Frühstückseier am Dienstag, 26.2.2013

Gestern schneite überraschend die Nachricht rein, dass ESPN America möglicherweise zum Verkauf steht – oder ganz eingestampft wird. Nähere Informationen und Interpretationen der mehrdeutigen Pressemitteilungen von ESPN und BT gibt es bei Allesaussersport. Fix ist noch nix, aber die Zeichen stehen eindeutig auf Abschied.

Sollte ESPN America wirklich schließen, wäre ich traurig. NASN/ESPNA war für mich der Sender. Ich werde nie vergessen, wie ich am in der Nacht nach Neujahr 2007 bei einem Kollegen in Deutschland das Spiel der Spiele, Fiesta Bowl Oklahoma – Boise State, auf NASN guckte und seither nicht mehr von diesem Spiel und diesem Sender loskam. Bye, bye, ESPN America.

Sollte es für das italienische Staatsgebiet ab Herbst keine Möglichkeit mehr geben, College Football zu schauen, werde ich zur Auswanderung gezwungen sein.

Combine am Montag

Der vermeintliche Top-DT Star Lotulelei konnte kurzfristig nicht an den Workouts teilnehmen. Was sich im ersten Moment dramatisch anhörte, entpuppte sich am Ende als relativ harmlose „Dehydration“. Lotulelei kann schon wieder trainieren und wird im Laufe des März die verpassten Trainingseinheiten in diversen Camps nachholen.

Bei den Ends gab es kleinere Enttäuschungen. Damontre Moore hatte einen Tag zum Vergessen, verletzte sich in seiner zweiten Sprinteinheit und schaffte bodenlos schwache 12 Reps mit den 102kg-Hanteln. Möglicherweise fällt da mit Moore nach Jarvis Jones der zweite als sicher vermeldete Top-Draftpick um einige Plätze nach hinten.

Auftritt Björn Werner? Nur halb. Werner soll ebenso keinen guten Tag gehabt haben und wurde als Chris Long für Arme verspottet. Gemessen an Moores Scheißtag dürfte Werner aber noch gut dastehen. Eine dezidierte Analyse zu Werners Leistungen in sämtlichen Drills hat Flo Zielbauer im Hardcount-Blog geschrieben.

Mike Mayock ist ja ein Bewunderer von Oregons DE/OLB Dion Jordan. Jordan mit sagenhaften 4.60sek im Sprint, ließ Mayock zur Aussage, Jordan sei ein „ungeschliffener Aldon Smith“ hinreißen. Vor allem Jordans Antritt ist sensationell. Fast so schnell: Ziggy Ansah, unser ghanaischer Freund, mit 4.63sek. Von Ansah hatten wir aber nix anderes als Super-Stats erwartet. Ansah sah aber in den Linebacker-Drills nicht gut aus.

Der Este Margus Hunt ist dagegen bedenklich nahe am Terminus Workout Warrior: 4.60sek Sprintzeit und gleich 38 (!) Reps für einen Defensive End sind traumhafte Werte. So traumhaft, dass sie Skepsis wecken. Hunt wurde mit 6’8 und 277 Pfund gewogen.

Bei den Tackles sollten für meinen Geschmack vor allem Richardson aus Mizzou und Floyd von Florida Pluspunkte gesammelt haben: Beide wuchtige, antrittsschnelle Athleten mit großartiger Körperbeherrschung. Ich kenne die Spielausschnitte nicht, aber die Grundvoraussetzungen bei beiden sind fantastisch.

Etwas Slapstick gab es dank Iowa States Linebacker A.J. Klein, der in seinem Positionsdrills gleich zweimal auffm Popo landete [GIF]. Bei Manti Te’o war man unisono enttäuscht von seinen 4.82sek im Sprint. Te’os Sprint wirkte seltsam undynamisch, wenn man es mit einigen Spielen am College vergleicht. Ogletree war mit niedrigen 4.62sek besser.

Combine am Dienstag

Die Combine schließt heute mit den Defensive Backs. Glauben wir den Scouts, sind bei den Cornerbacks Dee Milliner/Alabama und Desmond Trufant/Washington die beiden einzigen „sicheren“ Erstrundenpicks, ebenso viele wie bei den Safetys mit Kenny Vaccaro/Texas und Matt Elam/Florida.

Es gibt allerdings einen jungen Safety von der Florida International University – Jonathan Cyprien – dem man zutraut, mit einer pfeilschnellen Sprintzeit (sagen wir: unter 4.45sek) in die Garde der ersten Runde zu schießen. Ohne den Spieler jemals (bewusst) gesehen zu haben, aber man vernimmt Wunderdinge über den Knaben.

Bei Milliner ist zu beachten, dass er eine Hüftoperation hinter sich hat und deswegen vermutlich nicht im Vollbesitz seiner Kräfte sein wird. Krieger Milliner wird trotzdem alle Einheiten außer dem Gewichtstemmen bestreiten. Kollege Xavier Rhodes von der FSU soll dem Vernehmen nach eine eher schlechte 40-Time erwarten lassen, was seinem Ruf als extrem aggressiver press corner an der Anspiellinie nicht schaden sollte; Jacksonvilles Gus Bradley wird da auf seinen neuen Sherman schauen.

Ein ganz großer Name, der heute dabei sein wird: Tyrann Mathieu/LSU, der Honey Badger, der vor eineinhalb Jahren die Welt des College Football mit sensationellen Interceptions und Returns verzauberte und sich nach seiner Drogenkur nun in die NFL wagt. Mathieu gilt als geläutert, was auch immer das bei einem 22jährigen heißen mag.

Ringen ist wohl bald nicht mehr olympisch…

aber die Popularität war nicht das entscheidende Kriterium. Vielleicht haben andere Verbände in der Tat die dickere Brieftasche.