Pac-12 Conference vor der Saison 2012/13: Die Southern Division

Ze Pac-12

Drei Jahre Dominanz der Oregon Ducks – wie lange wird das anhalten? Dieses Jahr ist Andrew Luck von dannen, aber die USC Trojans kehren dafür als massierte Wucht zurück ins Rennen einer Conference, die als eine der wenigen momentan sehr stabil ausschaut.  Die Vorschau, als erstes, auf die Southern Division mit Teams aus Südkalifornien, Arizona und den Rocky Mountains.

Southern Division

Die USC Trojans gelten nicht bloß als klare Favoriten im Süden der Pac-12 Conference, sondern – wie wir bereits wissen – überhaupt als ganz heiße Kandidaten auf den Gewinn der BCS-Kristalltrophäe. Konkurrenz sollen sie in der Division keine haben, oder, wie ich sagen würde: Kaum.

Denn die Utah Utes aus Salt Lake City sind nicht komplett zu unterschätzen. Jahrelang einer der ganz starken Mid-Majors, haben die Utes 2011 in ihrem ersten Jahr in der großen Pac-12 ein paar Umbruchprobleme überstehen müssen, inklusive einer verheerenden Niederlage mit zig verschossenen Field Goals gegen Colorado, weswegen man das Endspiel um den Conference-Titel verpasste.

Trotzdem ist die Stimmung euphorisch. Das hat auch mit der unkonventionellen Entscheidung von Head Coach Kyle Wittingham zu tun, den erst 25jährigen Brian Johnson zum neuen OffCoord zu bestimmen. Brian Johnson, das ist ein Mann, den kenne ich noch vom Spielfeld. Vor dreieinhalb Jahren spielte der mit den Utes als Quarterback die Alabama Crimson Tide in der Sugar Bowl an die Wand. Johnson war schon damals nachgesagt worden, ein Peyton Manning, ein „Coach auf dem Spielfeld“ zu sein. Jetzt ist er nur mehr Coach und muss einen verunsicherten Angriff um den nicht immer überzeugenden QB Jordan Wynn wiederbeleben, und nach allem, was man so hört, scheint ihm das ganz gut zu gelingen.

Der wahren Grund für das Stimmungshoch ist aber die Defense, die sensationell druckvoll in der Front-7 spielt und auf einen der ganz großen Stars des NFL-Drafts 2013 bauen kann: DT Starlite „Star“ Lotulelei, dem kein OffCoord weniger als zwei Guards aufhalst und der nur wegen zu schlechter Noten andernorts überhaupt bei Utah untergekommen ist. Utah empfängt USC zuhause (4.10., vormerken!) und spielt auch ansonsten einen eher leichten Schedule. Sensation, hör ick da was trappsen?

Auch nicht zu unterschätzen: Die UCLA Bruins, die sich allenfalls einen etwas kuriosen Head Coach angelacht haben: Jim Mora jr., den Kreativkopf, der sich einst eine West Coast Offense für Michael Vick ausgedacht hatte. Mora jr. war in Los Angeles schon vom ersten Tag an eigentlich abgeschrieben, aber er scheint seine Sache überzeugend genug zu machen, dass man den Bruins mittlerweile wirklich zutraut, wenigstens acht Saisonsiege einzufahren (Schlagwort „intriguing“), und das mit einer ähnlichen Mannschaft wie jener furchtbar unkonstanten 2011er-Truppe. Der neue OffCoord ist Noel Mazzone, bei dem man gleich denkt „ah, Passfeuerwerk! No huddle!“. Kredenzien: Zuletzt den Angriff der Arizona State Sun Devils nach oben gecoacht; jetzt ist in L.A. gefragt, als vierter OffCoord in den letzten vier Jahren und mit einem unerfahrenen QB (Kevin Prince oder Richard Brehaut) zu arbeiten.

In der Defense ist auch ein neuer DefCoord da: Lou Spanos (ex-Washington Redskins), bei dem keine Sau weiß, was er vorhat, aber der Floskel auf Floskel abspult und wenigstens damit Leben in eine verwaiste Abwehr bringt.

Der Rest wird diesmal nicht viel reißen. Die Arizona Wildcats arbeiten das erste Jahr unter einem exzellenten Offensivgeist: Rich Rodriguez, den Head Coach, der nach verheerender Zeit bei Michigan nun wieder eine Chance kriegt. Rodriguez hat sich als Charakter erstmal in die Ecke gestellt, aber dass der Mann ein unkonventioneller Geist mit innovativen Ideen ist, hat sich gezeigt: Brutal breite „Spread“-Aufstellung, richtig viel Bewegung an der Anspiellinie, kaum Huddles – das war alles zu den Zeiten, als ich begann, College Football zu schauen, stilbildend. Es war Rich Rodriguez’ Stil, und er ist heute Usus, weil vielfach kopiert. Die Offense braucht allerdings eine lange Einlernzeit, und auch weil das Personal in der Defense völlig ungeeignet für die neue 3-3-5 Aufstellung sein soll, erwartet niemand von den Wildcats Wunderdinge. Was aber dank Rodriguez und seine exponierte Art bereits erreicht ist: Man nimmt Arizona landesweit wahr.

Das ist auch bei den Arizona State Sun Devils der Fall, die sich auch so einen Kotzbrocken als Chefcoach angelacht haben: Todd Graham, der in Pittsburgh auf unterste Schublade kündigte und nur mit Glück ohne Knochenbrüche die Wüste von Tempe/AZ erreichte. Graham ist ein Wandervogel, der wie Rodriguez aneckt und viel „Spread“ spielen lässt. Die Sun Devils haben allerdings nach haufenweise Abgängen (u.a. QB Osweiler) kaum verfügbares Spielermaterial, was es auf der anderen Seite für einen Egomanen wie Graham auch einfacher macht, kann er doch noch rücksichtsloser seine Ideen durchdrücken, ohne irgendwelchen Starspielern vor den Kopf zu stoßen. Einzig DE Junior Onyeali soll unangetastet bleiben, aber der passt charakterlich auch wunderbar zum Stinkstiefel Graham.

Nicht unlustig: Arizona State gehörte in der Vergangenheit zu den unbeherrschtesten Mannschaften mit den meisten Strafen. Ausgerechnet ein Graham muss die Jungs nun disziplinieren.

Schließlich die Colorado Buffaloes, wo wir letztes Jahr einen exzellenten Kommentar von Jens lesen durften. Tenor: Das Trainerduo Embree/Bieniemy sollte nach dem Desaster um Dan Hawkins eine Chance bekommen. Ein Jahr später liest sich das Ding ungefähr so: Jon Embree wird exzellente Recruiting-Arbeit nachgesagt, was auf der Geberseite halt auch bedeutet, dass der Kader extrem jung und unerfahren ist. 2011 war man nur 3-10, die Euphorie ist erstmal soweit gegangen, dass das Frühjahrscamp vor Geisterkulisse stattfand… Nun vermisst man auch noch das Arbeitstier in der Offense der letzten Jahre, RB Rod Stewart. Um ein bissl Hoffnung zu machen: Ein derartiges Verletzungspech wie letzten Herbst wird man diesmal wohl kaum mehr haben, und die Erwartungen sind diesmal so weit im Keller, dass man ein 3-10 im Sinne des Neuaufbaus gern in Anspruch nimmt. Okay, nicht gern, aber man würde es akzeptieren.

Später: Die Northern Division, die deutlich stärker einzuschätzen ist.

Wir lesen (2) – Blood, Sweat and Chalk (Tim Layden)

[Nummer 2 in unserer Buchreihe: Tim Layden: Blood, Sweat and Chalk. Inside Football´s Playbook. How the Great Coaches Built Today´s Game. Sports Illustrated Books: New York 2010. Als Taschenbuch zum Beispiel hier schon ab 12,50€. Teil 1 der Bücherreihe hier.]

Nachdem wir Teil 1 unserer Bücherreihe mit dem strengen Lehrer Pat Kirwan und seinem trockenen, aber hochinformativen „Take your Eyes off the Ball“ begonnen haben, kommen wir heute zu etwas leichterer, aber nicht minder informativer Kost. Tim Layden, seit 1994 bei Sports Illustrated erzählt von der seit mehr als 100 Jahre stetig andauernden Evolution von Strategie und Taktik im American Football. Er macht dies in seinem Buch „Blood, Sweat and Chalk“ in einem angenehmen Plauderton statt in Kirwan´schem Hauptseminarduktus.

SLayden hat dabei trotzdem äußerlich ein ziemlich strenges Gerüst. Er erzählt die Geschichte anhand bestimmter taktischer Neuerungen und innovativen Veränderungen. Dabei bekommt jede Innovation sein eigenes Kapitel. Es beginnt bei der Single Wing Offense, geht über Wishbone, die West Coast Offense, Zone Blocking und der Spread Option bis hin zu defensiven Strategien à la Tampa 2 oder dem „Double A Gap Blitz“. (Inhaltsverzeichnis und Vorwort hier und hier das Kapitel „The Ryan Family Defense“ als Auszug.)

Das Spinnennetz der Geschichte

Jedes Kapitel ist dabei in sich abgeschlossen, auch wenn es manchmal einige Überschneidungen gibt. Schließlich bauen viele neue Strategien auf alten auf oder wurden in direkter Abgrenzung zu ihnen entwickelt. Zu beinahe jedem Kapitel findet Layden tolle Geschichten. Der Kern der Geschichte ist dabei immer ein Coach oder ein bestimmtes Spiel. Von da aus werden erzählerisch Linien gezogen und zurückgeschielt, bei welchen Teams der jeweilige Innovator vorher gespielt hat und unter wem er trainiert hat – also wo und vom wem er beeinflusst wurde. Oder was das jeweilige Team in den letzten Jahren durchgemacht hat und welche Spieler eine bedeutende Rolle spielen.

Auf einer anderen Ebene, die aber erzählerisch damit verbunden ist, wird zur Seite geschaut und beschrieben, was für Systeme und Taktiken zu der bestimmten Zeit gerade en vouge waren. Es wird also in bester Storyteller-Manier ein Netz gesponnen – vertikal (Zeit) und horizontal (Football-Landschaft). So entsteht ein anschauliches Bild davon, wie der Football zu jener Zeit ausgesehen hat und welche Philosophien gerade angesagt waren.

Layden hat dafür Interviews mit mehr als 100 Experten geführt, hauptsächlich (Ex-)Trainer und Spieler. Die Liste reicht von Howard Mudd über Bill Belichick bis hin zum unvermeidlichen Jon Gruden. Für einige Kapitel hat er auch die wichtigen Exponenten getroffen und ausführlich mit ihnen gesprochen. So trifft er beispielsweise Don Coryell (Kapitel 6 „Air Coryell“) in seinem Haus an einem kleinen See in Washington State; Buddy Ryan auf seiner Pferdefarm in Kentucky („The Ryan Family Defense“), Mouse Davis zum Frühstück an seiner Wirkungsstätte Portland State („The Spread Offense“) oder Dick LeBeau beim Trainingscamp der Pittsbugh Steelers („The Zone Blitz“).

Fokus und Muster

Bei der Fülle an Material und dem riesigen zu beackernden Feld – Footballstrategie von Pop Warner um die Zeit der Jahrhundertwende bis zur A-11-Offense im Jahre 2010 – ist es eine mehr als beachtliche Leistung, alles auf knapp 250 gut lesbaren Seiten unterzubringen. Layden schafft das, indem er sich für jede Innovation einen Coach oder eine Mannschaft als Fokus nimmt, um diesen herum seine Geschichte erzählt und an manchen Stellen auf ein tieferes Einsteigen in die (taktische) Materie verzichtet. Das wurde Layden mancherorts vorgeworfen. Es sei nicht tief genug, das Konzept und die Strategie fehlt undsoweiter. Aber das gehört zu Laydens Konzept – und es ist ein gutes Konzept. In seinen eigenen Worten:

Since modern football first began taking shape not long after the turn of the 20th century, hundreds of offenses and defenses have been tried. Fourteen of them, some with variations, are examined in this book. It´s not a comprehensive selection but a representativ one, exalting those systems that have either endured or profoundly impacted the game. Beyond the X´s and O´s though these pages tell the story of the men who held the chalk.“

Wir wollen hier keine umfassende inhaltliche Zusammenfassung geben, lesen muss schon jeder selber. Aber es schälen sich ein paar Muster heraus, die immer wieder auftauchen und bestätigt werden.

  • Innovationen und große Veränderungen sind meist die Folge von fehlendem Talent (Mouse Davis zum Beispiel hatte nur „pissants„, also hat er sich überlegt, wie er die ganzen Zwerge sinnvoll einsetzen kann)
  • jede bestimmte Offense und Defense ist „the product of everyone who has touched it“ – es gibt nicht die West Coast Offense oder die Spread Option
  • Entwicklungen verlaufen zyklisch + niemals geht etwas so ganz (Teile/Überbleibsel bestimmter Systeme überleben in anderen Systemen und werden von ihnen integriert; manche kommen sogar prominent zurück, zum Beispiel die Single Wing-Philosophie in Form der Wildcat)
  • Neuerungen gehen meistens den Weg vom High-School-/Small-College-Level über Division-I hin zur NFL; selten, daß etwas in der NFL erfunden wird
  • Innovation entstehen oft aus  der Motivation, vorherige Innovationen zu kontern (z.B. Tampa Two als Antwort auf West-Coast-Offense oder Zone Blitz als Antwort auf Passing Game der Live Ball Era)

Zwischendrin wird von Zeit zu Zeit alles mit Anekdoten aufgelockert, von denen man auch noch lernt. Wer weiß zum Beispiel, wie die West Coast Offense tatsächlich zu ihrem Namen gekommen ist und was der Dallas Cowboy Bernie Kosar damit zu tun hat. Oder wie Rich Rodriguez zufällig die Spread Option erfunden hat, als sein Quarterback in Glenville State im Training gestolpert ist. Zu Beginn jedes Kapitels gibt es eine taktische Zeichnung auf einer Tafel, die einen typischen Spielzug des jeweiligen Systems  zeigen. Auch das macht Laydens Buch zu einer schönen Geschichtsstunde in Sachen Football. Layden bringt die meisten Dinge so anschaulich und begeisternd rüber, daß man sofort in seinem Archiv stöbern oder das Internet durchsuchen möchte und sich ein Spiel der 70er Oklahoma Soones, der 90er Nebraska Cornhuskers oder der K-Gun Buffalo Bills ansehen. Man lernt eine ganze Menge über Systeme und Taktiken und die Coaches, Spieler und Mannschaften dahinter. Kombiniert mit dem plaudernden Erzählstil ist dieses Buch genau das Richtige für einen Frühlingsnachmittag in der Offseason. Die Schwachpunkte der mangelnden Tiefe und daß die Defense mit nur fünf Kapiteln (von 21) unterrepräsentiert ist, tut dem Vergnügen keinen Abbruch.

Bowl Season 2010/11, Tag 12: Die Schüsseln werden größer – Das Vorabendprogramm zu Neujahr

Neujahrstag ist Großkampftag im College Football. Nicht weniger als sechs Bowls werden veranstaltet. Vorab ein kleiner Überblick über das Geschehen:

TicketCity Bowl: Texas Tech – Northwestern, 18h
Outback Bowl: Penn State – Florida, 19h
Capital One Bowl: #9 Michigan State – #16 Alabama, 19h
Gator Bowl: #21 Mississippi State – Michigan, 19h30
Rose Bowl: #3 TCU – #5 Wisconsin, 23h live bei ESPN America
Fiesta Bowl: #7 Oklahoma – Connecticut, 02h30 live bei ESPN America

Sechs Bowls, und nur zwei sind live bei ESPN America?

Nun, ich habe dafür ausnahmsweise Verständnis: In der NHL findet um 19h die „Winter Classic“ statt. Das allein ist Grund genug für eine Live-Übertragung von Eishockey. Was es einen no brainer macht: Es ist Pittsburgh Penguins – Washington Capitals angesagt. Crosby vs. Ovechkin. Ich erinnere an das fantastische Spiel vom letztjährigen Superbowl-Aufwärmprogramm und an das ebenso sehenswerte Spiel vom vergangenen Donnerstag.

Die beiden Live-Bowls sind auch gleich die ersten BCS Bowls. Dazu in einem eigenen Blogeintrag mehr. Vorab der erste Viererpack an Bowls in der Vorstellung, beginnend wieder mit Seminole, die über die Outback-Bowl schreibt – mit Florida States großem Rivalen Florida.

Outback Bowl

Sa., 1.1.2011 um 19h. Als Tape bei ESPN America am Sonntag, 2.1. um 10h30

Florida Gators – Penn State Nittany Lions

Gestern gings um gefüllte Hühner. Heute wechseln wir von der Hühnerfabrik ins Steakhaus. Welcome to the Outback Bowl! Outback ist eine Imbiss-Kette, serviert in gekünstelt urig gehaltenen Restaurants auf. Und Outback kommt aus Tampa. Dort wird der Outback Bowl auch ausgespielt. Heuer garniert mit ganz großen Namen. Auf der einen Seite die Pennsylvania State University mit Coach Joe Paterno. Auf der anderen Seite die University of Florida, wo ein anderer ganz großer Trainer seinen letzten Weg geht: Urban Meyer.

Florida ist nicht gleich Florida State. Die Übersetzer der Simpsons sind nicht imstande, Florida State und Florida zu unterscheiden. Dabei handelt es sich um zwei sehr rivalisierte Unis. Die Florida Gators sind auf dem FSU-Campus *hust* nicht die beliebteste Footballmannschaft, wenn ich das so sagen darf.

Tschüss, Urban! In den letzten Jahren waren sie uns deutlich überlegen, eben auch dank Urban Meyer, dem jungen Mann im Bild. Und dank Tim Tebow. Ich erinnere mich mit Grauen an das Heimdebakel vor zwei Jahren gegen die Gators. Tebow ist weg, und schon sind die Gators nur noch die Hälfte wert. Jetzt ist auch noch Meyer zurückgetreten, aus einem Mix aus gesundheitlichen Problemen und Burnout. Meyer coacht die Outback Bowl, sagt dann aber Tschüss und auf Nimmerwiedersehen. Es ist nur Meyer und seiner Bescheidenheit zu verdanken, dass ich einen Funzen Zuneigung für Florida empfinde. Der Neue wird dann Will Muschamp sein, Defensivcoach in Texas. Muschamp ist einer der besten Kumpels vom Seminoles-Coach Jimbo Fisher. Die Welt ist klein.

Keep on, Joe! Auf der anderen Seite läuft der steinalte Joe Paterno an der Seitenlinie entlang. Als Paterno jung war, hat Fred Feuerstein noch seine Wilma durch die Gegend gekarrt, haben Spechte einen auf Disc Jockey gemacht und statt Hausfrauen Mammuts die Wohnung gesaugt. Paterno ist seit Dienstag 84. Dieses Spiel ist sein 37. Bowl. 24 hat er bisher gewonnen, mehr als jeder andere Coach. Wer mehr wissen will: korsakoff hat ihn vor Zeiten mal durchleuchtet.

JoePa und seine Frau mit dem klingenden Nick SuePa sind sowas wie die grauen Eminenzen, die lebendem Beweise, dass auch in der Urzeit bereits Football gespielt wurde und es auch mal ohne Totalvermarktung Sport gegeben hat. Ein ganz, ganz großer Trainer, den man für seine Energie einfach nur bewundern kann. Und ein Trainer, der im Gegensatz zu Meyer viel, sehr viel Wert darauf legt, dass seine Jungs sich gebildet verhalten und dass seine Jungs sich schulisch bilden.

Für die kulturell Interessierten. Während meines Highschool-Auslandssemesters hat mich der Host Daddy mal auf den Campus der Penn State mitgenommen. Ein schönes, weitläufiges Gelände. Florida State und Florida können da nicht mithalten. Wer mal in die Nähe von University Park kommt und wem was an amerikanische Uni-Campi (?) liegt, der darf sich das schon mal anschauen.

Prognose: Am 1. Jänner – Penn State Nittany Lions gegen Florida Gators. Berglöwen gegen Krokodile. Es dürfte klar sein, wo meine Präferenzen liegen. Aber auch ohne Daumendrücken sollte Penn State das Spiel eigentlich gewinnen.

Ich lasse das mal so stehen. Zu den anderen drei Bowls, die alle auf die Tage nach Neujahr verteilt bei ESPN America aufgezeichnet werden.

TicketCity Bowl

4.1. um 10h30 als Tape bei ESPN America

Texas Tech Red Raiders – Northwestern Wildcats

Eine neu geschaffene Bowl und das aus einem Grund: Die Cotton Bowl Classic ist aus Dallas nach Arlington in das monströse Cowboys-Stadium abgewandert. Die altehrwürdge Cotton Bowl (WM-Stadion 94, u.a. Deutschland-Südkorea) hat sich nach Ersatz umgesehen und die TicketCity Bowl eingeführt. Sie findet um 11h Ortszeit statt.

Die Texas Tech Red Raiders (Big 12) treffen auf die Northwestern Wildcats (Big Ten). Die Northwestern ist eine der akademisch am höchsten angesehenen Unis. Das Footballprogramm dümpelt seit Jahrzehnten vor sich hin. Seit dem Rose-Bowl-Sieg von 1949 hat man nur mehr selten Bowls gespielt und keine einzige davon gewonnen. Heuer war es eigentlich eine ganz ansprechende Saison, bis sich QB Dan Persa verletzte. Die Ersatzmänner sind sehr unerfahren und die Offense Line nicht prall. Das Laufspiel wird komplett dezimiert sein: Verletzungen und Spielerabgänge führen dazu, dass 1227 von 1798 rushing yards nicht einsatzfähig sein werden.

Texas Tech hat andere Sorgen. Nach dem elegant gelösten Theater um Mike Leach vor einem Jahr stand Nachfolge-Coach Tom Tuberville lange Zeit vor dem Absprung Richtung Miami. Tuberville bleibt, aber die Defense ist extrem löchrig und fängt sich extrem viele Yards und Punkte ein. Zum Glück ist die Wildcats- Offense sehr ausgedünnt. Offensiv sind die Red Raiders passgewaltig (QB Taylor Potts 3357yds, 31 TDs, 9 INTs). Ich tippe auf einen klaren Sieg von Texas Tech im „Heim-Bowl“ (der Campus ist 6 Autostunden vom Stadion entfernt).

Capital One Bowl

2.1. um 8h als Tape bei ESPN America

#9 Michigan State Spartans – #16 Alabama Crimson Tide

Die Nachfolgerin der Citrus Bowl – und ausgespielt in der Citrus Bowl in Orlando (remember: Champ Sports Bowl vor einer Woche). Sportlich ist es ein hochwertiges Duell. Alabama hat „nur“ eine 9-3 Saison in der SEC gespielt und über weite Strecken nicht sooooo überzeugend. Niederlagen gegen South Carolina und Lousiana State machten die BCS-Hoffnungen zunichts. Aber nichts war bitterer als die fassungslose 27-28 Schlappe gegen Auburn in der gehypten „Iron Bowl“ – eine unglaubliche Niederlage vor allem wegen der 24pt-Führung und der erdrückenden Dominanz.

Alabama ist für mich besser als #16. Das Laufspiel um die RBs Mark Ingram (Heisman Trophy 2009) und Trent Richardson ist durchaus stark, das Passspiel ist dazu nur die Ergänzung. QB Greg McElroy ist einer, von dem ich nicht weiß, was ich davon halten soll. Mal spielt er sehr blass, mal wieder recht souverän, aber insgesamt halte ich nicht allzu große Stücke auf McElroy. Auf jeden Fall ist er einer, der lieber den riskanten Pass scheut als eine INT zu werfen. Top-WR ist Superstar Julio Jones (75 Catches, 1084yds, 7 TDs), den wir unter Garantie ganz weit vorne im NFL Draft sehen werden, vielleicht in den Top 10. Eine große Stärke der Offense: Sie gibt den Ball nur selten her. Es sei denn, sie spielt gegen Auburn. Die Defense der Crimson Tide ist knackig, angeführt vom DT Marcel Dareus, auch so ein zukünftiger hoher Draftpick. Stärke der Defense: Sie macht viele INTs und ist eine einzige Mauer gegen den Lauf. Es sei denn, sie spielt gegen Auburn.

Michigan State hat die Big Ten punktegleich mit Ohio State und Wisconsin gewonnen, spielt aber als einzige Uni des Trios nicht in einer BCS Bowl. Grund: BCS #9 war zu wenig! Die Spartans werden angeführt von QB Kirk Cousins, eigentlich ein solider Mann, aber gegen Saisonende doch eher fehleranfällig. Gegen die hungrige Bama-Defense sollte der Mann aufpassen, zumal der Top-Receiver ausfällt. Für Michigan gilt Ähnliches wie für Alabama: Gutes Laufspiel, gute Defense, angeführt vom MLB Greg Jones.

Viele Gregs und Jones’ laufen da by the way herum…

Interessante Komponente: Alabamas Coach Nick Saban war vor 15 Jahren Head Coach an der Michigan State University. Sabans Assistent damals: Mark Dantonio. Heutiger Head Coach der Spartans: Mark Dantonio. Dantonio hatte anfangs der Saison einen Herzinfarkt. Die Spartans haben sich davon nicht abschrecken lassen und danach Vollgas gegeben, u.a. mit Siegen über Wisconsin, Michigan und Penn State. Einzig die ärgerliche Niederlage gegen Iowa machte alle Rosebowl-Hoffnungen zunichte.

#9 gegen #16. Ich sehe Alabama trotzdem als Sieger aus dem Spiel hervorgehen, und zwar nicht mal besonders knapp.

Gator Bowl

3.1. um 11h als Tape bei ESPN America

#21 Mississippi State Bulldogs – Michigan Wolverines

Nach Michigan State auch noch Michigan. Die Wolverines sind ein traditionelles und sehr populäres Team. In den letzten Jahren aber auch zu erfolglos und verstrickt in interne Zwistigkeiten und Affären rund um Head Coach Rich Rodriguez (Stichwort: knallharte Trainings und Überschreitungen der maximalen Trainingszeit). Auf mich wirkt es, als ob Michigan Rodriguez lieber heute als morgen los wäre. Rodriguez ist bei den Spielern allem Anschein nach auch nicht der Beliebteste und es ist nicht ausgeschlossen, dass dieses Spiel Einfluss auf die Jobaussichten von Rich Rodriguez hat…

Auf der anderen Seiten haben die Bulldogs einen Coach, der überall begehrt ist: Dan Mullen, der jüngst auch bei den Florida Gators als HC im Gespräch war.

Die Bulldogs werden in dem Spiel Acht geben müssen auf den explosiven QB der Wolverines, Denard Robinson. Robinson spielte zu Saisonbeginn gewaltig auf, ist ein Sprinter mit Wurfarm, aber insgesamt ist Robinson (noch) zu unkonstant und lauf-fokussiert. Robinson ist vor allem unglaublich wendig und stolpert nur selten, obwohl der Mann stets mit offenen Schuhlitzen spielt.

Mississippi State hat schon gegen Cam Newton gespielt – und Newton damals im September halbwegs ordentlich unter Kontrolle gehalten. Aber Robinson ist athletisch noch einmal eine Kategorie höher anzusiedeln, wenn auch nicht ganz so souverän im Einsetzen seiner Lauf-Fähigkeiten.

Ich bin mir ob des Spielausgangs nicht sicher. Michigan ist offensiv nur Denard Robinson und hat in der Defense arge Probleme offenbart. Die Bulldogs kenne ich viel zu wenig. Ich würde eher auf einen Bulldogs-Sieg tippen.