New Orleans Saints in der Sezierstunde

Im Wettrüsten der Topteams im Frühjahr 2014 konnten die New Orleans Saints aufgrund ihrer pikanten finanziellen Situation nicht ganz mithalten, aber das heißt nicht, dass sich dieser heimliche Gigant der abgelaufenen Saison untätig geblieben ist. Im Gegenteil: Viel mehr als über New Orleans gibt es über kaum eine andere Franchise zu erzählen.

New Orleans hat ein Problem, das sich seit zwei, drei Jahren abzeichnete, aber unter diversen anderen Geschichten – Bountygate, anyone? – versteckt blieb: Die Salary-Cap. GM Mickey Loomis hat die Blutauffrischung in New Orleans zu lange hinausgezögert und erst spät damit aufgehört, die alten Superbowl-Helden von 2009/10 zu bezahlen. Als Folge fand man sich nach Saisonende 2013 im Fegefeuer der Salary-Cap: Zu wenig Platz um eine echte Einkaufstour auf die alten Tage des Franchise-QBs Drew Brees zu veranstalten, aber noch gerade gut genug aufgestellt um noch nicht alles an die Wand zu fahren.

Überblick 2013

Record        11-5    WC
Enge Spiele    5-3
Pythagorean   10.9     7
Power Ranking  0.751   2
Pass-Offense   7.2     4
Pass-Defense   5.5     5
Turnovers    +/- 0

Management

Salary Cap 2014.

Loomis machte seine Sache gemessen an der Ausgangslage sogar noch relativ gut, entledigte sich einer ganze Latte an Altstars, die nur noch auf dem Zahnfleisch daher gekrochen waren (CB Greer, OLB Smith, DT Coleman, LB Vilma, S Harper, LB Herring waren alle jenseits der 30) oder Leistungsträger, die wie RB Sproles am Scheideweg der Karriere standen. Loomis hielt nur die Routiniers, die er für Minimalgehalt unter Vertrag bringen konnte um die Kaderbreite nicht ganz ausbluten zu lassen, und er schaffte sogar sein Gesellenstück: Die Verpflichtung vom hoch gehandelten FS Jairus Byrd aus Buffalo, der für einen sensationellen Vertrag in den Big-Easy gelockt werden konnte. Angesichts der Cap-Probleme war es alles andere als selbstverständlich, dass ein Team wie New Orleans einen Byrd holen konnte.

Trotzdem: Ein Team, das 13 Mio. für Geister anschreibt („dead money“) und mit Überstunden und dem Zufall einer unerwarteten Anhebung der Obergrenze der Cap-Implosion entgehen konnte, kann man nur mit viel gutem Willen als gut gemanagt bezeichnen. Und so groß der Byrd-Deal ist, so könnte er in einigen Jahren in Form der Cap-Hölle auf New Orleans zurückfallen.

Aber in einigen Jahren wird Brees seine Karriere beendet haben und das Jahrzehnt des Glücks für diese Franchise erstmal ein jähes Ende finden. Was Brees und der Head Coach Sean Payton für diese Franchise bedeuten, kann nur mehr mit Brady/Belichick in New England verglichen werden: Sie machten einen jahrzehntelangen Mitläufer zu einer der Premium-Franchises.

Auch letztes Jahr waren die Saints eines der absolut besten Teams: Mein Power-Ranking spuckte diese Jungs an #2 nur unwesentlich hinter dem Superbowl-Champion Seattle aus. Das ist einen Tick höher als andere Metriken oder der common sense, aber selbst wenn es die Saints etwas überschätzt, so zeigt sich doch die Richtung: Man ist immer noch ein Spitzenteam. Die Effizienz-Statistiken waren wieder gewaltig: 7.2 NY/A für die Pass-Offense, 43% Success-Rate für das Laufspiel, und sogar die ganz große Interception-Orgie konnte diesmal mit nur 1.9% INT-Quote abgewendet werden. Aber die Offense passte eh immer. Die Überraschung des Jahres war die Defense.

Die kassierte ein Jahr nach dem historischen Kollaps von 2012 unter dem neuen DefCoord Rob Ryan ganze 5.5 NY/A gegen das Passspiel, ein nie erträumter Wert für New Orleans. Was ein kompetenter (wenn auch durchgeknaller) Coach und ein paar wohl getimte Neueinkäufe so ausmachen können!

Schlüssel war wohl das Defensive Backfield, respektive die neu geholten CB Keenan Lewis und SS Kenny Vaccaro (Rookie). Lewis kam aus Pittsburgh und konnte als erster Saints-Cornerback seit Porter/Greer 2009 gegenhalten. Mit einem Lewis, der seine Spielfeldhälfte unter Kontrolle hatte, und einem Vaccaro mit seinem fantastischen druckvollen Spiel, kriegt auch der Passrush vorne die drei Zehntelsekunden mehr Zeit um in das Gesichtsfeld des Quarterbacks zu gelangen oder ihn zu sacken, und schon klickt ein Rad in das andere.

Zumal DefCoord Ryan schematisch auch mehr drauf hat als sein Vorgänger Spagnuolo („gib mir die zehn besten Passrusher der Welt und ich lasse sie Pass Rush machen“) und mit seinen vielfältigen Blitzes/Zonenwechseln auch aus bis dato mittelmäßigen Edge-Rushern sehr brauchbare Spieler machte.

In der Offseason wurde diese Secondary noch einmal um zwei Spieler ergänzt: Der eine ist Byrd, der als bester Free-Safety neben Earl Thomas aus Seattle gilt, und als gelernter Cornerback auch ein ganz feines Näschen für Interceptions hat (22 in fünf Jahren). INTs ist aber volatil genug, dass du nicht darauf bauen willst. Byrd brilliert eher in seiner Rolle als tiefer Safety, der trotz seiner relativ langsamen Beine instinktiv genug spielt um der perfekte Partner für Vaccaro zu sein und eine Art Saints-Version der Legion-of-Boom zu kreieren. Sagt die Theorie. Wie es in der Praxis aussehen wird, bleibt abzuwarten. PFF.com hat eine interessante Charakterisierung des Spielers Byrd vorgenommen.

Wenn Byrd wirklich so tief spielt wie PFF andeutet, dürften die Saints auf Cornerback vielleicht doch etwas dünn besetzt sein. Lewis in Ehren, vor dem aus Denver geholten Altstar CB Champ Bailey (der andere der beiden Neuzugänge) den Hut ziehend, aber hinter diesen beiden wird es dünn: Slot-CB White gilt als Sicherheitsrisiko und der einst hoch gedraftete CB Patrick Robinson gilt bisher als Bust. Vielleicht ist der Backup-Safety Bush eine Alternative. Hier böte sich an, noch im Draft nachzubessern.

Der größere Nachholbedarf herrscht allerdings auf Outside Linebacker, wo Junior Gallette zwar zuletzt eine extrem gute Saison spielte (12 Sacks, allerdings „nur“ 39 Successes), aber sein Gegenüber Butler gilt als austauschbar. Manch einer möchte für die Saints außerdem einen weiteren Inside-Linebacker sehen: Lofton und Hawthorne gelten als zu hüftsteif um alle Moves, die Rob Ryan von ihnen verlangt, umzusetzen. Möglicherweise wird hier für die Rotation und einige spezielle Plays nachgebessert.

„Vorne“ hofft man, dass der zuletzt aufgeblühte DE/DT Cameron Jordan keine Eintagsfliege war; Jordan, einstiger Erstrundenpick von Cal, galt lange als Enttäuschung, verbuchte aber von einer schwierigen Position aus (Hauptberuf 3-4 DE) 13 Sacks und bockstarke 46 Successes. Sein Nachbar, NT Broderick Bunkley, ist einer der stillen Helden jeder Footballmannschaft: Überall wo Bunkley spielte, war es mit gegnerischem Laufspiel nicht so doll, aber trotzdem wurde Bunkley Jahr für Jahr an die nächste Franchise weitergereicht. Die Saints hielten ihn nun für ein zweites Jahr en suite. Allenfalls die Tiefe geht dort vorn ab. Vielleicht kann man einen Defense Liner für die Rotation draften.

Diese Abwehr wird vielleicht nicht noch einmal 5.5 NY/A fabrizieren, aber wenn es – sagen wir – um die 6.0 NY/A sind und vielleicht die eine oder anderen Interception mehr (mit nur 2.2% INT-Quote war man mal wieder im untersten Viertel), dann dürfte es reichen um mit der eigenen Offense im NFC-Spitzenfeld zu bleiben.


Ein paar Worte sollte man doch noch über besagten Angriff verlieren. Brees ist ein Hall-of-Famer per Akklamation und mit seiner herausragenden Karriere locker einer der zehn herausragenden Quarterbacks der NFL-Geschichte, aber er konnte bisher stets auf einen sehr runden, breiten WR-Corp bauen – nie den einen großen Superstar-WR, sondern eine ganze Latte an unterschiedlichen Spielertypen, die einander sehr gut ergänzten.

Nur in New Orleans war es einst möglich, dass Brees mit über 5000 Pass-Yards einen Kern bedienen konnte, der nicht einen einzigen Receiver mit mehr als 1000 Yards sah. Allerdings dünnt sich der Kader langsam aus.

Lance Moore (41 Catches) verabschiedete sich gen Pittsburgh. WR Meachem (zuletzt allerdings kaum mehr ein Faktor) wurde erstmal auf den freien Markt gelassen, aber weil er noch keinen Abnehmer fand, ist eine Rückkehr noch nicht auszuschließen. Und mit dem vielseitigen RB/Slot-WR Sproles gehen weitere 80 Catches und eine Portion Kreativität flöten (Sproles wurde nach Philadelphia getradet).

Der beinharte Slot-Bolzen Marques Colston (sah 129 Anspiele, machte 88 Catches) kommt langsam in die Jahre, was man immer dran merkt, dass er College-Football an einer Uni spielte, die längst keine Footballmannschaft mehr hat (Hofstra).

Der einzige junge Wide Receiver mit Versprechung auf mehr ist der letztes Jahr gedraftete Kenny Stills (machte 35 Catches, wurde in 48% der Fälle tief angespielt). Ach, und WR ähhh TE Jimmy Graham ist auch noch da. Graham ist die Schlüsselfigur schlechthin auf den Skill-Positionen: Ein 2m großer ehemaliger Basketballspieler, als Vorblocker nicht zu gebrauchen, aber überall am Spielfeld unterwegs und mit konventionellen Methoden nicht zu stoppen. Graham sah zuletzt „nur“ 140 Anspiele, was eher wenig ist gemessen an seinem Einfluss im Game-Planning. Graham spielt die Mehrzahl seiner Snaps von traditionell früher den Wide Receiver vorenthaltenen Positionen, ist aber von der Art wie er eingesetzt wird, näher am Tight End: Man versucht ihn, gegen Linebackers abzustellen, oder die Linebacker und Safetys mit seiner Präsenz vom Spielgeschehen wegzuziehen.

Graham wird gerade vom Leben gefickt: Erst bekam er von den Saints die Franchise-Tag für Tight Ends übergestülpt und verlor so zirka 5 Mio/Jahr (die WR-Tag ist 12 Mio. wert, die TE-Tag nur 7 Mio.), dann verbot die NFL seinen Touchdown-Zauber.

Für die Saints ist die Situation nicht ganz ohne: Das neue CBA schreibt den Teams vor, dass die Franchise-Tag für die Position vergeben werden muss, auf der der Spieler in der Saison zuvor die meisten Snaps gespielt hat. Das war bei Graham, dem Tight End, trotz allem Wide Receiver. Die Verhandlungen laufen noch, und möglicherweise müssen die Saints ihrem Graham noch entweder die teure Franchise-Tag überstülpen oder ihm einen ca. 10 Mio/Jahr schweren Vertrag anbieten – beides könnte die angespannte Cap-Situation noch soweit strapazieren, dass anderswo ein Leistungsträger dran glauben muss (sprich: entlassen werden muss).

Im Backfield vertraut man neben dem genialen Brees auf die RB-Rotation: RB Thomas ist nicht der stabilste was seine Gesundheit angeht, aber er war eigentlich immer ein grundsolider Ballträger, der zuletzt auch wieder 77 Catches beisteuerte. Der eindimensionale Power-Runner Ingram und der parasitäre Kyrie Robinson ergänzen Thomas – nicht auszuschließen, dass man spät im Draft noch einen weiteren Allrounder holt.

Bleibt die Offensive Line: C De la Puente ging nach Chicago und wurde noch nicht ersetzt. Möglicherweise nach Cornerback die größte Lücke, was sofortigen Nachbesserungsbedarf angeht. Das zweite Fragezeichen betrifft LT Armstead, vor einem Jahr als Rookie mit athletischen Rekordwerten von einer absurd kleinen Uni geholt, aber in seinen ersten Einsätzen ziemlich übermannt. Armstead gilt aber als talentiert und mental stabil genug, dass man ihm die LT-Rolle zutraut. Schlechter, sagt man in New Orleans, als der geschasste Charlie Brown kann es mit Armstead auch nicht werden, und selbst Brown hat es nicht geschafft, unsere Offense in den Abgrund zu reißen.

Die Saints konnten nicht viel gewinnen in dieser Offseason, aber sie machten genau die Moves, die sie machen konnten, um zumindest den Status-Quo zu halten. Zumindest eine Ergänzung auf Linebacker, einen neuen Center, einen #3/#4-Wide Receiver in einem gut besetzten Draft, und der Kader kann wieder als relativ komplett angesehen werden.

Viele Schlüsselspieler dürfen sich zwar nicht verletzten, aber man ist personell und von den Coaches nicht weit von den Giganten des Westens, San Francisco und Seattle, entfernt. Und man hat den besten Quarterback aus diesem Trio.


Nachschub: Der Artikel stammt von Anfang Woche. Da ich auf der momentan „on Tour“ nur begrenzten Internetzugang habe, kann es sein, dass die Saints seither Moves gemacht haben. Sollte das passiert sein, scheinen sie in diesem Artikel nicht auf. Ich bitte darum, von einer verbalen Steinigung abzusehen.

Glaskugel 2012: Dallas Cowboys

America´s Team ist in der öffentlichen Wertschätzung so weit abgerutscht, daß es sogar in der eigenen Division nur noch als Mitläufer gilt. Die Giants haben die Trophäen, die Eagles die größte Klappe und die Redskins haben RGIII. Niemand gibt mehr viel auf das Reich von Jerry Jones und mit zwei Jahren in Folge ohne Playoffteilnahme wird auch Mr. Jones himself so langsam unruhig. Dabei sind die `Boys eigentlich ganz gut aufgestellt. Den Übergang von der Wade-Philipps-Ära zum Jason-Garrett-Regime hat man ohne großen Neuanfang, sondern ganz smooth hinbekommen. Unglücklich war nur die verlorenen Zeit durch den Lockout. Nun sollte mittlerweile Kontinuität eingekehrt sein und auch die individuellen Schwachstellen wurde in dieser Offseason angegangen. Besonders in der Defense.

Cowboys Defense

Rob Ryan ist einer der besseren Defensive Coordinators der Liga. Auf jeden Fall einer der kreativsten und mutigsten. Bei den Lehrvätern Buddy Ryan und Bill Belichick ist das auch nicht weiter verwunderlich. Es ist aber auch eine kompliziertesten, sie benötigt intelligente Spieler und Zeit, um sie zu verinnerlichen. Vor allem letzteres war in der vergangenen Saison, Ryans erster in Dallas, lockoutbedingt sehr knapp. In dieser Offseason wurde auch personell nachgebessert.

Vor allem die Secondary wurde auf links gedreht, weil da nicht viel zusammen gegangen ist. Gegangen wurden daher der nicht ins System passende (und zu teure) CB Terence Newman und der als Safety überforderte Abe Elam, beides Stammkräfte 2011. Der durchaus vorzeigbare slotman Orlando Scandrick und Safety Geral Sensabaugh sind die beiden einzigen, die ihre Positionen behalten werden.

CB Mike Jenkins, der mal ganz hervorragendes Talent gezeigt und dann wieder heillos überfordert wirkte, rückt im depth chart erstmal hinter die große FA-Verpflichtung Brandon Carr und seinen $50Millionen-Vertrag und wahrscheinlich auch hinter Rookie Morris Claiborne, für den die `Boys aggressiv nach oben getradet haben um ihn an sechster Position sicher zu bekommen. Cornerbacks, egal wie talentiert, reißen aber für gewöhnlich nicht besonders viel im ersten Jahr. Daher wäre die Idealsituation für Ryan, daß Jenkins, angestachelt durch die neue Konkurrenz, endlich mal wieder an seinem oberen Leistungslimit spielt.

Neben Sensabaugh, der gefühlt überall spielt, hat sich anscheinend mit einem ganz starken Camp der junge Barry Church durchgesetzt. Insgesamt ist das Defensive Backfield viel besser aufgestellt als letztes Jahr.

Davor spielt mit Sean Lee einer der besten Linebackers gegen den Paß. Der 2nd-rd pick des Jahres 2010 hat nicht besonders schnell gelernt, aber stetig und in der zweiten Hälfte der letzten Saison konnte er den Hype um ihn in der Regel auch mit entsprechender Leistung auf dem Platz rechtfertigen. Neben Lee als ILB haben die Opas Keith Brooking und Bradie James gespielt, für die das neue aggressive System von Ryan zu viel Aufregung auf ihre alten Tage war. Ihre Plätze übernehmen der letztjährige 2nd-rd pick Bruce Carter und Neuzugang Dan Connor. Connor spielt stark gegen den Lauf, aber mit seinem 80er-Jahre-Stil (er heißt nicht zufällig Dan Connor) würde ich ihn keine nickel snaps spielen lassen. Carter hat letztes Jahr nur Special Teams gespielt (glaub ich) ist somit für mich ein absolut unbeschriebenes Blatt.

Die größte Hilfe für die Paß-D spielt aber an den Außen der LOS. DeMarcus Ware und Anthony Spencer sind eines der besten OLB-Duos der letzten Jahre. Ware ist eine angsteinflößende Naturgewalt. Er ist sowas wie ein Jason Pierre-Paul in stark. Er hat in den letzten vier Jahren 66 Sacks gemacht, nur Reggie White hatte mal mehr über einen vier-Jahres-Zeitraum. Er ist der einzige Spieler nach Mark Gastineau, der in zwei Spielzeiten jeweils mehr als 19 Sacks gesammelt hat. Spencer daneben wird gerne mal schlechtgeredet, aber wenn ich ihn sehe, ist er immer recht überzeugend. Nicht überzeugend genug für die Cowboys, die ihn dieses Jahr unter dem Franchise Tag spielen lassen, um sich nochmal zu vergewissern, ob man ihm einen neuen Vertrag geben sollte.

Für denn Fall, daß nicht, wurde in dieser Draft Kyle Wilber in der vierten Runde gedraftet, der Victor Butler mal ein wenig Feuer unterm Hintern machen soll. Butler, 4th-rd pick 2009, hat sich nicht so entwickelt, wie man sich das in Jerry´s World vorgestellt hat. Mindestens einer drei – Spencer, Butler, Wilber – wird nächstes Jahr nicht mehr in Dallas sein. Für Trainer eigentlich immer eine angenehme Situation, Spieler unter solchem Druck zu haben.

Ganz vorne, in der Drei-Mann-Linie der Ryan´schen 34, braucht es auch mehr Konkurrenzkampf. Nose Tackle Jay Ratliff spielt zwar immer noch sehr gut, aber er hat keinen Backup und muß daher unglaublich viele Snaps für einen NT spielen. Weil daneben mit Marcus Spears (immerhin gut), Sean Lissemore (immerhin talentiert) und Kenyon Coleman (immerhin erfahren) kein herausragender Typ dabei ist, wurde in der dritten Runde Boise States Tyrone Crawford gedraftet.

Cowboys Offense

In der defensiven Front Seven hat Dallas also einen gesunden Konkurrenzkampf auf vielen Positionen geschaffen. Auf der anderen Seite hofft Head Coach und Offensive Coordinator Jason Garrett überhaupt fünf Typen zu finden, die man guten Gewissen aufs Feld lassen kann. Das hat viel mit Verletzungen während der Offseason zu tun, aber auch mit mangelnder individueller Klasse und vor allem mangelnder Kadertiefe.

Am ruhigsten schlafen kann man noch mit den beiden Tackles. Der letztjährige 1st-rd pick Tyron Smith, der sich als Rookie ganz anständig gemacht hat, rückt von der rechten Seite auf die linke und soll zum Franchise Player reifen. Doug Free macht den umgekehrten Wechsel und war in der vergangenen Saison immerhin besserer Durchschnitt.

Schedule

Wk1 @ NYG (SNF)
Wk2 @ SEA
Wk3 v TB
Wk4 v CHI (MNF)
Wk5 BYE
Wk6 @ BAL
Wk7 @ CAR
Wk8 v NYG
Wk9 @ ATL (SNF)
Wk10 @ PHI
Wk11 v CLE
Wk12 v WAS
Wk13 @ PHI (SNF)
Wk14 @ CIN
Wk15 v PIT
Wk16 v NO
Wk17 @ WAS

Haarig wird es zwischen Smith und Free. Center Phil Costa hat letztes Jahr mehr Snaps in die Rabatten geschleudert, als ich je von einem Center gesehen habe. Allein in den Spielen, die ich gesehen habe, hat er mindestens fünf 3rd-&24s produziert. Aber es war seine erste Saison als Starter und auch bei anderen Centern kommt das zu Beginn der Karriere immer wieder mal vor. Davon ab war er eigentlich ganz annehmbar.

Daneben als Guards spielen, tja. Man weiß es nicht. Wir hätten da Bill Nagy, der bis zu seiner Verletzung letztes Jahr Starter war, den aber niemand vermissen würde. Außerdem die Neuzugänge Nate Livings und Mackenzy Bernadeau, die beide für einen schmalen Taler verpflichtet werden konnten – weil sie sonst niemand wollte. Und zwei Rookies mit David Arkin (vierte Runde) und Ronald Leary (undraftet). (vielleicht kann uns einer der Cowboys-Fans hier in der Runde berichten, wie die Situation in der OLine gerade aussieht.)

Dahinter laufen sollen Felix Jones und DeMarco Murray – beide nicht erstklassig. Murray wurde letztes Jahr fast als Sensation und Wiedergeburt von Emmitt Smith gefeiert, nur weil er ein paar mal durch speerangelweit offene Scheunentore gerannt ist. In den meisten Spielen hat er keine 4yds/carry erreicht und sah auch nicht besonders explosiv aus. Komisch, daß ausgerechnet viele Cowboys-Fans sich von Zahlen wie „253 Yards gegen St. Louis“ blenden lassen. Denn genau das ist doch vor ein paar Jahren auch mit dem jungen Jones passiert, bis dann augenfällig geworden ist, wie weit er doch den Top-RBs der Liga hinterherhinkt.

Aber schlecht sind die beiden ja nicht mit Lawrence Vickers haben sie jetzt einen starken FB vorgesetzt bekommen. Garrett, als alter Meisterschüler Norv Turners, spielt sehr gerne mit 21 personnell, also mit 2RBs, 1TE und 2WRs. Auch darum machten die Cowboys keine großen Anstalten, unbedingt WR Laurent Robinson zu halten und ließen ihn in die Sümpfe zu Blaine Gabbert ziehen.

Mit Miles Austin und Dez Bryant hat Garrett zwei idealtypische Receiver für sein System. Beiden können alle Routen laufen, beide können sehr gut tief gehen und beide können an guten Tagen jeden CB im 1-v-1 schlagen. Noch ist Austin die NR.1, vom Talent her müßte es längst Dez Bryant sein. Aber dieser Typ scheint dermaßen einen verbuddelt zu haben, daß sich Garrett und Jones nicht mehr anders zu helfen wußten, als ihm allerhand Babysitter und Bodyguards zur Seite zu stellen. Vom Talent her braucht sich Bryant vor niemandem zu verstecken, vom Kopf her scheint er in der Grundschule hängengeblieben zu sein. Aber das sollte man nicht überbewerten. Als WR muß man nicht Atomphysik studiert haben und auch andere Knalltüten – gerade unter den Wide Receivers – waren sehr erfolgreich. Wenn er den Knall jetzt gehört hat, könnten Austin/Bryant als Duo mit Nicks/Cruz in der NFC East mithalten.

Daneben hat Romo mit Kevin Oagletree und Rookie Danny Coale zwei JAGs als Ziele. Mehr braucht Tony Romo auch gar nicht. Romo wird völlig zu unrecht immer so niedergeschrieben. So richtig kann ich das nicht verstehen, aber es scheint wohl damit zusammenzuhängen, daß seine – wenigen – schlechten Würfe und Spiele meistens zur Prime Time kommen und von allen gesehen werden und andererseits QBs, die mit Sternchen verbandelt sind und ihren Urlaub einigermaßen öffentlich in mexikanischen Luxushotels verbringen von Haus aus einen schweren Stand haben in der „Harte-Männer-Welt“ NFL.

Wenn TE Jason Witten dann endlich mal wieder richtig fit wird, ist das auf jeden Fall eine Top-10 Offense, trotz der Schwächen in der Offensive Line.

Ausblick Cowboys

Im Grunde haben die Dallas Cowboys alles, was man braucht, um locker in die Playoffs einzuziehen: einen starke Offense um einen Top-QB und zwei sehr starke WRs; eine starke Defense mit Playmakern in allen Levels (Ware, Lee, Carr) und zwei Coordinators, die viel Erfahrung und eine Ausbildung bei ganz großen Lehrmeistern mitbringen und doch innovativ geblieben sind. Im Weg stehen könnten nur die eigenen Nerven und eine ganz harte Divisionskonkurrenz. Läuft alles glatt, könnte America´s Team eine der großen Überraschungen 2012 werden.

2011/12 Divisional Playoffs – Giants, John Fox, Patriots, Jenkins

Zu den Divsionals nur noch kurze, ungeordnete Beobachtungen, weil wir uns schon ganz auf die Championship Games konzentrieren.

Die New York Giants, die mit ihrem neunten Sieg erst am letzten Spieltag der regulären Saison die Playoffteilnahme eintüten konnten, sind die beste noch verbliebene Mannschaft. Sie haben die beste Defensive Line, drei ganz starke WR und zwei gute Tight Ends und jetzt auch noch völlig überraschend eine starke Secondary. Und sie haben den besten Quarterback. Ohne Scheiß. Eli Manning spielt besser als Tom Brady. Und Brees. Und Rodgers.

Am beeindruckendsten war die Vorstellung der Secondary. Wenn Rodgers mal Zeit zum Werfen hatte, stand er und stand und guckte und guckte und fand einfach niemanden, woraufhin er selber laufen mußte wie Steve Young in seinen besten Tagen. (Oder Alex Smith, wenn bei einem 3rd&7 die Saison zu 99% schon vorbei ist.) Man hat es in der Fernsehübertragung leider nicht gesehen, aber die Giants haben wohl die meiste Zeit eine aggressive Man-Coverage gespielt und den WRs der Packers keinen Fußbreit Platz gegönnt. Wenn doch mal jemand frei war, hingen schon einige G-Men an ihm dran. Green Bay hatte auch noch viel Glück mit den furchtbare Fumble- und Roughing-The-Passer-Calls, ohne die sie zwei Touchdowns weniger gemacht hätten. Dann konnten sie auch noch ein FG blocken und bekamen von den Giants auch noch Geschenke wie einen Kickoff out of bounds. Sehr beeindruckend von Big Blue.

Der Obertrottel dieser Playoffs ist John Fox. Und das hat überhaupt nichts mit Tim Tebow zu tun. In Woche 6 dieser Saison hatte Cowboys Defensive Coordinator Rob Ryan, der alte Belichick-Schüler, einen lichten Moment, als er seine Defensive Backs und Linebackers eine aggressive bumb-and-run-coverage spielen ließ, was die Abstimmung und Antizipation zwischen Brady und seinen WRs fast völlig zerstörte. In den folgenden Wochen haben Steelers, Giants und Jets sich dieser Blaupause bedient und Brady zeitweise recht alt aussehen lassen. Selbst die Chiefs haben mit dieser Einstellung nur 223 Passing Yards zugelassen. Als die ganze Liga also einen Plan hatte, die Patriots-Offense etwas einzubremsen, kamen die Coaching Genies aus Indianapolis und hatten Anfang Dezember eine andere Idee, wir schruben damals nach dem Spiel:

Jeopardy:

– „weiche“ Tampa-2 Defense, ohne Schnörkel, ohne Abwechslung, die CBs und LBs beim Snap mindestens 10 Yards von der Line of Scrimmage entfernt.

Antwort 1) die Lieblingsdefense von Brady, gegen die er so sicher 30 Punkte macht, so lange ein Footballfeld nicht quadratisch ist

Antwort 2) der Gameplan des neuen DC Mike Murphy und HC Jim Caldwell gegen Brady und seine Patriots.

Beides richtig.

Völlig unverständlich, wie ein so erfahrener Mann und Verteidigungsexperte á la John Fox seine Defense genau so auflaufen lassen kann. Daß man dann mit seiner total tollen Zonenverteidigung in Situationen kommt, in denen man Julian Edelman oder Deion Branch doppelt – selbst Schuld. Aaron “YAC” Hernandez und Wes Welker freuen sich. Und irgendjemand in Denver sollte mal “Robert Gronkowski” googlen, den scheint man in Denver nicht zu kennen.

Ebenfalls völlig überraschend, aber im positiven Sinne, war die Vorstellung der Patriots-D. Immer wenn man auf die Namen auf den Trikotrücken schaute, war man überrascht, daß da nicht McGinest, Vrabel, Bruschi oder Harrison stand. Sondern Ninkovich, Spikes, Love und Chung. 14 Negative Plays für die Broncos gegen diese sehr disziplinierte und aggressive Defense. Update von Bill Belichicks Zauberkugel: dieses Mal durfte Safety Sterling Moore – vormals arbeitslos nach Rauswurf aus Oaklands Practice Squad – Cornerback spielen; dafür ging Cornerback Devin McCourty mal wieder auf die Safety-Position, wo er WR Matt Slater ablöste. WR Julian Edelman durfte dieses Mal nur wenige Snaps als Dimeback spielen, weil Safety James Ihedigbo in die Nikckel-Defense durfte. So geht das schon seit Wochen bei den Patriots und man kann sich nicht vorstellen, daß eine jede Woche aufs neue wild zusammengeworfene Secondary irgendwas reißen könnte. Immerhin hat´s für das AFC Championship Game gereicht.

Wir verweisen auch für das Saints/49ers Spiel nochmal ganz unverschämt auf uns selbst. Wir mutmaßten:

Zumindest Davis sollte gegen die in Zonendeckung schwachen LB der Saints Chancen bekommen. Ob QB Smith die dann hinter seiner schlechten O-Line nutzen kann, wird eines der wichtigsten Matchups sein.

Das hat sich wohl auch Defensive Coordinator Gregg Williams gedacht und Vernon Davis von Safety Malcolm Jenkins in Manndeckung nehmen lassen. Jenkins ist kein Hänfling und ausgebildeter Cornerback. Gute Idee von Williams. Nur leider war Jenkins völlig überfordert und hat eine Leistung abgeliefert, mit der er nicht mal einen Platz in New England Secondary bekommen würde. Die restliche Defense sah ganz anständig aus. Allerdings war diese OLine mit diesem Quarterback einfach kein adäquater Gegner für die Blitzes von Williams – wenn man die letzten fünf Minuten des Spiels ignoriert. Bis dahin aber war gar keine Offense vorhanden, weder Lauf- noch Paßspiel und bei jedem dritten Versuch mußte man Angst um Alex Smith´ Leben haben, so oft wie er in den Boden gerammt wurde.

NFL Notizblock Woche 14 SNF Giants/Cowboys

New York Giants (6-6) @ Dallas Cowboys (7-5)

– Q1/9:40: Romo mit elegant eingestolpertem Safety; Jason Pierre-Paul wie so oft mit in den letzten Wochen mit ganz starkem Pass Rush; 2-0 Giants

– RB Bradshaw spielt in der ersten Hälfte nicht, weil er einen Zapfenstreich verpennt hat

– gegen einen der typischen Rob-Ryan-Blitzes wirft Eli Manning einen perfekten 64-Yd-Paß zu Hakeem Nick, FG 5-0 (Q1/7:15)

– Dallas läuft wie das heiße Messer durch die Butter über 80 Yards zum 7-5 (Q1/2:49); im Gegenzug marschieren die Giants ebenso locker über 80 Yards zum 12-7

– RB Felix Jones findet immer wieder dankbare Gegner in den DT und LBs der Giants und erläuft sich immer wieder 5, 6 Yards und es geht 1st Down um 1st Down zum 14-12 (Q2/6:26)

– JPP erzwingt mit beeindruckendem hustle-play den Fumble von Jones – NY Ball an DAL14: JPP spielt schon seit Wochen wie einer der besten DEs der Liga; FG NYG 15-14 (Q2/1:03)

– LT David Diehl sieht mal wieder aus wie einer der schlechtesten Tackles, immerhin hat er in OLB Ware einen Gegenspieler, der viele so aussehen läßt

– Center Phil Costa und RB Murray müssen im Laufe der ersten Hälfte verletzt raus

– Q2/0:15: nach Big Play von WR Laurent Robinson mach K Dan Bailey mit dem FG zum 17-15 den fünften Führungswechsel klar

– Q3/4:30: TD Manningham zum 22-20 nach wildem all-out-blitz und blown coverage; die Defense von Rob Ryan ist sehr komplex und immer wieder sehen einzelne Spieler aus, als wüßten sie gar nicht, was sie machen sollen

– JPP spielt wirklich unglaublich, Dallas versucht trotzdem, ihn 1-v-1 zu verteidigen, was natürlich nicht funktionert

– Beginn viertes Viertel: komisches Spiel bis jetzt, beide Verteidigungsreihen sehen nicht besonders stabil aus

– dann verbrennt WR Robinson den überforderten Rookie Amukamara im eins-gegen-eins und im nächsten Spielzug macht Miles Austin das 27-22 (Q4/12:43)

– Q4/8:24: an DAL 37 spielt New York einen 4th&3 aus und Eli verwandelt; leider wirft er zwei Minuten später seinen einzigen schlechten Paß im vierten Viertel der auch prompt von LB Lee abgefangen und bis an NYG 49 zurückträgt; zwei Spielzüge später verteidigt einfach niemand Dez Bryant, Safety Antrel Rolle macht Urlaub und sieht überhaupt nicht durch – 22-34

– Q4/3:14: TE Jake Ballard macht nach einigen Elite-Pässen (und elite catches von Nicks) den Anschluß-TD zum 29-22; Eli hat in dieser Saison schon 14 TDs im vierten Viertel geworfen und teilt sich diesen Rekord jetzt mit Johnny U und seinem Bruder Peyton

– 3&out Dallas: Romo hatte den Gamewinner auf dem Arm, aber trifft den völlig offenen Miles Austin nicht – das ist eben der Unterschied zwischen Romo und Manning

– Q4/2:12 1st Down NYG an eigener 42; mit 1:27 hat Manningham den sicheren TD nach großartigem Manning-Paß schon zwischen den Handschuhen, bekommt den Ball aber nicht zu greifen; Eli spielt einfach überragend in diesem vierten Viertel – mal wieder; nach dem nächsten starken Paß zu Ballard hat NY den Ball an der DAL 1 mit 60 Sekunden auf der Uhr

– Q4/0:46: RB Jacobs mit dem TD und der 2-pt-Conversion via Draw-play, 37-34 Giants; Eli gewinnt das Spiel fast alleine; 6 Drives in Hälfte zwo – 3 TDs

– mit 6 Sekunden auf der Uhr versenkt K Bailey den Ball zur Verlängerung aus 47 Yards, aber Coughlin hat vorher die Auszeit genommen; im zweiten Versuch block Defensive-MVP Jason Pierre-Paul den FG-versuch – game over.

Das ist das dritte Mal in dieser Saison, daß Dallas einen 12-Punkte-Vorsprung im vierten Viertel verspielt. Dallas ist ein gutes Team, aber eben auch nur das – gut. In der NFL gibt es zu viele gute und vor allem sehr guten Mannschaften, als das man damit besonders erfolgreich sein könnte. Die Giants können jeden schlagen. Sie sind deutlich besser als ihr 7-6-record vermuten läßt. Wenn nicht nur JPP so spielt, sondern auch Tuck noch eine Schipee drauflegt, was er talentmäßig durchaus kann, und Osi Umenyiora wieder topfit ist, kann auch diese Defense wieder jedem Angriff Kopfschmerzen bereiten. In den letzten zwei, drei Spielen hat auch das Laufspiel endlich gezeigt, daß es gar nicht so unterirdisch ist. Mit Nicks, Manningham, Cruz und Ballard hat man dazu Paßempfänger, die immer für ein Big Play gut sind. Und ein Eli Manning in dieser Verfassung kann die Giants überall hin führen…