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NFL Power Ranking 2016 – Week 16

Noch immer viel Bewegung in den Power Rankings für diese Jahreszeit. Weiterlesen

NFL 2016, Woche 2: Date am Donnerstag – Jets @ Bills

Thursday Night Football!

Thursday Night Football heißt dieses Jahr: jede Woche „Color Rush. Dabei tragen beide Mannschaften einfarbene Uniforms in möglichst grellen Tönen. Letztes Jahr wurde schon bei einigen Spielen damit experimentiert. Beim Jets-Bills-Spiel zum Beispiel traf knallrot auf grellgrün– was für Menschen mit Rot-Grün-Schwäche, nun ja: schwierig ist. Dieses Jahr hat die NFL Experten zu Hilfe genommen. Heute also: New York Jets (0-1) in schneeweiß gegen Buffalo Bills (0-1) im trendigen Rot. Weiterlesen

Date mit Rex: New York Jets vs Buffalo Bills Preview

New York Jets (5-3) vs Buffalo Bills (4-4) heute ab 2h30 live bei SPORT1 US, SPOX.com und im NFL Gamepass als Auftakt zu Woche 10. Die Partie ist nicht nur geprägt vom engen Wildcard-Rennen in der AFC East, sondern natürlich nach dessen Rückkehr in die Meadowlands auch von der Personalie eines gewissen ehemaligen Jets- und heutigen Bills-Headcoaches. Weiterlesen

Buffalo Bills in der Sezierstunde

Die Buffalo Bills sind vor Start der Transferperiode eines der interessantesten Teams. Mit der Einstellung von Head Coach Rex Ryan gingen einige Änderungen in der Machtstruktur einher, die darauf hindeuten, dass sich die Franchise im so genannten „Win Now“ Modus befindet: Ein erneutes Verpassen der Playoffs wäre eine Katastrophe – starke Ansagen in der Franchise, die so lange nicht mehr in den Playoffs war wie keine andere Mannschaft: Seit mittlerweile 15 Jahren nicht mehr. Weiterlesen

New York Jets in der Sezierstunde

Man nahm die New York Jets von 2013/14 als relativ Mitläuferteam wahr, was vielleicht am Lautstärkeregler bei Head Coach Rex Ryan lag, der die Saison ohne die ganz krassen verbalen Ausrutscher überstand. Oder es lag am Schattendasein des einstigen Franchise-QBs Mark Sanchez. Oder an der unspektakulären Offense. Oder an Tebow. Sache ist aber auch: Rein statistisch waren die Jets eine ungewöhnliche Mannschaft: Leistungsmäßig spielten sie in Nähe des Bodensatzes mit, fuhren aber mit acht Siegen eine komplett durchschnittliche Bilanz ein. Sie waren dabei ein gewaltig unglückliches Team nach Turnoverwerten (v.a. Fumbles), aber ein extrem glückliches nach engen Siegen.

Kurz: Ich hätte einen Rauswurf von Headcoach Ryan nach der Saison nachvollziehen können. Rex ist ein Meister der Defense, und seine Defenses gehörten immer alle zu den besten in der Liga, aber das alles unter kompletter Vernachlässigung der Offense, die seit Jahren kein Bein in den Boden bekommt. Dabei ist sogar wurscht, welche OffCoords eingestellt wurden, und welche Spieler gekauft wurden.

Überblick 2013

Record         8-8
Enge Spiele    5-1
Pythagorean    5.4    27
Power Ranking  0.385  24
Pass-Offense   5.6    26
Pass-Defense   6.3    17
Turnovers      -14

Management

Salary Cap 2014.

Defense wins Championship sagen die Traditionalisten, weil mit Seattle endlich mal wieder eine große Defense die Superbowl holten. Dass die Seahawks auch über eine erstklassige Offense verfügten, wird dabei gerne unterschlagen. Die Jets hingegen haben zero Offense. Und ohne Offense kommst du in der heutigen NFL nicht mehr durch, egal wie gut deine Defense aufgestellt ist.

Rex durfte bleiben, und mit ihm der OffCoord Marty Mornhinweg. Mornhinweg ist nur der letzte in einer Reihe an Coordinators, die unter Ryan nicht glücklich wurden. Man kann ihm aber zugute halten, dass er in seiner ersten Saison auch um ein Spielermaterial herumdoktern musste, aus dem viele andere auch nicht allzu viel mehr geformt hätten.

Die Quarterback-Situation ist nach dem Einkauf von Michael Vick offen. Vick war in Philadelphia überflüssig geworden, wollte aber noch ein letztes Mal in seiner Karriere eine Chance erhalten, den Stammplatz zu erarbeiten. Die Jets haben mit Geno Smith aber schon einen jungen QB im Kader, der letztes Jahr als Rookie erste Erfahrungen sammeln konnte. Smith konnte seine Kritiker dabei nicht verstummen lassen, ließ sich zu oft ins Bockhorn jagen und warf zu viele Interceptions (21 Stück).

Aber Geno ist kein hoffnungsloser Fall, hatte auch gute Momente, und man kann ihn auch mit einem denkbar schlechten WR-Corp entschuldigen. Umsonst wird man Vick allerdings nicht geholt haben: Hätten die Jets in den Vertragsverhandlungen mit Vick keine ernsthafte Chance als Starter in Aussicht gestellt, Vick hätte woanders unterschrieben. Und mehr: Vick ist in New York nun mit seinem alten Offensive Coordinator aus gemeinsamen, kurzzeitig extrem erfolgreichen Zeiten wiedervereint: Mornhinweg.

So oder so: New York wird ab Herbst wohl einen mobilen Starting-QB sehen. Weil aber sowohl Geno als auch Vick die Tendenz haben, den Ball gerne mal etwas zu lang zu halten bzw. sich in unnötiges Scrambling hinter der Line of Scrimmage reinreiten lassen, ist eine starke Offensive Line unerlässlich. Die Jets sind hier hinter dem Kern LT Ferguson/C Mangold schlecht aufgestellt: Die RT-Position ist seit Jahren ein Pulverfass, das auch regelmäßig hochgeht, und auf Guard haben die Bemühungen der letzten Jahre noch nicht gefruchtet.

Richtig schlecht sieht es bei den Jets auf den Skill-Positionen an der Anspiellinie aus: WR Holmes musste aus Vertrags- und Motivationsgründen entlassen werden, aber andere Leute aus dem Kader konnten sich nie aufdrängen. Slot-WR Jeremy Kerley war letztes Jahr mit 43 (!) Catches der Mann mit den meisten Receptions. Als Abhilfe konnte Eric Decker aus Denver geholt werden, aber Decker ist bei allem 1000yds und 10 TDs aus der Broncos-Offense auch kein klassischer #1-Receiver, dem man die Schlüsselposition zukommen lassen will.

Decker wird aber sicher helfen. Hinter ihm und Kerley lässt die Qualität aber rapide nach. WR Stephen Hill wurde vor zwei Jahren mit dem Credo, noch ein sehr unfertiger Spieler zu sein, gedraftet, und er bestätigte bisher alle Vorurteile: Hat zwischendurch mal einen schönen tiefen Catch, aber läuft ansonsten häufig falsche Routen und ist kein Mann mit sicheren Fanghänden. Das ist oft ein Problem bei diesen Wide Receivern, die am College nur Triple-Option sahen, 90x/Spiel sowieso wussten, dass sie keinen Ball sehen würden und daher keine Bemühungen unternahmen, aber dann zweimal geradeaus laufen durften um die einfachen tiefen Pässe zum 80yds-TD zu fangen.

Tight End gibt es auch keinen von Format – aktuell dürfte der von Patriots entlassene Zach Sudfeld die erste Wahl sein. Bei den Running Backs gilt die Combo aus dem Parasiten RB Ivory und dem kräftigeren RB Powell als zufriedenstellend genug um angesichts der anderen Lücken große Verstärkungen zu holen.

Händeringend upgrade-würdig: Rechter Tackle, Guard, Tight End, Starting-WR – da braucht es so ziemlich an jeder Ecke und an jedem Ende im Locker-Room der Gang Green. „Locker Room“? Es wird auch zu beachten sein, welchen Einfluss Vick üben kann. Die Umkleidekabine der Jets war in den letzten Jahren schließlich eine der instabilsten, aus der immer wieder Interna an die Öffentlichkeit durchsickerten. Wie viel Einfluss kann ein gereifter Mann wie Vick üben? Ein Vick, der sich möglicherweise in Konkurrenzkampf mit dem Franchise-QB in spe wiederfindet?

Damit dorthin, wo das Gras grüner wächst: Jede Defense von Rex Ryan wird nahe am spielerischen Maximum wandeln. Der Mann ist die Expertise schlechthin, holt seit Jahren aus nicht komplettem Abwehrpersonal Gewaltiges heraus.

Absolute Stärke ist die Defensive Line: Der Ankermann NT Damon Harrison hat seinen Durchbruch geschafft, aber die wahren Stars sind seine beiden Flankenmänner: DT Muhammad Wilkerson gilt seit Jahren als verlässliche Fachkraft, und auch der letztjährige Rookie-DT Sheldon Richardson war eine Offenbarung: Richardson dominierte von seiner stillen 3-4 DE Position ausreichend um überraschend (aber glaubt man PFF.com nicht unverdientermaßen) zum Rookie des Jahres gewählt zu werden.

Richardson ist auch deswegen eine bizarre Geschichte, weil er vor einem Jahr als eindimensionales one trick pony gegolten hatte: Kam als Passrusher in die Liga, der zu faul war um die 30 Snaps Lauf-Defense auch noch durchzuziehen. Ein Jahr später gilt Richardson als einer der besten Lauf-Verteidiger der Liga, der von seinen gepriesenen Passrush-Skills noch nix gezeigt hat.

Die Starting-Formation der Defense Line passt. Als Tiefe könnte man den 2012er-Erstrundenpick Quinton Coples reinrotieren, aber Coples soll verstärkt als Outside Linebacker („Edge Rusher“) im Passrush eingesetzt werden – eine Position, die Coples bisher nur unzufriedenstellend ausfüllen konnte. Coples‘ Job ist nicht ohne: Seit Jahren versuchen die Jets, diese Position adäquat zu besetzen – bisher nicht mit durchschlagendem Erfolg.

Die Inside-Linebacker sind marginal besetzt: Den alten David Harris kannst du noch mit PlayCalling-Aufgaben betrauen, aber Harris ist langsam geworden. Blutauffrischung wird früher oder später kommen müssen.

In der Secondary sind die Needs am größten: Der Star-CB Cromartie musste wegen zu teurem Vertrag gefeuert werden, und hinter Cromartie standen zwar mehrere ehemalige Erstrundenpicks im Kader, aber keiner von denen erweckt Vertrauen.

CB Kyle Wilson kam einst von Boise State nach New York, machte aber bisher keine gute Figur und wird – wenn überhaupt – nur noch widerwillig im Slot eingesetzt. Der letztes Jahr in den Top-Ten gedraftete CB Dee Milliner hatte einen Scheiß-Einstand als Rookie: Er hatte zwar 3 INT, aber galt Woche ein, Woche aus als der Mann, der vom Gegner attackiert wurde, egal welchen Gegenspieler er sah.

Als Ergänzung wurde CB Patterson aus Miami geholt, aber wenn er nicht eine völlig verblüffende Entwicklung nimmt, wird Patterson nicht mehr werden als ein Aushilfsspieler für die Downs zwischendurch. Aus San Diego verstärkt Johnny Patrick den Kern – alles keine Granaten.

Schließlich und endlich ist eine Safety-Combo aus Antonio Allen und Dawan Landry nie etwas, worauf du bauen willst. Der legendäre Ed Reed scheint mittlerweile so verbraucht zu sein, dass er nicht einmal mehr einen neuen Vertrag bekam.

Die Defense liest sich nach den Namen nicht wirklich wie eine potenzielle Top-Unit, aber Ryan hat noch jedesmal ein Produkt auf das Feld geschickt, das die Erwartungen übertreffen konnte. Die wichtigste Position in der Defensive Line passt in Qualität und Tiefe, und somit kannst du die Jets schonmal nicht so einfach überlaufen. Sollte im Draft ein erstklassiges Passrush-Prospect verfügbar sein, kann es gut sein, dass die Jets zugreifen werden – sie haben es mittlerweile oft versucht, aber den echten Goldgriff noch jedesmal verpasst.

Die Needs sind nicht eindeutig zu priorisieren, aber nach man in Sachen Quarterbacks erst einmal auf die Geduldsschiene setzen muss, bleiben die ganz krassen Löcher im Draft:

  • Top-Widereceiver
  • Tight End
  • Tight Tackle
  • Offensive Guard
  • Edge Rusher/Outside Linebacker
  • Cornerback

Es sind eigentlich verdammt viele Lücken in einem Kader, der innerhalb kürzester Zeit heruntergewirtschaftet wurde, weil die Jets zu lange Altstars holten um in einem kurzen Fenster zum Erfolg einmal die Superbowl zu gewinnen – sie waren ja auch keine sieben Meilen entfernt. Die Schmerzen müssen sie nun überwinden.

Eigentlich wäre ein Wechsel von Ryan auf einen neuen Trainerstab logisch gewesen, denn es ist ein Kader, der sich mitten im Umbau findet. Die ersten Schritte wurden jetzt aber auch mit Rex eingeleitet, und wenn die Jets einige der genannten ganz großen Lücken mit hochwertigen Talenten stopfen können, wenn sich einer der Quarterbacks bewährt (im Optimalfall Geno Smith als Hoffnungsträger für die Zukunft), dann sehe ich schonmal nicht komplett schwarz für die mittelfristige Zukunft.

Auf der anderen Seite natürlich auch Druck für Rex: Schmieren die Jets dieses Jahr ab – und es gibt Zahlen wie den Pythagorean oder den Close-Win Index, die zumindest Regression nach unten befürchten lassen, ist auch ein Trainerwechsel im kommenden Winter mal wieder nicht auszuschließen. As said: Gewöhnlich ist anders.

Die furchtlose Vorschau auf das letzte Wochenende der NFL-Regular Season 2013/14

Letzter NFL-Spieltag der Regular Season 2013/14, und wir haben ein kribbelndes Finish vor uns: Vier Playoff-Plätze und elf Seedings sind noch zu vergeben, und in der Reihenfolge für den NFL-Draft 2014 ist auch noch so einiges denkbar. Die Szenarien habe ich schon am Donnerstag aufgeschlüsselt, deswegen heute mehr der Shift in Richtung kurze Erläuterung der Matchups.

Das TV-Programm bei SPORT1 US sieht heute so aus (*steht für Multifeed-Kanal bei SKY):

19h    Cincinnati Bengals - Baltimore Ravens
19h    Miami Dolphins - New York Jets
22h25  Chicago Bears - Green Bay Packers
22h25  San Diego Chargers - Kansas City Chiefs
02h20  Dallas Cowboys - Philadelphia Eagles

PULS 4 in Österreich überträgt ab 22h35. Welche Ansetzung, wurde noch nicht in die TV-Guideline auf der Senderhomepage eingetragen (Stand Samstag Abend). Laut ein Tweet von Walter Reiterer soll es Bears vs Packers sein. Der Gamepass hat natürlich alles live. Alles, was an diesem letzten Spieltag der Regular Season wichtig ist, gibt es nach dem Sprung. Weiterlesen

Die heißen Sessel

Ein paar Gedanken zu den Wackelkandidaten auf den Trainersesseln der NFL-Teams.

Mike Shanahan

Nach Gary Kubiaks Entlassung ganz klar der nächste gefährdete Head Coach, die Saison nicht zu überstehen. Shanahan ist dead man walking und wird spätestens zum Ende der Saison gehen. Zurecht? Ich bin da gespalten. Das Pro-Argument wäre „…aber die Entwicklung!“. 2012 war ein Jahr, in dem die Offense über weite Strecken Klick machte und unter RG3 richtig gut drauf war.

Die Gegenargumente sind aber breiter gestreut: 2012 war der einzige Ausreißer. Shanahan wird seine Zeit bei den Redskins mit 23-39 plus noch drei ausstehenden Spielen beenden. Selbst letztes Jahr war lange Zeit ein Murks, weil die Skins die Defense nicht in den Griff bekamen; dann kam der Siegeslauf, mit einer reibungslosen Offense und einer für ein paar Wochen halbwegs funktionierenden Defense. Mehr war Shanahan nicht.

Vier Jahre. Zwei Jahre Ausrede ob des fehlenden Franchise-QB. Dann war’s die Defense, die auch diesmal keinen Stich machte. Nicht alles ist Shanahans „Schuld“, nachdem Washington erst keine Salary-Cap für Investitionen hatte (siehe Haynesworth) und dann keine Draftpicks für Jungstars (RG3-Trade). Und trotzdem sind vier Jahre vier Jahre, eine angemessene Zeit für NFL-Verhältnisse. 2013 war eine Katastrophe, und nachdem sich Shanahan mit Owner Snyder nicht mehr zu verstehen und seinen eigenen Rauswurf zu provizieren scheint, ist die Reißleine der einzige Ausweg. Weiterlesen

NFL-Sonntagsvorschauer 2013, Week 7

Weil korsakoff sich rumtreibt, kommt die Vorschau auf die Spiele des siebenten Spieltages heute von mir. Das Sunday Night Game hat erwartungsgemäß alle Schlagzeilen dominiert, aber auch vorher wird schon gespielt. Im Fernseher kann man die folgenden Spiele sehen:

  • 19h00  Philadelphia – Dallas
  • 19h00  Detroit – Cincinnati (*)
  • 22h25  Kansas City – Houston
  • 22h25  Green Bay – Cleveland (*)
  • 02h25  Indianapolis – Denver

alles auf Sport1US. PULS 4 überträgt ab 22h30 das Spiel Green Bay Packers vs. Cleveland Browns. Im Internet sieht man alle Spiele mit dem Game Pass. Den kann man auch ausprobieren: das Free-Game im Gamepass ist Atlanta Falcons – Tampa Bay Buccaneers.

Die 19.00-Uhr-Spiele

Mit dem GamePass könnte man zum Beispiel San Diego Chargers (3-3) in Jacksonville (0-6) gucken. Muß man aber nicht. Man könnte stattdessen Buffalo (2-4) in Miami (3-2) versuchen. Ich bin ein großer Fan der Bills-D. Diese vereint unter der Aufsicht von Mike Pettine viel individuelles Talent (Williams & Williams, Dareus, Byrd, Gilmore) mit einem komplexen System, das Pettine als rechte Hand Rex Ryans bei den Jets mitentwickelt hat. Ein guter Gegner, um zu sehen, ob Miamis Quarterback Ryan Tannehill wirklich „for real“ ist. In den letzten Wochen sah er meistens so aus. Auf der anderen Seite ist E.J. Manuel noch ausgeknockt mit kaputtem Knie und so wird Thad Lewis zu seinem zweiten Start kommen. Lewis hat bei Duke unter QB-Guru David Cutcliffe gelernt, auf den auch Peyton Manning schwört. Nur hatte es wahrscheinlich auch Gründe, daß Lewis nicht gedraftet wurde und es wird eine bärenstarke Leistung der Defense brauchen, um Miami zu schlagen.

Auch gucken könnte man das andere Divisionsduell der AFC East. Die New England Patriots (5-1) fahren in die Meadowlands zu den New York Jets (3-3). Ja, 3-3 stimmt wirklich. Niemand hat vor der Saison irgendwas auf Gang Green gegeben, aber wie immer mit Rex Ryan kann man auf eine furchteinfößende Verteidigung bauen. Die wird es schwerer haben als im Hinspiel in Woche 2, denn Robert Gronkowski wird das erste Mal in dieser Spielzeit zum Einsatz kommen. Außerdem ist Antonio Cromartie angeschlagen.

Die einzige Niederlage holten sich die Pats bei den Cincinnati Bengals (4-2) ab, die um 19.00 bei den Detroit Lions (4-2) antreten. Die Bengals hatten bereits einige komische Schwächephasen in ihren bisherigen Spielen, haben aber eben auch gegen New England und die Packers gewonnen. Vieles hängt an QB Andy Dalton, der sich scheinbar nicht weiterentwickelt hat. Schön anzusehen ist bei Cincy neben A.J., Green und der Defensive Line vor allem Rookie RB Gio Bernard. Das schönste direkte Duell dürfte wohl Calvin Johnson vs Leon Hall werden; das entscheidende wahrscheinlich RB Reggie Bush und TE Joseph Fauria gegen LBs Vontaz Burfict und Ray Maualuga. Wenn diese beiden Schildkrötoen im Decken des prototypischen space players und des riesigen Tight Ends nicht über sich hinauswachsen, wird der ehemalige Heisman Trophy Gewinner jeden dritten Versuch in neuen ersten verwandeln und UDFA Fauria wieder einige TDs fangen.

Weil ja irgendwer die NFC East gewinnen muß, spielen die Dallas Cowboys (3-3) und die Philadelphia Eagles (3-3) direkt gegeneinander. So ist sichergestellt, daß wenigstens eine Mannschaft der Division eine positive Bilanz hat. Während die vorigen drei Partien alle mit guten bis starken Verteidigungsreihen glänzen, sollte dieser Klassiker ein zu einem wilden shootout werden. Dez Bryant für 200 Yards, Tony Romo wieder für 500, Jason Witten mit 3 TDs?  Warum nicht! Da bei den Cowboys außer Jason Hatcher die gesamte D-Line verletzt ist, sollten auch die Eagles genügend Platz für ihr gefürchtetes Laufspiel bekommen. QB Nick Foles wird wieder starten, nachdem er in den letzten anderthalb Spielen ganz anständig aussah und Michael Vick weiterhin an Muskelproblemen laboriert.

Da auch die anderen Mannschaften so schlechte Bilanzen haben, sind die Washington Redskins (1-4) noch lange nicht raus aus dem Rennen. Heute bekommen sie Besuch von den Chicago Bears (4-2). Die beiden großen Bären Brandon Marshall und Alshon Jeffery sind viel zu viel für Washingtons gurkige secondary. Da braucht es schon eine erstklassige Leistung von Robert Griffin. Chicago hat auch keine besonders gute D, es könnte auch hier in Punktefestival geben – wenn Griffin es mal schafft, ohne Turnovers auszukommen.

Die NFC South dürften die New Orleans Saints (5-1, bye week) spätestens mit den Verletzungen von Julio Jones und Roddy White eingetütet haben. Die Atlanta Falcons (1-4) empfangen die Tampa Bay Buccaneers (0-5) zum Krisengipfel. Neben White und Jones fehlen auch RB Steven Jackson und LT Sam Baker. Tampas einzigartiger Coach Greg Schiano läßt wieder Rookie Mike Glennon starten gegen eine Verteidigung der Falcons, die fast so viele Verletzte hat wie die Offense. Tampa hat drei der Spiele nur mit drei oder weniger Punkten Unterschied verloren; sie haben Darelle Revis, der gar nicht weiß, wen er jetzt verteidigen soll (Tony Gonzalez?); und Doug Martin sollte jede Menge rushing yards gutmachen können – Vorteil Bucs.

Auch die Carolina Panthers (2-3) werden den Saints nicht mehr gefährlich werden. Dafür ist die Offense zu schlecht. Cam Newton bekommt keine Konstanz in sein Spiel, er hat keine guten WRs und sogar Steve Smith hat in den letzten Wochen geschwächelt. Dafür reißt die Verteidigung alles raus. Die Schwachstelle ist ganz klar das Defensive Backfield, aber Sam Bradford wirft ja zum Glück keine Pässe über mehr als 10 Yards. Die St Louis Rams (3-3) leben ebenfalls von ihrer Defense, die auch gegen Carolina gut aussehen sollte. Enges Spiel, aber falls Ron Rivera weiterhin vom 4th-Down-Monster besessen ist, gewinnen natürlich die Panthers.

Die 22.05/22.25-Uhr-Spiele

Zwei der späten Spiele sind so seltsame Interconference Games: San Francisco (4-2) in Tennessee (3-3) und Cleveland (3-3) in Green Bay (3-2). Die Packers haben so viele Verletzte, daß sie im schlimmsten Falle nicht mal die 46 Spieler zusammenbekommen, die sie maximal einsetzen dürften. Unter anderem fehlen die WRs James Jones und Randall Cobb, die LBs Clay Matthews, Nick Perry und Brad Jones. Upset alert, auch mit Brandon Weeden als starter.

Trap game alert gibts es im Arrowhead Stadium, wo Eintracht Langeweile (6-0) die Houston Texans (2-4) empfängt. Die Offense um Alex Smith hat letzte Woche gegen Oakland nur 17 Punkte gemacht. Überlagert wird die offensive Langeweile von der Defense, die bis jetzt schon absurde 31 Sacks und 18 Turnovers für sich verbuchen konnte. Wenn Houstons Angriff um Case Keenum, der seinen ersten Start machen wird, ohne Ballverluste auskommt, wird das ein Spiel mit wenigen Punkten und knapp bis zum Schluß. Die Texans haben schließlich immer noch J.J. Watt und überhaupt eine Defense, die in dieser Saison noch nie mehr als 300 Yards zugelassen hat.

Zu guter letzt noch ein Klassiker: Baltimore Ravens (3-3) im Heinz Field zu Pittsburgh (1-4). Beide Mannschaften haben sich immer noch nicht gefunden und zeigen sich sehr launisch von Woche zu Woche. Zumindest bei Pittsburgh ist ein Aufwärtstrend erkennbar, während man Baltimore nie sicher sein kann, was man am Sonntag bekommt. Nichtsdestotrotz: noch sind beide Teams nicht so schlecht, als daß man die beste rivalry der letzten Jahre verschmähen sollte.

Das Sunday Night Game

Denver Broncos (6-0) zu Gast bei den Indianapolis Colts (4-2). Dazu ist im Grunde schon alles geschrieben worden (außer das, was heute später noch von seminole kommt). Die storylines: Peyton kommt zurück nach Hause; kann Denvers Offense weiterhin auf Rekordniveau spielen?; Von Miller kehrt zurück; Andrew Luck und der Druck im Duell der Generationen; wie überbewertet ist Indys-D?; kann Trent Richardson für 100 Yards laufen?; und vor allem und wieder PeytonPeytonPeytonPeytonPeytonPeytonPeytonPeytonPeytonPeytonPeytonPeytonPeytonPeytonPeytonPeytonPeytonPeyton. Manchmal kann zu viel media coverage einem so ein Spiel auch vergraueln. Aber es sollte natürlich ein großartiges Spiel werden und gilt völlig zu Recht als eines der Highlights dieser regular season. Viel Spaß!

NFL Notizblock, Week 2: TNF NY Jets @ NE Patriots

Was für ein Gegurke. So ein Spiel zum sehr frühen Frühstück am Freitagmorgen liegt schwer im Magen. Das lag bei beiden Offenses vor allem daran, daß sie nur trocken Brot und Margarine anbieten konnten. Der leckere Käse und die frische Marmelade sind im Krankenhaus, im Knast oder bei anderen Teams. Weiterlesen

New York Jets in der Sezierstunde

Stat Line 2012

Record         6-10   --
Enge Spiele    3-3 
Pythagorean    5.3   (26)
Power Ranking   .474 (22)
Pass-Offense   5.4   (28)
Pass-Defense   5.8    (8)
Turnover       -14

Management

Salary Cap.
Free Agents.

Über die Jets lacht die halbe Liga, und das mit Grund: Der Laden von Owner Woody Johnson ist ein Paradebeispiel dafür, wie man in der NFL für kurzfristigen Erfolg die Zukunft auf Jahre verbrennen kann. Überhaupt hinterlässt der gefeuerte GM Mike Tannenbaum in New York größtenteils einen Scherbenhaufen.

Tannenbaum und Stab begannen vor vier Jahren, rund um den jungen „Sanchize“-QB Mark Sanchez herum eine Truppe von bekannten ehemaligen Allstars aufzubauen – eine Taktik, die die Jets zweimal hintereinander ins AFC-Finale führte. Dann ging Tannenbaum „all in“, wollte den Superbowl-Sieg erzwingen und opferte dafür die mittelfristigen Ziele. Die Allstars wurden zu Altstars und somit zu alt, die Verträge zu teuer.

Die Entlassungen von Leuten wie Tomlinson, Scott oder Edwards fraßen nicht nur dead money Platz unter der Salary Cap auf. Sie berauten die Jets eines jungen Kerns, der sich erst nicht entwickeln konnte und dann – aufgrund zu vieler verschlissener Draftpicks in Trade-Geschäften – überhaupt nicht mehr nach New York kommen konnte.

Jetzt sieht die Gang Green der Salary Cap-Hölle ins Auge, kann aber aufgrund einiger viel zu massiver Verträge nur beschränkt handeln. Die Franchise ist in der beschissenen Lage, dass selbst ein sofortiger Neuaufbau zu teuer (!) käme.

Revis Island

Das wertvollste Anhängsel der Jets ist Stand heute CB Darrelle Revis, ein Cornerback im besten Alter, der auf der Höhe seines Schaffens weit über allen Positionskollegen ligaweit anzusiedeln ist. Bei Revis gibt es zwei Knackpunkte:

  • Er hatte nun zwei Jahre Verletzungsprobleme.
  • Sein Vertrag läuft 2014 aus, und Owner Woody Johnson möchte aufs Gebrechen keinen Langzeitvertrag auspacken.

Das macht Revis zu einem wertvollen Tauschobjekt für die Jets, die durchaus den einen oder anderen hohen Draftpick für Revis abstauben könnten (Buccs, anyone?). Besonders interessant würde ein Trade, weil Revis in dem Müllteam, das New York in den nächsten 1-2 Jahren aufstellen wird, eh verschwendetes Talent ist. Und Revis würde den Jets das bringen, was ihnen in der Tannenbaumzeit bitter abging: Draftpicks und Infusion von Frischblut. Alle Zeichen deuten darauf hin, dass der gewiefte neue GM John Idzik in den nächsten Wochen bis zum Draft den erwarteten Revis-Trade durchzieht.

Die Defense

Der Abgang würde allerdings sportlich als herber Verlust empfunden werden, auch wenn Revis zuletzt fast das ganze Jahr fehlte. Die Jets besitzen mit CB Cromartie und dem jungen CB Wilson mehr oder weniger solide Deckungsspieler, aber nach dem Abgang von S Landry gibt es ein klaffendes Loch „hinten in der Mitte“.

Bei den Linebackers ist nach Bart Scotts Entlassung kaum mehr Erfahrung im Kader – es müssen wohl bisherige Ergänzungsspieler starten. In der Defense Line ist man aber gut aufgestellt: NT Wilkerson und DE Coples gelten als Rohdiamanten, die Tiefe könnte aber besser sein.

Die Jets haben in einer Hinsicht Glück: Die Draftklasse ist haargenau ihren Bedürfnissen nach „konzipiert“: Die Safety-Klasse ist tief genug besetzt, dass man auch in den mittleren bis späten Runden wohl gute Athleten bekommt. Passrush von den OLB-Positionen, händeringend gesucht, scheint auch noch nach der ersten Runde erhältlich, sodass man in Kombination mit der breit aufgestellten DL-Klasse durchaus die größten Needs in der Defense im Draft angehen kann – und noch nicht mal unbedingt in der ersten Runde. (der mögliche Revis/Trade-Pick noch nicht reingerechnet)

Es bleiben also Ressourcen für die Offense frei.

Die Offense

Dort ist im Prinzip wurscht, wo man anfängt, denn die Löcher gibt es überall. Head Coach Rex Ryan versuchte das komplette letzte Jahr, den quasi-enteierten Sanchez verbal aufzubauen, was nicht nur nicht gelang: Sanchez spielte sich mehrmals in ein tiefes Loch, produzierte mehr Fumbles als Punkte und erwies sich endgültig als gescheitertes Experiment. Sanchez‘ Vertrag ist so heftig, dass die Jets ihn nicht entlassen können, gleichzeitig aber Probleme haben werden, einen halbwegs billigen und soliden Backup zu holen. Weil sich Tebow als das auf diesem Blog schon immer kommunizierte Missverständnis erwies, und der blasse QB McElroy nicht als ernsthafte Alternative gesehen wird, holte sich New York den einstigen Spaß-QB David Garrard aus dem Ruhestand.

Der neue OffCoord Marty Mornhinweg, ein Grund-Unsympath von Mensch, aber ein recht angesehener Spielzug-Kreator, wird bei allen Spielmacher-Optionen um arge Limits herum doktern müssen: Sanchez kann das Spiel nicht wirklich lesen, McElroy hat nicht alle Würfe drauf, Tebow hat nur einen Wurf drauf, und Garrard gilt als körperliches Wrack.

Die Ballfänger sind auch bestenfalls Mittelmaß: WR Holmes, ein ehemaliger Superbowl-MVP bei den Steelers, kriegt sein Leben vor dem Stadion nicht in den Griff und hat physisch abgebaut, TE Dustin Keller spielt nun andernorts, und sonst sind primär billige unterdurchschnittliche Leute im Roster, oder ein extrem ungeschliffener WR Stephen Hill. Ähnlich die Backs: Greene ging nach Tennessee, bei Bilal Powell weiß keiner, was zu erwarten ist, RB Hilliard ist auch ein eher unbeschriebenes Blatt.

New York pickt an Position #9. Nicht ausgeschlossen, dass eine All-Around-Waffe wie Austin oder ein WR Patterson vom Madison Square Garden direkt rüberwechseln ins Jets-Trainingszentrum. Ansonsten bleibt immer noch die Option „Offense Line“: Right Tackle galt zuletzt als furchtbar, und die Stärkung der trenches ist niemals, für keine Franchise, eine schlechte Idee. Auch hier: Offense Line gilt als starke Position im Draft.

Ausblick

Das Erbe Tannenbaums ist so verheerend, dass ein General Manager in der Situation Idziks nicht verlieren kann: Schafft er den Umbruch – alle Ehre. Schafft er es nicht, kannste ihm auch net böse sein. Ein kurzer Approach:

  • Runde 1: Skill Player oder OLB
  • Runde 2: Offense Tackle, OLB oder Safety
  • Runde 3-4: Safety, Offense Tackle oder WR
  • Runden 5-7: Skill Player (RB, WR,TE)

Für 2013 muss man ein eher schwieriges Jahr erwarten, sofern nicht aus dem Nichts ein Sanchez oder Garrard eine Sensations-Saison zaubern. Weil Mornhinweg mehr als die letzten OffCoords aus seinen Spielern holen wird, und Rex Ryan immer eine konkurrenzfähige Defense stellt, auch ohne adäquates Spielermaterial, kann schon sein, dass New York nicht ganz nach unten durchgereicht wird. Playoffs empfände ich aber als Cinderella.

Glaskugel 2012: New York Jets

 

Beinahe jedes Jahr gibt es während der Offseason einen riesigen Medienhype um die Footballteams in New York. Dieses Jahr ist es ganz besonders schlimm. Und das hat mit einem Mann zu tun. Nein, es ist nicht Tom Coughlin, der seine Blue Men Group zum zweiten Super Bowl in fünf Jahren geführt hat und einen Bill Belichick mittlerweile locker zum Frühstück verspeist.

Nein, dieses Jahr ist es auch nicht Eli Manning, der nach unglaublichen Leistungen im Dezember und mehr noch in den Playoffs zusammen mit Drew Brees und Aaron Roders das Top-Trio der NFL-Quarterbacks bildet und besser spielt als Tom Brady.

Dieses Jahr geht es um die Jets und um den Mann, der Gang Green wieder zur größten Nummer der Stadt machen soll. Menschlich spaltet er die Massen; auch footballtechnisch hält die Hälfte ihn jetzt schon für eine Legende während ihn die andere Hälfte für fürchterlich überbewertet hält; er ist aufregend, er kann spektakulär sein, er kann immer wieder etwas Neues aus dem Ärmel schütteln und darum hat er auch schon gezeigt, daß er in den Playoffs gewinnen kann. Zu allem Überfluß ist er in diesem Sommer auch körperlich in der besten Form seines Lebens. ESPN macht sogar Sondersendungen über die Jets und das muß mit ihm zu tun haben. Wir reden von – natürlich: Rex Ryan.

Rex Ryan geht mittlerweile in sein viertes Jahr als Head Coach der New York Jets. In seinen ersten beiden Jahren hat er sie jeweils ins AFC Championship Game geführt. Letztes Jahr reichte es nur für einen 8-8-Rekord, weil die Offense – wie eigentlich immer in den letzten drei Jahren – alles vertrottelt hat.

Legende ist schon jetzt das Spiel gegen Baltimore in Woche 4, als die Defense nur einen Touchdown zugelassen hat und am Ende trotzdem eine 34 für die Ravens auf dem Scoreboard stand. Eine Woche später verlor NY knapp gegen die Patriots und schon stand man mit mit drei Niederlagen aus fünf Spielen mit dem Rücken zur Wand. Anschließend hat die Defense erstklassig gespielt wie immer und Anfang Dezember, mit 8-5-Rekord, war man dann doch mittendrin im Playoffrennen.

Dann ist aber der gesamte offensive Teil der Mannschaft völlig in sich zusammengebrochen. Das sagt der Star-WR, daß der Offensive Coordinator stinkt; irgendwer sagt, daß die O-Line stinkt; alle sagen, daß der QB stinkt; die OLine sagt, der QB stinkt nur, weil die WRs nichts fangen und die RBs nicht laufen können und die Fans sagen, daß alle stinken undsoweiterundsofort… und natürlich – schließlich sind wir in New York – steht das auch alles in der Zeitung.

Zehn Turnovers in den letzten drei Spielen später lacht die ganze Welt über die Jets. Playoffs verpaßt, Chaos im Locker Room, noch mehr gegenseitige Anschuldigungen aller Orten, Trottelheimer entlassen und zu allem Überfluß gewinnt auch noch ausgerechnet der Stadtrivale die Lombardi Trophy.

Aber last year is last year sagt man zu Recht. Die Defense ist immer noch erstklassig und für die Offense hat man sich einen neuen Mann geholt, der alles auf den Kopf stellen soll. Zu ihm später mehr, erstmal arbeiten wir pflichtschuldigst Ryans Prunkstück ab.

Defense Jets

Rex Ryan und seine Defense haben wir hier schon oft abgefeiert, darum halten wir uns kurz. Sione Pouha ist einer der besten Nose Tackles der Liga, Kendrick Ellis ist ein guter Backup. Mike DeVito ist einer der besten DEs der Liga und der junge Mu Wilkerson ist nur einen Schritt dahinter. ILBs David Harris und Bart Scott sind zwei sehr spielintelligente Kämpfer, genau die richtigen Typen für das System von Ryan und Mike Pettine. Außen spielen Calvin Pace und Bryan Thomas, die man auch gefahrlos anbieten kann.

Durch die vielen wilden Fronts und die immer wieder überraschend paßgenauen Gameplanes sehen alle zusammen als Einheit noch mal ein Stück besser aus. Mit Rookie Quinton Coples, der aussieht wie Julius Peppers, haben Ryan/Pettine nun noch ein neues Spielzeug bekommen. Der ehemalige 1st-rd bust Aaron Maybin hat sich zu einem starken Quarterbackjäger in passing situations gemausert und auch die Backups sehen nicht verloren aus, wenn sie mal spielen müssen.

Schedule

Wk1 v BUF
Wk2 @ PIT
Wk3 @ MIA
Wk4 v SF
Wk5 v HOU (MNF)
Wk6 v IND
Wk7 @ NE
Wk8 v MIA
Wk9 BYE
Wk10 @ SEA
Wk11 @ StL
Wk12 v NE (SNF)
Wk13 v ARI
Wk14 @ JAX
Wk15 @ TEN (MNF)
Wk16 v SD (SNF)
Wk17 @ BUF

Cornerback Darrelle Revis zählt für zwei. Revis Island erlaubt es Ryan/Pettine, vorne und auf einer Seite ganz wilde Sachen zu machen und die andere Seite einfach in seine Hände zu geben. Da brennt nichts an. Gegenüber spielt Antonio Cromartie, der nun zwar kein Superstar ist, aber doch besser als meist über ihn geredet wird. Im Slot hat sich jetzt endgültig Kyle Wilson eingenistet, der 1st-rd pick aus dem Jahre 2010. Wilson ist nicht so steil durch die Decke gegangen, wie man es sich im Big Apple erhofft hat, aber sich in den vielen Nickel-, Dime- & Dollar-Sets ganz wohlfühlt.

Richtig umgebaut haben die Jets nur auf der Safety-Position, was auch dringend nötig war. Kapitän und Publikumsliebling Jimmy Leonhard wurde nach der zweiten verletzungsbedingt beendeten Saison in Folge nicht gehalten und versucht sich nun in Denver. Und da auch Eric Smith nicht mehr in der Startformation auflaufen sollte, wurden die beiden Free Agents LaRon Landry und Yeremiah Bell verpflichtet. Bell ist mit seinen 34 Jahren nicht mehr Jüngste, aber mit seiner Erfahrung und seinem Spielverständnis soll er die Leonhard-Rolle übernehmen. Landry wurde aufgrund seines Hulk-ähnlichen Körpers und seiner Trainingsbesessenheit anno 2007 von den Redskins in Runde eine als sechster Spieler gedraftet. Sollte er fit bleiben ist so ein Monster genau das, was Ryan noch gefehlt hat als Strong Safety an der Line of Scrimmage.

Offense Jets

Der Mann, der alles auf den Kopf stellen soll, hat schon mal eine Gurkentruppe in die Playoffs geführt und dabei die Patriots hinter sich gelassen. Warum sollte ihm das nicht wieder gelingen. Er ist ein Oldschool-Footballer. Lieber laufen als werfen. Erstklassiges Quarterback-Play hat er gar nicht nötig. Dieses ganze fancy, wilde New-School-Zeug ist nichts für ihn, Wildcat und Running-QB steht ihm auf der Stirn tätowiert. Wir reden von, sie ahnen es: Tony Sparano.

Sparano hat früher selber in der Offensive Line gespielt, ist dann O-Line Coach geworden und hat mehrere Jahre unter Bill Parcells gearbeitet. Das Harter-Hund-Image kommt also nicht von ungefähr und ist auch mehr als nur Image. (Die Sonnenbrille trägt er übrigens nicht, weil er sich so furchtbar cool vorkommt, sondern infolge eines Unfalles mit einer Friteuse, während er als Jugendlicher in einem Fast Food Restaurant gearbeitet hat.)

Nun kommt also dieser neue OC, der den Jets wieder ein energiegeladenes Ground-and-Pound-Game eintrichtern soll und findet einen Trümmerhaufen vor. Diese Jets wollten unter Ryan immer ein starkes Laufspiel haben und 2011 hatten sie stattdessen 106 Yards pro Spiel und 3,8 Yards pro Carry.

Das hatte mit dem, ähem, “mittelmäßigen” Offensive Coordinator Brian Schottenheimer zu tun, mit den mittelmäßigen RBs Shonn Green, LaDanian Tomlinson und Joe McKnight zu tun und auch mit der O-Line, die eher Richtung finesse denn Dampfwalze tendiert.

Suchen wir Lichtblicke finden wir Center Nick Mangold und RG Brandon Moore. Beide haben die Power und die Füße, um in aller Regelmäßigkeit Teile der gegnerischen Front Seven aus dem Weg zu räumen für die eigenen RBs. Als Left Tackle läuft D´Brickashaw Ferguson auf. Ferguson bekommt auch stets gute Kritiken und im Paßspiel ist er auch mehr als solide, aber im Laufspiel fehlt ihm oftmals Kraft und Masse um große Löcher zu reißen. Dann gehts schon mal eine Klasse abwärts: LG Matt Slauson ist bestenfalls mittelmaß. An einigen Tage sogar nicht mal das.

Und dann ist da schließlich noch der Mann, über den alle reden, wenn es um die Jets geht. Wer könnte dieser Mann sein, wenn nicht Wayne Hunter? Wayne Hunter war letztes Jahr der schlechteste Starter der ganzen NFL – egal, auf welcher Position. korsakoff wär ein besserer Right Tackle. Weil Hunter das auch in dieser Preseason sofort wieder eindrucksvoll unter Beweis gestellt hat, hatten alle Beteiligten ein Einsehen. Jetzt hat Austin Howard den Stammplatz und Hunter genießt seine $3 Millionen auf der Bank. Howard wurde nicht gedraftet, wurde dafür in seiner jungen Karriere aber schon von den Ravens und den Eagles gecuttet. Viel Glück.

Mit Sparanos harter Hand könnte das aber zumindest eine gute Unit um Ferguson, Mangold und Moore werden. Wenn Greene und McKnight ein bißchen besser werden und vielleicht auch Rookie Terrance Ganaway ab und zu Mal einen raushauen kann, ist das schon OK, wenn mit dieser Defense oft auch mal 14 oder 17 Punkte zum Sieg reichen.

Dem Laufspiel helfen sollten auch die Wildcat Plays, die Sparano auf seinem Play Calling Sheet hat. Dafür haben die Jets jetzt auch QB Brad Smith zurückgeholt, der das mit der Wild Cat ganz gut kann und als ausgebildeter QB auch mal für einen guten Paß zu haben ist.

Das richtige Paßspiel dagegen kann man getrost vergessen. Mark Sanchez wird einfach nicht besser. Und gute WRs hat er auch nicht. Problemkind Santonio Holmes kann ein richtig Guter sein, er kann aber auch der unmotivierte Stinkstiefel sein. Slotman Jeremy Kerley ist bestenfalls Mittelmaß. Free Agent Chaz Schilens und Rookie Stephen Hill haben bis jetzt noch gar nicht gut ausgesehen. Vielleicht könnte Hill mit seinem 1,92m-Körper immerhin eine gute Red-Zone-Waffe werden und mit seinem massigen Körper auch im Laufspiel helfen. Zur Not hilft auch immer noch TE Dustin Keller aus.

Und manchmal, ganz manchmal nur, aber manchmal eben schon, bekommt auch Mark Sanchez mal zwei gute Drives in Folge auf die Reihe.

Ausblick Jets

Das sieht alles nicht rosig aus im Angriff, aber mit dieser Defense ist das auch gar nicht so schlimm. Diese sollte Top-3 Kaliber sein und es der Offense einigermaßen einfach machen, einige Spiele zu gewinnen. Die AFC East ist ziemlich hart und auch die Wild Cards dürften in der AFC hart umkämpft sein, aber Gang Green sollte bis zum Schluß im Rennen um die Playoffplätze bleiben und dort können Ryan/Pettine mit dieser Defense jeden Angriff von Peyton Manning bis Tom Brady einbremsen, das haben sie schon bewiesen. Trotzdem kann ich mir nicht vorstellen, daß man mit dieser Offense ernsthaft um den Super Bowl mitspielt. Eine witzige Saison wird´s mit den J-E-T-S allemal.

New York Jets in der Frischzellenkur 2012

  • #16 (1) DE Quinton Coples North Carolina
  • #43 (2) WR Stephen Hill Georgia Tech
  • #77 (3) LB Demario Davis Arkansas State
  • #187 (6) S Josh Bush Wake Forest
  • #202 (6) RB Terrance Ganaway Baylor
  • #203 (6) G/T Robert T. Griffin Baylor
  • #242 (7) S Antonio Allen South Carolina
  • #244 (7) WR Jordan White Western Michigan

Gestern hatten wir mit den Buffalo Bills ein sehr schönes Beispiel dafür, wie man mit einer konsistenten und langfristigen Draftstrategie langsam aber sicher ein hochwertiges und tiefbesetztes Team zusammenstellt. Heute haben wir mit dem Divisionsrivalen New York Jets ein sehr schönes Beispiel dafür, wie man mit einer kurzfristigen und aufgeregten Strategie das Fundament einer Mannschaft aushöhlt, erst unmerklich, dann immer schneller. Die Jets haben keinen tiefen Kader und dieses Jahr trotzdem nur drei Picks in den ersten fünf Runden gehabt. Letztes Jahr hatten sie keinen 2nd-rd pick; 2009 waren es gar nur zwei Picks in den ersten fünf Runden.

Immerhin erkennt man mit dieser Draft deutlich die Richtung, in welche die Jets weiter marschieren wollen: beinharte Defense, lauflastige ground-and-pound Offense.

Der 1st-rd pick, UNCs DT/DE Quinton Coples wird von einigen pundits als das größte Talent auf der defensiven Seite des Balles gesehen. Nach einer überragenden Junior-Season soll er aber letztes Jahr vor allem damit zugebracht haben, sich nicht zu verletzen. Charakter- und Motivationsprobleme stehen daher in allen seinen Zeugnissen. Damit paßt er wie Arsch auf Eimer in Gang Greens Locker Room. Mit Rex Ryan und Mike Pettine hat er auf der anderen Seite die Trainer, die wohl mehr aus schwierigen, aber komplizierten Typen herausholen als alle anderen. Coples wird 34 DE und Edge Rusher in sub-packages spielen.

In der zweiten Runde traden die Jets nach oben, um Georgia Techs WR Stephen Hill zu draften. Hill hat in seiner gesamten Karriere 49 Pässe gefangen, viel mehr konnte der 1,95m-Mann nicht zeigen in der Triple-Option-Offense der Yellow Jackets. Vor der Draft ist er dann aber auf allen Boards nach oben geschossen, als er bei der Combine eine 4.3 gelaufen ist. Er könnte auch davon profitiert haben, daß sich mit Calvin Johnson und Demariyus Thomas in den letzten Jahren schon zwei andere große Ballfänger von GT in der NFL durchgesetzt haben. Durch seine Erfahrung in einem extrem lauffreudigen System und seiner Speed-/Size-Combination scheint er ein idealer Fit zu sein. Neben seinen erprobten Blockingkünsten im Laufspiel soll er die gefährliche Redzone-Waffe sein, die Plaxico Burres nur manchmal war.

LB Demario Davis soll auch ein Spieler genau nach Ryans Geschmack sein. Aggressiv, sicherer Tackler und mit hoher Spielintelligenz ausgestatt. Neben Coples und Davis für die Front-Seven gab es in den letzten beiden Runden noch zwei Picks für das Defensive Backfield. Die Herren Josh Bush und Antonio Allen werden auch früh Spielzeit sehen, denn niemand spielt mit mehr DBs als Rex Ryan: ein Drittel aller Snaps mit mindestens sechs Defensive Backs (!).

Für die andere Seite des Balles hat man neben Hill nur noch drei Spieler gedraftet, bei denen die Jets nur hoffen können, daß sie voll einschlagen. Nötig hätten sie´s. Der „andere Robert Griffin von Baylor“ hat im College Right Tackle und Guard gespielt und könnte vielleicht schon im Trainings Camp Wayne Hunter ausstechen. Viel schlechter kann er ja gar nicht sein. RB Terrance Ganaway, ebenfalls Baylor, ist ein dicker Power Back, der neben Shonn Greene und Joe McKnight ein paar Carries bekommen wird. WR Jordan White hat letztes Jahr in 14 Spielen 140 Pässe für fast 2000 Yards gefangen  gefangen. Als late round pick mit kräftigem Körperbau von einer kleinen Uni könnte er ein Pierre Garcon werden. Oder man hört nie wieder von ihm, wie von den meisten unglaublich produktiven WRs von kleinen Unis.

Übersicht

Es sind mal wieder zu wenig mittlere Draft Picks. Die Picks der Runden zwei bis fünf sind in der Regel der Kern jeder Mannschaft. Diese Draftklasse an sich ist völlig in Ordnung, aber zusammen mit den letzten drei Drafts betrachtet wird zu deutlich, daß der stabile Mittelbau immer kleiner wird. Das geht nur in den seltensten Fällen gut. Wahrscheinlicher ist, daß im Laufe der Saison nach einigen Verletzungen haufenweise Practice-Squad-Spieler und Street Free Agents Rollen übernehmen müssen, für die sie nicht gedacht sind.

New York Jets in der Sezierstunde

Das Gute für Rex Ryan: Die Lombardi Trophy kehrte nach all dem Getöse nach New York zurück. Das weniger Gute: Eingefahren wurde sie vom Stadtrivalen Giants. Die Jets dagegen erlebten eine frustrierende Saison, verpassten mit 8-8 Siegen die Playoffs und standen am Ende vor meutereiähnlichen Zuständen, inklusive tagelanger auf breiter Front ausgetragener Grabenkämpfe zwischen Trainerstab und Spielern, wo sich selbst anerkannte Routiniers wie Tomlinson öffentlich kritisch mit den Zuständen in der Mannschaft auseinandersetzten. Am Ende durfte Ryan bleiben, aber OffCoord Brian Schottenheimer wurde freundlich vor die Tür gesetzt. Nachfolger: Der knochentrockene Tony Sparano.


Sparano steht in Zeiten, in denen das Passspiel Titel gewinnt, für ein eher lauforientiertes Footballspiel. Was normalerweise eine schlechte Idee ist, macht bei den New York Jets und ihrem Spielermaterial aber sogar noch Sinn. Denn mit dem stagierenden QB-Schönling Mark Sanchez und dem jüngst eingekauften Tebow gibt es zwei nicht furchterregende Quarterback-Optionen. Überhaupt die Quarterbacks: Erst flirtete man mit Manning, dann verlängerte man mit Sanchez und holte Backup Stanton, dann kaufte man Tebow ein und setzte Sanchez das Messer vor die Brust, dann wurde Stanton schon wieder abgegeben und nun diskutiert die Footballwelt über einen Sanchez-Trade nach L.A.. Bleibt nun gar der aufmüpfige McElroy die dritte Option? Wie wir es drehen und wenden: ‘Ne rüschtüsch rote Linie lässt sich nicht erkennen. Nach Sanchez‘ erstem Spiel mit drei Fehlpässen wird die Meute nach Tebow krähen.

Wäre alles nicht das ganz große Problem, hätten die Jets abseits davon eine runde Offense. Doch neben dem offenen Scheunentor auf Right Tackle, wo Hunter im Einwochenrhythmus in den Senkel gestellt wurde, fehlt es den Jets auch an verlässlichen Running Backs (Tomlinsons Leistungskurve stürzte zuletzt rapide ab, Greene ist nicht das erhoffte Arbeitstier) sowie einem ausgereiften Corp an Wide Receivers. Holmes passt charakterlich wie Arsch auf Eimer auf Rex Ryan und bietet auch sportlich gute Aussicht, dürfte aber insbesondere mit den mittelmäßigen Quarterbacks nicht alle Last allein tragen können.


Über Jahre wurden diese Probleme von einer fabulösen Defense übertüncht. Eine Defense, die mit ungemein viel Bewegung an der Anspiellinie arbeitet und es meisterhaft versteht, zu tarnen und zu täuschen. Druck auf den Quarterback wird via Spielzugansage veranstaltet, während man im Defensive Backfield darauf vertrauen kann, dass der großartige CB Darelle Revis einen Top-WR nach dem anderen aus dem Spiel nehmen kann.

Trotzdem sucht man in New York seit Jahren an dem einen Pass Rusher, um den herum sich die Abwehr entlasten ließe. Mit dem Pick #16 dürfte den Jets der eine oder andere Weg via Draft offen stehen, einen druckvollen OLB einzuberufen, nach dem Pettino/Ryan so sehr lechzen. Es ist trotz einer insgesamt wechselhaften Jets-Saison die einzige wirkliche Schwäche in der Defense, nachdem die Line um den alten, aber noch immer als frisch geltenden NT Pouha (33 Lenze) wenigstens den Lauf zur Genüge abwürgen kann und die Secondary (diesmal verstärkt u.a. durch S Landry aus Washington) grundsolide genug besetzt ist, um auch mal drei Wide Receivers auf einmal aus dem Spiel zu nehmen.


Bei den Jets dürfte viel am Gelingen des Drafts liegen – ein Dauerthema für die notorisch schlechten Draftstrategen von Gang Green. Mit dem Tebow-Einkauf dürfte man sich neben der Möglichkeit, eine zusätzliche Offensiv-Variante einzubauen, vor allem Theater und ein paar Messer für Sanchez‘ Rücken beschert haben. Der Druck dürfte indes nicht geringer werden. Ryan und GM Mike Tannenbaum stünden bei einer weiteren erfolglosen Saison vor dem Abschuss, während sich gleichzeitig das Fenster für den Erfolg dieser Jets-Generation zu schließen beginnt.

Die zweite Reihe: Jeff Saturday

[In der Serie „Die zweite Reihe“ werden Spieler, Trainer und Taktiken vorgestellt, die für den Erfolg einer Mannschaft essentiell sind, aber nicht im Rampenlicht stehen. In Teil 1 war Jets´ Safety Jim Leonhard dran, in Teil 2 New York Giants´ Offensive Coordinator Kevin Gilbride. Für Teil 3 tritt heute Jeff Saturday, Center der Indianapolis Colts, aus der zweiten Reihe ins erste Glied.]

Jeff Saturday ist so etwas wie der Poster Boy für die Stars aus der zweiten Reihe. Kaum jemand wird von Spielern anderer Mannschaften, Liga-Offiziellen und sogar Management-Verantwortlichen anderer Teams derart respektiert wie der Vorzeigeprofi der Indianapolis Colts. Immer mal wieder wird er kurz ins Rampenlicht gezerrt; entweder, wenn es um die einzigartige Karriere von Peyton Manning geht oder wenn es um die Rolle geht, die er im Verhandlungsmarathon zur Beendigung des letztjährigen Lockouts gespielt hat.

Elektriker statt NFL

Jeff Saturday stammt aus einem der amerikanischen Football-Zentren: Georgia. In Atlanta wurde er 1975 geboren, in Atlanta besuchte er auch die High School. Im benachbarten North Carolina besuchter er das College und war drei Jahre lang Starting Center der Tar Heels. Obwohl er in mehrere All-ACC-Teams gewählt wurde, blieb er bei der NFL Draft 1998 unberücksichtigt. Wie so oft beim Übergang guter College-Spieler zu den Profis machen die physischen Voraussetzungen den spielerischen Qualitäten einen Strich durch die Rechnung – zumindest in den Augen vieler Scouts -; Saturday war einfach zu klein mit seinen 1,87m. Die Baltimore Ravens gaben ihm eine Chance, aber nach nur sieben Wochen im Frühling war er schon wieder raus aus der NFL. Das nächste halbe Jahr, bis zum Januar 1999, verdingte er sich in Raleigh, North Carolina, in einem Elektronikfachmarkt.

Saturday wurde während seiner College-Zeit von den Colts gescoutet. Was sie mochten waren seine Intangibles und Technik, was sie nicht mochten – seine Physis. Anfang 1999 aber gab Indys legendärer Offensive Line Coach Howard Mudd Saturday eine Chance und er sollte sie nutzen. Nach zwei Starts in seiner ersten Colts-Saison 1999 wurde er zu Beginn der Saison 2000 Starting Center und blieb dies bis heute. Schnell hat sich zwischen ihm und Peyton Manning eine Beziehung entwickelt wie zwischen Golfer und Caddy. Sie stehen auf dem Spielfeld hintereinander, im Huddle nebeneinander, in der Umkleide sitzen sie nebeneinander und im Flugzeug auch. Sie haben sich gesucht und gefunden.

Jeff und Peyton

Auf dem Feld sind sie so eingespielt wie Michael Jordan und Scottie Pippen. Während Peyton seine Rumhampeleien veranstaltet, die Defense ausguckt und seinen potentiellen Paßempfängern erklärt, was sie zu tun haben, macht Saturday die Protection Calls. Er koordiniert die Offensive Line, bestimmt, wer wen blockt und wer für was verantwortlich ist, damit sein QB sich in Ruhe um seine Dinge kümmern kann.

Dieses Zusammenspiel haben die beiden bis zur Perfektion getrieben. Jahr für Jahr geben die Colts mit die wenigsten Sacks aller NFL-Teams ab. Zwischen 2004 und ´06 sogar die allerwenigsten. Das hat kaum mit der Qualität der vier Nebenleute von Saturday zu tun, denn bis auf den hochkarätigen Left Tacke Tarik Glenn haben dort nur Lückenfüller gespielt. Ein Erfolgsfaktor ist die herausragende Pocket Awareness von Manning und der andere die lehrbuchmäßige Arbeit, die Saturday Sonntag für Sonntag abgeliefert hat. Dabei stand er kaum je im Spotlight, sondern immer im riesigen Schatten Mannings und auch im typischen Center-Schatten – wer interessiert sich schon für Center?

Den Auguren und Experten war er immer schon ein Begriff. Bei ProFootballFocus (die sich auch und gerade für OLiner interessieren) ist er seit jeher eine Hausnummer. Nach PFF war er 2011 der fünfbeste Center der Liga. Auch in den Jahren zuvor wurde er immer als Vorbild für gutes Center-Spiel angepriesen. Gregg Easterbrook, der die immer noch lesenswerte Tuesday-Morning-Quarterback-Kolumne auf ESPN´s Page 2 schreibt, hat ihn 2006 zu seinem MVP ernannt. Und das vor dem wohl legendärsten Spiel in der Geschichte der Indianapolis Colts – dem 2006 AFC Championship Game.

An diesem 21. Januar konnten Peyton Manning, Jeff Saturday, Head Coach Tony Dungy und der Rest der Colts ihr Brady/Belichick/Patriots-Trauma überwinden, nachdem sie in den Playoffs 2003 und 2004 sowie einige Male in der Regular Season gegen die Mannschaft verloren haben, mit der zusammen sie die großartigste NFL-Rivalität des neuen Jahrtausend begründeten. Saturday spielte dabei – wie immer – eine wichtige Rolle, aber dieses mal konnte man sie sogar auf dem Spielberichtsbogen sehen. In diesem AFC Championship Game 2006, bei 21-28-Rückstand zu Beginn der vierten Viertels fumblet Running Back Dominic Rhodes den Ball an New Englands 1-Yard-Linie, aber Saturday erobert den Ball in der Endzone zum Ausgleich. Dann im letzten Drive, Indy liegt mit drei Punkten hinten, schleudert Saturday Patriots Nose Tackle Vince Wilfork dermaßen zu Boden, daß RB Joseph Addai problemlos zum siegbringenden Touchdown in die Endzone spazieren kann. Manning wird diese Aktion später als „The Block“ bezeichnen und ihn damit in eine Reihe mit The Drive und The Catch stellen. Am Ende der Saison 2006 steht Saturdays erster und einziger Super Bowl Triumph.

Die späten Jahre und NFLPA

Auch in den Jahren 2007 bis 2010 gehören die Colts auch dank Saturday mit zum Besten, was die Liga zu bieten hat. 2009 hat man nach 14 Siegen zu Saisonbeginn sogar die Chance auf eine Perfect Season, die den neuen Head Coach Jim Caldwell aber nicht im Geringsten interessiert. So verliert man mit der B-Mannschaft in Woche 16 gegen die Jets unter deren neuen HC Rex Ryan. Ebenjene Jets schlägt man dann zwar im kommenden AFC Championship Game, aber die New Orleans Saints verwehren den Colts den zweiten Ring. 2010 hat Rex Ryan dann in den Playoffs das erste Mal in seinem Leben ein Mittel gegen Peyton gefunden, nachdem dieser ihm während seiner Jahre in Baltimore und dann auch in New York so große Kopfzerbrechen bereitete, daß Ryan ein ums andere Mal für ihn völlig uncharakteristisch jemanden voller Respekt in den Himmel hob. Dieses Spiel in der Wild-Card-Runde, eine 16-17-Niederlage, war bis zum heutigen Tage das letzte, daß Peyton Manning und Jeff Saturday zusammen beschritten.

Auch außerhalb des Platzes hat Saturday in den letzten Jahren von sich reden gemacht. Seit 2008 ist Saturday gewähltes Mitglied des Executive Committees der Spielergewerkschaft NFLPA. Im Frühjahr und Sommer 2011, als ob des Lockouts in der NFL der Ausnahmezustand herrschte, hat Saturday bei den Verhandlungen eine herausragendende Stellung eingenommen. Wie wichtig er dabei war, zeigte sich vor allem nach der Einigung, als er mit – ausgerechnet – Patriots-Owner Robert Kraft vor die Kameras trat und die beiden sich gegenseitig für ihren Anteil an dem neuen CBA lobten. Nur wenige Tage vorher verstarb Krafts langjährige Ehefrau Myra und der tiefgläubige Saturday fand dabei die richtigen Worten, woraufhin dieses berühmte Photo entstand.

Zur Zeit wird allerorten darüber spekuliert, ob Peyton Manning WR Reggie Wayne im Schlepptau haben wird, wenn seinen nächsten Arbeitsplatz antreten wird. Komischerweise wird kaum darüber gemunkelt, ob er nicht auch den wichtigsten Mann aus seiner Offensive Line mitnehmen wird, zumindest für ein oder zwei Jahre. Dem Vernehmen nach trainiert Saturday, der Free Agent ist, derzeit irgendwo und trifft seine Entscheidung, ob er sich aus dem aktiven Sport zurückzieht oder ob er auf seine 197 NFL-Spiele noch einige draufpackt. Die Chancen stehen wohl 50/50. Fest steht aber, daß sich einige Teams, allen voran die Colts, sehr gut vorstellen können, Saturday einen Job in ihrem Front Office zu geben. So oder so wird er der NFL auf jeden Fall erhalten bleiben.