Black Monday 2013

[22h14] Mike Munchak wird – wenn überhaupt – wohl nicht schon heute entlassen werden. Munchak soll unter der Woche in einem Treffen mit GM Rusty Webster und CEO Tommy Smith die Situation bei den Tennessee Titans erörtern.

Ein anderer Posten kriegt Schwung: Bill O’Brien ist nach Informationen von John McClain (ehem. Houston Chronicle) der haushohe Favorit auf den Texans-Job, und O’Brien soll bereit sein, die Penn State University für den Texans-Job zu verlassen.

[21h31] Die Sofa-QBs #17 sind raus. Die Themen diesmal: Coaches, Week 17 und Wildcard-Vorschau. Ich war diesmal wieder dabei, leider zu Beginn aufgrund einiger Problemchen leicht unkonzentriert. Mitten in der Podcast-Aufnahme wurde dann Jim Schwartz entlassen; Schwartz‘ Entlassung ist vielleicht folgerichtig, aber sie wird die Probleme in Detroit nicht allein lösen. GM Mayhew darf nämlich wohl tatsächlich bleiben.

[19h05] Black Monday ist der erste Montag nach Ende der NFL-Regular Season. „Black“ für die Coaches und Offiziellen, die gefeuert werden. Heute war bis 12h EST (US-Ostküste) schon einiges los:

Rob Chudzinski wurde in Cleveland schon in der Nacht gefeuert. Die Nachricht, dass Chudzinski wackeln soll, überraschte mich gestern aus heiterem Himmel. Chudzinski wurde erst letzten Jänner verpflichtet und hatte einen Vierjahresvertrag; das Front-Office hatte damals den Move mit Wunsch nach Kontinuität kommentiert. Cleveland war 2012 mit 4-12 wieder eines der schlechtesten Teams der Liga, aber die Browns/Chudzinski mussten ohne Quarterback operieren.

Hinter vorgehaltener Hand vermutet man in dem Move das Werk des GM Michael Lombardi, der letztes Jahr erst wenige Tage nach Chudzinski in das Front-Office geholt wurde und erst mehrere Wochen danach zum General Manager befördert wurde. Lombardi gilt als Alphatier, das seinen eigenen Coach und totale Kontrolle über eine Franchise haben will. Die Kandidaten für Chudzinskis Nachfolge, die aktuell durch den Äther gejagt werden, sind vornehmlich ehemaliger Belichick-Schüler (Lombardi ist auch ein Belichick-Jünger); Leute wie Josh McDaniels (setzte die Denver Broncos 2009 und 2010 in Flammen) oder Bill O’Brien (sanierte zuletzt Penn State).

Leslie Frazier (Minnesota Vikings), Mike Shanahan (Washington Redskins), Greg Schiano (Tampa Bay Buccaneers) und Jim Schwartz (Detroit Lions) wurden ebenso gefeuert. Dieses Quartett habe ich schon vor zwei Wochen abgehandelt. Zu Schwartz wird es morgen noch einen detaillierten Blogeintrag geben.

Bei den Buccs wurde auch GM Mark Dominik mit rasiert. Detroits Front-Office um den umstrittenen Martin Mayhew scheint noch unangetastet geblieben zu sein. Bei den Vikes hatte GM Rick Spielman gestern bedenklich gewackelt, aber Spielman scheint nun doch bleiben zu dürfen.

Rex Ryan in New York wurde bereits bestätigt. Der Move wurde vom Owner Woody Johnson höchstpersönlich in den Minuten nach dem Sieg in Miami verkündet und ist unter Jets-Fans extrem umstritten. GM Idzik hielt sich gestern fein raus; viele vermuten nun, dass der Ministrant Idzik von Johnson übergangen wurde.

In Dallas gab Jerry Jones erst einmal ein Lippenbekenntnis für Jason Garretts Verbleib ab.

In Oakland ist es aktuell noch früh am Morgen (10h PCT). Gestern schien es so, als stünden der Franchise-Sanierer GM Reggie McKenzie und Head Coach Dennis Allen kurz vor dem Rauswurf.

Heiß gehandelte Kandidaten auf einen Head Coach-Posten sind neben der Belichick-Riege auch die Assistenzcoaches in Denver, z.B. OffCoord Adam Gase und/oder DefCoord Jack Del Rio (ex-HC der Jaguars). Denver war schon in den letzten Jahren Karrieresprungbrett für Leute wie Mike McCoy oder Dennis Allen.

Wir sind damit bislang bei sechs freien Trainerposten: Houston, Detroit, Tampa Bay, Washington, Cleveland, Minnesota.

Cleveland Browns in der Sezierstunde

Stat Line 2012

Record         5-11   --
Enge Spiele    3-5  
Pythagorean    6.1   (24)
Power Ranking   .425 (25)
Pass-Offense   5.7   (23)
Pass-Defense   6.1   (14)
Turnover        +3

Management

Salary Cap.
Free Agents.

Es gibt Franchises, die dümpeln immer irgendwo am unteren Ende der National Football League vor sich hin und dann kommt da plötzlich ein kometenhafter Aufstieg aus dem Nichts. Bestens aufgestellt als nächste Sternchen sollten die Cleveland Browns (die Browns!) sein. Wenn man sich anschaut, wie die meisten erfolgreichen NFL-Teams aufgestellt sind und welche der wichtigen Effizienz-Stats schon heute für Cleveland sprechen, sehen wir:

  • Offensive Line? Check.
  • Defensive Line? Check.
  • Defensive Back? Check.

Wo es fehlt, sind Quarterback und mit Abstrichen Wide Receiver. Und dafür hat der neue Owner Phil Haslam, dessen erste Monate „Amtszeit“ durchaus vielversprechend waren, schließlich zwei der besten Offensivgeister landesweit verpflichtet: Head Coach Rob Chudzinski aus Carolina und OffCoord Norv Turner aus San Diego. Vor allem letzterer macht Hoffnung, denn so fragwürdig Turners Ägiden als Cheftrainer waren, so hoch ist die Meinung vieler – inklusive meiner – von Turner als Kreator von phantastischen Offenses.

Als allererstes gilt Turner als Quarterback-Zuflüsterer, als Magier, der selbst aus einem jungen Alex Smith einen Spielmacher mit NFL-Potenzial machen konnte. Turners Offenses sind – wie jene Chudzinskis – vertikal angelegt. Keine sieben Wide Receivers an der Anspiellinie, sondern 2/2/1-Formationen mit tiefen Routen. Wichtig dabei: Ein Receiver mit big play-Fähigkeiten, ein fangstarker Tight End, ein fangstarker Running Back. Und ein Quarterback mit Kanone von Wurfarm.

Der Running Back dürfte der sicherste Kandidat sein: Trent Richardson gilt als eines der größten Talente seit Jahren und zeigte dies als Rookie bereits andeutungsweise. Bei den Wide Receivers gibt es den ebenso jungen Josh Gordon (31.6% tiefe Anspiele), einen Partylöwen mit Notwendigkeit nach einer harten Hand. Komplizierter wird es bei den Tight Ends: Ben Watson, aus New England bekannt, gilt als zu wankelmütig. Aber mit Jordan Cameron steht ein junger, ehemaliger Basketballer bereit. Tight End? Ex-Basketballer? Es würde mich wundern, wenn Turner da nicht wenigstens kurz an einen gewissen Antonio Gates zurückgedacht hat…

Bleibt die wichtigste Frage: Quarterback. Dort wurde letztes Jahr in einem ebenso spektakulären wie umstrittenen Move der mittlerweile bald 30jährige Brandon Weeden gedraftet, dessen Rookie-Saison nicht jeden begeisterte (geringe Completion-Rate, 17 INT, nur 5.7 NY/A). Der risikofreudige Weeden hat immer den Hang zur Interception, kann aber mit einem Wurfarm auch die 50yds-Bomben auspacken, wenn nötig.

Nun bleibt abzuwarten, was Chudzinski und Turner von der Option Weeden halten; als gesichert gilt, dass der neue GM Michael Lombardi, nicht der unumstrittenste GM unter der Sonne, von Weeden in etwa so viel hält wie Beyoncé von Achselnässenfehlfunktion. Lombardi lechzt nach gigantischen Wurfarmen und soll angeblich bereits in New England ob der Verfügbarkeit des ehemaligen Arkansas-Bombers Ryan Mallett angefragt haben.

Mallett wie Weeden eint freilich eines: Beide haben die Beweglichkeit einer einbetonierten Straßenlampe und sind auf Jahre auf exzellente Pass-Protection angewiesen. Da kommt es gelegen, dass die Browns bereits eine anerkannt gute Line ohne viel Nachbesserungsbedarf vorzeigen können.

Nachdem kaum davon auszugehen ist, dass Cleveland sich mit seinem sechsten Draftpick einen Offensivspieler draften wird, bleiben drei mögliche Optionen: Secondary, Pass Rush, oder Trade nach unten. Eine aufregende Idee könnte eine Einberufung von Alabamas CB Dee Milliner sein, wenn man die Passverteidigung, eine der wichtigsten Elemente einer Footballmannschaft, stärken möchte. Milliner und der All-Pro würdige Joe Haden – im Erfolgsfall wären die Abwehrsorgen der Browns auf Jahre erledigt.

So oder so wird es zumindest für die Tiefe einen oder zwei solide Manndecker brauchen. Den Rest wird DefCoord Ray Horton per scheming erledigen. Horton ist auch so eine Geschichte mit Würze: Jahrelang als Unbekannte durch die NFL getingelt, und schließlich in den letzten drei Jahren in Arizona eine schlichtweg begeisternd gute Defense zusammengebastelt. Jetzt Cleveland. Wieder so eine schnelle Secondary.

Wieder viele nette Bausteine für Hortons 3-4 Defense. Die Defensive Line könnte mit wuchtigen Körpern wie Taylor, Winn oder dem extrem breiten Rubin durchaus bereits stehen, und für die Linebacker-Crew stehen in D’Qwell Jackson und J.M. Johnson guter NFL-Durchschnitt bereit. An den OLBs wird es haken. Jabaal Sheard als ehemaliger Defense End dürfte eine Konstante sein, aber die zweite wird gesucht. Vielleicht im Draft. Vielleicht in Person des schwer gehypten OLBs Jarvis Jones aus Georgia. Ein Move dieser Güteklasse würde Sinn machen.

Für einen Trade nach unten sprechen der fehlende Zweitrundendraftpick (ging für Gordon letztes Jahr drauf) und die wenigen eklatanten Lücken im Kader.

Ausblick

Die Situation bei den Browns ist aufregend. Die Mannschaft hat ein sehr viel besseres Gerüst als man angesichts von jahrelangem Siechtum erwarten würde, und obwohl die heikelste Position (Quarterback) die unsicherste ist, spricht vieles für einen baldigen Aufschwung. Die Coordinators Turner und Horton kreierten in jüngster Vergangenheit jeweils Units vom obersten Regal, und zumindest Turner dürfte als Head Coach soweit verbrannt sein, dass er so schnell keine Abwerbungsangebote bekommen dürfte.

Was Chudzinski so auf dem Kasten hat, bleibt abzuwarten, aber der Mann sollte sich bei solchen Coordinators nicht allzu weit ins Tagesgeschäft einmischen müssen. Aber: Turner war in alten Chargers-Zeiten einer von Chudzinskis Lehr-„Meistern“. Ein X-Faktor könnte GM Lombardi sein, dessen Ego das Browns-Stadion sprengt und der durchaus nicht allen koscher ist. Es spricht einiges danach, als dass sich das Machtgefüge abseits der Trainingsplätze noch einrenken muss. Darin liegt natürlich Sprengstoff.

Abzuwarten bleibt die Qualität des in game-Coachings. Positiv ist, dass Shurmurs „Künste“ nun ein paar hundert Meilen weiter östlich zu bestaunen sind. Aber weder ist Turners Ruf diesbezüglich der beste, noch kommt Chudzinski (Carolina/Rivera, San Diego/Turner) von Stationen, in der gutes PlayCalling an der Tagesordnung stand bzw. erlernt hätte werden können.