.

Dem PSG und Galatasaray traue ich nach dem spärlichen Gesehenen wenig zu, auch wenn beide Weltklassestürmer (Ibrahimovic, Drogba) mitbringen – PSG und Gala haben mich nicht im Ansatz als Viertelfinal-würdig überzeugt. Malaga sagt mir erstmal gar nix, außer dass ich nun weiß, wohin es Santa Cruz verschlagen hat. Porto auszuschalten ist sicher nicht das einfachste Los der Welt und technisch sieht der Fußball von Malaga nicht so übel aus, aber wenn ich dran denke, wie brutal Malaga vor drei Wochen von Porto an die Wand gespielt wurde, wundere ich mich schon, wie man die Dragaos im Rückspiel ausschalten konnte.

Anyhow: Ich bin bekanntlich Bayern-Fan, von daher sehe ich der Auslosung und den nächsten Wochen und Monaten zuversichtlich entgegen. Die CL-Saison ist für mich eh schon gerettet, und zwar, seit Dienstagabend der AC Milan rausgeflogen ist. Alles Weitere ist wie in jedem Jahr nur Zugabe.